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3,10 Euro H12719 15.01.2011 bis 15.03.2011

foyer Das Kulturjournal f端r Bremen und den Nordwesten

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inhalt Editorial Weltmeister Deutschland Wir sind Weltmeister im Frauenfußball! Und worin sonst noch ? Im Export vielleicht oder im Wirtschaftswachstum? Da genügt uns derzeit schon der Europameister. Wir sind aber Opern-Weltmeister, liebe Leserinnen und Leser, und darauf dürfen wir doch wohl auch stolz sein. DIE ZEIT, die diesem Thema im letzten Jahr einen ganzseitigen Artikel gewidmet hat, bezeichnete Deutschland als „Opern-Paradies“. Wohl deshalb, weil wir mit 84 Musiktheatern von 560 global mit Abstand über die größte Bühnendichte weltweit verfügen. Doch nicht nur das. Auch bei den Besucherzahlen belegen wir mit acht Prozent der Bevölkerung allein im Bereich Oper dauerhaft den Spitzenplatz. Sind wir etwa doch noch das Volk der Dichter und Denker oder zumindest deren verantwortungsbewusste Erben? Und das sogar in Zeiten maroder Staatsfinanzen? Der in Bremen beheimatete Staatsminister für Kultur in Berlin, Bernd Neumann, hat sich wider Erwarten seiner anfangs zahlreichen Kritiker zu einem leidenschaftlichen Hüter dieses Erbes und erfolgreichen Kämpfer um seinen Kulturetat entwickelt. Sein Beispiel könnte als Signal in allen politischen Farben durch unser Land strahlen – gerade auch in die kleinen Bundesländer. Wir verfügen in Deutschland über eine einzigartige Theaterlandschaft, für deren Vielfalt und Qualität wir weltweit bewundert und geachtet werden. Diese wertvolle Trumpfkarte gilt es zu hüten, für die Zukunft zu wahren und gegen alle Widersacher zu verteidigen. Daran muss man besonders im Wahljahr erinnern, wenn Theaterfusionen wieder auf dem politischen Spielplan stehen. Fußballweltmeister wird man schließlich auch nicht umsonst – wenn überhaupt. Ihre

Marie-Clothilde Kronenberg

................................................. Theater 04 06 08 10 11 12 14 16 18 19 20 21 22 26 27 28

iM tal DER tRÄnEn „Madama Butterfly“ EPOS iM FEGEFEUER „Die Nibelungen“ nach Hebbel UntER DaUERDRUCK „Glaube, Liebe, Hoffnung“ tanZ alS PROZESS Zwei Stücke von Emanuel Gat nEUE ZiElE Packhaustheater im Schnoor verkauft SPiEl Mit SPRaChE bsc zeigt „Verlorene Liebesmüh“ Mit POESiE Wagners „Walküre“ in Oldenburg KÜnStlEROPER Hindemiths „Cardillac“ im Fliegerhorst tURBUlEnt „Die Csárdásfürstin“ in Bremerhaven FORt iM FORD Laucke-Erfolgsstück im Kleinen Haus SOnGPOEtin Pe Werner auf der TiF-Bühne SÄnGERKRiEG Liederabend „Mütter“ in Bremerhaven OPERnPREMiEREn an nORDDEUtSChEn BÜhnEn KOlUMnE naChGEDaCht Die Dinge des Lebens BOUlEVaRD Neues von Bremer Bühnen MEnSChEn iM FOYER

................................................. Musik 30 32 33 34 36 38 39 40 42 42 43

BREMER PhilhaRMOniKER Wagner intensiv PORtRÄt Die Komponistin Younghi-Pagh-Paan PORtRÄt Wie Patricia Andress die „Butterfly“ singt KOnZERttiPPS KOnZERtE in DER GlOCKE VOllER KalEnDER Die Kammerphilharmonie 2011 ZUKUnFtSMUSiK Jugend-Wettbewerb in Oldenburg JaZZtiPPS ROllEnSPiEl SChaUSPiElRÄtSEl OPERnRÄtSEl

................................................. Kunst 44 WiRtSChaFt „gerdes – was zukunft hat!“ 46 litERatUR 48 BREMER litERatURPREiS 49 BUCh UnD MUSiK 51 SERiE Die neue Kunsthalle Bremen 52 nEUER ChEF Dr. Laukötter geht in die Böttcherstraße 53 VGh-PREiS für Kunsthalle und Weserburg 54 KUnSt „Freibeuter“ erobern die Bremer Weserburg 56 KUnStWERKE 57 KinOtiPPS 60 KUltURKalEnDER Premierendaten 61 KUlinaRiSChES Krimispannung im Bremer Ratskeller 63 KUlinaRiSChES In der Weinabteilung von Lestra 70 naChKlanG FOYER-aUtOREn iMPRESSUM


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theater bremen Madama Butterf ly

Giacomo Puccinis unsterbliche „Madama Butterfly“ in einer neuen Inszenierung am Theater Bremen Text: Ute Schalz-Laurenze

„W

as hab’ ich mit Helden und unsterblichen Gestalten zu schaffen? In solcher Umgebung behagt es mir nicht. Ich bin nicht der Musiker der großen Dinge. Ich empfinde nur die kleinen Dinge und nur sie lieb ich zu behandeln. So gefiel mir Manon, weil sie ein Mädchen von Herz war und nichts darüber. (…) Und so hat mir auch Butterfly gefallen, weil es ein so kleines weibliches Ding ist, das aber zu lieben versteht bis zum Tod und dann noch wie eine große Dame zu sterben weiß; auch

Im Tal der Tränen

sie ein kleines zerbrechliches Frauenzim- santhème“ von Pierre Loti kennengelernt und 1900 in London einen Einakter mit dem merchen, gleich einem Spielzeug ihres Landes, und ohne Ansprüche auch sie....“ Titel „Madama Butterfly“ gesehen. Puccini war – 65 Jahre, nachdem die ersten amerikanischen Schiffe in Japan gelandet waren Der 1858 geborene Giacomo Puccini, der – fasziniert von dem Stoff, mit dem er seiseine kompositorische Laufbahn mit Kirne sechste Oper komponierte: im Untertitel chenmusik begonnen hatte, schrieb 1904 mit „Madama Butterfly“ eines seiner Werke, nannte er sie „japanische Tragödie.“ die mehr noch als alle anderen sein weibliDie Handlung spielt 1900 in Nagasaki. Der ches Publikum zu Tränen rühren. Was der Komponist auch beabsichtigte: „Ich will das amerikanische Marineleutnant Pinkerton heiratet „auf Zeit“ die japanische Geisha Publikum weinen machen.“ Er hatte den Cio-Cio-San, die die Begegnung für Lie1887 entstandenen Roman „Madam Chry-


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be hält. Noch nach drei Jahren – sie hat von Pinkerton einen Sohn – wartet sie auf ihn. Als er mit seiner amerikanischen Frau im Hafen landet, schmückt sie ihr Haus. Doch er kommt nur – noch dazu mit seiner Frau –, um seinen Sohn zu holen. Cio-Cio-San gibt ihm das Kind und bringt sich um. Haben sich solche Themen der Kolonisation und ein solches Frauenbild nicht überholt? Für die Regisseurin der Bremer Aufführung, die seit zehn Jahren in Deutschland lebende Amerikanerin Lydia Steier, keineswegs: „Ich versuche, eine reale Frau darzustellen, deren Wertesystem zusammenstürzt. Das ist zeit- und gesellschaftlos und kann immer und überall sein“. Wie will Steier der Schnulze entgegenwirken? „Den ersten Akt präsentieren wir als Spiel, in dem Butterfly die Hauptrolle einer Show spielt. Was man aber ja auf keinen Fall vermeiden kann, ist die Musik von Puccini, und die ist einfach tränentreibend.“ Gefragt nach der Schwäche CioCio-Sans, sagt Steier: „Sie wollte das Falsche.“ Und gefragt nach Butterflys Stärke: „Ihre Inspiration und ihr Talent.“ Welche Rolle spielt Puccinis Kolonialismuskritik, die gerade in der ersten Fassung 1904 sehr ausgeprägt ist? Lydia Steier: „Ich setze die Akzente anders: bei mir spielt auch der zweite und der dritte Akt in Amerika, denn Cio-Cio-San ist Amerikanerin geworden.“ Auch der Dirigent Daniel Montané stellt sich der Frage, wie man mit der Gefahr der

Sentimentalität umgeht: „Selbstverständlich besitzt Butterfly alles für ein großes Drama mit vielen Tränen, aber für mich ist die Struktur des Musik-Dramas selbst wesentlich wichtiger. Puccini schafft einen perfekten Dramen-Rhythmus und setzt die ‚Coups d’effect’ auf geniale Weise ein.“

„Um die Jahrhundertwende werden diese ‚Mixturen’ und exotischen Tonleitern ja oft bei Komponisten wie Debussy verwendet. Puccini allein hat die Fähigkeit, dies als Basis für ein Drama auszunutzen.“

Die Uraufführung 1904 an der Mailänder Scala wurde zu einem Fiasko. „Mit trauri1902 schrieb Puccini an seinen Librettisgem, aber unerschütterlichem Gemüt teiten Luigi Illica, dass er dringend wünsche, le ich dir mit, dass ich gelyncht wurde!“ „über die Populärmusik der Japaner mehr schrieb Puccini an einen Freund. „Diese zu erfahren.“ Er lernte Hisako Ohyama Kannibalen hörten sich keine einzige Note kennen, die Frau des japanischen Gesand- an. Welch eine schreckliche hasstrunketen in Rom. Sie spielte das Saiteninstrune Orgie des Wahnsinns! Aber meine Butment Koto, terfly bleibt, was das viel„ ... die gefühlvollste, ausdruckvollste sie ist: die gefühlleicht vor- Oper, die ich geschrieben habe.“ vollste, ausdrucknehmste vollste Oper, die Instrument Japans, das bei Hof- und Tem- ich geschrieben habe.“ Und an anderer pelzeremonien verwendet wird. Nach ihStelle sagte er, dass er „Madama Butterfly“ rem Spiel notierte Puccini sich Melodifür seine beste und modernste Oper halte, en. An einigen Zitaten japanischer Lieder die er allerdings nach dem Fiasko der Urist zu erkennen, dass Puccini auch die seit aufführung noch einmal gründlich über1888 bekannte europäische Notation japa- arbeitete. nischer Musik gekannt hat. Vier Takte der japanischen Nationalhymne erklingen bei Ulrich Schreiber urteilte: „... eine der huder Ankündigung der japanischen Beammansten und in ihrer Bitterkeit wahrhaften in der Hochzeitsszene. tigsten Opern des 20. Jahrhunderts...“ Dieses Werk zu interpretieren, bedeutet für Die ganztönigen Volksmelodien und Moti- Montané „alles! Es ist ein Luxus, diese Parve, die Puccini reichhaltig, nicht illustratitur dirigieren zu dürfen.“ tiv, sondern interpretierend einsetzt, werden ergänzt durch das Instrumentarium, Premiere am 11. Februar um 19.30 Uhr im das einen exotisch fremden Gesamtklang Theater am Goetheplatz. erzeugt: Gongs und Glocken, japanisches Weitere Aufführungen am 13. und 16. FeTam Tam, die kleine Flöte Ottavino, japabruar, 1., 3., 6., 11., 13., 19. und 30. März nische Glocken, Röhrenglocken. Montané: sowie 1., 8. und 29. April.


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thEatER BREMEn Die Nibelungen

Herbert Fritsch inszeniert „Die Nibelungen“ nach Hebbel im Bremer Theater am Goetheplatz Text: Sven Garbade

Epos im FEgEFEuEr B

ereits in der vergangenen Spielzeit konnte das Bremer Schauspiel das eigene Profil deutlich verbessern, indem ein überregional bekannter Regisseur verpflichtet wurde. Damals war es Volker Lösch, der im großen Haus am Goetheplatz seine Version von Schillers „Räubern“ zeigte; eine provokante Klassiker- Bearbeitung, voller Punks und wütender Chöre, die bei aller rüpelhaften Attitüde letztendlich vor der Teilung der Gesellschaft warnen wollte. Lösch hatte zuvor in Hamburg, Stuttgart und Berlin mit seinem gesellschaftskritischen Theater einige Debatten und auch handfeste Skandale ausgelöst. Und obwohl seine Bremer „Räuber“ hier keinen Skandal verursachten (dies wohl auch gar nicht beabsichtigt hatten), so stach dieser Gastbeitrag aus dem teilweise flauen übrigen Spielplan heraus. Hier waren zuvor bereits mehrere originell gemeinte Experimente im Diffusen geendet. Löschs „Räuber“ waren dagegen ein deutliches Statement – und sie bescherten dem Haus zudem beste Besucherzahlen.

Handschrift verspielte sich einerseits in mäßig unterhaltsamem Effekt-Gebolze wie bei „Was Ihr Wollt“ oder in schwammiger Künstelei wie bei „Groß und Klein“. Die jungen Wilden sind am Bremer Schauspiel eben oft nett – und ihre Experimente hinterlassen ratloses Schulterzucken. Also ist es im großen Haus am Goetheplatz mal wieder höchste Zeit für einen alten, nein, sagen wir besser: einen gestandenen Wilden.

Nibelungenbrunnen in Tulln

Anti-Regisseure. Eine zuweilen beängstigende Spielwut wird an ihm gerühmt. Und dann ist da noch „hamlet_X“, das Multi-Media-Projekt, an dem Fritsch seit 2000 werkelt. Zusammen mit zahlreichen Kollaborateuren schuf er ein bizarres Konvolut von Kurzfilmen und Animationen, die Motive aus Shakespeares Stück aufnehmen und in neuen Performances umsetzen. Bei YouTube ist dieses Mosaik im Internet zu sehen: ein Labyrinth aus Herbert Fritsch, Jahrgang 1951, könnte Gesprächsfetzen, Interviews und Porträts. dafür der richtige Mann sein. Viele Jahre Hamlet wird dort zu einer Geschichte hat der in Augsunserer Zeit burg geborene „... wie Herbert Achternbusch auf LSD“ gemacht. Schauspieler an Hamlet als Deutschlands wildester Bühne sein TemModenschau, Hamlet als Werbefilm, als perament vervollkommnet: seit Beginn der Schnulze, als Krimi... Eine postmoderne 90er-Jahre war er einer der Stars an Frank Nachdichtung im digitalen Zeitalter. Castorfs Volksbühne am Rosa-LuxemburgPlatz in Berlin, tobte in Theater-Spektakeln Einige dieser Filmprojekte mündeten in wie „Clockwork Orange“. Aber neben Kurz-Filmen, andere wurden gleich sehr Castorf hat ihn auch die Zusammenarbeit viel länger: „Elf Onkel“ heißt Fritschs aktumit Regie-Persönlichkeiten wie Christoph eller Kinofilm, der 100 Minuten dauert und Schlingensief, Einar Schleef oder Dimiter über den die Presse schrieb: „...wie Herbert Gotscheff geprägt. Zerstörer, Rabauken, Achternbusch auf LSD“. Dieses Jahr ist die Situation ähnlich. Wieder Formfinder – in Fritschs Bühnenkarriere haben die jungen (Haus-)Regie-Kräfte finden sich viele laute und starke UmwälDoch auch richtiges Theater macht Fritsch am Bremer Schauspiel eher Konfuses bis zer des deutschen Theaters wieder. Heute noch, mit zunehmendem Erfolg nun eben Kurioses angeboten. Der Wille zur eigenen ist er selbst einer dieser energetischen auch als Regisseur. Seit einigen Jahren


Theater bremen Die Nibelungen 7

inszeniert er als Gast unter anderem an den Bühnen in Leipzig, Magdeburg, Wiesbaden und Oberhausen. Über seine „Biberpelz“-Inszenierung in Schwerin schrieb ein Kritiker: „Herbert Fritsch jagt Gerhart Hauptmann durch den Schredder seines surrealistischen Zaubertheaters – ein supervirtuoser Slapstick.“ Klamottig geht es häufig auf den Bühnen bei Fritsch zu, mit Tempo, Turbulenz und bonbonfarbenen Stilisierungen operiert er gerne. Zudem sagt man ihm nach, er verführe seine Schauspieler zu völlig neuen Selbstentdeckungen. Anti-Intellektuell, weit ab vom Mainstream des gefälligen Regie-Theaters, so könnte man ihn verorten. Fritsch steht für ein Fegefeuer der theatralen Neuerfindung. Was Fritsch und das Bremer Ensemble mit den „Nibelungen“ – ausgerechnet in

der etwas starren Fassung von Friedrich Hebbel – vorhaben, darüber lässt sich nur spekulieren. Die urdeutsche Sage von Siegfried und Brunhild führt ja beständig zu Renovierungsgelüsten bei den auf sie angesetzten Inszenatoren. An dem deutschen Nationalepos, wo mit Schwert und Tarnkappe operiert wird, klebt zuviel dunkeldeutsches Dramen- und Drachenblut, als dass eine unkommentierte Inszenierung denkbar wäre.

nisvollen Ehrgefühl operiert. So wird sich jede Neuinszenierung des Stückes mit der Frage auseinandersetzen, wie sie mit dem bitteren Nachgeschmack umgehen will, den die nationalsozialistische Vereinnahmung des Textes hinterlassen hat.

Ob der Animateur Fritsch nun Etzels Burg mit seinen virtuosen Gags und Gimmicks in eines seiner Tollhäuser verwandeln wird, bleibt eine der spannenden Fragen für den Bremer Schauspielgänger. WoDer aus Worpswede stammende Autor Mo- möglich wird es sogar richtig lustig, denn ritz Rinke griff ja 2002 aus diesen Gründen Fritsch sagt selbst: „Humor ist die höchste beherzt in die Tasten, um eine komplett Form der Diplomatie. Er sprengt das Protoaktualisierte Fassung ins Hier und Jetzt koll und schafft neue Perspektiven“. zu bringen. Notwenig erscheinen solche Premiere am 21. Januar um 19.30 Uhr im radikalen Bearbeitungen an jenen Stellen, Bremer Theater am Goetheplatz. an denen das Stück mit germanischem Weitere Aufführungen: 27., 29. Januar; Mythos, Patriotismus und einem verhäng- 10., 18., 19. ,23. Februar; 10. März

Heiter bis leidenschaftlich!

Allen Zuschauern der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ wünschen wir einen unterhaltsamen Abend mit vielen schwungvollen Momenten. | > | Verantwortung für ein modernes Leben www.swb-gruppe.de

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theater bremen „Glaube, Liebe, Hoffnung“

Leben unter Dauerdruck Ö

dön von Horváth ist neben Bertolt Brecht einer der ganz großen Theaterautoren. Ein Moralist, der der Gesellschaft in der Tradition von Nestroy einen subtilen Spiegel vorhielt und es wie kaum ein anderer verstand, den Finger Staatstheater Oldenburg: „Glaube, Liebe, Hoffnung“ auf die Brüchigkeit menschlichen ZusamFoto: Andreas J. Etter menlebens zu legen. Wie Bertolt Brecht war er der Auffassung, „dass der Mensch dem Menschen nicht hilft.“ Und wie bei Apostel Paulus: „Nun aber bleiben Glaube, thals „Jedermann“. Man muss dieses Stück Brecht gibt es auch bei Horváth eine „dunkle Seite des Daseins“, über die man Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe auf der Bühne sehen. Filmkulisse, das ist die größte unter ihnen.“ wäre zu viel Realismus und würde das filigerne den Mantel des Schweigens und grane Gleichgewicht stören. Vergessens decken würde. Nach dem zweiten Weltkrieg tat man sich schwer mit einem Dichter, der sich nicht Im Zentrum steht die arbeitslose DamenHorváth war aber auch ein Bohemien. Als einer bestimmten politischen Richtung zu- unterwäscheverkäuferin Elisabeth, die in er im Pariser Exil am 1. Juni 1938 auf der ordnen ließ: „Ich schreibe nicht gegen, ich Not geraten ist und durch die Unbarmberühmten Champs-Élysées (nomen est zeige es nur… Ich schreibe allerdings auch herzigkeit einer männerbestimmten Geomen!) von einem herabfallenden Ast ernie für jemand, und es besteht die Mögsellschaft vorbestraft wird. Weil sie Geld schlagen wurde, fand man in seinen Taschen nebst einem Gedicht anstößige Bilder. lichkeit, dass es dann gleich Einen Blick aber auf das, was man Seele nennt, ist Da war er gerade einmal 37 Jahre alt und ‚gegen’ wirkt. nicht mehr notwendig. Der Mensch wird zur Ware. hatte innerhalb eines Jahrzehntes 17 dramatische Werke verfasst. Berühmt sein Satz: Ich habe nur zwei Dinge, gegen die ich schreibe, das ist benötigt, will sie schon zu Lebzeiten im „Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich Vorgriff auf den mit Sicherheit zu erwardie Dummheit und die Lüge. Und zwei, komme nur so selten dazu“, der immerhin wofür ich eintrete, das ist die Vernunft und tenden Tod ihren Körper für wissenschaftzur Initialzündung von Udo Lindenbergs liche Zwecke dem anatomischen Institut die Aufrichtigkeit.“ Das führt gleich zu und Jan Delays Lied „Ganz anders“ wurde. dem zweiten berühmten Satz von Horváth, verkaufen. Das wird natürlich entrüstet abgelehnt. Der Vergleich zu Zuckmayers der grammatikalisch falschen FeststelSein literarisches Anliegen formulierte Stück „Hauptmann von Köpenick“ drängt Horváth als „gigantischen Kampf zwischen lung: „Nichts gibt so sehr das Gefühl der sich auf. Aber Elisabeth steht das WasIndividuum und Gesellschaft“ und die Of- Unendlichkeit als wie die Dummheit.“ ser tatsächlich bis zum Halse, als sie in der fenlegung einer bigotten Moralität. Er hat Der Satz, Theater ist das, was anders nicht Donau den Tod sucht. es am eigenen Leibe selbst erfahren. 1933 wurde die Uraufführung von „Glaube, Lie- zu machen ist, nicht mit Film und nicht „Es gibt einen Tod, der eintritt und der be, Hoffnung“ im Rahmen der nationalso- mit dem Roman, trifft auf Horváth und Körper lebt noch einige Jahre weiter, man insbesondere auf seinen „kleinen Totenzialistischen Kulturpolitik verboten. Die verwest bei lebendigem Leibe.“ (Horváth) tanz in fünf Bildern“, wie Horváth das Uraufführung fand erst drei Jahre später – Der Prozess der Verwesung als Metapher am 13. November 1936 noch unter dem Ti- Stück nennt, in besonderem Maße zu. Er enthüllt unsentimental, was im Innern von knüpft mit dieser Bezeichnung nicht nur tel „Liebe, Pflicht und Hoffnung“ in Wien Elisabeth passiert, während sie mit Wortstatt. Der endgültige Titel bezieht sich auf an die Tradition des Wiener Volksstückes hülsen und rigiden Verhaltensmustern an, sondern auch an die von Hofmannsden 1. Korintherbrief, Kap. 13, Vers 13 des


thEatER BREMEn „Glaube, Liebe, Hoffnung“ 9

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„Glaube, Liebe, Hoffnung“ von Ödön von Horváth am Bremer Schauspielhaus Text: Michael Pitz-Grewenig

traktiert wird. Einen Blick aber auf das, was man Seele nennt, ist nicht mehr notwendig. Der Mensch wird zur Ware. Ödön von Horváth zeigt mit einer stillen Radikalität, was Dramatik ist: die notwendige Abweichung von der Norm. Man könnte auch von Transformation der Alltagsrealität sprechen. Das in Zusammenarbeit mit dem Gerichtsreporter Lukas Kristl geschriebene Stück beruht auf einer wahren Begebenheit. Der Kampf der Triebe gegen die Kultur, der die Auffassung des Volksstückes Horváthscher Prägung definiert, wird hier vor der Folie gesellschaftlicher Strukturen beleuchtet, die durch ökonomische Verhältnisse geprägt werden. Regisseur Hüseyin Michael Cirpici hat einen wachen Blick für die gesellschaftlichen Implikationen: „Am Beispiel einer jungen Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen möchte (...) sehen wir, wie durch einen eindimensionalen Blick der Gesellschaft, die durch ein viel zu enges Korsett von Werte- und Moralvorstellungen auf die junge Elisabeth blickt, die kleine Freiheit nicht nur von Elisabeth erdrückt wird, sondern eigentlich auch die Freiheit der Übrigen eingeschränkt ist.“ Eine melancholische Poesie umgibt das Stück, die das allmähliche Aufkommen von gesellschaftlicher Kälte, die Deformation des Charakters, die Abhängigkeit der Gefühle von der ökonomischen und sozialen Situation aufzeigt und damit vielleicht heute aktueller denn je ist, wie Regisseur Hüseyin Michael Cirpici ausführt: „Glaube, Liebe, Hoffnung zeigt auch die sozialen Ungerechtigkeiten eines Gesellschaftssystems. Und dieses System hat sich so tief in die private Welt des Einzelnen eingepflanzt, dass hier kaum mehr ein ‚soziales Gewissen’ vorhanden ist.“ Die Bremer Dramaturgin Diana Insel bringt es auf den Punkt: „Elisabeth muss das Gesetz brechen, um das Gesetz einhalten zu können.“ Diese Zwickmühle entpuppt sich bei näherem Hinsehen aber als nichts anderes als eine moderne Form der antiken Tragödie. Das Leben wird von höheren Gewalten bestimmt, deren Logik sich der Vernunft entzieht. – „Was ist das für ein Leben?“ fragt Cirpici. „Ein Leben unter Dauerdruck!? Ein Leben des Zerfleischens!? Survival of the Fittest?“ Premiere am 5. Februar, 20 Uhr, im Neuen Schauspielhaus

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thEatER BREMEn/OlDEnBURG Trotz

tanz als prozEss

Doppeltanzabend: Choreograf Emanuel Gat zeigt „Trotz“ und die Uraufführung „The revised and updated Bremen structures”. Text: Sabine Komm

Voyage

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ls Emanuel Gat zwischen den Proben zum Interview kommt, macht er, was er immer gern macht: das Gespräch erst einmal in die richtige Richtung lenken. Das bedeutet bei ihm, der bekannt ist für seine einfache, klare, sehr kraftvolle Bewegungssprache: wenig über Details sprechen und viel über Generelles. Er sei niemand, der gezielt konkrete Themen wie Liebe, Trennung, Schmerz anpeile. Niemand, der mit einer vorgefertigten Idee in die Proben geht, sagt der Choreograf mit den marokkanischen Wurzeln, der vor kurzem Israel verlassen hat und mit Kompanie, Frau und fünf Kindern nach Südfrankreich gezogen ist und dort die Maison de la Danse leitet.

„Ein Choreograf ist jemand, der einen Baum an einen sonnigen Standort pflanzt und mit Wasser versorgt. Wie sich die Äste entwickeln, hängt vom Wind ab.“ Das heißt: Wichtig ist nicht nur er, sondern sind auch die Persönlichkeiten der Tänzer.

Rhythmus dieser Streifen beeinflusst mich genauso wie die Geräusche, die gerade durch dieses Fenster dringen.“

Trotz der Unterschiede lässt er auf das Bremer Ensemblestück „Trotz“ zu der BachMotette „Jesu meine Freude“ ohne Pause die Uraufführung folgen. Allerdings ändern die Dass er mit den Bremer Tänzern bereits Tänzer dafür ihr Oufit. „Trotz“ arbeitet mit 2007 bei der Produktion „Voyage“ zusammen gearbeitet hat, empfindet er als Glück. traditionellen Kostümen. Im neuen Stück hingegen tragen die Tänzer Alltagskleidung. Es sei eine Gruppe aus Individuen. Die meisten kennen sich lange. Gat spricht von So holt Gat ein Stück Naturalismus in den künstlichen Theaterraums. „guter Energie“. Davon hat er profitiert, als er den begonnenen Dialog überarbeiKann er sich eigentlich vorstellen, sein tet und aktualisiert hat. „The revised and updated Bremen structures“ nennt er, dem Ensemble irgendwann draußen tanzen zu lassen, im Freien? Nein, sagt er: „Theatre Emotionen und Strukturen so wichtig sind, is amazing.“ Während HipHop von unten, deshalb die neue Produktion. von der Straße kommt, brauche er für seine Tanz ist für den Mann, der von sich selbst tänzerischen Aktionen den geschlossenen Für Gat, der schon mit Ikonen der klassisagt, dass er immer arbeitet, ein kontinuRaum und die Distanz, die durch dieses schen Musik wie Schuberts „Winterreise“ ierlicher Prozess. Seine Stücke sind nur ein artifizielle Ambiente entsteht. Der traditiooder Strawinskys „Le Sacre du PrintMoment in diesem Prozess. Gat, selbst Fan nelle Theaterraum erlaubt ihm, Leben und der TanzerRealität zu kommentieren. „Wenn ich damit ... die Bewegung und ihr Timing in Raum und Zeit. neuerer Bill breche, funktioniert mein Tanz nicht mehr.“ Forsythe und Merce Cunningham, konzen- emps“ gearbeitet hat, ist die Musik Motor. triert sich auf die Bewegung und ihr Timing Ursprünglich hatte er Musik studiert und Premiere am 15. Januar um 20 Uhr im Dirigent werden wollen. Für die Bremer Urin Raum und Zeit. Es geht um Fragilität, Neuen Schauspielhaus. Weitere Vorstelaber auch um brennende Power. Gat gilt als aufführung hat er jetzt selbst komponiert. lungen: 21., 27. und 29. Januar sowie 3., Dabei hat er akustisches Material manipuGegenpol zu all den Geschichtenerzählern 10., 15., 18. und 23. Februar. und tagespolitischen Kommentatoren unter liert und neu gemischt. „Ich bin ein offener Mensch. Beim Komponieren nehme ich den Choreografen. Premiere in Oldenburg: 19. Januar um 20 alles wahr und lasse mich inspirieren.“ Der Uhr in der Exerzierhalle. Weitere Vorstel41-Jährige deutet auf das gestreifte Bieder- lungen: 22., 25. und 28. Januar sowie 5. Seine Rolle beschreibt der Mann mit dem meier-Sofa im Raum der Dramaturgie. „Der Februar. Hang zu poetischen Formulierungen so:


thEatER BREMEn Packhaustheater 11

spEcht packt’s an Bremer Unternehmer erwirbt das Packhaustheater und holt Dirk Böhling als künstlerischen Leiter Text: Peter Schulz

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euer Inhaber, neuer Chef, neues Konzept – im kleinen PackhausTheater im Schnoor bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Und das ist zum Teil durchaus wörtlich zu nehmen, denn Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der Bremer Residenz-Gruppe, will das historische und unter Denkmalschutz stehende Gebäude Wüstestätte 11 nach vollzogenem Kauf von der Stadtgemeinde Bremen kräftig umbauen und sanieren.

ren. Böhling, der auch mehrere Theaterstücke und Drehbücher geschrieben hat, feierte erst vor wenigen Wochen mit der Inszenierung von „Mein Freund Harvey“ am Bremer Schauspielhaus einen viel beachteten Erfolg.

Im Packhaus-Theater will er künftig auf „klassische Komödien und gehobenes Boulevard, aber auch auf Krimis und Kinderstücke“ setzen, „neue Köpfe“ für die Mitarbeit gewinnen und das Haus für „professionelle Gastspiele“ öffnen. Damit zeichnet sich ab, dass das 1974/76 nach So jedenfalls sieht es das Konzept des bundesweit tätigen Betreibers von Einrich- Plänen des Architekten Müller-Menckens zum Theater mit 140 Sitzplätzen umgetungen der Altenpflege und des Gesundheitswesens vor. Der „Bremer Unternehmer baute Gebäude künftig nicht weiter durch die Ensembles der „Komödie im Schnoor“ 2010“, der auch am Restaurant „Theatro“, dem Hotel „ÜberFluss“ und dem Schuppen sowie des Union-Theaters und des Theaters „Phönix“ genutzt werden kann. 1 in der Überseestadt beteiligt ist, will in dem 1801/1850 errichteten Speicher künftig neben dem Theater und der Kneipe „Scusi“ Eine Vorgabe, die bei den betroffenen Gruppen bereits energischen Protest im Kellergeschoss auch eine „gehobene ausgelöst hat. Doch auch die „Komödie im Gastronomie“ ansiedeln und Proberäume für die benachbarte Musikhochschule ein- Schnoor“ reagierte verbittert angesichts der Aussicht, das Haus nur noch bis zum richten. Zudem soll im Dachgeschoss ein Auslaufen des bestehenden Vertrags mit Wohnkonzept realisiert werden. dem Trägerverein des Packhaustheaters am 31. Mai 2011 bespielen zu können. Als sachverständigen Partner für den Theaterbetrieb hat sich Specht eine allseits Genau diese Perspektive war jedoch offenbekannte Bremer Persönlichkeit ins Boot geholt: Dirk Böhling, Regisseur, Schauspie- kundig, seit Immobilien Bremen (IB), als ler und Moderator von Radio Bremen, soll Anstalt des öffentlichen Rechts zentrale künftig als „künstlerischer Leiter“ fungie- Ansprechpartnerin für die öffentlich

genutzten Immobilien der Freien Hansestadt Bremen, das Packhaus im Auftrag der Stadtgemeinde öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben hatte. Kauf bedingung für potentielle Interessenten: Mögliche Erwerber müssen ein Konzept über die weitere kulturelle Nutzung der Immobilie mitbringen. Eine Vorgabe, die Specht im Verein mit Dirk Böhling offenbar auch zur Zufriedenheit der eingeschalteten Kulturbehörde erfüllt hat. Den Ausschlag für den eingeleiteten Verkauf hatte der deutliche Sanierungsstau am Gebäude gegeben. „Bremen kann weder die absehbaren noch die laufenden Kosten für den Bauerhalt tragen“, urteilte IB-Geschäftsführer Dr. Oliver Bongartz angesichts des erheblichen Investitionsbedarfs. So sei etwa die Heizung des Packhauses ebenso erneuerungsbedürftig wie die Toilettenanlagen. Rolf Specht, der die viergeschossige Immobilie mit einer Gesamtnutzfläche von knapp 1300 Quadratmetern dem Vernehmen nach für 650.000 Euro erwirbt, schreckt davor nicht zurück. Sofort nach der Übernahme soll die Sanierung des Gebäudes beginnen, für die – so heißt es – 900.000 Euro veranschlagt worden sind. Wann sich im Packhaustheater erstmals wieder der Vorhang heben wird, ist angesichts des Umfangs der Arbeiten noch ungewiss.


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theater bremer shakespeare company

Spiel mit Sprache

Thomas Weber-Schallauer inszeniert Shakespeares Komödie „Verlorene Liebesmüh“ am Leibnizplatz Text: Christian Emigholz

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m Beginn der Shakespeare-Komödie „Verlorene Liebesmüh“ (im Original: „Love’s Labour’s Lost“) steht eine mehr als groteske Situation. Der König von Navarra hat sich etwas ausgedacht, er will gemeinsam mit drei Höflingen drei Jahre lang in mönchischer Askese leben: Es soll gefastet (mindestens einmal pro Woche) und so wenig als möglich geschlafen werden (nur drei Stunden pro Nacht), vor allen Dingen aber ist jeder Kontakt zu Frauen zu meiden. Die drei Jahre sollen zu philosophischen Studien genutzt werden.

er). Der Regisseur und Schauspieler hat hier schon eine ganze Reihe von Stücken inszeniert, zuletzt Shakespeares „Maß für Maß“, davor Becketts „Warten auf Godot“. Für ihn ist die Tatsache, dass es sich bei „Verlorene Liebesmüh“ um ein Redestück handelt, von Bedeutung: „Dass in diesem Stück sehr viel geredet wird, werden wir unbedingt berücksichtigen. In diesem Gerede stecken aber immer auch sehr viele kabarettistische Elemente, das ist vor allen Dingen bei der Handhabung von Sprache auffällig. Schon in der Zeit seiner Entstehung war es ein Unterhaltungsstück, in dem, wenn man so Eine Art Akademie will der König also ins will, eine frühbarocke Spaßgesellschaft aufs Leben rufen, als deren Ziel er „das zu lernen, Korn genommen wird.“ was wir noch nicht wissen“ ausgibt. Seine Mitstreiter sind mehr als skeptisch, allen vo- Damals herrschte ein regelrechter Kulturran der beredte Berowne. Schon bei der ers- kampf darum, was Sprache kann und was ten Gelegenheit brechen dann auch alle nicht. Shakespeare stellt Sprache als reiihre Eide – für diesen Fall sind eigentlich nen Selbstzweck ihrer Funktion als Inschreckliche Strafen bis zum Abschneiden formationstransfer gegenüber. In diesem der Zunge angedroht –, denn die Prinzessin Zusammenhang muss man natürlich festvon Frankreich ist mit weiblichem Gefolge stellen, dass viele dieser Doppeldeutigund in hochpolitischem Auftrag gekommen. keiten, Doppelbödigkeiten, die in ShakeSie muss natürlich von diesem schrulligen, speares Sprache liegen und die in der eigenartig außerhalb der Wirklichkeit steElisabethanischen Zeit verständlich wahenden König empfangen werden. ren, heute nicht mehr zünden. „Aber es gibt“, sagt Weber-Schallauer, „noch genüAllerhand Irrungen und Wirrungen fühgend funktionierende Elemente, so dass ren zu komischen Verwicklungen unter es sich lohnt, bei diesem Stück die Sprache den nun allesamt hochgradig verliebten zum Thema zu nehmen.“ Herren, und zum guten Schluss sind die Frauen wieder einmal die Klugen, die die Shakespeare zieht in „Verlorene LiebesMänner in ihre Schranken weisen, ihnen müh“ sämtliche Register: Es finden sich lyerneute As- „Es geht vom plumpsten Kalauer, der unter die Gürkese empfehlen, was tellinie zielt, bis hin zum hohen Ton, zum Sonett.“ dann auch ganz dem Titel entspricht. „Ver- rische Gedichte, überhöht pathetische Verlorene Liebesmüh“ ist also eine typische se, aber auch platte Gags. „Das ist ja das Komödie Shakespeares, in der die schein- Tolle“, sagt Thomas Weber-Schallauer, „es bar hochgeistige Welt des Adels mit den geht vom plumpsten Kalauer, der unter die bodenständig rüpelhaften Einsichten des Gürtellinie zielt, bis hin zum hohen Ton, gemeinen Volkes konfrontiert wird. zum Sonett.“ Bezogen auf das Heute – und natürlich hat Thomas Weber-Schallauer erarbeitet zurder Regisseur Shakespeares Stück auf seizeit „Verlorene Liebesmüh“ am Leibnizplatz nen Analogien zum Heute abgeklopft – (Bühne und Kostüme: Heike Neugebausind ihm Gemeinsamkeiten aufgefallen:


Damals wollte man mit Sprache auch zeigen, was man beherrscht und was man ist. Heute entspricht dem eine Art mediale Allgegenwart, in der das Private – siehe Facebook – möglichst öffentlich gemacht und dann sogleich von anderen kommentiert wird. „Auch wenn man sich den literarischen Betrieb anschaut: Es hat noch nie so viele Buchveröffentlichungen gegeben wie heute, weil offenbar jeder glaubt, zum Schreiben befähigt zu sein“, meint Thomas Weber-Schallauer. „Zu diesen Tatsachen versuche ich eine Brücke zu schlagen, indem das ganze Personal des Stückes sich immer öffentlich wähnt, wobei jeder von sich glaubt, argumentativ und im Gebrauch der Sprache der Superstar zu sein.“

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Foto: Golli

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Macht Shakespeare sich eigentlich über diese vom König propagierte Wissensgesellschaft lustig? Thomas Weber-Schallauer ist sich sicher: „Schon die Eidesformel ist derartig abstrus, so dass man weiß, es ist überhaupt nicht durchzuhalten. Die selbst verordnete Askese ist eine Idee, die aus der Langeweile geboren wurde. Alle vier Höflinge sind für mich keine Repräsentanten, die nach Erkenntnis wirklich suchen.“ Im Vergleich zu den so genannten großen Komödien Shakespeares fehlt dem Regisseur hier der große dramaturgische Bogen, und so wird er in seiner Inszenierung auf die formale Akteinteilung verzichten. „Ich habe es in Cuts unterteilt, sagen wir, in der ungefähren Abfolge einer Show.“ Den Begriff Show hat Thomas Weber-Schallauer nicht zufällig gewählt, denn es gibt eine Reihe von Liedern in dem Stück, und manche andere Verse lassen sich durchaus ebenfalls als Lieder interpretieren. „Alles, was mir als liedhaft erschien, wird auch als Lied kommen. Es wird deshalb auch ein Musiker mit auf der Bühne sein, wobei auch die Darsteller in die Pflicht genommen werden, und zwar als Interpreten der Lieder, aber auch als Musiker.“ Zur Verfügung stehen dem Regisseur nur vier Schauspieler für rund 16 Rollen, nämlich Tim D. Lee, Erik Roßbander, Markus Seuß und Thomas Ziesch. „In guter Shakespearescher Tradition haben Männer ohnehin die Frauenrollen gespielt. Mich hat besonders gereizt, die vier Männer, die nun vier Frauen lieben, jeweils auch die Objekte ihrer Begierde spielen zu lassen. Natürlich nicht eins zu eins, das würde vom Stück her nicht gehen, aber eben doch aus der männlichen in die weibliche Perspektive zu wechseln. Das ergibt eine Spiegelung, die sich bei Shakespeare immer wieder findet. Männer spielen Frauen, die dann wieder von Männern reden, und da beginnt das Ganze schon sehr komisch zu irrlichtern.“ Premiere am 16. März um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz. Öffentliche Proben am 8., 15. und 22. Februar.

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thEatER OlDEnBURG Die Walküre

poEsiE statt klangrausch K.D Schmidt inszeniert Wagners „Walküre“ in Halle 10 auf dem Fliegerhorst Text: Michael Pitz-Grewenig

K.D Schmidt

W

as der Film „Tod in Venedig“ von Luchino Visconti für das Werk Gustav Mahlers bewirkte, galt auch für Francis Coppolas Film „Apocalypse Now“. Mit einem Schlag wurde die Musik Richard Wagners und insbesondere der „Walkürenritt“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Hermann Schreiber bringt es auf den Punkt: „Als Politiker, der durch Verträge über eine neue Weltordnung herrschen will, scheitert Wotan. Aber als ‚All-Vater’, vulgo zeugungskräftiges Mannsbild, ist er ein voller Erfolg.“

Schmidt erfasst aber auch den modernen Impetus, die Kritik an der Moderne. Damit Richard Wagners musikdramatisches Werk kommt er dem Denken des nachrevolutio„Die Walküre“, erster Tag des Bühnenfest- nären Richard Wagner ziemlich nahe, der spiels „Der Ring der Nibelungen“, das am sich gedanklich mit dem russischen Revo26. Juni 1870 in München zur Urauffühlutionär und Anarchisten Michail Bakunin rung kam, ist trotz der Verflechtungen im mit gesellschaftlichen Strukturen und den Gesamtwerk ein singuläres Werk. K. D. sie bedingenden Produktionsverhältnissen Schmidt, leitender Regisseur für das Schau- beschäftigte. spiel am Oldenburgischen Staatstheater, der mit seiner Inszenierung von SchostaSieglinde und Sigmund sind ja nicht nur kowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ als ein inzestuöses Geschwisterpaar, sonOpernregisseur in dern stellen auch Oldenburg nachhal- „Es wird keine Quälerei, sondern eine Gegenpositig in Erinnerung tion zur konvenein Vergnügen.“ geblieben ist, wird tionellen Ehe dar, sich vielleicht auch als ein sachlicher Wag- indem sie an „vorzeitliche“ Strukturen des ner-Interpret erweisen, weil er sich Wagner Zusammenlebens erinnern, die noch nicht vom Schauspiel aus nähert. Für ihn erzählt von „Besitzstrukturen“ bestimmt waren. Wagners Musikdrama vom „... Scheitern Der Ring ist auch eine Allegorie der Konund Zerbrechen Wotans. Er verliert den Zu- flikte, die aus dem Spannungsfeld Naturgriff auf die Welt, die er zu ordnen versucht, Macht-Kultur entstehen. ja, beherrscht hatte. Er ist nicht nur einer gesamten Umwälzung unterworfen, son„Wotans gerissene, aber zunehmend verdern auch Opfer seines eigenen Handelns, zweifelte Versuche, dem malmenden Rad seiner eigenen Verfehlungen.“ der Geschichte zu entkommen, sein ‚in sich gefangen sein’, sein Grundgefühl der


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Lady Macbeth von Mzensk inszeniert von K.D Schmidt Fotos: Hans Jörg Michel

Ohnmacht... – ‚moderner’ kann eine Emp- lerei, sondern ein Vergnügen.“ – Es kann findungswelt nicht sein“, sagt K.D. Schmidt also mal wieder spannend werden. und führt weiter aus: „Die Walküre ist aber Premiere am 26. Februar um 17 Uhr in auch Teil einer großartigen Geschichte, der Geschichte vom Einbruch des Materiellen, des unbedingten Machtstrebens in die Welt, was zur bestehenden Ordnung führt.“

Halle 10 auf dem Fliegerhorst. Weitere Aufführungen am 12. und 27. März.

Das Handlungsgefüge ist sehr komplex, man muss in die Musik eintauchen, aber nicht, wie Schmidt betont, in ihr „ertrinken“. Er sucht nicht den Klangrausch, sondern die Poesie. Das bedeutet konkret, dass da, wo die Musik reflektiert, also die Zeit quasi stehen bleibt, ein Moment der Muße entstehen muss, in dem der Zuschauer nicht durch Handlungsaktivismus abgelenkt wird. Der weite Raum der Halle 10 im Fliegerhorst gibt dazu genügend Möglichkeiten sowohl Projektionsfläche zu sein, in der sich die Handlungen ins Leere verflüchtigen, als auch gleichzeitig als abstrakte Folie und Koordinationssystem zu fungieren. Keine leichte Aufgabe für Bühnenbildner Henrik Ahr, aber er und Schmidt kennen sich bereits aus anderen Produktionen. 2008 haben beide den gesamten Ring als Schauspiel in Heilbronn inszeniert. Damals konstatierte Schmidt noch: „Ich halte die Musik von Wagner nur schwer aus“ und versprach gleichzeitig: „Es wird keine Quä-

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THEATER OLDENBURG Cardillac

Paul Hindemiths Künstleroper „Cardillac“ im Oldenburger Fliegerhorst Text: Ute Schalz-Laurenze

Die Morde des Monsieur C. I

n einem Brief an seinen Verleger vertrat der 1895 geborene Paul Hindemith 1924 die Auffassung, „...dass heute Opern geschrieben werden müssen, die in der Musik das sind, was ein Beefsteak unter den Speisen ist.“ Und er war auch davon überzeugt, „wenn ich Operntext hätte, würde ich in einigen Wochen die größte Oper herstellen!“ (1923). Drei Jahre später fand er nach vielen Versuchen in „Cardillac“ den für ihn richtigen Stoff. Es ist die im 17. Jahrhundert spielende Geschichte des genialen Goldschmiedes Cardillac, die E.T.A. Hoffmann 1819 in der Novelle „Das Fräulein von Scuderi“ erzählt. Eine Reihe geheimnisvoller Morde erschüttert Paris: immer haben die Opfer vorher einen Schmuck bei Cardillac gekauft. Hindemith schrieb die Oper über den „Triebtäter“, der sich von seinen Werken nicht trennen kann und zum todbringenden Verbrecher mutiert, wollte er doch weg von der „ewig alten Sauce, nur jedesmal ein bisschen anders gerührt.“ Und er wollte weg von Wagners durchkomponiertem Pathos. Hindemiths „neusachlicher Stil“ – nachdem er sich vorher 1920 an die Spitze der Avantgarde gestellt hatte –, seine Spielmusik, sein Neoklassizismus, anhaltend

Gegenstand von ästhetischen Auseinandersetzungen, bietet tatsächlich den Eindruck, neben der Handlung unbeteiligt herzulaufen. Es gibt in dieser Nummernoper herkömmliche Formen absoluter Musik wie Arie, Duett, Terzett usw., aber auch Fugen, Kanons und Variationen sowie eine Passacaglia.

ja falsch, diesen Kontrast angeblich überbrücken zu müssen. Die Musik ist expressionistisch, und sie ist hochemotional in der Singstimme.“ Und er meint auch, dass die strengen musikalischen Formen sehr genau für die Psychoebene ausgesucht sind: „Zum Beispiel diese Passacaglia am Ende: Cardillac hat oft die immergleiche Musik, dreht sich sozusagen im Kreis.“

Nach der Uraufführung von „Cardillac“ 1926 in Dresden unter der Leitung von Hindemith hat sich später von der ErstfasFritz Busch war in der Presse zu lesen: sung distanziert, ja sogar Aufführungen „Eine kakoverbophone Gesamt- „Die Musik ist expressionistisch, und sie ten: ihm haltung − die selbst ist hochemotional in der Singstimme.“ Musik hat mit war der Romantik des Stoffes, mit der Gefühls- die „Apotheose des Kriminellen“ suspekt wärme und so weiter, so gut wie nichts zu geworden. Eine zweite Fassung 1952 hat tun.“ Und in den „Dresdner Nachrichten“ sich jedoch nicht durchgesetzt, auch in Olstand: „...Dobrowens Regie mühte sich, denburg wird die Urfassung gespielt. „Ich den Bruch, der zwischen hoffmanneskem möchte es schaffen, dass der Zuschauer Text und der nüchtern unromantischen auch in diesen Zwiespalt kommt, Cardillac Musik besteht, nach Möglichkeit zu vertu- in seiner Auffassung über Kunst durchaus schen“. zu verstehen, ohne gutzuheißen, dass er deswegen zum Mörder wird“, sagt SebastiIn der attraktiven Halle des Fliegerhorstes an Ukena. inszeniert der junge Sebastian Ukena mit „Cardillac“ seine zweite Oldenburger ArPremiere am 22. Januar um 19.30 Uhr in beit. Gefragt nach diesem merkwürdigen Halle 10 im Fliegerhorst. Spannungsverhältnis – der scheinbaren Weitere Aufführungen am 28. Januar, am Unbeteiligtheit der Musik – sagt er: „Für 10. und 22. Februar, am 9.März sowie am mich ist das kein Problem. Vielleicht war es 20. und 28. April.


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thEatER BREMERhaVEn Die Csárdásfürstin

Theater Bremen: Die Csárdásfürstin; Foto Jörg Landsberg

Ralf Nürnberger inszeniert „Die Csárdásfürstin“ in Bremerhaven Text: Karin Hiller

turbulEntE träumErEi

benden turbulente Irrungen und Wirrungen überstehen. Die komische und zugleich bemitleidenswerte Figur der Operette ist der Graf Boni. Er liebt Sylva, weiß aber, dass seine Liebe nicht erwidert wird. „Sein Kern ist ein trauriger, fast tragischer, aber nichts ist komischer als das Unglück“, erklärt Nürnberger.

Operetten sind, wie der Regisseur betont, zu machen, rückt Nürnberger, der auch das nicht so einfach zu besetzen wie es scheint: „Die Hauptpartien sind nicht leicht zu sinBühnenbild entworfen hat (Musikalische gen, dazu muss man gut schauspielern und Leitung: Hartmut Brüsch, Kostüme: Krisauch noch tina Böcher), „Es ist eine Geschichte, die jeden interessiert.“ tanzen können.“ Bei die Geden temperamentvollen Tanzeinlagen dürschichte näher an die Gegenwart: „Es ist die Zeit kurz vor dem 2. Weltkrieg. Die Ge- fen natürlich die Tänzerinnen des Bremerhavener Balletts nicht fehlen, für die Sergei fahr des Militärs ist spürbar.“ Vanaev die passenden Schritte choreographiert hat. Die Sängerin Sylva, ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen mit einem Talent, das die Seele der Menschen erreicht, ist ein ge- Für das Finale kündigt Ralf Nürnberger feierter Revuestar in Budapest, Edwin ein eine märchenhafte Träumerei an: „Boni Wiener Fürstensohn. Sie lieben sich, doch ist der Zauberkünstler, der alle rettet.“ Er findet die Lösung, die alle zur Besinnung Edwins Eltern wollen diese unstandesgebringt und die Paare zusammenführt, die mäße Beziehung um jeden Preis verhinRalf Nürnberger hat Erfahrung mit Operet- dern. „Edwin ist völlig überfordert mit der zusammengehören. teninszenierungen und weiß: „Man muss Situation“, so Nürnberger, „denn der Standie Figuren ernst nehmen, der Konflikt desunterschied ist ein ernstes Problem. Er Premiere am 29. Januar um 19.30 Uhr im muss ernsthaft erzählt werden. Es ist eine liebt Sylva, aber kann sich von seiner fürst- Großen Haus. Weitere Vorstellungen: 1., 3., 5., 11., 12., 18., 20., 23. und 26. Februar. Geschichte, die jeden interessiert.“ Um die lichen Familie nicht lösen.“ Bevor es zum Handlung für die heutige Zeit glaubhafter glücklichen Ende kommt, müssen die Lie-

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as waren noch Zeiten, als Operetten geschrieben wurden, in denen jede Gesangsnummer zum Hit wurde. Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“ begann ihre erfolgreiche Bühnengeschichte mitten im 1. Weltkrieg, und die Musik hat bis heute nicht ihren Reiz verloren. Die Uraufführung der Operette 1915 in Wien war ein grandioser Erfolg, vielleicht auch gerade weil man in der bedrohlichen Lage dankbar für jede ablenkende Unterhaltung war. Der Beginn des Krieges ist im Libretto von Leo Stein und Bela Jenbach gegenwärtig und so wird neben Wein, Weib und Gesang der reale politische Hintergrund nicht vergessen.


thEatER BREMERhaVEn Alter Ford Escort dunkelblau 19 Erfolgsstück von Dirk Laucke im Kleinen Haus in Bremerhaven Text: Karin Hiller

Sonderkonzert „AufBrüche“ Musikalische „AufBrüche 2011“ lautet der Titel eines Sonderkonzerts des Städtischen Orchesters Bremerhaven im „New-YorkSaal“ des Deutschen Auswandererhauses. Zur Aufführung gelangen Werke verschiedener Künstlerinnen und Künstler aus Japan, China, Korea und Taiwan. 23. Januar, 19 Uhr

Literarische Woche

Fort im altEn Ford D

irk Laucke gehört momentan zu den erfolgreichsten Nachwuchsdramatikern in der deutschen Theaterszene. Seine Texte überzeugen nicht nur das Publikum, sondern auch die Fachwelt, die ihn mit Lob und Auszeichnungen überhäuft. Für sein Bühnenwerk „Alter Ford Escort dunkelblau“ erhielt er 2006, damals gerade 24 Jahre alt, den Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker. Das Stück über Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die sich aus ihrer tristen Lebenslage befreien wollen, hat Regisseur Tobias Rott für das Kleine Haus des Bremerhavener Stadttheaters aufbereitet (Ausstattung: Eva Humburg).

Schorse, Boxer und Paul fahren jeden Morgen in Schorses altem Ford zur Arbeit, zum Getränkemarkt, in dem sie Leergut stapeln. Jeder ist in seiner aussichtslosen sozialen Situation gefangen. Schorse war verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Boxer lebt einsam in einem alten Plattenbau und denkt wehmütig an seine Kindheit zurück, als seine Mutter ihn mit auf eine Fahrt ins Legoland nahm. Paul, der nicht Kisten schleppen, sondern sein Abi machen wollte, muss sich von seinem Vater sagen lassen: „Abi braucht man nur, wenn man Schampus statt Bier saufen will.“

Jeder der drei Männer hat seine Träume und Sehnsüchte, jeder ist auf der Suche nach einem Stück Freiheit. Sie wissen, dass sie etwas ändern müssen, sie sind bereit, „Es ist die Geschichte von drei Jungs, die ausbrechen wollen, aber an sich selbst ka- Risiken einzugehen, setzen ihre Existenz putt gehen“, umreißt Laucke die Handlung. aufs Spiel. „Aber sie können“, so Rott, „ihr Ziel nicht definieren.“ Wichtiger als die Verhältnisse, in der die Personen leben, ist ihm der Aufstand dageDer Ausbruch des Trios aus ihrer sozialen gen. Und genau das will Regisseur Rott in Misere soll eine Fahrt ins Legoland werseiner Inszenierung umsetzen: „Ich möchden. „Es ist herauszufinden, ob diese Reite nicht in den Vordergrund stellen, dass se eine Flucht aus der Realität ist oder der es ein Sozialdrama ist. Ich will versuchen, Weg, um sich selbst zu verwirklichen“, erPersonen zu sehen, die Probleme haben klärt der Regisseur. Doch die Fahrt, die so und Sehnsüchte. Dabei ist es zweitrangig, hoffnungsvoll beginnt, endet im Desaster. aus welchem Milieu sie kommen.“ UnterDie Karre verreckt, Schorses Sohn erstickt schichten-Klischees sollen nicht bedient beinahe im Kofferraum, die Träume zerwerden. Und an den absurden Situationen, platzen im Nichts. die in diesem Stück entstehen, soll man Premiere am 26. Februar um 19.30 Uhr durchaus Spaß haben. im Kleinen Haus.

Joachim Gauck, Symbolfigur der Wende in der DDR und Beinahe-Bundespräsident, gehört zu den prominentesten Gästen während der Literarischen Woche 2011, die von der Volkshochschule und dem Kulturamt Bremerhaven getragen wird. Joachim Gauck wird am 14. Februar (19.30 Uhr, Ella-Kappenberg-Saal des VHS) aus seiner Biografie „Winter im Sommer, Frühling im Herbst“ lesen. Ebenfalls zu Gast sind u.a. Kathrin Schmidt, Marlene Streeruwitz und Peter Wawerzinek sowie Klaus Modick. 7. bis 28. Februar

Augenzwinkernde Reise Twinkle – das sind die Sängerin Stephanie Müller und die Pianistin Karola Schmelz. Ihr Programm streift Pop, Jazz und Chanson und erreicht auch die scheinbar fern liegende Klassik. In ihren Liedern geht es um Träume und Sehnsüchte, auch um Selbstzweifel, Klassentreffen, Bonanza-Fahrräder und Teebeutel – immer mit einem gewissen Augenzwinkern. Twinkle eben. 25. Februar, 20 Uhr, Thieles Garten

Rasante Comedy Patrizia Moresco, Ex-Frontfrau der Comedygruppe „Shy Guys“, bringt die Lächerlichkeit unserer auf pure Juvenilität reduzierten Gesellschaft auf den Punkt. „Wahn. Sinn! Zu alt für Lambada und zu jung zum Sterben“ heißt das neue Soloprogramm der aus Film und Fernsehen bekannten Vollblutkomikerin. Ein rasanter Abend, an dem die Entertainerin alle Register zieht: Slapstick, Schauspiel, Stand-Up und Gesang. 9. März, 20 Uhr, Capitol


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thEatER BREMERhaVEn Pe Werner

Bremerhaven. Erleben und staunen. Ankerplatz für Kreuzfahrtschiffe und andere „dicke Pötte“ der Weltmeere, Schiffbau auf den Werften, ein modernes Containerterminal als Umschlagsplatz im internationalen Warenverkehr – in Bremerhaven weht noch der Wind einer echten Seestadt. Der größte Fischereihafen des Kontinents ist Zentrum der Fischverarbeitung, daneben wachsender Standort für die Lebensmittelindustrie und Biotechnologie Ganzjährig bietet die Seestadt Bremerhaven ihren Besuchern attraktive Sehenswürdigkeiten wie das Klimahaus® Bremerhaven 8° Ost, in dem Sie eine Reise durch die Klimazonen dieser Welt entlang des 8. Längengrades Ost unternehmen können. Weitere spannende Ziele sind das Deutsche Auswandererhaus, in dem Sie sich auf die Spuren der Auswanderer begeben, das Deutsche Schiffahrtsmuseum mit der ältesten Hansekogge der Welt aus dem Jahre 1380 oder das Historische Museum Bremerhaven mit der Geschichte der Seestadt u. v. m.. Zudem bringt Sie der HafenBus auf das Containerterminal an die längste Stromkaje der Welt. Das „Stadttheater Bremerhaven“, ein klassisches Dreispartenhaus, genießt einen ausgezeichneten Ruf, ebenso die „Kunstha lle Bremerhaven“, das welt weit renommierte „Kabinett für internationale Kunst“, das neu eröffnete Kunstmuseum Bremerhaven und das lebendige „Theater im Fischereihafen“ (TiF). Zur regen Bremerhavener Kulturszene zählen auch die Kleinkunstbühne „Pferdestall“ und kleine Galerien: das „Paul-Ernst-Wilke-Haus“, die „Galerie 149“, die „Paul Galerie“. Im überregional anerkannten „Capitol“ sind regelmäßig die Größen der deutschen Kabarett-, Comedy- und Satireszene zu Gast. Ob „Internationa le Meisterkonzerte“, Gospel-Konzerte oder MönchsGesänge: Musikfreunde finden ihr Programm in der „Großen Kirche“ und in der Christuskirche. Lassen auch Sie sich von der kulturellen Vielfalt der „Welt am Meer“ begeistern. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! BIS Bremerhaven Touristik H.-H.-Meier-Straße 6 (Hafeninsel) 27568 Bremerhaven TouristTel.: 04 71 - 41 41 41 Fax: 04 71 - 9 46 46 190 touristik@bis-bremerhaven.de www.bremerhaven-tourism.de

Songpoetin Pe Werner im Theater im Fischereihafen Text: Karin Hiller

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spiElE mit WortEn

ängerin, Komponistin, Texterin, Kabarettistin, Schauspielerin – in eine Schublade kann man die vielseitig begabte Songpoetin Pe Werner nicht stecken. 20 Jahre Bühnenerfahrung haben sie zu einer Künstlerin reifen lassen, die mittlerweile in allen musikalischen Genres zu Hause ist. In amüsanten, aber auch nachdenklichen Texten und Arrangements nimmt sie mit einem Augenzwinkern die Beziehungen zwischen den Geschlechtern unter die Lupe. Am 26. Februar tritt sie im Theater im Fischereihafen auf. Beim Entstehen der Songs inspirieren sie Lyriker wie Ringelnatz oder Kästner zu phantasievollen Wortspielereien und Metaphern. „Ich arbeite gerne mit Worten. Manchmal fehlt mir einfach der Begriff, der das, was ich meine, genau auf den Punkt bringen würde. Den erfinde ich dann“, sagt sie. Der Durchbruch gelingt Pe Werner 1991 mit ihrem zweiten Album „Kribbeln im Bauch“. Mit dem Titelsong landet sie einen bundesweiten Hit. Unter den zahlreichen Auszeichnungen, die ihre Erfolge in der deutschsprachigen Kleinkunstszene würdigen, findet sich auch der Bremerhavener Lale Andersen Preis, der ihr 2002 im Theater im Fischereihafen verliehen wurde. Nachdem Pe Werner zehn Jahre auf Thea-

ter- und Kleinkunstbühnen eher leise und mit kleiner Besetzung auftrat, produziert die bekennende Romantikerin 2009 das Album „Mondrausch“ mit großer symphonischer Orchesterbegleitung. Jazz, Soul und Blues und die Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo, Roger Cicero und Stefan Gwildis prägen den neuen Stil. Für Werners deutsche Version von Stings „Sister Moon“ erteilt der Weltstar persönlich die Freigabe. Das aktuelle Bühnenprogramm von Pe Werner, mit dem sie seit Anfang des Jahres auf Tour ist, nennt sie „Turteltaub“, ein Titel der erahnen lässt, dass es in den Songtexten nicht immer harmonisch zugeht. Werner spielt in ihren Liedern mit allen Facetten der Liebe, mit Glück und Schmerz, mit Leidenschaft und Enttäuschung. Neben eigenen Texten finden sich vertonte Gedichte von Kreisler, Rilke und Roth. Ein Programm für alle, die „verliebt, bekloppt, verheiratet und geschieden sind oder für all jene, die es werden wollen“, wie es in der Ankündigung heißt. Begleitet wird Pe Werner von Peter Grabinger am Flügel und den Streichern der Strings De Luxe aus Hamburg, die dem Konzert einen kammermusikalischen Rahmen geben. Pe Werner am 26. Februar im Theater im Fischereihafen, 20 Uhr.


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Szenischer Liederabend „Mütter“ von Franz Wittenbrink kommt ins Große Haus Text: Karin Hiller

sängErkriEg im sandkastEn

D

er szenische Liederabend – ein originelles, Spaß versprechendes, neues Genre, das von dem 1948 geborenen Komponisten, Arrangeur und Regisseur Franz Wittenbrink für die Theaterbühne entwickelt wurde. Banale Alltagsgeschichten werden hier zu ironischen Lebensbetrachtungen mit Tiefgang umgearbeitet, Schauspiel in unterhaltsamer Weise mit Gesang verbunden.

einander: die Supermama, die Rabenmutter, die Karrierefrau, die Alleinerziehende. Hier erfährt man Einiges über die Lust und den Frust des Mutterdaseins, über das Verhältnis von Müttern zu ihren Kindern, aber auch von Frauen zu Männern.

be wild“ neben „Alle meine Entchen“ und „Papa was a rolling stone“ neben „Mamma mia“.

„Als Überraschungseffekt wird der musikalische Stil der Songs verändert und die Stile werden krass gegeneinander gestellt“, erklärt Schimanski. Gesungen wird Die Lausebengel stellen die Nerven ihin Deutsch und Englisch, die Texte werrer Mütter auf die Probe, agieren frech den teilweise verändert, die Lieder neu arund provozierend. Da die Kinder von Erwachsenen dargestellt werden, können die rangiert. Oft sind auch nur Zitate aus den Wittenbrinks Erfolgskonzept ist verblüfSongs zu hören. Die Musiker, ein GitarSchauspieler auch jederzeit in Männerfend einfach: „Ich versuche Geschichten rist und ein rollen schlüpfen. „Eine schräzu erzählen, denen das Publikum eher wie ge Dialektik“, schmunzelt Schi- Intelligente Unterhaltung – Pianist, stein einem Schauspiel folgt, wobei die Fihen zusammanski. Die Personen haben nicht nur für Mütter. guren, statt miteinander zu reden, halt men mit den keine Namen, es sind Typen, singen.“ Sein Liederabend „Mütter“, 2002 die sich im Laufe des Abends herausschä- Schauspielern auf der Bühne und könin Düsseldorf uraufgeführt, ist jetzt unnen in die Aktionen mit einbezogen werlen. „Vieles entwickelt sich“, so der Register der Regie von Patrick Schimanski im den. Rudolf Schmücker, mit dem Schiseur, „auch noch bei der Probenarbeit.“ Großen Haus des Stadttheaters Bremerhamanski schon öfter zusammengearbeitet ven zu sehen (Bühne: Eva Humburg, Kohat, übernimmt die musikalische Leitung Wittenbrink lässt seine Figuren in kostüme: Katharina Diebel). Die Besetzung des Abends. mischen, unterhaltsamen Alltagssituatides Abends ist ungewöhnlich, denn die onen aufeinander treffen. „Das Besondere Schauspieler des Ensembles übernehmen daran ist“, hebt Schimanski hervor, „dass Man darf gespannt sein auf diesen hindie Gesangsrollen. tersinnigen Liederabend, der mit musialle Inhalte ausschließlich über Lieder kalischen Stimmungswechseln spielt und transportiert werden, es gibt keinen geOrt der Handlung ist ein Sandkasten auf sprochenen Text.“ Die Charaktere der Per- intelligente Unterhaltung präsentiert – einem Kinderspielplatz. Hier begegnen nicht nur für Mütter. sonen, Gefühle und Konf likte werden sich vier Mütter mit ihren Kindern, nur über die Liedtexte herausgearbeitet. DaJungen, um sich über ihre Sorgen und Nö- bei orientiert sich die Musik nicht an bePremiere am 19. Februar um 19.30 Uhr te, Träume und Pläne auszutauschen, im Großen Haus. stimmten Stilen. Von Rock bis Volkslied, während ihre Kinder im Sand buddeln. Weitere Aufführungen: 24. Februar; 4., von Pop bis Evergreen ist alles vertreten. Auf diesem Spielplatz treffen Welten aufDa steht ganz selbstverständlich „Born to 11. und 13. März.


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thEatER in nORDEn Opernpremieren

Der Vetter aus Dingsda

Fotos: Jörg Landsberg

FidElEr vEttEr Theater Bremen „Der Vetter aus Dingsda“ „Kindchen, du musst nicht so schrecklich viel denken“, ermuntert der falsche Roderich die zweifelnde Julia. Nun sind wir ja keine Kinderchen mehr, müssen aber trotzdem nicht so viel denken. Und Schreckliches schon gar nicht. Denn der aus der Vaterschaft Eduard Künnekes stammende „Vetter aus Dingsda“ absolviert seinen Besuch im Theater am Goetheplatz frohgemut und kurzweilig, weshalb der Abend recht unterhaltsam auf fast stets stattlichem Niveau verläuft.

Opernpremieren an norddeutschen Theatern Text: Simon Neubauer

ausgestattet, muss als Eheweib eine Alkoholikerin mimen, findet aber bald zu dem ihr gemäß menschenfreundlichen Spiel. Im Übrigen, also eben „fast“ insgesamt, bringt Regisseur Frank Hilbrich eine Menge guter Einfälle ins flott eingefädelte Geschehen, verzichtet dabei gottlob auf sonst oft übliche bärtige Operetten-Kalauer. Eine bestechende Idee außerdem, das Fräulein Julia in eine Chansonette von prickelndem Charme zu verwandeln. Volker Thiele hat deshalb der ruinösen Villa einen kleinen Konzertsaal angebaut. Dort haben beiderseits einer „Revuetreppe“ die Bremer Philharmoniker Stellung bezogen, allesamt im pomadigen Make-up und in schnieken Dinnerjackets eines Showorchesters und in bester Laune musizierend. Was nicht ausschließt, dass sie beim Ruf „Frühstück“ ihre „Werkzeuge“ fallen lassen wie weiland die Maurer ihre Kellen beim ersten Zwölf-UhrSchlag. Ihr Chef Florian Zieman, der neue koordinierte Erste Kapellmeister, gibt sich nicht als Dompteur, sondern als smarter Entertainer, der sich auf Schmackes ebenso gut versteht wie auf gepfefferte Rhythmik bei den Tänzen aus den Zwanzigern.

Das „fast“ bezieht sich auf „Onkel und Tante, ach ja, die Verwandten“, genauer gesagt, auf Josef Kuhbrots Umgang mit den Lebensmittel: Ein Fresssack, der alles in sich hineinstopft und gar noch den Kühlschrank leert, ein widerlicher Kerl mit halb nacktem Hängebauch und Zottelhaar wie die Karikatur eines alten 68ers. Sein übles Gebaren wirkt um so abstoßender, wie ihm der kurzfristig heimkehrende Gast Karsten Küsters nicht nur seine potente Stimme, sondern auch seine darstellerische Intensität widmet. Eva Gilhofer, ebenfalls schon „Ganz unverhofft kommt oft das Glück“, lange mit dem Ehrentitel „Kammersänger“ behauptet der falsche Roderich. Er (und

wir) meinen damit Steffi Lehmann, eine superbe, in Klang und Ausdruck vortreffliche Julia, zudem mit einer Figur, an der die feschen Kleider jener Zeit (Kostüme: Gabriele Rupprecht) bestens zur Geltung kommen. Julias Freundin Hannchen, die quicklebendig, sehr ansprechend singende Marysol Schalit, kann nicht minder jede Menge Pluspunkte sammeln. Alen Hodzovic, der stattliche, Hoffnung, Täuschung und Glück nobel ausbalancierende Vetter, kommt vom Musical her, sein Tenor bleibt etwas flach, wird aber sehr gewandt geführt. Und sein Bekenntnis „Ich bin nur ein armer Wandergesell“ hat sogar schönen Höhenschmelz. Nicky Wuchinger, der richtige Roderich, liefert in knappen Zügen das zutreffende Porträt eines schneidigen Verführers. Nur Christian-Andreas Engelhard (Egon) bleibt ohne Glück, trägt jedoch (auch noch im Affenfell) mit tenoraler Würde das Missgeschick des Verlierers. Ihnen allen hat Jacqueline Davenport zu flotten Beinen verholfen, sogar den pantomimisch erfreuenden Dienern Franz Becker-Urban und Bert Coumans. Also ein fideler Abend. Nächste Aufführungen: 30. Januar; 4., 6., 12., 25., 27. Februar; 4. März


thEatER in nORDEn Opernpremieren

Tosca

Stadttheater Bremerhaven „Tosca“ Der herrschsüchtige Gewaltmensch Scarpia hat einen grausamen Polizeistaat eingerichtet. Überall lauern seine Spitzel, drohen seine Schergen, schlagen sofort zu wie etwa der stets mit dem Baseballschläger hantierende Spoletta. Und wenn dann beim Tedeum am Schluss des ersten Aktes der Blick auf die Folterkeller fällt, drängt sich der Gedanke an die unselige Verklammerung von Kirche und Staat auf. Trotzdem gerät dieser erste Akt am schwächsten in der „Tosca“-Inszenierung von Gregor Horres am Stadttheater Bremerhaven. Denn die Liebes- und Eifersuchtshändel Tosca/Cavaradossi vollziehen sich, mit einem offensichtlich unausrottbaren Hang zur Rampe, auf dem Platz vor der Kirche, deren Wand mit einem mäßig verhüllten Fresko der Heiligen Magdalena geschmückt ist. Erst dann, wenn Ausstatter Jan Bammes die bühnenhohen Gitter im Hochsicherheitstrakt des Staatsgefängnisses aufgerichtet hat, gewinnt die Inszenierung an fesselnder Wirkungskraft, weil Sexbegehren und entschiedene Abwehr,

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Foto: Jörg Landsberg

also eine Art Sex and Crime, prickelnde, ja explosive Spannung erzeugen.

Gestaltung nutzte. Etwas Samt wird ihren Kantilenen sicher noch zuwachsen.

Diese Spannung ließe sich noch verdichten, wenn Matthias Kleins Scarpia neben den scharfen, situationsbedingt auch bellend bösen Tönen seinen Bariton auch mal in verführerischen Balsam hüllen könnte. Aber sein Spiel hat stets schurkische Intensität. Schwächer dann wieder das ganz auf Stimmungsmalerei verzichtende, vielmehr knallharte Finale, eingeleitet mit dem kleinen Hirtenlied, das – allerdings völlig abstrus – die vorher die Todeslisten führende Sekretärin (Katharina Laura Steinwachs) singen darf.

Von den wuchtigen Akkordblöcken des Vorspiels an nutzte Stephan Tetzlaff das willfährige Orchester zur ganzen Farbpalette des Schauerdramas, prägte das sinnlich Leidenschaftliche ebenso prägnant wie das brutal Auftrumpfende. Nächste Aufführungen: 22., 30. Januar; 2., 6., 10., 27. Februar

Auch sonst muss man sich von traditionellen Sehgewohnheiten verabschieden. Cavaradossi ist hier kein jugendlicher, mit Freiheitskämpfern sympathisierender Mann, sondern ein gesetzter, graumelierter Herr; aber Heiko Börner singt ihn bis hin zu den furchtlosen „Vittoria“- Rufen mit kraftvollem Tenor und stets kernigem Höhenstrahl. Die Aufführung beherrscht jedoch Miriam Gordon-Stewart, die bei ihrem Rollendebüt als extravagante, kapriziöse und dramatische Tosca überzeugte, zumal sie ihren Sopran konsequent zu psychologischer

Staatsoper Hannover „Die Liebe zu den drei Orangen“ Hereinspaziert ins Land der Phantasie! Hier wird gezaubert und verhext, scharwenzelt und streng befohlen, intrigiert und verstoßen. Gestalten fahren aus der Erde und wieder zurück, Schlangen türmen sich zu Ungeheuern auf, und nicht nur die drei Orangen schreiten mühelos durch die glitzernden (Folien-)Wände. Der Prinz ist ausgezogen, sie zu erobern, denn in einer soll seine Prinzessin schlummern. Nicht ganz freiwillig machte er sich auf den Weg, denn er ist ein humorloser Hypochonder, der erst


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thEatER iM nORDEn Opernpremieren

limks: Die Liebe zu den drei Orangen

Hänsel und Gretel J. Etter Tosca“, Foto: Foto: Andreas Jörg Landsberg

Opernpremieren an norddeutschen Theatern Text: Simon Neubauer

lachen kann, wenn er den Mutterschweinbauch der Fata Morgana gesehen hat. Viel Volk ist mit dem unbeugsam Verliebten unterwegs, Bürohengste, Tippsen, pinkfarbige Kaffeekränzlerinnen, Kosmonauten und Astronauten, igel- und froschköpfige Wesen, auch Militärs der verschiedensten Ränge. Der inszenierende Ungar Balázs Kovalik hat sich der Füllhornkünste des Bühnenbildners Csaba Antal und der Kostümgestalterin Angelika Höckner bedient, sich ferner die viel beschäftigen, herrlich kontrastierten Chöre dienstbar gemacht, um im Sinne des totalen Theaters ein „Spiel im Spiel“ aufzuzäumen, das nichts mehr weiß von der ursprünglichen Commedia dell’Arte, auch nichts mehr von einer romantischen Ironie, sondern die Regie entspringt seiner spontan wirkenden Phantasie. Viele Typen bevölkern randvoll die große Bühne, an der Spitze natürlich der stimmpotente und spielfreudige Sung-Keun Park (Prinz), der quicklebendig-bürgerliche Jörn Eichler (Truffaldino), der traurig-blasse Tobias Schabel (König Treff), die diabolische Kelly God (Fata Morgana) und ihr stattlicher Gegner Stefan Adam (Tschelio). Nicht zu vergessen der umwerfend komische Shavleg Armasi (Köchin), nicht zu

überhören im Sopranglanz Dorothea Maria Marx (Nanetta), die selbst noch als verzauberte Ratte verehrungswert blieb.

könnte entstehen, wenn hier eine richtige Beleuchtung möglich wäre. Das Personal stammt aus der Hartz IV-Zeit, die Kinder sind bereits zu Teenagern gewachsen, Lutz de Veer am Pult ließ straff marschiedie Hexe entpuppt sich als irres, ehemaliren, das Gewaltige leicht feurig (wenn auch ges Revuegirl. oft zu laut) tänzeln und verhalf mit herausragender instrumentaler Unterstützung Sie, zuerst als eine Art Gärtnerin gekleider musikalischen Poesie zu ihrem Recht. det, hat schon vorweg ein Kind geklaut Nächste Aufführungen: 19., 22. Januar; und kommandiert auch das Sandmänn15., 20. Februar; 5. März chen. Statt Hexenhaus ist ein reich gefüll-

Staatstheater Oldenburg „Hänsel und Gretel“ Auf „Hänsel und Gretel“ lasten mancherlei Probleme. Hat ein Regisseur den Mut, die beliebte Humperdinck-Oper mit nostalgischem Blick in die Vergangenheit zurück zu datieren, zeiht man ihn der Einfallslosigkeit; rückt er sie in die Gegenwart, geht gar oft der originale Märchenzauber verloren. Andrea Schwalbach entschied sich in Oldenburg für einen Mittelweg. Ein echter, leider schon etwas welker Wald nimmt die ganze Breite der Flugzeughalle ein, und schon während der Ouvertüre stellen vermummte Gestalten irreführende Richtungsschilder auf. Unheimlichkeit

ter Obstkarren zum Naschen aufgefahren, und man weiß nicht so recht, wie der Hänsel „gemästet“ wird, ehe die Böse in ein riesiges Aquarium gestoßen wird. Musikalisch ist die Aufführung weitgehend in Ordnung, Thomas Dorsch kann das Orchester in allen Farben blühen lassen, ohne die Transparenz ebenso wenig zu vernachlässigen wie die Feinarbeit. Katarina Hebelkowa (Hänsel) und Mereke Freudenberg (Gretel) entfalten ihre schön gereiften Opernstimmen, Paul Brady (Peter) hat unüberhörbare Mühen, von Marcia Parks (Gertrud) ist fast nichts zu vernehmen, von Michael Pegher, der heftig krakelenden Hexe, wenigstens ein paar Fortetöne. Nächste Aufführungen: 25. Januar; 16. Februar


Begeisterung beginnt … wenn Energie auf Unterhaltung trifft. Wenn Höchstleistungen entstehen, hat das meist viele Gründe. Aber die richtige Energie gehört immer mit dazu. EWE unterstützt Kultur und Sport in der Region. Wir wünschen allen Theaterfreunden ergreifende Momente im Staatstheater Oldenburg.

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KOlUMnE

Nachgedacht: Text: Stephan Cartier

diE dingE dEs lEbEns M

it den Dingen ist es so eine Sache. Man weiß, dass sie nicht leben. Und dennoch vermehren sie sich um uns herum mit einer Fruchtbarkeit, die der Volksmund sonst nur Kaninchen unterstellt. Gerade ist Weihnachten bewältigt, und die Wohngemeinschaften von Menschen und Dingen haben wie in jedem Jahr enormen Zuwachs erhalten. Von Gegenständen, die man unbedingt wollte. Auch von Sachen, die man nicht wollte, aber geschenkt bekam. Und über allem schwebt die ewige Sehnsucht nach den Dingen, die wir möchten, aber nicht bekommen haben. Warum nur versteht niemand, wie wunderbar eine Klemmmappe mit integriertem Taschenrechnerlineal ist? Spottbillig ist sie noch dazu. Wie kostbar Dinge sein können, zeigt sich aber besonders an denen, die keinen Wert mehr haben. An jenen Relikten des Haushaltes, für die es bei Ebay selbst nach drei Wochen noch kein Gebot gäbe. Es sind die Dinge, auf deren Oberfläche Erinnerungen wohnen. Man entdeckt sie, wenn sie die gemeinsame Wohnung nach Jahren und Jahrzehnten wieder verlassen müssen. Weil angeblich kein Platz mehr in den Regalen wäre und der Keller voller als ein Containerschiff sein soll. Dann heißt es Abschied nehmen, etwa von Büchern. Von Holzstöcken. Oder von Modellautos. Und der alten Schreibmaschine, den Schallplatten, dem Tuschefässchen, den Comics, dem Schachbrett aus Onyx, der Kugelschreibersammlung, dem Bauch-

muskeltrainer, dem Zeichenblock, den alten Ersatz-Gitarrensaiten, dem bemalten Holzkasten und schließlich sogar, ja, man glaubt es nicht: dem wunderschönen Stein, den man vor 27 Jahren am Strand einer Insel fand. Alles muss raus, weil die Ansammlung der Dinge eine kritische Masse erreicht hat. Nach deren Überschreiten wäre wieder mehr Platz im Hause - weil der ansonsten so geliebte Mitbewohner es unter Protest verlassen hätte. Also räumt man lieber auf; nicht nur Regale, sondern seine Vergangenheit. Sich an den ersten Kuss mit jemandem zu erinnern, heißt eben auch, an das Fahrrad zu denken, auf dem man ziemlich beschwingt von diesem Erlebnis nach Hause schwebte. Jetzt hat es endgültig ausgedient. Wirft man die Liebe seines Lebens mit dem Schrotthaufen auch gleich fort? Und dieser Werbe-Kugelschreiber, den man beim Auswahltest zum Volontariat bei einer vornehmen Zeitung in Frankfurt mit drei Buchstaben geschenkt bekommen hatte – zusammen mit der Absage und den besten Wünschen für den weiteren Lebensweg. Zwar schrieb das gute Stück schon seit 15 Jahren nicht mehr. Aber es erinnerte daran, dass Träume eben auch ohne einen auskommen müssen. Selten war ein Stück Plastik so erhellend.

nes Baums, sollte etwas über die Ordnung der Welt jenseits des Menschen verraten. Johann Gottlieb Fichte hielt es denn auch für den größten Skandal der Philosophiegeschichte, dass ausgerechnet sein Lehrer Kant behauptet hatte, dass eben dieses reine Ding-an-sich nie zu erkennen sein werde. Statt dessen, so Kant, werde die Erkenntnis immer getrübt von der menschlichen Wahrnehmung. Und dazu gehören eben auch Erinnerungen, die sich mit den Dingen verbinden. Wenn es also so merkwürdig schwer fällt, sich von vielen langjährigen Begleitern aus der Kramkiste zu trennen, ist dies kein Beweis für den Hang zur Verwahrlosung. Es resultiert aus dem üblen Gefühl, dass man mit dem Ding auch seine Erinnerung gleich mit auf den Müll wirft. Und wer weiß, ob ich mich an dieses oder jenes noch erinnere, wenn das Souvenir dazu verschwunden ist. Ich merke ja nicht einmal, dass ich etwas nicht mehr weiß, wenn ich es vergessen habe und mich kein Ding mehr daran erinnert. Ein Dilemma erster Güte.

Im Grunde muss man als Mensch auf Dinge einen gewissen Neid verspüren. Anders als man selbst, währen sie ewig, selbst wenn sie auf dem Müll landen. Wenn man sich mit seinen Erinnerungen an sie hängt, darf man sich einbilden, einen Zipfel dieser Ewigkeit Es ist also kein Wunder, dass Dinge für die mit zu erhaschen. Also lieber nichts wegPhilosophen aller Jahrhunderte bevorzug- werfen! Oder aber – wenn es nicht anders te Opfer ihres Denkens waren. Was das be- geht – schnell Nachschub an Dingen besorgen. Es gibt so viele neue Erinnerungen, die rühmte Ding-an-sich sei, also das nackte Wesen beispielsweise eines Steins oder ei- gemacht und gesichert werden wollen.


thEatER Boulevard

boulEvard

Grease

Eine Frau und 25 Rollen (ps) Das Motto „Wiedersehen macht Freude“ greifen die Programmgestalter im Theaterschiff auf: In den kommenden Wochen stehen mehrere Produktionen auf dem Spielplan, die sich in den vergangenen Jahren als Publikumsmagneten erwiesen haben. Dazu gehören „Hossa“ (ab 10. Februar) und „Sixty, Sixty – Die Schlagerrevue der wilden Sechziger“ (ab 24. Februar). Den Anfang macht die vielseitige Martina Flügge mit ihrer „One-Woman-Show“ unter dem Titel „Männer und andere Irrtümer“, inszeniert von Ralf Knapp. Darin übernimmt die Bremer Schauspielerin insgesamt 25 Rollen, von der betrogenen Ehefrau über den untreuen Ehemann bis hin zu ihren lieben Freundinnen und der türkischen Nachbarin. 20. bis 23. sowie 28. und 29. Januar auf dem Theaterschiff

Ein Musical und viele Hits John Travolta und Olivia Newton-John in knallengen schwarzen Klamotten, heiße Tanzszenen zu Songs wie „Summer Nights“ und „You’re the One That I Want“ – das war „Grease“; ein Musical, das in den 70-er Jahren tapsige Teens in quirlige Discomäuse verwandelte. Die Neuinszenierung dieses Welterfolges, bei dem sich alles um Rock’n’Roll und Brillantine, Petticoats und Parties dreht, ist im Musical-Theater Bremen zu erleben. Regisseur David Gilmore, der „Grease“ am Londoner West-End auf die Bühne brachte, hat die turbulente Liebesgeschichte zwischen Danny und Sandy für den deutschsprachigen Raum neu überarbeitet. Er arrangierte eine knallbunte Show, die Erinnerungen nicht nur an das Disco-Fieber wecken dürfte. 15. bis 27. Februar im Musical-Theater am Richtweg

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menschen im foyer

Bürgermahl der Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe Fotos: Daniela Gode

Dr. Christian Jacobs, Chairman der Jacobs Foundation Zürich und gebürtiger Bremer, nahm als Ehrengast am 9. „Bürgermahl“ der Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe in der Oberen Rathaushalle teil. Während der traditionell

unter den Gästen veranstalteten Tischsammlung kamen 68.097 Euro zugunsten der bekannten bremischen Hilfsorganisation zusammen – das beste Resultat in der Geschichte des Bürgermahls!

Dr. Christian Jacobs trägt sich in das Goldene Buch der Freien Hansestadt Bremen ein. Mit dabei: Bürgermeister Jens Böhrnsen, Dr. Annette Jacobs, Ulrich Mosel, Senatorin Ingelore Rosenkötter und Bürgerschaftspräsident Christian Weber (von links). Dr. Tim Nesemann, Andreas Kottisch

Christa Fuchs,   Prof. Manfred Fuchs

Essenza DER PURE AUSDRUCK VON ELEGANZ

© ecce-media.de | VIII10

Frank und Monika Menke

IM LESTRA HAUS HORNER HEERSTR. 29- 31 TELEFON 20 46 57 24

Wilm Koopmann, Peter Siemering


menschen im foyer

Weihnachtskonzert im „Haus der Bauindustrie“

Michael Christians (Violine) und Ani Takidze (Klavier) waren die Solisten beim stimmungsvollen Weihnachtskonzert im „Haus der Bauindustrie“. Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Bayer vom Verband der

Bauindustrie Niedersachsen-Bremen führte mit viel Humor durch das Programm des Abends, der erneut gemeinsam mit foyer veranstaltet wurde.

Frank Siebrecht, Vizepräsident des Bauindustrieverbandes Niedersachsen-Bremen e.V. und Gattin, Dr. Wolfgang Bayer (rechts)

Staatsrat a.D. Dr. Arnold Knigge (rechts) und Dr. Klaus Matthes

Eva-Martina Meyer-Postelt und Werner Schierenbeck

Gunnar Koch und Tochter

Dr. Hans und Eva-Maria Janknecht, Thomas Karthäuser

Beim Steinernen Kreuz 12-14 28203 Bremen Tel. 0421/79282830 www.larsbesecke.de

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musik Bremer Philharmoniker

Wagner ganz intensiv

Herbert Feuerstein

H

erbert Feuerstein ist nicht gerade ein typischer Wagner-Held. Als Alberich ging er ja gerade noch durch. Aber als Tristan? – Muss er auch nicht, Größe schließlich ist keine Sache des Körperwuchses. Also darf das Publikum in Bremen darauf gespannt sein, was Herbert Feuerstein in der „Glocke“ zusammen mit Nike Wagner und den Bremer Philharmonikern aus dem Musikdrama um „Tristan und Isolde“ macht. Fest steht auf jeden Fall: Es wird intensiv. Wieder einmal gehen Generalmusikdirektor Markus Poschner und seine Musiker bei der Neuauflage des Projektes „phil intensiv“ den Weg des größeren Widerstandes. Dass man in Bremen „Tristan und Isolde“ nach allen Regeln der Kunst aufführen kann, hat man vor einigen Jahren im Theater am Goetheplatz gezeigt. Doch nun steht mehr auf dem Spiel: „Tristan und Isolde“ wird es Akt für Akt an drei Tagen geben; das Ganze nimmt fast die Dimensionen eines Bühnenweihfestspiels an. Für den passenden Grundton sorgt Nike Wagner. Die Urenkelin Richard Wagners bringt nicht nur familiäre Autorität für ihren Vortrag „Warum ein dritter Akt?“ mit. Die Intendantin des Kulturfestes Weimar ist für ganz eigene Sichtweisen auf das Werk ihres Vorfahren bekannt. Von ihr wird man überraschende Perspektiven des „Tristan“ erwarten dürfen.

Anna Generalmusikdirektor Thalbach Markus Poschner

Bremer Philharmoniker

Nicht nur weil Nike Wagner erklärte Kritikerin der „Bayreuther Zustände“ ist, wird es bei dem Vortragsvorspiel und den konzertanten Aufführungen der Akte lockerer zugehen als auf dem Grünen Hügel. „Es ist von vornherein nicht unser Ziel gewesen, das Gesamtkunstwerk ‚Tristan und Isolde’ umzusetzen. Im Rahmen unseres Festivals ‚phil intensiv’ liegt der Fokus ganz allein auf der Musik, sozusagen wie unter dem Vergrößerungsglas, weil wir glauben, dass man sich einmal die Zeit nehmen sollte, die Wunder dieser Partitur sichtbar zu machen“, erläutert Markus Poschner.

Und die scheint nötig, denn die Musik findet in dieser Oper Wagners ganz neue Wege, die häufig vom Theaterzwang überlagert werden, Bilder für diese Vertonung der Psyche zu finden. Nicht ohne Grund galt der 1859 vollendete „Tristan“ zu seiner Zeit als nahezu unaufführbar. Erst Wolfgang Wagner fand 1952 den Mut zu einer Inszenierung auf fast leerer Bühne. Umso mehr bietet sich „Tristan und Isolde“ für eine konzertante Deutung bei „phil intensiv“ an.

Denn die Oper hat mehr zu bieten als den berühmten Tristan-Akkord, der die traErreichen will man dies durch Entschleu- ditionelle Dur-Moll-Tonalität außer Kraft nigung. Jeweils nur ein Akt steht an den setzte. „’Tristan und Isolde’ ist aus der drei Tagen auf dem Konzertprogramm heutigen Sicht der Inbegriff der Neuvon Sonntagvormittag bis Dienstagabend. en Musik“, urteilt Markus Poschner. „Die Herbert Feuerstein, ehemaliger ChefOper betritt absolut musikalisches Neuredakteur der Satire-Zeitschrift „Mad“ land. Aus Briefen wissen wir, dass Wagner und zeitweiliger Tele-Sparringspartwohl das Ganze selbst etwas unheimlich ner von Harald Schmidt, wird gemeinwar. Er schrieb einmal, dass es ihm ‚… sam mit Markus Poschner die roten Fäwie Schuppen von den Augen fiel, in welden des Spiels entwirren. „Feuerstein hat che unabsehbare Entfernung ich während hier nicht nur die Rolle des Erzählers. Er der letzten acht Jahre von der Welt geraten wird gemeinsam mit den Sängern und mir bin.’ Und das ist ja das Thema des Tristan: selbst jeden einzelnen Akt ein wenig abDer Rückzug von der sichtbaren Welt und klopfen, durchleuchten und gegebenendie Entdeckung der Schönheit der Nacht, falls auch aufschneiden. Das wird jeweils aber nicht auf Grund von Lebensfreude, im ersten Teil des Abends geschehen, der sondern von Todessehnsucht.“ zweite gehört dann ganz der Aufführung.“ Es geht um musikwissenschaftliche Nach- Anlass zur Tragik bietet die „Handlung“, holarbeit auf unterhaltsamstem Niveau. wie Wagner sein Werk als Gattung be-


Musik Bremer Philharmoniker

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„phil intensiv“: Bremer Philharmoniker führen „Tristan und Isolde“ konzertant an drei aufeinander folgenden Tagen auf Text: Stephan Cartier

Hereinspaziert Die Angebote der Musikwerkstatt Bremen: Musik mit Pfiff Unsere musikalische Entdeckungsreise für die Kleinsten – 3- bis 6-Jährige musizieren gemeinsam mit ihren Eltern. Der klingende Kindergeburtstag Zusammen mit allen Freunden Instrumente ausprobieren, musizieren, lachen und das neue Lebensjahr fröhlich begrüßen – ein unvergessliches Erlebnis! Familiensamstag für Groß und Klein Spielerisch lernen Familien mit Schulkindern klassische Musik und typische Orchesterinstrumente kennen.

Lioba Braun

zeichnete, reichlich. Die altenglische Legende fand nach vielen Bearbeitungen in Gottfried von Straßburgs Tristan-Roman aus dem 13. Jahrhundert seine einflussreichste Fassung. Der tugendhafte Tristan soll seinem König Marke die adelige Isolde aus Irland ins englische Cornwall bringen. Der eigentlich einfache Transfer der Braut verkompliziert sich jedoch bekanntlich, als beide Reisende von einem Liebestrank kosten – mit absehbaren Folgen für das Maß ihrer gegenseitigen Zuneigung. Am Ende der Verwicklungen stirbt zuerst Tristan, dann aus Kummer auch Isolde. Der Stoff wurde oft als Chiffre für die Macht der überwältigenden Liebe gedeutet, die hier wie eine Religion auftritt. Schon mit dem Auftakt von „phil intensiv“ mit Nike Wagner wird eine andere Lesart dagegen gesetzt, die näher am Menschen bleibt. Der Versuch der „gegenseitigen Vergötterung“ der Liebenden im „Tristan“, so schrieb sie einmal, „führe in die Irre“. Am Ende stehe „die öde Insel Subjektivität, der zweimal langsame Tod.“ Welche Schlüsse aus der viertägigen Beschäftigung mit Wagners „Tristan und Isolde“ zu ziehen sein werden, darüber darf sich das Publikum also schon vor dem ersten Ton uneins sein. Für absehbar möglichst große Einigkeit über die interpretatorische Qualität des Projektes hat man

Frank van Aken

dagegen durch die Top-Besetzung der Titelpartien gesorgt. Mit Lioba Braun ist eine der großen Mezzosopranistinnen mit ausgewiesener Wagner-Erfahrung für Bremen gewonnen worden. Den Tristan gibt Frank van Aken, der sich ebenfalls als WagnerSpezialist bewiesen hat und nicht zuletzt mit eben dieser Rolle große Erfolge feierte. Bis zum vierten „Festspieltag“ werden Nike Wagner, Herbert Feuerstein, Markus Poschner, die Solisten, der Chor des Theater Bremen und die Bremer Philharmoniker das Werk ausgedeutet haben und eine Antwort auf den Auftakt-Vortrag Nike Wagners geben: „Warum ein dritter Akt?“. Markus Poschner hat seine Replik schon gefunden: „Weil der dritte Akt das Ganze zu etwas Furchtbarem und Magischem werden lässt. Wagner selbst sagte einmal, dass wegen dieses dritten Aktes die Oper eigentlich verboten gehörte, ansonsten müssten alle Menschen beim Hören verrückt werden.“ – Beste Voraussetzungen also für Geist und Gehör, diese intensive Erfahrung nicht so schnell zu vergessen. Die Termine: Samstag, 19. Feb. 2011, 17.30 Uhr (Vortrag) Sonntag, 20. Februar 2011, 11 Uhr (1. Akt) Montag, 21. Februar 2011, 20 Uhr (2. Akt) Dienstag, 22. Februar 2011, 20 Uhr (3. Akt) Konzerthaus Glocke

Instrumentenbauworkshop Aus Alltagsgegenständen werden Musikinstrumente – mit Tricks und Kniffen, die allen Instrumentenbastlern außergewöhnliche musikalische Experimente versprechen! Philharmonischer Ausklang Ob Freundes- oder Kollegenkreis: Die abendlichen Besuche der Musikwerkstatt sind die Gelegenheit, gemeinsam etwas völlig Neues zu entdecken. Große Töne für kleine Ohren Musikwerkstatt speziell für Kindergartengruppen – das heißt: Singen, Spielen und Klanggeschichten erleben. Schulführungen Wie wäre es denn mit einem Musikunterricht der ganz anderen Art? Instrumente ausprobieren, Klangerfahrungen und Spaß und Freude am gemeinsamen Musizieren sind garantiert. Musikwerkstatt »on tour« Die Musikwerkstatt auf vier Rädern bringt die Welt der Musikinstrumente bei Ihnen zu Hause, in Ihrem Unternehmen, egal ob zur Familienfeier, zum Sommer- oder Betriebsfest. »Musikwerkstatt Bremen« der Bremer Philharmoniker, Plantage 13, Eingang 28 (Innenhof rechts), 28215 Bremen Telefon 0421 - 62 67 314, Fax 0421 - 62 67 320, musikwerkstatt@bremerphilharmoniker.de www.musikwerkstatt-bremen.de


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PORTRÄT Younghi Pagh-Paan

Younghi Pagh-Paan erhält Bremische Medaille für Kunst und Wissenschaft Text: Stephan Cartier

Einladung zum Dialog „A

lles was klingt“ – das ist nicht der schlechteste Titel für ein Musikstück und erst recht kein schlechtes Programm für eine junge, aufstrebende Komponistin. Das Koreanische schafft es, dies alles in einem einzigen Wort auszudrücken: „Sori“.

ich in dieser Stadt, die inzwischen meine Wahlheimat geworden ist – wirken!“

Wichtigste Mitgift dieser Tradition in Younghi Pagh-Paans Schaffen ist die widerspruchsvolle Verbindung von Statik und DyUnd von diesem Recht hat Younghi Paghnamik. Sie widersetzt sich dem SchematisPaan reichlich gebrauch gemacht. Eine mus von Themenarbeit oder Kadenzierung. ihrer international wirkungsreichsten Die rote Linie vieler ihrer Werke bildet der Ideen war die Gründung des „Atelier Neue Fluss von Grundakkorden. Die allmähliche Musik“ innerhalb der Hochschule. „Die Wandlung des tonalen Umfeldes bringt Younghi Pagh-Paan gab dem OrchesterStudensämtliche werk, das sie 1980 schlagartig in der Welt der tinnen und Lernen heißt, sich anregen zu lassen, ohne Parameter in Neuen Musik nach seiner Aufführung bei Studenten die eigene Identität aufs Spiel zu setzen. Bewegung. den Donaueschinger Musiktagen bekannt kamen aus Dabei spielt machte, mit Bedacht eben diesen Titel. vielen Ländern der Welt zu mir nach Bredie Wiederholung eine große Rolle. Aus der Nicht, dass das Werk der damals 35-jährigen men und viele von ihnen sind dann in ihre rhythmischen Struktur gewinnt Younghi Südkoreanerin klanglicher Beliebigkeit das Heimat zurückgekehrt, um dort zu wirken“, Pagh-Paan beispielsweise die Möglichkeit Wort reden wollte. Es sollte aber die von bilanziert sie und beschreibt damit auch zur inhaltlichen Stellungnahme. In den „Tasich selbst überzeugte westliche Avantgarden Kern ihrer eigenen Musikphilosophie. Ryong“-Stücken bildet die volkstümliche de daran erinnern, dass Neue Musik keine Lernen heißt, sich anregen zu lassen, ohne Repetition ein Klangbild der politischen neuen Nationalismen brauchte. Wo immer die eigene Identität aufs Spiel zu setzen. Umstände ihrer Heimat, die Pagh-Paan als etwas klingt, dort ist Musik zuhause; eine konservativ und autoritär empfand. Mit 20 Jahren ging die in Cheogiu geborene Überzeugung, die Pagh-Paan als KompoMusikerin an die Seoul National Universi- In dieser Lesart ist Musik ein universelles nistin seither auszeichnet und für die sie ty. Es folgte ein fünfjähriges Studium. 1974 Medium zum Dialog. Über Politik, über vielfach ausgezeichnet wurde, aktuell mit ermöglichte ihr dann ein Stipendium die der „Bremischen Medaille für Kunst und Kunst, über das Leben an sich. Die VerleiÜbersiedlung nach Deutschland, wo sie in hung der Bremischen Medaille für Kunst Wissenschaft“. Freiburg bei Klaus Huber, Brian Ferneyund Wissenschaft sieht Youngh Pagh-Paan „Nach langer Tätigkeit als Kompositionshough und Peter Förting ein zweites Studi- denn auch konsequent als Einladung zum lehrerin an der Hochschule für Künste enleben begann. Trotz dieses ausgelebten weiteren Gespräch: „Wenn man so viel für Bremen überrascht mich die wunderbare Interesses an westlicher Kultur blieb sie andere schöpferisch getan hat, bekommt Nachricht“, kommentiert die Südkoreaihren ersten Impulsgebern, dem südkore- man als Resonanz auch unerwartet tiefnerin konsequent bescheiden. „Derselbe anischen Komponisten Byung-Ki Hwang gründige Menschlichkeit zu spüren, die Senat hat mich vor 16 Jahren auf die Kom- und dem Theaterregisseur Taek-Suk Oh, ich in meinen Kompositionen anklingen positionsprofessur berufen. Seither darf aber verbunden. und weiterleben lassen möchte.“


PORTRÄT Patricia Andress 33

Ein strahlendes Licht Patricia Andress singt die „Butterfly“ am Bremer Goetheplatz Text: Sigrid Schuer

UNSERE STARS IN IHREN BESTEN ROLLEN

3008

„I

ch bin wie Butterfly, ich kenne den Tod“, sagt Patricia Andress mit fester Stimme. „Als ich noch ganz klein war, ist meine vierjährige Schwester bei einem Unfall ums Leben gekommen. Daran muss ich immer denken, wenn ich die ‚Madama Butterfly’ singe. Es ist für mich ein besonderes Geschenk, mit meiner Stimme meine Gefühle ausdrücken zu können.“

leben, aber auch als „Norma“ und nun als „Madama Butterfly“.

Sowohl Bellinis „Casta diva“ als auch Puccinis erst 15-jährige „kleine Frau Schmetterling“ geben ihr Leben für ihre große Liebe hin, ganz so wie auch Verdis Traviata. Sterben Norma und die vom Weg abgekommene Violetta Valéry im Frieden mit ihrem Geliebten doch noch einen versöhnlichen Liebestod, ist Butterfly am Ende ganz Die aus dem texanischen Las Cruces stam- allein. Verzweifelt beschließt sie, wie einst mende lyrische Sopranistin glaubt fest da- ihr Vater Harakiri zu begehen. Sie kennt ran, dass sie mit ihrer Gabe Menschen in den Tod, vielleicht ist es eine Frage der Ehre schwierigen Lebenssituationen zu berüh- für sie, den gleichen Weg zu wählen. ren und zu trösten vermag. „So wie meine Mutter, als ich für sie am Todestag meiner „Aber ich glaube“, sagt Patricia Andress, „da ist noch etwas anderes. Sie gibt ihr Leben Schwester als ‚La Traviata’ das ‚Addio del passato’ sang“, erzählt die Sängerin, die an für ihren Sohn, sie will ihm den Konflikt ersparen, sich zwischen Vater und Mutter entder Dresdner Semper-Oper ihr Deutschscheiden zu müssen. Butterfly ist eine starland-Debüt gab und seit vier Jahren am ke Frau, sie gibt nicht auf.“ Die „kleine Frau Bremer Theater engagiert ist. Schmetterling“ ist viel stärker als PinkerDer Bühnen-Tod steht ihr gut: Patricia ton, der wie so viele Männer, vor der StärAndress war in der wunderbar puristike der Frauen und ihren starken Gefühlen schen Inszenierung des unvergessenen kapituliert. „Pinkerton ist ein Egoist und er Ernst-Theo Richter eine hinreißende „La hat kein Selbstbewusstsein“, urteilt Patricia Traviata“. Sie zeichnet die Bühnencharak- Andress, die für die Frauenfiguren, die Puctere, die sie verkörpert, mit großem schau- cini und Verdi mit unendlicher Empathie spielerischen und stimmlichen Einfühgeschaffen haben, besondere Liebe empfinlungsvermögen. In dieser Saison ist sie in det. „Butterfly aber ist wie ein strahlendes Bremen als Donna Anna, als Pamina und Licht, das um das Geheimnis der wahren als Elettra in Mozarts „Idomeneo“ zu erLiebe weiß und es verkündet.“

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MUSiK Konzerttipps

konzErttipps

Neue „Wintergäste“

Tim singt Hilde

(ps) Gesungen wird nicht. Auch nicht musiziert. Und dennoch sind diese Termine einen „Konzerttipp“ wert. Denn ab dem 22. Januar ziehen wieder interessante „Wintergäste“ ins „Weserhaus“ von Radio Bremen. Sechs Wochen lang, jeden Samstag ab 11.05 Uhr.

(hip) Geboren ist er in Delmenhorst, und in Bremen war der heute 37-jährige einst die Hauptattraktion des „Jungen Theater“. Inzwischen ist Tim Fischer längst nach Berlin gezogen, und dort gehört ein Paradiesvogel wie er, der 2010 sein 20-jähriges Bühnenjubiläum als Chansonnier feiern konnte, ja auch eher hin.

Die Nordwestradio-Moderatoren Katrin Krämer und Otmar Willi Weber erwarten prominente Gäste, deren Wort Gewicht hat in Politik und Gesellschaft. Zu Gast sind Feingeister und Lebenskünstler, helle Köpfe und schräge Vögel, die über Persönliches und Professionelles plaudern und von ihrem Leben und ihren Plänen erzählen.

Im vergangenen Jahr präsentierte er ein Programm mit Klassikern von Zarah Leander. Auch diesmal bleibt er in seinem Programm „Tim Fischer singt ein KnefKonzert“ wieder den ganzen Abend über in der einen Rolle, die er sich über die Jahre so angeeignet hat, dass man kaum noch von einer Parodie sprechen kann. Jede Geste, jedes Lächeln, jede ironische Diese Gespräche können (bei freiem Eintritt!) live im „Weserhaus“ bei gemütlicher Pointe in den Ansagen sitzt, und Fischers Kaffeehausatmosphäre oder live im Radio androgyne Stimme kommt dem Timbre von Hildegard Knef, die Ella Fitzgerald als verfolgt werden. Die Termine: 22. Januar: „die beste Sängerin ohne Stimme“ lobte, Pastorin Margot Käßmann (Foto), 29. Januar: Bundesgesundheitsminister Philipp sehr nah. Bis auf ein paar falsche Wimpern Rösler, 5. Februar: TV-Moderatorin Judith braucht Fischer nichts, um sich auf der Rakers, 12. Februar: Kriminalbiologe Mark Bühne in die Knef zu verwandeln. Benecke, 19. Februar: Ludger KazmierczMit Rüdiger Mühleisen am Flügel, Ralf ak, ARD-Korrespondent in Polen, und 26. Templin an der Gitarre und dem Cellisten Februar: Schriftsteller Uwe Timm. Sebastian Selke begleitet ihn ein intimes, gut eingestimmtes Ensemble, und so dürfte Live-Veranstaltung immer samstags ab 11.05 Uhr im Restaurant Café Weserhaus, es für das Publikum garantiert „rote Rosen direkt bei Radio Bremen (An der Mauer 5) regnen“. 5. März, 20 Uhr, Musical Theater Bremen und im Nordwestradio.


MUSiK Konzerttipps

Dialog der Künste

Klezmer und Balkan-Brass

(UM) „Sendesaal alive“ lautet der Titel einer Konzertreihe der Philharmonischen Gesellschaft, in der junge Musiker nicht nur ihr Können zeigen, sondern auch ins Gespräch mit dem Publikum kommen. Dieser Dialogcharakter soll im März-Konzert besonders deutlich werden, wenn nicht nur Künstler und Publikum, sondern auch zeitgenössische Musik und Literatur aufeinander treffen werden.

(che) Die Bremer Gruppe Klezgoyim gehört längst zu den renommiertesten deutschen Bands im Bereich der Klezmermusik. In schöner Regelmäßigkeit veranstaltet sie ihre Klezmernächte, veröffentlicht CDs, gibt Workshops und bereist die Republik. Mitte der neunziger Jahre gegründet, hat es bei Klezgoyim relativ wenige Personalwechsel gegeben.

Zu Gast sind das Violoncello-Klavier-Duo Julian Arp und Caspar Frantz sowie der junge Schriftsteller, Verleger und Übersetzer Johannes CS Frank. Seit 2008 agieren die Drei zusammen und initiierten als „Ensemble Zeitkunst“ u.a. ein eigenes Festival. Frank hat sich darüber hinaus mit seiner Independent-Zeitschrift „Belletristik“ einen Namen gemacht, in der er seit 2006 Lyrik und Prosa unbekannter Autoren veröffentlicht. Schon an der Zeitschrift fällt auf, dass Literatur hier stets mit graphischen Illustrationen konfrontiert wird. Und genauso reizt es die drei Künstler, auch Musik und Literatur in Verbindung zu bringen. Musikalisch stehen bei diesem Dialog der Künste unserer Zeit Werke von Schnittge, Kurtág, Britten und eine Komposition von Samir Odeh-Tamini auf dem Programm. 3. März, 19.30 Uhr, Sendesaal

Ein paar allerdings doch, und der letzte, als die Akkordeonistin Sanne Möricke zur Band stieß, hat die Möglichkeiten enorm bereichert. Denn nun können, da Sanne Möricke auch Tenorhorn spielt und der Kontrabassist Ralf Stahn ebenso gut Euphonium bläst, Klezgoyim zwischen den Farben BalkanBrassband und Klezmergruppe wechseln, wobei die Perkussionistin Susanne Sasse dann auch mal zum Akkordeon wechselt. Eine Spur Jazz mischen die Musiker auch noch darunter, denn Saxophonist Peter Dahm kommt ursprünglich vom Jazz. Dahm ist auch neben dem Klarinettisten Martin Kratzsch der Hauptarrangeur und Komponist bei der aktuellen CD „Terkisher“ (erschienen bei Starfish Music), mit der die neue Qualität der „beiden musikalischen Gesichter“ von Klezgoyim bestens dokumentiert wird. 27. Januar, 20 Uhr, Oldenburger Lambertikirche

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MUSiK Glocke

glockE

Simone Kermes (Credit: Andreas Dommenz)

Wohltat für Ohr und Auge

„Colori d’amore“ an. Das Glühen der Lava, Simone Kermes reifte zur Koloratur-Diva die bunten Farben der Liebe, der Aufruhr der Herzen und die Trauer des Abschieds, ja der Todeserwartung, das Rasen der Ei(SN) „Trillern aus der Hüfte“ titelte „Die fersucht und das süße Hoffen auf ein WieZeit“, „Fono-Forum“ vernahm einen „Andersehen beflügeln, durchfurchen die schlag auf die Sinne“, ein anderes KlassikMagazin beschrieb sie als „Barockende Di- Kontraste, die von berühmten Dichtern in va in Netzstrümpfen“. Schlagzeilen, die uns bildhafte Verse gesetzt wurden und denen zeigen: Simone Kermes hat den Thron einer die Komponisten Klanggewänder geflochrichtigen Diva erobert; ein Aufstieg, den sie ten haben, deren instrumentale Delikasich mit Energie und künstlerischer Verant- tessen den Stimmenglanz beleben, ganz gleich, ob es sich um den Nachtigallenwortung erkämpft hat. Sie wurde nämlich schlag oder das Toben der Stürme auf dem nicht „gemacht“, sie siegte vielmehr mit Meere handelt. Le Musiche Nove, das beeinem Können, das sie zu herrlich leuchgleitende Barockorchester, leistet hier untender Reife entwickelte. Nicht von ungeter Claudio Osele Bewundernswertes. fähr ergeben sich mit Cecilia Bartoli, der Römerin, Berührungslinien – nicht wegen der etwa gleich bedeutenden Stimmen (So- Simone Kermes kann mit diesem Programm alle ihre stimmlichen Vorzüge pran und Mezzo), wohl aber durch das Reins Licht rücken. Sie flötet in knospenpertoire. Denn auf den beiden CDs, die Sidem Wohllaut die Liebesschwüre, sie vimone Kermes zuletzt veröffentlicht hat, sind Arien aus der Blütezeit der Opera seria briert in auftrumpfender Erregung, wenn aufgefädelt, wirkungsvolle Szenen aus Mu- es gilt, Widerstände zu überwinden oder seelische Schreckgespenster abzuwehren, sikwerken, die längst von den Spielplänen sie gibt mit zierlichen Klangfiguren dem verschwunden sind. Oft kennt man gerade Pulsschlag der Empfindungen berühnoch die Komponisten wie Pergolesi, Scarlatti oder Hasse. Andere wie Porpora, Vinci, renden Ausdruck und sie äußert mit gewagten Intervall-Sprüngen aufkeimendes Caldara oder Bononcini hat uns die BartoLiebesglück, steigert es in blitzenden Koli nahe gebracht, als sie deren Gesänge für loraturgirlanden hinauf in die SphärenKastraten interpretierte. Register weit über dem hohen C. Und das Schönste: Man glaubt Simone Kermes dieNun also ist Simone Kermes am Zug. se stimmlich bewältigten Gefühlsstürme Sie kündigt für ihr Bremer Konzert Ausin Wort und Ton. schnitte aus den beiden CDs „Lava“ und 12. März, 20 Uhr, Glocke

Ludovico Einaudi

Magische Klangwelten Ludovico Einaudi gastiert mit „Nightbook“ (SN) Die ganze Welt hebt an zu singen, findest du das Zauberwort, sagt der Dichter. Ludovico Einaudi hat das Zauberwort gefunden, denn er führt als Komponist und als Pianist hinein in eine zauberisch verführerische Welt. Das Finden und mehr das Erfinden von suggestiver Musik hat der Spross der berühmten italienischen Künstler- und Mediendynastie so intensiviert, dass er mit seinem Spiel Assoziationen weckt, imaginative Bilder entwirft und Gefühle der angenehmsten Art auslöst. Kurz: Er ist ein höchst kultivierter Animateur, ein Klangzauberer. Das Rezept ist relativ einfach: Vorwiegend romantische Klänge, in Art der Minimal Music repetiert und variiert, fügen sich von leichter Hand zu still fließenden, mitunter auch angenehm vibrierenden Episoden und Stimmungen zusammen, die betören und beglücken. Der Erfolg des Klangvisionärs blieb nicht aus: In Filmen und noch mehr live in den Konzertsälen der Welt bietet Ludovico Einaudi ein konträres Gegengewicht zu lautem, fetzigem Pop und Rock, kreiert er eine Musik, die Balsam auf Gemüt und Nerven streicht. Natürlich hat er mehrere CDs veröffentlicht. Eine davon trägt den Titel „Nightbook“ und just dieses Programm bietet der Pianist, vom Cellisten Marco Dezimo begleitet, in Bremen. 02. April, 20 Uhr, Glocke


MUSiK Glocke

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Weitere Veranstaltungen in der Glocke So 16.01.2011 | 10.45 Uhr | Kleiner Saal GLOCKE Ohrwurm für Familien: »con brio« Konzerteinführung zum Mitmachen zum Neujahrskonzert der Bremer Philharmoniker (Mindestalter 8 Jahre) Do 20.01.2011 | 20 Uhr | Kleiner Saal 4. Philharmonisches Kammerkonzert Juilliard String Quartet Werke von F. Schubert, D. Martino und L. van Beethoven So 23.01.2011 | 11 Uhr | Kleiner Saal GLOCKE Familienkonzert: »Die Bremer Stadtmusikanten« Bremer Kaffeehaus-Orchester Theater Kontra-Punkt

Dianne Reeves (Credit: Christian Lantry)

Von Soul via Bluesrock zu Jazzstandards:

sie sich für Jazzstandards zu interessieren, sang die Songs von Duke Ellington und die der von ihr sehr bewunderten Sarah VaugDianne Reeves und Raul Midón han. Neben Klassikern wie „Caravan“ oder „Spring can really hang you up“ hat Dianne (che) Es hat eine ganze Weile gedauert, bis Reeves aber längst damit begonnen, auch man in Europa hier überhaupt wahrnahm, Songs aus den Sparten Rock, Pop, Gospel, was für eine kapitale 3-Oktaven-Stimme die Soul und Blues in ihre Programme aufzuJazzsängerin Dianne Reeves aus Detroit nehmen. Auf ihrer aktuellen CD „When you besitzt. Als sie in den USA längst bekannt know“ findet sich mit „Today will be a good war, wenn auch vielleicht noch kein wirkday” ein lupenreines Bluesrockstück, neben licher Star, außerdem diverse Alben pueiner, nun ja, Jazzschnulze wie „Windmills bliziert hatte, hielt man bei uns die aparof your mind“. te Sängerin immer noch für ein Talent. Das hat sich, seitdem auch Europa einiger- Zu den JAZZnights bringt Dianne Reeves maßen neidisch auf die Grammy-Zeremo- einen hochinteressanten Musiker mit: nie blickt, gründlich geändert. Und DianRaul Midón. Der in New York lebende blinne Reeves hat in den Jahren 2001 bis 2003 de Sänger und Gitarrist, der ursprünggleich drei dieser begehrten Grammys als lich aus Embudo in New Mexico stammt, „best vocal performer“ abgeräumt, dem ist 2005, als sein Album „State of Mind“ 2006 noch ein vierter folgte. Dabei ist die erschien, als regelrechter Shooting-Star Sängerin, die gerne für ihr Repertoire im des US-Soul gefeiert worden. Auf den AlAmerican Songbook blättert, alles andere ben des 44-Jährigen kommt sein ganzes als eine junge Hüpferin. Können dabei nicht zur vollen Entfaltung: Sie wurde 1956 geboren, und zwar in eine musikalische Familie. Vater wie Mutter waren im Jazz aktiv, und der Pianist George Duke ist einer ihrer Cousins. Die Trompetenlegende Clark Terry hörte die damals 16-Jährige in einer Highschool-Bigband singen, erkannte ihr Talent und nahm sie unter seine Fittiche. Dianne Reeves tummelte sich zunächst in Latin-Bands, wie der von Sergio Mendes, bevor sie sich intensiv um eigene Platten kümmerte. Nun begann

Die CDs „State of Mind“ und der Nachfolger „A World within a World“ sind typische Produkte eines auf Massenkompatibilität ausgerichteten Marktes, der mit viel Keyboard-Soße seine Stimme zukleistert. Aber 2007 war Raul Midón solo im Sendesaal Bremen zu erleben, und demonstrierte dabei eindringlich, was für ein fabelhafter, intensiver Sänger er ist, wie wundervoll er zu improvisieren und eine Trompete zu imitieren versteht. 04. Februar, 20 Uhr, Glocke

Fr 28.01.2011 | 20 Uhr | Großer Saal NDR Sinfonieorchester Hamburg Martin Grubinger, Perkussion Philippe Jordan, Dirigent Werke von J. Corigliano und D. Schostakowitsch Mo 31.01.2011 | 20 Uhr | Großer Saal Di 01.02.2011 | 20 Uhr | Großer Saal 6. Philharmonisches Konzert: »Krauser Humor« Bo Skovhus, Bariton Bremer Philharmoniker Constantinos Carydis, Dirigent Werke von G. Mahler und D. Schostakowitsch Do 17.02.2011 | 20 Uhr | Großer Saal 4. Philharmonisches Kammerkonzert Grigory Sokolov, Klavier Werke von R. Schumann u. a. So 06.03.2011 | 11 Uhr | Großer Saal GLOCKE Familienkonzert: »Willkommen an Bord« Jugendsinfonieorchester Bremen der Musikschule Bremen Bremer Philharmoniker Heiner Buhlmann, Leitung Sa 12.03.2011 | 10-13 Uhr | Foyer GLOCKE Kindertag: »Zwergenstreich« Thema: Streichinstrumente mit Mitgliedern der Bremer Philharmoniker und dem Glocke-Team Mo 14.03.2011 | 20 Uhr | Kleiner Saal SichtWeisen: Von der Lust am Reisen Ein Diplomat und ein Reiseschriftsteller zeigen Ihnen ihre Welt


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MUSiK Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Projekte, Tourneen und Konzerte: Das plant die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen für 2011 Text: Peter Schulz

Albert Schmitt, Geschäftsführer der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, Peter Hoedemaker, Vorsitzender der Geschäftsführung Kaefer Isoliertechnik, Heinz-Dieter Reese, Kulturreferent, Japanisches Kulturinstitut Köln, Hans Otto, Artistic Manager der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, Hiroyuki Yakabe, Konsul für Kulturund Öffentlichkeitsarbeit des Japanischen Generalkonsulats Hamburg, Origami Künstlerin Motoko Yamazaki Severins ; Foto: Joerg Sarbach

mozart triFFt kyôgEn B

rasilien, Chile, Uruguay und Argentinien – Fußballfans werden bei dieser Aufzählung unweigerlich ins Schwärmen geraten. Die Musikerinnen und Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen nicht minder. Denn die vier Länder markieren die Stationen der großen Südamerika-Tournee, die das Ensemble im kommenden August nach Rio de Janeiro, Sao Paulo, Montevideo, Buenos Aires und Santiago de Chile führen wird. Im Gepäck: Werke von Haydn, Schönberg, Schumann und Mendelssohn Bartholdy.

des Jubiläums ‘150 Jahre Deutsch-Japanische Freundschaft’ erstmals in Deutschland ein faszinierendes Stück Japan präsentieren zu können: ein Kyôgen-Theater, frei nach Mozarts ‚Zauberflöte’.“

Dabei treten die Bläsersolisten des Orchesters gemeinsam mit Kyôgen-Bühnenkünstlern des Shigeyama-Ensembles im kommenden Mai in sechs deutschen Städten auf. Kyôgen-Theater, das heitere, burleske Pendant zum japanischen Nô-Theater, blickt auf eine mehr als 600-jährige Tradition zurück. Ursprünglich ein reiDie knapp zwei Wochen währende Reise in nes Sprechtheater erobert sich das heutige Begleitung des Geigers Christian Tetzlaff, Kyôgen-Theater durch Kooperationen mit anderen Kunstsparten frische Impulse und der als künstlerischer Leiter mit auf Tour ein neues Publikum. geht und dem Orchester seit vielen Jahren eng verbunden ist, zählt zweifellos zu Mozarts „Zauberflöte“ als Kyôgen-Theater den Glanzlichtern der Spielzeit 2011, die das „Orchester von Weltklasse“ (Der Spie- wird am 26. Mai auch in der Bremer „Glogel) auch zu einem Gastspiel nach Istanbul cke“ zu erleben sein, die seitens der Kamführen wird. „... ein faszinierendes Stück Japan: ein Kyôgen-Theater, Hier frei nach Mozarts ‚Zauberflöte’.“ steht am 22. Februar unter der Leitung von John merphilharmonie im laufenden Jahr für acht Abokonzerte gebucht worden ist. BeStorgards ein Konzert mit dem schwedischen Trompetenvirtuosen Hakan Harden- sondere Höhepunkte im bremischen Kulturleben stellen sie traditionell alle dar, berger auf dem Programm. hervorgehoben sei das Konzert „Leben in An die erfolgreiche Japan-Tour des Orches- allen Fasern“ (25. November) mit Heinrich Schiff, der in diesem Jahr seinen 60. Geters von 2010 mit Paavo Järvi knüpft ein burtstag feiern kann. Paavo Järvi wird bei Vorhaben an, das die Sprachschöpfung zwei Konzerten am Pult stehen, zudem sind „Crossover“ im wahrsten Wortsinn verdient. Geschäftsführer Albert Schmitt um- international gefragte Dirigenten wie Louis schreibt es so: „Wir freuen uns, im Rahmen Langrée und Sir Roger Norrington zu Gast.

Zum festen Programm der Kammerphilharmonie gehört natürlich der „Sommer in Lesmona“ im Knoops Park in BremenNord, der in diesem Jahr vom 1. bis 3. Juli bei hoffentlich schönem Wetter stattfinden wird. Das diesjährige Motto des KlassikFreiluft-Vergnügens lautet „Weiße Nächte“; eingeplant sind unter anderem ein Abendkonzert mit Igor Strawinskys „Feuervogel“ und die große Operngala am Freitag. Das preisgekrönte Zukunftslabor nimmt sich für 2011 ein neues großes Projekt vor. Nach „Afrika kommt“ wird nun Polen den Stadtteil Osterholz-Tenever kulturell aktivieren. Die Basis bildet dabei die Erzählung „Polski Blues“ von Janosch, entwickelt zusammen mit anderen Künstlern und Menschen des Stadtteils sowie Schülern der Gesamtschule Bremen-Ost in einem Zirkuszelt (5./6. Mai). Auch die Show-Reihe mit Mark Scheibe geht weiter: Die zum Kult avancierte „Melodie des Lebens“ erklingt am 13./14. April und 17./ 18. November. Bleibt im Rahmen dieser Vorschau auf 2011 noch die Frage nach CD-Neuerscheinungen: Die Vorstellung der ersten SchumannCD der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist für den kommenden März geplant. Unter seinem Chefdirigenten Paavo Järvi hat das Orchester die Sinfonien Nr. 3 und Nr. 1 eingespielt und bereits auf der Japan-Tournee im Herbst 2010 hervorragenden Kritiken dafür bekommen.


MUSiK OlDEnBURGER Jugendwettbewerb 39

Internationaler Musikwettbewerb für die Jugend geht in Oldenburg in die sechste Runde Text: Melanie Öhlenbach

28 april ➜ 1 mai 2011 congress centrum bremen

donnerstag 28 april 2011 overseas night ➜ kulturzentrum schlachthof 20:30 Trichotomy (AU) / 21:30 Hamilton de Holanda (BR) / 22:30 Rafael Zaldivar Trio (CA) / 23:30 simakDialog (ID)

freitag 29 april 2011 11:00 – 11:30

Preisverleihung 2009

Offizielle Eröffnung

➜ congress centrum

european jazz meeting ➜ borgward saal / halle 2 14:00 Le Rex (ch) / 14:15 Elifantree (FI) / 14:45 Partisans

(GB) / 15:00 Stian Westerhus (NO) / 15:30 Franz von

zukunFtsmusik

Chossy Trio (NL) / 15:45 Ozma (F) / 16:30 Kuára (FI) / 16:45 Randi Tytingvåg Ensemble (NO) / 17:15 Duo Schumacher/

Neve (lu) / 17:30 Monsieur Dubois (NL)

abendkonzert ➜ die glocke, großer saal 20:00 Sezen Aksu Acoustic Band feat. Fahir Atakoglu

Ü

berdurchschnittliches Talent, Ausdauer und echte Leidenschaft für Musik – ohne diese Eigenschaften ist es schwer, die Herzen der Klassikliebhaber zu erobern. Beim „Internationalen Musikwettbewerb für die Jugend“ vom 14. bis 17. März im Oldenburger Schlosssaal können Nachwuchsmusiker und Sänger zeigen, ob sie dafür das richtige Rüstzeug mitbringen. Die Sieger dürfen sich neben einem hohen Preisgeld auch über einen Auftritt bei der 15. Oldenburger Promenade freuen. Bereits zum sechsten Mal lobt die gemeinnützige Gemeinschaft der Freunde der Kammermusik in Oldenburg den Wettstreit aus, der mittlerweile weltweit bekannt ist: Bei der fünften Auflage im Jahr 2009 traten 61 Bewerber aus 18 Nationen – unter anderem aus Japan, Taiwan, Korea, Russland, Armenien, Spanien, Frankreich und natürlich Deutschland – gegeneinander an. „Der Wettbewerb ist ein bisschen ungewöhnlich. Und das nicht nur, weil er in Oldenburg und nicht in Berlin, München oder Hamburg stattfindet“, sagt Intendantin Elena Nogaeva, die vor zehn Jahre die Idee dazu hatte. Das Ziel des internationalen Wettbewerbs ist es, besonders talentierte junger Kammermusiker und Sänger auf ihrem Weg zu einer Musikerkarriere fördern. Daher sind auch die Maßstäbe und Qualitätsansprüche weitaus höher als bei anderen Vorspielen. Die Bewerber müssen schon ein gewisses Maß an Professionalität mitbringen, um bei Konzertatmosphäre vor Publikum und der internationalen Jury aus Hochschuldozenten, Kritikern und Konzertveranstaltern bestehen zu können. „Wir spielen hier nach den Regeln der Erwachsenen“, sagt Elena Nogaeva offen. Ungewöhnlich hoch ist auch die Auszeichnung für die begabtesten Nachwuchsmusiker: Mit 10.000 Euro ist der erste Preis dotiert. Darüber hinaus werden diverse andere Ehrungen wie der NDR Kultur-Preis, Steinway-Förderpreis oder der Professor Rainer Cadenbach-Preis für die beste Interpretation eines Werkes von Ludwig van Beethoven vergeben. www.oldenburger-promenade.de

german night ➜ kulturzentrum schlachthof 20:00 Ulrike Haage / 20:45 Philipp van Endert Trio / 21:30 Christina Fuchs’ No Tango / 22:15 Frederik Köster

Quartett / 23:00 Lemke-Nendza-Hillmann / 23:45 Transit Room

samstag 30 april 2011 european jazz meeting ➜ borgward saal / halle 2 14:00 Kari Ikonen Karikko (FI) / 14:15 Trio Braam-deJoode-

Vatcher (NL) / 14:45 Kostas Theodorou Quintet (GR) / 15:00 Mari Kvien Brunvoll (NO) / 15:30 Mats-up (CH) / 15:45 Nicolas Kummert Voices (B) / 16:30 miralta-olah-

sambeat-szandai (ES/HU) / 16:45 Kalle Kalima & K-18 (FI) / 17:15 Mats Eilertsen Quartet (NO) / 17:30 Jean-Marie

Machado & Danzas (F)

turkish night ➜ kulturzentrum schlachthof 20:00 Ayse Tütüncu Quartet / 20:55 Erkan Ogur & Derya

Türkan Duo / 21:50 Imer Demirer Quartet / 22:45 Korhan Futaci Kara Orkestra / 23:40 Baba Zula

sonntag 1 mai 10:30 Jazz for Kids & Teens ➜ kulturzentrum schlachthof 15:00 Film: ›Salami Aleikum‹ ➜ Schauburg Kino 18:00 Ali N. Askin & Band ›score no score‹ ➜ Schauburg Kino 20:00 Ceza ➜ kulturzentrum schlachthof

nderungen vorbehalten. Infos zum Weiteren Programm unter www.jazzahead.de. Veranstalter: Messe Bremen / WFB GmbH Glocke Veranstaltungs-GmbH / WFB GmbH Kulturzentrum Schlachthof e.V. Musikfest Bremen GmbH


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MUSiK Jazztipps

jazztipps

Signe Tollefsen

women in (e)motion reborn

Cobham, Kenny Wheeler und „Siouxie and the Banshees“ zusammengespielt und lebt (hip) Jazz, Folk, Pop, Gospel und Blues – inzwischen in Brooklyn, wo sie sich die von Frauen gesungen und gespielt. Das Mitglieder ihrer Formation „Anti-House“ ist seit 1988 das Konzept des Festivals zusammengesucht hat, deren Name „women in (e)motion“, bei dem über die Programm sein dürfte. Mit gleich fünf Jahre Musikerinnen wie Ani DiFranco, Auftritten zwischen dem 21. und 28. Januar Rory Block, Mari Boine, Amina Claudine in und um Bremen wird die Sängerin SteMyers, Veda Hille und Holly Cole zumeist phanie Nilles aus New Orleans als die Neuihre ersten Auftritte in Deutschland abentdeckung des Festivals präsentiert. Mit solvierten. Von Anfang an gab es Schwieihrer ganz eigenen Mischung aus Jazz, Folk rigkeiten mit der Finanzierung solch eines und Blues interpretiert sie eigene Songs, ehrgeizigen Projekts in Bremen. In einigen die zugleich politisch und ironisch sind. Jahren fiel es ganz aus, in anderen gab es nur „Rumpfprogramme“, und oft sah es so Aus Kentucky stammt die Sängerin Jonell aus, als sei Schluss mit dem Festival trotz Mosser, die inzwischen in Nashville lebt des Erfolgs der 1993 gestarteten Reihe mit und arbeitet. Sie war mit Musikern wie B.B. hauseigenen CD-Produktionen. King, Etta James und Bruce Cockburn im Studio, veröffentlichte eigene CDs, unter Aber die Veranstalterin Petra Hanisch ist anderem mit Songs von Townes van Zandt, zäh, und so hat sie es in diesem Jahr wieder und tritt am 22. Januar in der Music Hall geschafft, sechs bisher noch weitgehend und zwei Tage später im Moments auf. Als unbekannte Künstlerinnen nach Bremen Kanada kommt die Cellistin Cris Derksen, zu holen. Die zentrale Spielstätte des die in ihren Solo-Programmen ihr InstruFestivals ist traditionell das Moments im ment mit zahlreichen elektronischen Steintorviertel, aber auch in der Music Hall Effekten spielt, sodass sie live auf der Bühne in Worpswede, im Vegesacker KITO und einen erstaunlich vielschichtigen, beinaim Theater Laboratorium in Oldenburg he orchestralen Klang kreiert. Stilistisch werden einige Auftritte wiederholt. vermischt sie dabei spielerisch Avantgarde, Weltmusik, Country, Rock und Jazz (29. Das Festival beginnt am 19. Januar mit Januar, Moments). dem Konzert der deutschen Saxophonistin Ingrid Laubrock. Die Jazzmusikerin hat „Folk Noir“ wird der neoromantische Stil mit Norma Winstone, David Liebman, Billy der niederländisch-amerikanischen Sänge-


MUSiK Jazztipps

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Wohnen ist mehr...

Stephanie Nilles

rin und Gitarristin Signe Tollefsen gennant, die mit ihrer holländischen Band „Mindpark“ am 31. Januar im Moments spielen wird. Die Sängerin Maeve MacKinnon, Lauren MacColl an der Geige und der Multiinstrumentalist Ewan MacPherson beschließen am 5. Februar im KITO mit jugendlich frech gespielter Folkmusik aus Schottland das diesjährige Festival. Wie immer nimmt Radio Bremen alle Konzerte auf und sendet sie im Laufe des Jahres im Nordwestradio.

„Konzerte im Dunkeln“ (che) Schon im Jahr 2010 hat es ein paar „Konzerte im Dunkeln“ im Sendesaal Bremen gegeben. Im neuen Jahr wird diese Reihe, die höchst interessante Hörerlebnisse beschert, fortgesetzt. Der Reihentitel ist dabei wortwörtlich zu nehmen, und das bedeutet nicht etwa, dass im Saal nur das Licht ausgeschaltet wird, auch das Notlicht erlischt (mit Sondergenehmigung) und alle Spalten und Ritzen, durch die noch etwas Licht dringen könnte, werden sorgsam abgeklebt. Angst vor Panikattacken muss der Besucher dennoch nicht haben, denn im Saal verteilt sind genügend Personen, die eine Lampe für den Notfall parat haben. Das Erlebnis eines solchen Konzertes im Stockfinsteren ist ein Erlebnis der besonderen Art, denn der Hörer ist nun das, was

Eric Vloeimans

er vielleicht grundsätzlich beim Hören von Musik sein möchte: ganz Ohr. Jede Ablenkung scheint ausgeknipst, und das bewirkt Erstaunliches. Die Klänge, die von der Bühne des Sendesaales mit seiner ohnehin herausragenden Akustik kommen, scheinen unmittelbarer, die Spieler scheinen näher an den Hörer heranzurücken, selbst wenn der in der letzten Reihe sitzt. Für die Musiker ist die Herausforderung ungleich höher, denn sie müssen ihre Instrumente tatsächlich blind beherrschen, und so sie im Duo oder Trio auftreten, bestens mit der Spielweise der Partner vertraut sein. Am 19. Januar (20 Uhr) ist bei den „Konzerten im Dunkeln“ zunächst die aus Südafrika stammende, inzwischen in Berlin lebende Pianistin Sigrun Paschke zu erleben. Für die Pianistin ist ein Auftritt in absoluter Finsternis keine große Herausforderung, denn Sigrun Paschke ist blind. Sie hat an der Universität von Stellenbosch Klavier studiert und viele Jahre als Theatermusikerin an verschiedenen Einrichtungen in Südafrika gearbeitet. In ihrer Musik vermischt sie Jazzimprovisation mit Elementen südafrikanischer Folklore und einem Spritzer Balkan-Swing. Am 24. März (20 Uhr) folgt das nächste Konzert im Dunkeln, dann sind der niederländische Trompeter Eric Vloeimans und der deutsche Pianist Florian Weber im Dialog zu erleben.

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Schauspielrätsel (SN) Bauernmädchen werden mitunter von frommen Visionen heimgesucht. Bernadette zum Beispiel, die es später zu einem bekannten und viel gelesenen Roman gebracht hat und noch heute Wunderheilungen vollbringt. Ein anderes Mädchen aus noch früheren Zeiten soll auf himmlische Eingebung ihrem in höchste Not geratenen König zum angestammten Recht verhelfen. Der war allerdings ziemlich schwach, denn sein Reich musste sich schon lange gegen die eindringenden Engländer wehren. Mit mäßigen Erfolg. Das änderte sich, als die Jungfrau wie eine „Kriegsgöttin, zugleich schön und schrecklich anzusehen“, das Heer ihrer Landsleute zum Sieg führte, sogar zweimal. Klar, dass ihr die Heirat angeboten wurde, aber auf Grund ihres Gelöbnisses sagte sie immer ab – bis sie direkt im Zweikampf auf den englischen Feldherren stieß und sich in den Feind verliebte. Ob dieses Verrats wurde sie in Ketten gefesselt, und prompt verloren die Franzosen die nächste Schlacht. Wieder zu Hilfe gerufen wurde sie tödlich verwundet. Die Muttergottes erhob sie zur Verklärung, das Volk verehrt die wie eine Heilige und ein berühmter deutscher Dichter huldigte ihr in einem heute allerdings nur selten aufauf geführten Schauspiel. Wie heißt der Dichter, wie lautet der Titel dieses Stückes? Antworten bitte bis zum 15. Februar 2011 an foyer, Roland Verlag GmbH, Schlachte 43, 28195 Bremen. Die Teilnahme ist auch online möglich: www.rolandverlag.de (Publikationen/Foyer) Zu gewinnen sind 5 x 2 Karten für das Bremer Schauspiel. Die Auflösung des Schauspielrätsels in foyer 87 lautet: „Nathan der Weise“ von Lessing Gewonnen haben: Christa Gerken, Bremen Gerd Jegelka, Bremen Ursula Overbeck, Bremen Ingeborg Riegel, Hannover Heike Tassis, Bremen

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(ps) Cappel, Altenbruch, Lüdingworth – Professor Thomas Albert hat entscheidend dazu beigetragen, diese Ansiedlungen ins Blickfeld der Musikinteressierten im Nordwesten zu rücken. Denn hier und an weiteren fünf Orten fand im vergangenen Sommer das erste Arp-Schnitger-Festival statt, das im Rahmen des 21. Bremer Musikfestes ausgerichtet worden ist. Eine Veranstaltungsreihe, die dem Intendanten Thomas Albert ganz besonders am Herzen lag und die auf Anhieb zum Erfolg geworden ist. Dafür erhielt er die Ehrenmedaille der Arp Schnitger Gesellschaft, die für besondere Verdienste um das Werk Arp Schnitgers verliehen wird. Ziel der Gesellschaft ist es, für die in mehreren europäischen Ländern und in Brasilien erhaltenen Orgeln Arp Schnitgers die Anerkennung als Weltkulturerbe zu erreichen. Die über 300 Mitglieder der Organisation kommen aus aller Welt, vor allem aber aus der Küstenregion an der Nordsee, wo die meisten originalen Orgeln Schnitgers stehen. Zum Beispiel in Cappel, Altenbruch oder Lüdingworth, wo während des Festivals hochkarätige Vokal- und Instrumentalensembles auftraten und erstklassige Orgelspieler an einem internationalen Wettbewerb teilnahmen.

(SK) Der Bremer Schauspieler Christian Aumer (46) gesteht seine bedingungslose Liebe zum Krimi gern ein: „Als Kinder durften wir nur auf bleiben und mit den Eltern fernsehen, wenn es einen Edgar Wallace oder Francis Durbridge gab. Das war dann zugleich anheimelnd familiär und schaurig schön.“ Später sollten den Münchner all die kleinen Theater in Edinburgh, Cambridge, London und Bath faszinieren, in denen kurz vor der Aufführung der alte Kronleuchter verglimmt und der Vorhang fällt, sobald das Opfer schreit. Schaurig geht es künftig auch in Bremen zu, wo Aumer gemeinsam mit dem Regisseur Ralf Knapp und Perdita Krämer jetzt das „bremer kriminal theater“ gegründet hat. Ein mutiges Projekt. Ohne Subventionen spielen sie im Alten Saal der Schwankhalle, um unter anderem Hitchcocks Spionagethriller „Die 39 Stufen“ auf atemlos skurrile Weise lebendig werden zu lassen. Vier Schauspieler, darunter Aumer und Martin Leßmann, beide Meister des rasanten Rollenwechsels, nehmen das Publikum mit auf die Verfolgungsjagd durch die schottischen Highlands. Weitere Inszenierungen etwa des Bestsellers „Tannöd“ oder der Komödie „Arsen & Spitzenhäubchen“ könnten folgen – vorausgesetzt, das Publikum spielt mit.


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Opernrätsel (SN) Das Schlussbild einer Aufführung in der Hamburgischen Staatsoper blieb mir unvergesslich in Erinnerung: Blutrot ging die Sonne unter, die heiße Luft flimmerte und eine Frau in verschmutzten Kleidern lag verdurstend im Wüstensand, während ihr Geliebter nach einer Quelle suchte, um das Weiterleben beider Menschen zu sichern. (In diesem Falle waren es Placido Domingo und Eva Marton). Das Leben des Paares hatte bis dahin schon eine Reihe von Abenteuern überstanden, denn das Mädchen, das von ihrem Bruder in ein Kloster gebracht werden sollte, verliebte sich schnurstracks in einen ihr Avancen machenden jungen Mann. Aber der Bruder holte die Fliehenden wieder ein und verdingte seine Schwester an einen älteren Herren aus vornehmen Hause. Doch der Geliebte gab nicht auf, spürte sie auf und floh mit ihr, während der Alte sie beschuldigte, seinen Schmuck gestohlen zu haben. Natürlich kam sie ins Kittchen und wurde, verurteilt, nach Amerika deportiert. Aber wie es in der Oper so zugeht, war der Geliebte zur Stelle und bat, weil er sie nicht freikaufen konnte, den Kapitän, mitfahren zu dürfen. In der Neuen Welt angekommen, glückte beiden erneut die Flucht – ausgerechnet in die Wüste. „Sola, perduta, abbandonata“ (Einsam, verlassen, verloren) (ps) Die Bremer Kulturveranstalterin (SN) Axel Knopp markiert sozusagen das lauteten die ersten Zeilen ihrer letzten Arie. Katrin Rabus ist in den Stand eines Ritters Urgestein innerhalb der Bremer Künstlerim Nationalen Verdienstorden von Frankschaft. Seit Jahrzehnten unablässig tätig, Wie heißt die Dame? Ihr Name ist der Titel reich erhoben worden. Sie habe maßgebimmer wieder ringend um ein humanisder Oper. Wie lautet er, wer war der KomKom lich zur Verbreitung der französischen tisches Menschenbild, experimentierend ponist? Kunst und Kultur in Deutschland, vor almit verschiedenen Ausdrucksformen, Bitte schreiben Sie Ihre Antwort bis zum lem aber zur Belebung des deutsch-frankreativ in der Wahl der Materialien und 15. Februar 2011 an foyer, Roland Verlag zösischen Dialogs beigetragen, erklärte der Farbgebung, hat er sich einen hohen GmbH, Schlachte 43, 28195 Bremen. Die der Botschafter unseres Nachbarlandes, Rang gesichert. Teilnahme ist auch online möglich: www. Bernard de Montferrand, zur Begründung rolandverlag.de (Publikationen/Foyer) Aber bei allen schöpferischen Akten blieb während der Ordensvergabe in der franzöZu gewinnen sind 5 x 2 Karten für das er bei einer ganz eigen gearteten Sicht des sischen Botschaft in Berlin. Theater Bremen, das Stadttheater BreMenschen zwischen den Zeiten. Ja, der merhaven und das Oldenburgische In seiner Ansprache zur Ordensverleihung Mensch! Er tritt nicht plump und leicht Staatstheater. hob der Botschafter insbesondere die Aktientzifferbar in Erscheinung, nimmt oft vitäten von Katrin Rabus als Galeristin, ihr Die Auflösung aus foyer 87 lautet: „Die nur in Umrissen oder in merkwürdig aufEngagement für Konzerte Neuer Musik und Macht des Schicksals“ von Guiseppe Verdi. gefalteten Bewegungen Gestalt an. Musikfilme sowie ihre Mitarbeit im interGewonnen haben: Wer Axel Knopp als offenen, jovialen, san- nationalen Programmbeirat des deutschUlrich Banditt, Oldenburg französischen Fernsehsenders „Arte“ herguinisch gestimmten „Zeitgenossen“ Gunda Caspari, Rastede vor. „Mit Ihrem Engagement stehen Sie wahrnimmt, mag nicht spontan auf seine Jürgen Damsch, Bremen ganz im Zeichen einer langen Tradition in kreative Ausdruckswelt schließen, die in Wilhelmine Feltkamp, Bremerhaven Deutschland: nämlich private Initiativdas „Geheimnis Mensch“ eindringt und Timm Fregin, Martfeld en zur Förderung der Kunst und des zeitge- Renate Groh, Friedrichsfehn auf Wesen verweist, die sowohl in ihrer nössischen Schaffens“, betonte de Montfer- Anke Harms, Rastede „Eigentlichkeit“ verschlossen sind, aber rand. Als „besonders lobenswert“ würdigte Klaus Heyne, Bremerhaven andererseits eine intensive AufnahmeUwe Kliem, Bremerhaven er die seit Jahrzehnten andauernde enge bereitschaft signalisieren. Zusammenarbeit mit dem Institut français F. Knobbe, Göttingen Unter dem Titel „UNOMA“ sind Werke Axel Bremen sowie die Unterstützung der Arbeit Hannelore Luessen, Bremen Andrea Schneider, Bergisch Gladbach Knopps ab 20. Januar (Eröffnung um 18.30 der Association française d’action artistique, Alfred Schwarzer, Bremerhaven heute Culturesfrance. Uhr) in der Theatergalerie zu sehen. Gottfried Sprotte, Delmenhorst Ulrike Stobbe, Achim


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wirtschaft „gerdes – was zukunft hat!“

Neue Plattform für Produkt- und Marketing-Entscheidungen: Heinz-Jürgen Gerdes und sein Beratungs- und Entwicklungsbüro „gerdes – was zukunft hat!“ Text: Sabine Komm

Mentaler Reinraum W

ir fahren mit dem Lift bis ganz oben. Bis zur siebten Etage des Bamberger Hauses, ehemals Kaufhaus des jüdischen Unternehmers Julius Bamberger im Stephaniviertel in Bremen. Hier hat Heinz-Jürgen Gerdes seine Unternehmensberatung „gerdes – was zukunft hat!“ angesiedelt. 170 Quadratmeter groß ist die Etage. Ein eindrucksvoller Ort für Beratungsgespräche und Workshops. Rundum verglast, der Blick ist frei. City und Überseestadt liegen zu Füßen. „Eine absolute Rarität“, sagen auch die, die hier arbeiten.

Hier empfängt das Beraterteam seine Mandanten. Nach Möglichkeit einzeln und deshalb genau getaktet. Niemand soll dem anderen in die Arme laufen. Bei den Beratungsgesprächen geht es allenfalls am Rande um den Geschäftsführer von „gerdes - was zukunft hat!“ Obwohl die Stationen seines Lebenslaufs nicht uninteressant sind: Gerdes hat seine berufliche Laufbahn als Werkzeugmacher begonnen, um dann in Münster, Wuppertal und Berlin Produktdesign, Visuelle Kommunikation und Bildhauerei zu studieren. Seine Diplomarbeit hat er in den Niederlanden geschrieben.

Weil sich die Beratungsfirma hier langfris- 1996 wurde Gerdes Designmanager bei tig eingemietet hat, konnte Gerdes bei den der Deutschen Bahn AG und dort zustänBauarbeiten von Anfang an mitbestimmen, dig für die Neu- und Umgestaltung wichtiger Bahnhöfe. Damals hat er nicht nur wie die Etage später aussehen soll. Nach seinen individuellen Vorgaben ist eine offe- mit den Großmeistern der Architektur wie ne Architektur entstanden, ein Raum ohne Meinhard von Gerkan, Planer des HauptZwischenwände. Der lässt Rückschlüsse zu bahnhofs Berlin, und Sir Norman Foster zu tun, sondern bereits mit dem Megaprojekt auf die Menschen, die hier an ihren ComStuttgart 21. „Man konnte viel bewegen“, putern sitzen. Rückschlüsse darauf, wie sie denken und welche neuen Wege sie mit ihren Man- „Unser Kopf ist rund, damit das Denken danten gehen möchten. Of- die Richtung wechseln kann.“ fenheit schient hier Prinzip. Man denkt an Francis Picabia: „Unser Kopf sagt er heute. Danach ging es nach Bremen, wo Gerdes sechs Jahre lang Geschäftsfühist rund, damit das Denken die Richtung rer der Bremer Design GmbH war und dawechseln kann.“ mit zuständig für das Design Zentrum Bremen und das Designlabor Bremerhaven. Klare Designschreibtische und Leuchten Danach beginnt für ihn eine neue Etappe. akzentuieren den Raum. Am Rande steht die Aktfigur eines Berliner Bildhauers. Heute ist der 48-Jährige froh darüber. Seit Dazu eine Küche in dynamischem Grün, auf dem Beistelltisch orangefarbige Capuc- zwei Jahren ist der Wahl-Bremer wieder cino-Tassen. Die gesamte Etage ist mit Li- Unternehmensberater. Sein festes Team besteht aus vier Personen. Mit dabei ist seinoleum ausgelegt, einem Naturprodukt, auf dem man sehr gut barfuss laufen könn- ne Frau, eine Betriebswirtin mit beruflichen Stationen bei Pricewaterhouse in te. Im Hintergrund ist heute „East Meets West“ zu hören, eine schräge Klezmer-Ver- New York und Berlin. Zudem arbeiten für „gerdes – was zukunft hat!“ Agenturen aus sion von Nigel Kennedy.

Bremen, Berlin und Münster und freie Mitarbeiter. In seinem Beratungsbüro gehe es um weit mehr als nur um Design und Marketing, sagt Heinz-Jürgen Gerdes: „Wir begleiten Unternehmen im Markt oder zeigen ihnen, wie sie zurück in den Markt finden.“ Von innen kennen sich die Unternehmen selbst. Sein Beratungsbüro biete den Blick von außen an und gehe dabei – ohne jeden Kompromiss – vom Markt und von den jeweiligen Kundenwünschen aus. Wie kann man Produkte am Markt positionieren? Wie kann man die Kunden für das eigene Produkt begeistern? Wenn es um Investitionen in die Zukunft geht, verwendet Gerdes gern Begriffe wie „soziale und kulturelle Relevanz“. Produkte wie Bionade und i-phone oder Geschäftsideen wie die Alnatura-Märkte sind seiner Überzeugung nach deshalb so erfolgreich, weil die Menschen genau so etwas wollen: „Immer mehr Leute sind bereit, für ein gefühlt gutes Produkt mehr Geld auszugeben. Diese Menschen wollen keine Mogelpackung, sondern sinnvolle, zukunftsfähige Produkte, die Arbeit, Gesundheit und Ökologie erhalten.“ Jedes Jahre verschwinden trotzdem vertraute Unternehmen und Produkte vom Markt. Dass sich Firmen wie Siemens sang- und klanglos vom Handy-Markt verabschiedet haben, ist für Gerdes Beispiel einer falschen Strategie. Eine Initiative in die richtige Richtung sei hingegen der in Bremen gegründete Verein „Deutsche Manufakturen“, dem Firmen wie Koch & Bergfeld Besteckmanufaktur, Mühle Rasurkultur und Puls Maßanzüge angehören. Es sei wichtig, die Menschen wie-


wirtschaft „gerdes – was zukunft hat!“

der für den Stellenwert von Handwerk zu sensibilisieren. Gerdes geht an seinen Computer und clickt das Video „Kein Leben ohne Handwerk” der Berliner Agentur Scholz & Friends auf, eine aufwändige Imagekampagne, um junge Leute für Handwerksberufe vom Elektroinstallateur bis zum Tapezierer zu begeistern – in einer Zeit, in der sich alles nur noch um Bites und Bytes zu drehen scheint. Wie kann man sich in Zukunft behaupten? Viele Firmenchefs hätten Angst, sich zu verändern, Hürden zu überwinden, ihre Mannschaft mitzunehmen. „Der mentale Weg ist ein Weg ins Unbekannte“, sagt Gerdes und verweist auf das aufgewühlte Meer auf der Internetseite seiner Firma. Ein Ber-

liner Designer hat für ihn das Meer ohne Schaumkronen digital generiert, das an ein Gebirge erinnert und seine Farbe über einen Zufallsgenerator verändert. Dieses Stück Meer ist Sinnbild für das Risiko, dass Menschen wie Seefahrer Magellan eingegangen sind. Mut, Entschlossenheit und Wille waren der Motor für ihren Weg; Eigenschaften, die bis heute Voraussetzung für innovative Unternehmen sind.

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verenzlisten? Fehlanzeige. Aktenordner, die Rückschlüsse ermöglichen, verschwinden in der Etage hoch über der Stadt in geschlossenen Regalsystemen.

Nur so viel verrät er: Vor einem Treffen im Turm des Bamberger Hauses mache sein Team jedes Mal die Platte sauber. Sein Büro bezeichnet Gerdes deshalb nicht nur als Headquarter, sondern lieber noch als „mentalen Reinraum“. Für den Und wer lässt sich bei „gerdes – was zuUnternehmensberater und seine Mitarbeikunft hat!“ beraten? Die Mandanten kom- ter ist es der perfekte Ort, um neues Denmen aus dem Nahrungsmittel-, Mode-, ken anzuschieben. Ihr Signal an alle GeMobilitäts- und Kunstbereich, heißt es. schäftsführer, die sie bei der Entwicklung Ein-Personen-Unternehmen sind ebeninnovativen Markt- und Markenstrategien so darunter wie Firmen mit 5000 Mitarbei- begleiten: „Die Herausforderung der Zutern. Namen will Gerdes nicht nennen. Re- kunft ist Veränderung.“

So weit der

SpaSS * aus Die Nibelungen

und nun der

von Friedrich Hebbel Regie Herbert Fritsch Fr. 21.01. Premiere 27.01. 29.01. 10.02. 18.02. 19.02. 23.02. 10.03. 29.03. 06.04. 16.04. Theater am Goetheplatz Karten: 0421 - 3653 333 www.theaterbremen.de

ernst

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litERatUR Das Mädchen meines Herzens / September

litEratur

Vier Herren erzählen Buddhadeva Boses wundersamer Liebesroman

Schon vor 60 Jahren erschien dieser zauberhafte Liebesroman, niemand kennt hierzulande seinen Verfasser, den bengalischen Schriftsteller und Gelehrten Buddhadeva Bose, der 1974 im Alter von nur 66 Jahren starb. Bose gelang hier eine niveauvolle moderne Variante der SheherazadeLegende. So verschiedenen wie die Erzähler sind auch ihre Geschichten und ihre Sprache. Und der Leser entdeckt hinter den scheinbar glatten Fassaden der vier Herren deren verletzliche Seelen. Buddhadeva Bose: Das Mädchen meines Herzens. Ullstein. 181 S., Euro 18,-

Der Zauber eines Augenblicks: In einer eisigen Winternacht betritt ein junges Paar nur wenige Minuten lang den Wartesaal eines indischen Kleinstadtbahnhofs. Und für vier schweigsame Herren, die dort auf die Weiterfahrt ihres Zuges warten, ist dies ein magischer Moment. Obwohl sie sich auf ihrer Reise mehrfach begegnet waren – in den Gartenanlagen des Taj Mahal oder in Agra –, hatten sie kaum ein Wort miteinander gewechselt. Beim Anblick der Verliebten aber war etwas im Warteraum hängen- Atemlos Thomas Lehrs preisgekrönter Ausnahmegeblieben, „als hätte der Vogel der Jugend roman „September“ im Flug eine Feder abgestreift.“ Die Männer – ein Schriftsteller, ein Bauunternehmer, ein Arzt und ein hoher Regierungsbeamter – wenden sich einander zu, kommen ins Gespräch, und erzählen, angeregt durch die kurze Begegnung mit dem jungen Paar, einer nach dem anderen von ihrer ersten Liebe, der Liebe sehr junger, noch unsicherer Menschen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Vor kurzem erhielt Thomas Lehr für sein „singuläres Prosawerk“ den Berliner Literaturpreis – eine schöne Würdigung des preisverwöhnten Schriftstellers durch die Stadt, in der er seit 1979 lebt. Die Jury teilt mit ihrer Begeisterung für Lehrs „ausgeprägten und höchst wandlungsfähigen Formwillen“, seine „ambitionierte Suche nach immer neuen Darbietungsformen“ die Meinung zahlreicher Kritiker. Einige von ihnen halten Thomas Lehrs neuen Ro-

man „September“, der Platz 1 der Südwestfunk-Bestenliste sowie der Shortlist des Deutschen Buchpreises erklomm, gar für den bedeutendsten deutschsprachigen Roman des Jahres 2010. „Die Geschichte ist der Irrgarten der Gewalt“ – dieses Goethe-Zitat wählte Thomas Lehr als Motto für seinen Roman. Dessen schon vielfach literarisch bearbeitetes Thema – die Terroranschläge vom 11. September 2001 und ein Bombenattentat in Bagdad 2004 – hat apokalyptische Dimensionen, und der Autor steigert Intensität und Dichte, indem er die Schicksale seiner vier Protagonisten nahezu parallel verlaufen lässt. Der Arzt Tarik lebt mit seiner Tochter Muna in Bagdad, Martin, ein deutschamerikanischer Germanistikprofessor, und dessen Tochter Sabrina sind in New York zu Hause. Nie sind diese vier Menschen, die abwechselnd in feinsinnig komponierten inneren Monologen zu Wort kommen, einander begegnet, doch steuern sie auf ein ähnliches Schicksal zu: Sabrina findet im World Trade Center den Tod, Muna kommt beim Anschlag in Bagdad ums Leben. Jahrelang recherchierte der 1957 in Speyer geborene Autor für seinen Roman, beschäf-


literatur Die Frau im Tal

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tigte sich vor allem mit der Geschichte des Irak. Stilistisch lotet er ebenso wagemutig wie kunstvoll seine Grenzen aus, schreibt im Wortsinne ohne Punkt und Komma, das gesamte 478 Seiten umfassende Werk hindurch, installiert poetisch-rhythmische Zeilenumbrüche mitten im Text. Das kostet zunächst konzentrierte Leseanstrengung, und nicht auf Anhieb will man sich dem Sog von Lehrs ausgereifter lyrischer Prosa ergeben. Weiß man um die erzählerischen Qualitäten dieses Autors, die er in bisherigen Romanen eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, könnte man seine Entscheidung für diese literarische Form bedauern. Doch Lehr verleiht dem Schrecken einen besonderen künstlerischen Ausdruck, indem er die Geschichte in schwebende Poesie kleidet und ermöglicht so den distanzierteren wie auch direkteren Zugang, was das Entsetzen angesichts mörderischer Taten verstärkt. Er verweist aber auch auf die Vielschichtigkeit und Eigendynamik des Weltgeschehens, die keine Schwarz-Weiß-Malerei, kein Richtig oder Falsch, kein Gut oder Böse erlauben. Dadurch und mit Hilfe seiner anspruchsvollen fließend-ästhetischen Sprache gelingt es dem Autor, Grauen, Leid und Schmerz ertragbar erscheinen zu lassen. Thomas Lehr: September, Fata Morgana. Hanser. 478 S., Euro 24,90

Die Leiden des jungen Aksel Ketil Bjornstads spektakulärer Künstlerroman In Norwegen hat Ketil Bjornstad Kultstatus – als Pianist, Komponist, Romancier und Lyriker. Seinem bescheiden-freundlichen Auftreten ist das nicht anzumerken. Doch wenn der hoch gewachsene Mann mit dem sensiblen Blick aus seinen Büchern liest, sich ans Klavier setzt, um als Glanzlicht seine großartigen, romantisch-schwermütigen Melodien, seine leidenschaftlichen Jazzstücke vorzutragen, bekommt auch der deutsche Zuhörer eine Ahnung von der Einmaligkeit dieses Künstlers.

und Jahre später über Romanbiographien zu der des Romanciers. Seine mehr als dreißig Romane und Lyrikbände und auch die weit über 50 Musikaufnahmen sind stark geprägt von der so besonderen Atmosphäre seiner norwegischen Heimat. Das Haus des Autors liegt am Oslofjord, nur 300 Meter entfernt von der Nervenheilanstalt, in der Edvard Munch lebte und einige seiner berühmtesten Bilder malte. Bjornstad hat Munch wie auch Edvard Grieg, dem Geiger Ole Bull und der Malerin Oda Krogh mit seinen exquisiten Biographien ein Denkmal gesetzt. Sieben seiner Bücher gibt es inzwischen auf Deutsch, auch die Romantrilogie um den jungen Pianisten und Ich-Erzähler Aksel Vinding, dessen Lebensweg von leidenschaftlichen, höchst unkonventionellen Liebesbeziehungen und dramatischen Todesfällen gezeichnet ist. „Vindings Spiel“, Band eins des fesselnden Künstlerepos’, macht den Leser mit dem fünfzehnjährigen Aksel Vinding bekannt. Seine Mutter hatte in ihm die Liebe zur Musik geweckt, und als sie bei einem Badeunfall ertrinkt, verliert er den Boden unter den Füßen. Er bricht die Schule ab, um Pianist zu werden. Schlafwandlerisch bewegt er sich im Dunstkreis junger Musiker und verliebt sich in die magersüchtige Anja. Im zweiten Band, „Der Fluss“, lebt Anja nicht mehr. Aksel bereitet seinen ersten großen Konzertauftritt vor und entdeckt seine Liebe zu Anjas Mutter, die er schließlich heiratet. Gerade, als ihm auch beruflich alles zu gelingen scheint, erleidet er den nächsten Schicksalsschlag.

MItten IM HeRzen BReMenS ... lädt das Restaurant „alto“ mit Wintergarten zum Verweilen ein. Die Innenhofterrasse besticht durch den einzigartigen Blick auf die historischen Fassaden der Böttcherstraße. Perfekt gegrillte Steaks und frischer Fisch sind unsere Spezialitäten. Unseren Lunch können Sie täglich von 12–15 Uhr genießen. Wir freuen uns auf Sie!

Mit „Die Frau im Tal“ ist nun der dritte und letzte Teil dieser außergewöhnlichen Entwicklungsgeschichte erschienen. Er beginnt mit einem Selbstmordversuch sowie dessen skurriler Vereitelung und endet nach vielerlei erotischen Verwicklungen mit der erfolgreichen Aufführung eines Klavierkonzertes.

In elegant komponiertem, erzählerischem Bogen begleitet Ketil Bjornstad die ReiBjornstad, 1952 in Oslo geboren, studierfezeit des jungen Pianisten und erzählt te klassisches Klavier in Oslo, London und kenntnisreich aus einer ihm vertrauten Paris. Als 16jähriger debütierte er mit Bar- Welt. Sein wunderbares Künstlerporträt ist tóks drittem Klavierkonzert. Während eivoller Musik und Sinnlichkeit, man wird es ner schweren künstlerischen Krise begann so schnell nicht vergessen. er, Gedichte zu schreiben – Brücke zu einer Ketil Bjornstad: Die Frau im Tal, Suhrzweiten großen Karriere, der des Lyrikers, kamp, 335 S., Euro 22,90

im AtLAntIC Grand Hotel Bremen Bredenstraße 2 · 28195 Bremen tel. 0421/ 620 62-533 · Fax -500 alto@atlantic-hotels.de


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litERatUR Bremer Literaturpreis

Text: Inge Zenker-Baltes

brEmEr litEraturprEis Bettlerin des Wortes Friederike Mayröcker wird mit dem Bremer Literaturpreis gewürdigt Friedrike Mayröcker und ihrem ebenso gewaltigen wie vielschichtigen Werk auf nur wenigen Zeilen gerecht zu werden ist unmöglich. Die Zahl ihrer literarischen Arbeiten ist ebenso Legion wie die ihrer meist hochkarätigen Auszeichnungen. Als sie 2001 den Büchner-Preis erhielt, hat sie zunächst „stundenlang ... geheult“ – vor Freude, in die sich Trauer mischte, konnte sich doch ihr „Hand-, Herz- und Liebesgefährte“ Ernst Jandl, dem man die begehrte Trophäe bereits 1984 verliehen hatte, nicht mehr mit ihr freuen. Ihrem neuen Buch „ich bin in der Anstalt“ wurde nun der Bremer Literaturpreis zugesprochen – endlich, möchte man sagen. 86 ist Friederike Mayröcker am 20. Dezember geworden, kaum zu fassen, blickt man in ihr feingeschnittenes Gesicht, in die wachen Augen unter pechschwarzen Stirnfransen. Für die Grande Dame der Poesie gibt es nach eigenem Bekenntnis keine Trennung von Kunst und Lebenspraxis, sie lebt durch, für und inmitten ihrer Dichtung. Ihre Schaffenskraft und Sprachgewalt, ihr Fundus an grandiosen Wortschöpfungen, die sie in die ureigene Form Mayröckerscher Prosa oder Lyrik kleidet, scheinen nicht zu versiegen, auch wenn sie im neuen Buch, wo sie „Fusznoten zu

einem nichtgeschriebenen Werk“ sammelt, tödliche Angst zeigt vor „Wortverlust ... Verdunkelung meiner Seele“ und klagt, „die Wehmut schlägt mich tot“. Dieses Prosawerk geht ob seiner genussvollen Verzweiflung unter die Haut. Schon seit vielen Jahren kultiviert die Österreicherin ihr sarkastisches Reflektieren über körperlichen Zerfall, die Erwartung des Todes. Doch nicht selten glitzert hinter all dem Masochismus ein anrührend mädchenhaftes Kokettieren mit dem Alter. Das Schreiben, meinte sie einmal, sei ihr Droge, Sucht und Rausch, Himmel und Hölle. Ihr bescheidenes Lebensresümee: „ich bin 1 Bettlerin des Wortes.“ Friederike Mayröcker: „ich bin in der Anstalt“. Suhrkamp, 190 S., Euro 19,80

Katze, Kaffee und zwei Gangster Andrea Grill erhält für „Das Schöne und das Notwendige“ den Förderpreis Kann ein Roman fesseln, dessen Hauptfiguren zwei Männer namens Fiat und Finzenz sind? Er kann, Andrea Grill hat es mit ihrem neuen Buch vorgemacht. Die 1975 in Bad Ischl geborene Evolutionsbiologin promovierte über sardische Schmetterlinge und hat bisher drei Romane veröffentlicht. Der vierte, wegen „großer Fabulierkunst“

und „koboldhaftem Witz“ mit dem Bremer Literatur-Förderpreis ausgezeichnet, installiert zwei glücklose Helden, die zwar nicht mehr an das Gute im Menschen, aber noch an Wunder glauben und sich mühen, dem Glück ein wenig nachzuhelfen. Dabei entwickeln sie neben nicht eben geringer krimineller Energie auch einen scheinbar genialen Plan. Andrea Grill schöpft für die skurrile Gangsterstory aus einem reichen Wissensfundus und präsentiert zu Beginn der vierzig Kapitel je eine Kaffeesorte. Sinn und Zweck dieser kleinen Kaffee-Porträts bleiben dem Leser nicht lange verborgen. Denn beim Erkunden der Wege zum ersehnten Reichtum stoßen Fiat und Finzenz auf den exotischen Fleckenmusang, einen etwa 50 cm langen Vertreter der Schleichkatzen, den es übrigens wirklich gibt. Er pflegt nach dem Verzehr von Kaffeekirschen deren Bohnensteine als begehrte Delikatesse wieder auszuscheiden – ein regelrechter „Goldscheißer“ also. Um damit das große Geld zu machen, müssen die beiden Gauner die „Kaffeekatze“ erst einmal in ihren Besitz bringen. Ob das gelingt und wie alles weitergeht, das macht Andrea Grill mit wunderbar blumiger detailverliebter Sprache sowie originellen inhaltlichen Salti zum reinen Lesevergnügen. Andrea Grill: Das Schöne und das Notwendige. Otto Müller Verlag. 261 S., Euro 20,-


BUCH UND MUSIK Ohrentheater 49

Text: Simon Neubauer

Szenen einer Operngeschichte G

reift man irgendwo wahllos hinein in die über 800 Seiten dieses backsteingroßen, doch handlichen Buches, ist man sofort fasziniert, liest gefesselt weiter. Denn hier handelt es sich nicht um einen marktgerechten Opernführer, sondern um eine weit gespannte Folge an Essays, Berichten und Analysen. Weit gespannt meint hier nicht allein den gewaltigen Bogen von Monteverdi bis in die jüngste Gegenwart (Reimann, Glanert, Petr Eben), vielmehr gilt das gleiche Staunen der geistigen Weite, mit der Norbert Abels den umfangreichen Stoff bewältigt. Er bewältigt ihn nicht etwa in dem leider oft noch üblichen Dramaturgen-Deutsch, obwohl der Autor, Nachfolger Zeheleins, als ausgezeichneter Chefdramaturg an der wieder sehr erfolgreichen und deshalb viel beachteten Oper Frankfurt arbeitet und als Professor an der Folkwang-Hochschule lehrt. Das Wissen Abels ist enorm. Trotzdem wird es nicht eitel zur Schau gestellt, denn die „Essays verstehen sich als szenische Betrachtungen, halten stur Distanz zu akademischen Marginalien und Nachweis-Euphorie, verzichten also ganz gezielt auf alle Wissenschafts-Attitüde.“

um der aus Jahrhunderten stammenden Werke des Musiktheaters zu folgen. Bemerkenswert ferner, dass Abel nicht nur die beliebten und deshalb weitgehend bekannten Opern in ein Blickfeld rückt, das freilich allerlei bisher nur geahnte oder nicht beachtete Aspekte aufgreift, sondern auch Rares berücksichtigt wie etwa das kürzlich im Bremer Dom aufgeführte Oratorium „Der Weg der Verheißung“ von Kurt Weill. „Opern dringen gleichzeitig durch die Ohren und die Augen in uns ein, um dann den gesamten synästhetischen Bewegungsraum zu aktivieren“ begründet Norbert Abels den Titel des Buches „Ohrentheater“. Es wäre nicht schlecht, wenn es auch Regisseure zu Rate ziehen würden, um – als Beispiele herausgegriffen – den Charakter des Don Giovanni oder des Lerchenauers im „Rosenkavalier“ genau zu erkennen. Norbert Abels hat als Gastdramaturg auch in Bremen gearbeitet, zuletzt aktivierte er mit David Mouchtar-Samorai Verdis Oper „Die Macht des Schicksals“ mit einem neuen Inhalt. Außerdem ist er der Verfasser der Benjamin-Britten-Biografie, die wir in foyer 74 vorgestellt haben.

Norbert Abels: „Ohrentheater“. Szenen eiDiese getreu befolgte Erkenntnis, eingebun- ner Operngeschichte. Axel Dielmann Verden in einen geschliffenen, ja geschmeidilag, Frankfurt. 847 Seiten, 28,80 Euro. gen Stil, macht es leicht, dem Kompendi-


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SERiE Die neue Kunsthalle Bremen

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Oberfläche der Testversion

kunst-kick Für kids a

nstatt mit der Tante durch ein ödes Museum zu gehen, würde er lieber mit seinen Freunden Fußball spielen. Den Ball hat er deshalb gleich dabei – man weiß ja nie… Doch dann kommt es ganz anders. Denn die Tante zeigt ihm ein Gemälde, das sein Interesse weckt: In dem Motiv aus überwucherten Ruinen entdeckt er eine spannende Geschichte und beginnt, den Geheimnissen der Bilder nachzuspüren, folgt seinem Ball in die Welt der Fantasie. Ein spannendes Abenteuer nimmt seinen Lauf…

Hinter dem Bauzaun: foyer-Serie „Die neue Kunsthalle Bremen“ Text: Meike Rotermund

schichte gewoben. Dabei sei zunächst intensiv diskutiert worden, ob man die originalen Bildmotive überhaupt verändern dürfe. Immerhin erscheinen sie auf dem Monitor mit einem dreidimensionalen Effekt, und zudem können viele der Bildelemente beeinflusst werden. So kann auf einer Flusslandschaft geangelt oder ein melancholisch blickendes Mädchen zum Lächeln gebracht werden.

Geschäftsführer im Museum vor und fand damit Resonanz. „Es passte gerade sehr gut, weil wir nach Projekten für die Zeit während der vorübergehenden Schließung des Hauses suchten“, freut er sich und fügt hinzu, dass damit zu den vielfältigen Angeboten der Kunsthalle für Kinder ein sehr niedrigschwelliges Medium hinzukomme.

Während sich am historischen Kunsthallengebäude am Wall Weihnachten 2009 für den Umbau die Türen schlossen, mach„Wir haben entschieden, dass es, solange die Veränderung respektvoll bleibt, in Ord- te sich ein vierköpfiges Team (Hans Diers, Hartwig Dingfelder, Sabine Wacker und nung sei“, erläutert Hans Diers und fügt Die „InformationsGesellschaft mbH“ hat Anja Kück) ans Werk, trug Ideen zusamhinzu, genau wegen dieser Modifikatiodas audiovisuelle Computerspiel für die men und entwickelte das Spiel. Nach gut nen würden auf dieser Ebene des Spieles Kunsthalle Bremen entwickelt. „Ein klassi- jedoch auch keine Infos zu Künstlern und einem Jahr intensiver Arbeit steht der Prosches AdventureWerken gegeben. Hier totyp des Spieles und die zweite Phase Spiel“, urteilt Jörg Ein „absolutes Novum“ für die stünden die Bildmotive kann beginnen: Das direkte Einbeziehen Engster, Chef der Kunstmuseen in Deutschland. für sich, in diesem Mo- der Zielgruppe. Bremer Agentur. dus sei es ein Spaß-, Klassisch, aber alles andere als gewöhnHier freut sich die Kunsthalle besonders, kein Lernspiel. Informationen zu den Gelich. Denn bei der Entwicklung handelt dass sie das Magazin GEOlino für eine Komälden gebe es dann auf einer zweiten es sich laut Kunsthallen-Geschäftsführer operation gewinnen konnte. So ist in der Ebene, die man extra anwählen könne. Hans Diers um ein „absolutes Novum“ für Dort seien die Gemälde in kindgerechter Januar-Ausgabe des renommierten Kinderdie Kunstmuseen in Deutschland. Magazins eine 15-minütige Testversion zu Weise in den kunsthistorischen Kontext finden. Außerdem sind die jungen Leseeingebettet. Die Kunsthalle Bremen hat für das Prorinnen und Leser aufgefordert, Verbessejekt 30 Gemälde aus ihrer umfassenden Die Idee für das Computerspiel komme im rungsvorschläge mitzuteilen sowie Ideen Sammlung ausgewählt, aus unterschiedli- Übrigen genau aus der Altersgruppe zwizur Gestaltung einzubringen. Und sie solchen Jahrhunderten und zu verschiedens- schen acht und zwölf Jahren, für die das len zudem dabei mithelfen, einen Namen ten Thematiken. Aus den bunt gemischten Spiel auch gedacht sei. Sein ältester Sohn für das Computerspiel zu finden, das noch Motiven vom Stilleben über die Landschaft habe ihn einmal gefragt: „Warum habt ihr im Verlauf des Frühlings optimiert werden und das Genrebild bis zum Porträt haben und im Sommer an den Start gehen soll. eigentlich kein Computerspiel“, erinnert die Entwickler dann eine komplexe Gewww.kunsthalle-bremen.de sich Hans Diers. Den Vorschlag trug der


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kunst Böttcherstraße

Schütteln und aufrütteln Was Frank Laukötter in den Kunstsammlungen Böttcherstraße ändern möchte Text: Peter Schulz

D

irektor der Kunstsammlungen Böttcherstraße – diese Berufsbezeichnung prägt die neue Visitenkarte von Dr. Frank Laukötter. Der 40jährige Kunsthistoriker trägt somit die Verantwortung für die künstlerische Leitung des Paula Modersohn-Becker Museums, der Sammlung Bernhard Hoetger und des Museums im Roselius-Haus. Und genau hier sieht Frank Laukötter einen ersten Ansatz für seine zukünftige Arbeit. „Das Image der Sammlungen wird eindeutig vom Paula Modersohn-Becker Museum dominiert. Hand auf’s Herz: Wer kennt schon das Museum Roselius?“

zehn Besuchern betritt unsere Sammlungen über das Roselius-Haus. Da müssen wir ran.“

straße. Zuvor hatte er nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Pädagogik und Philosophie an der Kunstakademie Münster und an der Westfälischen WilhelmsuniLaukötters Ansatz: Die Sammlungen versität Münster mit anschließender „schütteln“, alte und aktuelle Kunst in Promotion einen neue Kontext stellen, für andere als Volontär „Hier muss mal Sichtweisen sorgen und damit die Besuund wissenkräftig Staub aufcher aufrütteln. Ein Mittel zum Zweck: Die schaftlicher gewirbelt werden“ Ausstellung „vis-à-vis: Vom Heiligenschein Mitarbeiter in zur LED“, die am 23. Januar eröffnet wird der Kunsthalle (siehe dazu auch Seite 57). Parallel dazu Bremen gearbeitet. Ein zwischenzeitlicher zeigt das Paula Modersohn-Becker MuseAbstecher führte ihn 2006/07 in die Kunstum in einer Sonderausstellung Werke der sammlung Nordrhein-Westfalen. Bremer Künstlerin Elisabeth Hausmann. Dass zu den „Schätzen“ der Böttcherstraße Recht hat er, der neue Mann in der BöttDoch Laukötter hat noch andere Pläauch die umfangreichste Sammlung von cherstraße, der am 1. November 2010 die ne. Zum Beispiel will er den von Rainer Werken Bernhard Hoetgers gehört, möchte Nachfolge von Prof. Dr. Rainer Stamm Stamm entwickelten Ansatz fortsetzen, die Laukötter ebenfalls stärker ins Blickfeld angetreten und sich zuvor unter gut 30 Arbeiten von Künstlerinnen wie Elfriede rücken. Eine konkrete Möglichkeit könnte Bewerbern für diese Position durchgeLohse-Wächtler oder der Avantgardistin etwa eine gemeinsame Ausstellung mit setzt hat. Elfriede Stegemeyer zu dem Gerhard Marcks Haus darstellen, die Dass das Hand auf’s Herz: „Wer kennt schon präsentieren, deren Werk das Werk der beiden bedeutenden Bild1588 im in Vergessenheit zu geraten hauer gegenüberstellt. Und wenn der neue das Museum Roselius?“ Stil der droht. Gleichzeitig kündigt Direktor durch das in der Tat sehr museal Renaissance errichtete Roselius-Haus den er an, den Kunstsammlungen neue Impul- wirkende Roselius-Haus geht („Hier muss laut Homepage „historischen Mittelpunkt“ se geben und verborgene „Schätze“ aus mal kräftig Staub aufgewirbelt werden“), der Gasse darstellt, ist wohl nur Eingedem eigenen Bestand ans Licht zu bringen. träumt er vielleicht von einer Ausstellung weihten ein Begriff. Daraus folgt, dass Laukötter: „Da lassen sich noch viele Entbarocker Möbel in Kooperation mit dem auch die „Perlen“ dieser Einrichtung von deckungen machen.“ Focke-Museum. Laukötter: „Warum eiden Cranach-Porträts bis zum Silberschatz gentlich nicht? Ich hoffe sehr, dass wir die der Compagnie der Schwarzen Häupter aus Der neue Chef der Kunstsammlungen Zusammenarbeit der bremischen Museen Riga kaum bekannt sind. Frank Laukötter muss es wissen: Von 2008 bis 2010 arbeitete noch stärker intensivieren können.“ bringt es auf den Punkt: „Nur einer von er als Kurator und Kustos in der Böttcher-


kunst Kunsthalle/Weserburg

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Schnittstelle der Kreativen

Kunsthalle und Weserburg teilen sich VGH-Förderpreis Museumspädagogik Text: Peter Schulz

So langsam wird die Bremer Weserburg | Museum für moderne Kunst zum Fixpunkt für die in Hannover angesiedelte VGH-Stiftung. Denn nach 2005 und 2009 ging auch 2010 einer der sechs jährlich vergebenen Förderpreise Museumspädagogik der Stiftung an das Haus auf der Weserhalbinsel.

des Gymnasiums Horn zusammengeführt. Auf der Basis von Sammlungsstücken aus Kunsthalle und Weserburg schufen die Jugendlichen eigene Kunstwerke, konzipierten eine Ausstellung und vermarkteten sie. Zugleich erhielten die Gymnasiasten über die Entwicklung eigener kreativer Ideen einen Einblick in die Arbeit eines Kurators und einen Bezug zum Museum.

Diesmal jedoch war auch die Kunsthalle Bremen mit im Boot. Denn das ausgezeichnete Projekt „Schnittstelle. Kunst Club Bre- Ein spannender Ansatz, dessen Realisiemen trifft Schule“ hatte die beiden Bremer rung seitens der Jury mit einem der sechs Museen mit Schülern einer neunten Klasse Förderpreise bedacht wurde. „Das ge-

WERNER TÜBKE Reisebilder – Sehnsuchtsbilder

Die schönsten Zeichnungen und Aquarelle aus dem Nachlass vom 21. 1. bis 25. 2. 2011, Eröffnung am 21. 1. um 19 Uhr durch Dr. Eduard Beaucamp, Frankfurt/M.

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plante Vorhaben überzeugte vor allem durch die Vielfalt der Akteure und Partner. Weil die Schüler selbst eine Ausstellung organisierten, haben sie zudem eine enge Verbindung zum Museum aufgebaut“, lobte Dr. Sabine Schormann bei der feierlichen Preisverleihung. Gemeinsam mit Frank Müller-Hübner, Vorstandssprecher der Öffentlichen Versicherungen Bremen, überreichte die Geschäftsführerin der VGH-Stiftung den Preis an die Museumsdirektoren Prof. Dr. Wulf Herzogenrath und Carsten Ahrens.


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KUnSt Museum Weserburg

hungEr nach inhalt

Bruce Nauman

Joseph Gallus Rittenberg

Von 5. Februar bis 25. April erobern „Freibeuter der Utopie“ die Bremer Weserburg Text: Sabine Komm

„D

as einzige, was ein Kunstwerk kann, ist die Sehnsucht wecken nach einem anderen Zustand der Welt. Und diese Sehnsucht ist revolutionär.“ So formulierte es der Dramatiker Heiner Müller (1929-1995). „Mit Erlösung hat meine Kunst nur wenig im Sinn. Die Kunst befreit uns von gar nichts“, sagt hingegen US-Künstler Bruce Nauman (geb. 1941). Und Joseph Beuys (1921-1986) war der Meinung: „Das Kunstwerk ist das allergrößte Rätsel, aber der Mensch ist die Lösung.“

griff von Munchs „Schrei“. Nauman selbst der neuen Kombination ein Funke entglaubt nicht an eine Erlösung durch Kunst. springt. Dass die Ausstellung durch all die Zitate letztendlich zu textlastig sei, fürchtet er nicht: „Es gibt einen Hunger nach Inhalt.“ Aber welchen Stellenwert hat die Kunst

nun gegenüber den vermeintlich stärkeren Kräften von Politik und Wirtschaft? Antworten gibt es auf dem Weg durch die dritte Etage des alten Kaffeespeichers, der seit 20 Jahren Sammlermuseum ist. Zu sehen sind Videos und Fotos von Beuys-Aktionen wie „Coyote; I like America and America likes me“. Beuys’ „Wirtschaftswerte“, die – als Gegensatz zum Überangebot in der BRD – Solche Zitate wirbeln die Gedanken durch- einfaches Verpackungsmaterial der DDR in einander. Jetzt sind sie in der Weserburg Szene setzen, treffen hier auf Müllers Texte in Bremen in der Ausstellung „Freibeuter über Ost und West. der Utopie“ vereint. Die Idee dieser Schau mit dem ironischen Untertitel „Die Kunst Der Theatermann selbst ist in Fotos präder Weltverbesserung“ ist nicht ganz neu. sent, darunter Joseph Gallus Rittenbergs Carsten Ahrens, Direktor der Weserburg, berühmtes Porträt des Dramatikers im hatte Beuys und Müller bereits vor einigen Gully, entstanden 1990 am Frankfurter Jahren in Schloss Hardenberg nördlich Theaterplatz – ein Sinnbild für Müllers von Wuppertal aufeinanderprallen lassen. Aufstieg vom Proletarier-Vordenker Ost Beim „update“ sind sie jetzt im Museum zum gesamtdeutschen Intellektuellen. auf der Teerhofinsel gestrandet. „Beuys und Müller“, sagt Ahrens, „beide sind tot und beide sind sehr lebendig.“ Im abgedunkelten Eingangsraum dreht sich der nackte Schädel von Bruce Nauman Während der Vorbereitung der Ausstellung und ruft beschwörend: „Feed me, help me, hat Ahrens etwa 300 Textschnipsel beider eat me, hurt me“ in einer schaurig-schönen Künstler dadamäßig hochgeworfen, um sie Endlosschleife. Ahrens spricht vom Inbezu collagieren und dann zu testen, ob aus

Zu der Generation, die noch eine Hoffnung auf Veränderbarkeit hatte, wenn auch eine verzweifelte, gehört auch Warhol mit seiner Inszenierung von „Brillo Boxes“ und Campbell’s-Dosen. Jonathan Meese, Kämpfer für die „Diktatur der Kunst“, ist in Videos präsent. Der dänische Künstler Peter Land setzt sich mit männlichem Scheitern auseinander: Im Video stürzt er sich permanent eine Treppe hinunter. In einer Vitrine nebenan richtet Che Guevara die Pistole auf die Besucher: Wenn der Engländer Gavin Turk die Rolle des Künstlers befragt, stellt er sich gern in der Pose solcher Helden aus. Von Objektkünstler Olaf Metzel ist die „Viererbande“ zu sehen: vier Schlingen nebeneinander an der Wand. Provokation als Denkanstoß. Zwei Schritte vor und ein Schritt zurück, diese Sisyphosarbeit der Künstler fasziniert Ahrens: „Die Kunst ist wunderbarer Ausdruck des permanenten Zweifelns.“ – „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern“, so hatte es schon Samuel Beckett, der große Schweiger unter den Dramatikern des 20. Jahrhunderts, formuliert.


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KUnSt Ausstellungen

Teppich-Reparatur vom Fachmann

kunstWErkE Feininger & Marcks

Hallig und Himmel

Lyonel Feininger (1871-1956) und Gerhard Marcks (1889-1981) hat eine langjährige Freundschaft verbunden. 1919 lernen sie sich am Bauhaus in Weimar kennen. Die Gegenüberstellung im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zeigt jetzt ihre Entwicklung vom Spätexpressionismus bis zu einer gewissen Abstraktion um 1950. Ölgemälde, Plastiken, Holzschnitte und Bleistiftzeichnungen aus der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg und der Bremer Bestand an MarcksWerken haben die Präsentation ermöglicht. Mit dabei: Feiningers „Dünen“, ein Gemälde von 1949, in dem ein zartes Liniengespinst Meer und Himmel überspannt. Wolkenüberlagert ist die Sonne zu erkennen. Etwa zeitgleich ist Marcks Bronze „Stehende mit Zopf“ entstanden, die pralle und kantige Formen in einer Figur vereint.

Gerade einmal 2,5 Quadratkilometer groß ist die Hallig Gröde, aber der Motivreichtum der Insel scheint unendlich: Meer und Himmel, Sonne und Wolken, Friesenhäuser auf der Warft, Vogelschwärme in den Salzwiesen. Seit Fotograf Bernd Wurthmann die Hallig mit ihren 17 Einwohnern nahe der Insel Föhr für sich entdeckte, zog es den Bremer immer wieder dorthin: „Mich fasziniert die Stille dieses Ortes, der durch die ständigen Überflutungen permanenter Veränderung unterworfen ist.“

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Beide Männer, so das Ergebnis von Ausstellungsmacherin Veronika Wiegartz, waren zeitlebens durchdrungen vom Humanismus. Sie hatten eine humorvolle Distanz zum Leben. Das Naturerlebnis war für sie essentiell. Als sie in Berlin den Anfeindungen der Nazis ausgesetzt sind, ist für beide die Ostsee Rückzugsraum. Später zieht Feininger nach New York, Marcks nach Köln. Sie schreiben sich Briefe. Jetzt sind die Werke des Bildhauers und des Malers mit all ihren Gegensätzen und Parallelen an einem Ort zu erleben. 23. Januar bis 25. April. Gerhard-MarcksHaus Bremen

Seine jetzt im Overbeck Museum in Vegesack ausgestellten Bilder zeigen ein Reetdach, das in eine blühende Wiese zu wachsen scheint. Oder ein schwarzes Stück Erde, über dem sich ein gewaltiger Wolkenhimmel ausdehnt. Wurthmann, der in Bremen viele Jahre lang Fotografen, Fotolaboranten und Mediengestalter ausgebildet hat, ist Hausfotograf des OverbeckMuseums. Zu den Werken von Fritz und Hermine Overbeck hat er eine enge Beziehung. Zur Zeit bereitet er ein Werkverzeichnis von Hermine Overbeck-Rothe vor. Die Malerin war übrigens selbst Fotografin – auch hier Berührungspunkte. Denn Wurthmann fotografiert nicht nur mit der Digitalkamera. Er produziert auch analoge Aufnahmen. Die sind mit einer Kamera gemacht, wie sie auch die junge Hermine Rothe benutzt hat. 30. Januar bis 15. Mai. Overbeck-Museum in Bremen-Vegesack


KUnSt Ausstellungen 57

Text: Sabine Komm

vis-à-vis

Worpsweder Vielfalt

Die Ausstellung „vis-à-vis: Vom Heiligenschein zur LED“ lässt Welten aufeinanderprallen, die besser zusammen passen als gedacht. So trifft jetzt im Doppelmuseum in der Böttcherstraße in Bremen die spätgotische „Muttergottes mit dem Jesusknaben“ von Conrad von Soest auf die Installation „For Paula Modersohn-Becker“ der US-Künstlerin Jenny Holzer. Beide Werke liegen fast 600 Jahre auseinander und sind technisch grundverschieden. Und doch eint Bildtafel und LED-Text ein zeitloses Thema: Mutter und Kind – ein Motiv, mit dem sich auch Bernhard Hoetger und Paula Modersohn-Becker immer wieder beschäftigten.

Sammler Hans Adolf Cordes zeigt in seinem Kunst-Café in Lilienthal ein ehrgeiziges Ausstellungsprojekt. Schon der Titel „Worpswede – in seiner ganzen Vielfalt“ verweist auf die Dimension. Kunst aus 125 Jahren ist im alten Küster-Haus zusammengetragen. Chronologisch gehängt, ermöglicht die Gemäldeschau einen generationsübergreifenden Blick auf das Künstlerdorf. Den Anfang machen die „Spielenden Moorbauernkindern“ von Christian Ludwig Bokelmann, Lehrer von Fritz Mackensen. Daneben sind Werke von Mackensen, Hans am Ende, Otto Modersohn und Heinrich Vogeler zu sehen. Zudem Carl Vinnens „Moorlandschaft“.

Für die Dauer der Schau wird die Trennung des „alten“ Museums im Roselius-Haus und des „neuen“ Paula Modersohn-Becker Museums aufgehoben. Zehn Gegenwartskünstler sind eingeladen, die Sammlungen mit ihren eigenen Positionen aufzufrischen. Videokünstlerin Marikke Heinz-Hoek hat ein Paula-Foto mit bewegter Kamera abgefilmt und digital bearbeitet. Jetzt ist es auf einem Monitor zu sehen. Einer alten Madonnenfigur setzt Reinhard Osiander „Caro“ gegenüber, eine mutig kolorierte Gegenwartsmutter aus Holz. Museumschef Frank Laukötter will so zeigen, dass die Epochenräume seines Hauses in Zukunft nicht mehr fein filettiert sein müssen. 23. Januar bis 3. April. Paula ModersohnBecker Museum und Museum im Roselius-Haus in Bremen

Mit dabei sind auch die Künstler der zweiten Generation. Udo Peters zum Beispiel, Tetjus Tügel, Ottilie Reylaender und Lisel Oppel. Paula Modersohn-Becker ist mit relativ unbekannten Werken vertreten, das eine zeigt einen Birkenstamm, das andere eine Scheune. Die Schau endet mit der dritten Generation: Uwe Häßlers Triptychon „Menschen I, II und III“ ist ausgestellt, zudem Werke von Margaret Kelley, Frauke Migge und Pit Morell. Möglich wurde das Projekt durch die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Worpswede. Etwa 60 Gemälde stammen von dort, 50 Werke aus Cordes’ Privatbesitz. Anschließend wird die Ausstellung in MecklenburgVorpommern gezeigt. Bis 25. April. Kunst-Café Lilienthal, An der Trupe 6. Katalog 19,80 Euro.

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KinO Poll

kinotipps

Anarchie im Baltikum „Poll“ von Chris Kraus Das Baltikum von 1914 wirkt so fern und vergangen, dass man sich fragt, warum ein junger deutscher Filmemacher heute dort seine Geschichte ansiedelt. Chris Kraus, der vor vier Jahren mit „Vier Minuten“ einen der interessantesten deutschen Filme der letzten Zeit präsentierte, ist ein Großneffe der Dichterin Oda Schaeffer. Diese galt als das schwarze Schaf seiner konservativen, teilweise sogar nationalsozialistisch eingestellten Familie, denn sie war eine eher links denkende, freie Seele. Seit Kraus in den frühen 90er Jahren in Estland den einstigen Gutshof „Poll“ seiner deutschbaltischen Familie besuchte und diesen auch in den Lebenserinnerungen seiner Großtante beschrieben fand, versuchte er, davon zu erzählen. Und nach dem auch finanziellen Erfolg von „Vier Minuten“ hat er nun die Möglichkeit, dies in einem epischen Film zu tun. Darin erzählt er von der vierzehnjährigen Oda von Siedering, die nach dem Tod ihrer Mutter in Berlin an die estnische Ostseeküste zurückkehrt, wo ihr Vater in einem seltsamen, wie verwunschen wirkenden Herrenhaus direkt am Strand lebt. Als Arzt und Hirnforscher wirkt er ein wenig wie Dr. Frankenstein, wenn er sich seinen anatomischen Studien widmet, für

Text: Wilfried Hippen

die er regelmäßig menschliche Gehirne benötigt. Diese werden ihm von den zaristischen Truppen geliefert, die brutal gegen estnische Anarchisten vorgehen und zu jener Zeit noch mit der deutschbaltischen Elite alliiert sind. Doch kurz vor dem Beginn des 1. Weltkrieges sind die politischen Verhältnisse extrem unsicher, und eine Endzeitstimmung untergräbt die sommerliche Idylle. Die rebellische und hochbegabte Oda entdeckt einen gerade noch lebendigen estnischen Revolutionär, der sich auf der Flucht vor der Soldateska in einem Schuppen versteckt. Sie hilft ihm, pflegt seine Wunden und verliebt sich in ihn. Auch dadurch werden die Konflikte zwischen den verschiedenen auf dem Gut lebenden Gruppen auf die Spitze getrieben, sodass es zu hochdramatischen und tragischen Verwicklungen kommt.

die Ostseeküste verpflanzt zu sein scheint. Es ist ein unmögliches Haus, schon weil es von der ersten kleinen Sturmflut ins Meer gespült würde. Eine hochherrschaftliche Villa, auf Stelzen in den Sand gesetzt – halb aus Stein, halb aus Holz, zugig, unmöglich zu Heizen: die größenwahnsinnige Flause eines dekadenten Herrenmenschen – und übrigens auch ein extrem teurer Filmbau, dessen Finanzierung und Errichtung oft drohte, die ganze Produktion scheitern zu lassen. Aber es hat sich gelohnt, denn dieses Haus wird man so schnell nicht mehr vergessen.

So droht die Ausstattung manchmal den Schauspielern die Show zu stehen, und Edgar Selge wird in der Rolle von Odas Vater Ebbo tatsächlich oft von den Requisiten, zu denen auch die vielen Gehirnpräparate in seinem Labor zählen, in den Hintergrund gedrängt. Aber die EntdeSo leidenschaftlich und bildgewaltig wie ckung des Films ist die zur Drehzeit gerahier wird im deutschen Kino selten erde vierzehnjährige Paula Beer, die Oda so zählt. Der historische Film wirkt auf der wahrhaftig, leidenschaftlich und komplex einen Seite sehr authentisch. Die Schauverkörpert, dass diese ganze fremdarspieler haben sogar gelernt, im inzwischen tige Welt durch ihre Präsenz geerdet wird. fast vergessenen Dialekt der DeutschChris Kraus hat offensichtlich ein Talent balten zu sprechen, und jede Einstellung dafür, sehr starke Rollen für sehr junge ist voller sorgsam recherchierter Details, Frauen zu schreiben und dafür dann gedie Ort und Zeit so lebendig werden lasnau die richtige Darstellerin zu finden. sen, wie dies nur im Kino möglich ist. Aber Das Gleiche gelang ihm schon mit Handann ist da dieses Herrenhaus, das wie nah Herzsprung in „Vier Minuten“. aus einer surrealen Traumlandschaft an Kinostart: 3. Februar


KinO Hereafter

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Demnächst im Kino (hip) Mike Leigh ist der große Chronist des britischen Alltagslebens. Mit „Another Year“ (Kinostart: 27. 1.) ist ihm wieder eines seiner halb komischen, halb tragischen Gesellschaftsdramen gelungen. In vier Sequenzen, die den Jahreszeiten folgen, erzählt er von dem älteren Ehepaar Tom und Gerry. Er ist Geologe, sie Psychologin in einem Sozialamt, und beide genießen die Gartenarbeit, das gemeinsame Essen und die Feiern mit Freunden, die ihre kleinen Dramen mit ins Haus bringen. Leigh entwickelt ohne festes Drehbuch die Geschichten und Szenen mit den Darstellern. Und weil diese wie Jim Broadbent und Ruth Sheen zu seiner alt eingesessenen Schauspielerfamilie zählen, wirkt der Film so leicht und natürlich, dass man auch nach den 129 Minuten das Films nur sehr ungern Abschied von diesem Haushalt nimmt.

Was kommt danach? „Hereafter“ von Clint Eastwood „Sein Geist war in uns noch derart lebendig, dass ich bei der Beerdigung wie alle anderen dachte: Wo ist er jetzt?“ Der britische Drehbuchautor Peter Morgan („The Queen“) hat aus diesem Impuls heraus, denn wohl alle kennen, die den plötzlichen Tod eines geliebten Menschen erlitten haben, das Skript zu „Hereafter“ geschrieben. Er gibt keine Antwort: dies ist kein Film über Geister, Himmel und Hölle oder Reinkarnationen. Erzählt wird davon, dass niemand wissen kann, was nach dem Tod mit uns passiert, aber einige Menschen immer dringend eine Antwort darauf suchen werden. Clint Eastwood vermeidet hier behutsam jedes Abgleiten ins Genrekino, das man von ihm ja immer noch erwartet. Stattdessen erzählt er mit einer souveränen Ruhe von drei Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise Erfahrungen mit den Grenzen zwischen Leben und Tod gemacht haben.

eine Suchende, die beginnt, für ein Buch über dieses als esoterisch verpönte Thema zu recherchieren. In London verliert der zwölfjährige Marcus durch einen Unfall seinen Zwillingsbruder und er spürt eine Verbundenheit mit ihm, die über dessen Tod hinausgeht. In San Fransisco versucht schließlich der von Matt Damon gespielte George ein betont durchschnittliches Leben zu führen, weil er eine Gabe hat, die er als einen Fluch empfindet. Wenn er Menschen berührt, erfährt er wie in einem Blitz Dinge über sie und die Toten, die ihnen noch nahe sind.

Der Film ist dramaturgisch geschickt aufgebaut, denn die Episoden sind für sich komplex und bewegend erzählt. Und wenn sich die drei Protagonisten schließlich begegnen, folgt dies zwar den Konventionen dieser Art, Geschichte zu erzählen, ist aber dennoch überraschend und erstaunlich bewegend. Ganz nebenbei und unangestrengt sind viele Aspekte und Informationen über die Frage nach dem Jenseits in den Film einDie französische Journalistin Marie wurde gearbeitet. So zeigt „Hereafter“ auch einiim Urlaub in Indonesien von einem Tsuge der vielen esoterischen Scharlatane und nami mitgerissen und war klinisch tot. Sie lässt eine Sterbeforscherin von ihren Ergebhatte eines jener Nah-Tod-Erlebnisse mit nissen reden. Clint Eastwood ist inzwischen dem weißen Licht, den schemenhaften Fi- 80 Jahre und meditiert hier mit großer Geguren sowie der sich ausbreitenden Rulassenheit über die Sterblichkeit. Er ist ein he, von denen viele Überlebende berichSkeptiker, der jeden Mummenschanz verabteten, und durch diese Erfahrung wird sie scheut und das große Rätsel nicht durch Kizu einem anderen Menschen. Aus der kar- notricks trivialisiert rierebewussten Fernsehmoderatorin wird Kinostart: 27. Januar

An die Schmerzgrenze der Zuschauer geht Philip Koch mit seinem erschreckend realistischen Kammer- oder besser Zellenspiel „Picco“ (ab 3. 2.), in dem Gewalt im Jugendgefängnis extrem authentisch und intensiv dargestellt wird, dabei aber nie voyeuristisch wird. In seinem Debütfilm „Das Lied in mir“ (10. 2.) erzählt Florian Cossen von einer deutschen Leistungsschwimmerin, bei der auf dem Flughafen von Buenos Aires durch das spanische Kinderlied, mit dem eine Mutter ihr Baby in den Schlaf singt, plötzlich vergrabene Erinnerungen an die eigene Kindheit geweckt werden. Einfühlsam wird hier ein Drama über die Opfer der argentinischen Militärdiktatur inszeniert, bei dem Jessica Schwarz und Michael Gwisdek als Tochter und Ziehvater miteinander darum ringen, dass endlich die Wahrheit ans Licht kommt. Man kann ja über alles Filme machen – auch darüber, wie ein Mann versucht, sein Stottern zu überwinden. In „The King´s Speech“ (17. 2.) ist dieser Herr immerhin der britische König Georg VI, und seine Rede im Radio im Jahr 1939 zum Beginn des Krieges gegen Deutschland sollte den Briten nicht peinlich sein, sondern ihr Selbstbewusstsein stärken. Unter der Regie von Tom Hooper spielt Colin Frith den schüchternen Monarchen so anrührend und charmant, dass er als der Favorit für den Oscar gehandelt wird.


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kulturkalender

KULTUR TERMINE FORUM

................................................... Bremerhaven

Premierendaten 15. Januar bis 15. März 2011

................................................... Bremen 15. 1. (T) Emanual Gat: Trotz (UA). Neues Schauspielhaus 21. 1. (S) Friedrich Hebbel: Die Nibelungen.

Theater am Goetheplatz

4. 2. (S) Tina Müller: Ich kann Fliegen zähmen, echt wahr.

Junge Akteure/Theaterkontor

5. 2. (S) Ödon von Horvath: Glaube Liebe Hoffnung.

Neues Schauspielhaus

11. 2. (M) Giacomo Puccini: Madama Butterfly.

Theater am Goetheplatz

19. 2. (S) Guus Kuijer: Wir alle für immer zusammen. Moks

(Abkürzungen:

Abkürzungen: P = Premiere WA = Wiederaufnahme z.l.M. = zum letzten Mal w.n.a.a. = wenn nicht anders angegeben Alle Termine ohne Gewähr Terminschluss: 1. Januar

Bremen Theater Bremen Tel. 04 21 – 36 53 – 3 33

16. 1. 22. 1. 29. 1. 19. 2. 26. 2. 12. 3.

(T) Sergei Vanaev: Rotkäppchen und der böse Wolf. Großes Haus (S) Michael Wempner: Champagner to’n Fröhstück. Kleines Haus (M) Emmerich Kálmán: Die Czárdásfürstin. Großes Haus (M) Prima Klima. Eine musikalische Expedition. Großes Haus (S) Dirk Laucke: Alter Ford Escort dunkelblau. Großes Haus (M) Henry Purcell: Dido und Aeneas / Herzog Blaubarts Burg. Großes Haus

................................................... Oldenburg 19. 1. 22. 1. 6. 2. 19. 2. 26. 2. 4. 3. 11. 3.

(T) Emanual Gat: Trotz (UA). Exerzierhalle (M) Paul Hindemith: Cardillac. Halle 10, Fliegerhorst (S) Sophie Kassies: Schaf. Exerzierhalle (S) Stavenhagen/Siegmund: Mudder Mews. Kleines Haus (M) Richard Wagner: Die Walküre. Halle 10, Fliegerhorst (T) Renz/Kovac/Rajeh: Triple Bill (UA). Exerzierhalle (S) Moliére: Tartuffe. Kleines Haus

M = Musiktheater, S = Schauspiel, T = Tanztheater)

Die Nibelungen Jan. 21. (P), 27., 29.; Feb. 10., 18., 19., 23.; März 10. Don Giovanni Jan. 22. (WA), 28.; Feb. 5., 24.; März 2., 5. Kammermusik Jan. 23.; Feb. 13. (11.30 h, Rangfoyer) Der Vetter aus Dingsda Jan. 30. (18 h); Feb. 4., 6. (15.30 h), 12., 25., 27. (15.30 h); März 4. Madama Butterfly Feb. 11. (P), 13. (18 h), 26.; März 1., 3., 6., 11., 13. (15.30 h) Vielstimmig Die A-cappella-Gala des Bremer Opernchores Feb. 17., 20.

..................................... ..................................... Theater am Goetheplatz Neues Schauspielhaus (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Mazeppa Jan. 15., 23. (15.30 h) Ronja Räubertochter Jan. 16. (11 + 16 h)

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Trotz / The revised and updated Bremen Structures (UA) Jan. 15. (P), 21., 27., 29.;

Feb. 3., 10., 15., 18., 23. Mein Freund Harvey Jan. 16. + 23. (18.30 h), 26.; Feb. 26. Komödie im Dunkeln Jan. 20. Groß und klein Jan. 22., 28.; Feb. 6. (18.30 h) Bremer Literaturpreis Lesung der Preisträgerin Friederike Mayröcker und der Förderpreisträgerin Andrea Grill Jan. 25. Einsame Menschen Jan. 30. (18.30 h), Feb. 27. (18.30 h) Glaube Liebe Hoffnung Feb. 5. (P), 9., 17., 19., 25. DNA Feb. 8. (10.30 h), 13. (18.30 h) Die Glasmenagerie Feb. 12. (WA), 20. (18.30 h) La dolce Vita! Feb. 16. Das Versprechen Feb. 24.


KUlinaRiSChES Bremer Ratskeller 61

Bremer Ratskeller serviert „Crime, Wine & Dine“ und „Dinner in Concert“

mEnüs mit schuss i

m Kino gab’s die Leiche erst zum Dessert. Hier kommt man gleich mit dem ersten Gang zur Sache. Das Opfer: Carpaccio vom Rind mit Champignons. Der Ermittler: Poulardenbrust mit Serranoschinken. Das Motiv: Piña Colada Crème brûlée mit Ananassorbet. Das Fazit: Im Bremer Ratskeller geht’s mörderisch gut zu!

Auch wenn Jan Schröter und Pago Balke aus ihren Werken lesen, kommt der Spaß nicht zu kurz – allzu gruselig soll die Sache schließlich nicht ausfallen. Dafür sprechen sowohl Überschriften wie „Rau, aber lecker“ oder „Menü mit Schuss“ wie auch die Interpreten in Person: Pago Balke, gemeinsam mit Eike Besuden Autor und Regisseur der wunderbaren Kino-Komödie „Verrückt „Crime, Wine & Dine“ lautet der Titel einer nach Paris“, versprüht etwa als WilhelmSerie kriminalistischer Lesungen mit kuli- Busch-Interpret hintergründige Heiterkeit. narischem Charakter, die in den kommen- Und Jan Schröter versteht es mit seinen den Wochen wieder für Gänsehaut und zu- Storys, in kürzester Zeit atemlose Spangleich Wohlbehagen unter den Besuchern nung aufzubauen und durch eine rasante sorgen wird. Am „Tatort“: Der KrimiauPointe aufzulösen. tor Jan Schröter, aus dessen Feder eine Reihe von Episoden des ARD-VorabendklasUnterbrochen werden die kriminalissikers „Großstadtrevier“ stammt, und der tischen Erzählungen jeweils durch ein Kabarettist und Regisseur Pago Balke, der Drei-Gänge-Menü, das thematisch der jemit „Wunderbare Feindschaft“ gerade eine weiligen Handlung so weit als möglich anneue Krimikomödie geschrieben hat. gepasst wird. So wird zu „Kurz gebraten“ unter anderem Entenbrust und pfannen„Wir knüpfen mit ‚Crime, Wine & Dine’ an gerührtes Gemüse serviert, während bei Veranstaltungen wie das ‚Krimi-Dinner’ „Rau, aber lecker“ gratinierte Schweineoder das ‚Dracula-Dinner’ an, die in den ver- filetmedaillons mit Pfifferlingen auf den gangenen Jahren bereits zahlreiche Gäste Tisch kommen. Auf diese Weise sorgt die begeistert haben“, berichtet Ratskeller-GeRatskeller-Gastronomie bei den Gästen schäftsführer Fritz Oliver Rößler und er(Fritz Oliver Rößler: „Viele von ihnen sind zählt augenzwinkernd von schaurig-unterüberzeugte ‚Wiederholungstäter’, die kein haltsamen Abenden, die von professionellen Krimi-Dinner auslassen“) für die erforderSchauspielern gestaltet wurden. Dabei entliche Grundlage, bis der Täter überführt wickelte sich im Bacchuskeller zwischen den und der Fall geklärt ist. einzelnen Gängen nahezu authentische Krimi-Atmosphäre, natürlich stets unterbroDoch der Bacchuskeller ist beileibe keichen durch zündende Gags und unerwartete ne permanente Mördergrube. „Dinner in Kapriolen hinsichtlich der Handlung. Concert“ lautet der Titel einer weiteren ku-

linarischen Ratskeller-Serie, die in den kommenden Monaten insbesondere für musikbegeisterte Gäste arrangiert wird. Im Mittelpunkt der thematisch angelegten Abende stehen neben eigens komponierten Drei-Gänge-Menüs die Formationen „Ocean’s 3“ und „Tri au Creme“, die auftritts- und bühnenerfahrene Musiker der norddeutschen Jazz- und Unterhaltungsszene gegründet haben. „Sie verfügen über ein breites Repertoire und sorgen für heiter-beschwingte Stunden im Einklang mit exzellenten Speisen“, kündigt Fritz Oliver Rößler an.

Die Termine: 29. Jan., 19 Uhr: Eine Hommage an Udo Jürgens 14. Feb., 19 Uhr: That’s Amore 27. Feb., 18 Uhr: Eine Nacht in Las Vegas 1. Mai, 18 Uhr: Evergreens der Goldenen 20-er Jahre 22. Mai, 18 Uhr: Eine Hommage an Udo Jürgens „Crime, Wine & Dine“ 6. Feb., 18 Uhr: „Kurz gebraten“ 3. April, 18 Uhr: „Menü mit Schuss“ 29. Mai, 18 Uhr: „Rau, aber lecker“

Bremer Ratskeller Am Markt, 28195 Bremen Telefon 04 21 - 32 16 76 www.ratskeller-bremen.de


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kulturkalender

..................................... ..................................... Kultur Forum Moks (ps) Nadine Lehner ist von der Volksbühne Bremen mit dem Publikumspreis „Silberner Roland“ ausgezeichnet worden. Die Sopranistin, die gegenwärtig am Goetheplatz in der Rolle der Maria in der Tschaikowski-Oper „Mazeppa“ überzeugt, war zuvor wegen ihrer „außergewöhnlichen sängerischen und schauspielerischen Leistungen zur beliebtesten Interpretin des Opernensembles der vergangenen Saison“ gewählt worden. Sie gehen sich immer noch mächtig auf die Nerven: Felix und Oscar, die beiden geschiedenen Männer aus Neil Simons Boulevard-Hit „Das seltsame Paar“. Am 18. Februar sind Leonard Lansink und Heinrich Schafmeister, unter anderem aus dem ZDF-Krimi „Wilsberg“ bekannt, im Kleinen Haus Delmenhorst in der urkomischen Komödie zu erleben. Das Orchester „Sinfonia Concertante“ unterstützt den Kunstverein in Bremen mit einem Benefizkonzert zugunsten des Erwerbs von Paul Sérusiers Gemälde „Bretonisches Mädchen, Marie Francisaille“. Das 2003 von Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen gegründete Ensemble spielt am 7. Februar (20 Uhr) in der Glocke Werke von u.a. Ravel, Debussy und Strawinsky. Der Bremer Filmpreis der Kunst- und Kultur-Stiftung der Sparkasse Bremen wird am 20. Januar im Bremer Rathaus an den spanischen Film-Komponisten Alberto Iglesias verliehen. Holger Kohlmann ist als Nachfolger von Klaus Schmidt zum neuen Vorsitzenden der Volksbühne Bremen gewählt worden.

Eintragungen in den foyer-Kulturkalender nur 5 Euro pro Zeile zzgl. MWSt Kontakt Roland Verlag Telefon 04 21 - 1 26 63, Fax 04 21 - 1 33 17 info@rolandverlag.de

Andando Jan. 19. (Kleiner Saal) 4. Philharmonisches Kammerkonzert Juilliard String Quartet. Jan. 20. (Kleiner Saal) (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Queen Esther Marrow’s The Harlem GosWir alle für immer zusammen Feb. 19. pel Singers Show Jan. 21. (P/18 h), 21. + 22. + 24. + 25. (10.30 h), 26. + Wiener Klassik Jan. 22. 27. (18 h) Glocke Backstage Besucherführung. Jan. 22. (14 h) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glocke Familienkonzert Jan. 23. Brauhauskeller (11 h / Kleiner Saal) (Beginn, w.n.a.a.: 20.30 h) Brahms-Chor der Hochschule Bremen. Die Reise von Klaus und Edith… Jan. 15., Jan. 23. (18 h) 22., 28.; Feb. 3. (20 h), 11., 15., 20. (19 h) Ludwig Güttler & Leipziger Bach-CollegiDas ist! Jan. 26.; Feb. 12., 27. (19 h) um Jan. 25. Engel in Amerika Jan. 30. (19 h) Chinesischer Nationalcircus Jan. 27. Theatertreffen Feb. 25. NDR-Sinfonieorchester; Martin Grubinger, Perkussion; Philippe Jordan, Dirigent. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jan. 28. Theaterkontor Chinesisches Neujahrskonzert Jan. 28. (Beginn, w.n.a.a.: 19 h) (Kleiner Saal) Ich kann Fliegen zähmen, echt wahr Feb. Baumann & Clausen Jan. 29. 4. (P / 15 h), 5. + 7. + 9. (15 h) 6. Philharmonisches Konzert Bo Skovhus, Bariton;
Bremer Philharmoniker;
Constan. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . tinos Carydis, Dirigent. Jan. 31., Feb. 1. Glocke JAZZnights Dianne Reeves – Raul Musical Theater Bremen Midón Feb. 4. (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Glocke Ohrwurm für Familien „con voce“ Stomp 18. bis 23. Jan. (Di.–Fr. 20 h, Sa. Feb. 4. (18.45 h / Kleiner Saal) 16+20 h, So. 15+19 h) Samuel Coleridge-Taylor – Hiawatha’s Phantom der Oper – Gala Dez. 16. Magic of the Dance Jan. 30. Wedding Fest & The Death of MinnehaDie Rückkehr der Shaolin Feb. 5. ha Feb. 5. Gregorian Feb. 6. musica viva Galakonzert der Stimmen Evita 8. bis 13. Feb. (Di.–Fr. 20 h, Sa. 15+20 Feb. 6. (15.30 + 19.30 h) h, So. 15+19 h) Salut Salon Feb. 9. Grease 15. bis 27. Feb. (Di.+Do.+Fr. 19.30 h, Die Nacht der Musicals Feb. 11. Mi. 18.30 h, Sa. 15+19.30 h, So. 14.30+19 h) Glenn Miller Orchestra directed by Will Onkelchens Traum März 2. Salden Feb. 12. Max Raabe & Palastorchester März 3., 4. Benjamin Blümchen und die goldene Tim Fischer singt ein Knef-Konzert März 5. Katze Feb. 13. (15 h) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. Philharmonisches Kammerkonzert Grigory Sokolov, Klavier. Feb. 17. Glocke Die Deutsche Kammerphilharmonie BreTel. 04 21 – 33 66 99 men John Storgards, Dirigent. Feb. 18., 19. (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Glocke Backstage Besucherführung. Feb. St. Petersburger Staatsballett „Schwanen- 19. (14 h) see“ Jan. 15. (19.30 h) 7. Philharmonisches Konzert „phil inten5. Philharmonisches Konzert Dame Fesiv – Tristan und Isolde“. Vortrag von Nike licity Lott, Sopran; Bremer PhilharmoniWagner. Feb. 19. (17.30 h) 7. Philharmonisches Konzert „phil intenker;
Graeme Jenkins, Dirigent. Jan. 16. (11 siv – Tristan und Isolde“, 1. Akt. Bremer h), 17., 18. Glocke Ohrwurm „con brio“ Bremer Phil- Philharmoniker; Solisten; Markus Poschharmoniker. Jan. 16. (10.45 h / Kleiner Saal) ner, Dirigent. Feb. 20. (11 h); 2. Akt Feb. 21.; 3. Akt Feb. 22. Das Phantom der Oper Jan. 19.


KUlinaRiSChES Lestra Weinabteilung 63

Die Weinabteilung von Lestra hält mehr als 2000 Sorten Wein bereit

paradiEs Für gEniEssEr t

ee und Kaffee waren nicht seine Freude, auch am Bier lag ihm nichts. Doch beim Wein griff der Geheimrat Goethe gern und regelmäßig zu. Kein Tag ohne einige Gläser, wenn nicht gar Flaschen, denn dem Wein schrieb der ausgewiesene Kenner sowohl medizinische („Der gestrige Wein hat wieder seine wohltätigen Wirkungen gezeigt“) als auch schöpferische („Es liegen im Wein allerdings produktivmachende Kräfte sehr bedeutender Art“) Wirkung zu. Vor diesem Hintergrund müsste dem erklärten Genießer das Herz aufgehen, wenn er heute seine Schritte in die Weinabteilung von Lestra lenken könnte. Denn hier eröffnet sich Liebhabern eine Auswahl, die ihresgleichen sucht, weshalb das in Bremen-Horn angesiedelte Unternehmen schon mehrfach von anerkannten Fachmagazinen als „beste Weinabteilung Deutschlands“ ausgezeichnet worden ist. Kein Wunder angesichts des offerierten Sortiments, das neben über 500 Schaumweinen und gut 1000 Spirituosen auch mehr als 2000 Sorten Wein umfasst und dabei hinsichtlich Herkunft, Hersteller und Preisgestaltung nahezu jeden Wunsch erfüllen kann. Da liegt der günstige Dornfelder aus der Pfalz ein paar Schritte neben dem Premier Cru aus dem Château Margaux, der Chardonnay „für alle Tage“ neben dem Edel-Riesling vom Rheingauer Johannisberg. „Wir hatten auch mal Wein aus China“, erinnert sich Geschäftsführer Cornelius Strangemann. „Aber der war

vielleicht doch zu exotisch und konnte sich Cornelius Strangemann und Geschäftsleiter Jörg Hasler den Ausbau der Weinabteinicht im Angebot behaupten.“ lung auf ihre Fahnen geschrieben haben. Bester Beweis: Mittlerweile lassen sich soSollte jedoch ein Kunde beispielsweise gar versierte Sammler ihren subskribierten nach einem Cabernet Franc vom Weingut Grace Vineyard aus der nordchinesischen Bordeaux über Lestra frei Haus liefern. Provinz Shanxi verlangen, greift einer der Darüber hinaus finden natürlich auch alle sechs Experten aus der Lestra-Weinabanderen Kunden bei Lestra den Wein, der teilung zum Telefon und gibt die entsprechende Bestellung auf. „Wir verfügen über ihnen schmeckt und ihrem Budget entexzellente Verbindungen zu international spricht. Tag für Tag können eigens ausgewählte Weine verkostet werden. Und zudem tätigen Lieferanten“, berichtet Cornelius Strangemann und freut sich sichtlich, dass findet nahezu monatlich ein abendliches „Genießertreffen“ mit jeweils saisonalem der Namen Lestra mittlerweile Winzern kulinarischem Schwerpunkt und den pasrund um den Globus geläufig ist. senden Weinen statt. Dann werden mitten in der Weinabteilung die Tische festlich einEs war freilich ein hartes Stück Arbeit, gedeckt, erlesene Speisen serviert und edle bis sich dieser Ruf in der Branche herumTropfen zum Kennenlernen kredenzt. gesprochen hatte. Besonders die renommierten Weingüter hätten sich – so der Nicht selten nimmt auch Cornelius StranGeschäftsführer – zunächst ziemlich reserviert gezeigt, als ein „Kaufhaus aus Bre- gemann inmitten der Gäste dieser durchweg ausverkauften Veranstaltungen Platz, men“ Kontakte zu ihnen knüpfen wollte. „Da haben wir einige Überzeugungsarbeit die mittlerweile auch „außer Haus“ stattfinden, wenn die Lestra-Weinfreunde an leisten müssen“, sagt Cornelius Strangemann und erzählt zum Vergleich vom Her- Bord der MS „Senator“ auf Genießerreise auf der Weser gehen. Und manchem wird steller einer exklusiven Schuhcreme, der dabei vielleicht das schöne Goethe-Zitat in mit ratlosem Kopfschütteln auf die erste Lestra-Bestellung reagiert habe. „Anfangs den Sinn kommen: „Der Wein erfreut des Menschen Herz, und die Freudigkeit ist die wollte er seine edlen Produkte gar nicht herausrücken, mittlerweile staunt er über Mutter aller Tugenden.“ den Umsatz, den er bei uns macht.“

Lestra Kaufhaus GmbH

Ähnlich sei es den Lestra-Einkäufern in Sachen Wein mancherorts ergangen. Pomerol oder Brunello in einem Einkaufszentrum – da rümpfte so mancher Winzer zunächst die Nase. Doch das ist längst vergessen, seit

Horner Heerstraße 29/31, 28359 Bremen Telefon 04 21 - 20 46 55 Mo. - Mi. 7 - 20 Uhr und Do. - Sa. 7 - 20.30 Uhr www.lestra.de


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kulturkalender

Lösung des Weihnachtspreisrätsels

Quadro Nuevo Feb. 24. (Kleiner Saal)

(ps) Zugegeben, die Frage war nicht einfach. Doch wer die vorige foyer-Ausgabe aufmerksam gelesen hatte, konnte sie problemlos beantworten. Denn in dem Beitrag über den Flughafen Bremen war die Lösung unseres Weihnachtspreisrätsels „versteckt“: Das Bildnis der „Camille“ von Claude Monet ist während des Umbaus der Kunsthalle Bremen im Grand Palais in Paris zu sehen.

Wiener Klassik Feb. 26.

Den Einsendern der richtigen Lösung winkten interessante Preise, nämlich Doppel-CD’s der Bremer Philharmoniker, Karten für Aufführungen der bremer shakespeare company und Exemplare des zweiten Bandes der „Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von 1945 bis 2005“, den die Edition Temmen herausgebracht hat.

12. (10 h / Foyer)

Die Gewinner: Ingrid Bode, Delmenhorst Carmen Burmeister, Düsseldorf Sophie Caputo, Wiefelstede Helene Kussin, Münster Karl-Ludwig Rittel, Delmenhorst Heide Rüssel, Bremerhaven Andrea Schneider, Bergisch Gladbach Lothar Spielhoff, Bremen Achim Wilkens, Varel

Eintragungen in den foyer-Kulturkalender nur 5 Euro pro Zeile zzgl. MWSt Kontakt Roland Verlag Telefon 04 21 - 1 26 63, Fax 04 21 - 1 33 17 info@rolandverlag.de

Meisterkonzert Daniel Hope (Violine) und Sebastian Knauer (Klavier). Feb. 25. LaLeLu – Grundlos Eitel Feb. 26. (Kleiner Saal) NDR-Sinfonieorchester; Thomas Hampson, Bariton; Alan Gilbert, Dirigent. März 5. Glocke Familienkonzert März 6. (11 h) Pierre Franckh März 6. (Kleiner Saal) Dr. med. Eckart von Hirschhausen März 9. Glocke Kindertag „Zwergenstreich“ März Glocke vokal Simone Kermes März 12. Jürgen von der Lippe März 13. 8. Philharmonisches Konzert Isabelle van Keulen, Violine;
Bremer Philharmoniker;
Anu Tali, Dirigentin. März 14., 15.

..................................... bremer shakespeare company Tel. 04 21 – 50 03 33 (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Timon aus Athen Jan. 15., 27.; Feb. 11., 19.; März 4. Buffet & matinee Jan. 16. (11 h); Feb. 13. (11 h) Gastspiel Kabarett Distel Jan. 16. Williams Montag Jan. 17. Die Leiden des jungen Werther Jan. 18., 26.; Feb. 2. Macbeth Jan. 20., 28.; Feb. 9. Viel Lärm um nichts Jan. 21.; Feb. 5. Der Kaufmann von Venedig Jan. 22. Ende gut, alles gut Jan. 23.; Feb. 10.; März 5. Kiss me, Kate! Jan. 29., 30. (18 h) Hamlet Feb. 3., 18.; März 3. Wut und Wiege Feb. 4. (z.l.M.) Rampenfieber Feb. 7. (Falstaff) Verlorene Liebesmüh öffentliche Probe Feb. 8., 15., 22. Maß für Maß Feb. 12. Lenz Feb. 23. Kabale und Liebe für zwei Feb. 25. Libretto Fatale „Sepsis und Skepsis“ Feb. 26., 27.

..................................... Andere Spielorte (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h)

Landgericht, Schwurgerichtssaal Grund der Ausweisung: Lästiger Ausländer Jan. 24.; Feb. 1., 6. (11 h), 8., 14., 21.

..................................... THEATRIUM Figurentheater Hans-Böckler-Str. 9 (ehem. Volkshaus-Casino) Tel. 04 21 - 32 68 13 (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Das Glück ist keine Dauerwurst… Jan. 15.; Feb. 4. Oskar und die Dame in Rosa Jan. 21. Novecento Jan. 22.; März 11. Rampenfieber Gastspiel Claudia Spörri. Jan. 26. Der kleine Prinz Eine poetische Winternacht (mit Live-Musik und Buffet). Jan. 28., 29.; Feb. 11., 12. Melodien der Seele Gastspiel Duo Chalil. Feb. 2. Mascha Kaléko: Träume, die auf Reisen führen Feb. 5., 24. Der Alchemist Feb. 18. (P), 25., 26.; März 12. Tango Argentino Gastspiel Duo Tangente. März 2. Im Schatten einer Diva März 4. Toujour la Piaf Gastspiel Annette Ziellenbach. März 5.

..................................... steptext dance project
 Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112 Tel. 04 21 – 70 42 16 www.steptext.de (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Helden Integratives Tanztheater von tanzbar_bremen / steptext dance project. Choreografie: Felix Landerer. Jan. 27., 29., 30. (18 h); Feb. 4., 5. The Bog Forest Ensemblestück von Helge


Letonja / steptext dance project. Choreografie für fünf Tänzer/innen. Vocal Artist: Christian Wolz. März 10., 12., 13.

..................................... Kulturkirche St. Stephani www.kulturkirche-bremen.de

..................................... swb-Kundencenter Sögestraße/Am Wall Tel. 04 21 – 83 11 41 (LeseArt) Tel. 04 21 – 34 49 08 (energiejazz) Tel. 04 21 – 34 31 70 (bremer hörkino) hörkino (20 h):

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h)

Martina Keller: Der Fall des Chirurgen „Stadt-Bande“ Licht-Zeichnungen im Ste- Broelsch – Ein Lehrstück über Medizin phaniviertel. 2. bis 22. Feb., jew. 18 bis 22 und Macht. Feb. 2. h; Vernissage mit Lichtspaziergang Feb.

Herr Meyer fährt jetzt fern und erzählt aus

22., 18 h

seinem Verbrecherleben – Feature von Jörn

Lebensbilder – Dürer/Sweelinck Eine

Klare. März 2.

Bild-Musik-Meditation. Musik: Alina Rotaru (Cembalo) und Gäste. Feb. 17., 19.30 h Der Alte Matrose Projektion, Klaviermusik und vierstimmige Lieder. Feb. 18. „Now look at me“ Afrikanische Kunst in der Kulturkirche. Ab 24. Feb., jew. Di.–So. 11–18 h Stummfilm und Orgel: „Die Nibelungen. 1. Teil: Siegfried“ Feb. 27., 18 h Kathy Kelly Godspel European Tour. März 3.

..................................... Overbeck-Museum Tel. 04 21 – 66 36 65 Tägl. 11-18 h außer Mo Norddeutsche Fotografien 30. Januar bis 15. Mai

..................................... Kulturbüro Bremen Nord Tel. 04 21 – 65 48 48 www.kulturbuero-bremen-nord.de

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Behaglichkeit durch Licht und Stoffe

KUltURKalEnDER

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h)

..................................... Kito DKV-Residenz Henning Venske Jan. 21. in der Contrescarpe Werner Lämmerhirt Jan. 22. Tel. 04 21 – 3 22 90

Weltklassik am Klavier Erde, Wasser, Feuer, Luft! Mit Mikhail Mordvinov. Jan. 30., 17 h. Gershwin trifft Ravel Mit Ashley Hribar. Feb. 27., 17 h Schuman pur Mit Mariya Kim. März 27., 17 h

..................................... Café K Rotes Kreuz Krankenhaus Tel. 0421 – 55 99-0 Tägl. 7.15-19.30 h RE-Visionen Skulpturen von Erika Plamann und Bilder von Johann Büsen. 30. Januar bis 26. Juni.

z.B.

Stephanie Nilles Jan. 28. Hoosoo Feb. 4. Maeve Mackinnon Feb. 5. Mark Britton Feb. 11.

Individuelle Wohnkonzepte für den besonderen Geschmack auf über 3.000 m² Ausstellungsfläche.

Simone Solga Feb. 12. Mellow Melange Feb. 18. Bernd Lafrenz “Hamlet” Feb. 19. Sidsel Storm & Corinna May Feb. 25. High Five März 4. Tom Shaka März 12.

Kulturbahnhof Herr Holm Jan. 29. Django Asül Feb. 26. Uta Rotermund März 4.

Industriestraße1, 28876 Oyten bei Bremen Telefon: 04207 - 9115-0, www.kehlbeck.de


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kulturkalender

..................................... Kunstschaufenster
 HAVEN HÖÖVT Vegesack
 Wind Wasser und Mee(h)r
Arbeiten von Bärbel Kock mit regelmäßig
wechselnden Künstlern. 9.30 – 20 h

Bremervörde Tourist-Info: Tel. 04761 – 987 142

Cardillac Jan. 22. (P), 28.; Feb. 10., 22.;

Niederdeutsches Schauspiel As in’n Heven

März 9.

Feb. 4., 20.; März 4.

Hänsel und Gretel Jan. 25.; Feb. 16.

Konzert des Jugendorchesters Feb. 6.

Kinder des Olymp Jan. 26., 30.; Feb. 19., 24. (11.15 h) Air Ways Feb. 2., 20., 27.; März 11.

Junges Staatstheater Kinder im Orchester

Tosca Feb. 2., 25.

Feb. 16., 25.; März 15. (10 + 11.30 h)

4. Sinfoniekonzert Feb. 13. (17 h), 14.

Niederdeutsches Schauspiel Mudder

Die Walküre Feb. 26. (17 h / P); März 12.

Mews Feb. 19., 27.; März 5., 10.

(17 h)

3. Kammerkonzert Feb. 20. (11.15 h)

5. Sinfoniekonzert März 6. (11.15 h), 7.

Konzert Elisabeth Leonskaja, Klavier.

2. Familienkonzert März 13. (15 h)

Feb. 27. (11.15 h) Tartuffe März 11. (P)

..................................... Kleines Haus Ratssaal Hans Scheibner „Bevor ich abkratz’, lach’ ich mich tot!“ März. 14. (20 h)

Ein Volksfeind Jan. 15.; Feb. 8., 10., 13., 23.,

..................................... Exerzierhalle

25.; März 15.

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h)

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h)

Niederdeutsches Schauspiel De Arche No- Junges Staatstheater Waldlinge Jan.

Oldenburg

vak Jan. 16. (15 h / z.l.M.)

15.+16. (11.30 + 16 h),

..................................... Oldenburgisches Staatstheater

Aus der Mitte der Gesellschaft Jan. 16.

Trotz / The revised and updated Bremen

(z.l.M.)

Structures Jan. 19. (P), 22., 25., 28.

Tel. 04 41 – 22 25 111

Halle 10, Fliegerhorst

Lisa’s Liebe Jan. 29., 30. Der kleine Vampir Jan. 23. (11.30 h)

Junges Staatstheater Schaf Feb. 2. (10.30

Junges Staatstheater Schneewitte Jan. 27., h / P), 3.+4. (10.30 h), 5. (15 h), 6. 11.30 + 15 28. (10.30 h); März 1.+2.+3. (10.30 h)

h), 7.+8.+9.+11. (10.30 h), 12. (11.30 + 15 h),

(Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h)

Biografie: Ein Spiel Jan. 29.

13. (11 h), 19.+20. (15 h)

Die Piraten Jan. 16., 29.; Feb. 12.; März 3.

Eine Sommernacht Jan. 30. (15 h); Feb. 6.,

Abend Feb. 5.

Die Dreigroschenoper Jan. 18., 23.; Feb. 6.

11., 24.

Im Dialog klangpol-Konzert Feb. 8.

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Gastspiel Alle Tage Schwarzer Kater Feb. 10. Liebe und Leidenschaft Schüler interpretieren Alte Meister. Bis 13. Februar Junges Staatstheater Stones Feb. Franz Radziwill Expressionismus und 17.+18.+21.+22.+23.+25.+28. (10 h); März Neue Sachlichkeit. Ab 13. März 1.+2.+3. (10.30 h)

Delmenhorst

Triple Bill März 4. (P), 13., 15.

Tel. 0 42 21 – 1 65 65

Exkurs 6 März 10.

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h)

..................................... Landesmuseum Natur und . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mensch
 Tel. 04 41 – 92 44-300 Andere Spielorte (Beginn, w.n.a.a.: 20 h)

Heinrich-Kunst-Haus My Name is Peggy Niederdeutsches Schauspiel. Jan. 15., 16. (16 h); Feb. 11., 12.; März 11., 12.

www.naturundmensch.de


..................................... Horst-Janssen-Museum

Di-Fr 9-17 h, Do 9-20 h, Sa-So 10-17 h Boris Becker deserts and fields. Bis 27. März

Feb. 17. Pygmalion (in englischer Sprache). Feb. 24. + Feb 25. (11 h)

..................................... ..................................... Oldenburger Kunstverein Palais Rastede Tel. 04 41 – 27 109

Oldenburg, Schloss

dersachsen.de

Cappella Istropolitana Klassikkonzert.

Misery mit Herma Koehn. März 1. Lawrence von Arabien. „Genese eines My- Marion Kracht in Harper Regan. März 3. thos“
Bis 27. März
 Der Ferienkönig von Heinz Erhard. März 14.

www.kunstverein-oldenburg.de Sigmar Polke Die Editionen. Bis 20. Februar

www.landesmuseum-oldenburg.nie-

..................................... Kleines Haus Delmenhorst

Di-Fr 10-17 h, Sa & So 10-17 h


..................................... Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Tel. 04 41 – 2 20 73 00

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Tel. 04 41 – 2 35 28 91 www.horst-janssen-museum.de Di-So 10-18 h Sigmar Polke „Musik ungeklärter Herkunft“. Bis 13. März

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kulturkalender

Emden

..................................... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kultur Forum Kunsthalle Emden Wegen „einiger hartnäckiger ErkranTel. 0 49 21 – 97 50 0

www.kunsthalle-emden.de Di-Fr 10-17 h (jeder 1. Di 10-21 h). Sa, So, Feiertage 11-17 h Franz Radziwill 111 Meisterwerke aus privaten Sammlungen. Bis 19. Juni

pran, Tenor, Bariton, Chor und Orchester

kungen unter den Schauspielern“ musste

„Hiawatha‘s Wedding Feast“ und „The De-

die Premiere von „Haus Herzenstod“ von

ath of Minnehaha“, komp. 1898/99. Spre-

G.B. Shaw am 21. Januar im Kleinen Haus

cher: Bürgermeister a. D. Dr. Henning

Oldenburg abgesagt werden. Statt des-

Scherf, Sopran: Irina Wischnizkaja, Tenor:

sen wurde der Doppelabend „krieg etc.“ –

Clemens Löschmann, Bariton: Peter Kubik.

„Philotas“ von Gotthold Ephraim Lessing und „War Zone“ von Dea Loher ins Pro-

Ein Wiederhören mit Armin Kolarczyk,

gramm aufgenommen. Premiere: 21. Janu- der von 1997 bis 2007 zum Ensemble des Bremer Theaters gehörte, ist am 12. Februar (20 Uhr). ar (20 Uhr) im Sendesaal Bremen möglich. Kompositionen von Samuel Coleridge-Tay-

Der Bariton singt Lieder von Brahms und

lor stellen Chor und Orchester der Univer- Strauss sowie den „Schwanengesang“ von sität Bremen am 5. Februar (20 Uhr) unter Franz Schubert und wird dabei von dem der Leitung von Susanne Gläß in der Glo-

norwegischen Pianisten Stefan Veselka be-

cke vor. Es erklingen die Kantaten für So-

gleitet. In der „Komödie im Schnoor“ steht am 17. Februar (20 Uhr) die Premiere der szenischen Lesung „Billy the Kid“ auf dem Programm. Götz Otto und Joshy Peters begeben sich „auf einen wilden, bisweilen düsteren Ritt durch die Zeit der Cowboys, Sheriffs und Revolver-Duelle.“ Das Programm für die 10. Internationalen Tanztage am Oldenburgischen Staatstheater vom 5. bis 16. April 2011 steht fest. Zu erleben sind insgesamt 17 deutsche Erstaufführungen, getanzt wird in der Halle 10, im Kleinen Haus, in der Exerzierhalle – und außerdem im Krankenhaus, in verschiedenen Schulen und auf öffentlichen Plätzen der Stadt. Mit dabei sind unter anderem Sidi Larbi Cherkaoui und sein Ensemble, das Nederlands Dans Theater II, Aditi Mangaldas aus Neu Delhi, Danzabierta aus Kuba und der Hip-Hop-Erneuerer Vanilton Lakka aus Brasilien.


kulturkalender Bremerhaven

Carla Mantel und Band Jan. 22. Instant Impro Jan. 23. Marius Jung und Till Kersting Jan. 26. Baumann & Clausen Jan. 27., 28. Fünf vor der Ehe Jan. 29. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Essenzen A-cappella-Konzert Jan. 30. iNtrmzzo A-cappella Feb. 11. Stadttheater Bremerhaven Coshiva & Friends Feb. 12. Tel. 04 71 – 4 90 01 Heino Trusheim Feb. 13. Hannes Wader Feb. 14. Großes Haus Cecil Verny Quartet Feb. 18. (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Wolfgang Trepper Feb. 20. On the Town Jan. 15., 19. Rotkäppchen und der böse Wolf Jan. 16. (P Pe Werner Feb. 26. De Spökenkiekers Sketchs & Geschichten / 16 h), 23. (16 h); Feb. 4. (17 h) Der dickste Pinguin vom Pol Jan. 19. (9 h / op platt. März 13. (19 h) P / Oberes Foyer), 26. (9 h), 30. (15 h); Feb. ..................................... 1.+10. (9 h) Maria Stuart Jan. 21.; Feb. 8. Capitol Tosca Jan. 22., 30.; Feb. 2., 6.+10. (15 h), 27. Tel. 04 71 – 9 22 35 15 wunderBAR Jan. 23. (Oberes Foyer), Feb. 12. (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Die Csárdásfürstin Jan. 29. (P); Feb. 3., 5., Florian Schröder & Volkmar Staub Kaba11., 12., 18., 20., 23., 26.; März 6. (15 h) rett. Jan. 28. Mütter Feb. 19. (P), 24.; März 4., 11., 13. Henning Venske & Frank Grischek „Jah5. Sinfoniekonzert Feb. 22. resrückblick“. Feb. 5. 3. Familienkonzert Feb. 27. (11 h) Matthias Brodowy & Detlef Wutschik „Up Dido und Aeneas / Herzog Blaubarts Burg Plattdütsch“. Feb. 11. März 12. (P) Martin Buchholz Feb. 18.

Kleines Haus (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Die 39 Stufen Jan. 15., 25., 30.; Feb. 4., 15., 20. Champagner to’n Fröhstück Jan. 22. (P), 27., 29.; Feb. 1., 8., 17., 19. Türkisch Gold Jan. 24. (11 h); Feb. 2., 11., Feb. 28. Gastspiel: Leben+ Feb. 3. Alter Ford Escort dunkelblau Feb. 26. (P)

Django Asül Feb. 23. Patrizia Moresco März 9. Kabarett im Dreierpack März 11. Jürgen Becker März 13.

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..................................... Deutsches Schiffahrtsmuseum Tel. 04 71 – 48 20 7-0 Täglich 10-18 h Sonderausstellung 125 Jahre Leuchtturm Roter Sand Bis 30. Januar 2011.

..................................... Deutsches Auswandererhaus Tel. 04 71 – 90 22 00 Täglich 10-18 h, ab Nov. 10-17 h Sonderausstellung Wurstfest Das größte deutsche Volksfest in Amerika. Fotografien von Johannes Arlt. Bis 31. März Musikalische AufBrüche 2011 Sonderkonzert des Städtischen Orchesters. Jan. 23. (19 h)

..................................... Klimahaus Bremerhaven 8° Ost Tel. 04 71 – 90 20 30 0 Apr./Okt.: Mo-Fr 9-19 h, Sa+So 10-19 h; Nov.:/März: tägl. 10-18 h

..................................... Phänomenta Fischkai 1. Tel. 04 71 – 41 30 81 (täglich 10-18 h) „Über die Ostsee in die Freiheit“ Fluchten aus der DDR. Sonderausstellung bis 28. Februar

..................................... ..................................... Thieles Garten Stadthalle Bremerhaven Tel. 04 71 – 6 70 70 (Di-Fr 14-18 h) Twinkle Feb. 25. (20 h)

(Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Die Flippers Feb. 17. Andrea Berg Feb. 19. Atze Schröder März 11.

..................................... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Historisches Museum BreDeutsches Schiffahrtsmuseum merhaven ..................................... (Beginn, w.n.a.a.: 19.30 h) Tel. 04 71 – 30 816-0 VHS Bremerhaven Die Entdeckung der Langsamkeit Jan. 16., 22., 29.; Feb. 3., 5., 13., 20.

Di-So 10-18 h 3. Kammerkonzert des Städtischen Orchesters. Jan. 17. (20 h)

Tel. 0471 – 590 47 06 Literarische Woche 7. bis 28. Februar

..................................... ..................................... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christuskirche Bremerhaven TiF Theater im Fischereihafen Kunsthalle Bremerhaven Tel. 04 71 – 20 02 90 Tel. 04 71 – 93 93 20 (Beginn, w.n.a.a.: 20 h) Edo Zanki & Band Jan. 16. Buddy in Concert Jan. 21.

Tel. 04 71 – 4 68 38 Di-Fr 11-18 h, Sa+So 11-17 h Paul Schwer 16. Januar bis 6. März

Johann Sebastian Bach Goldberg-Variationen transkribiert für zwei Gamben. März 6. (18 h


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für Kultur-Freunde: foyer im Internet lesen Ganz bequem von Seite zu Seite blättern, alle Beiträge lesen, bei Bedarf ausdrucken oder per Mail verschicken – ohne störende Werbung auf dem Bildschirm, versteht sich! Unter www.foyer-kulturjournal.de finden Sie jeweils die aktuelle Ausgabe und können natürlich auch am Opern- und Schauspielrätsel teilnehmen. Viel Vergnügen!

Skulptur-Skandal Über Kunst im öffentlichen Raum lässt sich prächtig streiten. Erinnern wir uns nur an die herrlichen Debatten, als die bunten Nanas von Niki de Saint-Phalle 1974 in Hannover aufgestellt werden sollten. Was haben sie da getobt, die sturmfesten Niedersachsen! Oder denken wir an den Zoff um die Che Guevara-Büste im Wiener Donaupark: Halb Österreich saß auf dem Sofa und nahm übel. Und hierzulande gab es unlängst mächtig Allotria wegen der HeineSkulptur von Marcks, bis ein allseits genehmer Standort gefunden war. In Frankreich entzweit gegenwärtig ein Werk des Bildhauers Michel Audiard die Gemüter. Genau gesagt seine „Femme Loire“, eine nackte Frauengestalt mit den wahrhaft üppigen Maßen von 17 x 40 Metern. Madame soll die Gegend unweit von Tours schmücken und zugleich unter ihren angewinkelten Beinen eine Galerie aufnehmen. Eine etwas pikante Platzierung, die jedoch weniger den Protest angefacht hat als die Furcht, das Loire-Tal könnte aufgrund der XXXL-Skulptur seinen Status als Weltkulturstätte verlieren. Nun haben es Arbeiten des Genres „Land Art“ ohnehin schwer, allgemein akzeptiert zu werden. So wurde vor einigen Jahren in Michigan ein Monumentalwerk von Michael Heizer stillschweigend platt gemacht. Ein Skandal! Damit dieses Schicksal dereinst nicht auch die „Femme Loire“ ereilt, sollte vorab ein Kompromiss gesucht werden. Wie wäre es mit einer turmhoch über der Loire schwebenden, sich lasziv auf einer – natürlich echten! – Louisseize-Chaiselongue räkelnden nackten Bronzeskulptur, für die Madame Sarkozy Modell gesessen hat? Die halbe „Grande Nation“ wäre entzückt! Peter Schulz

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Herausgeberin Marie-Clothilde Kronenberg (v.i.S.d.P.) 1 Redaktionsleitung Peter Schulz 2 Kfm. Leitung Sonja Chrobok 14 Anzeigenverkauf Martina Ch. Radeke, Inge Sasse, Autoren dieser Ausgabe Dr. Stephan Cartier 16, Christian Emigholz 3, Sven Garbade 19, Michael Pitz-Grewenig 11, Karin Hiller 4, Wilfried Hippen 5, Dr. Sabine Komm 6, Christine Krause 7, Dr. Ulrich Matyl 8, Simon Neubauer 17, Melanie Öhlenbach 21, Carsten Preisler 10, Dr. Meike Rotermund 18, Ute Schalz-Laurenze 9, Sigrid Schuer 22, Peter Schulz 2, Inge Zenker-Baltes 15 Verlag, Vertrieb, Redaktion und Anzeigenverwaltung Roland Verlag GmbH, Schlachte 43, 28195 Bremen, Telefon 04 21 - 1 26 63, Fax 04 21 - 1 33 17 E-mail info@rolandverlag.de www.rolandverlag.de Gestaltung und Satz Birgit Holtkötter 20, Start04 – Agentur für Gestaltung Telefon 025 32 - 200 709 www.start04.de Basislayout Haase & Knels, Bremen Druck ASCO STURM DRUCK Bremen

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Vertriebsstruktur Theater- und Vorverkaufsstellen Bremen, Bremerhaven und Oldenburg, Theater, Museen, Konzerthäuser und -büros, Ticket-Service-Center, Hotels, Abonnementvertrieb, Fach-Zeitschriftenhandel Bremen, Bremerhaven und Oldenburg Bezugspreis Einzelpreis 3,10 Euro Jahresabonnement 15,00 Euro Auflage 10.000 Exemplare Erscheinungsweise zweimonatlich Nächste Ausgabe 15. März 2011 Redaktionsschluss 15. Februar 2011 ISSN-Nr. 1618-0852 Titelmotiv Theater Bremen: „Der Vetter aus

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Dingsda“; Foto: Jörg Landsberg

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