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Helios Media GmbH | ISSN 1610-5060 | Ausgabe 06/12 | Oktober 2012 | 7,20 Euro

www.politik-kommunikation.de

Erklärt Harold Burson über den US-Wahlkampf und leere Inhalte. PUBLIC AFFAIRS 36

Bewährt Graf von Nayhauß über Politikersprache und schluderige Medien. MEDIEN 53

Wir wollen rein Bundestag ����


Inhalt

politik&kommunikation 6/12 – Oktober 2012

14 Am Werk

36 Erklärt

53 Bewährt

Ein Jahr bis zur Bundestagswahl. p&k wirft einen Blick auf den Stand der Vorbereitungen – und stellt die ersten Kandidaten vor.

PR-Urgestein Harold Burson über den USWahlkampf, der in seinen Augen keiner ist – und warum Afrika the next big thing ist.

Der Politik fehlt die richtige Sprache, meint Graf von Nayhauß. Im Interview erklärt der Szenekenner, wieso das ein Verlust sei.

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38 Gesetz des Monats Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung 40 Verbrauchte Taktik Das Politikfeld Rüstung von Björn Müller

64 Stimmenfang per Memorystick Der digitale Wahlkampf in Afrika von Markus Brauckmann

8

Meldungen Gute Noten für Angie, Keine homogene Masse

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12 Braucht Deutschland eine neue Nationalhymne? Pro und Kontra von Werner Schulz und Peter Hahne 14 Wahlkampfvorboten Ein Jahr vor der Bundestagswahl von Christina Bauermeister und Felix Fischaleck 16 „Verbrennen kann man einen auch in drei Wochen“ Interview mit Oskar Niedermayer 18 Sie gehen – sie wollen rein Von Wolfgang Thierse bis Michelle Müntefering 21 „Die Euro-Krise hilft allein der Union“ Interview mit Peter Matuschek 22 Die große p&k-Umfrage Alle Namen 32 Der Freund in meinem Bett Der Job des Polit-Bodyguards von Marie-Luise Klose ������ �������

34 Liquid Lobbying Über Lobbying und Beteiligung von Heiko Kretschmer und Wilhelm Konstanciak 36 „Ein inhaltsleerer Wahlkampf“ Interview mit Harold Burson von Marie-Luise Klose

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46 Kompakt 48 Ins Weiße Haus auf Wachswalzen p&k Historie: Teil 12 von Marco Althaus ������

50 Rhetorik ������

52 Kompakt 53 „Ich halte nichts von Twitter und Facebook“ Interview mit Mainhardt Graf von Nayhauß von Felix Fischaleck 54 Bücher und TV 56 Im Normtief Hätte Bundespräsident Wulff zwangsläufig gehen müssen? von Jan Lies und Helen Fischer 58 Machtfaktor Sympathie aus „Psychologie der Macht“ von Michael Schmitz �������������

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66 Die Karrierekurve Wolfgang Clement 68 Dagewesen Bürgerfest des Bundespräsidenten von Christina Bauermeister 70 Personen und Karriere Neue Aufgaben für Yzer und Lüke, Hebeker spricht für Bundstag 74 Ossis Welt Das Politikbilderbuch 76 Gala Die wichtigsten Events 80 Politikkalender Die Top-Termine im Oktober 82 Mein Lieblings... p&k befragt Bundestagsabgeordnete nach dem, was ihnen lieb ist 84 Porträt in Zahlen Dieter Dombrowski ��������

Redaktionstagebuch Liebling des Monats Duellantendämmerung Essay von p&k-Redaktionsleiter Till Schröder 86 Letzte Seite 3 5 6

61 Kompakt 62 Camerons Darling Porträt über Kwasi Kwarteng von Aljoscha Kertesz pol i t ik & kommunikation | Oktober 2012

Fotos: Marco Urban; Tom Müller; Marco Urban

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Liebling des Monats: Peter Altmaier Er hat es geschafft – innerhalb von vier Monaten hat sich der Umweltminister ein Branding verpasst, auf das sogar Karl-Theodor zu Guttenberg neidisch wäre. Er ist nicht nur der Twitter-König (Freut mich, dass ich seit der #HeuteShow so viele Angebote als Bodyguard kriege. Bin insoweit aber leider schon engagiert u absolut treu!),

ewiger Junggeselle („Der liebe Gott hat es gefügt, dass ich allein durchs Leben gehe“), nein er ist auch drauf und dran, zum Mister Energiewende zu werden und damit Philipp Rösler endgültig ins politische Niemandsland zu befördern. Fragt sich, wer oder was das saarländische Bonvivant überhaupt noch stoppen kann? Ein

pol it ik & kommunikation | Oktober 2012

Doktorarbeit hat er nie geschrieben und einflußreiche Freunde lädt er lieber selbst zum Bratkartoffel-Essen in seine Wohnung ein. Dass er sogar richtig lustig sein kann, bewies Altmaier bei einer Konferenz Anfang September. Er habe lange gedacht, er müsse eigentlich mal etwas abnehmen, sagte er dort. Inzwischen sieht der

rund 140 Kilo schwere Saarländer aber auch Vorteile in seinem Gewicht. „Mit meiner Figur kann ich im Winter die Heizung problemlos drei Grad niedriger stellen“. Mit seinem natürlichen Polster könne er auch länger ohne Nahrungsaufnahme auskommen und sei schon deshalb „ein lebendes Beispiel für Nachhaltigkeit“.

3


Kompakt

PU BL I C A F FA I R S

Gute Noten für Angie Deutsche Public-Affairs-Experten bewerten die Arbeit der Bundesregierung ein Jahr vor der Bundestagswahl positiver als noch im Vorjahr. Dies ergab eine Umfrage der Agentur MSL Germany unter 300 Public-Affairs-Verantwortlichen. 60 Prozent der teilnehmenden Befragten bewerten die Regierungsarbeit mit „gut“ – im Vorjahr waren es nur 34 Prozent. Bei der Beurteilung der Regierungsleistung nach Politikbereichen schnitten vor allem die Bereiche Außenhandelspolitik, Wirtschaft und Verteidigung gut ab. Kritisch sehen die Befragten dagegen die Energiepolitik, drei Viertel bewerten sie mit „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Im zweiten Teil der Umfrage beurteilen die Befragten ihre eigene Branche: Dabei kam heraus, dass Unternehmen und Verbände ihre finanziellen und personellen Investitionen in Public-Affairs-Arbeit verstärken. Und: Obwohl Soziale Medien für die Kontaktpflege zwischen Politik und Wirtschaft immer wichtiger werden, erhalten klassische Instrumente des Netzwerkens wie persönliche Treffen oder Parlamentarische Abende weiterhin Vorzug.

Wie beurteilen Sie die Arbeit der Bundesregierung in folgenden Politikbereichen? Sehr gut

Gut

Schlecht

Sehr schlecht

Keine Angabe

WIRTSCHAFT

69

24

5 2

STEUERN

39

37

18

6

ARBEIT UND SOZIALES

60

23

3

15

AUSSENHANDEL

6

66

8

2

18

GESUNDHEIT

35

48

8

8

FORSCHUNG UND TECHNOLOGIE

3

53

29

3

11

BILDUNG

37

44

8

11

11

10

UMWELT

2

35

42

ENERGIE

2

16

44

31

8

VERBRAUCHERSCHUTZ

58

23

6

13

VERTEIDIGUNG

10

61

6

6

16

NETZPOLITIK

48

26

5

21

J U G E ND L I C H E

PETITIONEN

On = Offline

Anonym beschweren

Das Internet ist die Hoffnung fast aller Parteien. Hier hockt die Jugend. Ist man hier aktiv, könne man sich problemlos verjüngen, so die Annahme der Strategen. Eine Studie der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg sieht das differenzierter. Ihr zufolge sind die im Netz politisch aktiven Jugendlichen dieselben, die es auch offline sind. Das Internet ist nur ein weiterer Kanal ihrer Ambitionen. Unter ihnen nehme „symbolische Teilhabe ohne politische Wirkung“ eher zu. Die Befragten nennen häufiger als Grund ihrer Aktivitäten, nur ein Zeichen, aber nicht Einfluss auf das politische System nehmen zu wollen. Die Studie befragte Facebook-Nutzer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren. 4

Der Bundestag hat sein elektronisches Petitionssystem überarbeitet. Numehr haben die Bürger die Wahl zwischen einem Pseudonym und einem Klarnamen, wenn sie eine Beschwerde einreichen. Außerdem wurde die Darstellungs-

weise der Anwendung auf der Webseite des Bundestags optisch übersichtlicher gemacht und mit Zusatzinformationen ausgerüstet, die auf die jeweilige Petition und die Diskussion darüber abzielen. Das neue System erleichtert es zudem, sich barrierefrei am Politikgeschehen zu beteiligen. Die Ausschussvorsitzende Kersten Steinke (Die Linke) begründete die Überarbeitung damit, dass mittlerweile „rund ein Drittel aller Petitionen den Deutschen Bundestag über das Internet erreichen“. https://epetitionen.bundestag.de pol i t ik & kommunikation | Oktober 2012

Screenshot: epetitionen.bundestag.de

Angaben in Prozent. Quelle: MSL Germany Public Affairs Umfrage 2012


SOCIAL MEDIA

FINANZEN

Das Facebook-Experiment

Präsidentenpauschale

Fotos: Garry Knight; Marco Urban; Privat(3); www.marco-urban.de; Privat(2); www.marco-urban.de

ten einen Button „Ich habe gewählt“ anklicken und Informationen zu Wahllokalen in ihrer Nähe abrufen. Das Experiment erfolgte dabei in zwei Versionen. Der Großteil der Teilnehmer sahen die Nachricht kombiniert mit Gesichtern von bis zu sechs zufällig ausgewählten Facebook-Freunden, die zuvor „Ich habe gewählt“ geklickt hatten. Bei 611.000 weiteren, zufällig ausgewählten TestJugendliche nutzen Facebook privat, aber auch politisch teilnehmern fehlte jegWie stark ist der Einfluss von Online- licher Hinweis auf das Klickverhalten der Freundschaften wirklich? Dieser Frage gin- eigenen Freunde. Außerdem bekamen gen Wissenschaftler aus den USA in einem 614.000 Facebook-Mitglieder als Koneinzigartigen Experiment nach, dessen trollgruppe den Wahlappell überhaupt Ergebnisse kürzlich veröffentlicht wur- nicht angezeigt. Dabei zeigte sich, dass der den. Via Facebook forderten sie 61 Mil- Wahlappell eine messbar größere Wirkung lionen Amerikaner auf, wählen zu gehen. hatte, wenn mit dem Bildern eigener FaceAm 2. November 2010, dem Tag der letz- book-Freunde kombiniert war. Die Klickten Kongresswahlen, bekamen sie nach rate von „Ich habe gewählt“ war um 2,1 Prodem Einloggen bei Facebook die Nachricht zent höher als beim Appell ohne Fotos. „Heute ist Wahltag“ angezeigt. Sie konn- www.nature.com

TENEXPER P T IP

Merkel setzt weiter auf Schwarz-Gelb: Wahltaktisch die richtige Entscheidung?

Wolfgang Ismayr (Uni Dresden)

Ulrich Sarcinelli (Uni KoblenzLandau)

Ulrich von Alemann (Uni Düsseldorf)

Altpräsidenten und Ex-Kanzler sollen nach dem Willen der schwarz-gelben Regierung künftig einheitlich mit Personal, Büros und Dienstwagen versorgt werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestags soll im November über diese Frage entscheiden. Bisher gibt es keine gesetzliche Regelung zur Ausstattung. Die Gesamtkosten hierfür liegen derzeit im Durchschnitt bei 280.000 Euro, schwanken jedoch teilweise von Präsident zu Präsident erheblich. Laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ sollen sich die Büros der Altpräsidenten künftig alle im Bundestag befinden. Nach dem Rücktritt von Christian Wulff hatte es Diskussionen darüber gegeben, welche Ausstattung für Altpräsidenten angemessen ist.

Karl-Rudolf Korte (Uni DuisburgEssen)

Wichard Woyke (Uni Münster)

Uwe Jun (Uni Trier)

Peter Lösche (Uni Göttingen)

SPD startet Bürgerdialog fürs Wahlprogramm: Nur Getöse? Piraten im Umfragetief: Muss sich die Partei professionalisieren? Romney postuliert, Obama-Wähler sähen sich als „Opfer“: Kostet ihm der Fehltritt alle Siegchancen? Niederlande nach der Wahl: Fanal für den Rechtspopulismus in Europa?

pol it ik & kommunikation | Oktober 2012

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Kompakt

INTERVIEW

NICHTWÄHL ER I

Hereinspaziert

Keine homogene Masse

So soll das neue Gebäude aussehen

Die Lobbying-Szene bekommt derzeit Zuwachs von Facebook und Twitter. Sind sie die Nächsten in der Reihe? Nein, wir machen kein klassisches Lobbying – auch weil uns dafür die Ressourcen fehlen und weil wir es in den USA aufgrund unseres Stiftungscharakters gar nicht dürfen. Wir vertreten jedoch in der Netzpolitik ganz klare Positionen. Bei der Frage der Standortbestimmung im Internet waren wir beispielsweise die ersten, bei denen die Nutzer aktiv zustimmen mussten, ob sie das wollen. In Deutschland stehen wir als Ansprechpartner für solche Themen ebenfalls bereit. In der Hauptstadt hängen in letzter Zeit auffallend viele Plakate von ihnen? Ein neuer Imagecoup? Nein, wir haben uns erstmals entschieden, in Deutschland auf klassisches Marketing zurückgreifen. Die Leute sollen sehen, wofür wir stehen. Die Kampagne ist auf Themen gerichtet, die den deutschen Internetusern am Herzen liegen: Sicherheit und Privatsphäre. 6

Die Konrad-Adenauer-StifWie stark interessieren Sie sich für Politik? tung räumt in einer aktuel41,3 len Studie unter dem Namen 39 etwas 38 „Dann bleib ich mal weg“ mit den Klischees über Nichtwähler auf. Diese seien keineswegs eine homogene stark 25 24 Masse, heißt es in der Stu21,9 die von Viola Neu. Die Auto17,9 17 rin hat außerdem herausgekaum 17 funden, dass das Bildungs11 10 10 niveau – anders als vermu- sehr stark 9 gar nicht 10 9 tet – auf die Wahlabstinenz 2005 2009 Albus 2012 keinen deutlichen Einfluss Angaben in Prozent. Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung hat. Auch die These, dass der Nichtwähleranteil bei jüngeren Personen der Angestelltenanteil überrepräsentiert geringer sei, konnten die Befragungser- ist. Befragt wurden gut 1500 Personen, die gebnisse nicht klar belegen. Bei der Frage unmittelbar nach den Bundestagswahlen der Erwerbstätigkeit stellte sich gar her- 2005 und 2009 in Umfragen von „infratest aus, dass der Arbeiteranteil unter- und dimap“ angaben nicht gewählt zu haben.

NICHTWÄHL ER II

Bitte wählen! Die Wahlbeteiligung lag bei der Bundestagswahl 2009 nur noch bei 70,8 Prozent – ein historischer Tiefstand. Damit wieder mehr Bürger wählen gehen, plant der Bundestag eine Wahlmotivationskampagne. In der offiziellen Ausschreibung heißt es: „Ziel ist es, mit der Kampagne die stimmberechtigten Bürger zur Wahrnehmung ihres Wahlrechts zu akti-

vieren.“ Für die gesamte Kampagne ist ein Budget von 1,5 Millionen Euro vorgesehen. Bis zum 28. September konnten sich Agenturen um den Auftrag bewerben. Sie sollen Spots für TV, Radio und Internet konzipieren und umsetzen. Außerdem wird vom Bundestag gewünscht, dass die Agenturen Medienkooperationen anbieten können.

ÖKUMENE

Wir sind ein Gott Katholische und Evangeden Aufruf, den die „Zeit“ lische Kirche sollen sich veröffentlichte. Dort heißt wieder vereinen – dies es: „Wir wollen nicht Verist das Ziel der Initiative söhnung bei Fortbeste„Ökumene jetzt – Ein hen der Trennung, sonGott, ein Glaube, eine dern gelebte Einheit im Kirche“. Zu den promiBewusstsein historisch nenten Unterstützern der gewachsener Vielfalt.“ Kampagne gehören die Anlass für die Initiative Politiker Thomas de Maiist der 50. Jahrestag des zière, Annette Schavan Thomas de Maizière Zweiten Vatikanischen und Frank-Walter SteinKonzils in diesem Jahr meier. Insgesamt unterzeichneten 23 Per- sowie der 500. Jahrestag der Reformation sönlichkeiten aus Politik, Sport und Kultur im Jahr 2017. pol i t ik & kommunikation | Oktober 2012

Fotos: Julian Breinersdorfer; Marco Urban

In Berlin will Mozilla 2013 ein Community-Space eröffnen. Ein hipper Name für eine Unternehmensrepräsentanz, was ist das Besondere? Barbara Hüppe: Es wird ein modernes Büro, wie es in vielen Unternehmen der Fall ist mit dem Unterschied, dass bei Mozilla noch immer ein Großteil der Entwicklungsarbeit von Freiwilligen erledigt wird. Für diese Community ist der Raum. Wenn Leute mal einen Tag von uns aus für Mozilla arbeiten wollen, dann gibt es dort Sitzecken und Konferenzräume.


Kompakt

Foto: Cmoulton/ dreamstime.com

Aufgedeckt: Abwrackmarxismus Ein Gespenst geht um, ist die Bilanz des Urheheißt es im kommubers verheerend. nistischen Manifest Als „Umweltprämie“ von 1848. Dem maroummantelt, von Bürden Kapitalismus gern und Medien als schlüge demnächst Abwrackprämie entsein letztens Stündtarnt, stürzten die 2500 lein. Nun wandelt Euro für jeden Autobewieder ein Gespenst sitzer, der seinen Altin der Politik. Dieswagen verschrotten mal könnte es wirkließ und einen neuen lich die WarenwirtMarx wäre stolz kaufte, den Gebrauchtschaft zum Stillwagenmarkt ins Chaos, stand bringen. Die Grünen fordern es erlebte der Neuwagenmarkt zwar eine für alte Fahrräder, um VerkehrsicherSpitze, um danach um so tiefer zu falheit und lokalem Fachhandel unter die len. Die Leute hatten ihren geplanArme zu greifen. Der BUND will es für ten Neuwagenkauf einfach um ein Jahr gereifte Kühlschränke. Die Bahn gar vorverlegt. Und der Umwelt leistete für ihre Flotte altersschwacher Dieselman einen Bärendienst: Die Herstelloks. Und für Umweltminister Peter lung eines Autos verschlingt ein VielfaAltmaier gehören bald alte Heizkessel ches mehr Energie, als der lebenslange zum alten Eisen, dank der SubventioBetrieb. CO2-Einsparung adé. Funktinierung durch den Staat. Die Abwrack- onstüchtiges zu verschrotten, um kurzprämie hebt neuerlich ihr müdes fristig konjunkturell zu verpuffen? Haupt. Es scheint fast, als müsste das Marx würde nur wissend kichern. Was halbe Land abgewrackt werden, nur Kommunisten nicht schaffen, schaffen damit die Wirtschaft brummt. Dabei die Betriebswirte.

BÜRGERBEGEHREN

Bayern ist Spitze Bayern ist Spitzenreiter bei direktdemokratischen Verfahren auf kommunaler Ebene. Zu diesem Ergebnis kommt der zweite Bürgerbegehrensbericht des Vereins Mehr Demokratie. In Bayern fanden 40 Prozent aller von 1956 bis 2011 deutschlandweit durchgeführten Bürgerbegehren und Bürgerentscheide statt. Der Bericht entstand in Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal und der Philipps-Universität Marburg. Er informiert darüber, wie häufig und zu welchen Themen in den Bundesländern Bürgerbegehren und Bürgerentscheide stattfanden. Laut Bericht gab es von 1956 bis 2011 deutschlandweit 5929 direktdemokratische Verfahren. Schlusslicht der Liste ist übrigens der Stadtstaat Bremen, wo über den gesamten Zeitraum nur sechs Entscheide stattfanden.

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Politik

Braucht Deutschland eine neue Nationalhymne? Vielen gilt DEUTSCHLANDS HYMNE als altbacken und historisch überholt. Werner Schulz hätte gerne ein neues Lied. Peter Hahne findet, wir haben eine der schönsten Hymnen der Welt.

Pro

Kontra

VON WERNER SCHULZ

VON PETER HAHNE

989/1990 hätte ich diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantwortet. Vor zwanzig Jahren hatte ich mir vorgestellt, dass man die Vereinigung für eine gründliche Inventur beidseitig der deutschen Grenze nutzt. Die war natürlich besonders im Osten notwendig, aber auch in der Bundesrepublik gab es seit Mitte der 80er Jahre einen regelrechten Reformstau. Es wäre der Mühe wert gewesen, für eine neue Republik eine neue Architektur zu entwerfen. So ist etwa bei der Nationalhymne eine Chance vertan worden. Die DDR hatte eine Hymne, die seit den 70er Jahren nicht mehr gesungen werden durfte, weil sie den Gedanken an Wiedervereinigung enthielt. In Westdeutschland sangen die Demokraten – wenn überhaupt – die dritte Strophe. Die erste hört man bei rechten Aufmärschen und in Fußballstadien. Kein Wunder, dass einige unsere Nationalspieler dann lieber schweigen. Und leider viele es nicht hören wollen. Beim Vereinigungsprozess der beiden Teile Deutschlands hatte ich vorgeschlagen, eine neue Hymne als Verbindung von Beethoven und Brecht zu schaffen: Als Melodie „Freude schöner Götterfunken“ und als Text die „Kinderhymne“: „Anmut sparet nicht noch Mühe“. Das ist nicht überschwänglich und nicht geduckt – genau das, was es für ein neues, bescheidenes Nationalbewusstsein gebraucht hätte. Die Gelegenheit ist vertan worden. Das „Deutschlandlied“ ist Geschichte und beschreibt ein Gefühl des 19. Jahrhunderts. Wer sich damit wohlfühlt, soll es singen. Es steht wie Wagner neben der Rockmusik. Reif ist die Zeit allerdings für eine offizielle Hymne der Europäischen Union. Ein gemeinsames Lied, eine Erzählung für Europa. Beethovens „Ode an die Freude“ hat bis heute keinen Text. 60 Jahre nach ihrer Gründung steckt die Union in einer ihrer größten Krisen. Es geht um den politischen Zusammenhalt oder besser um die Stärkung dieser europäischen Einheit, die soviel Positives für die Menschen geleistet hat. Ein offizieller Text wäre ein weiterer Schritt für eine gemeinsame Verfassung und Festigung Europas.

8

W

as heißt „zeitgemäß“ bei einer Hymne? Etwa diese neue PC-Version der Österreicher, die den „großen Söhnen“ ein „Töchter“ voran setzten und damit auf poetischen Rhythmus und singbare Melodie pfeifen? Zu deutsch: „schwesterlich“ statt „brüderlich mit Herz und Hand“. Ein Fall für Stefan Raab & Co. Nein, wir haben eine der schönsten Nationalhymnen der Welt. Eingängige Melodie, feierlich, erhebend. Und ein Text, der sich auch nach Jahrzehnten noch sehen und singen lassen kann. Im Vergleich zu anderen ein wahrhaft friedlicher Text. Nicht nur bei Fußball-Länderspielen lohnt das Hören anderer Länderlieder. Die Italiener schmettern: „Laßt uns die Reihen schließen, wir sind bereit zum Tod! Italien hat gerufen!“ Fast im selben Jahr, 1841, dichtete August-Heinrich Hoffmann von Fallersleben die schöne Strophe von Einigkeit und Recht und Freiheit, in deren Glückes Glanz das deutsche Vaterland blühen soll. Soll ich das ändern, nur weil eine aufgeregte Sängerin, die wohl den falschen Geschichtslehrer hatte, daraus mal „brüh im Lichte“ machte“? Apropos Geschichtslehrer: Das Lied der Deutschen hat einen wahrhaft revolutionären Dichter, war sozusagen die 68er-Hymne der damaligen studentischen Jugend gegen Fürstenherrschaft und Imperialismus. Klar: der Text der ersten Strophe ist missbraucht worden – wie so vieles in der Welt. Für Hoffmann war sein „Deutschland über alles“ das genaue Gegenteil vom Nazi-Größenwahn. Die Generation, die die „verkehrte“ Strophe heute noch im Geiste mitsingt, ist fast ausgestorben. Lebendig ist die Toleranz und Modernität der „offiziellen“ Hymne. Idealer kann ein Text für die Bürger der Ex-DDR oder mit Migrationshintergrund doch gar nicht sein. Sie könnten den wunderbaren Text eigentlich besonders laut schmettern, auch als Fußballer. Wir brauchen Pädagogen, die die Revolutionsgeschichte von Schwarz-Rot-Gold (Hambacher Fest) und des „Liedes der Deutschen“ (Biografie Hoffmann) lehren. Dann käme keiner auf die Idee, ausgerechnet diese Hymne zu renovieren. Wir brauchen keine neue Nationalhymne, wir brauchen mehr Einigkeit und Recht und Freiheit in unserer Gesellschaft.

Werner Schulz

Peter Hahne

ist seit 2009 EU-Parlamentsabgeordneter. Davor war der Grünen-Politiker 15 Jahre lang Mitglied des Bundestags. Schulz gilt als Querdenker in seiner Partei und fordert seit langem einen Ersatz für die jetzige Hymne.

wurde bekannt über seine frühere Arbeit als Journalist für das ZDF. Heute ist er einer der bekanntesten Publizisten des Konservatismus in der Republik.

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Fotos: Marco Urban; Privat

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Politik

Sie wollen rein Diese Politiker wollen 2013 in den Bundestag gewählt werden.

Der Kreuzberg-Schwabe

Müntes Mädchen

Der Kommissar

Michelle Müntefering: Die Ehefrau von Ex-SPD-Chef Franz Müntefering zieht für die Sozialdemokraten in den Bundestagswahlkampf. Sie tritt im Wahlkreis Herne/Bochum II an, der als Hochburg der SPD und damit als sicheres Sprungbrett in den Bundestag gilt. Die 32Jährige gehört seit acht Jahren dem Vorstand der NRW-SPD an. Mit Franz Müntefering ist die Journalistin, die ihre Ausbildung bei der Parteizeitung „Vorwärts“ machte, seit 2009 verheiratet.

Charles M. Huber: Der Schauspieler, bekannt durch seine Rolle als Polizeikommissar Henry Johnson in der Krimiserie „Der Alte“, kandidiert für die hessische CDU in Darmstadt. Der gebürtige Münchner mit senegalesischen Wurzeln war bisher Mitglied der CSU, will nun aber in die CDU eintreten. Huber wird es jedoch nicht leicht haben, seine Konkurrentin ist die ehemalige SPD-Justizministerin Brigitte Zypries. Seine Themen: Familienpolitik und Bildung.

Der bärtige Hoffnungsträger Christian Kühn: Der 33-jährige Grünen-Politiker mit dem markanten Vollbart wurde am 13. Juli in Tübingen als Bundestagskandidat nominiert. Er soll Winfried Hermann beerben, der 2011 aus dem Bundestag ausschied, um Verkehrsminister in Baden-Württemberg zu werden. Kühn ist seit Ende 2009 Landesvorsitzender der Grünen in Baden-Württemberg. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die Verkehrs-, Umwelt- und Hochschulpolitik. 10

Die grüne Piratin

Der Gewinner-Verlierer

Anke Domscheidt-Berg: Die 44-jährige Unternehmerin, Open-Government-Verfechterin und ehemalige Grüne will für die Piratenpartei in den Bundestag. Sie bewirbt sich um Listenplatz 1 der Piratenpartei Brandenburg.

Jost de Jager: Der Vorsitzende der CDU Schleswig-Holstein will den Wahlkreis Flensburg-Schleswig erobern. De Jager braucht ein Erfolgserlebnis: Trotz des Wahlsieges im Mai, blieb der CDU nur die Oppositionsrolle.

„Kraaaaasss!“

Der Stratege

Florian Simbeck: Der Schauspieler und Fernseh-Reporter ist bekannt durch die von ihm verkörperte Figur „Stefan Lust“ im Comedy-Duo „Erkan und Stefan“. Der 41-Jährige will im Wahlkreis Pfaffenhofen-Freising (Bayern) für die SPD kandidieren. Die Wahlkreis-Delegierten entscheiden am 25. Oktober über Simbecks Kandidatur.

Sebastian Nerz: Die Piratenpartei Baden-Württemberg hat den stellvertretenden Bundesvorsitzenden auf Listenplatz 1 für die kommende Bundestagswahl gewählt. Der 29-Jährige tritt in Tübingen als Direktkandidat an. Zudem leitet er den Wahlkampf der Bundespartei. Dabei braucht der Bioinformatiker vor allem eins: strategisches Geschick.

pol i t ik & kommunikation | Oktober 2012

Fotos: Stephan Roehl; Privat; Microsoft Deutschland GmbH; Pregla; flickr.com; ...; Tobias M. Eckrich

Cem Özdemir: „Yes we Cem” – hieß es 2008, als die Grünen mit großer Mehrheit Cem Özdemir zu ihrem neuen Vorsitzenden wählten. In den Bundestag schaffte es der 46-Jährige ein Jahr später jedoch nicht. Das soll sich vier Jahre später ändern: Özdemir will das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart 1 gewinnen. Keine leichte Aufgabe, denn die CDU ist hier traditionell stark. Den Alltag eines Abgeordneten kennt Özdemir, der in Berlin-Kreuzberg wohnt, nur zu gut, von 1994 bis 2002 saß er für die Grünen bereits im Bundestag.


„Die Euro-Krise hilft allein der Union“ Er ist der Mann der Zahlen: PETER MATUSCHEK leitet beim Meinungsforschungsinstitut Forsa die Politik- und Sozialforschung und ist damit auch verantwortlich für die Wahlumfragen. Im p&k-Interview spricht er über den Last Minute Swing, Wahlmanipulation durch Briefwahl und den typischen Piratenwähler. INTERVIEW: CHRISTI N A B A U E R M E I ST E R UND FELIX F I S C H A L E C K

Foto: Tom Müller

p&k: Die Piraten liegen aktuell in den

Umfragen bei Forsa bei sechs Prozent. Es wird oft behauptet, dass die neue Partei vor allem den Grünen Stimmen wegnimmt. Wie ist Ihre Einschätzung? Matuschek: Das ist unserer Ansicht nach eine Fehleinschätzung. In der politischen Selbsteinschätzung verorten sich die Piraten-Sympathisanten zum Beispiel eher in der politischen Mitte, sogar noch etwas rechts von der SPD, während die Grünen deutlich links von der Mitte liegen. Richtig ist jedoch, dass die Piraten in starkem Maße Erst- und Nichtwähler an sich binden. Diese Ventil-Funktion hatten in der Vergangenheit oft die Grünen inne. Es gibt aber kaum einen direkten Zustrom von ehemaligen Grünen-Wählern zu den Piraten. … also leisten die Piraten sogar einen Dienst an der Demokratie? Zumindest stoßen sie in ein Vakuum und ziehen die mit den etablierten Parteien Unzufriedenen an. Ingesamt muss sich die Politik jedoch Gedanken machen, wie man es den Menschen erleichtern kann, an Wahlen teilzunehmen. Wir hatten ja bei der letzten Bundestagwahl einen Nichtwähleranteil, der sogar noch höher war als bei der ersten Bundestagswahl 1949. pol it ik & kommunikation | Oktober 2012

Forsa-Chef Manfred Güllner hat in einem Interview kritisiert, dass die Briefwahl einer Wahlmanipulation gleicht. Sind Sie der gleichen Meinung? Bei der Briefwahl wird das Prinzip einer Wahl – nämlich einer Entscheidung an einem Stichtag – verwässert, weil man sich während eines Zeitraums von 6 Wochen entscheiden kann, in dem noch viel passieren kann, was Einfluss auf die Wahlentscheidung hat. Außerdem kann – anders als im Wahllokal – der ganze Prozess von der Beantragung der Briefwahl über das Ausfüllen der Unterlagen bis zur Abgabe der Unterlagen überhaupt nicht kontrolliert werden, so dass mannigfaltige Manipulationen möglich sind. 2005 hat Ex-Kanzler Schröder am Wahltag die Demoskopen scharf kritisiert, weil sie die Au�oljagd der SPD nicht erkannt haben. Ist solch ein Last Minute Swing in dieser Wahl ausgeschlossen? Bei der Bundestagswahl 2005 hatten wir die Situation, dass es ein Missverhältnis gab zwischen den Kanzlerpräferenzen der Unionshänger und der Wahlabsicht. Ein Drittel der Unionshänger hatte große Vorbehalte gegenüber der damaligen Kandidatin Merkel. Schröders Beliebtheit in der Bevölkerung hat letzt-

lich den Last Minute Swing für die SPD gebracht. Bei der Wahl im kommenden Jahr sehe ich ehrlich gesagt keinen Kandidaten bei der SPD, der im Moment ähnlich hohe Beliebtheitswerte wie die Kanzlerin hat. Also hilft die Euro-Krise vor allem der Union? Auf jeden Fall. Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich von Angela Merkel gut vertreten, sie macht auf internationalem Parkett eine gute Figur. Auch wenn nicht jeder die Details der Euro-Krise durchschaut, hat man den Eindruck, sie unternimmt das Beste, um Deutschland unbeschadet durch die Krise zu führen. Forsa gilt traditionell als SPD-nah, das Allensbach-Institut als CDU-nah. Woher kommen diese Einstufungen? Ich kenne diese Zuschreibungen natürlich auch. Bei uns ist dies vermutlich durch die ja allseits bekannten Kontakte von Herrn Güllner und Gerhard Schröder entstanden. Solche Zuschreibungen haben jedoch für unsere tägliche Arbeit keine Bedeutung. Wir haben – mit einer Ausnahme – nie direkt für die Bundes-SPD gearbeitet, von daher ist das ein Stempel, der irgendwann entstanden ist. Insgesamt haben wir natürlich, wie andere Institute auch, Auftraggeber aus allen politischen Lagern.  11


Public Affairs

„Ein inhaltsleerer US-Wahlkampf“ I NTERVIEW: MARIE - LU I S E K LO S E

p&k: Im November wird in den USA ein

neuer Präsident gewählt. Sie haben in Ihrem Leben als Public-Affairs-Experte viele Wahlkämpfe miterlebt. Wie hat sich das politische Campaigning in den letzten Jahrzehnten in den USA verändert? Harold Burson: Ich will ehrlich sein: Es ist viel schlechter geworden. Eigentlich ist das, was Obama und Romney treiben, kein Wahlkampf. Es ist eine Inszenierung der Personen, die zur Wahl stehen. Das war in den USA schon immer ein wichtiger Aspekt, aber in diesem Jahr gibt es keine Substanz an Themen mehr. Es ist der nichtssagendste und inhaltsleerste Wahlkampf, den ich in meinem ganzen Leben verfolgt habe. Dafür tragen beide Kandidaten Verantwortung. Sie sagen, die Fixierung auf Persönlichkeiten hätte stark zugenommen. Woher kommt das? 12

Der Internetauftritt der Kandidaten hat einen ganz entscheidenden Teil dazu beigetragen. Rund um die Uhr sind Informationen per Klick verfügbar, private Details werden beliebig verbreitet. Wissen Sie, ich denke, dass diese gesamte Show in den USA übertrieben ist. Sie üben auch Kritik an der Finanzierung des US-Wahlkampfs. Das Geld und die Finanzierung der immer aufwendigeren Inszenierungen hat das System langsam durchfressen. Um überhaupt an Wahlen teilnehmen zu können, bedarf es immenser Spendensummen und die muss man als Politiker erst mal auftreiben. Private Spenden müssten stark reguliert werden, insbesondere von Seiten der Unternehmen, um zu gewährleisten, dass man sich nicht einen Präsidenten kaufen kann. Deshalb sollte es eine öffentliche Finanzierung der Wahlkämpfe geben. Vor über 60 Jahren hat sich BursonMarsteller gegründet. Empfinden Sie

sich als Pionier der Public Relations und Public Affairs? Nein, denn es gibt PR, seit es Sprache gibt. Wenn auch nicht als Dienstleistung. Die Menschen haben schon immer PR genutzt. PR bedeutet nicht mehr als Überzeugungsarbeit. Man will jemanden überzeugen, etwas zu tun oder eine Meinung anzunehmen. Im alten Rom dienten die großen Foren zur Machtdemonstration. Martin Luther hat seine Thesen nicht ohne Grund ausgerechnet an eine Kirchentür geschlagen. Das war öffentlich sichtbare PR in der damaligen Zeit. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich, was wir heute als Dienstleistung kennen. Die Kommunikationsbranche hat mehrere Revolutionen erlebt. Woran merken Sie das in Ihrer Arbeit? Der Nachrichtenfluss ist komplett anders als damals. Im Gründungsjahr 1953 war selbst das Fernsehen noch in den Kinderschuhen. Heute ist es das einfachste der pol i t ik & kommunikation | Oktober 2012

Fotos: Tom Müller

Auch wenn ihm nicht mehr jeder Schritt so leicht fällt wie früher, HAROLD BURSON (91) schaut nahezu täglich im New Yorker Büro seines Unternehmens vorbei. Im September war der Architekt der großen PR-Agentur in Berlin zu Gast und sprach mit p&k über den laufenden US-Wahlkampf.


Public Affairs

Welt, Nachrichten zu versenden, jeder ist dazu in der Lage. Für uns bedeutet das ein wachsendes Arbeitsfeld: Es wird immer schwerer, gehört zu werden, sich mit einer Nachricht im Strudel der Informationen durchzusetzen. Dafür braucht es gute Public-Relations- und Public-Affairs-Arbeit. Inzwischen geht es in unserer Arbeit nicht mehr nur darum, zu kommunizieren und Überzeugungsarbeit zu leisten. Es geht auch um Anlässe. Das wird innerhalb der Branche häufig unterschätzt. Wir bieten unseren Kunden Angebote, die Kommunikation und Anlässe umfassen. Also ist diese Entwicklung gut für Ihr Kerngeschäft? Heute gibt eine wesentlich höhere Beachtung und Wertschätzung der PR. Früher haben nur die großen visionären Unternehmen Agenturen in Anspruch genommen, heute gehört es schlicht dazu. Wir werden gebraucht.

Langfristig wissen wir nicht, ob soziale Netzwerke Segen oder Fluch werden. Wahrscheinlich beides. Vieles ist noch völlig ungeklärt. Urheberrechte, Datenschutz, Grenzen der Werbung. Ein großes Problem ist auch die Verlässlichkeit. Das Verhältnis zwischen Autor und Leser hat sich gewandelt. Es leidet das Vertrauensverhältnis in Bezug auf die Qualität, weil jeder in der Lage ist zu publizieren. Die Arbeit von Burson-Marsteller wurde in der Vergangenheit in einigen Fällen als intransparent kritisiert. Ich stehe voll hinter der Transparenzidee, die sich in unserem Unternehmen inzwischen durchgesetzt hat. Jeder soll wissen, für wen wir arbeiten. Natürlich gibt es auch vertrauliche Informationen zwischen uns und den Kunden, die wir beraten. Wenn ich aber mit einem Dritten spreche, wie jetzt mit Ihnen, dann haben Sie ein Recht zu erfahren, in wessen Interesse ich das tue. Grundsätzlich gilt: Wir

Abtreibungsbewegung, noch die Unterstützer des Abtreibungsrechts. Das ist ein zu emotionales Thema. Das Netzwerk von Burson-Marsteller erstreckt sich über den gesamten Globus, 67 Büros führen Sie weltweit. Wann reicht es Ihnen? Es geht darum, dort zu sein, wo unsere Klienten sind. Wir müssen den anderen immer einen Schritt voraus sein und neue Märkte erschließen. In Afrika tut sich viel, und ich denke dort wird unsere Arbeit in aufstrebenden Staaten zunehmend nachgefragt werden. Mit 91 Jahren sind Sie ein Urgestein in der PR-Branche. In 60 Jahren haben Sie viel erlebt. Welche Aktion verdeutlicht für Sie am meisten, wie PRArbeit funktioniert? Sie werden erstaunt sein (lacht). Ich habe dazu beigetragen, dass aus dem Stadion der Universität von Mississippi die letzten Flaggen der Konföderierten Staaten aus dem Bürgerkrieg entfernt wurden. Das ist in den USA ein heißes Thema gewesen. Rassistische Strukturen waren in den Südstaaten an der Tagesordnung. Wir holten neue Spieler ins FootballTeam der Universität. Sie waren sehr gut – und schwarz. Der Deal, den wir den patriotischen Menschen in Mississippi anboten, war ganz einfach. Sind die Flaggen weg und gebt ihr euren Rassenhass auf, dann bekommt ihr ein besseres Footballteam. Jeder verstand das unterbewusst, es war ein klarer Handel. Das hat mir gezeigt: Die öffentliche Meinung zu verändern ist schwer, aber nicht unmöglich.

Burson-Marsteller Gerade die vernetzte Welt erleichtert die Kommunikation. E-Mails und soziale Netzwerke gehören zum Alltag dazu. Wie verändert das die Arbeit? Neue Medien haben die Anzahl der Möglichkeiten für uns als PR-Unternehmen zu kommunizieren vervielfacht. Unsere Kunden brauchen weit mehr professionelle Hilfe als früher, um ihren öffentlichen Auftritt durch das Labyrinth an Kommunikationskanälen zu manövrieren. Wir erschließen Kanäle und lotsen durch den Informationsdschungel. Das ist gut, aber … … es ergeben sich daraus auch neue Probleme und Herausforderungen? pol it ik & kommunikation | Oktober 2012

arbeiten für niemanden, mit dem sich unsere Kunden und unsere Mitarbeiter unwohl fühlen würden. Das hat sich bewährt. Was genau heißt das? Wo ist die Grenze: Für wen würden Sie generell nicht arbeiten? Wir wurden von Gaddafi gefragt, ob wir für Libyen arbeiten würden. Das haben wir abgelehnt. Prinzipiell betreuen wir keine Schurkenstaaten. Ebenso wenig Themenkomplexe, die derart umstritten und polarisierend sind, dass sich unserer Kunden daran stören könnten und interne Konflikte entstehen. Zum Beispiel betreuen wir in den USA weder die Anti-

ist eine der weltweit größten Public-Relations und Public-Affairs-Agenturen. Im Jahr 1953 gründete Harold Burson gemeinsam mit Bill Marsteller das Unternehmen, inzwischen umfasst das globale Netzwerk 67 Niederlassungen. Seit 1973 ist die Agentur in Deutschland vertreten, mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und einer Zweigstelle in Berlin. Für seine Kampagnenarbeit wurde Burson-Marsteller mit über 125 Preisen ausgezeichnet. Gleichzeitig blieb die Arbeit des Unternehmens nicht frei von Kritik: Ihm wurden verdeckte PR-Praktiken vorgeworfen und die Zusammenarbeit mit fragwürdigen Klienten wie der argentinischen Militärjunta oder Nicolae Ceausescu angeprangert. 13


Mit diesem Plakat wirbt die Bundeswehr in der Jugendzeitschrift „Bravo“

BUNDESWEHR

Mit dem Bund am Strand an der Kampagne kommt unter anderem vom Kindershilfswerk „terre des hommes“ und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Terre des hommes moniert, die Bundeswehr werbe mit Bildern von Strandpartys um Rekruten und verschweige dabei die tödliche Gefahr von Auslandseinsätzen. Der Leiter des Dezernats Per-

BILDUNG

BADEN-WÜRTTEMBERG

Lesehilfe

Umzugshilfe

Im Land der Dichter und Denker hapert es: 14 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung kann keine zusammenhängende Texte lesen. Diesem funktionalen Analphabetismus den Kampf angesagt hat nun auch das Bildungsministerium. Mit „Lesen und Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ startet eine Kampagne, die mit drei emotionalen TV-Spots und Plakaten, gestaltet von A&B One, das Thema enttabuisieren will. Kurze Geschichten aus dem Alltag betonen die helfende Hand von Freunden. Sie weisen auf Angebote wie das ALFA-Telefon. Die Aktion ist Teil der „Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland“ durch Bund und Länder. www.mein-schlüssel-zur-welt.de

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Mit der Kampagne „Zufrieden leben. Garantiert!“ wirbt das Land BadenWürttemberg wieder einmal für den eigenen Standort. Nach „Wir können alles außer hochdeutsch“ garantiert das Bundesland Hinzugezogenen diesmal nichts Geringeres als Zufriedenheit, und das mit Geldzurück-Garantie. Wem es laut Kampagne

sonalwerbung der Bundeswehr, Steffen Stoll, sagt der Tageszeitung „Welt“, das Ziel der Kampagne sei es, Jugendliche auf die Bundeswehr aufmerksam zu machen. Es handele sich jedoch nicht direkt um eine Form der Rekrutierung, so Stoll. www.bravo.de/specials/bw/adventure-camps

in Baden-Württemberg nicht gefalle, bekomme den Umzug bezahlt. Die ersten 50 Teilnehmer, die eine Zufriedenheitsgarantie beantragen, können bis zu 500 Euro Umzugshilfe erhalten. Mit der Kampagne möchte das Staatsministerium Baden-Württemberg Investoren, Unternehmer und hochqualifizierte Arbeitskräfte für einen dauerhaften Umzug in den Südwesten Deutschlands gewinnen. Die Aktion startete am 30. September 2012 und läuft bis zum 15. April 2012. Mitgewirkt an der Kampagne hat die PR-Agentur Zum Goldenen Hirschen. www.bw-jetzt.de pol i t ik & kommunikation | Oktober 2012

Fotos: Bundeswehr; bw-jetzt.de

Nachwuchswerbung einmal anders: Die Bundeswehr umgarnt in Zusammenarbeit mit der Jugendzeitschrift „Bravo“ junge Leute zwischen 16 und 19 Jahren. Die Werbekampagne will Jugendliche mit dem Slogan „Berg- oder Beach-Typ“ für kostenlose „Adventure Camps“ in Berchtesgaden und auf Sardinien begeistern. Kritik


Kampagne

B U N D E S I N N E N M I N I ST E RIUM

Kampagne mit Hindernissen

Fotos: Privat; Initiative Sicherheitspartnerschaft; dein-leben-

Das Bundesinnenministerium (BMI) hat mit der Kampagne „Vermisst“ gegen die Gefahr der Islamisierung keinen Erfolg. Konkret soll diese auf die Beratungsstelle „Radikalisierung“ aufmerksam machen. Seit Ende August gibt es ein Onlineportal, im Laufe des Septembers folgten Anzeigen in Printmedien und eine Postkartenaktion. Höhepunkt sollte eine Plakataktion in Berlin, Bonn und Hamburg werden. Die Motive werben mit den Bildern junger Migranten im Stile von Vermisstenanzeigen. Die Plakatation wurde aber gestoppt. Offizielle Begründung: Die derzeitige weltweite Unruhe unter Muslimen wegen eines islamfeindlichen Schmähvideos. Doch die Kampagne erntet seit Beginn Kritik. SPD und Grüne kritisieren die Aktion als unsensibel und plump. Der heftigste Widerspruch kommt von muslimischen Ver-

Es geht um Inhalte

bänden, wie der „Türkischen Gemeinde Deutschland“. Diese intervenierte sogar mit einem Brief bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und den Vereinten Nationen gegen die aus ihrer Sicht „stigmatisierende“ Kampagne. Träger der Kampagne ist die „Initiative Sicherheitspartnerschaft“, die vom Bundesinnenministerium gesponsert wird. www.initiative-sicherheitspartnerschaft.de

PFLEGE

JUGENDORGANISATIONEN

Eltern auf Zeit

Mitmach-Jusos

„Pflegekinder machen dein Leben bunter“ – mit diesem Slogan will der Kinder- und Jugendhilfe Verbund BerlinBrandenburg in den Bezirken Lichtenberg und Neukölln neue Pflegeeltern gewinnen. Kooperationspartner sind das Jugendamt Berlin-Neukölln, die Initiative Gesundes Neukölln und das Jugendamt Berlin-Lichtenberg. Die Kampagne wirbt mit fünf verschiedenen Plakatmotiven. Darauf zu sehen sind auch gleichgeschlechtliche Paare und Alleinstehende. Die Kampagne entstand durch die Unterstützung von freiwilligen Helfern, sie wird nicht von einer Agentur betreut.

Die Jusos in Thüringen wollen mit der Kampagne „Alles was ich will“ ihr politisches Programm für die kommenden Landtagswahlen entwickeln. Diese finden zwar erst 2014 statt, aber die jungen Sozialdemokraten versprechen sich durch die lange Phase eine effiziente Themenauswahl. So soll die Mitgliedergewinnung verbessert werden und ein überzeugendes Juso-Programm entstehen. „Alles was ich will“ hat drei Stufen und soll über eine eigene Internetseite, Plakate, T-Shirts und Kartenaktionen beworden werden. In der ersten Phase seit Anfang September sammeln die Jusos über Fragekarten Ideen bei Jugendlichen. Diese dienen in Phase zwei als Basis für eine Jugendbefragung in ganz Thüringen. Markus Giebe, JusoChef im Bundesland: „Die dritte Phase dient dann der Ideen-Konsolidierung für ein unser Programm zur Wahl 2014.“ Die Kampagne finanzieren und gestalten die Jusos in Eigenregie.

pol it ik & kommunikation | Oktober 2012

KAMPAGNENTRENDS

Gefühlte 80 Prozent aller Kandidatenwebseiten beschreiben den aufstrebenden Politiker als eine Kombination von „lösungsorientiert“, „zielstrebig“, „erfahren“ und dynamisch. Illustriert werden die Schlagworte jeweils durch ein nettes Porträt oder eine Aufnahme vom Politiker – vielleicht sogar mit Familie oder Freunden vor einem lokalen Wahrzeichen. Alles andere, werden die meisten gar nie mehr sehen. Zu schnell ist der Browser zu und die Webseite weg. Die Zugriffszahlen sind auch entsprechend. Und wenn jemand beim Profi um Rat fragt, wird gerne eine SEO, eine „Search Engine Optimisation“ empfohlen – also eine Optimierung der Findbarkeit durch Google. Und das zielt völlig am Problem vorbei. Diese Webseiten werden nicht aus technischen Gründen nicht gefunden. Sie bieten schlichtweg keine relevanten Inhalte – oder verstecken diese in Seitenlangen Positionspapieren. Wieso soll dann auch jemand kommen? Abhilfe schafft nur eines: Investieren Sie Zeit und Geld in ihre Inhalte. Fassen Sie ihre wichtigsten Forderungen kurz und verständlich zusammen, lassen Sie zentrale Fakten doch einmal durch einen Graphiker nett aufbereiten. Und das gilt weder nur für die Website noch nur für Kandidaten. Wenn Sie gesehen werden wollen, müssen Sie etwas bieten. Ob auf der Webseite der Orts- oder Kreispartei, in den Sozialen Medien und natürlich auch auf ihrem Flugblatt. Lorenz Keller ist Inhaber der barracuda digitale agentur und berät Parteien, u. a. die SPD Nordrhein-Westfalen, und NGOs. Mit anderen Autoren hat er 2009 das Online-Projekt Kampagnenpraxis gestartet. www.kampagnenpraxis.de Für p&k analysieren die Autoren der Arbeitsgemeinschaft für Online-Kommunikation „Kampagnenpraxis”, wie Politiker das Internet für ihre Kampagnen nutzen können.

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O N L I N E -TA L K S H O W

ZEITSCHRIFTEN

Let’s talk about it!

Kulturfledderer

Die US-Wahl rückt immer näher. Am 6. November entscheiden die US-Bürger über ihren Präsidenten. „Bild.de“ widmet der Wahl eine eigene Online-

Talkshow namens „US-Wahl inside“. Die Protagonisten: Béla Anda, „Bild“Politikchef, und Axel Wallrabenstein, Chef der PR-Agentur MSL Germany. Seit dem 20. September disktutieren die beiden Politikexperten wöchentlich über aktuelle Aufreger des US-Wahlkampfs. In der ersten Folge ging es um die Wählerbeschimpfungen Romneys und die geeignete Krisen-PR.

Ärger in Nordrhein-Westfalen: Die Piratenpartei lieferte sich eine heftige Auseinandersetzung mit der Zeitschrift des Deutschen Kulturrats „Politik & Kultur“. Diese legte in ihrer Herbstausgabe ein Plakat der Initiative „Ja zum Urheberrecht“ bei. Darauf zu sehen sind leblose Körper auf dem Obduktionstisch, ein Arzt mit Anonymus-Maske entnimmt ihnen das Herz. Mit der Kampagne setzt sich die Initiative für einen besseren Schutz der Urheberrechte im Internet ein. Diese seien von existenzieller Bedeutung für Kunstschaffende. Die Piratenpartei forderte die Rücknahme des Plakats, es sei zu drastisch und würde ein falsches Bild der Diskussion um die Reform des Urheberrechts in Deutschland zeichnen. Der Kulturrat verteidigte die Aktion, das Plakat mit Titel „Kulturfledderer“ werde nicht zurückgezogen.

www.bild.de/video/clip/us-wahl-inside

www.kulturrat.de

„US-Wahl inside“

Foto: Syndikat/ Armin Zedler / Screenshot: US Wahl Inside

Medien

Dieses Plakat sorgt für Ärger

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„Ich halte nichts von Twitter und Facebook“ Er ist der Grandseigneur des deutschen Journalismus, bekannt vor allem durch seine Kolumnen. p&k sprach mit MAINHARDT GRAF VON NAYHAUSS über die Sprache der Politiker. INTERVIEW: FELI X F I S C H A L E C K

Foto: Tom Müller

p&k: In dem von Ihnen herausgegebe-

nen Buch „Kauderwelsch – Die Sprache der Politiker“ geht es um Worthülsen und Sprachverschleierungen von Politikern und Journalisten. Hat das Kauderwelsch in den vergangenen Jahren zugenommen? Nayhauß: Es hat definitiv zugenommen, was insbesondere mit den Fremdwörtern und Anglizismen zu tun hat, die immer mehr Einzug in unsere Sprache gefunden haben. In der Bonner Republik war das noch anders, man denke nur an den ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner, der sehr direkt gesprochen hat. Ein Beispiel: Er bezeichnet einmal in einer Wahlrede Walter Hallstein, damals Staatssekretär im Auswärtigen Amt, als „Mann ohne Herz und Hoden“. Tragen die Journalisten eine Mitschuld am Kauderwelsch? Nein, nur in dem Sinne, dass sie ungefiltert Kauderwelsch-Deutsch übernehmen und schreiben. Wenn etwa Frau Leutheusser-Schnarrenberger davon spricht, dass es zwischen der FDP und den Grünen mehrere Schnittstellen gibt. Warum sagt Sie nicht einfach Gemeinsamkeiten? Eine solche Ausdrucksweise wird leider von vielen Kollegen übernommen. Genauso dieses dämliche Wort vom Amtskollegen. Wenn Merkel den britischen Premier besucht, dann schreibt die dpa, dass Sie das beim Amtskollegen tut, wobei man sich dann fragt, in welchem Amt sitzen sie denn zusammen, im Kanzleramt oder in Downing Street No. 10? Wer schafft es, eher eine verständliche Sprache zu sprechen – der Boulevard oder die Qualitätsmedien? Eine klare Sprache finden Sie in der „BildZeitung“, wo es darauf ankommt, kurze Sätze zu bilden und Fremdwörter zu vermeiden. Ich war ja nun 30 Jahre als Kolumnist dabei und habe mich eben auch an diese Sprachregelung gehalten. Während Sie in der FAZ im Kommentar Sätze finpol it ik & kommunikation | Oktober 2012

den, die über 29 Zeilen gehen – ein Satz! Gerade die sogenannte qualitative Presse neigt dazu, kein klares Deutsch zu schreiben. Sie kritisieren in ihrem Beitrag des Bands auch die heutzutage vorherrschende „Political Correctness“. Was genau stört Sie daran? Es ist wichtig, dass man die Dinge beim Namen nennt. Wir hatten ja bei Guttenberg den Fall, dass er als erster die Bundeswehreinsätze in Afghanistan als kriegsähnliche Aktionen bezeichnete. Kauderwelsch wird oft auch dazu benutzt, um eine Tatsache zu verschleiern oder zu umschreiben. Welche Auswirkungen haben die Neuen Medien auf unsere Sprache? Auf die Sprache wird nicht mehr der Wert

gelegt, den sie eigentlich verdient. Gerade im Internet finden Sie immer mehr Anglizismen und Abkürzungen vor. Wenn das ZDF ein Hashtag einrichtet, warum sagt man nicht einfach Verbindungszeichen. Ich halte nichts von Twitter und Facebook, aus dem einfachen Grund: Ich hab genug Möglichkeiten, um mich schriftlich zu verbreiten. Außerdem sind die Gefahren des Missbrauchs dieser Form des Internets einfach zu groß. Würden Sie Politikern raten, auf Facebook aktiv zu sein? Darüber habe ich mir noch zu wenig Gedanken gemacht. Politiker sind auf Facebook zusätzlichen Beleidigungen ausgesetzt. Oft wird von Ihnen auch nur Mist verbreitet, wie „ich bringe jetzt meinen Anzug in die Reinigung“. Wen interessiert das eigentlich? Da geht es nur um das Selbstdarstellungsbedürfnis von Politikern. Um mit etwas Positivem zu enden: Welche Politiker sprechen eine vorbildhafte Sprache? Richard von Weizsäcker und Roman Herzog kann man hervorheben. Ersterer hat mit seiner Rede zum Jahrestag der Kapitulation die richtigen Worte gefunden und Roman Herzog mit seiner bekannten Ruck-Rede. Ich würde auch Hans-Dietrich Genscher dazuzählen. Von der heutigen Politiker-Generation fällt mir SPD-Chef Gabriel positiv auf. Das hängt sicherlich auch mit seinem erlernten Beruf als Lehrer zusammen.

Mainhardt Graf von Nayhauß wurde 1926 in Berlin geboren. Seine journalistische Laufbahn begann er bei den „Nachrichten für Außenhandel“. Danach schrieb Nayhauß unter anderem für „Spiegel“, „Bunte“, und „Bild“. Seit November 2011 ist er Herausgeber für die Edition-Lingen-Stiftung. Dort erschien vor Kurzem das Buch „Kauderwelsch – Die Sprache der Politiker“. 53


Medien

������ � �� Literatur über politische Kommunikation steht hoch im Kurs. Doch welche Bücher sind empfehlenswert? p&k stellt jeden Monat NEUE PUBLIKATIONEN vor. Außerdem: Welche politischen TALKSHOWS konnten mit ihren Themen punkten – und wo blieb die Qualität auf der Strecke?

Verstand

Bestand

Anstand

Oskar Niedermayer (Hg.): Die Piratenpartei, Springer VS, Wiesbaden 2012. 257 Seiten, 19,95 Euro.

Adrian Teetz: Krisenmanagement. Rational entscheiden – Entschlossen handeln – Klar kommunizieren. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2012. 215 Seiten, 39,95 Euro.

Stephan Malessa: Beruf – Politik – Transparenz. Nebentätigkeiten-Regeln für Bundestagsabgeordnete im int. Vergleich. Springer VS, Wiesbaden 2012, 362 S., 49,95 Euro.

Worum geht es? Um die Anfänge, die bisherigen Erfolge und die Zukunftsaussichten der Piraten. Wer hat es geschrieben? Oskar Niedermayer ist Professor für Politikwissenschaft am Otto-SuhrInstitut der Freien Universität Berlin. Was ist der beste Satz? „Vielleicht schneller als erwartet, könnte sich die Frage nach einer Regierungsbeteiligung stellen, die zu kontroversen innerparteilichen Diskussionen führen könnte.“ Was sagt die Redaktion? Eine umfassende Analyse der Partei, die vor allem für Parteienfoscher und Mitglieder der Piraten ein Gewinn sein dürfte.

Worum geht es? Kommunikationsverantwortliche erhalten Tipps, wie sie Krisen am besten meistern. Wer hat es geschrieben? Adrian Teetz ist Strategie- und Organisationsberater. Er lehrt unter anderem an der Deutschen Akademie für Public Relations. Was ist der beste Satz? „Ein Dementi ist nur dann zweckmäßig, wenn es über die Qualität verfügt, die einsetzende öffentliche Debatte sofort zu beenden beziehungsweise im Sinne eines ‚schlagenden Beweises‘ wirksam zu deeskalieren.“ Was sagt die Redaktion? Nützlicher und praxisnaher Ratgeber für Führungskräfte und Manager.

Worum geht es? Um die Frage, wie sich die Veröffentlichung der Nebeneinkünfte – 2005 wurde das deutsche Abgeordnetengesetz verändert – auf das politische System auswirkt. Wer hat es geschrieben? Stephan Malessa ist Politikwissenschaftler, Journalist und Pressesprecher. Was ist der beste Satz? „Die potenzielle Gefahr, dass Nebentätigkeiten korruptive Züge bekommen, ist aber virulent.“ Was sagt die Redaktion? Die Studie ist sowohl für Parlamentarismusforscher als auch Transparenz-Verfechter aufschlussreich, gerade durch den internationalen Bezug.

KASSENSCHLAGER

Was liest die Macht? Regelmäßig stellt die Parlamentsbuchhandlung in der Wilhelmstraße die am häufigsten verkauften Bücher vor.

Böse Lobbyisten Ines Pohl (Hg.): Schluss mit Lobbyismus. 50 einfache Fragen, auf die es nur eine Antwort gibt. Westend-Verlag, Frankfurt am Main 2012, 224 Seiten, 14,99 Euro.

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ren zeigen anhand von 50 Beispielen, wie einflussreich Lobbyisten sind und wie man ihnen Einhalt gebieten kann. Sie fordern: Mehr Transparenz bei den politischen Entscheidungsfindungen und Schluss mit den illegitimen Auswüchsen des Lobbyismus.

Ben Maderspacher Inhaber der Parlamentsbuchhandlung service@parlamentsbuchhandlung.de

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Foto: Privat

Die Chefredakteurin der „taz“, Ines Pohl, und die anderen Autoren des Buchs, überwiegend „taz“-Redakteure und freie Journalisten, zeichnen ein negatives Bild der professionellen Interessensvertretung. Ihre Thesen lauten: Tagtäglich versuchen Lobbyisten auf verschiedenen Ebenen die Interessen kleiner Gruppen gegen das Gemeinwohl durchzudrücken. Mit allen Mitteln versuchen sie, ihre Profite durch Einflussnahme auf politische Entscheidungsprozesse zu steigern. Die Auto-


NIELANDS

Das digitale Dilemma

TV RÜCKBLICK Tieferer Tiefpunkt

Oliver Bendel: Die Rache der Nerds. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz und München 2012. 296 Seiten, 19,99 Euro.

VON BENJAMIN V O R H Ö LT E R

Foto: Privat

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ie Rache der Nerds – das klingt nach einem virtuellen Horrorszenario. Gemeine Computer-Freaks regieren die Welt und verbreiten Angst und Schrecken. Sie arbeiten für mächtige Internet-Konzerne. In ihrem Namen saugen sie Daten ab, überwachen unseren Alltag und machen uns zu ihren Sklaven. Ähnlich kritisch, dafür weniger hysterisch, beschreibt Oliver Bendel in seinem neuen Buch die Mängel der modernen Informationsgesellschaft. Es trägt den reißerischen Titel „Die Rache der Nerds“. Trotzdem ist Bendels Werk alles andere als ein kulturpessimistisches Pamphlet, das sich gegen den technologischen Fortschritt auflehnt. Der Autor beleuchtet kritisch den Umgang mit digitaler Kommunikationstechnologie. Mit zahlreichen Beispielen führt Bendel dem Leser vor, wie wir zu Opfern einer Massenbewegung werden. Ob neue Betriebssysteme, bessere Software, Soziale Netzwerke, oder Cloud Computing, mit jedem digitalem Fortschritt begeben wir uns laut Bendel in Abhängigkeiten, die schwer zu beseitigen pol it ik & kommunikation | Oktober 2012

seien. Mit seinen kleinen Geschichten wirft der Autor vor allem ethische Fragen auf. Mit „Die Rache der Nerds“ wirbt Oliver er für einen verantwortungsvolleren Umgang mit digitalen Informationsmedien. Er plädiert für eine Informationsethik, die über die Nachteile des Fortschrittes informiert. Eine Einsicht, die der gemeine Nerd gerne vor lauter Digitalität übersieht. Diese einfache, aber essentielle Botschaft ist der Grund, warum das Buch eine clevere Kulturkritik darstellt. Bendel verfällt nicht in ein langweiliges SchwarzWeiß-Schema, wenn er Fortschrittsgläubigkeit und Kulturpessimismus gegenüber stellt. Seine kritische Perspektive erhält Bendel aus eigener Erfahrung. Denn der Professor für Wirtschaftsinformatik ist sowohl ein „Anhänger des Nerdtums“, als auch einer seiner Kritiker. Aus diesem Grund sind Bendels Ausführungen über die Nachteile der digitalen Informationsgesellschaft fundiert und gut lesbar. Allerdings bleibt seine Kritik meistens im Ansatz stecken, weil er sich darauf beschränkt, „einzelne Themen zu umkreisen“. Das macht die „Die Rache der Nerds“ jedoch nicht weniger lesenswert.

Das Phänomen ist bekannt: Wenn alle denken, schlimmer geht‘s nimmer, dann setzt ein unverbesserlicher Kasper noch einen drauf. Frei nach Rudi Völler: ein noch tieferer Tiefpunkt. Ausgangspunkt ist Günther Jauchs Sendung. Zunächst der Versuch, der giftsprühenden Gertrud Höhler eine Plattform für ihre Polemik gegen Angela Merkel zu bieten. Dabei vergleicht sie den Regierungsstil der Kanzlerin mit der Arbeitsweise der Mafia – das ist absurd und lenkt von den tatsächlichen Gefahren der organisierten Kriminalität sowie dem korrupten Verhalten zahlreicher Staaten, Unternehmen und Verbänden ab. Zurück zur CDUVorsitzenden: Fundierte Analysen der Regierungszeit existieren – die Diskussionsteilnehmer kannten sie nicht. Dafür wurden die Polemik von Höhler und auch Herles durch den Moderator zugelassen – den CDU-Repräsentanten (von der Leyen und de Maizière) blieb nur fassungsloses Kopfschütteln. Noch weniger mit der Entscheidungspolitik zu tun, hatte das Stell-dich-ein bei Jauch zu Manfred Spitzers Idee von der „digitalen Demenz“. Selbstverständlich gibt es eine Menge Studien zu den Gefahren der Internetnutzung. Neil Postman sprach sogar davon, dass wir uns zu Tode amüsieren. Jauchs Diskussion trug aber weder zum Amüsement noch zur Information bei. Jörg-Uwe Nieland ist Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Politik, Medien und Gesellschaft an der Universität Duisburg-Essen. Für p&k schaut sich Medienexperte Jörg-Uwe Nieland die Polit-Talkshows des Monats an.

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Szene

Der Pöbel zu Gast in Bellevue

King Gauck VON CHRISTINA BA U E R M E I ST E R

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ie Gegensätze an diesem Sonntagmorgen in Berlin könnten kaum größer sein. In der S-Bahn sitzen auf der einen Seite Menschen, die lautstark über das neue Buch von Bill Clinton schwärmen, während auf der Sitzbank gegenüber junge Erwachsene mit der letzten Flasche Bier auf der Ablage rücklings ihren Rausch ausschlafen. Doch ehe Sie sich jetzt fragen, zu welcher Gruppe Sie wohl an diesem Sonntag gehört hätten, sei Ihnen gesagt, dass die Bill-Clinton-Gruppe einer Einladung gefolgt ist, die sie mitten in ein preußisches Schloss mit übergroßen Bildern führte, die der Künstler vor Ort schaffen musste, weil sie durch kein Fenster gepasst hätten. Erstmals seit 2008 stand Schloss Bellevue wieder für einen Tag lang allen Bürgern offen. Freiheitspräsident Joachim Gauck hat zum Bürgerfest geladen. Und seine Fans kommen so zahlreich, dass ein kleiner Junge auf dem Weg gar panisch seine Eltern fragt, ob denn der Garten des Bundespräsidenten überhaupt groß genug sei für alle – natürlich abzüglich der jugendlichen Partygänger. Nun groß genug ist der Park – wohl auch, weil sich der Pöbel brav in einer Reihe anstellt, um in die prunkvolle Residenz zu gelangen. Warum dieses Vokabular? Nun, drinnen vergaßen viele schnell, dass der 68

letzte deutsche Monarch vor gut 70 Jahren im niederländischen Exil starb. Eingangs erklärt ein Kunsthistoriker in der Uniform eines Kammerherrn am Hofe Friedrichs des Großen die Gepflogenheiten. Dann geht es im Eiltempo quer durch die Gemächer bis in den Großen Saal, wo ein Staatsbankett mit Silberbesteck und Blumenschmuck wartet. Nun, ist das denn alles nicht ein bisschen zu pompös für einen Bürgerpräsidenten? Nein, ist die einhellige Meinung viele rGäste, Deutschland solle ruhig zeigen, was es hat. Dann applaudieren die Leute pl��tzlich. Für diejenigen im Schloss ohne Blickkontakt erklärt der Kammerherr das Geschehen: „Seine Majestät bahnt sich in Begleitung seiner Leibgarde den Weg zur Bühne, um das Fest zu eröffnen“, sagt er. In dieser ruft Gauck dann die Bürger auf, wählen zu gehen. Das klingt erst mal ziemlich paradox – doch Königen widerspricht man ja bekanntlich nicht. Der Gefeierte selbst kündigt schon auf der Bühne an, nun gleich ein Bad in der Menge nehmen zu wollen. Zitat: „Wenn Sie uns ein bisschen am Leben lassen, wäre das einfacher“. Aus dem Pulk heraus, der sich einmal durch den Park zieht, kommen immer wieder glückliche Menschen mit Fotos und Autogrammen von Gauck selbst oder seiner „Geliebten“ (warum eigentlich nicht Hofdame?) Daniela.

Anders als im vergangenen Jahr, als Gaucks in Ungnade gefallener Vorgänger sich an gleicher Stelle mit Politikern, Medien- und Wirtschaftsvertretern amüsierte und sich von letzteren auch noch die ganze Sause bezahlen ließ, war der König diesmal mit seinen Untertanen allein auf dem englischen Rasen, der danach eher aussah wie ein Fußballacker. Und was war sonst noch so los? Auf der Hauptbühne gab es türkischen Pop und jamaikanischen Reggae, das alles für eine Zielgruppe, die morgens in der biergeschwängerten S-Bahn schlief. Bleibt noch die Frage, wer am Ende die Zeche zahlt? In diesem Punkt hält es Gauck mit der britischen Monarchie, für die Großbritannien jährlich etliche Millionen Pfund ausgibt. Beim Bürgerfest akzeptierte das Präsidialamt ausschließlich Sachspenden wie Speisen und Getränke von Unternehmen. Für die restliche Finanzierung ließ Gauck eigens einen neuen Haushaltsposten in Höhe von etwa einer halben Million Euro schaffen. Das Bundespräsidialamt wehrt sich im Übrigen gegen die These, Gauck wolle wegen Wulff Finanzsponsoren grundsätzlich von Bellevue fern halten: Gauck kam erst so spät im Jahr ins Amt, da sei keine Zeit geblieben, Sponsorengelder einzutreiben. Gibt es also im nächsten Jahr eine Volksparty auf Kosten der Wirtschaft? Es wäre dem volksnahen König durchaus zuzutrauen.  pol i t ik & kommunikation | Oktober 2012

Foto: Binder

Auf dem ersten Bürgerfest wurde der Bundespräsident gefeiert wie ein König. p&k ist DAGEWESEN.


Lust auf das ganze Magazin? ����������������� ������������������ ����������������� ������������������ ����������������� ������������������ ����������������� ������������������ ����������������� ������������������ ������������������ ������������������ ������������������ ������������������ ������������������ ������������������ ������������������ ������������������ ������������������ ������������������� ������������������ ������������������ ������ ��������� ��� ������ �� �������� ���������������� ������������� ���������������� ������������� ���������������� ������������� ���������������� ������������� ���������������� ������������� ������������

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Wege in politische Berufe

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Krisenkommunikation für Politiker

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Wenn Lisa Pirwitz durch die Montagehalle geht, kann sie sich über wenig freuen. Denn jeder leere Restmüllbehälte r ist für sie ein Erfolg. Gemeinsam mit dem Green-Team hat sie sich das Ziel gesetzt, die Produktionsabfälle der Montage im BMW Werk im amerikanischen Spartanburg bis 2012 komplett zu recyceln. Kein einfaches Vorhaben, aber Lisa Pirwitz ist davon überzeugt, dass ihr Projekt zum Erfolg führt, wenn alle Mitarbeiter mitziehen. Und sie weiß, ein origineller Einfall kann viel bewirken: Für ein Video zum Thema Recycling hat sie beispielsweise einmal zwei Handpuppen aus Produktionsabfä llen zum Sprechen gebracht und so viel Begeisterung für das Projekt entfacht. Die BMW Group ist zum siebten Mal in Folge nachhaltigster Automobilherste ller der Welt. Erfahren Sie mehr über den Branchenführer im Dow Jones Sustainability Index auf

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Bei der Arbeit hat Mirco Schwarze nur ein Ziel: das NullEmissionsauto zu bauen. Im BMW Werk Leipzig ist er diesem Ziel mit der Produktion des BMW ActiveE ein gutes Stück näher gekommen. Dieses Elektrofahrzeug ist ein weiterer Beitrag zu BMW E� cientDynamics – einer Technologie, die bisher mehr als 3,4 Millionen Tonnen CO eingespart hat. Und wenn im Jahr 2013 im Werk Leipzig2 der BMW i3 an den Start geht, baut Mirco Schwarze an einem weiteren Meilenstein der Elektromobilität. Dann kann er mit Fug und Recht sagen, dass er nichts erreicht hat. Und doch eine Revolution mit auf den Weg brachte. Die BMW Group ist zum siebten Mal in Folge nachhaltigster Automobilherste ller der Welt. Erfahren Sie mehr über den Branchenführer im Dow Jones Sustainability Index auf

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Die prämierten Fotografien Der britische Ex-Außenmin Wie die Großmacht China ihre Jürgen Hogrefe über das Lobbying Graf von Nayhauß über Politikersprach Ein Ex-Model fordert im US-Vorwahlka ister und Karikaturen des Kultur zur im arabischen schluderige e und mpf einenRaum. Ein will die Labour-Basis einbinden David Miliband Imagepflege einsetzt Wettbewerbs „Rückblende“ altgedienten Politiker heraus Feldbericht. Medien. ��������������� ��������������� ��������������� ������������� ���������������

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