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EIN BAUWERK FÜR DAS HANDWERK Die neue Kommunalwerkstätte


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Impressum Kommunalwerkstätte der Holding Graz Hedwig-Katschinka-Straße 1 8020 Graz Fotocredits S. 2/3, 5 ,14/15, 16, 22, 24/25, 26 (2): Joel Kernasenko S. 5: Helge Sommer (l.), Foto Donner (r.) S. 6, 26/27: Rainer Wührer S. 8/9: Helmut Hiebel S. 10–13: Pläne halm.kaschnig.wührer architekten S. 18/19: iStock: filmfoto,Marccophoto, julief514, DiyanaDimitrova S. 20/21: Oliver Stiger (3), iStock: Pratchaya S. 23: Archiv der TU Graz S. 24/25: www.flaticon.com: Freepik (10), OCHA, Good Ware, Creaticca Creative Agency


DAS WERK IST VOLLBRACHT VORWORT –05–

Dipl.-Ing. Wolfgang Malik

Dr. Gert Heigl

Dipl.-Wirtschaftsing. (FH) Robert Haslinger

Der Standort Sturzgasse ist ein mehr als neun Hektar großes Betriebsgelände der Holding Graz. Es fällt angesichts der hier angesiedelten Aufgaben nicht schwer zu sagen, dass die Liegenschaft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort im Gesamtkonzern eine wichtige Stellung einnehmen. Die Bedeutung des Standortes zeigt sich auch darin, dass hier mittlerweile unterschiedliche Unternehmensbereiche angesiedelt sind. In den letzten Jahren arbeitete die Holding Graz in enger Abstimmung mit der Eigentümerin, der Stadt Graz, ein umfassendes Zukunftskonzept für das Areal aus. Dieser wegweisende Masterplan beinhaltet alle Maßnahmen zur Modernisierung und kundengerechten Optimierung dieses für eine wachsende Stadt wie Graz wichtigen Standortes. Wir freuen uns, dass wir den Grazerinnen und Grazern mit der auch architektonisch gelungenen Kommunalwerk­ stätte nun ein Herzstück des neuen Betriebsstandortes im Grazer Süden präsentieren dürfen.

Graz wächst und damit auch die Nachfrage nach unseren Infrastrukturdienstleistungen. Ich sehe es daher als unsere Aufgabe, unser Angebot ständig zu erweitern und zu verbessern. In den nächsten Jahren werden wir unseren Betriebsstandort im Grazer Süden im Rahmen des Masterplans „Sturzgasse Neu“ zu einem modernen, kundInnen- und arbeitnehmerInnenfreundlichen Areal formen. Mit der neu gebauten Kommunalwerkstätte an diesem Standort ist ein erster Schritt getan. Sie agiert ab 2018 als eine der modernsten Werkstätten in Graz kundInnenorientiert und in Zukunft auch marktwirtschaftlich. Gemeinsam mit dem Architektenteam halm.kaschnig. wührer ist es uns gelungen, an der Adresse Hedwig-Katschinka-Straße 1 ein Schmuckstück moderner Architektur und Technik zu errichten. An dieser Stelle richte ich ein herzliches Danke an das Projektteam und an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommunalwerkstätte für die hervorragende Arbeit.

Als Spartenbereichsleiter der Kommunalwerkstätte war es mir ein besonderes Anliegen, dass Infrastruktur und Arbeitsbedingungen an den modernen Stand der Technik angepasst werden. In der neuen Kommunalwerkstätte finden meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimale Arbeitsbedingungen, die den Anforderungen des ArbeitnehmerInnenschutzes mehr als gerecht werden. Auf einer Arbeitsfläche von 3.600 Quadratmetern können gleichzeitig Wartungs-, Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten für sämtliche Fahrzeuge und deren Aufbauten der Kommunalwirtschaft durchgeführt werden. Damit können wir in Zukunft auf die Wünsche unserer Kundinnen und Kunden flexibel reagieren und dafür sorgen, dass Maschinen und Fahrzeuge stets funktionstüchtig und auf Abruf zur Verfügung stehen. Mit der neuen Kommunalwerkstätte haben wir einen Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden, aber auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen.

Vorstandsvorsitzender

Vorstandsdirektor

Spartenbereichsleiter


halm.kaschnig.wührer architekten Architektenteam

Wettbewerbsentscheidung:  01/2015 Baubeginn:  08/2016 Baufertigstellung:06/2017

Was hat Sie daran gereizt, am ­Wettbewerb zum Bau der ­Kommunal­werkstätte teilzunehmen? Zunächst ist es für uns als Grazer Büro immer von Reiz, unseren Beitrag zu Projekten in der näheren Umgebung zu leisten. Dann ist es auch spannend, an einer nicht alltäglichen Bauaufgabe einer kommunalen Werkstätte zu arbeiten, mit einer herausfordernden Kombination aus zunächst funktionalen Aspekten mit einer baukünstlerischstädtebaulichen Komponente.

Was ist Ihr Leitmotiv beim Planen? Zuallererst der Mensch als Nutzer, als Maßstab für das Gebaute und die Funktion. Dann auch immer der Ort, denn solange gebaut wird, geschieht dies immer an einem spezifischen, auch im gewissen Sinne speziellen Ort, dessen Eigenart im Planungsprozess eine Schlüsselrolle spielt. Und schlussendlich auch die Stimmigkeit mit der gestalterischen Idee, die unseren Entwürfen immer zugrunde liegt.

Wie plant das Büro? Haben Sie bereits ein Bild im Kopf, das Sie dann an die Gegebenheiten anpassen, oder folgt die Idee den Vorgaben?

Die Holding Graz legt bei ihren Projekten besonderes Augenmerk auf Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit. War es dadurch schwer, Ihre Ideen zu verwirklichen?

Wir planen idealerweise im Team. Insbesondere in der Wettbewerbs- oder Entwurfsphase können durch Hinterfragen von scheinbar auf der Hand liegenden Lösungen noch einmal bessere, logischere Konzeptionen entstehen. Das Bild entsteht zunächst im Kopf aus dem konkreten Ort in Überlagerung mit vorgegebenen Parametern. Dann folgt das Bild am Papier, idealerweise noch im Modell, wobei dieser Prozess sich immer wieder wiederholen kann.

Die Frage der Wirtschaftlichkeit ist mittlerweile bei fast allen Projekten eine zentrale, oft nicht zu deren Vorteil. Hier geht es uns eher darum, aufzuzeigen, dass auch die Lebenszykluskosten im Blick behalten werden und die Wirtschaftlichkeit nicht ausschließlich aufgrund der unmittelbaren Investitionskosten bewertet wird. Sicherlich lädt dieser Faktor nicht gerade zur Gedankenfreiheit im Zuge einer Konzeption ein, sondern es sind schon die ersten Entwicklungsschritte von


MEISTER AM WERK IM GESPRÄCH –07–

einer gewissen „Einengung“ getragen. Dadurch steigt auch der Aufwand in der Planung, da verschiedenste Optionen miteinander verglichen werden müssen, um ein Optimum im Ergebnis zu erreichen.

Gibt es vergleichbare ­Werkstätten für Kommunalfahrzeuge und Kommunal­ technik in Österreich? Ja, und im Vorfeld gab es natürlich auch Recherchen zu Best-Practice-Beispielen. Gerade bei sehr spezialisierten Bauten gilt es auch, über den Tellerrand hinauszublicken und über den Stand der Technik im Bilde zu sein. Trotzdem ist dieses wie auch jedes andere Projekt für sich einzigartig.

Infrastruktur und Arbeitsbedingungen der ­neuen Kommunalwerkstätte müssen dem Stand der Technik entsprechen. War diese Vorgabe eine besondere Herausforderung? Wenn ja, warum? Natürlich spielen die technische Ausrüstung und die Ausstattung mit Maschinen eine ungleich größere Rolle als bei anderen Projekten. Die Herausforderung besteht darin, eine

koordinierende Rolle einzunehmen, ohne den Aspekt der Architektur aufgrund vieler scheinbarer Fixpunkte und Zwänge zu vernachlässigen. Gerade aber diese Verknüpfung macht den Reiz einer derartigen Bauaufgabe aus – wenn es nämlich gilt, komplexe und nicht alltägliche Prozesse in eine funktionale und gestalterisch ansprechende Lösung zu übersetzen.

Die Werkstättenhalle besticht durch Transpa­ renz und Offenheit. Wie lässt sich diese Bauwei­ se mit dem Bedürfnis der MitarbeiterInnen nach Sicherheit und Schutz vor Lärm vereinbaren? Es gibt nicht wirklich einen Widerspruch zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit am Arbeitsplatz und der umgesetzten Transparenz und Offenheit – im Gegenteil, auch diese kann durchaus als Grundbedürfnis bezeichnet werden. Hohe Qualität am Arbeitsplatz und der unmittelbaren Umgebung, sei es durch hohen Tageslichtanteil, schallschluckende Eigenschaften der Deckenbauteile oder auch durch die klare Strukturierung der Arbeitsbereiche unterstützen die Zufriedenheit und die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen.

Auch das Thema Nachhaltigkeit ist in der Holding Graz ein wichtiges Thema. Sehen Sie die neue Kommunalwerkstätte als Vor­ zeigeprojekt für nachhaltiges Bauen? Zumindest verfolgen wir in unseren Projekten immer auch das Ziel, nachhaltige Gebäude zu entwerfen. Dies kann sich aber in recht unterschiedlichen Aspekten manifestieren, wie zum Beispiel auch in einer Robustheit der Konstruktion oder in einer offenen Nutzbarkeit von Gebäudeteilen, um auch künftigen Anforderungen gerecht werden zu können, die heute noch nicht abschätzbar sind.

Wie wichtig sind Ihnen bei Ihren Entwürfen die Menschen, die das Gebäude benutzen werden? Wie beim Leitmotiv zum Planen bereits erwähnt, steht der Mensch bei all unseren Projekten ganz oben im Entwurfsprozess. Die funktionale Lösung einer Bauaufgabe besteht immer nur im Zusammenhang mit dem Erfüllen nutzungsbedingter Grundbedürfnisse. Funktionalität und Behaglichkeit sind für uns dabei wesentliche Aspekte jeder Entwurfsaufgabe.


RAN ANS WERK DER STANDORT –09–

Graz wies in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie viele andere Städte auch, ein starkes Bevölkerungswachstum auf. Damit stiegen auch die Anforderungen an die städtische Infrastruktur: Kehricht und Fäkalien fielen vermehrt an und mussten ordnungsgemäß entsorgt werden. Der neu erbaute Fuhrhof am heutigen Standort Sturzgasse 5–7 übernahm als Kommunalbetrieb ab 1909 die Abfuhr von Kehricht und Fäkalien für die Grazerinnen und Grazer. Beides wurde hier angeliefert und über eine Rampe in die Mur entsorgt. Noch heute ist der Standort vielen noch als „Sturzplatz“ in Erinnerung. Angeschlossene Werkstätten erledigten die notwendigen Reparaturarbeiten. Später wurden die Pferdeställe in Garagen umgebaut. Ab 1929 erledigte der neu geschaffene Wirtschaftshof das gesamte städtische Fuhrwesen, die Straßenreinigung und die Müllabfuhr. Die Werkstätten wurden erweitert und entsprechend mit Maschinen und Werkzeugen ausgestattet. Eine weitere Phase erlebte der Standort nach dem Zweiten Weltkrieg: Eingemeindungen führten zu einem erweiterten Betreuungsgebiet. Um den neuen Aufgaben gerecht zu

werden, kaufte der damalige Wirtschaftshof modernere Geräte, erweiterte den Fuhrpark und baute zusätzliche Garagen. Mittlerweile waren mehr als 50 Jahre vergangen, seit an diesem Standort etwas erneuert worden war. Die bestehenden Werkstätten der nunmehrigen Holding Graz waren mit der modernen Fahrzeugtechnik der Kommunalfahrzeuge beinahe überfordert, die räumliche und maschinelle Ausstattung nicht mehr zeitgemäß. Im Jahr 2015 kaufte die Holding Graz daher ein 10.000 m² großes Areal im Süden der Werkstätten an. Das Grundstück, auf dem bis zum Jahr 2000 das alte Puchwerk gestanden hatte und das nun unbebaut war, eignete sich hervorragend als Standort für eine neue Werkstätte. Nach umfangreichen Vorstudien und Bedarfserhebungen ließ der Vorstand der Holding Graz einen europaweit offenen Architekturwettbewerb ausschreiben. Das Architekturbüro halm.kaschnig.wührer architekten mit Sitz in Graz gewann den Wettbewerb Anfang 2015 und startete in Folge mit den weiteren Planungen für eine neue, moderne Kommunalwerkstätte.


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1  Neue Kommunalwerkstätte 2  Veranstaltungsservice Graz Stadtraum 3  Ehemalige Schmiede und Schlosserei 4  Ehemalige Kübelspenglerei 5  Hochgarage 6  Ehemals Lager und Magazin. Im nördlichen Bereich Garagen 7  Umkleideräume 8  Ehemals Büro – Verwaltung der Kommunalwerkstätte 9  Ehemals Kommunalwerkstätte 10 Ehemals Teile der Haustechnik – Elektrik 11 Sandstrahlkabine 12 Firmengebäude von Magna Steyr Fahrzeugtechnik 13 Firma Bios Bioenergiesysteme GmbH


Ansicht Ost

WERK IN PROGRESS

Ansicht West

DIE PLANUNG –11–

KOMMUNALWERKSTÄTTE DER HOLDING GRAZ Ansicht Nord

Ansicht Ost

M = 1:400

KOMMUNALWERKSTÄTTE DER HOLDING GRAZ Ansicht Süd

Ansicht West

M = 1:400

KOMMUNALWERKSTÄTTE DER HOLDING GRAZ

KOMMUNALWERKSTÄTTE DER HOLDING GRAZ

Geprägt von engen Bauplatz­abmessungen, den Vorgaben des Raumprogramms dessenMZusammenhängen entAnsichtund Nord = 1:400 wickelte das Architektenteam im Ansatz eine großzügige, zusammenhängende Raumstruktur. Die Struktur sollte in einer linearen Ausrichtung mit der Möglichkeit einer Durchfahrbarkeit aber auch in der Lage sein, auf unterschiedlichste Anforderungen und Änderungen zu reagieren. In einer keilförmigen Vorlagerung − immer bezugnehmend auf den Grundstückszuschnitt und dieMKonfiguration Ansicht Süd = 1:400 der Bestandssituation − wird, ebenfalls unter dem gemeinsamen Dach, die zentrale Anlaufstelle mit der Disposition und Verwaltung untergebracht. Die Eindeutigkeit in der Verortung am Gesamtgelände lässt einen klaren Mittelpunkt entstehen, der die funktionale Verteilung der Abläufe auch übersichtlich werden lässt.

Die entwickelte Großform wird von einem opaken Bügel gefasst, welcher das Dach und die östliche beziehungsweise westliche Außenwand bildet. Die südlichen und nördlichen Fassaden sind hingegen geprägt von transluzenten und transparenten Bauteilen, um die Halle mit ausreichend natürlichem Licht zu versorgen. Zur Belichtung tief greifender Hallenbereiche hat das Projektteam zusätzliche Oberlichtkuppeln vorgesehen. Abgesetzt von der baulichen Großform der Werkstätte finden südwestlich am Bauplatz die Wertstoffinsel sowie das Gaselager Platz. Das Architektenteam musste bei der Planung auch weitgehende Vorgaben aus der Bebauungsrichtlinie einhalten werden. Daher sind die betrieblich erforderlichen Verkehrs- und Abstellflächen im Freien mit großzügigen Grünflächen und Bepflanzungen durchzogen.


ZENTRALE ANLAUFSTELLE Büros, Archiv, Besprechungsräume

OBERGESCHOSS

E DER HOLDING GRAZ

Grundriss OG

M = ۱:٤۰۰

Metalltechnik

Nutzfahrzeugtechnik

HOLDING GRAZ M = ۱:٤۰۰ TÄTTE DER HOLDING GRAZ Grundriss OG Grundriss OG

KOMMUNALWERKSTÄTTE DER HOLDING GRAZ

Grundriss OG

M = 1:400

M = ۱:٤۰۰ KOMMUNALWERKSTÄTTE


ZENTRALE ANLAUFSTELLE Disposition, Verwaltung Metalltechnik

UNTERGESCHOSS

Prüfstraße

Mechanisches Drehen und Fräsen

Lager

Spenglerei

E DER HOLDING GRAZ

Alternativwerkstätte

Montage

Grundriss EG Reifenlager

M = 1:400

Nutzfahrzeuge und Aufbauten

Waschhalle


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WERK FÜR DIE MENSCHEN FUNKTIONALITÄT UND LOGISTIK –17–

Die konzipierte Gebäudeform als Großform stellt eine dem Standort adäquate Antwort dar, die überdies als funktionale Ableitung der vorgegebenen Funktionen und Module zu sehen ist. Deren Ähnlichkeit in Höhenvorgaben und Flächenbedarf legt eine derartige Verbindung und serielle Anordnung nahe. Zudem konnten so die Anforderungen mit den zumindest in der Lage restriktiven Vorgaben einer gültigen Bebauungsrichtlinie in Einklang gebracht werden. Wunsch der Auftraggeberin Holding Graz war eine zentrale Anlaufstelle für die Lieferantinnen und Lieferanten und für die notwendigen Lagereinheiten. Diese Bereiche wurden nördlich, orientiert zum Grünstreifen, angeordnet. Somit ist auch eine deutliche und unmissverständliche Wege­ führung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Kundinnen und Kunden gegeben. Weiters befindet sich hier an dieser zentralen Stelle auch die Verwaltung mit der Disposition und Auftragsannahme. Auf diese Weise konnten die Architekten die von der Auftraggeberin geforderte Übersicht umsetzen.

Das Hauptlager, das sich in diesem nördlichen Bereich befindet, schließt unmittelbar an die Werkbankflächen an, die ihrerseits direkt mit den Dispositionsflächen verbunden sind. Ein zweigeschoßig offener Mitteltrakt, die Disposition, verbindet die erdgeschoßsigen Werkstättenbereiche mit den Bürobereichen im Obergeschoß. Diese Offenheit lässt eine Kommunikation zwischen Werkstättenbereich und Verwaltung zu. Die in diesem Bereich angeordneten zentralen Anlaufstationen wie der Sozialraum sowie die Getränkeautomaten werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und der Werkstätte gleichermaßen genutzt. Transparenz und Offenheit sind kommunikationsfördernde Instrumente. Diese finden sich in den großzügigen Innenverglasungen der Büros wieder und setzen sich von der Verwaltung bis zur Werkstättenhalle fort. Die Meisterkoje als zentraler Dreh- und Angelpunkt in den Abläufen stellt sich in Position und Ausgestaltung auch als solches Instrument dar.


Thermische Gebäudeeffizienz – Energiekennzahl | Energieausweis Die Vorgaben des Österreichischen Instituts für Bautechnik werden bei den Bauteil-U-Werten (Wärmedurchgangskoeffizient) deutlich unterschritten, und zwar um mindestens 20, teilweise sogar um mehr als 50 Prozent. Auch beim spezifischen Heizwärmebedarf im Energieausweis (HWB*) sind es mehr als 16 Prozent. Mit dem Einbau von Wärmebrückendämmungen ist es gelungen, Wärmebrücken konsequent zu vermeiden oder zu minimieren. Das gesamte Projekt wurde bis zur Ausführungsplanung bauphysikalisch bearbeitet und begleitet.

Effiziente Beheizung Die Werkstätte verfügt über ein Niedertemperaturheizsystem. Die Bodenplatte in der Werkstättenhalle ist aktiviert. Eine Fußboden­heizung sorgt in den Büroräumen im Verwaltungsbereich für die optimale Raumtemperatur. Dabei wird die Temperatur über elektronische Raumregelgeräte geregelt, die direkt in den einzelnen Büros montiert sind. In der Werkhalle regelt eine zentrale

Gebäudeleittechnik die Temperatur über Zonenventile und Referenzfühler. Die Vorteile der Niedertemperaturheizung 1. Die Wärmeverluste sind geringer und damit auch die Anschlussleistung und die Betriebskosten. 2. Die Wärme wird optimal verteilt. In Bodennähe ist es warm, im Deckenbereich kühler – ein Vorteil, der bei einer Heizung mit Warmluft bzw. Deckenstrahler nicht gegeben ist. 3. Mit der Einzelraumregelung wird die Fußboden­ heizung nach individuellem Bedarf reguliert. Damit ist eine effiziente Wärmeabgabe sichergestellt. 4. Aufgrund der Bauteilaktivierung konnte bei den Einfahrtstoren auf sogenannte „Torluftschleier“ verzichtet werden, die bei Werkstättengebäuden üblich sind. Der Vorteil: geringere Anschlussleistung und Errichtungskosten. 5. Die aktivierten Betonbauteile bieten eine einfache, störungsfreie Technik ohne bewegliche Teile und weisen eine Lebensdauer auf, die der Baustruktur entspricht.


WERK FÜR DIE ZUKUNFT NACHHALTIGKEIT –19–

Schutz vor sommerlicher Überwärmung Eine Nachtlüftung und die vorhandenen Speichermassen begünstigen die natürliche Kühlung des gesamten Gebäudes. Der Verwaltungstrakt ist nach Norden ausgerichtet. Zusätzlich wird er mit einem beweglichen, außen liegenden Sonnenschutz konsequent beschattet. Damit gelingt es, der Diffusstrahlung entgegenzuwirken und zugleich auch die Kühlleistung zu minimieren. Der niedrige Kühlbedarf ist im Energieausweis angeführt. Große Dachüberstände im Hallenbereich dienen (auch) zur Beschattung der Hallen­fassade im Sommer. Im Winter wird der solare Eintrag genutzt.

Begrüntes Dach Herkömmliche Dachoberflächen speichern im Sommer die Hitze. Im Gegensatz dazu kühlen Pflanzen durch Verdunstung und Transpiration ihre Umgebung. Die Befeuchtung der Luft durch Verdunstung hat auch positive Wirkungen auf das Mikroklima. Die Begrünung des Dachs hat auf die darunterliegenden Räume eine temperaturausgleichende Wirkung: Die Räume bleiben im Sommer kühler und im Winter wärmer. Außerdem halten Dächer, die begrünt

sind, länger, weil der begrünte Erdaufbau die Temperaturschwankungen ausgleicht.

Photovoltaik Am Dach der Werkstätte ist eine ca. 1.000 m² große Photovoltaikanlage geplant. Mit einer Gesamtnennleistung von 176 kWp wird sie jährlich ca. 180.000 kWh umweltfreundlichen Strom erzeugen. Positiv wirkt sich hier auch die Dachbegrünung aus. Ein begrüntes Dach sorgt für wesentlich niedrigere Umgebungstemperaturen als vergleichbare Kies- oder Foliendächer. Durch die geringere Erwärmung wird eine höhere spezifische Ertragsleistung der Module erzielt.

Dezentrale Warmwasseraufbereitung Das Warmwasser für die Waschhalle wird über einen dezentralen Boiler mit Fernwärme beheizt. Der dafür konzipierte Technikraum befindet sich direkt neben der Waschhalle. Die Vorteile: Es entstehen keine Verteilverluste, die bei einer Zirkulationsleitung anfallen würden, und auch ein Diesel­heizaggregat ist nicht notwendig.


Energiesparende Leuchtmittel In sämtlichen Räumen – auch in den Hallen – kommen energiesparende LED-Leuchtmittel zum Einsatz. Nach Berechnung durch das Ingenieurbüro ogrisek und knopper gmbh beträgt die Amortisationsdauer für die LED-Beleuchtung im Vergleich zur konventionellen Beleuchtung mit Leuchtstofflampen lediglich zweieinhalb Jahre.

Nutzen von Tageslicht Großzügige Lichteintrittsflächen an den Längsfassaden, ergänzt durch einzelne Oberlichter, ermöglichen, dass das Tageslicht optimal genutzt werden kann. Dadurch kann auf künstliche Beleuchtung weitgehend verzichtet werden. Das bringt wirtschaftliche Vorteile, u. a. werden Energiekosten für die künstliche Beleuchtung eingespart. Aber auch die Arbeitsqualität für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat sich deutlich erhöht.

Ökologische Dämm- und Baustoffe Die Bodenplatten sind mit Glasschaumschotter wärmebrückenarm gedämmt. Die Verkabelung der Gebäude besteht

großteils aus halogenfreien Materialien. Rohrleitungen wurden, wo möglich, mit PVC-freien Werkstoffen isoliert.

Robuste und nachhaltige Konstruktion Das Gebäude wurde in Stahlbeton-Fertigteilbauweise, mit einheitlicher Hallen­bauweise und variablem Innenausbau errichtet. Die Hallenstruktur lässt damit auch Anpassungen wie Erweiterungen zu und ist somit in der Lage, auf künftige Anforderungen zu reagieren. Unterschiedliche Baumaterialien wurden sehr reduziert eingesetzt. Auch hat das Projektteam darauf geachtet, Beschichtungen und Verkleidungen sowie geklebte, nicht recycelbare Bauteilschichten zu vermeiden.

Funktionale Effizienz Neben einer in der Struktur und in den Details effizienten Baukonstruktion besticht das Gebäude durch effiziente Betriebsabläufe. Durch die lineare Anordnung der Funktionsbereiche sowie die Zuordnung zu den gemeinsam genutzten Zonen profitieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den kurzen Wegen und einer wohltuenden Übersichtlichkeit.


WERK FÜR DIE UMWELT GEBÄUDEEFFIZIENZ–21–

Sanfte Mobilität  Menschen, die mit dem Fahrrad zur Kommunalwerkstätte kommen, können dieses an einem überdachten Fahrradabstellplatz abstellen. Für E-Autos steht eine eigene Ladestation zur Verfügung.

Zentrale Gebäudeleittechnik Mittels zentraler Gebäudeleittechnik können die Daten sämtlicher Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA-Anlagen) über Fernzugriff geregelt werden. Auch das Aufzeichnen von Trends ist möglich. So kann die Funktionsweise der Anlage laufend optimiert werden. Man kann Fehlfunktionen bei einzelnen Anlagenteilen schneller erkennen und die erforderlichen Reparaturmaßnahmen schnellstmöglich einleiten.

Lärmschutz Ventilatoren auf dem Flachdach der Halle sowie der Einsatz von zusätzlichen Schalldämpfern bei den Abluftrohren sorgen dafür, dass der Lärmpegel in der Halle stark reduziert wird. Die Decke in den Werk­statthallen besteht aus einem

Trapezblech mit gelochten Sicken und schallabsorbierenden Einlagen. Beides sorgt für eine bessere Raumakustik und reduziert den Lärm. Vollflächige Akustikdecken aus Holzwolle sorgen auch in den Verwaltungsbereichen dafür, dass der Schall gedämmt wird. Zusätzlich minimiert eine konsequente Trennung von Halle und Verwaltung über eine Gebäude­trennfuge die Übertragung von Körperschall.

Dezentrale Abluftabsaugung für Abgase und Montagegruben Dezentrale Ventilatoren und moderne technische Absauganlagen sorgen dafür, dass Raumklima und Luft den strengen Vorschriften des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes entsprechen. Alle Arbeitsgeräte sind optimal auf die technischen Anforderungen und die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgestimmt. Der Einsatz von EC-Ventilatoren und Frequenzumrichtern hilft wesentlich dabei, den Strombedarf zu reduzieren. Die Abluftanlagen können bei Bedarf direkt vor Ort ein- und ausgeschaltet werden.


WERK EINES LEBENS HEDWIG KATSCHINKA –23–

In der Gemeinderatssitzung vom 24. Mai 2007 beschloss der Gemeinderat der Stadt Graz, die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Aufschließungsstraße im Bereich des Innovationsparks Puch im Bezirk Gries neu zu benennen. Die Straße wurde der ersten Doktorin der technischen Wissenschaften an der Technischen Universität Graz, Hedwig Katschinka, gewidmet. Die Hedwig-Katschinka-Straße verläuft parallel zur Lagergasse und führt im Norden direkt zur Kommunalwerkstätte auf dem Betriebsgelände der Holding Graz. Die neue Kommunalwerkstätte hat die Adresse Hedwig-Katschinka-Straße 1. Sehr lange Zeit blieb es Frauen verwehrt, eine Hochschule zu besuchen, erst ab 1901 erhielt das Maturazeugnis von Maturantinnen den Vermerk „Reif zum Besuch einer Universität“, doch war die Studienauswahl zunächst eine

eingeschränkte. Jungen Frauen standen zu diesem Zeitpunkt nur die Philosophische (seit 1897) und die Medizinische Fakultät (seit 1900, inkl. Pharmazie) offen. Im Studienjahr 1919/20 durften Frauen dann auch endlich an einer Technischen Hochschule als ordentliche Hörerinnen inskribieren. Nach einem Studium der Technischen Chemie an der TU Wien war die in St. Pölten geborene Hedwig Katschinka (1901–1988) die erste Frau, die an der Technischen Universität Graz einen Doktortitel erlangte. Am 26. Oktober 1926 promovierte sie mit einer Arbeit mit dem Titel „Zur Kenntnis der Dampfdruckkurven binärer Flüssigkeitsgemische“ an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und erhielt den Titel eines Doktors der technischen Wissenschaften. Damit nahm sie eine wichtige Vorbildrolle ein. In den Jahren zwischen 1901 und 2015 erlangten insgesamt 5.365 Studierende dieses Doktorat, nur 652 von ihnen waren Frauen.


37.000

Meter Elektro-Leitung

2.315

Quadratmeter Trapezblechdach

310

LED-LichtQuellen

20

LichtKuppeln

1.230

Kubikmeter Schaumglasschotter

FERNWÄRME-HEIZUNG

DACH-BEGRÜNUNG

PHOTOVOLTAIK

■■250

■■Schutz

■■Modulfläche

KW Leistung

der Unterkonstruktion

■■Niedrig­temperatur­system

■■Lärmschutz

■■geplant

■■Bauteilaktivierung

■■erhöhter

■■Nennleistung

in der Halle – Fußbodenheizung in den Büros

Wirkungsgrad der PV-Anlage

mit ≈1.000 m² ≈175 kWp


461.240 Kilogramm Bewehrung

18.000

2.860

Meter Daten-Leitung

Kubikmeter Stahlbeton

GESAMTKUNSTWERK DATEN UND FAKTEN –25–

Flächen/Kubatur Bauplatzgröße 9.800 m² Gebäudehöhe 9,20 m Bruttogeschoßfläche 3.953 m²

25

FiberglasHubtore

5.495

Quadratmeter Asphalt

In der neuen Kommunalwerkstätte werden Wartungs-, Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an Nutzfahrzeugen und Kommunaltechnik durchgeführt. Dazu zählen u. a.: Abfallsammelfahrzeuge, Fahrzeuge für den Straßendienst und deren Wechselaufbauten für Sommer und Winterdienste sowie moderne Saug-, Kanal- und Spülwägen. Das Angebot umfasst dabei: Standard-Servicedienste, Reparaturen von Fahrzeugschäden, Tätigkeiten im Segment der Kommunaltechnik wie zum Beispiel Auftragsschweißungen an Zer­kleinerungsaggregaten und Containerreparaturen.


halm.kaschnig.wührer architekten 8010 Graz Ziernf eldgas s e 6 9020 Klagenf urt St . Veit er Ring 33 office@halm-kaschnig.at +43-316-819823-0

ogrisek & knopper gmbh

Werkzeuge · Maschinen · Werkstättentechnik

ingenieurbüro für elektrotechnik kärntnerstrasse 525, a-8054 seiersberg tel.: +43 316/225800-0 fax: +43 316/225800-22 mail: post@ib-ok.at www.ib-ok.at

Ingenieurbüro für Gebäudetechnikplanung Energieausweisberechnung europäisch zertifizierter Passivhausplaner

web: mail: tel:

www.saier.co.at office@saier.co.at 0316 22 50 61 -0

Supanz GmbH Mozartstraße 4 · A-6300 Wörgl Tel. +43 5332 / 74 172 · Fax +43 5332 / 75 137 www.supanz.at · info@supanz.at


achtzigzehn | Foto: Joel Kernasenko | 03/2018 | 1. Auflage

Kommunalwerkstätte der Holding Graz Hedwig-Katschinka-StraĂ&#x;e 1, 8020 Graz Tel.: +43 316 887-7272 kommunalwerkstaette@holding-graz.at www.holding-graz.at

Baubroschüre Kommunalwerkstätte  
Baubroschüre Kommunalwerkstätte