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Dieser dritte Band der »Bootstouren in Leipzig« befasst sich mit dem Kurs 2 des Leipziger Neuseenlandes. In diesem Band nehmen wir Sie mit auf einen interessanten Streifzug, beginnend am entstehenden Stadthafen, entlang des Elstermühlgrabens, der Weißen Elster, über den Karl-Heine-Kanal bis hin zu der neuentstandenen Anbindung des Lindenauer Hafens. Wir geben nützliche Informationen zu Bauwerken und Sehenswürdigkeiten rechts und links der Ufer. Abschließend werfen wir einen Blick in die Zukunft. Mit dem Durchstich des Lindenauer Hafens zum Elster-Saale-Kanal wird sich das Wasserstraßennetz für Wassertouristen um weitere elf Kilometer erweitern.

Bootstouren in Leipzig – Kurs 2

11,90 Euro

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Bootstouren Kurs 2: Vom Stadthafen zum Lindenauer Hafen

in Leipzig

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ISBN 978-3-944992-24-2

W ERBEAGENTUR K OLB


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Die Vision einer Wasserstraßenanbindung zum Meer.................................... 8 Tour-Überblick.............................................................................................. 12 Stadthafen und Elstermühlgraben................................................................ 14 Das Schreberbad..............................18 Die Heilige Brücke........................... 29 Die Schreberbrücke.......................... 23 Die Sage von der Heiligen Brücke....... 31 Die Marschnerbrücke....................... 24 Die Julburg..................................... 33 Der Elstermühlgraben...................... 25 Der Peterssteg................................. 35 Die Baedeker-Villa........................... 26 Weiße Elster.................................................................................................. 36 Das Palmengartenwehr..................... 36 Die Plagwitzer Brücke....................... 42 Die Klingerhainbrücke...................... 38 Das Bootshaus »Sturmvogel«............. 42 Der Palmengarten........................... 39 Die Karl-Heine-Villa und die Rödel..... 44 Die Max-Klinger-Villa....................... 40 Die Könneritzbrücke.........................46 Das Versandhaus Mey & Edlich.......... 48 DaVito & Thiseas............................. 51 Die ehemaligen Buntgarnwerke......... 53


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INHALT

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Karl-Heine-Kanal.......................................................................................... 58 Die Kanaleinfahrt und Nonnenbrücke 60 Das ehemalige »Riverboat «............... 62 Die Elisabethbrücke..........................64 Die König-Johann-Brücke................. 65 Der Karl-Heine-Bogen ...................... 67 Der Stadtteilpark Plagwitz ................ 68 Das »Stelzenhaus« ............................ 71 Die Feuerwache West ........................73 Die Weißenfelser Brücke ................... 74 Die König-Albert-Brücke...................74 Das »Jahrtausendfeld«........................77 Die Aurelienbrücke und der Aurelienbogen ................................. 78

Die Philippuskirche......................... 79 Der Wasserspielplatz........................ 80 Die Gießerbrücke.............................81 Die Gleisbrücke »Grüne Gleise« ..........82 Die König-August-Brücke..................83 Die Eisenbahnbrücke Leipzig–Zeitz.... 84 Die Saalfelder Brücke........................85 Die Geh- und Radwegbrücke..............86 Die Leipziger Baumwollspinnerei .......87 Der »Kanal 28« ................................ 90 Das einstige Kanalende .................... 91 Die Luisenbrücke............................. 92

Lindenauer Hafen........................................................................................ 94 Die Museumsfeldbahn Impressionen vom Bau der Anbindung zum Lindenauer Hafen.......................98 Leipzig-Lindenau ........................... 100 Anhang ...................................................................................................... 106


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BOOTSTOUREN – KURS 2

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Kurs

Tour-Überblick 2

Strecke: ca. 6,6 km (bis Lindenauer Hafen), Fahrzeit: ca. 2 h (Kanu), ca. 17,6 km (bis Ende Elster-Saale-Kanal)

Unsere Bootstour auf dem Kurs 2 des Leipziger Neuseenlands vom Stadthafen über den Karl-Heine-Kanal bis zum Lindenauer Hafen hat eine Länge von rund 6,6 km. Wenn in naher Zukunft auch die Verbindung zwischen Lindenauer Hafen und Elster-Saale-Kanal fertig gestellt ist, können Wassertouristen und -sportler weitere rund elf Kilometer Wasserstraße nutzen. Unsere Tour startet am Stadthafen Leipzig und führt uns über den Elstermühlgraben vorbei an repräsentativen Villen zum Palmengartenwehr und dort in die Weiße Elster. Vorbei an der Klinger-Villa, der Könneritzbrücke und den ehemaligen Buntgarnwerken erreichen wir den Eingang des Karl-Heine-Kanals. Auf den nächsten rund 2,5 km tauchen wir in die Geschichte des Kanals und des Stadtteiles Plagwitz ein, der maßgeblich durch den Industriepionier Karl Heine geprägt wurde. Abschließend betrachten wir die neu entstandene Anbindung an den Lindenauer Hafen und die zukünftigen Planungen für das Hafenareal und hinsichtlich der Anbindung des Elster-Saale-Kanals.

1 Stadthafen Leipzig – km 0,0: Zustieg/Ausstieg zur Zeit nur an der Außenmole, später auch im Hafenbecken möglich. Zugang über Käthe-Kollwitz-Straße/Schreberstraße. Parkplätze vorhanden.

Erlaubte Bootsarten: Kanu: gesamter Kurs Leipzigboot: gesamter Kurs Ruderboot: gesamter Kurs Fahrgastschiff: abschnittsweise

2 Palmengartenwehr / Elsterflutbett – km 0,9: Der Elstermühlgraben mündet in das Elsterflutbett. Achtung! Am Palmengartenwehr besteht Lebensgefahr! Abstand halten und möglichst weit links in die gegenüber liegende Weiße Elster einfahren! 3 Könneritzbrücke – km 1,7: Kurz nach dem Bootshaus »Sturmvoge« mit dem Bootsverleih am Klingerweg erreichen wir die Könneritzbrücke – ein technisches Denkmal und beliebtes Fotomotiv. 4 Buntgarnwerke / Abzweig Karl-Heine-Kanal

– km 2,2: Auf den nächsten rund 500 m nach der Könneritzbrücke durchfahren wir die ehemaligen Buntgarnwerke. Unmittelbar danach und gegenüber des Sweetwaterkomplexes zweigt rechts der Karl-Heine-Kanal ab, in den wir einbiegen. 5 Stelzenhaus / Stadtteilpark Plagwitz

– km 2,9: Das Durchfahren der Seerosen vermeiden. Anlegestelle am Restaurant vorhanden. Zugang zum Stadtteilpark Plagwitz barrierefrei möglich. 6 Aurelienbogen / Philippuskirche – km 3,3: Auf den nächsten rund 400 m unterqueren wir drei Brücken und passieren rechter Hand die Philippuskirche und linker Hand den Aurelienbogen. Eine Anlegestelle ist vorhanden. 7 »Kanal 28« – km 4,5: Anlegestelle ist vorhanden. 8 Wassertor / Einfahrt Lindenauer Hafen

– km 5,0: 2014/2015 neu errichtete Verbindung zwischen dem Karl-Heine-Kanal und dem Lindenauer Hafen. 9 MARINA Lindenauer Hafen – km 6,3: (geplant). Mit dem geplanten Anschluss des ElsterSaale-Kanals kann man zukünftig weitere rund elf Kilometer bis Zöschergen paddeln.


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Start

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Daten © OpenStreetMap, veröffentlicht unter ODbL

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Ziel


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BOOTSTOUREN – KURS 2

Stadthafen & Elstermühlgraben Unser Startpunkt für den Kurs 2 befindet sich direkt am Stadthafen Leipzig. Der zukünftige Stadthafen von Leipzig liegt an der Kreuzung Friedrich-EbertStraße / Käthe-Kollwitz-Straße. Viel sieht man von diesem Hafen allerdings noch nicht. Lediglich die Außenmole wurde im Jahr 2010 errichtet und am 31. August des gleichen Jahres eingeweiht. Der erste Bauabschnitt ist innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt worden. Dieser umfasste den Ausbau des Elstermühlgrabens zwischen Schreberbrücke

und Friedrich-Ebert-Straße sowie die Herstellung der Außenmole inklusive der Erstellung der Wehranlage und des darüberführenden Blüthnersteges. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt betrugen rund 5,6 Millionen Euro. Nochmals rund 850 000 Euro verschlang der Ersatzneubau der Schreberbrücke. Diese musste wegen ihres maroden Zustandes vollständig zurückgebaut und von Grund auf neu errichtet werden. Jetzt ist der Zugang zum Schreberbad nicht nur für Fußgänger und Radfahrer möglich, auch mit dem Auto ist es erreichbar und bietet sogar 40 Parkplätze für die Badelustigen. Seit dem 4. September 2013 wurde der Elstermühlgraben zwischen Fried-


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Stadthafen & Elstermühlgraben

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Die Außenmole des Stadthafens im Jahr 2012

rich-Ebert-Straße und Elsterstraße wieder ans Licht geholt. Für die 140 m lange und 7,50 m breite Verbindung wurden rund 4 Millionen Euro investiert, wovon 2,9 Millionen Euro durch Mittel der EU (EFRE Europäischer Fonds fu ̈r regionale Entwicklung) sowie von der Allianz Umweltstiftung beigesteuert wurden. Der notwendige Neubau der Westbrücke kostete weitere 1,4 Millionen Euro. 2019 soll die Offenlegung des Elstermühlgrabens beendet sein. Von den Anlegestellen der Außenmole können bereits die ersten Kanus und Paddel-Boote in das Gewässernetz von Leipzig starten. Später soll hier die Anlegestelle II für das Leipzigboot eingerichtet werden.

Dort, wo zukünftig die Hafeneinfahrt vom Elstermühlgraben abzweigen soll, ist momentan nur eine Holzverschalung zu erkennen. Das Hafenbecken an sich fehlt vollständig. Dies wird nach neuesten Aussagen der Stadt auch noch in den nächsten Jahren so bleiben, denn der Stadt fehlt das Geld für die Fertigstellung des Hafens. Diese würde nochmals 3,9 Millionen Euro kosten. Da die Förderung des Staates in Höhe von 75 % ausbleibt, strich Oberbürgermeister Burkhard Jung in einer aktuellen Runde mit seinen Bürgermeistern das Projekt von der Investitionsliste 2012. Wichtiger seien nach Aussagen von Jung die Förderung der Automobilindustrie und damit verbunden die Sicherung von Arbeitsplätzen.


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BOOTSTOUREN – KURS 2

Verschiedene Inschriften geben unterschiedliche Informationen zum Baujahr der Julburg

gang, einem kleineren zweiten Turm mit Kegeldach sowie einem vielgliedrigen Eckbau. Die Putzfassade wird unterbrochen von Porphyrwerksteineinlagen. Die historischen Stilelemente aus Neugotik und Neurenaissance sind bis heute fast vollständig erhalten geblieben. So gibt es eine bemalte Holzbalkendecke und Bleiglasfenster. Im Keller existiert eine alte Trinkhalle mit Säulengewölbe, das aus Bruchsteinen mittelalterlicher Dorfkirchen aus der Umgebung errichtet wurde. In Richtung des Elstermühlgrabens erstreckt sich ein Garten, der im englischen Stil angelegt wurde. Zwischen 1977 und 2001 war in der Julburg der Studiengang Museologie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig untergebracht. In der Zeit von 1993 bis 1996 erfolgte eine Sanierung des Gebäudes. Heute ist die Julburg wieder Wohnhaus und Sitz einer Anwaltskanzlei.


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Der Peterssteg Wir lassen auf unserer Bootstour das Bootshaus des Akademischen Rudervereins hinter uns und erreichen nach rund 100 m, kurz bevor wir an das Palmengartenwehr gelangen, den Peterssteg. Jener Peterssteg wurde im Jahr 1879 errichtet und im Jahr 1935 saniert. Heute dient er als Rad- und Fußweg. Benannt wurde der Steg im Jahr 1933 nach Fritz Wilhelm Emanuel Peters (1865–1932), einem Leipziger Stadtbaurat. Auch dieser Brückenbau ist sanierungsbedürftig. Die Stadtverwaltung Leipzig hat die Sanierung des maroden Peterssteges in das »Mittelfristprogramm 2020« aufgenommen.

Blick auf das Bootshaus des Akademischen Rudervereins an der Heiligen Brücke

Der Peterssteg, Blick in Richtung Palmengarten

Achtung Lebensgefahr! Bei der Vorbeifahrt am Palmengartenwehr auf genügend Abstand achten.


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Weiße Elster Direkt gegenüber des Elstermühlgrabenabzweigs befindet sich die Einbindung der Weißen Elster in das Elsterflutbett. Die Weiße Elster entspringt in Tschechien östlich von Aš (Asch), etwa einen Kilometer Luftlinie von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt. Insgesamt ist sie 257 km lang und mündet bei Halle in die Saale. Der Name stammt von »Al-astra« oder »Al-istra« ab, was übersetzt so viel wie »fließen« bzw. »strömen« bedeutet.

Daten © OpenStreetMap, veröffentlicht unter ODbL

Vorsicht ist am Palmengartenwehr geboten

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Das Palmengartenwehr Um in die Weiße Elster zu gelangen, müssen wir das Palmengartenwehr passieren, welches sich in Fahrtrichtung auf der rechten Seite befindet. Das Palmengartenwehr wird auch »Oberes Elsterwehr« genannt. Es befindet sich am Anfang des Elsterflutbeckens und ist nach dem ehemaligen Vergnügungspark benannt, der sich hier bis 1939 befand. Das Wehr wurde von 1913 bis 1917 nach Plänen des Architekten Georg Wünschmann errichtet. Es senkt das Wasserniveau von 106,9 m auf 104,4 m über NN. Durch das Wehr könnten sogar die süd-


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lich abzweigende Weiße Elster und der Elstermühlgraben trocken gelegt werden. Das Palmengartenwehr besteht aus einer 50 m langen und 5 m breiten Wehrbrücke. Es besitzt zwei Walzenwehre, die in den beiden je 17 m breiten Brückenbögen eingebracht sind. Hinzu kommen zwei Schützenwehre, die sich links und rechts in den kleinen Brückenbögen befinden. Auf der Wehrbrücke sind drei kleine Gebäude aufgesetzt, wobei sich im mittleren die Steuerungsanlagen befinden. Ein Defekt an einer der Walzen führte am 10. Juli 1954 nach starkem Regen zur Überflutung des Stadtgebietes sowie der Umgebung.

Am 13. April 2008 kam es am Palmengartenwehr zu einem tödlichen Unfall, als drei Jungen und zwei Mädchen auf dem Weg zum Start einer Regatta auf der Weißen Elster fahren wollten und dabei in den Sog des Wehres gerieten. Aufgrund von Bauarbeiten am Wehr war nur eine Seite geöffnet. Hinzu kam ein erhöhter Wasserstand, welcher zu dieser Zeit herrschte. Statt 15 m3/s flossen an diesem Tag 80 m3/s, was zur erhöhten Sogwirkung führte. Die Kräfte der Kinder reichten nicht aus, um der Sogwirkung zu entgehen und das Niedriger Wasserspiegel am Elstermühlgraben während des Hochwassers 2013


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Die Karl-Heine-Villa und die Rödel Wir setzen unsere Fahrt rund 180 m weiter in Richtung der Könneritzbrücke fort. Auf der linken Uferseite ist, wenn nicht die üppige Vegetation die Sicht versperrt, der ehemalige Wohnsitz Karl Heines – die Karl-Heine-Villa – zu sehen. Das zur Villa dazugehörige ca. 2 600 m2 große Grundstück befand sich einst auf einer Halbinsel zwischen zwei Flüssen – der Weißen Elster und der Rödel. Die Rödel, auch Rödelwasser genannt, war einer der Mündungsarme der Pleiße, die sich am Connewitzer Wehr abspalteten. Während die Pleiße in nördlicher Richtung weiterfloss, bog Die Villa Karl Heines im Frühjahr 2015

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Daten © OpenStreetMap, veröffentlicht unter ODbL

BOOTSTOUREN – KURS 2

Weiße Elster

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Die Karl-Heine-Villa befand sich einst auf einer Halbinsel zwischen Rödel und Weißer Elster

die Rödel nahezu rechtwinklig nach Westen ab und bildete die Westgrenze des Waldgebietes »Die Nonne«.


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Der einst rund zwei Kilometer lange Fluss mündete schließlich an der Heine-Villa in die Weiße Elster. Im Zuge des Elsterflutbettbaus ab 1880 wurde die Rödel im Bereich der Paußnitzmündung von der Pleiße abgeschnitten und war danach nur noch bei Hochwasser wasserführend. Ab 1926 verfüllte man den alten Flusslauf – heute ist er nur noch zu erahnen, so zum Beispiel am Klingerweg kurz vor der Kreuzung zur Könneritzstraße. Unter Gestrüpp sind noch Teile der alten Brücke und auch der Flußlauf in Richtung Süden, der heute eine langgezogene Wiesenfläche ist, zu erkennen. Zurück zur Heine-Villa. Sie wurde im Jahr 1874 von R. Hercher im Stil des Historismus erbaut. Hier verbrachte Karl Heine seinen Lebensabend bis zu seinem Tod im Jahr 1888.

Parallel zur Häuserzeile floss hier einst die Rödel; Reste der Brücke sind hinter den Sträuchern und Bäumen (rechts der Bildmitte) noch zu finden

Mit Beschluss vom 12. Juli 1949 wurde in dem Gebäude ein Kinder- und Jugendheim eingerichtet, das den Namen »Fritz Gietzelt« erhielt und erst Anfang der 1990er Jahre geschlossen wurde. Danach ging die Villa wieder in Privatbesitz über. Nach 1995 begannen die ersten Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten, die allerdings 2001 unterbrochen wurden. Mittlerweile ist die Sanierung des Gebäudes abgeschlossen. Es entstanden mehrere Eigentumswohnungen. Blick in die Könneritzstraße mit der prächtigen Villa Karl Heines und der Könneritzbrücke


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Weiße Elster Die ehemaligen Buntgarnwerke Auf den nächsten rund 250 m passieren wir die imposanten Bauten der ehemaligen Buntgarnwerke. Obwohl die Weiße Elster das Gebäude-Ensemble der einstigen Kammgarn-Spinnerei – vormals Tittel & Krüger Leipzig – teilt, wird der Komplex dennoch als Einheit wahrgenommen. Das ca. 90 ha große Flächendenkmal der Industriearchitektur ist das erste planmäßig entwickelte Industriegebiet Deutschlands. Dieses Industriegebiet wäre ohne die Vorreiterrolle Karl Heines nicht entstanden. Durch seine Trockenlegungen entstand ein Areal, das für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe ideal war. Dies erkannte auch der Leipziger Kaufmann Carl Augustin Tittel, der seit Dezember 1866 ein Detailgeschäft für Tapisserien und Posamenten im Barfußgäßchen in der Innenstadt betrieb. Nach dem Einstieg seines Compagnons August Andreas

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Krüger drei Jahre später und dem schnellen Aufschwung des Kleinunternehmens suchten die beiden Geschäftsleute ein Areal für die fabrikmäßige Produktion und fanden es im Jahr 1875 in Plagwitz an der Weißen Elster. Dort wurde eine Dampffärberei errichtet. Im Jahre 1887 gründeten die Geschäftsführer schließlich die »Sächsische Wollgarnfabrik Tittel & Krüger Aktiengesellschaft«. Insgesamt 542 Beschäftigte produzierten ungefähr 600 000 kg Tapisseriegarne pro Jahr. Die gute finanzielle Aufstellung durch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ermöglichte ab 1888 den Bau weiterer Spinnereigebäude in Backsteinarchitektur zur Garnherstellung. Die Unternehmensführung war schon damals darauf bedacht, die Neubauten als einen ganzheitlichen Komplex wirken zu lassen. Es wurden für die einheitliche

Die Verbindungsbrücke der Buntgarnwerke


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BOOTSTOUREN – KURS 2

Daten © OpenStreetMap, veröffentlicht unter ODbL

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Karl-Heine-Kanal Wir erreichen nun rechter Hand – direkt gegenüber der Marina des SweetwaterKomplexes – den Eingang des Karl-Heine-Kanals, in den wir einbiegen. Achtung, aus dem Kanal ausfahrende Boote haben Vorfahrt! Ursprünglich war die Kanaleinfahrt deutlich breiter angelegt und auch die Nonnenbrücke hatte zwei Durchfahrten. Heute existiert nur noch eine schmale Zufahrt in den Kanal. Mit 37 Jahren fasste der am 10. Januar 1819 geborene Ernst Karl Erdmann Heine, seines Zeichens Doktor der Rechte, einen kühnen Plan: die Erschließung des Geländes des Dorfes Plagwitz als Industrie- und Wohngebiet. Heine hatte sich seit seiner Kindheit für Wasserbaumaßnahmen interessiert und bereits das elterliche Grundstück (Reichels Garten) trockengelegt. Sein ehrgeiziger Plan der Trockenlegung des Ortes Plagwitz beinhaltete auch die Errichtung eines Kanals in westlicher Richtung zur Saale.

Die Errichtung eines Kanals zur Saale diente also zur verkehrstechnischen Anbindung der geplanten Industriestandorte. Aber auch aus einem anderen Grund fasste Heine einen Kanalbau ins Auge. Beim Aushub des Kanalbettes würden Sande und Kiese frei, die für die weitere Trockenlegung der Grundstücke bei Plagwitz eingesetzt werden könnten. Die ersten Fabriken gründete Heine zunächst selbst, so auch das Dampfsägewerk Plagwitz im Jahre 1856. Auch eine Ziegelei ließ der Industriepionier errichten. Neben der Errichtung eigener Betriebe sorgte Heine aber auch für die Ansiedlung weiterer Betriebe und Fabriken. Für diese Unternehmen beantragte er oft selbst die nötigen Genehmigungen. Im Jahre 1857/58 entstanden Fabrikgebäude, die später (ab 1869) vom ersten Versandwarenhaus Deutschlands, der Firma Mey & Edlich, übernommen wurden. Die weiteren Bauvorhaben drohten dagegen ins Stocken zu geraten, weil Planungsarbeiten für Hochwasserschutzmaßnahmen bereits im Gepräch waren, die unter anderem auch Grundstücke Heines betrafen. Heine lief somit stän-


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Karl-Heine-Kanal dig Gefahr, dass diese Planungen Einfluss auf seine Besitztümer und Projekte haben würden. Um Planungssicherheit zu bekommen, legte Heine am 28. August 1863 dem Rat der Stadt von sich aus einen Regulierungsplan für die Flussläufe vor. Es gingen zwei Jahre ins Land, ehe die Stadt den Regulierungsplänen zustimmte. Da mit der Genehmigung des Regulierungsplanes auch die Genehmigung für die Errichtung von Verkehrswegen einherging, konnte Heine nun auch seine Gewerbeflächen erschließen und zu einem deutlich höheren Preis verkaufen. Immer mehr Fabriken und Unternehmen zog es in die neuen Gewerbegebiete. Heine hatte somit den Grundstein für die Industrialisierung des Leipziger Westens gelegt. Ab 1863 erwarb Heine Flurstücke auf Neu-Schleußiger Gebiet. Die Trockenlegung und Aufschüttung der Areale erfolgte mit Füllmaterial aus der Baustelle des Kanals zur Saale. Im Zeitraum von 1855 bis 1869 wurden insgesamt rund 300 000 m3 Füllmaterial aus der Kanalrinne gewonnen und unter anderem im Waldstraßenviertel, in der Elsterstraße sowie in »Reichels Garten« aufgeschüttet. Nach außen wusste Heine dies gut zu vermarkten. Die Gewinnung des Füllmaterials wurde als großes Kanalprojekt zur Saale ver kauft, obwohl ihm bewusst war, dass er das Kanal-Projekt nicht allein stemmen konnte. Diese Vorgehensweise war nicht un klug. Durch seine Visionen lock te er viele Ge schäfts partner an, die sich auf seinen trockengelegten Grund stücken an sie del ten. Auch heute ist das Umfeld des Ka nals als Wohn- und Gewerbegebiet sehr beliebt.

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BOOTSTOUREN – KURS 2

Jugendstilelemente den Kirchraum. Ein Glanzlicht ist wohl die Jehmlich-Orgel von 1910, die im Originalzustand erhalten ist. Die Weihe der Kirche fand am 16. Oktober 1910 statt. Direkt nach der Aurelienbrücke beschreibt der Karl-Heine-Kanal einen großen Bogen in Richtung Westen. Das Ufer entlang des Radweges fällt hier terrassenartig ab. Bei schönem Wetter sitzen hier oft Sonnenhungrige auf den Steinblöcken. Auch eine kleine Anlegestelle gibt es. Der Wasserspielplatz Nur wenige Meter entfernt, direkt an der Gießerbrücke, befindet sich ein Wasserspielplatz. Einst bestand dieser Spielplatz aus verschiedenen hölzernen Elementen. Über eine »Archimedische Schraube« konnte aus dem Karl-Heine-Kanal Wasser entnommen und einem Kreislauf, bestehend aus einem kleinen Bachlauf und Brücken, zugeführt werden.

Archimedische Schraube am Wasserspielplatz Der Wasserspielplatz an der Gießerbrücke im Jahr 2011 (links) und im Jahr 2015 (rechts)


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Karl-Heine-Kanal Im Herbst 2011 begannen die Sanierungsarbeiten des Spielplatzes. So wurden die hölzernen Elemente, die aufgrund von Witterungseinflüssen stark in Mitleidenschaft gezogen waren, ersetzt. Für rund 45 000 Euro entstand auf 160 m2 ein neuer 25 m langer Wasserkreislauf mit WippSaug-Pumpe. In dem neuen Rinnsystem können die Kinder nun auch Stauklappen einsetzen und somit den Wasserlauf steuern. Der Spielplatz wurde am 29. Juni 2012 wiedereröffnet. Die Gießerbrücke Unmittelbar neben dem Spielplatz befindet sich die Gießerbrücke. Ihren Namen erhielt die Brücke von der sich in der

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Nähe befindlichen ehemaligen Gießerei von Meier & Weichelt. Diese Gießerei wurde am 14. April 1874 durch Friedrich Ernst Meier (1834–1907) gegründet. Carl Andreas Weichelt (1847–1926) trat als Teilhaber an die Seite von Meier, nachdem dieser seinen ehemaligen Kompagnon auszahlen musste und sich damit fast ruinierte. Zu Beginn stellte das Unternehmen Graugussfabrikate und Kleineisenwaren her. Im Zuge der Industrialisierung des Plagwitzer Gebietes expandierte die Firma zu einer der größten Firmen der Stadt. Im Oktober 1945 wurde das Unternehmen enteignet und später in Volkseigentum überführt. Das VEB Kombinat GISAG beschäftigte zu DDR-


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Anpaddeln (oben) und der erste Baggerbiss für die Anbindung des Lindenauer Hafens an den Karl-Heine-Kanal am 12.9.2012 (unten)

Lindenauer Hafen Einhergehend mit dem Bau der Luisenbrücke folgte auch der Baustart für die rund 665 m lange Anbindung des KarlHeine-Kanals an den Lindenauer Hafen. Der erste Baggerbiss für dieses Projekt erfolgte am 12. September 2012 am südöstlichen Ende des Hafenbeckens durch Oberbürgermeister Burkhard Jung und den Innenminister Sachsens, Markus Ulbig. Bis zum Juni 2015 entstand auf diesen 665 m eine Wasserstraßenanbindung von zehn bis zwölf Metern Breite. Rund 200 000 m3 Erde wurden dabei ausgehoben. Die Baukosten allein für diese Maßnahmen beliefen sich auf rund 5,7 Millionen Euro. Für die Gestaltung der Freianlagen kamen nochmals 1,07 Millionen Euro hinzu. Im Mai 2015 teilte die Stadtverwaltung mit, dass die Kosten aufgrund von Altlasten und unvorhersehbaren Problemen um weitere 1,1 Millionen Euro angestiegen seien. Weitere Beträge von mehreren Millionen Euro sollen in die Er-


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schließung des Hafengeländes investiert werden. Der Ausbau des Nordkopfes mit den Speichergebäuden, die Freilegung und Renaturierung des Westufers sowie die Ausweitung des Hafenbeckens und der Anschluss an den Elster-Saale-Kanal sind für die Zukunft angedacht. In den nächsten Jahren werden an diesem Standort die Grundlagen für ein attraktives neues Stadtquartier am Wasser geschaffen. Es sollen Flächen für Wohnen, Gewerbe, Arbeit und Freizeit sowie eine Marina zwischen den Speichergebäuden im Norden entstehen. Die Erschließung erfolgt von der Plautstraße aus. Am 29. Januar 2015 waren die Arbeiten an der Kanalanbindung so weit ge-

»Wasser marsch!« – Oberbürgermeister Jung und die Bürgermeister Rosenthal und Dubrau fluten den neuen Kanalabschnitt

diehen, dass feierlich »Wasser marsch!« gegeben wurde. Bei der Flutung der neuen Kanalverbindung waren neben Oberbürgermeister Burkhard Jung auch Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau


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BOOTSTOUREN – KURS 2 Impressionen vom Bau der Anbindung zum Lindenauer Hafen


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Lindenauer Hafen

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Dieser dritte Band der »Bootstouren in Leipzig« befasst sich mit dem Kurs 2 des Leipziger Neuseenlandes. In diesem Band nehmen wir Sie mit auf einen interessanten Streifzug, beginnend am entstehenden Stadthafen, entlang des Elstermühlgrabens, der Weißen Elster, über den Karl-Heine-Kanal bis hin zu der neuentstandenen Anbindung des Lindenauer Hafens. Wir geben nützliche Informationen zu Bauwerken und Sehenswürdigkeiten rechts und links der Ufer. Abschließend werfen wir einen Blick in die Zukunft. Mit dem Durchstich des Lindenauer Hafens zum Elster-Saale-Kanal wird sich das Wasserstraßennetz für Wassertouristen um weitere elf Kilometer erweitern.

Bootstouren in Leipzig – Kurs 2

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Bootstouren Kurs 2: Vom Stadthafen zum Lindenauer Hafen

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Bootstouren in Leipzig – Kurs 2: Vom Stadthafen zum Lindenauer Hafen  

3. Band der "Bootstouren in Leipzig"

Bootstouren in Leipzig – Kurs 2: Vom Stadthafen zum Lindenauer Hafen  

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