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FURIOS 19 - EXTREM

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Sexismusfreie Universität? Obwohl die FU nach außen vermittelt, ihr Möglichstes gegen sexualisierte Diskriminierung zu unternehmen, erleben viele Frauen diese auch im universitären Alltag. Zeit für mehr Solidarität mit den Betroffenen.

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Text: Anna Hödebeck Illustration: Freya Siewert

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Die reinen Zahlen erscheinen zunächst vielversprechend: Einen Frauenanteil von circa fünfzig Prozent bei wissenschaftlichem Personal, Promovierenden und Studierenden kann die FU vorweisen. In der Gesamtwertung des »Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten«, welches das Kompetenzzentrum »Frauen in Wissenschaft und Forschung« veröffentlicht, ist sie in der Spitzengruppe. Auch Mechthild Koreuber, die zentrale Frauenbeauftragte der FU, ist zufrieden: »Wir haben durch unsere Fördersysteme exzellente Mechanismen für Geschlechtergerechtigkeit entwickelt.« So werden zum Beispiel Fachbereiche, die sich besonders um Gleichstellung bemühen, mit finanzieller Unterstützung belohnt. Dennoch bekleiden die höheren Positionen nach wie vor mehrheitlich Männer, der Anteil der Professorinnen liegt bei nur 35 Prozent. Es besteht also noch immer Luft nach oben, insbesondere bei Physik, Mathematik und Informatik, wo nur rund ein Viertel der Studierenden weiblich ist. Auch vor Alltagssexismus ist die Uni nicht gefeit. Unpassende Bemerkungen zum Aussehen, die Infragestellung von Kompetenz – all das sind Probleme, die von Studierenden über externes Personal bis hin zu Professorinnen jede Frau treffen können. Die zentrale Frauenbeauftragte bestätigt regelmäßige Beratungsfälle. Wer nach mehr Informationen zu sexualisierter Diskriminierung an der FU sucht, wird jedoch enttäuscht.

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Genaue Zahlen werden bisher nicht erhoben, beziehungsweise nicht veröffentlicht. Dabei wären gerade solche Statistiken wichtig, um die Relevanz des Themas anzuerkennen. Eine anonyme Erhebung, die eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Problem abseits spekulativer Behauptungen ermöglichen würde, fehlt aber noch. Lediglich eine deutschlandweite Statistik gibt ein wenig Aufschluss: In einer Studie gaben 54,7 Prozent aller befragten Studentinnen an, in der Zeit ihres Studiums sexuell belästigt worden zu sein – etwa ein Drittel von ihnen durch Personen aus dem universitären Umfeld. Doch die Dunkelziffer könnte noch weit höher liegen. Verschiedene Beratungsstellen bestätigen, dass viele Frauen nur ungern über ihre Erfahrungen mit Sexismus sprechen. Zum einen ist da die Angst vor den negativen Folgen einer Beschwerde, denn es fällt nicht leicht, übergriffiges Verhalten eines Dozenten zu melden, wenn dieser über die Note für die Hausarbeit entscheidet. Diese Machtgefälle und Abhängigkeiten sind es, die sexistisches Verhalten begünstigen. Zum anderen schämen sich viele Betroffene ihrer Erlebnisse und suchen die Schuld bei sich selbst. Sie relativieren häufig ihre eigenen Erfahrungen, schnell wird ein Vorfall dann als Kleinigkeit abgetan. So trauen sich viele gar nicht oder erst spät, sich offiziell zu beschweren. Doch Koreuber betont, wie wichtig das ist: »Es geht nicht nur um einen selbst. Es geht auch um die nächste junge Studentin.« Doch nicht alle Situationen lassen sich eindeutig einschätzen, räumt Koreuber ein. Die Einladung eines Dozenten, die Hausarbeit bei einem Glas Wein zu besprechen, gebe beispielsweise keineswegs Aufschluss darüber, was für Absichten sich dahinter verbergen. Denn obwohl Skepsis berechtigt sein könne, bestehe genauso die Gefahr einer Vorverurteilung.

Wenn Betroffene finden, dass gehandelt werden muss, wird als erstes der Dialog mit den Beschuldigten gesucht, erzählt Koreuber. Je nach Fall und Verlauf der Gespräche können verschiedene Sanktionen folgen: vom Vermerk in der Personalakte über eine Versetzung innerhalb der Uni bis hin zum Entzug von Stipendien oder der Einleitung eines Disziplinarverfahrens. Möglichkeiten sind also vorhanden, allerdings bleibt fraglich, ob diese auch die Ursachen bekämpfen.

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Die FU vertritt in ihrer Außendarstellung eine klare Haltung gegen Sexismus und vermittelt das Gefühl, ihr Möglichstes zu tun. Doch nicht überall scheint man für die Thematik so sensibel zu sein: Bei einer öffentlichen Diskussion im Rahmen der Themenwoche gegen sexualisierte Diskriminierung lassen Aussagen der FU-Kanzlerin Andrea Bör auf horchen. Junge Studentinnen sollten ihr Auftreten und ihre Kleidung überdenken, Frauen würden ein »Nein« häufig nicht deutlich genug aussprechen. Ein gefährlicher Zusammenhang. Will sie damit den Betroffenen selbst die Schuld zuschieben? Meint sie wirklich, dass sexualisierte Diskriminierung dadurch gerechtfertigt werden kann, wie sich Menschen verhalten und kleiden? Eine höchst problematische Aussage, umso mehr, da sie aus dem Mund eines Präsidiumsmitglieds stammt. Von Solidarität mit den Betroffenen ist wenig zu hören. Das führt vor Augen: Ist es der FU ernst mit ihrem Ziel, ein größeres Bewusstsein für Sexismus zu schaffen, kann es nicht die Lösung sein, sich auf Rankings auszuruhen.

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Den Frust, den manche Themen verursachen, kann Anna Hödebeck bisweilen nur mit lustigen Tiervideos bewältigen. ANZEIGE

er Mann gegenüber in der S-Bahn starrt mich durchdringend an. Als ich hinschaue, grinst er anzüglich. In einer dunklen Seitenstraße gehen zwei Männer viel zu nahe an mir vorbei und zischen dabei obszöne Angebote. Inmitten einer Menschenmenge spüre ich plötzlich fremde Hände, wo sie nicht hingehören. Sexualisierte Diskriminierung, also geschlechtsbezogenes Verhalten, das die eigenen persönlichen Grenzen einer Person überschreitet, ist für viele Frauen Alltag. Doch was mir in der U-Bahn, in Bars und auf der Straße passiert, ist in der Uni zwischen Seminarräumen, Bücherregalen und Mensa bisher noch nicht vorgekommen. Dabei kann es doch wohl kaum sein, dass die FU vom Alltagssexismus weit entfernt ist, dass hier völlig andere Verhältnisse herrschen als in der restlichen Gesellschaft.

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