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Thomas Hausberg

Balkone, Terrassen und Freisitze


Balkone, Terrassen und Freisitze


Thomas Hausberg

Balkone, Terrassen und Freisitze

Deutsche Verlags-Anstalt


15

Alfhausen

Berlin

16

Dortmund

11

9

12

Hannover

Orsay

DEUTSCHLAND 10

14

Kronberg

Güglingen

1

Landsberg a. Lech

4

18

13

Linz

3

München

Utting a. Ammersee 6 19

Bern

2

ÖSTERREICH Zürich

Murg 8 Sigigen

SCHWEIZ

17

Batschuns 7 Miening

Wien 5


Inhalt Vorwort

7

Draußen leben

8

Balkone 1 Angedockt

14

Metallständerbau – Linz/Österreich x architekten

2 Freiräume

11 Blockhaus Dach- und Gartenterrasse – Dortmund ArchiFactory.de

20

Balkon-Holzrost auf Kunststoff-Stelzlagern Sigigen/Ruswil/Schweiz Architekturbüro Rupert Kündig

12 Eingeschnitten

26

Metallständeranbau – München-Isarvorstadt heidenreich architektur

30

Kragplatten-Balkone – Landsberg am Lech Atelier Lüps

5 Evergreen

36

Fassadenbalkone – Wien/Österreich querkraft architekten zt

6 Flechtwerk

40

15 Leichtgewicht

94

16 Angedeutet

100

Laubengänge und Terrassen Alfhausen bei Osnabrück STOCKWERK ORANGE

46 17 Weitsichtig

Umlaufender Balkon in Holzbauweise Mieming, Tirol/Österreich Erich Gutmorgeth

8 Panorama

90

Terrassensanierung Güglingen, Landkreis Heilbronn (BW) Architekturbüro Elvira Nägele

Flachdachumbau zur Dachterrasse – Hannover Vorrink Wagner Architekten

Metallständerbau – Zürich-Schwamendingen/Schweiz Frank Zierau Architekt

7 Abhängig

84

Terrassengeschoss – München-Bogenhausen heidenreich architektur

14 Mehrwert 4 Fließende Übergänge

80

Eingeschnittene Dachterrasse – Berlin STOCKWERK ORANGE

13 Aufgesattelt 3 Backstage

74

106

Eingeschnittene Wohnterrasse und Dachterrasse Batschuns/Österreich k_m.architektur

52 18 Filigraner Freisitz

Balkon in Holzelementbauweise – Murg/Schweiz k_m.architektur

112

Stahl-Glas-Pavillon – Utting am Ammersee Atelier Lüps

Terrassen und Freisitze 19 Rankwerk 9 Ausgeschnitten

62

Hofterrasse – Orsoy, Landkreis Wesel (NRW) björn severin rheinflügel

10 Futuristisch Terrassenüberdachung – Kronberg im Taunus Meixner Schlüter Wendt Architekten

118

Rankgerüst und Teehaus – Zürich-Dolder/Schweiz NÄGELIARCHITEKTEN

Architekten und Fotografen

126

Impressum

128

66


Vorwort Stubenhocker werden an diesem Buch wenig Freude haben. Hier geht es um den offenen Raum, um frische Luft, um Sonne, aber auch um Regen und Schnee – kurz gesagt: Hier geht es um das Leben draußen vor der Tür innerhalb des eigenen, privaten Lebensraums. Hier geht es um Orte, an denen man ein Sonnenbad nehmen, sich mit der Familie und Freunden am (Grill)-Feuer treffen oder – aus Rücksicht auf die Mitbewohner – eine Zigarettenpause einlegen kann. Es geht um Räume zwischen dem geschlossenen Wohnbereich und dem Garten oder der Straße. Diese Zwischenräume haben viele Facetten; mal sind sie als vorgestellter Balkon ausgebildet, mal als Terrasse oder Veranda in den Garten hineingebaut, mal sind sie als Hof, Atrium oder Patio vom Gebäude umgeben, mal nutzen sie als Dachterrasse Freiflächen über einem umgebenden Häusermeer. So verschieden die Bezeichnungen und so unterschiedlich die Ausgestaltungen auch sind, eines haben diese Zwischenräume gemeinsam – sie tragen entscheidend zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Darum wird ein Fehlen von offenen Bereichen häufig als Manko des gesamten Bauwerks empfunden. Dieses Buch zeigt unterschiedlichste Beispiele aktueller Architektur. Dabei wurde bei der Auswahl der Objekte besonderes Augenmerk auf die Idee und deren Umsetzung und weniger auf die spektakuläre Lösung gelegt, ohne diese aber ganz außer Acht zu lassen. So zeigt dieses Buch neben aufwendigen Lösungen auch Beispiele für kleine Budgets.

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Draußen leben Egal auf welcher geografischen Breite und in welcher Klimazone: Neben der schützenden Hülle der Behausung ist ein eingefriedetes Areal unter freiem Himmel für die meisten Menschen wichtiger Bestandteil des privaten Lebensraumes und Voraussetzung für Wohn- und Lebensqualität.

4

4 Das Atriumhaus – schon die Römer schätzten diesen Haustyp. Was früher als eine Art kleine Festung diente, ist heute wegen des luftigen kühlen Innenhofs nicht nur in südlichen Regionen sehr beliebt.

8 Einer der wohl berühmtesten Balkone der Geschichte: Der sogenannte Julia-Balkon in Verona verdankt seine Bekanntheit den ihn umgebenden Mythos der Liebe bis in den Tod. Er wurde allerdings erst 1940 als Konsolenkonstruktion mit stuckverzierter Balustrade angebracht.

: Fallingwater von Frank Lloyd Wright zählt zu den bekanntesten Gebäuden der Vereinigten Staaten und gehört zu den wichtigsten Wohnhäusern der Moderne. Das 1937 fertiggestellte Bauwerk versinnbildlicht »draußen leben« mit der Natur.

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Bereits in der Frühgeschichte der Menschheit hatte das Leben außerhalb von schützenden Hüllen wie Höhlen oder Felsnischen einen besonderen Stellenwert. Vermutlich mit einem mystischen Hintergrund oder mit gesellschaftlichen und sozialen Aspekten verbunden, legten die Menschen der Steinzeit Opfer- und Versammlungsplätze an. Bei Ausgrabungen fanden sich Spuren markierter Terrains, beispielsweise durch Steine eingegrenzt, die den Schluss zulassen, dass sie vorwiegend rituellen Zwecken dienten. Außerdem entstanden angrenzend an menschliche Behausungen bereits sehr früh eingefriedete Areale. Mit der Domestizierung von Wildtieren wurden zum Schutz der Nutztiere vor Raubtieren oder räuberischen Übergriffen aus dornenbewehrtem, nahezu undurchdringlichem Buschwerk, durch geflochtene Zäune oder mächtige Mauern nach oben offene Schutzräume, sogenannte Höfe geschaffen. Diesem Zweck diente unter anderem auch der Innenhof von Ringbauten, das Atrium. Diese Gebäudeform ist bereits aus der Zeit der Römer bekannt und ist in klimatisch gemäßigten und subtropischen Zonen bis heute eine der häufigsten Bauformen. Auch wenn der ursprüngliche Nutzen solcher eingefriedeter Bereiche ganz oder zumindest teilweise verlorenging, ihre Ursprünge finden sich in den Wortstämmen heute verwendeter Bezeichnungen wieder. So leitet sich beispielsweise der Begriff »Altan« – hierbei handelt es sich um einen bis zum Boden unterbauten Austritt an einem oberen Stockwerk – vom lateinischen Wort »alta« (hoch, erhaben) ab. Eine Nähe zum frühzeitlichen Nutzen als Opferstelle (Altar) ist in diesem Wortstamm ebenfalls zu erkennen. Oder das lateinische Wort »terra« (Erde, Erdboden): Es bildet die sprachgeschichtliche Wurzel der Bezeichnung »Terrasse«. Heute versteht man darunter eine weitestgehend offene Plattform auf oder unter der Erdgeschossebene eines Gebäudes, die für den Aufenthalt im Freien vorgesehen ist. Auch begehbare Plattformen auf Gebäuden werden als Dachterrassen bezeichnet. Architekturgeschichtlich gesehen ist der Balkon die jüngste Form des Lebensraums »Draußen«. Seinen Ursprung hat das Wort im althochdeutschen, ursprünglich langobardischen »balko«, dem Balken. Der Balkon ist eine Plattform, die sich über dem Niveau des umgebenden Geländes befindet. Seine Freifläche liegt freitragend vor der Fassade. Ist die Freifläche ganz oder teilweise in dasGebäude eingeschnitten, spricht man von einer Loggia. Irreführend ist die umgangssprachlich verwendete Bezeichnung »Französischer Balkon«. Hierbei handelt es sich um bodentiefe Fenster, deren Geländer nur minimal aus der Fassade hervortreten. Obwohl in der Regel nicht begehbar, kann dieses architektonische Element dennoch als Urform des Balkons bezeichnet werden. Balkone als Schmuck- oder Funktionselemente findet man in allen Regionen seit der Zeit um Christi Geburt. In tropischen und subtropischen Gebieten Asiens kannte man aus Holz konstruierte Balkone, die überdacht und mit kunstvoll gestalteten Gitterkonstruktionen Schutz vor der heißen Sonne boten. Im Orient ermöglichten es geschnitzte Gitterbalkone den Frauen, am Leben draußen teilzuhaben und trotzdem vor den Blicken Fremder geschützt zu sein. Im nördlichen Europa dienten solche auskragenden Plattformen eher als offene Verbindungswege zwischen umbauten Räumen und als Ausspähplätze, denn zum dauerhaften Aufenthalt an der frischen Luft. Erst mit dem Vordringen der Osmanen auf dem Balkan und in die westlichen Mittelmeerregionen wurden Balkone auch hier populär. Beispiele hierfür finden sich vor allem in Italien. Ab 9


3 Die Dachterrasse als Ruhezone inmitten pulsierenden urbanen Lebens. Was früher meist ungenutzt oder allenfalls als Stellfläche für Klimaanlagen und Lüftergehäuse diente, erfreut sich heute als Treffpunkt und Raum der Entspannung mit 360°Panoramablick zunehmender Beliebtheit.

4 Balkone moderner Bauart sind keine Energiefresser mehr. Wo früher Kältebrücken unvermeidbar waren, schaffen neue Bauelemente wie der Isokorb für eine thermische Trennung zwischen drinnen und draußen.

3 Massiv, aber nicht massig ist diese Betonguss-Balustrade für eine Düsseldorfer Stadtvilla. Die schlicht detaillierte Form wurde in gut zu handhabenden Einzelteilen gefertigt und vor Ort zu einem Ganzen verspannt und verfugt.

4 Ein guter Kompromiss zwischen umbautem Wohnraum und begehbarer Terrassenfläche ist mit solchen Bauelementen möglich. Die Kombination von Schwenkflügel und halbhohem Drehelement sorgt für ausreichend Belichtungs- und Belüftungsmöglichkeiten des Wohnraumes und lässt einen bequemen Austritt auf eine Mini-Dachterrasse zu.

3 Statisch und konstruktiv eigenständig und dennoch individuell an die Gegebenheiten vor Ort anpassbar sind solche industriell gefertigten Balkonelemente.

4 Erst beim zweiten Blick auf diese vorgestellte Balkonkonstruktion fallen einem die Geschichten der Bürger von Schilda wieder ein. Ist das die Lösung für Bewohner, die partout keinen Balkon haben wollen?

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dem 16. Jahrhundert schmückten mehr und mehr eher schlichte Balkone die Adelspalazzi. Allerdings wurde ihnen keine im heutigen Sinn gebrauchsttaugliche Funktion zugedacht. Sie dienten lediglich repräsentativen Zwecken und als gliedernde Elemente bei der Gestaltung der Fassade und waren fast ausschließlich herrschaftlichen Bauwerken vorbehalten. Seinen eigentlichen Siegeszug auch in Richtung Norden trat der Balkon um die Zeit nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 an. Mit Beginn des Industriezeitalters und zunehmender Landflucht entstanden Ballungszentren mit einem großen Bedarf an Wohnraum. Neue großbürgerliche Mietshäuser prägten das Bild der Städte. Dieses neue, konzentrierte Wohnen forderte von der Architektur Alternativen zu Freiflächen, wie sie in einer kleinteiligen, dörflichen oder kleinstädtischen Bebauung in Form von hausnahen Kleingärten und Hofräumen gegeben war. Balkone erfüllten diese Funktionen. Es entwickelten sich zwei Arten von Balkonen: So waren bis zum Ende der 1930er Jahre an den straßenseitigen Gebäudefronten Schmuckbalkone üblich. An den rückseitigen Hoffassaden der Gebäude, meist den Küchen vorgelagert und für Hausarbeiten im Freien vorgesehen, befanden sich die Wirtschaftsbalkone. Die Schmuckbalkone traten an die Stelle des eigenen Gartens und bildeten ein privates Stück Natur im Zentrum der Städte. Was lange nur als äußeres Fassadenelement ohne funktionale Verbindung zum Wohnraum fungierte, entwickelte sich zur Schnittstelle zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit. Man lernte die Vorzüge eines begrünten »Zimmers« mit Ausblick schätzen: Hier war man ungestört und konnte dennoch distanziert am öffentlichen Geschehen teilhaben. Mit der Verbesserung der Wohnqualität ab Mitte der 1950er Jahre wurden Balkone zum festen Bestandteil von Neubauten. Durch die Modernisierung der Haushalte und die Entwicklung neuer Haushaltsgeräte verschwand allerdings der reine Wirtschaftsbalkon. Dem Wohnzimmer vorgelagert, dienen Balkone heute als dessen Erweiterung unter freiem Himmel. Zudem fungieren sie als Beschattungselemente für die darunter gelegenen Räume. Konstruktiv unterscheidet man Balkone, die als Auskragung der Geschossdecke ausgebildet sind und separate Platten, die auf Konsolen oder Kragträgern aufliegen. Balkone älterer Bauart bilden insbesondere bei Stahlbeton-Konstruktionen Wärmebrücken. Bei modernen Balkonen sorgt ein spezielles Dämmelement, der sogenannte Isokorb, für die notwendige thermische Trennung. Dabei handelt es sich um ein tragendes Wärmedämmelement für auskragende Bauteile, die sowohl für Beton-Beton-, Beton-Holz-, Beton-Stahl- oder Stahl-Stahl-Konstruktionen eingesetzt werden können. Der Isokorb reduziert Wärmebrücken und verhindert eine Tauwasser- und Schimmelpilzbildung. Als statische Alternative kann der Balkon auch mit einem eigenen Fundament und Tragwerk vor dem Gebäude stehen und an der Außenwand nur rückverankert werden. Hierfür bieten Bauelementehersteller unterschiedlichste Variationen, sowohl in Bezug auf die Gestaltung wie auch auf die verwendeten Materialien. Neben reinen Metallkonstruktionen werden auch Systeme aus Massivholz und Kombinationen aus verschiedenen Werkstoffen angeboten. Mit dem zunehmenden Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnzwecken entwickelte man aus ursprünglich als Dachflächenfenster konstruierten Bauelementen Mini-Dachterrassen. Die Kombination aus einem oberen Schwenkflügel und einem unteren Drehelement ermöglicht den Zugang zu einer in das Dach eingeschnittenen Freifläche. 11


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Balkone


Angedockt Mit einem kleinen, auf den ersten Blick ungewöhnlichen Anbau auf schmalen Stützen erfüllten sich die Bauherren den Wunsch nach einem zusätzlichen Raum mit viel Sonne.

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5 Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurde der Altbau außen gedämmt und vollständig in ein sonniges Orange getaucht; bei geschlossenen Jalousien verschwinden die Fenster optisch. Eines der Kriterien für den Anbau war, die Durchfahrt zur vorhandenen Garage weiterhin zu ermöglichen.

Seitenansicht Nord

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Um das Mehrfamilienhaus, in einer typischen Arbeitersiedlung aus der Nachkriegszeit gelegen, reihen sich einfache, zweigeschossige Häuser mit steilen Dächern und Gärten aneinander. Nachträglich angebrachte Dachgaupen und Vorbauten geben der ursprünglich homogenen baulichen Grundstruktur einen patchworkartigen Charakter. Bewohnt wird das Haus von drei Parteien. Knapp 9,50 m im Quadrat, also rund 90 qm, bilden je eine Wohneinheit. Die Grundrisse entsprechen der kargen Ökonomie der 1950er und -60er Jahre: eine Holztreppe in der nordöstlichen Ecke, ein schmaler Flur, je zwei Räume an der Westund Ostseite, die durch je ein kleines Fenster belichtet sind;

Seitenansicht West

Schnitt


nordseitig reihen sich WC, Bad und eine 3 qm-Miniküche aneinander. Das Haus liegt auf einem ca. 20 m breiten und fast 40 m tiefen Grundstück. An der Schmalseite im Westen verläuft eine Straße, im Norden ist der Eingang. Im Zuge der Gesamtsanierung sollte auf Wunsch des Bauherrn, der die erste Etage bewohnt, ein multifunktionaler Extraraum mit viel Platz, Licht, Luft und Sonne zum Musikhören, Essen und Entspannen geschaffen werden. Die Zufahrt zur bestehenden Garage in der nordöstlichen Grundstücksecke sollte bleiben. Die Widmung ließ nur eine Zubaumöglichkeit in den beschatteten Fluchtlinien des Altbaus im Norden zu.

Grundriss Erdgeschoss

5 Trotz der ungünstigen Lage an der Nordseite des Wohngebäudes ist der neue Raum hell und sonnendurchflutet. Erreicht hat man dies durch die »aufgefaltete« Seitenwand, die wie ein Spiegel das Licht reflektiert.

Grundriss 1. Obergeschoss

Grundriss Dachgeschoss

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6 Entwicklungsschema

1

2

3

4

Die Planer entwarfen ein filigran gefaltetes, aus sechs Stahlrahmen konstruiertes Bauwerk, das über einen folienverkleideten Durchgang an das Treppenpodest der Wohnung im ersten Stock andockt. Mit unbehandeltem Aluwellblech verkleidet, sitzt es wie ein Baumhaus auf schmalen I-ProfilStelzen. Sie ermöglichen einen freien Blick und den Durchgang in den Garten. Die mit Aluminium verkleidete Unterseite des Anbaus reflektiert das Licht, nachts beleuchten Scheinwerfer, die neben den Stelzen in den Boden eingelassen sind, den Eingangsbereich. Abstrakt verfremdet nimmt der Bauköper den ortsprägenden Haustyp auf. Seine Urform wurde wie eine Schachtel aufgeklappt, so dass sich das »Satteldach« zur Sonne öff18

entfernter Bestand Ergänzungen

net. Es wirkt wie ein Parabolspiegel als Lichtfänger, der Sonnenstrahlen über eine Glasfläche am Dach in den Raum lenkt. Von oben nicht einsehbar, fällt das Licht durch den Luftraum zwischen den Stahlskelettträgern ins Innere, wo es durch die schräge untere Wandfläche nach oben reflektiert wird. Eine Neonröhre an der Deckenkante setzt das Lichtspiel nachts fort. Nach Osten und nach Westen öffnet sich der Anbau mit raumhoher Verglasung und einer Schiebetür zu zwei Balkonen, dünne Metallstäbe mit Netzen bilden das Geländer. Von der Wohnung in der zweiten Etage aus erreicht man die Dachterrasse des Anbaus.


3 Was tagsüber als »Fänger« für Sonnenlicht dient, ist nachts Reflektor für die an der Deckenkante angebrachte Neonröhre. Bodenstrahler an vier Stützen beleuchten die Alufläche auf der Unterseite des Anbaus und erhellen so indirekt den Eingangsbereich.

Metallständerbau Projekt: Ort: Fertigstellung:

Anbau an ein Mehrfamilienhaus Linz/Österreich 2004

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

x architekten, Linz/Wien Bettina Brunner Gerhard Walter, Graz Metallbau Hulan GmbH, Traun/Ödt

weitere Informationen:

www.xarchitekten.com / www.metallbau-hulan.at

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Freiräume Wohnen mit einem starken Bezug zur Natur, dies war die Vorgabe für den Entwurf eines Doppelhauses, den zwei Bauherrinnen in Auftrag gaben. Auf jeder der drei Ebenen sollten Freiflächen mit möglichst wenig Einblick in die Privatsphäre geschaffen werden.

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5 Das Gebäude liegt am Hang in einer Moränenlandschaft, die sich leicht kesselförmig gegen Westen öffnet.

5 Die Räume sind einerseits der Südsonne zugewendet, andererseits ist der Blick nach Westen auf allen Ebenen frei.

Gebäudequerschnitt

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3 Die senkrecht angebrachte Fassadenverkleidung aus Fichtenholz ist unbehandelt. Bereits nach kurzer Zeit hat die Vergrauung des Holzes eingesetzt. Mit den Jahren gehen so die Holzelemente und die Zinkoberfläche der Metallteile eine optische Verbindung ein.

Unter Berücksichtigung der Vorgaben der beiden Auftraggeberinnen, die möglichst auf jeder Ebene eine Freifläche wünschten, und der besonderen Lage des Baugrundes entstand dieses Doppelhaus mit einem großzügigen Auffahrtsbereich, einem Split-Level und horizontal versetzten Wohn- und Arbeitsetagen. Das Dachgeschoss beherbergt in der einen Haushälfte eine Naturheilpraxis, in der anderen ein Künstleratelier. In der mittleren Etage sind die Schlafzimmer und Bäder angesiedelt, im untersten Geschoss die Wohn-, Ess- und Kochbereiche. Dabei grenzt ein Absatz den Wohnbereich optisch etwas ab. Beide Wohnungen haben auf jeder Ebene einen Zugang zu den jeweiligen Freiflächen. Eine Verbindung der beiden Wohneinheiten bildet ein gemeinsam nutzbarer Gartensitzplatz. Außer den Freiflächen wünschten sich die Bauherrinnen ein Holzhaus. Die Außenwände sind in Holzrahmenbauweise mit einer Innenbeplankung aus Gipsfaserplatten und einer Außenbeplankung aus DWD-Holzwerkstoffplatten ausgeführt. Zur Dämmung wurde Zellulose in die Zwischenräume eingeblasen. Die tragenden Zwischenwände sind ebenfalls in Holzrahmenbauweise mit beidseitiger Gipsfaserbeplankung hergestellt. Auch hier besteht die Dämmung aus Zellulose. Die Decken in den begehbaren Außenbereichen sind

Vertikalschnitt

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5 Das Reizvolle an der Architektur ist das Wechselspiel zwischen umbautem Raum und freien und überdachten Balkone und Terrassen.

4

4 Die Außenwandflächen im Bereich der überdachten Terrasse wurden genutzt, um farbliche Akzente zu setzen.

3 Schnitt A

3A

B

6

5 Innenansicht 4 Schnitt B 24

ungedämmt aus verleimten Fichte-Balkenlagen mit Lastverteilplatten aus Fichte-Dreischichtholz hergestellt. Die übrigen Decken bestehen aus Holzrahmenelementen mit Zellulosefüllung. Sämtliche erdberührenden Wände sind in Stahlbeton ausgeführt und mit Sickerleitungen umschlossen. Da sich das Gebäude in einer Gewässerschutzzone befindet, wurden alle Kanalisationsleitungen vollständig einbetoniert. Die Fassade ist mit einer Fichtenholz-Schalung versehen. Das Holz ist unbehandelt und wird nach und nach vergrauen und sich so farblich in der Landschaft integrieren. Einzig die überdachten Bereiche bei den Eingängen und den ebenerdigen Terrassen sind farbig gestrichen. Da die Fenster sehr starker Witterung ausgesetzt sind, wurden HolzMetallfenster eingesetzt. Die Balkonroste bestehen aus gehobeltem und unbehandeltem Douglasienholz. Die Auflager der Holzroste sind Kunststoff-Stelzlager aus witterungs- und alterungsbeständigem Polypropylen. Das Stelzlager-System setzt sich aus einer Grundplatte und einem aufschraubbaren Oberteil zusammen. Der Kopf dieses Oberteiles ist als nivellierbares Auflager ausgebildet und kann sich Unebenheiten und Gefällen bis zu 5 % anpassen. Die Entwässerung der Unter-


Rost Douglasie Lattung Fichte Stelzlager Polypropylen Abdichtfolie Lastverteilplatte Fichte Balken Fichte

Konstruktionsaufbau

konstruktionen, wie auch die Unterlüftung der Böden ist so gewährleistet. Die Konstruktion ist bis zur einer Tonne je Stelzlager belastbar und für Bodenhöhen von 35 mm bis 620 mm verstellbar.

5 Freiräume, die von allen Ebenen aus zugänglich sind und dabei möglichst wenig Einblick geben, waren der Wunsch der Bauherrinnen.

Balkon-Holzrost auf Kunststoff-Stelzlagern Projekt: Ort: Fertigstellung:

Neubau Doppelwohnhaus Chäppeliweid Sigigen/Ruswil, Kanton Luzern/Schweiz 2006

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

Architekturbüro Rupert Kündig, Luzern Rupert Kündig K.F. Willi + Partner, Neuenkirch RUBAG, Ruswil / Holzbau W. Küng AG, Alpnach Dorf

weitere Informationen:

www.kuendig-architekt.ch

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Backstage Aufgabe bei diesem Projekt war es, ein Planungskonzept zur innerst채dtischen Bebauung, Sanierung und Umnutzung eines Innenhofes auf einem gemeindeeigenen Grundst체ck zu entwickeln.

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3 Wegen der beengten Platzverhältnisse im Hinterhof wurde für diese vorgesetzten Balkone ein System entwickelt, das sich weitestgehend aus werkseitig vorgefertigten Elementen vor Ort montieren ließ.

3 Großzügige Glaselemente lassen nicht nur die Wohnräume licht und hell erscheinen, sie sorgen auch für einen nahezu nahtlosen Übergang auf die Balkone.

Das schmale und langgestreckte innerstädtische Grundstück wurde zuvor als Garagenhof genutzt. Die Erschließung des Innenhofes erfolgt über eine Durchfahrt des an der Hauptstraße gelegenen Altbaus. Auf dem Grundstück befindet sich ein ehemals kommunal genutztes Werkstattgebäude. Dieses wurde umgebaut und saniert. Aufgrund der Hofbebauung auf dem Nachbargrundstück war es baurechtlich zulässig, einen schmalen Neubau mit einer Breite von nur 5,40 m beziehungsweise 4 m im vierten Obergeschoss zu errichten. Alle Wohnungen des Neubaus, die teilweise zweigeschossig angelegt sind, orientieren sich mit großflächigen Verglasungen in südöstlicher Richtung zum Innenhof. Wegen der fehlenden 28

Zustimmung des Nachbarn konnten die Balkone der oberen Geschosse allerdings nicht bis an die Grundstücksgrenze gebaut werden. Die beengten Platzverhältnisse auf dem Grundstück erschwerten den Bauablauf. Darum wurden die Stahlbalkone als System entwickelt und in vorgefertigten Teilen auf der Baustelle mit speziellen Ankerplatten vor die Fassade montiert. Die verzinkte Balkonkonstruktion besteht aus vierseitig umlaufend verschweißten Tragrahmen mit horizontalen Aussteifungskreuzen. Die Geländerstützen sind aus 50 x 8 mm Flachstahlprofilen gefertigt. Die Geländerfüllungen bestehen aus einem Stahlrahmen mit rautenförmigem Drahtgeflecht. Die Böden sind als imprägnierte Lärchenholzroste ausgebildet.


5 Detail A

Detail A

Horizontalschnitt

Frontansicht

Vertikalschnitt

Metallst辰nderanbau Projekt: Ort: Fertigstellung:

Innenhofbebauung M端nchen-Isarvorstadt 2004

Planung: Entwurf: Ausf端hrug:

heidenreich architektur, M端nchen Klaus Heidenreich MSA Metall- und Stahlbau GmbH, Strehla

weitere Informationen:

www.heidenreich-architektur.de / www.msa-strehla.de

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Fließende Übergänge In der historischen Altstadt von Landsberg am Lech entstand am Ufer des Mühlbachs ein neues Wohngebäude mit vier Stadt- und drei Penthäusern anstelle einer alten Schreinerei. Es galt, die ehemals unattraktive gewerbliche Rückseite als spannenden urbanen Freiraum mit der besonderen Qualität des regen Baches erlebbar zu machen.

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5 Das Gebäude gewinnt durch die Atmosphäre des rauschenden Mühlbachs, der als Teil der mittelalterlichen Stadtanlage zeitgleich mit dem stadtprägenden Lechwehr angelegt wurde.

4

4 Gewünscht war ein schwebender Eindruck der Balkone. Erreicht hat man dies durch schmale Ansichten der freien Ränder der Böden und eine Verjüngung der auskragenden Stahlschwerter.

4 An diesem Ort, der traditionell der handwerklichen Produktion vorbehalten war, gelang es, hochwertiges und zeitgemäßes Wohnen zu etablieren.

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Schnitt B

6

Schnitt A

Der Ort ist durch seine geschichtlich bedeutsame Umgebung entscheidend geprägt und erforderte eine intensive städtebauliche Auseinandersetzung. So wurde das Gebäude auf den Grundmauern des zweiten Landsberger Mauerrings von 1420 bis 1425 errichtet und schließt nördlich direkt an das vollständig erhaltene Bäckertor an, einem Relikt dieser Befestigungsanlage. Seine Turmzimmer sind räumlich mit einem der neuen Penthäuser verbunden. Die vier am Wasser gelegenen Stadthäuser entwickeln sich über drei Ebenen. Sie öffnen sich mit Balkonen und Fensterelementen in den Bachraum, dessen Lichtreflexe, Fließgeräusche und Wetterstimmungen sinnlich in den Wohnräumen wahrnehmbar werden. Jede Wohnung verfügt als besondere innenräumliche Qualität über einen Raum mit doppelter Geschosshöhe, der den Wohnungsmittelpunkt bildet. In Höhenentwicklung, Zonierung und Material entspricht das Wohnhaus der historischen Nachbarschaft. Gestalterischer Schwerpunkt des Projekts ist die Fassade entlang des Bachs mit den weit vorkragenden und über

dem Wasser schwebenden Balkonen, dreigeschossigen Fensterelementen und aus der Fassade hervortretenden, überhohen Faltläden. Aufgrund der Nähe zum Bach war eine wasserdichte Wanne erforderlich. Die Grundmauern des Vorgängerbaus blieben erhalten. Zusätzlich wurden die Nachbargebäude im Norden und Osten unterfangen. Die wasserdichte Wanne hat man innen vor die Grundmauern betoniert und entlang des Bachs über den Grundmauern als Kragplatte weitergeführt. In diese Kragplatte sind im Bereich der breiten Fassadenöffnungen jeweils vier IPE-160-Träger einbetoniert. Damit erhielt man eine Rückverankerung der über einen Stirnplattenstoß angeschlossenen, auskragenden Stahlschwerter, die ebenfalls als IPE-160-Träger ausgebildet sind. Deren untere Stege wurden entfernt und die Flansche vorne auf 80 mm reduziert. Gewünscht war die Verstärkung des schwebenden Eindrucks der Balkone durch möglichst schmale Ansichten der freien Ränder. Erreicht hat man dies durch die Verwendung 33


5 Jede Wohnung verfügt als besondere Qualität über einen Raum mit doppelter Geschosshöhe, der den Wohnungsmittelpunkt bildet.

4 Die vier unteren Stadthäuser öffnen sich mit großzügigen Balkonen und Fensterelementen zum Bachraum, dessen Lichtreflexe, Fließgeräusche und Wetterstimmungen sinnlich in den Wohnräumen wahrnehmbar werden.

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Schnitt B

Schnitt A

Detail

freien Ränder. Erreicht hat man dies durch die Verwendung eines dreiseitigen Winkelstahlrahmens, auf dessen Flansch die 50 mm starken Lärchenbohlen montiert sind. Über Flachstahlstege ist auch die Umwehrung aus Rundstäben am Winkelstahl befestigt. Da die Balkone auch auch als Rettungsweg bis zur benachbarten Brücke dienen, gibt es schmale Verbindungsstege

aus Flachstählen zwischen den einzelnen Balkonen. Durch die aus der Fassade vortretenden Faltläden sind die Einheiten optisch voneinander getrennt, ohne den Rettungsweg zu behindern.

Kragplatten-Balkone Projekt: Ort: Fertigstellung:

Wohnhaus Bäckertor Landsberg am Lech 2006

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

Atelier Lüps, Utting Wolf-Eckart Lüps IB Udo Heinrich, Weilheim Schlosserei Rohm, Dießen / Tischlerei Schäble, Goldburghausen

weitere Informationen:

www.lueps.com

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Evergreen Bei der Sanierung des in einer eher grauen Wohnumgebung gelegenen Wiener Stadthauses betrachteten es die Planer als vordringliche Aufgabe, die Fassade farbig und lebendig zu gestalten.

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5 Die Balkone wurden von der Baubehörde als Brandschürzen akzeptiert. Für die seitlichen Bereiche, wo die Balkone besonders schmal sind, wurden G30-Gläser eingesetzt.

5 Die bedruckten Verbundglasgeländer bilden, nach innen gegenüber der Nachbarschaft und nach außen als zusammenfassende Ebene über der individuellen Balkonmöblierung, einen »optischen Filter«.

Verbund-Sicherheitsglas bedruckt, 24 mm fixer Abstand Achsabstand zur nächsten Halterung Flachstahl, 20 mm, verzinkt Gefälle

Halfenschiene

Halfenschiene

Detailschnitt Geländerbefestigung

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Detailansicht Geländerbefestigung


Gemäß der Wiener Bauordnung sind Balkone auf der Straßenseite entlang der Baulinie untersagt. Da bei dem vorgestellten Wohngebäude das Konzept der durchgehenden Fensterbänke mit großzügigen Glasfassaden nur gemeinsam mit durchgehenden Balkonplatten sinnvoll erschien, einigte man sich mit der Baubehörde auf architektonische »Zierglieder« mit einer maximalen Ausladung der Hauptgesimse der Nachbargebäude. Da die »Balkone« begehbar sind, wurden sie mit Geländern versehen. Die Verbundglasgeländer wurden mit Motiven bedruckt, die einen »optischen Filter« bilden: einerseits nach innen gegenüber der Nachbarschaft, andererseits nach außen als zusammenfassende Ebene über der individuellen Balkonmöblierung, die im Zusammenspiel mit den aufgedruckten grünen Gräsern ein abwechslungsreiches Spiel ergeben. Die Bedruckung ist als emaillierter Siebdruck im Verbundglas dauerhaft integriert. Besonderes Ausstattungsmerkmal der Innenräume sind die Fensterbänke. Der fehlende Sturz wird konstruktiv durch einen Überzug ersetzt, welcher die Fenster in einer Höhe von ca. 45 cm über dem Fußboden beginnen lässt. Die dadurch entstandene Stufe ist als Sitzbank am Fenster ausgebildet. Zwei flexibel einsetzbare Schemel pro Wohnung dienen als Trittstufe für einen bequemen Austritt auf die Balkone. Die über die gesamte Gebäudebreite durchgehenden Verglasungen wurde jeweils von der Fensterbank bis zur Deckenunterkante gezogen. Die durchgehenden Balkonplatten hängen etwa auf Höhe der Fensterbänke, ca. 40 cm über dem Fußbodenniveau. Die Fassade ist im Wesentlichen als Pfosten-Riegel-System mit großzügigen Festverglasungsanteilen konstruiert. Dadurch konnten die Fensterprofile auf ein Minimum reduziert werden.

5 Durch die auf Fensterbank-Niveau angebrachten Balkonplatten fällt das Sonnenlicht bis tief in die Wohnungen. Bedruckte Paneele als einzige öffenbare Elemente geben im geöffneten Zustand die gesamte Raumbreite für den Lichteinfall frei.

Fassadenbalkone Projekt: Ort: Fertigstellung:

Wohngebäude Leebstraße Wien/Österreich 2003

Planung: Entwurf: Statik: Farbgestaltung:

querkraft architekten zt, Wien Andreas Schleicher Zemler-Raunicher, Wien Lichtwitz – Büro für visuelle Kommunikation, Wien

weitere Informationen:

www.querkraft.at

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Flechtwerk Die lichte Bebauungsstruktur und die damit verbundene geringe Ausnutzung der Grundstücke waren der Grund dafür, das in den 1940er Jahren erbaute Gartenstadt-Ensemble »Burriweg« im Züricher Stadtteil Schwamendingen umzugestalten. Zugleich sollte den veränderten Bedürfnissen seiner Bewohner Rechnung getragen werden.

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4 Die Laubentürme sind beidseitig zueinander versetzt angeordnet und erreichen so den maximalen Abstand untereinander. Die gedeckte Außentreppe führt direkt in die obere Maisonette-Wohnung, während die untere Wohnung ebenerdig erschlossen wird.

Zu Beginn der Planung stellte sich die Frage, wie die Siedlung weiterentwickelt werden kann, ohne dass die Wohnqualität unter einer Nachverdichtung leidet. Die Lösung fand sich in Ergänzungsbauten. Die angestrebte Verdichtung um den Faktor 2 führte zu neuen Wohn- und Außenraumtypologien. Mit wenigen entwerferischen Maßnahmen konnte den Anforderungen des Bauherrn, einer Baugenossenschaft, sowie der vorgefundenen Situation entsprochen werden. Das Prinzip der gestapelten Reihenhäuser, der gespiegelte Grundriss, der möblierte Außenraum mit Laubenturm, Außentreppe und Abstellraum sowie einem Parkhaus geben der Gartenstadt eine zeitgenössische Identität. Die nicht mehr hierarchisierten Ostwest-Seiten eröffnen auch im Außenraum neue Möglichkeiten. Eine besondere Rolle übernimmt die ausgestellte »Gartenlaube «. Jede Wohnung erhielt ein solch zweigeschossiges Gartenzimmer, das durch Größe und Material für vielfältige Nutzungen offen ist: sei es als hängender Garten oder als »Sommersitz«. Mit Wänden aus Spalierelementen schuf man eine dem Ort angemessene Privatsphäre, mit einem großen Fenster nach Süden und einem allseitig begrenzten Einblick durch die raumhaltigen Holzelemente. Die Laubentürme bestehen jeweils aus vier zusammengesetzten, biegesteifen und eingespannten Stahlrahmen, die so auf jegliche Diagonalaussteifung verzichten konnten. Sie dienen als Grundgerüst für die nichttragende Holzausfachung. Dies erleichterte den Aufbau und vereinfacht den späteren Austausch von schadhaften Holzspalieren. Um einen besseren Sichtschutz zu erreichen und aus Gründen einer höheren Absturzsicherheit ist das Holzspalier im unteren Teil bis auf 42


3 Der Zwischenraum wurde mit drei Elementen möbliert: Laubenturm, Außentreppen und Abstellraum. Die zweigeschossigen Lauben sind der Ersatz für die durch die Verdichtung wegfallenden Privatgärten.

Horizontalschnitt – zweite Ebene

Horizontalschnitt – untere Ebene

Vertikalschnitt

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4 Der Laubenturm wird über eine Brücke vom Wohn-Essraum erschlossen und öffnet dann den Blick aus den OstwestZeilen nach Süden. Die Brücke verhindert die Verschattung der darunterliegenden Wohnung wie bei konventionellen Balkonen und verleiht der zweigeschossigen Laube ihren eigenständigen Charakter.

Detailschnitte Laubenturm

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Detailschnitt Gebäudeanschluss


3 Zu jedem Hausvorplatz gehört ein Abstellraum, der auf Niveau der Fußgänger den Außenraum weiter unterteilt und vielfältige Spielmöglichkeiten für Kinder eröffnet.

Brüstungshöhe verstärkt. Das Lärchenholz stammt aus den Beständen des Schweizer Pavillons von Peter Zumthor auf der Expo 2000 in Hannover. Dieser war so konzipiert, dass die verwendeten Elemente später möglichst vollständig recycelt werden konnten. Dieser Nachhaltigkeitseffekt wurde noch durch die Tatsache gesteigert, dass in beiden Fällen das Ingenieurbüro Conzett, Bronzini, Gartmann aus Chur für die baukonstruktive Umsetzung verantwortlich war.

Die neue Struktur der Eingänge, Laubentürme und Abstellräume ersetzt die zuvor stark zonierten Flächen der Privatgärten, halböffentlichen und öffentlichen Wegen. Das Ergebnis dieser Umgestaltung ist ein Mehr an geschützter Privatsphäre in den Wohnungen und ein adäquater Gartenersatz durch die großzügigen Lauben.

Metallständerbau Projekt: Ort: Bauzeit:

Erweiterungsbebauung Burriweg Zürich-Schwamendingen/Schweiz 2000–2002

Planung: Statik: Ausführung:

Frank Zierau Architekt, Zürich Ernst Basler + Partner, Zürich Conzett, Bronzini, Gartmann AG, Chur Holzbau R. Walli & Co. / Karl Wüst AG Metallbau

weitere Informationen:

www.zierau.ch

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Abhängig An der Kante eines Mittelgebirgsplateaus im Tiroler Oberland hat der Architekt Erich Gutmorgeth ein Bauwerk realisiert, das dem Wunsch des Bauherren nach einem Wohnen »zwischen Himmel und Höhle« auf außergewöhnliche Weise Rechnung trägt.

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5 Von der Hangkante aus kragt das Bauwerk scheinbar schwerelos 15 m weit aus.

5 Mit den umgebenden Baumwipfeln auf AugenhĂśhe, hat man das GefĂźhl in einem Baumhaus zu wohnen.

Vertikalschnitt Vorbau

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Das Haus nutzt auf spektakuläre Art die Lage an einer Hangkante. An der Straßenseite ist dem Wohnhaus eine Garage vorgelagert, über die auch der Eingang erreicht wird. Man »erfährt« das Haus über die Garage, an die direkt der Wohnbereich anschließt. Auf einen zusätzlichen Vorraum als Barriere zum privaten Wohnumfeld wurde verzichtet. Küche, Essplatz, Wohnzimmer und ein Arbeitsplatz sind in einem offenen Einraum untergebracht, der, auf einem Betonsockel aufgelagert, rund 15 m weit über den Hang auskragt. Die Fassade des Einraums besteht aus einer eingerückten Glas-Stahl-Konstruktion mit teilweise aufschiebbaren Glaselementen. Dadurch entsteht ein umlaufender Balkon und parallel dazu eine breite Dachkrempe, die Schatten spendet. Zusammen begrenzen sie einen »Wohnraum im Freien«. Das Leben findet fast wie in einem Baumhaus zwischen den Kronen der Bäume statt. Elektrisch steuerbare Rollos zwischen Dach- und Balkonkante regulieren den Lichteinfall und bieten Sichtschutz. Im Innenraum sind Möbel wie Schränke und Regale ohne Rückwand an den Glasfassaden angebracht. Ihr Innenleben ist vom umlaufenden Balkon aus einsehbar. Als Raumteiler zur Küche fungiert ein Technikkern in einer Metallbox.

5 Der dreiseitig umlaufende Balkon und der transparente Wohnkern ermöglichen ein »Wohnen im Freien«. Das etwas über die Balkonfläche auskragende Dach spendet bei hochstehender Sommersonne ausreichend Schatten. Im Winter erwärmt die flachere Einstrahlung den Balkon.

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In den Betonsockel, der nur talseitig ganz aus dem Erdreich ragt, sind im Gegensatz zum offenen Wohngeschoss die Schlaf- und Sanitärräume höhlenartig integriert – entsprechend dem Wunsch der Bauherren nach einem Habitat »zwischen Himmel und Höhle«. Über Lichthöfe wird aber auch dieser Bereich gut belichtet. Harte Materialien spielen eine große Rolle in diesem Haus. Glas, Metall und Beton sind die Materialien der Wände. Zementestrich – im Untergeschoss mit Polyurethanpartikeln versetzt – bildet den Bodenbelag. Unterkühlt wirkt das Ambiente dennoch nicht. Dazu sind die Oberflächen zu wenig glatt, zu wenig poliert. Die Holzdecke und die Möbel tragen das Ihre zu einer angenehmen Raumstimmung bei. Trotz aller Transparenz und Offenheit erfüllt das Haus die Kennwerte von Niedrigenergie-Bauten und versorgt sich über Solarkollektoren und Wärmetauscher.

Detailschnitt Balkon/Dach

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5

5 Bereits vom Eingang aus präsentiert sich das Bauwerk mit einer außergewöhnlichen Transparenz und Offenheit. Selbst bei den Schrankmöbeln wurde auf eine Rückwand verzichtet.

5 Bereits vom Eingang aus präsentiert sich das Bauwerk mit einer außergewöhnlichen Transparenz und Offenheit. Selbst bei den Schrankmöbeln wurde auf eine Rückwand verzichtet.

Umlaufender Balkon in Holzbauweise Projekt: Ort: Fertigstellung:

Haus Hochleitner Mieming, Tirol/Österreich 2000

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

Architekturbüro Erich Gutmorgeth, Innsbruck Erich Gutmorgeth Alfred Brunnsteiner, Natters Holzbau Höck Ges. m. b. H., Kundl

weitere Informationen:

gutmorgeth@aon.at

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Panorama Das zweigeschossige Wohnhaus im schweizerischen Murg wurde in ländlicher Gegend mit Blick auf den Walensee und das gegenüberliegende Ufer mit einer steil aufragenden Bergkette der Churfirsten errichtet.

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3 Das Gebäude ist in Holzelementbauweise gefertigt. Konstruktion, Fassade und Bodenbeläge bestehen aus naturbelassenem, einheimischem Lärchenholz.

5 Die Räume im Untergeschoss werden von dem zweiseitig umlaufenden Balkon des Obergeschosses beschattet. Dem hier angesiedelten Büroraum ist ein kleiner Balkon vorgelagert.

4 Optisch den Grund kaum berührend, scheint das Gebäude über dem Abhang zu schweben. Verstärkt wird dieser Eindruck durch das nach vorne geschobene Dach.

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Das Gebäude steht nahezu schwebend über einem steil abfallenden Hang. Außer den erdreichberührenden Teilen ist das Haus in Holzelementbauweise gefertigt. Es präsentiert sich zur südlichen Hangseite hin geschlossen und öffnet sich nördlich durch raumhohe Verglasungen über die gesamte Länge in beiden Geschossen in Richtung See und der Gebirgsformation der Churfirsten. Erschlossen wird das Gebäude südseitig über die obere Ebene. Ein überdachter Autoabstellplatz und ein Lagerraum bilden einen geschützten, barrierefreien Zugangsbereich. In diesem Geschoss befindet sich ein großzügiger, offener Wohn-, Koch- und Essbereich mit einem zentralen Holzofen. Der gesamte Heizwärmebedarf des Hauses wird von diesem Ofen und einer Solaranlage abgedeckt. Auf dieser Ebene sind auch ein Schlafzimmer mit Bad sowie ein der Küche angegliederter Lagerraum angesiedelt.

Vertikalschnitt

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5 Dank der deckenhohen Verglasung und der Geländerfüllungen aus Mehrscheiben-Sicherheitsglas verfügen alle Räume über einen ungehinderten Blick auf den Balkon und das atemberaubende Panorama.

4

4 Die grenzenlose Freiheit des Baukörpers setzt sich in der Möblierung der Räume fort. Der rote Küchenblock markiert die moderne »Feuerstelle« und wird so zum Treffpunkt für die Bewohner.

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Vorgelagerte, überdachte Loggien entlang des Gebäudes erweitern optisch den offenen Koch-, Wohn- und Essbereich und das Schlafzimmer. Die raumhohe Glasfront verbindet über die gesamte Gebäudelänge übergangslos den Innenraum mit dem Außenraum und schafft großzügige, helle Innenräume mit einer spektakulären Aussicht auf den See und die gegenüberliegenden Felswände. Im Untergeschoss befindet sich ein weiteres Schlafzimmer mit Badezimmer für Gäste. Hier ist zudem ein Büro angesiedelt. Das Gebäude ist mit dreifach verglasten Fensterscheiben ausgestattet. In den Randbereichen der auskragenden Deckenelemente wurde auf eine Dämmung verzichtet. Der Balkonbereich ist mit einem wasserableitenden Zwischenboden versehen. Die Laufflächen sind als offene Roste aus naturbelassenem Lärchenholz gefertigt.


5 ÂťFernsehenÂŤ im wahrsten Sinne des Wortes: Die Umrahmungen der Scheiben sind auf ein Minimum reduziert.

Obergeschoss

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5 Durch den Spiegeleffekt der Fensterfronten reduziert sich der Baukörper auf die Decken- beziehungsweise Bodenplatten.

4

4 In den Abendstunden, wenn die Räume erleuchtet sind und die nahezu rahmenlosen Fensterbänder die Transparenz des Gebäudes unterstreichen, wird der »Schwebezustand« zusätzlich verstärkt.

Untergeschoss

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Balkon in Holzelementbauweise Projekt: Ort: Fertigstellung:

Wohnhaus am Walensee Murg/Schweiz 2007

Planung: Entwurf: Statik: AusfĂźhrung:

k_m.architektur, Bregenz Daniel Sauter Daniel Sauter Holzbau PďŹ ffner, Quarten

weitere Informationen:

www.k-m-architektur.com

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Terrassen und Freisitze


Ausgeschnitten Ausgangspunkt des Entwurfs für dieses Einfamilienhaus war die volle Ausnutzung der bebaubaren Fläche. Entstanden ist ein Gebäude mit Walmdach, das sich – mit später berankten Dach- und Wandflächen – an Goethes Gartenhaus in Weimar orientiert.

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Der Bebauungsplan war gespickt mit weitreichenden gestalterischen Festsetzungen. Unter anderem waren geneigte Dächer, eine gestalterische Anpassung der Garagen an den Hauptbaukörper, eine vollständige Begrünung aller fensterlosen Fassaden beziehungsweise eine Berankung der Gesamtfassadenfläche zu mindestens 33 % vorgegeben. Die 16 m breite Parzelle war auf einer Fläche von 10 m x 14 m bebaubar. Dies bot die Möglichkeit einer Hoflösung. Erreicht wurde dies durch Aufschneiden, Verschieben und Skalieren eines üblicherweise geschlossenen Baukörpers. Hierdurch entstand ein introvertiert anmutendes Haus, dessen eigentliches Zentrum der Hof bildet. Verstärkt wird dieser Eindruck durch eine »umgekehrte« Gestaltung der Fassaden. Die anthrazit- grünen Außenseiten sind zunächst Platzhalter und später Hintergrund für eine vollständige Berankung und verstehen sich eher als Rückseiten. Die hier angebrachten Öffnungen folgen in Proportion und Dimension den Bedürfnissen des Inneren. Elemente der Haustechnik wie Satellitenschüssel, Sonnenkollektoren und Abluftrohre sind aus dem Innenhof »verbannt«. Die Fassaden hier, in klassischem Weiß gehalten, wirken mit den sieben großzügigen französischen Fenstern deutlich repräsentativer. Der Hofraum ist mit grauem Naturstein belegt. Das abgetrennte »Garagenhäuschen« fasst die Fläche räumlich ein und bietet zudem einen gewissen Schutz vor nachbarlichen Einblicken. Das Bauwerk wurde 2004 als Teil des deutschen Beitrags zur Biennale in Venedig ausgewählt. 64


3 Inmitten der heute typischen suburbanen Bebauung, wo alle Häuser kreuz und quer stehen, fällt das Haus in der Mitte schon durch seine anthrazit-grüne Farbe auf.

Schnitt

Kellergeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss

3 Als wäre es mal eins gewesen, dann aufgeschnitten worden und teilweise abgesackt, so erscheint dieses Gebäude auf den ersten Blick. Beim zweiten Hinschauen wird der so entstandene Innenhof zum Zentrum.

3

3 Noch zeigt dieses Gebäude seinen Nachbarn die »kalte Schulter«. Mit fortschreitender Berankung wird sich das Erscheinungsbild wandeln, ohne dabei aber seine Introvertiertheit aufzugeben.

Hofterrasse Projekt: Ort: Fertigstellung:

Haus einer Deutschlehrerin Orsoy, Landkreis Wesel (Nordrhein-Westfalen) 2002

Planung: Entwurf: Statik: Gartengestaltung:

björn severin rheinflügel, Düsseldorf Björn Severin Rhein-Ruhr-Ingenieurgesellschaft mbH, Duisburg Kerstin von Klein, Köln

weitere Informationen:

www.rheinfluegelseverin.de

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Futuristisch Ziel des Wohnhausentwurfs war es, die Aufenthaltsqualität und die Topografie der benachbarten idyllischen Obstwiese mit den Wohnräumen und der daran angrenzenden Terrassenfläche zu verknüpfen.

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5 Gleichsam schwebend folgt der kompakte Dachkörper in seiner Grundlinie der Topografie.

6 Assoziatives Vorbild: das ortsübliche Satteldach.

Gartengeschoss

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Aufgrund der behördlichen Vorgabe einer Satteldachbebauung und in Zusammenhang mit den individuell ausgeformten Dächern der historischen und aktuellen Bebauung in der Umgebung ergab sich eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema des Satteldaches. Daraus entwickelte sich das Konzept, das neue Haus in drei Zonen zu unterteilen. Der Keller im hinteren Bereich des Gartengeschosses ist vollständig in die Erde eingegraben. Der vordere Teil, dessen Boden sich an der Topografie des Grundstücks orientiert, ist offen in die Obstwiese eingebettet. Das darüberliegende, körperhafte Dachgeschoss vervollständigt die Konturen zu einem scheinbaren Satteldachhaus. Die Form basiert auf Kriterien wie Funktion, Konstruktion, Material, Belichtung und assoziativer Formfindung. Aus Letz-


terem ergibt sich eine ambivalente Wahrnehmung: Zum einen erscheint das Haus als dynamisches, schwebendes Fahrzeug beziehungsweise Flugobjekt, zum anderen als ganz normales Satteldachhaus am Hang, von dem die Masse des Gartengeschosses substrahiert wurde. Das Gartengeschoss wurde vollständig verglast, um den Innenraum fließend mit der Obstwiese zu verbinden. Ebenso fließend wird die Obstwiese innen und außen mit Boxen und Flächen möbliert. Das Dachgeschoss erscheint als schwebender Körper. Seine Blechverkleidung sowie die einem Höhenruder ähnelnden Beschattungselemente unterstreichen die Mehrdeutigkeit des Baukörpers sowohl als Dach wie auch als Flugobjekt.

5 Mit zunehmender Dunkelheit »entschwebt« der eigentliche Baukörper. Die umgebende Obstwiese scheint durch das nahezu vollständig transparente Gartengeschoss darunter hindurchzufließen.

6 Assoziatives Vorbild: das futuristische Flugobjekt.

Dachgeschoss

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Schnitt C 4

Schnitt A 4

Schnitt B 4

Horizontalschnitt 4

A4

B4

C4

70


1

3

2

4

å Die auskragenden Spitzen der Dachkonstruktion sind als eigenständige Bauelemente vor den Baukörper montiert. Die beiden schwenkbaren Bereiche ähneln den Leitwerken und Höhenrudern eines Flugzeuges. ç Beim »Spiel mit den Leitwerken« lassen sich je nach Sonnenstand Belichtung und Beschattung der Terrasse und der dahinterliegenden Räume steuern. é Angenehmer Doppeleffekt: Während bei aufgestellten »Leitwerken « die Strahlen der flach stehenden Morgen- oder Wintersonne das Gartengeschoss erreichen, reflektiert und verstärkt die matte Aufspiegelung der Metalloberfläche den Lichteinfall auf der Dachterrasse. è Die massig wirkenden »Flügel« sind exakt in ihrem Schwerpunkt aufgehängt ... ê ... und werden über einfache Stellmotoren in die gewünschte Position gebracht.

5

71


72


3 Durch die Aufspiegelungen der umgebenden Landschaft in

5 Im Gartengeschoss wird der massige Dachkörper kaum wahr-

der Verglasung wird der »Schwebezustand« des Dachkörpers verstärkt.

genommen. Die Beweglichkeit der Vordach-»Flügel« lässt sich auch im abgesenkten Zustand erahnen.

Terrassenüberdachung Projekt: Ort: Fertigstellung:

Haus F Kronberg im Taunus 2007

Planung: Projektleitung: Statik:

Meixner Schlüter Wendt Architekten, Frankfurt am Main Georg Kratzenstein Dipl.-Ing. Hans Gruhn, Büro für Baustatik, Frankfurt am Main

weitere Informationen:

www.meixner-schlueter-wendt.de

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Blockhaus In einem Vorort von Dortmund sollte ein Einfamilienhaus mit Satteldach aus den 1940er Jahren durch einen Anbau mit einer zusätzlichen Wohnung erweitert werden. Entstanden ist ein skulptural durchgeformter »Holzblock«, der gleichermaßen Objekt und Wohnhaus ist.

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5 Kein Dachüberstand, keine Regenrinnen oder Traufrohre stören die monolithische Wirkung des Baukörpers.

5 Auf Gehrung geschnittene Holzplanken und außen bündig sitzende Fenster verleihen dem Block eine homogene Erscheinung.

4

4 Was von außen als massiver Block er-

01 Foyer 02 Keller 03 Wohnen 04 Küche/Essen 05 Gartenterrasse 06 Galerie 07 Flur 08 Schlafen 09 Patio

scheint, beherbergt im oberen Geschoss einen Dachterrasse.

4 Beim Betreten des Foyers öffnete sich 09

das Gebäude über eine zwei Etagen hohe Verglasung zum dahinter liegenden Garten.

07 08

06

04 03 01

Längsschnitt

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02

05


Die Außenverkleidung dieses Zweipersonenhauses besteht aus massiven Holzbohlen, die trotz kleiner, materialbedingter Fugen eine homogene Einheit bilden. Die Ecken sind auf Gehrung geschnitten. Auf Dachüberstände, Regenrinnen, Kamin und Vordach wurde verzichtet. Fenster und Türen sind bündig in die Holzfläche eingesetzt und ganz nach den Erfordernissen im Inneren positioniert. Das Haus mutet an wie ein minimalistischer Körper, kompakt und schwer, aus dem der Innenraum herausgehauen ist. Um so überraschender ist die lichte Atmosphäre im Gebäudeinneren. Man betritt das Haus über eine neben der Garage angeordnete Diele. Diese öffnet sich trapezförmig und lenkt den Blick vorbei am Zugang zu Gäste-WC und eller auf die zwei Etagen hohe Verglasung der Gebäuderückseite. Über eine Treppe erreicht man den offenen, lichtdurchfluteten Wohnraum. Von hier hat man freie Sicht in den Garten und die dem Gebäude angegliederten Gartenterrasse. Dem Wunsch nach maximaler Nutzfläche entsprechend, wurde ein Zwitter aus Split-Levels und Normalgeschossen konzipiert. Das Erd- und Galeriegeschoss ist als fließende Einheit gestaltet, in der die Funktionen Wohnen, Essen, Kochen und Arbeiten jeweils eigene Zonen einnehmen, die über den mehr als doppelgeschossigen Wohnbereich verbunden sind. Der durchgehende, dunkel eingefärbte Terrazzoboden und ein offenes Treppenhaus, wie eine Skulptur eingelagert, betonen diese Einheit. Während die beiden unteren Etagen durch die verglaste Rückwand des Hauses auf den Garten ausgerichtet sind, ändert sich dies im obersten Stockwerk. Hier erfolgt die Belichtung des Innenraums über ein wandflächiges Glaselement, das zugleich den Zugang zu einer Dachterrasse ermöglicht. Die Dachterrasse ist auf ganzer Höhe dreiseitig von hölzernen Wänden umgeben und bildet so den völlig abgeschotteten Freiraum eines Patio. Zwei vorsorglich eingebaute, mit Klappläden verschließbare Öffnungen dienen lediglich der Belüftung. Hier ist die Intimsphäre des Hauses konzentriert und ermöglicht einen Dialog mit dem Himmel. In diesem Zusammenspiel aus Leichtigkeit und Schwere entrücken Maßstab und Erscheinungsform das Haus den Nachbarhäusern.

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3

3 Einen Kontrast zur rauen, naturbelassenen Oberfläche der Fassadenverkleidung bilden die flächenbündigen Aluminiumfenster. Sie öffnen das Gebäude, indem sie nach außen schwingen.

06 01 Foyer 02 Garage 03 Gäste-WC 04 Wohnen 05 Küche/Essen 06 Gartenterrasse 07 Galerie 08 Büro 09 Flur 10 Bad 11 Schlafen 12 Patio

03

02

Eingangsebene

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04

11

07

01

05

Wohnebene

08

Galerieebene

10

09

12

Patioebene


3

3 Die Dachterrasse verfügt über zwei »Lüftungsklappen«. Ihre Funktion liegt nicht im Blick nach draußen, sondern in der Belüftung des Terrassenraumes bei eventuell auftretender Stauwärme.

5 Ganz bewusst vom Leben im Umfeld abgeschirmt, ist die Dachterrasse als Ort der Ruhe konzipiert, der sich lediglich zum freien Himmel hin öffnet.

Dach - und Gartenterrasse Projekt: Ort: Fertigstellung:

Ebeling House Dortmund 2001

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

ArchiFactory.de, Gelsenkirchen Matthias Koch Assmann Beraten+Planen GmbH, Dortmund Holztechnik-Greitemann GmbH & Co. KG, Eslohe-Bremke

weitere Informationen:

www.archifactory.de

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Eingeschnitten Die Dachgeschoss-Wohnung befindet sich in einer ruhigen Lage unweit des Rathauses Steglitz in Berlin. In der Umgebung befinden sich freistehende, kleinere Mehrfamilienhäuser mit Vorgärten sowie üppiger alter Baumbestand.

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5 Der ursprüngliche Raum wurde von einem wuchtigen Balken-Sprengwerk zerschnitten.

5 Ein seitlich an den Untergurt angeflanschtes U-Stahl-Profil trägt die neue Wand- und Dachkonstruktion.

5 Nach dem Umbau bietet die zuvor »aussichtslose« Wohnung einen Blick auf die große Terrasse und das Grün der Nachbargrundstücke.

3 1,5-Meter-Linie 3 2-Meter-Linie

3 2-Meter-Linie

Grundriss

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5 Das Balkensprengwerk wurde verglast und bildet die Seiten-

5 ... zusätzliche Belichtung der angrenzenden Räume, zum an-

wände des Dacheinschnittes. Dies sorgt zum einen für ...

deren entsteht eine zusätzliche optische Weite sowohl draußen wie drinnen.

Das Dachgeschoss befand sich zwar in einem bewohnbaren Zustand, die Räume waren jedoch erdrückend niedrig. Lediglich zwei seitliche Fenster ermöglichten einen Blick nach draußen. Ansonsten wurde der zentrale Wohnraum mit ca. 50 qm Grundfläche lediglich von hochgelegenen Dachflächenfenstern erhellt. Da die Wohnung über keinen Balkon verfügte, entstand die Idee, einen Teil des wegen seiner geringen Höhe ohnehin kaum nutzbaren Bereichs unter den Schrägen in eine Dachterrasse umzuwandeln. Die Baubehörden entsprachen dem Antrag auf Einbau einer Dachterrasse mit der Auflage, die bestehende GiebelWandscheibe zu erhalten. Selbst kleinere Öffnungen darin

wurden nicht genehmigt. Die neue Dachterrasse ist so von der Straße aus nicht zu sehen. Von innen jedoch bietet sich beim Betreten der Wohnung ein großzügiger Blick auf die große Freifläche. Der Grundriss der Wohnung blieb nahezu erhalten. Lediglich Bad und Küche wurden aufgrund der unterschiedlichen Aussichtsqualität getauscht. Der Terrassenbereich wurde zusätzlich gedämmt und mit verschweißten Bitumenbahnen abgedichtet. Die Lärchenholz-Riemen ruhen auf einer unterfrästen Balkenlage mit Konterlattung, so dass Regenwasser ungehindert abfließen kann. Die Riemen sind sichtbar mit der Unterkonstruktion verschraubt.

Eingeschnittene Dachterrasse Projekt: Ort: Fertigstellung:

Dachgeschossausbau R. Jenzewski Berlin 2006

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung: Innenausbau: weitere Informationen:

STOCKWERK ORANGE, Berlin Jochen Eichner Dipl.-Ing. A. Trampert, Statik und Baukonstruktion R. Klein Bauausführungen, Berlin PBW-Bau, Berlin www.stockwerk-orange.de

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Aufgesattelt Anstelle des baubehördlich vorgesehenen Walmdaches wurde durch ein zusätzliches, abgesetztes Vollgeschoss eine großzügige Dachterrasse geschaffen.

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5 Optisch wurde die zweigeschossige TraufhĂśhe der Nachbarbebauung aufgenommen. Wo sich dort das Dach durch die Ziegeleindeckung vom verputzten Bauteil absetzt, vollzog man hier den Materialkontrast des zurĂźckgesetzten Terrassengeschosses durch eine waagerechte Verschalung aus Holz.

Schnitt Terrassengeschoss

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Schnitt Terrassentür

3 Die Verankerung des Edelstahlgeländers der Dachterrasse er-

3

Das Doppelhaus steht in einem von zweigeschossigen Walmdachhäusern geprägten Wohngebiet und ersetzt ein kleines baufälliges Haus, das einer der Eigentümer bis zum Abriss bewohnte. Die Bauherren wünschten einen Entwurf, der einer zeitgemäßen und modernen Formensprache folgt. Das baurechtlich vorgesehene Walmdach widersprach diesen Vorstellungen. Nach langwierigen Diskussionen mit der Genehmigungsbehörde wurde ein zurückgesetztes Terrassengeschoss genehmigt. Die äußere Hülle stellt das verbindende Element der sehr unterschiedlichen Wohnbedürfnisse beider Bauherren her. Dabei sollte das typische Erscheinungsbild eines Doppelhauses vermieden werden. Unterstützt wird diese Haltung durch seitliche Eingangstüren und durch die asymmetrische Anordnung der Fenster in der Fassade sowie durch das Spiel mit unterschiedlichen Fensterformaten, die mit den dahinterliegenden Räumen korrespondieren. Übereck geführte Verglasungen ermöglichen großzügig Blicke in den Garten beziehungsweise auf einen nahe gelegenen Platz mit altem Baumbestand. Das Wohnhaus besteht aus einem zweigeschossigen, verputzten Kubus von 12 x 12 x 6 m mit flächenbündig in die Fassade integrierten Fenstern und nimmt

folgt über einen schlichten Flachstahl. Dieser ist in der Länge auf das Fugenbild der horizontalen Holzverschalung abgestimmt.

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Schnitt Geländer

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Bezug auf die Traufhöhen der Umgebungsbebauung. Das vom Hauptbaukörper zur Einhaltung der Abstandsflächen allseitig zurückspringende, aufgesetzte Terrassengeschoss ist aus statischen Gründen als Holzständerkonstruktion ausgeführt und mit unbehandelter Lärchenholzschalung verkleidet. Das flach geneigte Pultdach ist umlaufend mit einem schmalen Oberlichtband versehen. Während die Erdgeschosse als offene Raumfolgen für Wohnen und Essen konzipiert sind, befinden sich im ersten Obergeschoss die Individualräume für Kinder, Gäste beziehungsweise ein Arbeitsbereich. Das Terrassengeschoss ist Schlaf- und Aufenthaltsbereich der Eltern mit einer zum Garten orientierten Südterrasse. Die Holzkonstruktion wurde einschließlich des Daches in großformatigen Elementen vorgefertigt, auf die Baustelle geliefert und in wenigen Tagen aufgestellt. Alle Geländerdetails wurden in enger Absprache mit der ausführenden Metallbaufirma entwickelt.


5 Die Eckverbindungen wurden eigens für dieses Geländer

Ansicht Geländer

vom Schlosser gefertigt. Dabei erfolgt die Eckumlenkung der Stahlseile in Kombination mit den Spannschlössern.

3

4 Das filigrane Geländer mit seinen horizontal geführten Edelstahlseilen bildet einen Kontrast zur Holzverkleidung und dem Holzbohlenbelag der Terrasse.

Terrassengeschoss Projekt: Ort: Fertigstellung:

Doppelhaus München-Bogenhausen 2003

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

heidenreich architektur, München Klaus Heidenreich Ing. Büro Andreas Heracli, Hohenbrunn Holzbau Penzkofer, Eschlkam / Metallbau Neumaier, Forstern

weitere Informationen:

www.heidenreich-architektur.de

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Mehrwert Anstelle schmuckloser Betonbodenplatten und einer getĂźnchten Rauputz-Fassade sind im Zuge der Renovierung warme HolztĂśne in Kombination mit industriell anmutenden Bauelementen getreten.

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5 Schnitt Galerie

5 Schnitt Wandaufbau

3 Detailansicht Brüstung 92

Die 100 qm große Terrasse auf dem Garagenanbau des Wohnhauses bedurfte einer umfassenden Sanierung. Im Zuge der dazu notwendigen Arbeiten entschloss man sich zu einer Neugestaltung der Terrasse sowie der angeschlossenen Galerie und der Fassade. Bei der Sanierung entfernte man zunächst die alten Betonplatten auf der Terrassenfläche. Ein Teil der früheren Terrasse wurde abgebrochen und um ein Freischwimmbecken erweitert. Die Poolwanne ist aus wasserundurchlässigem Beton gegossen und im sogenannte Buttering-Floating-Verfahren gefliest. Dabei wird der Klebemörtel sowohl auf den Untergrund wie auch auf die Fliese aufgetragen. Dieses Verfahren gewährleistet eine hohlraumfreie Verklebung. Der Beckenrand ist mit Sandstein eingefasst. Der neue Terrassenbelag besteht aus Holzbohlen aus Bankirai. Die Bohlen sind sichtbar mit Edelstahlschrauben auf einer Metallunterkonstruktion verschraubt. Die Terrassenfläche wurde teilweise mit einer verglasten Stahlpergola überdacht. Die angrenzende Galerie erhielt ebenfalls eine Überdachung in Stahl-Glas-Ausführung. Die Wandflächen im Terrassen- und Galeriebereich sind zur Verbesserung des Wärmeschutzes mit einer gedämmten Wandschalung aus Douglasie versehen.


5 Einen wesentlichen Beitrag zur »Wohlfühl-Atmosphäre« auf

dachung aus Metall und Glas sowie die Wandverkleidung aus Douglasie und der Rost aus Bankirai.

der neuen Terrasse leistet der Bodenbelag aus Bankirai. Das Holz ist unbehandelt und wird im bewitterten Bereich mit den Jahren vergrauen.

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3 Einen gelungenen Kontrast bilden die kühl-nüchterne Über-

3

3 Der Eingangsbereich wurde durch eine neue Garagentorverkleidung und die rot gestrichene Fassade erheblich aufgewertet.

Terrassensanierung Projekt: Ort: Fertigstellung:

Dachterrasse (Umbau), Pool (Neubau) Güglingen/Landkreis Heilbronn (Baden-Württemberg) 2007

Planung: Entwurf: Tragwerksplanung: Ausführung:

Architekturbüro Elvira Nägele, Güglingen Elvira Nägele Dipl.-Ing. Thomas Erbe, Heilbronn Zimmerei Christian Joos, Eppingen-Kleingartach

weitere Informationen:

www.architekturbuero-naegele.de / www.grandi-joos.de

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Leichtgewicht Ursprünglich beherbergte das aus der Gründerzeit stammende Gebäude großbürgerliche Wohnungen. Im Zuge des Umbaus zum Studentenwohnheim entstanden unterschiedlich große Apartments sowie Wohnungen für Wohngemeinschaften. Besondere Attraktion ist die 75 Quadratmeter große neue Dachterrasse auf der Hofseite.

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1

å Das ehemalige Flachdach ist für die neue Nutzung als Dachterrasse vorbereitet. Die vorhandene Dachhaut ist intakt und kann als Unterbau belassen bleiben. Vorschriftsmäßige Absturzsicherungen wurden montiert.

2

ç Zum Gefälleausgleich wird der Drainageestrich in Schichtdicken von 5 bis 27 cm aufgebracht. é Im nächsten Schritt wird die Drainageschicht planparallel abgezogen. è Um beim Begehen der Schüttung keine Fußspuren zu hinterlassen, dienen druckverteilende Gummimatten als Arbeitsunterlage. ê Auf dem vorbereiteten Planum lässt sich der Terrassenbelag – hier in Reihe verlegte Betonfliesen – mit einem zementfreien und diffusionsfähigen Klebemörtel verkleben. ë Der fertige Terrassenbelag ist absolut plan und weist keine störenden Abflussöffnungen auf. Regen- und Schmelzwasser versickert durch die diffusionsfähigen Fugen und fließt durch den Drainageestrich ungehindert ab. 96

3


4

5

Wo sich heute eine einladende Dachterrasse auf einer Fläche von 75 qm erstreckt, befand sich ursprünglich ein Flachdach, das statisch für eine Schneelast von 0,75 kN/qm ausgelegt war. Entsprechend waren die Querschnitte und Achsabstände der Balken dimensioniert. Um die notwendige Tragkraft für die geplante Terrasse zu erreichen, wurden die Feldlängen der Holzbalken durch den Einbau von fünf zusätzlichen Stahlträgern verringert. Dieser relativ geringe Aufwand war durch einen besonderen Dachterrassenaufbau möglich. Dessen zentraler Bestandteil ist ein besonders leichter Drainageestrich (eSKa-Drain-Light), dessen Eigengewicht lediglich 200 kg/cbm beträgt. Der neue Dachterrassenaufbau erfolgte auf der alten, intakten Dichtungsbahn mit einer Trenn- und einer Schutzlage. Zum Ausgleich des Gefälles wurde das DrainageestrichGranulat in Höhen von 5 bis 27 cm aufgebracht und die Oberfläche als planparalleler Unterbau waagerecht abgezogen. Als Oberbelag wurden Terrassenplatten mit den Abmessungen 40 x 40 cm auf den Estrich mit einem zementfreien Kleber aufgeklebt. Die Abgrenzung zum Kiesrandstreifen erfolgte mit Blähglasgranulatestrich. Durch diese konstruktiven Maßnahmen konnten die Eigenlasten auf 2,2 kN/qm begrenzt werden. Die Dachterrasse ist für Verkehrslasten bis 3,5 kN/qm ausgelegt. Aufgrund des beheizten Raumes unter der Dachterrasse war auch die energetische Gesamtbetrachtung wichtig. Die Dämmwirkung des neuen Dachterrassenaufbaus setzt sich aus der im Mittel 10 cm dicken Ausgleichsschicht, einer vorhandenen Dämmung aus einer früheren Dachsanierung von 10 cm Dicke und einer neuen Dämmung zwischen den Holzbalken von 16 cm zusammen. Aus diesem Dachterrassenaufbau resultiert ein U-Wert von 0,13 W/m2/K.

6

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Wasser Platten/Fliesen Abdichtung Gefälleestrich Klebemörtel Granulat Fugenmörtel

Schnitt durch den Terrassenaufbau

4 Was früher nicht nutzbare Dachfläche war, ist heute eine attraktive Freifläche und ein beliebter Treffpunkt für die Bewohner des neuen Studentenwohnheims.

Grundriss Dachgeschoss

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Hauptbestandteile des Drainageestrichs sind Harz als Bindemittel und Glasgranulat als Zuschlag. Für die Herstellung des Granulats (Poraver) wird zu 100 % Recyclingglas verwendet. In einem speziellen Verfahren wird Altglas staubfein gemahlen und zu kleinen cremeweißen Perlen mit einem Durchmesser von 0,04 bis 16 mm gebläht. Die besonderen Eigenschaften dieses Estrichs sind sein geringes Gewicht bei hoher Druckfestigkeit, seine Wärmedämm- und Schallabsorptionseigenschaften und seine

Alkalibeständigkeit. Darüber hinaus ist dieser Werkstoff nicht brennbar, bietet keinen Nährboden für Bakterien und verhindert dank seiner amorphen Glasstruktur eine Silikosegefährdung. Kalkausblühungen und Frostschäden sind ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass dieser Systemaufbau den sonst üblichen hohen Wasserdampfdruck unter dem Oberbelag verhindert. Diese bauphysikalische Eigenschaft bieten einen zusätzlichen Schutz gegen die Ablösung von Fliesen oder Platten infolge rascher Temperaturwechsel.

Flachdachumbau zur Dachterrasse Projekt: Ort: Fertigstellung:

Studentenwohnheim der Leibniz Universität Hannover Hannover 2008

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

Vorrink Wagner Architekten, Hannover Hindrik Vorrink Wroblewski-Ingenieure, Hannover Negenborner Dachdecker GmbH, Negenborn

weitere Informationen:

www.vorrink-wagner.de / www.eska-drain.de

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Angedeutet Der Bebauungsplan für das Wohngebiet bei Osnabrück schreibt eingeschossige Satteldachhäuser mit ausbaubaren Dachgeschossen vor. Die Bauherren wünschten sich jedoch ein Flachdach, ein Haus ohne schräge Wände.

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4 Im Erdgeschoss betritt man das Haus über einen kleinen Windfang, der sich als Galerie über den unteren Eingang schiebt.

8 Die aufgesetzte Dachgeschossbox versteckt sich hinter der angedeuteten Satteldach-Konstruktion. Der davorliegende Laubengang hat einen Gitterrostboden, der zugleich als lichtdurchlässiger Sonnenschutz für die darunterliegenden Etagen dient.

: Der Blick von der kleinen Dachterrasse vor dem Fitnessraum zeigt die Stahldachkonstruktion mit einer Diagonalaussteifung aus Rundrohren.

4

4 Dem gesamten Erdgeschoss ist ebenfalls ein Laubengang vorgelagert, der vom Carport bis zur gartenseitigen Wohnzimmerterrase führt und sich im Mittelteil als auskragende Plattform mit Platz für einen großen Esstisch in den Garten schiebt.

Schnitt

Dachgeschoss

Erdgeschoss

Untergeschoss

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Nach den Vorstellungen der Bauherren sollte bei der Planung des neuen Hauses eine größtmögliche Offenheit bei gleichzeitiger Trennung der Kinderzimmer vom Elternbereich Berücksichtigung finden. Darüber hinaus sollte der Kinderbereich mit drei Zimmern über Bad, Küche, Ankleide und einen Spielbereich (später Wohnbereich) verfügen, so dass diese Etage später als eigenständige Wohnung genutzt werden kann. Eine klassische Lösung mit Wohnen und Arbeiten im Erdgeschoss und einem Dachgeschoss zum Schlafen erwies sich als schwierig umzusetzen, da entweder ein viel zu großer Wohnbereich oder zu kleine Schlafräume entstanden wären. Zudem hätte eine Trennung der Kinderzimmer vom Elternschlafzimmer nicht realisiert werden können. Da das Grundstück ein leichtes Gefälle aufweist, entstand die Idee, eine andere horizontale Schichtung vorzunehmen: Das Untergeschoss als Kinderbereich mit Zugang zum Garten; das Erdgeschoss als Familienbereich mit Blick in die Landschaft; das Dachgeschoss als Elternbereich mit Ruhezone. Um sämtliche Räume zur Sonne und Aussicht ausrichten zu können, wurden pro Etage fünf »Individualboxen« mit einer lichten Breite von 3,51 m nebeneinandergestellt. Diese werden ebenso wie die gegenüberliegenden »Service-


Schnitt Galerie

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4 Die Decke des Dachgeschosses ist aus Gewichtsgründen als Holzrahmenkonstruktion ausgebildet. Um die Räume stützenfrei aufteilen zu können, wurde diese Geschossdecke in die Metallkonstruktion des angedeuteten Satteldachs eingehängt.

4

4 Die betonierte Brüstung übernimmt die Funktion eines Ringankers für die Dachkonstruktion. Die Sparren sind mit Stahlflanschen verschraubt. Die unterste Vertikalaussteifung dient als Geländer.

Schnitt Brüstung

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3 Die Queraussteifungen der Dachkonstruktion sind über zwei Fußpunkte mit dem Flachdach verbunden. Sie entsprechen den Windrispen, die sonst auf die Sparren genagelt werden. Sie verhindern als Zuganker ein Durchhängen der Dachfläche.

6 Das Grundstück ist nicht eingezäunt, hangseitig ist die Grundstücksgrenze nicht auszumachen. Der geometrisch angelegte Garten geht in die natürlichen Wiesen über. Das von der Gemeinde angelegte Regenrückhaltebecken wurde in Privatinitiative bepflanzt und erweckt heute den Eindruck eines natürlichen Teiches.

boxen« durch einen etwa 18 m langen Flur erschlossen. Das Erdgeschoss betritt man über einen kleinen Windfang, der sich als Galerie über den unteren Eingang schiebt und den Blick in die Landschaft und durch das Gebäude freigibt. Es folgen ein Arbeitszimmer mit gegenüberliegender Garderobe und WC, der zweigeschossige Essbereich mit Treppe und Brücke, der Kochbereich mit Hauswirtschaftsraum sowie der Wohnbereich. Im Dachgeschoss verbindet eine in den Essbereich eingehängte Brücke das Elternschlafzim-

mer mit einem eigenen Bad und dem Fitnessraum. Um das von den Bauherren erwünschte dachschrägenlose Haus auch im oberen Stockwerk realisieren zu können, benötigte as Haus eine größere Tiefe, als sie in den unteren Etagen notwendig gewesen wären. Aus diesem Grund wurde das Gebäude durch Betonschotts »vertieft«, so dass unter dem angedeuteten – in statischer und konstruktiver Hinsicht notwendigen – Satteldach ausreichend hohe und nur gerade Wände realisiert werden konnten.

Laubengänge und Terrassen Projekt: Ort: Fertigstellung:

Wohnhaus Familie Cruys Alfhausen bei Osnabrück 2003

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

STOCKWERK ORANGE, Berlin Jochen Eichner B. Grummel, Ingenieurbüro für Statik, Rhede Klövekorn-Stahl- & Metallbau, Kettenkamp

weitere Informationen:

www.stockwerk-orange.de

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106


Weitsichtig Das Einfamilienhaus in Batschuns steht auf einer Streuobstwiese mit Ausblick ins Rheintal sowie auf die umliegenden Berge und wurde fast ausschlieĂ&#x;lich in Eigenleistung der Bauherrenfamilie erstellt.

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Erdgeschoss

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Ein in den Baugrund eingelassenes Kellergeschoss trägt das umlaufend auskragende Gebäude aus Holz und Kupfer und vermittelt so den Eindruck, als würde es über dem Grundstück »schweben«. Die verschiedenen Funktionen des Gebäudes sind klar nach Geschossen getrennt und an den unterschiedlichen Fassadenmaterialien deutlich ablesbar. Im lärchenholzverschalten Erdgeschoss ist ein großzügiger Wohn- und Essbereich sowie ein Büro untergebracht. Im Obergeschoss mit Kupferblechfassade befinden sich die Schlafräume, das Bad sowie eine Sauna. Ein in den Holzbaukörper integrierter, überdachter Vorplatz mit anschließender Garage bildet den Eingangsbereich. Zwei große Terrassen dominieren den Wohn- und Essbereich mit Holzofen als Raumteiler im Erdgeschoss. Die dem Wohnraum und der Küche vorgelagerte Terrasse verbindet durch die raumhohe Verglasung den Innenraum mit dem Außenraum und gibt den Blick in die Landschaft frei. Die Öffnungen schaffen großzügige und helle Räume. Die Anordnung beider Terrassen erlaubt von außen den Durchblick durch das gesamte Gebäude und schafft im Innenraum, je nach Tageszeit, unterschiedliche Lichtstimmungen.


3

4 Die unterschiedlichen Funktionen des Wohnhauses sind klar nach Geschossen getrennt. Im Obergeschoss mit Kupferblechfassade befinden sich die privaten Schlafräume der Familie. Im lärchenholzverschalten Erdgeschoss sind die Wohn- und Arbeitsbereiche untergebracht. Das Gebäude wird mit Hilfe einer Wärmepumpe und einer Solaranlage beheizt.

5 Ein der Brüstung der Dachterrasse nachempfundener, horizontaler Riegel verleiht der eingeschnittenen Terrasse einen hofähnlichen Charakter und entzieht den Innenraum dem Einblick von außen. Zudem bietet er Schutz vor schräg einfallenden Sonnenstrahlen.

3 Die raumhohen Verglasungen schaffen großzügige und helle Räume. Sämtliche Holzbauteile am Gebäude stammen aus familieneigenem Waldbestand.

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5 Durch die rahmenlose, deckenhohe Verglasung entstehen fließende Übergänge von den Schlafräumen zur Terrasse. Die Vorhänge schaffen bei Bedarf Privatsphäre.

Obergeschoss

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Im Obergeschoss dominieren ebenfalls großzügige Terrassenflächen. Sämtliche Schlafräume und die Nasszelle sind zur Terrasse hin raumhoch verglast und haben einen direkten Zugang auf die blickgeschütze und teilweise überdachte Terrasse im Obergeschoss. Aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen wurde auf synthetische Holzschutzmittel und Lacke verzichtet. Alle verwendeten Materialien sind naturbelassen.

5 Die niedrige Balustrade reicht aus, um Einblicke auf die Dachterrasse und die hier angesiedelten Schlafräume zu verhindern, ohne den großzügigen Rundumblick einzuschränken.

Eingeschnittene Wohnterrasse und Dachterrasse Projekt: Ort: Bauzeit:

Wohnhaus in Batschuns Batschuns/Österreich 2004–2006

Planung: Entwurf: Statik:

k_m.architektur, Bregenz Daniel Sauter k_m.architektur, Bregenz

weitere Informationen:

www.k-m-architektur.com

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Filigraner Freisitz In einem naturbelassenen Garten mit wuchernder Vegetation und einer Wasserfläche sollte ein Ort der Ordnung und Konzentration geschaffen werden. Es entstand ein Pavillon aus Glas auf einem Grundriss in der Form des Dreipasses – eines Motivs, das sich sowohl im gotischen Maßwerk als auch in barocken Grundrissen wiederfindet.

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Das kleine Bauwerk ist am Ufer eines Weihers auf drei Stelzen errichtet, von denen eine im Wasser steht. Der Anordnung der Stelzen liegt ein gleichschenkliges Dreieck mit einer Seitenlänge von 2,50 m zugrunde, dessen Zentrum die konstruktive Mitte der Gesamtfigur bildet. Die Mittelzone über dem Dreieck wird nach oben pyramidenförmig abgeschlossen. Die Pyramidenseiten können durch eine Gewindestange mit einem Gelenkmechanismus blütenähnlich geöffnet werden. Die Kernzone wird durch drei halbzylinderförmige Konchen erweitert, die auf fächerartigen Konsolen abgestützt und kraftschlüssig mit den Stelzen verbunden sind. Das Tragwerk des Pavillons besteht aus einer verzinkten, verschraubten Stahlkonstruktion; die wasserseitige Stelze aus Eichenholz wurde etwa einen Meter in den Untergrund gerammt. Die beiden landseitigen Stelzen stehen in Betonfundamenten aus Schachtringen. Die Außenwand ist mit 5 mm dicken Einscheiben-Sicherheitsglas mit Kittfalz verglast. Zunächst wurde über den Stelzen die tragende Mittelzone als prismenartiges Rahmenteil aufgestellt. An dessen Seiten wurden dann die drei Konchen geschraubt. Die Aussteifung wird durch die Summe der Knotenpunkte erreicht. Die nach oben zu öffnenden Glasflächen sind rahmenlos. Die Abdichtung besteht aus Mossgummileisten. Die offene Gratfuge wird durch die U-förmige Ausbildung des Gratprofils entwässert. Als Fußboden dient 30 mm dickes, wasserfest verleimtes Sperrholz. Als Kontrast zu den weiß gestrichenen Stahlteilen ist die Bodenplatte schwarz gebeizt. Der Standort über dem Wasser und die damit verbundene Spiegelung der Unterseite des kleinen Bauwerks auf der Wasseroberfläche forderte vom Entwerfer formale und konstruktive Sorgfalt sowie von der Fertigung ein präzises Arbeiten.

Lageplan

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Grundriss

5 Die oberen Glasflächen können mit Hilfe einer zentralen Gewindestange geöffnet werden. Die Scheiben sind rahmenlos. Die Abdichtung besteht aus Mossgummileisten. Die offenen Fugen werden durch U-förmige Gratprofile entwässert.

3 Der Pavillon als abgeschlossener Ort der Ruhe und Besinnlichkeit inmitten des naturbelassenen Gartens.

7 Blick von der Terrasse auf den Teich mit Pavillon. 9 Dem Wohnhaus ist eine Terrasse vorgelagert.

Ansicht

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2 3 1

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5

6

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Horizontalschnitt

8

7

1 Pyramidendach aus Einscheiben-Sicherheitsglas 30 mm, rahmenlos, zu öffnen 9 2 T-Profilstahl 40 x 40 x 5 mm 3 Moosgummi-Abdichtung 4 L-Profilstahl 70 x 50 x 6 mm 5 Einscheiben-Sicherheitsglas 30 mm 6 Stabstahl 30 x 5 mm 7 L-Profilstahl 45 x 45 x 5 mm 8 Sperrholzplatte 30 mm 9 Verzinkte und verschraubte Stahlkonstruktion

10

10 Eichenpfahl Vertikalschnitt

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11 Eckprofil 40 x 40 x 5 mm


5 Der Pavillon – hier mit geöffnetem Dach – steht für Idylle pur. Mitten in der Natur und doch in sich geschlossen, bietet er einen ungetrübten Blick in das ihn umgebende Blattwerk und über den kleinen Weiher.

Stahl-Glas-Pavillon Projekt: Ort: Fertigstellung:

Pavillon Utting am Ammersee 1997

Planung: Entwurf: Statik: Ausführung:

Atelier Lüps, Utting Wolf-Eckart Lüps Udo Heinrich, Weilheim Schlosserei Spensberger, Dießen

weitere Informationen:

www.lueps.com

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Rankwerk Die denkmalgeschützte Villa Zum Delphin wurde kurz nach ihrer Erbauung 1927 erweitert und damit das ausgewogene Verhältnis zwischen Baukörper und Außenanlagen gestört. Die Aufgabe bei der Neugestaltung des Gartens bestand darin, die ursprüngliche Ausgewogenheit wiederherzustellen. Darüber hinaus sollte der etwas steife und unsinnliche Charakter der Gesamtanlage gemildert werden.

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Lageplan

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Der Garten des Züricher Wohnhauses wurde in seiner vorgefundenen Grundstruktur – mit Terrassen auf unterschiedlich hohen Stützmauern, die ursprünglich eine belgische Landschaftsbaufirma angelegt hatte – erhalten und wo nötig wiederhergestellt. Durch eine Reihe von Eingriffen wurden alle bestehenden Bereiche um das Gebäude architektonisch re-definiert und in einer Gesamtkonzeption neu zusammengefügt. Wesentliche Erneuerungen waren eine Pergola, ein gusseiserner Weg und ein aufwendig handgearbeiteter »Steinteppich « sowie diverse Neupflanzungen, eine Terrassenerweiterung und ein Teehaus. Die Pergola besteht aus einem räumlichen Gewebe aus trapezförmigen Zedernholzleisten, die von Hand auf eine Form gezogen und zu einer korbartigen Struktur verschraubt sind. Die Elemente wurden in Berlin hergestellt und auf Tiefladern nach Zürich gebracht. Das dreidimensionale Gussgewebe für den neu angelgten Weg wurde am Modell im Maßstab 1:1 entwickelt und dann in Sandguss hergestellt. Der 100 m lange Weg wurde so in den Steilhang mit einem 45 %-Gefälle gestellt, dass keine Platte den Boden berührt. Er führt durch einen Gartenbereich, der als »Wildnis« bereits vorhanden war.


35 Sozusagen einen Innen- im Außenraum bildet die Pergola. Durch seine Berankung erscheint dieser Bereich je nach Jahreszeit offener oder geschlossener. Im Sommer wirkt das Rankgerüst wie ineinander geflochtene Bäume, im Winter bricht und verwandelt das Flechtwerk das Licht auf ganz besondere Weise. Den Boden bildet ein »Steinteppich«, dessen sandfarbene Kiesfelder mit gebrochenem Maggia-Gneis eingerahmt sind.

4 Den Weg, der den verwilderten Steilhang hinabführt, bilden einzeln gefertigte, in Sandguss hergestellte Eisenroste, die auf kleinen Füßen über der Bodenfläche schweben.

4 Der Grundriss des Teehäuschens erinnert mit seinem aus Kreisbögen zusammengesetzten Dreieck an die Form einer Wankelscheibe, wie man sie als Kreiskolben in den Motoren des Erfinders Felix Wankel kennt.

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Die Steinteppiche sind Kompositionen aus unterschiedlichen Steinbearbeitungsformen und Steinarten. Hier wurde kein Mörtel verwendet, stattdessen wird die Festigkeit der Fläche – in der Art von Renaissancebelägen Oberitaliens – durch Verkeilen der Steine erzielt. Der Teppich unterstreicht die Form des Geländes. Die Farbe der Steine und damit die Sichtbarkeit des Musters hängt stark von der jeweiligen Feuchtigkeit ab. Manchmal erscheint der Boden wie ein bunter Teppich, dann wieder ist er stumpf und leblos. Die Geometrie der Teppiche basiert auf einer fortlaufenden mathematischen Operation. Das Teehaus besteht aus einer aus Kreisbögen gebildeten dreieckigen Schale aus Nussbaum und einer doppelten Hülle aus faltbaren und vertikal verschiebbaren Rahmen mit Weidengeflecht und faltbaren Lärchenholzfenstern. Das Rahmenwerk sowie die Holzklappkonstruktion wurden jeweils separat erstellt und anschließend von einer Korbflechterei mit Weidengeflecht versehen. Hergestellt wurde das Gebäude ebenfalls in der Nähe von Berlin.

Horizontal-/Vertikalschnitt Teehaus

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3

4 Das Teehaus besteht aus Lärchenholzrahmen mit Weidenund Glasfüllungen und aus massivem amerikanischem Nussbaum. In die Sitzbank sind bordeauxrote Lederpolster eingelassen. Die äußeren Rahmen lassen sich horizontal klappen und vertikal verschieben.

5 Der Einstieg erfolgt über eine in die umfassende Sitz- und Ablagefläche eingelassene Trittstufe.

Rankgerüst und Teehaus Projekt: Ort: Fertigstellung:

Garten der Villa Zum Delphin Zürich-Dolder/Schweiz 2002

Planung: Entwurf: Ausführung:

NÄGELIARCHITEKTEN, Berlin Walter Nägeli, Gudrun Sack Gartenbau und Bepflanzungen: Peter Hüsler, Luzern Flechtwerk Pergola: Bischkopf & Langner, Berlin Flechtwerk Teehaus: Flechtwerk Schulz, Neuenhagen www.naegeliarchitekten.de

weitere Informationen:

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Anhang


Architekten und Fotografen ArchiFactory.de www.archifactory.de koch@archifactory.de

© ArchiFactory.de (S. 74–79)

Architekturbüro Erich Gutmorgeth Lohbachufer 21 A-6020 Innsbruck gutmorgeth@aon.at

Stefan Schmid (S. 47–51) © Architekturbüro Erich Gutmorgeth

heidenreich architektur www.heidenreich-architektur.de info@heidenreich-architektur.de

Klaus Heidenreich (S. 26–29)

heidenreich architektur www.heidenreich-architektur.de info@heidenreich-architektur.de

Klaus Heidenreich (S. 84–89)

k_m.architektur www.k-m-architektur.com info@k-m-architektur.com

© k_m.architektur, Bregenz (S. 52–59)

k_m.architektur www.k-m-architektur.com info@k-m-architektur.com

© k_m.architektur, Bregenz (S. 106–111)

Architekturbüro Rupert Kündig www.kuendig-architekt.ch info@kuendig-architekt.ch

Rupert Kündig (S. 20–25) Hans Engels (S. 30–35)

Atelier Lüps www.lueps.com atelier@lueps.de

www.hans-engels.de foto@hans-engels.de

© Atelier Lüps

Atelier Lüps

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www.lueps.com atelier@lueps.de

Wolf-Eckard Lüps (S. 113–117)

Meixner Schlüter Wendt Architekten

Christoph Kraneburg (S. 67–73)

www.meixner-schlueter-wendt.de info@meixner-schlueter-wendt.de

www.kraneburg.net info@kraneburg.net


Architekturbüro Elvira Nägele www.architekturbuero-naegele.de mail@architekturbuero-naegele.de

© Architekturbüro Elvira Nägele (S. 91–93)

NÄGELIARCHITEKTEN www.naegeliarchitekten.de buero@naegeliarchitekten.de

Walter Nägeli (S. 119–123) Margherita Spiluttini (S. 36)

www.spiluttini.com / office@spiluttini.com

querkraft architekten zt gmbh www.querkraft.at office@querkraft.at

Manfred Seidl (S. 38)

www.archfoto.com/seidl / seidl.m.foto@aon.at

Rupert Steiner (S. 39)

www.rupertsteiner.com / office@rupertsteiner.com

björn severein rheinflügel www.rheinfuegelseverin.de bjoern.severin@rheinfluegel.de

Do-Hyun Kim (S. 63–64)

STOCKWERK ORANGE www.stockwerk-orange.de j.eichner@stockwerk-orange.de

Jochen Eichner (S. 81–83)

STOCKWERK ORANGE www.stockwerk-orange.de j.eichner@stockwerk-orange.de

Jochen Eichner (S. 100–105)

Vorrink Wagner Architekten BDA

© Dennert Poraver GmbH (S. 95–99)

www.vorrink-wagner.de office@vorrink-wagner.de

www.poraver.de info@poraver.de

x architekten Arch. DI Bettina Brunner ZT KEG www.xarchitekten.com linz@xarchitekten.at

Dietmar Tollerian (S. 14–19) office@archipicture.at

Frank Zierau Architekt

Reinhard Zimmermann (S. 40) Heinrich Helfenstein (S. 41–45)

www.zierau.ch info@zierau.ch

www.heinrich-helfenstein.ch atelier@heinrich-helfenstein.ch

Fotonachweis: Roland Bauer (S. 9 oben / S. 10 oben), Jan Hausberg (S. 11 unten), Michael Hausberg (S. 10 Mitte), Thomas Hausberg (S. 9 Mitte, unten), WERZALIT GmbH + Co. KG (S. 10 unten), Schöck Bauteile GmbH (S. 11 oben), VELUX Deutschland GmbH (S. 11 unten) Informationen für den Beitrag «Draußen leben» lieferten folgende Webseiten: www.wikipedia.de, www.homesolute.com Weitere Quellen: www.poraver.de, www.schoeck.de, www.velux.de, www.werzalit.de Wir danken für die Unterstützung. 127


Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100 Das für dieses Buch verwendete FSC-zertifizierte Papier Profisilk, hergestellt von Sappi, Alfeld, liefert IGEPA group. 1. Auflage Copyright © 2009 Deutsche Verlags-Anstalt, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Alle Rechte vorbehalten Idee und Konzeption: Thomas Hausberg Satz und Layout: go4media.– EDITORIAL, Guia de Isora/Teneriffa, Spanien Lithografie: Jan Hausberg, Berlin Druck und Bindung: Firmengruppe APPL, aprinta Druck, Wemding Printed in Germany ISBN 978-3-421-03625-4 www.dva.de

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