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Gottes

Geschichte mit dir

10 Versprechen, die dein Leben ver채ndern

Max Lucado


Inhalt Einführung Wenn Gottes Geschichte zu Ihrer Geschichte wird …  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Versprechen Nr. 1 … wird auch das Gewöhnliche wichtig . . . . . . . . . . 19 Versprechen Nr. 2 … ahnen Sie vielleicht den nächsten Schachzug des Teufels  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Versprechen Nr. 3 … finden Sie Ihr wahres Zuhause . . . . . . . . . . . . . . . 47 Versprechen Nr. 4 … hören Sie eine Stimme, der Sie vertrauen können . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59


Versprechen Nr. 5 … wird Gott Sie nie verlassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75 Versprechen Nr. 6 … wird Ihr letztes Kapitel zum Vorwort . . . . . . . . . 89 Versprechen Nr. 7 … bekommen Sie überströmende Kraft  . . . . . . . . . 103 Versprechen Nr. 8 … öffnet Gott die richtigen Türen . . . . . . . . . . . . . . 117 Versprechen Nr. 9 … dienen alle Dinge zum Guten  . . . . . . . . . . . . . . . 131 Versprechen Nr. 10 … wird Gott Sie abholen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 Schlussbemerkungen … werden Sie einen Abschluss machen . . . . . . . . . . 163 Anregungen zum Nachdenken . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 Danksagung  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209


Versprechen Nr. 1

… wird auch das Gewöhnliche wichtig


Ein winziger Josef huscht durch die Kirche. Er trägt Sandalen, einen Umhang und versucht, so gut es geht, ein besorgtes Gesicht zu machen. Er klopft an die Tür, die sein Vater für das Krippenspiel der Kinder gebastelt hat, und tritt dann von einem Fuß auf den anderen – teils, weil er einen nervösen Eindruck machen soll, doch mehr noch, weil er wirklich nervös ist. Der Gastwirt öffnet. Auch er trägt einen Jutesack als Umhang und ein Handtuch als Turban. Sein falscher Bart wird mit einem Gummiband in seinem Gesicht gehalten. Er schaut Josef an und unterdrückt ein Kichern. Vor ein paar Stunden noch hatten die beiden Jungen einen Schneemann im Vorgarten gebaut. Ihre Mütter hatten sie zweimal ermahnt, sich für den Gottesdienst an Heiligabend umzuziehen. Hier stehen sie nun. Der Gastwirt verschränkt die Arme. Josef gestikuliert mit seinen. Er erzählt von der Reise – dass sie fünf Tage mit dem Esel auf schmutzi20


gen Straßen von Nazareth hierher unterwegs waren; er erwähnt die Volkszählung in Bethlehem. Am meisten aber spricht er von seiner Frau. Er dreht sich um und weist auf ein neunjähriges Mädchen, das ein Kissen unter den Umhang gestopft hat. Sie tapst in die Mitte der Bühne, während sie eine Hand auf ihr Kreuz gelegt hat und sich mit der anderen über die Stirn wischt. Sie schleppt sich vorwärts, um, so gut sie kann, die Mühsal der Schwangeren darzustellen, doch wenn man mal nachhaken würde, hätte sie keine Ahnung, wie man Kinder zur Welt bringt. Sie spielt die Rolle etwas überzogen. Stöhn, seufz. „Josef, ich brauch Hilfe!“ Die Menge schmunzelt. Josef sieht den Gastwirt an. Der Gastwirt sieht Maria an. Wir alle wissen, was danach passiert. Josef bittet flehentlich. Der Gastwirt schüttelt den Kopf. Sein Hotel ist voll. Die Gäste haben jeden Winkel besetzt. Es gibt keinen Raum in der Herberge. Ich denke, jetzt wäre etwas künstlerische Freiheit angebracht. Statt zur nächsten Szene zu springen, könnte Josef seinen Fall ausführlicher vortragen: „Lieber Herbergsvater, denken Sie noch einmal über Ihre Entscheidung nach. Wissen Sie, wen Sie hier abweisen? In dieser jungen Frau befindet sich Gott! Sie verschließen die 21


Tür vor dem König des Universums. Überlegen Sie es sich noch einmal. Wollen Sie sich wirklich als die Person ein Denkmal setzen, die das Kind des Himmels in die Kälte hinauswies?“ Und lassen wir den Wirt antworten: „Ich habe Ihre dringliche Bitte um ein Zimmer gehört. Aber Gott in einem Mädchen!? In diesem Mädchen? Um Himmels willen, sie hat ja noch Pickel und geschwollene Knöchel! Sieht für mich nicht wie die Mutter eines Gottes aus. Und Sie sehen auch nicht gerade nach etwas Besonderem aus … äh … wie war Ihr Name noch mal? Ach ja, Jo. Mensch, Kumpel, von Kopf bis Fuß mit Straßenstaub bedeckt. Erzählen Sie Ihre Geschichte woanders. Ich falle nicht drauf rein. Schlafen Sie in der Scheune, wenn’s sein muss.“ Der Wirt wendet sich schnaufend ab. Josef und Maria verlassen die Bühne. Der Chor singt „Zu Bethlehem geboren“, während die Bühnenhelfer einen Haufen Heu, einen Futtertrog und ein paar Plastikschafe aufbauen. Die Zuschauer lächeln und singen aus voller Kehle mit. Sie lieben das Lied, die Kinder und die Geschichte. Aber am meisten halten sie sich an der Hoffnung fest – der Hoffnung, die dieses besondere Weihnachtsfest schenkt: dass Gott in der Alltäglichkeit unserer Welt gegenwärtig ist. Die Geschichte strotzt vor Normalität. Es handelt 22


sich nicht um Königin Maria oder König Josef. Das Paar zieht nicht mit Kamelen, Sklaven, wehenden Purpur-Fahnen und Tänzern in Bethlehem ein. Maria und Josef sind weder von der Steuer befreit, noch haben sie politische Beziehungen. Sie sind so einflussreich wie Wanderarbeiter und ihr Nettowert entspricht dem eines Geringverdieners. Kein Thema für eine ARD-Doku. Aber auch keine Kandidaten für die Fürsorge. Ihr Leben ist zwar hart, aber Maria und Josef sind nicht Not leidend. Josef kann immerhin Steuern zahlen. Man kann die beiden in die große, gesichtslose Masse zwischen Adel und Bettlern einreihen. Sie sind, anders ausgedrückt, ziemlich normal. Normal bedeutet Schwielen wie Josef und Schwangerschaftsstreifen wie Maria zu haben. Normal heißt, abends spät noch die Wäsche zu machen und früh zur Arbeit aufzustehen. Normal bedeutet, in Morgenmantel und Hausschuhen die Kinder zur Schule zu fahren. Normal wie Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller, nicht wie Prinzen und Prinzessinnen. Otto singt schief. Lieschen arbeitet in einem Großraumbüro und muss sich bemühen, Zeit zum Beten zu finden. Beide waren schon mal an Josefs Stelle und hörten, was Maria hörte. Nicht vom Wirt in Bethlehem, aber vom Trainer in der Schule oder von dem 23


Traumtypen in der Oberstufe oder vom Meister im ­Betrieb. „Wir haben keinen Platz für dich … keine Zeit für dich … keinen Raum für dich … keine Arbeit … kein Interesse. Nebenbei bemerkt, schau dich doch mal an: Du bist zu langsam … dick … unerfahren … spät … jung … alt … plattfüßig … schieläugig … verbraucht. Du bist zu … gewöhnlich.“ Doch dann beginnt die Weihnachtsgeschichte: Otto und Lieschen aus Normalohausen stapfen mitten in der Nacht ins durchschnittliche Bethlehem. Niemand bemerkt sie. Niemand schaut zweimal in ihre Richtung. Der Gastwirt räumt nicht einmal eine Ecke auf dem Dachboden frei. Es erschallen keine Trompeten, es läuten keine Glocken, und die Engel streuen kein Konfetti. Und sind wir letztendlich nicht froh darüber? Was wäre, wenn Josef und Maria in Pelz mit Chauffeur, mit Klunkern übersät und VIP-Gehabe aufgetreten wären? Und was wäre, wenn Gott Bethlehem wie Hollywood bei der Oscar-Verleihung rausgeputzt hätte: mit rotem Teppich, Blinklichtern und Engeln, die das königliche Paar interviewen? „Maria, Maria, Sie sehen einfach göttlich aus!“ Wäre Jesus mit solch einem Rummel auf die Welt gekommen, hätten wir die Geschichte gelesen und gedacht: Meine Güte, sieh mal an, wie Jesus in deren Welt gekommen ist. 24


Da er jedoch so nicht auftrat, können wir die Geschichte lesen und träumen: Wurde Jesus vielleicht in meine Welt geboren? In meine alltägliche Welt? Ist das nicht die Welt, in der Sie wohnen? Keine Urlaubs- oder Feiertagswelt. Nein, Sie leben ein alltägliches Leben. Sie müssen Rechnungen bezahlen, Betten machen und Rasen mähen. Ihr Gesicht ziert nicht die Titelseiten irgendwelcher Zeitschriften, und Sie erwarten keinen Anruf aus dem Weißen Haus. Herzlichen Glückwunsch! Sie sind für eine moderne Weihnachtsgeschichte geeignet. Gott kommt in diese Welt durch Menschen wie Sie, und er kommt an Tagen wie heute. Die Pracht der ersten Weihnacht liegt im Mangel daran. Treten Sie in den Stall und wiegen Sie das Jesuskind in Ihren Armen – es ist noch feucht vom Mutterleib und frisch in Tücher gewickelt. Streicheln Sie mit Ihrem Finger über die Pausbacken, und hören Sie, wie jemand, der Jesus gut kannte, das Ereignis in Worte gefasst hat: Am Anfang war das Wort (Johannes 1,1). Die Worte „am Anfang“ bringen uns zurück zum Anfang. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1,1). Das Baby, das Maria in den Armen hielt, war mit dem Anbeginn der Zeit verbunden. Es sah den 25


ersten Sonnenstrahl und hörte das erste Brechen der Wellen. Das Baby wurde geboren, aber das Wort nicht. „Jesus Christus, durch den alles geschaffen wurde“ (1. Korinther 8,6). Nicht von ihm, aber durch ihn. Jesus hat die Welt nicht aus vorgefundenem Rohmaterial gestaltet, sondern alle Dinge aus dem Nichts geschaffen. Jesus: Das Wort, von dem wir im 1. Buch Mose lesen, „war als Erster vor Beginn der Schöpfung da“ (Kolosser 1,15). „Und wir haben auch nur einen Herrn, Jesus Christus, durch den alles geschaffen wurde. Durch ihn sind wir zu neuen Menschen geworden“ (1. Korinther 8,6). Und dann tat Gott etwas, das sich kein Theologe ausdenken konnte und kein Rabbi zu träumen wagte: „Das Wort wurde Fleisch“ (Johannes 1,14). Der Künstler wurde zur Ölfarbe auf seiner eigenen Farbpalette. Der Töpfer schmolz zum Ton seiner eigenen Töpferscheibe. Gott wurde ein Embryo im Bauch eines Dorfmädchens. Christus in Maria. Gott in Christus. Verblüffend, dieser Gedanke des Himmels-Fötus, der im Mutterleib schwimmt. Josef und Maria hatten nicht die Annehmlichkeiten von heute, wie zum Beispiel Ultraschall. Als meine Frau Denalyn mit unseren drei Töchtern schwanger war, haben wir jedes Mal diese moderne Technik ausgiebig genutzt. Das SchwarzWeiß-Bild auf dem Bildschirm sah einer Dopplerso­ 26


nografie ähnlicher als einem Kind. Aber mithilfe des Arztes waren wir in der Lage, die Arme und Hände … die gepiercte Nase und das Abschlussball-Kleid … Halt, ich verwechsle die Fotos. Während der Arzt mit dem Gerät über Denalyns Bauch fuhr, listete er auf: „Da ist der Kopf, die Füße, der Rumpf … nun, es sieht alles normal aus.“ Marias Arzt hätte dasselbe gesagt. Jesus war ein gewöhnliches Baby. Nichts in der Geschichte weist da­rauf hin, dass er über der Krippe schwebte oder schon kurz nach der Geburt aus dem Stall lief. Im Gegenteil: Er „ward Fleisch und wohnte unter uns“ (Johannes 1,14; Luther). Das Wort, das Johannes für „wohnte“ ver­ wendet, hat seinen Ursprung in skänäma, was soviel bedeutet wie „Zelt“. Jesus hat sich also von seiner Schöpfung nicht abgesondert. Er schlug sein Zelt in der Nachbarschaft auf. Das Wort Gottes trat mit dem Schrei eines Babys in diese Welt. Seine Familie hatte weder Kohle, noch konnte sie Beziehungen spielen lassen. Jesus, der Schöpfer des Universums, derjenige, der die Zeit erfand und den Atem schuf, wurde in eine Familie hi­ neingeboren, die zu einfach war, um ein Bett für eine werdende Mutter aufzutreiben.

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Gott schreibt seine Geschichte mit Menschen wie Josef und Maria … und Sam Stone. In den Wochen vor dem Weihnachtsfest im Jahr 1933 war in der Lokalzeitung von Canton, Ohio, ein merkwürdiges Angebot abgedruckt. „Ein Mann, der selbst den Stachel der Wirtschaftskrise fühlt, will 75 armen Familien helfen.“ Ein Mr B. Virdot versprach, einen Scheck an die Bedürftigsten der Gemeinde zu schicken. Sie mussten lediglich ihre Notlage in einem Brief beschreiben und ihn postlagernd an das Postamt in Canton senden. Die Wirtschaftskrise hatte arbeitslose Väter hervorgebracht, Häuser ohne Heizung, Kinder mit geflickter Kleidung und eine ganze Nation, die, wie es schien, keine Hoffnung mehr hatte. Die Bittbriefe strömten nur so herbei. „Es widerstrebt mir, diesen Brief zu schreiben … Es kommt mir zu sehr wie Betteln vor … Mein Mann weiß nicht, dass ich dies schreibe … Er arbeitet, verdient aber kaum genug, um seine Familie zu ernähren.“ „Mr Virdot, wir sind in einer verzweifelten Lage … Keiner weiß das, außer denen, die dasselbe durchmachen.“ 28


Alle in Canton wussten von Mr Virdots Angebot. Merkwürdigerweise kannte jedoch kein Mensch Mr Virdot. Das Einwohnermeldeamt mit seinen 105.000 registrierten Einwohnern hatte keinen solchen Namen vermerkt. Die Menschen fragten sich, ob Mr Virdot überhaupt existierte. Doch innerhalb einer Woche trafen die Schecks in den Häusern der ganzen Umgebung ein. Die Höhe der meisten war bescheiden, etwa fünf Dollar.5 Alle waren mit „B. Virdot“ unterschrieben. Viele Jahre lang erzählten sich die Menschen diese Geschichte immer wieder, aber wer dieser Mann war, fand man nie heraus. 2008 – lange nach seinem Tod – öffnete ein junger Mann einen staubigen, abgenutzten schwarzen Koffer auf dem Dachboden seiner Eltern. Darin fand er die Briefe – alle datiert auf Dezember 1933 – sowie 150 eingelöste Schecks. Mr B. Virdot war Samuel J. Stone. Sein Pseudonym war eine Kombination aus Barbara, Virginia und Dorothy, den Namen seiner drei Töchter.6 Sam Stone war niemand Besonderes. Wenn überhaupt, dann war seine Kindheit eher durch Heraus­ forderungen überschattet. Er war 15, als er mit seiner Familie aus Rumänien emigrierte, die sich dann in ­einem Armenviertel in Pittsburgh niederließ. Sein ­Vater versteckte Sams Schuhe, damit er nicht zur Schule ­gehen konnte, und zwang ihn und seine sechs 29


­Geschwister stattdessen, auf dem Dachboden Zigarren zu drehen. Dennoch kämpfte Sam Stone sich irgendwie durch. Er verließ sein Elternhaus und arbeitete erst auf einem Frachtkahn, dann in einem Kohlebergwerk. Als die Große Depression einsetzte, besaß er eine kleine Kette von Bekleidungsgeschäften und lebte einigermaßen gut situiert. Er war weder wohlhabend noch arm, aber er wollte helfen. Ein gewöhnlicher Mann. Ein gewöhnlicher Ort. Aber eine außergewöhnliche Haltung, eine außergewöhnliche Barmherzigkeit. Und in Gottes Geschichte wird auch das Gewöhnliche wichtig.

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Versprechen Nr. 2

… ahnen Sie vielleicht den nächsten Schachzug des Teufels


Wenn ich der Teufel wäre, wäre ich ziemlich verärgert. Verärgert darüber, dass Sie ein christliches Buch lesen, fromme Gedanken denken, vom Himmel träumen und ähnliches Zeugs. Wie kannst du es wagen, über Gottes Geschichte nach­ zudenken! Was ist mit meiner Geschichte? Ich hatte doch ein Auge auf dich geworfen … und Pläne für dich. Das würde ich denken. Wenn ich der Teufel wäre, würde ich jetzt aktiv werden. Ich würde meine Gefolgsleute und Dämonen zu einer Strategiesitzung zusammentrommeln und ihnen Ihr Foto sowie Ihre Adresse geben. Ich würde der Reihe nach Ihre Schwächen aufzählen. Denke bloß nicht, mir wäre all das nicht bekannt. Ich weiß, dass du es liebst, wenn andere zu dir aufsehen, und es hasst, Fehler zu ma­ chen. Dass es dich auf Friedhöfen gruselt und dir im Dunkeln Schauer über den Rücken laufen. Ich würde meine Mitarbeiter auf den neuesten 32


Stand bringen, was meine früheren Erfolge angeht. Und hatte ich nicht auch eine ganze Reihe davon? Erin­ nerst du dich an deine immer wieder aufkommenden Zweifel? Es fehlte nicht viel, und ich hätte dich davon überzeugt, dass die Bibel ein Witz ist. Du und dein soge­ nannter Glaube an Gottes Wort. Ich würde mir heimlich einen Weg über Ihre Gedanken bahnen. Keine Frontalangriffe. Zauberei und Hexenkunst funktionieren bei Leuten wie Ihnen nicht. Nein. Wenn ich der Teufel wäre, würde ich Sie mit Fragen aus dem Konzept bringen: Wie kannst du wissen, ich meine, wirklich wissen, dass Jesus von den Toten auf­ erstanden ist? Bist du sicher, dass du dem Evangelium wirklich glaubst? Ist absolute Wahrheit nicht Schnee von gestern? Du, ein Kind Gottes? Ich bitte dich. Ich bringe Sie vielleicht in eine meiner Kirchen. Eine meiner „Fühle-dich-gut-du-bist-gut-alles-ist-gut-Kirchen“. Ein bisschen Hollywood, ein bisschen aufbauender Zuspruch; Glamour, Licht und Liebe. Aber keine Predigten über Jesus. Keine Erwähnung von Sünde, Hölle und Vergebung. Ich würde Sie mit Versprechen über Gehaltserhöhungen und neuen Autos überschütten. Doch dann wiederum sind Sie etwas zu klug für so eine Vorgehensweise. Es wäre wohl besser, Sie abzulenken. Ich hasse es, wenn du dich mit geistlichen Dingen beschäftigst. Wenn 33


du oder jemand wie du beliebig lange auf Gott schaust, beginnst du, wie er zu handeln. Eine widerliche Form von Gerechtigkeit und Tugend erfüllt dich dann, und du redest nicht nur einmal die Woche mit Gott, sondern an­ dauernd. Das ist ja eklig! Also lauere ich hinter jeder Ecke auf Sie und hasche nach Aufmerksamkeit. Ich überflute Sie mit E-Mails und To-do-Listen, locke Sie mit Shoppingtouren, neuen Trends und dem angesagtesten Stil. Überschütte Sie mit Aufgaben und Abgabeterminen. Wenn ich der Teufel wäre, würde ich Sie so mit Besitz und Problemen belasten, dass Ihnen keine Zeit zum Bibellesen bleibt. Gerade die Geschichte von Jesus in der Wüste … Dieser Tag war ein echtes Desaster! Je­ sus hat mich kleingekriegt. Kaltgestellt. Zielsicher über meinen Kopf hinweg ein Tor erzielt. Er hat meinen besten Aufschlag einfach perfekt übers Netz zurückgebracht – sodass ich nicht mal mehr drankam. Ich hatte keine Schnitte gegen ihn. Wenn ich jetzt zurückblicke, wird mir klar, was er tat: Er machte eine wichtige Ansage. Er woll­ te, dass die ganze Welt wusste, wer im Universum das Sa­ gen hat. Wenn ich der Teufel wäre, würde ich nicht wollen, dass Sie etwas über diese Begegnung lesen. Deshalb lassen Sie es uns allein aus diesem Grund tun:

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