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Persönlich. Echt. Lebensnah. D 12013 ISSN 0939-138X

3/2012 sfr 5,60 € 3,20 (A)

€ 3,10

KINDER

Sicher im Internet PAT R I C I A K E L LY

Krebs und der Marathon meines Lebens MENSCHENHANDEL

Verlorene Töchter

Sei “ perfekt! Armani-Model

Jennifer Strickland

Lügen, die wir glauben


Ein Teller voller Liebe und Freundschaft wird den Appetit jedes Gastes stillen. Es ist immer ein Schöpflöffel voll Gnade da für diejenigen, die eine Erfrischung brauchen.

A U S : „V E R G I S S

NIE, WER DICH LIEBT“

(G E R T H M E D I E N B E S T E L L -N R . 8 1 6 4 3 4 )

AUS: EIN TRAUM

W I R D WA H R

(G E R T H M E D I E N )

MICHELLE COX


Ganz persönlich Elisabeth Mittelstädt

Herzensträume Fragt man ein kleines Mädchen: „Was möchtest du einmal werden?“, kommt die Antwort meistens ganz schnell: „Eine Mama!“ – „Bäckerin!“ – „Ballerina!“ oder: „Tierärztin!“ Auch ich hatte als Kind einen Traum: Ich wollte Lehrerin werden und Gedichte schreiben. Doch mein Traum zerbrach und mir schien nur ein leeres Blatt Papier zu bleiben … Vielleicht ist auch Ihr Herzenswunsch niemals wahr geworden. Was wäre, wenn ich Ihnen sagen würde: „Es ist noch nicht zu spät! Es ist erst dann vorbei, wenn Gott sagt: Es ist vorbei.“? Wenn Sie mit Sicherheit wüssten, dass Ihr Traum wahr werden könnte – würden Sie dann daran glauben? Sie müssen wissen, ein Traum, den Gott in unser Herz legt, braucht Glauben, um Wirklichkeit zu werden. Denn solche Träume erfüllen sich selten über Nacht. Besonders, wenn es ein Traum nach „Gottes-Größe“ ist und jedes menschliche Maß überschreitet. Zweifeln Sie an sich selbst? Gott kennt Ihre Schwächen und Ängste, aber auch Ihre Gaben und Fähigkeiten. Wenn Sie entschlossen genug sind, alles zu tun, was nötig ist, um den Traum zu erfüllen – dann ist es nur noch eine Frage der Zeit. In der Bibel lesen wir, dass wir zur rechten Zeit die Ernte einbringen werden, wenn wir nicht aufgeben. Deshalb: Halten Sie Ihren Traum in Ihrem Herzen lebendig! Über manche Träume spricht man nicht mit jedem. Sie reifen im Stillen. Das wird Ihnen auch helfen, auf Gott zu vertrauen und nicht zu versuchen, den Traum aus eigener Kraft zu erfüllen. In dieser Ausgabe lesen Sie von Frauen, die davon träumten, die große weite Welt zu sehen. Sie glaubten Menschen, die ihnen eine bessere Zukunft versprachen. Nur wussten sie nicht, dass ihr „Arbeitsvermittler“ ein Sklavenhändler war. Innerhalb weniger Stunden wurde ihr Traum zum Albtraum. Sie landeten in Bordellen, erlitten Schläge und Bedrohungen. Ihr Traum wurde mit Füßen getreten und zerbrach in tausend Scherben. Nein, diese Geschichten sind keine Einzelfälle. Millionen von Frauen sind betroffen. Solch einer Situation zu

entkommen ist meist nur möglich, wenn jemand ihnen mit Mitgefühl und Entschlossenheit hilft. Einige meiner Freunde engagieren sich im Kampf gegen Menschenhandel. Es ist eine herzzerbrechende Aufgabe, doch es ist nicht unmöglich, jemanden zu retten! Jede von uns kann aktiv werden: Wir können beten und Organisationen unterstützen, die betroffenen Frauen helfen. Oder wir machen mehr Menschen auf dieses Unrecht aufmerksam – aus diesem Grund haben wir uns entschieden, dem Thema in dieser Ausgabe viel Raum zu geben (ab Seite 22). Gibt es überhaupt Hoffnung? Oh ja! Ich denke an den berüchtigtsten Sklavenhändler aller Zeiten: John Newton. Er lebte im 18. Jahrhundert und galt als brutaler, grausamer Mann. Wer hätte gedacht, dass er eines Tages Christus begegnen und daraufhin die wunderbaren Worte von „Amazing Grace“ schreiben würde? „Erstaunliche Gnade, wie süß der Klang …“ Noch heute singen wir dieses Lied rund um den Globus. Ist Ihr Traum zerbrochen? Ich versichere Ihnen: Gott wird die Scherben bewahren. Er hält Ihren Traum behutsam in seinen Händen, und zur rechten Zeit kann er Ihnen den Traum zurückgeben: schöner und größer, als Sie es sich je erträumt haben. Wer hätte gedacht, dass ich eines Tages mein leeres Blatt Papier nutzen würde, um dieses Editorial zu schreiben? Vertrauen wir Gott unsere Träume an! Sie sind ein Teil von uns selbst. Und wir können uns finden, indem wir uns in Gott verlieren.

Gott hält Ihren Traum behutsam in seinen Händen.

Herzlich grüßt Sie Ihre

Elisabeth Mittelstädt

Lydia 03/2012

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{persönlich} 3 Ganz persönlich Herzensträume – Elisabeth Mittelstädt 22 Sklaven – mitten unter uns Wie Mädchen und Frauen in Europa zur Prostitution gezwungen werden und was wir dagegen tun können – Ines Maynard 28 Chinas verlorene Töchter – Interview mit Chai Ling 32 Wundersam berührt – Daniela Damicevic 36 Bekenntnisse Meine Freundin sagt, sie sei lesbisch. Wie soll ich reagieren? – Marlo Schalesky 50 Meine zweite Chance – Lilli Haase 68 Meine Geschichte Krebs und der Marathon meines Lebens – Patricia Kelly

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Ermutigt leben nach Gottes Design

72 Heilige heute'SBVFOXJFXJSr'SFJWPN/FJE Damaris Fischer rt.FMEFEJDIEPDIiHelen Lescheidr¨SHFSJOEFS 4DIVMFVOE(FCFU#SJHJUUF,MFJOr4DISJUUGÛS4DISJUU Christa Schellmannr4DIBU[JN"DLFSIlga Rekowski

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„Sei perfekt!“ Lügen, die wir glauben Titelgeschichte von Jennifer Strickland T I T E L F O T O N ATA S H A B R O W N P H O T O G R A P H Y

{echt} 12 Ermutigt leben nach Gottes Design Dr. Doris Schneider-Bühler 20 Girl Talk t(PUUTDISFJCUNFJOF(FTDIJDIUFi– Nelli Löwen 34 Meine Meinung Wann haben Sie erlebt, dass Gott Ihr Herz oder Ihren Körper auf wundersame Weise geheilt hat? 46 Eine prompte Gebetserhörung – Hannelore Brak 54 Die Verwandlung Das erstaunliche Gebet meiner Mutter an Vaters Totenbett – Dr. Maxine Hancock 62 Hiobs Frau Kaum eine Frau wurde so sehr kritisiert wie sie. Doch was wäre, wenn sich alle Theologen irren? Daniel Darling 81 Sag mal, ... Fragen an Rhode 82 Nachgedacht Rucksackglaube? – Jeanette Macchi

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Patricia Kelly: Krebs und der Marathon meines Lebens


{inhalt}

Lydia

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Die Verwandlung

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Apfelessig und Gebet

{lebensnah} 16 4 Mythen übers Single-Sein ... und was sie in unseren Köpfen anrichten – Lisa Harper 18 Nachgefragt Teenies und Sex – Annemarie Pfeifer 30 Du warst da – in mir – Hanna Hurst 40 Teenies sicher im Internet Sind virtuelle Aufpasser eine Entlastung für Eltern? – Ellen Nieswiodek-Martin 44 Apfelessig und Gebet – Kerstin Wendel 48 Unter uns Müttern Was Mama alles kann Saskia Barthelmeß 56 Papas Hände – Patricia Koch 58 Nachts um zwei Mein Vater, Alzheimer und der Gürtel der Liebe – Sue Moore 65 Mein Ehe-Experiment – Sefora Nelson

{service} 10 Für Sie gelesen 46 Schmunzeln mit LYDIA 52 Liebe Leser 61 LYDIA kreativ – Imke Johannson

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76 Gut informiert, Neu inspiriert

Teenies sicher im Internet

80 Leserbriefe 81 Impressum

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LYDIA

Titelgeschichte

perfekt Armani-Model Jennifer Strickland

„Sei perfekt!“ Lügen, die wir glauben

„Barbie! Barbie!“, rufen die Kinder mir zu. Sie strecken ihre kleinen Hände nach mir aus und wollen mich berühren. Einmal in ihrem Leben ist die „echte“ Barbie zum Greifen nah – voller Schönheit, Erfolg, Perfektion. Der Traum unzähliger Mädchen – eine Prinzessin – steht vor ihnen. Niemand ahnt, dass das Mädchen unter der Maske jede Nacht weint. Dass Albträume es plagen und seine Einsamkeit innerlich schreit, doch jede Stimme verloren hat.

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Stunden damit, das Make-up aufzutragen, um die dunklen Ringe unter meinen Augen zu verbergen. Meine knochigen Schultern versteckte er unter viel Tüll und meine dünnen Hühnerarme unter langen Satin-Handschuhen. Nun war ich die Puppe, mit der ich selbst als Kind gern gespielt hatte. Die Puppe mit den unmöglichen Kleidergrößen. Tadellos schön – jedenfalls äußerlich. Wie im Märchen? Fühlte ich mich wie im Märchen? Nein. In dieser menschlichen Puppe war eine Seele gefangen. Eine Seele, die sich danach sehnte, endlich aus dieser Hülle auszubrechen. Sie wollte das Künstliche

F O T O : N ATA S H A B R O W N P H O T O G R A P H Y

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atürlich bin ich nicht wirklich Barbie, sondern ein Model. Nur ein Kind würde das nicht merken. Meine Agentur hatte mich ins Gardaland nach Verona geschickt, weil ich hier mehr verdienen würde als in Paris. Es war Barbies Geburtstag, und ich war der Höhepunkt der Parade: blond, groß, schlank. Damien, mein italienischer Manager, war wütend. Er wollte mich auf Laufstegen in Paris sehen – nicht hier, zwischen tausenden Kindern. Ich fühlte mich wie eine Marionette, deren Fäden hin und her gezerrt wurden. Nun sollte aus dem Armani-Model eben Barbie werden. Der Make-up-Künstler verbrachte


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FOTO: PE TER GROSSLAUB


Heilung H He illun u g

DANIELA DAMICEVIC

Irgendwie hatte ich hG Gott ott aus au us den d Augen verloren. Doch dann erkrankte ich an Zu Zungenkrebs und XVTTUF/VSEVSDIFJO8VOEFSXÛSEFJDIXJFEFS vÜllig gesund werden ‌

E

s begann mit einer kleinen Wunde auf der Zunge, die nicht abheilen wollte. Erst machte ich mir nicht allzu viele Gedanken. Ich war beschäftigt, arbeitete viel, denn das Geld war bei uns knapp. Doch schlieĂ&#x;lich ging ich zum Arzt. Die Diagnose schockierte mich: Zungenkrebs. Ich sollte sofort operiert werden. Im Krankenhaus erinnerte ich mich an Gott, den ich bereits als Kind kennengelernt hatte. Meine Eltern hatten mich im christlichen Glauben erzogen und wir gingen regelmäĂ&#x;ig in die katholische Kirche. Doch im Laufe der Jahre wurden die Kirchbesuche seltener. Ich heiratete, bekam einen Sohn, dann eine Tochter. Mein Mann und ich konzentrierten uns darauf, fĂźr unseren Lebensunterhalt zu sorgen. Obwohl auch er aus einer christlichen Familie kam, sprachen wir wenig Ăźber Gott. In die Kirche gingen wir nur zu Weihnachten und zu Ostern. „Gib mir Kraft!“ Doch im Krankenhaus – kurz vor der Operation – dachte ich wieder an Gott und begann zu beten. Es war ein groĂ&#x;er Eingriff. Der Chirurg entfernte zwei Drittel meiner linken Zungenseite, 21 Lymphknoten und den linken Halsmuskel. Denn die Ă„rzte vermuteten, dass der Krebs sich bereits auf die LymphgefäĂ&#x;e ausgebreitet hatte. Als ich aufwachte, konnte ich weder sprechen noch meine Zunge bewegen. Mir kamen die Gebete in den Sinn, die ich als Kind gelernt hatte. Diese Gebete bewegte ich im Herzen und sprach auf diese Weise mit Gott. Ich war bereit, alles zu ertragen, was noch auf mich zukommen wĂźrde – Bestrahlung, Chemotherapie ‌ Nur bat ich Gott: „Gib mir Kraft. Und bitte

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lass mich zu meinen Kindern und meinem Mann zurĂźckkehren!“ Und tatsächlich: Der Befund war besser als gedacht und Ăźberraschte die Ă„rzte. Nur die Zunge war vom Krebs betroffen. Alle Lymphknoten waren krebsfrei! Daraufhin empfahlen len mir die Ă„rzte zwar Bestrahlung, aber Chemotherapie war nicht mehr notwendig. Also ging ich die folgenden vier Monate zur Bestrahlung. Während dieserr Zeit wohnte ich bei meiner Schwester. Meine Mutter pflegte mich. Ihre Wärme linderte inderte die Qualen und machte die Bestrahlungen hlungen erträglich. Einmal sagte ein Arzt: „Sie Sie sind zu schwach. Wahrscheinlich hält Ihre re Haut nicht bis zum Ende der Therapie durch.“ Wieder betete ich und die Prognose ose traf nicht zu. Ich hielt die Therapie bis is zum Ende durch. Trotz aller Zweifel Als Folge der Operation fehlten mir ir allerdings zwei Drittel der Zunge, und den verbleibenden Teil konnte ich nicht bewegen. wegen. Das fĂźhrte zu erheblichen Ausspracheprocheproo blemen. Am schwierigsten war fĂźr mich der Buchstabe „L“, da ich die Innenseite meiner Vorderzähne mit der Zunge nicht erreichen reichen konnte. Als ich wieder begann regelmäĂ&#x;ig in die Kirche zu gehen, konnte ich dort das „Halleluja“ kaum aussprechen. Eines Abends saĂ&#x;en wir noch in einer Frauenrunde zusammen. Da erzählte eine Frau von einem besonderen Gottesdienst, den ein Priester anbieten wĂźrde. Ein Heilungsgottesdienst. Sie fragte, ob ich sie dorthin begleiten wolle. Ich sagte zu. So verabredeten wir uns. Doch während der Fahrt kamen mir Zweifel: ‚Ist das nicht zu anstrengend fĂźr mich, unter so vielen

Menschen zu sein?‘, Ăźberlegte ich. ‚Was, wenn mir schlecht wird und ich meiner Begleiterin Unannehmlichkeiten mache?‘ Tatsächlich kam eine groĂ&#x;e Menschenmenge zu dem Gottesdienst. Den Priester sah und hĂśrte ich zum ersten Mal. In der Pause drängten sich viele Leute um ihn und baten um seinen Segen. Den Menschen, denen er am nächsten war, zeichnete der Priester das Kreuzzeichen auf die Stirn. PlĂśtzlich stand er neben mir, beugte sich zu mir herunter und berĂźhrte meine linke Wange. Genau an der Stelle, hinter der sich mein verwundbarster Punkt befand: die schmerzende Stelle auf der Zunge! Woher wusste er das? Nur Gott konnte ihn geleitet haben. Das „L“ in nH Halleluja alle al lelluja le luja Der Priester er gging weiter weiter, er,, wä w während h en hr nd ic ich ch reglos dastand. Ich h spĂźrte: spĂźr sp Ăź te: Etwas Etwa wass war war in mir erwacht. Jesus wolltee mir m r mitteilen: mi m tteiilen: mi „Ich habe dich gesehen in deinen en n SSchmerchmerzen und deiner Krankheit, Krankhe h it it,, undd ic ich h ha habe abe b dich gesegnet.“ Auf Auuf einmal einm ei nmal begann beggann n ich h zu weinen. Diee Tränen Trä räne nen n fl flos flossen osse sen n mirr Ăźbers Gesicht. Auch Aucch viele viel vi elee Stunden Stun St unde d n später sppäter noch. noc o h. Es war eeine inee ti in tiefe iefe effe geistliche geis ge istl tlic iche h Erneuerung. Ern r eu euer e ung. Mich Ăźberkam Ăźbe berk rkam am eein in G Gef GefĂźhl effĂźh Ăźhll de der Er Erleichterung und des dess Friedens. Fri F ried ri ied e en ens. s Währen nd der d r Priester de P ieester in der Pr de zweiten Hälff Während te ddes es G otte t sd sdie i nstes bete t te t und den HeiliGottesdienstes betete gen Geist anrief, ge anri an rief, durchstrĂśmte ein Kribbeln meinen KĂśrper. Ich war ruhig, fĂźhlte mich fast ein wenig verschlafen. Dann bemerkk te ich, dass ich mehr und mehr am Singen teilnehmen konnte Halleluja“ konnte. Als ich das „Halleluja“ sang, fiel mir auf, dass ich den Buchstaben „L“ besser aussprechen konnte. „Etwas Besonderes ist passiert“, sagte ich zu meiner Freundin, als wir gingen. Ich kehrte nach Hause zurĂźck in dem Glauben, dass meine kĂśrperliche und geistliche Gesundheit in Gottes Hand lag. „Komm, streck die Zunge raus!“ Am nächsten Tag betete ich zu Gott in einer Weise wie noch nie zuvor: Ich dankte ihm fĂźr all seine Gnade am Vortag. Fortsetzung auf Seite 35


FOTO: SHUT TERSTOCK

h u r r t e b m Wundersa

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Zeitschrift Lydia - 3/2012  

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