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Greifen-Motiv — Ratsloge Pfarrkirche St. Johannes

Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V. seit 1898

ATTENDORN - GESTERN UND HEUTE Mitteilungsblatt des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V. für Geschichte und Heimatpflege Nr. 33 - 2011


IMPRESSUM

Stellv. Vorsitzender: Karl-Hermann Ernst Schriftführer: NN Schatzmeister: Markus Kaufmann Geschäftsführerin: Gabriele Schmidt Erweiterter Vorstand: Brigitte Flusche, Ludwig Müller, Ulrich Selter, Dieter Thys. Mitglieder kraft Amtes: Birgit C. Haberhauer-Kuschel, Monika Löcken

ATTENDORN – GESTERN UND HEUTE Mitteilungsblatt des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V. für Geschichte und Heimatpflege HERAUSGEBER Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V., Hansastraße 4, 57439 Attendorn, Tel. 0 27 22-63 41 65, Mail: info@heimatverein-attendorn.de

ANSPRECHPARTNER FÜR ALLE BELANGE DER HEIMATPFLEGE IN ATTENDORN UND UMGEBUNG: Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V., Hansastraße 4, 57439 Attendorn Sprechstunde: Montags 18.00 – 20.00 Uhr Ortsheimatpflegerin für Attendorn: Birgit C. Haberhauer-Kuschel Ortsheimatpfleger für Mecklinghausen: Albert Schnepper Ortsheimatpfleger für Neu Listernohl: Ludwig Müller

REDAKTION Birgit C. Haberhauer-Kuschel (BCHK), Wesetalstraße 90, 57439 Attendorn, Tel. 02722-7473, Mail: genealogie@RA-Kuschel.eu DRUCK Frey Print & Media, Bieketurmstraße 2, 57439 Attendorn Erscheint in zwangloser Reihenfolge. Alle Rechte vorbehalten, auch des auszugsweisen Nachdrucks. Bezugspreis im Jahresbeitrag [2011: 20,€ für Einzelmitglieder/ 5,- € für Ehegatten] inbegriffen. Für namentlich gekennzeichnete Beiträge sind die Verfasser persönlich verantwortlich. ISSN-Nr. 1864-1989

INHALT

Impressum

2

Sie haben auch Sara Else, Helene und Lothar geheißen – Auf den Spuren der Familie Guthmann 3 Das Vermächtnis des Johann Baptist Molitor und Johann Heinrich Jung, gen. Stilling 23

Dieses Jahresheft erscheint im April 2011 und trägt die Nr. 33.

Attendorn, die sehenswerte alte Stadt

TITELABBILDUNG: Ausschnitt aus dem Gemälde „Bleichergasse“, (ca. 1925) von Walter Koch-Isphording. Repro: Brigitte Puth

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100 Jahre Traditionshaus „Schnaps-Kost“ am Kirchplatz 36 125 Jahre Feuerwehr Attendorn

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33 Jahre Plattdeutscher Kreis in Attendorn – Von der Entstehung bis zur heutigen Zeit 54

Ein herzlicher Dank gilt den AUTOREN DIESER AUSGABE:

Das Doppeljubiläum des SGV im Jahre 2010 58

ULI JOHANNES, GUIDO & NICOLE KOST, DR. MARKUS KÖSTER, MONIKA LÖCKEN, MEINOLF LÜTTECKE, GEORG ORTMANN, DR. MED. KLAUS PFEIFER, BRIGITTE PUTH, ANDREAS SCHLIEBENER, GABRIELE SCHMIDT.

Zum Abriss des Hauses Breite Straße 16

62

Eine kleine ökumenische Weihnachtsgeschichte 66 Sammlungszugänge im Südsauerlandmuseum im Jahre 2010 71

VORSTAND DES VEREINS (Stand April 2011) Geschäftsführender Vorstand: Vorsitzender: Reinhard König

Jahresprogramm Südsauerlandmuseum für 2011 78

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Sie haben auch Sara Else, Helene und Lothar geheißen* Auf den Spuren der Familie Guthmann Von Brigitte Puth

Dies ist ein Bericht über die Suche nach der verschollenen Attendorner Familie Albert und Karolina Guthmann aus der Bleichergasse 329.

Moses Guthmann wurde in Berchum/ Kreis Iserlohn am 14. Dezember 1812 geboren. Sein Vater Uri Guthmann war von Beruf Handelsmann, der Name der Mutter ist nicht bekannt. In dem kleinen Dorf Berchum lebte zu dieser Zeit eine große jüdische Gemeinde von 36 Personen. Sie besaß einen eigenen Friedhof mit dem Namen „Auf den lichten Böcken“. 2

An diese Familie, die eine Metzgerei besaß und bis Ende der 1930er Jahre in Attendorn lebte, erinnert sich heute kaum jemand. Obwohl Attendorn in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine überschaubare Stadt war, deren Bewohner, christliche wie jüdische, sich untereinander kannten, schien später niemand zu wissen, was während der Zeit des Nationalsozialismus mit der Familie Guthmann geschehen war. Als vor einigen Jahren Stolpersteine für die verfolgten und ermordeten Attendorner Juden gelegt werden sollten, begann ich mir Gedanken über ihren Verbleib zu machen. An den Namen Guthmann erinnerte ich mich aus Gesprächen, die ich als Jugendliche mit meinen Eltern über die Juden und die Judenverfolgung in Attendorn geführt hatte. Mein Vater, der Buchhalter war, hatte einen kleinen Nebenverdienst, er führte bis ins Jahr 1937 die Geschäftsbücher für den Metzgermeister Albert Guthmann. Darum wollte ich gerne etwas über das Schicksal dieser vergessenen Familie erfahren, wusste aber noch nicht, wie viele Puzzlesteine ich würde zusammenfügen müssen.

Sophie Klein war die Tochter von Joseph Moses und Rebekka geb. Bär Stierstadt, beide geboren in Lenhausen. Sie heirateten 1806 und wohnten in Dünschede. Bis 1825 wurden acht Kinder geboren, deren Namen in einem Antwortschreiben des Bürgermeisters Belke zu Attendorn an den Landrat vom 31. März 1830 aufgeführt sind. Sophie muss eines dieser Kinder gewesen sein, auch wenn dieser Vorname in dem genannten Brief nicht erwähnt wird. Vermutlich ist sie darin unter einem jüdischen Vornamen verzeichnet. 3 Wann Moses Guthmann und Sophie Klein geheiratet haben, ist unbekannt. Auch im „Familienregister jüdischer Unterthanen im Amt Attendorn“ von Gograf Gottfried Laurenz Joanvahrs4 ist die Eheschließung nicht aufgeführt. Das Ehepaar bekam 3 Kinder, deren Geburtsurkunden in den Aufzeichnungen Joanvahrs’ dokumentiert sind:

Ich beginne die Geschichte der Familie Guthmann mit ihrer Vorgeschichte. Albert Adolph1 Guthmanns Eltern hießen Moses und Sophie geb. Klein.

* Nach einem Gedicht von Erich Fried.

1

Folgenden wird er, um der besseren Lesbarkeit wegen, Albert genannt. 2 Laut Stadtarchiv Altena, telephonische Mitteilung. 3 StAA, Akte B 256, S. 35. 4 StAA, Register der Juden. Amtsgericht Olpe, Abschrift von Otto Höffer.

Albert Guthmann wird in seiner Geburtsurkunde (siehe Fn 6) als Adolf benannt. Aus späteren Dokumenten ab Anfang des 20. Jahrhunderts geht hervor, dass er selbst meist den Namen Albert verwendete. Auf seinem Grabstein auf dem Friedhof am Weinberg in Wuppertal steht ebenfalls Albert Guthmann. Im

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Nr. 16: Am 24. Dezember 18585 nachmittags um ein halb zwei wurde Rosalie Guthmann, Tochter des Handelsmannes Moses Guthmann zu Dünschede und Sophie geb. Klein aus Dünschede, geboren. [...]

später, 1879, nach Attendorn. Auch Rosalie lebte in Attendorn, wahrscheinlich mit ihrem Vater und ihrem Bruder Albert im selben Haushalt. Sie starb mit 48 Jahren im Attendorner Krankenhaus an Influenza. Ihr Nachlass betrug 150 Mark.7

Nr. 19: Am 7. Mai 1860 morgens zwischen drei und vier Uhr wurde Joseph Guthmann, Sohn des Handelsmannes Moses Guthmann zu Dünschede und Sophie geb. Klein aus Dünschede geboren. [...]

Was Moses Guthmann Ende der 1870er Jahre bewog, nach Attendorn zu ziehen, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Belegt ist aber, dass er in Attendorn einen Metzgerbetrieb aufbaute. Aus dem Jahr 1881 ist ein Urteil gegen Moses Guthmann wegen unerlaubten Schlachtens erhalten:

Nr. 24: Am 23. April 1862 morgens um 6 Uhr wurde Adolph Guthmann, Sohn des Handelsmannes Moses Guthmann zu Dünschede und Sophie geb. Klein aus Dünschede geboren. 6

In der Strafsache gegen den Metzger Moses Guthmann wegen Vergehen hat das Königliche Schöffengericht zu Attendorn am 16ten December 1880 für Recht erkannt der Angeklagte ist schuldig, in seiner Wohnung im Epeschen Hause [unleserlich, ein Wort] im Laufe des letzten Jahres ohne Genehmigung der zuständigen Behörde eine Schlachterei errichtet und betrieben zu haben und wird derhalbe dieserhalb gemäß § 16 + 147, Nr.2 der Gewerbeordnung mit einer Geldstrafe von fünf Mark, welcher event. vier Tag Gefängnis zu substituieren und mit den Kosten des Verfahrens belegt. Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt.

Geburtseintrag von Adolph Guthmann. Repro: Brigitte Puth

Von Joseph Guthmann ist kein weiterer Hinweis auf sein Leben zu finden. Die Tochter Rosalie war weder verheiratet, noch hat sie einen Beruf ausgeübt. Ich vermute, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter, sie war zu dem Zeitpunkt fast 15 Jahre alt, den Haushalt ihres Vaters geführt hat. Sophie Guthmann starb am 15. August 1873, laut Joanvahrs an Unterleibsschwindsucht. Moses Guthmann zog wenige Jahre

Attendorn, den 24ten Januar 1881 [Unterschrift nicht leserlich, B.P.] Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgericht 8

5

Im Sterberegister des Krankenhauses Attendorn wird als Geburtsdatum der 15. Dezember 1859 genannt. StAA, C 756. 6 StAA, Register der Juden. Amtsgericht Olpe, Abschrift von Otto Höffer.

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Vgl.: StAA, C 756. StAA, Akte B 441, S. 333.


Th. Lierfeld9 Moses Guthmann wird 1890 als Förderer der Mark-Haindorfschen Stiftung erwähnt. Diese Stiftung wurde 1855 mit dem Ziel gegründet, jüdische Elementarlehrer, Handwerker und Künstler zu fördern.10 Am 25. Dezember 1901, vormittags um 11 Uhr, starb Moses Guthmann mit 83 Jahren im Krankenhaus Attendorn an Lungenlähmung.11 Wo er begraben wurde, habe ich nicht feststellen können. Karolina und Albert Guthmann Albert Guthmann zog 1879 von Gandersheim nach Attendorn. Dies geht aus seiner Meldekarte bei der Stadt Attendorn hervor, die 1923 für ihn, wie für alle deutschen Bürger angelegt wurde. Sein Gewerbe als Metzgermeister meldete er 1891 an.12

Abschrift der Urteilsformel. Repro: Brigitte Puth

Im gleichen Jahr, am 3. März, heiratete er Karolina Fränkel aus Biblis. Sie wurde am 5. Mai 1866 geboren. Ihre Eltern hießen Josef und Sara, geb. Hamburger. Karolina, die Lina genannt wurde, zog bereits 1890 nach Attendorn.13 Wo sie arbeitete und wie sie Albert kennen lernte, ist nicht mehr zu klären. Das Ehepaar lebte mit Moses und Rosalie Guthmann zusammen im Epeschen Haus, Graben 262. In der zitierten Strafsache gegen Moses Guthmann wird diese Adresse 1880 angegeben. Auch das „Adressbuch für die Stadt und den Kreis Olpe“ von 1899 führt Moses und Albert als Metzger noch mit dieser Adresse an.

Aus dem Jahr 1883 gibt es eine Anfrage bei der Polizeiverwaltung Attendorn wegen eines Brandes in der Metzgerei Moses Guthmann. Die GeneralAgentur Dortmund Th. Lierfeld schrieb am 24. Juli: An die Polizeiverwaltung Attendorn Der bei unserer Gesellschaft durch Police Nr. 60385 versicherte Moses Guthmann daselbst am 28. Juni von einer Brandgefahr betroffen worden welche in Höhe von 400 Mark ermittelt worden ist. Wir werden diesen Betrag zur Auszahlung bringen wenn Ihrerseits auf Grund des Paragraphen 18 des Gesetzes vom 8. Mai 1837 binnen der gesetzlichen Frist von 8 Tagen Widerruf dagegen nicht erhoben ist.

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StAA, B 681, S. 15. Krause 1987, S. 270-274. 11 StAA, C 750. 12 Bürgerbüro Attendorn, Meldekarte Albert Guthmann. 13 Bürgerbüro Attendorn, Meldekarte Karolina Guthmann. 10

Hochachtungsvoll die General-Agentur

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ren.15 Helene Hildegard kam am 10. August 1895 um 9 Uhr morgens zur Welt.16 Drei Jahre später, am 20. Juni 1898 um 11 Uhr, bekam Karolina ihr viertes und letztes Kind, Josef Lothar.17 Die Kinder wurden, wie auf den Geburtsurkunden vermerkt, alle zu Hause geboren.

Lina und Albert Guthmann. Repro: Familie Teitel, Australien

Karolina und Albert hatten die gleichen Sorgen mit ihren Kindern wie ihre Nachbarn. Sara zum Beispiel berichtete später, dass sie mit zwei Jahren an den Halspolypen operiert worden sei.18 Aber auch von Schicksalsschlägen blieb die Familie nicht verschont. Die kleine Ernestine Sophie starb schon am 6. Februar 1893, mit 13 Monaten.

Sara und Josef Fränkel, Schwiegereltern von Albert Guthmann. Repro: Familie Teitel, Australien

Anhand der wenigen erhaltenen Unterlagen und der Berichte einiger älterer Attendornerinnen und Attendorner, die sich aus ihrer Kindheit noch an die Guthmanns erinnern, lässt sich ein – wenn auch sehr lückenhaftes – Bild vom Leben der Familie entwerfen.

Albert Guthmann war, wie sein Vater Moses und sein Großvater Josef Klein, in der Synagogengemeinde Lenhausen bzw. in der Untergemeinde Attendorn aktiv. Das geht aus einem Brief an den Amtmann von Serkenrode hervor. Albert Guthmann schrieb:

Die Eheleute Karolina und Albert Guthmann bauten sich in Attendorn eine bürgerliche Existenz auf. Ein Jahr nach der Heirat wurde das erste Kind, Ernestine Sophie am 6. Januar 1892 geboren.14 Kurz darauf, am 12. März 1893 um 11 Uhr, wurde Sara gebo-

15

LAV NRW OWL, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Attendorn, Geburtsurkunde Nr.23/1893. 16 LAV NRW OWL, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Attendorn, Geburtsurkunde Nr.71/1895. 17 LAV NRW OWL, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Attendorn, Geburtsurkunde Nr.67/1898. 18 LAV NRW R, BR 2182,1753.

14

LAV NRW OWL, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Attendorn, Geburtsurkunde Nr. 4/1892.

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Karolinas und Alberts. So lebten nun drei Generationen unter einem Dach. Außer Sara und ihrer Familie wohnten noch die zweite Tochter Helene und der Sohn Lothar mit im Elternhaus. Die Enkelin Margot, das zweite Kind Saras und Max’ Neugartens, wurde 1920 in Attendorn geboren.

Attendorn, 26.3.1907 Herrn Amtmann Kaiser Wohlgeboren [ein Wort unleserlich] erkläre daß ich mit der Wahl als Repräsentant der Synagogengemeinde Lenhausen einverstanden bin. Hochachtungsvoll Albert Guthmann19

Karolina und Albert Guthmann scheinen um ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft bemüht gewesen zu sein. So ist dokumentiert, wie sie im Jahr 1915 auf ein Beschwerdeschreiben der Nachbarn bei der Stadt Attendorn reagierten. Diese beklagten sich über die Begleitumstände, die die Ausübung des Metzgerhandwerks in einer engbebauten Nachbarschaft mit sich führt. Sie fühlten sich durch das Gebrüll und den Gestank der Schlachttiere belästigt. Albert und Karolina beauftragten daraufhin einen Architekten mit dem Umbau des Hauses.20

Zwischen 1899 und 1909 konnten Karolina und Albert Guthmann das Haus der Familie Isphording, genannt Wulves, in der Bleichergasse kaufen. Das genaue Datum des Kaufs ist nicht mehr nachzuweisen. Im „Verzeichnis der alten und neuen Hausnummern und der Hauseigentümer der Stadt Attendorn“ von 1909 wird Albert als Eigentümer geführt. Das Haus hatte bis 1909 die Nummer 228 und ab dann die Nummer 329.

Im Hause Guthmann wurde im Dezember 1913 Hochzeit gefeiert. Die Tochter Sara heiratete Max Neugarten aus Bad Wildungen. Ein Jahr später wurde Kurt geboren, der erste Enkel

1916 feierte die Familie ein großes Fest. Karolina und Albert hatten am 3. März Silberhochzeit. Über die Feier des Jubelpaares wurde im „Attendorner Volksblatt“ berichtet und ihnen gratuliert.21 Außer den wenigen Spuren Albert und Karolina Guthmanns, die sich in den Archiven finden lassen, habe ich bei meiner Recherche auch Gespräche mit einigen älteren Attendornerinnen und Attendornern geführt, die sich noch an die Familie erinnern. Else Henkel geb. Voß wohnte als Kind direkt neben Guthmanns. Sie kannte die Enkelin Margot, die fast gleich alt war. Es war Weihnachten und sie und Margot zeigten sich ihre Weihnachtsgeschenke. Beide hatten eine Puppe bekommen. Da Elses Puppe schöner war, hat Margot sie ihr aus der Hand gerissen. Dabei ging die Puppe kaputt. An diese Episode konnte sich Else Henkel noch gut erinnern. Sie ist ein Beispiel für die Assimilation

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Am rechten Bildrand das Haus Guthmann in der Bleichergasse. Foto: Archiv Ortmann

Gemeindearchiv Finnentrop, Jüdische Synagogenangelegenheit 1841-1937, 811.

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StAA, C 332 Hosenfeld 2006, S. 163.


der Attendorner Juden. Auch ihre Kinder bekamen zu Weihnachten ein Geschenk.

sich, dass die Metzgerei Guthmann auch Freibankfleisch verkaufte, so nannte man Fleisch von verunglückten gesunden Tieren. Wenn Herr Guthmann wusste, wann das Fleisch kam, setzte er eine Annonce in die Zeitung. Frau S. ging dann mit ihrem Vater in das Geschäft und sie kauften Wange und Zunge. Sie erinnert sich an Albert Guthmann als einen freundlichen Mann, der zu Weihnachten den Kindern kleine Geschenke machte.

Else Voß’ Bruder Josef erzählte seinem Sohn von der Familie Guthmann. Sie seien gute Menschen gewesen und hätten den ärmeren Kindern, die sie kannten, Kommunionkleidung gekauft.

Herr F. erzählte, dass seine Mutter im Haushalt der Familie Guthmann aushalf und sie als Kinder öfter von Frau Guthmann zu Kaffee und Kuchen eingeladen wurden. Die Tochter von Therese Schwab, die auch in der Nachbarschaft der Guthmanns lebte, teilte mir mit, dass Lina Guthmann eine liebe, gute Frau gewesen sei. Und es scheint, dass auch ihre Kinder in der Nachbarschaft gern gesehen waren. So wartete Therese Schwab nach dem 2. Weltkrieg immer darauf, dass Sara Else zurückkäme. Mit der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich auch in Attendorn das Leben der jüdischen Einwohner. Auch die Metzgerei Guthmann wurde von den neuen antisemitischen Gesetzen eingeholt. Aus dem Mai 1934 ist ein Urteil gegen Albert Guthmann dokumentiert: Er wurde vom Amtsgericht Attendorn „wegen Vergehens gegen das Gesetz über das Schlachten von Tieren mit 100 RM Geldstrafe ersatzweise 2 Wochen Gefängnis“ verurteilt.22 Dieses Gesetz war am 31. April 1933 mit dem Ziel erlassen worden, das rituelle Schächten, das im jüdischen Glauben verankert ist, zum Straftatbestand zu machen.23 Mit einem Beschluss vom 15. September 1934 wurde Albert Guthmann die Reststrafe erlassen.24

Blick vom Ostwall auf den Gerbergraben mit dem Eingang zur Bleichergasse am rechten Bildrand. Foto: M. Lützeler, Archiv Ortmann.

Gretl Jaroschewski berichtete mir, dass sie als Kinder immer durch die Bleichergasse gingen, da dies für sie der schnellste Weg in die Stadt war. Abends habe Herr Guthmann in einem schwarzen Anzug vor der Tür gestanden, und ein gelber Hund, der den Kindern Angst einflößte, stand neben ihm. Albert Guthmann sei klein und rundlich gewesen. Er habe in seiner Metzgerei unter anderem auch Pferdefleisch verkauft und sei preiswerter gewesen als die anderen Metzger. Diese Erinnerung wird von Josef Hormes bestätigt, der mir sagte, dass bei Guthmanns die ärmeren Bewohner der Stadt gekauft hätten. Frau S. erinnert

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StAA, Akte V 40, 5III. Enzyklopädie des Holocaust, S. 49. 24 StAA, Akte V 40, 5III. 23

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Karolina Guthmann starb am 19. August 1937 in Wuppertal-Elberfeld, wo die Tochter Sara Neugarten mit ihrer Familie seit 1929 lebte, an Altersschwäche.25 Sie wurde auf dem Friedhof „Am Weinberg“ in einer Gruft beigesetzt. Der Friedhof und die Friedhofsbücher sind erhalten geblieben, so dass sich auch heute noch das Grab dort finden lässt.26

lien mussten daraufhin ihre Wohnungen und teilweise auch ihre Häuser verlassen, um isoliert in den sogenannten Judenhäusern zu leben. Diese Maßnahme war ein weiterer Schritt in der von 1933 an betriebenen Entrechtung und Ausgrenzung der deutschen Juden. Sara teilte später den Wiedergutmachungsbehörden über die Beweggründe für den Wegzug ihres Vaters aus Attendorn mit: ... ihr Vater habe ab dem Jahre 1938, nachdem er ab 1933 steten geschäftlichen und persönlichen Verfolgungen ausgesetzt gewesen sei und ein Verbleib in Attendorn für ihn unmöglich gewesen sei, seine Metzgerei aufgegeben...28 Ich habe mich lange gefragt und ergebnislos nachgeforscht, warum Albert ausgerechnet nach Rheydt gezogen ist, da sich im Stadtarchiv Mönchengladbach keine Verwandten feststellen ließen. So ist nur zu hoffen, dass ihn an seinem neuen Wohnort Bekannte oder Freunde empfingen, denn in den folgenden Monaten wurde es zunehmend einsamer um Albert Guthmann. Seine Tochter Sara emigrierte mit ihrem Mann Max Neugarten am 1. August 1939 nach Kolumbien, zu ihrem Sohn Kurt, der Ende 1938 dorthin ausgewandert war. Auch ihre Tochter Margot Neugarten war schon am 1. Mai 1939 nach England emigriert. Helene Teitel, die jüngere Tochter Karolinas und Alberts folgte mit den Kindern Waltraud und Isidor ihrem Ehemann Abraham, der von den Nationalsozialisten nach Polen deportiert worden war. Bis auf den Sohn Lothar, der in Höchheim in Franken lebte, hatte Albert Guthmann keine nahen Angehörigen mehr in Deutschland.

Grabstein Guthmann auf dem jüdischen Friedhof „Am Weinberg“ in Wuppertal. Foto: Privat.

Nachdem seine Ehefrau gestorben war, gab Albert Guthmann seine Metzgerei auf.27 Zwei Jahre wohnte er noch alleine in der Bleichergasse. Wie aus seiner Meldekarte hervorgeht, verließ er seine Heimatstadt am 26. Juni 1939 und zog nach Rheydt in die Kirchstraße 22. Dieses Haus wurde wenig später, gemäß einer staatlichen Anordnung vom 3. März 1939, als „Judenhaus“ deklariert. Viele jüdische Fami25

Bürgerbüro Attendorn, Meldekarte Karolina Guthmann. 26 Eingetragen im Friedhofsbuch sind: Karoline Guthmann, geb. Fränkel, bestattet laut Belegungsplan im Abschnitt K VI/53 und AdolfAlbert Guthmann, bestattet im Abschnitt K VI/54 27 StAMG, Akte 25 C 5899, 25 C 6127.

Er lebte noch zwei Jahre in Rheydt, bevor er krank wurde und in das Jüdische Krankenhaus Köln-Ehrenfeld ein28

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StAMG, Akte 25 C 5899, 25 C 6127.


geliefert wurde. Dort starb er am 12. Mai 1941. Die Belegbücher des Krankenhauses blieben erhalten, unter der Nr. 471/41 findet sich Albert Guthmanns Name.29 Er starb an Arteriosklerose und wurde neben seiner Frau Karolina in der Gruft K Platz 6 Reihe 58/59 des Friedhofs Am Weinberg in Wuppertal beigesetzt.

Mädchen Margot, das im Haus Guthmann in Attendorn lebte, konnte keine Tochter Lothars oder Helenes sein, da mir deren Familienverhältnisse bereits bekannt waren. Sie musste also eine Tochter von Sara sein und es war wahrscheinlich, dass diese verheiratet war. Das erklärte, weshalb sich unter dem Namen Sara Guthmann nichts finden ließ. Der Name Max Neugarten war auf der Heiratsurkunde von Saras Schwester Helene und ihrem Mann Abraham als Trauzeuge angegeben. Aus diesen Gründen fragte ich im Bürgerbüro nach Max Neugarten und ob seine Ehefrau eventuell Sara Guthmann geheißen habe. Auf der Meldekarte Max Neugartens war zwar nicht Sara, aber Else Neugarten geb. Guthmann aufgeführt. Da das vermerkte Geburtsdatum mit dem Geburtsdatum Saras identisch war, musste Else Neugarten die langgesuchte Sara sein.31 Nun war es einfacher geworden, etwas über sie zu erfahren. Es stellte sich heraus, dass Sara und ihre Familie überlebt hatten. Durch ihre Lebensbeschreibung in den Wiedergutmachungsakten wurde sie als Person lebendig. Sie scheint eine selbstbewusste und interessante Frau gewesen zu sein.

Grabstein von Karolina und Albert Guthmann auf dem Friedhof „Am Weinberg“ in Wuppertal. Foto: Privat

Sara Else Neugarten, geborene Guthmann Über Sara Guthmann, die zweitälteste Tochter Alberts und Karolinas, hatte ich außer ihrer Geburtsurkunde30 lange Zeit keinerlei Information. Weder beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, noch in der Datenbank von Yad Vashem fand sich ein Hinweis, dass sie in einem Konzentrationslager ermordet worden war. Auch über ihr Leben vor der Zeit der nationalsozialistischen Judenverfolgung war zunächst nichts bekannt. Wie so oft bei meinen Recherchen, halfen mir drei Faktoren – Archive, Zufall und interessierte Menschen. Das von Else Henkel erwähnte

Sara Else besuchte die Mädchenschule am Neuen Markt in Attendorn. 1907 begann sie eine dreijährige Putzmacherinnenlehre bei der Firma Willy Lehmann in Attendorn. Nach ihrer Lehrzeit war sie als Putzmacherin und kaufmännische Angestellte in verschiedenen Betrieben beschäftigt: Von 1910-11 bei einer Frau Eichengrün in Fröndenberg, dann, vom 1. September 1911 bis 15. Juni 1912, bei der Firma S. Goldschmidt in Bad Wildungen. Im Anschluss daran arbei-

29

Laut telephonischer Auskunft des NSDokumentationszentrums EL-DE-Haus, Köln. 30 LAV NRW OWL, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Attendorn, Geburtsurkunde Nr. 23/1893.

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Bürgerbüro Attendorn, Meldekarte Max Neugarten.

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tete sie bis Mai 1913 bei der Firma Sohn-Selig in Neuss.32

ra Else eine Futterstoffgroßhandlung in der Niedersten Straße. Laut Hedwig Albus befand sich das Geschäft neben der Post, im Haus der Familie Epe. Bis 1925 arbeitete Sara Else in diesem Geschäft mit, dann eröffneten die beiden noch ein Textildetailgeschäft, das sie alleine betrieb.34

Wegen ihrer bevorstehenden Eheschließung mit dem Handlungsreisenden Max Neugarten zog sie wieder nach Attendorn, um die Vorbereitungen für die Hochzeit zu treffen. Am 4. November 1913 bestellte sie das Aufgebot. Sie musste dabei eine Aufenthaltsbescheinigung von ihrem letzten Arbeitsplatz vorlegen, in der als Beruf Modistin angegeben ist.33

Am 1. Mai 1928 zog die Familie nach Elberfeld, in die Lagerstraße 23,35 wo sie einen Großhandel für Schneidereibedarf eröffneten und mit Erfolg führten. Max’ Bruder Siegfried berichtete über die Lebensumstände der Familie in Elberfeld Folgendes: Sie [die Wohnung, B.P.] bestand aus 5 Zimmern, Küche und Bad. Der Rest der Räume waren Geschäftsräume. [...] Wie hoch das Einkommen meines Bruders gewesen ist, kann ich nicht sagen. Ich weiss nur, dass er ein gut bürgerliches Leben führte, den Opel-Wagen unterhielt und seine beiden Kinder zur höheren Schule schickte. Die Wohnung war sehr schön ausgestattet. Die Familie ging gut gekleidet, sie hatte einen guten Verkehr in guten Kreisen in Elberfeld.36

Max Neugarten, sein amtlicher Name war Markus, wurde am 4. Dezember 1890 in Fritzlar geboren und lebte später mit seinen Eltern in Bad Wildungen. Es ist möglich, dass Sara Else ihn dort kennen lernte. Am 6. Dezember 1913 fand die Hochzeit statt. Das junge Ehepaar lebte zunächst in Bad Wildungen, wo am 11. September 1914 ihr Sohn Kurt zur Welt kam. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges änderte sich auch das Leben der Neugartens. Sara Else teilte das Schicksal vieler Frauen ihrer Generation. Ihr Mann wurde als Soldat eingezogen und sie stand alleine mit einem Neugeborenen da, das sie ernähren musste. Sara Else zog in ihr Elternhaus zurück und arbeitete von 1915 bis 1918 als Lageristin bei der Metallwarenfabrik Isphording in Attendorn. Max Neugarten erkrankte während des Krieges an Typhus und Lungenentzündung. Erst im Februar 1920 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zu seiner Familie nach Attendorn zurück. Dort wurde die Tochter Margot am 28. November 1920 geboren. Ihr Bruder Kurt besuchte die evangelische Volksschule und später das Gymnasium in Attendorn. Margot wurde in die katholische Volksschule eingeschult. Die Neugartens blieben bis Ende der 20er Jahre in Attendorn. 1923 eröffneten Max und Sa32 33

Sara Else kümmerte sich um die Büroarbeiten,37 Max besuchte die Kunden, Schneidereien und Geschäfte im Sauerland und Südwestfalen.38 Für ihren Haushalt beschäftigten sie eine Haushälterin. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Regierung kamen, begann für die Familie Neugarten, wie für alle Juden in Deutschland, eine schwere Zeit: Im Jahre 1935 mußte mein Mann sein selbständiges Geschäft aufgeben, da infolge der nationalsozialistischen Ver34

StAW, 250297. Bürgerbüro Attendorn, Meldekarte Max Neugarten. 36 LAV NRW R, BR 2182, 17596, 17597, Eidesstattliche Versicherung Siegfried Neugarten vom 3.6.1959. 37 LAV NRW R, BR 2182, 1753, Eidesstattliche Versicherung Kurt Neugarten vom 6.7.1960. 38 LAV NRW R, BR 2182, 17596, 17597. 35

StAW, 250297. StAW, 250297.

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folgungsmaßnahmen die jüdischen selbständigen Betriebe immer mehr ausgeschaltet und zum Erliegen gebracht wurden. Die umgreifenden Maßnahme der nationalsozialistischen Verordnungen, die arischen Hausangestellten verbot, bei Juden zu arbeiten, machten es nötig, die erforderlichen Hausarbeiten meines Haushaltes selbst zu erledigen.39

herausgedrängt, suchte ich mir eine praktische Erwerbsmöglichkeit und trat am 1.8.1933 in die Autoreparaturwerkstatt des Herrn Erich Dings, WuppertalElberfeld, Königstraße 376 ein, in der ich bis zum 14.7.1934 als Volontär arbeitete. Ich betone dies, daß ich als Volontär arbeiten musste, da ich sonst seitens des Arbeitsamtes keine Arbeitserlaubnis bekommen hätte, also unentgeltlich, trotzdem meine Arbeitsleistungen, wie aus beigefügter FotoZeugnis Kopie hervorgeht, Autoreparaturen mit selbständiger Ausführung zuließen und zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt wurden. Auch diese Stellung musste ich, trotzdem sie mir als Ausbildung diente, am 14.7.1934 verlassen, da das Einschreiten der nat.soz. Arbeitsfront eine weitere Beschäftigung nicht gestattete.41

1934 war die Familie in die Distelbeck 19 umgezogen. Als sie ihr Geschäft schließen mussten, übernahm Max Neugarten neben der Vertretung für die Firma Färber und Hecht, die er schon zuvor innehatte, noch eine weitere Vertretung für die Firma Rauscher und Gerhardt Nachf., um so die Familie zu ernähren. Die beiden Handelsvertretungen konnte er bis zu den Pogromen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ausüben. Danach wurde ihm die notwendige Legitimationskarte entzogen.40

In der folgenden Zeit arbeitete Kurt in einer jüdischen Firma in Wuppertal als Aushilfe für einen erkrankten Angestellten. Er bemühte sich aber, dennoch seine inoffizielle Ausbildung als Mechaniker und Schlosser fortzusetzen. Vom 22. November 1935 bis 26. Juni 1936 arbeitete er deshalb wieder als Volontär, bei der Firma A.A. Ursell in Attendorn. Da auch in diesem Betrieb ein Weiterkommen mit der entsprechenden finanziellen Entlohnung trotz meiner guten Arbeitsleistungen, nicht möglich war, da sich auch hier die Arbeitsfront dagegen auflehnte, musste ich auch diese Stellung verlassen, da meine finanzielle Lage mir nicht weiter gestattete, ohne Entgelt zu arbeiten.42

Der Sohn Kurt war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt. Er hatte in Elberfeld bis zur Oberprima das städtische Realgymnasium besucht. In einem Bericht, den er 1960 an die Wiedergutmachungsbehörde schickte, erzählt Kurt Neugarten davon, wie unmöglich es für ihn war, als junger jüdischer Mensch eine bezahlte Arbeitsstelle zu finden, geschweige denn eine Berufsausbildung zu machen: Durch die nat.soz. Gesetzgebung war es mir nicht möglich, weiterhin dem Schulunterricht beizuwohnen, trotzdem mein Vater aktiver Frontkämpfer war [...], und musste so ein halbes Jahr vor Beendigung meines Abiturs ohne Möglichkeit meine geplante akademische Laufbahn zu beenden, das Realgymnasium verlassen. So aus meiner zukünftigen akademischen Laufbahn

Anschließend fand er eine Stelle bei der jüdischen Firma Besas in Berlin, zunächst als Reisebegleiter, dann als Vertreter. Aber auch hier stand Kurt bald wieder vor den gleichen Problemen: Durch die zunehmende Arisierung der Geschäfte, der Verbote der

39

LAV NRW R, BR 2182, 17596, 17597, Eidesstattliche Versicherung Sara Else Neugartens vom 18.7.1960. 40 LAV NRW R, BR 2182, 17596, 17597.

41 42

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StAW, 250564. StAW, 250564.


bespaar handelte.45 Am Folgetag sandte der Attendorner Bürgermeister eine Kopie der Anzeige an die Kriminalpolizei Wuppertal, die den Wohnort Else St.s ermitteln sollte, damit diese zum Verhör vorgeladen werden könnte.46 Kurt Neugarten schreibt in seinem Lebensbericht nichts von diesen Ereignissen und auch anhand der noch erhaltenen polizeilichen Akten zu diesem Verfahren, lässt sich nicht mit Sicherheit rekonstruieren, wie die Geschichte endete. Es ist aber anzunehmen, dass Kurt, wenn es zu einem Prozess und einer Verurteilung gekommen wäre, diesen Sachverhalt in seinem Lebensbericht an die Wiedergutmachungsbehörden erwähnt hätte.

nichtjüdischen Geschäfte keine jüdischen Vertreter mehr zu empfangen, und auch nicht mehr bei jüdischen Firmen zu kaufen, seitens der nat.soz. Partei, machten es mir dann unmöglich, weiter meinen Lebensunterhalt zu verdienen, und sah mich so gezwungen, am 7.10.1938 aus Deutschland auszuwandern.43 Seiner jüngeren Schwester Margot erging es ähnlich. Bis Ostern 1935 besuchte sie das Oberlyzeum WuppertalElberfeld, das sie aufgrund des Verfolgungsdrucks ohne Abschluss verließ. Margot wollte eigentlich Sportlehrerin werden und in Stuttgart eine Sportschule besuchen. Stattdessen ging sie zunächst in die hauswirtschaftliche und gewerbliche Berufsschule für Mädchen in Wuppertal-Elberfeld, bevor sie ab Ostern 1936 eine kaufmännische Lehre bei der Firma Rosenberg und Rotschild in der Hofaue 89 begann.44

Aus der Anzeige geht hervor, dass Kurt bereits zu diesem Zeitpunkt daran dachte, Deutschland zu verlassen. Im antisemitischen Klima Nazideutschlands war es einem jungen jüdischen Menschen nicht möglich, sich ein menschenwürdiges Leben aufzubauen. Aber auch die Auswanderung wurde zunehmend schwieriger, da nur wenige Länder überhaupt bereit waren, die verfolgten Juden aufzunehmen. Kurt gelang es jedoch, ein Visum für Kolumbien zu erhalten. Am 7. Oktober 1938 konnte er Deutschland verlassen.

Kurt wohnte während seines Attendorner Volontariats bei seinen Großeltern Albert und Karolina Guthmann in der Bleichergasse. Er hatte zu dieser Zeit eine Freundin, Else St. aus WuppertalElberfeld, die als Lehrerin in Wermelskirchen arbeitete, und Kurt Neugarten für einige Tage in Attendorn besuchte. Sie wurden dort zusammen beim Spaziergang gesehen und denunziert. Da Else St. „Arierin“ war und Kurt Jude, kam es zu einer Anzeige wegen „Rassenschande“, da nach den 1935 erlassenen Nürnberger Gesetzen Beziehungen und Eheschließungen zwischen jüdischen und „arischen“ Deutschen unter Strafe gestellt waren. Die Anzeige datiert vom 18. Juni 1936. Darin ist zu lesen: Am 5.6.36 gegen 22 Uhr ist Neugarten außerhalb der Stadt auf einer unbelebten Straße per Arm mit dem Mädchen gesehen worden. Bei den Beobachtern hat kein Zweifel bestanden, dass es sich um ein Lie43 44

Im November verschärfte sich die Lage der jüdischen Deutschen noch weiter. Mit der Pogromnacht erreichte die antisemitische Politik und Stimmung einen vorläufigen Höhepunkt. Max Neugarten wurde nach dem 9. November verhaftet und ins das KZ Dachau gebracht. Die Ausschreitungen und Misshandlungen, die 91 jüdischen Menschen das Leben kosteten, und die Zerstörung und Plünderung von Geschäften und Synagogen waren von den nationalsozialistischen Behörden und Organisationen lange vorbereitet und keine spontanen Reaktionen der 45

StAW, 250564. StAW, 250521.

46

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StAA, Akte D 452 V 40, I II. StAA, Akte D 452 V 40, I II.


Bevölkerung wegen des Attentats auf den Botschaftssekretär vom Rath in Paris, wie die NS-Propaganda danach verbreitete. Gestapo-Chef Heinrich Müller kündigte am Abend des 9. November den Gestapo-Leitstellen per Fernschreiben die bevorstehenden Pogrome an und erteilte Verhaltensmaßregeln für die Ordnungskräfte. Auch für die Verhaftung von mehr als 30.000, meist wohlhabenden, jüdischen Männern bis 70 Jahren, waren die Festnahmelisten bereits geschrieben. Die Verhafteten wurden auf drei Konzentrationslager verteilt. Sie kamen entweder nach Buchenwald, Dachau oder Sachsenhausen, wo sie gedemütigt und misshandelt wurden. Um freigelassen zu werden, mussten die Inhaftierten sich verpflichten, zu emigrieren und ihr Vermögen „arisieren“ zu lassen.47

Max Neugarten kam am 1. Dezember 1938 als kranker Mann nach Hause zurück. Sara Else schrieb darüber: Dr. Gruenberg, Wuppertal-Elberfeld, Aue, [stellte] bei meinem Mann einen Herzdefekt fest[...] und [ordnete] eine längere Bettruhe an[...].48 Der Arzt warnte Max, dass er wegen der Herzschwäche auch in Zukunft nicht mehr schwer arbeiten dürfe. Sara Else bemühte sich um Visa für ihre Tochter Margot, ihren Ehemann und sich selbst. Margot konnte am 5. Mai 1939 nach England ausreisen. Dort arbeitete sie als Haushälterin. Ihre Eltern erhielten ein kolumbianisches Visum und emigrierten am 1. August 1939. Margot bemühte sich von England aus, ihrer Familie nach Kolumbien folgen zu können. Erst ein Jahr später als ihre Eltern, im Oktober 1940, kam sie in Cali an. Sara Else und Max Neugarten waren krank und mittellos in Südamerika eingetroffen. Auch Sara Else war durch die erlebten Erniedrigungen und Verfolgungen herz- und zuckerkrank geworden und nicht mehr in der Lage, einem Beruf nachzugehen. Max wurde Hausierer. Die anstrengende Arbeit bei der ungewohnten tropischen Hitze verschlechterte seinen Gesundheitszustand. Nach mehreren Herz- und Schlaganfällen starb er am 6. März 1953 mit 63 Jahren.49 Den Neugartens erging es wie so vielen jüdischen Emigranten. Sie standen, nach Jahren der Verfolgung und Entrechtung, vor der großen Schwierigkeit, sich eine neue Existenz aufbauen zu müssen. In einem fremden Land und einer fremden Sprache mussten sie sich vollkommen neu orientieren. Wie sein Vater Max schlug sich auch Kurt in den ersten Jahren in Kolumbien als Hau-

Eine weitere Erklärung, die aus dem KZ entlassene Häftlinge zu unterschreiben hatten. Repro: Brigitte Puth

48

LAV NRW R, BR 2182, 17596, 17597, Eidesstattliche Erklärung Else Neugarten vom 4.3.1963. 49 LAV NRW R, BR 2182, 17596, 17597, Eidesstattliche Erklärung Else Neugarten vom 28.2.1963.

47

Vgl. Enzyklopädie des Holocaust, S. 12051210.

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sierer durch. Erst 1942 konnte er dann ein Uhrmachergeschäft in Cali eröffnen.50 Auch seine Schwester Margot berichtete über die großen Probleme bei der Arbeitssuche. Sie fand in Kolumbien keine Stelle und heiratete früh. 1954 zog Margot dann von Kolumbien nach Panama, nachdem ihre erste Ehe geschieden worden war. Sie heiratete erneut und nahm den Namen ihres zweiten Mannes an, Townshend.51 Später wohnte sie in New York und am Ende ihres Lebens in Las Vegas. Sara Else lebte bis zu ihrem Tod am 11. Juni 1966 in Cali. Sie starb an den Folgen ihrer Krankheiten, die sie durch die Verfolgung während des Nationalsozialismus erlitten hatte. Sie wurde 73 Jahre alt.

Meldekarte ihres Vaters vom 1. Februar 1923 als Tochter eingetragen ist. Weitere Lebensdaten oder Informationen über ihren Tod waren zunächst nicht herauszufinden. Erst eine Suche in der Datenbank von Yad Vashem führte zum Durchbruch. Dort ist Helene als verheiratete Teitel verzeichnet. Auch im Koblenzer Gedenkbuch für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus52 steht ihr Name und die Namen ihres Mannes, einer Tochter und eines Sohnes. Durch weitere Archivrecherchen wurde mir bekannt, dass ein weiterer Sohn, Wolf-Werner, als vierzehnjähriger Junge nach Australien dem Terror und Morden der Nazis entkommen konnte. Aus dem Staatsarchiv Münster bekam ich die Erlaubnis, die Wiedergutmachungsakten einzusehen. Alles was ich über Helene erfuhr, stand in den Berichten, die ihr überlebender Sohn Wolf-Werner an die Wiedergutmachungsstelle geschickt hatte. Nur die Heiratsurkunde stammt aus dem Stadtarchiv Attendorn.

Vor einiger Zeit bekam ich einen Artikel aus der kolumbianischen Zeitung „El Tiempo“ von 2007 in die Hände, der im Internet veröffentlicht worden war. Darin wird über eine Aktion „Verzeihen und Vergeben“ in Cali berichtet. Kurt Neugarten ist in diesem Artikel als ältester Teilnehmer mit 93 Jahren erwähnt. Für ihn sei Verzeihen wichtiger als Rache.

Demnach hat Helene nach dem Ersten Weltkrieg ihren Mann Abraham Teitel kennen gelernt, der als russischer Kriegsgefangener nach Deutschland gekommen und nach Ende des Krieges geblieben war. Abraham wurde am 17. Dezember 1891 in Sarnów, Gouvernement Radomsk, Russland geboren. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Staat Polen gegründet und so wurde Abraham polnischer Staatsbürger. Das Paar heiratete am 30. September 1923. Ihre Trauzeugen waren Albert Guthmann und Max Neugarten. Auf der Heiratsurkunde ist für Helene kein Beruf verzeichnet, und darum ist anzunehmen, dass sie im Haushalt ihrer Eltern gearbeitet hat. Abraham Teitel war von Beruf Bergmann und wohnte zu der Zeit in Bochum-Gerthe.53

Kurt Neugarten. Foto: Privat

Helene Hildegard Teitel, geborene Guthmann Über Helene Guthmann war mir bekannt, dass sie am 10. August 1895 geboren wurde und dass sie auf der

52

Gedenkbuch. StAA, Heiratsurkunde Helene Guthmann und Abraham Teitel.

50

53

StAW, 250564. 51 StAW, 250521.

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14 in Herne. So verfügten sie in dieser schweren Zeit über ein festes Einkommen aus Mieteinnahmen. Albert Guthmann hatte das Haus am 31. Dezember 1931 für 2000 Goldmark gekauft und seiner Tochter Helene als Erbteil geschenkt.55 In den Wiedergutmachungsakten von Wolf-Werner Teitel befinden sich eine Abtretungsurkunde des vorherigen Besitzers und eine Bewilligung für die Eintragung in das Grundbuch. Abraham Teitel arbeitete nach der Machtübernahme Hitlers als Gelegenheitsarbeiter, zum Beispiel in einem Stuckgeschäft, als Kellner und in einem Fuhrbetrieb. 1938 war er als Hilfsarbeiter an der Autobahn Recklinghausen beschäftigt.56

Das Ehepaar zog nach Herne und dort brachte Helene am 3. Juli 1924 einen Sohn zur Welt, Wolf-Werner. 1929, am 11. Februar, wurde die Tochter Waltraud Ruth geboren. Von 1927-30 betrieb Abraham in der Kaiser-WilhelmStraße einen Handel mit Obst, Gemüse und Fisch. Die Familie Teitel besaß auch etwas Land in der Nähe des Schlosses Strünkede, von dem sie ihr Gemüse und Obst bezog. Im Oktober 1931 eröffnete Abraham zwei Fischbratstuben, eine in der Bahnhofstraße 116 in Herne und eine in Gelsenkirchen-Buer. Helene arbeitete dort mit und eröffnete am 9. Mai 1933 eine Gemüsehandlung in Herne, die sich aber nur bis zum September halten konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die Nazis an der Regierung und im Raum Herne wurden besonders die „Ostjuden“ boykottiert. Bereits aus dem Winter 1932/33 ist bekannt, dass vor und in der Fischbratstube in Herne uniformierte SSoder SA-Mitglieder die Kunden belästigten und unter Druck setzten.54 Auch die Fischbratstuben musste das Ehepaar wieder aufgeben, das genaue Datum lässt sich nicht mehr ermitteln.

Der Sohn Wolf-Werner besuchte die jüdische Volksschule. Helene hätte ihren Sohn 1934 gerne auf die Oberschule geschickt, damit er Zahnarzt würde. Da aber schon zu dieser Zeit die jüdischen Kinder nur unter großen Schwierigkeiten an weiterführenden Schule angenommen wurden, blieb er bis zu seinem Abschluss 1938 auf der jüdischen Volksschule. Nach seiner Schulentlassung begann er als Arbeiter bei einem Metzger in Essen-Steele. Die jüdischen Metzger durften in dieser Zeit keine Lehrlinge mehr ausbilden. Auch eine Fortbildungsschule durfte Wolf-Werner nicht mehr besuchen. So wurde ihm jede Möglichkeit genommen, einen Beruf zu erlernen.57 Von seiner Schwester Waltraud sind außer zwei Photographien keine Zeugnisse erhalten. Beide Kinder Helenes und Abrahams erlebten in

Wolf-Werner, Abraham, Helene und Waltraud Teitel. Repro: Familie Teitel

55

Der Brief über diese Schenkung befindet sich laut Angaben in der in der Alte LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165327 in einer Akte „Guthmann Testamentsangelegenheit Reg.Nr. 797“, die nicht aufzufinden ist. 56 LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165327. 57 LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 619050.

Zum Glück besaß die Familie Teitel inzwischen ein eigenes Haus mit mehreren Wohnungen in der Kampstraße 54

LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165327.

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ihrer Kindheit und Jugend die zunehmende Entrechtung und Diffamierung der jüdischen Bevölkerung und wuchsen unter unsicheren Bedingungen auf. Ihr kleiner Bruder Isidor wurde am 16. Oktober 1938 geboren. 12 Tage später begannen die ersten Deportationen von Juden aus Deutschland.

nicht nach Polen einreisen ließen. Sie wurden dann bei Zbąszyń in ein umzäuntes Barackenlager eingewiesen. Am 20. April 1939 konnte Wolf-Werner auf Veranlassung des Polish-JewishRelief-Funds das Lager mit einem Kindertransport verlassen. Der Transport führte nach Gdynia und von dort über London nach Australien. Wolf-Werner kam am 28. Mai 1939 in Melbourne an.61

Am 28. Oktober 1938, um fünf Uhr morgens, wurde Wolf-Werner von Kriminalbeamten geweckt. Sie verhafteten ihn und internierten ihn in einer Turnhalle. Am gleichen Tag wurde auch sein Vater Abraham festgenommen.58 Einen Tag später transportierte man sie und bis zu 17.000 weiterer Juden an die deutsch-polnische Grenze, wo sie von Polizisten ins Niemandsland getrieben wurden. Bei dieser Aktion starben mehrere ältere Deportierte an den Strapazen, einige begingen Selbstmord. Die NSRegierung nahm für diese Vertreibungsaktion ein polnisches Gesetz zum willkommenen Anlass, um eine große Zahl der in Deutschland lebenden Juden zu vertreiben. Die polnische Regierung plante, zum 30. Oktober 1938 den polnischen Staatsangehörigen, die im Ausland lebten, ihre Staatsangehörigkeit zu entziehen.59

Durch diese grausame Aktion wurde die Familie Teitel auseinandergerissen. Der kleine Isidor war erst 12 Tage alt und seine Mutter krank. So konnte Helene mit dem Neugeborenen und der zehnjährigen Waltraud zunächst in Herne bleiben und sich um die zur Ausreise vorgesehenen Formalitäten kümmern. Die bürokratischen Hürden und Gesetzgebungen, wie die sogenannte Reichsfluchtsteuer von 1934, hatten zum Ziel, die aus Deutschland Vertriebenen auch noch ihres Vermögens zu berauben.

Wolf-Werner Teitel schreibt, sein Vater habe vor 1933 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Aufgrund eines Gesetzes über die Aberkennung und den Widerruf von Einbürgerungen wurde ihm diese von den nationalsozialistischen Behörden wieder aberkannt. Damit besaß die ganze Familie die polnische Staatsangehörigkeit.60 Zwei Tage blieben die Deportierten ohne Verpflegung im Niemandsland, da die polnischen Grenzbeamten sie 58

LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 619050. 59 Vgl. Enzyklopädie des Holocaust, S. 16221625. 60 LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165327.

Helene, Waltraud, Isidor und Abraham Teitel. Repro: Familie Teitel, Australien 61

LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165326.

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Helene musste sich unter anderem bescheinigen lassen, dass sie keine Steuerrückstände hatte und beantragen, ihren Haushalt nach Polen schicken zu dürfen. Alle Gegenstände, die sie mitnehmen wollte, waren akribisch aufzulisten. Für jedes Teil, ob Kinderhemdchen, Unterröckchen, Kleidchen, Schürzchen, Waschbrett oder Einmachkessel mussten Preis und Zeitpunkt der Anschaffung angeben werden, damit das Devisenamt kostenpflichtig prüfen konnte, ob ihr gestattet würde, diese Dinge mitzunehmen.62 Ihr Mann Abraham durfte am 1. Juli 1939 noch einmal nach Hause zurückkehren, um seine Angelegenheiten zu regeln.63 Am 30. Juli 1939 musste die ganze Familie Deutschland verlassen. Sie wohnte nun in Dombrowa (Dąbrowa Górnicza) in der Nähe von Kattowitz. Nachdem die deutsche Wehrmacht Polen überfallen und besetzt hatte, wurde die jüdische Bevölkerung in Ghettos umgesiedelt. Auch Helene, Abraham, Waltraud und Isidor Teitel lebten nun in einem Ghetto in Dombrowa.

den mit Datum vom 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Stolperstein für Helene Hildegard Teitel, geb. Guthmann, in der Bleichergasse. Foto: Birgit Haberhauer-Kuschel

Wolf-Werner Teitel, der mit 14 Jahren seine Familie verlassen und ganz allein in einem fremden Land zurechtkommen musste, arbeitete in Australien zunächst als Hilfsarbeiter auf verschiedenen Farmen. Er versuchte, eine Lehrstelle als Metzger zu finden, aber es ergab sich keine Möglichkeit dazu. Schließlich fand er eine Arbeit als Weber. Ab 1942 wurde er für zwei Jahre in eine Arbeitskompanie des Militärs eingezogen. 1944 ging er wieder in die Textilbranche zurück und eröffnete mit zwei Teilhabern eine kleine Strickerei in Melbourne. Im gleichen Jahr heiratete er Betty Aloni. Sie bekamen drei Kinder: Helen Ruth, geboren am 13. Juni 1945, Jeffrey, geboren am 28. Mai 1948 und Deborah Waltraud, geboren am 8. Juni 1955. WolfWerner Teitel war durch die Verhaftung und Verfolgung erkrankt. Er litt an sein Leben lang an einem nervösen Hautleiden.65 Er war der einzige Überlebende seiner Familie.

Wolf-Werner stand noch bis 1943 in Briefkontakt mit seinen Eltern und Geschwistern, danach hörte er nichts mehr von ihnen. Laut Aussagen einiger Zeugen wurde die Familie Teitel in ein Konzentrationslager verschleppt.64 Wo sie starben, ist nicht bekannt. Sie wur-

62

LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165327. 63 Nach einer Vereinbarung der polnischen und deutschen Regierung im Januar 1939 konnten die Deportierten für einen kurzen Zeitraum wieder nach Deutschland einreisen, um ihre finanziellen Angelegenheiten abzuwickeln und ggf. ihre Geschäfte aufzulösen. Dieses „Entgegenkommen“ nutzte faktisch vorrangig dem NS-Regime, da alle Einnahmen aus den Geschäftsauflösungen auf Sperrkonten eingezahlt werden mussten, auf die die Betroffenen keinen Zugriff hatten. Vgl. Enzyklopädie des Holocaust, S. 1624. 64 LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165326.

65

LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 619050.

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Durch Hilfe des polnischen ehemaligen Zwangsarbeiters Herrn Zygmunds, der in Melbourne lebt, bekam ich Kontakt zu den Kindern Wolf-Werner Teitels. Helen, die älteste Tochter, erzählte von ihrem Vater, dass er niemals mehr ein Wort Deutsch gesprochen und jeden Kontakt zu Deutschland abgebrochen habe. Zu traumatisch war die Erfahrung der Verfolgung in seiner Heimat. Auch seine Tochter Deborah erklärte, dass sie Deutschland nie besuchen würde. Helen dagegen hat nun begonnen Deutsch zu lernen und plant, die frühere Heimat ihres Vaters zu besuchen. Sie möchte die Städte und Orte sehen, in denen er und seine Familie zu Hause waren.

Hochzeit von Lothar und Rosa Guthmann am 23. Dezember 1928. Repro: Familie Teitel.

Auf ihrem Hochzeitsphoto sind Lothars Eltern, seine Schwester Sara Else mit ihrem Mann Max und den Kindern Kurt und Margot, Helene, die zu der Zeit schwanger mit Waltraud war, Abraham Teitel mit dem Sohn Wolf-Werner und die Schwester Rosas, Hedwig, und natürlich das Hochzeitspaar versammelt. Die Trauzeugen waren Gustav Friedmann, der Bruder Rosas, und Josef Wolfrom, beide aus Höchheim. Die Familie Friedmann besaß in Höchheim das Haus Nr. 41 mit Holzhalle, Viehstall, Scheuer, Wagenhalle, Äckern, Wiesen, Küchengarten und Krautland.68 Lothar und Rosa wohnten mit im Hause von Rosas Mutter Berta, wie auch Hedwig und Gustav Friedmann. Das Ehepaar blieb kinderlos. Lothar übte auch in Höchheim das Metzgerhandwerk aus.

Josef Lothar Guthmann Josef Lothar wurde als viertes und letztes Kind von Karolina und Albert Guthmann am 20. Juni 1898 im Haus am Graben in Attendorn geboren. Er besuchte die katholische Volksschule bei Lehrer Rueggenberg. Aus dieser Zeit ist ein Schulphoto erhalten und ebenso eine Photographie vom Waldfest des Männergesangvereins Cäcilia von 1921.66 Lothar erlernte, wie sein Großvater Moses und sein Vater Albert, das Metzgerhandwerk. Am 24. Oktober 1924 verließ er Attendorn und zog für zwei Monate nach Hagen. Dies ist auf seiner Meldekarte vermerkt.67 Warum er nach Hagen zog, ist nicht bekannt. Vielleicht hat er dort seine Meisterprüfung abgelegt. Anschließend lebte er weiter im Hause seiner Eltern in Attendorn und arbeitete wieder mit seinem Vater in der Metzgerei zusammen. Lothar lernte Rosa Friedmann, geboren am 5. November 1895, aus Höchheim kennen, und sie heirateten am 23. Dezember 1928.

Mit dem Nationalsozialismus begann auch für die Juden in Franken eine Zeit der Einschränkung, Boykottierung, Diffamierung und der Verbote. Die Repressalien wurden von Jahr zu Jahr entwürdigender und einschneidender. Am 17. August 1938 wurde ein Gesetz erlassen, das alle Juden zwang, bei den Standesämtern ihrer Geburtsorte den Namen Israel bzw. Sara als zweiten Vornamen eintragen zu lassen. Auch Lothar teilte dieses am 13. De-

66

Hosenfeld 2006, S. 163-164. Bürgerbüro Attendorn, Meldekarte Lothar Guthmann.

67

68

StAWÜ, Finanzamt Würzburg, Vermögenskontrollakten 1444, Nr. 2.

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zember 1938 dem Standesamt Attendorn mit. Dieser Eintrag wurde 1946 wieder gelöscht. 69

unter der laufenden Nummer 303 und der Evakuierungsnummer 585, Lothar Guthmann unter der laufenden Nummer 304, Evakuierungsnummer 586, und die laufende Nummer 305 mit der Evakuierungsnummer 587 bekam Rosa Guthmann zugeteilt. Diese Auflistung ist das letzte schriftliche Zeugnis über das Leben Lothar Guthmanns, seiner Frau Rosa und seines Schwagers. Am 25. April 1942 wurden sie mit dem 3. Transport von Juden aus Mainfranken nach Ostpolen deportiert.70 Diese Deportation war die größte aus Mainfranken und führte in den Kreis Krasnystaw, nach Izbica.71 Izbica war vor dem Krieg ein jüdisches Schtetl mit 4-6.000 Einwohnern gewesen. Nachdem die Deutschen den Ort besetzten, wurde er zum Ghetto, in das die polnischen Juden aus der Umgebung eingeschlossen wurden. Ab 1942 wurden auch aus Westeuropa Juden dorthin deportiert,72 so auch Rosa und Lothar Guthmann und Gustav Friedmann.

Geburtsurkunde von Josef Lothar Guthmann mit Vermerken zum weiteren Vornamen „Israel“. PStA Detmold, Signatur P6/17 Nr. 151

Ob auch Lothar nach der Emigration seiner Schwester Sara Else und der Deportation der Familie Teitel erwog, das Land zu verlassen, lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen. Nach Kriegsbeginn 1939, den Lothar als einziger Angehöriger der Familie Guthmann noch in Deutschland erlebte, wurde die Emigration nahezu unmöglich.

Diese Deportationen waren Teil der „Aktion Reinhard“. Die „Aktion Reinhard“ wurde bereits am 31. Juli 1941 von Göring in Auftrag gegeben. Unter der Leitung des späteren Namensgebers Reinhard Heydrich wurde ein Konzept zur Vernichtung der europäischen Juden entwickelt. Auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 wurde die Umsetzung beschlossen. Schon im November 1941 hatte die SS mit dem Bau eines Vernichtungslagers bei dem kleinen Ort Bełzec im Osten Polens begonnen. Bełzec und die im Frühjahr 1942 errichteten Lager Sobibor und Treblinka waren keine Konzentrationslager, sondern ausschließlich Orte der industriellen Massenvernichtung durch Gas. Um diese Zentren der „Aktion Reinhard“ herum entstan-

1942 traf auch Lothar und Rosa Guthmann und Gustav Friedmann das Schicksal der Deportation nach Polen. Die Außendienststelle Würzburg der Gestapostelle Nürnberg-Fürth stellte am 3. April 1942 eine „Liste der zu evakuierenden Juden aus Mainfranken“ zusammen. „Evakuierung“ oder auch „Umsiedlung“ bedeutete im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten nichts anderes als die Deportation. Auf der Liste stehen Gustav Friedmann

70

StaWÜ, Gestapostelle Würzburg, Signatur 18876. 71 Vgl. Kappner 2003. 72 Vgl. Blatt 2000.

69

LAV NRW OWL, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Attendorn, Geburtsurkunde Nr.63/1898.

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den eine ganze Reihe kleinerer Zwangsarbeitslager und sogenannter Durchgangsghettos, in denen die deportierten Juden auf ihren Weitertransport in die Vernichtungslager warten mussten.73 Izbica wurde zu einem Zwischenlager für Sobibor. Das Leben, das die Deportierten dort führten, können wir uns nicht vorstellen. Erschießungen waren an der Tagesordnung und der Hunger und die Wohnverhältnisse waren katastrophal.74 Ob die Familien Guthmann und Friedmann Izbica überlebt haben, ist heute nicht mehr festzustellen. Falls sie noch ins Vernichtungslager Sobibor gekommen sind, wurden sie dort sofort mit Kohlenmonoxyd in den hermetisch abgeschlossenen Gaskammern ermordet. Sie mussten sich ausziehen, ihr ganzes Hab und Gut liegen lassen und nackt einen 150 Meter langen Weg, der mit Stacheldraht umzäunt war, in die Gaskammern gehen. Wenige jüdische Gefangene wurden aus den ankommenden Transporten ausgesondert, um die Koffer, Kleidungsstücke und Wertsachen der Ermordeten einzusammeln und zu sortieren und die Leichen der Opfer in Massengräbern zu vergraben und später zu verbrennen. Diese Menschen überlebten ihre Angehörigen noch maximal um einige Monate, bevor sie selber vergast wurden. Am 14. Oktober 1943 wagten Häftlinge dieser Arbeitskommandos einen Aufstand. Sie töteten mehrere SS-Männer und 300 Gefangene konnten zunächst aus Sobibor fliehen. Von diesen haben nur 46 Menschen den Krieg überlebt. Nach dem Aufstand wurden alle im Lager verbliebenen jüdischen Gefangenen erschossen. Circa 500.000 Juden wurden in Sobibor ermordet.75 Der „Aktion Reinhard“ fie-

len insgesamt bis zu 2.000.000 Menschen zum Opfer.76 Rosa und Lothar Guthmann, Berta, Gustav und Hedwig Friedmann aus dem Hause 41 in Höchheim wurden am 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Stolperstein für Lothar Guthmann in der Bleichergasse. Foto: Birgit Haberhauer-Kuschel

Ich wollte in diesem Bericht ein Stück Attendorn und seine traurige Geschichte während der Nazizeit darstellen. Er soll dazu beitragen, dass die Lebenswege der fast vergessenen Familie Guthmann nicht ganz verloren gehen.

Abkürzungen BR Behördenarchiv Rheinland LAV NRW OWL Landesarchiv NRW Ostwestfalen-Lippe, Detmold LAV NRW R Landesarchiv NRW Abt. Rheinland Standort Düsseldorf LAV NRW W Landesarchiv NRW Abt. Westfalen - Staatsarchiv Münster StAA Stadtarchiv Attendorn StAMG Stadtarchiv Mönchengladbach StAW Stadtarchiv Wuppertal StAWÜ Staatsarchiv Würzburg

73

Vgl. Enzyklopädie des Holocaust, S. 14-18. Vgl. Blatt 2000. 75 Zum Vernichtungslager Sobibor vgl. Blatt 2000; Enzyklopädie des Holocaust, S. 13301334; Schelvis 1998. 74

76

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Vgl. Enzyklopädie des Holocaust, S. 14-18.


QUELLENZEICHNIS

UND

LITERATURVER-

Gemeindearchiv Finnentrop: Jüdische Synagogenangelegenheit 18411937, 811.

Mündliche Quellen/Gespräche mit Zeitzeugen: Frau Hedwig Albus, Herr F., Frau Else Henkel geb. Voß, Herr Josef Hormes, Frau Gretl Jaroschewski, Frau S., Frau Margret Lützeler, Herr Franz-Josef Voss

Landesarchiv NRW Ostwestfalen-Lippe, Detmold: LAV NRW OWL, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, Attendorn, Geburtsurkunde Nr. 4/1892, 23/1893, 71/1895, 67/1898. Landesarchiv NRW Abt. Rheinland Standort Düsseldorf: LAV NRW R, BR 2182, 17596, 17597. LAV NRW R, BR 2182, 1753.

Veröffentlichte Quellen: Adressbuch für die Stadt und den Kreis Olpe, 1899.

Staatsarchiv Münster/ Landesarchiv NRW Abt. Westfalen: LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 619050. LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165327. LAV NRW W, Regierung Arnsberg – Wiedergutmachungen, Nr. 165326.

Blatt, Thomas, Nur die Schatten bleiben. Der Aufstand im Vernichtungslager Sobibor, Berlin 2000. Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, hrsg. von Israel Gutman u.a., München/Zürich 1995.

Stadtarchiv Attendorn : StAA B 256, S. 35. StAA D 452 V 40, I II. StAA V 40, 5III. StAA C 332 StAA C 756 StAA B 441 StAA B 681

Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-45, Bundesarchiv, Koblenz 1986. Hosenfeld, Hartmut, Jüdisch in Attendorn. Nachsuche. Die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Attendorn. Jüdisches Leben im Kreis Olpe, Bd. IV, hrsg. vom Landrat des Kreises Olpe, Kreisarchiv, Attendorn 2006.

Heiratsurkunde Helene Guthmann und Abraham Teitel. Register der Juden. Amtsgericht Olpe, Abschrift von Otto Höffer.

Kappner, Cordula, „... die sind dann einfach fortgekommen ...“. Jüdische Bürger im Landkreis Hassberge, Haßfurth 2003.

Stadtarchiv Mönchengladbach: StAMG, Akte 25 C 5899, 25 C 6127.

Krause, Jochen, Menschen der Heimat Kreis Olpe. Teil 2: 34-60, Olpe 1987.

Stadtarchiv Wuppertal: StAW, 250297. StAW, 250521. StAW, 250564.

Schelvis, Jules, Vernichtungslager Sobibor. Aus dem Holländ. von Gero Deckers. (Reihe Dokumente, Texte, Materialien/ Zentrum f. Antisemitismusforschung der TU Berlin; 24), Berlin 1998.

Staatsarchiv Würzburg: StAWÜ, Gestapostelle Würzburg, Signatur 18876. StAWÜ, Finanzamt Würzburg, Vermögenskontrollakten 1444, Nr. 2.

Verzeichnis der alten und neuen Hausnummern und der Hauseigentümer der Stadt Attendorn, 1909. Ungedruckte Quellen: Bürgerbüro Attendorn: Bürgerbüro Attendorn, Meldekarten Albert Guthmann, Karolina Guthmann, Lothar Guthmann, Max Neugarten.

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Das Vermächtnis des Johann Baptist Molitor und Johann Heinrich Jung, gen. Stilling Von Dr. med. Klaus Pfeifer

Der Siegerländer Johann Heinrich Jung, genannt Stilling, war ein sehr vielseitiger Mensch. Er hat in seinem Leben mancherlei Berufe ausgeübt. Dabei lernte er alle Höhen und Tiefen des Berufslebens kennen.

Büchersammlung Varnhagen, die für ihn ja noch fußläufig erreichbar war.1

Eine besonders erfolgreiche und beglückende Zeit verbrachte er in Krähwinklerbrücke bei Radevormwald. Dort trat er im Jahre 1763 in die Dienste des Kaufmanns und Eisenfabrikanten Peter Johannes Flender. Er war dort nicht nur Kaufmannsgehilfe und Verwalter eines Teils der Flenderschen Fabriken, sondern auch Hauslehrer der Flenderschen Kinder – also sozusagen ein „Mädchen für Alles“. Daneben bildete er sich selbst ständig weiter und erlernte im Selbststudium Lateinisch, Hebräisch und die griechische Sprache. Diese Sprachstudien erforderten natürlich geeignete Lehrbücher, die nicht gerade billig waren. Aber es gab auch damals schon Bibliotheken, die solche Bücher an Interessierte ausliehen. Eine solche Bibliothek fand Jung in erreichbarer Entfernung von Radevormwald, nämlich in Iserlohn. Dort lebte eine Familie Varnhagen, aus der fast 300 Jahre lang Vikare, Lehrer und sonstige Honoratioren Iserlohns stammten. Sie besaßen mit der Zeit eine Büchersammlung, die alle für Jung in Frage kommenden Bücher beinhaltete. Diese Varnhagensche Bibliothek besteht heute noch. Sie ist nicht groß, und wird heute von der evangelischen Kirche betreut. Johann Heinrich Jung war sicher ein eifriger Leser der

Circuli Westphaliae – Homann 1750. Ausschnitt mit den Orten Radt Vorden Wald (linke Hälfte oben), Iserlohn (oberer Bildrand), Attendorn (rechts von der Bildmitte) und Siegen (rechte Bildhälfte unten). Quelle: Die Westphalen-Edition, K. Lindenlaub

Im Jahr 1767 riet Flender seinem fleißigen und tüchtigen Gehilfen Jung, er hätte doch das Zeug dazu, Medizin zu studieren und Arzt zu werden. Dieser Vorschlag muss Johann Heinrich Jung gefallen haben, und er gefiel offenbar auch seinem Paten, dem Bergmeister Johann Heinrich Jung. Dieser war, obwohl protestantischen Glaubens, befreundet mit dem katholischen Priester Johann Baptist Molitor in Attendorn. Molitor suchte gerade, weil er sein Ende nahen fühlte, einen Nachfolger für seine heilkundlichen Bestrebungen, denn er war neben seinem geistlichen 1

Die Varnhagensche Bibliothek hat damals noch nichts mit der späteren Salonistin Rahel Varnhagen van Ense zu tun.

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Amt noch als ein vielgesuchter und erfahrener Laienarzt tätig.2 Besonders erfolgreich war Molitor offenbar bei der Behandlung von Augenkrankheiten. Sein Nachfolger sollte ein am Medizinstudium interessierter Mann sein, und er wollte ihm seine in vielen Jahren entstandenen Aufzeichnungen medizinischer Art, sowie seine Bücher und Instrumente übergeben. Er müsse ihm dafür allerdings versprechen, Augenkranke stets kostenlos zu behandeln.

Vier Wochen brauchte Jung, bis die Abschrift fertig war. Er machte sich danach wiederum auf den Weg nach Attendorn, das zur Abschrift ausgeliehene Original-Manuskript Molitors und die ausgeliehenen Bücher im Gepäck. Als er Attendorn erreichte, musste er erfahren, dass sein Gönner acht Tage zuvor, am 20.07.1768, unversehens an einem Schlaganfall verstorben sei. Er habe kein Testament hinterlassen. Seit diesem Tag waren sowohl das Original-Manuskript wie auch die Abschrift Jungs verschollen. In keiner Bibliothek verzeichnete ein Katalog eine entsprechende Schrift. Der Verfasser erforscht seit 1970 Leben und Werk Jungs-Stillings, wurde aber auch nicht fündig, was das Vermächtnis Molitors anging. Ein von ihm verfasste „JungStilling-Bibliographie“3 erfasste nach Recherchen an 53 Bibliotheken des Inund Auslandes zwar 940 Schriften Stillings oder Schriften über Stilling, aber das gesuchte Manuskript Molitors war nirgends verzeichnet. Auch eine neue Recherche im Jahre 1980 hatte kein anderes Ergebnis.

Jung suchte Molitor in Attendorn auf, wozu er einen Fußmarsch von 10 Stunden zurücklegen musste. Sein Gönner lieh ihm dort seine Aufzeichnungen aus, damit er sich eine Abschrift davon anfertigen solle. Außerdem erhielt Jung wohl die medizinischen Bücher Molitors zur Lektüre.

Bei dieser Sachlage wurde allgemein angenommen, dass Molitors Vermächtnis verloren sei. Bestärkt wurde diese Meinung auch dadurch, dass Jung-Stilling, der zeitlebens einen sehr ausgedehnten Briefwechsel mit Menschen in aller Welt führte, von Zeit zu Zeit aus Platzmangel einige Tausend beantwortete Briefe zu vernichten pflegte. Auch war früher Papier, selbst wenn es einseitig beschrieben war, immer noch wertvoll, beispielsweise

„Molitors Segen“. Kupferstich. Archiv des Stiftes Keppel 2

Diese Laienärzte waren keine Kurpfuscher, sondern Gutsbesitzer, Fabrikanten oder Geistliche, die sich medizinische Kenntnisse angeeignet hatten, um auf dem Lande, wo es kaum studierte Ärzte gab, unentgeltliche Hilfe in Notfällen und bei Krankheiten zu leisten.

3

Pfeifer, Klaus: Jung-Stilling-Bibliographie. Siegen 1993

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als Umhüllung oder als Einschlagpapier.

näher, anzunehmen, dass Jung diese Materialien der ihm so gut bekannten und vertrauenswürdigen Varnhagenschen Bibliothek in Iserlohn zur Aufbewahrung übergeben haben könnte. Eine Anfrage bei der Leiterin der Bibliothek, Frau Pfarrerin Zywitz, hatte denn auch Erfolg. Sie fand tatsächlich mehrere handbeschriebene Blätter, die in einen Folianten mit allerlei Papieren zusammen eingebunden waren, und die offenbar aus dem 18. Jahrhundert stammten. Die Buchstaben dieser Handschriften gehören nämlich zu der sogenannten „deutschen Kurrentschrift“, die im 18. Jahrhundert allgemein verwendet wurde.

Schriftprobe Jung-Stillings von 1175. Archiv Dr. Berneaud-Kötz

Auch von anderen Autoren wurde gern und ausgiebig über den Verbleib der Molitorschen Aufzeichnungen spekuliert, so im Jahre 1924 von dem Vikar Franz Josef Tusch aus Attendorn, einem Amts-Nachfolger Molitors. 4 Erst die genauere Kenntnis der Lebensumstände von Johann Heinrich Jung ließ dem Verfasser die Angelegenheit aber dann in einem anderen Licht erscheinen. Bei genauer Überlegung erschien es ihm doch ganz unwahrscheinlich, dass ein so redlicher und frommer Mann, wie es Jung war, das ausgeliehene Original Molitors (und wohl auch dessen ausgeliehene Bücher) sich angeeignet oder in Attendorn an irgend eine ihm unbekannte Person ausgehändigt haben könnte. Die Vermutung drängte sich auf, dass Jung vielmehr darauf bedacht gewesen sein müsse, Molitors Eigentum der Nachwelt zu erhalten, zumal er ja für seinen eigenen Bedarf eine Abschrift angefertigt hatte. Da lag es doch viel

Zwei Seiten aus dem Manuskript Molitors. Bibliothek Varnhagen, Iserlohn

Der Text war teils in deutscher, teils in lateinischer Sprache abgefasst. Er ließ sogleich erkennen, dass es sich um medizinische Inhalte drehte. Das Schriftbild auf diesen Blättern war auf ihnen allen gleich. Die Blätter waren auf keinen Fall von Jung beschrieben worden, wie ein Vergleich mit einem Text aus Jungs Feder, ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert, zeigte. Vielmehr glich das Schriftbild vollständig einem Text von Molitor, wie ein Vergleich mit zwei von ihm signierten Blättern zeigte, die das Archiv des Erzbistums Pader-

4

Tusch, Franz Josef: Attendorn – Molitor – Stilling – Goethe. In: Trutz Nachtigall, Jg. 1924, Bd. 6, H. 5, S. 150-156

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born dem Verfasser freundlicherweise als Kopie überließ.

kann, und mit deren hilfreicher Anwendung Änderungen erreicht werden...“ Der Rest dieser offenbar das Manuskript einleitenden Zeilen endet leider am unteren Blattrand und ist offensichtlich unvollständig.

Entscheidend war nun aber, inwieweit es sich auch inhaltlich um das seit 1768 vermisste Manuskript Molitors handelte. Da konnte nur ein Vergleich des Inhalts mit medizinischen Äußerungen Jungs weiter helfen. Zum Glück hatte der Verfasser schon im Jahre 1996 die in den Schriften Jung-Stillings verstreuten Äußerungen über medizinische Fragen und Rezepte gesammelt und in lexikalischer Form in einem „Jung-Stilling-Lexikon Medizin“ zusammengefasst. 5 Bei der Untersuchung der einzelnen Blätter des aufgefundenen Manuskriptes ergab sich nun folgendes Bild. Das erste Blatt war ohne Datum und trug die Überschrift „Sectio I ff“, also „Erster Abschnitt und folgende“. Darunter stand „Caput I“ (also: „Erstes Kapitel“). Unter dem Titel „de Febre tertiana“ (=„über das dreitägige Fieber“) stand in lateinischer Sprache der eigentliche Text. Er lautete, ins Deutsche übersetzt:

Deutsch-lateinische Schriftprobe Molitors von 1758. Archiv des Erzbistums Paderborn

Das sind Ansichten, die sich von unserer modernen Art der Krankheitsbetrachtung kaum unterscheiden, obwohl sie bereits vor über 200 Jahren niedergeschrieben worden sind. Leider bricht der Text ab, ehe die Sprache auf das „dreitägige Fieber“ kommt, das auch bei Jung-Stilling unter den Aufzählungen der verschiedenen Fieberarten in einem seiner Werke später eine Rolle spielt. Er unterschied außerdem noch die Faulfieber, kalte Fieber, hitzige Fieber, Ausschlagfieber und Gallenfieber voneinander.

„§1. Die Heilung der Krankheiten, soweit sie vernünftig sein soll, ist nichts anderes, als die Beseitigung ihrer Ursachen; schon die Alten sagten: Krankheiten zu heilen ist nichts anderes, als ihre Ursachen zu beseitigen. Eifrig sei deshalb der Arzt, um ihre hauptsächlichen Ursachen zu erforschen, die sowohl durch grundsätzliche Krankheitszustände, wie durch natürliche Einflüsse hervorgerufen werden. Aber für uns sind letztlich die Indikationen wichtig, was geschehen 5

Pfeifer, Klaus: Jung-Stilling-Lexikon Medizin. Siegen 1996, 208 S.

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Das zweite Blatt ist überschrieben mit „Sect. II Cap.XI“ (=„zweiter Abschnitt, Kapitel 11“). Dieses Blatt ist überwiegend in deutscher Sprache abgefasst. Sein Text behandelt die entzündlichen Augenkrankheiten. Es wird auf diesem Blatt zunächst ein Rezept für Augentropfen angegeben und dann ein zweites Rezept für eine Augensalbe (Collyrium).

haut, so wie man den Staarschnitt macht und lässt den Eiter heraus, zugleich muss man dann auch die Linse herausnehmen, weil sie doch hernach verdunkelt ist, und nun behandelt man das Auge wie bei der Staaroperation.“ 6 Diese Behandlung mit Apfelmus ist in der zeitgenössischen medizinischen Literatur nur bei Jung-Stilling nachzulesen; er hat dies also ganz eindeutig und allein von Molitor übernommen. Damit ist aber auch bewiesen, dass er seine Augenbehandlungen nach Molitors Methoden übernommen hat. Er hatte seinem Gönner ja versprochen, dass er sie immer ohne Bezahlung ausführen wolle. Deshalb verwundert es wohl auch kaum, dass auf den folgenden Blättern des Manuskriptes Dinge aufgeführt sind, die wir dann bei Jung-Stilling nirgends wiederfinden. Offenbar hat er aus dem Molitorschen Vermächtnis wirklich nur die Art übernommen, wie Molitor Augenkrankheiten behandelt hat, während ihn die sonstigen medizinischen Angaben Molitors nicht interessiert haben, in denen dieser zum Beispiel auf den folgenden Blättern des Manuskriptes seine Art der Behandlung Rheumakranker oder an Gicht Leidender beschrieben hat. 7

Das dritte Blatt schließt sich inhaltlich hier unmittelbar an. Überschrieben ist es mit „de Ophtalmia sanguinea et serosa“ (= „von der entzündlichen und nässenden Augenkrankheit“). Wieder werden zunächst Rezepte angegeben, die nach der damaligen Rezeptierkunst abgefasst sind. Zunächst wird die Zubereitung einer milchartigen Emulsion angegeben, dann folgt im zweiten Rezept als hauptsächlicher Bestandteil eine „Pulpa pomi Borsdorffioni“ (also: „Apfelmus von Borsdorfer Äpfeln“). Unter „Borsdorfer Äpfel“ ist aber im Jung-Stilling-Lexikon Medizin (in altertümlicher Rechtschreibung) zu lesen: „Würde die Entzündung so stark seyn dass alle kalte zusammenziehende und erweichende Aufschläge nur die Schmerzen

vermehrten,

so

müsse

man endlich wenn die Schmerzen gar unerträglich würden zum Borsdorfer Apfel=Brey seine Zuflucht nehmen. Dann steht aber der Patient in Gefahr das Gesicht zu verlieren. Wenn das Auge aus dem Stern zu eitern anfängt,

6

Jung-Stilling: Methode, den grauen Staar auszuziehen etc., Marburg 1791,. S. 122-125 7 Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich ganz herzlich für die vielfältige Hilfe und Unterstützung bedanken, die mir Frau Pfarrerin Zywitz in Iserlohn, das Archiv des Stiftes Keppel und das erzbischöfliche Archiv in Paderborn gewährt haben.

der Apfel wie rohes Fleisch aussieht, und die ganze vordere Augenkammer voller Eiter ist, so öfnet man die Horn-

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„Attendorn, die sehenswerte alte Stadt“ – Eine fotografische Stadtwanderung aus dem Jahr 1932 Von Dr. Markus Köster

Die meisten werden sich noch an ihn erinnern: Den heute im Sachunterricht aufgegangenen Heimatkundeunterricht, der bis in die 1970er Jahre hinein auf dem Stundenplan jedes Volksbzw. Grundschulkindes stand. Die Anfänge dieses Fachs reichen gut 100 Jahre zurück.

reichungen und auch Bildern für die Gestaltung des Heimatkundeunterrichts. Einer der Pioniere der heimatkundlichen Bild(ungs)arbeit in Westfalen war der Gründer und langjährige Leiter der Lichtbildstelle des Regierungsbezirks Arnsberg Heinrich Genau (18831942). Schon vor dem Ersten Weltkrieg begann der passionierte Lehrer und Fotograf, heimatkundliche Bildreihen zusammenzustellen, anfangs über die Stadt und den Kreis Soest, bald aber auch darüber hinaus im ganzen Regierungsbezirk Arnsberg und in anderen Teilen Westfalens. Die Reihen sollten sowohl die Schulen als auch die außerschulische Jugendpflege mit hochwertigem Bildmaterial unterstützen.

Nachdem der Heimatgedanke schon seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts zu einem zentralen Anliegen weiter Teile es deutschen Bildungsbürgertums geworden war, erließ das preußische Schulministerium 1908 pädagogische „Weisungen“ zur Heimatkunde im Volksschulunterricht. Neben erdkundlichen Themen sollten danach „auch die heimatlichen Geschichten, heimatlichen Sagen, Denkmäler, Bauten u.a.“ sowie Pflanzen, Tiere und Gesteine der Heimat behandelt werden.

Als vierzigste heimatkundliche Serie seiner Verleihsammlung schuf Heinrich Genau 1932 eine eigene Lichtbildreihe über den Kreis Olpe. Sie trug den Titel „Das südwestliche Sauerland um Bigge und Lenne, einer der schönsten Teile unserer westfälischen Heimat“ und bestand aus 83 Glasplatten, von denen im Bildarchiv des LWLMedienzentrums 59 überliefert sind. Im Kreisarchiv Olpe ist die gleiche Bildreihe sogar bis auf ein Foto vollständig erhalten. In beiden Archiven existiert auch noch das maschinenschriftliche Begleitheft, eine Art Vortragsmanuskript von immerhin 54 Seiten. In den einleitenden Sätzen dieses Hefts schreibt Genau: „Ist’s zuviel gesagt, wenn das Olper Land um Bigge und

Nach dem Ersten Weltkrieg gewannen die Ideen der Heimatbewegung noch an gesellschaftlicher Stoßkraft: Angesichts der außenpolitischen Demütigungen und innenpolitischen Unruhen erschien vielen der „Schutz von Volk und Heimat sowie die Zurückbesinnung auf ‚deutsche Art‘, Geschichte und Kultur“ als Voraussetzung ‚nationaler Wiedergeburt‘. Entsprechend sah auch der Weimarer Staat in der Stärkung der Heimatliebe ein zentrales bildungspolitisches Ziel. 1921 führte er deshalb Heimatkunde als reguläres Unterrichtsfach für die ersten vier Volksschulklassen in Preußen ein. Diese Entwicklung schuf eine große Nachfrage nach Lehrbüchern, Hand- 28 -


Lenne zu den schönsten Gegenden des Sauerlands zu rechnen ist? Genau mein lieber Wanderer und Sommergast, Du wirst staunen, wenn Du dieses Ländchen einmal aus eigener Anschauung kennen lernst! Nicht nur prächtige Gebirgs- und Waldlandschaften gibt es hier, sondern auch sonst die Fülle des Sehens- und Bemerkenswerten. Ganz kurz nenne ich das Biggetal oberhalb Heggen, einen Konkurrenten des Hönnetals; Attendorn, sie sehenswerte alte Stadt mit ihrer Attahöhle und der Burg Schnellenberg, dann die Listertalsperre, die landschaftlich sich mit den schönstgelegenen Sperrbecken messen kann; die schmucke Kreisstadt Olpe selbst, von wo uns das ganze obere Sauerland offen steht. Im Veischedetal erhebt sich auf hohem Felsen trutziglich die Burg Bilstein, im Lennetal recken sich die Berge 600 bis 700 m steil empor und bilden Landschaften, die unsere Bewunderung erregen, bei Oberhundem und Heinsberg erreichen wir bald die Kammhöhe des Rothaargebirges. Das sind nur wenige Punkte, die wir fast wahllos herausgriffen. Nun folge mir, und sieh das schöne Olper Land, wie ich es sah und selbst gestehen mußte, daß ich kaum Schöneres im Heimatland Westfalen kennen gelernt habe.“

Kreisstadt Olpe und dann Drolshagen zugewendet hat, erreicht die fotografische Wanderung mit Bild Nr. 12 über das Listertal das heutige Gebiet der Stadt Attendorn. Ihr bzw. den umliegenden Dörfern sind insgesamt 37 Fotografien gewidmet, also fast die Hälfte der gesamten Kreisreihe. Die Fotos und ihre Begleittexte stellen einerseits eine interessante Momentaufnahme der Stadt in der politisch und wirtschaftlich krisenhaften Endphase der Weimarer Republik dar, andererseits beleuchten sie, wie Besucher vor fast 80 Jahren unsere Heimatstadt und ihre touristisch-kulturellen Blickfänge wahrnahmen.

Diese sehr freundlichen Worte über den Kreis Olpe bilden den Auftakt zu einer fotografischen „Heimatwanderung“, die anders als die Eingangsbemerkungen vermuten lassen, nicht rein touristische Motive präsentiert, sondern auch wirtschafts-, industrie-, kunst-, kultur- und sozialhistorisch interessante Aspekte ins Bild rückt. Nachdem sich der Autor zunächst der

„Die Sperrmauer ist 265 m lang, 42 m hoch, Sohlenbreite 31,8 m, Kronenbreite 6 m. Die Mauerwerksmasse beträgt 110 000 cbm. Das Niederschlagsgebiet der Sperre umfaßt 6,7 qkm, die Staufläche 1,7 qkm. Der Stauinhalt beträgt 22,5 Millionen cbm. Die Gesamtkosten der Sperre betrugen 5 Millionen Mark. Neben dem rein wirtschaftlichen Wert fördert die ro-

Den Startpunkt bildet die Listertalsperre, deren Maße der Autor exakt beschreibt:

„Listertalsperre, Sperrmauer“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

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Köln). Neben der Listernohler Pfarrkirche liegt das ebenfalls von Schnütgen erbaute Schwesternheim, ein architektonisch interessanter Fachwerkbau. Die Industrie in Listernohl, die jahrzehntelang in bester Blüte stand, ist leider in den letzten Jahren ständig zurückgegangen. Erfreulicherweise hat der Verkehr der Sommergäste, begünstigt durch die nahe Listertalsperre, gute Fortschritte gemacht.“

mantische Lage der Sperre auch den Fremdenverkehr. Von allen Seiten von bewaldeten Höhenzügen eingeschlossen, ist die Listertalsperre eine bestens bekannte Erholungs- und Ausflugsstätte. Es ist nicht zuviel gesagt, daß die Listertalsperre eine der landschaftlich hervorragendst gelegenen Talsperren ist.“ Als nächstes stellt Heinrich Genau das heute längst in den Fluten der Biggetalsperre versunkene Listernohl vor:

Mit einem Panoramablick vom Ursulinenkloster aus erreicht die Wanderung Attendorn:

„Listernohl“. Foto: H. Genau/ LWLMedienzentrum für Westfalen

„Attendorn, vom Ursulinenkloster aus gesehen“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

„Das freundliche Dorf Listernohl liegt am Ausgange des anmutigen, abwechslungsreichen Listertales. Sehenswert ist die mit alten Inventarstücken ausgestattete Pfarrkirche. Eine an der Kirche angebrachte Inschrifttafel besagt, daß das Gut Listernohl 1423 vom Kloster Ewig gegründet, 1803 säkularisiert und 1818 verkauft wurde. 1903 hat Domkapitular Prof. Dr. Schnütgen die Gebäude für die Zwecke des öffentlichen Gottesdienstes wieder herstellen lassen. (Prof. Dr. Schnütgen, ein Sohn und Wohltäter der Gemeinde, war der Begründer des berühmten ‚Schnütgen-Mueums‘ in

Zu diesem Motiv heißt es: „Aus dem regellos gebauten Häusermeer ragt hervor die ehrwürdige Pfarrkirche, genannt ‚Sauerländer Dom‘. Der Dachreiterturm gehört der Franziskanerkirche an. Der spitze Turm weist auf die 1913 erbaute ev. Kirche. Die rauchenden Schornsteine bezeichnen das Walzwerk Charlottenhütte. Darüber auf waldigen Bergen grüßt Schnellenberg. Hinter dem Turm des Sauerländer Domes liegt am Himmelsberg der ‚Volkspark‘. Rechts davon unter dem hellschimmernden Kalksteinbruch erstreckt sich die berühmte Tropfsteinhöhle. Ein grüner Kranz von - 30 -


Nach dem Inneren der Pfarrkirche

Linden bezeichnet die Promenade und die ehemalige Festungsmauer. Der Steinbruch im Hintergrunde bezeichnet die Lage der berühmten Attahöhle.“ Als erstes städtebauliches Detail hält Heinrich Genau das Portal der - bekanntlich 1945 zerstörten - Franziskanerkirche im Bild fest und erläutert:

„Attendorn, Pfarrkirche, Inneres, Chor und Kanzel“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

wendet die Bildreihe sich den Resten der alten Stadtbefestigung, Bieke- und Pulverturm, zu und erläutert: „Attendorn, Portal der Franziskanerkirche“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

Beim flüchtigen Besuch der Stadt besichtigen wir das Portal der Franziskanerkirche. Erbaut wurde es um 1640 mit besonderer Hilfe des Freiherrn Johann Adolf von Fürstenberg. Daher befindet sich über dem Rundbogen in barocker Einfassung das Fürstenberg’sche Wappen. Nach dem Brande der Kirche im Jahre 1785 [richtig: 1783] wurde das Portal wieder in der alten Form hergestellt. Kloster und Kirche aber bezogen die Franziskaner nicht wieder, da die Niederlassung 1803 der Säkularisation verfiel. Die Kirche ist, nachdem sie jahrelang weltlichen Zwecken diente, jetzt wieder dem Gottesdienst gewidmet. In dem anschließenden Klostergebäude befindet sich jetzt u.a. das Rathaus.“

„Attendorn, Turm der Stadtbefestigung“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

„Nach mittelalterlichen Verhältnissen war Attendorn recht stark befestigt. Zwischen dem äußeren Wall und den inneren hohen Ringmauern lagen breite, tiefe Gräben, die in Zeiten der Gefahr mit Wasser gefüllt werden konnten. Die vier Stadttore flankierten bewehrte Türme. Die Ringmauern waren - 31 -


fes der Schweden erfolgreich zu erwehren. Siegeszeichen in Gestalt einiger Schwedenrüstungen sind noch heute im Besitz der Schützengesellschaft, die 1910 ihr 500jähriges Bestehen feiern konnte. ... Diese Panzer nebst sonstigen Waffenrüstungen aus der Zeit des 30jährigen Krieges werden im Heimatmuseum zu Attendorn aufbewahrt. Doch die Folgen der Kriege, Pest, mehrfache große Brandkatastrophen verursachten den Niedergang und Verfall der einst blühenden Stadt, bis in der neueren Zeit mit der Industrie eine neue Blüteperiode anbrach.“

ebenfalls in regelmäßigen Zwischenräumen mit teils runden, teils halbrunden Türmen versehen. Zwei derselben in der Nähe des Ennester Tores sind noch vorhanden. ... Die Zahl sämtlicher Türme der Stadtbefestigung Attendorns hat wahrscheinlich zwölf betragen. Die Bewachung und Verteidigung lag der Burgmannschaft und Bürgerschaft ob. Auf ein Zeichen der Sturmglocke scharte sich die wehrfähige Mannschaft mit Waffen und Harnisch um das Stadtbanner. Zur Erhöhung der Wehrfähigkeit bildete sich im 15. Jahrhundert die Schützengesellschaft, der Sitte des Mittelalters gemäß als Bruderschaft zum hl. Sebastian.“ Zwei bemerkenswerte Details halten die nächsten beiden Fotos fest: Die im Dreißigjährigen Krieg erbeuteten „Schwedenrüstungen“ sowie „Waffen aus der Schwedenzeit“.

„Attendorn, Waffen aus der Schwedenzeit“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

Nicht weniger als 13 Fotografien widmet Genau der Attahöhle, die er als „das größte Schatzkästlein der Stadt und des Kreises“ bezeichnet. Ein Motiv fällt besonders ins Auge. Während die anderen Bilder menschenleer sind, zeigt dieses ohne weitere Erläuterung einen Mann, der inmitten der Tropfsteinpracht in einer Nische hockt. Wie begeistert Genau von den Schönheiten der Höhle war, zeigt sein fast entschuldigender Kommentar zu seinen Schwarz-Weiß-Fotografien:

„Attendorn, Harnische aus dem 30jährigen Kriege“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

Dazu führt Genau aus: „Durch Erzbischof Engelbert von Köln erhielt Attendorn im Jahre 1222 Stadtrechte. 1270 sehen wir die Stadt im Bündnis mit den Städten Soest, Dortmund und Münster. Später wurde Attendorn mittelbares Mitglied der Hansa. Aber selbst im 30jährigen Kriege vermochte die Stadt sich eines Angrif- 32 -


„Repetal mit Helden“. Foto: H. Genau/ LWLMedienzentrum für Westfalen

sodaß durch die Fürsorge König Friedrich Wilhelm III. Brot aus Rußland herbeigeschafft werden mußte. Eine Denkmünze jener Zeit, auf der Vorderseite eine Mutter mit zwei ausgehungerten Kindern darstellend, trägt auf der Rückseite die Worte: ‚O, gib mir doch Brot, mich hungert.“ Vorwiegend, wie vor Jahrhunderten, ist in Helden noch die Landwirtschaft heimisch. Industrielle Betriebe finden sich nur an der Grenze der Gemeinde. Ein Teil der Bevölkerung hat sich neuerdings auf Beherbergung und Bewirtung von Sommergästen eingestellt. Die schöne Lage der Dörfchen mit ihren herrlichen Waldungen wirbt in dieser Hinsicht für sich, sodaß die Besucherziffer ständig wächst. Die auf hohem Felsen erbaute Pfarrkirche gibt dem Orts- und Landschaftsbilde die eigentliche Note.“

„Partie aus der Attahöhle“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

„Sie vermögen uns nur ein schwaches Bild der prächtigen Höhle mit ihren mannigfachen Gebilden zu vermitteln. Das schneeige Weiß, die Farben, das Funkeln der Kristalle, die in vollendeter Schönheit große Flächen bedecken, lassen diese Aufnahmen nur ahnen.“ Von Attendorn geht’s entlang der Burg Schnellenberg – deren Aufnahme als einzige der Serie verloren scheint – „ins fruchtbare Tal der Repe mit zahlreichen Dörfern und Einzelgehöften, die zusammen die politische Gemeinde Helden mit rund 2500 Einwohnern bilden. Der eigentliche Ort Helden reicht mit seinen Anfängen zurück bis ins 8. Jahrhundert. Nach Sachsenart waren die Bewohner auf Einzelhöfen angesiedelt, die unteilbar waren, um die Stammgüter vor Zersplitterung und Verfall zu bewahren. Früher gehörte die Gemeinde zum Amt Bilstein, seit 1803 zum Amt Attendorn. Wie die ganze Gegend hatte Helden unter den Folgen der Kriege, des 30jährigen und 7jährigen Krieges, zu leiden. Die Jahre 1816 und 1817 waren Hungerjahre,

Neben dem von diesem langen Kommentar begleiteten Blick ins Repetal hält Genau eine Innenansicht der Heldener Kirche fest und erläutert diese mit einem ins Detail gehenden bau- und kunsthistorischen Kommentar: „Neben Erwitte und Berghausen gehört die Heldener Kirche zu den ältesten Pfeilerbasiliken.

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„Blick über das Biggetal von Schnellenberg aus“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

„Helden, Inneres der Kirche“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

Quer- und Längsgurte des Mittelschiffes haben den Spitzbogen des Übergangsstils. Erzbischof Anno von Köln hat die Kirche kurz vor seinem Tode, der in Kloster Grafschaft erfolgte, eingeweiht. Auf einem Balken über der Tür fand man 1875 die Jahreszahl 1095 eingeschnitten. Die Kirche hat den Typ der Ritterzeit, in der das hochliegende Chor streng abgeteilt war; bis 1886 war der Zugang nur von den Seiten möglich. Bemerkenswert ist die Krypta. Dort wurde in alten Zeiten der Schrein mit 37 verschiedenen Reliquien, mit der Front zum Hochaltar, aufbewahrt. Interessant ist der lange eicherne Balken, der hinter der Haupttür beim Bau der Kirche eingemauert ist. Dieser verriegelte die Tür in einer Zeit, als man noch keine Türschlösser kannte. Im ‚vorderen Chörchen‘ ist ein aus Lindenholz geschnitztes Bild der schmerzhaften Mutter vom Jahre 1742 bemerkenswert.“

„Zwischen Heggen und Attendorn liegt ein schönes Stück des langen romantischen Tales der vielgewundenen Bigge. Die Farbenpracht des Hochwaldes in jeder Jahreszeit, der Wiesengrund, der Lauf der Bigge, alles atmet rechte Sauerlandnatur. An Schloß Schnellenberg vorbei führt einer der schönsten Höhenwege des Sauerlandes, unten das liebliche Biggetal mit immer wechselnden Bildern, jenseits all die Dörfchen und darüber die Bergkette, Ausläufer des Ebbegebirges nach der Lenne hin. Eine große Front bildet der Kalksteinbruch Biggen, der früher bis an den Fluß reichte.“ Dass Genau auch die wirtschaftliche Situation der damaligen Gegenwart im Blick hat, verrät sein Kommentar zu gleich vier Fotos, die das stillgelegte Biggener Kalkwerk dokumentieren: „1930 war das Todesjahr der ehemals blühenden Kalkindustrie, die zahlreichen Arbeitern Brot gab. Notzeit, Zusammenschlüsse bewerkstelligten den Untergang.“

Von Helden kehrt die Bildreihe zurück ins Biggetal: Zum Motiv „Blick über das Biggetal von Schnellenberg aus“ heißt es:

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jektiven Sicht eines interessierten Besuchers in Bild und Schrift manches heimatkundliche Detail festgehalten hat. Obwohl von der Forschung heute an einigen Stellen überholt, entfaltet Heinrich Genaus Stadtporträt auch oder gerade fast 80 Jahre später noch einen besonderen Reiz, illustriert es doch, wie komplex das Verhältnis von Kontinuitäten und Brüchen in der Stadtentwicklung Attendorns seit den frühen 1930er Jahren gewesen ist.

„Biggetal, Kalkindustrie“. Foto: H. Genau/ LWLMedienzentrum für Westfalen

Auch das letzte Bildmotiv aus dem Attendorner Stadtgebiet rückt die Industriegeschichte in den Fokus.

Unter www.bildarchiv-westfalen.lwl.org ist die gesamte Bildreihe ebenso wie fast alle anderen heimatkundlichen Bildreihen der ehemaligen Bezirksbildstelle Arnsberg online ansehbar. Für Hinweise, die eine exaktere Dokumentation der Fotografien im Hinblick auf Entstehungsdaten und dargestellte Örtlichkeiten, Persönlichkeiten oder Ereignisse ermöglichen, ist das LWLMedienzentrum für Westfalen dankbar. Übrigens ist Attendorn auch mit ganz aktuellen Fotografien im OnlineBildarchiv Westfalen vertreten. Seit dem Frühjahr 2010 fertigt eine Fotografin des LWL-Medienzentrums unter Beratung der Kreisheimatpflegerin und der Vorsitzenden des Kreisheimatbundes eine landeskundliche Fotodokumentation über den Kreis Olpe an. Und einige der insgesamt 2.600 Motive, die im Zuge des Fotowettbewerbs „Westfalen entdecken“ im Sommer 2010 beim LWL-Medienzentrum eingingen, werden ebenfalls bald Eingang ins Bildarchiv finden. In dem Anfang Dezember erschienenen Bildband „Westfalen entdecken“, der die 131 schönsten Fotografien des Wettbewerbs vereint, ist das südliche Sauerland bereits mit einer Anzahl markanter Motive vertreten.

„Borghausen, Marmorschneiderei“. Foto: H. Genau/ LWL-Medienzentrum für Westfalen

Es zeigt die „Marmorschneiderei“ in Borghausen: „1885 erbaute eine Siegener Gesellschaft das Marmorwerk Borghausen, heute ist der Betrieb im Besitz der Westf. Marmor- und Granitwerke. Größere Blöcke werden zur Verarbeitung als Marmor gewonnen, Abfälle und kleinere Stücke finden Verwendung in der Kalkindustrie. Es werden dort nicht nur die einheimischen Marmorsorten, sondern auch sämtliche im Handel gebräuchlichen Marmorsorten des Auslandes für Gebrauchsgegenstände der Möbel- und Bauindustrie verarbeitet.“ Mit diesen Sätzen endet eine fotografische Stadtwanderung, die aus der sub- 35 -


100 Jahre Traditionshaus „Schnaps-Kost“ am Kirchplatz Ein Erinnerungstext von Guido und Nicole Kost

Seit der Gründung der Firma „Schnaps-Kost“ im November 1909 sind inzwischen mehr als 100 Jahre vergangen. Wussten Sie eigentlich, dass die Geschichte des Hauses „Schnaps-Kost“ am Kirchplatz 3 schon rund 25 Jahre vorher begann, also im Jahre des Herrn 1884/85. Nein? Dann laden wir Sie herzlich ein, uns auf eine kleine Zeitreise zu begleiten.

Im Sommer des Jahres 1886 erwarb Herr Dechant Pielsticker für 2100 Mark das Grundstück neben dem Pfarrhaus. Mit weiteren 6000 Mark, bereitgestellt durch den Dechanten, war der Aufbau des Hauses gesichert. Die feierliche Grundsteinlegung des Gebäudes erfolgte am 23. September 1886 und im Winter desselben Jahres war der Rohbau fertig gestellt.

So begab es sich, dass in einer allgemeinen Pfarrkonferenz in Attendorn der damalige Dechant Bernard Pielsticker seinen Plan zur Errichtung eines Gymnasialkonvikts mitteilte. Mit einer Spende von 4600 Mark, die am 25. August 1885 erfolgte, wurde der Grundstock zur Gründung der Erziehungsanstalt gelegt. Der damalige Bischof von Paderborn beschloss, das Attendorner Konvikt „Bernardinum“ zu nennen.

Herr Dechant Pielsticker konnte die Vollendung seiner grandiosen Idee nicht mehr miterleben, denn zum Bedauern vieler Attendorner verstarb er am 12. April 1887 und wurde unter großer Anteilnahme zur letzten Ruhe getragen. Herr Professor Werra übernahm die aufwändige Bauleitung des Konvikt-Gebäudes, welches schon im darauf folgenden Herbst fertiggestellt wurde. Die Einrichtung des Hauses konnte nun erfolgen.

Knabenkonvikt Bernardinum I

Schon im Sommer des Jahres 1887 erwarb Herr Professor Werra ein weiteres Haus, das sogenannte Wilmes‘sche Haus (Bernardinum II), wel-

Dechant Bernard Pielsticker

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ches am 23. September 1887 eröffnet wurde.

Insgesamt 93 Schüler lebten 1895/96 nun in den beiden Gebäudekomplexen, 43 im Bernardinum I und 50 im Bernardinum II. 1896 wurde entschieden, das Gebäude Bernardinum II dem Franziskanerorden zu überlassen. Vikar Lex siedelte mit den Jungen in das Gebäude Bernardinum I über. Von nun an wohnten, lebten und arbeiteten alle unter dem gleichen Dach. Ostern 1897 wurde Seminarpriester Wilhelm Steinbrück zum neuen Präses des Konvikts ernannt und im gleichen Jahr zogen die Schwestern der Christlichen Liebe in das Gebäude mit ein. Durch ihre Mitarbeit konnte der reibungslose Verlauf des Alltags gewährleistet werden.

Die Leitung dieses Hauses, mit damals sechs Schülern, übernahm zu diesem Zeitpunkt Herr Professor Dr. Sasse. Weitere Leiter dieses Hauses waren der Kandidat Vente, Dr. Josef Burg (erster Geistlicher Präses) und Vikar Lex. Zur gleichen Zeit zogen nun neun Schüler in das Knabenkonvikt Bernardinum I ein. Für fast elf Jahre übernahm Rektor Caspar Papencordt die Leitung des Hauses. Nur drei Jahre später - Ostern 1890 lebten und arbeiteten in beiden Häusern 47 Schüler. Durch die weiter steigende Schüleranzahl, sahen sich die Verantwortlichen dazu veranlasst, zum einen das Gebäude Bernardinum II im Sommer des Jahres 1891 durch einen Neubau zu erweitern (hier hatten nun insgesamt 33 Schüler ihre Unterkunft). Zum anderen wurde durch eine Gebäudepachtung im Jahre 1892 im Bernardinum I für nun insgesamt 42 Schüler eine Unterkunft geschaffen. Im Dezember des gleichen Jahres wurde die der Stadt gehörende Klosterkirche als weitere Unterkunft hinzugepachtet und nach Umbauarbeiten im Frühjahr 1893 bezogen.

Professor Clemens August Werra (oben) Rektor Caspar Papencordt (links) Rektor Otto Lex (rechts) Präses Wilhelm Steinbrück (unten)

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Der damals amtierende Rektor Caspar Papencordt verstarb im Juli 1899. In diesem Jahr entstand der Entwurf zur Neuerrichtung eines Knabenkonviktes an einem anderen Standort. Die Verwirklichung dieses Planes musste noch bis 1905 ruhen. Die fehlenden Mittel, um ein solches Unternehmen ausführen zu können, stellte der damalige Reichsgraf Ignatz von LandsbergAhausen in Form eines Darlehens gegen eine mäßige Verzinsung zur Verfügung. Als Standort des neuen Konvikt-Gebäudes wurde der Himmelsberg gewählt. Schon im darauf folgenden Jahr, am 06. März 1906, erfolgte durch Pfarrer Hellhake der erste Spatenstich. Während der gesamten Bauphase kam es zu keinerlei Unfällen und am 01. April 1907 war das stolze, palastähnliche Gebäude fertig gestellt.

nicht überliefert, warum er sich das Destillateur-Handwerk auswählte, wichtig jedoch ist, aus heutiger Sicht betrachtet, dass er dieses tat. Er besuchte die Destillateur-Fachschule in Aschaffenburg und bestand die Abschlussprüfung. Mit dem Erwerb des alten Konvikt-Gebäudes am 27. Februar 1907 schuf Fritz Kost zwei wichtige Grundvoraussetzungen. Zum einen hatte er eine Wohnstätte für seine Familie gefunden und zum anderen seinen neuen Arbeitsplatz geschaffen. Aber so einfach gestaltete sich sein Vorhaben, seine hergestellten Liköre zu verkaufen und in einem kleinen Schankbetrieb anzubieten, nicht. Seine offiziellen Anfragen wurden auf Grund der Nähe zur Kirche und der Vorgeschichte des Hauses „Am Kirchplatz 3“ immer wieder untersagt.

Die feierliche Einweihung übernahm Dechant Sauer-Helden aus Paderborn. Präses Wilhelm Steinbrück dankte all den Helfer, die dazu beigetragen hatten, dass das neue Knabenkonvikt errichtet werden konnte. Bis zu diesem Tage hatten bereits 128 Schüler das Abitur erfolgreich abgeschlossen. Und nun erst beginnt die eigentliche Geschichte des Hauses „SchnapsKost“ am Kirchplatz. Das Haus „Schnaps-Kost“ kann seit dem 18. November des Jahres 2009 nun auch schon auf eine 100jährige Erfolgsgeschichte zurück blicken. Begonnen hat alles damit, dass der am 21. Mai 1877 geborene Fritz Kost nach einem Arbeitsunfall sein Schreinerhandwerk nicht mehr ausüben konnte. Deshalb musste er nach einer neuen Beschäftigung suchen. Leider wurde

Fritz Kost. Foto: Privat

Dies änderte sich erst im Jahre 1909, denn nun wurde ihm erlaubt, seine Liköre doch zu verkaufen. Der offizielle Startschuss fiel am 18. November 1909 in einem Verkaufsraum, der sich im Erdgeschoss des sogenannten „Turmes“ des Hauses befand. Nach einigen Jahren des Bestehens ent- 38 -


schloss sich Fritz Kost, die Räumlichkeiten innerhalb des Gebäudes zu wechseln. Nach Umbauarbeiten wurde in die heute noch benutzten Räumlichkeiten umgezogen. Das komplette und noch voll funktionsfähige Mobiliar hatte er auf seiner Werkbank geschreinert. Diese Werkbank ist heute noch im Weinkeller zu bewundern. Er leitete dies Geschäftsgebaren bis in das Jahr 1962.

bezog er unter anderem von der Westfälischen Essenzenfabrik in Dortmund, der Firma Haarmann und Reimer in Holzminden sowie von der Firma Teeklipper in Bremen. Der ein oder andere wird sich vielleicht noch erinnern oder gehört haben, von den guten Dingen aus dem Hause „SchnapsKost“, die da reichten von Mocca-Likör bis hin zum Boonekamp und dem „Attendorner Tropfen“.

Nun übernahm sein Sohn Friedel Kost zwar die Geschäftsführung, jedoch sein Enkel Dieter Kost stellte zu diesem Zeitpunkt schon alle Liköre und Spirituosen selbständig her.

Dieter Kost. Foto: Privat

Friedel Kost. Foto: Privat

Dieter Kost hatte, genau wie sein Großvater, das Destillateur-Handwerk in Dortmund erlernt. 1956 begann er als 16jähriger Bub seine Ausbildung, die er 1959 sehr erfolgreich abschloss. Nachdem er wieder nach Attendorn zurückgekehrt war, nahm er bauliche Veränderungen in den alten Kellergewölben vor. Er errichtete ein Labor, in dem er die Liköre und Spirituosen professionell herstellen konnte. In weiteren Kellerräumen schuf er Möglichkeiten, die notwendigen Rohstoffe einzulagern. Die Grundstoffe zur Herstellung seiner inzwischen rund 35 Produkte

Dieter Kost. Foto: Privat

Wie Sie den oberen Textzeilen entnehmen konnten, war es zwischenzeitlich möglich, in den Räumen des Hauses „Schnaps-Kost“ auch die guten Tropfen zu genießen. Die Familien Kost der zweiten und dritten Generation hatten eine Thekenanlage mit Kühlungsmöglichkeiten geschaffen und in einem hinteren Raum eine Trinkstube errichtet. So manches Gläschen wurde dort geleert und so manche Geschichten „vertellt“. Leider schweigen die - 39 -


Wände und geben keine der Geschichten und Anekdoten preis.

Anfang der 1980er Jahre musste eine wichtige Entscheidung im Hause Kost getroffen werden: die Schließung des Herstellungsbetriebes, also des Inbegriffs des gesamten Geschäftsgebarens des Hauses „Schnaps-Kost“. Die Entscheidung ist damals nicht leicht gefallen, aber die steigende Anzahl der Supermärkte und die notwendigen Umbaumaßnahmen bei Weiterführung der Destillationsanlage ließen keinen anderen Entschluss zu.

Frei nach dem Motto „Stillstand bedeutet Rückschritt“ entschied man sich zu weiteren Neuerungen. Anfang bis Mitte der 1970er Jahre wurde die Trinkstube in den gegenüber liegenden Raum des Geschäftes verlegt. Man hatte die Bereiche Geschäft und Verzehr voneinander getrennt. Das Kaufverhalten der Kunden hatte sich verändert, so dass man ein größeres Warenangebot und damit mehr Platz benötigte. So konnte man aber auch beiden Kundeninteressen gerechter werden.

Aber ein guter Geschäftsmann hat immer noch einen Plan B in der Tasche. So auch bei Dieter und Gertrud Kost. Sie hatten sich dahingehend entschieden ihr Warensortiment neu zu strukturieren und zu ergänzen. Den Bereich der Liköre und Spirituosen baute man hochwertig aus, das Weinsortiment wurde immer wieder durch aktuelle Dinge ergänzt und auf ein weltweites Sortiment erweitert. Das gesamte Warensortiment wurde durch Scherzartikel und den einen oder anderen Kunstgewerbegegenstand abgerundet. Im Jahre 1982 verstarb Friedel Kost und nun übernahmen Dieter und seine Frau Gertrud Kost die komplette Geschäftsleitung.

Des Weiteren wurde der Geschäftsraum im „Turm“ des Hauses reaktiviert. Dort entstand der erste Spielsalon der Region. Dieser wurde von Jung und Alt gut frequentiert.

Destillation. Foto: Privat

Und die Geschichte ging weiter: 1992 wurde der Spielsalon geschlossen. Im Jahr 1994 folgte die Schließung der Trinkstube. In diesem Jahr wurden die beiden Räumlichkeiten vermietet. Es entstanden die Geschäfte „Damenoberbekleidung Schäfer“ und die noch heute existierende „Geschenkestube Hömberg“. Die nächsten zehn Jahre zogen dahin und ein Geschäftsnachfolger innerhalb der Familie konnte sich nicht finden lassen, da die beiden Kinder von Dieter und Gertrud Kost in

Labor. Foto: Privat

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ganz anderen Berufsrichtungen ausgebildet waren. Sollte so kurz vor dem hundertjährigen Firmenjubiläum Schluss sein … keine weitere, vierte Generation, die das Geschäft weiter führen wollte oder konnte?

Immer schon im Einzelhandel tätig, besuchte und besucht sie Seminare und Schulungen im In- und Ausland, die ihr das Gebiet der Weine und der Spirituosen näher bringen. Sie eignet sich entsprechendes Fachwissen an, um für ihre Kunden ein fachkompetenter Ansprechpartner zu sein. Neben den traditionell bekannten Produkten im Likör- und Spirituosenbereich über das weltweit reichende Weinsortiment rundet sie ihr Warenangebot mit internationaler Feinkost und Kunstgewerbeartikeln, die das Leben schöner machen, ab. Mit dieser wieder neuen Geschäftsidee hat sie den Anschluss an die vorherigen drei Kost-Generationen gut schließen können. Und so begab es sich, dass am 18. November 2009 das hundertjährige Firmenjubiläum gefeiert werden konnte.

Dieter und Gertrud Kost. Foto: Privat

Aber wie in den letzten Jahrzehnten auch, lag die Lösung ganz in der Nähe. So übernahm im Jahre 2006 Nicole Kost geb. Rath (Frau von Sohn Guido Kost) das Geschäft „Schnaps-Kost“. Am 02. September konnte nach aufwändigen Renovierungsarbeiten und Hinzunahme des Gewölbekellers Eröffnung gefeiert werden.

Und die Geschichte „Schnaps-Kost“ geht weiter……. Wir, also die vierte Generation Kost, sind stolz, die Geschichte des Hauses „Schnaps-Kost“ weiter vorantreiben zu dürfen. Wir versprechen Ihnen allen, dies nach bestem Wissen und Gewissen ganz im Denken unserer Vorfahren zu absolvieren. Wir freuen uns, für unsere Heimatstadt da zu sein, als „Das kleine Fachgeschäft um die Ecke“. Als ein wichtiger Bestandteil des Stadtbildes sind wir immer erfreut, Sie in unseren Geschäftsräumen begrüßen zu dürfen. Es grüßen Sie herzlich Guido und Nicole Kost mit Robin, der vielleicht fünften Generation????

Nicole Kost. Foto: Privat

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125 Jahre Feuerwehr Attendorn Von Uli Johannes

Vorgeschichte

derte die Rückgabe der FeuerlöschGerätschaften innerhalb von drei Tagen. Nunmehr existierte, wie schon in früheren Zeiten, erneut eine Brandwehr, die erst 1885 mit der Gründung der heutigen Jubelwehr aufgelöst wurde.

Am 19. Juni 1882 trafen sich 63 Attendorner Bürger unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Richard Heim, um die Einrichtung »eines Vereins für freiwillige Feuerwehren« zu beraten. Nachdem der Bürgermeister einen Vortrag über den Sinn und Zweck von freiwilligen Feuerwehren gehalten hatte, beschloss die Versammlung einstimmig, eine freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Eine Kommission, bestehend aus den Herren Eduard Viegener, Theodor Turwitt, Joseph Stumpf II., Julius Isphording und Bürgermeister Heim, sollte innerhalb von drei Wochen die Statuten ausarbeiten und vorlegen. Am 24. Juli trafen sich erneut 73 Personen, die zusammen mit dem Bürgermeister die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr vollzogen und folgenden Vorstand wählten:

Gründerjahre Die seit Auflösung der ersten freiwilligen Feuerwehr bestehende Brandwehr war nicht schlagkräftig genug, so wurde es dringend notwendig, erneut über die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr nachzudenken. Am Montag dem 27. April 1885 trafen sich im Gasthof „Ritter“ mehrere Bürger, um in einem neuen Anlauf die freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Am 8. Mai fand eine weitere Versammlung statt, in der die Satzungen festgesetzt und die Wahl des Vorstandes durchgeführt wurden. Demnach wurde der Apotheker Peiffer Hauptmann, Adolf Noll Schriftwart, Eberhard Turwitt Führer der Hydrantenmannschaft, Josef Plange jr. Führer der Spritzenmannschaft, Josef Keimer Führer der Rettungsmannschaft, Josef Wilmes Führer der Ordnungsmannschaft, J. Stumpf II Gerätewart und Bernhard König dessen Stellvertreter.

Hauptmann Eduard Viegener, 1. Stellvertreter Friedrich Bischoff, Gerätewart Julius Isphording, Stellvertreter Bernhard König. Der Bürgermeister bestätigte die Statuten und die Vorstandswahl am 4. August. Am 13. August konnte die erste Generalversammlung der neugegründeten Wehr stattfinden, in die sich 101 Mitglieder aufnehmen ließen. Ein Jahr später (1883) konnte das neue Spritzenhaus am Feuerteich übergeben werden. Jedoch zeichneten sich schon bald die ersten Krisen ab, der Bürgermeister war mit den Einsätzen im Brandfall nicht zufrieden. Schließlich löste der Magistrat die Wehr am 1. September 1883 wieder auf und for-

Der größte Brand, den die neu gegründete Wehr zu bekämpfen hatte, war am 2. September 1889, als die Burg Schnellenberg brannte. Der untere Teil des Schlosses brannte vollständig nieder. Das Hauptgebäude konnten die Wehrmänner aber unter großem Einsatz noch retten. Als Trophäen wurden die zwei eisernen Ritter (die an - 42 -


den beiden Ecktürmen der Burg angebracht waren) mit heimgebracht. Sie zierten später den ersten wie den zweiten Steigerturm.

den Umständen der Zeit entsprechend, festlich, aber doch einfach begangen.

Der erste Steigerturm auf dem Feuerteich wurde im Jahre 1889 fertig gestellt. Im Jahr 1891 erhielt die Feuerwehr ihre erste Fahne, welche über beide Weltkriege gerettet werden konnte und noch heute existiert. Am 15. August 1891 trat die Wehr dem Westfälischen Feuerwehrverband bei. 1894 trat die Wehr dem Altenaer Kreisverband bei, da im Kreis Olpe keine weitere freiwillige Feuerwehr existierte.

Die angetretene Wehr zum Jubelfest 1935.

Am Samstag, dem 1. Juni 1935 fand im Dingerkus‘schen Saale ein Festkommers in Anwesenheit von Bürgermeister Schütte, Amtsbürgermeister Contzen, Ortsgruppenleiter Becker und den Vertretern der verschiedenen Formationen, Ratsherren, Kameraden der Altersabteilung und Jubilaren Eduard Bruse und Josef Keimer statt. Am Sonntag legte Oberbrandmeister Peiffer nach dem feierlichen Hochamt im Sauerländer Dom einen Kranz am Kriegerehrenmal nieder, der planmäßig die Tagung des Kreisfeuerwehrverbandes folgte. Ein Festzug mit über 600 Feuerwehrleuten endete mit einer großangelegten Schauübung der Attendorner Feuerwehr auf dem Feuerteich.

Am 5. Juni 1898 fand das Kreisverbandsfest der freiwilligen Feuerwehren des Kreises Altena in Verbindung mit dem 13. Stiftungsfest der Attendorner Feuerwehr, in Attendorn statt. Im Jahr 1909 wurde der erste Steigerturm abgerissen, da er durch Witterungseinflüsse baufällig geworden war. Noch im gleichen Jahr wurde der zweite Steigerturm erbaut und stand bis zum Jahr 1957 am Feuerteich. In den Folgejahren mussten die Wehrmänner immer wieder Brände und Hochwasser bekämpfen.

Den größten Einsatz hatte im Jahr 1937 die Wehr am 28. April zu leisten. Die städtische Chronik schreibt hierzu: »Morgens 5 Uhr erscholl Feuerlärm. Das Fabrikanwesen der Firma Matthias Kutsch stand in Flammen. Die Löscharbeiten der Feuerwehr dauerten fast den ganzen Tag. Die Dachstühle des alten und des neueren Fabrikteils und die Decken wurden vollständig vernichtet. Etwa 60 Arbeiter und Arbeiterinnen sind für einige Zeit arbeitslos. Außerdem sind große Werte, auch an

Vom Kaiserreich zum Tausendjährigen Reich 1935. Die Wehr rüstete sich jetzt, ihr 50. Stiftungsfest zu begehen. Sie hatte bei 98 Feuern, darunter 15 Großfeuer und bei 31 Waldbränden eingegriffen, zwei Mal wurde sie bei Hochwasser und drei Mal bei Eisgang gerufen. Auch sonst war sie immer zur Stelle, sei es im Kriege zum Abtransport von Verwundeten oder zu Absperrungen. Das 50jährige Bestehen der Wehr wurde, - 43 -


fertigen und halbfertigen Fabrikaten, vernichtet«.

enbrände traten nun immer mehr in den Vordergrund, der Brand im Gerlinger Walzwerk 1959 mag ein Beispiel dafür sein. Immer häufiger traten auch Ölunfälle, verbunden mit der Verschmutzung der Umwelt, insbesondere der Gewässer, auf. Vorbei die Zeit, in der die Feuerwehr nur ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht zu werden brauchte, der Bekämpfung der Naturgewalten Feuer, Wasser und Sturm, die in unkontrolliertem Ausmaß so oft Not und Elend über die Menschen brachten.

Der Zweite Weltkrieg (1939 – 1945) Die Struktur der Wehr änderte sich insofern, als zukünftig gemäß höherer Verordnung eine Einsatztruppe für auswärtige Einsätze bestand. Sie wurde erstmals nach einem Fliegerangriff in Wuppertal-Barmen am 30. und 31. Mai, sowie in Köln am 29. und 30. Juni eingesetzt. Gegen Ende des II. Weltkrieges wurde der Einsatz der Feuerwehr immer härter und gefährlicher. So erfolgte am 16. Februar ein Fliegerangriff auf den Personenzug Attendorn-Finnentrop mit Bordwaffenbeschuß, wobei 16 Menschen starben und außerdem etliche Personen verwundet wurden. Die Feuerwehr half, auch auf die Gefahr weiterer Luftangriffe, mit zwei Fahrzeugen beim Verwundetentransport.

Das große und mit Sicherheit »teuerste« Hochwasser, welches unsere Stadt erlebte, setzte am 5. Dezember 1965 große Teile der Innenstadt unter Wasser. In einer »Interessengemeinschaft Hochwassergeschädigter« wurden später Entstehungsursachen und Auswirkungen in jahrelangen Gesprächen mit der Stadtverwaltung erörtert. Hierzu näher Stellung zu beziehen ist sicherlich nicht Aufgabe der Feuerwehr. Über den eigentlichen Hochwassereinsatz vom 5. bis 8. Dezember 1965 gibt es einen ausführlichen Bericht des Wehrführers Höffer, welcher hier in fast ungekürzter Form wiedergegeben wird. Bericht über den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren beim Hochwasser in Attendorn am 5. bis 8. Dezember 1965:

Die Wehr 1945 – 1960 »Dieses Jahr dürfte wohl das an überwältigenden Ereignissen schwerste sein, welches wir je hatten« Mit diesen Worten beginnt der Jahresbericht des Kommandanten, Oberzugführer Josef Bieker für das Jahr 1945. Am 2. Juni 1948 wurde das »Gesetz über den Feuerschutz im Lande Nordrhein-Westfalen« erlassen, welches am 1. Oktober in Kraft trat, und die gesetzlichen Grundlagen des Feuerschutzes neu regelte.

Die erste Meldung über Hochwasser erfolgte durch einen Anwohner der Windhauser Straße im Feuerwehrhaus Attendorn um 17.48 Uhr. Die Meldung wurde vom Gerätewart an den Leiter der Wehr weitergegeben. Dieser besichtigte die Schadensstelle und stellte fest, dass die Deckel der Kanalisation hochgedrückt waren und das Wasser in die angrenzenden Keller floss.

1960 – 1969 Brandbekämpfung – Techn. Hilfeleistung – Umweltschutz Zu Beginn der sechziger Jahre sah es allgemein im Kreis Olpe so aus, dass für die neuartigen Hilfeleistungen entsprechende Geräte und Ausrüstungen fehlten. Kunststoff-, Öl- und Chemikali- 44 -


Als er durch einen Einsatz (stillen Alarm) mögliche Schäden abwenden und in die Keller eingeflossenes Wasser auspumpen wollte, wurden von der Polizei weitere Überflutungen und durch Sturm umgestürzte Bäume als Verkehrshindernisse auf den Straßen gemeldet.

Von der Feuerwehr Attendorn waren im Einsatz: 56 Feuerwehrmänner sowie folgendes Gerät: 1 LF16, 1 TLF16, 1 LF/16 TS, 1 Unimog, 1 LF8, 1 Rüstwagen, 3 TS 8 und 1 TS 2/5. Hauptsächlich wurde Hilfe durch Pumpen, Abdichten usw. dort geleistet, wo Aussicht bestand, dass der Schutz noch wirksam war. Durch Überflutung der Elektropumpen beim Hebewerk des Sammelschachtes der Kanalisation (Märchenbrunnen) wurden diese außer Betrieb gesetzt, hierdurch wurde der Abzug der Wassermassen noch weiter gehemmt.

Hierauf erfolgte Alarm der gesamten Wehr am 5. Dezember 1965 um 18.04 Uhr. Jetzt stand bereits die Windhauser Straße ab Brücke Friedhof unter Wasser; die Wassermassen ergossen sich in die Innenstadt und überfluteten Straßen und anliegende Keller. Da die Möglichkeit bestand, dass Menschenleben in Gefahr gerieten, wurde zuerst das Stadtgebiet mit 5 Einsatzwagen abgefahren um notwendige Rettungsaktionen durchzuführen. Hierbei wurden einige voll besetzte Personenwagen, welche in der überfluteten Windhauser Straße sich in einem aufgeworfenen Graben festgefahren hatten, und sich nicht mehr retten konnten, geborgen.

Um einen Abzug des ansteigenden Wassers zu ermöglichen, wurde über das Grundstück Dingerkus im Niedersten Tor ein Graben gezogen, welcher das Wasser in den Mühlengraben ableitete. Durch Hilfsorganisationen herangeschaffte und gefüllte Sandsäcke wurden an gefährdeten Stellen eingebracht. Eine neue Lage entstand, als die Fernsprechverbindungen der Post durch Überflutung der Anlagen ausfielen. Die Nachrichten wurden jetzt über Polizeifunk vermittelt und die Einsatzleitung in die Polizeistation Attendorn verlegt. Durch Kontrolle wurde festgestellt, dass das Wasser an einzelnen Stellen sank, daher wurden vorerst keine weiteren Maßnahmen angeordnet, zumal die Kellerräume der Innenstadt bereits überflutet und keine zusätzlichen Schäden zu befürchten waren. Als jedoch die Wasserhöhe wieder anstieg, wurde von der Einsatzleitung um 21.30 Uhr beschlossen, die Betondecke auf dem Biekegang zu öffnen, um den Wassermassen eine Vorflut zu schaffen. Nachdem ein Bagger und ein Kompressor herangeschafft waren,

Andere Trupps hatten die Verkehrshindernisse auf der Heldener- und Windhauser Straße beseitigt. In Zusammenarbeit mit der Polizei musste nun erreicht werden, den Straßenverkehr durch Absperrungen der überfluteten Straßen und Umleitungen aufrecht zu halten, welches in verhältnismäßig kurzer Zeit gelang. Da es durch weite Ausdehnung der Schadensstellen nicht mehr möglich war, die Einsätze örtlich zu leiten, wurde zuerst im Gerätehaus, da sich dieses aber als unzulänglich und nicht geeignet erwies, im Gasthaus »Zum Löwen« eine zentrale Einsatzleitung für die Feuerwehr eingerichtet und von hier aus alle Einzeleinsätze angeordnet. - 45 -


bracht) stand noch der HilfsRüstwagen der Wehr. Die Drehleiter war in einer unbeheizten Garage des städtischen Bauhofes am Zollstock untergebracht, das Ölwehrfahrzeug stand in einem Schuppen hinter dem Krankenhaus, Ölbindemittel etc. lagerten bei der Stadtverwaltung und die beiden zugewiesenen ZB-Fahrzeuge, VLF-Unimog und LF16 TS, befanden sich in der ZB-Garage hinter dem Parkplatz der Atta-Höhle.

wurde gegen 23.00 Uhr die erste Öffnung über den Biekegang am Rosenhof hergestellt. Hierbei wurde eine Verstopfung des Bachlaufes hinter der Öffnungsstelle festgestellt. Nach der Beschaffung eines schwereren Baggers, wurde die Betondecke weiter abwärts geöffnet und ein Abziehen des Wassers festgestellt. Um die Innenstadt von dem gestiegen Hochwasser frei zu machen, wurden am Sammelbrunnen 8 Pumpen mit einer Förderleistung von rd. 170 m³/min. eingesetzt. Trotz dieser Leistung fiel der Wasserspiegel nur sehr langsam. Mit Tagesanbruch am Montag, 6. Dezember 1965 wurden noch die Wehren aus Olpe, Heggen, Helden, Listerscheid und Neu-Listernohl mit 88 Mann und 12 Pumpen zur Hilfeleistung eingesetzt. Außerdem waren noch zwei Tauchpumpen von Bauunternehmungen im Einsatz. Dieser Einsatz dauerte noch bis in die Morgenstunden des 7. Dezember 1965. Die Rest- und Aufräumungsarbeiten, sowie Kontrollgänge und Wachen wurden von der Attendorner Wehr am Dienstag und Mittwoch, 7. und 8. Dezember 1965, ausgeführt.

Altes Gerätehaus am Feuerteich

1969 – 1984 Grundsteinlegung Feuerwehrhaus

für

ein

neues

Am 07. Dezember 1968 erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Feuerwehrhaus an der St. Ursula-Straße. Am letzten Tag seiner Amtszeit legte Wehrführer Robert Höffer den Grundstein dafür. Der Rat der Stadt Attendorn beschloss damals einstimmig, dass Robert Höffer die Uniform auf Lebenszeit tragen darf. Nachfolger von Robert Höffer wurde Hermann Gante.

Attendorn, 15. Dezember 1965 gez. R. Höffer Hauptbrandmeister Das jedoch alles beherrschende Thema jener Jahre war der Neubau eines Feuerwehrhauses. Im Gerätehaus am Feuerteich konnten nicht mehr alle Fahrzeuge und Geräte untergebracht werden. Es standen hier die Fahrzeuge TLF16, LF15, LF8. Im Umkleideraum (hier waren die persönlichen Ausrüstungsgegenstände wie Helm, Hakengurt, Arbeitsanzug etc. unterge-

Am 01. Juli 1969 trat die kommunale Neugliederung in Kraft. Hiermit wurde das Amt Attendorn, bestehend aus den Gemeinden Attendorn-Land und Helden, aufgelöst. Die Löschgruppe Heggen wurde der Gemeinde Finnentrop, die Löschgruppe Oberveischede der Stadt Olpe zugeschlagen. Die Wehr - 46 -


bestand 1969 aus 244 aktiven Mitgliedern, 32 des Musikzuges Attendorn, 20 des Musikzuges Ennest, 17 des Spielmannszuges Listerscheid und 88 Mitgliedern der Alters- und Ehrenabteilung.

halle. 21 Kameraden waren fast 8 Stunden im Einsatz. Am 21. Juni 1978 kam es zu einem der größten Brände in der Geschichte der Attendorner Feuerwehr. Bei der Fa. Viega war ein großes Schadenfeuer zu bekämpfen. Alle Einheiten aus Attendorn und Olpe wurden eingesetzt. Insgesamt 185 Feuerwehrleute mit 20 Fahrzeugen waren beteiligt.

Am 11. Januar 1970 wurde Oberbrandmeister Karl Rameil zum Löschzugführer gewählt. Dieses Amt bekleidete bis dahin Wehrführer Hermann Gante. Am Abend des Rosenmontag 1970 brannte das Firmengebäude der Fa. Matthias Kutsch. Trotz der nachbarschaftlichen Löschhilfe aus Olpe und Finnentrop konnte ein Totalschaden des Gebäudes nicht verhindert werden. Am 19. Dezember 1970 konnte der Löschzug aus dem alten Feuerwehrhaus am Feuerteich in das neue Gebäude umziehen. Bereits im Jahr 1972 wurde im Feuerwehrhaus die Atemschutzwerkstatt eingerichtet. Am 16. Dezember 1972 fand die erste Jahresdienstbesprechung auf Stadtebene in der Stadthalle Attendorn statt. Diese sollte von nun an am Samstag vor dem 1. Adventssonntag abwechselnd in den verschiedenen Standorten durchgeführt werden.

Brand bei Viega - Einsatz am Ennester Weg

Brand der Firma Viega

Am 17. Januar 1979 wurde die Atemschutzübungsstrecke vom Kreis Olpe an die Stadt Attendorn übergeben. Die Löschgruppe Windhausen erhielt ein TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug), der Löschzug Attendorn einen SchaumWasserwerfer auf einem Anhänger. Die ersten 12 Funkmeldeempfänger bekam der Löschzug Attendorn 1981, durch den Bund wurde ein neues LF 16-TS zur Verfügung gestellt. Im Jahr 1982 beschaffte man einen Schlauchwagen SW 2000. Das neue Feuer-

Aus gesundheitlichen Gründen trat am 01. April 1977 Karl Rameil als Löschzugführer zurück. Bis zur Jahresdienstbesprechung am 10. Dezember übernahm Hermann Gante die Leitung. Auf dieser Dienstbesprechung wurde Berthold Müller zum neuen Löschzugführer gewählt. In Ennest und Lichtringhausen wurden Feuerwehrhäuser in Fertigbauweise errichtet. Am 17. September 1977 brannte es im Kellergeschoß der Attendorner Stadt- 47 -


wehrhaus in Windhausen konnte 1983 bezogen werden, 1984 erhielt der Löschrettungszug im Katastrophenschutz einen RW 1 (Rüstwagen). Standort wurde Attendorn.

dentreffen Dienstags mit über 230 Teilnehmern folgte Mittwochsabends eines der Highlights: Die Ochsenfurter Blasmusik unter der Leitung von German Hofmann sowie das VolksmusikDuo Marianne und Michael sorgten für eine tolle Stimmung im Festzelt auf dem Feuerteich. Mit über 1.400 Gästen war das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt. Am Donnerstag führte der Musikzug der Feuerwehr Attendorn ein Frühschoppenkonzert im Festzelt durch.

Ein Raub der Flammen wurden am 14. November 1984 die Werkstatt, Lager& Ausstellungsfläche des Möbelhauses Keimer. Auch das angrenzende Möbelhaus Hesse wurde vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen. Die Feuerwehr wurde um 2.25 Uhr über die Sirene alarmiert. Neben dem Löschzug Attendorn wurden auch später die Löschgruppen Listerscheid, NeuListernohl und Helden zum Einsatzort gerufen. Auch die Feuerwehr Olpe rückte mit mehreren Fahrzeugen aus um die Kameraden aus Attendorn zu unterstützen. Insgesamt waren in dieser Nacht 140 Wehrmänner im Einsatz.

Der Freitagabend stand ganz im Zeichen des offiziellen Festaktes zum Jubiläum. Viele Attendorner Vereine trugen zum Gelingen bei. Mit dem Kreisfeuerwehrtag nahte samstags bereits das Ende einer tollen Festwoche, die natürlich nicht ohne einen großen Festzug zu Ende gehen durfte. Über 60 Fahrzeuge und Geräte sowie 10 Musik- und Spielmannszüge beteiligten sich am großen Umzug durch die Hansestadt, welcher von vielen Tausend Besuchern besucht wurde.

Jubiläum 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Attendorn Dieser runde Geburtstag wurde gefeiert vom Samstag, dem 11. Mai 1985 bis Sonntag, dem 19. Mai 1985. Eine ganze Woche also stand im Zeichen der Attendorner Feuerwehr. Und geboten wurde so einiges: Mit einer Kranzniederlegung am Ehrenmal und einem anschließenden Feldgottesdienst auf dem Gelände der Feuerwehr begannen die Festlichkeiten. Den Sonntag nutzte man dazu, der Attendorner Bevölkerung die Räumlichkeiten und Fahrzeuge im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ zu präsentieren.

Umzug zum 100jährigen Bestehen

Bedeutende Einsätze ab 1985 Brand Leitges am 11. Januar 1993 Zu einem der größten Einsätze in ihrer Geschichte wurde die Feuerwehr Attendorn in den frühen Morgenstunden des 11. Januar 1993 gerufen.

Eine Vielzahl an Ausstellungen in insgesamt zehn Geschäften und Ladenlokalen Attendorns startete am Montag, dem 13. Mai. Nach dem Alterskamera- 48 -


Ein Großfeuer vernichtete an diesem Tag das Wohn- und Geschäftshaus Leitges am Alten Markt vollständig und richtete im benachbarten Betten- und Aussteuerhaus Brake großen Sachschaden an. Personen wurden nicht verletzt. Das Feuer brach in einer türkischen Grillstube im Erdgeschoß des Gebäudes aus. Der Großbrand wurde durch Brandstiftung ausgelöst. Ermittler des Landeskriminalamtes Düsseldorf fanden Brandbeschleuniger in den Überresten der Grillstube. In dieser Nacht nahmen 157 Feuerwehrmänner mit 16 Fahrzeugen und drei Drehleitern den Kampf gegen den roten Hahn auf. Gegen 6.30 Uhr war das Feuer dann endlich unter Kontrolle. Die Nachlöscharbeiten zogen sich bis zum späten Nachmittag hin.

teiligt. Nachdem der Dachstuhl eingestürzt war, drohte auch das restliche Gebäude einzustürzen. Das THW und die Feuerwehr begannen am Abend das ca. 10 x 20 m Grundfläche umfassende Gebäude mit Baggern abzutragen, um zu weiteren Brandherden vorzudringen. Verkehrs-Unfall mit Schienenfahrzeugen Zu einem schlimmen Unfall kam es am 18. Oktober 2003 auf dem Bahnübergang Wassertor, gegenüber dem Hallenbad. Zwei 68 und 69 Jahre alte Fußgängerinnen wurden innerhalb weniger Sekunden von zwei herrenlosen Arbeitswaggons erfasst, überrollt und getötet. Acht weitere Personen - darunter drei Kinder - wurden schwer verletzt.

Großbrand einer Lagerhalle Die Attendorner Sirenen heulten am 29. März 2002 um 14.15 Uhr in die Karfreitagsstimmung. Es brannte die Lagerhalle des Autozubehörhandels „ansa“ .Menschen kamen nicht zu Schaden, aber die Lagerhalle wurde vollständig zerstört. Mehrere Stunden kämpften die Wehrleute gegen die Flammen und sorgten dafür, dass der Brand nicht auf andere Gebäudeteile übergriff. Im unteren Geschoss lagerten Reifen, Lacke, Kühlmittel und Öle. Gegen 16.30 Uhr war das Feuer unter Kontrolle, die Feuerwehr war allerdings bis in die Morgenstunden des 30. März im Einsatz.

Verkehrsunfall Wassertor

Laut Angaben der Polizei war die Ursache für die Tragödie wohl menschliches Versagen. Um einen Waggon 20 Meter zu versetzen, sollen Bauarbeiter den am Gleis festgeschraubten Bremsschuh gelöst und dann vergessen haben, ihn wieder zu befestigen. Zwei Arbeitswaggons hatten sich von der Baustelle an der Listertalbrücke, die gut vier Kilometer vom Bahnübergang in Attendorn entfernt ist, in Bewegung gesetzt. Über die abschüssi-

Vor Ort waren alle acht Einheiten der Attendorner Wehr sowie u.a. die Drehleiter und der Messzug Olpe, die Drehleiter Bamenohl, die Feuerwehren aus Heggen und aus Meinerzhagen und die Drehleiter Plettenberg. Alles in allem waren über 300 Einsatzkräfte be- 49 -


gen Gleise rollten sie in Richtung Attendorn. Weil der beschrankte Übergang am Hallenbad außer Funktion war, konnten sich die Schranken nicht schließen. Beim Überfahren des Bahnübergangs kollidierten die Waggons mit zwei Pkws. Der komplette Kreuzungsbereich musste während der Unfallaufnahme durch die Feuerwehr abgesperrt werden. Der Einsatz dauerte bis 16.00 Uhr.

Industriebrand Eckenbach

im

Industriegebiet

Die Löschzüge aus Attendorn und Ennest wurden am 22. Februar 2010 um 3.44 Uhr, später auch aus Listerscheid und Neu-Listernohl, zu einem Industriebrand alarmiert. Ein galvanischer Betrieb im Industriegebiet Eckenbach brannte. Fast 200 Einsatzkräfte, darunter die Drehleitern aus Bamenohl und Plettenberg, der GW Mess und das TLF 24/50 der Feuerwehr Olpe, das ABC-Erkunderfahrzeug der Feuerwehr Siegen, sowie der ELW 2 des Kreises Olpe, waren im Einsatz. Für die Versorgung der Einsatzkräfte sorgte das DRK. Ebenfalls vor Ort war das THW.

Orkan Kyrill Zu insgesamt 105 Einsätzen wurden alle Einheiten der Attendorner Feuerwehr gerufen, als der Orkan Kyrill am 18. und 19. Januar 2007 über Deutschland hinwegfegte. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kreises Olpe wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Wohnungsbrand Schwalbenohl Insgesamt vier Personen mussten bei einem Wohnungsbrand in der Flensburger Straße am 7. Februar 2008 über die Drehleiter gerettet werden. In der Nacht des 7. Februar um 01.26 Uhr wurde der Löschzug Attendorn alarmiert. Eine Familie mit 2 Kindern konnte sich auf den Balkon ihrer Wohnung retten. Die ebenfalls alarmierten Kräfte des DRK übernahmen die Versorgung der verletzten Personen.

Industriebrand bei der Firma Damm Oberflächentechnik

Die Wehrführer der Feuerwehr Attendorn

Wohnungsbrand in der Flensburger Straße im Februar 2008

Emil Peiffer sen., 1885 – 1888

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Josef Keimer, 1888 – 1901

Josef Bieker, 1939 – 1953

Wilhelm Sohler, 1901 – 1904

Robert Höffer, 1953 – 1968

Hermann Gante, 1968 – 1986

Emil Peiffer jun., 1904 – 1936

Berthold Müller, 1986 – 2008

Hermann Bethke, 1936 – 1939

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zu wollen. Es wurden folgende Personen im Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender Werner Johannes, 2. Vorsitzender Theo Korte, Geschäftsführer Karl-Josef Lüttecke. Der langjährige 1. Vorsitzende (19862006) und heutige Ehrenvorsitzende Werner Johannes legte zunächst mit seiner umfangreichen Sammlung den Grundstein für das Museum. Schon im Gründungsjahr konnte somit eine erste Ausstellung auf 40 m² in zwei Räumen des Attendorner Feuerwehrhauses eröffnet werden. Bereits 1987 kam es zu ersten Planungen für die Errichtung eines eigenständigen Museumsbau, in dem auch Großexponate ausgestellt werden können.

Georg Schüttler , seit 2008

Attendorner Feuerwehr Museum Gründung Die Idee zur Gründung eines Feuerwehr-Museums wurde im Rahmen der Festlichkeiten zur 100-Jahr-Feier der Attendorner Feuerwehr im Jahre 1985 geboren. Hierzu gab es im Rahmen einer Dienstbesprechung der Führungskräfte des LZ Attendorn am 17. September 1985 einen Tagesordnungspunkt. In einer weiteren Dienstbesprechung der Führungskräfte am 13. Januar 1986 wurden weitere Überlegungen zur Gründung eines Museumsvereins getätigt. Da man Räumlichkeiten im Feuerwehrhaus für das Museum bereitstellen konnte, entschloss man sich einen Museumsverein zu gründen. Hierzu wurde eine Einladung an die aktive Wehr, den Musikzug und die Alterskameraden durch den Löschzugführer HBM Berthold Müller geschrieben.

Diese Exponate waren zu dieser Zeit an 5 unterschiedlichen Stellen im Stadtgebiet verteilt und standen somit nur bedingt für die Museumsbesucher zur Verfügung. Neubau Museum Von der Planung bis zur Durchführung des Neubaus vergingen mehrere Jahre. Man bekam im Jahre 1989 Landesmittel in Höhe von 188.000 DM. Dieses war die Hälfte der geplanten Kosten in Höhe von 376.000 DM. Die andere Hälfte für dieses Projekt musste in Eigenleistung und durch Spenden erbracht werden. Die Baupläne für den Museumsbau wurden von Architekt Georg Höffer gezeichnet. Der Neubau begann mit dem Spatenstich am 25. August 1989. Rund 700 m³ Erde mussten bewegt werden, bevor die Bodenplatte des Museum gelegt werden konnte. Bauleiter des einmaligen Projektes wurde Franz-Josef „Philip“ Franke, der jede freie Minute auf der Baustelle verbrachte. Der Roh-

Zur Gründungsversammlung trafen sich am 22. März 1986 41 Interessierte, um den Verein AttendornerFeuerwehr-Museum zu gründen. Nach einstimmigem Beschluss zur Gründung des Vereins erklärten sich alle Anwesenden bereit, diesem Verein beitreten - 52 -


bau war im Dezember 1989 fertig. Dort wurden 3.600 Hohlblocksteine und 80 Festmeter Holz verarbeitet. Noch vor dem Winter konnte das Dach mit 33 Tonnen Dachziegel eingedeckt werden. Bis Ende des Jahres 1991 wurden insgesamt an 2.097 Arbeitseinsätzen 10.794 Stunden Eigenleistung erbracht. Dieses wurde von 141 freiwilligen Helfern durchgeführt.

präsentiert. Unzählige Orden und Ehrenzeichen, Strahlrohre, Pumpen, Handfeuerlöscher, Bilddokumente und vieles mehr komplettieren eine Sammlung, die heute auch über die Grenzen der Stadt und des Kreises bekannt ist und jedes Jahr Tausende von Besuchern in Ihren Bann zieht. Der Verein Attendorner Feuerwehrmuseum möchte mit seiner Ausstellung zur Sicherung und Erhaltung alter Traditionsstücke des Feuerlöschwesens beitragen.

Am 22. Mai 1992 konnte das Attendorner-Feuerwehr-Museum offiziell mit einem Festakt eröffnet werden. Am 23. und 24. Mai 1992 gab es dann ein Festwochenende mit zahlreichen Veranstaltungen und Führungen. Entwicklung Das Attendorner-Feuerwehr-Museum entwickelte sich nun zu einer der Sehenswürdigkeiten in Attendorn. Zahlreiche Besucher kommen jedes Jahr aus Nah und Fern, um die Ausstellungsstücke zu bestaunen. Im Jahre 2002 wurde die Empore im FeuerwehrMuseum um 70 m² erweitert. Zahlreiche Großexponate wie z.B. alte Handdruckspritzen, Holzleitern und Fahrzeuge sowie über 150 Helme und Mützen aus allen Teilen der Welt werden

Feuerwehrmuseum

Fotonachweis: Alle Fotos Feuerwehr Attendorn

Die Mannschaft im Jubiläumjahr 2010

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33 Jahre Plattdeutscher Kreis in Attendorn – Von der Entstehung bis zur heutigen Zeit Von Meinolf Lüttecke

Auert sagte: „Wir müssen vor allem „die Alten“ mit ins Boot nehmen.“ Ja, und die sogenannten Alten waren hellauf begeistert und sagten oft spontan zu, ihren plattdeutschen Erfahrungsschatz zu öffnen.

Am 12. Januar 2011 konnte man närrisches Jubiläum feiern: Dann gibt es die vom Plattdeutschen Kreis durchgeführten Veranstaltungen seit 33 Jahren. Und seit dieser Zeit sind die Organisatoren Klaus-Walter Hoberg und Dieter Auert die Beständigkeit in Person.

Dieter Auert sprudelt die Namen der Experten aus der Gründerzeit so heraus: Vom Heimatdichter Johannes Schulte waren es seine Tochter Maria Schmidt und die Zwillinge Toni und Otto Schulte sowie „Ede“ Prentler, Ernst Maiworm (Korkes), Otto Hellner (Poskevatter der Waterpoote), Lehrer Erich Schneider aus Ennest, Anna Bock von der Mühlhardt, Franziska Schwane aus Bürberg, Josefine Wagener-Zeppenfeld (Kannegeiters Fine), Toni Teipel, Franz Bruse, Josef Kampschulte, Hubert Wacker und Josef Stuff (Buttes).

Tolle Stimmung und viel zum Lachen gab es beim ersten plattdeutschen Abend, am 12.1.1978, im Jägerhaus. Unser Bild zeigt von links: Otto Hellner, Toni Teipel, Ede Prentler und Toni Schulte. Foto: Gunhilde Lüttecke

Alles fing an bei einem Dämmerschoppen im „Jägerhaus“. In dieser Attendorner Traditionsgaststätte war Dieter Auert in den Jahren 1968 bis 1978 Wirt, und Jung und Alt kamen auf Grund seiner bürgerfreundlichen Art gerne zu ihm. An diesem Abend hörten Klaus-Walter Hoberg und Dieter Auert wieder einmal voller Bewunderung „den Alten“ zu, wie sie sich in plattdeutscher Sprache unterhielten. KlausWalter Hoberg sprach sein Bedauern aus, dass das Plattdeutsche nur noch von „den Alten“ gesprochen wird und meinte zu Dieter Auert: „Da müssen wir mal dran drehen.“ Und so entstand der Gedanke, einen plattdeutschen Arbeitskreis zu gründen. Es wurden gleich Pläne geschmiedet und Dieter

Anna Bock (Mühlhardt) brachte gereimte Verse zu Gehör. Foto: Gunhilde Lüttecke

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Die erste Veranstaltung war dann am 12. Januar 1978 im Gründungslokal „Jägerhaus“, und da der Platz begrenzt war, gab es ein ausgewähltes Publikum, welches mit einer Einladungskarte wie folgt unterrichtet wurde:

den Attendorner Heimatdichter Johannes Schulte wurde an seinem Haus an der Ennester Straße 3 eine Gedenktafel angebracht. Das war am 8. März 1979. Diese Gedenktafel stiftete die Sparkasse Attendorn dem Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn. Anschließend fand im Hotel „Zur Post“ ein „Johannes-Schulte-Abend“ statt, zu dem „Dat Komitei“ eingeladen hatte.

„Laiwe Suerländer/in! Hört mol nippe tau. Amme Duennersdage, diäm twiälften Jänner niggentainhundertachtensiewenzig, Klockenschlag acht luhr owends, kommet imme allen Jiäggerhius in Attendoren echte plattdütske Originale tau einem Plattdüsken Owend tehaupe. Wil dat I en echten seid, hew vie auk hi tau innlatt. I kommet doch? – Vie verlotet uns drop. Bränget düese Kaarte met. Süss kommet I nit rinner.

Im Sauerländer Dom fand am 28. November 1980 die erste Plattdeutsche Messe statt. Für diese heilige Messe in plattdeutscher Muttersprache hatte der Plattdeutsche Kreis einen wortgewaltigen Priester gewinnen können. Es war der Ehrenbürger von Brilon, Propst Anton Dünnebacke. Klaus-Walter Hoberg und Dieter Auert holten den kirchlichen Würdenträger persönlich in Brilon ab. Meine Mutter, die damalige Lokaljournalistin Gunhilde Lüttecke, schrieb zu diesem Ereignis in der Westfalenpost: „Die Sprache war zwar alt, doch die Probleme, zu denen Propst Dünnebacke in der Predigt der plattdeutschen Messe Stellung nahm, waren hochaktuell. Wenn Ausdrücke wie „Schmandfurterie“ oder „moralische Schiete“ zu hören waren, wurden dadurch Mißstände in markanter Weise verdeutlicht. Mit der plattdeutschen Messe von Th. Pröpper umrahmte der MGV „Sauerlandia“ den von Dechant Klinkhammer und Propst Dünnebacke zelebrierten Gottesdienst. Eine Uraufführung erlebten die 800 Kirchenbesucher mit „Summermuarren imme Biärge“ – Text P. E. Hundt (1794-1877), Melodie von F. Abt (1819-1885), mehrstimmiger Chor. Es war schon etwas Erhabenes, als „Grouter Gott vie louven diek“ durch das mächtige Gewölbe des Sauerländer Domes klang.“

Dat Komitei: K. Hoberg, D. Auert“

Diese Aufnahme stammt ebenfalls vom ersten plattdeutschen Abend und zeigt von links: Dechant Johannes Klinkhammer, Toni Schulte und den ehemaligen Kreisheimatpfleger Günther Becker. Foto: Gunhilde Lüttecke

Dann ging es Schlag auf Schlag im Gründerjahr: Nach der gelungenen Erstveranstaltung folgten weitere Treffen am 4. April im Gasthaus „Zum Löwen“, am 20. Juni in der „Stadtschänke“, am 14. September nochmal im „Jägerhaus“ (Abschiedsfeier wegen Schließung) und am 14. Dezember im Hotel „Zur Post“. Zum Andenken an - 55 -


Das war der Beginn der plattdeutschen Messen, die heute regelmäßig am Pfingstmontag und am Tag der Deutschen Einheit, zunächst am 17. Juni und nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober an der Wallfahrtskapelle Waldenburg gefeiert werden. Lange Jahre standen Attendorns Dechant und Pfarrer Johannes Klinkhammer, Pater Erwin Immekus (gebürtig aus Rhode) und Diakon Herbert Sasse als plattdeutsche Prediger zur Verfügung.

Dechant Friedhelm Rüsche bei der Plattdütsken Misse in Waldenburg. Foto: Meinolf Lüttecke

Plattdeutsche Kreis, dass man den Küster und Organisten der Kapelle Waldenburg, Paul Maiworm, auf seiner Seite hat. Paul Maiworm nimmt auch an der Vorbereitungs-Zusammenkunft für die jeweilige Messe teil und ist bei der Erstellung des Programms maßgeblich beteiligt.

Beim plattdeutschen Abend am 22.11.1983 mit dem Thema „Kiärke un Pastouer“ war auch Dechant Johannes Klinkhammer im Element. Foto: Gunhilde Lüttecke

Beim Thema „Kiärke un Pastouer“ waren die Attendorner Geistlichen zahlreich vertreten. Unser Bild zeigt von links sitzend Studienrat Werner Kleffner, Vikar Hans Gerd Westermann (Kläppchen-Vikar), Diakon Herbert Sasse, Pastor Johannes Cramer und Dechant Johannes Klinkhammer. In der oberen Reihe die Musiker von links: Josef Kampschulte, Otto Höffer und Peter Wurm (Pauken-Peter). Foto: Gunhilde Lüttecke

Später konnte man Domkapitular und Pfarrer Josef Vorderwülbeke und den heutigen Dechant des Südsauerlandes sowie Pfarrer in Olpe, Friedhelm Rüsche, für diese Sache begeistern. Da Josef Vorderwülbeke kein Platt spricht, wurden seine Predigten zunächst durch Karl Falk und später duch Rudi Hellner übersetzt und auch von ihnen vorgetragen.

Viele Jahre veranstaltete der Plattdeutsche Kreis auch Heimatabende auf den Dörfern. So konnten immer wieder begnadete Plattsprecher, u.a. Franz Keseberg, der Papst von Windhausen, gefunden werden. Auch der

In diesem Jahr steht ein Jubiläum an: Dann liest Friedhelm Rüsche seine 20. Plattdeutsche Messe. Froh ist der - 56 -


damalige Kreisheimatpfleger Günther Becker war dem Plattdeutschen sehr verbunden.

dat“ sowie Josefine WagenerZeppenfeld mit „Heymot“, Gedichte aus Attendorn.

Am 12. Mai 2007 gab der Sauerländer Heimatbund dem Plattdeutschen Kreis Gelegenheit, die traditionsreiche Hansestadt im Zyklus eines Jahres vorzustellen. Das war für die Akteure ein Leichtes u.a. über Fastnacht in „Klein Köln“, das Osterbrauchtum und das Schützenfest mit Triller- und Bügeltanz zu berichten. Unser Bild entstand am 23.11.1982 bei der plattdeutschen Veranstaltung mit dem Thema „Jugendtiyt-Kingerjohre“ und zeigt von links: Else Lichtenstein, Josefine WagenerZeppenfeld, besser bekannt als „Kannegeiters Fine“ und ihre Freundin Grete Mertens. Foto: Gunhilde Lüttecke

Heute sind noch von der ersten Stunde an Toni Teipel (90) und Franz Bruse dabei. Zum festen Stamm der Vortragenden gehören heute des weiteren Rudi Hellner, Franz Köper, Elsbeth Schulte, Karola Maertin, Hubert Schulte und Ulrich Lingemann.

Abschließend sei noch gesagt, dass der Plattdeutsche Kreis in all den Jahren die Zusammenarbeit mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn – Vorsitzender Reinhard König ist auch Mitglied im Plattdeutschen Kreis – und dem Osterfeuerverein gesucht hat und die gute Verbindung auch weiter pflegen wird.

Von der ersten Stunde bis zum heutigen Tag dabei: Toni Teipel. Foto: Gunhilde Lüttecke Pfingstmontag 2010 nach der Plattdütsken Misse: Domkapitular u. Pfarrer Josef Vorderwülbeke (rechts) und alle weiteren Beteiligten. Foto: Meinolf Lüttecke

Auch Nachschlagewerke entstanden im Laufe der Jahre. So widmete Toni Schulte seiner Vaterstadt Attendorn ein Plattdeutsches Wörterbuch mit ca. 4.500 ihm noch bekannten Wörtern aus dem Stadtgebiet Attendorn. Weitere Autoren waren Karl Falk „Düet un - 57 -


Das Doppeljubiläum des SGV Attendorn im Jahr 2010 und 120 Jahre Abteilung Attendorn – 70 Jahre SGV-Hütte - Ein Rückblick von Gabriele Schmidt

Die SGV-Abteilung Attendorn wurde am 19. Juli 1890 gegründet und geht zurück auf die Initiative des Forstrats Ehmsen (1891 – 1897), der zur Gründung eines „Sauerländischen Touristenclubs“ aufrief.

Herren erlassenen Aufrufe folgend, versammelten sich heute im Gasthof Lahr eine Anzahl Herren und beschlossen, als Glied des zu gründenden Sauerländischen Touristenclub hier eine Sektion Attendorn zu errichten. Die anwesenden Herren traten der Sektion bei und wählten zum Vorsteher derselben den Gymnasiallehrer Hölscher zum Stellvertreter desselben und Kassierer den Herrn Amtsrichter Schwarze. Der zu zahlende Jahresbeitrag wurde auf 3 (drei) Mark festgesetzt.“1

Die Abteilung Attendorn wurde noch vor dem SGV-Hauptverein gegründet und ist somit die älteste Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins. Schon kurze Zeit nach der Gründung begann man mit dem Ausbau und der Kennzeichnung von Wanderwegen im Gebiet um Attendorn sowie mit dem Bau von Ruhebänken und Aussichtstürmen an Punkten mit besonders schöner Aussicht, so z. B. „Auf dem Windhagen“, „Auf dem Keller“, „Auf der Dünscheder Höhe“ und „Auf dem Sonnenberg“.

Forstrat Ehmsen. Foto: SGV

Die Gründung fand statt im „Gasthof Lahr“ am Wassertor, dem heutigen „Hotel Rauch“, das bis zum Jahr 1992 auch das Vereinslokal der Abteilung Attendorn war.

So sind auch heute noch die Wanderungen sowie der Ausbau und die Zeichnung der Wanderwege das vorrangige Ziel des SGV. Schon zu Beginn führte man Sternwanderungen sowie Wanderungen in den Bezirken der Nachbar-Abteilungen durch. Hinzu kamen unterschiedliche Festivitäten und Veranstaltungen, die meist auf der Burg Schnellenberg stattfanden. Besonders erwähnt sei an dieser Stelle die Aufführung des Festspiels „Der Raubritter von Waldenburg“ am 7. August 1904 auf dem „Grünen Plätzchen“ der Burg anlässlich des 14. Hauptge-

Gründungseintrag in der Vereinschronik. Repro: Gabriele Schmidt „Attendorn, 19. Juli 1890 Einem von Forstmeister Ehmsen und mehreren anderen Arnsberger

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birgsfests. Die Schauspieler wurden allesamt von der SGV-Abteilung Attendorn gestellt.

kriege bestand die SGV-Abteilung Attendorn unter der Leitung von Lehrer Teigler (1. Vorsitzender von 1909 – 1920) sowie Josef Hüttemann (1. Vorsitzender von 1934 – 1948) weiterhin fort, wenn auch mit reduzierten Mitgliederzahlen. Im Jahr 1931 gründete man eine eigene Ski-Abteilung unter der Leitung von Sportlehrer Cordes und Oberwachtmeister Reudelsterz mit über 30 Mitgliedern. Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Abteilung Attendorn im Jahr 1940 begann der Verein mit dem Bau einer Schutzhütte „Auf der Waneleye“. Die Arbeiten wurden nach dem Entwurf des Amtsbaumeisters Stritter durch den Zimmermann Josef Viegener durchgeführt. Der Hauptverein des SGV und die Stadt Attendorn beteiligten sich an den Kosten. Der Platz, an dem die Blockhütte entstand, bot einen einzigartigen Blick über das Bigge- und Ihnetal und ist nach dem Bau der Biggetalsperre im Jahr 1965 noch reizvoller geworden.

„Der Raubritter von Waldenburg“. Foto: SGV Untere Reihe 2. von links: C.J. Isphording, 3. Schneidersmann, 4. Rend. Hüttemann, 6. Paul Isphording, 7. Otto Isphording, 8. Emi Bruns, 9. Georg Lahr – 9. Schwarze- 10. Paul Wilmes, 11. Max Lenneberg Obere Reihe v. rechts: 1.Willy Schnitzler, 2.Paul Frey, 3.Elisabeth Sohler, 4.Karl Isphording, 5.Johanna Schneidersmann, 6. Maria Kutsch, 7.Richard Helm, 8.Martha Helm, 10.Ida Ursel, 11.Mathilde Isphording, 12.Helene Frey, 13.Emilie Lenneberg, 15.Josef Humberg, 16. Mary Hopff, 18.Karl Kost, Zwerge: Luise Frey, Luise Sohler, Gertrud Lahr, Vera Humberg.

In den 20er Jahren, in denen auch im Raum Attendorn zahlreiche Vereine zum Zwecke der Freizeitgestaltung gegründet wurden, entstanden auch solche, die sich dem Wandern und der Natur verschrieben hatten, so beispielsweise die „Wandervögel“ und der „Hubertushüttenverein“. Letzterer war aus dem „Verein der Naturfreunde“ hervorgegangen und hatte sich als Schutzhütte die „Hubertushütte“ zunächst auf der Reper Höhe, später „Im Vogelsang“ am Rappelsberg gebaut. Im Gegensatz zur SGV-Abteilung Attendorn, in der die Honoratioren und die Geschäftsleute der Stadt vereint waren, war der „Hubertushüttenverein“ jedoch der Verein des kleinen Mannes.2 In den Jahren der beiden Welt-

Schutzhütte 1940. Foto: SGV

Nach einem umfangreichen Umbau der SGV-Hütte im Jahr 1972 unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Max Vigener stieg die Mitgliederzahl des Vereins enorm an. Nun wurde auch für den Nachwuchs gesorgt. Neben zahlreichen Jugendwanderungen organisierte man auch Veranstaltungen wie Ostereiersuchen, Jugendwanderungen - 59 -


und Sommerfeste an der SGV-Hütte für die Jugend der Abteilung.

tesdienst an der Kapelle Waldenburg und anschließendem, gemütlichem Beisammensein an der SGV-Hütte gefeiert. Der bis heute jährlich erscheinende offizielle Wander- und Veranstaltungskalender des Vereins, der „Attendorner Wanderschuh“, wurde erstmals im Jahr 1983 herausgegeben. Ebenfalls in diesem Jahr wurde der von der Abteilung Attendorn geplante und gezeichnete „Attendorner Rundwanderweg“ vom damaligen 1. Vorsitzenden Herbert Teipel eingeweiht.

Anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Attendorn im Jahr 1972 veranstaltete die Abteilung Attendorn das 48. Gebirgsfest des SGV, das in der neu gebautenStadthalle gefeiert wurde. Höhepunkt des Gebirgsfests war der Besuch des damaligen Innenministers Willy Weyer, der mit einem Hubschrauber auf dem Klosterplatz landete und dort eine Festansprache hielt. Am Festzug zum Stadtjubiläum im Jahr 1972 beteiligte sich die SGV-Abteilung mit einer eigenen Abordnung.

Das 100jährige Bestehen der SGVAbteilung Attendorn wurde im Juni 1990 u. a. mit einem Festkommers in der Stadthalle, einem Frühschoppen auf dem Alten Markt sowie einem Festzug durch die Stadt gefeiert. Da das „Hotel Rauch“, zuletzt unter dem Wirt Sommer, nicht mehr zur Verfügung stand, musste sich die Abteilung im Jahr 1992 ein neues Vereinslokal suchen. Man wählte fortan das Restaurant „Himmelreich“.

„Antreten zum Festzug“. Foto: SGV v.l.n.r.: Hans Esslinger, Marianne Esslinger, Margret Platschek, Magdalena Schiller, Charlotte Wörsdörfer, Erika Töllner, Hilde Vigener, Theo Köper, Karl-Jos. Schäfers, Josef Nimphius, Roman Platschek, Magdalena Marx, Werner Schiller, Irmgard Roll, Wilhem Marsch, Kinder: Claus Nimphius, Ulrich Töllner, Joachim Esslinger

Im Jahr 1996 wurde die SGV-Hütte durch einen Anbau erweitert, um einer noch größeren Anzahl Gäste in der Hütte Platz zu bieten. Im Mai 2000 stand die Ausrichtung des 4-tägigen SGV-Gebirgsfests auf dem Programm der Abteilung Attendorn, das wieder mit großem Aufwand gefeiert wurde.

Die Senioren gründeten im Jahr 1976 eine eigene Seniorenabteilung unter der Leitung von Seniorenwanderwart Wilhelm Marsch. Auch die Seniorinnen waren aktiv und veranstalteten ihre eigenen Treffen und Wanderungen. Einmal im Monat traf man sich an der Hütte; am Montag nach dem Attendorner Schützenfest stand das SeniorenSchützenfest auf dem Programm.

Um für ein größeres Publikum präsent zu sein, vor allem aber jüngeren Leuten die Möglichkeit zu geben, sich über die Aktivitäten der SGV-Abteilung Attendorn zu informieren, ist man seit November 2002 mit einer eigenen Website „online“. Im Jahr 2003 veranstaltete die Abteilung erstmals eine Bergmesse an der SGV-Hütte. Diese ist bis heute, so wie das jährlich am 3.

Im Jahr 1980 wurde das nun 90jährige Bestehen des Vereins mit einem Got-

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Oktober stattfindende Oktoberfest, ein wichtiger Bestandteil im Jahreskalender der Abteilung Attendorn und gehört zu den besucherstärksten Veranstaltungen des Vereins.

Stadtgebiet Attendorn mit einer Markierung (Halbmond aus dem Attendorner Stadtwappen, Buchstabe „A“ und Nummer) zu versehen und die GPSDaten der Bänke zu erfassen, die dem Rettungsdienst in Olpe zur Verfügung gestellt wurden. Ziel dieses Projektes war das schnelle Auffinden hilfesuchender Personen, das sich bestens bewährt hat. Ein überaus wichtiges Projekt des Vereins war die Beteiligung an der Planung und Ausarbeitung des neuen Wanderweges „Sauerland-Höhenflug“, der sich über eine Strecke von mehr als 250 km von Altena bzw. Meinerzhagen nach Korbach erstreckt. Die Zeichnung des Weges im Bereich der Stadt Attendorn ist inzwischen abgeschlossen. Das Doppeljubiläum der Abteilung wurde am 10.07.2010 mit einer Wanderung und anschließender Jubiläumsfeier an der SGV-Hütte unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Michael Heller zünftig begangen.

Die SGV-Hütte heute (ca. 2008, vor Anbringung der Markise). Foto: SGV

Das Jahr 2007 stand im Zeichen des Orkans „Kyrill“, der am 18. Januar auch die Sauerländer Wälder verwüstete. Das einige Tage später verhängte „Waldbegehungsverbot“ machte das Anlaufen der SGV-Hütte unmöglich. Der Hüttenwart, Herr H. Fritsche, konnte jedoch eine Ausnahmegenehmigung erwirken, die ein Betreten des Weges bis zur Hütte ermöglichte. Die durch „Kyrill“ entstandenen Schäden an den Beschilderungen und Kennzeichnungen der Waldwege bescherte den Wegezeichnern eine Menge Arbeit. Auch der Wanderplan musste umgestellt werden, da man nun auf Wanderwege ausweichen musste, die nicht durch den Wald, sondern durch offene Felder und Flure führten. Mittlerweile kann die SGV-Abteilung Attendorn auf den Einsatz moderner Hilfsgeräte bzw. Programme wie z. B. der Tourenplanung und Navigation mit GPS zurückgreifen. So konnte man sich im Jahr 2008 am „Notfall-Ruhebank-Kataster“ beteiligen, das vom Seniorenrat der Stadt Attendorn ins Leben gerufen wurde: Man half mit, die Ruhebänke im

Auch wenn das Wandern, wie es einst von Forstrat Ehmsen durch die Gründung des „Sauerländischen Touristenclubs“ gefördert wurde, heute zuweilen „Trekking“ genannt wird und die Knickerbocker-Hose zur „Outdoor“Bekleidung geworden ist, so steht auch in der heutigen Zeit die Bewegung an der frischen Luft immer noch hoch im Kurs und wird der Abteilung Attendorn mit ihren z. Zt. 480 Mitgliedern auch in Zukunft den weiteren Fortbestand sichern. Anmerkungen: 1 ) Vereinschronik 2) Peter Höffer in „Attendorn – Gestern und Heute“, Heft 26, S. 21 Zur Erstellung des Artikels wurde die Publikation des SGV „100 Jahre Sauerl. Gebirgsverein Abteilung Attendorn e.V.“ und die Website der SGVAbteilung Attendorn von der Verfasserin benutzt.

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Zum Abriss des Hauses Breite Straße 16 Von Georg Ortmann und Birgit Haberhauer-Kuschel

Wieder einmal musste ein Jahrhunderte altes Haus dem Abrissbagger weichen. Eine Begehung vor dem Abriss ließ erkennen, dass dieses Ackerbürgerhaus in Fachwerkbauweise nach dem letzten großen Stadtbrand von 1783 auf den alten Außenmauern neu errichtet worden war. Jede Zeitepoche hatte ihre Spuren hinterlassen. Einige ältere Gebäudeteile waren in Fachwerk und Lehmbauweise, andere in Ziegel-, Schwemmstein- oder Fichtenholzausführung gebaut worden.

Das Pickert’sche Häuserbuch berichtet zum Anwesen Nr. 65:4 „1794 Kaspar Bruse (schon 1788), 1809 Kaspar Bruse, 1828 Stephan Bruse (schon 1818), 1836 Stephan Bruse (auch 1843), 1909 Peter Graf jr., gekauft von Rödelmann, danach Peter Graf und Julius Gärtner.“ Pickerts Notizen geben weitere Auskünfte:5 „Ältester Besitzer Kaspar Georg Bruse, Müller zu Ewig, der 1717 genannt wird. Er starb 1763. Dann folgte sein Sohn Johann, ebenfalls Müller zu Ewig, gestorben 1777; dann dessen Sohn Kaspar bis zur Aufhebung des Klosters ebenfalls Müller dortselbst, dann städtischer Müller, gestorben 1812. Dann folgte dessen Sohn Stephan, ebenfalls städtischer Müller und Ackerwirt. Zuletzt hatte er die städtische Mühle im Verein mit Christoph Meyer. Er starb 1857.“

Auskunft über den Umfang der Brandschäden des großen Stadtbrandes vom 13. Juli 1783 gibt der erste Band der Ratsverhandlungen1 , der mit der Liste jener Häuser und Gebäude beginnt, die beim Brand ganz oder teilweise vernichtet worden sind. Hier findet sich auch „das hauß Casparen Bruese sub n. 65 und stall sub lit. A total.“ 2 Ein weiterer Eintrag unter dem 30. Oktober 1783 berichtet: „Caspar

Im Hauseigentümerverzeichnis von 19096 erscheint unter der alten Nummer 57, die der neuen Nummer 65 entspricht, sowie der Nummer 67 der Gebäudesteuerrolle als Eigentümer Peter Graf jr., Klempner.

Bruse hieselbst erklärte, das in der brandgesellschaft catastrirte hauß sub nro.65 und stall sub lit. A neu erbauen zu wollen. Sezte derhalb zur versicherung des 1ten und 2ten termins 1 fuder heues auf der Jhene 3 1/2 muddesch(eid) am Kelberg und übriges vermögen zum unterpfande, mit bitte, dieses ad pro(toco)llum zu nehmen und extractum darüber auszutheilen. So geschehen und verstattet worden.“ 3

Durch Erbteilung gab es etwa um 1900 größere Veränderungen im Hause Breite Straße 16. Durch das gesamte Gebäude - einschließlich des Heubodens – wurde eine Trennwand gezogen. Zwei Drittel des Hauses bildeten nun eine eigene Einheit, während der rechte Gebäudeteil einen Anbau erhielt, so dass in etwa eine räumliche

Im Stadtgrundriss aus dem Jahre 1810 findet man das Haus Nr. 65 in der Breiten Straße bereits wieder aufgebaut.

4

Abschrift des Pickert’schen Häuserbuchs im Archiv L. Korte 5 aaO 6 Verzeichnis der alten und neuen Hausnummern und der Hauseigentümer der Stadt Attendorn, 1909

1

Attendorner Ratsprotokolle 1783-1808, bearb. Von Norbert Henkelmann, Attendorn 1994, Seite XIV 2 aaO, S. 2 3 Attendorner Ratsprotokolle aaO, S. 24

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Gleichheit gegeben war. Die bis dahin betriebene Landwirtschaft wurde aufgegeben und man orientierte sich hin zum Handwerk. Durch die Aufgabe des Stalles im hinteren Drittel des Hauses entstanden zwei Werkstätten. Neue Flure und Treppenhäuser mussten errichtet werden, wodurch zwangsläufig Raum verloren ging – die Räume wurden insgesamt kleiner. An der Gartenseite blieb im linken Gebäudeteil ein Stall für Ziegen, ein Schwein und Hühner neben der Klempnerwerkstatt bestehen. Ein Blick in den Garten während der Begehung zeigte, dass auch dieser geteilt worden war, für einen Garten im Stadtkern aber noch recht groß erschien.

zur Breiten Straße noch erhebliche Brandspuren erkennen. Nach den Erinnerungen der 1925 im Haus geborenen letzten Eigentümerin waren diese Brandspuren schon immer vorhanden. Auch ihre Eltern hätten nicht gewusst, woher diese stammten. Daher erscheint es wahrscheinlich, dass die zum Teil angekohlten, im Kern aber noch intakten, Balken schon beim Wiederaufbau nach dem Brand von 1783 aufgrund der großen Baumaterialknappheit wieder verwendet worden sind. Am Giebel zur Gartenseite waren im Laufe der Jahre einige bauliche Veränderungen vorgenommen worden, vielleicht aufgrund der Kriegsschäden. Die bauliche Qualität des vorderen Giebels war jedoch trotz der angekohlten Balken deutlich besser.

Den Bombenangriff auf Attendorn am 28. März 1945 überstand das Haus Breite Straße 16 mit leichten Schäden, meist an der Bedachung. Es erscheinen in der Liste der Hauseigentümer, deren Häuser nur leichte Schäden davon getragen haben unter Nummer „171) Graf Peter, Breite Straße, Wohnhaus (1,-,-)“ und unter Nummer „172) Gärtner Julius Wwe, Breite Straße, Wohnhaus (1,-,-)“. Die Zahlen in Klammern bedeuten, dass jeweils eine Wohnung im Haus vorhanden war, die hier aber weder zerstört noch wieder instandgesetzt worden ist.

In der Mitte des Dachbodens stand an der Trennwand zum Nachbarhaus ein gut erhaltener, aus Ziegeln gemauerter, Rauch. Er hätte sofort in Betrieb genommen werden können, da neben ihm noch Kisten mit Hobelspänen, Sägemehl und einem Befeuerungskessel platziert waren. Auch ein großer Metallbottich zum Befüllen mit Löschwasser stand bereit. Auch dieser Rauch war – nach den Erinnerungen der letzten Eigentümerin – schon immer auf dem Dachboden vorhanden. Ihr Vater habe jedoch noch Verbesserungen an ihm vorgenommen. Dass es wohl im 19. Jahrhundert üblich war, auf dem Dachboden eine Räucherkammer einzurichten, wurde schon bei der Begehung des Hauses Ennester Straße 5 deutlich.7 Ein Eintrag im Pickert’schen Häuserbuch zum Hause Nummer 67 in

Die Begehung vor dem Abriss zeigte, dass sich nicht nur im Erdgeschoss des Hauses durch die Teilung vieles verändert hat. Im ersten Stock des linken Gebäudeteils wurden die Räume teils durch die Verkleidung der Balkendecken mit Rigipsplatten, teils durch Abhängen mit Holzpaneelen noch kleiner. Über eine Zugtreppe gelangte man auf den ehemaligen Heuboden. Hier konnte man am Eichenholzgiebel

7

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Siehe AGH Nr. 28 (2006), S. 27 ff.


der Breiten Straße, also in der unmittelbaren Nachbarschaft, bestätigt diese Annahme: „19.03.1835 Taxe des Hauses

mit Stroh oder hölzernen Schindeln, bei Strafe der Niederreißung und einer, den Kosten des verbotwidrigen Unternehmens gleichkommenden Geldbuße an die OrtsArmenkasse, bedeckt werden soll.“ 9

Flusche: 2 Etagen hoch, 34 x 28 Fuß groß, massig mit Schiefer, unten mit zwei Stuben, Küche, Dreschtenne, Stallung u. Gemüsekammer, oben mit 3 Kammern u. Rauchbühne, ...“.

Da Strohdächer wegen der Brandgefahr in den Städten also nicht mehr erlaubt waren, konnten Räucherkammern auf den Dachböden relativ gefahrlos betrieben werden. Die letzte Eigentümerin berichtete weiter, dass ihre Familie noch bis etwa 1950 selbst geschlachtet habe. Ihre Großeltern hätten noch Felder am Remmenstein gehabt. Um jedoch den Söhnen eine Zukunft als Handwerker zu ermöglichen, habe man die Felder zum Teil an die Ursulinen verkauft, die dort ihr Kloster errichteten. Einen anderen Teil der Felder habe man gegen andere Flächen getauscht. Die Erlöse hätten die Aufteilung des Hauses und den Anbau an das rechte Hausdrittel möglich gemacht. Einen großen Garten mit ca. 100 – 150 m² hinter dem Ursulinenkloster, etwa 150 m vom heutigen Osterfeuerplatz entfernt, hätten sie jedoch bis nach dem Krieg behalten und genutzt. Dieser hätte ihnen geholfen, über die schlechte Zeit zu kommen.

Aus Ziegeln gemauerter Rauch im Hause Breite Straße 16. Zeichnung: Georg Ortmann

Nach der Beschreibung der für Attendorn typischen Ackerbürgerhäuser8 nahm der große Heuboden das Getreide und den Wintervorrat für das Vieh auf. Das steile Satteldach wurde mit Schiefer oder Ziegeln gedeckt. Seit 1811 waren Stroh- und Schindeldächer im Großherzogtum Hessen, zu dem Attendorn seit 1803 gehörte, verboten:

Mit dem Abriss des Hauses Breite Straße 16 ist damit wieder eines der alten Ackerbürgerhäuser aus dem Gedächtnis der Stadt verschwunden. Wenn diese Entwicklung so fortschreitet, wird es bald keine Beispiele für diesen Häusertyp in Attendorn mehr geben.

„Darmstadt, den 20. August 1811: Zur Verminderung der feuergefährlichen Dachbedeckungen wird für den gesamten Umfang des Großherzogtums verordnet, daß künftig kein neues oder der Reparatur bedürftiges Dach eines Gebäudes mehr 8

9

Bruns, Alfred: Feuer und Feuerschutz im kurkölnischen Sauerland, Fredeburg 1986, S. 112

Bomben auf Attendorn, aaO, S. 209

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Das Innere des Hauses Breite Straße 16. Deutlich erkennbar sind die verwendeten unterschiedlichen Materialien – Holz, Stein, Fachwerk – und die Aufteilung des Hauses in 2/3 und 1/3. Zeichnung: Georg Ortmann

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Eine kleine ökumenische Weihnachtsgeschichte: Wie der Adventskranz vom Holzrad über den kleinen Kölner Kranz zum Klein-Kölner Riesenkranz wurde (Anlässlich eines adventlichen Donnerstagabends im Heimatverein Attendorn erzählt von Pastor Andreas Schliebener)

Es war in einem dunklen Winter vor 171 Jahren: In einem Hamburger Kinderheim warten die Kleinen ungeduldig auf das Christkind. Die Tage vergehen nur langsam und jeden Morgen fragen die Kinder: „Wie lange noch?" Ihr Hausvater hat schließlich eine Idee. Johann Hinrich Wichern, Gründer des so genannten Rauhen Hauses und später berühmt geworden als ,,Vater" der Diakonie, stellt ein großes hölzernes Wagenrad in den Betsaal.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder des Attendorner Heimatvereins! Spräche man die Menschen in den Straßen einer anderen Stadt während der Adventszeit auf den Namen des Gründervaters der Diakonie an, würde vermutlich mancher achselzuckend entgegnen: “Johann Hinrich Wichern? Noch nie gehört. Muss man den kennen?"

Johann Hinrich Wichern (1808-1881). Repro: Andreas Schliebener

Das Rauhe Haus 1834. Quelle: http://www.rauheshaus.de

Sie als Bürgerin oder Bürger unserer Stadt Attendorn würden dem ratlosen Passanten vermutlich sofort Auskunft geben und verschmitzt entgegnen: “Oh ja, selbstverständlich sollte man den kennen, denn der gute Mann hat sicher auch in Deinem adventlich geschmückten Haushalt eine leuchtende Spur hinterlassen!" Und dann könnten Sie ihm folgende Geschichte erzählen:

Er schmückt es mit vielen Kerzen: große weiße für die vier Adventssonntage, kleine rote für die übrigen Wochentage. Täglich ruft er die Kinder zur Andacht. Und während sie Adventslieder singen, wird eine Kerze neu angezündet - jeden Tag eine mehr, bis am 24. Dezember der ganze Kranz erstrahlt! Die Kleinen haben Freude daran, denn so verkürzt sich die Wartezeit bis zum Heiligen Abend! Und Wichern freut sich, weil er den verwahrlosten, aus desolaten Verhältnissen stammenden

Es begann mit einem Holzrad im Kinderheim – Eine Weltpremiere deutschen Brauchtums

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Kindern ganz allmählich ein neues Grund- und Gottvertrauen in die Herzen pflanzt - ihnen nebenbei auch die Kultur der christlichen Feiertage erlebbar macht. Auch für Kinderaugen wird so anschaulich, dass die Zeit des immer dunkler werdenden Dezembers gleichzeitig eine Zeit des Weges ins Licht der Geburt Jesu ist. Wichern ist sich sicher: „Kein Kind, das solche Weihnachtsfeier mit durchlebt, wird sie je wieder vergessen!" Wicherns soziales trägt Früchte

ein Pionier Kirchlicher Sozialarbeit wie wenig später Adolf Kolping und die Gründerväter und -mütter evangelischer Diakonie im Ausland: Die Gebrüder Ludwig und Ernst Schwarz werden in Österreich ihre segensreiche Arbeit bei Gallneukirchen und Waiern beginnen, während die junge Gräfin Elvine de La Tour ihr Kinderrettungswerk im kärntnerischen Treffen bei Villach begründet. Der Adventskranz hält Einzug in den bürgerlichen Wohnstuben

Engagement

Im Laufe der Jahre wird Wicherns Adventskranz immer populärer. Denn Johann Hinrich berichtet in seinen „Fliegenden Blättern", der ersten weit verbreiteten Zeitschrift der Diakonie, unter anderem auch über die Advents- und Weihnachtszeit im Rauhen Haus. So werden die Menschen neugierig auf den neuen Adventsbrauch aus dem Hamburger Kinderheim. Besucher lassen sich anregen, den vorweihnachtlichen Brauch für die heimische Stube zu kopieren - besonders, nachdem der schlichte Holzkranz seit 1860 zusätzlich mit Tannengrün geschmückt wird!

Auch die Erwachsenen sind von Wichern und seiner Arbeit im Rauhen Haus begeistert - lassen sich schließlich durch eine flammende Rede auf dem Evangelischen Kirchentag 1848 dazu anstecken, endlich etwas gegen soziale Missstände und die Kinderarmut im Deutschland des 19. Jahrhunderts zu tun. Wicherns Überzeugung lautet: Die aus sozialer Not rettende Liebe muss ebenso Teil kirchlicher Verkündigung sein wie ihr Glaube!

So hält der Wichernkranz zunächst in den evangelischen Kreisen Norddeutschlands Einzug und breitet sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in ganz Europa aus. Im Jahr 1925 hängt der Adventskranz erstmals in einer katholischen Kirche. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „In welcher Stadt geschah das?“ Dann wird Sie als „Klein-Kölner“ Bürgerinnen und Bürger die Antwort sicher freuen: In der großen rheinischen Karnevalshochburg Köln! Allerdings - von den bis zu 28 Lichtern sind hier (wie auch in den beengten bürgerlichen Wohnzimmern)

Älterer Wichern. Quelle: http://www.rauheshaus.de

So wird er bald als Gründer der “lnneren Mission" und „Diakonie" bekannt – - 67 -


mittlerweile nur noch die vier großen Kerzen für die Adventssonntage übrig geblieben. Mit ihrer meist roten Farbe erinnern sie an Gottes Liebe, die Weihnachten in Jesus zu allen Menschen kommt. Aber nur Wenige wissen noch, dass der Lichterkranz gerade verarmten Kindern diese Botschaft ins Herz tragen möchte.

ein strahlendes Symbol zu schaffen, das dem Betrachter nicht nur Freude macht, sondern ihn auch auf die Problematik versteckter Kinderarmut hinweisen kann. Viele Firmen und die Lehrwerkstatt beteiligen sich an dem Vorhaben, den altbekannten kleinen Adventskranz aus den warmen Wohnzimmern wieder hinaus auf die kühle Straße des Lebens zu bringen und aus dem bürgerlichen Symbol vorweihnachtlicher Gemütlichkeit wieder einen Fingerzeig auf das in dunkler Zeit näher kommende Christfest zu machen. Und es sind frohsinnige Karnevalsbegeisterte und handwerklich begabte Wagenbauer aus Attendorn, die dem großen Kranz rasch Form und beeindruckende Ausmaße verleihen!

„Versteckte Not“ neuer Kinderarmut Viele Jahre sind seitdem vergangen. Wir Menschen in Deutschland haben schlimme Kriege erlebt und sind doch durch Neuanfänge, überwältigende Wirtschaftswunder und die überraschende Wiedervereinigung unglaublich beschenkt worden. Freilich - neben Dankbarkeit, Glaube und Nächstenliebe sind auch wieder Anspruchsdenken, Machthunger und Gier nach schnellem Geld im Kommen. Aktien und Arbeitsplatzeinsparung sind wertgeschätzter als Fürsorge und soziale Mitverantwortung, geduldiges Sparen und Warten-Können. Und ganz allmählich sieht man wieder Kinder, denen augenscheinlich die 2.50 Euro zum Schulessen fehlen. Sie tragen schäbige Kleidung und „drucksen" verschämt herum, dass die Eltern kein Geld fürs Kino oder Schwimmbad haben. Daher machen sich Menschen in der katholischen wie evangelischen Kirche wieder ernste Gedanken, wie man auf die „versteckte Not" aufmerksam machen und - nach dem Vorbild Johann Hinrich Wicherns - auch nachhaltig helfen kann!

Ralf Springob und Jürgen Junge bei der Arbeit. Foto: Andreas Schliebener

So kommt es, dass im 200. Geburtsjahr von Johann Hinrich Wichern anlässlich einer neuen, im Jahr 2008 von der evangelischen Kirche gestarteten Kampagne gegen Kinderarmut (www.lasst-uns-nicht-haengen.de) der

Der „Klein-Kölner-Riesenkranz“ So entsteht im westfälischen Sauerland in unserer von Karnevalisten liebevoll „Klein-Köln" genannten Hansestadt Attendorn die Idee, gemeinsam - 68 -


originale Wichernkranz in Attendorn nun in einer derartigen Größe leuchtet, wie ihn sich sein Erfinder so wohl nie hätte träumen lassen. Die Bewohner unserer Stadt sind von dem schönen Lichterkranz so angetan, dass sich auch zum 170. Geburtstag des Adventskranzes im Jahre 2009 wieder viele Menschen finden, die gemeinsam mit den Wagenbauern den Kranz aufbauen.

Monate später erreicht mich Anfang Oktober seine E-Mail: Das Bild des schneebedeckten Attendorner Wichernkranzes sei ihm auch in den Sommermonaten nicht aus dem Sinn gekommen. Ob ich nicht die Pläne herunterschicken könne...? Um es kurz zu machen: seit dem 1. Advent 2010 gibt es auch in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt einen wunderschönen Riesenkranz, gebaut von den Lehrlingen der KELAG (Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft) für die Diakonie Kärnten. Er steht vor dem Klagenfurter Dom, der ehemals größten protestantischen Kirche Österreichs. Der Clou der Kärntner Wichernkranzaktion 2010: Jede der Kerzen, die dort Tag für Tag entzündet werden, steht für ein soziales Projekt, welches von Wirtschaftsunternehmen in Verbindung mit dem Unternehmensnetzwerk „Verantwortung zeigen" in verschiedenen sozialen Einrichtungen Kärntens umgesetzt wird. Die 24 Projekte sind unterschiedlich und reichen vom gemeinsamen Adventsnachmittag in einer Jugend-WG bis zur praktischen Hilfe beim Ausrüsten eines Autos mit Rollstuhlhebebühne (Vgl. den Artikel von Hansjörg Szepannek unter www.diakoniekaernten.at/de-1061.cms ).

Der Attendorner Wichernkranz. Foto: Karl-Hermann Ernst

Der „Schwesterkranz“ der Diakonie de La Tour in Kärnten Im Februar 2010 sorgt ein für mich zunächst eher schmerzhafter Umstand dafür, dass die Geschichte noch weitere Kreise zieht. Ein bei schönster Tiefschneeabfahrt angebrochenes Handgelenk hat ein „adventliches Nachspiel": Nach der Verarztung im Klagenfurter Unfallkrankenhaus von guten Freunden aus der Diakonie Kärnten aufgenommen, lasse ich vor der Heimfahrt als Dankeschön für die spontane Gastfreundschaft und Bewirtung neben der Bonbonniere für die Frau des Hauses auch eine Ansichtskarte des Attendorner Wichernkranzes bei meinem Gastgeber zurück, der als Öffentlichkeitsreferent bei der Diakonie Kärnten arbeitet.

Hansjörg Szepannek und Familie mit dem Wichernkranz vor dem Klagenfurter Dom. Foto: Gerhard Maurer

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So erstrahlt nun ein bedeutendes Symbol der Adventszeit, das seinen Ursprung in der Diakonie hat, auch am Domplatz in Klagenfurt. Durch diesen Standort ist der Kranz ein Symbol ökumenischer Gemeinschaft und durch die Verbindung mit den sozialen Projekten ein Ausdruck tätiger Hilfe und Unterstützung im sozialen Bereich. Und natürlich teilen die Kärntner mit uns die Hoffnung, dass der Kranz in Klagenfurt wie in Attendorn seiner ursprünglichsten Bedeutung im Sinne Wicherns gerecht wird: Er soll vielen Kindern die Wartezeit auf Weihnachten verkürzen und ihnen deutlich machen, dass das Licht der Liebe Gottes gerade auch den Schwächsten der Gesellschaft gilt!

nicht nur die Riesen-Kränze vor Dom und Erlöserkirche, sondern auch die kleinen Lichterkränze bei uns zu Hause letztendlich auf das Kind in der Krippe hinweisen und uns Mut machen wollen, nun selbst zu „leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (Mt. 5, 16)"! Verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt! Es ist ein langer und weiter Weg gewesen: Vom hölzernen Adventsrad des Jahres 1839 über den mit Tannengrün verschönten Wichernkranz des Jahres 1860 weiter zum kleinen Kölner Kranz des Jahres 1925 und schließlich hin zum ökumenischen „Klein-Kölner“ Riesen-Kranz des Jahres 2008, der nach seinem 170. Geburtstag 2009 nun im Jahre 2010 einen „Schwesterkranz“ in Kärnten bekommen hat. Wir dürfen uns wirklich darüber freuen, dass wir diesen Weg zu einem guten Teil gemeinsam gegangen sind und dass Gott uns als römisch-katholische und evangelische Christen in dieser Zeit der Erwartung weiterhin begleiten und beauftragen möchte! Es ist ein Weg des Vertrauens und der Hoffnung auf unseren Vater im Himmel, der mit seinem Sohn - dem Kind in der Krippe - Licht in diese Welt gebracht hat.

„Lasst euer Licht leuchten…“- unsere ökumenische Verantwortung für Gerechtigkeit Vermutlich hätte der Gründervater der Diakonie niemals erwartet, dass seine Idee eine derartige ökumenische Verbreitung und Begeisterung bis in den Süden Österreichs erfahren würde. Ja, dass nach 170 Jahren in unserer kurkölschen Hansestadt mit dem Bezug zur Kinderarmut auch der ursprüngliche Sinn des Adventskranzes wieder deutlich erstrahlen würde! Aber eines ist sicher: Johann Hinrich Wichern hätte sich sehr gefreut mit den Kindern und Erwachsenen, die allabendlich den mit vereinten Kräften geschaffenen „ökumenischen Kranz" besuchen und um 18.00 Uhr zur „Kerzenandacht" ein Adventslied anstimmen.

So bewahre uns der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Kleingläubigkeit oder Vernunft, im warmen Licht der Liebe Christi und in der brennenden Kraft des Heiligen Geistes! Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

Sicher würde er an die Worte des berühmten Mannes aus Nazareth erinnern wollen und uns wünschen, dass

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Sammlungszugänge im Südsauerlandmuseum im Jahre 2010 Von Monika Löcken

Hier sollen die interessantesten Neuzugänge kurz vorgestellt werden, die einen Bezug zur Stadt Attendorn oder zur Region haben.

te Linien, die Felder mit blauen Kreisen begrenzen. Sie wechseln sich ab mit Flächen in Knibistechnik. Ein vergleichbares Stück wurde in der Literatur bislang nicht gefunden. Bei der Westerwälder Ware ist die Knibistechnik erst am Ende des 17. Jh. zu beobachten, so dass der Krug wohl in das 18.-19. Jh. datiert werden kann.

Als Schenkungen kamen Gebetbücher, Handtaschen, hölzerne Tuchmaße (Ellen), eine große Flachsbreche, Graphiken, Fotos und Gemälde, darunter ein Gemälde von Jupp Steinhoff ins Museum. Angekauft wurde eine Sammlung zum Thema Orden & Ehrenzeichen aus dem Bereich des Schützenwesens und des Militärs vor dem Jahre 1920. In die Zeit des Zweiten Weltkrieges gehören zwei Flak-Granaten, eine amerikanische Biskuit-Kiste und eine Munitionskiste. Im Sammlungsbestand des Museums befinden sich zwei Standuhren mit Schlagwerk, die aus Werkstätten der Uhrmacherfamilie Schröder, Ödingen stammen. Dazu wurden nun Uhrgehäuse, Zierrat, ein Uhrwerk mit Schlag aus der gleichen Werkstatt erworben.

Ölkrug. Foto: Monika Löcken

Der Fundort lag im Listertal, wo genau ist nicht bekannt. Der intakte Krug soll beim Bau der Talsperre (1909-11) gefunden worden sein, danach wurde er 100 Jahre in einem Haushalt aufbewahrt.

Die folgenden archäologischen Funde wurden 2010 in die Sammlung aufgenommen: Kleiner Ölkrug Der anmutige kleine Ölkrug (2010/4) von 17 cm Höhe wurde dem Museum geschenkt. Bei dem grauen, salzglasierten Scherben mit kobaltblauer Bemalung handelt es sich um Westerwälder Tonware. Die Wandung gliedern horizontal umlaufende, blau eingefass-

Trinkbecher Der kleine Trinkbecher (2010/78) stammt aus der 2. Hälfte des 12. Jh. und wurde im Ort Pingsdorf bei Brühl hergestellt. Er ist aus mehreren Fragmenten zusammengeklebt und weist - 71 -


Fehlstellen an Bauch, Rand und Fuß auf. Typologisch gesehen handelt sich um gelb-goldene Irdenware mit orangebrauner Bemalung und um eine Variante des sog. „kugeligen Bechers“1 mit einer steilen rundlichen Lippe, ohne Kehlung und flüchtig angekneteten Wellenfüßen. Es sind keine Drehrillen vorhanden, was auf eine Fertigung aus der Hand spricht. Der Becher stammt aus dem Altbestand der Sammlung, sein Fundort wurde nicht überliefert.

Reiter, den Reiter zu verwunden. Seit dem Mittelalter wurde die Reiterlanze zur Hauptwaffe der schweren Kavallerie im aufgesessenen Kampf. Bereits das Ritterheer Karls des Großen war mit dieser Stichwaffe ausgerüstet. Ihre Anwendung endet erst im Ersten Weltkrieg. An Anfang des 19. Jahrhundert waren in der preußischen Armee das Husarenregiment 11 und Ulanenregimenter mit Lanzen ausgestattet. Um 1890 wurde sie sogar allen deutschen Kavallerieregimentern zugeteilt.

Trinkbecher. Foto: Monika Löcken

Spieß

Eiserner Spieß. Foto: Monika Löcken

Der eiserne Spieß (2010/57) oder die sog. Pike ist aus massivem Eisen mit dreieckiger Spitze auf einer kräftigen Hülse, in der noch Holzreste der Stange stecken. Gefunden wurde der Spieß bei Baggerarbeiten beim Abriss des Wohnhauses der Familie Velte, Windhauser Straße 2, direkt an den Grundmauern des Ennester Tores.

Deckel- oder Spielstein aus der Pfarrkirche Die runde Schieferplatte (2010/58) mit grob behauenen Rändern und den Maßen Dm: 4,5 H: 0,3 cm soll im Jahre 2001 im Chor der Pfarrkirche beim Schleifen der Treppenanlage gefunden worden sein. Bereits bei der archäologischen Untersuchung der Kirche im Jahre 1974 wurden zwei ähnliche Steinscheiben beschrieben und als Krug oder Reliquienabdeckung eingeordnet. Eine Verwendung als Spielsteine gerade der kleineren Steine,

Die Form und der Fundort deuten darauf hin, dass es sich um eine Pike des 16. oder 17. Jh. handelt. Eisenlanzen gehörten seit der Antike zum Bewaffnung von Fußtruppen. Sie dienten dazu im Kampf Mann gegen 1

Sake, M.: Die mittelalterliche Keramikproduktion in Brühl-Pingsdorf, 2002.

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wurde jedoch auch in Erwägung gezogen.2

Byzantinische Kupfermünze, Vorderseite. Foto: Monika Löcken Deckel- oder Spielstein. Foto: M. Löcken

Münzen Bei Renovierungsarbeiten in den Jahren 1983/84 sind an einem Wohngebäude in der "Vergessenen Straße" 26 im Keller zwei Münzen gefunden worden. Bei der einen handelt es sich um eine Byzantinische Kupfermünze (2010/60). Eine Anfrage beim LWL Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster ergab, dass es sich bei dem massiven Stück mit dem Durchmesser 2,9 cm, um eine anonyme byzantinische Kupfermünze vom Anfang des 11. Jahrhunderts handelt. Die Umschrift lautet IS - XC (=Jesus Christus) BAS - ILEOS / BAS -ILEON (König der Könige).3

Byzantinische Kupfermünze, Rückseite. Foto: Monika Löcken

Die andere Fundmünze (2010/61) ist aus Messing, zeigt arabischen Schriftzeichen und ein Loch. Es handelt sich um eine, wohl in Nürnberg nach dem Muster osmanischer Goldmünzen hergestellte, Schmuckmünze. Diese wurden seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert für den Export in großen Mengen hergestellt und waren in Messing natürlich billiger als OriginalGoldmünzen. Im Nahen Osten gibt es bis zur Gegenwart den Brauch, dass eine Braut mit Goldmünzen behängt wird. Außerdem wurden solche Münzen auch in Deutschland z.B. bei Karnevalsschmuck mindestens bis in die Mitte des 20.Jh. verwendet.

2

Holz-Thier, Claudia: Die Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Attendorn, Die Ausgrabungen von 1974, (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen Bd. 36), Essen 1999, S.90. 3 Ich danke Herrn Dr. Peter Ilisch, Landesmuseum Münster für die Bestimmung. Dr. Ilisch formuliert Zweifel, ob die Münze tatsächlich in Attendorn gefunden worden sei. Er formuliert: “Abgesehen davon, dass solche Münzen im Sauerland und auch überhaupt in Deutschland nicht umliefen, deuten auch die anhaftenden Erdreste farblich eher auf eine Herkunft aus südlicheren Ländern. In unseren Breiten gab es im Mittelalter keine Kupfermünzen.“

Angekauft werden konnte ein Denar (2010/41) der Attendorner Münze. Die Silbermünze (Häv 799) stammt aus der

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Zeit zwischen 1238-61 und stammt damit aus der Regierungszeit des Kölner Erzbischofs Konrad I. von Hochstaden.

kamen aus der Stadt Siegen. Einzelne Münzen stammten aus Soest, Hamm, Schwäbisch Hall und Frankreich. Die Münzdatierungen legen nahe, dass der Schatz um1280 im Gebäude versteckt worden ist.5

Fundort Altenberg Die folgenden Grabungsfunde stammen von einer der bedeutendsten montanarchäologischen Grabungsvorhaben in Westfalen. Auf der Passhöhe des Altenbergs zwischen den Ortschaften Müsen und Littfeld wurden in den 1960er Jahren Spuren einer Siedlung entdeckt. Systematische Grabungen zeigten, dass es sich um die Reste einer einzigartigen Bergbausiedlung des Mittelalters handelte. Zusammen mit den Funden über – und untertage bildet sie den frühesten Beleg für Bergbau auf Silber sowie für den frühen Schachtbau im Siegerland.

Im Jahre 2010 wurden dem Südsauerlandmuseum Funde aus privatem Besitz übergeben, die ebenfalls von der Fundstätte des Altenberges herrühren.6 Es handelt sich um einen fast vollständig erhaltenen Kinderschuh mit Lederteilen aus einer Flickschusterwerkstatt, um Gewebereste, Spinnwirtel und Spielsteine.

Einen der spektakulärsten und bereits 1964 entdeckten Funde im Bereich der Bergbauwüstung Altenberg, stellt ein Münzschatzfund dar, der sich in Teilen seit 1967 im Südsauerlandmuseum befindet. Die Münzen wurden in einem vollständig erhaltenen Urnenbecher gefunden, der im Inneren eines Gebäudekellers lag. Bei dem Fundort handelt es sich vermutlich um ein unbefestigtes Turmhaus des 13. Jh., das wohl als Wohn- und Amtshaus des Bergmeisters diente.4

Kinderstiefel mit drei Ledersohlen aus einer Flickschusterwerkstatt. Foto: M. Löcken

Insgesamt konnten 70 (bis 80) Münzen erfasst werden. 42 Münzen entstammten der Münzstätte der nicht weit entfernten Stadt Attendorn, 19 Münzen

Textilreste aus Wolle. Foto: Monika Löcken

4

Lobbedey, Uwe: Zeitstellung, Struktur und Bedeutung der Bergbausiedlung Altenberg, in: Der Altenberg, Bergwerk und Siedlung aus dem 13. Jahrhundert im Siegerland, (= Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 34), Bonn 1998, Bd 1, S. 27-28.

5

Ilisch, Peter: Der Münzschatzfund von Burgholdinghause-Altenberg, Bonn 1998, Bd 2, S. 1-2. 6 Schenkung: Gabi Schmidt, geb. Göbel, 21. Juli 2010

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überwiegend aus Säugetieren (z.B. Mäuse, Ratten, Igel) und Vögeln (Singvögel bis Greifvögel). Durch menschliche Verfolgung wurde er 1906 im Sauerland ausgerottet. Ab 1975 erfolgten Wiederbesiedlungsversuche durch Aussetzungsprojekte und gezielte Schutzmaßnahmen, die schließlich erfolgreich waren. Seither steigt der Brutbestand kontinuierlich an. In Nordrhein-Westfalen ist der Uhu mittlerweile vor allem in den Mittelgebirgsregionen weit verbreitet, Verbreitungsschwerpunkte bestehen im Teutoburger Wald, im Sauerland sowie in der Eifel.

Spielstein. Foto: Monika Löcken

3 Spinnwirtel. Foto: Monika Löcken

Naturkunde Uhu, Habicht, Waldkauz und Sperber gehören in Nordrheinwestfalen zu den bedrohten Vogelarten, sie stehen deshalb auf den Schutzlisten nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Die vier ausgestopften Exemplare wurden durch den Fachdienst Gesundheit und Verbraucherschutz des Kreises Olpe konfisziert und dem Museum als Dauerleihgabe übergeben.7 Uhu (Bubo bubo) Der Uhu ist die größte europäische Eulenart. Die Weibchen sind mit einer Körperlänge von bis zu 70 cm etwas größer als die Männchen. Die Tiere sind vorwiegend nacht- und dämmerungsaktiv. In der Nahrungswahl ist der Uhu sehr vielseitig, diese besteht

Uhu (Bubo bubo). Foto: Monika Löcken

Habicht (Accipiter gentilis) Habichte sind mittelgroße Greifvögel, allerdings unterscheiden sich die Geschlechter erheblich in der Körpergröße. Die bis zu 61 cm großen Weibchen erreichen die Größe eines Mäusebussards, die Männchen sind nur wenig

7

Vergl.: Feldmann, Reiner: Tierwelt im südwestfälischen Bergland, Kreuztal 1976.

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größer als ein Sperberweibchen. In Nordrhein-Westfalen tritt die Art heute wieder ganzjährig flächendeckend als mittelhäufiger Stand- und Strichvögel auf. Nur selten werden größere Wanderungen über eine Entfernung von mehr als 100 km durchgeführt. Als Lebensraum bevorzugen die Vögel Kulturlandschaften mit einem Wechsel von geschlossenen Waldgebieten, Waldinseln und Feldgehölzen.

ausreichenden Nahrungsangebot an Kleinvögeln. Bevorzugt werden halboffene Parklandschaften mit kleinen Waldinseln, Feldgehölzen und Gebüschen. Durch Schutzmaßnahmen kommt die Art in NRW heute wieder flächendeckend vor.

Sperber (Accipiter nisus). Foto: Monika Löcken

Der Waldkauz (Strix aluco) Habicht (Accipiter gentilis). Foto: M. Löcken

Der Waldkauz ist eine mittelgroße Eule von gedrungener Gestalt, die im Sauerland die häufigste Eulenart ist.

Sperber (Accipiter nisus) Der Sperber wirkt wie ein kleiner Habicht. Die Weibchen sind deutlich größer als die Männchen. In NordrheinWestfalen kommt der Sperber ganzjährig als mittelhäufiger Stand- und Strichvogel vor, hierzu gesellen sich ab Oktober Wintergäste aus nordöstlichen Populationen. In den 1070er Jahren war die Population vermutlich durch Biozide stark zurückgegangen. Durch die starke wirtschaftliche Nutzung der Landschaft wurde auch der Lebensraum der Sperber kleiner. Die Vögel leben in abwechslungsreichen, Gehölz reichen Kulturlandschaften mit einem

Waldkauz (Strix aluco). Foto: Monika Löcken

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Die Tiere sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv, gelegentlich kann man sie auch am Tage beim „Sonnenbad“ beobachten. Die Nahrung ist vielseitig; zu den Beutetieren gehören vor allem Wühlmäuse und Waldmausarten, aber auch Vögel und Amphibien. Der Waldkauz kommt im Sauerland ganzjährig als häufiger Standvogel vor.

Seit November 2010 befindet sich ein Modell der alten Franziskanerkirche im Museum, das der Attendorner Modellbauer Willi Wurm in langjähriger Arbeit gebaut hat. Das Modell bildet die Kirche maßstabs- und detailgetreu ab, wie sie sich vor dem Zweiten Weltkrieg darstellte.

Modell: Franziskanerkirche 1648 erfolgte die Grundsteinlegung für die Klostergebäude und die Klosterkirche, die der Schmerzhaften Muttergottes, dem hl. Franz von Assisi, der hl. Elisabeth, dem hl. Antonius von Padua und dem hl. Bernardin von Siena geweiht war. Prächtig ausgestattet, wurde die Franziskanerkirche zur Begräbnisstätte der Familie von Fürstenberg. Durch verheerende Stadtbrände gingen diese Grabmäler jedoch verloren und der Kirchenbau musste mehrmals neu errichtet oder ausgestattet werden.

Oben und unten - Modell der Franziskanerkirche. Fotos: Monika Löcken

Am Anfang des 19. Jh. kam es mit der Säkularisierung von Kirchenbesitz, auch zur Schließung des Franziskanerklosters. Der Orden der Franziskanerbrüder verließ Attendorn und konnte erst im Jahre 1898 in die Stadt zurückkehren. Die Klosterkirche wurde ihm zwar wieder überlassen, die Klostergebäude jedoch nicht; sie dienten dem Gymnasium bis 1906 als Schule. Als die Klosterkirche 1945 durch eine Explosion stark beschädigt wurde, entschloss man sich 1948 zum Bau einer neuen Kirche an der Hansastraße. Die Ruine der alten Kirche wurde im Jahre 1953 abgerissen.

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Jahresprogramm 2011 des Südsauerlandmuseums in Attendorn Mitgeteilt von Monika Löcken

12. Januar: Vortrag – Charta der Rechte pflegebedürftiger Menschen (DRK/ Caritas)

eiszeitlicher Tiere. (Dipl. Ing. Jeannette Gebhardt), 60,-€ 15. Mai: Internationaler Museumstag „Museen – unser Gedächtnis“. 15.00 h Sonderführung „Altar, der besondere Ort“ durch die Künstlerinnen. 14.30 h „Unsere Stadt“ – Kinder entwerfen einen Stadtplan (Gabriele Tump/ Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V.)

27. Januar: Jahreshauptversammlung des Fördervereins für das Südsauerlandmuseum mit öffentlichem Vortrag – „Burgen im südlichen Westfalen“ (Dr. Andreas Bingener) 20. Februar: Ausstellungseröffnung – „Altar, der besondere Ort“. Ausstellung zum 10jährigen Bestehen des Frauen Kunstforums Südwestfalen

5. Juni: Ausstellungseröffnung 11.00 h „ Frisch aufgetaut – Die Fundsache Ötzi, der Mann aus dem Eis“

14. April: 19.30 h Führung durch die Ausstellung „Altar, der besondere Ort“ (Marlies Backhaus/ Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V.)

26. Juni: Ausstellungseröffnung „Afrikanische Kunst trifft die Imaginationen von Afrika in den Bildern von Margret Berghoff“

19. April: Osterferienprogramm für Kinder 13.00 – 17.00 h Museumsprojekt „zum Niederknien“, Gestaltung und Ausstellung eines eigenen kleinen Klapp-Altares (Marlies Backhaus), 10,€/Kind

23. Juli: Tagung „SGV- Kultur“ 26. – 28. Juli: Tägliches Ferienprogramm „Ötzi – der Mann aus dem Eis“. Anmeldungen unter 02722-3711

20. April: Osterferienprogramm für Kinder 11.00 – 13.00 und 15.00 – 16.00 h Osterbrauch „Burken“ Osterfackel-Werkstatt für Kinder und Erwachsene. Zuschauen, Erklären und selber Bauen auf dem Markplatz vor dem Museum (Peter Höffer), kostenlos

August: Sommer-Special: Das heißkalte Museum. Ferienprogramm: Das Leben in der Bronzezeit 4. September: Ausstellungseröffnung „Wer macht mit? Alte Kinderspiele aus Westfalen“ (LWLMuseumsamt für Westfalen)

26. April: Osterferienprogramm für Kinder 15.00 – 17.00 h „Willkommen in der Eiszeit“. Erproben von Steinzeit-Werkzeugen, Knochenfunde ordnen, Höhlenmalerei und Modellieren

11. September: Tag des offenen Denkmals

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In eigener Sache: Themen zukünftiger Monatsversammlungen des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V. Möchten Sie lieber einen Vortrag zu einem historischen Thema hören oder eine PkwExkursion zu einer Sammlung in der näheren Umgebung machen? Möchten Sie an einer Betriebsbesichtigung teilnehmen oder eine geführte Wanderung machen? Haben Sie Lust auf einen Museumsbesuch oder eine Ausstellungsführung? Steht Ihnen der Sinn nach einer Kirchenbesichtigung oder nach einer Diskussion über Baukultur? Sagen oder schreiben Sie uns, was Sie gerne im Rahmen einer Monatsversammlung unseres Vereins erleben möchten. Sie können uns • montags von 18.00 bis 20.00 Uhr in der Geschäftsstelle des Vereins in der Hansastraße 4 besuchen • oder dort anrufen – 0 27 22 - 63 41 65, • oder eine schriftliche Nachricht im Briefkasten des Vereins hinterlassen, • oder uns eine E-Mail schicken: info@heimatverein-attendorn.de Wir möchten ein Programm anbieten, das Ihnen gefällt!

BUCHEMPFEHLUNGEN

• „Bewahren und ordnen – aufbrechen und ankommen“ – Dokumentation zum 100jährigen Wirken der Ursulinen in Attendorn. 1907 – 2007. Von Otto Höffer mit Beiträgen von Roman Mensing, S. Ingeborg Wirz und Jutta Stamm, Attendorn 2010, Frey Print & Media GmbH, Attendorn. • „Putten, Kanzeln und Altäre“ – Attendorn als Zentrum barocken Kunsthandwerks in Südwestfalen. Von Christoph Hoberg. Erschienen als Band Nr. 33 in der Schriftenreihe des Kreises Olpe. Olpe 2010, Kay druck und medien, Kreuztal. Beide Bücher sind im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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BEDACHUNGEN Gm bH

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ISSN-Nr. 1864-1989

Doris Korte

Verein für Heimatkunde - Nr. 33  

Mitteilungsblatt des Vereins für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V. für Geschichte und Heimatpflege

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