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No 10 • 07 / 2012

VOICE FOR REFUGEES teilhaben-Teil werden

Flucht ist kein Verbrechen! In Europa angekommen Gefängnis? 2102– Sund GNgleich ILTHinsCÜ LF S E D Das darf nicht sein! zur PRO ASYL-Kampagne auf auf S.18

GAT

niek tsi thculF !nehcerbreV Die Würde des Menschen ist unantastbar Teil 8

Keine Frage des Geldes

„Ach, das Geschenk hätt‘s doch nicht gebraucht! Hauptsache, ihr seid da!“ Weiter auf S.5

Hund oder Mensch? Teil 9

Demosthenes sagte einmal: „Jeder Diktator ist ein Feind der Freiheit, ein Widersacher des Rechts.“ Weiter auf S.34


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Inhalt-Inside Pages Editorial .........................................................................................................................................3 DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR ......................................................................5 Gesundheitsbasiskurs in der GU..................................................................................................... 7 Sandkastendeko und Windmaschinen . ..........................................................................................8 Deutsch ist Trumpf.........................................................................................................................9 Exhausted Sound . ....................................................................................................................... 10 V!VOVOLO e.V. hat Geburtstag! .................................................................................................. 12 Lagerland-Aktionswochen in Würzburg .......................................................................................14 Die Welt ist so, wie wir sie gestalten . ........................................................................................... 17 PRO ASYL: Flucht ist kein Verbrechen! ........................................................................................ 18 „Kirchenasyl ist eine Gewissensentscheidung“ . ............................................................................ 21 Malta – "Out of System" .............................................................................................................. 23 Aus der Einführung zur Stückentwicklung: „Die Schutzflehenden“ ...............................................24 Interview: Theater als Aufforderung zur Mündigkeit .................................................................... 25 Sonne, Menschen, Lebenslust ...................................................................................................... 31 „Fremde Freunde“ ........................................................................................................................ 32 Hund oder Mensch? .....................................................................................................................34 Rein | raus | bleiben | gehen – Oder wie? .......................................................................................36 So geht es nicht voran: Das Geheimnis der Entwicklung in Äthiopien ...........................................40 David gegen Goliath – eine unendliche Geschichte . ..................................................................... 43 Stimmen von Flüchtlingen zum Protest der iranischen Asylbewerber ...........................................45 Steh auf, tue den ersten Schritt . ..................................................................................................46 Mitten in unserem Land – wieso eigentlich? .................................................................................49 Flucht und Asyl – KURZNACHRICHTEN . ..................................................................................... 51 Impressum ..................................................................................................................................54

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Editorial

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EXPORT-EXPORT von Menschen: eine unendliche Geschichte Nein, es ist hier nicht die Rede von den Zeiten des Sklavenhandels, sondern davon, was heute Millionen von Menschen erfahren und erleiden. Von den unzähligen Menschen, die unter politischer Unterdrückung in ihren Heimatländern leiden, fliehen diejenigen, die dazu eine Chance haben, in alle Welt in der Hoffnung auf Sicherheit und Frieden. Dort finden sie sich dann, von allen vergessen, auf dem Abstellgleis, meistens beschnitten in ihren fundamentalen Rechten. Aus dieser subjektiven Unsicherheit und Ungewissheit über ihr künftiges Schicksal sind einige iranische Flüchtlinge in Würzburg in die Öffentlichkeit getreten. Sie machen auf der Straße auf ihre Situation aufmerksam und fordern, sie als politische Flüchtlinge zu behandeln und anzuerkennen. Demonstrationen und Proteste für Anliegen der Flüchtlinge gab es hier schon viele Male, wie überall auf der Welt. Viele Organisationen und Menschen, die sich für die Rechte von Flüchtlingen und Asylbewerbern einsetzen, machen so immer wieder auf dieses Thema aufmerksam. Denn das Leid der Flüchtlinge ist lange durch mangelndes Interesse der Bevölkerung, der meisten Politiker und Medien in einem politischen Vakuum gewesen, weitab der Tagesordnung politischer und gesellschaftlicher Diskurse. Statt dessen beharren die aufnehmenden Länder auf der Behauptung, dass die meisten Flüchtlinge nicht politisch verfolgt seien, sondern aus rein ökonomische Erwägungen kämen; sie hätten negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft des Gastlandes. In den Ländern hingegen, die sich offen zeigen und den positiven Einfluss der Flüchtlinge in der Gesellschaft erkannt haben, kann man den Vorteil für alle auch wissenschaftlich belegen: Vom Bleiberecht für Flüchtlinge und von entsprechenden Unterstützungsprogrammen profitieren

beiden Seiten in vielen Bereichen: durch Schaffung neuer Arbeitsplätze, auch für Einheimische, durch Geschäftsgründungen, Belebung der Lokalmärkte und des Dienstleistungssektors des Gastlandes, Investitionszunahme in der örtlichen Infrastruktur und Beschäftigungsimpulse durch allgemeine Arbeitserlaubnis für Flüchtlinge außerhalb des Lagers ( Milner 2009, Jacobsen 2002). Um auf die protestierenden iranischen Asylbewerber in Würzburg zurück zu kommen: Sie nehmen die unbestimmten Wartezeiten im Stillstand und in der zermürbenden Ungewissheit des Lagerlebens nicht mehr hin. Dafür sind sie auf die Straße gegangen. Dieser Druck hat sich für die Meisten gelohnt, sie haben ihr Ziel der Anerkennung als politische Flüchtlinge erreicht. Andererseits sind angesichts der Dynamik des Protestes viele Bürger und Behörden besorgt über den Fortgang der Aktion. Sind wir wirklich wieder auf einem Schlachtfeld, um ein Land zu erobern und die eigene Überlegenheit zu demonstrieren? Im Grunde sollten die Fragen von Zustimmung oder Ablehnung, von Annahme oder Zurückweisung, nicht mehr im Vordergrund stehen. Die Menschheit sollte ihre kostbare Energie nicht weiter verschwenden, indem sie sich wie Krieger längst vergangener Zeiten aufführt. Die Welt ist schon so oft in Brand gesteckt worden, Meere von Blut und Tränen sind geflossen für nichts weiter als den Vorteil einiger weniger: eine unendliche Geschichte mit einem unendlichen Strom an entwurzelten, verzweifelten Menschen. Wie sollten endlich die Lehren daraus ziehen. Flüchtlinge sind hier wegen der fortwährenden Probleme in ihren Ursprungsländern. Es muss und kann sehr viel mehr getan werden, um ihre dringlichen Bedürfnisse zu befriedigen und um ihnen neue Möglichkeiten zu eröffnen. Die meisten von

ihnen sind junge Menschen, gebildet oder bildungshungrig, die mit ihren Fähigkeiten einen positiven Einfluss auf jene Gesellschaft haben werden, die ihnen den Zugang gewährt. Integration von beiden Seiten ist der Schlüssel. Solange bewaffnete Konflikte überall auf der Welt an der Tagesordnung sind, solange Diktatoren an der Macht sind und dort auch von den Interessen der westlichen Länder gehalten werden, nicht zuletzt zum Vorteil von deren boomender Waffenindustrie, dürfen hier die Belange der Flüchtlinge nicht ignoriert werden. Das ist ein weltweites Problem. Es liegt auf der Hand, dass die Menschen dann in sichere und stabile Länder streben. Niemand wird wohl ernstlich in Erwägung ziehen, nach China, Russland oder Syrien zu fliehen. Die Wanderung oder Flucht von Menschen von unsicheren an sichere Orte mit der Bitte um Asyl ist eine unendliche Geschichte. Zu den Ursprüngen des Asyls im antiken Griechenland vor rund 3000Jahren führt uns aktuell das dokumentarische Theaterstück „Die Schutzflehenden” nach Euripides am Mainfranken Theater Würzburg. Es zeigt auf beeindruckende Weise, wie sich das Asyl als Recht auf Sicherheit und Schutz des Individuums trotz aller Herausforderungen bis heute behauptet hat. In seiner besonderen historischen Form des Kirchenasyls ist es in Würzburg Wirklichkeit geworden: in gelebter Gewissensentscheidung gewährt die Katholische Studentengemeinde einem jungen äthiopischen Flüchtling Zuflucht und Schutz. Erinnern wir uns doch an die Flucht von Millionen Menschen vor den Gräueln des Zweiten Weltkrieges und seiner Nachwirkungen. In der größten Massenbewegung der europäischen Geschichte versuchten unzählige Fliehende, auf dem Land-


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4 weg oder auf überfüllten Schiffen an sichere Orte zu gelangen. Die Flüchtlinge jener Zeit erinnern sich gut an die abweisende Haltung der Lokalbevölkerung. Es war für sie eine schwere Zeit. Unmittelbar unter dem Eindruck dieser gewaltsamen und brutalen Erfahrungen sind Konventionen und Deklarationen formuliert worden für Lebenssicherheit und Schutzgarantien von Flüchtlingen. Dazu gehört die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 mit ihrer Zusicherung: „Jeder Mensch hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgungen Asyl zu suchen und zu genießen” (Art. 14,1). Ferner wurde 1951 die Genfer Flüchtlingskonvention beschlossen,

die u.a. die Identität des Flüchtlings definiert. Die Verfassungen der meisten Staaten haben ebenfalls den Grundbegriff der Menschenwürde und das Grundrecht auf Asyl mit aufgenommen. Die Frage ist nur, was nützen die ganzen Deklarationen, Konventionen und Verfassungen den Flüchtlingen von heute wirklich? Im tiefen Glauben an die Gültigkeit dieser Normen als ihre Beschützer und Lebensretter fliehen sie also in fremde Länder. Glücklich schätzen können sich hier Europa und Nordamerika, die sichersten und stabilsten Kontinente nach dem Kalten Krieg. Den Menschen Afrikas, in den Ländern des Mittleren Ostens wie Afghanistan, Irak und Iran oder in arabischen

Ländern wie Syrien oder Ägypten bläst eisiger Wind ins Gesicht. Mit Gewalt werden dort Abertausende in die Flucht getrieben. Viele von ihnen finden den Tod in der Wüste oder im Meer, andere landen in Gefängnissen und Auffanglagern wie in Libyen oder auf Malta, nachdem sie auf der Flucht Hitze, Durst und unsägliche Gefahren und Strapazen überlebt haben. Manche werden in ihre Heimatländer deportiert, noch bevor sie die Außengrenzen Europas erreichen und überhaupt ihre Asylgründe vorbringen können. Die Heimatländer zwingen sie, alles zu verlassen und zu fliehen, die Länder, wohin sie fliehen, tun alles, um sie so schnell wie möglich zurück zu weisen und abzuschieben, selbst weit weg vor ihren eigentlichen Außengrenzen. Das ist ein real stattfindender Export-Export von Menschen, der nur Verlierer hinterlässt: Heimat- und Gastland wie auch den herumgeschubsten, entwurzelten Menschen selbst, mit all seinen Talenten, mit seinem Potenzial und seinem Recht auf ein Leben in Würde. Statt dessen wird er auf einen Gegenstand reduziert und quer durch die Welt geschickt wie ein Paket. Diese Menschen bitten die zuständigen Asylbehörden um Hilfe und Schutz. Und sie bitten die Einheimischen um Verständnis und Offenheit. Es ist höchste Zeit, dieser menschenverachtende Export-Export-Strategie endlich ein Ende zu setzen - zum humanitären, sozialen und auch ökonomischen Vorteil für alle. Heimfocus- Redaktionsteam


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Die Würde des Menschen ist unantastbar

Teil 8

Keine Frage des Geldes

-„Ach, das Geschenk hätt‘s doch nicht den Sie sehr vermissen,“ so der Chef der Mensch. Und das ist keine Frage gebraucht! Hauptsache, ihr seid da!“, am letzten Arbeitstag. des Geldes, des Budgets, der Bilanstrahlt Oma über das ganze Gesicht. -„Wir bekommen so viel zurück, das zen. Ihr Geburtstagswunsch ist in Erfül- lässt sich mit keinem Geld der Welt lung gegangen. aufwiegen“, lächelt die ehrenamtli- - Die Frauen weinen; warum kickt der -„Schön, dass es Sie gibt. Danke!“, che Helferin. Hausmeister in der Flüchtlingsunhat er zur Entlassung auf die Karte Willkommen und geschätzt zu sein, terkunft immer wieder grundlos die geschrieben. mit Respekt behandelt zu werden Mülleimer um, die sie ordentlich vor -„Sie werden in unserem Team eine und sich angenommen fühlen, das ihrer Zimmertür aufstellen? Warum große Lücke hinterlassen, wir wer- braucht der Mensch zum Leben, je- klopft er nicht an die Tür, wie sich


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6 das gehört, sondern donnert immer mit aller Kraft dagegen - bei den einen und nicht bei den anderen, den Hellhäutigen? Sie haben Angst. - Der junge Mann neben mir geht stumm die Straße entlang, er sagt kein Wort mehr. Soeben hat ihm vor der ganzen Schlange an der Kasse die Verkäuferin erklärt, nein, zu Ihrem Schuhgutschein dürfen Sie nichts zuzahlen, nehmen Sie gefälligst Ihr Paar Schuhe zu 30€ oder lassen Sie es sein. Er hat das Geld, warum also diese Demütigung? - Ein anderer atmet tief durch und ringt um Fassung, als er mit seinem deutschen Freund die Amtsstube im Lager verlässt: derselbe Angestellte, der ihn gestern – ohne Zeugen – grob und harsch abgewiesen hat, behandelt ihn heute mit angemessener Höflichkeit. Er kommt ja in Begleitung. - Die lügen doch alle, so eine ehemalige Richterin mit einem unüberhörbaren Unterton der Verachtung über ihre Erfahrung mit Asylbewerbern im Verwaltungsgericht. Alle? Nur die Fremden? - „Komm halt wieder, wenn du Deutsch kannst!“, so die barsche Antwort des Sachbearbeiters in einer Flüchtlingsunterkunft auf eine Frage in bestem Englisch, wohl wissend, dass der Flüchtling keine Möglichkeit hat, Deutsch zu lernen. Erfahrungen der Flüchtlinge, die sich überall in unzähligen Varianten abspielen. Es gibt so viele Geschichten von Herabsetzungen, von der niederträchtigen Art, ihnen zu zeigen, wer mehr oder weniger wert ist, wer hier das sagen hat und wer besser gehen sollte. Und schließlich der wie ein Dorn im Fleisch sitzende Satz: „Ich habe jetzt weder Zeit noch Energie, ihre dringlichen Fragen zu beantworten, weil ich meine Zeit und Energie für das Spielen mit meinem Hund schonen will!“ eines Beamten in der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf. Der Mann der ihn seither in sich er-tragen muss, unser Autor und Asylbewerber Abasi Kibwana, wird ihn wohl nicht vergessen, solange er lebt.

Nein, es ist keine Frage des Geldes, wie man Schutzsuchende aufnimmt und wie man mit ihnen umgeht. Menschlichkeit und Solidarität kosten nichts. Andere nicht geringer zu schätzen als sich selbst ist nicht an Budgets, Bilanzen und Ratings festzumachen. Es ist genug zum Leben für alle da, es ist nur eine Frage der Gerechtigkeit und der Verteilung von Besitzständen. Niemand wird uns arm machen, wenn wir ihm ein Stück von unserem Kuchen abgeben, zumal wir uns bei den Zutaten reichlich in den Heimatländern der Flüchtlinge bedienen. Fremdenangst und Rassismus spalten unsere Gesellschaft und schwächen sie. Abwehr und Angst lähmen, entziehen uns die Kreativität und Energie, die wir – alle gemeinsam - für die Lösung der wirklich großen lokalen und globalen Herausforderungen brauchen. Sie sind der Nährboden, auf dem für niemanden eine gute Zukunft gedeihen kann. Die braucht statt dessen Offenheit, Zusammenhalt und eine kluge Willkommenskultur. Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen , mit welcher Einstellung er Mitmenschen begegnet, insbesondere denen, die schon mehr als genug belastet sind durch ein Leben zwischen Heimweh nach dem verlorenen Zuhause und einer ungewissen Zukunft. Einer anderen Religion anzugehören, aus einer fremden Kultur zu kommen, anders sein – berechtigt das denn zur Wertung eines Menschen, gar zur Abwertung? Daumen rauf, Daumen runter, so einfach ist es? Wie viel wissen wir eigentlich über das Fremde, über den Fremden, bevor wir über ihn den Stab brechen? Wir sollten uns die Mühe machen, näher hinzuschauen, diese Menschen kennenzulernen, wer sie sind, wo sie herkommen, was sie verloren haben, was sie mitbringen, was sie sich erhoffen... Das Fremde macht vielleicht Angst, das Vertraute nicht mehr. Und es ist eine Binsenweisheit, dass es überall „gute“ und weniger „gute“ Menschen gibt, Fleißige und Faule, Ehrliche

und Betrüger, Sanfte und Gewalttätige. Und überall gibt es eine problematische Minderheit, die leider allzu oft die Schlagzeilen beherrscht und den Blick verstellt auf eine fleißige, freundliche und erfolgreiche Mehrheit. Weder wie Einheimischen noch die „Zugereisten“ haben ein Monopol auf Heiligkeit und Integrität. Nur allzu gern wird da jedoch zweierlei Maßstab angelegt, werden schwarzweiß gestrickte kollektive Vorurteile gepflegt. Das Einfache scheint immer am schwersten zu sein: Danach zu suchen, was uns verbindet. Da entdeckt man dann Überraschendes: Die Grundbedürfnisse, Lebensträume und Hoffnungen sind fast überall gleich. Und was uns nicht gemeinsam ist an unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen, kann bereichern und den eigenen Horizont erweitern - und auch als wichtiges Korrektiv der eigenen Einstellungen dienen. Die Menschen hier sind so freundlich und offen, als Gast geht man ihnen über alles und wird immer mit soviel Respekt und Verehrung willkommen geheißen, selbst unter einfachsten Verhältnissen: Das sind doch fast überall unsere Erfahrungen als Reisende, als Weltmeister im Reisen. Das schätzen wir auch in den Heimatländern der Flüchtlinge. Die Menschen, die dann aber aus diesen Ländern zu uns fliehen müssen, erfahren bei uns genau das Gegenteil. „Niemand von uns hat diese Kälte und Feindseligkeit erwartet“, sagen sie oft. Dabei haben sie ihre gastfreundliche Haltung selbst hier bewahrt, und sie beschämen uns damit zutiefst. Es ist viel Weisheit und Wahrheit in dem äthiopischen Spruch, den der Träger des Würzburger Friedenspreises 2011, der Flüchtling Addis Mulugeta, als Leitwort seiner Ansprache zur Verleihung der Auszeichnung gewählt hat:„Das Gesicht ist wichtiger als das Brot!“ Und das ist wahrlich keine Frage des Geldes. Eva Peteler


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Gesundheitsbasiskurs in der GU „In diesen zwei Wochen haben wir uns gesund gefühlt!“ Gesundheit ist ein wichtiges Thema, das jeden Menschen betrifft. Jeder will gesund bleiben, so lange er/sie kann. Flüchtlinge haben aber erst dann einen rechtlichen Anspruch auf volle Gesundheitsversorgung, wenn sie anerkannt sind. Im April hatten 25 Flüchtlinge aus Afghanistan und aus dem Iran, davon 5 Frauen, die Gelegenheit, an einem der von der Missionsärztlichen Klinik seit Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Würzburg angebotenen Gesundheitskurse teilzunehmen. Sie haben viel gelernt und eine Bestätigung über die Kursteilnahme bekommen, die ihnen die Möglichkeit zur Teilnahme an Multiplikatorenkursen eröffnet. Bereits im Juli können sich Interessierte aus Äthiopien und Eritrea im nächsten Kurs über ähnliche Themen bilden. Die Missionsärztliche Klinik in Würzburg, die die Schlüsselrolle in der Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft (GU) spielt, erkannte schon vor Jahren den großen Bedarf an Bildung der Flüchtlinge und Asylbewerber im Bereich Gesundheit und gesunder Lebensführung, Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten und allgemeiner Kenntnisse im medizinischen Bereich. Das Angebot der Gesundheitskurse in der Gemeinschaftsunterkunft bestätigt, mit wie viel Initiative und Fachwissen sich die Klinik für die Flüchtlinge einsetzt. Man hört in der Unterkunft viel Dankbarkeit für das Engagement der Klinik und ihrer netten und verständnisvollen Mitarbeiter. Die zweiwöchigen Kurse im medizinischen Themenbereich sind eingerichtet worden, damit die Flüchtlinge ihre Erfahrungen und Ressourcen in den Kurs einbringen, eine Erklärung und Erörterung des deutschen Gesundheitssystems bekommen und mit den allgemeinen Regeln sowie ihren eigenen Rechten und Pflichten vertraut gemacht werden.

„Da sie uns ihr Vertrauen schenken len Aufklärung finde ich sehr wichtig, und offen sind, entwickelte sich eine v.a. für Leute aus Ländern, in denen fruchtbare Grundstimmung“ sagte das ein Tabuthema ist. die Mitorganisatorin der Gesund- -Sahar Erfani: Es hat viel Spaß geheitsbildung, Frau Dörte Volk, Mit- macht! Ich bin sehr zufrieden mit arbeiterin des Missionsärztlichen der guten Betreuung während des Instituts. Kurses und danke allen VerantwortZu den Hauptthemen gehören Erste lichen. Besonderer Dank gilt den ReHilfe, internistische und psychische ferenten, die sehr engagiert waren. Erkrankungen, Frauen-, Männer- -Masouma Hosseini: Viele Informa-

und Kinder-Gesundheit, Tuberkulose, Hepatitis, Impfungen, „Alltagskrankheiten“ und HIV/Aids. Diese Gesundheitsbildung hilft den Flüchtlingen als Abwechslung in ihrem tristen Alltag in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft und dient der Vertrauensbildung zwischen Flüchtlingen und den Mitarbeitern der Klinik. Die Betreuung der Flüchtlinge während des Kurses durch ein multikulturelles Team und die direkte Anbindung des Kursgeschehens an die Interessen und Anregungen der Teilnehmer sind von großer Bedeutung. Stimmen von den Teilnehmern : -Maneis Arbab: Es ist eine interkulturelle Veranstaltung. Ich schätze sehr das hohe Niveau des Kurses. Alle Referenten hatten viel Erfahrung und Fachwissen. Das Thema der sexuel-

tionen waren für mich ganz neu. Ich habe jeden Tag viel dazu gelernt. Manches hatte ich sogar falsch gewusst und nun weiß ich, wie es richtig ist. Eine Kritik und Anregung: bitte Analphabeten aus der GU persönlich einladen, da diese Leute eure Werbung (Plakate) nicht lesen können. -Abdullah Rezzai: Ich hatte wenig Ahnung, wie ich mich in Notfällen verhalten muss. Deshalb war für mich der Erste-Hilfe-Kurs sehr wichtig. Auch zum Thema Aids/HIV hörte ich viele Informationen zum ersten Mal. „In diesen zwei Wochen haben wir uns gesund gefühlt!“ Das ist der schönste Dank an die Referenten und an die Dolmetscher, die diese Kurse immer wieder möglich machen. Dörte Volk und Abay Kiros


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Sandkastendeko und Windmaschinen

Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft als Gäste im MainfrankenTheater Würzburg

14 Kinder aus der GU besuchten gemeinsam mit vier Betreuerinnen des Asyl-Arbeitskreises der KHG Würzburg am Pfingstmontag, den 28. Mai eine Theateraufführung im Stadttheater. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Prof.Dr. Ulrich Sinn

und an das Mainfranken Theater für die Eintrittskarten. Der Ausflug war ein voller Erfolg, denn die moderne und interaktive Theaterinszenierung des Gebrüder Grimm Klassikers „Der Fischer und seine Frau“ lud die Kinder nicht nur auf eine magische

Reise mit sprechenden Fischen ein, sondern ließ sie immer wieder aktiv am Geschehen teilhaben: Sie konnten das Bühnenbild je nach Laune der Frau des Fischers umdekorieren, so dass u.a. eine Lehmhütte mit der Zeit in ein pinkfarbenes Schloss, eine Kathedrale und letztendlich in einen Kaiserpalast transformiert wurde. Als die Kinder anschließend die Schauspieler kurz kennen lernen durften und auf der Bühne gemeinsam posiert wurde, galt die größte Aufmerksamkeit jedoch einer einfachen Plastikröhre, die im Stück als Windmaschine fungierte und schließlich von den Kindern mit großer Freude ausprobiert wurde. Ein Moment, der uns besonders in Erinnerung bleiben wird, war der Heimweg, wo auch die sonst so coolen Jungs unbedingt von uns auf den Schultern zum Bus getragen werden wollten. Vielen Dank, dass ihr dabei wart! Ali Schwartz, Daria Iwassenko


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Deutsch ist Trumpf

Neuer Schwung für Sprachkurse in der GU Würzburg Ein Gewinn für den ehrenamtlichen Deutschunterricht in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Würzburg ist ohne Zweifel Frau Andrea Werner-Zumbrägel, die durch erfahrene Ehrenamtliche in der Unterkunft zu dieser neuen Aufgabe gefunden hat. Seit Januar gibt sie dort ehrenamtlich einen Alphabetisierungskurs für Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Iran. Sie verfügt über jahrelange Berufserfahrung mit verschiedenen fremdsprachlichen Zielgruppen. Gemeinsam mit Dr. Sigrid Oehler-Klein hat sie nun die mittlerweile erfreulich große Zahl unterschiedlicher ehrenamtlicher Deutschlehrer in der GU zu einem Treffen eingeladen. Sich über die Erfahrungen, Probleme und Erfolge austauschen und sich gegenseitig unterstützen, diese Zielsetzung fand Das Angebot ist mittlerweile sehr vielregen Zuspruch. So wurde bei diesem Treffen auch fältig: Neben dem langjährigen Sprachüber Lehrbücher und andere Materi- und Konversationskurs für Frauen alien diskutiert und der Wunsch nach unterrichten, wie im Heimfocus Nr.8 einem regelmäßigen Austausch und berichtet, drei Muttersprachler seit nach Vernetzung bekräftigt. Dem gro- rund einem Jahr ihre Landsleute aus ßen Bedarf an inhaltlicher und sprach- Äthiopien, Afghanistan und dem Iran. pädagogischer Unterstützung ent- Sie stehen ihnen mit großem persönsprechend, stieß eine Fortbildung der lichen Einsatz auch als Dolmetscher ehrenamtlichen Lehrkräfte auf reges und Übersetzer zur Seite und sind für viele eine unersetzliche Hilfe und StütInteresse. ze geworden. Darüber hinaus wurde die Gelegenheit Neben Frau Werner-Zumbrägel mit wahrgenommen, mit Herrn Thomas ihrem Engagement für AlphabetisieWeingart von der Regierung von Unrung derjenigen, die bisher in ihrem terfranken und mit Herrn Armin SauHeimatland keine Chance auf eine Baermann, dem Leiter der Unterkunft, sisbildung hatten, engagiert sich eine über das Engagement der Ehrenamtliganze Reihe von Einzelpersonen mit chen, das Alltagsleben der Flüchtlinge, viel Herzblut und Energie in vielfältiüber den die Umgang mit der Hausordnung in der Gemeinschaftsunter- gen Unterrichtsangeboten, und auch kunft sowie über die Notwendigkeit weit über den Sprachunterricht hinaus. des Sprachunterrichts zu diskutieren. Das beständige Engagement vieler Alle waren sich einig über die große Ehrenamtlicher in der GU zieht so imBedeutung dieses Angebots für die mer weitere Kreise und ermutigt zum Mitmachen. Es gibt vielfältige MögFlüchtlinge seitens des Ehrenamtes.

lichkeiten, und der Bedarf ist groß. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen; die Sprache ist der Schlüssel, ohne den sich die Tür in die deutsche Gesellschaft nicht öffnen lässt und ohne die Integration, nach der sich die meisten Flüchtlinge so sehnen, nicht möglich ist. Trotz der vielen bereits Aktiven ist in der großen Unterkunft der Bedarf an ehrenamtlichem Einzelunterricht, an Sprachpaten, die einfach nur für Konversation zur Verfügung stehen und an Unterstützern für Einzelpersonen/ Familien noch lange nicht gedeckt. Wer beispielsweise nur wenig Zeit hat, diese aber gerne zur Verfügung stellen möchte, kann sich an Sophia Löble unter sprachfreundschaft@web.de wenden und eine Konversationspatenschaft anbieten. Abay Kiros


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Exhausted Sound

Part 9

Morning alarm make you up for a new day As my alarm went off at 8:30 a.m. on Friday morning, I don’t know the reason, I immediately got out of bed without a second thought. Nowadays, after I ended up in the refugee camp, I am sleeping too long, even sometimes till 12:00 a.m.. Please don`t misunderstand me that I am lazy but it doesn’t make sense to get up early in the morning without any objectives and anything meaningful to accomplish in another endless day. I am asking myself why I woke up this particular morning if I don’t have to work or go to school. Mostly I put off the alarm and keep on sleeping and dreaming of my country, family and friends. This particular Friday, however, I felt I needed some positive news from my lawyer. I picked up my phone and I called him. He said to me, you know, something positive is coming but you should wait for a while. It has been going on like this for almost more than three years now. I am always hoping but a positive decision never seems to come close to me. By deciding to flee from my home country I left my family, even all my relatives and friends in fear of prison, torture, many miles away in a completely different place. In my case, when I came to Germany as a refugee, I felt lonely, and I did not know anyone at all. In the beginning I was full of hope and confidence to have the permission to stay in this country. But now things are not easy the way they are. Life is filled up with challenges and troubles and restrictions. In this case, we don’t have the chance to decide on our future life. It is just a senseless routine in a refugee camp that we are sleeping long, eating the same food everyday, thinking of the asylum decision every second, and going to the city by any means and walking around for nothing etc. It is boring and depressing, isn’t it? What do you do when you have no direction in life?

Sometimes you need somebody, a friend to share all these experiences and challenges. However, in a refugee camp, it is difficult to find somebody as close friend to discuss on all of these challenges. Most of us have a lot of stress and some of us are in a deportation position. If you met them yesterday, you don’t see them anymore tomorrow. In my case, my pen is like my best friend. I am just writing every experience on a piece of paper. That helps me a lot. Even I am writing this article to encourage myself not to give up! Otherwise… it is exhausting waiting for the asylum decision year after year. it is exhausting waiting for a box of food week after week. it is exhausting living together in a single room with other people day by day with no retreat or escape. it is exhausting not having almost any rights that others have . on, what would you do in our place? But never give up! In recent times we heard in our refugee camp that some refugees from Although there are courageous and Iran are in hunger strike in Wuerzstrong young people in the refugee burg. They are marching forward to camps, eager to change their life reach their goals. According to the and willing to contribute to the ecoreport in newspapers, most of these nomy of this country, the system people are successful by now. That puts them into the ground and leawas what we are waiting for in our ves them behind feeling broken and camp, too. I think that is a sign of hopeless. hope and encouragement for us beThe point is, it is not only the system cause we and many, many others are but we are also facing hostile attiin a similar situation. Why not follow tude and treatment of some officials, this promising option if it is the only some housemasters etc. My questiway left to get your rights? We can on is, is showing inhuman attitude do it if we have got enough supportowards refugees part of the systers. What about the Flüchtlingsrat tem? I don’t think so, there are also and volunteers? Are you going to nice and helpful officials. use this chance and opportunity to Sometimes you can hear a lot of bad, support us and to get a positive and hurting stories in the refugee camp. quick solution for our asylum process What can we do if things are going from Bundesamt? Is this really the beyond what we can bear and handonly alternative for the left-behind le? Drinking a lot and breaking windesperate fellow-men in your coundows or doors, hanging ourselves or try? coming together for hunger strike?? Tell me, what can we do in our situatiIsaa Yakubu


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Stimme der Erschöpfung

Teil 9

Weckruf für einen neuen Tag Ich weiß nicht den Grund, aber als mein Wecker am Freitagmorgen um 8:30 Uhr klingelte, sprang ich sofort aus dem Bett, ohne nachzudenken. Nun ist es so, dass ich meistens zu lange ausschlafe, seit ich im Flüchtlingslager gestrandet bin, manchmal sogar bis mittags. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin kein Faulpelz. Es macht einfach keinen Sinn, früh aufzustehen ohne Ziel, ohne etwas Sinnvolles zu tun an diesem weiteren sinnlosen Tag. Ich frage mich, warum ich aus dem Bett gesprungen bin an diesem besonderen Morgen, ohne zur Schule oder zur Arbeit gehen zu müssen. Meist mache ich doch einfach den Wecker aus und schlafe weiter, träume von meiner Heimat, der Familie, den Freunden. An diesem besonderen Freitag jedoch spürte ich, dass ich ermutigende Neuigkeiten von meinem Anwalt brauchte. So rief ich ihn einfach an. Er verriet mir, wissen Sie, da könnte etwas Positives auf dem Weg sein, haben Sie etwas Geduld. Wie immer, seit mittlerweile mehr als drei Jahren. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, selbst wenn die ersehnte positive Entscheidung einen großen Bogen um mich macht. Meine Entscheidung, aus der Heimat zu fliehen, setzte meine Familie, Verwandte und Freunde der Gefahr von Gefängnis und Folter aus, dort, weit entfernt von diesem Ort. Und hier, als ich nach Deutschland kam als Flüchtling, habe ich mich so einsam gefühlt. Ich kannte ja niemanden. Anfangs war ich noch voller Zuversicht, dass ich hier bleiben kann. Aber nun es ist schwierig, so wie die Dinge liegen. Das Leben ist voller Herausforderungen, Sorgen und Einschränkungen. Wir haben nicht die Chance, über unser künftiges Leben selbst zu entscheiden. Es ist eine sinnlose Routine im Flüchtlingslager, dass wir lange ausschlafen, jeden Tag das

gleiche Zeug essen, jede Sekunde Es ist nicht nur das System selbst, an die Asylentscheidung denken. wir begegnen auch feindseliger Wir gehen in die Stadt, egal wie, um Einstellung und Behandlung durch dort hin und her zu laufen ohne Be- manche Verantwortlichen wie einige deutung. Das ist langweilig und be- Hausmeister usw. Ich frage mich, ist drückend, oder nicht? Was kann man die unmenschliche Einstellung geschon tun, wenn man keine Richtung genüber Flüchtlingen dann Teil des Systems? Ich glaube nicht, denn es für sein Leben hat? gibt auch freundliches und hilfsbeManchmal braucht man jemanden, reites Personal. einen Freund, um diese ganzen Er- Manchmal kann man eine Menge fahrungen und Herausforderungen schlimmer, verletzender Geschichzu teilen. Aber es ist nicht einfach, ten hören im Flüchtlingslager. Was in einem Flüchtlingslager so ver- ist zu tun, wenn die Grenzen destrauliche und enge Freundschaften sen überschritten sind, was wir bezu schließen. Die meisten von uns wältigen und ertragen können? Uns sind angespannt und belastet, man- betrinken, Fenster oder Türen einchen droht die Abschiebung. Wenn schlagen, uns erhängen oder sich zu du sie gestern noch getroffen hast, einem Hungerstreik zusammentun?? wirst du sie womöglich morgen nicht Sagen Sie mir, was können wir tun in mehr wiedersehen. Für mich ist mein unserer Situation? Was würden Sie Schreibstift mein bester Freund. tun an unserer Stelle? Jede Erfahrung schreibe ich auf einem Stück Papier nieder. Das hilft Neuerdings verbreitete sich in unsemir sehr. Auch diesen Artikel schrei- rem Flüchtlingslager die Nachricht, dass einige iranische Flüchtlinge be ich, um mich nicht aufzugeben! aus Würzburg im Hungerstreik sind. Sie stehen auf, um ihre Ziele zu erAnsonsten... ...erschöpft es Kraft und Zuversicht, reichen. Wenn man den Zeitungen auf die Entscheidung im Asylverfah- glauben darf, hatten die meisten von ihnen Erfolg damit. Das ist es, ren zu warten, Jahr für Jahr. ...erschöpft es Selbstachtung und auf was wir in unserem Lager geWürde, auf das Essenspaket zu war- wartet haben. Ich denke, das ist für uns ein Zeichen der Hoffnung und ten, Woche für Woche. ...erschöpft es Seelenfrieden und Ermutigung, weil wir und mit uns Identität, mit anderen Menschen viele, viele andere in der gleichen Siin einem einzigen Zimmer leben zu tuation sind. Warum nicht diese viel müssen Tag für Tag, ohne Rückzug versprechende Möglichkeit ergreifen, wenn es der einzige Weg ist, um und Zuflucht. ...erschöpft es Hoffnung und Lebens- zu seinem Recht zu kommen? Wir willen, fast keine von den Rechten zu können es auch, wenn wir genug Unterstützer finden. Was ist mit euch, haben, die anderen zustehen. Flüchtlingsrat und Ehrenamtliche? Aber gib niemals auf! Werdet ihr uns dabei unterstützen, Obwohl in den Flüchtlingslagern eine positive und schnelle Entscheimutige und starke junge Menschen dung in unseren Asylverfahren vom leben, begierig nach einem neuen Bundesamt zu bekommen? Ist das Leben und bereit, zum Wohle der wirklich die einzige Alternative für Gesellschaft dieses Landes beizutra- die abgehängten, verzweifelten Mitgen, entzieht ihnen das System den menschen in eurem Land? Boden unter den Füßen und bricht Isaa Yakubu sie in Hoffnungslosigkeit.


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V!VOVOLO e.V. hat Geburtstag! Dieses Jahr feiern wir unser 5 jähriges Bestehen!

Was macht V!VOVOLO e.V.?

Wir sind mit dem Vereinszweck „Hilfe für Flüchtlinge“ ein gemeinnütziger Verein, der sich hier in Würzburg mit und für die Bewohner der GU (Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge) Würzburg engagiert. „Vivovolo” kommt aus dem Esperanto und bedeutet „Lebenswille”. Der Verein ist entstanden, um Menschen zu helfen, die in schwierige Lebenslagen geraten sind. Menschen, Außerdem soll kultureller Austausch die ihre Heimat verlassen mussten, gefördert und unterstützt werden, weil ihre allgemeine Lebenssituation um Menschen wie Sie/Euch und uns sie dazu gezwungen hat.

sensibel für unterschiedliche Kulturen zu machen und Kontakte und Wege für ein positives Zusammenleben zu schaffen. Der Verein V!VOVOLO wurde Anfang des Jahres 2007 in Würzburg gegründet, als rechtlicher Rahmen für verschiedene soziale Projekte und die Möglichkeit, Einzelfallhilfe zu leisten: Eine Form von (finanzieller) Unterstützung, die keine andere Initiative den Flüchtlingen anbieten kann.

Aktuelle Projekte: • Schwimmkurse für Männer, Frauen, Kinder • Mobiles Kultur Café an verschiedenen Orten in Würzburg: Wir zahlen die Bustickets, Eintrittsgelder und ggf. Verpflegung • Fitnesstraining für Männer • Sprachkurse von Flüchtlingen für Flüchtlinge (mit Unterstützung von Studenten und Lehrern) • „Mittwochssprechstunde“ in der GU: Soziale und v.a. finanzielle Sorgen können vorgetragen und gemeinsam gelöst werden • Eigenständige Projekte, die wir fördern: Heimfocus Magazin – Voice For Refugees „die Vögel“ – Theatergruppe aus der GU


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07 / 2012 Einzelfallhilfe:

Einzelfallhilfe bedeutet diskrete und unbürokratische, v.a. finanzielle Unterstützung in/bei besonderen, individuellen, intimen und persönlichen Notlagen und Bedürfnissen • Einzelfallhilfe muss meist schnell und ohne große Umwege geschehen • Einzelfallhilfe ist Hilfe, die ein menschenwürdiges Leben ermöglicht und sich nicht an den Gesetzen und Grenzen des Asylbewerberleistungsgesetzes orientiert • Einzelfallhilfe ist oftmals ein Sprungbrett, eine Übergangsunterstützung, ein Zuschuss, um den Mut und die Kraft zu haben, es alleine zu schaffen und nicht aufzugeben Indem wir Einzelfallhilfe leisten, versuchen wir den Bewohnern der GU das Leben etwas leichter zu machen, ihnen einige Sorgen abzunehmen, ihnen Hoffnung und Kraft zu geben, damit sie durchhalten und weiter atmen können. Wir zahlen zum Beispiel: • Brillen • Orthesen, Prothesen, etc. • Bustickets für Fahrt zum Arzt, auch für die Übersetzer • Medikamente • Taschengeld für Kinder (20 Euro/ Kind/ Monat) wenn die Familie kein Taschengeld vom Staat bekommt und für besonders hilfebedürftige Menschen • Unterstützung von Schwangeren, Babies, Kindern, von alten und kranken Menschen, Traumaopfern, Diabetikern, HIV Patienten… (beispielsweise Ausgaben für Fitness, Schwimmen, besondere Lebensmittel) • Anwaltskosten, Fahrten zum Anwalt • Ausbildungskosten, Sprachkurskosten, Führerschein • Fahrtkosten zu kulturellen, politischen, religiösen Veranstaltungen in anderen Städten • Fahrtkosten für Besuche von Familienangehörigen in anderen Städten Einzelfallhilfe zu leisten ist sehr schwierig. Einerseits ist es irgendwie

immer ungerecht. Unbefriedigend. Ein hoffnungslos unendlich großes Loch im Fass, das man versucht zu stopfen. Man könnte immer mehr geben, andere Leute brauchen immer auch noch was. Manche Dinge werden wieder und wieder aufgerollt und schlucken mehr und mehr unnötiges Geld. Gebühren, Rechnungen, Strafen. Andererseits ist es die schönste Aufgabe, die man haben kann.Hoffnung schenken, Probleme lösen, „Ja“ sagen oder „das zahlen und übernehmen wir“ oder „machen Sie sich keine Sorgen, das regeln wir sofort“. Die Gesichter voller Dankbarkeit, die Erleichterung, das Lachen oder Weinen der Betroffenen geben uns die Kraft, weiter zu machen und noch mehr Geld für Einzelfallhilfe zu akquirieren. Für Projekte kann man Fördergelder beantragen, zum Beispiel von Aktion Mensch. Für Einzelfallhilfe kann man keine Förderanträge stellen. In diesem Jahr haben wir so viel Einzelfallhilfe wie noch nie zuvor leisten können. Ungefähr 6000 Euro haben wir von Januar bis Ende Mai dafür ausgeben können! Das liegt v.a. an der großen Unterstützung von Seiten unserer Freunde und Förderer, den Bürgern der Stadt Würzburg und allen anderen ehrenhaften Spendern. Auch haben wir Spenden und Unterstützung von vielen Kindergärten, Schulen, von der Universität, von Jugendzentren, Jugend- und Kulturinstitutionen der Stadt, von Kneipen und Restaurants erhalten. Festivalund Musik/Kulturveranstalter spendeten uns ihre Gewinne bzw. luden die Bewohner der GU ein, kostenlos an Veranstaltungen teil zu nehmen. Sehr viele großzügige Spenden gingen bei uns ein von privaten Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Abschlussfeiern etc. Dafür danken wir Euch allen sehr! Wer arbeitet bei uns mit? Wir kommen aus verschiedenen Berufszweigen: Handwerk, Wirtschaft und Recht, Medizin, Lehramt für Sonder-, Grund- und Hauptschulen sowie Pädagogik. Wir sind Studenten, Berufstätige, Mütter und Väter, 20jährige und 60 Jährige, Männer

und Frauen. Flüchtlinge, Migranten, Menschen aus Franken und der Welt. Diese Vielfalt und Differenz stellt für uns eine Herausforderung und positive Ressource dar, von der wir uns erhoffen, dass sie unsere persönlichen Ideen und Visionen von verschiedenen Seiten her beleuchtet und interessante Anregungen schenkt. Der Verein V!VOVOLO ist politisch neutral und konfessionsunabhängig. Satzungsinhalt ist auch, dass der Verein Arbeitgeber sein kann. Da wir ein gemeinnütziger Verein sind, kann dies nur unter bestimmten Bedingungen und Einschränkungen geschehen. So zahlen wir einzelnen Projektleitern kleine Honorare als Aufwandsentschädigung für ihr Engagement. Um ehrenamtliche Arbeit und Projekte voranzutreiben und am Laufen zu halten, bedarf es auch an Menschen, die sehr viel mehr Zeit darin investieren als es ehrenamtlich möglich wäre. Und in 2012? Gerade jetzt, wo die Menschen in der GU uns kennen und schätzen gelernt haben, als Förderer und Unterstützer bei individuellen und konkreten finanziellen Anliegen, wollen wir uns bemühen, die Kontinuität dieser besonderen und einmaligen Art von Hilfeleistung zu gewährleisten. Dies ist eine unserer Aufgaben und Herausforderungen für 2012 und die Zukunft. Dafür brauchen wir aber dringend Ihre Hilfe! Wir horten kein Geld, sondern geben es direkt und unmittelbar an die Flüchtlinge weiter. Zur Zeit sind wir wieder sehr knapp bei Kasse. Wir brauchen unbedingt neue Spendengelder! Bitte spenden Sie! Vielen Dank!

V!VOVOLO e.V. Konto Nr. 44936490 BLZ 79050000 Sparkasse Mainfranken Betreff: Einzelfallhilfe

Dörte Volk


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Lagerland Aktionswochen in Würzburg

Abschlussdemo in München Nach monatelangen Vorbereitungen war es am 14. Mai endlich soweit: Zwei Wochen lang fanden in ganz Bayern unterschiedliche Aktionen und Veranstaltungen unter dem Motto „Enough! Equal Rights now!“ („Genug! Gleiche Rechte Jetzt!“) statt. Ziel war es, die Bevölkerung auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam zu machen und gleichzeitig Druck auf die Landesregierung auszuüben, München, Passau, Regensburg und damit sich die Lage der Asylbewer- Würzburg teil. In den mehrstündigen Zusammenkünften wurden die ber endlich ändert. Ziele der Veranstaltungen in den Initiiert wurden die Aktionswochen jeweiligen Städten formuliert. So vom Netzwerk Deutschland-Laentschied sich beispielsweise Pasgerland, das sich seit 2002 für die sau, den Schwerpunkt auf das ArRechte von Flüchtlingen in Bayern beitsverbot zu legen, während Müneinsetzt. Seine Ziele sind unter anchen das Thema Jugendhilfe in den derem die Abschaffung der EssensMittelpunkt rückte. Zusammen mit pakete und der Residenzpflicht. Auf Bamberg machte Würzburg es sich lange Sicht gilt der Einsatz auch der Abschaffung der Flüchtlingslager als zur Aufgabe, in erster Linie über die genereller Unterbringungsorte für Problematik der Essenspakete zu informieren. Auch die Aktionsformen Asylsuchende. wurden besprochen. Die Ideen hierAnfang des Jahres gab es in München für reichten von interessanten und und Landshut jeweils ein Treffenaufrüttelnden Informationsständen des Lagerland-Netzwerks, um die über Vorträge und Kundgebungen bayernweiten Aktionen zu planen bis hin zu Konzerten in Passau und und zu koordinieren. An den TrefRegensburg. In Augsburg gab es sofen nahmen Aktive aus Aschaffengar die Möglichkeit, an einer Lagerburg, Augsburg, Bamberg, Landshut, besichtigung teilzunehmen.

In Würzburg sollten in den zwei Wochen Veranstaltungen verschiedener Art stattfinden, um eine breite Schicht der Bevölkerung zu erreichen. Neben einer Auftaktdemonstration entschied man sich für eine Filmvorführung mit anschließender Diskussionsrunde sowie für einen Informationsstand. Für die zweite Aktionswoche wurde zudem eine Essenspaket-Aktion ins Leben gerufen, bei der Freiwillige eine Woche von Lebensmitteln aus den Paketen der Gemeinschaftsunterkünfte leben sollten. Der Freundeskreis für ausländische Flüchtlinge im Bezirk Unterfranken e.V., kurz FaF, organisierte mit Unterstützung des Ausländerbeirates der Stadt Würzburg die Aktionen in der Stadt. Die Mitglieder des Vereins engagieren sich bereits seit den achtziger Jahren für die Rechte von Asylbewerbern und Flüchtlingen in Unterfranken. Mitglieder sind auch Rechtsanwälte, die Flüchtlinge aktiv in ihren Asylverfahren unterstützen. Neben verschiedenen Aktionen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit werden vom Verein auch Initiativen und Veranstaltungen für und mit Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft gefördert. (weitere Infos unter www.faf-unterfranken.de )


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Am Montag, den 14.05., fand im Rahmen des Würzburger Montagsspaziergangs die Auftaktdemonstration zu den Lagerlandwochen statt. Die Montagsspaziergänger machen seit Februar einmal pro Monat unter dem Motto „Menschlichkeit kennt keine Grenzen“ auf die unhaltbaren Lebensumstände der Flüchtlinge aufmerksam. Mit ca. 80 Demonstranten war die Aktion ein gelungener Start in die Aktionstage. Neben anderen Rednern am offenen Mikrofon ging auch Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat in der anschließenden Kundgebung auf die Situation der Asylbewerber in Bayern ein. Mit seinen Ausführungen über deren Lebensumstände machte er allen Anwesenden klar, wie wichtig es ist, sich weiter gegen diese Asylpolitik auszusprechen und Asylbewerber mit dem OB von Würzburg Herrn Rosenthal auf die Straße zu gehen. Ein paar Tage später wurde mit einem Informationsstand in der Fußgängerzone die zweite Aktionsidee umgesetzt. Unter dem Motto „Stell dir vor, es ist Flucht und du musst mit!“ lenkte der Stand die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Mit Hilfe von Plakaten und Flyern wurden Neugierige über die Situation der Flüchtlinge in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft informiert. Die Fotos der heruntergekommenen Unterbringung und groß ausgedruckte Zitate, auf denen die dort untergebrachten Menschen ihre Probleme beschrieben, machten die Not noch greifbarer. Besonders freute man sich über den Besuch des Bürgermeisters Georg Rosenthal. Dieser begrüßte die Aktion und versicherte den anwesenden Flüchtlingen, sich weiterhin für die Verbesserung ihrer Lage einsetzen zu wollen. Am Sonntag, den 20.05., fand im Rechtsanwälte J.Schürkens und Dr. M. Koch (v.l.n.r.) Programmkino Central die Filmvorvom Freundeskreis für ausländische Flüchtlinge führung „Zwischen Asyl und Abschiebung“ statt. Der Film von Cine für Fragen zur Verfügung. Joachim zu müssen. Die Zuhörer waren schoRebelde in Zusammenarbeit mit Schürkens, der sich als Rechtsanwalt ckiert über die Tücken und Fallen des SAGA - Südbadisches Aktionsbünd- für Asylsuchende einsetzt und diese bürokratischen Systems. Anschlienis gegen Abschiebung – beschreibt in allen Teilen der Verfahren vertritt, ßend nahmen viele die Möglichkeit beeindruckend die Situation der in brachte den Anwesenden das Asyl- wahr, den ausliegenden Protestbrief Gemeinschaftsunterkünften unter- system näher. Besonders eindrück- an die für Unterbringung und Vergebrachten Menschen. In Interviews lich war hierbei die Aussage, dass sorgung der Flüchtlinge in Bayern wird auf ihre bedrückenden Proble- es für die Entscheider sehr viel ein- zuständige Staatsministerin, Frau facher sei, einen ablehnenden Be- Haderthauer, zu unterschreiben und me und Sorgen eingegangen. In der anschließenden Diskussions- scheid zu formulieren, als einen zu- abzuschicken. Mit dieser Massenrunde standen Mitglieder des FaF stimmenden akribisch ausarbeiten briefaktion soll vermehrt Druck auf


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Bereitstellung der Essenspakete in der GU Aub die Regierung ausgeübt werden, damit die unhaltbaren Zustände in den Gemeinschaftsunterkünften alsbald geändert werden. Den absoluten Höhepunkt der Aktionswochen stellte die Essenspaketaktion dar. In monatelanger Vorbereitung hatten die Mitglieder des FaF einen Selbstversuch organisiert. Vierzig Menschen, Mitglieder verschiedener Parteien sowie des Stadtrats, interessierte Bürger, darunter auch Familien und Studenten, ernährten sich eine Woche lang ausschließlich von Lebensmitteln aus Essenspaketen. So stellten sich zum Beispiel Oliver Jörg, Landtagsabgeordneter der CSU, mit der ganzen Familie sowie Alexander Kolbow, SPD-Fraktionsvorsitzender im Würzburger Stadtrat und Silke Trost, Patrick Friedl sowie Antonino Pecoraro von den Grünen dem Selbstversuch. Die Teilnehmer hatten sich freiwillig zu der Aktion bereit erklärt und erhielten, wie Asylbewerber, auf zwei Tage verteilt die ihnen zugeteilten Wochenrationen. Statt Bargeld oder Gutscheine zu verteilen, besteht die Bayerische Landesregierung nämlich immer noch auf dem Prinzip der Sachleistungen. Hierzu werden Listen mit bestimmten Nahrungsmitteln verteilt, unter denen sich die Bewohner der Gemeinschaftsunter-

künfte ihre Lebensmittel aussuchen dürfen. Am Donnerstag, den 01.06., fand dann ein Zusammentreffen der Teilnehmer statt. In einer regen Diskussionsrunde wurden Erfahrungen ausgetauscht und Eindrücke geteilt. Während ein Teil derer, die an dem Selbstversuch teilgenommen hatten, mit der Qualität der Lebensmittel zufrieden war, bemängelten andere diese. Ein großer Kritikpunkt an den Paketen waren die Relationen. Weißbrot und Fleisch mit hohem Fettgehalt wird in rauen Mengen verteilt, wohingegen mit Obst und Gemüse umso sparsamer umgegangen wird. Des Weiteren wurde angemerkt, dass die Bedürfnisse von Kindern nur wenig Beachtung in der Zusammenstellung fänden. Es waren sich jedoch alle einig, dass Essenspakete die Freiheit und Individualität der Menschen einschränken und somit ein Zeichen von Unterdrückung und Bevormundung sind. So war die Aktion auch gedacht, in der das Essenspaket als die am ehesten konkret greifbare Form der Fremdbestimmung nur einen Symbolcharakter hatte für ein inakzeptables Gesamtsystem. Auch Ashkan Khorasani und Waly Taheri, beide Asylbewerber aus der Gemeinschaftsunterkunft in Aub, beschrieben, wie die Pakete ihre

Isolation verstärken und ihren die Integration erschweren. Genau dies ist Ziel dieses Sachleistungsprinzips ist. Denn in Bayern soll die Art der Unterbringung der Flüchtlinge ausdrücklich den Rückkehrwillen der Asylsuchenden fördern und eine Integration verhindern. Gegen diese Form der Asylpolitik gingen dann am Ende der Lagerlandwochen bei der zentralen Abschluss-Demonstration in München nochmals ca. 350 bis 500 Menschen auf die Straße. Sie zogen bis zur Bannmeile vor den Landtag und taten ihren Unmut kund. An der Demonstration beteiligten sich engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie knapp 150 Flüchtlinge aus den verschiedenen Unterkünften aus ganz Bayern. Gerade für sie war die Teilnahme keine Selbstverständlichkeit. Um den eigenen Bezirk verlassen zu dürfen, mussten sie Wochen im Voraus Anträge stellen, um eine Erlaubnis zu erhalten. Diese kostete sie je nach Gutdünken der jeweiligen Verwaltungsstelle bis zu 10€. Wer ohne Erlaubnis in Zügen oder anderen Städten entdeckt wird, hat mit weitreichenden Konsequenzen zu rechen. So freuten sich die Organisatoren besonders, dass trotzdem so viele Flüchtlinge erschienen waren. Alles in allem waren die Lagerlandwochen ein großer Erfolg. Die Beteiligten erhoffen sich, mit den Aktionen viele Menschen informiert und neue Mitstreiter gewonnen zu haben. Die Tatsache, dass sich auch einige Politikerinnen und Politiker aus den Regierungsparteien an den Aktionen beteiligt und ihre Sympathie gezeigt haben, macht Hoffnung. Die in der Asylarbeit Aktiven wurden auf jeden Fall in ihrem Tun bestärkt und werden ihren Weg fortsetzen, bis in Deutschland wirklich das gilt, was für ein demokratisches Land in der heutigen Zeit selbstverständlich sein sollte: Gleiches Recht für alle! Sophia Löble und Wahid Feizy weiter Infos unter: www.deutschland-lagerland.de www.fluechtlingsrat-bayern.de


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Die Welt ist so, wie wir sie gestalten • • • • •

Langzeitarbeitslose bekommen keine Jobs. Für die wachsende Zahl der psychisch Erkrankten gibt es nicht genügend Therapieplätze. Kleinrentner und Geringverdiener ernähren sich mit Hilfe der Tafeln. Für Sozialhilfeempfänger und Studenten gibt es keinen angemessenen, bezahlbaren Wohnraum. Hartz-IV-Empfänger werden menschenunwürdig behandelt und unter ständigen Rechtfertigungsdruck gesetzt.

Und dann sollen Asylsuchende • arbeiten? • Traumatherapie bekommen? • Selbst entscheiden, was sie essen? • In normalen Wohnungen statt in Lagern leben • und menschenwürdig behandelt und willkommen geheißen werden?

schen Pass nicht, dass sie im gleichen Boot sitzen wie die Schutzsuchenden mit anderen Pässen. Sie sind zwar nicht von der Abschiebung ins Ausland bedroht, aber sie sind schon längst abgeschoben ins gesellschaftliche Abseits. Doch auch viele Bürgerinnen und Bürger, die mehr haben, identifizieren sich mit der Politik für die Reichen und Mächtigen in der Hoffnung, vom Kuchen weiterhin ein gutes Stück abzubekommen. Dabei übersehen sie, dass auch ihr Stück vom Kuchen immer kleiner wird.

Was sie alle eint, ist Angst. • dass nicht genug für alle da ist, Merkt ihr was? • dass jeder für sich selbst sorgen muss An den Flüchtlingen spiegeln sich nur die Probleme wi• und dass es schon immer Gewinner und Verlierer geder, die auch ohne sie in unserer Gesellschaft bestehen. geben hat. Diejenigen, die so reden, haben nicht völlig unrecht. Sie machen aber einen entscheidenden Fehler: Sie suchen Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht die besseren die Schuld dafür, dass auch für deutsche Staatsbürger Menschen sind, dass auch wir selbstsüchtige Entscheidie Lebensumstände inakzeptabel sind, bei den Flüchtdungen aus Angst treffen. Aber wir kommen immer wielingen und nicht bei den Politikern, die dafür verantwortder zusammen, um uns und unsere Mitbürgerinnen und lich sind. Mitbürger daran zu erinnern, dass das nicht die Wahrheit ist. Die Welt ist so, wie wir sie gestalten. Es ist unsere Wenn wir uns einsetzen für eine menschenwürdige BeEntscheidung! handlung der Flüchtlinge, dann müssen wir uns einsetzen Wir lassen uns nicht spalten! für eine menschenwürdige Behandlung aller Menschen. Wir stehen auf für eine Asylpolitik, die Menschen willDann brauchen wir gerechte Arbeitseinkommen, menkommen heißt! schenwürdige Grundeinkommen, gesunde und gerechte Wir stehen auf für eine Gesellschaft, die die MenschenArbeitsverhältnisse, bezahlbare Wohnungen und frei zuwürde achtet! gängliche Bildung für alle, die hier leben. Wir stehen auf für eine Wirtschaft, die am Gemeinwohl orientiert ist! Die Politiker, die sagen, das alles sei nicht bezahlbar, Die Würde des Menschen ist unantastbar! haben aus ihrer Sicht Recht, denn sie gehen davon aus, Die Menschenrechte sind unteilbar! dass die massive Ungleichverteilung von Macht, Besitz und Geld erhalten bleiben soll. Dafür müssen sie die Bernd Greschke Schwächsten klein halten und Neid schüren zwischen Arzum 74. Würzburger Montagsspaziergang beitslosen, Geringverdienern und Kleinrentnern auf der Auftakt der Lagerland-Aktionswochen vom 14.-26einen und Flüchtlingen auf der anderen Seite. So lange .5.2012 das funktioniert, merken die „Habenichtse“ mit deut-


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PRO ASYL : Flucht ist kein Verbrechen! Bald alle Flüchtlinge in Haft?? Das darf nicht sein:

PRO ASYL - Kampagne gegen die Inhaftierung schutzsuchender Menschen! PRO ASYL: Bei ihrem Treffen am 26. April 2012 in Luxemburg besprachen die EU-Innenminister die Änderung der EU-Richtlinie zur Aufnahme von Asylsuchenden. Die Neuregelung schafft rechtliche Grundlagen für eine umfassende und systematische Inhaftierung schutzsuchender Menschen. Das Europäische Parlament hat den Schlüssel in der Hand, die geplanten Verschärfungen zu verhindern! Hier können wir etwas tun! Bitte setzen wir uns alle dafür ein, dass diese Richtlinie gekippt wird! Protestkarten können kostenlos direkt bei PRO ASYL angefordert werden unter: http://www.proasyl.de/de/shop/postkarteplakat/ Sie können auch persönlich schreiben an Martin Schulz Präsident des Europäischen Parlaments Rue Wiertz 60 /1047 BRUXELLES / Belgien Weitere Infos unter http://www.flucht-ist-kein-verbrechen.de/


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„Kirchenasyl ist eine Gewissensentscheidung“ Burkhard Hose, Hochschulpfarrer, KHG Würzburg

Äthiopischer Flüchtling im Kirchenasyl in der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg Soll ich den Mofaführerschein machen? Was bekomme ich wohl im Zeugnis in Mathe? Soll ich echt noch mit meinen Eltern in die Ferien fahren oder lieber mit den Kumpels? Wird die Tanzstunde am Freitag wieder so super? Und was machen wir am Wochenende? - Ganz normale Fragen in einem ganz normalen Leben eines 16jährigen hier. Es ist gut so, und es sei jedem von unseren Kindern von Herzen vergönnt, das Heranwachsen mit seinen Herausforderungen, aber auch mit seinen Träumen und Plänen, mit Freunden, Spaß und mutmachenden Erfahrungen zu durchleben. Ebrahim Akmel Temam lief da bereits um sein Leben. Bis vor wenigen Tagen, lange, harte 5 1/2 Jahre lang. Als 16Jähriger ist er aus seiner Heimat Äthiopien geflohen. Nach einer langen und von extremen körperlichen und psychischen Belastungen geprägten Flucht ist er über Malta in die EU eingereist. Sein Weg führte ihn schließlich nach Deutschland. Nun droht ihm die „Rückführung“ nach Malta, wo ihn nach Einschätzung von angesehenen und erfahrenen Flüchtlingsorganisationen menschenunwürdige Verhältnisse erwarten. Dies belegt die gerade eben erschienene Monitoring-Studie „Malta:‘Out of System‘“[1] eindeutig und erschütternd. So müsste Deutschland rund 3 Millionen Flüchtlinge und Asylbewerber beherbergen, sollte es im Verhältnis zur Bevölkerungszahl Malta gleichkommen. Malta beherbergt rund 27mal mehr Flüchtlinge als Deutschland. Es gibt keine EU-Übernahmevereinbarungen, die die überforderten und armen Erstaufnahmeländer im Süden Europas entlasteten. Die humanitäre Lage dort ist katastrophal. Das spielt jedoch keine Rolle: die Behörden handeln, auch im Fall von Ebrahim, nach dem sog. Dublin IIAbkommen: Danach ist derjenige EUStaat für das Asylverfahren zuständig, den der Fliehende auf europäischem

Ebrahim Akmel Temam Boden zuerst betreten hat, ungeachtet der dort herrschenden Verhältnisse für Flüchtlinge und Asylsuchende. Damit hat Deutschland den Joker gezogen, denn außer per Flugzeug oder Schiff kann niemand hierher gelangen ohne Transit durch EU- Nachbarstaaten. Wie Frachtgut werden so tausende ohnehin entwurzelter Menschen durch Europa hin- und hergeschoben: Laut Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) richtete allein in Jan.-April 2012 Deutschland 3.159 Übernahmeersuchen an andere EU-Staaten, in umgekehrter Richtung wandten sich immerhin in 1.113 Fällen andere EU-Länder an die Bundesrepublik. Seit dem 16. Mai 2012 kann Ebrahim, nun 21 Jahre alt, vorerst aufatmen und zur Ruhe kommen, wenn auch noch lange nicht in die Normalität seiner deutschen Altersgenossen, denen er nun täglich begegnet: Die Katholische Hochschulgemeinde in Würzburg hat ihn in ihre Obhut genommen, gewährt ihm Schutz, Solidarität und Freundschaft im Kirchenasyl, das auf eine sehr lange Tradition zurück blickt. Dazu heißt es im »Gemeinsamen Wort der Kirchen zu den Herausforderungen durch Migration und Flucht« (1997):

„Es ist von ihrem Selbstverständnis her Aufgabe der Kirchen, immer dort mahnend einzugreifen, wo Rechte von Menschen verletzt sind und sich eine kirchliche Beistandspflicht für bedrängte Menschen ergibt. Die Praxis des sogenannten Kirchenasyls ist nicht zuletzt auch eine Anfrage an die Politik, ob die im Asyl- und Ausländerrecht getroffenen Regelungen in jedem Falle die Menschen, die zu uns gekommen sind, beschützen und vor Verfolgung, Folter oder gar Tod bewahren. Kirchengemeinden, die sich für die Verwirklichung dieser Menschen- und Grundrechte einsetzen (...), verdienen für ihr Eintreten für ethische Prinzipien, die zu den Grundlagen unseres Glaubens gehören, grundsätzlich Unterstützung und Anerkennung.“ Der verantwortliche Hochschulpfarrer Burkhard Hose und sein engagiertes Team haben sich zu diesem Schritt nicht leichtfertig entschlossen, sondern nach wochenlanger verantwortungsvoller Diskussion und Prüfung, nachdem eine Vielzahl von Fragen mit Anwälten, Ärzten, Flüchtlingsorganisationen vorab geklärt worden waren. „Wichtig war für uns, ein Kirchenasyl mit Herz und Verstand zu beginnen“, so Burkhard Hose, „Engagement und guter Wille allein dienen weder dem Betroffenen noch dem Instrument des Kirchenasyls. Das Kirchenasyl war und ist eine Reaktion auf die ungelösten menschenrechtlichen Probleme des deutschen Asylrechts. Als ultima ratio im Einzelfall verweist jedes Kirchenasyl exemplarisch auf die schwerwiegenden Defizite – so auch im Fall von Ebrahim.“ Dabei gehe es nicht darum, den Rechtsstaat in Frage zu stellen, sondern eine erneute Prüfung der besonderen Situation von Ebrahim zu erreichen. Durch das Kirchenasyl solle darauf aufmerksam gemacht werden, dass aus Sicht und Kenntnisstand der KHG auf Grundlage der Dublin II-Ver-


22 ordnung, nach der Malta für Ebrahim zuständig ist, seitens der Bundesrepublik Deutschland dem konkreten Menschen nicht ausreichend Schutz gewährt werde. „Humanität darf nach unserer Überzeugung aber nicht an Grenzen der Zuständigkeit enden“, so Burkhard Hose. „Aus humanitären Gründen und vor dem Hintergrund unserer christlichen Verantwortung haben wir deshalb entschieden, Ebrahim bis zu dem Zeitpunkt Kirchenasyl zu gewähren, ab dem die Behörden der Bundesrepublik als zuständige Behörden nach dem hier geltenden Ausländerrecht handeln und einen der besonderen Situation entsprechenden Schutz gewährleisten. »Kirchenasyl« setzt keine anderen Rechtsnormen als die in der Verfassung und im internationalen Recht geltenden. Aber es unterstellt, dass auch staatliches Handeln im Einzelfall fundamentale Rechtsnormen übersehen oder gar missachten kann.“ Der Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann stärkt in einer ersten Stellungnahme zum Kirchenasyl der KHG den Rücken: „Für die Diözese Würzburg ist es eine Ermessensentscheidung, einem besonders schutzbedürftigen Menschen in seiner Not Asyl in einem Gotteshaus zu gewähren. Die Kirche will damit nicht ein Eigenrecht für sich beanspruchen, sondern sieht sich verantwortlich für den einzelnen Menschen, der in eine äußerst schwierige Notsituation geraten ist. Die Diözese Würzburg hofft, dass sich für den äthiopischen Flüchtling und für alle beteiligten Stellen und Gruppen eine zufriedenstellende Lösung finden wird.“ Für Burkhard Hose mit dem Team der KHG sind die Herausforderungen dieser anstrengenden, intensiven Zeit, solidarisch getragen auch von vielen engagierten Studenten und weiteren Unterstützern, Anlass, als Christ in seinem Handeln Farbe zu bekennen: „Die Entscheidung für Kirchenasyl ist eine Gewissensentscheidung. Für uns ist sie eine Form der praktizierten Nächstenliebe und zugleich eine Form des prophetischen Auftrags der Christen. Was wir tun, ist vielleicht nicht legal, aber legitim. Es gibt Situationen, in denen das Gewissen von Christen in Widerspruch zu staatlichen Regelungen und Maßnahmen geraten und zu

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Pressekonferenz zum Kirchenasyl: v.l.n.r.: Rechtsanwalt Joachim Schürkens, Ebrahim Akmel Temam, Hochschulpfarrer der KHG Burkhard Hose

Ebrahim mit Unterstützerinnen von der KHG Verstößen gegen gesetzliche Bestim- bleibend für mich und für viele von uns deutlich wird: Der einzelne Mensch in mungen führen kann.“ Es sei ihm klar geworden, dass es beim seiner Not ist immer wichtiger als ein Kirchenasyl nicht nur um das Gebäude System.“ So fasst Burkhard Hose seigehe, in dem Ebrahim nun Schutz und ne persönliche und hoffentlich weit endlich eine Art Zuhause erfahren sol- über dieses Würzburger Kirchenasyl le. Vielmehr machten die Menschen zum Nach- und Umdenken ermutidas aus, was in diesem Schutz wirk- gende Erkenntnis zusammen. lich zählt: ihre Freundschaft, die viel- Dank und Anerkennung an die Kathofältige Unterstützung und die soziale lische Hochschulgemeinde Würzburg Teilhabe am Leben in der KHG seien für ihren mutigen und aufrichtigen Einsatz für einen jungen Menschen in ausschlaggebend. „Schließlich danke ich unserem Gast höchster persönlicher Not. Dir, EbraEbrahim. Er hat uns in den ersten auf- him, wünschen wir nun nach der jahreregenden Tagen und auch schon in der langen Flucht ein Stück Heimat in FrieVorbereitung bereits so viel zurück den, Sicherheit und Gastfreundschaft gegeben. Ich danke ihm auch für sein und die Zuversicht auf eine gute ZuVertrauen, das er uns entgegenbringt. kunft. Eva Peteler Ihm war von Anfang an bewusst, dass [1] http://www.proasyl.de/de/news/ Kirchenasyl auch mit einem Risiko für ihn verbunden ist. Ich bin dankbar da- detail/news/out_of_system_neuer_ für, weil mir in der Begegnung mit ihm bericht_zur_situation_von_fluechtauch wieder etwas ganz Wichtiges lingen_in_malta/


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Malta -"Out of System" Aus dem aktuellen Bericht von PRO ASYL und dem Verein bordermonitoring.eu

Der kleine Inselstaat ist für Flüchtlinge eine Sackgasse. Ihnen drohen Haft und Obdachlosigkeit. Malta geht äußerst schäbig mit den lebend ankommenden Bootsflüchtlingen um und verletzt in zahlreich dokumentierten Fällen seine Pflicht, Menschen aus Seenot zu retten. Alle neu ankommenden Asylsuchenden werden inhaftiert, auch die Überlebenden der zahlreichen Flüchtlingskatastrophen vor der maltesischen Küste. „Out of System“ beschreibt die Situation jener, die ohne einen Platz in einem Flüchtlingslager und ohne finanzielle Unterstützung, also faktisch mittel- und obdachlos, auf der Insel leben. Dies betrifft einen nicht geringen Teil der Flüchtlinge auf Malta. Auch jene Flüchtlinge und Asylsuchende, die noch nicht „Out of System“ sind, finden in Malta keine menschenwürdige Aufnahme. Aufgrund der Dublin-II-Verordnung haben Flüchtlinge kaum Chancen, von hier weg zu kommen. Die Herausgeber kommen zu dem Schluss: Malta verstößt mit der systematischen Verelendung von Schutzsuchenden gegen elementare Menschenrechtsstandards und gegen EU- Recht. Dass Flüchtlingen aus anderen EU-Staaten – auch aus Deutschland – weiterhin ins Elend nach Malta abgeschoben werden, ist ein Skandal, der beendet werden muss.

Symposion zum Flüchtlingsschutz fragt nach Alternativen zu „Dublin II“

Am 18. und 19. Juni fand in Berlin das diesjährige Symposion zum Flüchtlingsschutz statt. Es will die „gerechte Verteilung von Schutzsuchenden in Europa“ ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen. Während die Gremien der Europäischen Union an der Reform des Europäischen Asylsystems arbeiteten, haben der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) und der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) zu zentralen Problemfeldern des Flüchtlingsschutzes wichtige Grundsatzurteile gefällt. Im Januar 2011 verurteilte der EGMR Griechenland und Belgien, nachdem ein afghanischer Asylsuchender gegen seine Behandlung in Griechenland und seine Abschiebung dorthin Beschwerde eingelegt hatte. Es folgte im Dezember 2011 ein Grundsatzurteil des EuGH zur menschenrechtskonformen http://www.proasyl.de/de/themen/ Auslegung der Dublin-II-Verordnung, eu-politik/detail/news/out_of_sys- wonach Abschiebungen in Mitgliedtem_zur_situation_von_fluechtlin- staaten zu unterbleiben haben, wenn gen_in_malta/

dort aufgrund „systemischer Mängel“ eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung droht. Im Februar schließlich bestätigte wiederum der EGMR, dass Menschenrechte von Flüchtlingen auch auf hoher See gelten und die im Jahr 2009 von Italien durchgeführten Abschiebungen von eritreischen und somalischen Flüchtlingen nach Libyen eine Missachtung der Europäischen Menschenrechtskonvention darstellten. Mit diesen Grundsatzurteilen hat die Debatte um die europäische Flüchtlingspolitik neue Nahrung erhalten. Die Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen – insbesondere die Inhaftierungspraxis, die Aufnahmebedingungen, die Dublin-Abschiebungen, die Situation an den Grenzen, die Kooperation mit Transitstaaten und die Zurückweisung auf hoher See – müssen nun neu gestellt werden und im Lichte der Grundsatzurteile beantwortet werden. http://www.eaberlin.de/programm_ detail.php?vstg_id=9848&archiv=0 http://www.proasyl.de/de/news/detail/news/symposion_zum_fluechtlingsschutz_fragt_nach_alternativen_ zu_dublin_ii/


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Aus der Einführung zur Stückentwicklung „Die Schutzflehenden“ von Prof. Ulrich Sinn

©Alle Bilder von der Aufführung: Falk von Traubenberg

Einige Worte zur Formulierung des Stücktitels „Die Schutzflehenden“ nach Euripides: Als „Schutzflehende“ bezeichnete man im antiken Griechenland, der Kultur, der wir das Asylrecht verdanken, alle Menschen, die in einer Notlage Zuflucht in einem Heiligtum gefunden hatten. Diese Rückbesinnung auf die nunmehr 3000 Jahre währende Geschichte des Asylrechts in Europa ist nicht zuletzt deshalb so wichtig und hilfreich, weil sie das kontinuierliche Ringen um die Wahrung der Idee des Asyls vor Augen führt. Für die Meinungsbildung in unserer Zeit ist es nicht unerheblich, dass die Idee des Asyls trotz mannigfacher Rückschläge niemals verloren ging. Als Griechenland in das Imperium Romanum und damit in das römische Rechtswesen eingebunden wurde, hat der römische Senat nach zwei Jahre währenden Beratungen den Griechen das einzig auf sakralen Grundüberzeugungen beruhende Asylrecht weiter zuerkannt. So überdauerte es den Religionswechsel in der Spätantike und behauptete sich über das Mittelalter bis in die Neuzeit. Auch das christliche Kirchenasyl legt davon Zeugnis ab. Heute liegen zum Umgang mit Flüchtlingen und Asylsuchenden in internationalen Konventionen, in europäischen Verordnungen und in deutschen

Gesetzeswerken Richtlinien vor, die den Verantwortungsträgern einen weiten Entscheidungsspielraum eröffnen: Wer aus ordnungspolitischen Gründen die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland so gering wie irgend möglich halten möchte, kann sich auf den 1993 modifizierten Asylartikel 16a unseres Grundgesetzes berufen, ebenso auf das sog. Dublin-II-Abkommen der EU aus dem Jahr 2003 und die Durchführungsverordnungen des Bayerischen Asylbewerberleistungsgesetzes aus den Jahren 2002-2012. Wer sich an diesen gesetzlichen Vorgaben orientiert, hat das Recht auf seiner Seite! Zugleich aber verstößt er gegen den humanitären Auftrag, wie er verbindlich im „Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“ der Genfer Flüchtlingskonvention von 1967 formuliert ist. Insbesondere missachtet er den die Achtung der Menschenwürde einfordernden Artikel 1 unseres Grundgesetzes.

Die Frage des Asyls geht uns alle an: Unser Umgang mit den Flüchtlingen sagt etwas aus über den Zustand unserer Gesellschaft.


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Interview

„Die Schutzflehenden“ Theater als Aufforderung zur Mündigkeit Hans Werner Kroesinger: „Das ist, was in unserem Namen geschieht!“

Hans-Werner Kroesinger

Das Heimfocus-Team im Gespräch mit Hans-Werner Kroesinger, verantwortlich für die Inszenierung und Entwicklung des Dokumentar-Stückes „Die Schutzflehenden“ sowie mit Rob Moonen, verantwortlich für Bühnenbild und Videoeinspielungen. ergibt sich einfach eine andere Spannung und eine andere Form von Auseinandersetzung. Das Theater ist ein sehr guter Ort, an dem öffentlich gedacht werden kann, in jeder künstlerischen Form. Das Dokumentartheater, Heimfocus: Das Theater ist nach Ihrer Aussage wie ich es verstehe, versucht, Spuren immer eine Auseinandersetzung mit zu legen in einen relativ komplexen Menschen. Inwiefern trifft dies beson- Gegenstand. Und wir versuchen, den ders auf das Dokumentartheater zu, in Menschen Material anzubieten, zu das sich auch das Projekt „Die Schutz- dem sie sich dann verhalten können. Es ist die Aufforderung, mit uns geflehenden“ einordnet? meinsam zu arbeiten und sich über Hans-Werner Kroesinger: Wir beschäftigen uns mit Dingen, die diese Arbeit zu positionieren. um uns herum wirklich passieren, die Bestandteil unserer Geschichte und Heimfocus: Gesellschaft sind. Man neigt zur Aus- Sie stellen sich in Ihrer Arbeit schwiesage hin, Geschichte und Politik seien rigen Themen, die sonst gerne verimmer so weit von einem weg – das drängt oder verschwiegen werden. ist aber nicht so. Wenn Sie es in den Dabei wollen Sie aber nicht den moraNachrichten mitbekommen, dann sind lischen Zeigefinger heben. Was ist Ihr es Sekunden-Meldungen oder in der Anliegen? Zeitung ein kleiner Artikel, und dann Hans-Werner Kroesinger: blättert man weiter. Aber im Theater Ich würde den Prozess in zwei Phahat man den großen Vorteil, dass es sen beschreiben. Wenn ich anfange, ein Ort der Konzentration ist. Da fin- mich für ein bestimmtes Thema zu den sich Leute zusammen, die in die- interessieren, dann zunächst aus ganz ser Konstellation nur an diesem einen persönlichen Motiven. Im Schnitt verAbend so aufeinander treffen. Und auf bringe ich ein halbes bis ganzes Jahr der Bühne wird das verhandelt, was mit einem Thema. Im Arbeitsprozess mit diesen Leuten zu tun hat. Dadurch habe ich dann die Möglichkeit, ausHerr Kroesinger, Herr Moonen, wir danken Ihnen für Ihre Zeit, die Sie uns unmittelbar vor der Premiere des Stückes zur Verfügung stellen.

Hans-Werner Kroesinger und Rob Moonen

zuloten, was es da zu recherchieren gibt. Dabei lerne ich sehr viel. Man stößt immer wieder auf Dinge, die man nicht erwartet hat. Wenn man das Theater als Angebot ernst nimmt, ist es ein Versuch, dem Publikum das zu kommunizieren, was man selbst gelernt hat. Da sind viele Widersprüche in dem, was man lernt, und diese muss man aushalten. Wenn ich es schaffe, dies in einer Form dem Publikum zu präsentieren, dass es sagt: „Darüber möchte ich gerne mehr erfahren“, in einem hier so konkreten Fall wie Asylrecht in Deutschland, kann das bedeuten, dass man sich mit lokalen Initiativen zusammensetzt, dass man fragt, was man tun kann. Aber auch, dass man anfängt, darüber nachzudenken, in welcher Art von Staat wir eigentlich leben, wie diese demokratische Bundesrepublik aussieht: Was steht hinter diesen wohltönenden Worten von der Gleichheit, von der Freiheit und der Chancengleichheit, und was ist dazu die Realität? Dass


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man anfängt, es zu überprüfen. Und dann der nächste Schritt: Das wusste ich so nicht, darüber möchte ich gerne mehr wissen: Frontex, was ist das eigentlich, was machen die da? Und die Asylgesetzgebung in Bayern, ist das wirklich so und warum? Ist sie überall so? Über diese Fragen kommuniziert man eine Offenheit, ein Interesse in die Gesellschaft hinein. Das schafft dann eine andere Gesprächskultur und diese wiederum schafft eine andere Lebenskultur. Das hat dann Folgen, wie wir mit dem Thema umgehen. Es kommt dann nah und betrifft uns. Heimfocus: Dieses Thema der Interessenpolitik, Schein und Sein der westlichen Ideale, hat auch direkt mit dem Umgang mit Flüchtlingen zu tun. Wie kamen Sie zu diesem Thema Flucht und Asyl, Heimat und Fremde? Hans-Werner Kroesinger: Kai Tuchmann, zu der Zeit Dramaturg an diesem Haus, rief mich an, und er erzählte mir von der Asylbewerberunterkunft in der Stadt, die mit dem Euphemismus „Gemeinschaftsunterkunft“ (GU) bezeichnet wird. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass es in Bayern eine besondere Asylgesetzgebung gibt, die sich von anderen Bundesländern unterscheidet. Das hat mich sehr erstaunt und ich fing an, mich damit zu beschäftigen. Je mehr man das tut, umso mehr erstaunt es. Aus diesem Erstaunen entsteht dann Wirkung. Es ist ja auch etwas, was die Stadt betrifft, aber die Stadt ist nur ein

Beispiel für die Situation in Bayern, in Deutschland. Das sollte man bearbeiten, weil das Theater ein Ort ist, wo die Interessen der Gesellschaft verhandelt werden. Damit kann man den öffentlichen Raum schaffen und die Diskussion verbreitern. Das ist die Idee.

sich die Situation der Exilanten zwischen 1933 und 1945 anschaut, glaubt man, dass Deutschland da eine ganz besondere Verantwortung hat. Und Deutschland hatte ja nicht per Zufall das liberalste Asylrecht der Welt – gehabt.

Heimfocus: Der Begriff „Asyl“ kommt aus der Antike und beruht auf dem Konsens über die Existenz „heiliger Orte“, die sich jedem Zugriff von außen entziehen, an denen ohne Vorbedingungen, gleich aus welchem Grund, jedem Schutzflehenden Schutz gewährt wird. Haben wir heute noch Orte oder Zusammenhänge, die uns heilig sind? Hans-Werner Kroesinger: Die haben wir bestimmt. Das hat etwas zu tun mit dem Respekt vor dem anderen. Aber natürlich muss man sagen, dass sich die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal eingehend entwickelt hat, dass im Vordergrund massiv ökonomische Interessen stehen. Das war früher nicht weniger, doch die Welt ist kleiner, schneller geworden. Die Globalisierung ist nicht nur der Austausch von Produkten; es findet alles überall statt und alles ist überall zugänglich. Das führt natürlich zu Spannungen und auch dazu, dass wir uns anders mit Konflikten auseinandersetzen müssen. Und gerade ein Staat wie die Bundesrepublik Deutschland, in Referenz zur deutschen Geschichte, sollte sehr vorsichtig mit Fragen des Asylrechts umgehen. Das ist einfach ein Bestandteil unserer Geschichte. Wenn man

Heimfocus: Von Euripides bis heute ist ein sehr großer Bogen zu spannen. Was ist die Sehne an diesem Bogen, was hält die Enden zusammen? Und wohin fliegt der Pfeil, der von ihm abgeschossen wird? Hans-Werner Kroesinger: Der Pfeil fliegt los – und man kann nie genau sagen, wo er landet. Wichtig ist, dass er abgeschossen wird und los fliegt. Was den Bogen zusammenhält, ist eine Frage der Perspektive. Was uns selbst überrascht hat, als wir Euripides und Aischylos gelesen haben, ist die Selbstsicherheit, mit der die Asylanten dort auftreten, die Schutzsuchenden, weil sie sich auf ein göttliches Recht berufen können. Sie kommen nicht als Bittsteller, sondern sie fordern etwas ein, was ihnen zusteht – wenn man ernst nimmt, dass alle Menschen gleich sind. Es verbindet sich auch mit der gemeinsamen Kultur. Für die Griechen ist das Moment der Sprache ganz wichtig. Wer die Sprache nicht sprechen konnte, war ein Barbar. Über Sprache verständigt man sich. Man beruft sich auf eine gemeinsame Kultur, aus der man ableiten kann, welche Rechte man hat. Wenn wir dann zu heute den Bogen schlagen: Natürlich wäre wichtig, dass


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man den Asylbewerbern hier sofort den Zugang zur Sprache ermöglicht. Über die Sprache kann ich mich in der Gesellschaft einbringen. Sie ist die Voraussetzung, Dinge in Bewegung zu setzen. Da haben wir zum Beispiel einen Punkt, in dem die beiden Zeiten miteinander korrespondieren. Rob Moonen: Das ist ein Fall, der den Populismus in der Politik betrifft. In den Niederlanden, wo ich herkomme, nutzt unsere Politik das Asylrecht aus, um zu polarisieren. Mit seiner Jahrhunderte alten Geschichte von Kolonialismus und Imperialismus hat Holland die gleiche Verantwortung wie Deutschland. Davor verschließt man dort aber die Augen und sagt: „Ihr müsst hier raus, es gehört alles uns.“ – Wilders mit seiner „Partei für die Freiheit“, mit einer Freiheit, die damit anfängt, Menschen zu diskriminieren, ihnen auf Grund von Überzeugungen oder Religion zu sagen, dass sie hier nicht hingehören und besser wieder Hause gehen. Populistisch zu pauschalieren, der Islam sei per Definition schlecht, weil alle Muslime Terroristen seien. Ich hoffe, dass wir mit dem, was wir hier machen, in eine andere Richtung weisen können, den Menschen sagen, sie sollen in ihre eigene Geschichte zurückschauen und ihre Verantwortung wahrnehmen. Hans-Werner Kroesinger: Asylpolitik wird massiv mit Sicherheitspolitik verbunden, es werden Angstfantasien erzeugt. Bei Angst ist vieles möglich, was man an Grundrechten aussetzen kann. Wir wissen, dass in der Bundesrepublik mit dem Thema Asylrecht auch Wahlkämpfe gewonnen worden sind. Doch wenn wir den berühmten mündigen Bürger im Auge haben, wäre es natürlich gut, ihm auch Möglichkeit zu geben, sich mündig zu machen, sich also zu Dingen zu verhalten. Und diese Art von Theater, die wir mit Rob Moonen machen, ist unsere Aufforderung zu Mündigkeit. Wir verhandeln da etwas in der künstlerischen Form und haben ganz viel mit Sprache zu tun. Diese Umwertung von Sprache – und Sprache ist ein sehr sensibles Instrument, wenn Sie zum Beispiel von der „Asylantenflut“

sprechen, in den Niederlanden vom „Deichbruch“: Dies sind natürlich alles Bilder, die Ängste bei den Menschen hervorrufen. Und dann wird nicht mehr im Interesse derjenigen gedacht, die da ankommen. Das ist interessant, wenn man sich die Situation in der Gemeinschaftsunterkunft anschaut: Sie ist ja nicht aus den Interessen der Flüchtlinge da. Die Gemeinschaftsunterkunft ist deswegen da, weil es ein Territorium ist, das relativ gut kontrolliert werden kann, ein militärischer Komplex. Das ist eine Frage der Perspektive, und wenn ich diese Perspektive einnehme, baue ich auch ein bestimmtes Verhältnis zu den Leuten auf. Kunst ist immer eine Möglichkeit, die Perspektive zu verändern, sich auf vielen Ebenen neu zu positionieren. Dafür liefern wir Anreize. Heimfocus: Die sog. mündigen Bürgerinnen und Bürger sind häufig angstbesetzt und abwehrend, sie sehen in denen, die von außen kommen, nicht jemanden, der einen großen persönlichen Reichtum mit sich bringt, sondern eine Bedrohung oder gar jemanden, der minderwertig ist. Welche Möglichkeiten hat das Theater, diese Negativbilder aufzubrechen? Hans-Werner Kroesinger: Das Theater ist ein Versammlungs-


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raum, das ist sein Vorteil. Da begegnen diesem Thema auch Menschen, die nicht unbedingt an Asyl interessiert oder gar mit dem Thema vertraut sind. Und sie begegnen dem Thema vielleicht anders als sonst, da justieren sich vielleicht bestimmte Dinge um. Plötzlich sieht man in diesem Zusammenhang Dinge anders, weil man dann eine andere Erfahrung gemacht hat. Das kann man nicht alleine, es funktioniert erst dann, wenn es auf mehreren Ebenen behandelt wird: im Theater, in den Medien, in Initiativgruppen. Menschen begegnen Themen in vielen Zusammenhängen, und durch die regelmäßige Begegnung damit verändern sich Perspektiven. Die meisten Menschen wissen nicht, was eine Erstbefragung, was Frontex ist. Zusammenhänge werden hergestellt und plötzlich merkt man: Moment mal, das passiert ja alles in unserem Namen. So können Fragen entstehen. Rob Moonen: Wichtig ist, dass richtige Informationen weiter gegeben werden. Wenn man gesagt bekommt, dass hierzulande nur etwas mehr als ein Prozent der Asylanträge positiv entschieden wird, ist das lächerlich. Auf einhundert Asylbewerber darf nur einer bleiben. Ich glaube, in den Köpfen der Menschen ist ein ganz anderes Bild. Das ist das Bild dieser Flutwelle. In den Niederlanden geht das Gespenst um, dass in unseren Großstädten in ein paar Jahren mehr Ausländer als Einheimische leben werden. Wer sind denn diese

Ausländer? Alle Menschen, die aus unseren ehemaligen Kolonien, welche wir leer geraubt haben, nun zu uns gekommen sind, weil sie tatsächlich Holländer waren - und die wir jetzt plötzlich wieder zu Surinamesen und Antillianern usw. machen? So kann man natürlich Zahlen manipulieren, was Parteien im linken oder im rechten Populismus gerne tun. Damit können sie Stimmung und Angst machen. Das müssen wir unterbrechen, den Leuten die richtigen Informationen geben statt manipulierter Daten. Ich hoffe, dass wir hier einen wichtigen Beitrag leisten können. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen die Geschichte ihres eigenen Landes nicht kennen. Die Rückkopplung zu der vergangenen Zeit fehlt: Was haben wir früher gemacht, haben wir dafür keine Verantwortung? Der Spieß wird sich umdrehen, wie in unserem Stück: Brasilien, China, Afrika, es gibt ehemalige Kolonien, die jetzt hochkommen, aufsteigen. Es wird einmal so sein, dass Europa auf dem Schlauch steht und dass wir gerne nach Afrika oder Asien gehen würden. Heimfocus: Sie setzen sich mit einem polarisierenden, auch angstbesetzten Thema auseinander. Wie setzen Sie es auf der Bühne um? Rob Moonen: Hauptsächlich über die Sprache und über das Vermitteln von Information. Um von meinem Anteil zu sprechen: Die Bühne ist ästhetisch. Man sieht vorbeiziehende Landschaften, das Mittelmeer, wohin die Menschen in die Ferien fahren. Aber das Mittelmeer ist ja auch das größte Grab Europas. Man macht es auf der Metaebene: Da sind Situationen und Bilder, die das Stück selbst auch hat. Man muss es sich selbst hinein projizieren, und dann hat man seine eigenen Assoziationen dazu. Das Gleiche habe ich mit der Einrichtung der Bühne gemacht. Wir haben den „eisernen Vorhang“, die Grenze, vor der Bühne. Die Grenze geht langsam auf, da ist eine Tür. Einer darf durchgehen, die anderen nicht. Der Vorhang geht langsam auf, der Raum

erschließt sich. Da sind diese Leute: Wer sind sie? Sie haben keine Identität. Erst im Nachhinein bekommen sie ihre Identität im Zusammenspiel mit den Spielerinnen und Spielern. Dann ist dort diese Riesenskulptur, die wie das Schwert des Damokles hineinkommt. 100 Stühle: Ein Stuhl, der steht, und 99, die gedrängt in der Luft hängen, um diesen Prozentsatz der Anerkennungen zu deuten. Das hat eine sehr ästhetische Komponente und hinterlässt Eindruck. Hans-Werner Kroesinger: Jede von diesen scheinbar ästhetischen Entscheidungen hat inhaltliche Folgen. Wir fangen beispielsweise im Foyer an. Dort haben wir eine Kamera eingerichtet und fangen mit der Rede des Regierungspräsidenten an. Die Kamera zeigt jedoch hinaus auf die Straße. Da geht das Leben weiter, das zieht vorbei. Wir haben hier mit dem Bürgerchor des Theaters gearbeitet, der bestimmte Passagen aus Reden von Christine Haderthauer und Euripides rezitiert. Das korrespondiert miteinander. Nur die Rede des Regierungspräsidenten wird in den Theatersaal übertragen. Denn natürlich haben die wichtigen Figuren eine andere Öffentlichkeit als die anderen Figuren. Wir haben Publikum im Saal und draußen im Foyer, das sagt schon etwas über die Kräfteverhältnisse aus. Wenn die Rede des Regierungspräsidenten zu Ende ist, geht man mit dem Publikum in den Theatersaal. Dort wird man konfrontiert mit der Sprache von Gesetzestexten. Die meisten Menschen verstehen diese ja gar nicht. Aber sie schauen sie auch nie an. Das Interessante ist: Wenn man sie dann anschaut oder hört, fängt man plötzlich an, sich Fragen zu stellen: „Das steht da wirklich drin? Unter diesen Prämissen wird das behandelt?“ Damit schafft man einen öffentlichen Raum für Dinge, die sonst einfach nur im Verborgenen geschehen. Plötzlich werden sie kenntlich, weil man sie wahrnimmt, weil ein Schauspieler in der Lage ist, dies durch das Sprechen sichtbar zu machen, Akzente zu setzen. Und man begegnet einer Sprache, von der man nicht gedacht hätte, dass es sie gibt. Das löst dann hoffentlich


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Projektionen aus. Heimfocus: Sie verzichten in ihrer Dramaturgie ausdrücklich auf die Einbeziehung von Flüchtlingen selbst. Warum? Hans-Werner Kroesinger: In dem Stück „Traum vom Leben“, das hier mit großem Erfolg gelaufen ist, erzählen die Flüchtlinge ihre Geschichten selbst, und das ist sehr gut so. Wir besprechen im Prinzip einen anderen Gegenstand. Wir verhandeln das aus unserer Perspektive, weil wir sie kennen. Wir waren an der GU und haben uns relativ lange an ihrem Rand aufgehalten, um zu sehen, welcher Eindruck entsteht. Was bedeuten diese Zugangskontrollen? Was löst diese Militärarchitektur aus? Der nationalsozialistische Adler ist noch da. Ich kann nicht die Geschichte des Flüchtlings erzählen, das kann nur er oder sie selbst. Doch ich kann relativ viel darüber erzählen, was das mit uns, mit der Bundesrepublik zu tun hat, mit dem Stand unserer demokratischen Kultur. Da ich das Stück nicht alleine mache, ist es wichtig, es vom Produktionsprozess her zu beschreiben: Diese Stücke haben eine sehr lange Recherchephase. Wir treffen uns mit vielen Menschen, lesen sehr viel Material, besorgen uns Bücher, verfolgen Zeitungen. Es gibt am Anfang kein Stück; es gibt nur das Interesse für den Gegenstand. Wenn wir mit den Proben beginnen, haben wir nur verschiedene Materialpools. Gemeinsam mit den Schauspielern arbeiten wir dann die Sachen durch. Jeder von den Schauspielern nimmt sich das, was er relevant findet. Die Gruppe, die etwas aufführt, muss wissen, was sie da tut und weshalb. Sie trifft ja auch die Entscheidung über das Material, das sie erzählen will. Ich kenne die Situation eines Flüchtlings nicht, ich war zum Glück nie in der Situation. Doch kann ich mit der meinschaftsunterkunft, das Interview das Stück. Wir versuchen dann, diePerspektive eines Politikers auf einen mit dem Oberbürgermeister reagie- sen Texten, die nicht für die Bühne Gegenstand, dem Blickwinkel auf die ren. geschrieben sind, eine theatralische Veränderung des Asylrechts oder dem Form zu geben, einen Raum zu schafBezug zur deutschen Geschichte et- Heimfocus: fen. Beispielsweise brechen wir den was anfangen, dazu kann ich mich Wie geht es dann weiter? sehr guten Text von Hannah Arendt verhalten. Den Schauspielern geht es Hans-Werner Kroesinger: zur Situation der Menschenrechte zu genauso, wie sie auf das Interview mit Aus den vielen Pools montieren wir einer Diskussion mit sechs Spielern dem Bischof zur Situation in der Geauf. Dadurch wird die Struktur der


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Rede transparenter, die Argumentationslinie klarer. Das ist nichts, was einer alleine mit sich ausmacht, sondern eine Gruppe muss dies neu verhandeln. Das Stück stellt hohe Anforderungen und Ansprüche an das Publikum, es muss mitarbeiten. Man wird nicht alles auf Anhieb verstehen; das beabsichtigen wir nicht, sondern es liegt ganz einfach daran, dass wir uns sehr lange sehr intensiv mit diesem Thema befasst haben. So wird es bei bestimmten Situationen Fragen geben. Das Entscheidende ist der Kommunikationsprozess, der in Gang gesetzt wird. Man merkt, Leben ist Arbeit – Kunst auch. So sind diese Sachen komponiert: Wir versuchen, ihnen eine Form zu geben, die Anreize und Lust schafft, sich damit zu beschäftigen.

Hans-Werner Kroesinger Das ist genau die Frage. Das ist unsere Frage, nicht die Frage der anderen. Es gibt einen sehr schönen Text von Ida Stein, der von Fragen der Authentizität und des Dokumentarischen handelt. Sie beschreibt einen dokumentarischen Ansatz, bei dem es darum geht, den Schmerz im Körper des anderen fühlen zu können. Trotzdem bleibt es der Schmerz des anderen. Man kann sich diesen nicht aneignen. Wenn man jedoch das Bewusstsein davon hat, was dem anderen passiert ist, müsste es Folgen haben dafür, wie man mit ihm umgeht. So ist das Theater auch eine Möglichkeit, sich in Zonen hinein zu bewegen, wo man vielleicht nie zuvor war, aber wodurch man eine Ahnung davon bekommt, was es heißt, wenn man dort gewesen ist.

spektiven einzunehmen, sensibel zu werden für das Leben der Asylsuchenden. Ist es Ihr Anspruch, so die Flüchtlinge in unsere Lebenswelt, in die Mitte unserer Gesellschaft zu holen? Hans-Werner Kroesinger: Es ist die Mitte! Das ist unsere Angelegenheit, denn was mit ihnen passiert, geschieht in unserem Namen. Das ist nicht unabhängig von uns, wir haben damit zu tun! Politische Vorgänge, die entschieden werden, verantworten für uns Leute, die wir gewählt haben – oder auch nicht. Politiker sind bloß unsere Repräsentanten. Politische Entscheidungen sollten Konsequenzen haben für jeden Einzelnen als Staatsbürger: Das sind wir! Das ist, was in unserem Namen geschieht. Damit ist es ganz logisch, dass man sich damit auseinandersetzen muss. Das ist Teil von dem, was um uns herum gerade Heimfocus: Dieses Projekt hält uns gewisserma- Heimfocus: vor sich geht. ßen den Spiegel vor. Was sagt es über Über die Empathie, über das Einfühlen, Herr Kroesinger, Herr Moonen, das uns aus und welche Fragen an uns was es heißt, Flüchtling zu sein, ist es Heimfocus-Redaktionsteam dankt wirft es auf? Beispielsweise: Wer sind wohl am ehesten möglich, andere Per- Ihnen für das Gespräch. wir eigentlich?


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Sonne, Menschen, Lebenslust Freude am Leben und ein Stück gesellschaftliche Teilhabe für Flüchtlinge Das Africa Festival Ende Mai in Würzburg öffnete diesmal seine Tore nicht nur für Scharen gut gelaunter Besucher von nah und fern, die bei strahlendem Frühsommerwetter den bewährten Mix von Musik, Shopping an vielen kunstgewerblichen Ständen und kulinarischen Genüssen zu schätzen wussten. Der Veranstalter, das Afro Project Team, spendete 50 Frei-

karten samt Getränkegutscheinen für die Bewohner der nur einen Steinwurf entfernten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber. Sie wurden dort verlost und ermöglichten so etlichen der 450 Flüchtlinge eine willkommene Abwechslung in ihrem tristen, eintönigen Alltag. Herzlichen Dank dafür – gleichermaßen aber auch an die großzügigen Spender, die

in einer privaten Aktion zahlreiche weitere Tickets für die afrikanischen Bewohner der Unterkunft gesponsert haben! Ohne dieses Engagement wären sie alle, wie so oft, nur Zaungäste unseres gesellschaftlichen Lebens. Das Heimfocus-Team


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„Fremde Freunde“

Gedichte von Kindern und Jugendlichen aus der Schreibwerkstatt Teil I Über 100 Kinder und Jugendliche verschiedener Schulen haben an der von Alexander Jansen in der Stadtbibliothek Würzburg geleiteten Schreibwerkstatt teilgenommen. Die Veranstaltungsserie im Rahmen der Jugendbuchwochen 2012 wollte das Verständnis für Flüchtlinge auf kreative Weise fördern. Zu Beginn eines jeden Kurses stellten sich Asylsuchende aus der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft vor – etwa die aus dem Iran stammende Mina Nejad oder der Äthiopier Addis Mulugeta – und berichteten über ihr Schicksal, die Heimat, die Flucht, die Ankunft in Deutschland. Im Anschluss wurde darüber geschrieben – Gedichte und Kurzprosa.. „Creative-Writing“-Methoden leisteten dabei Hilfestellung. Angelika Riedel von der Stadtbücherei und Alexander Jansen waren begeistert vom Einfühlungsvermögen der jungen Autoren und deren Phantasie, die in kürzester Zeit geweckt wurde und sich entfaltete. Die interessantesten Beiträge werden von Schauspielern bei der Eröffnung der diesjährigen Schultheatertage des Mainfranken Theaters am 2. Juli rezitiert. „Heimfocus“ präsentiert in zwei Teilen ausgewählte Texte. Der erste Teil dokumentiert die Auseinandersetzung mit Heimat und Fremde. Alexander Jansen Mina Nejad und Alexander Jansen alias Schiller und Goethe

Meine Heimat Meine Heimat sieht aus wie ein Haus und hat einen Garten so groß wie der Mond. Meine Heimat riecht wie Bratkartoffeln mit Rosmarin. Meine Heimat klingt still. Meine Heimat schmeckt wie Marmorkuchen. Meine Heimat fühlt sich an wie feiner Sand.. Aurelian Steiner, 6. Klasse, Waldorfschule Meine Heimat sieht aus wie Familie und Freunde. Meine Heimat riecht wie die Sonne. Meine Heimat klingt manchmal ruhig und manchmal hupen Autos. Meine Heimat schmeckt wie Paella und wie Feigen, die meine Oma auf dem Markt kauft. Meine Heimat fühlt sich an wie Freiheit. Antonie Lutz-Portalo, 6. Klasse, Waldorfschule

Die Fremde Die Fremde sieht aus wie eine weiße Wolke, die über wilde Wiesen und Felder fliegt. Die Fremde riecht wie eine andere Welt mit Blumen, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Die Fremde klingt wie kleine weiße Schäfchen mit bimmelnden Glöckchen um den Hals. Die Fremde schmeckt wie ein Apfelkuchen, der darauf wartet, aus dem Ofen genommen zu werden. Die Fremde fühlt sich an wie eine Welt, die ich nicht kenne, die aber darauf wartet, erkundet zu werden. Cosima Sterz, 6. Klasse, Waldorfschule


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Die Fremde Die Fremde sieht aus wie ein Wunderland. Die Fremde riecht nach Frühlingsblüten und süßen Früchten. Die Fremde klingt nach Vogelgezwitscher. Die Fremde schmeckt nach Honig. Die Fremde fühlt sich an wie meine neue Heimat! Semran Aktas, 9. Klasse, Jakob-Stoll-Realschule Die Fremde sieht aus wie ein knorriger alter Baum. Die Fremde riecht nach Kirsche, Apfel und Himbeere zugleich. Die Fremde klingt wie ein knarrziges Geräusch, das ich immer nicht zuordnen kann. Die Fremde schmeckt sehr komisch, wie eine neue Frucht, die es noch nicht gibt. Die Fremde fühlt sich rau und hart an, so dass ich zurückweichen muss. Janina Lang, 6. Klasse, Waldorfschule

Über Menschen Die meisten Menschen bleiben in der Heimat. Die meisten Menschen denken nur an sich selbst. Die meisten Menschen wollen alles haben. Die meisten Menschen glauben, sie wären die Guten. Manche Menschen denken an die Fremden, an die Zukunft, an Arme, an Kranke, an Behinderte. Die Fremde ist nicht immer das Böse. Das Böse kann auch in deiner Nähe sein. Niemand ist mehr sicher. Es gibt kein „gut“ und kein „böse“. Hinter allem steckt ein Sinn, solange du die Hoffnung nicht aufgibst. David Magnus Schäfer, 6. Klasse, Waldorfschule

Über Mina Nejad Mina Ein Mädchen Geflohen aus dem Iran Unterdrückung im eigenen Land Freiheit Amelia Berthold, 6. Klasse, Waldorfschule Verhaftet Grau Große Betonmauern Sie fangen dich Ich fühle mich eingeschlossen Gefängnis Nina Körber, 9. Klasse, Jakob-Stoll-Realschule Andenken Schwarz Schreckliche Zeiten Jemand ist gestorben Wir trauern in Stille Gedanken Philipp Schwerdtfeger, 9. Klasse, Jakob-Stoll-Realschulew

Grafik:interkulturellewoche.de


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Part 9 A prominent Greek statesman and orator of ancient Athens, Demosthenes, said: “Every dictator is an enemy of freedom, an opponent of law”. In this case, there are a lot of African governments thinking power is a family property and killing their own people without any reason but power. As we all know in a true democracy there is no right for power as a personal or family property. What I learnt in school about democracy is its definition of being the government of the people, for the people and by the people. And I also got the information that all the Western countries are true democracies. How lucky those people are, I thought, living in truly democratic countries! The African dictators seem to believe the people love them, the people are weak and longing for being ruled by the iron hand of a big leader, implementing a new promising system for a better future. Moammar Gadaffi trumpeted to the world: “All my people are with me, they love me. They will die to protect me, my people.” Gadaffi had tortured and abused so many thousands of his people in secret prisons and dungeons and in the end the world could see the truth; he himself was tortured with unspeakable inhumanity broadcasted for the world to see. During the fight for independence, for peace, for freedom and for justice from these dictators, a lot of opposition members are killed and most of them are put into jail. There is no escape from a regime with its omnipresent secret service officials and its perfect system of control. There is no escape from violence and death once thousands of heavily armed men of any party are running through the streets of your home town shooting at everybody including innocent fellow men. The lucky ones are fleeing from such dictatorships. Most of them die on their long and agonising way, in the desert, in an overcrowded boat on the way across the Mediterranean to Europe.

Dog or

Human?

After arriving as a refugee everybody is hoping to build a new life. But now new challenges and problems are coming in a completely different culture and society. No matter how you succeed to come whether by boat or by plane, the first impression you get is an unwelcoming face. Even though I am a political refugee coming here with high expectation of the proclaimed democratic values such as free movement and deciding about future life, it is an absolutely depressing experience here. Strictly speaking, the way I have been treated in the first refugee arriving place, I will never forget it in my life. You remember, this official I approached in his office, he told me like this in my face: “I do not have the time and energy to talk to you and to respond your immediate questions right now because I want to save my energy and time to play with my dog.” We are not asking love and see us like your family, however, in reality we still believe all human beings are equal in the eyes of God and we thought that this is the belief of the people of this country, too. Thank you God, you love all of us equally. Of course you have your beloved family - we have our own too. Your have your beloved home country we have a beloved native land too. You have your culture and your own traditional ceremonies - we have our own too. Even though there also are very nice and friendly people, some are very particular in their attitude towards refugees, to put it in a nice, polite way. Especially African refugees are suffering the most. I am not saying the situation of other refugees is very nice and good. However, the way some officials and some others are treating African refugees is unacceptable. If any damage happened in the camp, those camp

officials are pointing out their fingers: “Those African refugees did this and that.” If you are asking for a room for two people only, they are saying: “It is not a hotel and that is up to us giving you or not giving you a room.” If we are complaining about the food, they are saying: “Do you know what the colour of meat is?” First of all, Africa is one of the biggest and the richest continent in the world, in terms of natural and human resources. Of course we have one big, big problem which is the politics. But it is the Western countries, your countries, willingly supporting and cooperating with any of our dictators suiting their purposes. It is foreign money and business keeping our dictator regimes running. You are part of this big problem which brings us in such conditions. Additionally, it is not the African people being responsible for the climate change which forces them to leave their homes and to flee to other places including Europe. I hope those refugees of the World War II at least can understand what I feel at the moment. They can understand how you feel being not accepted by refugee officials and by locals, how you suffer from discrimination, restrictions of free movement, and the day to day struggles of refugees etc. The European Union has to change its policy towards supporting African dictators. The people would be better off if the EU spent its allocated funds for the benefit of the local people rather than backing up those governments who are massively violating human rights. Otherwise the story of killing and of the suffering of innocent people is continuing and believe me, the number of refugees will be increasing more and more. Abasi Kibwana


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Hund Mensch? Teil 9 Demosthenes, ein berühmter Staatsmann und Redner im antiken Athen, sagte einmal: “Jeder Diktator ist ein Feind der Freiheit, ein Widersacher des Rechts.“ Viele afrikanische Regierungen indes sind der Überzeugung, Macht ist Familienbesitz, und sie bringen eigene Landleute um für nichts anderes als Machterhalt. Wie wir alle wissen, gibt es in einer wahren Demokratie kein Anrecht auf Macht als persönlichen oder Familienbesitz. Ich lernte in der Schule über Demokratie, dies sei eine Staatsmacht des Volkes, für das Volk und durch das Volk. Und ich erfuhr auch, dass alle westlichen Länder echte Demokratien seien. Wie glücklich dort die Menschen sein müssen, dachte ich, in wahrlich demokratischen Staaten zu leben! Die afrikanischen Diktatoren scheinen zu glauben, die Menschen liebten sie. Sie sind überzeugt, die Menschen seien schwach und sehnten sich danach, von einem großen Führer mit eiserner Hand regiert zu werden, der ein viel versprechendes neues System für eine bessere Zukunft einführt. Muammar Gaddafi posaunte in die Welt hinaus: “Mein ganzes Volk steht hinter mir, es liebt mich. Sie alle würden ihr Leben dafür geben, mich zu beschützen.“ Gaddafi hat so viele tausende seiner Landsleute missbraucht und gefoltert in geheimen Gefängnissen und Kerkern, und am Ende konnte die ganze Welt die Wahrheit sehen: Vor den Augen der Welt wurde er schließlich mit unmenschlicher Brutalität gefoltert. Während der Kämpfe um Unabhängigkeit von solchen Diktatoren, um Frieden und Gerechtigkeit, verlieren viele Oppositionelle ihr Leben und die Meisten von ihnen landen im Gefängnis. Es gibt kein Entrinnen in so einem Regime mit seinem allgegenwärtigen Geheimdienst und seinem perfekten Kontrollsystem. Es gibt kein Entrinnen vor Gewalt und

Tod, wenn tausende schwer bewaffneter Kämpfer, gleich von welcher Seite, durch die Straßen deiner Heimatstadt ziehen und auf jeden schießen, auch auf unschuldige Zivilisten. Die Glücklichen schaffen es, aus solchen Diktaturen zu fliehen. Die Meisten von ihnen sterben jedoch auf ihrem langen und qualvollen Weg, in der Wüste, in überfüllten Booten auf der Überfahrt durch das Mittelmeer nach Europa. Angekommen als Flüchtling, hofft jeder darauf, sich ein neues Leben aufbauen zu können. Aber neue Herausforderungen und Probleme kommen auf in einer völlig unterschiedlichen Kultur und Gesellschaft. Egal wie du es schaffst, hierher zu kommen, ob mit Schiff oder Flugzeug, der erst Eindruck ist das abweisende Gesicht. Obwohl ich als politischer Flüchtling hergekommen bin, mit hohen Erwartungen an die erklärten demokratischen Werte wie Bewegungsfreiheit und Entscheidungsfreiheit über seine eigene Zukunft, sind die wirklichen Erfahrungen niederschmetternd. Um es klar zu sagen, ich werde niemals vergessen, wie ich in der ersten Anlaufstelle als Flüchtling behandelt worden bin. Sie erinnern sich, wie mir dieser Behördenmitarbeiter als Antwort auf meine Fragen ins Gesicht sagte: „ Ich habe weder Zeit noch Energie, mit Ihnen zu reden und Ihre dringenden Fragen zu beantworten, weil ich meine Zeit und Energie für das Spielen mit meinem Hund schonen will.“ Wir verlangen keine Liebe und Familienzugehörigkeit, aber wir glauben noch, dass alle Menschen in Gottes Augen gleich sind. Wir dachten, dies sei auch die Überzeugung der Menschen in diesem Land. Danke, Herr, dass Du uns alle gleich liebst. Natürlich habt ihr eure geliebten Familien – wir auch! Natürlich habt ihr eure geliebte Heimat – wir auch! Natürlich habt ihr eure Kultur, eure Traditionen und Bräuche – wir auch! Obwohl es hier auch nette, freundliche Menschen gibt, sind andere sehr eigenartig in ihrer Einstellung zu Flüchtlingen, um es auf eine höfliche Art zu sagen. Afrikanische Flüchtlinge leiden besonders. Ich behaupte nicht, dass die Lage

anderer Flüchtlinge gut und angenehm ist. Die Art und Weise, wie jedoch einige Behördenmitarbeiter und andere Menschen afrikanische Flüchtlinge behandeln, ist inakzeptabel. Gibt es im Lager irgendeinen Schaden, zeigen diese Mitarbeiter sofort mit dem Finger auf die Afrikaner, die an diesem oder jenem schuld seien. Wenn wir um ein Zweibettzimmer bitten, sagen sie zu uns ganz besonders: „Das ist kein Hotel hier. Wir sagen, wer welches Zimmer bekommt und wer nicht.“ Wenn wir uns über das Essen beklagen, hören wir: „Wisst ihr überhaupt, wie Fleisch aussieht?“ Eins vornweg: Afrika ist einer der größten und der reichste Kontinent auf der ganzen Welt, an Bodenschätzen und an menschlichem Potenzial. Wir haben unbestritten ein großes, großes Problem, das ist die Politik. Aber es sind die westlichen Länder, eure Länder, die bereitwillig jeden Diktator unterstützen und mit ihm zusammenarbeiten, wenn es ihren Interessen dienlich ist. Es sind die ausländischen Finanzen und Geschäfte, die unsere Diktaturen am Laufen halten. Ihr seid Teil dieses großen Problems, das uns solche Lebensbedingungen aufzwingt. Hinzu kommt, es sind nicht die Afrikaner, die Verantwortung tragen für den Klimawandel, der viele zwingt, ihre Heimat zu verlassen und anderweitig Zuflucht zu suchen, auch in Europa. Ich hoffe, dass wenigstens die Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges meine augenblicklichen Gefühle verstehen können. Sie können nachfühlen, was es heißt, nicht angenommen zu sein in den Amtsstuben und bei den Einheimischen, was es heißt, unter Diskriminierung zu leiden und der Einschränkung von Freizügigkeit. Sie kennen die tagtäglichen Mühen der Flüchtlinge. Die EU muss ihre Politik der Unterstützung afrikanischer Diktatoren ändern. Für die Menschen wäre es besser, die EU würde die zugewiesenen Geldmittel dem Wohl der lokalen Bevölkerungen zukommen lassen, anstatt damit Regierungen zu stützen, die massiver Menschenrechtsverletzungen schuldig sind. Ansonsten wird die Geschichte von Tod und Leid Unschuldiger weiter gehen. Und glauben Sie mir, die Zahl der Flüchtlinge wird dann immer weiter ansteigen. Abasi Kibwana


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Rein raus bleiben gehen

oder wie?

Für Nichtjuristen kaum durchschaubar und doch immer wieder Gegenstand von Fragen und Verwirrungen sind die unterschiedlichen Aufenthaltstitel für Flüchtlinge in Deutschland, ganz zu schweigen von den unzähligen asylrechtlichen Bestimmungen in den anderen EU-Staaten. Eine einheitliche Asylpolitik kam bisher nicht zustande. Der Flüchtling wird meistens irgendwo als „illegal Eingereister“ von der Polizei aufgegriffen und der nächsten Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber zugewiesen. Nur selten findet er selbst einen Weg dorthin und stellt dort seinen Asylantrag. Dennoch wird in der Regel seitens der Polizei gegen ihn ein Strafverfahren wegen illegaler Einreise eingeleitet, er wird dazu „angehalten“, unwiderruflich einen Zustellungsbevollmächtigten für das Strafverfahren zu benennen (einen Polizeibeamten). Später wird gegen ihn ein Strafbefehl erlassen, der diesem Zustellungsbevollmächtigten zugestellt wird und der – natürlich – keinen Einspruch gegen den Strafbefehl einlegt. Wird dann der Strafbefehl – auch – dem Asylbewerber übersandt, weiß dieser nicht, dass er nach der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) nicht bestraft werden darf. Nur in wenigen Fällen wendet sich der Flüchtling deshalb an einen Anwalt, der dafür sorgen kann, dass der Flüchtling straflos bleibt. Die Durchführung des Asylverfahrens obliegt dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit dem Hauptsitz in Nürnberg. Das Asylverfahren ist also im Gegensatz zur Verantwortung für Versorgung, Unterbringung, Bewegungsfreiheit etc. Bundesangelegenheit. Nach der Unterbringung in einer Erstaufnahmeeinrichtung, in der in der Regel die Anhörung des Flüchtlings durchgeführt wird, erfolgt für die weitere unbestimmte Zeit des Verfahrens eine Unterbringung in Verantwortung des einzelnen Bundeslandes, dem der Asylbewerber zugeteilt worden ist. In Bayern erfolgt diese Unterbringung, anders als in fast allen anderen Bundesländern, zwangsweise in einer Gemeinschaftsunterkunft.

politischer Verfolgung Bedrohten ausweisen. Hinzu muss der Nachweis einer Einreise per Flugzeug oder Schiff erbracht werden. Nur, wenn der erste Ankunftsort in Europa Deutschland ist, ist eine Anerkennung nach §16a GG möglich. Sie wird seit Jahren nur in 1-2% der Anträge ausgesprochen, lt. BAMF in 2010 bei 1,3%, 2011 1,5%, Jan.-Mai

2012 1,2%.

Flüchtlingsanerkennung nach § 60 (1) Aufenthaltsgesetz

kann jenen Asylbewerbern zugesprochen werden, die die Voraussetzungen nach Art. 16a GG erfüllen, jedoch auf indirektem Wege nach Deutschland gelangt sind. Auch eine nachgewiesene oder glaubhaft gemachte geschlechtsspezifische Verfolgung sowie weitere Fluchtgründe, die dem Flüchtlingsstatus gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention (begründete Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung) zugrunde liegen, können anerkannt werden. Hier war lt.

BAMF die Anerkennungsquote in 2010 rund 14,7%, 2011 14,9%, Jan.- Mai 2012 16%.

Beide Gruppen erhalten eine Aufenthaltserlaubnis, die allerdings zunächst für drei Jahre ausgesprochen wird. Sie werden in ihren sozialen Rechten deutschen Staatsangehörigen gleichgestellt.

Es gibt also keinerlei Unterschied hinsichtlich der Rechtsfolgen zwischen der Anerkennung als Asylberechtigter und der Anerkennung als Flüchtling. Es ist daher beides die Anerkennung 1. Klasse!!

Nach drei Jahren entscheidet in beiden Fällen nach einer Zwangsüberprüfung das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf Grund der aktuellen Lage im Heimatland, ob die Voraussetzungen für die Asylanerkennung nach Art. Anerkennung als Asylberechtigte(r) nach 16a GG oder der Anerkennung als Flüchtling gem. § 60 Abs. Art. 16a Grundgesetz 1 AufenthG noch vorliegen. Wenn dies der Fall ist, erhält kann nur derjenige Asylbewerber erlangen, der individu- dieser Personenkreis eine Niederlassungserlaubnis (= unelle Gründe glaubhaft machen kann, die ihn persönlich als befristete Aufenthaltserlaubnis) ohne weitere Voraussetim Heimatland politisch Verfolgten oder unmittelbar von zungen, wie eigenes Erwerbseinkommen etc.. Liegen nach


07 / 2012 Auffassung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die Voraussetzungen für die ursprüngliche asylrechtliche Begünstigung nicht mehr vor, so wird ein Widerrufsverfahren eingeleitet. Die asylrechtliche Begünstigung und damit auch die Niederlassungserlaubnis kann zu einem späteren Zeitpunkt (auch nach mehreren Jahren) widerrufen werden, wenn sich eine Änderung in dem jeweiligen Heimatland ergibt. Ein solches Widerrufsverfahren erfolgt aber nicht automatisch, sondern setzt eine gesonderte Entscheidung der Behörde voraus. Bei einem erfolgten Widerruf kann auch noch nach Jahren ein Verlust des Aufenthaltsrechts in Deutschland drohen.

Abschiebungsverbot nach § 60 Abs. 2 bis 7 Aufenthaltsgesetz

ist ein sog. „ergänzender (subsidiärer) Schutz“ für Flüchtlinge, die die Kriterien der o.g. Anerkennungen nicht erfüllen, aber dennoch als schutzbedürftig eingestuft werden. Sie bekommen ein befristetes Bleiberecht für mindestens ein Jahr mit eingeschränkten sozialen Rechten. So kann das Recht der Wohnsitznahme auf den Bezirk der verantwortlichen Ausländerbehörde, z.B. die Stadt Würzburg begrenzt werden. Auch ein gleichberechtigter Zugang zum Arbeitsmarkt ist nicht automatisch gegeben, sondern von den Aufenthaltszeiten in Deutschland abhängig. Sollte das Abschiebeverbot aus humanitären Gründen nicht mehr gegeben sein, kann dieser Schutz wieder entzogen werden.

Hier lag der Anteil an den BAMF-Entscheidungen 2010 bei 5,6%, 2011 bei 5,9%, Jan.-Mail 2012 bei 14,5%.

37 Land für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist. Diese Regelung führt dazu, dass jährlich Abertausende von Flüchtlingen quer durch Europa zwangsweise hin und her geschoben werden. Einschließlich der genannten Dublin II-Fälle erfolgt in 7080% der Anträge eine Ablehnung. Die Betroffenen müssen die Bundesrepublik verlassen, wenn diese Ablehnung endgültig oder vollziehbar ist. Viele der Abgelehnten machen von ihrem Recht auf den Klageweg Gebrauch vor den zuständigen Verwaltungsgerichten. Im Falle der endgültigen Ablehnung von Asylanträgen führt dies nicht automatisch zu einer Aufenthaltsbeendigung. Denn es gibt noch sog. inländische Abschiebehindernisse, wie z. B. fehlende Reisefähigkeit aus Krankheitsgründen, aufgrund fehlender Papiere oder auch aufgrund von der tatsächlichen Unmöglichkeit von Abschiebungen aufgrund der Situation im Heimatland, wie z. B. bei Bürgerkriegen etc.. In diesen Fällen erhalten die Betroffene eine „Duldung" bis die Abschiebung möglich ist. Das dauert oft Jahre. Einige erhalten nach einiger Zeit ein humanitäres Aufenthaltsrecht. Ein Teil der Ablehnungen wird als „offensichtlich unbegründet“ (o.u.) eingestuft, vor allem, weil dem Antragsteller Widersprüche, fehlende oder falsche Angaben vorgeworfen werden. Dann kann ein Flüchtling nur mit einem Eilantrag beim Gericht verhindern, dass er abgeschoben wird, bevor ein Gericht die Entscheidung des BAMF überprüft. Auch wenn viele Jahre keine Abschiebung stattfinden kann, hat ein „o.u.“-abgelehnter Flüchtling kaum eine Chance auf eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis. (Pro Asyl)

Zusammengefasst entscheidet also das Bundesamt in ca. 20-30% der Anträge für ein zunächst zeitlich befristetes Bleiberecht des Flüchtlings. Laut BAMF seien insgesamt 18.650 Asylanträge im bisAllerdings werden im Schnitt 20-25% der Anträge von vor- herigen Jahr (Jan.-April) eingegangen; im Vergleich zum ne herein lediglich aus formellen Gründen abgelehnt, ohne Vorjahr mit 15.832 Asylanträgen bedeute dies einen Andie Schutzbedürftigkeit des Asylsuchenden zu prüfen. Dies stieg um 17,8 %. Im Vergleich z.B. zu 1995 (166.951 Anträist z.B. der Fall, wenn der Flüchtling europäischen Boden ge) oder selbst noch 2005 (53.347) sind die Zugangszahlen zuerst in einem anderen EU-Land betreten hat und nach immer noch sehr niedrig, was wohl auch der radikalen Abder Dublin II-Verordnung also das Asylverfahren unzuläs- schottung der EU-Außengrenzen und der Dublin II-Verordsig ist, da nach dieser Regelung ein anderes europäisches nung geschuldet ist. Damit entledigt sich Deutschland auf

Alle Diagramme: BAMF


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einfache Weise seiner Verantwortung für die in der EU ankommenden Asylsuchenden. Bei den Top-Ten-Ländern im Zeitraum Januar – April 2012 steht Afghanistan an erster Stelle mit einem Anteil von 15,5%. Den zweiten Platz nimmt der Irak mit einem Anteil von 11,0 % ein. Danach folgt Serbien mit 10,1 %. Damit entfällt mehr als ein Drittel (36,6 %) aller seit Januar 2012 gestellten Erstanträge auf die ersten drei Herkunftsländer. (BAMF). Nicola Niemczyk

©proasyl

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Broschueren/bundesamt-in-zahlen-2010.html?nn=1367528 [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Duldung_%28Aufenthaltsrecht%29 [2] http://www.behoerdenwegweiser.bayern.de/dokumente/aufgabenbeschreibung/537980134428 [3] http://www.proasyl.de/de/themen/basics/basiswissen/ http://www.aufenthaltstitel.de/stichwort/aufenthaltstitel.html http://www.gesetze-im-internet.de/aufenthg_2004/__9.html

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So geht es nicht voran:

Das Geheimnis der Entwicklung in Äthiopien Das Wort „Kaffee“ leitet sich her vom Namen eines Landesteils von Äthiopien, in dem diese Pflanze zuerst entdeckt wurde: „Kaffa“, zusammengesetzt aus den Hieroglyphen-Begriffen „KA“ und „AfA“. „KA“ ist der Name von Gott; „AfA“ ist der Begriff für die Erde und für alle Pflanzen, die auf ihr gedeihen. Demnach deutet, wie wissenschaftlich nachgewiesen ist, die Bezeichnung „Kaffee“ von ihren Wurzeln her auf ein Land oder eine Pflanze göttlichen Ursprungs. In dieser Tradition ist Äthiopien berühmt für seinen Bio-Kaffee von höchster Qualität. Dies macht, was Kaffee betrifft, das Land zu einem begehrten Partner auf dem Weltmarkt. Es ist sicherlich nicht meine Absicht, hier einen Werbeartikel über äthiopischen Kaffee zu verfassen. Ich möchte Sie vielmehr informieren über Äthiopiens von Armut gebeutelte Wirtschaft, in der die Industrialisierung durch die Landwirtschaft befördert werden soll. Auf Grund einer nicht nachhaltigen, hinterlistigen Wirtschaftspolitik der äthiopischen Regierung gehört die Armutsrate im Lande zu den höchsten der Welt. Die Grundidee ist eigentlich, dass, die Bauern mit ihrem Bevölkerungsanteil von 85% nach Wiedererlangung ihrer wirtschaftlichen Eigenständigkeit in Produktion, Preisgestaltung usw. die Industrialisierung vorantreiben würden. Das Wachstum lokaler Industrie sollte so die ökonomische Entwicklung des Landes ankurbeln. Die Ironie offenbart sich in der rauen Wirklichkeit der erbärmlichen wirtschaftlichen Lage sowohl der Bauern als auch der Industrie des Landes. Die Wahrheit ist, dass die Landbevölkerung immer noch von der Hand in den Mund lebt. Die Lebensqualität der Mehrheit hat sich im Gegenteil weiter verschlechtert auf Grund einer Verdreifachung der Preise von Grundnahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs in den letzten Jahren. Bei näherer Betrachtung der Ursachen des Leidens und Ringens der äthiopischen Industrie und der generellen

Situation der Unternehmer im Lande wird deutlich, dass die Regierung keinerlei Interesse und Motivation hat, das Potenzial der Menschen zugunsten einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung zu schätzen und zu fördern. Ganz im Gegenteil, das Regime bremst vorsätzlich neue Ideen und das schöpferische Potenzial aus. Das ist eine vorteilhafte Strategie, um sich sowohl erfolgreiche, viel versprechende Neugründungen als auch gut etablierte profitable Unternehmen anzueignen. Wenn Sie zum Beispiel mit einer neuen Idee auf den Markt wollen, ist es anfangs kein Problem; Sie erhalten dafür die Genehmigung der Regierung ohne Schwierigkeiten. Die kommen später, wenn Ihr Geschäft erfolgreich ist und sich rasch entwickelt. Dann bekommen Sie von Staatsbeamten eine Vorladung, der Sie unverzüglich und ohne Zögern Folge leisten sollten. Ihnen wird dann mitgeteilt, dass die Regierung nun Teilhaber an Ihrem Geschäft werden wolle und einen Anteil an Ihrem Erfolg beanspruche. Wenn Sie ablehnen oder auch nur eine Bedenkzeit erbitten, kommen erheblichen bürokratische Schikanen auf Sie zu oder Sie können Ihre Geschäftslizenz gleich vergessen. Das Spiel ist aus. In diesem Fall erhalten Sie womöglich eine sehr scharfe Warnung von den staatlichen Behörden – oder Sie sehen sich wie die meisten Jungunternehmer gezwungen, das Land zu verlassen. Diese Taktik spielt der Regierung Unternehmen für ihre eigenen Leute und begünstigte Gruppen in die Hände. Die Leistungselite Äthiopiens hingegen, die aus diesen Gründen und aus Furcht vor der Regierung Äthiopien verlassen muss, flieht meistens in die USA oder nach Europa. Unter diesen jungen dynamischen und erfahrenen Fachkräften finden Sie Kaufleute, Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer, IT-Fachleute, Ingenieure, Techniker, Naturwissenschaftler, Beamte, Journalisten, Anwälte, Bankleute usw.. Sie können sich ausmalen, welche Folgen

Äthiopiens Premierminister Meles Zenawi

ein solches Ausbluten an hochgebildeten Bürgern für ein Land hat, insbesondere für ein Entwicklungsland. Dem Regime jedoch verleiht es mehr Macht, leicht errungene Macht und Profit ohne eigene Anstrengung. Ein weiteres Instrument, um einheimische Firmen vom Markt zu drängen, ist die überbordende Besteuerung. In diesen Fällen gehen dann Eigentümer mitunter ins Gefängnis oder nehmen sich aus Verzweiflung sogar das Leben, wenn sie den überzogenen Forderungen nach eigenen Zuzahlungen zur erhobenen und abgeführten Mehrwertsteuer nicht nachkommen können. So eröffnet sich für die Regierung eine weitere einfache Möglichkeit, sich umsonst Unternehmen anzueignen. Ferner bedient sich das Regime der Zwangsumsiedlung der Bevölkerung, um den Boden für ausländische Investoren zu „säubern“ - und um die äthiopische Wirtschaft zu stärken, so heißt es dann. So sind ganz aktuell allein in den letzten Monaten rund 80.000 Angehörige der Volksgruppe der Amhara von ihrem Besitz und Land im Süden Äthiopiens vertrieben worden. Die Regierung klagte diese Bürger an, sich „in dieser Gegend illegal aufgehalten zu haben“. Was soll das heißen, sich in seinem Heimatland illegal aufzuhalten? Sind etwa Amerikaner oder Deutsche irgendwo in ihrem eigenen Land illegal? Keineswegs, sie haben das Recht, sich in ihrem Land überall frei zu bewegen, zu arbeiten und sich niederzulassen, wo es ihnen beliebt! Der Grund für diese Gewaltanwendung des äthiopischen Regimes ist jedoch klar: Es ist entschlossen zu einem massiven Landraub der fruchtbaren Ackerböden überall im Land. Das „Ethiopian Review Report“ vom 29. Februar 2012 stellt fest: „Der


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It cannot work this way: Mystery of development in Ethiopia

Landraub in Äthiopien ist nicht beschränkt auf Investoren aus China, Indien und Saudiarabien. Tatsache ist, dass Angehörige der Regierungspartei TPLF mehr fruchtbaren Boden im Süden und Westen Äthiopiens rauben als China, Indien und Saudiarabien zusammen, wie aus äthiopischen Überprüfungsunterlagen zu erfahren ist. Bei der Nachforschungen über Landraub durch Mitglieder der TPLFPartei ist die Überprüfungseinheit des Äthiopischen Geheimdienstes über ein besonderes Indiz gestolpert, das nachweist, eine Person namens Dr. Te‘ame Hadgu Embaye habe eine Landfläche übernommen von halber Größe von Washington DC für eine monatliche Pacht von 8$ / km². Dabei soll die erste Pachtzahlung erst drei Jahre nach Vertragsunterzeichnung erfolgen.“ Wir alle, die wir aus unserem Land fliehen, kommen nicht aus Spaß hierher; wir kommen als Flüchtlinge, um der Diktatur zu entrinnen. Wie Sie am Beispiel von Äthiopien sehen können, werden unsere Heimatländer ausgebeutet und ausverkauft von unseren gierigen, niederträchtigen Regierungen in Zusammenarbeit mit mächtigen internationalen Interessen. Wie können Wirtschaft und eine hoffnungsvolle Zukunft gedeihen in einem Land, in dem intellektuelles Potenzial, Eigentum erfolgreicher Geschäftsleute wie auch gebildete junge Menschen zum Aufgeben gezwungen oder ihres Eigentums beraubt werden? In diesem Fall fordern wir die westlichen Länder einschließlich Deutschland auf, die Unterstützung von Diktaturen wie Äthiopien, die Menschenrechte ihrer Bürger verletzen, zu beenden. Wenn Sie jedoch damit fortfahren, dann heißen Sie uns, die dann in Ihre Länder fliehen, aber auch willkommen. Belew Alemayehu

Meles Zenawi als Ehrengast beim G 20-Gipfel, links oben hinter Angela Merkel

The word “coffee” comes from the name of a region of Ethiopia where coffee was first discovered –‘Kaffa’ is inherited from the hieroglyphic nouns ‘KA’ and ‘AfA’. ‘KA’ is the name of God; ‘AfA’ is the name of earth and all plants that grow on earth. So, reconfirmed by research, the meaning of Coffee from its birth-place bells on as the land or plant of God. In this case, Ethiopia is well know for growing organic coffee of highest quality that has allowed the country to be attractive to the world coffee market. Now, it is not my intention to promote Ethiopian coffee in this particular article rather informing you about Ethiopia’s poverty-stricken agriculture-led industrialization economy. Due to unsustainable and sneaky economic policy of the current Ethiopian government, the level of poverty in the country is among the highest in the world. The idea behind this policy is that farmers (85% of the population) have reacquired the economic freedom of price, of production and of settlement. On the other hand, the agricultural sector is supposed to support local industries for the economic development of the country. Ironically, the harsh economic condition of Ethiopian farmers as well as industries is enormous. It is true that the farmers

are still struggling to meet their hand to mouth existence. The quality of life of the majority of the people deteriorated even more due to recent triple rise of food and goods prices. When we take a close look at the reasons for the suffering of Ethiopian industries and the situation of entrepreneurs in general, the government doesn’t have the interest and motivation to encourage and support the human resources and potentials for successful economic development. Instead it weakens deliberately new ideas and creativities. That is a convenient strategy to take over new booming businesses as well as well running established ones. For instance, if you come up with a new concept to establish a business, in the beginning, it is no problem; the government will allow you to open this new business without any difficulties. Then, the problem is coming later on, if your business is successful and growing very fast: those government officials will send you a letter or a phone call or an invitation to come to government office. Without any hesitation you should accept what they are asking you. They inform you that the government wants to take part in your business, to have a share of your success. If you are saying no or let me


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42 think about it, you will face several bureaucratic obstacles or forget about your business licence, unfortunately, you are out of the game. In this case, most of young entrepreneurs are forced to leave the country or they may receive a very strong warning from the government office. That allows the government to run the business with its own people and groups. Those high potential Ethiopians who are leaving their country in fear of the government for this reason are mostly fleeing to North America and Europe. Among these young and experienced professionals are traders, doctors, nurses, teachers, IT-specialists, engineers, technicians, government officials, scientists, journalists, lawyers, investment bankers etc. You can imagine the consequences for a country of losing highly educated people, especially for a developing country . It gives the government more power, however, easy power and profit without own efforts. On the other hand, due to heavy taxation, local companies are often pushed out of business. In this case, company owners are going to jail or even committing suicide because of boosted charges of value added tax (VAT). It gives to the government another nice option to seize companies for free. Furthermore, in an effort to clear land for investors and to help boost Ethiopia’s economy, the government is relocating farmers from their land against their will. For this particular purpose, in the last month only more than 80,000 Amhara ethnic group citizens have been forced to leave their homes and land in the southern region of the country. The government accused this group of people of being “ illegally located in the region”. What does that mean, being illegal in your own country? Are the Americans or Germans illegal anywhere in their home country? Not at all, they have the right to move, work and live whatever region in their country! But the reason for that act of violence is clear: the government needs to practice massive land grabbing of fertile soil in the country. In this case, the Ethiopian Review Report in February 29th, 2012 stated: “The land grab in Ethiopia is not limited to “investors” from China, India, and

Saudi Arabia. In fact, the ruling party (TPLF) members are grabbing more fertile land in southern and western Ethiopia than China, India and Saudi combined, according to Ethiopian Review sources. In investigating land grab by the TPLF members, Ethiopian Review Intelligence Unit has stumbled upon a particular evidence that shows how a person named Dr Te’ame Hadgu Embaye took over a land almost half the size of Washington DC for a monthly rent of about $8 per square kilometre, the first payment to be paid after 3 years of signing the contract.” All of us who are fleeing our country are not coming here for fun; rather we are fleeing and coming here as a refugee to escape from dictatorship. As you can see, from the examples

of Ethiopia, our home countries are being exploited and sold out by our greedy, perfidious governments in collaboration with mighty international interests. How can economy and a promising future grow in a country where intellectual potential and property of successful business men and educated youngsters are taken over or forced to give up? In this case, we are asking Western countries including Germany to stop supporting dictator governments like Ethiopia which are violating the human rights of their citizens. Otherwise, if you continue this support then welcome us who are coming as refugees to your countries.

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Belew Alemayehu

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David gegen Goliath – eine unendliche Geschichte Sie sind hier nicht willkommen, ebenso wenig wie alle anderen auch, in den vielen Flüchtlingslagern überall. Jedenfalls hat sich dieses Land bisher alle Mühe gegeben, ihnen diesen Eindruck zu vermitteln: Sinnloses Lagerleben auf dem Abstellgleis, auf unbestimmte Zeit. Irgendwann ist es genug. Wohl das letzte Mittel, nach dem ein Mensch greift, um sich Gehör zu verschaffen, ist die Gefährdung der eigenen Gesundheit. Genau diesen Weg, den eines öffentlichen Hungerstreiks, wählten am 19.03.2012 10 iranische Asylbewerber aus der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft. Sie fordern Anerkennung als politische Flüchtlinge für jeden von ihnen. Die später angefügten generellen Forderungen an die Asylpolitik entsprechen jenen, die asylaktive Gruppen schon seit Jahren beharrlich vorbringen: Abschaffung der Lager- und Residenzpflicht sowie der Essenspakete, Anspruch auf professionelle Deutschkurse und auf einen Rechtsbeistand von Anfang an, beschleunigte Verfahrensdauer, Arbeitserlaubnis usw. Seither findet ihr Protest öffentlich einem Großraumzelt mitten in Würzburg statt, mit einer Dynamik, von der zur Zeit niemand weiß, wo sie endet. Die Männer wollen eine zügige Entscheidung ihrer Asylverfahren.Sie nehmen die zermürbend langen Entscheidungswege nicht mehr hin. Es mag schon sein, dass die Art, wie sie es tun, nicht unbedingt geeignet ist, bei allen Einheimischen Verständnis und Akzeptanz hervorzurufen. Jeder Mensch ohne Unterschied hat jedoch das Recht, für seine Belange, erst recht für seine existentiellen Belange, öffentlich zu demonstrieren. Dass die Strategie offensichtlich erfolgreich ist, kann man ihnen nicht anlasten. Aber unserem Rechtssystem sehr wohl.

gründet sind. Andernfalls würde man den Entscheidern des Bundesamtes zweckdienliche Willkür vorbei an der Aktenlage unterstellen. Warum hört dann aber niemand ihre Stimmen, solange sie nicht zu letzten Mitteln wie diesen greifen, das ist die entscheidende Frage dieses Protestes.Warum sind die Entscheidungswege erst jetzt schnell und absehbar, und nur für in diesen Einzelfällen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Ist das, was sich da im Zelt anspielt, in unserem Staat am Ende die Erfolg versprechendste Art, endlich zu seinem Recht zu kommen? Die einzig wirksame Strategie, um Gehör zu finden für seine berechtigten Anliegen? Es sieht ganz danach aus.

Behörden, verkennt jedoch die wesentliche Kernfrage: Führen uns die iranischen Asylbewerber nicht gerade anschaulich vor, wie es um das Innenleben unseres Rechtsstaates, insbesondere in Asylverfahren, bestellt ist? Der hohe Einsatz zeigt eine in der Tat erstaunliche Wirkung: Das für die Abwicklung der Asylverfahren zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) reagierte anfangs überraschend zuvorkommend: Innerhalb kürzester Zeit erhielten bis zur Drucklegung dieser Ausgabe 6 Iraner ihre Anerkennung, selbst Landsleute. Andere Fälle werden vor dem Verwaltungsgericht verhandelt werden.

Andere Flüchtlinge verfolgen aufmerksam den Verlauf des Protestes. Der wachsende Unmut und Zorn in Viele sind psychisch am Limit dessen, Es ist anzunehmen, dass die Forde- der öffentlichen Wahrnehmung be- was sie ertragen können. Manche lerungen der iranischen Flüchtlinge be- klagt Erpressung und Gängelung der ben zudem isoliert in kleinen, abgele-


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genen Lagern auf dem Lande, ohne Sinn und Hoffnung und und ohne Unterstützung. Nicht wenige von ihnen warten bis zu zwei Jahren auf eine erste Entscheidung des Bundesamtes, ohne zu wissen, wann ihr Fall überhaupt behandelt wird. Es gehört zu den schmerzlichen und deprimierenden Erfahrungen in den Unterkünften, wenn Flüchtlinge, die deutlich später eingetroffen sind, ihre Anerkennung bekommen und ausziehen dürfen und man selbst die Ungewissheit ertragen muss, warum sich der eigene Fall nicht bewegt. Intransparent, unberechenbar, willkürlich, so empfinden die Meisten die Praxis der Asylverfahren und der nachfolgenden Rechtswege. Was sollen wir also jetzt diesen vielen anderen Asylbewerbern raten? Sollten jetzt alle zu solchen Mitteln greifen, sollen sie zu Tausenden unsere Straßen und Plätze besetzen, hungern, streiken, sich verletzen, um endlich gehört zu werden? Wenn der „Pass“ der einzige Schlüssel ist zu einem eigenständigen Leben in Würde, von dem man so lange ferngehalten wurde, und wenn dieser Weg der einzige zu sein scheint, dieses Dokument zügig zu erringen, warum nicht? Warum sollte man nicht die Chance ergreifen, solange man noch Kraft hat? Warum auf unbestimmte Zeit im Lager warten auf die Entscheidung der Behörden, während man innerlich zugrunde geht? Jeder kann es sehen: David gegen Goliath, es funktioniert tatsächlich! Und es weckt berechtigte Erwartungen bei Asylbewerbern an vielen Orten. Nach dem verblüffenden Erfolg der Würzburger Protestgruppe ist es nun legitim, nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung zügige und faire Entscheidungen ALLER Asylverfahren zu fordern. Trotz der Erfolgsquote geht der Protest in Würzburg jedoch weiter und nimmt an Härte zu. Viele Menschen sind konsterniert über dessen fordernde Aggressivität und Radikalisierung, indem sich nun einige Iraner den Mund zugenäht haben. Ihr Antrag auf Verlängerung der Mahnwache bewegt sich in seinen Details weit jenseits dessen, was viele Bürger der Stadt nachvollziehen und tolerieren können. Viele fragen verständnislos: Wie

weit gehen sie noch? Und überhaupt: wenn man einen Wandel in Haltung Was wollen sie eigentlich mit die- und Politik gegenüber Flüchtlingen sem Verhalten erreichen? Denn eines erreichen will? Es kann niemandem scheinen die Iraner nicht zu schätzen: nützen, wenn nun eher Vorurteile und Gerade in Würzburg waren bisher vom Ablehnung Auftrieb erhalten und sich Oberbürgermeister über den Stadt- krude fremdenfeindliche und rassistirat, die Stadtverwaltung und viele sche Stimmen wieder einmal bestätigt Bürger eine wachsende Sympathie sehen. Das ist gefährlich und unverund Solidarität mit den Flüchtlingen antwortlich. zu beobachten. Wie sich die Schärfe und Art des Protestes auf ihre eigenen Die berechtigten Anliegen aller Fälle auswirkt, das ist die persönliche Flüchtlinge bleiben: Die Asylpolitik Angelegenheit der Protestierenden. darf nicht mehr von der Tagesordnung Etwas anderes ist es jedoch, wenn so verschwinden, und der Druck der Öfden Belangen aller Flüchtlinge Scha- fentlichkeit auf die Schaltstellen der den zugefügt wird, indem die positive Politik für eine humane, dem GrundGrundstimmung in der Bevölkerung gesetz verpflichtete Asylpolitik darf zunichte gemacht wird. Wenn es den nicht nachlassen. Den Verantwortliiranischen Aktivisten also tatsächlich chen sei gesagt: Viele Menschen, die außer ihrer eigenen Fälle, die indivi- sich ihrem Gewissen und unserer Verduell zu entscheiden sind, um eine fassung verpflichtet fühlen, werden neue, gerechte Asylpolitik geht, dann nicht nachlassen in ihrem Einsatz für sollte ihnen jemand verraten, dass alle Flüchtlinge und Asylbewerber, bis dies zumindest in unserem Staat eine es keine Proteste und Hungerstreiks politische Entscheidung ist, die durch mehr braucht! - Was an Strategien parlamentarische Mehrheiten initiiert aber müssen wir jetzt vielleicht neu werden muss. Und diese bestimmen denken, angesichts dieser unendlichen nun mal die Wähler, also die Bürger Geschichte von David gegen Goliath? da draußen, die sich mittlerweile zumindest in der Würzburger City eher Eva Peteler provoziert als zu Empathie und Solidarität angehalten fühlen. Ist das klug, wenn man in einem Land leben und dort willkommen sein will? Und


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Stimmen von Flüchtlingen zum Protest der iranischen Asylbewerber: „Der Pass ist ein wichtiges Ziel, ohne ihn geht hier gar nichts. Jeder möchte einen Weg dahin finden. Irgendwann kann man nicht mehr warten, schlafen, essen und sonst nichts. Alle Leute sollen dann sehen, wie ich leide. Das Ziel der Aktion ist gut, aber nicht, wie sie gemacht wird. Religion und Politik sind andere Themen, die haben dort nichts zu suchen.“ „Sie haben Recht, man muss etwas tun! Wenn der Apfel, den du haben willst, ganz oben auf dem Baum ist, dann musst du eben hoch klettern, um ihn zu bekommen! Unten warten bringt nichts gegen deinen Hunger. Ich würde es genauso machen, wenn ich allein wäre. Viele von uns können nicht mehr! Mama war ganz gesund, als wir geflohen sind, jetzt ist sie krank und immerzu traurig. Was passiert morgen? Alles hier kann jederzeit hochgehen. Scheiße, dieses Leben hier...“ „Es verletzt mich, wenn ich manche Deutsche höre. Sie haben keine Ahnung, aber sie sind schnell mit ihrem Urteil. Neulich hörte ich in der Nähe der Protestzeltes eine Mutter zu ihrem Ehemann sagen: „Nein, das können wir den Kindern nicht zumuten, da können wir jetzt nicht entlang gehen.“ Sie haben wirklich keine Ahnung, wie es ist als Flüchtling, so lange ohne Hoffnung. Viele von uns bleiben sowieso sehr lange da, weil sie uns nicht zurückschicken können. Warum geht es also nicht gleich anders: schnelle Anerkennung, gleich Deutsch lernen und selbst verantwortlich sein für sein Leben. Ein Jahr bis zur Entscheidung ist mehr als genug. Ich kann den Protest verstehen. Sie machen es vielleicht falsch, aber ich kann sie verstehen.“

„ Sie dürfen so etwas machen und sie haben Recht, es zu tun. Dieses System ist falsch, Macht und Unterdrückung, das kennen wir ja auch schon von Zuhause. Deswegen sind wir ja geflohen. Der Druck sammelt sich an und explodiert dann. Psychologisch sind die Menschen überall gleich: Wenn man am Ende ist, dann ist einem das persönliche Risiko egal. Ich bin am Ende, warum soll ich leben; sie haben mich fertig gemacht, jetzt mache ich sie fertig. Das ist sehr gefährlich; das System muss darauf achten, dass Leute nicht bis zu diesem Punkt kommen. Man muss ihnen rechtzeitig eine Chance geben. Die Menschen sind gleich, Deutsche würden es genauso machen. Jeder Mensch braucht Hoffnung zum Leben,. Das System darf nicht so mit Menschen umgehen, dass sie keine Hoffnung mehr haben, egal welcher Nation. Dieses System muss sich ändern! Es könnte unser Potenzial nutzen; wir haben so viel Power und Wissen mitgebracht! Aber statt dessen macht dieses System aus dem Heim eine Bombe; irgendwann explodiert sie.“

aufzustehen, das ihnen noch bleibt! Der Hungerstreik ist kein Spaß, sondern ein Zeichen der Verzweiflung. Die Flüchtlinge wären glücklich, wenn sie nicht zu solchen Mitteln greifen müssten für Lebenssicherheit und Freiheit. Wir hoffen, dass das die einheimische Bevölkerung versteht.“ „ Klar kämpfen die für das, was wir alle wollen. Endlich selbst entscheiden über sein Leben, endlich frei sein. Wer will das nicht? Aber wie sie das machen, das finde ich überhaupt nicht gut! Ich wäre ganz schön wütend als Deutscher. So geht das gar nicht. Wenn man hier bleiben will, muss man mit den Leuten hier schon anders umgehen. Sonst glaubt einem ja keiner, dass man sich hier integrieren will. So kann ich die Deutschen verstehen, wenn sie sagen, so welche wollen wir hier nicht! Das ist für uns alle schlimm, denn dann sind sie wieder gegen uns alle und sagen, siehst du, so sind sie, die Flüchtlinge. Raus mit denen, sofort. Und das ist ungerecht und ganz schlimm.“

„Jetzt sind die verrückt geworden! Wie sollen uns die Einheimischen verste„Als Flüchtling kann ich die iranischen hen und unterstützen, warum sollten Asylbewerber sehr gut verstehen. Was sie uns helfen wollen, wenn sie so besie brauchen, ist eine klare Entschei- leidigt werden? Das ist dumm!“ dung der Behörden, dass sie hier in diesem Land bleiben dürfen. Sie haben es sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, ohne Wenn und Aber: Wir wollen eine Anerkennung als politische Flüchtlinge. Und wie sich zeigt, sie haben Erfolg damit! Um die Wahrheit zu sagen, viele Flüchtlinge sehnen sich seit Jahren nach dieser Chance; denn viele von uns sind verzweifelt und haben die Nase voll von der ungerechten Asylpolitik. Das ist die Gelegenheit für andere Flüchtlinge, auch für das Leben


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Steh auf, tue den ersten Schritt Weg von Familie und Freunden, Abschied von Schule und Zuhause, fliehen in ein unbekanntes, fremdes Land, demokratisch wie Deutschland. Da erhoffst du Sicherheit und Frieden, willst dir deine Zukunft aufbauen, w체nschst dir Freunde und ein neues Zuhause, ersehnst Freiheit und Menschenrechte. Es ist nicht so einfach, es wird so hart und lang wie die Flucht: leben in Einsamkeit und Abh채ngigkeit, Ablehnung, Depression und Sprachlosigkeit. Unter diesen unmenschlichen Bedingungen deine Menschlichkeit zu bewahren, dich am Leben zu halten, bedeutet: Steh auf, k채mpfe, geh los, hilf dir selbst! Erst wenn du dies tust, wirst du andere finden, die dir helfen, werden sie dich finden. Steh auf, tue den ersten Schritt Abay Kiros


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David against Goliath a never ending story They are not welcome in this country, like all the others in any other refugee camp. At least this country has done its best so far to show them an unwelcoming face: a meaningless life in a camp for an indefinite period of time. One day it‘s enough. In order to be heard in his needs, a human being may then grasp at dangering his own health as a last resort. In exactly this way, 10 Iranian asylum seekers from the Würzburg refugee camp chose to go on a public hunger strike on the 19th of March 2012. They are not willing to bear the back-breaking uncertainty of the long asylum decision process any more. They claim political asylum - for every single one of them, with no exception. Their added general demands regarding asylum and refugee politics comply largely with the points NGOs and asylum-active groups have been demanding insistently for years: the abolishment of compulsory camp and residence obligation or food parcels; the right to have professional German courses, as well as the right for everybody to have legal assistance from the start, quick asylum proceedings, work permit, etc. Since then the protest, taking place in a large tent in the middle of Würzburg, has taken on a worrying dynamic that no-one knows where it will end. The men are fighting for their fair and rapid asylum decisions. The way they do it may not be fit to raise understanding and and acceptance of all locals. However, everybody has a right to go and fight for his or her rights, even more for existential rights. After all, who would cast doubt on the justification of the concerns of the Iranian refugees? Nobody would seriously su-

spect the authorities of finalizing not justified individual decisions. But then why nobody listens to the voices of refugees unless they stand up like this, that‘s the crucial question behind the protest. Is it really the only promising way to attain one‘s rights in our country? Is this really the most effective

strategy for your entitled concerns to be heard? It seems the answer is yes. If now consternated public voices are heard such as attempt to blackmail, well, remember it needs two parties for blackmail. We haven‘ t got the point: Is it not rather the evidence of


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the true face of our legal, specifically of our asylum procedure system, revealed in this case? The high stakes have indeed shown a suprising outcome: the authorities in charge of the asylum decisive procedure, the Federal Office for Migration and Refugees (BAMF), have reacted in a surprisingly concessive way in dealing with the asylum proceedings of the Iranians and have quickly assessed the cases in question. The protest group are claiming their rights and obviously they are right: as a preliminary result, up to 6 positive decisions from BAMF, at least before this magazine getting into print. Other refugees have been watching the protest action closely. Many of them are moving on the brink of their psychical limits, even isolated in small, remote camps in the countryside without any support. So success stories such as these are an inspiration. Many of them have been waiting for up to two years for the first decision of the German authorities, without knowing when their case will be dealt with, without any information.

joining in the protest. The public in ge- for new asylum politics. The current neral, refugees and many of the sup- proceedings of the protest may even porters are increasingly bewildered be promoting an about-turn in the geand concerned about the progress of neral opinion of the people, back to the Iranian protests. The aggressivity growing rejection and hostility - and of the procedure, especially with its they give a good opportunity for all current radicalization by Iranians sutu- those crude xenophobic and racist What kind of advice are the suppor- ring their mouths and demanding devoices against refugees. That cannot ters supposed to give to all of those tails for the ongoing protest acceptabe anybody‘s objective. now? Go and occupy the streets and ble neither for the citizens nor for the places by thousands in order to get City administration will maybe jeoparThe justified demands of all refugees your rights? If the „passport“ is the dize all previous achievements. What require continuous commitment: The only key to the autonomous, free life is the next to come, people are asking, asylum politics must not vanish from in dignity you have been deprived of and what do they want to achieve acthe agenda. We must increase public so far, and if this seems to be the only ting like this? awareness and public pressure on stapromising way to get it soon, before te politics for a humane constitutional your life is broken, why not? Why not Unfortunately, having definitely asylum legislation to be achieved for give yourself a chance as long as you crossed the line of acceptability by everyone. We must not give up moare still strong enough to do it? Why most of the public, they may be doing ving on until the day no more protests slowly die inside, waiting in the camp serious harm to their own demands and hunger strikes are necessary! But for an unlimited period of time for and objectives as well as to those of what is the lesson to be learnt from the authorities to move? Everybody all refugees. Asking for entrance to this never ending story of David and can see: David against Goliath – it and for integration in this society, is Goliath? works! And it raises great and eligible this really the promising way to a poexpectations for other asylum seekers sitive change in attitudes and asylum Eva Peteler in different locations. Their claim of a politics? If they are not only going for quick and fair decision of ALL asylum their individual cases but also for poliTranslated by Janet Dehmer / cases is, according to the principle of tical changes, they should be concerEva Peteler equality, more than legitimate now, ned about the fact that many citizens considering the astounding success strongly disagree with the current the protest group has brought about. acting and demands of the protest group. Somebody should tell the guys However, the protest group is still not that it needs exactly those locals as satisfied with their results. Their pro- voters if you want a change in the test goes on and is taking on a harder parlamentarian majorities required line. In addition, more new faces are


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Mitten in unserem Land – wieso eigentlich?

Teil 1 „Kommunikation ist der erste Schritt für zwischenmenschliche Annäherung und ein selbstbestimmtes Leben. Unabhängig davon, ob es sich um Asylsuchende handelt oder nicht, hat doch jeder Mensch die gleichen Bedürfnisse und das gleiche Recht auf Freiheit und Entfaltung, was uns die Realität leider nicht zeigt“, so fasst Thomas Englert für die Klasse FW12a der Fachoberschule Schweinfurt/Dittelbrunn die Eindrücke seiner Mitschüler zusammen. Kurz vor ihrem Fachabitur informierten sie sich über die Situation der Flüchtlinge hier in Bayern. „Bis dahin wussten wir kaum etwas über Flüchtlinge und es war uns nicht bewusst, unter welchen schwierigen Bedingungen sie hier gezwungen sind, ein in vielen Fällen nahezu perspektivloses Leben zu führen“, fährt Thomas fort. „Nur Wenigen ist es möglich, durch ehrenamtliche Unterstützer Deutsch zu lernen. Sprachkurse sind für Flüchtlinge im Asylverfahren und für sog. Geduldete nicht vorgesehen, ihre Integration ist nicht erwünscht. Belastend sind auch die menschenunwürdigen Wohn-

verhältnisse auf beengtem Raum in einer Massenunterkunft mit minimaler, unzureichender Grundausstattung. Eine Privatsphäre ist nicht gegeben, kein Rückzug ist möglich. Da man hier Menschen unterschiedlichster Nationalität beherbergt, treffen verschiedene Kulturen und Sprachen aufeinander, was eine Kommunikation unter den Bewerbern schwierig macht oder sogar in Konfliktsituationen endet.“ Persönlich betroffen und dankbar für den Einblick in eine ihnen bis dahin unbekannte Welt mitten in Deutschland, fassten viele Schüler ihre Gedanken zusammen: „Für mich ist es wichtig, dass in Deutschland jeder die Möglichkeit hat, sich frei zu entfalten und eine Neuanfang zu wagen, unabhängig von Herkunft, Religion und Hautfarbe. Die Regierung muss die Aufnahmebedingungen sowie die Verhältnisse für Asylbewerber grundsätzlich verändern. Wir müssen mit unserem Herzen und unserem Verstand entscheiden und nicht nach Gesetzen. Im Grunde sind alle Menschen gleich.“

behandelt werden, obwohl es Menschenrechte und ein Naturrecht auf Leben in Würde gibt! Man sollte sie unterstützen. ihnen mehr Freiraum geben und sie genauso leben lassen, wie wir es alle tun!“ „Was bewegt Menschen, nach Deutschland zu kommen? Bereuen sie ihre Entscheidung? Existenzängste und Verfolgung treiben die Menschen dazu, ihre gesamte Existenz mit allem, was dazu gehört, aufzugeben, um am Ende in ein Land zu kommen, nach unzähligen schrecklichen Erlebnissen in ihrem Heimatland und auf der Flucht, um hier mit Menschenverachtung aufgenommen zu werden. Um ihnen keine Chance zu bieten, sich oder ihre Hoffnungen zu verwirklichen, auch wen sie qualifiziert sind; um sie wie einen Dreck zu behandeln, ohne Beachtung; um sie untergehen zu lassen.“

„Jeder Mensch ist einzigartig, unabhängig von Aussehen, Herkunft oder Sprache. Jeder Mensch ist ein wertvolles Individuum. Das Schicksal jener Menschen, die bei uns Unterschlupf und Schutz suchen, sollte uns mehr „Schockierend, dass Flüchtlinge in interessieren. Ich bitte die Flüchtlinge: Deutschland, vor allem in Bayern, so Gebt euch nicht auf, gebt die Hoffnung


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niemals auf! Alle Menschen sollten te man doch auch helfen können.“ und sie so behandeln, wie man selbst Hand in Hand gehen! Wir fühlen mit behandelt werden will. Jeder hat das euch und begleiten euch im Gebet.“ „Ich finde die Lebensbedingungen der Recht, wie ein Mensch zu leben.“ Flüchtlinge schrecklich und unzumut„Es ist schockierend, mitzubekommen, bar. Vor allem das Verhalten der Politik „Es ist traurig, zu hören, dass in eidass Flüchtlinge in Deutschland so he- ist lächerlich. Sie versucht gar nicht, zu nem Staat wie Deutschland, der sich rablassen behandelt werden. Sie kom- helfen, sie will die Flüchtlinge einfach politisch immer für Humanität ausmen nach Deutschland in der Hoffnung, ein neues Leben beginnen zu können, nehmen alle möglichen Herausforderungen auf sich und werden letztlich doch als „Nichts“ behandelt. Kein Mensch hat es verdient, solche psychischen Verletzungen ertragen zu müssen. Jeder sollte eine Chance bekommen, ein neues Leben beginnen zu dürfen und einfach Hoffnungen und Träume verwirklichen zu können.“ „Ich gehe zur Schule, mit Freunden essen und einkaufen – aber nach der heutigen Stunde wird einem erst bewusst, dass viele andere Menschen nicht das Glück haben, so sorgenfrei durch‘s Leben zu gehen wie ich. Sie haben viele Probleme, die ich mir nicht vorstellen kann. Die Stunde war sehr interessant, jedoch auch traurig anzuhören., was Menschen durchleben müssen. Danke für diese Einblicke!“ „Bisher dachte ich, dass Flüchtlinge in unser Land einfach nur Menschen sind, die unseren Sozialstaat ausbeuten und auf unsere Kosten hier leben wollen. Doch allein bei dem Gedanken an die schlechte Unterkunft, Behandlung , Verpflegung und Rechtslage der Flüchtlinge wird mir ganz anders zu Mute! Danke für diese lehrreiche „Aufklärungsstunde“ heute, die weitaus länger als nur 90 Minuten hätte dauern können!“ „Es ist eine eigentlich unglaubliche Verletzung der Menschenrechte. Ich hätte nie geglaubt, dass in unserem demokratischen Deutschland eine so gravierende Ungerechtigkeit besteht. Ich finde, man müsste Flüchtlingen wesentlich größere Chancen geben.“ „Ich finde die Verhältnisse absolut unwürdig und fühle mich betroffen. Da von Seiten des Staates so wenig für diese Menschen getan wird, mache ich mir wirklich Gedanken, wie ich selber den Flüchtlingen helfen kann. Wenn jeder sich Gedanken macht und sich mit diesem Thema befasst, müss-

KHG Wüzburg spricht, Von Hilfe spricht und Spenden sammelt, dass ich so einem Land die Asylbewerber dann unter solchen schrecklichen und überhaupt nicht „Vor diesem Vortrag wusste ich nichts menschlichen Bedingungen leben über Asylbewerber, über ihre Situation. müssen. Man würde gerne helfen, Ich finde es unfassbar, wie ungerecht und das sollte man auch; bei solchen man mit Flüchtlingen umgeht in unsSachen hilft nicht nur Mitgefühl. Wir rem Land, in dem die Menschenrechte sind alle Menschen, egal, aus welchem quasi Grundlage für alle Gesetze sind. Land.“ Die Bevölkerung ist viel zu wenig oder überhaupt nicht informiert, und genau das finde ich sehr traurig.“ „Es ist schrecklich, wie die Flüchtlinge in deutschen Flüchtlingslagern „Für mich ist es unverständlich, dass, behandelt werden. Dass die Politiker obwohl im Grundgesetz die Gleichheit weg schauen, wenn die Menschen aller Menschen garantiert wird, dentotal menschenunwürdig behandelt noch Asylbewerber gegenüber Menwerden und nicht versuchen, daran schen mit der deutschen Staatsangeetwas zu ändern, ist meiner Meinung hörigkeit stark benachteiligt werden. nach nicht das, was uns allen beigeSie sind genauso Menschen wie wir bracht wird. Wo werden denn unsere und deshalb ist es mit dem GrundgeGrundgesetze angewandt, wenn nicht setz unvereinbar, diese in Massenunin diesen Lagern? Am liebsten würde terkünften und Isolation von der Auich nun selbst anfangen, für die Rechßenwelt zu halten.“ te dieser Menschen zu kämpfen und ihnen das Leben lebenswert zu gestal„Es ist schlimm, in einem Land zu leben, ten. Weil es so nicht weitergehen kann. das demokratisch ist und seine MenDie Differenzen zwischen Deutschen schenrechtsgesetze als die Besten und Flüchtlingen sollten nun endlich darstellt, aber es nicht schafft, diese beseitigt werden.“ auch in die Tat umzusetzen. Man sollte Menschen ohne Vorurteile begegnen Heimfocus-Redaktion nur loswerden. Der Vortrag war super informativ!“


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Flucht und Asyl – KURZNACHRICHTEN Zahl der Flüchtlinge in Deutschland sinkt Dies ergibt sich aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag vom 6. Februar 2012 (BT-Drucksache 17/8397 und 17/8547). Demnach ist die Zahl der als Asylberechtigte oder Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannten Flüchtlinge von über 200.000 im Jahr 1997 auf nur noch 113.000 Ende 2011 gesunken. Die Zahl der Asylsuchenden und Geduldeten sank im selben Zeitraum von knapp 650.000 auf 134.000. Der Zahl der Personen mit einem anderweitigen „Bleiberecht“ sank von knapp 200.000 auf etwa 146.000. http://www.proasyl.de/de/news/newsletter-ausgaben/nl-2012/newsletter-nr-180/#c15429

Zahl der Abschiebungen 2011 gestiegen

Ende eines Trends. Zum ersten Mal seit fünf Jahren ist die Zahl der Abschiebungen gestiegen. Dies ergibt sich aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage zur Zahl der Abschiebungen im Jahr 2011 durch die Bundesregierung (BT-Drucksache 17/8834). Abgeschoben wurden insgesamt im Jahr 2011 7.917 Menschen, die meisten auf dem Luftweg und hiervon wiederum die große Mehrzahl vom Flughafen Frankfurt am Main (3.056). Unter den 30 Hauptzielstaaten von Abschiebungen gehören 14 zum Schengen-Raum, ein Beleg, in welchem Umfang die Dublin-II-Verordnung als Zuständigkeitssystem für die Behandlung von Asylverfahren per Abschiebung inklusive vorheriger Inhaftierung durchgesetzt wird. http://www.proasyl.de/de/news/newsletter-ausgaben/nl-2012/newsletter-nr-181/#c15498

Mehr Asylanträge in Industrienationen

Laut UNHCR-Bericht über die Entwicklung der Asylanträge in industrialisierten Ländern vom 27.03.2012 hat deren Zahl hat um mehr als 20 Prozent innerhalb eines Jahres zugenommen. Insgesamt ist die Zahl der Asylsuchenden in den Industrienationen im Jahre 2011 auf 441.300 gestiegen (Vorjahr: 368.000). Anlässlich der Veröffentlichung verwies UN-Flüchtlingshochkommissar Guterres darauf, dass es wichtig sei, die Flüchtlingszahlen in einer Relation zu sehen. Die Zahl der Asylsuchenden in allen Industrienationen zusammen sei kleiner als die Zahl der Bewohner eines einzigen Flüchtlingslagers im Nordosten Kenias, des Flüchtlingscamps Dadaab. http://www.proasyl.de/de/news/newsletter-ausgaben/nl-2012/newsletter-nr-181/#c15506

EU-Asylpolitik: Deutschland und Österreich gefordert

25 April 2012 Berlin/Wien - Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) ruft die deutsche und österreichische Regierung dazu auf, sich engagierter für eine europäische Flüchtlingspolitik mit deutlich verbesserten Schutzstandards einzusetzen. Der UNHCR-Vertreter für Deutschland und Österreich Michael Lindenbauer verwies darauf, dass viele schutzbedürftige Menschen in der EU über Staaten wie Griechenland und Ungarn Zuflucht suchten. Sie würden allzu oft irreführend pauschal als illegale Migranten bezeichnet. Tatsächlich handele es sich bei ihnen aber in vielen Fällen um Menschen, die aus Konfliktgebieten wie Afghanistan, Somalia, Eritrea oder dem Irak stammten. Sie hätten ein legitimes Anliegen, in Europa um Schutz nach internationalem und europäischem Flüchtlingsrecht zu ersuchen.So gelte es auch, zu verhindern, dass in der EU die langwierige Inhaftierung von Asylsuchenden allein aufgrund des Schutzgesuchs zum Regelfall werde. UNHCR sehe zudem und weiterhin dringenden Handlungsbedarf zur Reform des sogenannten Dublin-Systems. http://www.unhcr.de/home/artikel/733b5498fa34d65041d56c5446941842/eu-asylpolitik-deutschland-und-oesterreichgefordert.html http://www.unhcr.de/home/artikel/cb7ea92aeb2402a48975daf8693e3a22/unhcr-legt-grundsatzpapier-zur-deutschenund-europaeischen-fluec.html


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Ärztekammer Berlin lehnt Flughafenschnellverfahren ab

Auch die Ärztekammer Berlin lehnt die Einführung des Asylschnellverfahrens am Flughafen Berlin-Schönefeld ab. In einer PM vom 20.03.2012 fordert der Menschenrechtsausschuss der Kammer ein sorgfältiges und faires Asylverfahren für Flüchtlinge. Flüchtlinge seien oft traumatisiert und mehr als andere überfordert, in der im Flughafenschnellverfahren vorgesehenen kurzen Zeit ihr Asylgesuch korrekt zu begründen. Auch gebe es in Deutschland kein effektives Verfahren zur Identifizierung besonders schutzbedürftiger Personen. http://www.proasyl.de/de/news/newsletter-ausgaben/nl-2012/newsletter-nr-181/#c15506

Asylbewerberleistungsgesetz vor dem Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 20. Juni 2012 über die Vorlagen des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen zur Frage, ob die sogenannten „Grundleistungen nach § 3 Asylbewerberleistungsgesetz“ verfassungsgemäß sind. Schätzungsweise 80.000 Menschen müssen in Deutschland mit weniger als zwei Drittel der Hartz-IVSätze auskommen – sie erhalten Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Diese werden häufig in Form entmündigender Lebensmittelpakete oder von Gutscheinen ausgegeben. Mit dem Asylbewerberleistungsgesetz wurde 1993 ein Sondergesetz geschaffen, das deutlich abgesenkte Leistungen festsetzte und vorrangig Sachleistungen anstelle von Geldleistungen vorsah. Das Asylbewerberleistungsgesetz war Teil des sog. Asylkompromisses und wurde als Instrument der Abschreckung eingeführt. http://www.proasyl.de/de/news/detail-zurueck-zuhome/news/bundesverfassungsgericht_verhandelt_ asylbewerberleistungsgesetz/

„Israelis build the world’s biggest detention centre“: Israel baut ein Gefangenenzentrum mit 8.000 Plätzen für Immigranten ohne Aufenthaltserlaubnis!

Der Independent vom 10.03.2012 berichtet unter dieser Überschrift über den aktuellen Bau einer Haftanstalt für tausende von Migranten, die von Ägypten nach Israel gelangen. Die Einrichtung mit einer Kapazität von 8.000 Plätzen wird auf dem Boden eines Gefängnisses nahe der israelischen Südgrenze gebaut und ist ausdrücklich auch für Frauen und Kinder vorgesehen. Haftdauer: bis zu drei Jahren. Wer aus sogenannten freien Staaten kommt und nicht rückgeführt werden kann, muss mit Haft auf unbestimmte Zeit rechnen. Entgegen der eigenen bisherigen Praxis, z.B. eritreische und sudanesische Flüchtlinge wegen der instabilen Situation in diesen Herkunftsstaaten nicht zu inhaftieren, wird jetzt in Israel behauptet, die meisten Asylsuchenden seien Wirtschaftsmigranten, was sich aus der – in den meisten Staaten politisch beeinflussbaren – Anerkennungsquote ergebe. http://www.proasyl.de/de/news/newsletter-ausgaben/nl-2012/newsletter-nr-181/#c15506

Innenminister Friedrich irrt: Deutschland versagt, nicht Griechenland

Presseerklärung von Pro Asyl vom 03.04.2012: Bundesinnenminister Friedrich kritisiert Griechenlands Grenzschutz und fordert innereuropäische Grenzkontrollen. PRO ASYL: Forderungen nach innereuropäischen Grenzkontrollen sind blanker Populismus. Statt die Festung Europa weiter auszubauen und die Grenzkontrollen zu verschärfen, müssen die EU-Staaten gemeinsam für ein Schutzsystem für Flüchtlinge und für eine solidarische Teilung der Verantwortung für die Aufnahme von Flüchtlingen eintreten. PRO ASYL wirft Innenminister Friedrich vor, alle Bestrebungen für eine solidarische und humane Asylpolitik auf EU-Ebene zu blockieren. Friedrich will an der sogenannten Dublin-II-Verordnung festhalten, die die Verantwortung für die Flüchtlingsaufnahme auf die Staaten an den Rändern der EU abwälzt und für schutzsuchende Menschen Inhaftierung und Elend mit sich bringt. „Deutschland versagt, nicht Griechenland“, so PRO ASYL. http://www.proasyl.de/de/presse/detail/news/innenminister_friedrich_irrt_deutschland_versagt_nicht_griechenland/


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Grenzzaun zwischen Griechenland und der Türkei weiter in der Diskussion:

Die Debatten um den Bau eines 12,6 km langen stacheldrahtbewehrten Zaunes an der griechischen Grenze zur Türkei in der Evros-Region gehen weiter. Die griechische Regierung hält der EU-Kommission vor, auf der einen Seite halte man an den Regularien der Dublin-II-Verordnung fest und mute Griechenland das Management der EU-Außengrenze zu, auf der anderen Seite kritisiere man Grenzmanagement-Maßnahmen in Form des Zaunes anstatt sie zu unterstützen. ECRE’s aktueller Generalsekretär Allen Leas wird mit seinen Bedenken im EU Observer zitiert. Nach seiner Auffassung wäre es eine Tragödie, wenn dieser Zaun Flüchtlinge davon abhalten würde, Schutz zu suchen, denn dies wäre auf jeden Fall eine Verletzung ihrer Menschenrechte. www.euobserver.com http://www.proasyl.de/de/news/newsletter-ausgaben/nl-2012/newsletter-nr-180/#c15447

Baden- Württemberg: Verwaltungsgericht Sigmaringen stoppt Vorhaben der „lagerähnlichen Unterbringung“ in Rottenburg

Der Landkreis wollte dort nach Schema F und 4,5 m² pro Person eine neue GU aufmachen. Das Vorhaben in dem an sich vertretbaren Gebäude in einem Wohngebiet am Stadtrand zog aber den Protest von Anwohnern über die beengte Lagerunterbringung und eine wochenlange lokalpolitische Diskussion nach sich. Ein Anwohner klagte vor dem Verwaltungsgericht gegen die Belegungsdichte („hasenstallartige Unterbringung“) und setzte sich durch: In dem Beschluss des Gerichts heißt es, dass eine Unterbringung von Flüchtlingen in einem Wohngebiet zwar grundsätzlich zulässig sei, dass die Lebensverhältnisse der untergebrachten Menschen aber den Charakter von „Wohnen“ haben müssen. Das Landratsamt plane aber eine „lagerähnliche Unterbringung“. http://www.fluechtlingsrat-bw.de/

Herzlich willkommen - wer immer Du bist ist das Motto der Interkulturellen Woche 2012.

Willkommen zu sein, wer immer man ist: diese Erfahrung hat wenig mit der Realität vieler Migrantinnen und Migranten in Deutschland zu tun. Wie oft sind sie alles andere als willkommen? Ablehnung und Diskriminierung bis hin zu offenem Rassismus - das prägt stattdessen die Alltagserfahrungen vieler Menschen. Dagegen gilt es Position zu beziehen und Konzepte zu entwickeln. Der empfohlene Termin für die Interkulturelle Woche 2012: 23.-29.09.2012. Der Tag des Flüchtlings findet als Bestandteil der IKW am Freitag, den 28. September 2012 statt. Die Materialien zur Interkulturellen Woche 2011 können über die Homepage eingesehen undbestellt werden. Das Materialheft zur Interkulturellen Woche enthält viele Grundsatzartikel zum Themenbereich Integration, Migration und Inklusion sowie Beispiele und Anregungen für Ihre Programmgestaltung und Gottesdienste etc. www.ekd.de/interkulturellewoche


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No2 • 10/2010 2010

Impressum

VOICE FOR REFUGEES

teilhaben – Teil werden

2.Jahrgang, 4.Ausgabe, 07 / 2012 Redaktion: Addis Mulugeta, Abay Kiros Redaktionskontakt: contact@heimfocus.net Erscheinungstermin: 01.07.2012 Erscheinungsweise: vierteljährlich Auflage: Exemplare 2500 Herausgeber: Eva Peteler c/o Ausländer-und Integrationsbeirat der Stadt Würzburg Rückermainstr.2 97070 Würzburg

Die in der Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung der Redaktion in irgendeiner Form reproduziert werden. Die Beiträge geben eine persönliche Meinung des Autors wieder, die nicht mit der der Herausgeber übereinstimmen muss. Die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge liegt ausschließlich beim Verfasser.

Hund oder Mensch?

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Manche Menschen glauben immer noch, ihre Rasse sei allen anderen überlegen und habe eine Monopolstellung auf diesem Planeten … weiter auf S.24

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REFUGVEE REFUGEES OIC S E FOR

teilhabe n-Teil we rdteilh en aben-Teil werden

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VOICE FOR REFUGEES

teilhaben-Teil werden 2011 geht enspreis urger Fried das „HeimfocusDer Würzb und Mulugeta nge“ tli dis ch Ad an für Flü – Stimme Magazin

Where is my home!? S.18

Der Bischof in der GU

Die Würd e unantastb des Menschen ist ar Teil 4 Ich hab

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Teil 5

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unantastbar

Weiter auf S.36

Hund oder Vertra ist wichtiger als Worte … S.12 Mensch? Teil 6 nochuen Arzt, sone Ich bin weder Psycholog . Seit Jahdern einfach nur ein Flüchtling dieser Lager ren schon lebe ich in einem , Weiter auf S.20 in Bayern, ohne Hoffnung

Die Würde des Menschen ist unantastbar Teil 6

… denn in der Herberge war kein Platz für sie … Weiter auf S.5

No 9 • 04/2012

VOICE FOR REFUGEES teilhaben-Teil werden

Flüchtlinge und engagierte Freunde beim Weltgästeführertag in Würzburg

Willkommen in Eurer Stadt!

Weiter auf S.11

Die Würde des Menschen ist unantastbar Teil 7

Hund oder Mensch?

Er kam nicht nach Deutschland, um zu sterben.

Auf die Finsternis der Nacht folgt stets das Morgenrot. Der Morgen kommt und du wirst wiedergeboren in einen Tag voller neuer Weiter auf S.26 Erfahrungen.

Weiter auf S.7

Teil 8

Hund oder Mensch?

Teil 7

Eins, zwei, drei …einfach nur

Zahlen … Weiter auf S.32

© Falk von Traubenberg

Fotos: Redaktion Titelbild: proasyl Layout: Maneis Arbab, Anette Hainz Druck und Produktion: flyeralarm GmbH

VIVOVOLO reach out your hand for refugees …


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07 / 2012

DER GEGENSATZ VON LIEBE IST NICHT HASS, DER GEGENSATZ VON HOFFNUNG IST NICHT VERZWEIFLUNG, DER GEGENSATZ VON GEISTIGER GESUNDHEIT UND VON GESUNDEM MENSCHENVERSTAND IST NICHT WAHNSINN UND DER GEGENSATZ VON ERINNERUNG HEISST NICHT VERGESSEN, SONDERN ES IST NICHTS ANDERES ALS JEDES MAL DIE

liegt derzeit aus bei/in: Rathaus Stadtbücherei Falkenhaus Akademie Frankenwarte Weltladen Mainpost-Geschäftsstelle Plattnerstraße Kath. Hochschulgemeinde Evang. Hochschulgemeinde Bücherei Am Bahnhof, Veitshöchheim

GLEICHGÜLTIGKEIT

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Heimfocus #10 - 07/2012