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BASSENGE AUKTION 117 GEMÄLDE ALTER UND NEUERER MEISTER

Donnerstag, 10. Juni 2021

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: art@bassenge.com . www.bassenge.com


I H R E A N S P R E CH PA RT N E R F Ü R D I ES EN KATALO G / E X P E RT S FO R T H I S CATA LO G U E :

Abteilung Gemälde und Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts / Department of 16th – 19th Century Paintings and Drawings Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind. Dr. Ruth Baljöhr

+49 (0)30 - 893 80 29 22 r.baljoehr@bassenge.com

David Bassenge

+49 (0)30 - 893 80 29 17 david@bassenge.com

Eva Dalvai

+49 (0)30 - 893 80 29 80 e.dalvai@bassenge.com

Lea Kellhuber

+49 (0)30 - 893 80 29 20 l.kellhuber@bassenge.com

Nadine Keul

+49 (0)30 - 893 80 29 21 n.keul@bassenge.com

Harald Weinhold

+49 (0)30 - 893 80 29 13 h.weinhold@bassenge.com

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei

Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 2500 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.


T ER M I N Ü BER SICH T

AU KT ION 117

MITTWOCH, 9. Juni 2021 Vormittag 10.00 Uhr Druckgraphik des 15. bis 18. Jahrhunderts Nr. 5000-5317 Nachmittag 15.00 Uhr Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5318-5429 Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. 5430-5688 des 15. bis 18. Jahrhunderts

DONNERSTAG, 10. Juni 2021 Vormittag

11.00 Uhr

Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen

Nr.

6000-6228

Nachmittag

15.00 Uhr

Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln

Nr.

6300-6482

17.00 Uhr

Discoveries (Katalog nur online verfügbar) Nr. 6900-6988

FREITAG, 11. Juni 2021 Nr.

6500-6819

Vormittag

11.00 Uhr

Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts

Nachmittag

15.00 Uhr

Moderne Kunst Teil II (Katalog nur online verfügbar) Nr. 7000-7500

SONNABEND, 12. Juni 2021 Eine Berliner Privatsammlung zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH

Nachmittag

8200-8549 Moderne Kunst Teil I Nr.

14.00 Uhr

Nr.

8000-8114

Vormittag 11.00 Uhr

VORBESICHTIGUNGEN Um einen reibungslosen Ablauf der Vorbesichtigung aufgrund der aktuellen Einschränkungen gewährleisten zu können, bitten wir Sie um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail. Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Über das Leben hinaus Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Montag, 31. Mai bis Montag, 7. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 8. Juni 10.00–15.00 Uhr Moderne Kunst Teil I und II, Eine Berliner Privatsammlung zugunsten der neuhland – Hilfe in Krisen gGmbH Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 31. Mai bis Donnerstag, 10. Juni, 10.00–18.00 Uhr Vorabtermine sind nach Vereinbarung ab Dienstag, dem 25. Mai möglich. Schutzgebühr Katalog: 15 € Umschlag: Los 6032, Georg A. Hoffmann und Los 6087, Anton Weinberger


GEM Ä L DE DE S 16. BIS 18 . JA HR H U N DERT S


Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6000

6001 6


_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6002

Niederländisch

Flämisch

6000 18. Jh. Flusslandschaft mit Burg. Öl auf Holz. 16,5 x 22,8 cm. Verso ein alter, roter Siegel­ lackstempel.

6002 um 1600. Mars und Venus, von Vulkan überrascht. Öl auf Holz, parkettiert. 55 x 73 cm. 4.500 €

600 €

Giovanni Battista Ruoppolo (1629–1693, Neapel)

6001 Umkreis. Stillleben mit Wassermelone, Feigen, Zitronen und Federwild. Öl auf Leinwand, doubliert und auf Pappe kaschiert. 100 x 134 cm. 3.000 € 7


Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6003

6004 8


_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6005

Nürnberg 6003 1648. Ein Edelmann auf dem Totenbett, rechts auf einer Marmorplatte ein Stillleben mit Totenschädel, einer herabfallenden Sanduhr und einem Schneckenhaus. Öl auf Kupfer. 12,2 x 17,3 cm. Oben rechts monogrammiert, beschriftet und datiert „Der Gerechten Seelen sein in Deiner Hand / und keine Qual rühret sie an S(al?) 3i“, sowie „M:P:I / Mortus 14 Novemb A°1648“.

François Verwilt (1623–1691, Rotterdam)

6005 zugeschrieben. Tanzende und spielende Putti in einer Felsenhöhle, im Hintergrund eine Burgruine. Öl auf Holz, teils parkettiert. 36,6 x 50 cm. 3.000 €

600 € Peter Paul Rubens (1577 Siegen – 1640 Antwerpen)

6004^ nach. Tritonen und Nereiden. Öl auf Leinwand, doubliert. 40 x 54,5 cm. Wohl Französisch, um 1800. 1.500 € Detail nach dem Gemälde von Peter Paul Rubens „Die Landung Maria de‘ Medicis in Marseille“, das der Künstler als Teil des 24 Bilder umfassenden Medici-Zyklus in den Jahren von 1621-1625 gemalt hat.

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Flämisch 6006 17. Jh. Bildnis eines Mannes mit weißem Kragen. Öl auf Leinwand, doubliert. 60,5 x 46,5 cm. 1.500 €

6006

Flämisch 6007 17. Jh. Bildnis einer Dame in dunklem Kleid mit Mühlsteinkragen und Spitzenhaube. Öl auf Leinwand, doubliert. 65,5 x 52,5 cm. Verso auf dem Keilrahmen mit einem Siegellackstempel. 1.500 € 6007 10


_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6008

Jan van Goyen (1596 Leiden – 1656 Den Haag)

6008 zugeschrieben. Dünenlandschaft Öl auf Leinwand. 59 x 74 cm. Unten rechts mit Signatur „vGoyen 16[...]“. 24.000 € Literatur: Die Weltkunst 29, März 1959, S. 29 (Anzeige). Hans-Ulrich Beck: Jan van Goyen. Ein Œuvreverzeichnis 1596-1656. Band III: Ergänzungen zum Katalog der Handzeichnungen und Ergänzungen zum Katalog der Gemälde. Doornspijk 1987, S. 469, Nr. 1050 (als „sig­ niert und datiert 163“).

Provenienz: Art Kunsthandel Bertil Rapp, Stockholm, um 1950, Nr. 1023 (datiert als „163...“). H. Bukowskis Konsthandel, Stockholm, Auktion vom 15.-17. April 1959, Los 162 (mit Abb. Tafel 21, als „Jan van Goyen“). Bukowski Auktioner, Stockholm, Auktion vom 24.-27. April 1984, Los 469 (mit Abb. Tafel 106, als „zugeschrieben an Jan van Goyen“). Christie‘s, London, Auktion am 2. November 2001, Los 43 (mit Abb., als „Jan van Goyen“). Kunsthandel Dominique Hurtebize, Cannes. Privatsammlung Deutschland. Der in Leiden geborene Landschaftsmaler Jan van Goyen, Schüler des Esaias van de Velde, schafft in seinen Gemälden in monochromen Nuancen von Grau, Braun und Grün überzeugend atmosphärische Landschaftsräume, die er aus seiner unmittelbaren holländischen Umgebung adaptiert. In luziden, überlagernden Malschichten verleiht er seinen Landschaften mit Staffage eine natürliche Lebendigkeit und führt den Betrachter mit perspektivisch, diagonalen Sichtachsen durch seine Bilder.

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6009

6011 12


_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6010

Roelof van Vries

Franz Hochecker

(1630/31 Haarlem – nach 1681 Amsterdam)

(1730–1782, Frankfurt am Main)

6009 Holländische Kanallandschaft mit Bauernhäusern. Öl auf Holz. 38 x 45 cm. Unten rechts signiert „R Vries“, verso mit einem alt handschriftl. bez. Etikett mit Angaben zum Künstler.

6011 Zeltlager mit Marketendern und Reitern vor einer Stadt. Öl auf Leinwand. 19,3 x 25,1 cm.

4.000 € Provenienz: Privatsammlung Berlin. Zu den genauen Lebensdaten des Roelof van Vries ist nicht viel bekannt. Sicher ist, dass er einigen Erfolg mit seinen Haarlemer Landschaften in der Tradition Jacob van Ruisdaels feierte und bei seiner Hochzeit im Jahre 1659 seine Trauzeugen keine geringeren waren als Frans Hals‘ Sohn Reynier und dessen Frau. Auch Egbert van Heemskerck und Aert van der Neer gehörten zu seinem Freundeskreis. In Teilen orientierte er sich auch an Hobbema, Wynants und Wouwerman, aber sein großes Vorbild blieb Jacob van Ruisdael, dem er in seinem Stil in manchen Werken so nah kam, dass seine Werke oft Ruisdael selbst zugeschrieben wurden.

3.000 € Provenienz: Nachlass Familie von Stockar-Stadelhofer. Züricher Privatsammlung. Der Landschafts-, Figuren- und Tiermaler Franz Hochecker beginnt als Lehrling in der Werkstatt des Christian Georg Schütz d. Ä. Er heiratet dessen Schwester und wird Mitarbeiter seines Schwagers. 1767 wird er zum Vorstand der Frankfurter Malerzunft ernannt.

6010 Haarlemer Landschaft mit Bauernhäusern. Öl auf Holz, parkettiert. 39,5 x 53,5 cm. Um 1650. 4.000 € Provenienz: Spätestens seit den 1970er Jahren Privatsammlung Berlin. Mit einer Expertise von Walther Bernt vom 18. Juni 1973.

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Gottfried von Wedig (auch Gotthardt, 1583–1641, Köln)

6012 Stillleben mit gerösteten Maronen. Öl auf Holz, verso mit einem Siegellackstempel. 30,5 x 32,5 cm. 60.000 € Obwohl in Köln geboren und ansässig, zählt Gottfried von Wedig zusammen mit dem um eine Generation älteren Georg Flegel zu den Hauptvertretern der Frankfurter Stilllebenmalerei. Wedig lernte zunächst wohl bei seinem Großvater Bartholomäus Bruyn d. J., spätestens 1608 erhielt er den Meistertitel. Seine Haupttätigkeit war die Porträtkunst, doch zu wahrer Meisterschaft brachte er es ab ca. 1630 mit seinen Stillleben in der Tradition niederländischer Mahlzeitenbilder. Auf unserem Gemälde sind in der für den Maler charakteristischen, leicht schrägen Aufsicht Gegenstände einer nächtlichen Brotzeit diagonal ausgebreitet. Das Bild­ inventar ist schlicht, das Mahl entspricht gängigen bürgerlichen Alltagsspeisen: teils geschälte Maronen und gekräuselte Butterflocken in Zinntellern, ein knuspriger Brotlaib, ein Apfel, eine Kerze im messingfarbenen Halter sowie zwei Gefäße aus Steinzeug, eines davon ein Trichterbecher aus dem niederrheinischen Siegburg. Der Einfachheit der Bildgegenstände entspricht auch die gedämpfte Farbigkeit in braunen, gelben und grauen Tönen, die der Komposition ihre ausgewogene Wirkung verleiht. Geschirr und Speisen sind dicht aneinandergedrängt, sodass das milde Kerzenlicht das gesamte Arrangement in seinen Schein tauchen kann. Zinn, Steinzeug und Essen - sie alle reflektieren das Licht auf unterschiedliche Weise und bringen so Wedigs unbefangenen Blick für die Wirklichkeit zum Ausdruck.

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_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6012

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6013

Jacob de Heusch

Jacques Blanchard

(1657 Utrecht – 1701 Amsterdam)

(1600–1638, Paris)

6013 Weite italienische Flusslandschaft mit rastenden Fischern und bukolischer Staffage. Öl auf Leinwand. 51,8 x 69,5 cm. Unten auf dem Felsen mittig signiert „JDHeusch f“ (Initialen ligiert).

6014 Werkstatt. La Vierge à l‘Enfant: Madonna mit Kind. Öl auf Leinwand, doubliert. 99 x 72,5 cm. Verso auf dem Keilrahmen ein Siegellackstempel.

4.000 €

4.000 €

Provenienz: Joseph Fievez, Brüssel, Auktion am 18./19. Dezember 1934, Los 92 mit Abb. Tafel 6 (als Willem de Heusch).

Literatur: Vgl. Jacques Thuillier: Jacques Blanchard 1600-1638. Rennes: Musée des Beaux-Arts, 1998, S. 273-275, Nr. 98.

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_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6014

Jacques Blanchard war in den 1630er Jahren eine prominente Figur in der Pariser Malerszene. Ausgebildet in Lyon von Horace Le Blanc, ließ er sich in der französischen Hauptstadt nieder, nachdem er Italien besucht hatte und dort durch die Werke der Venezianer in Licht und Farbe so sehr beeinflusst worden war, dass er als „französischer Tizian“ bekannt wurde. In Frankreich unterhielt Blanchard Beziehungen zu den großen Malern seiner Zeit wie Louis de Boullogne und Claude Vignon, allen voran aber zu Simon Vouet, der die Pariser Malerszene in den 1630er Jahren dominierte. Vorliegendes Gemälde zeigt ein von Blanchard oft wiederholtes Motiv der Madonna mit Kind. Jacques Thuillier erwähnt in seinem Ausstellungskatalog von 1996 Jacques Blanchard 1600-1638 ein verschollenes

Gemälde Blanchards, das in seiner überaus reizvollen als auch lieblichen Darstellung der Mutter mit Kind mit Vouets Malerei - die Blanchard als Inspiration galt - in Konkurrenz tritt: „Le tableau original dut être l’un des plus séduisants de Blanchard, l’un de ceux qui pourraient le mieux rivaliser avec les célèbres Vierge à l’Enfant de Vouet. La sensibilité discrète, le dépouillement de la composition, la science des rythmes permettent de la placer parmi les dernières productions de Blanchard” (op. cit. S. 274). Das erwähnte Gemälde ist lediglich in verschiedenen Stichen und Zeichnungen von Kopisten überliefert. So befindet sich beispielsweise sowohl im British Museum (Inv.Nr. 1860,0616.108) als auch im Louvre (Inv. Nr. 23766) eine Zeichnung nach dem Gemälde. Wir danken Gui Rochat, New York, für wertvolle Hinweise (Februar 2021).

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6015

6015

Italienisch 6015 18. Jh. Zwei jesuitische Heilige: Hl. Franz Xaver; Hl. Ignatius von Loyola. 2 Gemälde, je Öl auf Holz, in den wohl originalen geschnitz­ten Holzrahmen. Je ca. 14,7 x 12 cm (oval).

Literatur: Vgl. Erich Schleier: Giovanni Lanfranco: un pittore barocco tra Parma, Roma e Napoli. Ausst.Kat. Mailand 2002, S. 345, Nr. C11 mit Abb.

1.200 €

Im Jahr 1611 verlässt Vouet Frankreich, um nach Italien zu gehen. Über Konstantinopel reist er nach Venedig und lässt sich schließlich in Rom nieder. In der Stadt am Tiber steht er zunächst unter dem Einfluss der Caravaggisten. Vouet bleibt in Rom und studiert in den Jahren 1624 bis 1627 intensiv Giovanni Lanfrancos Stil und Technik. Eine Pension des französischen Königs Ludwig XIII. ermöglicht es ihm, sich ganz auf die Malerei zu konzentrieren, protegiert wird er in seinem Vorhaben auch von den wohlhabendsten aristokratischen Familien der Stadt, den Barberini, Giustiniani, Orsini und Doria. Die in Rom entstehenden Werke unterliegen dem Einfluss Lanfrancos, sie zeichnen sich durch ein klares Verständnis seiner Licht- und Schat­ teneffekte, der Modellierung und der flüssigen Handhabung der Farbe aus. Vorliegendes, eindrucksvolles Gemälde folgt zwei anderen Gemäl-

Simon Vouet (1590–1649, Paris)

6016 Umkreis. Tête de la Vierge: Kopf der Jungfrau Maria. Öl auf Leinwand, doubliert. 66,5 x 56 cm. Unten rechts von späterer Hand bezeichnet „B. Greuze“. Um 1623. 8.000 € 18

Vgl. Frédéric Bortolotti: Simon Vouet: les années italiennes (1613-1627). Ausst.Kat. Paris 2008, S. 141, Nr. 32 mit Abb.


_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6016

den von der Hand Vouets, die dasselbe Motiv zum Inhalt haben. In Ber­gamo, in der Sammlung des Credito Bergamasco befindet sich eine Version Tête de la Vierge (Öl auf Leinwand, 66,3 x 50,5 cm, um 1623-24; als Leihgabe seit 1996 in der Accademia Carrara), die 2001 in der Ausstellung Giovanni Lanfranco: Un pittore barocco tra Parma, Roma e Napoli in Parma, Neapel und Rom zu sehen war. Eine weitere etwas kleinere Version, die den Fokus durch die Aussparung der zarten rechten Hand noch stärker auf das Gesicht der Jungfrau legt (Öl auf Leinwand, 45 x 30cm, wohl Privatbesitz) wurde 2008/2009 in der Ausstellung Simon Vouet: Les années

italiennes 1613/1627 in Nantes und anschließend in Besançon gezeigt. Unsere Version folgt der etwas größeren Version in Bergamo, sie zeigt ebenfalls die zarte Hand, deren Finger vom herabfallenden Stoff sanft umspielt werden und die den gedankenverlorenen, ekstatischen Blick der Jungfrau nur noch intensivieren. Jacques Jacquot glaubt, dass Vouets zukünftige Frau Virginia Vezzi für die Darstellung der Jungfrau Modell saß (op. cit. Bortolotti, S. 141). Wir danken Erich Schleier, Berlin, Dominique Jacqout, Straßburg und Arnauld Bréjon de Lavergnée, Paris, für wertvolle Hinweise.

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6018

Römisch

Italienisch

6017 18. Jh. Zwei Architekturcapricci mit der Statue der Göttin Diana. 2 Gemälde, je Öl auf Leinwand, eines kaschiert auf Holz. Je ca. 78,5 x 105,5 cm.

6018 Mitte 18. Jh. Blick auf das Pantheon und die Piazza della Rotonda. Öl auf Leinwand. 54,5 x 79,5 cm. Verso auf der Leinwand in italienischer Sprache bezeichnet „Piazza della Rotonda di Roma“.

4.500 €

7.500 € 21


Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6019

6019

Französisch 6019 1724. Zwei pittoreske Rheinlandschaften bei Nacht. 2 Gemälde, je Öl auf Leinwand, doubliert. Je 18,8 x 23 cm. Ein Gemälde verso auf der Leinwand unleserlich in französischer Sprache bez. und datiert „[...] 1724“, das andere verso bezeichnet „Veue in Germannia / [...] f. Anno / 1724“. 1.200 € 22


_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6020

Deutsch 6020 18. Jh. Friederike Freiin von Plettenberg im hellblauen Kleid mit Rosen. Öl auf Leinwand, kaschiert auf Hartfaserplatte. 79 x 66 cm. Verso von späterer Hand bezeichnet „Friederike von Plettenberg“. 1.200 €

Friederike Charlotte Sophie Wilhelmine Henriette von Bodelschwingh, geborene Freiin von Plettenberg (1768-1850) war eine wohlhabende Gutsbesitzerin im Raum Unna-Hamm. Sie und ihr Mann Franz von Bodelschwingh sind die Stammeltern des Zweigs derer von Bodelschwingh auf Velmede und Heyde, der eine Anzahl bedeutender Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Hier ist Friederike ungefähr im Alter von fünf Jahren dargestellt. In einem mit weißer Spitze besetzen hellblauen Kleid sitzt sie auf einem roten Samtkissen vor einer Landschaft. Ihre Attribute der roten und weißen Rosen können als Symbol der Jugend und Unschuld gedeutet werden.

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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_________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts

6023

Johann Georg Trautmann (1713 Zweibrücken – 1769 Frankfurt a. M.)

6021 Der Brand des Tores von Bergen. Öl auf Holz. 19 x 26 cm. Verso mit einer alten Bezeichnung in schwarzer Feder „Brand vom Thor von Bergen durch die Franzosen in Brand geschossen 1754 (sic; korrekt wäre 1759) gemalt von Traumann / Dieses Bild befand sich in der Ettling‘schen Sammlung zu Frankfurth a/m und kam durch Kauf an mich im Jahre 1829“, weiterhin mit Bleistift bezeichnet „Trautmann“. Um 1760. 1.800 € Literatur: Edwin Redslob: Goethe und seine Zeit : Goethe-Ausstellung der Stadt Berlin, veranstaltet von der Freien Universität Berlin; ein Führer / von Edwin Redslob, Berlin, 1949. Goethe - Neue Folge des Jahrbuchs der Goethe-Gesellschaft, Bd. 12, 1950, Weimar 1951. Ausstellung: Berlin, Freie Universität Berlin 1949: „Goethe und seine Zeit: Goethe-Ausstellung der Stadt Berlin“. Provenienz: Sammlung des Kunsthistorikers und Trautmann-Forschers Rudolf Bangel. Durch Erbschaft Sammlung Dr. Ludwig und Charlotte Schmidt-Bangel, Berlin. Seit 1992 durch Erbschaft Privatbesitz Berlin.

Literatur: Wie bei vorheriger Losnummer. Ausstellung: Wie bei vorheriger Losnummer. Provenienz: Wie bei vorheriger Losnummer. Dies wie auch das vorhergehende Gemälde stammt ursprünglich aus dem Besitz des Kunsthistorikers und Trautmann-Forschers Rudolf Bangel. Es stellt in stimmungsvoller Weise eine durch einen Blitzeinschlag ausgebrochene Feuersbrunst im Dachstuhl eines kleinen Schlösschens dar. Eine Gruppe von Helfern eilt mit Leitern zur Hilfe herbei, während ein paar Soldaten und ein Offizier zur Rechten das Geschehen beobachten und koordinieren. Auch wenn Trautmann sich seinerzeit zuerst als Historienmaler einen Namen gemacht hatte, verdankt er seine bis heute anhaltende Popularität und seinen Ruhm vor allem seinen Darstellungen von Feuersbrünsten. Dabei sind seine Arbeiten nur in Ausnahmefällen signiert oder bezeichnet. (vgl. u.a. Rudolf Bangel, Johann Georg Trautmann und seine Zeitgenossen, in: „Studien zur Deutschen Kunstgeschichte“, Nr. 173, Strassburg 1914).

Deutsch

6022 Nächtlicher Schlossbrand mit Gewitter. Öl auf Holz. 18,5 x 26 cm. Um 1750/1760.

6023 18. Jh. Pallas Athene auf Wolken thronend und Invidia. Öl auf Leinwand, doubliert. 58 x 69 cm. Mittig am unteren Rand bezeichnet „... Dietricy“.

1.800 €

800 € 25


Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

6024

Johann Conrad Seekatz

Johann Daniel Bager

(1719 Grünstadt – 1768 Darmstadt)

(1734 Wiesbaden – 1815 Frankfurt)

6024 Drei kleine Wandermusikanten beim Kartenspiel. Öl auf Holz. 20 x 28,1 cm.

6025 Bildnis der Christina Josina von den Velden-De Rhon im weiß-rosa Seidenkleid mit Muff. Öl auf Leinwand, doubliert. 88,5 x 71 cm. (1774).

2.400 €

2.400 € Provenienz: Familie von den Velden-Wichelhausen, Niederlande (Nachkommen der Dargestellten, bis ca. 1992). Sotheby‘s, Amsterdam, Auktion am 3. Mai 1999, Los 68. Bei der Dargestellten handelt es sich um die Gemahlin des in Frankfurt ansässigen Bankiers und Kaufmanns Johann Franz van den Velden, dessen Vorfahren aus den Niederlanden in die Finanzmetropole am Main eingewandert waren. Das Gegenstück mit dem Portrait des Ehemannes, das seinerzeit gemeinsam mit vorliegendem Bildnis 1999 im Kunsthandel angeboten wurde, trägt die vollständige Signatur Johann Daniel Bagers und das Datum 1774. Daher ist auch für unser Gemälde das Entstehungsjahr von 1774 anzunehmen. Christina De Rhon, selbst einer Kaufmannsfamilie entstammend, wird hier standesgemäß in einem feinen Kleid aus weißer und rosa Seide gezeigt. Im Schoß liegt dazu passend ein eleganter Muff ebenfalls aus einer rosa Seide, dem der Künstler einen herrlichen Glanz verliehen hat.

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Bildnis J. J. Mettenleiter und Johann Elias Haid im Studierzimmer. Mezzotint von J. E. Haid nach dem Gemälde von Mettenleiter.

Johann Jakob Mettenleiter (1750 Heidenheim an der Brenz – 1825 Gattschina (Russland))

6026 Selbstbildnis mit dem Kupferstecher Johann Elias Haid. Öl auf Kupfer. 31 x 37,6 cm. Auf dem Papierstück an der Tischkante unter dem Album signiert „Mettenleiter“. Um 1778-84. 6.500 € Literatur: Marianne A. Yule: „A Friendship Portrait of J. J. Mettenleiter and J. E. Haid“, in: Print Quarterly, Bd. 37 (2020), Nr. 3, S. 294-299. Ein bemerkenswertes Schabkunstblatt zeigt den Stecher Johann Elias Haid (1739-1809) mit seinem Freund, dem Maler Johann Jakob Mettenleiter, an einem Tisch beim gemeinsamen durchblättern eines Albums. Die Bildunterschrift verrät, dass Haid das Blatt 1784 nach einer gemalten Vorlage von Mettenleiter gestochen hat. Eben diese Vorlage liegt nun mit unserem Gemälde vor. Mettenleiter malte wie für ihn üblich auf Kupfer, die Maße stimmen mit jenen des Schabkunstblattes überein. Beide Männer lebten zur Entstehungszeit der Werke in Augsburg. Haid, rechts im Bild, war dort als Sohn des berühmten Künstlers und Verlegers Johann Jakob Haid aufgewachsen und führte das Unternehmen des Vaters weiter, während Mettenleiter, der links sitzt, zwischen 17781786 in der Stadt weilte. Wir blicken in einen wohnlich eingerichteten Salon. Die rote Hausrobe von Haid verrät, dass wir uns in seinem Heim befinden. Dafür sprechen auch die gerahmten Werke an der Wand im Hintergrund. Direkt über

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Haids Kopf hängt das Bildnis seines Vaters Johann Jakob, das dessen Schüler Anton Graff im Jahr 1766 malte (vgl. Ekhart Berckenhagen: Anton Graff, Leben und Werk, Berlin 1967, Nr. 622). Umgeben wird das Gemälde von Schabkunstblättern, unter denen zwei Drucke von Johann Elias nach Gemälden Andriaen van der Werffs auszumachen sind. Diese Blätter waren Johann Elias von Lambert Krahe (1712-1790) in Auftrag gegeben worden, der eine Serie von Reproduktionen nach Werken in der Düsseldorfer Galerie initiieren wollte. Mit der Qualität der Schabkunstblätter unzufrieden, unterbrach Krahe jedoch 1771 die Unternehmung. Dass Haid die zurückgewiesenen Blätter in seinem Wohnraum an den Wänden präsentierte, spricht für sein Selbstbewusstsein. Der Hausherr unterhält sich mit Mettenleiter über ein Album, dass dieser in den Händen hält. Wie Marianne Yule herausfand, ist auf der aufgeschlagenen Seite eine gezeichnete Ansicht von Kapstadt mit dem Tafelberg im Hintergrund zu erkennen (vgl. Yule 2020, S. 296). Den rastlosen Mettenleiter hatte es 1773 dorthin verschlagen, nachdem er sich in Amsterdam als Soldat für die Kolonien hatte anheuern lassen. In Südafrika erregte er mit seiner Malerei Aufmerksamkeit, sodass er vom Dienst befreit wurde und sich als Porträtist das Geld für die Rückreise auf den Kontinent ersparen konnte. Nach einem Aufenthalt in Italien gelangte er schließlich über München nach Augsburg, wo er Haid kennenlernte und unser besonderes Freundschaftsbild schuf. Trotz der privaten Natur des Werks veröffentlichte Haid das Schabkunstblatt, ein Beleg für die Beliebtheit von Freunschafts- und Konversationsstücken im 18. Jahrhundert.


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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Deutsch 6027 um 1780. Baumbestandene Landschaft mit Wanderern auf einem Weg, im Hintergrund eine Stadtsilhouette. Öl wohl auf Zink. 9 x 12,2 cm. 450 €

Ludwig Guttenbrunn (1750/50 Krems (?) – 1819 Frankfurt a. M.)

6028 Bildnis der Anna Alexandrovna, Herzogin von Serracapriola, geborene Prinzessin Vjazemskaja, im weißen Kleid mit blauer Stola. Öl auf Holz. 42,6 x 31 cm. Auf der Frontseite des Steinsockels signiert und datiert „L. Guttenbrunn. / pinxit 1797.“, verso ein altes Nummernetikett. 35.000 € Literatur: S. A. Podstanitskij: Das Russische Porträt vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Materialien zur Ikonographie (Titel aus dem Russischen übersetzt), Bd. 7, Moskau 2018, S. 124 (Vergleichsabb.). Mit nachdenklichem Blick und einem angedeutetem Lächeln blickt uns die dunkelhaarige Herzogin von Serracapriola direkt an, das Abendrot des Himmels scheint sich in ihren leicht geröteten Wangen und rosigen Lippen widerzuspiegeln. Locker umschmeichelt eine blaue Stola ihre sitzende Figur, die Finger ihrer rechten Hand spielen mit einem offenen Brief in ihrem Schoß. Dieses feinmalerische Werk stammt vom seinerzeit international renommierten Porträtisten Ludwig Guttenbrunn, einem rastlosen Wanderer, der zeit seines Lebens an zahlreichen Höfen in ganz Europa tätig war. Sein erster Gönner, Fürst Nicolaus I. Esterházy, schickte ihn zu Beginn seiner Karriere 1772 nach Rom, wo der spät­

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barock geschulte Guttenbrunn bis 1779 blieb und im Kreis um Anton Raphael Mengs zum klassizistischen Idiom fand, das auch unser Gemälde charakterisiert. 1779-1787 folgten Aufenthalte in Florenz und Turin, je als Hofmaler des Herzogs der Toskana und am Hof der Savoyer. Mit Ausbruch der Revolution verließ Guttenbrunn den Kontinent und begab sich nach London, wo ihn 1795 der Ruf an den Hof von Katharina der Großen erreichte. Die Datierung unserer Porträts (1797) verrät, dass das Werk während seiner rund zehnjährigen Tätigkeit als Hofmaler in St. Petersburg entstand. Abhilfe bei der Identifizierung der Dargestellten schaffen zwei Miniaturen, die das Konterfei von Anna Alexandrovna, Herzogin von Serracapriola (1770-1840) wiedergeben (vgl. Edition du Grand-Duc Nicolas Mikhailowitch. Portraits Russes des XVIIIe et XIXe siècle, Bd. 2, St. Petersburg 1905, Nr. 103 sowie eine rückseitig „La Duchesse Serra Capriola Wiazemsky“ bezeichnete Miniatur in der Privatsammlung der Familie Maresca di Serracapriola, Schloss Maresca, Serracapriola). Anna Alexandrovna wurde als Prinzessin Vjazemskaja in eine der prestigeträchtigsten Familien am Hofe der Zarin geboren. Ihr Vater Alexander Vjazemskij (1727-1793) fungierte als Generalprokurator des Senats und war einer der Funktionäre, die Katharina am nächsten standen. 1788 heiratete sie Antonino Maresca, Herzog von Serracapriola (1750-1822), der dem sorrentinischen Adel entstammte und seit 1783 als Gesandter Neapels und später der Bourbonen insgesamt ein höchst einflussreicher Diplomat war. Von Anna sprach die Gesellschaft als „Herzogin“ und ihr Haus in St. Petersburg wurde zu einem der glamourösesten Salons der Stadt, in dem Größen wie Alexander Pushkin verkehrten. Guttenbrunn porträtierte Anna ein erstes Mal bereits 1796, allerdings trägt die junge Frau in diesem kleineren Bildnis eine rote Stola und sitzt in einem Interieur mit Fenster (Staatliches Kunstmuseum der Republik Tatarstan, Inv.Nr. ZH - 274). In unserem Werk holt Guttenbrunn die Dargestellte ins Freie, eine Bildnisformel, die er für seine russischen Porträts wiederholt anwandte. Der allzu oft kühlen Entrücktheit klassizistischer Porträts setzt er die Wärme des Antlitzes von Anna entgegen, die er durch die rötlich-violetten Töne im weitläufigen Landschaftsausblick aufgreift und unterstreicht.


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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Angelika Kauffmann (1741 Chur – 1807 Rom)

6029^ Umkreis. Eurydike. Öl auf Leinwand. 33,5 x 17,5 cm. 3.000 € Provenienz: Dorotheum, Wien, Auktion am 7. November 1991, Los 67. Privatsammlung Schweiz.

Jean-Laurent Mosnier (1743 Paris – 1808 St. Petersburg)

6030 Bildnis einer Hamburger Dame im weißen Kleid mit Kragen in weißer Tüllspitze und roter Stola. Öl auf Leinwand. 69 x 57,5 cm, doubliert. Unten links im Hintergrund signiert und datiert „J. L. Mosnier / f. 1800“, verso auf dem Keilrahmen ein altes Nummernetikett. 8.500 €

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Die Französische Revolution markierte für den Portraitmaler JeanLaurent Mosnier, der seine Karriere als Miniaturist begonnen hatte und seit 1788 Mitglied der Académie Royale war, den Beginn eines lebenslangen Exils. Dieses führte ihn 1791 zunächst nach London, wo er seine Tätigkeit als gefragter Porträtist der adeligen und großbürgerlichen Oberschicht erfolgreich wiederaufnehmen konnte. Seiner letzten Station in St. Petersburg als Bildnismaler am russischen Zarenhof Alexanders I. und Professor an der dortigen Akademie, ging 1797-1801 ein vierjähriger Aufenthalt in Hamburg voraus. Wie bereits in Paris und London fanden auch in der Hansestadt seine Bildnisse beim zahlkräftigen Publikum großen Anklang. Deren gestalterische Anziehungskraft resultierte aus der klaren Malweise, der virtuosen Wiedergabe von Stoffen sowie dem brillanten, in großflächigen Partien organisierten Kolorit. Diese malerischen Qualitäten prägen auch unser Porträt einer unbekannten Dame, das im vorletzten Jahr von Mosniers Hamburger Aufenthalt entstand. Der Künstler hielt die junge Frau mit dem hellen Blick und den braunen Locken stehend in Halbfigur vor einem dunklen Fond fest. Das Weiß des unter der Brust geschnürten Kleides bestimmt zusammen mit dem Rot der Stola und dem zarten Inkarnat das farblich elegant komponierte Werk. In der feinen Glätte des Farbauftrags, der Reduktion auf das Essentielle, offenbart hier Mosnier jenes Talent, dem er kurz später den Ruf an den russischen Hof zu verdanken hat.


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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Italienisch 6031 um 1780. Bildnis einer jungen Frau im Damastkleid mit pelzbesetzter Stola. Öl auf Holz. 19 x 13,8 cm. 750 €

Georg Andreas Hoffmann (1752 Frankenau/Mittelfranken – 1808 Berlin)

6032 Doppelbildnis zweier junger Knaben. Öl auf Leinwand. 45,7 x 53,3 cm. Verso auf dem Keilrahmen mit je einem roten und grünen Siegellackstempel sowie einem alten Etikett bez. „N. 1672 Netscher“. Um 1783. 6.000 € Der gehörlose Georg Andreas Hoffmann studierte seit 1781 bei Adam Friedrich Oeser in Leipzig, bevor er 1786 zu Giovanni Battista Casanova an die Dresdener Akademie ging und sich schließlich in Berlin niederließ. Bei dem äußerst reizvollen Doppelportrait zweier junger Knaben handelt es sich um ein Frühwerk des Künstlers, das noch zur Lehrzeit bei Oeser um 1783 in Leipzig entstand. Bei den gewagten Verkürzungen spürt man deutlich die Ambitionen des Künstlers, der sich später in Berlin als gefragter Portraitmaler profilierte. Eine Variante desselben Motivs versteigerte Bassenge 2012 in der 100. Auktion (Los 6120). Unser Bild unterscheidet sich vor allem in der mise-en-page, die aufgrund des etwas kleiner gewählten Bildausschnittes deutlich fokussierter wirkt, und weicht nur in wenigen Details, die Kleidung betreffend, ab.

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Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Deutsch 6033 18. Jh. Zwei arkadische Landschaften. 2 Gemälde, je Öl auf Kupfer. Je ca. 21,5 x 27,6 cm. Unten rechts je unleserlich signiert „C v B[...]“. 1.500 € 36


__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________Portraitminiaturen

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Jacques-Louis Comte (um 1781 Payerne, Kanton Waadt – nach 1843 Neapel)

6034 Bildnis einer harfespielenden jungen Frau in weißem Satinkleid mit bunt bordiertem orangem Kaschmirschal, auf Balkonterrasse sitzend vor orangem Vorhang mit Ausblick auf Landschaft rechts. Aquarell und Gouache auf Elfenbein. 17,7 x 14,1 cm. In vergoldetem Messingrahmen, rückseitig Klappständer. Unten rechts signiert und datiert „L. Comte. pt. 1819.“. 1.500 €

Literatur: Leo R. Schidlof: The Miniature in Europe, Graz 1964, Bd. I, S. 158 („One of his masterpieces“). Ausstellung: Genf, Musée d‘art et d‘histoire, Chefs-d‘oeuvre de la miniature et de la gouache, 1956, Kat.-Nr. 88 (Leihgabe Ernst Holzscheiter, Meilen). Provenienz: Meilen (Zürichsee), Sammlung Ernst Holzscheiter (18781962). Sotheby‘s, London, Auktion am 28. März 1977 „Important English and Continental Miniatures from the Holzscheiter Collection“, Los 127 mit Abb. (Zuschlag 2.800 GBP plus 10 % Aufgeld). Seither Deutschland, Privatbesitz.

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Portraitminiaturen___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Flämisch 6035 2. Hälfte 17. Jh. Bildnis einer Dame im perlen­ besetzten blauen Kleid mit hochgesteckten Korken­ zieherlocken. Öl auf Metall, wohl Silber. 6,8 x 5,5 cm (oval). Im Holzetui bezogen mit braunem Leder. Innen 10 Glimmerschieferplättchen („Mica“) bemalt in Ölfarbe, teils mit Spuren von Goldhöhung, mit diversen weiblichen Verkleidungen (wie byzantinische Prinzessin, Türkin, Armenierin, Trauerbzw. Ballkleidung) um ausgespartes Gesicht herum. 3.000 €

Carl Ludwig Hummel de Bourdon (um 1769–1840 Wien)

6037 Bildnis eines jungen Mannes mit leichtem Schnurbart und Windstoßfrisur, mit dem rechten Arm auf eine Stuhllehne gestützt vor einer Flusslandschaft sitzend, in nachtblauer Jacke mit beiger Weste, geknoteter schwarzer Halsbinde, weißem Hemdkragen und plissiertem Jabot. Unten links signiert und datiert „HUMEL / 1814“. Aquarell und Gouache auf Karton. 12,5 x 9,3 cm (oval). In rechteckigem vergoldetem Holz- und Stuckrahmen mit Palmetten in den Spandrillen. 2.000 €

Deutsch

Abbildung Seite 40

6036 um 1820. Profilbildnis eines Herrn nach links in schwarzer Jacke mit cremefarbenem Hemd und weißem Spitzenjabot. Polychrome Wachsbossierung, Papier und Spitzenstoff montiert auf tintenblau hinterlegter runder Glasplatte. D. 11 cm. Unter Glas in vergoldetem Holzrahmen mit floraler Eckzier (Rahmen oben rechts gesprungen). 200 € 39


Portraitminiaturen___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

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Johann Martin Morgenroth

Aimée-Zoé Lizinka de Mirbel

(1800 Unter-Siemau bei Coburg – 1859 Mannheim)

(geb. Rue, 1796 Cherbourg – 1849 Paris)

6038 Bildnis der Königin Pauline von Württemberg (1800-1873) in schulterfreiem weißem Kleid mit juwelenbesetzter Goldbrosche, im Haar weiße Gaze-Rüschen und eine Schutenhaube geschmückt mit Ähren und gelben Seidenschleifen; in gemaltem Oval auf vergoldetem „vermiculé“ Grund mit Palmettendekor in den Spandrillen. Emaille auf Porzellan. 12,8 x 10,4 cm (das Oval). In rechteckigem, vergoldetem und bemaltem Holzrahmen.

6039 Bildnis einer jungen Frau mit blumengeschmückter Hochfrisur und Perlohrringen, in schulterfreiem schwarzem Samtkleid mit Seidengürtelband, weißer Spitzenborte und Mousselineärmeln. Unten rechts entlang des Bildrandes aufsteigend in rot signiert und datiert „Lizinka de Mirbel 1832“. Aquarell und Gouache auf Elfenbein. 9,5 x 7,7 cm (oval). In rechteckigem, reich verziertem und vergoldetem Bronze­ rahmen.

1.000 €

1.500 € Provenienz: Meilen (Zürichsee), Sammlung Ernst Holzscheiter (18781962). Sotheby‘s, London, Auktion am 28. März 1977 „Important English and Continental Miniatures from the Holzscheiter Collection“, Los 143 mit Abb. (Zuschlag 1.100 GBP plus 10 % Aufgeld). Seither Deutschland, Privatbesitz. Beigegeben ein Bildnis (gesprungen) einer in einer Landschaft sitzenden jungen Frau in weißem Kleid mit Rose am Dekolleté und schwarzem Gazeschleier, England um 1840/1850, Reginald Easton (1807-1893) zugeschrieben. Aquarell und Gouache auf Elfenbein. 13,4 x 10,8 cm (rechteckig, oben mit abgerundeten Ecken). In vergoldeter Kupferplatte in Samtrahmen (Beigabe nicht abgebildet).

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Leopold Joseph Pöhacker (1782–1844, Wien)

6040 Bildnis des Karlsruhischen Garnisonskommandanten Karl von Francken (1774 Stuttgart - 1828 Karlsruhe), in dunkelblauer Uniform mit goldbestickem rotem Kragen und goldfarbigen Epauletten, dekoriert mit Bruststern und Komturkreuz des großherzoglich badischen KarlFriedrich-Militärverdienstordens, dem Offizierskreuz des kaiserlich französischen Ordens der Ehrenlegion, und dem Kreuz des kaiserlich russischen Wladimirordens; vor Wolkenhintergrund. Unten links entlang des Bildrandes absteigend signiert und datiert „Pöhacker 1814.“. Aquarell und Gouache auf Pergament auf Zinkplatte aufgezogen. 14,4 x 12 cm (gemaltes Oval). In rechteckigem, vergoldetem und bemaltem Holzrahmen. 1.500 € Galerie Bassenge dankt Herrn Stanislav Lyulin, Moskau, für die Identifizierung des Dargestellten. Eine kleinere, auf Elfenbein gemalte Fassung, monogrammiert und 1815 datiert, wurde angeboten bei Christie‘s, Genf, Auktion am 18. Mai 1994, Los 316 mit Abb. 6040 41


Gemälde des 16. bis 18. Jahrhunderts___________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Giovanni Liberotti (19. Jh. tätig in Italien)

6041* „Opere scelte“: Daktyliothek. Stapelkasten mit vier Lagen aus Holz, vollständige Folge von 102 weißen Gips-Abdrücken, diese in schwarze, mit weißem Pinsel nummerierte Kartonwickelungen gefasst und auf mit grünem Lackpapier ausgeschlagene Holz­laden geleimt, der Innendeckel mit typographischem Inhaltsverzeichnis. 32 x 20 x 10,5 cm. Rom, Via de’ Condotti No. 36.37, um 1860. 900 € Daktyliotheken sind umfangreiche Sammlungen von Gipsabdrücken nach berühmten Gemälden oder antiken Gemmen. Da die Gemmenoriginale in der Regel sehr teuer waren, wurden umfangreiche Serien von Abdrücken, meist aus Gips gefertigt. Einzelstücke, aber mehr noch die Daktyliotheken gehörten in jede höfische Bibliothek.

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Liberotti zählt neben Cades, Odelli und Paoletti zu den späten Produzenten von Gipsabdrücken nach geschnittenen Vorlagen. Das gedruckte Verzeichnis belegt, dass eine von ihm selbst getroffene Standardauswahl vorliegt, keine private. Liberotti firmierte um 1848 noch in der Via del Babuino no. 105, ein Guida tascabile di Roma für 1870/71 nennt die angegebene Adresse. Der Kasten vereinigt etwas mehr als ein Fünftel der von Liberotti bekannten Abdrücke. Er enthält wenige Beispiele antiken Steinschnittes, vielmehr Wiedergaben klassischer Museumskunst besonders der Renaissance und des Neoklassizismus, beispielsweise: Laokoon, Farnesischer Stier, Vatikanischer Apoll, von Da Vincis „Das letztes Abendmahl“, von Michelangelo „Der Prophet Zacharias“, von Raffael „Die Madonna auf dem Stuhl“, von Tizian „Flora und Venus“, von Thorvaldsen „Der Triumph Alexanders“, „Amor und Psyche“ und viele weitere (vgl. Valentin Kockel, Daniel Graepler: Daktyliotheken - Götter & Caesaren aus der Schublade, München 2006, S. 3, Kat. 20, S. 185.).


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GEM Ä L DE DE S 19. JA HR H U N DERT S U N D N EU ER ER M EIST ER

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Gemälde des 19. Jahrhunderts und Neuerer Meister_______________________________________________________________________________________________________________________________

Norddeutsch 6043 um 1810. Der Maler mit seiner Familie vor der Staffelei. Öl auf Leinwand. 105 x 79 cm. 6.000 €

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Emma Sophie Körner (1788–1815, Dresden)

6042 zugeschrieben. Bildnis wohl von Theodor Körner im Dreiviertelprofil nach rechts. Öl auf Leinwand, auf Malkarton kaschiert. 38,2 x 29,2 cm. Rechts im Hintergrund in schwarzem Pinsel bez. „Th. Körner“. 1.200 € Emma Sophie Körner war die Schwester des Schriftstellers und Freiheitskämpfers Theodor Körner, mit dem sie eine innige Geschwisterliebe verband. Zunächst wurde Emma Körner von ihrer Tante, der Malerin Dora Stock in der Ölmalerei unterwiesen. Später bildete sie sich weiter bei dem Bildnismaler Anton Graff. Neben einem Portrait Schillers hat Emma Körner häufig ihren Bruder im Bildnis festgehalten. Sofern der Bildaufschrift glauben geschenkt werden darf, dürfte es sich um ein sehr frühes Bildnis Körners handeln, das den Dargestellten ohne Oberlippenbart zeigt.

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Die Hamburger Kunst der Jahrhundertwende und der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts eignete eine eigentümliche künstlerische Fixierung auf die eigene Person sowie den Freundeskreis und die Familie. Der Weg führt über einen der ersten Hoffnungsträger lokaler Kunst, Georg Lud­wig Eckhardt, und seinem Selbstbildnis mit den Eltern und der Schwester (1794), vorbei an Friedrich Carl Grögers liebevollem Porträt seiner kleinen Patchworkfamilie mit dem Lebensgefährten Jakob Aldenrath und der Ziehtochter Lina (1804) über das ein Jahr darauf entstandene Meisterwerk romantischer Kunst Wir drei (1805) von Philipp Otto Runge, der sich dort in inniger Verbundenheit mit seiner geliebten Pauline und dem treuen Bruder Daniel festhält. Die auffällige Häufung von Selbstporträts, Familien-, Freundschafts-, aber auch Atelierbildnissen in dieser Zeit lässt sich bis zu einem gewissen Grad durch ortspezifische Gegebenheiten erklären. Vor der Revolution konnte Hamburg lediglich eine mehr als dürftig zu bezeichnende lokale Kunstpraxis vorweisen. Ihrer Größe zum Trotz zählte die Stadt zur künstlerischen Peripherie. Eine abrupte wie kurzweilige Wende brachten ab ca. 1795 die Koalitionskriege, aus denen die Hansestadt enormen wirtschaftlichen Gewinn zog. Erstmals dürstete es eine vermögende Elite nach Kunst. Gleichzeitig waren in ganz Europa Künstler aufgescheucht und mobil geworden, so dass Hamburg aufgrund der beständigen Nachfrage und stabilen politischen Situation zu einem neuralgischen Knotenpunkt internationaler Künstleritinerare wurde. Besonders günstig war die Auftragslage für Bildnismaler, die sich daher zahlreich für kürzere oder längere Aufenthalte niederließen. Das Porträt war für eine im Keimen begriffene Generation von Lokalkünstlern also allgegenwärtig, die Auseinandersetzung damit unumgänglich. Gegen eine gewisse glattpolierte Kommerzialität, die besonders Franzosen wie der ehemalige Hofmaler Jean-Laurent Mosnier pflegten, sträubte sich nicht zuletzt Runge. Gerade im Privaten setzte Runge der gefälligen Perfektion der Berufsmaler einen unkonventionell rauen, unpolierten Stil entgegen. Dieses künstlerische Idiom teilt auch unser Künstler. Es steht außer Frage, dass der Unbekannte mit den freundlichen, dunklen Augen ein Bewunderer, wenn nicht gar Bekannter Runges war. Auch seine Figuren charakterisieren eine gewisse Härte in der Auffasung, die knotigen, wie aus Gummi bestehenden Finger könnten den Pinselstrichen des ungleich Berühmteren entsprungen sein. Bei der stehenden Ehefrau mit den dunklen Stirnlocken und dem breitgesichtigen Kind im Arm drängt sich der Vergleich zum Bildnis der Pauline Runge und ihrem Söhnchen (1807) geradezu auf. Gleichzeitig ist der Maler darum bemüht, die Runge’sche Rustikalität in klassischere Bahnen zu lenken. Mit der roten Draperie im rechten Hintergrund wählt er eine typische Requisite der Porträtmalerei. Zudem räumt er sich durch die Verschränkung des Familien- und Atelierbildnisses die Möglichkeit einer standesgemäßen Inszenierung seines Berufs ein. Gerade sitzt er in typischer Malerpose mit überschlagenen Beinen da, Pinsel und Palette in Anschlag. Die kleine Skulptur hinter der Staffelei und die auf der Rückwand angedeuteten Figurenstudien weisen darauf hin, dass er auch Historien malte oder zumindest diese Aspiration verfolgte. Dennoch liegt die Stärke des Werks zweifelsohne in der lebensnahen Charakterisierung der Dargestellten. Obwohl das Konterfei vieler norddeutscher Künstler und ihrer Lieben durch die oben geschilderte rege Porträtpraxis überliefert ist, bleibt die Identität unserer Familie vorerst ein Rätsel. Nichts desto trotz vereint das Werk kongenial die Entwicklungen und charakteristischen Eigenschaften einer sich formierenden lokalen Schule mit liebevoller Intimität und künstlerischer Vielseitigkeit.


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6044 1819. Die Petruskapelle in Alexisbad bei Harz­ gerode im Harz. Öl auf Leinwand. 45,2 x 59,7 cm. Rechts auf der Plakette des Felsens bezeichnet „Erinnerung 1819“, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „[...] der Alexisbad im Harz“.

6045 um 1815. Zwei Kavaliere mit ihren Pferden im Wald. Öl auf Holz. 53 x 39 cm.

1.800 € Der kleine klassizistische Bau geht auf einen Entwurf Karl Friedrich Schinkels zurück und wurde 1812/15 am rechtseitigen Ufer der Selke im Kurort Alexisbad als Teehäuschen für Herzog Alexius und Herzogin Marie Friederike von Anhalt-Bernburg errichtet. Da Alexisbad über keine eigene Kirche verfügte, ließen die späteren Besitzer des Kurbades im Teehäuschen temporär auch Gottesdienste abhalten, bis es schließlich ganz zu Kapelle umgewidmet wurde.

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3.000 €


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Ferdinand Küss (1800 Wien – 1886 Pörtschach a. See)

6046 Studie mit Enzian, Rittersporn und weißer Tulpe. Öl und Spuren von Rötel auf loser Leinwand. 37,7 x 28,5 cm. Unten rechts signiert „Küss“. 1.800 €

Franz Hubert Müller (1784 Bonn – 1835 Darmstadt)

6047 Bildnis der Marianne von Willemer. Öl auf Leinwand. 67 x 53,5 cm. Am linken Bildrand in der Landschaft signiert und datiert „Müller 1816“. 6.000 € An Musen war Goethes Leben durchaus nicht arm. Doch nur ein einziges Mal ging die seelische Verbundenheit in dichterische Zusammenarbeit auf. Im Sommer 1814 lernte der alternde Schriftsteller bei einem Jugendfreund, dem Bankier Johann Jakob von Willemer, dessen Frau Marianne kennen. Aus ihrem gedanklichen und schriftlichen Wechselspiel gedieh das Buch Suleika in Goethes Gedichtwerk West-östlicher Divan. Mit ihren knapp 30 Jahren war Marianne Willemer liebenswürdig wie geistreich und intelligent. Tochter einer österreichischen Schauspielerin und Tänzerin, war sie in jungen Jahren mit spektakulärem Erfolg in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten. Zu ihren Verehrern gehörte Clemens Brentano, doch war es schließlich der zweifache Witwer Willemer, der

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sie in sein Frankfurter Haus holte. Als sie im August 1814 auf Goethe traf, muss die Anziehung sofort beidseitig gewesen sein. Bis in den Herbst hinein besuchte der Dichter wiederholt ihr Heim. Gemeinsam genoss man in des Ehepaars Gartenhäuschen das Feuerwerksschauspiel zum Jahrestag der Völkerschlacht. Mit Goethes Abreise nach Weimar setzte eine regelmäßige Korrespondenz ein. 1815 kehrte der Literat zu den Willemers zurück. Was ein kurzer Besuch sein sollte, zog sich vom 12. August bis zum 17. September hin. Goethe hatte sich damals abgestoßen von den Kriegswirren und dem aufkommenden Nationalpatriotismus in den literarischen Fernost geflüchtet. Die Begeisterung für den Orient teilte er mit Marianne und in dieser intensiven Zeit gedieh, ernährt von heftiger Leidenschaft und gegenseitiger künstlerischer Befruchtung, der Divan. Während Goethe am Morgen arbeitete, spazierte man am Nachmittag, der Abend war hingegen dem Rezitieren von den tagsüber verfassten Versen bestimmt. Marianne, eine hinreißende Sängerin, machte es sich zur Gewohnheit, die Worte Goethes zu vertonen. Dann begann sie, seine Gedichte mit eigenen Versen zu erwidern. Es entstand ein poetischer Dialog auf Augenhöhe und Goethe nahm einige ihre Schöpfungen in seinem Band auf - unter seinem Namen, wohlgemerkt. Verschwörerisch spielt er in einem Schreiben an Marianne in einem Vierzeiler auf dieses literarische Geheimnis an: „Myrt’ und Loorbeer hatten sich verbunden / Mögen sie vielleicht getrennt erscheinen, / Wollen sie, gedenkend sel’ger Stunden, / Hoffnungsvoll sich abermals vereinen“. Marianne schwieg ihr ganzes Leben dazu. Erst wenige Jahre vor ihrem Tod beichtete sie einem Freund ihren entscheidenden Beitrag und sicherte sich so den ihr gebührenden Platz in der Literaturgeschichte.


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Johann Baptist Schmitt

August Theodor Kaselowsky

(1768 Mannheim – 1819 Hamburg)

(1810 Potsdam – 1891 Berlin)

6048 Die Gänseeiche in Poppenbüttel, Hamburg. Öl auf Leinwand. 81 x 124 cm. Unten rechts signiert „J. B. Schmitt“.

6049 Kinderbildnis von Sebastian Hensel in Rom, Sohn von Wilhelm Hensel und Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy. Öl auf Leinwand. 46,5 x 37,4 cm. Unten rechts signiert und datiert „A. Kaselowsky / Rom 1840“, verso auf der orig. Leinwand weiterhin in schwarz bez. „Rom den 26 ten Apr. 1840“ sowie von anderer Hand in rot bez. „Adieu! treue (?) Hensel 22.11.(18)82“.

2.400 € In der Zeit der Romantik, der Zeit intensiver Naturbeobachtungen, zogen insbesondere die großen, knorrigen Eichen, mit ihren starken Ästen und festverwurzelten Stämmen das Interesse der Maler auf sich. Die mächtigen Bäume „sind wiederholt als anschauliches Gleichnis für die wechselvolle bibliographische Entwicklung menschlicher Individualität in den Stürmen der Zeit verstanden worden“ (Gerd Spitzer in Carl Gustav Carus. Natur und Idee, 2009, S. 69). Die sogenannte „Gänseeiche“ in Poppenbüttel im Norden Hamburgs ist nur eine der vielen Eichen, die Eingang in die Kunst gefunden hat, und zählt um und nach 1800 zu den beliebten Motiven der Hamburger Künstler. Schmitt hielt diese Eiche auch in einer Federzeichnung fest, die sich in der Sammlung des Kupferstichkabinetts der Kunsthalle Hamburg befindet. Peter Prange gibt an, dass die Zeichnung wohl um 1811 entstanden sein könnte, vermutlich ist auch um diese Zeit das eindrückliche Gemälde der 1816 gefällten Eiche entstanden.

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3.000 € Provenienz: Aus dem Nachlass der Familie Hensel. Zuletzt Privatbesitz Rheinland-Pfalz. August Theodor Kaselowsky studierte ab 1828 an der Berliner Akademie. Er galt als Lieblingsschüler des Hofmalers und Akademieprofessors Wilhelm Hensel, mit dessen Familie er gut befreundet war. Kaselowsky ging zunächst nach Paris auf Reisen und verweilte anschließend zwischen 1840 und 1850 in Italien. Die Anfangszeit verbrachte er mit der Familie Hensel in Rom. Auf dieser Reise entstand das anmutige Kinderbildnis Sebastian Hensels (1830-1898), dem einzigen Sohn der bekannten Kom-


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ponistin der Romantik, Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy. Seit 1829 war sie mit Wilhelm Hensel glücklich verheiratet. 1840 stellte Kaselowsky bei der Berliner Akademie Ausstellung das „Brustbild eines Knaben“ aus, als dessen Besitzer Wilhelm Hensel angegeben wurde (vgl. Ausst.Kat. Preussische Bildnisse des 19. Jahrhunderts: Zeichnungen von Wilheln Hensel, Berlin 1981, S. 81f.). Sehr wahrscheinlich handelt es sich

um das Portrait des Sohnes; Sebastian Hensel ist zum Zeitpunkt des Gemäldes zehn Jahre alt. Kaselowsky zeigt den jungen Knaben vor dem Hintergrund des Parks der Villa Borghese, vermutlich unweit des Venusbrunnens. Leicht erhöht über der Stadt hat man noch heute von hier einen wunderbaren Blick über Rom, und wie hier, auf Michelangelos Kuppel von Sankt Peter.

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Monogrammist M. G. (wohl französisch um 1821)

6050 Elegante Gesellschaft an einem Brunnen im Jardin Coloniale des Plantes de Saint-Pierre auf Martinique. Öl auf Leinwand. 46 x 33,8 cm. Unten links monogrammiert, bez. und datiert „M.G. / St Pierre Mar [...] / Avril 1821“. 2.400 € 52

Ein lauter Knall, dann drei heftige Eruptionen, die die Erde beben ließen: Der Mont Pelé auf der Karibikinsel Martinique war explodiert und seine Aschewolke begrub alles unter sich. Die ganze Stadt Saint-Pierre, so schön wie Paris, mitsamt des berühmten Gartens war in nur wenigen Minuten dem Erdboden gleich gemacht und existierte nicht mehr. Die kleine Küstenstadt Saint-Pierre liegt im Nordwesten der französischen Karibik­ insel Martinique und war bis zum Ausbruch des Vulkans Mont Pelé am 8. Mai 1902 die Hauptstadt der Insel.


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José dos Reis Carvalho (um 1800 Ceará – um 1892 Rio de Janeiro)

6051 Zwei gelbe Orchideen auf grauem Fond. Öl auf Malpappe. Je 42 x 27,3 cm. Signiert, datiert und eigenhändig bezeichnet: „J. R. Carvalho fec“; „Oncidium Harrisonii / J. R. Carvalho / Fec em Janv. 1871“. 3.500 € Der brasilianische Maler, Zeichner und Bühnendekorateur José dos Reis Carvalho war ab 1824 Schüler der ersten Malklasse der Academie Imperial de Belas Artes in Rio de Janeiro. In den Jahren 1829 und 1830 beteiligte er sich an den Ausstellungen der Akademie und zeigte Landschaften, Marinen, sowie Blumen- und Früchtestillleben. Carvalho entfaltete in seinem Heimatland eine erfolgreiche Karriere als Maler und beteiligte sich zwischen 1859 und 1861 auch an wissenschaftlichen Forschungsexpeditionen, die das Studium der ethnographischen, zoologischen und botanischen Vielfalt Brasiliens zum Ziel hatten. Diese systematisch betriebenen Forschungsaktivitäten zeugen von dem neuen Selbstbewusst-

sein der jungen Nation und belegen ein gewachsenes Interesse an die eigene Herkunft und Traditionen. Als Maler wurde Carvalho durch Genreszenen aus dem ländlichen Leben und durch Studien der einheimischen Fauna und Flora bekannt. Die vorliegenden, als Pendants kon­zipierten Studien einer gelben Orchidee (Oncidium Harrisonii) zeichnen sich durch ihre feinsinnige und delikate malerische Auffassung aus. Es handelt sich um eine in Brasilien einheimische Orchideenart, die auf waldigen Berghängen anzutreffen ist. Die Pflanze wurde 1822 zum ersten Mal in England von Arnold Harrison kultiviert. Mit einem feinen, spitzen Pinsel hat der Künstler die ganz spezifische Beschaffenheit der Blüten dieser Orchideenart fast haptisch greifbar wiedergegeben und das Spiel des Lichtes auf den Blättern subtil eingefangen. Stengel und Blüten der Pflanze sind wirkungsvoll und mit großer dekorativer Wirkung vor einem neutralen grauen Fond arrangiert. Der Kontrast zwischen den frischen, fein abgestuften Gelbtönen und dem stimmigen grauen Fond ist von großer malerischer Delikatesse.

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Giuseppe Tripi (tätig in Palermo ca. 1830–1860)

6052 La Croce di Santa Maria di Gesù bei Palermo, im Hintergrund der Monte Grifone mit dem Konvent. Öl auf dünnem Karton. 20 x 27,5 cm. Verso in Bleistift wohl eigenh. bez. und datiert „Giuseppe Tripi dipinge sul vero nel 1840“. 3.500 € In der Piazzetta Croce alla Guadagna in Palermo steht bis heute, wie der Name nahelegt, ein Bildstock mit einem marmornen Kruzifix. Als er errichtet wurde, war die Gegend jedoch nicht mehr als brache Campagna auf dem Weg zum Franziskanerkonvent Santa Maria di Gesù. Das Kreuz steht der Legende nach an jener Stelle, wo sich ein Wunder ereignet haben soll: Als nämlich im 15. Jahrhundert der Gründer des Konvents verstarb, entfachte sich ein Streit zwischen den Mönchen von S. Maria di Gesù und den palermitanischen Franziskanern von S. Francesco um das Privileg, den seeligen Leib aufzubewahren. Die Mönche von S. Maria raubten den Leichnam aus S. Francesco, wurden jedoch bei ihrer Flucht bei der Guadagna eingeholt. In diesem Moment brach ein Gewitter aus, das die Franziskaner von S. Maria wundersamerweise nicht nässte. Einvernehmlich wurde dies als Zeichen Gottes gedeutet und der Gründungsvater seinem Kloster überlassen. Zum Gedenken steht dort das Kreuz, das auch in Tripis Gemälde zu sehen ist. Im Hintergrund, am Fuße des Monte Grifone, erheben sich die weißen Gemäuer von S. Maria di Gesù.

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Düsseldorfer Schule 6053 um 1830. Bildnis eines bärtigen Mannes, die Hände auf einen Stock gestützt, vor einer weiten Landschaft. Öl auf Leinwand. 32,5 x 28 cm. Auf dem Keilrahmen mit dem Klebeetikett der Kunsthandlung Gustav Müller, Iserlohn. 7.500 € Wie aus einer anderen Zeit gefallen wirkt dieses anonyme Bildnis und gemahnt an eine Epoche, als Raffael noch auf der Erde wandelte. Unverkennbar von Werken der Renaissance ist die charakteristische Porträtformel eines nahansichtigen Brustbildnisses entlehnt, der Bildausschnitt wie ein Fensterrahmen, hinterfangen von einer weiten Landschaft, deren zarte Grüntöne am Horizont in sanfte blaue Berge enden. Wären da nicht die ganz und gar unitalienischen Kirchtürme im linken Hintergrund, könnte man den Ausblick für einen südländischen halten. Das von den Nazarenern initiierte Raffael-Revival nahm zunächst, und wo sonst auch, in Rom seinen Anfang. Nördlich der Alpen propagierten vor allem die Direktoren der Düsseldorfer Akademie, Peter von Cornelius zuerst und ab 1826 Wilhelm von Schadow dieses neue Kunstideal. Das Idiom unseres Gemäldes setzt die Kenntnis der Tätigkeit der Nazarener voraus. Auf eine Fülle von Farbabstufungen verzichtet der Maler zugunsten großflächig organisierten Lokalkolorits, obgleich die Farbpalette anders als bei vielen nazarenischen Arbeiten in den Tönen vergleichsweise gedeckt bleibt. Die stark akzentuierten Konturen und Falten, die


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Friedrich Preller d. Ä. (1804 Eisenach – 1878 Weimar) geradezu plastische Lichtmodellierung und die zeichnerische Behandlung von Haaren und Bart wecken Erinnerungen an die Arbeiten von Julius Hübner, Carl Ferdinand Sohn oder dem Kreis von SchadowSchülern bestehend aus Franz Ittenbach, Ernst Deger und den Brüdern Andreas und Carl Müller, die 1837 gemeinsam nach Italien aufbrachen. Doch verzichtet unser Künstler besonders beim Aufbau des Inkarnats auf glattpolierte Idealisierung und strebt stattdessen ein höheren Maßes an Naturnähe an. Im wettergegerbten Gesicht des Mannes stechen die braun gebrannten Wangen hervor und blaue Schatten schimmern unter den nachdenklichen Augen sowie an den Händen durch die Haut. Somit wird das Bildnis zur einer feinfühligen, aber auch von Zeitlosigkeit durchdrungenen Charakterstudie von einnehmender Qualität. Abbildung Seite 55

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6054 Römischer Rundturm bei Olevano. Öl auf Malkarton. 28,8 x 29,4 cm. Links auf einem Stein monogrammiert „F. P.“, verso in Bleistift von fremder Hand bez. „Friedrich Preller d. Aeltere / Motiv bei Ole­ vano“. Wohl um 1830. 4.500 € Das warme Licht des Südens ist für den einladenden Charakter dieser charmanten Ansicht bestimmend. Es taucht den antiken Rundbau, vielleicht die Überreste eines Speichers, in goldenen Schein, der mit dem strahlenden Blau des klaren Himmels und den satten Grün- und Erd­ tönen der Umgebung harmoniert. Es ist dieses Licht, das selbst den einfachsten Landschaftsausschnitten ihren speziellen Reiz verleiht und Künstler scharenweise nach Italien zog. Friedrich Preller könnte das Motiv bei seinen ausgedehnte Streifzügen durch das römische Umland im Zuge seiner ersten Italienreise 1827-1831 entdeckt und dieses sogleich „en plain air“ auf seinen Malkarton gebracht haben.


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Carl Morgenstern (1811–1893, Frankfurt am Main)

6055 Casa del Portinaio: Das Gärtnerhaus im Park der Villa Borghese. Öl auf Papier, auf Leinwand. 27,4 x 40,5 cm. Unten rechts in die nasse Farbe geritzt „... 1837 / Borghese“ und signiert sowie datiert „Carl Morgenstern 1837“. 6.000 € Der einer Frankfurter Malerfamilie entstammende Carl Morgenstern reiste 1834 nach Italien und hielt sich bis 1837 meist in Rom auf. Auf seinen Ausflügen mit gemeinsamen Malerfreunden, wie Ernst Willers und Hanns Gustav von Haugk, fertigte Morgenstern zahlreiche Studien der italienischen Campagna. Bei einem Besuch in der Villa Borghese muss diese Komposition entstanden sein. Im südlichen Licht der untergehenden Sonne leuchtet die helle Fassade der Casa del Portinaio und setzt sich atmosphärisch vom strahlenden Blau des Himmels ab - farbfrisch und wunderschön erhalten. Das Pförtnerhaus war unter den Künstlerreisenden ein beliebtes Motiv, so ist es neben vielen weiteren in Arbeiten Karoly Markós d. J. oder auch auch Carl Wilhelm Götzloffs überliefert. Das Haus existiert heute jedoch nicht mehr, es wurde 1849 abgerissen.

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Franz Ludwig Catel (1778 Berlin – 1856 Rom)

6056 Zwei Pifferari in einer Mondnacht, im Hintergrund die Silhouette des Petersdoms. Öl über Radierung und Aquatinta auf gold grundiertem Velin. 10,1 x 8,7 cm (Plattenränder); 10,9 x 9,6 cm (Blatt). Verso bezeichnet „Fr. L. Catel“ sowie von anderer Hand in Bleistift bez. „Leinweber“. 1812/22. 3.000 € Dieses bislang unbekannte Werk ergänzt eine kleine Gruppe von drei Abzügen einer kleinformatigen Radierung Franz Ludwig Catels, die der Künstler eigenhändig überarbeitet hat. Dabei nimmt das vorliegende Exemplar innerhalb der Gruppe eine herausragende Stellung ein, da Catel Öl- und nicht Wasserfarben verwendete und auf dem Papier noch vor dem Druck einen edlen Goldgrund applizierte. Diese raffinierte Bearbeitungsweise bereichert das Bild, das wir vom Schaffen dieses Künstlers haben, um eine neue Facette. Catel beschäftigte sich erstmals 1801-1807 in Berlin mit der Radierkunst, aufgrund des südländischen Charakters des

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Motivs dürfte das Blatt jedoch erst nach seiner Übersiedelung nach Rom Ende 1811 entstanden sein. Zweifellos setzen zudem die zwei Pifferari, mit Schalmei und Dudelsack musizierend, die Kenntnis der um 1810 in Rom populären Darstellungen in der Art eines Bartolomeo Pinelli voraus. Laut Andreas Stolzenburg fertigte Catel häufiger kleinformatige, kolorierte Kompositionen als Geschenk für seinen Familien- und Bekanntenkreis an. Dass auch die vorliegende Radierung als Präsent diente, legt ein aquarellierter Abzug im Erinnerungsalbum der Dresdner Familie Baehr nahe, den Bertha Weiss, Verlobte des Dresdner Malers Johann Carl Baehr, 1822 vom Künstler erhalten hatte (abgebildet in Hans Geller: „I Pifferari“. Musizierende Hirten in Rom, Leipzig 1954, Taf. 7). Noch 1827 schrieb Bertha an ihren Verlobten: „Die Pifferari kenne ich nur aus Abbildungen [...]. Ich habe ein kleines Bildchen von Catel, wo einige vor einem Madonnenbild stehen.“ Dass der einstweilen unbekannte Empfänger unserer kleinen Preziose einen besonderen Stellenwert für Catel gehabt haben muss, steht außer Frage. Die kolorierte Radierung wird in das in Vorbereitung befindliche Verzeichnis der Werke Franz Ludwig Catels von Dr. Andreas Stolzenburg, Hamburg, aufgenommen.


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6057 1867. Studie eines liegenden Pifferaro. Öl auf Leinwand, auf Leinwand kaschiert. 36,5 x 50,1 cm. Unter der rechten Hand des Mannes datiert „2 Jan. [18]67.“.

6058 um 1840. Das Ave Maria Läuten - Italienisches Landvolk zur Andacht bei einer Marienkapelle. Öl auf Leinwand, doubliert. 35 x 47,5 cm.

1.200 €

1.200 € 59


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Carl Rottmann (1797 Handschuhsheim – 1850 München)

6059 Die Bucht von Genua mit der Mündung des Bolcevera. Öl auf Leinwand. 52 x 78,5 cm. Unten rechts signiert „Rottmann“, verso auf dem Keilrahmen ein altes Etikett mit Angaben zum Künstler und der Besitzerin „Frau Geh. Rath. Passavant“. 1826/27. 32.000 € Literatur: Hugo Decker: Carl Rottmann, Berlin 1957, Nr. 366, S. 75 [irrtümlich als „Palermo“ bezeichnet]. Erika Bierhaus-Rödiger: Carl Rottmann. Monographie und kritischer Werkkatalog, München 1978, Kat. 77, S. 182f (mit Abb.). Erika Rödiger-Diruf: „Landschaft als Abbild der Geschichte. Carl Rottmanns Landschaftskunst 1820-1850. Mit einem Nachtrag zum Werkkatalog von 1978“, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst (Dritte Folge), Bd. XL (1989), S. 172. Christoph Heilmann, Erika Rödiger-Diruf (Hrsg.): Landschaft als Geschichte. Carl Rottmann. 1797-1850. Hofmaler König Ludwigs I., Ausst.Kat. Heidelberg und München, München 1997, Kat. 51, S. 171 (mit Abb.). Ausstellung: Landschaft als Geschichte. Carl Rottmann. 1797-1850. Hofmaler König Ludwigs I., Heidelberg 1997/1998, Kurpfälzisches Museum; München 1998, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung. Provenienz: Sammlung Passavant (wohl Emma von Passavant-Gontard). Sammlung E. Voith, Prien am Chiemsee. Sammlung Dr. Peter Nathan, Zürich. Sammlung Dr. Dieter Bührle, Zürich. Schweizer Privatsammlung. Süddeutsche Privatsammlung. Als Carl Rottmann nach seiner ersten Münchner Periode im April 1826 Richtung Süden aufbrach, tat er dies als Suchender, der das bis dahin angeeignete Repertoire an heimischen Bergwelten erweitern wollte. Genua war die erste Etappe. In der Hafenstadt verbrachte Rottmann die Monate von April bis September und sammelte erste Eindrücke auf dem verheißungsvollen italienischen Boden. Die anfängliche Begeisterung wich jedoch schnell Ernüchterung. Aus den Briefen an seine Frau Friederike geht hervor, dass die vorgefundene Landschaft nicht so recht zum heroi­ schen Bild passen wollten, das er sich von dem geschichtsträchtigen Land gemacht hatte: „Die Natur ist groß und eigenthümlich, aber nicht nach meiner Vorstellung; ich dachte mir das Ufer hinauf eine reiche, üppige Vegetation zu finden […]“ (zit. n. Fritz Krauß: Carl Rottmann. Mit einem Anhang, Heidelberg 1930, S. 119). Rottmann war sicherlich nicht der erste nordalpine Künstler, der seine Erwartungen in Bezug auf den Süden der Realität anpassen musste. Und so kämpfte er zu Beginn mit der

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künstlerischen Bewältigung der neuartigen Mittelmeerlandschaft. Gleichzeitig zeigte er sich fasziniert von der „blaue[n] Ferne“, deren Einfangen er sich in dieser Anfangsphase zur Aufgabe machte: „Und als ich mir vornahm, diese Landschaft zu malen, da wollte ich eben auch nur eine blaue Ferne malen […]“ (wie die folgenden Zitate aus einem Brief an Friederike Rottmann, zit. n. Bierhaus-Rödiger 1978, Dok. 30). Das glückliche Ergebnis dieses künstlerischen Ringens um eine angemessene Landschaftsdarstellung liegt mit unserem Gemälde vor, das gleichsam eines der ersten Werke ist, die Rottmann in Italien schuf. Es handelt sich dabei um die Zweitfassung einer Ansicht der Bucht von Genua, die er anfertigte, nachdem er die Erstfassung für zu klein befunden hatte (hierzu vgl. Rödiger-Diruf 1989, Kat. N 8). Von einem erhöhten Standpunkt überblickt der Betrachter die Bucht und folgt der Küstenlinie von den sanft zum Meer abfallenden Hügeln bis zu den Bergen im Mittelgrund und den dahinterliegenden Gebirgsketten, die sich in der Ferne verlieren. Seiner Frau beschrieb Rottmann die Ansicht wie folgt: „Die Gebirgskette ist die westliche Küste des mittelländischen Meere […]. An dem Ende der Kette liegt Monaco und 4 Stunden davon rechts in einer Bucht Nizza. Das [sic!] Ort im Hintergrund nächst dem Fuße ist Cornigliano, bei dem sich die Bolcevera ins Meer ergießt.“ Rottmann gab sich mit dem Ergebnis selbstzufrieden und schrieb über die Erstfassung: „Das […] Bild mit den blauen Bergen ist in der Farbe ziemlich gut, die Landschaft ist eben wegen diesen blauen Bergen so reizend, wie überhaupt die blauen Fernen es sind.“ Diese Fernen bannte er auch in unserer Fassung mit einer Leichtigkeit auf die Leinwand, die nichts vom anfänglichen Unmut spüren lässt. Deutlich wird am Werk das vorsichtige Austarieren und gegeneinander Abwägen von realistischer Beschreibung des Vorgefundenen und eigenem Naturempfinden. So ging den kahlen Bergen des Hintergrunds genaues Naturstudium voraus, das in Form von drei vorbereitenden Zeichnungen dokumentiert ist (vgl. Bierhaus-Rödiger 1978, Kat. 74-76). Im Vordergrund arbeitete Rottman dagegen seine oben geschilderten Erwartungen an die italienische Landschaft ein und verhüllt die hügelige Küste mit der markanten villen­ artigen Architektur in üppiges Grün. Der Vegetation vor Ort konnte er nämlich wenig abgewinnen. So bezeichnet er eine andere Ansicht der Genueser Bucht, die ihm mit der Weisung in Auftrag gegeben wurde, topographisch genau zu arbeiten, unzufrieden als „armselige Vedutenphysiognomie“, die „aber wenigstens treu“ sei, denn „so sieht’s in einer Campagne in der Nähe von der Stadt aus, magerer, steiniger Boden, auf dem nur Oelbäume, Feigen und Lorbeer wachsen […]“. In unserem Gemälde konnte Rottmann dagegen freier nach seinen eigenen Vorstellungen agieren. Das Werk verleiht somit einerseits seiner ersten Italien­ erfahrungen bildlichen Ausdruck und vereint andererseits eindrücklich den spannungsreichen Gegensatz zwischen realistischer Naturdeskription und idealisierter Interpretation derselben.


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Niels Frederik Schiøttz-Jensen (1855 Vordingborg – 1941 Kopenhagen)

6060 Italienerin an einem Brunnen in Anticoli Corrado. Öl auf Leinwand. 49,9 x 34 cm. Unten rechts signiert, datiert und bezeichnet „N. F. Schiøttz-Jensen. 1911 / Anticoli“, verso auf dem Keilrahmen ein Galerieetikett“ 4/1912 N. F. Schiottz-Jensen“.

Niels Frederik Schiøttz-Jensen 6061 Auf dem Palatin in Rom: Säulenreste des Palastes des Domitian mit Blick zum Petersdom. Öl auf Leinwand. 42,5 x 61,7 cm. Unten links signiert, datiert und bezeichnet „N.F. Schiøttz-Jensen. 1911. Rom“. 1.200 €

600 € Ascan Lutteroth (1842–1923, Hamburg)

6062 Küstenpartie an der Côte d‘Azur. Öl auf Leinwand. 47,3 x 80,5 cm. Unten links signiert „A. Lutteroth“. 1.500 € 62


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Franz Knebel

August Anton Tischbein

(eigentl. Charles François Knebel, 1809 La Sarraz – 1877 Rom)

(1805 Rostock – 1855 Triest)

6063 Blick über die Campagna mit der Aqua Claudia, im Hintergrund die Silhouette von Rom. Öl auf Malkarton. 20,8 x 29,7 cm. Um 1860.

6064 Straßenzug in Tivoli unweit der Porta del Colle. Öl auf festem Malkarton. 28,1 x 38,6 cm. Unten rechts bezeichnet und datiert „Tivoli d. 10ten Juli / 1837.“ (in die nasse Farbe geritzt).

2.400 € Der aus der französischen Schweiz gebürtige Charles François Knebel, der später vorwiegend Franz genannt wurde, ging bereits im Alter von nur 13 Jahren nach Rom in die Werkstatt seines Patenonkels Franz Kaisermann, wo er seine künstlerische Ausbildung erhielt. In der Folge adoptierte Keisermann den talentierten Künstler und setzte ihn als Generalerben ein, der nicht nur das prominente Haus an der Piazza di Spagna 31, sondern auch den kompletten künstlerischen Nachlass erhalten sollte. Dafür erwartete sich der Meister aber auch, dass Knebel ganz genauso wie er Veduten in Aquarell anfertigen sollte, die inzwischen als Markenzeichen Kaisermanns in ganz Europa bekannt waren. Knebel verlegte sich aber immer mehr auf die Ölmalerei, was ein Zerwürfnis mit Keisermann zur Folge hatte. Er schuf hauptsächlich Ansichten von Rom und seiner südlichen Umgebung, also den klassischen Sujets in der Campagna und in den Albanerbergen. Das Aquädukt des Claudius gehörte dabei zu den bevorzugten Motiven von Franz Knebel. Gemälde mit der Darstellung der berühmten Aqua Claudia befanden sich etwa in den Ausstellungen der Società degli Amatori e Cultori di Bella Arti in Rom in den Jahren 1856 und 1865 (zu Franz Knebel siehe: Nico Zachmann: Schweizer Maler in Rom und Neapel im 18. und 19. Jahrhundert, Basel (Privatdruck) 2017, S. 303-316).

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1.200 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso).

6065 Kostümstudie einer jungen Cociara und zweier Kinder. Öl auf festem Velin. 33,8 x 42,1 cm. Um 1836/37. 1.200 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso).


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August Anton Tischbein 6066 Wäscherinnen am Fuße eines Dorfes bei Rom. Öl auf Papier, auf Holz kaschiert. 47 x 34,8 cm. 1.500 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso).

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August Anton Tischbein 6067 Palmen vor einer sizilianischen Bucht. Öl auf Papier, auf Karton kaschiert. 37,4 x 27,1 cm. Unten rechts signiert und datiert „A. Tischbein / 1842“. 1.200 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso). 6067 66


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August Anton Tischbein 6068 Blick von Civitella auf die Mammellen mit Rocca Santo Stefano, im Hintergrund Rocca Canterano. Öl auf Papier, auf Karton kaschiert. 28,8 x 42,8 cm. Unten rechts bezeichnet und datiert „Civitella d. 8 Juni 1837“ (in die nasse Farbe geritzt). 1.500 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso). Das lebhafte kulturelle Klima Triests zog um die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Künstler aus der Fremde an. Unter ihnen auch der Urheber der hier angebotenen Gemälde (Los 6064-6069). Anton August Tischbein entstammte der berühmten und weitverzweigten Künstler­ familie, dennoch ist sein Wirken über die grundlegenden biographischen Daten hinaus kaum erforscht. Geboren wurde Tischbein in Rostock, wo er im väterlichen Atelier seine erste künstlerische Unterweisung erhielt. Auf eine Ausbildung an den Akademien in Berlin (1824-1826) und Dres­den folgten ausgedehnte Wanderjahre, die ihn schließlich nach Triest führten, wo er um 1837/38 seine endgültige Bleibe fand. In der damals habsburgisch regierten Hafenstadt konnte er das italienische Kulturklima genießen, ohne dabei auf seine Muttersprache verzichten zu müssen. Er

integrierte sich schnell und seine Werke wurden vom lokalen Adel wie der Aristokratie hoch geschätzt. Mit Ausnahme einiger Ausflüge in die Bildniskunst, lag Tischbeins Schwerpunkt auf der Vedutenmalerei. Aus überwiegend diesem Bereich stammen auch unsere Gemälde. Allerdings handelt es sich dabei um frühe, intime Arbeiten aus der Zeit seiner rast­losen Wanderjahre, die aufgrund ihres privaten Charakters wohl nicht zum Verkauf standen und sich bis vor wenigen Jahren als geschlossenes Konvolut in Familienbesitz befanden. 1837 brach Tischbein von München in Richtung Rom auf, von wo er weiter nach Süden in die Abruzzen und bis nach Kalabrien reiste - eine unübliche Route, denn die Stiefelspitze galt damals als gefährliches Banditenland. Den Schwerpunkt unseres Konvoluts bilden Studien aus dem römischen Umland. Obwohl es sich um Ölstudien auf Papier handelt, die, wie die Bezeichnungen und Datierungen verraten, teilweise vor Ort entstanden, überzeugen die Werke durch ihre bildmäßige Abgeschlossenheit, den Farbsinn und Blick für das Wesentliche. Es stechen die farbig satten Ansichten der Rocca di S. Stefano und eines Straßenzuges in Tivoli hervor. Aber auch Frauen in lokalen Trachten, die sogenannten Ciociare wurden Gegenstand seines Interesses. Insgesamt beleuchten die Gemälde eine Facette des noch von Dunkel umhüllten Schaffens dieses Künstlers, der offensichtlich gerade im privaten, ungezwungenen Malen seine Bravour zur vollen Entfaltung brachte.

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August Anton Tischbein 6069 Studie einer jungen Wasserträgerin aus Tivoli. Öl auf festem Velin. 34,2 x 22,36. Unten rechts datiert „Tivoli 1836“. 900 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso).

Carl Maria Nikolaus Hummel (1821–1907, Weimar)

6070 Das Mühlental bei Amalfi. Öl auf Leinwand. 155 x 105 cm. Unten rechts signiert und datiert „C. Hummel 1878“. 35.000 € Das Valle dei Mulini nahe dem Dorf Pogerola an der Amalfiküste avancierte ab den 1810er Jahren zu einem der beliebten Motive im Kreise der deutschen Romantiker. Der Übergang von der klassisch-romantischen Landschaftsauffassung, wie sie noch bei Koch oder Reinhart zu finden ist, zu einer naturalistischen, verstärkte die Begeisterung für verfallene Industriearchitektur zwischen üppiger Flora und steiler Bergwelt. Man wollte

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sich abgrenzen von der bekannten Motivwelt, den Sehnsuchtsorten wie Sorrent, Pompeji, Salerno, Paestum mit ihren klassisch-antiken Bauten. Das enge Tal erhielt seinen Namen durch die zahlreichen Papiermühlen, die einst im Tal ansässig waren und nach ihrer Schließung immer mehr dem Verfall überlassen wurden. Die wilde Natur eroberte sich die Landschaft zurück. Das Mühlental wurde von zahlreichen Künstlern besucht und porträtiert, wie beispielsweise von Joseph Rebell (1811/13), Thomas Ender (1820), Carl Wilhelm Götzloff (1823), Jean Charles Remond (1823), Adrian Ludwig Richter (1825), Ernst Fries (1826) oder Carl Blechen, der wohl eine der bekanntesten Zeichnungen des Tals fertigte (siehe zur Thematik Iris Berndt: „Carl Blechen (1798-1840) und die künstlerische Entdeckung des Mühltals von Amalfi“, in: Jahrbuch der Berliner Museen 2017). Im Gegensatz zur Mehrheit seiner Kollegen richtete Hummel in seinem Gemälde den Blick nicht bergaufwärts auf die verfallenen, bewachsenen Ruinen der Mühle sondern blickt hinab in das gedrungene, steile Tal, das den Blick frei gibt auf die malerische Küste mit dem Meerbusen von Salerno und den mittelalterlichen Torre dello Ziro, der imposant über Amalfi thront. Auch Ludwig Richter hat beispielsweise einen ähnlichen Blickwinkel in seinem Gemälde „Tal bei Amalfi mit Aussicht auf die Bucht von Salerno“ von 1826 eingenommen (Museum der Bildenden Künste, Leipzig). Wohl eines der beeindruckendsten Gemälde Hummels in frisch leuchtenden Farben und von atemberaubender Atmosphäre, das den Betrachter mit auf die eindrückliche Reise ins Hinterland von Amalfi nimmt und ihn in der Erhabenheit des Ausblicks inne halten lässt.


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Jacques Pilliard (1814 Vienne – 1898 Rom)

6071 Römerinnen auf dem Markt. Öl auf Leinwand. 40 x 31 cm. Unten links signiert und bezeichnet „J. Pilliard / Roma“, verso auf der Leinwand ein altes handschrift. bezeichnetes Etikett „N: 17 [?] J. Pittino“. 4.500 € 70


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Deutsch 6072 um 1840. Nach der Weinlese: Neapolitanerin mit ihren Kindern in der Landschaft. Öl auf Leinwand. 78,8 x 59,3 cm. 1.200 €

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Alexander Herrmann (1814 Glauchau – 1845 Rom)

6073 „Chiesa di St. Marco“: Südliches Querhaus in San Marco, Venedig. Öl auf Papier, kaschiert auf Malkarton. 31,4 x 24 cm. Unten rechts in der nassen Farbe bezeichnet und datiert „Chiesa di St. Marco d. 24 Luglio 1837“, verso auf dem Rückdeckel handschriftl. bezeichnet „A. Herrmann / aus der St. Markuskirche in Venedig“. 1.200 € Alexander Herrmann studierte 1831 bis 1835 an der Bauschule der Akademie in Dresden unter Johann Thürmer und Gottfried Semper. Im Jahr 1838 ging Herrmann nach München und zog im Jahre 1839 nach Italien weiter, wo er sich vorwiegend in Rom aufhielt und der Gruppe der Deutschrömer anschloss. Reisen führten ihn nach Olevano, Sizilien und an den Gardasee. Jedoch muss Herrmann bereits vor 1838 in Italien gewesen sein und die Lagunenstadt Venedig besucht haben, sind doch mehrere Arbeiten, wie auch vorliegende, mit Motiven Venedigs aus dem Jahr 1837 überliefert (vgl. auch Boetticher: Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Nr. 1 und 2: Kreuzgang; Hochaltar in S. Marco). 6073 71


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Wilhelm Gail (1804–1890, München)

6074 Klosterruine in der Campagna von Valencia. Öl auf Leinwand. 99,5 x 77 cm. Unten rechts signiert „W. Gail 1838“, sowie verso eigenh. betitelt und bez. „Kloster-Ruine aus der Campagna von Valenzia gem. v. Wilh. Gail in München 1838“. 15.000 € Literatur: Anja Gebauer: Spanien - Reiseland deutscher Maler, Petersberg 2000, S. 36-72, Abb. 41 (auf S. 63) und Abb. 145 (auf S. 167), zu Wilhelm Gail siehe bes. das Kapitel „Wilhelm Gail. Als erster deutscher Maler auf touristischer Entdeckungsreise durch Spanien“ (S. 36-72). Mit der einjährigen Reise Wilhelm Gails nach Spanien im Jahr 1832 nimmt die eigentliche künstlerische Entdeckung der iberischen Halb­ insel durch deutsche Künstler ihren Lauf. Wilhelm Gail, der zunächst

Architektur an der Münchner Bauschule studierte, wechselte 1822 in das Atelier seines Schwagers Peter Hess, wo er die Grundlagen der Malerei erlernte. Nach den üblichen Aufenthalten in Italien in den 1820er Jahren begab sich Gail 1832 allein und ohne mäzenatischen Auftraggeber schließ­lich auf seine folgenreiche Reise nach Spanien. Bereits durch sein früheres Architekturstudium sensibilisiert war der Künstler besonders von den maurischen und gotischen Bauwerken Andalusiens und Kastiliens fasziniert. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete Gail auch nach seiner Rück­kehr nach München in zahlreichen, eindrucksvollen Veduten, die nicht nur eine Vorstellung von der Architektur, sondern auch von der Landschaft, den Menschen und von dem besonderen Licht Spaniens vermittelten. Die Spanienmotive Wilhelm Gails lösten geradezu eine ganze Reisewelle von deutschen Künstlern, Kunstfreunden, Gelehrten und Architekten auf die iberische Halbinsel aus, wozu sicherlich auch ein Werk wie vorliegendes maßgeblichen Anteil hatte. Verso mit alter Gale­rienummer „347“.

Vilhelm Nicolai Marstrand (1810–1873, Kopenhagen)

6075 Eselreiter: Entwurf für das Antoniusfest in Rom. Öl auf Papier, auf Malkarton kaschiert. 34,2 x 23,5 cm. Verso auf einem Klebeetikett handschriftlich bez. „Wilh Marstrand: AEselrytter. Studie til Antoniusfesten. [...]“. Um 1838. 600 € 1836 begibt sich Marstrand mit einem Reisestipendium über Berlin, Dresden, Nürnberg und München nach Rom. Am 17. Januar 1838 wird er dort Zeuge der Festivitäten zu Ehren des heiligen Antonius, die die Bürger Roms vor der Kirche San Antonio Abbate begehen. Die Feierlichkeiten hinterließen bei Marstrand wohl bleibenden Eindruck, hielt er die belebte Szenerie später in seinem Gemälde „Das Antoniusfest in Rom“, welches sich heute in Privatbesitz findet, fest. 6075 73


Gemälde des 19. Jahrhunderts und Neuerer Meister_______________________________________________________________________________________________________________________________

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Hermann Kaulbach

Wilhelm Gail

(1846–1809, München)

(1804–1890, München)

6076 Kleiner Maulesel im bunten Geschirr. Öl auf Holz. 15 x 24 cm. Unten rechts monogrammiert „H. K.“.

6077 Gotische Kirchenruine bei Valencia mit rastenden Jägern. Öl auf Leinwand. 61 x 51,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „Wilh. Gail 1835“.

2.800 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (verso mit dem Nachlass­ stempel).

6.000 € Literatur: Rolf Schenk und Catherine Franke-Schenk: Kunstsalon FrankeSchenk. 100 Jahre. Jubiläumsausstellung II. München 2013, S. 64-69, Nr. 7 mit Abb. Provenienz: Kunsthandel Franke-Schenk, München. Privatsammlung USA. Zwei Jahre nach Wilhelm Gails letzter Spanienreise entstand im Jahr 1835 das Gemälde „Kirchenruine bei Valencia“. Exotik und Folklore vereinigen sich in unserem Gemälde. Mit ihren hohen Hüten und bolero­ artig bestickten Jacken über eng sitzenden Kniehosen rasten die verwegenen Jäger im Schatten einer Kirchenruine. Wilhelm Gail zeigt sie in den typischen Trachten Valencias. Ein gewaltiger Spitzbogen überwölbt triumphal das Pilgerkreuz und gibt wie ein Fenster den Blick auf das tiefblaue Meer und die langen Sandstrände der Albufera Lagune frei bis hin zu der nahegelegenen Hügelkette des Gata de Gorgos nach Süden.

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Johan Peter Kornbeck (1837–1894, Kopenhagen)

6078 Klostergarten im Augustinerkloster in Monte Carasso. Öl auf Leinwand, doubliert. 32,7 x 30,5 cm. Unten links signiert und signiert „P Kornbeck 1882“, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „Klostergaard i Montecarasso Schweiz / GWE 87“. 1.500 € 76


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6079

Károly Markó d. J. (1822 Budapest – 1891 Moskau)

6079 Die Brücke am alten Kastell mit Blick auf Florenz. Öl auf Leinwand, doubliert. 48 x 69,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „C. Markó 1873“. 28.000 € Provenienz: Galerie Erich Beckmann, Hannover (verso Galerieetikett). Seitdem Privatsammlung, Freiburg. Als Inbegriff der Renaissance und Sehnsuchtsort vieler Reisender, faszinierte Florenz von jeher Künstler und Intellektuelle. Auch Károly Markó

konnte sich dieser Anziehungskraft nicht entziehen. Im Jahr 1843 führten ihn erste Studienreisen nach Rom und Florenz. Als Ausgangspunkt seines Gemäldes wählt Markó hier einen distanzierten Blick aus der Ferne des östlichen Umlands, von einer Anhöhe aus blickt der Betrachter auf die bekannte Stadtsilhouette mit dem markanten Turm des Palazzo Vecchio und der von Brunelleschi geplanten Kuppel des Doms. Markó hüllt die Szenerie in ein warmes, beinahe romantisches Licht. Vom geschäftigen Treiben der Arno-Metropole ist in der Stille dieser landschaftlichen Idylle nichts zu spüren, lediglich zwei Bauern in einem Karren mit Ochsengespann und ein Wanderer sind hier auf den sandigen Wegen über eine steinerne Brücke unterwegs.

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Gemälde des 19. Jahrhunderts und Neuerer Meister_______________________________________________________________________________________________________________________________

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Morton Jepsen (1826 Strandby – 1903 Højris)

6080 Der Künstler Emil Cordius Orth (1833-1919) in seinem Atelier. Öl auf Leinwand. 32,5 x 43 cm. Unten links auf der Kiste signiert und datiert „Mo. Jepsen 1861“, verso auf dem Keilrahmen ein Etikett handschriftl. bezeichnet „Portrait e Figur af Maler E. Orth / malet af M. Jepsen / omkring 1863“. 1.800 € Im Lichte des Fensters sitzt Orth im braunen Malermantel in seinem Atelier an der Staffelei und widmet sich mit Pinsel und Malstock einer lichten, sonnigen Küstenlandschaft. Um ihn herum findet sich die typische Atelierausstattung: ein Gipsmodell, Papier, Farben, auf dem Tisch

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eine Geige, weitere Utensilien und im Hintergrund durch einen dunkelgrünen Vorhang abgetrennt, eine Kommode mit Büchern, darüber ein Porträt sowie einige farbige Entwürfe an der Wand. Der in Kopenhagen geborene Orth wollte zunächst Figurenmaler werden, wechselte jedoch schnell zur Landschaftsmalerei - oft mit Motiven von den Inseln im Süden Fünens. Neben der Malerei war Orth auch als Fotograf tätig und in späteren Jahren als Landschafts- und Prospektmaler bei der königlichen Porzellanfabrik angestellt. Die Darstellung des Künstlers bei der Arbeit erinnert an die ikonischen Atelierdarstellungen Georg Friedrich Kerstings, in denen er Caspar David Friedrich und Gerhard von Kügelgen in ihren Malerstuben porträtierte. Der Maler, allein in seinem Atelier, kontemplativ versunken und der Außenwelt entrückt, wurde zu einem Topos der Malerei der Romantik.


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Deutsch 6081 19. Jh. Selbstbildnis eines Künstlers der Romantik mit Barett und grünem Malermantel. Öl auf Leinwand. 40,8 x 32,7 cm. 1.200 €

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Deutsch 6082 um 1840. Blick in eine gotische Kirchenruine. Öl auf Malkarton. 26 x 22 cm. 750 € 6082 79


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6083

Christoffer Wilhelm Eckersberg (1783 Blåkrog – 1853 Kopenhagen)

6083 Schule. Aktstudie einer jungen Frau. Öl auf Leinwand. 47,7 x 37,7 cm. Um 1840. 2.800 € Erst seit 1839 war es den Studenten der Kopenhagener Kunstakademie möglich auch den weiblichen Körper anhand von Aktmodellen zu studieren, womit die Akademie im 19. Jahrhundert eine Vorreiterrolle in Europa einnahm. Die Institutionalisierung des weiblichen Aktstudiums war dem Maler und Professor Wilhelm von Eckersberg zu verdanken. Eckersberg, der besonders in seiner Pariser Zeit im Atelier von JeanAuguste-Dominique Ingres dem Körperstudium nachging - allerdings nur nach männlichen Akten -, reformierte zusammen mit Johann Ludwig Lund das Aktstudium an der Akademie noch in weiteren Punkten: Es

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wurde nun auch bei Tageslicht gearbeitet und nicht nur im Medium der Zeichnung, sondern auch mit malerischen Mitteln geübt (siehe Neela Struck: „Akt oder Nackt? Christoffer Wilhelm Eckersberg und das Modellstudium“ in: Eckersberg. Faszination Wirklichkeit, 2016, S. 77). In vorliegendem Gemälde legt der uns unbekannte dänische Maler den Fokus ganz auf den Akt selbst: Die junge Frau ist nah an den Betrachter gerückt, keine Requisiten im Atelier lenken von ihr ab, nichts verhüllt ihren Körper. Das Inkarnat ist naturalistisch wiedergegeben, es ist von einer zarten weichen Struktur, helle, zartbläulich schimmernde Partien, subtile Verschattungen der Rundungen und sanfte Rötungen auf Händen und Wangen. Der dunkle Hintergrund, wie er auch bei Eckersberg zu finden ist, verstärkt die plastisch, anmutende Präsenz des Modells (siehe Markus Bertsch: „Zwischen Intimität und Pose“ in: Op. cit. S. 193).


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Christoffer Wilhelm Eckersberg 6084 Marine mit salutierendem Kriegsschiff und Schoner. Öl auf Leinwand, auf festem Malkarton kaschiert. 19,2 x 30 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert „CWE (ligiert)/(18)35“. 12.000 € Eckersberg zählt zu den Pionieren der Marinemalerei in der dänischen Kunst. Er wendet sich der Gattung jedoch erst in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu, als er bereits als Professor an der Kopenhagener Kunstakademie unterrichtete. In den 30er Jahren entstanden dann zahlreiche Marinegemälde. Eckersberg bezog sich überwiegend auf reale Schiffe, die er u.a. auch als Passagier studiert hatte. Seine Darstellungen - wie auch unsere - präsentieren sich, als blicke man durch ein Fernglas auf die Szenerie. Unsere beiden Schiffe, ein amerikanisches sowie ein russisches, befinden sich in kriegerischer Auseinandersetzung. Vermutlich handelt es sich um eine Kompositionsskizze für ein größer angelegtes und repräsentatives Gemälde, die in dieser produktiven Phase des Künstlers entstanden sind.

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Holger Lübbers (1850–1931, Kopenhagen)

6085 Schiffe im Hafen von Kopenhagen. Öl auf Leinwand. 24,8 x 40,5 cm. Unten rechts signiert „H. Lübbers.“. 1.200 €

Dänisch 6086 um 1840. Blick über die Dächer einer Stadt (Kopenhagen?). Öl auf Papier, montiert auf Malkarton. 31,5 x 22,5 cm. Verso in Bleistift bezeichnet „Holm København 46[?]“. 750 €

Anton Weinberger (1843 München – 1912 Wiesbaden)

6087 Zottelkopf: Bildnis eines ungarischen Puli. Öl auf Leinwand. 55 x 41,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „AWeinberger / 1893“.

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600 €

Christian Tilemann-Petersen (1874–1926, Kopenhagen)

6088 Interieur im Gutshaus Rønningesøgaard auf der Insel Fyn (Fünen), Dänemark. Öl auf Leinwand. 60 x 43,8 cm. Unten rechts signiert und datiert „1923 / Christian Tilemann-Petersen“, verso auf der Leinwand bezeichnet „Chr. Tilemann-Petersen“ sowie auf dem Keilrahmen „No. 5689 Chr. Tilemann-Petersen Rønningesøgaard-Fyen / Rønningesøgaard / 1923 / Fyn“. 600 € Rønningesøgaard ist ein zweiflügeliges Herrenhaus der Renaissance, das 12 km nordwestlich von Nyborg auf der dänischen Insel Fünen liegt. Der Ostflügel und der achteckige Turm mit Blick auf das Wasser des Vomme Sø stammen aus dem Jahr 1596. Der Nordflügel wurde 1672 in Fachwerkbauweise errichtet und 1757 in Backstein fertiggestellt. Im Jahr 1823 wurde das Herrenhaus von Ulrika Cathrine de Mylius (geb. Rasch) erworben. Nach ihrem Tod im Jahr 1731 ging es an ihren Sohn Johan Caspar Mylius über. Er wurde am 14. Oktober 1840 unter dem Namen de Mylius geadelt. Das Gut blieb bis 1906 im Besitz der Familie Mylius. Heute ist das Gut im Besitz des Kämmerers, Graf Stig Daniel Bille-Brahe-Selby. 6088 83


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Dänisch 6089 1881. Segelboote am Steg vor Kopenhagen. Öl auf Leinwand. 32,2 x 47,7 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert „E.W. 18/8.[18]81“. 600 € Möglicherweise handelt sich um den Künstler Emil Theodor Wennerwald, wie auch auf der Rahmenplakette vermerkt. Jedoch ist uns seine Signatur nicht als Monogramm, sondern lediglich mit voll ausgeschriebenem Nachnamen bekannt.

Johan Carl Neumann (1833–1891, Kopenhagen)

6090 Stürmische See mit Segelschiff vor Felsküste. Öl auf Leinwand. 20 x 29 cm. Unten links signiert „C. Neumann“. 750 €

Edoardo De Martino (1838 Meta/Sorrento – 1912 Hampstead/London)

6091 Schiffsflotte vor gebirgiger Meeresküste. Öl auf Leinwand. 29,2 x 64 cm. Unten rechts signiert und datiert „E. De Martino [18]99“. Verso auf dem Keilrahmen mit einem alten Klebeetikett der Londoner Galerie Charles Roberson & Co. 1.500 € Edoardo De Martino war ein italienisch-britischer Maler von historisch genauen Seeschlachten und Kriegsschiffen. Zunächst studiert er ab 1849 in Neapel an der Accademia della Marina Militare und belegt Malkurse bei Giacinto Gigante und Domenico Morelli. Von 1863-68 ist er Leutnant der italienischen Kriegsmarine. Die Jahre 1870-75 verbringt er in Buenos Aires und Montevideo als Hofmaler Kaiser Don Pedros II. 1876 übersiedelt er auf die Isle of Wight. In London werden seine Darstellungen berühmter britischer Seesiege und Schiffe hoch geschätzt. Ab 1898 wird er zum Marine Painter in Ordinary to Her Majesty Queen Victoria and the Royal Yacht Squadron ernannt. König Edward VII., den er oft auf seinen Seereisen begleitet, macht ihn 1902 schließlich zum Honorary Commander of the Royal Victorian Order (CVO).

Französisch 6092 19. Jh. „Stille“: Sonnenfleck im blauen Zimmer. Öl auf Leinwand. 18,7 x 24,5 cm. Unten rechts unleserlich signiert. 450 € 85


Gemälde des 19. Jahrhunderts und Neuerer Meister_______________________________________________________________________________________________________________________________

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Carl Frederik Emanuel Larsen (1823–1859, Kopenhagen)

6093 Der Hafen von Marseille im Morgenlicht. Öl auf Papier, auf Leinwand kaschiert. 41,7 x 64,7 cm. Unten rechts undeutlich monogrammiert „EL“ und datiert „1853“, verso auf der Leinwand signiert „C. F. Emmanuel Larsen / Marseille 1853“.

Christian Vigilius Blache 6095 Küstenlandschaft mit Gewitterwolken und Segelschiffen. Öl auf Leinwand. 40 x 65cm. Unten links signiert und datiert „Chr. Blache 1912“. 1.200 €

1.800 € Larsen war Schüler von Christoffer Wilhelm Eckersberg und besonders in der Marinemalerei stand er seinem großen Vorbild nahe. In vorliegendem Gemälde zeigt uns Larsen seinen Blick auf die alten Festungsmauern des Marseiller Hafens, den die Schiffe schon frühmorgens im Licht der Morgensonne verlassen.

Christian Vigilius Blache (1838 Århus – 1920 Kopenhagen)

6094 Vollmond über dem Öresund bei Kopenhagen. Öl auf Leinwand. 37 x 59 cm. Unten links signiert und datiert „Chr. Blache 1915“. 900 € 86

6096 Sommerliche Strandidylle in Dänemark. Öl auf Leinwand. 42,5 x 62,8 cm. Unten links signiert und datiert „Chr. Blache Juli 1867.“ 750 €


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Frederik Christian Jakobsen Kiærskou

Wilhelm Amandus Beer

(1805–1891, Kopenhagen)

(1837–1907, Frankfurt a. M.)

6097 Sonnenuntergang auf der Insel Fyn (Fünen), Dänemark. Öl auf Leinwand. 21,3 x 29,5 cm. Unten links monogrammiert „FCK“, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „Ved Gjedskov i Grevskabet de Mukadel i Fyen nadet 1884 at F. C. Kierskou“ sowie ein Klebeetikett des Künstlerbedarfs „Aug. Withs Udsalg [...]“.

6099 Russische Bauern bei der Rast auf dem Feld. Öl auf Holz. 19,5 x 38,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „W. A. Beer 1900“.

750 €

Henry Lot (1822 Gendringen bei Arnheim – 1878 Düsseldorf)

6098 Weite Landschaft mit weidenden Schafen und Hirte. Öl auf Leinwand. 43 x 59 cm. Unten links signiert „H. Lot f.“. 1.200 €

2.800 € Beer wurde am Städelschen Kunstinstitut ausgebildet, wo er 1897 selber Professor wurde. 1857 besuchte er München und die Alpen und reist nach Wien. Entscheidende Aufmerksamkeit erhielten jedoch seine wiederholten Reisen nach Russland. Während längerer Aufenthalte in den Jahren von 1867 bis 1870 und 1877 im Gouvernement Smolensk - vor allem auf dem Gut des Malers Sergej Andrjewitsch von Baryschnikoff - studierte Beer eingehend die Charakteristika von Land und Leuten. Seine Vorliebe für die Wiedergabe von Szenen des russischen Volkslebens brachte ihm den Beinamen „Russen-Beer“ ein.

Harald Frederik Foss (1843 Frederecia (?) – 1922 Frederiksberg)

6100 Dänische Heidelandschaft in der Abendsonne. Öl auf Leinwand. 33 x 62 cm. Unten rechts signiert „H. Foss“ und links datiert 1896 (in die nasse Farbe geritzt). 750 € 89


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6101

Raden Saleh (auch Raden Saleh Ben Jaggia, 1811 Semarang/Java – 1880 Bogor/Java)

6101 zugeschrieben. Kosaken im winterlichen Gefecht. Öl auf Papier, montiert auf einen Sammlerkarton. 16,9 x 28,6 cm. Verso auf dem Sammlerkarton handschriftl. alt bezeichnet „Raden Saleh“. 3.500 € Literatur: Vgl. Werner Kraus, Irina Vogelsang: Raden Saleh: Der Beginn der modernen indonesischen Malerei. Jakarta: Goethe-Institut Indonesien. 2013. Der von der Insel Java stammende Raden Saleh Syrif Bustaman kam 1830 auf Bestreben der niederländischen Kolonialbehörden nach Den Haag, um an der dortigen Kunstakademie Malerei zu studieren. In Holland fühlte sich Saleh von den Kolonialherren jedoch eingeengt und zog daher 1839 nach Dresden. Während seiner Aufenthalte an der Elbe (1839-1844 sowie 1847/48 und 1848/49) entstanden schließlich Salehs künstlerische Hauptwerke: seine exotischen Landschaften, mit orientalischen Kriegern, galoppierenden Pferden und wilden Tieren wie Tigern, Löwen oder Büffeln. In Deutschland begegnete man Saleh mit dem „romantischen-idealisierten Interesse für das Ferne, das Orientalische. Der Orient war der romantisch definierte Raum des zeitlos Edlen“ und eben mit diesem Stil der wilden, exotischen Motive traf Saleh den Nerv der behüteten bürgerlichen, biedermeierlichen Welt (op. cit. S. 38). In Maxen, unweit von Dresden gelegen, findet sich heute noch das Blaue Häusle, ein Pavillon im indonesischen Stil, den Saleh mit aufgebaut hat

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und der an seinen Aufenthalt bei der Familie Serre erinnert, die zu seinen größten Förderern gezählt werden kann. Saleh verkehrte in den höchsten Kreisen des europäischen Hochadels und eine enge Freundschaft verband ihn mit Herzog Ernst II. von SachsenCoburg-Gotha. Saleh wird zum „javanischen Prinzen“ stilisiert und kehrt als hoch angesehener Künstler 1851 in seine Heimat zurück, begibt sich jedoch 1876 erneut auf eine beschwerliche Europareise, um seine alten Bekannten zu besuchen. Vier Jahre später verstirbt er in Indonesien. Bei vorliegendem Bild handelt es sich nach Meinung von Dr. Werner Kraus „höchst wahrscheinlich“ um ein Werk Raden Salehs. Auch in diesem Gemälde findet sich die für Saleh typische dynamisch bewegte Tierdarstellung, darüber hinaus hat auch der kleine Baum oder Busch im rechten Vordergrund eine große Ähnlichkeit mit einem Baum in einem anderen Winterbild Salehs. Bekannt ist, dass Saleh gerade bei den Bäumen oft eine Wiederverwertung anstrebte. Auch die Behandlung des Schnees ist vergleichbar mit anderen Werken. In seiner Zeit in Dresden, im Jahre 1843 malte Saleh ein großformatiges Ölbild mit dem Titel „Kampf zwischen Kosaken und Tscherkessen“. Jedoch ist der Aufbewahrungsort des Bildes nicht bekannt. Dass Saleh hier Kosaken zu Pferde darstellt, ist für die Zeit nicht weiter ungewöhnlich, waren die Kosaken der russischen Truppen, die im Winter 1813 gegen Napoleon kämpften, der Bevölkerung doch in bleibender Erinnerung geblieben. Im Jahre 1844 erschien zudem von Heinrich Aster die Publikation „Schilderung der Kriegsereig­nisse in und vor Dresden, vom 7. März bis 28. August 1813. Nebst zwei großen Schlachtplanen“. Wir danken Dr. Werner Kraus für wertvolle Hinweise und seine Expertise (Februar 2021).


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C. Franck (tätig um 1859)

6102 Blick über die Elbe auf die Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz. Öl auf Leinwand. 31 x 44 cm. Unten rechts signiert und datiert „Franck 1859“, verso auf der Leinwand eigenh. bez. „Festung Königstein gesehen C. Franck 1859“. 1.200 €

Französisch 6103 um 1825. Eine waldige Landschaft mit einem zeichnenden Künstler. Öl auf Papier, auf Malpappe aufgezogen. 39,2 x 32 cm. 1.500 € Schöne, atmosphärisch dichte Plein-air-Studie. Im Vordergrund, im Dickicht versteckt, erkennt man die Umrisse eines zeichnenden Künstlers. Alte Zuschreibung an Jean Charles Joseph Rémond (1795-1875, Paris). 6103 91


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Deutsch 6104 um 1860. Aprikosenzweig. Öl auf Leinwand, kaschiert auf Malkarton. 27 x 37 cm. 900 €

August Karl Martin Splitgerber (1844 Steingaden – 1918 München)

6105 Spaziergang im Dachauer Moos bei Abendrot. Öl auf Holz. 16,8 x 29,4 cm. Unten links signiert „A. Splitgerber“. 600 € Wilhelm Bode (1830 Hamburg – 1893 Düsseldorf)

6106 Blick auf das Zugspitzmassiv von Norden. Öl auf Leinwand, doubliert. 44 x 64,5 cm. Unten links signiert „WBode“. 800 € Der Hamburger Landschaftsmaler Wilhelm Bode lebt nach seinem Studium an der Wiener Akademie für acht Jahre in München bevor er sich in Düsseldorf niederlässt. In seinem Werk bevorzugt er die Gebirgslandschaft der Schweiz und Oberbayerns.

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Ferdinand Küss

Apollinari Hilarjewitsch Horawski

(1800 Wien – 1886 Pörtschach a. See)

(auch Gorawsky, 1833 Uborki bei Tscherwen – 1900 Sankt Petersburg)

6107 Studie drei gefüllter Rosenblüten. Öl auf loser Leinwand, auf Untersatzkarton montiert. 17,4 x 12,1 cm (oben halbrund).

6109 Interieur eines Petersburger Palais mit Blick auf einen Park. Öl auf Leinwand. 20,7 x 27,8 cm. Auf der Rahmenkante eigenhändig in kyrillischer Sprache bezeichnet und datiert „Eigentum von A. Gorawskij 1854“, verso auf dem Keilrahmen ebenso.

900 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso auf dem Untersatzkarton).

1.500 €

Ludwig Elsholtz (1805–1850, Berlin)

6108 Begegnung auf dem Sonntagsspaziergang. Öl auf Leinwand, doubliert. 29,7 x 39,2 cm. Unten links signiert und datiert „L. Elsholtz. 1844.“ 1.800 € 95


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Rudolf Böttger (1887 Tachov – 1973 Regensburg)

6110 Bazar in Odessa mit Blick auf die Sretenskaya Kirche. Öl auf Holz. 45,8 x 53 cm. Unten links signiert und datiert „R. Böttger [19]18“ sowie auf einer Plakette an der unteren Rahmenleiste betitelt. 3.500 € Ausstellung: Jahresausstellung im Künstlerhaus, Wien 1919, Kat. 379. Zwischen März und Dezember1918 war Odessa von österreichischen Truppen besetzt. Unter den Offizieren befand sich auch der Maler Rudolf Böttger, der die Truppen als Künstler begleitete. Die Szene zeigt eine Ansicht des „Novyj Rynok“ (Neuen Marktes) an der Torgovaja Straße, im Hintergrund ist die heute zerstörte Sretenskaya Kirche zu sehen. 6111 96


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Louis Friedrich Rudolph Sy

Theodor Ilich Baikoff

(1818 Berlin – 1887 Danzig)

(auch Fedor Bajkov, 1818 St. Petersburg – 1890 Triest)

6111 Junge Kaschubin bei der Andacht, im Hintergrund Blick auf die Altstadt von Danzig. Öl auf Leinwand. 60,5 x 51 cm. Unten links signiert und datiert „L. Sy / 1854.“.

6112 Marktszene in Tiflis (Tiblisi), Georgien. Öl auf Leinwand. 43 x 77,5 cm. Unten rechts datiert und monogrammiert „1872 TB“, verso auf dem Rahmen eine Galerienummer „14“.

750 €

6.000 €

Durch das offene Kirchenportal erhascht man einen Blick auf die Türme der Danziger Marienkirche. Der in Berlin geborene Louis Sy ließ sich nach einer Ausbildung an der Berliner Akademie 1845 in Danzig nieder, wo er langjähriger Kustos am Stadtmuseum und Sekretär des Kunstvereins wurde.

Der in St. Petersburg geborene Maler Theodor Ilich Baikoff war insbesondere für seine Schlachten- und Genrebilder bekannt. Mit besonderer Vorliebe widmete er sich Szenen aus dem Leben der Bevölkerung der transkaukasischen Regionen, wie Dagestan, Armenien, Georgien und der Türkei. Als Lithograph brachte er in den 1860er Jahren auch sein Album „Transkaukasische Szenen und Typen“ heraus. Vermutlich handelt es sich bei der hier dargestellten Marktszene um einen Platz in Tiflis. Hinter der Karawanserei, am Ende der Gasse erblickt der Betrachter eine Kirche, es könnte die Sironi-Kirche sein, in der Baikoff um 1850 auch an einigen Wandmalereien beteiligt war. Tiflis war bereits seit dem frühen Mittelalter eine wichtige Station der Karawanen auf der Seidenstraße, die vom Schwarzen Meer nach Persien, Indien und China führte. Auch im 19. Jahrhundert galt die georgische Stadt als kulturelles Zentrum des gesamten Kaukasus mit engen Verbindungen zu Venedig, Paris und Sankt Petersburg. Das Leben, wie auch in vorliegendem Bild ersichtlich, spielte sich meist auf den Straßen, Gassen und Plätzen ab, wo Einheimische und Handelsreisende aufeinander trafen.

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Louis de Gonzague-Privat (1843 Montpellier – 1917 Paris)

6113 Oase mit Rastenden. Öl auf Holz. 47 x 38 cm. Unten links signiert „GonzPrivat“. 1.800 €

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E. Grönland (wohl Nelius Grönland, 1859 Barbizon – 1918 Berlin)

6114 Orientale mit Turban. Öl auf Holz. 22,8 x 17,2 cm. Oben links signiert und datiert „E. Grönland d. j. / 1883“. 900 € 6114 98


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Fritz Klingelhöfer (1832–1903, Marburg i.H.)

6115 Nigerlandschaft mit Affenbrotbäumen. Öl auf Leinwand. 63,5 x 89 cm. Signiert unten rechts „Klingelhöfer“. 1880er Jahre. 1.200 € Fritz Klingelhöfer, an den Akademien in Kassel und unter dem Einfluss Andreas Achenbachs in Düsseldorf ausgebildet, wandert er 19-jährig nach Nordamerika aus. Nach seiner Rückkehr 1871 verkehrt er in München im engen Kreis von Friedrich August von Kaulbach und Wilhelm Busch. Zahlreiche Landschaftsskizzen, die er von Reisen nach Afrika 1873 und 1876/79 mitbringt, bilden die Vorlagen für in Berlin und Marburg entstehende afrikanische Landschaftsgemälde, deren Stärke in den Beleuchtungseffekten liegt.

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Französisch 6116 1905. Schiffe im Goldenen Horn von Istanbul, im Hintergrund die Blaue und die Neue Moschee. Öl auf Leinwand. 37 x 92,5 cm. Unten links signiert und datiert „Alph[onse]. Mallo [19]05“. 4.000 € Ein leichter Nebel liegt in den frühen Morgenstunden über dem Bosporus und hüllt die markanten Silhouetten Istanbuls in blaugrauen Dunst. Der Blick gleitet über das Goldene Horn auf den alten Stadtteil Eminönü, links ist die Galati Brücke angedeutet, rechts zeichnen sich die Türme der Neuen Moschee sowie die beeindruckende Baumasse der Blauen Moschee ab. Zahlreiche Schiffe künden von geschäftigem Treiben. Das kosmopolitische Zentrum Kostantinopel (Istanbul) zog bis ins frühe 20. Jahrhundert Künstler aller Herrenländer an. Aus der Entstehungszeit unseres Werks ist an die stimmungsvollen Ansichten etwa Karl Kaufmanns, Ernst Carl Koerners oder François Léon Prieur-Bardins zu erinnern.

Henry Enfield (1849 London – nach 1914 Neuwarp (pol. Nowe Warpno))

6117 Segelboote vor der Küste Norwegens. Öl auf Leinwand, doubliert. 73 x 117,5 cm. Unten rechts signiert „H. ENFIELD.“. 750 €

Filipp Filippovich Klimenko (1862 Ukraine – nach 1917 Odessa)

6118 Im Hafen von Odessa. Öl auf Leinwand. 45,5 x 55 cm. Unten links auf Kyrillisch signiert „F. Klimenko“. 3.500 € 101


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6119

Jacob Jacobsen

John Mogford

(auch Jacobsohn; 1818 Ludwigslust – 1891 Berlin)

(1821–1885, London)

6119 „Verfallene Burg in (der) Steiermark an der Grenze von Ungarn“. Öl auf Leinwand. 73,8 x 60,8 cm. Rechts unten signiert und datiert „Jacob Jacobsen f. 1887“, sowie verso zweifach in Pinsel und auf einem Klebeetikett mit Feder betitelt.

6120 Bergsee mit Fischern bei Sonnenaufgang. Öl auf Leinwand. 25,3 x 38 cm. Unten links datiert „John Mogford 1856“, verso auf der Leinwand mit dem Stempel des britischen Künstlerbedarfs „John Reeves Artist‘s Colorman“.

1.500 €

750 €

Provenienz: Auktion Leo Spik, März 1982, Los 122, Tafel 17. Privatsammlung Berlin. Jacob Jacobsen wurde in Ludwigslust als Sohn einer ursprünglich aus Franken stammenden Familie jüdischen Glaubens geboren. Bereits im Alter von nur 15 Jahren begann er eine erste Ausbildung zum Maler und studierte ab 1836 bei Prof. Gottfried Wilhelm Völcker in Berlin und im Jahr 1839 als Schüler von Friedrich Christoph Georg Lenthes in Ludwigslust. Von 1842 bis 1844 begab er sich mit einem Reisestipendium auf eine längere Studienreise nach Italien auf der viele Werke entstanden. In den Folgejahren stellte er verschiedentlich im Münchner Glaspalast und auf den Berliner Akademieausstellungen aus, wo der preußische König auch einige seiner Werke erwarb. Ebenfalls ist eine Korrespondenz mit dem französischen Kaiser Napoléon III. bezüglich des Ankauf einiger Gemälde überliefert. Nachdem er zwanzig Jahre erfolgreich in Schwerin tätig gewesen war, siedelte aber 1867 nach Berlin über. Nachdem er sich anfänglich einen Namen mit Stillleben gemacht hatte, widmete er sich später vorwiegend Landschaften und Architekturdarstellungen, darunter auch phantastische Architekturen zu denen auch die vorliegende Arbeit trotz ihres sehr ortsspezifischen Titels gehören dürfte.

102

Carl Johann Friedrich Adolf Rötteken (1831–1900, Lemgo)

6121 Castel Toblino am Tobliner See bei Trient. Öl auf Leinwand. 44,1 x 55,2 cm. Unten links signiert und datiert „C. Rötteken / 1855“. 600 €


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Georg Anton Rasmussen

Louis Douzette

(1842 Stavanger – 1914 Berlin)

(1834 Triebsees – 1924 Barth)

6122 zugeschrieben. Norwegische Fjordlandschaft mit Fischerhütte. Öl auf Leinwand. 32 x 45,5 cm. Verso auf dem Keilrahmen von fremder Hand bezeichnet „Prof. A. Rassmussen (Fjord) / Berlin [...]“.

6124 Blick auf das Wellhorn mit dem Rosenlauigletscher in den Berner Alpen. Öl auf Leinwand. 52,5 x 68,5 cm. Unten links signiert „L. Douzette“. 2.400 €

600 €

Ernst Christian Frederik Petzholdt (1805 Kopenhagen – 1838 Patras)

6123 Die Sabiner Berge bei Rom im Abendlicht. Öl auf Leinwand. 19 x 26,4 cm. 800 € 105


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6127, Beigabe

Wilhelmine Schleicher (tätig 19. Jh.)

6125 Stillleben mit Rosen. Öl auf Leinwand. 30,5 x 40 cm. Unten links signiert und datiert „W(ilhel)m(i)ne Schleicher 1862“. 2.400 €

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Bedeutsam für seine künstlerische Entwicklung war auch die Tatsache, dass Skovgaard früh ein Interesse für die heimische Natur und Landschaft Dänemarks entwickelte. Die vorliegende, minutiös ausgeführte Ölstudie einer Waldwiese kann als sprechendes Beispiel für die andächtige Naturbeobachtung Skovgaards dienen. In wunderbar changierenden Nuancen von Braun und Grün hat der Künstler die verschiedenen Gräser, Farngewächse und Bodendecker auf der hügeligen Brachlandschaft detailliert eingefangen. Der mit groben, pastosen Strichen gestaltete, gelblichbraune Hintergrund hebt die filigranen Strukturen der Pflanzen im Vordergrund hervor, die mit feinsten Pinselstrichen nachempfunden sind.

Peter Christian Skovgaard (1817 Ringsted – 1875 Kopenhagen)

6126 Wiesenlandschaft mit Gräsern und Farnen. Öl auf Papier, auf Leinwand kaschiert. 20 x 39,5 cm. 1.200 € Ausstellung: Le siècle d‘or de la peinture danoise. Une collection française, Roubaix, La Piscine, 12. Oktober 2013 - 12. Januar 2014, Le Havre, MuMa, 8. Februar - 12. Mai 2014, Paris, 2013, S. 147, Nr. 110, Abb. S. 214. Peter Christian Skovgaard gilt als ein bedeutender Vertreter der Malerei des dänischen goldenen Zeitalters und das, obwohl er kein Schüler von Eckersberg war. Er lernte 1831-1835 an der Kopenhagener Akademie bei Johann Ludwig Lund, aber es ist überliefert, dass Skovgaard an einigen der von Eckersberg organisierten Studienausflügen teilnahm. Sein besonderes Interesse galt während der Ausbildung an der Akademie der niederländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts, die er in der Königlichen Sammlung (dem späteren Statens Museum for Kunst) studierte.

Karl Friedrich Boser (1809 Halbau/Sachsen – 1881 Düsseldorf)

6127 Bildnis einer jungen Frau im schwarzen Kleid mit prächtigem Schmuck. Öl auf Leinwand, kaschiert auf Malkarton. 16 x 12 cm. Um 1870. 750 € Provenienz: Privatsammlung, Düsseldorf. Beigegeben zwei weitere Gemälde von Boser mit dem Ehepaar Hasenclever: „Josua Hasenclever / geb. zu Ehringhausen / den 30. April 1783 / gemalt von Boser im Dezember 1850“ und „Maria Gertrud HasencleverHasenclever / geb. zu Frankfurt [...] Januar 1781 / gemalt von Boser / Dezember 1850“. Bei vorliegendem Frauenbildnis könnte es sich um eine der Töchter der Hasenclevers handeln.

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Deutsch 6128 um 1810. Bildnis eines eleganten Herren. Öl auf Leinwand. 66 x 52,8 cm. 900 €

Philipp Dombeck (tätig 19. Jh. )

6129 Blick auf München von Norden aus. Öl auf Holz, parkettiert. 21,5 x 30,7 cm. Unten mittig signiert „Dombeck“. 3.500 €

August Wegert (1801–1825, Berlin)

6130 Bildnis eines Knaben im schwarzen Rock mit weißem Kragen. Öl auf Leinwand. 41 x 34 cm. Verso (eigenh. ?) monogrammiert „A. W.“ sowie auf dem Keilrahmen bezeichnet „A. Wegert“. 4.000 € Viel zu früh verstarb das vielversprechende Talent August Wegert und hinterließ nur spärlich gesäte Lebensspuren. Spätestens 1820 trat er in die Berliner Akademie ein und wurde zum Schüler Wilhelm Schadows, der sich nach dessen Ableben um den Verkauf der hinterlassenen Werke bemühte. Laut Nagler habe Wegert „zu den begabtesten jungen Künstlern“ gezählt. Durch Naglers Lexikoneintrag sowie den Katalogen der Akademieausstellungen 1820-1826 lässt sich sein schmales Œuvre, das aus Historiengemälden und Bildnissen bestand, zumindest grob konturieren. Ergänzend dazu veranschaulicht vorliegendes Werk eindrücklich das mit 24 Jahren bereits voll entfaltete Können des jungen Künstlers.

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6133

Deutsch

Deutsch

6131 um 1840. Apfelblüten mit Käfern. Öl auf Leinwand, kaschiert auf Malkarton. 16,5 x 22 cm. Unten rechts monogrammiert „BM“.

6133 um 1830. Künstlerin an der Staffelei. Öl auf Leinwand. 25,5 x 22,7 cm.

800 €

August Schleich (1814–1865, München)

6132 Hasen im Dickicht. Rauch-Gemälde (Öl unter Verwendung von Ruß, auf Malkarton, montiert auf Holz). 20,2 x 24,4 cm. Unten rechts in die Farbe geritzt signiert „Schleich“.

1.800 € Durch die leichte Schrägstellung der Staffelei erhascht der Betrachter das Motiv der jungen Künstlerin, die modisch gekleidet mit Korallenkette und tropfenförmigen Perlenohrringen an einem Porträt arbeitet. Ihr Modell, eine ebenfalls junge Frau in einem zart rosafarbenen Kleid mit derselben Hochsteckfrisur, die um 1830 en vogue war, studiert sie mit konzentriert forschendem Blick und transferiert sie mit einem Kranz in der Hand in eine landschaftliche, südlich anmutende Szenerie.

1.500 € August Schleich ist bekannt für seine sogenannten „Rauch-Gemälde“. Bei dieser Technik wird durch eine Kerzenflamme auf der Ölschicht eine Rußschicht erzeugt, aus der Lichter durch Abschaben herausgeholt werden - die Methode ähnelt einer Mezzotinto-Schabkunst. Später wird das Gemälde mit einem Firnis versiegelt.

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Anna Peters

Theodor Joseph Hagen

(1843 Mannheim – 1926 Stuttgart-Sonnenberg)

(1842 Düsseldorf – 1919 Weimar)

6134 „Sophienbrünnele“ in Stuttgart. Öl auf Leinwand, kaschiert auf Holz. 37,9 x 32 cm. Unten links signiert und unleserlich datiert „Anna Peters [1906?]“.

6135 Kleines Dorf im Weimarer Land mit Ententeich. Öl auf Holz. 35 x 41,8 cm. Am rechten Teichufer signiert „Th. Hagen“. Um 1890.

1.200 €

1.800 €

Anna Peters, Tochter und Schülerin des Pieter Francis Peters, gründete 1893 mit Sally Wiest den „Württembergischen Malerinnen-Verein“. Bei dem hier dargestellten Bächlein handelt es sich wohl um das sogenannte „Sophienbrünnele“, eine Wasserstelle des Sophienbrunnens am Hasenberg bei Stuttgart.

Karl Buchholz (1849–1889, Weimar)

6136 Hügelige Herbstlandschaft bei Weimar. Öl auf Leinwand, alt auf Hartfaser aufgezogen. 22,5 x 32,5 cm. 1.200 € Verso auf dem Untersatz in schwarzer Feder alt bezeichnet „Original von Karl Buchholz. Bestätigt von A. Thamm.“ sowie mit einem alten Ausstellungsetikett. Auf diesem mit Provenienzangabe „picture, together with frame, personal property of ...or Frank Bustard...“ (möglicherweise der Schiffsbaupionier Colonel Frank Bustard OBE, 1886-1974).

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André Giroux

Hermann Wilhelm Cellarius

(1801–1879, Paris)

(1815 Aurich – 1867 Leipzig)

6137 Ein Gebirgsbach in alpiner Landschaft. Öl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen. 44 x 30 cm. Um 1840-45.

6138 Wildbach im Thüringer Wald. Öl auf Leinwand. 40,4 x 28,6 cm. Unten links signiert und datiert „ H. Cellarius / 1853.“, verso auf dem Keilrahmen alt bezeichnet „Partie aus dem Thüringer Wald“. 900 €

1.200 € Lange Zeit als Künstler weitgehend vergessen, gilt André Giroux heute als ein Pionier der französischen Freilichtmalerei um 1830. Insbesondere die italienischen Landschaftstudien, die in einem freien, spontanen Duk­tus vor der Natur gemalt sind und sich durch warme Farbigkeit sowie ungewöhnliche Leuchtkraft auszeichnen, werden den gleichzeitigen Arbeiten Corots an die Seite gestellt. Die vorliegende Studie dürfte um 184045, in der gebirgigen Region der Dauphiné, im Südosten Frankreichs, entstanden sein. In einem breiten, souveränen und stark verkürzenden Duktus hat Giroux die rauhe, felsige Landschaft geschildert und das kühle Licht jener alpinen Gegend überzeugend eingefangen.

Andreas Achenbach (1815 Kassel – 1910 Düsseldorf)

6139 Gebirgsbach. Öl auf Malkarton. 19,3 x 33,2 cm. Unten links signiert und datiert „A. Achenbach [18]76“. 3.000 € 115


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6140

Olaf August Hermansen (1849–1897, Kopenhagen)

6140 Wiesenstück mit Mohnblumen, Glockenblume, Margeriten und einem kleinen Fuchs (Aglais urticae). Öl auf Leinwand. 24,3 x 19,5 cm. Unten rechts in die nasse Farbe geritzt signiert und datiert „O Hermansen [18]75“. 1.800 € 116


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Deutsch 6142 um 1890. Bemooster Buchenstamm in einem Wäldchen. Öl auf Leinwand, kaschiert auf Malkarton. 44,7 x 34,3 cm. 400 €

6142

Deutsch 6141 1858. Junge in Hotzenwälder Tracht aus Herrisch­ ried im Schwarzwald. Öl auf Leinwand, kaschiert auf Malkarton. 33 x 17,8 cm. Oben links bezeichnet, monogrammiert und datiert „Herrischried / JSt 19/6 [18]58“. 750 € 6141 117


Gemälde des 19. Jahrhunderts und Neuerer Meister_______________________________________________________________________________________________________________________________

6144

Alpenländisch

Carl Michael Geyling (1814 Mariahilf – 1880 Wien)

6143 Mitte 19. Jh. Profilbildnis eines Schützen mit hohem Trachtenhut, Spielhahnfeder und Rehfellrosette. Öl auf Malpappe. 17,1 x 12,5 cm.

6144 Motiv in Hallstadt im Salzkammergut. Öl auf Leinwand, auf Holz kaschiert. 21,2 x 26,3 cm. Unten links signiert „Geyling“. Um 1860.

600 €

1.500 €

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6143

6145

Deutsch 6145 19. Jh. Alpenländische Stube mit weiß gekalktem Ofen; Altes Holztor zu einem Bauernhof. 2 Gemälde, je Öl auf Leinwand, auf fester Pappe kaschiert. 26, x 19,5 cm; 26,7 x 20,6 cm. 450 € 6145 119


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6148

Constantinus Fidelio Coene (1779 Vilvoorde – 1841 Brüssel)

Niederländisch

6146 Der Bauerntanz. Öl auf Holz. 22,2 x 28,7 cm. Unten links signiert „C. Coene“. Um 1823.

6148 um 1820. Landschaft mit ruhenden Ziegen und Schaf. Öl auf Holz. 14,7 x 20,3 cm. Am unteren Wegrand monogrammiert „H. van B.“.

1.200 €

600 € Reizendes kleines Gemälde in der Tradition der Viehstücken von Jan Kobell II. (1778-1814).

6147 Das Dorffest. Öl auf Holz. 24,6 x 30,4 cm. Unten links signiert „C. Coene“. Um 1823. 1.200 € 121


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Martinus Schouman

Nikolaus Johannes Roosenboom

(1770 Dordrecht – 1848 Breda)

(1805 Schellingwoude – Assen 1880)

6149 Stürmische See. Öl auf Holz. 32,2 x 42,5 cm. Unten links signiert „M Schoumann“, verso auf dem Bildträger mit altem Sie­gellackstempel und einem Klebeetikett der Royal Exchange Art Gallery, London sowie auf dem Rahmen ein altes handschiftl. bez. Etikett „Marine View / Schoumann (Brussels)“ und ein Klebeetikett des Künstlerbedarfs „F. Ainley, Preston“.

6151 Winterliche Polderlandschaft mit Schlittschuhläufern. Öl auf Holz. 12,1 x 17,8 cm. Unten links monogrammiert „N.J R.“

1.800 € Jan Hermann Barend Koekkoek (1840 Amsterdam – 1912 Hilversum)

6150 Fischer am Strand bei stürmischem Wetter. Öl auf Leinwand. 45 x 54 cm. Unten links signiert „Jan H B Koekkoek“. 1.800 € 122

1.500 € Als Schüler von Andreas Schelfhout und inspiriert von der niederländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts, insbesondere idyllischen Winterlandschaften mit Figurenstaffage, erinnern Roosenbooms Gemälde an die winterlichen Landschaften Jan van Goyens oder Aert van der Neers. In skizzenhafter, lockerer Manier schildert Roosenboom in diesem Bild das Eisvergnügen der Dorfbewohner, die den kalten Tag auf dem zugefrorenen See genießen oder eben nur die kurzen Wege zwischen den Ufern für Erledigungen nutzen.


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Louis Julius Asher (1804–1878, Hamburg)

6152 Bildnis der Fides Magdalena Berkefeld (geb. Abend­ roth) im schwarzen Kleid mit blauer Schleife. Öl auf Leinwand, doubliert. 71,5 x 60 cm. Um 1860. 1.200 € Fides Magdalena Abendroth (1837-1910) heiratete im November 1856 den Hamburger Kaufmann Otto Wilhelm Conrad Berkefeld, einem Mitbegründer der Norddeutschen Bank.

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Piet Jan van der Ouderaa (1841–1915, Antwerpen )

6153 En route pour le supplice (Auf dem Weg zur Hinrichtung). Öl auf Leinwand. 48 x 72 cm. Unten links signiert und datiert „P. VD Ouderaa 1880“. 3.500 € Piet Jan van der Ouderaa blieb zeitlebens seiner Heimatstadt Antwerpen eng verbunden. Er studierte nicht nur an der dortigen Akademie bei Jacob Jacobs und Joseph van Lerius, sondern lehrte selbst später als Pro­fessor an der Höheren Kunsthochschule und widmete sich in seinen Historiengemälden bevorzugt der Stadtgeschichte. Fruchtbar in dieser Hinsicht war die Zusammenarbeit mit dem Stadtarchivar Pieter Génard, dank dem er bestens über die Vergangenheit und historischen Ereignisse Antwerpens unterrichtet war. Génard war es auch, der 1880 in einer Veröffentlichung die hier dargestellte Begebenheit schilderte, wonach im Jahre 1555 die Wienerin Marguerite Hartsheim zum Scheiterhaufen verurteilt wurde, nachdem sie ihren Aggressor, den spanischen Arzt Hieronymus Abanzo, erstochen hatte. Unsere in das Jahr 1880 datierte Arbeit ist eine Vorstudie für das Gemälde En route pour le supplice (Anvers le 12 février 1555), das Ouderaa 1881 erstmals auf dem Brüsseler Salon

ausstellte und das unlängst am italienischen Kunstmarkt verkauft wurde (Pandolfini Casa d’Aste, Auktion am 1. Juli 2020, Los 61). Wir sehen Marguerite auf dem Weg zur Hinrichtung an der Spitze eines Zuges, der wie damals in Antwerpen üblich an einer Kalvarienszene halt macht und zusammen mit der Verurteilten ein letztes Gebet spricht. Mit dunkel umschatteten Augen und leerem Blick kniet die aufgelöste Frau im linken Bildrand, flankiert vom Henker in Rot und einem betenden Mönch. Dahinter gemahnen die liegenden Zweigbündel und das Ölkännchen an die bevorstehende Urteilsvollstreckung. Rechts fungiert dagegen eine Figur mit blauem Mantel, die einer Madonna ähnelt, als Vermittlerin der religiösen Versunkenheit und Anteilnahme aller Anwesenden. Die Szene spielt sich auf der historischen Brücke Palinbrug vor dem Gefängnistor ab, dessen Bogen im Hintergrund noch zu sehen ist. Im direkten Vergleich mit der rund zweieinhalb Meter breiten Finalversion wird deutlich, dass Ouderaa bereits in der Studie alle wesentlichen Kompositionsmerkmale angelegt hatte und lediglich Figuren- sowie Umgebungsdetails präzisierte. Wie viele der Gemälde des Künstlers erregte auch En route pour le supplice große Aufmerksamkeit und war nach dem Brüsseler Salon 1881 in Paris, 1882 in Amsterdam, 1885 in London und schließlich 1894 in Philadelphia ausgestellt.

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Karl Weysser

Remigius Adrianus van Haanen

(1833 Durlach – 1904 Heidelberg)

(1812 Oosterhout – 1894 Bad Aussee)

6154 Kanalpartie mit Fachwerkhäusern und Brücke (Überlingen?). Öl auf Leinwand. 39,3 x 50,1 cm. Unten rechts signiert „K. Weyßser.“.

6156 Spätsommerliche Landschaft mit Eichenallee. Öl auf Leinwand. 67,2 x 97,5 cm. Unten rechts signiert „R. v. Haanen“, verso auf der Leinwand nummeriert „N. 104“.

1.800 €

Constant Troyon (1810 Sèvres – 1865 Paris)

6155 Zwei Schafe im Stall. Öl auf Malkarton. 23,5 x 28,5 cm. Unten rechts bezeichnet und datiert „Troyon [?] [18]57“. 1.200 €

3.000 € Die frische, saftig-grüne Ansicht einer weiten Ebene mit knorrigem Eichenhain präsentiert eine unübliche Facette des Schaffens von Remigius van Haanen, der hauptsächlich für seine schneebedeckten Winterlandschaften bekannt ist. Die altmeisterlich anmutenden Gemälde des Niederländers waren Ergebnis seiner langjährigen Studien, zuerst bei seinem Vater und an der Akademie in Utrecht, später bei ausgedehnten Wanderjahren, die ihn nach Amsterdam, an den Rhein, nach Frankfurt, Stuttgart und München führten. 1837 ließ sich van Haanen in Wien nieder und rundete sein Studium bei Johann Geiger ab. Die Kaiserstadt wurde für den rastlosen Maler und Radierer zum Ausgangspunkt zahlreicher Reisen durch ganz Europa und bis hin nach Russland. Von seinem hohen Ansehen zeugen die Mitgliedschaft in den Akademien in Amsterdam, St. Petersburg, Mailand, Venedig und Wien.

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William Edward Webb (1862–1903, Manchester)

6157 Raue See vor Cardiff. Öl auf Leinwand, doubliert. 30,5 x 61 cm. Unten rechts schwer leserlich signiert „W. Webb“, verso (eigenh.?) bezeichnet „Outward Bound / off Cardiff W. Webb“. 1.500 € Zeit seines Lebens stellt sich William Edward Webb mit seiner Malerei in den Dienst der britischen Küsten und Häfen und hält unermüdlich diejenigen fest, die die Gefahren der See auf sich nehmen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ab 1890 stellte er seine gefragten Marineund Küstenlandschaften regelmäßig in Ausstellungen der Manchester City Art Gallery, der Walker Art Gallery in Liverpool und sogar der Lon­doner Royal Academy aus. Seine Gewässer sind bewegt, seine Pinselstriche geradezu fließend und seine Gemälde stimmungsvolle Abbilder der engen Verbundenheit der Küstenbewohner mit den Fluten des Meeres.

James Webb (1825–1895, London)

6158 Fischer an der Küste von Hastings, East Sussex. Öl auf Leinwand. 57,5 x 93 cm. Unten links signiert und datiert „James Webb / [18]73“, verso ein altes Etikett eines englischen Depots „White & Co. Ltd / Furniture Depositories“.

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2.800 € Der englische Landschaft- und Marinemaler James Webb stellte seine Werke zwischen 1853 und 1888 in der Londoner Royal Academy aus. Seine Motive erarbeitete er sich auf Reisen durch England, nach Holland, Frankreich und in das Rheinland sowie nach Konstantinopel und Kairo. Bevorzugt malte Webb jedoch die englische Küste und gilt daher als klas­sischer Vertreter der englischen Landschaftsmalerei. Der deutliche künstlerische Einfluss von William Turner und John Constable bewirkte, dass Webbs Gemälde nicht selten mit deren Arbeiten verwechselt wurden.

Federico de Madrazo y Kuntz (1815 Rom – 1894 Madrid)

6159 Bildnis des Antoine d’Orleans, Herzog von Montpensier. Öl auf Holz. 23 x 18,3 cm (oval). Frühe 1850er Jahre. 4.500 € Berühmt für seine raffinierten Bildnisse war Federico de Madrazo y Kuntz, Sohn des spanischen Malers José de Madrazo, dem Direktor des Museo del Prado, was Federico von Kindheitstagen an direkten und täg­lichen Kontakt zu den großen Meistern der Malerei ermöglichte. Sein früher Erfolg war aber nicht nur dem berühmten Vater, sondern auch seinem eigenen Talent zu verdanken. Vorliegendes Werk ist eine ausschnitthafte Wiederholung eines großformatigen Bildnisses im Palacio Real in Madrid aus dem Jahr 1851. Dieses zeigt in ganzer Figur und vollem Ornat Antoine d‘Orléans, Herzog von Montpensier (1824-1890), den jüngsten

Sohn von König Louis-Philippe I. von Frankreich. Nach Antoines Heirat mit der Tochter von König Ferdinand II. von Spanien galt er lange als aussichtsreicher Erbe des spanischen Thrones, verwirkte diese Position jedoch 1870 durch die Tötung seines Konkurrenten, dem Herzog von Sevilla. Madrazo y Kuntz wiederholt hier im verkleinerten Ovalformat - vielleicht für den privaten Gebrauch eines Angehörigen - das Antlitz des Herzogs. Typisch für den Künstler ist die glatte, vertriebene Malweise im delikaten Gesichtsbereich - eine Remineszenz an seinen Kontakt zu den Nazarenern in Rom -, die mit der pastosen, summarischen und auf Fernwirkung abzielenden Ausarbeitung der Kleidung kontrastiert. Mit der Gabe, die Porträtierten zu idealisieren ohne den Kontakt zum Realen zu verlieren und Texturen mit einem eigenen unverkennbaren Stil virtuos wiederzugeben, wurde Federico Madrazo y Kuntz zu einem der einflussreichsten spanischen Bildnismaler des 19. Jahrhunderts.

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Alexander Friedrich Werner (gen. Fritz Werner, 1827–1908, Berlin)

6160 Bildnis eines Knaben nach rechts; Bildnis eines Herren en face mit fragendem Blick. 2 Ölstudien auf Papier, eines oval, eines im Rund, je alt aufgezogen. 11,5 x 9 cm und D. 12 cm. Eines mit Feder in Braun monogrammiert „A. W.“. Um 1870. 600 € Je in einer alten Messingrahmung gefasst und nicht ausgerahmt begutachtet. - Beigegeben von demselben eine weitere ovale Ölstudie: „Bildnis eines Mädchens“, 8,5 x 7 cm und signiert „A. Werner“.

Bis heute gilt das Sinken des Fracht- und Passagierschiffs „Royal Charter“ im Jahr 1859 als das schwerste Schiffsunglück in Wales. Knapp 450 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, als das Schiff während eines der schwersten Stürme in der Geschichte Großbritan­ niens an der Küste der Insel Anglesey zerschellte. Mit dem Frachter sank auch die wertvolle Ladung australischen Golds, die sich an Bord befand. Dem walisischen Künstler Hugh Warren Williams waren die steil abfallenden Felsen von Anglesey wohlbekannt, da er selbst aus dem gleich­ namigen County stammte und diesen Küstenstrich wiederholt künstlerisch bearbeitete.

Hugh Warren Williams (1863 Holyhead – 1941 Liverpool)

6161 Der Schiffbruch der Royal Charter vor der walisischen Insel Anglesey. Öl auf Leinwand, doubliert. 51 x 81,5 cm. Unten links schwer leserlich signiert „H. Williams“. 1.500 € 130

Edmund John Niemann (1813 Islington – 1876 Brixton Hill)

6162 Felsige Flusslandschaft mit alter Mühle. Öl auf Leinwand. 63,5 x 114 cm. Unten links signiert und datiert „Niemann / [18]58“. 750 €


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Deutsch 6163 19. Jh. Mondschein über felsiger Küste. Öl auf Malkarton. 16,2 x 33,7 cm. Unten rechts monogrammiert „M.B.“. 750 €

Jacques Odier (1853 Genf – 1930 Vevey)

6165 Der Sarazenenturm (Torre Saracena) in Rapallo. Öl auf Leinwand. 35,2 x 24 cm. Unten links signiert „J. Odier“. 600 €

Jules-Cyrille Cavé (1859–1946, Paris)

6164 Marine III. Öl auf Leinwand, auf Karton aufgezogen. 11,8 x 17,7 cm. 1.800 € Der Pariser Maler Jules-Cyrille Cavé war Schüler von William-Adolphe Bouguereau und Tony Robert-Fleury und stellte ab 1885 auf den Pariser Salons aus. Kürzlich wurde von den Erben des 1946 verstorbenen Cavé zudem eine große Zahl von diversen kleinformatigen Atelierarbeiten des Künstlers wiederentdeckt, die vor allem aus Entwürfen zu größeren akademischen Gemälden bestehen, sowie Landschaftsstudien, Wolkenstudien und Marinen. Die atmosphärische Studie ist auf wenige Braun-, Blau- und Grüntöne reduziert und wohl in der Bretagne oder in der Normandie entstanden.

Odier studierte ab 1878 an der Académie Julian in Paris und hielt sich des Öfteren im Atelier von Henri-Joseph Harpignies auf. Odier, der sich auf die Landschaftsmalerei konzentrierte, stellte seine Werke von 1879 bis 1906 im Salon de Paris aus. Auf seinen Reisen durch Frankreich und Italien sammelte er zahlreiche Impressionen. An der ligurischen Küste muss Odier diesen Befestigungsturm entdeckt haben. Um Rapallo vor den Angriffen der Mittelmeerpiraten zu schützen, wurde 1562 der Torre Saracena erbaut. Besonders gefürchtet war die Seeräuberbande des osmanischen Piraten Dragut. Bereits 1549 wurde Rapallo von osmanischen Truppen gestürmt, zerstört und ein Großteil der Bewohner gefangen genommen und versklavt. Die sogenannten Sarazenentürme finden sich entlang der ligurischen, korsischen und sardischen Küsten und sind Zeugnis der genuesischen Herrschaft.

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Deutsch 6166 um 1880. Die Bucht von Palermo mit Blick auf den Monte Pellegrino. Öl auf Leinwand. 47,5 x 80 cm. 1.800 €

Hugo von Seckendorff-Gutend

Erich Kips (1869–1945, Berlin)

6168 „Catania“. Öl auf Leinwand. 43 x 73,3 cm. Verso auf einem Klebeetikett mit dem Künstlerstempel „E. Kips“ und in brauner Feder betitelt und bez. „Catania“ und „Privat Villa / 10.“. Um 1899. 1.200 €

(tätig 19. Jh.)

Literatur: Katalog der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast 1899, S. 50, Nr. 466.

6167 Meeresbrandung an der Atlantikküste. Öl auf Leinwand. 18,5 x 27 cm. Unten links signiert und datiert „H. v. Seckendorff G[utend] / Dsfd [Düsseldorf] [18]80“.

Ausstellung: Sammelausstellung im Künstlerhaus des Vereins Berliner Künstler 1899 (Klebezettel auf dem Keilrahmen). Münchner Jahresausstellung im Glaspalast 1899, Nr. 466 (Klebezettel auf dem Keilrahmen).

900 €

Nach einem Studium an der Karlsruher Akademie machte sich Kips 1893 an Bord der Augusta Victoria auf eine längere Amerikareise und nahm dort mit seinen Gemälden unter anderem an der Chicagoer Weltausstellung teil. Anschließend begab er sich für drei Jahre nach Italien. Die dort gesammelten Eindrücke präsentierte er dem deutschen Publikum erstmals 1899 in einer Ausstellung des Berliner Künstlervereins. Eine kleine Auswahl der Bilder wurde noch im gleichen Jahr auf der Ausstellung im Münchner Glaspalast gezeigt. Eines der dort prominent inszenierten Gemälde war das hier vorliegende Bild, das ein Motiv aus der Umgebung der sizilianischen Stadt Catania darstellt. Die an einem sonnenbeschienenen Abhang stehende, virtuos wiedergegebene Mauer könnte gut zu den Ruinen der römischen Villa del Casale bei Catania gehören.

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Deutsch 6169 um 1840. Motiv an der der ligurischen Küste. Öl auf Leinwand. 29,5 x 35 cm. Verso auf dem Keilrahmen eine alte Zuschreibung an C. W. Götzloff sowie ein Galerieetikett „Salle de Ventes Galerie [...] Rue des PetitsCarmes, 41“, auf der Leinwand verso der Stempel des Berliner Künstlerbedarfs „Spitta & Leutz, Berlin“.

Johannes Linse (1875 Rotterdam – 1930 Den Haag)

6170 Motiv an der Côte d‘Azur. Öl auf Leinwand. 27,3 x 50 cm. Links auf dem Dach­ gesims signiert „Joh. Linse“. 800 €

2.500 € Französisch 6171 1882. Küstenpartie bei Carqueiranne in der Provence. Gouache auf Papier, kaschiert auf Leinwand. 20 x 37,3 cm. Unten rechts monogrammiert, bezeichnet und datiert „N.B. / Carqueiranne [18]82“. 750 € 136


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Paul Huet (1803–1869, Paris)

6172 Rast im sommerlichen Wald. Öl auf Holz. 32 x 38,2 cm. Unter dem linken Baum datiert „11 juin [18]61“. 1.200 € Paul Huet lernte ab 1820 an der Pariser École des Beaux-Arts bei AntoineJean Gros und Pierre Narcisse Guérin und gilt als einer der Begründer der romantischen Landschaftsmalerei in Frankreich. Von Bedeutung für seinen künstlerischen Werdegang war der freundschaftliche Umgang mit Eugène Delacroix und Richard Parkes Bonington, die ihm wesent­ liche künstlerische Impulse vermittelten. Er widmete sich seit den 1820er Jahren intensiv der Pleinairmalerei und pflegte zeit seines Lebens eine sehr intensive Reisetätigkeit, die ihn u.a. in die Normandie, in die Auvergne, nach Südfrankreich, Spanien, Italien, Holland und Belgien führte. Es war aber vor allem die heimatliche Natur, die Huet zu seinen besten Werken inspiriert hat. Die Betonung des Stimmungselementes in seinen Landschaften und die künstlerische Erfassung des Lichtes in allen seinen unterschiedlichen Valeurs machen ihn zu einem Vorläufer der fast um ein Jahrzehnt jüngeren Generation der Schule von Barbizon und zu einem der Hauptvertreter der sogenannten Paysage intime.

Schule von Barbizon 6173 um 1860. Sommerliche Flusslandschaft. Öl auf Leinwand. 38 x 55,7 cm. 1.200 € Die unprätentiöse Wiedergabe eines vor Ort gemalten Naturausschnitts in lockeren, pastosen Pinselstrichen, bei dem es in erster Linie um die genaue Beobachtung der Lichtverhältnisse und der Naturformen sowie deren malerische Umsetzung geht, spricht für einen Künstler aus dem Umfeld der Schule von Barbizon und erinnert an die Gemälde JeanBaptiste Camille Corots.

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Eugène Delacroix (1798 Charenton-Saint-Maurice – 1863 Paris)

6174^ Umkreis. Bildnis Charles-Edgar, Comte de Mornay (1803-1878). Öl auf Holz. 49,5 x 35,2 cm. Unten rechts von fremder Hand bezeichnet „Eug. Delacroix / Comte de Moray“. 4.500 € Provenienz: Dobiaschofsky, Bern, Auktion am 11. November 2011, Los 353 (als Eugène Delacroix). In der ersten Hälfte des Jahres 1832 begleitete Eugène Delacroix CharlesEdgar, Comte de Mornay - erster französischer Botschafter in Marokko und Sammler französischer Malerei - auf der vom französischen König Louis-Philippe initiierten Mission nach Nord-Afrika. De Mornay hatte dabei keine geringere Aufgabe als den Konflikt zwischen Marokko und Algerien zu lösen.

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Charles Muirhead

Alexander Friedrich Werner

(aktiv 1882–1933 in Liverpool)

(gen. Fritz Werner, 1827–1908, Berlin)

6175 „Spring-time“ (Wiese mit blühenden Kirsch­ bäumen). Öl auf Leinwand. 76,7 x 51 cm. Unten links signiert „C. MUIRHEAD“, verso bezeichnet „Exhibited Royal Academy 1904“. Um 1904.

6176 Sommerlicher Garten mit Fächerpalme. Öl auf Holz. 28 x 17,7 cm. Verso bezeichnet „Prof. A. F. Werner 1825-1908“ sowie von anderer Hand „Alexander Friedrich“.

1.500 € Ausstellung: The Exhibition of the Royal Academy. The 136th, London 1904, Nr. 289.

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750 € Spätestens seit Friedrich Wilhelm III. auf Anraten Alexander von Humboldts die Pariser Palmensammlung Foulchiron erwarb und Carl Blechen im Auftrag des Königs das Innere des Palmenhaus auf der Pfaueninsel in zwei eindrucksvollen Gemälden festhielt, die schließlich auf der Berliner Kunstausstellung 1834 gezeigt wurden, war auch das Berliner Bürgertum in den Bann der exotischen Pflanzenwelt gezogen worden. Ende des 19. Jahrhunderts lebten die wohlhabenden Berliner gar fürstlich, doch selbst für sie bedeutete der Sommer in der Stadt Staub und stickige Luft, daher bevorzugten sie in den Sommermonaten die luftigen Gebiete am Wannsee im Südwesten von Berlin. In der Villenkolonie am Kleinen Wannsee, die sich um 1870 auf Betreiben des Bankiers Wilhelm Conrad entwickelte, entstanden neben den großzügigen Villen auch prächtige Gärten, in denen die Bewohner mancherlei exotische Pflanzen und Früchte anbauen ließen. Oskar Begas beispielsweise hatte auf einem terrassierten Abhang, Melonen, Feigen, Trauben, Pfirsiche und wohl auch eine Bananenstaude. Gut möglich, dass die hier vorliegende Palmenstudie in einem der zahlreichen Berliner Prachtgärten entstanden ist.


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Évariste Carpentier (1845 Kuurne, Westflandern – 1922 Lüttich)

6177 Frühstück im Sommergarten. Öl auf Leinwand. 38 x 54 cm. Unten links signiert „Eva (ligiert) Carpentier“. 7.500 € Évariste Carpentier wird 1845 in Kuurne in Belgien geboren. Er studiert Malerei an der Académie des Beaux-Arts in Kortrijk sowie in Antwerpen, wo er anschließend sein erstes Atelier mit dem Malerfreund Jan van Beers bezieht. Gemeinsam sind sie in den 1880er Jahren einige Zeit in Paris, der Normandie und dem bretonischen St. Malo tätig. Zurück in Belgien wird Carpentier 1896 Professor an der Académie Royal des BeauxArts in Lüttich, der er von 1902 bis 1908 als Direktor vorsteht. Erst 1919 beendet er seine Lehrtätigkeit. Carpentier stirbt 1922 in Lüttich.

„Unter dem Einfluss von [seinem Lehrer] Nicaise de Keyser gestaltet Carpentier anfänglich Motive aus der griechischen Mythologie, wandte sich dann der Historien- und Genremalerei zu. Neben akademischen Kompositionen, die den Geist der Romantik und Einflüsse der Kunst von Jean-Baptiste Madou zeigen, sind die Genreszenen von einem Realismus und akzentuierten Lichteffekten gekennzeichnet. In Paris malte Carpentier vor allem Motive des Bürgerkrieges in der Vendée während der Französischen Revolution sowie das ländliche Leben mit realistischen Naturschilderungen. Zurück in Belgien wurde das ländliche Volksleben in der Umgebung von Lüttich zum Gegenstand der Bilder. Der Einfluss des Impressionismus machte sich in seinem Werk in einer zunehmend lockeren und fleckigen Malweise bemerkbar. Später galt er als einer der angesehensten Luministen von Lüttich.“ (Uta Römer, in: AKL).

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Eduard Schleich d. J.

Godfred Christensen

(1853–1893, München )

(1845–1928, Kopenhagen)

6178 Bemooster Baumstumpf. Öl auf Leinwand, doubliert. 31,4 x 27,5 cm. Unten rechts signiert „Ed. Schleich jr“, verso auf dem Keilrahmen ein altes handschriftl. bez. Etikett „N. 2[...]“ sowie bezeichnet „[...]“.

6179 Buchenwäldchen im Vorfrühling, Dänemark. Öl auf Leinwand, doubliert. 36,7 x 54 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert „GC 1867[?]“.

800 € 142

750 €


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Anton Erik Christian Thorenfeld

Paul Vorgang

(1839 Svendborg – 1907 Kopenhagen)

(1860–1927, Berlin)

6180 Weite Landschaft an der Küste von Morsø, Jutland. Öl auf Leinwand. 39 x 62 cm. Unten links bezeichnet „Moorsö“ sowie rechts signiert und datiert „A. Thorenfeld 1878“.

6181 Der Schlachtensee. Öl auf Leinwand. 70 x 100 cm. Signiert „P. Vorgang“. Um 1895-1900.

1.800 €

Paul Vorgang war Schüler von Eugen Bracht an der Berliner Akademie. Er malte mit Vorliebe die Landschaft der Mark Brandenburg und Motive aus der näheren Umgebung Berlins. Die um die Jahrhundertwende entstandenen großformatigen Landschaften zeigen eine insbesondere an Walter Leistikow erinnernde Stilisierung und Vereinfachung der Form.

Von 1858 bis 1862 studierte Thorenfeld u.a. bei den Professoren Peter Christian Thamsen Skovgaard und Vilhelm Kyhn. Doch mit der häufig kritisierten, idealistischen und trockenen Theorie der Akademie in Kopenhagen konnte er sein künstlerisches Schaffen nicht ausreichend vorantreiben und begann, regelmäßig Kyhns altes Hafenatelier, die „Huleakade­ miet“, eine freie Model- und Studienakademie, zu besuchen. Dort erfuhr er eine Art von Privatunterricht und traf u.a. Christian Zacho, Kristian Zahrtmann und Pietro Krohn. Thorenfeld gehört zu der nächsten Generation von Landschaftsmalern, die unter dem Einfluss von Skovgaard standen. Zudem zeigen sich Thorenfelds Landschaften tief verwurzelt in den Ideen von Eckersberg und Høyen, einem exakten Naturstudium im Freien zu folgen und sich dabei auf die Schönheit der Landschaft Dänemarks zu fokussieren. Abbildung Seite 143

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6.000 €


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Søren Christian Jensen (geb. 1870)

6182 Selbstbildnis mit Zeichenstift im Garten. Öl auf Leinwand. 66x 46,3 cm. Rechts unten monogrammiert und datiert „S.J. / 1939“. 600 €

6182

Margarete von Zawadzky (1889–1964, Berlin)

6183 Marina am Wannsee. Öl auf Malpappe mit Leinwandbezug. 54,7 x 38,7 cm. Unten rechts signiert „M. v. Zawadzky“, verso ein Etikett der Breslauer Galerie „Theodor Lichtenberg / Inh. August Koelsch“. 450 € 6183 145


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6184

Karl Bobies (1865–1897, Wien)

6184 In den Donauauen bei Wien. Öl auf Leinwand. 52 x 69 cm. Unten rechts signiert „K. Bobies“. 2.800 € Karl Bobies stammte aus einer im 18. Jahrhundert nach Österreich eingewanderten Familie, deren Wurzeln in Ostpreußen und Litauen lagen. Im Jahr 1894 stellte er auf der 3. Internationalen Kunstausstellung im Künstlerhaus der Künstlervereinigung in Wien eine „Abendstimmung an der Donau“ sowie ein Pastellbild „Vorfrühling (Donauauen)“ aus, das 1917 im Wiener Dorotheum versteigert wurde (Dorotheum, Wien, 13. Dezember 1917, Los 909). Bobies Bilder zeigen eine gewisse naturalistische Auffassungsgabe, wobei er impressionistische Gestaltungs­ mittel nutzt und stellenweise, wie beispielweise in der Darstellung des Himmels, beinahe an die Schule von Barbizon reminisziert.

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Julius Sergius von Klever (auch Yuliy Yulevich Klever, 1850 Dorpat – 1924 St. Petersburg)

6185 Der goldene Herbst. Öl auf Leinwand. 53 x 71 cm. Unten links in kyrillischer Sprache signiert und datiert „1912“. 12.000 € Provenienz: Privatsammlung Prignitz, Brandenburg. Der 1850 als Sohn deutscher Eltern im estnischen Dorpat (Tartu) geborene Julius von Klever erhielt schon als Gymnasiast ersten Unterricht bei dem Landschaftsmaler Constantin von Kügelgen. Ab 1867 besuchte er die Akademie von St. Petersburg, wo er unter Baron Michail Klodt und Ssokrat Worobjoff Architektur- und Landschaftsmalerei studierte.

Ab 1873 beteiligte er sich an zahlreichen Ausstellungen und wurde 1881 mit nur 31 Jahren zum Professor an der Akademie ernannt. Im Jahre 1893 erhob ihn der Zar, welcher selbst eine große Zahl seiner Gemälde erwarb, in den Adelsstand. Auch im Ausland wurden Klevers Landschaften sehr geschätzt. Er nahm vielbeachtet an Ausstellungen in München, Paris und Berlin teil, wo er ab dem Jahre 1905 auch für einige Zeit lebte und arbeitete. Seine zwischen realistischer Naturauffassung und feiner Stimmungsmalerei angesiedelten Landschaften geben die melancholische Schönheit seiner russischen Heimat in unvergleichlicher Weise wieder und bescherten Klever großen künstlerischen Erfolg.

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Walter Moras (1856 Berlin – 1925 Harzburg)

6186 Wolkenverhangener Himmel über einem See. Öl auf Leinwand. 24,6 x 35,1 cm. Unten rechts signiert „W. Moras“. 900 €

Adolf Hilgers (1896–1959, Deutschland)

6187 Im Garten der Abtei Corvey an der Weser. Öl auf Leinwand. 50,6 x 40,5 cm. Unten rechts signiert „A Hilgers“, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „Abtei Corvey a. d. Weser“. 600 € 6187 148


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Otto Antoine (1865 Koblenz – 1951 Unterruhldingen)

6188 Winterliches Treiben: Blick vom Schinkelplatz auf das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal und den Berliner Dom. Öl auf Leinwand. 72,5 x 95,5 cm. Unten rechts signiert „Otto Antoine“, verso auf dem Keilrahmen von fremder Hand alt bez. „Berliner Winterlandschaft ‚Dom‘“. 9.000 € Nach seiner Ausbildung an der Berliner Akademie bei Franz Skarbina schuf Otto Antoine neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit im Post­ ministerium zunächst vor allem Landschafts- und Genreszenen. Bald widmete er sich jedoch der Darstellung belebter Stadtansichten und Straßenszenen, in welchen er seinen eigenen, impressionistischen Stil zu voller Wirkkraft entfaltete und das pulsierende Großstadtleben stimmugsvoll einfing.

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Hermann Seeger (1857 Halberstadt – 1945 Krössinsee)

6189 Tamburinspielerin. Öl auf Papier, kaschiert auf Malkarton. 32 x 52,3 cm. Unten rechts signiert „HSeeger“.

6190 Mittagssonne über den Dünen der Ostsee. Öl auf loser Leinwand. 43,3 x 65,4 cm. Unten rechts signiert „H Seeger“. 450 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.

500 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers. Schon in jungen Jahren entwickelte Hermann Seeger ein künstlerisches Talent, studierte jedoch zunächst in Halle Philologie, promovierte in Altfranzösisch und arbeitete als Lehrer in Halberstadt. Von der Lehrtätigkeit wenig befriedigt, entschloss er sich mit der finanziellen Unterstützung seiner Geschwister zu einem Zweitstudium an der Hochschule für bildende Künste in Berlin bei Karl Gussow und Paul Thumann. Dort lernte er auch seine spätere Frau Marie Cramer von Clausbruch kennen, mit der er vier Kinder bekommt: Conrad, Reinhart, Hildegard und Ilse. Im Jahr 1894 erhielt Seeger schließlich eine Direktorial-Assistentenstelle an der königlichen akademischen Hochschule. Bekannt ist Seeger insbesondere für seine Landschaften an der Ostsee. Die nordische Küstenlandschaft mit ihren sanften Dünen, dem Strandhafer und den wolkenverhangenen Himmeln hatten es ihm besonders angetan. Seine Gemälde sind atmosphärische Momentaufnahmen von ausgelassenen, entspannten Strandaufenthalten, in denen er mit Vorliebe seine beiden Töchter Hildegard und Ilse porträtierte (siehe www.hermannseeger.de).

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6191 Sommerlicher Spaziergang am Strand der Insel Vilm. Öl auf Papier, kaschiert auf Malkarton. 32,2 x 44,7 cm. Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert „HSeeger / Vilm 1912“. 500 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.

6192 Studie einer liegenden, jungen Frau im blauweißen Kleid. Öl auf Papier. 33,5 x 44 cm. Unten rechts signiert „HSeeger“. 600 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.


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Julius Stockfleth

Carl Irmer

(1857–1935, Wyk auf Föhr)

(1834 Babitz b. Wittstock – 1900 Düsseldorf)

6193 Bauernkaten in Wyk auf Föhr. Öl auf Leinwand. 30,5 x 40,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „J. Stockfleth. Wyk-Föhr 1921“.

6195 Dünenlandschaft an der holsteinischen Nordseeküste. Öl auf Malkarton. 29,8 x 23 cm. Unten links signiert „C. Irmer Nachlass“.

1.500 €

800 € Robert Charles Fiebiger (1871–1956, Kopenhagen)

„Die Bilder [Carl Irmers] zeigen unspektakuläre Motive in einer scharf beobachteten Naturtreue, beseelt durch eine lyrische Sicht, und strahlen eine zarte Gesamtstimmung und Stille aus“ (Allgemeines Künstlerlexikon, S. 375).

6194 Hafenansicht mit Kran. Öl auf Leinwand. 73,7 x 103 cm. Verso auf dem Rahmen ein Etikett der Baltischen Ausstellung 1914, bez. „Robert Fiebiger“. 1.200 € Ausstellung: Baltische Ausstellung (Baltiska Udstillingen), Malmö 1914 (Ausstellungsetikett verso).

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Louis Gallait (1810 Tournai – 1887 Schaerbeek )

6196 Dame in der Theaterloge. Öl auf Leinwand, doubliert. 72 x 60 cm. Unten links signiert „Louis Gallait“. 1.800 €

Deutsch 6197 um 1860. Quellnymphe von einem römischen Krieger erspäht. Wachskreide auf Leinwand. 60,5 x 48,2 cm. 1.800 €

Léon Georges Calves (1848–1924, Paris)

6198 Weißer und lila Flieder. Öl auf Leinwand. 46 x 61 cm. Unten rechts signiert „G. Calves“, verso auf dem Keilrahmen wohl ein Künstlerbedarfsstempel „Hermesstab und Anker / LF“. 600 € 154


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Heinrich Ludolf Verworner (1864 Leipzig – 1927 Fiesole bei Florenz)

6199 Arkadien: Badende Frauen und Flöte spielende Knaben an einem Waldsee. Öl auf Leinwand. 78 x 32 cm. Verso auf der Leinwand mit violettem Stempel „Victoria Sch[...]“. 2.400 € Provenienz: Privatsammlung Italien. Verworner, dessen künstlerische Begabung sich schon früh zeigte, schrieb sich trotz starker familiärer Widerstände für ein Studium der Bildhauerkunst an der Leipziger Akademie ein - ein Kompromiss, da dies die einzige Kunstform war, die sein strenger Vater wegen ihrer handwerklichen Ausprägung akzeptierte. Nach dem Tod des Vaters in wirtschaftliche Not geraten, wechselte er bald nach Dresden, wo er mit seinen Freunden Frieda und Julius Wengel in einem Turm an der Elbe lebte und sich mit Auftragsarbeiten das Studium finanzierte. Im Jahre 1890 begaben sich die drei unzertrennlichen Freunde nach Paris, um dort an der Académie Julian Malerei zu studieren. Dort beeindrucken ihn die Werke Edvard Munchs, Vincent van Goghs, Ferdinand Hodlers und Paul Cézannes. Auf dem Salon von 1891 konnte er sogar einige Bilder ausstellen. Nach einem neunmonatigen Aufenthalt kehrte er nach Dresden zurück, wo er Kontakt zu Walter Witting, Max Pietschmann, Robert Sterl und Ludwig von Hofmann pflegte, mit dem ihn eine lebenslage Freundschaft verbinden sollte. Im Jahre 1893 heiratete er seine Frau Charlotte, eine Tochter aus reichem Hause, mit der er eine überaus harmonische Ehe führte. Durch die Heirat aller materiellen Sorgen enthoben, zog das junge Paar zunächst für einige Zeit nach Paris, übersiedelte aber 1984 nach Fiesole bei Florenz, wo sie sich eine kleine Villa kauften und später 6200 156


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Michael Emil Sachs (1836 Hadamar, Hessen – 1893 Partenkirchen) auch Verworners Freund Ludwig von Hofmann ihr Nachbar wurde. In Fiesole schuf sich Verworner sein eigenes Paradies, wo er unberührt von den Zwängen des Kunstmarktes eine mythisch-arkadische Vorstellung der Kunst voller Harmonie und Schönheit entwarf, für die vor allem seine Bilder mit Badenden Frauen stehen - ein Motiv, das er bis zu seinem Tod immer wieder aufgriff. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg geriet Verworners Idyll wegen äußerer Umstände zusehends aus den Fugen und seine ihn lebenslang begleitenden Depressionen trieben ihn im Jahre 1927 dazu, sich das Leben zu nehmen. Den bewegenden Nachruf anlässlich einer großen Gedächtnisausstellung im Sächsische Kunstverein 1927 schrieb sein enger Freund Ludwig von Hofmann (Ludwig von Hofmann: Ludolf Verworner, Deutsche Kunst und Dekoration, 1927, S. 160-164).

Hugo Vogel (1855 Magdeburg – 1934 Berlin)

6200 Jüngling an der Felsenküste von Capri. Öl auf fester Malpappe mit Leinwandbezug. 52,8 x 40,3 cm. Unten links signiert „Hugo Vogel“. 600 €

6201 Küste von Sorrent mit Blick auf Neapel und den rauchenden Vesuv. Öl auf Leinwand. 68 x 93 cm. Unten links datiert und signiert „1880 / Michael Sachs“, verso auf dem Keilrahmen betitelt „Küste von Sorrento“. 6.000 € Michael Emil Sachs studierte von 1855 bis 1858 an der Akademie Karlsruhe bei Johann Wilhelm Schirmer, wechselte anschließend für zwei Jahre nach Düsseldorf, um dort unter Oswald Achenbach zu lernen. Beide Lehrer prägten Sachs‘ Landschaftsauffassung nachhaltig. Adolph Seubert schreibt 1870 in seinem Nachtrag zu Die Künstler aller Zeiten und Völker über Sachs: „Als Landschaftsmaler zeichnet er sich durch sein reges Streben nach Naturwahrheit und ein fleissiges Studium aus. Seine Auffassung ist eine sinnige; er versteht sich namentlich auf Lufteffekte“. Sachs porträtierte vor allem die Landschaft in der Eifel, im Taunus, reiste aber auch nach Oberbayern und Tirol. In vorliegendem Gemälde widmet er sich hingegen der südlichen Landschaft - ein seltenes Motiv in seinem Werk. Durch die bedachte Regie von Licht und Schatten, setzt er die hellen Kalksteinfelsen sowie das flaschengrüne Meer der sorrentiner Küste beinahe dramatisch in Szene. Der wolkenbedeckte Himmel verstärkt diesen Eindruck und durch einen Arco naturale erblickt der Betrachter den rauchenden Vesuv im Hintergrund, der majestätisch über dem Golf von Neapel thront.

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Adolf Hirémy-Hirschl (1860 Temesvar – 1933 Rom)

6202 In Ekstase (Studie zu „Sic Transit“). Kohle und weiße Kreide auf blaugrauem Bütten. 30,5 x 23,5 cm. 1.800 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Stempel verso). Galleria Carlo Virgilio, Rom (Stempel verso). Seither im Privatbesitz. Wie das folgende Los 6203 eine Vorstudie zum monumentalen Polyptichon „Sic Transit“ (1912) in der Galleria Nazionale d‘Arte Moderna in Rom. Die Zeichnung bereitet die geisterhafte Frauengestalt vor, die im linken Paneel im rechten Hintergrund zu sehen ist.

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Adolf Hirémy-Hirschl 6203 Die Pest zieht durch Rom (Vorstudie zu „Sic Transit“). Öl auf Leinwand, doubliert. 48,4 x 72,3 cm. Um 1912. 15.000 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (verso mit dem Stempel). Galleria Carlo Virgilio, Rom. Matthiesen Fine Art Ltd., London. Seither in Privatbesitz. Das vorliegende Gemälde ist wie Los 6202 eine Vorstudie zum linken Paneel des allegorisch komplexen Spätmeisterwerkes „Sic Transit“ von Hirémy-Hirschl. Das 1912 vollendete Polyptichon befindet sich heute in der Galleria d‘Arte Moderna in Rom und ist wie viele der Werke HirémyHirschls von endzeitlicher Tragik bestimmt. Darin verhandelt der Künstler den Untergang der antiken Welt und den Aufstieg und Sieg des Christentums, wobei das Thema des linken Paneels („Pestvisionen“) die

Zerstörung der römischen Zivilisation ist. Zentrales Element der Darstellung ist die Pest, die als leuchtender Nebel mit angedeuteten apokalyptischen Todesgenien Form annimmt und durch die Straße zieht. Die Vorstudie weist im Wesentlichen die gleiche Kompositionsstruktur und Farbstimmung der finalen Ausführung auf; Änderungen nahm der Künstler hauptsächlich in Hinblick auf die Architekturkulisse und die Dynamik der wütenden Nebelgestalten vor. Der in Ungarn geborene Hirschl wächst in Wien auf und besucht dort von 1874 bis 1882 die Akademie der Bildenden Künste. Nach seiner Studienzeit besucht er 1882 erstmals Rom, die Ewige Stadt. Zurück in Wien beginnt Hirschl eine Affäre mit einer verheirateten Frau und brüskierte damit die Wiener Gesellschaft. Die Frau, Isabella Henriette Victoria Ruston, lässt sich schließlich scheiden und heiratet Hirschl, doch der Skandal bleibt. Getrieben von der Häme, die ihm entgegen schlägt, setzt Hirschl sich mit seiner Frau und Tochter nach Rom ab. Er nennt sich von nun an Hirémy-Hirschl. Für den Künstler war Rom ein Zufluchtsort, wo er umgeben von der antiken Mythologie und der Geschichte auch Inspiration für seine symbolistisch aufgeladenen Historienbilder fand.

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Karl Theodor Boehme

Rudolf Jettmar

(1866 Hamburg – 1939 München)

(1869 Zawodzie, Galizien – 1939 Wien)

6204 Meeresbrandung auf Rügen mit Treibholz. Öl auf Leinwand, auf Malkarton aufgezogen. 42 x 54,3 cm. Unten rechts signiert, bezeichnet und datiert „Karl Boehme. / Rügen d. 21.9.1920.“.

6205 Apokalyptisches Pferd über endzeitlicher Landschaft. Öl auf Leinwand. 115,5 x 130,5 cm. Rechts unten signiert und datiert „Rudolf Jettmar / (1)936“.

1.200 €

3.500 € Bedrohlich schnaubend galoppiert das apokalyptische Pferd durch den Himmel über eine weite, von Verwüstung gezeichnete Landschaft, in deren weiten Ebene sich ein Fluss vorbei an Ruinen, abgestorbenen Bäumen und Überbleibseln der menschlichen Zivilisation schlängelt. In der Ferne erscheint unter Gewitterwolken eine brennende Stadt. Die

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Landschaft erinnert an die im ersten Weltkrieg verwüsteten Schlachtfelder und erscheint zugleich prophetisch den heraufziehenden zweiten Weltkrieg vorwegzunehmen. Rudolf Jettmar gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des österreichischen Symbolismus. 1885 kam er als junger Mann, gegen den Willen des Vaters, aus Westböhmen nach Wien, um an der Akademie unter Franz Rumpler, Christian Griepenkerl und August Eisenmenger zu studieren. 1892 führte er sein Stu­dium in Karlsruhe fort und begann, sich mit dem Werk Anselm Feuerbachs auseinanderzusetzen. Nach einer ausgedehnten Studienreise nach Italien und Anstellungen in Leipzig und Dresden kehrte er nach Wien zurück und wurde 1898 in die Wiener Secession aufgenommen. Im Jahre 1910 folgte seine Berufung zum Akademieprofessor, einen Posten, den er bis 1936 innehatte. Anfänglich in seiner Kunst noch vom Wiener Jugendstil geprägt, wendet er sich, inspiriert von den Arbeiten Max Klingers und

Arnold Böcklins bald verstärkt symbolistischen Themen zu und war seinerseits wiederum eine wichtige Inspirationsquelle für nachfolgende Künstlergenerationen, so zum Beispiel die Künstler des Wiener Phantastischen Realismus um Ernst Fuchs. Jettmar hat sich in seinem Werk ver­schiedentlich mit den Themen des Krieges und des menschlichen Sündenfalls beschäftigt, so entstanden auch Folgen zu Lord Byrons Paradise Lost oder dem Mysterienspiel Kain. Vieles in Jettmars Kunst bleibt stets bewusst rätselhaft und unbestimmt. In vorliegendem Werk gibt Jettmar jedoch einen subtilen Hinweis darauf, wem er die Verantwortung für das drohende Unheil zuschreibt: Eine dünne, gerade Linie führt - einer Leine gleich - von den Zügeln des Pferdes zur brennenden Stadt in der Ferne - der Mensch hat das Unglück selbst heraufbeschworen und seine eigene Zerstörung herbeigeführt. Er hat aber auch die Kontrolle darüber, es nicht dazu kommen zu lassen.

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Fidus (eigentl. Hugo Höppener, 1868 Lübeck – 1948 Berlin)

6206 „Die Brautinsel“ - Junges Paar am Meeresufer, mit Blick auf einen Tempel. Öl auf Malkarton. 90 x 112 cm. Unten rechts signiert „Fidus“, unten links betitelt „Die Brautinsel“, verso nochmals signiert, betitelt und datiert „Die Brautinsel“ / Entworfen 1921, ausgeführt 1923 / in Oellasur. Fidus“, ferner mit montiertem Zettel mit typographischen Angaben zu dem Werk. Im Originalrahmen.

6207 Tempel im Meer. Farbstifte und Bleistift auf Velin. 9,5 x 15 cm. Verso in Bleistift wohl eigenh. bez. „Herta Hardt“. Um 1921. 750 € Vorzeichnung für den Tempel in dem Gemälde „Die Brautinsel“ (siehe Los 6206) , das 1923 nach Entwürfen aus dem Jahr 1921 entstand.

25.000 € Provenienz: Von Karl Begemann (geb. 1856) und seiner Frau Henny (geb. Wüstenfeld), Schweinfurt bei Fidus in Auftrag gegeben. Dessen Sohn Helmut Begemann, Schweinfurt. Dessen Tochter Hildegard Posey (geb. Begemann, gestorben 2012), Colorado Springs. Seither in Familienbesitz, Colorado Springs. Bei diesem Werk von Fidus handelt es sich um ein symbolisches Gedächtnisbild, das an den tragischen Tod eines jungen Brautpaares erinnern soll. Am 23. Juli 1920 verloren Hildegard Begemann und ihr Verlobter Herbert Bartel bei einem Segelunfall in der Kieler Bucht ihr Leben. Die Braut, gerade einmal 23 Jahre alt, und ihr Verlobter studierten beide in Kiel Medizin, nachdem sie das Physikum an der Tübinger Universität mit Auszeichnung bestanden hatten. Den Auftrag für das Bild erteilte der schwer getroffene Vater der Braut Karl Begemann, Inhaber einer Zuckerraffinerie in Schweinfurt. - Fidus zeigt das junge Paar in Rückenansicht in einer herzförmigen Struktur am Meeresgestade. Am jenseitigen Ufer erhebt sich ein phantastischer Rundbau mit goldener Kuppel, in deren Mitte eine Seerosenblüte thront. Es ist ein Tempel für die beiden Liebenden, die hier an der Schwelle zwischen dem Diesseitigen und dem Jenseitigen stehen. Das Werk, das bislang nur durch die Postkarte und den Kohledruck des Verlag des St. Georgs-Bundes in Woltersdorf bei Erkner bekannt war, wird erstmalig seit seiner Entstehung im Kunsthandel angeboten. Die „Brautinsel“ bei Helmut und Betty Begemann. Um 1955. 162


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Alexander Rothaug (1870–1946, Wien)

6208 Bernhard von Clairvaux vor einem Ritter zu Pferd. Ölfarbe und Wasserfarben mit Goldhöhungen auf Karton. 30 x 46,7 cm. Unten links signiert „Alexander. Rothaug“, oben in der Darstellung in „gotischer“ Schrift „Bernhard [...]“.

6209 Im Reich der Nixen. Mischtechnik auf Malkarton, auf Pappe kaschiert. 26,5 x 19 cm. Oben links im Rand signiert „Alexander Rothaug“ sowie unten rechts in Grau ein weiteres Mal signiert (?) „Alexander Rothaug“.

1.800 €

2.400 €

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Maximilian Kurzweil und der Galereist Felix Landau „He was ahead of his time“, fasst ein Kunsthändler aus Los Angeles die Tätigkeit des Pionier-Galeristen Felix Henry Landau aus Anlass seines Todes 2003 zusammen. Der 1924 in Wien geborene Landau war 1938 nach dem Anschluss Österreichs an NaziDeutschland in die USA geflohen. Hier heiratete er die Kunsthistorikerin Mitzi Ruth Ander, zog nach Los Angeles und eröffnete mit seiner Frau 1951 die Felix Landau Gallery. Die Galerie auf dem La Cienega Boulevard besaß regelrechten Kultstatus. Dank seines untrüglichen Gespürs war Landaus Galerie legendärer Erfolg beschieden. Als erster stellte er Francis Bacon in Los Angeles aus, zu seinem ambitionierten Programm gehörten zudem niemand geringeres als Richard Diebenkorn, Sam Francis, James Gill, Gaston Lachaise und Henry Moore. In der später eröffneten New Yorker Dependance ermöglichte er einem jungen David Hockney seine erste Ausstellung in den USA. Ungeachtet seines Faibles für das amerikanische Midcentury bewahrte sich Felix Landau jedoch eine Schwäche für die Wiener Kunst der Jahrhundertwende. Gustav Klimt und Egon Schiele hatten in dem Galeristen ihren größten Verfechter an der Westküste. Und so kam es auch, dass Landau 1969 in seinen vielbesuchten Räumen den Wiener Secessionisten Maximilian Kurzweil mit einer Ausstellung würdigte und dem amerikanischen Publikum bekannt machte. Gute 50 Jahre später können wir nun eine Gruppe von Werken Maximilian Kurzweils anbieten, die aus dem Bestand der Landau Gallery stammen und auf der Ausstellung 1969 gezeigt wurden (Lose 6212-6223). Sie bieten einen gleichsam konzentrierten wie facettenreichen Einblick in das Schaffen dieses außerordentlichen Künstlers der Jahrhundertwende. Zwischen Tatendrang und Müßiggang Kaum eine Persönlichkeit verkörpert den Geist der Wiener Moderne um 1900 so wie Maximilian Kurzweil. Als „im besten Sinne aristokratische Natur“ beschrieb Carl Moll seinen Freund in einem Nachruf. Aristokratisch war zwar nicht die Abstammung - Kurzweil war Spross einer vermögenden Familie, die nach dem Verkauf ihrer Zuckerfabrik im mährischen Bzenec nach Wien übersiedelt war - doch sicherlich die Haltung: Auf den wenigen Fotos, die von ihm erhalten sind, erscheint der Künstler stets elegant gekleidet im adretten Anzug mit Krawatte. Hinter diesem gesellschaftlich tadellosen Auftritt verbarg sich jedoch ein weiteres Gesicht, eine zweite Persönlichkeit, mit der Kurzweil zeit seines Lebens haderte. Ausdruck gibt er ihr in der kurzen Erzählung „Der Erfolg“ - eine seiner wenigen erhaltenen Schriften -, die 1898 in „Ver Sacrum“ erschien. Darin beschreibt Kurzweil einen fiktiven Maler, sein Alter Ego, der den Vormittag lieber träge im Bett verbringt, als zu malen. An diesem als „argen Zwiespalt“ empfundenen Zustand zwischen

produktivem Studium und müßiggängerischem Lebenskünstlertum rieb sich, wie Weggefährten des Künstlers bestätigen, auch Kuzweil auf. Künstlerisch begann seine Laufbahn an der Wiener Akademie, seine Studien vervollständigte er an der Académie Julien in Paris. Die französische Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts sollte ihn nachhaltig beeinflussen. Während seine frühen Genreszenen noch ganz in der Tradition des Naturalismus französischer Prägung standen, reift seine Arbeit mit fortschreitender Zeit zu einer ganz vom Impressionismus durchdrungen Landschaftsmalerei. Licht und Farbe erlangen als zunehmend symbolische Ausdrucksmittel gleichberechtigten Eigenwert neben dem Gegenständlichen. Die spätere Auseinandersetzung mit dem noch jungen Expressionismus klingt in seinem kühnen Umgang mit Farben bereits an. In den Ausstellungen des Künstlerhauses feierte er mit seinen Ansichten aus der Bretagne, Italien und Dalmatien bereits jung Erfolge. Einen Namen macht er sich außerdem als Porträtist der Wiener Gesellschaft des Fin de Siècle. Mit der Grün­dung der Secession 1897, deren konstituierendes Mitglied er war, rückten zunehmend auch symbolistische und esoterische Motive in sein Themenspektrum. Wohl von Emil Orlik erlernt Kurzweil die Kunst des japanischen Farbholzschnitts - „Der Polster“, der seine Frau Martha auf einen Diwan hingesunken zeigt, zählt ohne Zweifel zu den Ikonen des Wiener Jugendstils. Anders als sein künstlerisches Schaffen, war Kurzweils Privatleben jedoch alles andere als vom Erfolg gekrönt. Auf der einen Seite gesellschaftlich gut situierter Dragoneroffizier, auf der anderen Lebemann und erfolgreicher Künstler: Sein Leben könnte der Feder von Arthur Schnitzler entsprungen sein. Seine Sommer verbrachte Kurzweil ab 1893 in der bretonischen Hafenstadt Concarneau. Hier heiratete er 1895 Marie-Josephine Marthe Guyot, die Tochter des Vizebürgermeisters. Doch die aufsehenerregend schöne Französin war unglücklich in Wien, versank immer weiter in Apathie und Depressionen. Auch Kurzweil war häufig antriebslos und litt unter seiner Niedergeschlagenheit. In späten Jahren begann er eine Affäre mit seiner Schülerin Helene Heger. Der Vater seiner Geliebten verbot jedoch die Liaison. Als Kurzweil, mittlerweile im Weltkrieg als Kriegsmaler eingezogen, einen Diensturlaub antrat, traf er sich ein letztes Mal mit Helene. In seinem Wiener Atelier nehmen sich beide gemeinsam das Leben. Kurzweils Dasein war von Dichotomien zerrissen. Seliges Glück und tiefstes Unglück. Ungezwungenes Künstlerleben und großbürgerliche Konventionen. Kampf zwischen Schaffensdrang und melancholischer Untätigkeit. In seinem Werk löst sich jedoch alles Widersprüchliche auf, mehr noch, auf kongeniale Weise vereint er die vielseitigen Kunstregungen einer ganzen Epoche.

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Maximilian Kurzweil (1867 Bisenz – 1916 Wien)

6210 Der Polster (Martha Kurzweil, die Frau des Künstlers auf dem Diwan sitzend). Farbholzschnitt auf Chinabütten. 28,6 x 25,9 cm (Einfassung); 38,5 x 30,6cm (Blattgröße). Novotny/Adolph 428. Um 1903. 1.200 € Erschienen in der „Jahresmappe der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien“, 1903, hier auf dem originalen Untersatzkarton. Ausgezeichneter Druck mit schmalem bzw. unten mit breitem Rand, links mit dem Schöpfrand. Minimal angestaubt, entlang des Oberrandes montiert, sonst tadellos. Abbildung Seite 166

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6211 Der Polster (Martha Kurzweil, die Frau des Künstlers auf dem Diwan sitzend). Farbholzschnitt von vier Druckstöcken in blassen Blauund Grüntönen sowie zartem Gelb, auf Chinabütten. 29,2 x 26,2 cm. Um 1903. Novotny/Adolph 428 1.500 € Das ikonische Bild des Wiener Farbholzschnitts in einer wohl nicht ver­zeichneten Farbvariante. Fritz Novotny und Hubert Adolph beschreiben in ihrer Monographie zu Kurzweil (Max Kurzweil. Ein Maler der Wiener Sezession, Wien/München 1969) drei Probedrucke, die in der Farbgebung von der finalen Version für die Publikation in der „Jahresmappe der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien 1903“ abweichen. Unser Exemplar in subtilen Blautönen entspricht am ehesten der dort beschriebenen Variante A (blau, grauer Schatten). - Prachtvoller, in seiner nuancierten Farbgebung kräftiger Abzug mit herrlichem Druckrelief. Umlaufend mit feinem Rändchen, links an die Darstellung geschnitten. Tadellos und in vorzüglicher Erhaltung.


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Maximilian Kurzweil 6212 Bildnis eines Mädchens im hellen Kleid vor gelbem Grund. Öl auf Leinwand. 65 x 53,2 cm. Um 1900. 3.500 € Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles.

6213 Grünes Schiff, Concarneau (Bretagne). Öl auf Malkarton. 27 x 34,9 cm. Verso auf einem Klebe­ etikett in blauem Stift mit Nummer und Titel „20 Grünes Schiff Concarneau (Bretagn...“, sowie in Bleistift bez. „Max Kurzweil 20“. Um 1902/1903. 4.500 € Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (mit dem Nachlassstempel recto unten rechts sowie verso). Felix Landau Gallery, Los Angeles. Abbildung Seite 170

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Maximilian Kurzweil 6214 Grünes Boot im Hafen von Concarneau. Öl auf Malkarton. 26,8 x 34,7 cm. Verso auf einem Klebe­ etikett in blauem Stift mit Nummer und Titel „22 Schiffe im Hafen Concarneau (Bretagn...“ betitelt sowie in Bleistift bez. „Max Kurzweil 22“. Um 1902/1903. 4.500 € Literatur: Katalog der XII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs. Secession Wien, März–Mai 1903, S. 31, Nr. 76 („Grünes Boot. Hafen von Concarneau“). Ausst. Kat.: Wien um 1900. Kulturamt der Stadt Wien, Wien 1964, S. 15, Nr. 75. Max Kurzweil. 1867–1916. 58. Wechselausstellung. Österreichische Galerie, Wien, 30. November 1965 - 15. März 1966, Seite 31, Nr. 51 und Tafel IV. Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 5 mit Abb. und Titelabbildung. Fritz Novotny und Hubert Adolph: Max Kurzweil. Ein Maler der Wiener Sezession, Wien/München 1969, S. 126, Nr. 33 mit Farbabb. 11. Ausstellung: Wien 1903: XII. Kunstausstellung der Secession in Wien. Wien 1964: Wien um 1900, Secession Wien. Wien 1965/66: Österreichische Galerie. Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867–1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso). Felix Landau Gallery, Los Angeles.

6215 Paar am Meeresufer. Schwarze Kreide auf Velin. 20,8 x 23,1 cm. Unten rechts in der Darstellung mit dem Monogrammstempel. 800 € Literatur: Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 21 mit Abb. Ausstellung: Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles.

6216 Bildnis der Marie Kurzweil, der Mutter des Künstlers, nach links in einem Sessel sitzend. Graphit auf Velin. 29 x 30,1 cm. Mit dem Monogrammstempel unten rechts. 750 € Literatur: Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 36 mit Abb. Ausstellung: Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles.

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Maximilian Kurzweil 6217 „Kreuzigung“. Feder und Pinsel in Schwarz, farbige Kreiden auf Velin; verso Figurenstudien in schwarzer Kreide. 26 x 24,1 cm. Unten rechts in der Darstellung mit dem Monogrammstempel. Um 1900. 1.200 € Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles (mit dessen Galerieetikett auf der Passepartoutrückseite).

6218 Im Varieté: Eine unbekleidete Schönheit wird von Herren bewundert. Graphit auf Velin. 28,9 x 21,3 cm. Unten links in der Darstellung mit dem Monogrammstempel. 1.400 € Literatur: Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 25 mit Abb. 6217

Ausstellung: Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles (mit dessen Galerieetikett auf der Passepartoutrückseite).

6219 Bildnis wohl des Vaters Carl Kurzweil, sitzend, vor gelbem Grund. Öl auf Leinwand. 102 x 78 cm. Oben rechts signiert „Max Kurzweil“. 4.000 € Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles (mit dem Galerieetikett verso auf dem Keilrahmen). Das Bildnis zeigt einen stattlichen Herrn im fortgeschrittenen Alter im dunklen Dreiteiler mit weißem Hemd, über der Weste glitzert die silberne Uhrenkette. Es dürfte sich bei dem Dargestellten mit großer Wahrscheinlichkeit um den Vater des Künstlers handeln. Carl Kurzweil (18311909) war Unternehmer und besaß im mährischen Bisenz eine Zuckerfabrik. Nach deren Verkauf im Jahr 1875 übersiedelte er mit seiner Familie nach Wien und führte dort ein standesgemäßes Leben. Üblicherweise sind bei Portraits von Personen von Stand auch die Requisiten, die Möbel, Stoffe und Schreibtischutensilien entsprechend gewählt. Dies ist bei dem vorliegenden Werk nicht so: Der ehemalige Fabrikant sitzt auf einem einfachen Sitzmöbel vor einem unbestimmten Hintergrund, dessen gelbe Farbe sich deutlich vom Schwarz des Anzugs abhebt. Dies zeigt, dass es sich bei dem Portrait um das eines nahestehenden Menschen handelt und nicht um eine inszenierte Auftragsarbeit. Maximilian Kurzweil hat seinen Vater zweimal in Zeichnungen festgehalten. Die eine Zeichnung zeigt ihn abends in Gesellschaft mit seiner Fau am Tische sitzend und lesend, die andere stellt Carl Kurzweil im Dreiviertelprofil dar, den Kopf nach vorn geneigt, als wenn der Portraitierte kurz eingenickt wäre (Abb.30 und 32 im Ausst.Kat. der Landau Gallery). Die Portraitähnlichkeit der Person auf den Zeichnungen mit unserem gemalten Bildnis ist frappant: ein stattlicher Herr mit hoher Stirn, die verbliebenen Haare nach hinten oder zur Seite gekämmt, dazu der gepflegte Oberlippen- und Kinnbart. 6218 172


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Maximilian Kurzweil 6220 Studienblatt: Mädchen mit schulterlangem Haar en face und nach links gewendet. Graphit auf Velin. 18,7 x 24,6 cm. Mit dem Monogrammstempel unten rechts. 600 € Literatur: Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 38 mit Abb. Ausstellung: Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles.

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6221 Portrait einer jungen Frau sowie weitere Figurenstudien: Vorstudien zu dem Gemälde „Der verwunschene Prinz“. Graphit auf Velin, verso in Graphit Kopfstudien sowie die Darstellung einer Mutter mit Kind. 21,3 x 29,5 cm. Mit dem Monogrammstempel unten links. Um 1915. 800 € Literatur: Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 15 mit Abb. Fritz Novotny und Hubert Adolph: Max Kurzweil. Ein Maler der Wiener Sezession, Wien/München 1969, S. 140, Nr. 409.

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Ausstellung: Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. Provenienz: Felix Landau Gallery, Los Angeles.

6222 Altes Gehöft am Attersee. Bleistift, aquarelliert auf Velin. 14,5 x 20,9 cm. Unten links mit dem Monogrammstempel. 1.200 € Literatur: Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 13 mit Abb. Fritz Novotny und Hubert Adolph: Max Kurzweil. Ein Maler der Wiener Sezession, Wien/München 1969, S. 138, Nr. 367. Ausstellung: Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 6222 174


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Maximilian Kurzweil 6223 Alte Weiden in der Bretagne. Öl auf Holz. 20 x 28,5 cm. Unten rechts signiert „Kurzweil“, verso auf einem Klebeetikett in blauem Stift mit Nummer und Titel „63 Bäume Bretagne“ sowie in Bleistift bez. „Max Kurzweil 63“, verso auf der Holztafel der Prägestempel des Wiener Künstlerbedarf Alois Ebeseder (gegr. 1879). Um 1902/1903. 2.400 € Literatur: Ausst. Kat. Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. 8. Januar - 3. Februar 1968, Nr. 3 mit Abb. Fritz Novotny und Hubert Adolph: Max Kurzweil. Ein Maler der Wiener Sezession, Wien/München 1969, S. 129-130, Nr. 97 (dort datiert um 1911-1916). Ausstellung: Los Angeles 1968: Felix Landau Gallery: Max Kurzweil, 1867-1916: Paintings, Drawings and Woodcuts. Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (mit dem Nachlassstempel verso). Felix Landau Gallery, Los Angeles.

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Leopold Hauer (1896 Wien – 1984 Lengenfeld)

6224 Tiroler Bauernhaus mit Herrgottserker. Öl auf Holz. 36 x 18 cm. Unten rechts monogrammiert „H“. 2.400 €

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Alexandre Bailly (1866–1947, Paris)

6225 Das Innere einer Mühle. Öl auf Holz. 26,5 x 17 cm. Signiert „A. Bailly“, verso bezeichnet „Environs de Coulomiers Nov. (18)95“. 450 € 6225 176


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Hans Strohbach (1891–1949 Frankfurt a. Main)

6226 Schneebedeckter Furka im Abendlicht. Öl auf Leinwand. 55 x 68 cm. Unten rechts signiert und datiert „Hans Strohbach 1919“, verso auf der Leinwand nochmals signiert und betitelt „Hans Strohbach 1919 / Abendsonne / Furka“. 1.800 € Das in pointillistischer Manier gehaltene Alpenmassiv ist ein Frühwerk des Künstlers, der im Jahr der Entstehung (1919) seine Ausbildung an der Dresdener Kunstakademie erhielt.

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Berthold Löffler (1874 Nieder-Rosenthal, jetzt Teil von Liberec in Tschechien – 1960 Wien)

6227 Blick in ein enges Flusstal mit Paßstrasse in Südtirol. Öl auf Leinwand. 40 x 43,5 cm. Unten rechts datiert und signiert „1932 Löffler Berthold“. 2.400 € 178


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Robert Franz Curry (1872 Boston – 1945 Riederau)

6228 Sommerliche Landschaft: Kähne am Ufer eines oberbayerischen Sees. Öl auf Malkarton. 60 x 74 cm. Unten rechts signiert „R. F. Curry“. 1.200 € Der in Boston geborene Curry studierte zunächst an der Harvard University in Cambridge bis er 1891 nach Deutschland, genauer nach Stuttgart kommt, um dort ein Studium der Architektur aufzunehmen. Er entschied sich jedoch wenig später für ein Studium der Malerei und ist

ab 1893 Student an der Akademie München bei Karl von Marr, Heinrich Knirr, Alexander von Liezen-Mayer sowie Ludwig von Löfftz. Curry unternahm Reisen durch die Schweiz und Italien und verbrachte Studienaufenthalte in der Bergwelt Oberbayerns. Von 1930 bis 1940 lässt er sich in Oberstdorf im Allgäu nieder, siedelt 1940 aber wieder nach München über, um schließlich seine letzten Lebensjahre in Riederau am Ammersee zu verbringen. Dem Impressionismus zugewandt entstehen stimmungsvolle, lichtdurchflutete Porträts der süddeutschen und alpenländischen Landschaft, meist ohne Staffage, ganz ohne Glamour, eindrücklich und kontemplativ.

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Register A Achenbach, Andreas 6139 Alpenländisch 6143 Antoine, Otto 6188 Asher, Louis Julius 6152 B Bager, Johann Daniel 6025 Baikoff, Theodor Ilich 6112 Bailly, Alexandre 6225 Beer, Wilhelm Amandus 6099 Blache, Christian V. 6094-6096 Blanchard, Jacques 6014 Bobies, Karl 6184 Bode, Wilhelm 6106 Boehme, Karl Theodor 6204 Boser, Karl Friedrich 6127 Böttger, Rudolf 6110 Buchholz, Karl 6136 C Calves, Léon Georges 6198 Carpentier, Évariste 6177 Catel, Franz Ludwig 6056 Cavé, Jules-Cyrille 6164 Cellarius, Hermann W. 6138 Christensen, Godfred 6179 Coene, Constantinus Fidelio 6146-6147 Comte, Jacques-Louis 6034 Curry, Robert Franz 6228 Dänisch 6086, 6089 De Martino, Edoardo 6091 de Mirbel, Aimée-Zoé Lizinka 6039 Delacroix, Eugène 6174 Deutsch 6020, 6023, 6027, 6033, 6036, 6044-6045, 60576058, 6072, 6081-6082, 6104, 6128, 6131, 6133, 6141-6142, 6145, 6163, 6166, 6169, 6197 Dombeck, Philipp 6129 Douzette, Louis 6124 Düsseldorfer Schule 6053 E Eckersberg, Christoffer Wilhelm 6083-6084 Elsholtz, Ludwig 6108 Enfield, Henry 6117 Fidus 6206-6207 Fiebiger, Robert Charles 6194 Flämisch 6002, 6006-6007, 6035 Foss, Harald Frederik 6100

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Franck, C. 6102 Französisch 6019, 6092, 6103, 6116, 6171

Körner, Emma Sophie 6042 Kurzweil, Maximilian 6210-6223 Küss, Ferdinand 6046, 6107

G Gail, Wilhelm 6074, 6077 Gallait, Louis 6196 Geyling, Carl Michael 6144 Giroux, André 6137 Gonzague-Privat, Louis de 6113 Goyen, Jan van 6008 Grönland, E. 6114 Guttenbrunn, Ludwig 6028

L Larsen, Carl Frederik E. 6093 Liberotti, Giovanni 6041 Linse, Johannes 6170 Löffler, Berthold 6227 Lot, Henry 6098 Lübbers, Holger 6085 Lutteroth, Ascan 6062

H Haanen, Remigius A. van 6156 Hagen, Theodor Joseph 6135 Hauer, Leopold 6224 Hermansen, Olaf August 6140 Herrmann, Alexander 6073 Heusch, Jacob de 6013 Hilgers, Adolf 6187 Hirémy-Hirschl, Adolf 6202-6203 Hochecker, Franz 6011 Hoffmann, Georg Andreas 6032 Horawski, Apollinari Hilarjewitsch 6109 Huet, Paul 6172 Hummel, Carl Maria N. 6070 Hummel de Bourdon, Carl Ludwig 6037 IJ Irmer, Carl 6195 Italienisch 6015, 6018, 6031 Jacobsen, Jacob 6119 Jensen, Søren Christian 6182 Jepsen, Morton 6080 Jettmar, Rudolf 6205 K Kaselowsky, August Th. 6049 Kauffmann, Angelika 6029 Kaulbach, Hermann 6076 Kiærskou, Frederik Chr. J. 6097 Kips, Erich 6168 Klever, Julius Sergius von 6185 Klimenko, Filipp Filippovich 6118 Klingelhöfer, Fritz 6115 Knebel, Franz 6063 Koekkoek, Jan Hermann B. 6150 Kornbeck, Johan Peter 6078

M Madrazo y Kuntz, Federico de 6159 Markó d. J., Károly 6079 Marstrand, Vilhelm N. 6075 Mettenleiter, Johann Jakob 6026 Mogford, John 6120 Monogrammist M. G. 6050 Moras, Walter 6186 Morgenroth, Johann M. 6038 Morgenstern, Carl 6055 Mosnier, Jean-Laurent 6030 Muirhead, Charles 6175 Müller, Franz Hubert 6047 N Neumann, Johan Carl 6090 Niederländisch 6000, 6148 Niemann, Edmund John 6162 Norddeutsch 6043 Nürnberg 6003 O Odier, Jacques 6165 Ouderaa, Piet Jan van der 6153 P Peters, Anna 6134 Petzholdt, Ernst Christian Frederik 6123 Pilliard, Jacques 6071 Pöhacker, Leopold Joseph 6040 Preller d. Ä., Friedrich 6054 R Raden Saleh 6101 Rasmussen, Georg Anton 6122 Reis Carvalho, José dos 6051 Römisch 6017 Roosenboom, Nikolaus J. 6151

Rothaug, Alexander 6208-6209 Rötteken, Carl J. Fr. A. 6121 Rottmann, Carl 6059 Rubens, Peter Paul 6004 Ruoppolo, Giovanni B. 6001 S Sachs, Michael Emil 6201 Schiøttz-Jensen, Niels 6060-6061 Schleich, August 6132 Schleich d. J., Eduard 6178 Schleicher, Wilhelmine 6125 Schmitt, Johann Baptist 6048 Schouman, Martinus 6149 Schule von Barbizon 6173 Seeger, Hermann 6189-6192 Seekatz, Johann Conrad 6024 Skovgaard, Peter Christian 6126 Splitgerber, August Karl M. 6105 Stockfleth, Julius 6193 Strohbach, Hans 6226 Sy, Louis Friedrich Rudolph 6111 T Thorenfeld, Anton E. Chr. 6180 Tilemann-Petersen, Chr. 6088 Tischbein, August A. 6064-6069 Trautmann, Johann G. 6021-6022 Tripi, Giuseppe 6052 Troyon, Constant 6155 V Verwilt, François 6005 Verworner, Heinrich L. 6199 Vogel, Hugo 6200 von Seckendorff-Gutend, Hugo 6167 Vorgang, Paul 6181 Vouet, Simon 6016 Vries, Roelof van 6009-6010 W Webb, James 6158 Webb, William Edward 6157 Wedig, Gottfried von 6012 Wegert, August 6130 Weinberger, Anton 6087 Werner, Alexander Fr. 6160, 6176 Weysser, Karl 6154 Williams, Hugh Warren 6161 Z Zawadzky, Margarete von 6183


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Aus unserer Auktion „Discoveries“ am 11. Juni 2021 (Katalog nur online verfügbar)

Jan van Beers, nach. Le Yacht „la Sirène“: Ruderer am Pier. Öl, wohl über der Fotografie, kaschiert auf Holz. Um 1881.

Besitzer 1: 6102. 2: 6026, 6028, 6030, 6035, 6110, 6118, 6159. 3: 6197. 4: 6064, 6065, 6066, 6067, 6068, 6069, 6107, 6145, 6172. 5: 6027. 6: 6063, 6082, 6196. 7: 6011, 6025, 6045, 6059, 6074, 6130. 8: 6046, 6070, 6071, 6079, 6125, 6129, 6132, 6184. 9: 6160. 10: 6075. 11: 6001, 6043, 6193. 12: 6133. 13: 6168. 14: 6051, 6126, 6137, 6164, 6225. 15: 6004, 6029, 6174. 16: 6143. 17: 6127. 18: 6042. 19: 6212, 6213, 6214, 6215, 6216, 6217, 6218, 6219, 6220, 6221, 6222, 6223. 20: 6226. 21: 6077. 22: 6041. 23: 6103. 24: 6177, 6199. 25: 6202, 6203. 26: 6136. 27: 6008. 28: 6150. 29: 6002. 30: 6085, 6105, 6117, 6153, 6157, 6161, 6194. 31: 6096, 6123. 32: 6211. 33: 6084. 34: 6047, 6052, 6053, 6083, 6086, 6092, 6109, 6140, 6163, 6169, 6176, 6201. 35: 6015, 6024, 6056. 36: 6090, 6095, 6100, 6113. 37: 6078, 6094, 6134, 6139, 6141, 6151, 6155, 6167, 6170, 6178, 6186, 6195. 38: 6044. 39: 6023. 40: 6158. 41: 6031, 6057, 6062, 6091, 6098, 6106, 6111, 6115, 6116, 6120, 6121, 6135, 6138, 6148, 6154, 6162, 6166, 6183, 6188, 6200, 6204. 42: 6072. 43: 6048, 6081, 6087, 6131, 6142, 6165, 6171. 44: 6009, 6013. 45: 6128. 46: 6005, 6012, 6032, 6034, 6037, 6038, 6039, 6040, 6108. 47: 6049, 6050. 48: 6205. 49: 6021, 6022. 50: 6152. 51: 6149. 52: 6036. 53: 6016. 54: 6104. 55: 6189, 6190, 6191, 6192. 56: 6156. 57: 6058. 58: 6055, 6073, 6101, 6114. 59: 6060, 6061, 6080, 6088, 6089, 6093, 6097, 6122, 6173, 6179, 6180, 6182, 6187, 6198, 6228. 60: 6000, 6006, 6007, 6014, 6017, 6019, 6020, 6033, 6146, 6147. 61: 6099. 62: 6054. 63: 6003, 6119. 64: 6185. 65: 6124. 66: 6175. 67: 6076, 6144, 6208, 6209, 6224, 6227. 68: 6112. 69: 6010. 70: 6210. 71: 6207. 72: 6181. 73: 6206. 74: 6018.

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V ER ST EIGERU NG S - BEDI NGU NGEN 1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB. 2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen. 3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Ver­steigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt. 4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchst­ bieten­den. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vor­behalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchst­bietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen. 5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend. 6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB). 7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollstän­ digem Zahlungseingang an den Erwerber über. 8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 28% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 23% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 25% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor­s teuer­abzug berechtigt sind, kann die Gesamt­rech­nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Dritt­ länder (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identi­ fikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen – auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamt­ liche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktions­gebühr. Wäh­rend oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rech­ nun­­gen bedür­fen einer beson­de­ren Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vor­behalten. 9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren schäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, Ge­ VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/


Transaktionsge­bühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des bewahrung erfolgt auf Rechnung und Käufers gehen. Die Auf­ Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschä­digung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch­lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt. 10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Export­beschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten ein­geschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers. 11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer

wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Minder­erlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch. 12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung. 13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite. 14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. 15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungs­ bedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber. 16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt. David Bassenge Geschäftsführer Stand: Mai 2021


CON DI T IONS OF SA L E 1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary con­signors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB. 2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale. 3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv­ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium. 4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be deter­ mined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally. 5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail. 6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB]. 7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 28% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 23% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 23% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 25% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale. For buyers from non EU-countries a premium of 23% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us. Live bidding through external online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium. Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. 9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay­ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately. 10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. 
For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.


11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid. 12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded. 13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.

14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by tele­phone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. 15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals. 16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid. David Bassenge As of May 2021


BASSENGE

Daniel Spoerri. Ohne Titel („Gespenstchen“). Bronze, bemalt.

Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln 10. Juni 2021 GA L E R I E BA S S E N G E  ·   E R DE N E R S T R A S S E 5A  ·  14193 BE R L I N Telefon: (030) 893 80 29-0 · Fax: (030) 891 80 25 · E-Mail: art@bassenge.com  ·  Kataloge online: www.bassenge.com


BASSENGE

Albrecht Dürer. Die Melancholie (Melencolia I). Kupferstich. B. 74, Meder 75 II, b-c. 1514.

Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts 9. Juni 2021 GA L E R I E BA S S E N G E  ·   E R DE N E R S T R A S S E 5A  ·  14193 BE R L I N Telefon: (030) 893 80 29-0 · Fax: (030) 891 80 25 · E-Mail: art@bassenge.com  ·  Kataloge online: www.bassenge.com


Katalogbearbeitung Dr. Ruth Baljöhr David Bassenge Eva Dalvai Sandra Espig Lea Kellhuber Nadine Keul Harald Weinhold

Gestaltung & Satz Stefanie Löhr Fotografie / Reproduktionen Christoph Anzeneder Maria Benkendorf Christina Wunderlich


Profile for Galerie Bassenge

Bassenge Kunstauktion 117: Gemälde Alter und Neuerer Meister  

Bassenge Kunstauktion 117: Gemälde Alter und Neuerer Meister  

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