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Bio-Fibel #33 04 2016

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IM GESPRÄCH

greifen. Ein Grundproblem sieht er darin, dass der einzigartige Mehrwert biologischer Lebensmittel, der sich systemisch betrachtet aus der Summe aller Vorzüge ergibt, nur schwer zu fassen ist. Für ihn gehören daher systemisches Denken und ein ganzheitliches Verständnis zu den Schlüsselkompetenzen für zukünftige Bio-Konsumenten. Dabei geht es ihm vor allem darum, Kinder und Jugendliche für ein neues, systemisches Denken zu begeistern, das sie im besten Fall zu mündigen und kritischen Konsumbürgern von morgen macht. Wir trafen den Bio-Vordenker und sprachen mit ihm über Elefanten und Frösche, den schwer kommunizierbaren Mehrwert von Bio, paradoxes Kaufverhalten und warum es sich auszahlt, häufiger einmal die Perspektive eines Adlers einzunehmen. Herr Greger, warum braucht es das Projekt „System(at)isch zu mehr Bio“? Machen wir das Interview per „Sie“? Gut, wir sind keine Politiker, die sich öffentlich nicht duzen. Aber die Frage bleibt: Lothar, weshalb beschäftigst Du Dich mit diesem Projekt? „System(at)isch zu mehr Bio“ ist ein Bildungsprojekt mit einem ganz bestimmten Fokus: dem Üben einer ganzheitlichen

Bio-Fibel 4/2016

Sichtweise auf die Welt, in der wir leben. Denn der wesentliche Mehrwert von Bio erschließt sich einem nur durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Das FiBL sieht in diesem Denkansatz und der systemischen Bildung die große Chance, wichtige Zukunftsfragen zu beantworten. Etwa wie sich die Biobewegung weiterentwickeln kann oder welchen Platz Bio in der Mitte unserer Gesellschaft finden kann. Klingt plausibel, hört sich aber dennoch kompliziert an. Was heißt es konkret, die Welt ganzheitlich, systemisch zu betrachten? In erster Linie geht es darum, dass das Ganze immer mehr ist, als die Summe seiner Teile. Ein Fahrradsattel alleine fährt nicht. Selbst wenn ich alle Teile für ein Fahrrad habe, zeigen die Einzelteile noch nicht die Eigenschaften eines Fahrrades. Erst wenn Pedale, Zahnkranz, Kette, Hinterrad und so weiter richtig zusammengebaut sind, kann ich es benützen. Naja, dann braucht es noch mich als Radfahrer, damit das Rad von A nach B fährt. Es braucht also mich, als biologisches System, und das Rad, als technisches System, damit das Fahrrad seine Wirkung zeigen kann. Und natürlich bin ich als Mensch kein isoliertes System, sondern bin eingebettet in unzählige andere biologische, technische, soziale Systeme, ohne die meine Fahrradfahrt unmöglich wäre.

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Bio-Fibel #33 04 2016 by Reinhard Gessl - Issuu