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Ken Davis

Barfuß im Dschungel Überlebenstraining für Teens in einer Welt voller Bananenschalen und Schlingpflanzen


Über den Autor Ken Davis ist ein beliebter amerikanischer Komiker, Seminarleiter und Redner. Seine Workshops und Auftritte werden auch gerne von großen US-Konzernen wie Kellogg Corporation, Time Warner und Pentax gebucht. Seine große Stärke liegt in seiner witzigen, ehrlichen und glasklaren Art der Kommunikation, deren Geheimnisse er in seinen Büchern offenlegt.


Ken Davis

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Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100 Das FSC-zertifizierte Papier München Super für dieses Buch liefert Mochenwangen.

Die amerikanische Originalausgabe erschien im Verlag Zondervan Publishing House unter dem Titel „I don’t remember dropping the skunk, but I do remember trying to breathe“. © 1990 by Ken Davis © der deutschen Ausgabe 1997 Verlag Klaus Gerth, Asslar, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München Aus dem Amerikanischen übersetzt von Karoline Furch. 1. Sonderauflage 2010 Best.-Nr. 816 517 ISBN 978-3-86591-517-7 Umschlaggestaltung: Immanuel Grapentin Umschlagillustration: Rand Kruback Satz: Mirjam Kocherscheidt, Gerth Medien GmbH Druck und Verarbeitung: CPI Moravia


Inhalt Wer bin ich eigentlich, und wenn ja, wie oft?

. . .

7

Ich schau dir in die Augen, Kleines ... . . . . . . .

26

Wissen, was du glaubst

. . . . . . . . . . . . . .

39

Familienfeste und andere Schwierigkeiten . . . . .

56

Die Sache mit der Liebe

. . . . . . . . . . . . .

71

Aber die anderen tun’s doch auch ... . . . . . . . .

94

Das liebe Geld . . . . . . . . . . . . . . . . . .

108

Was du schon immer über Sex wissen wolltest . . .

126

Wie wird man bloß eine Persönlichkeit? . . . . . .

147

Kopfsprung in die Zukunft . . . . . . . . . . . .

164

Mit Gott in einem Boot

. . . . . . . . . . . . .

184

Um Gottes Willen! . . . . . . . . . . . . . . . .

197


Wer bin ich eigentlich, und wenn ja, wie oft? Ich weiß ganz genau, dass Gott Wunder tun kann. 1964 habe ich nämlich ein ausgewachsenes Wunder erlebt: Ich schaffte meinen Highschool-Abschluss. Als ich aufstand und nach vorn ging, um mein Abschlusszeugnis entgegenzunehmen, saßen bereits fünfundzwanzig meiner Klassenkameraden auf der Bühne. Keiner von ihnen war wirklich mein Freund. Manche der Jungs hatten sogar das Vergnügen gehabt, mich in den vergangenen vier Jahren das eine oder andere Mal zu verprügeln, und ich war niemals mit einem der Mädchen ausgegangen. Ich fühlte mich nicht besonders wichtig, und ganz bestimmt fühlte ich mich nicht liebenswert. Für mich war dieses Abschlusszeugnis in meinen Händen der Gipfelpunkt der schwierigsten Zeit meines Lebens. Ich wog nur etwa fünfzig Kilo, und ich hatte eine Knochenerkrankung, die eine leichte Verkrümmung meiner beiden Arme zur Folge hatte. Es war keine schwerwiegende Behinderung, aber ich war dünn und unkoordiniert genug, um im Sport total zu versagen. Ich fühlte mich ziemlich überflüssig. Ich hatte viel Zeit damit zugebracht zu versuchen, jemand zu sein, der ich nicht war ... weil ich nämlich keine Ahnung hatte, wer ich wirklich sein könnte. Doch in den letzten beiden Jahren auf der Highschool passierte etwas, das mein Leben später für immer verändern sollte. Mein Englischlehrer und ein paar Leutchen von Jugend für Christus halfen mir dabei, mein wahres Ich zu 7


entdecken. Diese Leute haben wirklich eine unglaubliche Veränderung in mir bewirkt. Wäre mir das doch bloß schon früher passiert! Na ja, vielleicht kann es ja wenigstens für dich früher passieren. Das ist der Grund, weshalb ich dieses Kapitel geschrieben habe: Ich möchte dir helfen, herauszufinden, wer du eigentlich bist, und dann mit dir gemeinsam die holprige Straße in Angriff nehmen, die dazu führt, diesen Jemand zu mögen.

Kennst du dich? Ich wollte immer ein toller Athlet sein. Als ich noch klein war, war mein Held natürlich der ultimative Athlet: Superman. Eines Tages klaute ich eine rote Unterhose von meiner Schwester (bitte erzähl das niemals Superman!), zog ein blaues T-Shirt über und knotete mir ein geblümtes Tischtuch als Cape um den Hals. Als ich dann so vor dem Spiegel stand und der Standventilator beeindruckend viel „Fahrtwind“ in das Tischtuch blies, wusste ich plötzlich, wozu ich berufen war: Superman hatte sich seit Jahren nicht mehr blicken lassen – ich war derjenige, der den Kampf für das Gute, die Gerechtigkeit und den American Way of Life weiterführen würde! Was machte es schon, dass ich selbst in klatschnassen Klamotten bloß fünfzig Pfund wog oder dass meine Armknochen verkrümmt waren? Das war der Clark-Kent-Teil von mir. Mein wahres Ich stand da vor dem Spiegel, bereit, den Schlägertypen der Schule entgegenzutreten und die Baseballmannschaft zu lehren, dass sie mich besser in ihre Reihen aufgenommen hätten. 8


Weil ich noch neu im Superman-Geschäft war, ging ich die Sache mit dem Fliegen ein wenig zu unvorsichtig an: Ich kletterte auf den Kleiderschrank und sprang mit wehendem Tischtuch hinunter. Noch heute habe ich eine hübsche Narbe zwischen den Augen, an der Stelle, wo ich auf den Metallrahmen meines Bettes aufgeschlagen war. Nachdem die Blutung nachgelassen hatte, beschloss ich, jemand anderen Superman sein zu lassen. Stattdessen wollte ich die dünnste Sportskanone der Welt werden. Es wurde natürlich ein totaler Reinfall. Wusstest du eigentlich schon, dass man einen Eishockey-Puck in voller Fahrt mit dem Mund auffangen kann? Ich habe das herausgefunden, als man mich dazu verdonnerte, Torwart zu spielen, weil ich zum Schlittschuhlaufen zu blöd war. Meine Oberlippe sah danach eine Woche lang wie eine überreife Zucchini aus. Jeder Versuch, eine neue Sportart auszuprobieren, endete in Peinlichkeit und Misserfolg. Beim Skifahren rutschte ich in der Warteschlange vor dem Skilift aus und fiel hin. Dummerweise löste das eine Kettenreaktion in den hinter mir wartenden Leuten aus, und etwa fünfzig Personen fielen ebenfalls um wie Dominosteine. Und keiner von ihnen sah besonders glücklich dabei aus. Später an diesem Tag wurde mir sehr deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass man auch das Anhalten beherrscht, wenn man einen Zweitausender herunterbrettern will ... Bei einer anderen Gelegenheit versuchte ich mich im Wasserskifahren. Leider vergaß ich, das Seil loszulassen, als ich stürzte, und so wurde ich wie ein riesiger Fischköder durchs Wasser gezogen. Dabei kam mir peinlicherweise 9


meine Badehose abhanden. Meine Freunde konnten gar nicht verstehen, warum ich partout nicht zu ihnen ins Boot steigen wollte ... Natürlich sind das alles kleine Pannen, die jedem hätten passieren können, und ich hätte die jeweilige Sportart trotzdem mit Spaß weiterbetreiben können. Aber ich nahm diese ganze Sportsache bitterernst. Wenn ich kein Supersportler sein konnte, wollte ich gar nichts sein. Der Gedanke kam mir gar nicht, dass es vielleicht auch in Ordnung sein könnte, einfach nur ich zu sein. Aber dann kam meine Rettung: Mein Englischlehrer fand, dass ich großes Talent auf dem Gebiet der Rhetorik hätte (Rhetorik ist die Redekunst). „Rhetorik?“, jaulte ich. „Das soll wohl ein Witz sein! Alle meine Freunde laufen mit tollen Sportabzeichen und Mannschaftstrikots herum. Soll ich mir vielleicht einen Satz Lippen ans Revers stecken?“ Glücklicherweise gab mein Lehrer nicht so schnell auf. Ich begann mich also tatsächlich auf dem Gebiet der Rhetorik weiterzubilden ... und stellte bald fest, dass mir das richtig Spaß machte. Vielleicht, begann ich zu denken, ganz vielleicht hat Gott mich ja einfach ein bisschen anders geschaffen als die anderen ... und vielleicht ist es gar nicht mal so schlecht, anders zu sein? Ich war nun mal einfach nicht dazu geschaffen, das Tor des Jahres zu schießen oder Häuser zu überspringen. Gott gibt Torhütern große Hände, Läufern lange Beine und Filmstars schöne Gesichter. Mir hat er gute Lippen gegeben. Jetzt, nach all den Jahren, trage ich tatsächlich manchmal eine Krawattennadel, die aus einem hübschen Paar Lippen besteht. 10


Warum um jeden Preis eine Ente sein? Das Märchen vom hässlichen Entlein ist eine meiner Lieblingsgeschichten. Falls tatsächlich jemand diese Story noch nicht kennen sollte, hier die Kurzversion: Ein junger Schwan wird in eine Entenfamilie hineingeboren (oder heißt das hineingebrütet?), und er verbringt die erste Zeit seines Lebens damit, fast zu verzweifeln, weil er sich so hässlich findet. Er sieht nicht so aus wie die anderen Entchen, und er klingt auch nicht so wie sie. Am Ende stellt er dann fest, dass er in Wirklichkeit ein wunderschöner Schwan ist, und von da an muss er nicht mehr versuchen, eine Ente darzustellen, die er nun mal nicht ist. Ich kenne eine Menge unglückliche Kids, die verzweifelt versuchen, Enten zu sein, obwohl sie in Wirklichkeit Schwäne oder Adler oder Falken sind. Was für ein Vogel bist du? Der erste Schritt auf dem Weg zu deinem wahren Ich ist herauszufinden, wer oder was du ganz sicher nicht bist. Wenn du dich das nächste Mal mit deinen Freunden triffst, sieh sie dir genau an. Keiner von diesen Leutchen bist du, und du wirst es auch nie sein. Vielleicht hast du ein paar ihrer Eigenschaften, und vielleicht siehst du auch einem von ihnen ähnlich, aber du wirst nie genau so sein wie sie, denn du wirst nie jemand anders als du selbst sein. Jeder Versuch in diese Richtung wäre eine traurige Zeitverschwendung. So wie jede Schneeflocke einmalig ist, bist du es auch. Bevor die Grundfesten der Erde errichtet wurden, hatte Gott schon dein Bild an seiner Schlafzimmerwand hängen. Du bist wunderbar erschaffen, und du bist der einzige Mensch auf der Welt, der so ist wie du. In Psalm 139 beschreibt David das so: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin (...). Deine Augen 11


sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war“ (Vers 14 und 16). Und Paulus bekräftigt diese Sicht im Brief an die Epheser: „Er liebte uns schon, bevor er die Welt schuf“ (Kap.1, Vers 4). Warum verbringen wir eigentlich bei solchen Aussichten so viel Zeit damit, uns mit anderen zu vergleichen? „Ich wünschte, ich hätte ihre Figur.“ „Ach, hätte ich doch bloß sein Talent!“ „Wenn ich so intelligent wie sie wäre ...“ Und so weiter und so weiter. Ist es vielleicht, dass wir denken, anders zu sein wäre uncool? Irgendwie will doch jeder so sein wie die anderen. Wir tragen alle die Art von Klamotten, die gerade „in“ sind, tragen die angesagten Frisuren und benutzen sogar dieselben „hippen“ Ausdrücke. Und Leute, die sich nicht anpassen, werden ausgeschlossen. Es ist ganz schön hart herauszufinden, wer man wirklich ist, wenn man in einer Kultur lebt, die so viel Wert auf Anpassung legt. Die Medien, die Werbung und die „Macher“ sagen uns, wie eine Ente heutzutage auszusehen hat, und dann versuchen alle, eine solche Ente zu sein. Wie stark lassen wir uns in dieses Spielchen hineinziehen? Das wurde mir sehr deutlich vor Augen geführt, als ich Bill kennenlernte. Die linke Seite seines Kopfes war völlig kahl geschoren, und auf der rechten trug er das Haar schulterlang. In der Mitte dazwischen stand ein steifer Mohikaner-Kamm senkrecht nach oben. Als ich ihn auf seine einmalige Frisur ansprach, erzählte mir Bill stolz, wie er seine Haare jeden Tag in Form brachte und was für einen unglaublichen Aufwand er betreiben 12


Heute w端rde ich gern einfach mal ich selbst sein.

Aber wer bin ich eigentlich?


musste, damit sie genau so lagen, wie er es wollte. Dann erklärte er mir groß und breit, dass seine Frisur ein Ausdruck seiner Individualität, seiner Unangepasstheit und seiner Unabhängigkeit wäre. Ich fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, eines Tages wieder eine eher konservative Frisur zu tragen. Seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Nein, das würde er niemals tun, weil alle Leute in seiner Clique ihre Haare so trügen, wie er das im Moment tat. Siehst du die Ironie in dieser Aussage? In seinem Bemühen, er selbst zu sein, hatte Bill bloß die Gruppe von Leuten gewechselt, denen er sich anzupassen versuchte. Ich fragte mich, wer wohl der wahre Bill war und was für eine Haartracht er mögen würde, wenn er wirklich in der Lage wäre, frei zu entscheiden. Bills Geschichte ist kein Einzelfall; unglaublich viele Leute verleugnen ihr wahres Ich, um „hineinzupassen“. Intelligente junge Frauen geben vor, Dummerchen zu sein, weil sie meinen, das würde von ihnen erwartet. Kreative junge Männer unterdrücken ihre Sensibilität, weil das als unmännlich gilt. Du wirst nie dein wahres Ich entdecken, solange du dich mit den Leuten in deiner Umgebung vergleichst. Gott hat uns Menschen nicht im Sammelpack angefertigt. Er hat dir seine volle Aufmerksamkeit und seine ganze Kreativität gewidmet. Die Frage kann nicht sein: „Was erwarten meine Freunde von mir?“, sondern: „Wie hat Gott sich das mit mir gedacht?“ Stell dich vor einen Spiegel und schau dich mal richtig an. Schau dir die Farbe deiner Haare und die einmalige Tönung deiner Haut an. Dieses wunderbare, absolut einmalige Gesicht. Betrachte jedes Detail an dir. Dann schau dir gerade 14


in die Augen und sag laut: „Hallo, ich!“ (Ein Tipp: Schließ am besten die Badezimmertür zu, bevor du das tust. Es wäre doch sehr entmutigend, wenn du von den Männern im weißen Kittel abgeholt werden würdest, wo du doch gerade angefangen hast, dich selbst ein kleines bisschen zu mögen.) Ob dir wohl alles gefällt, was du da siehst? Vermutlich nicht. Aber das ist ganz in Ordnung so. Im Moment geht es nur darum zu kapieren, dass das Ich dort im Spiegel du bist.Vielleicht findest du, dass du ein paar Pfund abnehmen, etwas gegen deine Pickel unternehmen oder deine Haare anders tragen könntest. Aber im Großen und Ganzen ist das das Material, mit dem du für den Rest deines Lebens arbeiten musst. Wenn du dich an diesen Gedanken gewöhnt hast, bist du auf dem besten Weg, die Person zu werden, als die Gott dich geschaffen hat.

Bitte Gott um Hilfe Der zweite Schritt auf dem Weg zu deinem wahren Ich ist es, Gott, deinen Schöpfer, um seine Hilfe zu bitten. „Meinen Schöpfer?“, kreischst du empört. „Der ist doch schließlich daran schuld, dass ich so bin!“ Das Gefühl kenne ich. Meine Mama hat mich gezwungen, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Selbst wenn die Türen verschlossen waren, fand sie eine Möglichkeit, mich reinzuschleusen. Eines Tages kam ich gerade in die Sonntagsschulgruppe spaziert, als der Leiter sagte: „Gott hat dich erschaffen.“ Mir blieb der Mund offen stehen. Endlich hatte ich die Person ausfindig gemacht, die für diesen schlechten Scherz 15


von einem Körper verantwortlich war! Wie hatte Gott mir das antun können, wenn er doch ein liebender Gott war? Vielleicht hatte es ja an diesem Tag im Himmel einen kleinen Chemieunfall gegeben. Oder vielleicht hatte Gott ja auch beschlossen, mal ein ganz neues Experiment durchzuführen. Ich sah genau vor mir, wie er seltsame Flüssigkeiten in einem frankensteinmäßigen Labor zusammenmischte. Dann erhob ich mich aus dem brodelnden Schaum, und Gott entfuhr ein donnerndes „Oh-oh!“. Aber nein, dachte ich dann, Gott würde keine grausamen kleinen Experimente mit den Menschen machen, die er liebt. Es musste ihm also einfach bei mir ein Fehler unterlaufen sein. Als die neue Menschenserie auf dem Fließband an ihm vorbeiwackelte, vergab Gott großzügig Talente, sportliche Fähigkeiten, Charme und gutes Aussehen. Dummerweise musste er mal niesen, als ich an die Reihe kam, und so fuhr ich vorbei, ohne etwas von all den guten Sachen abzubekommen. Hey, ich habe gute Nachrichten: So war es ganz und gar nicht, weder bei mir noch bei dir. Gott wusste bei unserer Erschaffung ganz genau, was er tat. Du bist seine kostbare, unbezahlbare Schöpfung. Denk dran, es gibt eine Menge Qualitäten an dir, die man nicht in einem Spiegel sehen kann. Deine gefühlsmäßige und geistliche „Ausstattung“ ist mindestens genauso wichtig wie der Körper, in dem sie herumläuft. Du kannst deinen Körper erkennen, indem du in einen Spiegel guckst. Aber wie entdeckst du die wahre Person, die da drinnen steckt? Frag den Erfinder! Vor zwei Jahren beschloss ich, mir ein Flugzeug anzuschaffen. Keinen Modellflieger, sondern eine richtige kleine zweimotorige Maschine, eine sogenannte „Maul“. Bevor ich 16


nun eine solche kostspielige Anschaffung machte, wollte ich erst mal so viel wie möglich über dieses Flugzeug wissen. Viele der Artikel, die ich darüber las, waren widersprüchlich. Ein Mann erzählte mir, er würde eine Maul nicht mal geschenkt haben wollen, und ein anderer behauptete, es sei das beste Flugzeug dieser Art, das es gebe. Irgendwie wusste ich nicht mehr, wem ich Glauben schenken sollte.Wenn ich es nicht schaffte, verlässliche Informationen über die Bauweise und Funktion dieser Maschine zu kriegen, wie sollte ich mich dann entscheiden, ob ich eine kaufen wollte oder nicht? Aus lauter Verzweiflung rief ich schließlich bei der Herstellerfirma an. Rate mal, wer ans Telefon ging? Es war kein Geringerer als der Konstrukteur des Flugzeugs, Mr Maul höchstpersönlich! Er erzählte mir, wie er von dem Flugzeug geträumt hatte, lange bevor es Form annahm, wie er die Konstruktion detailliert geplant hatte, zuerst auf dem Papier und dann, als es perfekt war, als Modell. Er wusste alles, was es über die Maul zu wissen gab, bis zur letzten Schraube. Als ich den Hörer schließlich auflegte, wusste ich voll und ganz über dieses Flugzeug Bescheid. Der Erfinder selbst hatte mir alle meine Fragen beantwortet. Bei all den widersprüchlichen Inputs, die du so jeden Tag bekommst, kann es ganz schön schwer sein zu entscheiden, wer du wirklich bist. Deine Freunde wollen, dass du eine Ente bist, deine Eltern sind der Meinung, du wärst ein Stinktier, und du selbst wärst gern ein Tiger. Dumme Kreuzung! Das kann nicht gut gehen. Warum also nicht deinen Erfinder fragen, wie er dich denn nun gedacht hat? Warum nicht mit demjenigen reden, der schon vor der Entstehung der Welt von dir geträumt hat, 17


der deinen Fingerabdruck einmalig in der Welt gestaltet hat, der dich nach seinem Bild geschaffen hat? Dein Schöpfer möchte nicht, dass du durchs Leben gehst und darunter leidest, wie du bist. Deine Angst davor, anders zu sein als die anderen, von ihnen zurückgewiesen zu werden, die treibt dich dazu, dich langsam wie eine Zwiebel in dicke Schutzschichten zu verhüllen, bis man dich nicht mehr erkennen kann. Bitte Gott, dass er dir hilft, diese Schichten zu beseitigen, sodass du die Schönheit seiner eigentlichen Schöpfung sehen kannst. Bitte ihn, dir den Mut zu geben, wirklich du selbst zu sein. Er möchte, dass du dein eigenes Ich, deine Bestimmung, deinen Platz im Leben kennenlernst. Er hat dich nämlich mit einem bestimmten Ziel vor Augen geschaffen, und er allein kann dich dazu befreien, dieses Ziel zu erreichen.

Die Reise ins Ich Der dritte Schritt ist, dass du dir selbst ein paar ganz bestimmte Fragen beantwortest. Die erste lautet: Worin bist du wirklich gut? Ein sportliches Naturtalent findet es einfach, einen Ball ins Netz zu kicken, blitzschnell zu rennen oder am Balken zu turnen, dass mir schon allein beim Zusehen ganz schwach wird. Ein schauspielerisches Naturtalent kann andere Leute absolut treffend imitieren oder Gefühle überzeugend vermitteln; ein künstlerisch begabter Mensch kann die Schönheit selbst mit Farbe oder Ton einfangen; andere Leute sind besonders talentiert darin, mit Leuten umzugehen, Freunde zu gewinnen oder Menschen in Not beizustehen. 18


Alle diese Begabungen sind Geschenke Gottes. Also, worin bist du gut? „Na ja“, sagst du jetzt vielleicht, „eigentlich bin ich in gar nichts richtig gut.“ Wenn du diesen Eindruck hast, dann ist deine Liste von erstrebenswerten Eigenschaften einfach zu kurz. Es gibt unzählige Gaben, aber die meisten Leute denken immer nur an ein paar besonders auffällige Talente, wie Kreativität, Musikalität oder finanzieller Spürsinn, weil diese in unserer Kultur etwas gelten. Leute, die auf diesen Gebieten begabt sind, bekommen die meiste Aufmerksamkeit. Aber Gott hat keine Taugenichtse geschaffen. Jeder Mensch hat einen ganzen Blumenstrauß Begabungen mitbekommen. Eines Tages unterhielt ich mich mit einem siebzehnjährigen Mädchen namens Karen. Sie erzählte mir, dass sie sich schrecklich fühlte, weil sie einfach auf keinem Gebiet so richtig gut zu sein schien. Während unseres Gesprächs passte Karen auf ihre kleine Schwester Beth auf. Als ich angekommen war, hatte sie mich gebeten, ein paar Minuten zu warten, damit sie der Kleinen die Geschichte zu Ende vorlesen konnte, die sie gerade angefangen hatte. Auch während unseres Gesprächs kümmerte sie sich sehr liebevoll um das Kind. Immer mal wieder beantwortete sie der Kleinen eine Frage oder gab ihr eine Anregung zum Spielen. Ich bin sicher, Karen dachte, dass ich elegant das Thema wechseln wollte, als ich sie fragte, wie sie es bloß schaffte, die Kleine so locker bei Laune zu halten. Ihr Gesicht strahlte förmlich, als sie mir erzählte, wie sehr sie Kinder liebte. Alle ihre Freunde hielten sie für verrückt, weil ihr Babysitten wirklich und wahrhaftig einen Riesenspaß machte. Ich musste lächeln. „Karen“, sagte ich. „Gott hat dir offensichtlich ein großes Talent mitgegeben, das du dein gan19


zes Leben lang sehr gut gebrauchen kannst. Du bist für den Umgang mit Kindern begabt, und es macht dir auch noch Spaß. Diese Begabung ist mindestens so wertvoll wie ein tolles Schauspieltalent oder sonst etwas.“ Zum ersten Mal wurde Karen klar, dass sie wirklich besondere Fähigkeiten hatte. Sie hatte das Potenzial, Einfluss auf Hunderte von Kindern auszuüben und so ihr Leben zum Guten zu verändern. Die zweite Frage ist: Was tust du wirklich gern? Gott hat dich so geschaffen, dass dir das, wofür du talentiert bist, Freude bereitet. Einer der Hauptgründe dafür, dass so viele Leute unzufrieden mit ihrem Leben sind, ist die einfache Tatsache, dass sie nicht das tun, wozu Gott sie geschaffen hat. Auch wenn deine besondere Begabung dir vielleicht nicht die große Anerkennung bei deinen Freunden einbringt, wirst du trotzdem am glücklichsten sein, wenn du das tust, wozu du gedacht bist. Wenn man versucht, einen Pudel zum Schlittenhund auszubilden, würde man einen Pudel sehr unglücklich machen ... und ein sehr langsamer Schlitten wäre das Resultat. Das kommt daher, dass Pudel ausschließlich zu einem bestimmten Zweck gezüchtet worden sind: um herumzusitzen und auszusehen wie eine mittelschwere Explosion in einer Packung Ohrenstäbchen. Es macht ihnen Freude, wegen nichts stundenlang zu kläffen und zuzuhören, wie ihre Besitzer sie „Mein süßes kleines Mausibärchen“ oder „Putzischnutzi“ nennen. Ich persönlich kann mit Pudeln nicht besonders viel anfangen, aber das stört sie nicht weiter. Pudel schätzen es einfach, verhätschelt zu werden. Ich hatte einmal die Gelegenheit, in Alaska die sogenannten Huskys kennenzulernen, die berühmten Schlittenhunde. 20


Wenn du zu einem Husky „Mausibärchen“ sagst, würde er sich wahrscheinlich erst mal einen guten Bissen aus deinem Allerwertesten schnappen. Huskys sind dazu geboren, einen Schlitten zu ziehen. Ein Husky wird ganz wild vor freudiger Erregung, wenn er mitbekommt, dass er jetzt gleich vor den Schlitten gespannt wird. Er bellt und hechelt vor Gier darauf, endlich loszurennen. Er ist so aufgedreht, dass man ihn kaum richtig anschirren kann.Wenn der Musher dann das Startsignal gibt, schießt sein Gespann Huskys mit lautem Freudengebell los. Mit seitlich heraushängenden Zungen wetzen sie dahin, und sie sehen tatsächlich so aus, als würde ihnen das Ganze einen Riesenspaß machen. Es ist ihnen Wurst, ob ein Pudel sie vielleicht für verrückt hält oder ob eine Dänische Dogge sie nervtötend findet. Sie tun das, wofür sie geschaffen sind. Was macht dir so richtig Spaß? Welche Tätigkeiten geben dir ein Gefühl der Befriedigung und Bestätigung? Genau das sind die Dinge, für die du geboren bist! Es ist so ziemlich die größte Freude, die man im Leben haben kann, wenn man das erkennt und sich dann kopfüber in die Aufgabe stürzt, die Gott einem im Leben zugedacht hat!

Ruckgaberecht und Ruckgabepflicht Jetzt kommt der vierte Schritt: Alles, was du an dir selbst an Eigenschaften und Talenten entdeckst, musst du Gott zur Verfügung stellen. Lass den Erfinder das Steuer der Maschine übernehmen! Noch ein Beispiel aus der Flugzeugbranche: Burt Rutan ist einer der brillantesten Erfinder auf dem Gebiet der Luftfahrt, die es gibt. Im Laufe der Jahre haben die meisten Flugzeugbauer einen Grundtyp beibehalten und diesen 21


nach ihren Vorstellungen modernisiert und verbessert. Aber die Flugzeuge von Burt Rutan sehen ganz anders aus als alle anderen ... und sie fliegen besser! Er baut Flugzeuge, die ihre Flügel sehr weit vorne haben und hinten einen Propeller. Und das Ergebnis sind die schnellsten und ökonomischsten Flugzeuge der Welt! Burt hatte den Traum, ein Flugzeug zu bauen, das ohne Zwischenlandung rund um die Erde fliegen konnte. Als sein erstes Flugzeug dann zu seiner großen Reise abhob, war es bis oben hin vollgetankt, sodass die Flügel über den Boden schabten und die Spitzen beschädigt wurden. Aber Burt Rutan, der im Cockpit saß, hob trotzdem ab; seine genaue Kenntnis des von ihm entworfenen Flugzeugs sagte ihm, dass sein Plan funktionieren würde, obwohl die Flügelspitzen beschädigt waren. Burt und seine Kopilotin schafften es, einmal rund um die Erde zu fliegen und wieder heil zu landen. Sie hatten etwas erreicht, das vor ihnen noch niemandem gelungen war. Und der einzige Mensch auf der Welt, der dieses Flugzeug auf dieser Reise fliegen konnte, war Burt Rutan, der Erfinder. Nur er allein wusste, was seine Maschine leisten konnte und wie man das Beste aus ihr herausholte. Als der Motor einmal direkt über dem Meer ausfiel, wusste er, wie man ihn wieder in Gang brachte. Er wusste, wie man dieses Flugzeug dazu bringt, das zu tun, wozu es gemacht war. Das berühmte Flugzeug hängt heute in einem großen Museum, zur Erinnerung daran, was man erreichen kann, wenn eine Maschine zu einem bestimmten Zweck gebaut wird und der Erfinder selbst sich hinters Steuer setzt. Dein Schöpfer hat dich mit einem viel wichtigeren Ziel erschaffen, als es irgendeine Maschine haben kann. Innerhalb der weiten Grenzen deiner irdischen Bestimmung, ihn 22


lieben zu lernen, hast du fast unbeschränkte Möglichkeiten, deine ganz spezielle Berufung auszuüben. Es kommt im Grunde nämlich überhaupt nicht darauf an, wie viel Umsatz du in deinem Leben machst oder wie mächtig oder bekannt du bist.Worauf es ankommt, ist, dass du das hast, was Gott als „Leben die Fülle“ bezeichnet. Mit fünfzehn Jahren übergab Ted Place sein Leben Jesus. Er hatte begriffen, was für ein großes Opfer Gott für ihn gebracht hatte, und er wollte ihm etwas zurückgeben – aber er hatte das Gefühl, er hätte nichts zu geben. Er war der Kleinste in seiner Klasse, er stotterte, und er hatte eine so geringe Selbstachtung, dass er dunkelrot anlief, wenn sein Lehrer ihm auch nur eine Frage stellte. Es gab nur eine Sache, die Ted wirklich gut konnte: Er konnte besser Purzelbäume schlagen als irgendjemand sonst. Und weil das das Einzige war, was Ted zu geben hatte, stellte er es Gott zur Verfügung. Am nächsten schönen Tag ging Ted in den Park, um seine Fähigkeiten für Gott einzusetzen. Mitten auf einer grünen Wiese begann er Purzelbäume zu schlagen. Bald versammelte sich eine beträchtliche Kinderschar um ihn, die von seinem Können ziemlich beeindruckt war. Einige der Knirpse fragten Ted, wo er gelernt hätte, so tolle Purzelbäume zu schlagen. Er zeigte ihnen ein paar Tricks ... und dann holte er tief Luft und sagte: „Aber eigentlich ist das eine Gabe, die Gott mir geschenkt hat. Ich bin nämlich ein Christ.“ Ted hatte erwartet, dass die Kinder daraufhin weglaufen oder ihn vielleicht auslachen würden. Stattdessen fragte ein Junge: „Was meinst du damit, du bist ein Christ?“ Und Ted erzählte ihnen, wie er den Weg zu Gott gefunden hatte und wie viel er ihm bedeutete. Dann lud er sie alle in den Gottesdienst ein. 23


Am nächsten Tag kam er ermutigt zurück, und so ging es von da an weiter. Jedes Mal, wenn Ted auf eine Gruppe von Kindern stieß, schlug er seine kunstvollen Purzelbäume und erzählte den Umstehenden von der Liebe Gottes. Erst nach vielen Jahren erkannte Ted, dass Gott in seinem Leben ein ganz spezielles Wunder bewirkte. Gott hatte die einzige Gabe angenommen, die Ted zu bieten hatte: Purzelbäume schlagen. Und als Ted Gott diese Gabe vertrauensvoll zur Verfügung stellte, begann Gott, andere Talente in Ted auszubilden, von denen er noch nicht einmal etwas geahnt hatte. Während Ted Hunderten von Kindern von Gott erzählte, entwickelten sich seine sprachlichen Fähigkeiten ganz beträchtlich. Was mit einem fünfzehnjährigen Jungen begonnen hatte, der Gott seine Fähigkeiten im Purzelbäumeschlagen zur Verfügung stellte, wuchs schließlich lawinenartig zu einem ausgefüllten, aufregenden Leben an, das Tausende von Menschen in der ganzen Welt nachhaltig beeinflusste. Mein eigener Name steht auch auf dieser Liste. Heute leitet Ted eine Beratungsstelle, die die heilende Liebe Gottes an Familien weitergibt, die in Schwierigkeiten stecken. Unzähligen Menschen ist dadurch geholfen worden. Und das alles, weil Ted damals bereit gewesen war, Gott eine Begabung zur Verfügung zu stellen, die er selbst als nicht besonders nützlich einstufte. Die Bibel ist bis oben hin voller Geschichten von Leuten wie Ted. David konnte zunächst mal bloß Schafe hüten und mit der Steinschleuder umgehen. Gott benutzte diese Fähigkeiten, um den Riesen Goliath zu Fall zu bringen und die Israeliten zu retten. 24


Mose stotterte und war im Grunde ein Feigling, doch Gott wählte ausgerechnet ihn aus, um das Volk Israel ins Gelobte Land zu führen. Entdecke, wer du bist und was du für Talente hast. Dann stell all das Gott zur Verfügung. Und dann lass dich überraschen!

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9783865915177  

Ken Davis erfüllt die wichtigste Voraussetzung, um ein Buch zu schreiben, das Teens beim Überlebenskampf auf dem Gewaltmarsch durch den Dsch...

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