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Dieses Buch bietet Kindern einen einzigartigen Überblick über den Lebensraum Donau. Von der Quelle im Schwarzwald bis zur Mündung ins Schwarze Meer führt eine spannende Reise durch alle bekannten Regionen der Donau. Dabei gibt es nicht nur jede Menge Wissenswertes über die Pflanzen- und Tierwelt, die Städte an der Donau und die Geschichte der Menschen im Donauraum zu erfahren. Auch Schwerpunkt-Themen wie die Donauschifffahrt und die Stromerzeugung aus Wasserkraft geben einen Einblick in eine faszinierende Region. Ausflugstipps laden dazu ein, die Donau selbst mit dem Rad oder wandernd zu erkunden.

Hinein ins Abenteuer Donau!

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Donau-Regionen

Natur und Tierwelt

. Donauschifffahrt . Leben an der Donau damals und heute

. Energieerzeugung . Burgen und Schlösser . Sagen

ISBN 978-3-7074-1603-9 € 18,--

Kindersachbuch

... und vieles mehr!

Begleitmaterial unter:

www.ggverlag.at

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Inhalt Liebe Leserin, lieber Leser!

„Land der Berge, Land am Strome“ – so beginnt die österreichische Bundeshymne. Mit dem Strom ist natürlich die Donau gemeint, um die es in diesem Buch geht. Es nimmt dich mit zu einer über 2 800 Kilometer langen Reise – von der Quelle bis zur Mündung! Du wirst staunen, was es an der Donau Schönes und Aufregendes zu sehen gibt: alte Raubritterburgen und Schlösser, unberührte Augebiete und tiefe Flusstäler, große Städte und Häfen. So ganz nebenbei erfährst du auf deiner Reise aber auch, was ein „Waghals“ ist, wo es Pelikane zu sehen gibt, wie sich die Menschen vor Hochwasser schützen und wie man aus Wasserkraft Strom gewinnt. Du siehst: für Abwechslung ist gesorgt. Dann nichts wie los! Viel Spaß beim Entdecken der Donau!

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Themen

Seite 14 Donauschifffahrt heute Seite 18 Donauschifffahrt damals Seite 26 Strom aus dem Donaustrom Seite 32 Alte und Neue Donau Seite 36 Leben mit der Donau Seite 38 Nationalpark Donau-Auen Seite 40 Carnuntum Seite 44 Die Donau – ein europäischer Fluss

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Seite 8 Von Passau nach Engelhartszell Seite 10 Von Engelhartszell nach Aschach Seite 12 Von Aschach nach Linz Seite 16 Von Linz nach Grein Seite 20 Im Strudengau Seite 22 Im Nibelungengau Seite 24 In der Wachau Seite 28 Im Tullner Becken Seite 30 Wien und die Donau Seite 34 Von Wien nach Bratislava

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Seite 6 Die Donau

in Deutschland Seite 42 Von Bratislava bis zum Schwarzen Meer

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Für Julia

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch teilweise nur die männliche Form verwendet. Alle Aussagen gelten selbstverständlich für Frauen und Männer gleichermaßen.

ISBN 978-3-7074-1603-9 1. Auflage 2014 Illustration: Nicolas Rivero Printed by Litotipografia Alcione, Lavis-Trento, über Agentur Dalvit, D-85521 Ottobrunn In der aktuell gültigen Rechtschreibung © 2014 G&G Verlagsgesellschaft mbH, Wien Alle Rechte vorbehalten. Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, gesetzlich verboten. www.ggverlag.at

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Die

Donau

Wo entspringt die Donau? Wo beginnt ein Fluss? Was für eine Frage, denkst du dir: bei seiner Quelle, wo sonst! Was aber, wenn ein Fluss zwei Quellen, also zwei Quellflüsse hat? Wo beginnt ein Fluss dann? Du siehst, die Donau macht es einem nicht leicht. Sie zeigt gleich zu Beginn, dass sie etwas Besonderes sein will. Und das ist sie ja auch.

Die Donau hat zwei Quellflüsse – die Brigach und die Breg. Da man sich für keinen der beiden entscheiden konnte, lässt man die Donau offiziell dort beginnen, wo die beiden Quellflüsse zusammenfließen. Brigach und Breg entspringen im Schwarzwald im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Bei der Stadt Donaueschingen treffen sie aufeinander und bilden von nun an die Donau. Ein bekannter Merksatz lautet daher: „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg“.

in

Deutschland

Am höchsten, am nördlichsten

Wenn du in Ulm auf den Kirchturm steigst, wirst du vielleicht nicht bis zum Schwarzen Meer sehen, aber doch sehr weit! Denn das Ulmer Münster (ein Münster ist eine große Kirche) hat den höchsten Kirchturm der Welt! Mit 161,53 m ist er um 25 Meter höher als der Stephansdom in Wien. Bei Ulm überquert die Donau die Grenze zum deutschen Bundesland Bayern. Bald darauf gelangt sie nach Regensburg, der nördlichsten Stadt an der Donau.

W ü B a d e n r t t e m b e r

g

Auch wieder keine einfache Frage, denn: Ab wo soll man zählen? Normalerweise wird ab der Quelle gezählt. Da die Donau aber zwei Quellflüsse hat, macht man eine Ausnahme, dreht die Markierung um und beginnt die Zählung dort, wo die Donau ins Schwarze Meer fließt, also bei ihrer Mündung. Von dort bis zur Quelle der Breg, dem längeren der beiden Quellflüsse, sind es 2 857 km!

S c h w a r z Brigach

Schloss Sigmaringen

Breg

Donaueschingen

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Ulm

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Wie lang ist die Donau?

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Fischerstechen

In Ulm findet alle vier Jahre das „Fischerstechen“ statt. Da geht es zu wie bei einem Ritterturnier. Statt auf einem Pferd sitzen die Kämpfer aber in schmalen Booten, sogenannten „Zillen“. Je zwei Mannschaften fahren aufeinander zu und versuchen sich gegenseitig mit Stangen ins Wasser zu stoßen. Und ganz Ulm sieht zu! Das Fischerstechen gibt es auch in zahlreichen anderen Orten an der Donau, das bekannteste ist aber jenes in Ulm.

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Die Steinerne Brücke von Regensburg

Einer Sage nach soll der Baumeister der Brücke zu Regensburg der Lehrling des Dombaumeisters gewesen sein. Die beiden schlossen eine Wette ab, wer mit seinem Bau eher fertig werden würde. Als der Lehrling nach ein paar Jahren sah, dass der Bau des Doms viel schneller voranging, suchte er Rat beim Teufel. Dieser sagte: “Ich helfe dir, wenn ich dafür die ersten drei Seelen bekomme, die über die fertige Brücke gehen!” Der Lehrling willigte ein und im Nu war die Brücke fertig. Als nun der Teufel seinen versprochenen Lohn forderte, ließ der schlitzohrige Lehrling einen Hahn, eine Henne und einen Hund über die Brücke gehen! Darauf wurde der Teufel fuchsteufelswild und versuchte die Brücke zu zerstören. Das misslang ihm jedoch, denn schließlich hatte er selbst daran mitgearbeitet. Seitdem aber hat die Brücke einen Buckel. Die Steinerne Brücke von Regensburg ist die älteste noch funktionstüchtige Brücke an der gesamten Donau. Regensburg Rhein-Main-Donau-Kanal

Kelheim

Ingolstadt

Aus Fluss mach Strom

Ilz

In Passau macht die Donau eine Wandlung durch. Vor Passau ist sie noch ein Fluss, danach aber ein großer Strom. Warum? Weil hier gleich zwei Flüsse, der Inn und die Ilz, in die Donau fließen. Passau ist daher auch als die „Drei-Flüsse-Stadt“, als „schwimmende Stadt“ und als „Venedig an der Donau“ bekannt.

Am schönen blauen Inn

Sonderbar ist nur, dass der Inn in Passau breiter ist als die Donau. Müsste es daher nicht heißen: Bei Passau fließt die Donau in den Inn? Wäre also der Fluss, der Passau verlässt und sich dann durch Österreich windet, nicht der Inn? Und hätte Johann Strauß seinen weltberühmten Walzer nicht „Am schönen blauen Inn“ nennen müssen? Ja, und müsste dieses Buch dann nicht auch „Das große Innbuch“ heißen? Also, die Donau ist zwar in Passau wirklich weniger breit als der Inn, sie ist dafür aber viel tiefer und daher besser schiffbar. Die Donau kann ab Kelheim mit großen Schiffen befahren werden. Außerdem macht der Inn bei Passau einen Knick, die Donau aber fließt gerade weiter. Der Inn sieht daher wie ein Zufluss aus, obwohl er breiter ist.

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Passau

Inn

Passauer Farbenlehre

In Karten, wie auch in diesem Buch, werden Flüsse immer blau eingezeichnet. Wie dir vielleicht schon aufgefallen ist, ist die Farbe der echten Donau aber gar nicht blau. Und sie ist schon gar nicht schwarz, obwohl sie im Schwarzwald entspringt und ins Schwarze Meer fließt. Schwarz ist dafür die kleine Ilz, weil sie aus einer Gegend nördlich von Passau kommt, in der es viele Moore gibt. Der Inn ist eher graublau, weil er das klare Gebirgswasser der Alpen mit sich bringt. Er ist damit viel heller als die Donau, die eher graugrün ist. Johann Strauß hätte seinen Walzer daher auch „An der graugrünen Donau“ nennen können. Aber das hätte einfach nicht so schön geklungen wie „An der schönen blauen Donau“.

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Passau Engelhartszell Von

nach

Natur pur

Ilz

Veste Oberhaus Donau Passau

Inn

Spaziergang in Passau

Vielleicht hast du noch ein wenig Zeit für einen Besuch in Passau, bevor du deine Reise entlang der Donau nach Österreich fortsetzt. Es lohnt sich! Von der Veste (Burg) Oberhaus, in der früher die mächtigen Passauer Fürstbischöfe residierten, hast du einen tollen Blick hinunter auf die Stadt. Von dort oben kannst du auch beobachten, wie sich die unterschiedlich gefärbten Wasser der drei Flüsse langsam vermischen. Das Wasser in Passau ist aber nicht nur schön anzuschauen. Oft genug hatten die Passauer auch ihre liebe Not mit dem vielen Wasser. Davon kannst du dich beim Rathaus überzeugen. Auf einer Skala neben dem Eingang sind Hochwassermarken eingetragen. Stell dich dazu und du wirst staunen, wie hoch der Wasserstand in Passau bei den schwersten Überschwemmungen war!

Nach Passau verläuft die Grenze zwischen Deutschland und Österreich bis Engelhartszell mitten in der Donau. Außerdem wird es dort richtig gebirgig. Die Donau gräbt sich immer weiter in ein tiefes Tal ein, das links und rechts von steilen bewaldeten Hängen begrenzt wird, den sogenannten Donauleiten. Dort ist es besonders windgeschützt, warm und trocken, weshalb sich eine große Artenvielfalt entwickeln konnte. Das gesamte Donautal bis Aschach ist daher unter Schutz gestellt. Auch der nördlich der Donau in Deutschland gelegene Teil, wo im „Naturschutzgebiet Donauleiten“ über 400 Pflanzen- und Tierarten beheimatet sind. Erlau

Burg Krämpelstein

Vom Rathaus geht es durch das Gassengewirr der Altstadt hinauf zum Dom. Dort wirst du mit schönen Klängen belohnt. Im Passauer Dom steht die größte Domorgel der Welt, die gleich aus fünf Orgeln besteht. Das ist ein echtes Klangerlebnis! Vor dem Dom erwartet dich die Statue des „Regenprüfers“. So nennen die Passauer die Statue des bayerischen Königs Maximilian, der hier ganz gebieterisch die Hand ausstreckt. Vom Dom geht es hinunter zum Inn und zum Schaiblingsturm. Hier legten früher Schiffe an, die das Salz aus dem Salzburger Land über die Salzach und den Inn nach Passau brachten. Die Passauer verkauften das „weiße Gold“ im ganzen Donauraum weiter. Über Saumpfade (den „Goldenen Steig“) brachten sie es auch nach Böhmen, das heutige Tschechien. Passau wurde dadurch zu einer blühenden Handelsstadt.

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Wo die Hausen hausen

Naturschutzgebiet Donauleiten

Hier kannst du viele seltene Tiere beobachten. Mit etwas Glück entdeckst du die bis zu zwei Meter lange schwarz-grüne Äskulapnatter. Keine Angst, sie ist wie die meisten Nattern ungefährlich. Heimisch sind hier auch der Schwarzstorch und viele Schmetterlinge wie der Apollofalter und der Schwalbenschwanz. Weil das Klima dem in den Bergen ähnelt, blüht hier sogar das Alpenveilchen.

Kurz vor der Grenze kommst du zum Kraftwerk Jochenstein. Es wurde von Bayern und Oberösterreich gemeinsam gebaut und ist das größte Flusskraftwerk Deutschlands. Auf deutscher Seite befindet sich das Museum „Haus am Strom“. Hier erfährst du vieles über den Lebensraum Donau, kannst Duftdetektiv spielen, an einem Piratentag teilnehmen, eine Krimiwanderung unternehmen, in eine Wassererlebniswelt eintauchen und auf einem fünf Meter langen „Hausen“ reiten – keinem echten natürlich, sondern einem aus Holz. Der Hausen ist eine Fischart, die früher häufig in der Donau zu finden war, heute aber sehr selten geworden ist. Er wurde bis zu 8 Meter lang und war daher als der “Gigant der Donau” bekannt.

Obernzell

Kraftwerk Jochenstein und „Haus am Strom“

Burg Vichtenstein

Die Nixe Isa

Direkt nach dem Kraftwerk Jochenstein erhebt sich stromabwärts ein kleiner Felsen aus der Donau. Der Sage nach war dieser die Spitze eines prächtigen Märchenschlosses aus purem Kristall, in dem die Nixe Isa mit einer Schar anderer Feenwesen wohnte. Nixen wie die schöne Isa gab es ja viele in der Donau, doch keine bezauberte so wie Isa. In hellen Mondnächten erschien sie den Fischern, gehüllt in prächtige Gewänder, einen Schilfkranz oder Blumen in den Haaren. Bei Nebel führte sie die Kapitäne mit unsichtbarer Hand durch gefährliche Stromschnellen. Doch wenn sie zu singen anfing, war es um jeden geschehen, der ihren süßen, verführerischen Klängen lauschte. So mancher Fischer näherte sich der Nixe Isa, wie magisch angezogen von ihren süßen Melodien. Wer ihr aber zu nahe kam, den riss sie mit hinab in die Tiefe und er wurde nie mehr gesehen.

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Donauschifffahrt

Häfen gibt es erst seit kurzer Zeit. Früher wurden die Waren an den „Länden“ ein– und ausgeladen.

Transportiert wurde fast alles

Auf der österreichischen Donau und ihren Nebenflüssen wurde alles Mögliche transportiert. Die wichtigste Ware war Salz, das noch bis vor 100 Jahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln verwendet wurde. Es kam aus dem Salzkammergut und aus den Bergwerken Salzburgs und Tirols. Holz wurde in Form von riesigen Flößen nach Wien gebracht, die dort bis zum kleinsten Holznagel zerlegt und als Brennholz verkauft wurden. Granit kam aus St. Martin und Mauthausen nach Wien. Eisen wurde aus der Eisenwurzen (einem Teil der Kalkvoralpen) nach Süddeutschland, Ungarn und auf den Balkan verschifft. Getreide kam aus Ungarn, und Wein wurde aus der Wachau flussaufwärts nach Linz und Bayern transportiert.

Als es noch keine Eisenbahn und keine Autos gab, kam man mit dem Schiff am schnellsten voran. Gut ausgebaute Straßen und Wege waren selten. Die Donau war daher über Jahrhunderte so etwas wie eine Hauptverkehrsader Europas. Als die Kreuzfahrer von ihren Kreuzzügen zurückkamen, nahmen sie aus dem Orient Gewürze, Glas, Felle, Pergament und andere Kostbarkeiten mit. Daraus entwickelte sich ein blühender Handel, dem viele Städte an der Donau ihren wirtschaftlichen Aufschwung verdanken. Es ist daher kein Zufall, dass an der Donau gleich vier europäische Hauptstädte liegen: Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad.

Mühsame Bergfahrt

Das Reisen stromabwährts („Talfahrt“ oder „Naufahrt“) war schon beschwerlich genug – es gab ja Mautstellen, Raubritter und Stromschnellen. Eine richtig mühsame und zeitraubende Angelegenheit aber waren die Fahrten stromaufwärts („Bergfahrt“ oder „Gegenfahrt“). Bis zur Erfindung der Dampfkraft Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Schiffe von Pferden bergauf gezogen! Und Kaiser Josef II. ließ die Schiffe sogar von Strafgefangenen ziehen, von denen manche vor Anstrengung starben!

Wein Gemüse

Waldviertel

Böhmerwald

Eisen

Wachau

Gr. Mühl

Granit

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Marchfeld

Erlauf

Getreide

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Weinviertel

Donau

Eferdinger Becken

Salz

Hall in Tirol

Weitenbach

Inn

Holz

damals

Traun Salzach

Ötschergebiet Enns

Hallstatt Bad Reichenhall und Hallein

Hall ist das keltische Wort für Salz. Eisenwurzen

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Bergfahren” ” mit Treidelzügen

Beim sogenannten „Treideln“ liefen Pferde auf dem Treppel- oder Treidelweg flussaufwärts und zogen das Schiff an einem dicken Hanfseil hinter sich her. Schon kilometerweit waren das Geschrei der Schiffsreiter und das Wiehern der Pferde zu hören. Die ganze Umgebung geriet in Aufruhr, wenn der riesige Tross aus bis zu 60 Pferden und 50 Männern den langen Schiffszug stromaufwärts schleppte. Angeführt vom Vorreiter bahnten sie sich mit langen Stangen und speziellen Messern einen Weg am Ufer, schlugen Gestrüpp nieder, hoben die Seile über alle Hindernisse hinweg und durchwateten die einmündenden Bäche. Der Vorreiter – er hieß auch Waghals, weil seine Arbeit so gefährlich war – musste den besten Weg finden und aufpassen, dass kein Pferd zu Sturz kam oder gar in die Donau gezogen wurde. Oft zwangen Felswände, Mündungen großer Flüsse und Sümpfe den gesamten Zug dazu, ans andere Ufer zu wechseln. Dabei mussten die Pferde ausgespannt, Seile und Ketten gelöst und Menschen, Tiere und Material ans andere Donauufer gebracht werden. Das dauerte viele Stunden, oft einen ganzen Tag.

Ein Schiffszug bestand aus drei Lastkähnen, die mit Frachtgut beladen waren, und kleineren Schiffen, die „Plätten“ hießen. Mit den Plätten wurden Pferde und Mannschaft bei unpassierbaren Hindernissen ans andere Ufer transportiert. Es gab auch ein „Kuchlschiff“ samt eigenem Koch. Kannst du dir vorstellen, wie mühsam das war! Für die Strecke Wien – Passau brauchte ein Treidelzug drei bis fünf Wochen! Neunmal musste auf diesem Abschnitt wegen der Schwierigkeit des Geländes mit allen Pferden das Ufer gewechselt werden. Heute braucht ein Schiff von Wien nach Passau 24 Stunden. Auf den alten Treidel- und Treppelwegen verläuft heute der Donauradweg. Solltest du einmal mit dem Fahrrad an der Donau unterwegs sein, denk daran, wie es hier früher zugegangen ist. Vielleicht kannst du das Wiehern der Pferde, das Schnalzen der Peitschen und das Schreien der Pferdeknechte hören!

Personenschifffahrt

Wer früher eine Schiffsreise die Donau hinab unternehmen wollte, der fragte einen Händler, ob er ihn mitnahm. Erst vor etwa dreihundert Jahren entstand eine erste regelmäßige Schiffsverbindung. Ein Schiff fuhr wöchentlich ab Ulm die Donau hinab, meistens waren es Holzschiffe, die in Ulm gebaut wurden und daher „Ulmer Schachteln“ hießen. Stromaufwärts nahm man aber die Postkutsche, die war um einiges schneller. Die Erfindung der Dampfmaschine brachte auch für die Donauschifffahrt eine große Verbesserung. Vor allem bergauf kam man nun viel schneller voran. Das erste Dampfschiff brauchte für die Strecke von Wien nach Linz nur mehr vier Tage, ein Treidelzug dagegen zwei Wochen. 1829 wurde die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) gegründet. 50 Jahre später war sie die größte Binnenschifffahrtsgesellschaft der Welt: mit über 200 Dampfschiffen! Als aber die Eisenbahn und später das Automobil erfunden wurden, ging die Bedeutung der Dampfschifffahrt immer mehr zurück. Die DDSG gibt es auch heute noch. Anstatt mit Dampfkraft werde die Schiffe aber mit Dieselmotoren angetrieben. Großer Beliebtheit erfreut sich die Ausflugsschifffahrt.

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Wien

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Wien ist die Hauptstadt Österreichs und Wohnort von 1,7 Millionen Menschen. Wien ist als Donaumetropole bekannt, und dank des Donauwalzers von Johann Strauß weiß auch die ganze Welt, dass Wien an der „schönen blauen Donau“ liegt. Aber viele wissen nicht, dass Wien nicht am großen Donaustrom liegt, sondern vielmehr am eher schmalen Donaukanal. Warum? den

Brigittenau (20. Bezirk) Rossau Augarten

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Der Donaukanal ist heute ein beliebtes Erholungsgebiet. An seinen Ufern gibt es viele Lokale, von denen einige sogar einen künstlichen Sandstrand haben! Da können sich die Wiener erholen wie im Urlaub! Statt Güterschiffen verkehren im Donaukanal heute viele Ausflugsschiffe, zum Beispiel das Nationalparkboot. Es legt bei der Salztorbrücke ab und fährt in die Lobau, ein geschütztes Augebiet am Rand der Stadt mit einem spannenden Naturlehrpfad.

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Als die Römer vor 2 000 Jahren an Abhängen des Wienerwalds ein Legionslager namens Vindobona anlegten, war hier ein riesiges Augebiet und der Donaukanal der einzige schiffbare Seitenarm der Donau. Die Römer bezeichneten diesen Seitenarm auch als die Donau und nicht als den Donaukanal. Daran hat sich viele Jahrhunderte lang nichts geändert. Als das Römische Reich unterging, wurde an der gleichen Stelle eine mittelalterliche Stadt gegründet, mit dem Stephansdom in ihrer Mitte. Über den Donaukanal wurde die schnell wachsende Stadt mit Heiz- und Baumaterial und vor allem mit Lebensmitteln versorgt. Über die Fischerstiege wurden die Fische hinauf in die Stadt gebracht. Salz wurde am Salzgries abgeladen – dort, wo auch heute noch eine gleichlautende Straße verläuft. Durch das Salztor wurde das Salz in die Stadt gebracht, die damals noch von einer Stadtmauer umgeben war. Findest du die erwähnten Straßen in der Lupe? Erst seit man der Donau vor 150 Jahren ein neues Flussbett verpasste (mehr dazu auf der nächsten Doppelseite), werden die Güter nicht mehr an den Länden des Donaukanals abgeladen, sondern in Häfen am Stadtrand: der Hafen Freudenau ist der größte Wiens und zugleich ein Winterhafen. Der Alberner Hafen wurde für das Verladen von Getreide gebaut. Und in der Lobau liegt der Ölhafen. Du findest sie auf der rechten Bildseite.

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Bei einer Fahrt mit dem Nationalparkboot in die Lobau kommst du an den für Wien typischen Daubelfischern vorbei, die den Donaukanal säumen. Beim Daubelfischen wird mit großen Netzen gefischt, die über eine Kurbel ins Wasser gelassen werden. Es gibt am Donaukanal aber auch viele gewöhnliche Angelfischer. Die Wasserqualität im Donaukanal ist so gut, dass sich heute 25 Fischarten darin tummeln. Das war aber nicht immer so. Kannst du dir vorstellen, dass die Wiener früher fast ihre ganzen Abwässer in die Donau geleitet haben?

Kaisermühlen Stadlau Krieau

Ernst-Happel-Stadion Do

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Gleich nach der Kläranlage mündet der Donaukanal in die Donau. Dort befinden sich das Kraftwerk und der Hafen Freudenau. Mit dem Kraftwerk Freudenau wird ein Drittel des Strombedarfs aller Wiener Haushalte gedeckt. Tipp: Besuche das Kraftwerk und erlebe das Dröhnen der Maschinen bei einem Gang durch den Turbinenraum 35 Meter unter dem Wasser hautnah. Schon bevor die Menschen herausgefunden haben, wie aus Wasserkraft Strom gewonnen werden kann, haben sie sich die Kraft des Wassers mit Flussmühlen zu Nutze gemacht. In Wien gab es einst über 50 Mühlen entlang des Donauufers. Sie gehörten dem Kaiser und mahlten das Getreide für den Kaiser und seinen Hof. Die Mühlen sind heute verschwunden, im Namen eines Stadtteils aber sind sie erhalten geblieben. Weißt du, wie er heißt? Richtig, Kaisermühlen! In der Nähe von Wien gibt es noch eine einzige Mühle an der Donau, die du auch besuchen kannst, und zwar in Orth an der Donau (siehe Seite 34).

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Heute sorgt die Kläranlage Simmering dafür, dass die Abwässer mit modernster Technik gereinigt und in Trinkwasserqualität wieder in die Donau geleitet werden. Die Kläranlage Simmering befindet sich am tiefsten Punkt der Stadt, dort, wo alle Abwässer der Stadt zusammenlaufen. Sie reinigt täglich 50 Millionen Liter Wasser!

Hafen und Kraftwerk Freudenau Ölhafen

Kläranlage Simmering Alberner Hafen

Früher kam es öfter vor, dass Tote ans Ufer der Donau geschwemmt wurden, etwa nach einem Schiffsunglück. Da man die Namen der Toten oft nicht herausfinden konnte, wurden sie nicht auf dem großen Zentralfriedhof, sondern auf einem eigenen Friedhof bestattet – dem „Friedhof der Namenlosen“.

Lobau

Friedhof der Namenlosen

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Unter folgenden Links findest du weiterführende Informationen zur Donau: Aktivitäten rund um die Donau:

www.danubeday.at – Danube Day www.generationblue.at – die Wasserjugendplattform des Lebensministeriums

Donauschifffahrt:

www.viadonau.org – via donau ist zuständig für die Donau als Wasserstraße, die Donauradwege, Hochwasserschutz und Renaturierung www.donauschifffahrt.info – hier findest du Infos, Spiele und Karten rund um die Donau http://www.ddsg-blue-danube.at/de/kids.php

Strom und Wasserkraft:

www.verbund.com/ybbs-persenbeug-besuchen www.verbund.com/freudenau-besuchen http://ewr.de/partner/kinderseite/energiespartipps-fuer-kids.html

Die Donau in OÖ: www.donauregion.at www.donauradweg.at www.donausteig.com

Die Donau in NÖ:

http://www.donau.com/de/schulportal/ http://issuu.com/donaunoe/docs/dnoe_schulfolder2014

Die Donau in Wien:

www.gewaesser.wien.gv.at www.donauinsel.wien.at www.hochwasserschutz.wien.at www.life-altedonau.wien.at www.eule-wien.at

Donau-Auen:

http://www.donauauen.at

Andere:

http://www.donau-welt.at – über die „Mini-Donau“ in Engelhartszell http://www.hausamstrom.de/hits-for-kids.html http://www.keltendorf-mitterkirchen.at/site/ http://www.kreuzenstein.com/ http://www.carnuntum.co.at/buchungen-1/alte-ordner-buchungen/kinder/julius

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DANK Dieses Buch hat eine lange Vorgeschichte und viele Geburtshelfer. Ich danke Prof. Roman Sandgruber und Franz Maier-Lehner (für wertvolle Anmerkungen und Ergänzungen), Edith Daum und Michael Crombach (für Durchsicht und wohlwollende Kritik), Ursula Holler und Martina Lundquist von G&G (für die gute Zusammenarbeit), Nico (für Geduld), Johanna Krajatsch (für die Idee), Susanne Brandstetter, Ursula Wirth, Barbara Riener-Fürnhammer und allen anderen, die mit ihrem Einsatz und Engagement zum Entstehen dieses Buches beigetragen haben. Vor allem aber Julia (für deine Liebe, Toleranz und Kritik): ohne dich gäbe es dieses Buch nicht.

Projektierung und Recherche dieses Buches erfolgten mit freundlicher Unterstützung des Lebensministeriums.

Rätsel-Auflösungen Seite 28: Auf dieser Doppelseite kommen sechs Anlagen zur Stromerzeugung vor:

zwei Wasserkraftwerke, eine Photovoltaik-Anlage, ein Kernkraftwerk (außer Betrieb), ein Windpark und ein Wärmekraftwerk. Die Wasserkraftwerke, die Photovoltaik-Anlage und die Windkraftanlage funktionieren mit erneuerbaren Energieträgern.

Seite 32: Auf den Seiten 30 und 31 sind acht Ortsnamen eingezeichnet, die„Au“ im Namen haben: Rossau, Spittelau, Lobau, Krieau, Freudenau, Stadlau, Brigittenau und Augarten. Übrigens: Das –au in Donau hat nichts mit der Au (Wasserwald) zu tun – das Wort leitet sich von der römischen Bezeichnung „Danuvius“ ab. Seite 38: Der Seeadler ist das Wappentier von Österreich, Deutschland, Serbien und Moldawien.

Übrigens: Ein Adler schmückt auch das Landeswappen Oberösterreichs und jenes von Niederösterreich hat gleich fünf (siehe Seite 17). Zur Zeit der Donaumonarchie hatte Österreich den Doppeladler im Wappen, also einen Adler mit zwei Köpfen. Die Flagge von Serbien und das Wappen von Krems (Seite 25) ziert ein solcher noch heute.

Seite 42: Es ist nicht acht Minuten nach 6 sondern halb 2.

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Dieses Buch bietet Kindern einen einzigartigen Überblick über den Lebensraum Donau. Von der Quelle im Schwarzwald bis zur Mündung ins Schwarze Meer führt eine spannende Reise durch alle bekannten Regionen der Donau. Dabei gibt es nicht nur jede Menge Wissenswertes über die Pflanzen- und Tierwelt, die Städte an der Donau und die Geschichte der Menschen im Donauraum zu erfahren. Auch Schwerpunkt-Themen wie die Donauschifffahrt und die Stromerzeugung aus Wasserkraft geben einen Einblick in eine faszinierende Region. Ausflugstipps laden dazu ein, die Donau selbst mit dem Rad oder wandernd zu erkunden.

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Das große Donaubuch für Kinder  

Das Buch bietet Kindern einen in dieser Weise einzigartigen Überblick über den Lebensraum Donau. Eine spannende Reise beginnt ...

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