Katalog Gisela Krohn

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GISELA KROHN



K Ă– P P E CONTEMPORARY

Wald als emotionale Landschaft


Wald als emotionale Landschaft – Christoph Tannert Von ihren Spaziergängen bringt die Künstlerin Fotos mit, die die Erinnerungen an ihr Walderlebnis wach halten. Am liebsten sucht sie „verborgene Orte“ auf, denen sie dann im malerischen Aufgehobensein ein Denkmal setzt. Die Seele des Waldes dampft sie ein in Farbe. Wie die Künstlerin die Sinnlichkeit einer Landschaft und die Körperlichkeit von Materie um die Bildmitte herum ausbalanciert, das hat Konsequenz und ist harmonisch. Zuweilen entsteht ein Sog, den man sich schwer erklären kann. Wirkt hier nur etwas Handgemachtes, ein Kontrastprinzip oder entführt uns etwas an einen Sehnsuchtsort der menschlichen Seele? Wenn Gisela Krohn den Pinsel ansetzt, dann aus Lust an der Farbe, ihren vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten und weil sie das Spontane und Zufällige schätzt. Was von ihr in der Natur wahrgenommen wird, fließt in die Malerei ein, wird im Arbeitsprozess in neue, erweiterte Beziehungen überführt. Gegenständliches und Ungegenständliches, dem Augensinn Verpflichtetes, Gefühltes und Erahntes verzahnen sich. Die wechselseitige Verflechtung von Bewusstem und Unbewusstem führt letztendlich zu Bildlösungen, die weder vorausgedacht noch vorausgesehen werden können. Das garantiert den Kompositionen ihre Frische und Unmittelbarkeit. In ihnen sehen wir es rinnen und schmelzen, dass es eine wahre Freude ist. Zentrales Motiv ihrer Werkreihe „Passion“ (2015) ist ein umgebrochener mächtiger Baum über einem Waldsee oder die gefallene Fichte der Serie „Niklas“ (2016). Gisela Krohns Bilder sind malerisch, weil sie nicht auf die grafisch scharf geschnittene dokumentarische Konturierung orientieren, sondern auf das weiche Fließen eines transitorischen Übergangs zwischen Farbpunkten und Farbflächen – und weil sie sich überdeutlich in Beziehung setzen zur Geschichte der europäischen Landschaftsmalerei, insbesondere der Romantik und beispielsweise den religiösen Implikationen der Bilder von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge. Es ist keineswegs ein neutrales Bild, das die romantischen Maler von der Natur entwerfen. Sie malen die Natur so wie sie sie fühlen, als eine Offenbarung des göttlichen Universums. Im Vergleich dazu machen uns die Bilder von Gisela Krohn nicht fromm, sie lassen uns aber zumindest Rückschau halten auf die Bildleistungen der Alten und deren tiefe Religiosität. Und es gelingt der Künstlerin, ihren Bildern etwas Verzauberndes einzuschreiben. Auch Wehmut, ein Besorgtsein schwingt mit.


Gisela Krohn malt symbolische Landschaften. So sieht Vergänglichkeit, Zerstörung, Schweigen aus. Etwas Unergründliches ist darin, dazu ein Resthauch von Traurigkeit, der wohl nie ganz verschwindet, denn natürlich zielt das Thema „Passion“ ziemlich direkt auf Gefälltwerden, Umbrechen, Absterben, mithin auf das Endzeitliche. Ins Bildzentrum tritt die Demütigung des stolzen, selbstbestimmten Einzelwesens. Und das unter gesellschaftlichen Umständen, in denen wir fast nie mit dem Tod konfrontiert werden. Wir sind ziemlich ungeübt im Umgang mit der Vergänglichkeit. Die vitale und kreative Art, mit der Gisela Krohn an ihrem aktuellen Thema „Passion“ malt, hat etwas von lustvoller und mutiger Verausgabung. Es ist ein malerischer Akt, der bewusst macht, dass es befreiend sein kann, in Gewissheiten oder zumindest in Wahrscheinlichkeiten zu denken. Manch einer mag diese Stimmungsmalerei pathetisch nennen, für die Künstlerin ist jedes Bild eine Erkundungsreise. Wir sehen ihr zu, wie sie schaut, in die Welt hört und reflektiert, wie sie die „verborgenen Orte“ als Ich-Bilder anlegt, in atmosphärische und Lichtverhältnisse zerlegt, beobachtet, neu ansetzt – und dabei kraftvoll vorankommt. Weiße Flächen (häufig lässt die Künstlerin einfach die Grundierung stehen) kommt Bedeutung zu, weil sie Ruhezonen sind, wie strukturelle Trockenböden und Sandbänke wirken in all dem Abtropfen und Verlaufen. Während die Welt sich im Staccato dreht, hält sich Gisela Krohn an eine Malerei der sedierten Lautheit, der ruhiggestellten Hektik, ohne der süßlichen Projektion von Waldeinsamkeit auf den Leim zu gehen. Sie fängt Licht ein und hält es sowohl sphärischer als auch kraftvoll in Balance. Solche Art von Bildern sind sanft, rau, eisig und geheimnisvoll auf einmal. Durch Dickicht brechendes Licht oder das Schimmern von Tautropfen auf Spinnennetzen findet aber nicht nur tastend einen Widerhall in diesen Bildern, sondern durch die offenen Augen der Bewusstheit. Denn nicht der Wald ist das Thema von Gisela Krohn, nicht die Zähmung des Lebens in romantischer Sublimierung, nicht Sehnsucht, nicht Sorglosigkeit, sondern Malerei in unterschiedlicher Distanz zum Naturvorbild. Im hiesigen Fall eine interessante und fruchtbringende Annäherung von künstlerischen und geistigen Erfahrungen im Material von Leinwand und Farbe. Und eine Suche nach den auslösenden Momenten für die eigene Bildsprache – Malerei in medialer Selbstreflexion zwischen Konkretion und Abstraktion.


Passion 1 | テ僕 / Lw, 190 x 300 cm, 2015



Passion 2 | テ僕 / Lw, 130 x 150 cm, 2016


Passion 3 | テ僕 / Lw, 80 x 120 cm, 2016


Niklas | テ僕 / Lw, 150 x 180 cm, 2016



Wendepunkt blau | テ僕 / Lw, 140 x 240 cm, 2015



Niklas 2 | テ僕 / Lw, 80 x 60 cm, 2016


Linumhorster Allee 3 | テ僕 / Lw, 180 x 180 cm, 2012


Verborgener Ort | テ僕 / Lw, 110 x 180 cm, 2016



The Bic Vic Fall 3 | テ僕 / Lw, 150 x 260 cm, 2012



Klenze Weiher | テ僕 / Lw, 150 x 200 cm, 2015



Déjà - Vu | Öl / Lw, 80 x 240 cm, 2016



Present | テ僕 / Lw, 110 x 160 cm, 2015



Laichplatz 2 | テ僕 / Lw, 160 x 180 cm, 2010


Laichplatz 3 | テ僕 / Lw, 160 x 180 cm, 2010


GISELA KROHN Vita 2001 2000 95-01 91-95 88-89 1986 1966

Diplom der Malerei, Kunsthochschule Berlin bei Prof. H. Schimansky Erasmus Stipendium, Bordeaux, Frankreich Studium der Malerei an der Kunsthochschule Berlin Ausbildung zur Theatermalerin an der Deutschen Oper Berlin Einjähriger Studienaufenthalt in Quebec, Kanada Fachabitur in Grafik und Design In Köln geboren

Einzelausstellungen (K) Katalog 2016 2015 2014 2013 2012 2009 2007 2006 2004 2001 2000

Galerie Köppe Contemporary, Berlin (K) Galerie Peter Frey, Salzburg Galerie Biesenbach, Köln (K) Galerie Art Affair, Regensburg ARD Hauptstadtstudio, Berlin Galerie Wittenbrink, München „open secret“ (K) DSV Kunstkontor Stuttgart, "my memories are like water" Galerie Wittenbrink, München, „rasende Stille“ (K) Kunstamt Berlin/Kreuzberg „hinter dem Liebnitzsee“ Galerie Wittenbrink, München, „Trügerische Stille“ Audi-Forum Berlin (K) Hubertus Melsheimer Kunsthandel, Köln Galerie Wittenbrink, München „Timberland“ (K) Stift Neuzelle, deutsch-polnisches Stipendium des Landes Brandenburg Galerie Bago, Berlin „neue Landschaftsbilder“ Goethe-Institut Bordeaux, Frankreich, „dans le jardin de mon ami“

Gruppenausstellungen 2016 2014

Galerie Andrea Madesta, Regensburg Yongsan War Memorial Museum, Seoul Korea Galerie Peter Frey, Salzburg – Austria Haus Beda, Bitburg „Mythos Wald" - Zeitgenössische und historische Interpretationen zum Thema Wald Galerie Biesenbach, Köln


2012 2011 2007 2006 2005 2003 2001

Hubertus Melsheimer Kunsthandel, Köln „100 Jahre Landschaft“ XII International Workshop of Visual Arts and Artists Meeting Marianowo, Polen Hubertus Melsheimer Kunsthandel, Köln Art Karlsruhe La Biennale du Prieuré, Belgien Art Cologne Kunstmesse Karlsruhe Galerie im Körnerpark Berlin Galerie Wittenbrink, München „Positionen neuer Malerei“ Kunsthochschule Berlin, „Alleen“ Diplomausstellung

Veröffentlichungen 2014 2013 2012 2006 2005 2004 2003

Mittelbayrische Zeitung, der surreale Impressionismus der G. Krohn Potsdamlife Magazin Sommer, Natur und Kunst, Künstlerporrait Kunstquadrat Gisela Krohn, Buch Jovis Verlag Stuttgarter Wochenblatt: Virtuose Malerei, Stuttgarter Zeitung: G. Krohns Bilder im Kunstkontor Die Welt „Es gibt kein endgültiges Bild“ Interview von A. Hilgenstock Die Welt, „Timberland“ Ausstellung München Brigde Magazin, Chicago Review „Timberland“Ausstellung, München Tip Magazine, Berlin, Ausstellung Galerie im Körnerpark „Flash Art“ Magazine Mailand, Review „Timberland“ Galerie Wittenbrink München

Dieser Katalog erscheint anlässlich der Ausstellung "Wald als emotionale Landschaft", Mai / Juni 2016 in der Galerie Köppe Contemporary. Verso Linumhorster Allee 3 | Öl / Lw, 180 x 180 cm, 2012 (Ausschnitt)


Gisela Krohn in ihrem Berliner Atelier, fotografiert von Daniel M端ller (2016)


KÖPPE CONTEMPORARY Knausstraße 19 •14193 Berlin-Grunewald Tel.: 030 / 825 54 43 • Mobil: 0176 / 23 37 92 78 galerie@villa-koeppe.de • www.villa-koeppe.de www.facebook.com/GalerieVillaKoeppe © Galerie Köppe Contemporary, 2016 Fotos: Gisela Krohn, Max Weise


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