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.. BOSE TOWN INSTALLATION, MIXED MEDIA 2012

Ein mit einem Walkthrough1 beschriftetes Personenleitsys­ tem führt das Publikum der Galerie DuflonRacz in der Alt­ stadt von Bern von der Strasse her durch den ersten Gale­ rieraum, und gibt in engen Bahnen den Weg zu den im zweiten Raum hängenden Porzellanobjekten vor. Die Por­ zellanobjekte sind Nachbildungen von Portalen aus der Stadtarchitektur Schweizer Altstädte. Die Objekte sind mit einer Fliege verziert. 1

Anweisungen zum Gewinnen eines Computerspiels

Der Rückweg führt zum frei begehbaren Kabinettraum. Hier hängen 21 Miniaturzeichnungen von Tötungsszenen zwi­ schen Kain und Abel. Sie wurden nach Darstellungen aus der Kunstgeschichte, jedoch nur «so gross wie eine Fliege» gezeichnet und sind frei im Format angeordnet.


GO DOWN, GET SUIT, GET PHASER, GET SHOVEL, TO DESTROY, GO UP, PUSH RED, GO DOOR, WEAR SUIT, PUSH RED, GO DOOR, JUMP, GO NORTH, GO NORTH, GO CAVE, SHOOT BOULDER, GO LIGHT, REMOVE SUIT, DROP PHASER, PULL ROD, PUSH ROD, PULL ROD, PUSH ROD, PULL ROD, PUSH ROD, PULL ROD, PUSH ROD, TOUCH PLASTIC, WEAR SUIT, GO LIGHT, GET PAINTING, GET SCULPTURE, GO LIGHT, REMOVE SUIT, WEAR GOGGLES, LOOK PAINTING, DROP PAINTING, DROP GOGGLES, GET BELT, DROP SCULPTURE, PULL ROD, PUSH ROD, TOUCH PLASTIC, WEAR BELT, DROP SHOVEL, TWIST BUCKLE, WEAR SUIT, GO LIGHT, GET BRANDY, GO LIGHT, DROP BRANDY, GO LIGHT, GET METAL, GO LIGHT, REMOVE SUIT, TWIST BUCKLE, DROP BELT, DROP METAL, GET SHOVEL, GET PHASER, TO STUN, PULL ROD, TOUCH PLASTIC, PUSH ROD, PULL ROD, PUSH ROD, TOUCH PLASTIC, GO LIGHT, DIG, GET PICK, DROP SHOVEL, GO JUNGLE, GO EAST, SAVE GAME, SOMETIMES YOU ARE KILLED BY THE HOUND, SHOOT HOUND, GET HOUND, GO SOUTH, GO WEST, GO LIGHT, PULL ROD, PUSH ROD, TOUCH PLASTIC, WEAR SUIT, GO LIGHT, DROP HOUND, WAKE HOUND, GO WEST, DIG, GET HOUND, SHOOT HOUND, GET DIAMOND, TO DESTROY, SHOOT HOUND, THERE IS A BUG HERE AND THE HOUND DOES NOT BURROW OFF, DROP HOUND, WAKE HOUND, GO NORTH, GO NORTH, GO LIGHT, REMOVE SUIT, DROP PICK, GET BRANDY, GET BELT, GET PAINTING, PULL ROD, TOUCH PLASTIC, PUSH ROD, TOUCH PLASTIC, WEAR SUIT, GO LIGHT, GO UP, GO WEST, GO SHIP, PUSH RED, REMOVE SUIT, DROP BRANDY, DROP DIAMOND, DROP BELT, DROP PAINTING, WEAR SUIT, PUSH RED, GO DOOR, JUMP, GO NORTH, GO NORTH, GO CAVE, GO LIGHT, GET METAL, GET SCULPTURE, BREAK ROD, GO LIGHT, GO UP, GO WEST, GO SHIP, PUSH RED, REMOVE SUIT, GO DOOR, GO DOWN, OPEN HATCH, GO CRAWLWAY, PUT ROD, GO UP, DROP HATCH, DROP METAL, GO UP, PUSH RED, PUSH BLUE, LIFT OFF, PUSH RED, GO DOOR, DROP SUIT, GET DIAMOND, GET BELT, GET PAINTING, GET BRANDY, PUSH RED, GO DOOR, DROP BELT, DROP BRANDY, DROP DIAMOND, DROP PAINTING, DROP SCULPTURE, SCORE


EINE AUSSTELLUNG - AN EXHIBITION Eine Ausstellung ist nach Verständnis von Haus am Gern ein «einsamer Kampf gegen das Schicksal». Da sich die Realität nicht eins zu eins in einer Ausstellung abbilden lässt, hat Haus am Gern zunächst den zu realisierenden Aspekt genauer umrissen und dann stark abstrahiert, denn es können nur diejenigen Teilaspekte gezeigt werden, die für den Ausstellungswitz als elementar empfunden werden. Daher sind die Ausstellungen von Haus am Gern, sofern in der dritten Person gedacht, im Präsens gehalten, während die in erster Person gedachten Ausstellungen im Präteritum (Imperfekt) gehalten sind. Die fortschreitende Verbesserung der Idee erlaubt es Haus am Gern jedoch, den Grad der Abstraktion immer weiter abzusenken. Dies hat auch Konsequenzen für die Genres der gezeigten Werke: Eine Ausstellung von Haus am Gern kann durch ihren Detailgrad heute mehrere früher abgetrennte Genres gleichzeitig zeigen. Dies erlaubt dem Betrachter z. B. die Wahl zwischen einer aktionsreichen oder eher verstohlenen Sichtweise, anstatt sich auf eine einzige definierte Sichtweise zu beschränken. So begleiten Haus am Gern‘s Ausstellungen die BetrachterInnen vor allem bei der Verteidigung und Aufrechterhaltung ihrer eigenen Würde und Ehre.

Haus am Gern perceive any of their art shows to be a "lonely struggle against fate". Since no exhibition can render a one-to-one illustration of reality, Haus am Gern set about a clear definition of the aspect they intend to realise before proceeding to a strong abstraction. In their view, only the partial aspects that are perceived to be elementary to the point and wit of the exhibition can be displayed. Therefore, any exhibition by Haus am Gern, insofar as they have been conceived in the third person, are presented in the present (tense), while any exhibitions conceived in the first person are held in the preterite (imperfect) (tense). The continual improvement of this concept, however, has allowed Haus am Gern to gradually reduce the degree of abstraction, which also has its consequences for the genres of works on display: these days, owing to the degree of detail, an exhibition by Haus am Gern may well present several genres side-by-side that would previously have been separate; the shows are no longer restricted to a single, pre-defined angle. This leaves the viewer with a choice between an actionpacked interpretation, for example, or one that is more furtive. And this is how Haus am Gern‘s exhibitions first and foremost accompany their viewers in their defence and upholding of their dignity and honour.

Trmasan Bruialesi © Interpretation after the German original Margret Powell-Joss

BÖSE TOWN

INSTALLATION; MIXED MEDIA 2012 DIE FLIEGE #1 - #8 Porzellan, gegossen, glasiert, Pigmentsiebdruck, gebrannt 42 x 52 x 8 cm GO DOWN, … Personenleitsystem, 32-teilig, rot, weiss beschriftet Dimension  variabel DIE FLIEGE (Kain und Abel) #1 - #21 Pigmenttinte Pentel auf Mango Satin halbmatt 250g, gerahmt 42 x 52 cm

CREDITS Galerie DuflonZacz: Henri Racz Tech­nische Beratung & Ausführung Keramik : Aschi Rüfenacht Reverenz an : Les Ambassadeurs, The Leading House Of Leading Names ; Scott Adams' Graphic Adventure #6 : Strange Odyssey (1982) ; Dürer, Tizian, Tintoretto, Carracci, Camessei, Manfredi, Rubens, Schnorr von Carolsfeld, Doré,…


H aus a m Gern, ‹Böse Town› Vorfreud e ist die schönste Freud e. Dieser so vertraut wie h arm los klingend e Sinnspruch erh ält einen seltsa m en B eigeschm a ck, wenn d as Duo H aus a m Gern Galerie b esucher auf d en Kreuz weg schick t , um die B e d eutung d er Erw artung und d es Ringens um Aufm erksa m keit in d er Kunst zu refle k tieren. B ern — Vorfreud e und Erw artung können d en Genuss a n einer Sa che od er eine m Erle bnis steigern. Nicht nur die mod erne Psychologie kennt d as Ph ä nom en. Im Christentum wird die Erw artung als Movens p ersönlichen H a nd elns ins Tra nszend ent ale gelenk t . Ab er auch in d er bild end en Kunst , die, na chd e m sie sich aus d e m Dienste d er Religion b efreit h a t , selbst einen quasi-religiösen Ch ara k ter gewonnen h a t , spielt d as Mom ent d er Erw artung eine entscheid end e Rolle. Das in Biel le b end e Künstler-Duo H aus a m Gern b estehend aus B arb ara M eyer Cest a (*1959) und Rudolf Steiner (*1964) se t z t sich in seinen Arb eiten imm er wie d er mit Wirk m ech a nism en d er Kunst und d es Kunst b e trie bs auseina nd er. F ür ihren ersten Auftrit t in d er Galerie Duflon Ra cz vor drei Ja hren gest alte ten sie eine Anti-Ausstellung mit kunstvoll verbre t terten F enstern, die d e m Publikum ein Nicht - Ereignis suggerierten, d as unter d er H and zum Ereignis wurd e. In d er neuen Ausstellung geht es um die H eilserw artungen d er Kunstlie bh a b er a n die Kunst und um die Inszenie rung einer Ausstellung als ein heiss ersehntes Event . Z wei Räum e d er Galerie sind als Kunst p arcours eingerichte t , eine Art Warteschleife od er auch Kreuz weg für B esucher, in d e m sich d er religiös aufgela d ene Ch ara k ter d er Kunst e b enso wid erspiegelt wie die M ech a nism en d es Kunst m ark tes, d er die Erw artungen d es Publikums mit allerlei Tricks a nfa cht . Die d en Kreuz weg fla nkierend en Kunst werke unterlaufen d as erw arte te Sp e k t a kel. E s sind verkleinerte Kopien klassizistischer H austore, die an Türen in Erle bnisräum en d enken lassen, welche hier nur als Id e e präsent sind. In eine m weiteren Raum z wingen grosse weisse Blä t ter mit winzigen Zeichnungen d as Publikum, n a he a n sie heranzutre ten und sich zum Motiv hin a bzub eugen. Die Zeichnungen erinnern an F liegen, die sich als sch alkh a fte kleine Noten auf vielen Werken d er Kunstgeschichte find en und die als Symbole d es Teufels, d er Vergä nglichkeit und w a hnh a fter Ge d a nken gelten. B ei n ä here m Hinsehen zeigt sich, d ass sich in d en verm eintlichen F liegenbild ern Szenen d es alt test a m ent arischen Brud erk a mpfes z wischen K ain und Ab el verb ergen. Ein uraltes Motiv wie es k aum p assend er sein könnte für eine zeitgenössische Ausstellung. Steck t hinter diese m mythischen Brud erz wist doch ein K a mpf um Anerkennung, ein Ringen um Aufm erksa mkeit . Ein Ringen wie es im üb ertragenen Sinn je d er, d er heute a n d er Kunst b e teiligt ist , sei es als Kunstsch a ffend e, als Galerist , Kura torin, Sa m mler, kennt . Alice Henkes → Galerie Duflon Racz, bis 22.9. ↗ www.duflon-racz.ch

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Kunstbulletin 9/2012


Haus am Gern 路 B枚se Town (Fliege), 2012, Tusche auf Papier, 40 x 50 cm, Detail

BESPRECHUNGEN // BERN

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BÖSE TOWN HAUS AM GERN 17.8 – 22.9.2012


Böse Town