Die neue Hüller Aromasorte Tango

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BIERVIELFALT G ESELLSCHAFT FÜR HOPFENFORSCHUNG E.V.

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Bittet zum Tanz: souverän, mit Blick nach vorn gerichtet

Die neue Hüller Aromasorte TANGO

Abb. 1: Aromaprofil von TANGO in klassischen Bieren

Mit TANGO kommt ab 2022 eine neue Hüller Aromazuchtsorte auf den Markt, die Hopfenpflanzer wie Brauer überzeugen wird – und nicht zuletzt den Konsumenten. TANGO steht für hervorragende Braueigenschaften, stabil hohe Erträge auch bei Klimastress, verbesserte breite Krankheitsresistenzen sowie für eine nachhaltige, umweltfreundliche Hopfenproduktion. TANGO macht den Hopfenanbau fit für die Zukunft.

Namensgebung

Die Namensfindung für die jüngste Tochter aus der Hüller Züchtung war nicht leicht. Die Gesellschaft für Hopfenforschung bat zusammen mit dem Bayrischen Rundfunk über Social-Media-Kanäle und im Radioprogramm um Vorschläge mit einer passenden Interpretation. Es war klar, die Namensliste für Hüller Aromasorten mit Bezeichnungen für Edelsteine wie Perle, Saphir, Opal und Diamant war erschöpft, sodass man einen neuen Namen suchte. Zugleich sollte eine neue Namensreihe begonnen werden, die den in die Zukunft gerichteten Charaktereigenschaften der Neuzüchtung gerecht wird. Mit einer Liste von möglichen Hopfennamen aus der Welt der Musik für und der ers­ ten Namensgebung „TANGO“ ist dies gelungen. Wie beim Tango, dem temperamentvollen südamerikanischen Tanz, in dem Tempo und Bewegung oft recht abrupt wechseln, meistert die Sorte „TANGO“ souverän die schnell wechselnden Klimabedingungen und Witterungsherausforderungen. Wie die Blicke der Tanzenden, die oftmals nach 24 bier & brauhaus

vorne, in die Ferne gerichtet sind, ist die Sorte „TANGO“ ein Schrittmacher in die Zukunft insbesondere in der Pflanzengesundheit und in punkto Nachhaltigkeit.

Brauqualität in zahlreichen Brauversuchen

Zahlreiche Brauversuche mit TANGO bestätigen das klassische, hopfenty­ pische Aroma (Abb. 1) in traditionellen Bierstilen, wie es Brauer auch bei Hallertauer Tradition und Perle schätzen. Doch neben diesem gefühlvoll-sinnlichen Aromaausdruck beweist TANGO auch seine temperamentvolle und kräftig-aroma­ intensive Seite. Bei späten Hopfengaben bzw. bei der Trockenhopfung erzeugt er ein beeindruckend frisches, fruchtiges, vor allem von Maracujanoten geprägtes Aromaspektrum in Biere (Abb. 2), das sich durch den Einsatz aromaintensiver obergäriger Hefen bzw. Alehefen noch intensivieren lässt. Eine angenehm milde Bittere verleiht schließlich den Bieren eine perfekte Drinkability. Selbst bei sehr hopfenintensiven Bieren aus der Craftbeer-Szene überzeugt TANGO

Umwelt- und ressourcenschonende Produktion trotz Klimawandel

mit einer gut eingebetteten schönen Bittere, die sich nicht aufdrängt und der Aromakomposition des Braumeisters Raum zur Entfaltung lässt. Durchweg fiel den geschulten Verkostern am Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie in Weihenstephan die feinporige und lange anhaltende Schaumkrone bei den Versuchsbieren auf. Die Hopfennote wurde insgesamt als angenehm, sauber und frisch mit Nuancen von grünen Früchten beschrieben. Für Brauzwecke lässt sich TANGO sicherlich multifunktional je nach Aromaphilosophie und Hopfungstechnologie der Braumeister ausrichten. So kann TANGO einerseits als Substitutionssorte im Aromabereich ältere Hopfensorten ersetzen, ohne den klassischen Biergeschmack nachhaltig zu verändern, andererseits stehen mit TANGO aber auch die Türen der Kreativität und der Aromavielflat innerhalb des Reinheitsgebotes weit offen.

Um den Herausforderungen im Hopfenbau rund um Umwelt- und Ressourcenschutz zu entsprechen, verzichtete das Hüller Züchtungsteam bei der langjährigen Sorten-Entwicklung in den Zuchtgärten ganz bewusst auf Bewässerung und minimierte die Düngergaben und beschränkte drastisch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. TANGO ist daher auf Nährstoffeffizienz, Wassereinsparung und auf Pflanzenschutzmittelreduktion hin adaptiert. Aber trotz dieser „low Input“-Strategie überzeugte die Neuzüchtung selbst unter klimatisch extremschwierigen Bedingungen durch „high Output“ mit stabil hohen Erträgen, Alphasäuren- und Ölgehalten. Dies wurde auch in zahlreichen Anbauprüfungen in der Hallertau, in Tettnang, Spalt wie auch in der Elbe-Saale-Region bestätigt. Des Weiteren besitzt TANGO eine bemerkenswert gute Resistenz- und Tole­

Abb. 2: Aromaprofil von TANGO bei später Hopfengabe und Kalthopfung

ranzausstattung gegenüber den gängigen Hopfenkrankheiten und -schädlingen, wie die umfassenden Gewächshaus-, Labor- und Feldprüfungen zeigen. Nur durch diese breite Widerstandsfähigkeit konnte TANGO unter den oben beschriebenen „low Input“-Bedingungen in den Hüller Anbauprüfungen den harten Selektionsprozess über die Jahre hinweg bestehen. In Praxisprüfungen konnte letztlich dieser Züchtungsfortschritt im Bereich Resistenz /Toleranz bestätigt werden, wodurch eine deutliche Reduktion des chemischen Pflanzenschutzes möglich wird.

konnten nicht nur die oben aufgeführten umfassenden Erfahrungen und Erkenntnisse zur Produktion ergänzt werden, sondern auch ausreichend Erntegut für Brauversuche zur Verfügung gestellt werden. Dieses Angebot wurde von vielen inte­ ressierten Mitgliedern der GfH bereits genutzt, wie die zahlreichen eingangs erwähnten und aktuell noch laufende Brauversuche bestätigen.

Jetzt liegt es an den Brauern ihren oft geäußerten Wunsch nach einer nachhaltigen Erzeugung der Rohstoffe mit Leben zu erfüllen und den erreichten Zuchtfortschritt bei Aromahopfensorten schrittweise mit Brauversuchen in die Rezepturen zu übernehmen.

Verfügbarkeit

Durch den auf Hektarbasis durchgeführten Großflächenversuchsanbau

Für Brauer und Hopfenpflanzer ist diese Sorte eine zukunftssichere Alternative zu altbewährten Aromasorten wie Perle und Hallertauer Tradition. Die neue Hüller Aromasorte wurde im Dezember 2020 von der Gesellschaft für Hopfenforschung e. V. unter dem Namen „TANGO“ beim Europäischen Sortenamt angemeldet. Lizenzen zum Anbau von TANGO können bei der GfH erworben werden. Ab Frühjahr 2021 wurde mit dem Flächenaufbau begonnen. Bis genügend Erntemengen für alle Brauer zur Verfügung stehen, können interessierte Brauer versuchsübliche Mengen auf Anfrage über die GfH erhalten. Deutsche Gesellschaft für Hopfenforschung e. V.

Dolde quer

Dolde quer – Schnitt

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