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Kreisinfo

6-2013

Zeitung der Partei DIE LINKE in Oberhavel

Waffenexportgegner referierte Kleinwaffen sind die neuen Massenvernichtungswaffen Am 12. Juni war Jan van Aken, außenpolitischen Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, zu Gast bei der LINKEN in Oberhavel, um über deutsche Waffenexporte zu referieren. So berichtete van Aken, der zum Spitzenteam der LINKEN für die Bundestagswahl gehört, über seinen Besuch bei der International Defence Exhibition & Conference (IDEX), einer der größten Waffenmessen der Welt, in Abu Dhabi. Ob Kampfpanzer Leopard oder Kleinwaffen wie das Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch, alles ist zu haben. Kleinwaffen findet van Aken am heikelsten, weil sie die Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts sind. Neunzig Prozent aller in Kriegen getöteten Menschen sterben durch so genannte Kleinwaffen. Neu war für den Waffenexportgegner, dass selbst da wo nicht Deutschland

drauf steht, Deutschland drin ist. Zum Beispiel zeigte er Bilder von Südafrikanischen Kampfdrohnen mit einer Kamera von Zeiss und von einem schwedischen Kriegsschiff mit einer Bordkanone von Rheinmetall. An fast jedem Stand egal von welchem Land hat er immer wieder deutsche Produkte gefunden. Mit Genehmigung der Bundesregierung werden auch ganze Waffenfabriken wie z.B. von Heckler & Koch exportiert. So wird das G36 in einer Saudi Arabischen Waffenschmiede gebaut. Verkaufen dürfte Saudi Arabien die Waffen allerdings nicht, sie waren aber auf der Messe ausgestellt. Auf eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE bei Frau Merkel wurde. dazu erklärt, dass keine Verkaufsabsichten zu erkennen seien. Deutschland ist drittgrößter Waffenexporteur der Welt und hat allein 2011 10,8 Mrd. Euro

an Rüstungsexporten genehmigt. 2010 waren es 5,5 Mrd. In der anschließenden Diskussion ging es dann auch schnell um die Bundeswehr und das Werben an Schulen. Eine Lehrerin monierte, dass vor kurzem klamm heimlich am Puschkin Gymnasium ein Werbeoffizier der Bundeswehr seine Show abziehen konnte. Josephin Bär, berichtete, dass der Landesschülersprecherrat vor ca. einem halben Jahr beschlossen hat, dass Werbeveranstaltungen der Bundeswehr an einer Schule nur im Beisein eines Vertreters einer Friedensorganisation durchgeführt werden dürfen. Jan van Aken erwiderte, dass das nur der Minimalkonsens sein kann und er von solch einem Gremium erwartet, dass es sich gegen das Werben der Bundeswehr an Schulen einsetzt. R. Wunderlich

Eine Südafrikanische Kampfdrohne mit einer Kamera von Zeiss, auf einer der größten Waffenmessen der Welt, in Abu Dhabi. Foto: Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag

www.dielinke-oberhavel.de


DIE LINKE Oberhavel

Für eine neue Kultur des Alterns Unter dieses Motto hatte die AG Senioren gemeinsam mit der AG Soziales das Ein-Euro-Frühstück am 30.05.2013 gestellt. Eingeladen war MdL Birgit Wöllert als sozialpolitische und gesundheitspolitische Sprecherin, die auch für den nächsten Deutschen Bundestag kandidiert. Moderiert wurde die Veranstaltung von Michael Elte, Sprecher der AG Soziales beim Kreisvorstand. Die erste Frage des Moderators bezog sich auf die unterschiedlich ausfallenden Rentenerhöhungen in den alten und neuen Bundesländern. Sind denn solche unterschiedlichen Rentenerhöhungen tat-sächlich geeignet, die Renten in Ost und West anzugleichen und Altersarmut zu verhindern? Dies wurde von Birgit Wöllert ganz klar verneint. Sie wies darauf hin, dass in der Koalitionsvereinbarung von 2009 die Bundesregierung versprochen hatte, für eine Angleichung der Ost und Westrenten zu sorgen, und dieses Versprechen gebrochen hat. Die richtigen Antworten, um Altersarmut zu verhin-dern, seien, die Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkom-mens (1990 lag das Rentenniveau noch bei 70 Prozent) und die Einführung einer solidarischen Min-destrente. Es wurde aber nicht nur die finanzielle Lage der Senioren erörtert, denn Anliegen der Veranstaltung war es, für eine neue Kultur des Alterns zu werben. Es muss klar sein, dass Altern mit der Geburt beginnt, so Wöllert. Der Prozess des Alterns habe sich auch gewandelt, denn die Bevölkerung Seite 2

wird älter und auch die Einstellung zum Altern wandele sich hierdurch subjektiv wie objektiv. Genau wie die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen eine gesellschaftliche Aufgabe sei, müsse auch die Ge-sellschaft dafür Sorge tragen, dass Menschen in Würde altern. Dazu gehöre auch eine Mindestsiche-rung von 1.050,00 Euro im Monat im Alter. Die Lebensarbeitszeit ist nicht zu verlängern, sondern zu verkürzen. Die Rente mit 67 ist zurückzunehmen. Altersrente soll jeder mit Vollendung des 65. Le-bensjahres beanspruchen können, wer 40 Jahre gearbeitet habe, solle auch bereits im Alter von 60 Jahren in Rente gehen dürfen. Erörtert wurde auch die Bedeutung von Mehrgenerationen-Häusern, wobei hier zu unterscheiden sei zwischen dem Wohnen von mehreren Generationen unter einem Dach, die sich dann auch gegensei-tig unterstützen und dem Angebot von Kultur- und Freizeitangeboten für unterschiedliche Generati-onen unter einem Dach. Wichtig sei es, dass weder Senioren noch Kinder an den Rand der Städte gedrängt werden dürfen. Bei den Senioren zeichne sich erfreulicherweise ab, dass Seniorenwohn-heime immer häufiger in den Stadtzentren gebaut werden. Besorgniserregender sei es, dass beim Bau neuer Wohnungen Spielplätze für Kinder gar nicht

Foto: DIE LINKE Oberhavel geplant werden und Spielplätze in Wohnge-bieten zurückgebaut werden. Dies sei nicht hinnehmbar. Das Gespenst des Pflegenotstands mit der zunehmenden Vergreisung der Bevölkerung zu zeichnen, sie nach Auffassung von Frau Wöllert eine scheinheilige Debatte, in der Ängste geschürt würden und nur wenig mit Fakten gearbeitet werde. Sicher wird die Bevölkerung immer älter. Der Pflegebedarf beginne aber selten mit 60 oder 65 oder 70 Jahren, sondern ein Pflegebedarf entstünde häufig erst in den letzten Jahren vor dem Tod. Es sei hier erforderlich, sich solidarisch den Anforderungen an eine älter werdende Gesellschaft zu stellen, auch durch Ausbildung von Pflegern, die auch gut bezahlt werden müssen. Die Voraussetzung für eine neue Kultur des Alterns lässt sich also mit der Forderung der LINKEN „Gute Arbeit, guter Lohn und gute Rente“ zutreffend beschreiben. M. Elte


Kreisinfo 6 - 2013

Aus dem Leben Stefan Heyms Szenische Lesung am 3. Juni in Oranienburg Um Leben und Werk Stefan Heyms zu würdigen, hatte DIE LINKE Oberhavel zu einer szenischen Lesung eingeladen, zu der etwa 30 Zuhörende den Weg ins Bürgerzentrum in Oranienburg fanden. Stefan Heym wäre im April dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Die Lesenden Gerrit Große, Thomas Nord, Franz Sodann und Harald Petzold schlüpften in verschiedene Rollen und trugen aus Briefen, Gedichten, Interviews und Artikeln von, mit und über Stefan Heym vor. Jeder der Texte spiegelte ein Stück seines Werdegangs, seines Mutes, seiner Ehrlichkeit und Integrität wider. Franz Sodann rezitierte das Gedicht „Exportgeschäft“, welches der Auslöser dafür war, dass der Schüler Helmut Flieg – wie Stefan Heym damals noch hieß – von der Schule gehen musste. Er ging nach Berlin, nach Prag, dann in die USA. Und überall, bei allem, was er publizierte und egal, in welchem Gesellschaftssystem er steckte, er benannte Schwächen, offenbarte Lügen und stellte Machthaber bloß. Er hatte nie Angst zu schreiben und zu sagen, was er dachte. So konnte man es auch aus den zahlreichen Interviews in der Lesung erfahren. Dies brachte ihm nicht nur Anerkennung, sondern auch immer Gegner. Viele Jahre, während Stefan Heym in der DDR lebte, war er für die westlichen Medien einer, der mit seinen Schriften Widerstand leistete. Doch für ihn war immer klar, „(...) Der Sozialismus

Harald Petzold im Gespräch mit Franz Sodann. nicht der Stalinsche, der richtige, den wir endlich erbauen wollen zu unserem Nutzen und zum Nutzen ganz Deutschlands, ist nicht denkbar ohne Demokratie.(...)“ So hörte man es damals am 4. November zur Grundkundgebung auf dem Alexanderplatz und am 3. Juni im Bürgerzentrum. Stefan Heym kandidierte 1994 als Parteiloser auf der Liste der PDS. Auch das, so erfuhren die Zuhörer aus einem offenen Brief von dem grünen Abgeordneten Konrad Weiß an Stefan Heym, stieß bei einigen auf Unverständnis. Stefan Heym gewann das Mandat und eröffnete als Alterspräsident den 13. Deutschen Bundestag. Diese Rede, die man im Plenarprotokoll 13/1 nachlesen kann, hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. „(...) Arbeits- und Obdachlosigkeit, Pest und Hunger, Krieg

Foto: R. Wunderlich

und Gewalttat, Naturkatastrophen bisher unbekannten Ausmaßes begleiten uns täglich. Dagegen braucht es zivile Lösungen: politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle. (...) Die Menschheit kann nur in Solidarität überleben. (...) All dieses jedoch kann nicht die Angelegenheit nur einer Partei oder einer Fraktion sein. Es ist nicht einmal die Sache eines Parlaments nur, sondern die aller Bürgerinnen und Bürger, West wie Ost. (...)“ Diese Haltung vertrat Stefan Heym Zeit seines Lebens. Es braucht auch heute noch Menschen wir ihn, die so Zusammenarbeit verstehen, um in unserem Land und in der Welt etwas zu bewegen. Und genau dies vermittelte diese szenische Lesung: Stefan Heym – einer, der nie schwieg. S. Rose

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DIE LINKE Oberhavel

Elbe - Hochwasser Mitglieder der LINKEN Oberhavel im Hilfseinsatz in Wittenberge Als sich Anfang Juni die Hochwassersituation in der Prignitz zuspitzte, dauerte es nicht lange und DIE LINKE. Brandenburg hatte eine Gruppe von Menschen organisiert, die selbst mit anpacken wollten. Über Facebook wurde zu dieser Hilfsaktion aufgerufen und am Ende fuhren auch einige Genossen aus Oberhavel nach Wittenberge und Umgebung um Sandsäcke zu füllen.
Die Situation vor Ort war schon sehr angespannt. Auf dem Deich in Bälow (südlich von Wittenberge) stehend, sah man nur noch Wasser, das bis zum Deich reichte, während das andere Ufer weit entfernt war. Normalerweise ist das eine Stelle, an der man die Elbe eher erahnen als

sehen kann.
Trotz der ungewissen Lage war die Stimmung vor Ort sehr gut. Viele Einwohner packten mit an und halfen so gut sie konnten. Immer wieder wurden neue Ladungen Sand zum Packplatz gebracht, so dass genug für die auch reichlich vorhandenen Sandsäcke da war.
Überhaupt war alles bestens organisiert. Viele der gefüllten Sandsäcke wurden Anja Friedrich und Thomas sofort dorthin gebracht, wo sie Dommres beim Sandsäcke füllen in gebraucht wurden und der Rest Bälow bei Wittenberge wurde ordentlich vor Ort gestaFoto: Steffen Friedrich pelt. An dieser Stelle auch einen herzlichen Dank, an Alle, die die wir mehr können, als nur Hände Helfer mit Getränken und lecke- schütteln und ein offenes Ohr für ren Suppen und Kuchen versorgt die Betroffenen haben. Wir pahaben!
Am Ende hat DIE LINKE cken mit an und helfen konkret! mit dieser Aktion bewiesen, dass Anja Friedrich

Aus dem Kreisvorstand Unterlagen sollen veröffentlicht werden Auf der gestrigen Sitzung des Kreisvorstandes der LINKEN in Oberhavel wurde erneut über die dem Kreistag vorliegenden Unterlagen und den damit verbundenen Vorwürfen gegenüber Sonja Siebert beraten. Sie war in ihrer Eigenschaft als stellvertretende Bürgermeisterin als gesellschaftliche Mitarbeiterin des Ministeriums für Staatssicherheit in den letzten Jahren der DDR tätig. Der Kreisvorstand einigte sich nach einem Meinungsaustausch mit Fraktionsmitgliedern und Sonja Siebert darauf, dass sie einen AnSeite 4

trag zur Veröffentlichung der dem Kreistag vorliegenden Unterlagen stellt. Den Antrag auf Einsicht in ihre gesamte Akte hat Sonja Siebert bereits im Oktober 2011 bei der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi Unterlagen gestellt, bisher ohne Erfolg. Der “Offene Brief“ von 33 Abgeordneten, der bereits teilweise in der Presse veröffentlicht wurde,erreichte die LINKE erst am Montag. Er soll beantwortet werden. Neben Kreisthemen wurde auch der zurückliegende Bundesparteitag in Dresden ausgewertet. Alle

Delegierten und Gäste waren sich einig, dass dieser Parteitag vor allem aufbauende, motivierende Wirkung hatte und die Themen, die auf den Nägeln brennen, aufgriff. „Wir sind uns sicher, dass diese positive Stimmung und das beschlossene Bundestagswahlprogramm eine gute Grundlage für einen schwungvollen und kreativen Wahlkampf sind, auf den wir uns freuen. Wir haben viele überzeugende Argumente…,“ so Gerrit Große. S. Rose


Kreisinfo 6 - 2013

Die Flut aus Prignitzer Perspektive Man kann den Klimawandel leugnen. Aber wenn extremes Wetter immer kürzer aufeinander folgen und genau das zu den vorhergesagten Folgen der Erderwärmung gehört, ist das bizarr. In Hochwasserrisikogebieten wie der Prignitz und dem Havelland ist man pragmatisch und weiß zu deuten, dass seit dem Jahrhundert- oder gar Jahrtausendhochwasser an der Elbe 2002 schon die vierte Flut drohte und die Pegelstände erneut historische Rekorde brechen. Haben wir in Brandenburg nichts dazugelernt? Doch! Sonst wäre aus der Krise längst eine Katastrophe geworden. Nur vier Beispiele. 1. durch eine der europaweit größten Deichrückverlegungen in Lenzen hat der „Böse Ort“ seinen Schrecken verloren und wurde 2013 nicht mal erwähnt. 2. die Entscheidung, Deichneubau und -sanierung auf ein erhöhtes Sicherheitsniveau von 8.45 m auszurichten, erweist sich schneller als richtig, als gedacht. Das ist zwar teurer, aber gut angelegtes Geld. 3. Mit der gezielten Flutung der Havelpolder – so bitter sie für die Betroffenen ist - wurde der gefährliche Pegelanstieg auf 8.10 m bei 7.85 m gekappt. 4. Die Organisation der Flutabwehrmaßnahmen klappte nahezu reibungslos und die freiwillige Hilfe war überwältigend. Trotzdem: die Umsetzung des Gelernten hält mit dem Schrittmaß der Natur (noch?) nicht mit. Die notwendigen gigantischen Geldsummen können von den klammen Landes- und Kommu-

nalhaushalten auch bei bestem politischem Willen nur teilweise aufgebracht werden und die Bundesmittel reichen nicht. Ein Bund- Länder-finanzierter Nothilfefond muss unbürokratisch und bedarfsgerecht Soforthilfe absichern. Die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz muss aufgestockt werden. Aber es fehlt nicht nur Geld. Z. B. muss die schwarz-rote Entscheidung in der Föderalismusreform I 2007, entgegen aller Empfehlungen der Expert_innen und auch gegen die Stimmen der LINKEN den Hochwasserschutz in Länderhoheit zu geben, korrigiert werden. Flüsse ignorieren die deutsche Kleinstaaterei. Deshalb gehört die Koordinierung des präventiven Hochwasserschutzes in die Hand des Bundes oder einer Struktur wie eine Ständige BundLänder-Hochwasserschutz-Ministerkonferenz. Dazu gehört eine transeuropäische Flussstrategie.

Geflutete Polder

Risikosenkende Maßnahmen wie die Schaffung von Retentionsflächen, Poldern und Deichrückverlegungen müssen über Förderprogramme eine größere Akzeptanz bekommen. Und die Planungsverfahren müssen deutlich verkürzt werden. Dabei dürfen Hochwasser- und Naturschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden. Im Zweifel muss die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nach Grundgesetz auch durchgesetzt werden. Mit einem Flussufer-Konversionsfonds könnte Freiwilligen geholfen werden, die Risikogebiete zu verlassen. Land- und Forstwirtschafts- sowie Gartenbaubetriebe, die Polder und Retentionsflächen bewirtschaften, sollten über einen speziellen Risikozuschlag unterstützt werden. Und die steuerfreie Risikorücklage muss endlich für alle Betriebe kommen. Kirsten Tackmann

Foto: Kirsten Tackmann Seite 5


DIE LINKE Oberhavel

Rückkehr in ein fremdes Land Rezension von Ursula Krechels Roman „Landgericht“ Für diesen Roman erhielt Ursula Krechel 2012 den „Deutschen Buchpreis“ verliehen. Das 494 Seiten starke Werk handelt von einem deutschen Juden, dem Berliner Juristen Dr. Richard Kornitzer, der am Beginn einer hoffnungsvollen juristischen Karriere stehend 1933 von den Nazis Berufsverbot erhielt. Statt als Richter Recht zu sprechen musste Kornitzer nun in einer Glühlampenfabrik als Kontrolleur sein Geld verdienen, bis ihn die Nazidiktatur auch hier durch ihre rassistische Gesetzeswillkür die verbleibende Luft zum Atmen raubte. Seine Frau Claire, eine Protestantin und selbstbewusste Werbefachfrau für Kinowerbung, selbstständige Unternehmerin, fiel ihres Mannes wegen der „Arisierung“ zum Opfer, weil sie sich weigerte, ihre Firma einem NS-Strohmann zu vermachen. Als sich die Schlinge des Rassismus immer enger um Familie Kornitzer zusammenzog, brachten die Eltern ihre beiden Kinder Georg und Selma nach England in Sicherheit, wo Pflegeeltern sie aufzogen. Im Jahr 1939 nutzte Richard Kornitzer die letzte Chance, aus NS-Deutschland zu entkommen und ging über England ins Exil nach Kuba. In Havanna fand er eine Anstellung als Rechtskonsulent und entwickelte sich zum Experten für kubanisches Recht in einer Zeit, als dieses Land noch eine Bananenrepublik der USA war. Er fand Kontakt zu politischen Emigranten aus dem Kreis der linkssoziaSeite 6

listischen SAP, beispielsweise zu Lisa und Hans Fittko, Boris Goldenberg und Fritz Lamm, sowie zum österreichischen Sozialisten Julius Deutsch. Durch den Bezug zum Linkssozialismus und Kommunismus verliert der Roman seinen fiktiven Charakter und gewinnt an zeitgeschichtlicher Schwere, denn die Figur des Richard Kornitzer ist einem realen Mainzer Juristen mit vergleichbarer Biographie nachempfunden. Zu erwähnen ist, dass auch der Spartakist und Mitkämpfer Rosa Luxemburgs, August Thalheimer, zeitweilig Vorsitzender der KPD, auf Kuba im Exil lebte. Obwohl Richard seine Claire, die in Deutschland blieb, nach wie vor liebte, entwickelte sich eine Affäre in Havanna mit einer Geographielehrerin, aus der eine Tochter hervor ging. Nach Kriegsende gelingt es Claire, ihren Mann ausfindig zu machen, seiner Rückkehr steht nun nichts mehr im Wege. Im Rahmen der Wiedergutmachung erhält er schließlich eine Stelle als Landgerichtsdirektor in Mainz. Jetzt aber macht der Roman deutlich, wie nach und nach die Stimmung im „Adenauer-Deutschland“ sich wendet. Immer offener tritt die BRD in die Phase der Restauration ein, werden Antifaschisten und Sozialisten, Emigranten und Juden an die Seite gedrängt. Im West-Deutschland der fünfziger Jahre ziehen Mittäter und Mitläufer an Kornitzer vorbei und machen Karriere, Opfern des

Faschismus flickt man hingegen etwas ans Zeug. Auch K. tritt auf der Stelle; als er sich beschwert, wird er in den Ruhestand versetzt und zum Wittwer, weil seine Claire - ebenso wie auch er selbst erkrankte – an den Spätfolgen der NS-Zeit verstirbt. Kornitzer selbst stirbt 1970 als gebrochener Mann. Er weist in seiner Biographie Parallelen zum Linkssozialisten und hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968) auf, der ebenfalls der SAP entstammte. Bauer war es, der das Zustandekommen der Auschwitz-Prozesse vorantrieb. Er schrieb: „Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“. Auch Kornitzer, der deutsche Jude und Jurist, hatte nach 1945 nie mehr die Chance, eine Heimat in seinem eigenen Land zu finden. Die Beziehung zu seinen in England lebenden Kindern blieb von Fremdheit geprägt. Es blieb den Achtundsechzigern vorbehalten, aller Welt und den Westdeutschen den Blick zu öffnen, dass unter Talaren und Roben noch immer „der Muff von tausend Jahren“ haftete. Ursula Krechel erinnert mit ihrem Roman an diese Zeit der BRD vor Rudi Dutschke und Willy Brandt. Ursula Krechel. Landgericht. Verlag Jung und Jung, Salzburg 2012, 494 S., 29,90 Euro. Holger Czitrich-Stahl


Kreisinfo 6 - 2013

Filmzeit bei der LINKEN Faszinierende Persönlichkeit – Rosa Luxemburg Am 24. Mai war es wieder soweit. DIE LINKE Oberhavel hatte zur „Filmzeit“ eingeladen. Auf dem filmischen Programm stand diesmal ein echtes Meisterwerk, nämlich Margarethe von Trottas „Rosa Luxemburg“ aus dem Jahr 1985. Mehr als zwei Dutzend Gäste konnte unsere Kreisvorsitzende Gerrit Große in der Geschäftsstelle in der Bernauer Straße begrüßen, als sie den Abend eröffnete. Durch dieses ungemein intensive politische und persönliche Portrait Rosa Luxemburgs im Film erfuhren die Zuschauer, dass Rosa schon als fünfjähriges Mädchen geläufig lesen und schreiben konnte und sogar der Haushälterin der Familie das Lesen beizubringen versuchte. Ihre Arbeit in der Illegalität in „Kongresspolen“, ihre Beziehung zu Leo Jogiches, ihr Wirken in der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung, all dies stellte der Film meisterhaft dar. Dass Rosa Luxemburg vielseitig interessiert und begabt war erfuhren wir dadurch, dass sie Tiere liebte und sich Gedanken über die Natur und deren Abläufe machte. Faszinierend stellte der

Film Rosas Wirken in der deutschen Sozialdemokratie vor, ihren Kampf für den Sozialismus, den Frieden und die Völkerverständigung an der Seite von August Bebel, Karl Kautsky, Jean Jaurés und Karl Liebknecht. Erschüttert machten die letzten Minuten, die die Vorgänge der Ermordung von Rosa und Karl durch die nationalistische Soldateska der „Brigade Ehrhardt“ schilderten. Im anschließenden Gespräch wies Holger Czitrich-Stahl, als Historiker und Gesprächspartner zur Verfügung stehend, darauf hin, dass das offizielle Luxemburg-Bild von Unwahrheiten durchzogen ist. Rosa Luxemburg befürwortete nicht die Gewalt, sie befürchtete sie von den Herrschenden ausgehend. Ihre letzten Artikel in der „Roten Fahne“ vom Januar 1919 sind durch bekennenden Humanismus charakterisiert und unbedingt lesenswert. Nach einer angeregten und intensiven Diskussion ergänzte Czitrich-Stahl, dass es der Biografin Rosa Luxemburgs, Annelies Laschitza, gelungen ist, bisher unbekannte Schriften Rosas aufzufinden, die nun für eine

Holger Czitrich-Stahl bei der anschließenden Diskussion Foto: R. Friedemann Fortsetzung der „Gesammelten Werke“ aufbereitet werden. Das Schlusswort nahm wieder Gerrit Große, die diesen Abend als einen bewegenden und gerade deshalb gelungenen bewertete. Bis zur nächsten Filmzeit der LINKEN also! RR

Abschied von der Geschäftsstelle Gransee und ein großes Dankeschön an alle Diensthabenden Fotos: Egbert Hahn Seite 7


DIE LINKE Oberhavel

Termine 24.06.2013 19.00 Uhr Diskussion mit dem Journalisten Matthias Krauß (Autor des in Kürze erscheinenden Buches “Die Kommission”) und dem Bundestagskandidaten Harald Petzold über den besonderen Brandenburger Weg im Umgang mit DDR-Geschichte in Schildo im Bürgersaal 29.06.2013 9.30 Uhr Vorstellung und Diskussion des Bundestagswahlprogramms mit Harald Petzold in Hennigsdorf im Raum der Volkssolidarität Berliner Straße 24 31.07.2013 18.30 Uhr Kreisvorstandssitzung in der Geschäftsstelle in Oranienburg 05.08.2013 Ganztägig Tour der Brandenburger Spitzenkandidatin Diana Golze, gemeinsam mit Harald Petzold durch Oberhavel u.a. von 15.00 bis 18.00 Uhr Interkulturelles Straßenfest der LINKE in Hennigsdorf und von 19.00 bis 21.00 Uhr „Roter Wein bei roten Liedern“ in Gransee in der Gaststätte Huckeduster 17.08.2013 Familienfest am Lehnitzsee, Wahlkampfauftakt der LINKEN im Wahlkreis 58

Projekte weiter aktiv begleiten 2014 ist Schluss! Bereits kurz nach der Landtagswahl hatte Gerrit Große verkündet, dass dies ihre letzte Legislaturperiode sein wird. Vor einigen Tagen hat sie diese Entscheidung revidiert und ihre Bereitschaft erklärt, noch einmal für DIE LINKE in Oranienburg anzutreten. Voraussetzung dafür ist es natürlich, dass sie nochmals aufgestellt wird. Gerrit Große ist Bildungspolitikerin mit Leib und Seele. Einer der Beweggründe wieder anzutreten ist es somit auch, dass sie die Projekte, die ihr an Herzen liegen, weiter aktiv begleiten will. Von verschiedener Seite wurde sie deshalb angesprochen und gebeten, noch ein paar Jahre weiter zu machen. L. Lüdtke

Danke, Manfred Tittelbach!

Stadtverordnetenvorsteher, Ausschussvorsitzender, Fraktionschef – es nur wenige Ämter in der Kommunalpolitik, die Manfred Tittelbach noch nicht innehatte. Nun hat er sich entschieden, sein Mandat niederzulegen, welches er 38 Jahre engagiert ausgeübt hat. Dabei ging es ihm nie darum, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren oder persönliche Vorteile zu sichern. Wichtig war ihm, etwas für die Gemeinde Borgsdorf und später für die Stadt Hohen Neuendorf zu erreichen. Seine sachliche Arbeitsweise wird fraktionsübergreifend geschätzt. Das Wohl der Kommune steh für ihn im Mittelpunkt – nicht Partei- und Einzelinteressen. Wir sagen DANKE für alles, was Du für unsere Stadt, unsere Fraktion und unsere Partei geleistet hast! DIE LINKE. Hohen Neuendorf

Wir gratulieren! Wir gratulieren allen Geburtstagskindern im Juni. Geburtstagsgrüße gehen zum: 60. an Detlef Pietruschke nach Mühlenbeck; 65. an Elona Croitoru nach Neuglobsow und an Elke Diettrich nach Hennigsdorf ; 70. an Wolf-Dieter Alte nach Lehnitz; 75. an Erika Schulz nach Hohenbruch und an Wilfried Messow nach Friedrichsthal; 80. an Manfred Masser nach Hohen Neuendorf; 81. an Hanna Spiegel nach Oranienburg und an Franz Spitschan nach Oranienburg; 82. an Karl-Horst Sachse nach Glienicke; 83. an Kurt Frotscher nach Hennigsdorf; 84. an Prof. Dr. Heinrich Opitz nach Glienicke und an Siegfried Behnisch nach Oranienburg; 85. an Sylvia Lüdtke nach Borgsdorf; 87. an Elli Eichelmann nach Oranienburg; 88. an Wilhelm Marx nach Oranienburg; 89. an Herbert Nießner nach Oranienburg ; 93. an Ilse Blum nach Oranienburg ;

Impressum Auflage: 600 Stück V.i.S.d.P.: Gerrit Große Satz: Ralf Wunderlich DIE LINKE. Oberhavel Redaktion Rote Reporter Bernauer Straße 71 16515 Oranienburg Email: kreisinfo@die-linke-ohv.de Tel: 03301 20 09 90

Funk: 0171 930 1616 Redaktionsschluss: 16.07.2013


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