ImmoFokus Sommer 2020

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Mit 18 Seiten extra!

COVID-19

Immo-Branche im Umbruch

Auszeichnung zu Ă–sterreichs wertvollster Immobilienmarke.

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COVID-19-Pandemie

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56 Der Quartiersentwickler INTERVIEW MIT CHRISTOPH STADLHUBER

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Digitalisierungsnotstand Interview mit Florian Gschwandtner

INHALT

SOMMER

Rubriken

Positionen & Meinungen

Blueprint

8 VOM HERAUSGEBER 10 EDITORIAL 154 VORSCHAU / IMPRESSUM

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78 VORWORT

Coverinterview mit Christoph Stadlhuber

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Unternehmen & Projekte 14 COCKTAILS MIT AUSSICHT 30 KURZ UND BÜNDIG 48 TOP DEAL 50 AUFSTEIGER 51 IMMOBILIE IM FOKUS 52 PROBLEMLÖSER

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DER QUARTIERSENTWICKLER

Interview mit Florian Gschwandtner ZU TISCH MIT ... Alexander Grohmann

DIE ZWEI Kommentar von Philipp Kaufmann & Alexander Bosak

von Thomas Malloth

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ILLMITZER GESPRÄCHE 2020 ÜBERLEBT DIE REGION NEUSIEDLER SEE DEN KLIMAWANDEL? DAS WIEDERVERWERTBARE HAUS?! LESS IS MORE


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Die schönsten Rooftop Bars Europas

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Immobilie im Fokus

Zu Tisch mit ... Alexander Grohmann

AUSGABE Branchen & Services

ImFokus: COVID-19

96 IM SCHATTEN DER PANDEMIE 108 DIE BEWEGTE IMMOBILIENWIRTSCHAFT

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IMMOBILIENMARKT? WELCHE SEKTOREN SIND STÄRKER, WELCHE WENIGER STARK DAVON BETROFFEN?

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VOX FEMINA SPIEGLEIN, SPIEGLEIN AN DER WAND

Kommentar von Philipp Kaufmann

Kommentar von Franz Pöltl

109 COVID-19-MIETZINSMINDERUNGEN Kommentar von Georg Flödl

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WEIN UND IMMOBILIEN ALLES, ÜBERALL UND JEDERZEIT Kommentar von Michael Pisecky

Kommentar von Hania Bomba

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Kommentar von Hans-Jörg Ulreich

CORONA UND RICS Kommentar von Frank Brün

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DIE ZUKUNFT IST EINE ENTSCHEIDUNG Kommentar von Andreas Köttl

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COVID-19 UND DIE ROLLE DER WISSENSCHAFT

ZURÜCK AUF DIE ÜBERHOLSPUR Kommentar von Martin Prunbauer

112 WAS WIR WOLLEN 113

142 PORTALFLUCHT EINE UNABHÄNGIGKEITSBEWEGUNG? 144 DOMINANZ DER GEMEINNÜTZIGEN 148 GREEN DEAL: FLUCH ODER SEGEN 150 VIRUSBEDINGTES KOMMUNIKATIONSVAKUUM 151 BUCHTIPPS

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FRECH GESAGT Kolumne von Anita Körbler

122 DIE DEKONTAMINIERUNS-TASKFORCE 126 INVESTMENT 138 COMEBACK AUF UMWEGEN Interview mit Frans-Jan Soede

Kommentar von Gunther Maier

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Zäsur „Objektive, faktenbasierte Berichterstattung dafür steht die Real Estate Media Group.“

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elche Bedeutung journalistischer Arbeit zukommt, hat der COVID-19-bedingte Lockdown eindrucksvoll gezeigt: Oft ließ sich eine objektive, faktenbasierte Berichterstattung erfolglos suchen. Fake statt Fakten, eindimensionale Wortmeldungen, selbsternannte Experten, Meinungsmache – all das, was in gutem Journalismus nichts zu suchen hat, wurde publiziert. Dem entgegen setzt unsere Redaktion, die wir im Zuge unserer Umfirmierung, erweitert haben, seriösen Journalismus. Die langjährige Journalistin und PR-Beraterin Lisa Grüner wird unseren Verlag als neue Chefredakteurin verstärken und mit ihrer neugierig-frechen Art viele spannende Fragen stellen. Neue Akzente wollen wir auch grafisch setzen und erweitern das Team um Marianne Pratscher und Sibylle Exel-Rauth. Um den eingeschlagenen Weg der qualitativen Berichterstattung zu verstärken, habe ich die Anteile meiner bisherigen Co-Gesellschafter übernommen und bin nunmehr Alleingesellschafter des Verlages. Daher firmiert die GNK Media House ab sofort unter dem Namen Real Estate Media Group GmbH. Besonderes Augenmerk wollen wir auf die crossmediale Berichterstattung richten und werden in mehreren Schritten unsere digitale Präsenz erhöhen. Unserem hohen Anspruch an Qualität fielen leider unsere Frühlingsausgaben zum Opfer. Schweren Herzens mussten wir die bereits gedruckten Ausgaben einstampfen, da sich die Rahmenbedingungen durch

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die COVID-19-Pandemie so dramatisch veränderten, dass der Inhalt obsolet wurde. Das betraf vor allem den Bereich Hotellerie, das Schwerpunktthema der Frühlingsausgabe des ImmoFokus. Die Beiträge aber sind archiviert - zeigen sie doch eindrücklich die dramatischen Entwicklungen unserer Branche und wie schnell alles anders sein kann. Wie stark die Verwerfungen sind, erheben wir aktuell gemeinsam mit immQu, Salon Real und RICS in einer großen Online-Umfrage. Die ersten Ergebnisse überraschen, die Details dazu finden Sie ab 15. August exklusiv auf www.immotimeline.at. Mit unserem Neustart feiern wir auch eine weitere Premiere: Auf unserem Cover findet sich diesmal keine Person, sondern das Virus, das uns nicht nur zeithistorische Momente beschert hat, sondern uns noch weiter im Bann halten und die Branche nachhaltig verändern wird. Vermutlich mehr als so manch hoch gehyptes PropTech. Viel Spaß beim Lesen!

Mag. Michael Neubauer Herausgeber


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Entschleunigung mit Stressfaktor „Mit der COVID-19Pandemie haben wir ein Stück Zeitgeschichte erlebt.“

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m zweiten Quartal dieses Jahres wurde Zeitgeschichte geschrieben: Ganz Europa erstarrte angesichts eines Virus und kam zum Stillstand. Wir waren nicht nur dabei, sondern mitten drin. Wir ahnten nicht, was alles möglich ist, bis es plötzlich Realität war: ein kompletter Lockdown, Ausgangssperren, geschlossene Grenzen. Es ging so schnell vonstatten, dass kaum einer wusste, wie ihm geschah. Es betraf jeden und wie bei jeder Krise, war sie der vielen Leid und nur mancher Freud‘. Eines zeigte die Not deutlich – den wahren Charakter der Menschen: Vom Denunziantentum bis zu großer Hilfsbereitschaft und vom Kopf-in-den-Sand stecken bis zur Innovationskraft war alles dabei. Während die einen die Entschleunigung genossen, standen die anderen vor der größten beruflichen Herausforderung ihres Lebens. COVID-19 hat unser Leben verändert. Wie sehr und wie nachhaltig, zeigt sich erst in der Aufarbeitung. Genauso wie der wirtschaftliche und unternehmerische Schaden. Die Immobilienbranche ist, im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, mit einem blauen Auge davongekommen. Vor allem die Unternehmen, die rechtzeitig auf Digitalisierung und Telearbeit gesetzt haben. Die Nachfrage nach krisensicheren Investments wie Immobilien ist ungebrochen. Selbst in ungünstigen Lagen schnellen die Preise nach oben. Wer

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noch Bares hat, will lieber etwas Wahres in der Hand beziehungsweise im Grundbuch haben.

Eine geschichtsträchtige Ausgabe Wie die Immobilienunternehmen während der COVID-19-Pandemie agiert haben und wie sie mit den Folgen umgehen, haben wir in dieser Ausgabe des ImmoFokus unter die Lupe genommen und zusammengefasst. Doch kein Rückblick ohne Ausblick: So haben wir Top-Manager um einen Blick in die Glaskugel gebeten. Eines vorweg: vieles ist persönlicher geworden. Auch die Gespräche, die wir mit den Branchenkapitänen geführt haben. Andere haben sich neu aufgestellt. Unter anderem auch der ImmoFokus. Der vormalige Chefredakteur Michael Neubauer hat den Verlag übernommen, umfirmiert und ist zum Herausgeber avanciert. Seinen Platz habe ich eingenommen und damit ist diese Ausgabe auch für mich geschichtsträchtig: Sie ist meine erste als Chefredakteurin. Da mich die Themen der Immobranche, sowohl als Journalistin als auch als KommunikationsBeraterin bereits mein halbes Leben lang begleiten freue ich mich besonders, ab sofort meine Feder im 17. Stock des Millennium Towers zu schwingen. Es sei denn, COVID-19 zwingt uns wieder ins Home-Office. Ob eine zweite Welle anrollt? Wir werden es erleben. Langfristig gesehen werden wir wohl mit dem Virus leben lernen müssen. Herzlichst

Lisa Grüner Chefredakteurin


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Unternehmen & Projekte 14

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COCKTAILS MIT AUSSICHT

WOHNEN IM CONTAINER

Kellerbars sind out, Rooftop Bars sind in. Um die gesalzenen Preise zu rechtfertigen klotzen die Locations mit ausgefallenem Design, interessanten Food-Konzepten und traumhaftem Blick auf Sehenswürdigkeiten.

Die Serienfertigung der flexiblen Wohnmodule erfolgt im deutschen Produktionswerk, ausgestattet sind sie mit einem patentierten Hochleistungs-Dämmverfahren. Die 26 Quadratmeter großen Microhäuser sind in wenigen Tagen inklusive Fundament aufgebaut.

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TOP DEAL Hier brodelt die Gerüchteküche: Ist die Bestellung von Ronny Pecik zum CEO der Immofinanz als Karriereschritt zu deuten oder muss er die Suppe auslöffeln, die er seinen Co-Investoren mit einer Kapitalerhöhung einbrockt hat?

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Am liebsten schlafe ich direkt am See.

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Cocktails mit Aussicht DIE SCHÖNSTEN ROOFTOP-BARS EUROPAS Autor: Ferdinand Neubauer

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renzen auf: Mit der wieder­her­gestellten Reisefreiheit sind Städtetrips wieder möglich und auch wenn man kein Epidemio­loge ist, weiß man: Die Ansteckungsgefahr ist im Freien weitaus geringer als in geschlossenen Räumen. Doch das ist nicht der Grund, warum Rooftop-Bars sich seit einigen Jahren steigender Beliebtheit erfreuen. Atemberaubende Aus­sichten und die oft prominente Gesellschaft locken Gäste in die Höhen, aber auch das kreative Interieur und nicht zuletzt die pure Lebensfreude. Wo es die besten Drinks im schönsten Ambiente gibt, haben wir in der folgenden Bilderreihe zusammengefasst.

LE ROOFTOP – THE PENINSULA Die nach dem Motto „Modern Romance“ konzipierte Dachterrasse ist in einzelne Kojen unterteilt und bietet so Privatsphäre mit Panoramablick. Ideal, um dem schnellen Leben der Metropole zu entkommen. Nirgendwo sonst kann man den Sonnenuntergang mit Blick auf den Eiffelturm besser genießen. Als Highlight gibt es zweierlei vom Eis: einerseits in Würfelform in den Cocktails, anderseits als Eislaufbahn. Mutige Romantiker können hier ihre Pirouetten drehen, um die Begleitung zu beeindrucken. Gelingt das nicht, entschädigt der Blick auf das Wahrzeichen von Paris. Das Vergnügen hat allerdings seinen Preis – die Mindestkonsumation pro Person beträgt 30 Euro. Ort: Paris Designer/Architekt: Richard Martine Höhe: 70 Meter Kapazität: 100 Personen

Foto: Peninsula

www.peninsula.com

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TERRAT – MANDARIN ORIENTAL Mitten in Barcelona, doch dem Geschmack nach in Peru: Im Terrat kocht einer der angesagtesten Küchenchefs der Welt. Gastón Acurio kombiniert peruanische Gerichte mit den Highlights aus der japanischen, spanischen und mediterranen Küche. Dazu gibt es eine große Auswahl an Drinks und Cocktails und schließlich den atemberaubenden 360-Grad-Rundumblick, der seine Gäste nicht so schnell loslässt. Man merkt schnell, wie gut es tut, dem pulsierenden Leben der Metropole Kataloniens für kurze Zeit zu entfliehen und das fröhliche Treiben am Prachtboulevard Barcelonas und die Sehenswürdigkeiten von oben zu genießen. Ein weiteres Highlight ist der Pool. Er steht den Gästen für einen Sprung ins erfrischende Nass zur Verfügung – der perfekte Ort, um einen guten Cocktail in der Abendsonne zu genießen. Ort: Barcelona Designer/Architekt: Patricia Urquiola Höhe: 80 Meter Kapazität: 100 Personen

Fotos: Mandarin Oriental

www.mandarinoriental.com

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SUSHISAMBA – HERON TOWER Was haben Japan, Peru und Brasilien gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Dass ein Potpourri aus diesen Ländern aber gelingen kann, zeigt sich in der Sushisamba Rooftop-Bar in London. Elemente aus Bambus werden hier mit farbenfrohen Elementen kombiniert, bunt und aufregend wie ein Cocktail. Auch kulinarisch wagt man das Crossover zwischen Südamerika und Asien. So gibt es Sushi mit brasilianischem Einfluss, Tempura, Churrasco, Moqueca und peruanische Anticuchos sowie eigene Cocktail-Kreationen, die die drei Länder in sich vereinen sollen. Den absoluten Eyecatcher findet man auf der Outdoor-Terrasse mitten in der Hauptbar: Ein in bunten Farben leuchtender Baum konkurriert mit dem Ausblick auf die britische Metropole. Wer da wohl gewinnt? Bestimmt der, der heller leuchtet. Ort: London Designer/Architekt: Kohn Pedersen Fox Höhe: 230 Meter Kapazität: 200 Personen www.sushisamba.com

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Fotos: Horon Tower


Fotos: Aria

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HIGH NOTE – ARIA Ein Gefühl wie auf einem Kreuzfahrtschiff vermittelt die High Note Skybar in Budapest ‒ nur die Aussicht bleibt dieselbe. Über einen charmanten Innenhof gelangt man auf die Rooftop-Bar des Aria Hotel in unmittelbarer Nähe der St.-Stephans-Basilika. Das Markenzeichen der Bar sticht sofort ins Auge, die knallorangen Loungesessel laden zum gehobenen Chill-out ein. Auf separaten Terrassen werden in privater Atmosphäre Cocktails, benannt nach berühmten Personen der europäischen Geschichte, kredenzt. So finden sich neben „Romulus & Remus“ auch „Leonardo Da Vinci“ und „Nostradamus“ auf der Karte. Im Sommer lässt es sich im sechsten Stock der Budapester Innenstadt unter einem Schirm wunderbar der Sonne entfliehen, im Winter wärmen sich die Gäste mit Punsch und Heizstrahlern auf. Ort: Budapest Designer/Architekt: Zsolt Szécsi Höhe: 60 Meter Kapazität: 100 Personen highnoteskybar.hu

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AURORA – ANDAZ In diesem Fall ist mit Aurora nicht Dornröschen, sondern die neue Rooftop-Bar im Andaz am Belvedere gemeint. Seit einem Jahr werden im Aurora feine Cocktails mit klingenden Namen serviert: Von der Leopoldsdorfer Erdbeere bis zum Steirischen Apfel wird heimisches Obst mit Alkohol angereichert. Auch die Speisekarte bietet Besonderes: So wird beispielsweise ein Gulasch mit liebevoll gezogenem Boa-Rindfleisch aus dem nördlichen Waldviertel kredenzt. Das bewusst nordische Design spielt auf die Nordlichter an, auch die Getränke stehen ganz im Zeichen Skandinaviens. So findet sich neben typisch skandinavischen Gerichten auch ein Signature Cocktail „Berserker’s Punch“ auf der Getränkekarte. Vom 16. Stockwerk des Hotels im 10. Bezirk überblickt man ganz Wien. Da fragt nicht nur Rainhard Fendrich: „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?“ Ort: Wien Designer/Architekt: Renzo Piano Höhe: 90 Meter Kapazität: 150 Personen

Fotos: Andaz

www.hyattrestaurants.com

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20UP – EMPIRE RIVERSIDE Die spektakuläre Aussicht auf den Hamburger Hafen und die Elbe lässt sich am besten auf einem Barhocker direkt an den sieben Meter hohen Glasfenstern genießen. Diese wurden vom englischen Stararchitekten David Chipperfield elegant aneinandergereiht. Wer sich gerne bewegt, kann den kompletten 360-Grad-Rundumblick über die Hansestadt genießen. An der 20 Meter langen Bar können sich Partyhungrige aneinanderreihen. Apropos hungrig ‒ das empfiehlt sich, wenn man im 20UP zu Gast ist, denn Hamburgs bekannteste Sushi-Meisterin Chantira „TUK“ Bedick kreiert hier feinste Sushi-Spezialitäten. Für ausgelassene Stimmung sorgen wechselnde lokale Musiker und DJs, angesagte After-Work-Events und eine solide Auswahl an Drinks und Cocktails. Für Romantiker und die, die es noch werden wollen, lohnt es sich, einen Tisch zu Sonnenuntergang zu reservieren – maritimes Ambiente war nie bezaubernder. Ort: Hamburg Designer/Architekt: David Chipperfield Höhe: 90 Meter Kapazität: 200 Personen www.empire-riverside.de

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Fotos: Empire Riverside


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ROSSIO GASTROBAR – ALTIS AVENIDA Eine unvergleichliche Sicht auf den Rossio-Platz mit seinem Wellenmuster, das Schloss und den Fluss bietet die Rossio Gastrobar. Sie befindet sich im siebten Stock des Altis Avenida Hotel, wo Küchenchef João Correia sein strenges Regiment führt. Dessen Kreativität zeigt sich nicht nur in den Menüs und in der Auswahl der Zutaten, sondern auch bei den handgefertigten Tonwaren und Tellern, auf denen die Speisen serviert werden. Sein Konzept fürs Kochen ist nachhaltig, regional und klimafreundlich. Das Designerduo hat den Raum sehr modern gehalten: Als Stilelemente stechen unterschiedliche Sessel und Hocker ins Auge, die sich vom schlichten weißen Stein der Terrasse abheben. Hier treffen sich Einheimische und Touristen, um die Eigenkreationen des Barchefs zu probieren – ein perfekter Mix. Ort: Lissabon Designer/Architekt: Cristina Santos e Silva und Ana Menezes Cardoso Höhe: 80 Meter Kapazität: 80 Personen

Fotos: Altis Avenida

www.rossiogastrobar.com

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REM EILAND RESTAURANT Amsterdam war immer schon für das Zurschaustellen des Besonderen bekannt. Wen wundert es also, wenn man am Amsterdamer Hafen auf einen Bohrturm stößt. Der Reiseführer verrät, dass hier nicht nach Öl gebohrt wird, jedoch kommt man unter Umständen „im Öl“ wieder herunter. Das REM Eiland ist jedoch kein Bohrturm im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein umgebauter ehemaliger Piratensender, der heute als Bar und Restaurant geführt wird. Ein schmaler Steg führt auf die rot-weiße Stahlkonstruktion und mit dem Lift erreicht man die verschiedenen Decks. Eisgekühlte Cocktails werden an der Bar, am ehemaligen Hubschrauberlandeplatz am Dach der Stahlkonstruktion, serviert. Die Einrichtung des Restaurants ist schlicht, ohne dabei spartanisch zu wirken. Dort kredenzt der Küchenchef feine französische Küche. Raffinierte Gerichte, vom Oktopus bis zum Tomahawk-Steak, finden sich auf der Speisekarte. So gut hat man auf einer Ölplattform noch nie gegessen. Ort: Amsterdam Designer/Architekt: Design office Concrete Höhe: 25 Meter Kapazität: 100 Personen www.remeiland.com

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Fotos: Rem Island


Unternehmen & Projekte

WINEGG in Simmering

Baustart

Wohnen im Schlossquartier

Wohnbauprojekt In Eisenstadt entsteht derzeit mit dem Stadtentwicklungsprojekt „Wohnen im Stadtquartier“ das derzeit größte Wohnbauprojekt. 60 freifinanzierte Eigentumswohnungen in der Größe von ca. 44 bis 130 Quadratmetern entstehen in den vier Häusern, die jeweils aus vier Stockwerken bestehen. Entwickelt hat das Wohnbauprojekt direkt gegenüber des Schlosses Esterházy Esterházy Immobilien. Den exklusiven Vertrieb für das Projekt hat Immobilien Funk übernommen. Und der Vorvertrieb hat bereits begonnen: Rund 400 Vormerkkunden erhalten bereits jetzt laufend Informationen und können bereits zwei Wochen vor Verkaufsstart ihre Wohnung erwerben.

Project Immobilien feiert Dachgleiche

Amalia 54 in Hietzing Knapp elf Monate nach dem Spatenstich wurde die Gleichenfeier zur Fertigstellung des Rohbaus zelebriert. In der Amalienstraße 54 entehen 31 Eigentumswohnungen zwischen 49 und 100 Quadratmetern. Jede Wohnung verfügt über Freiflächen wie Garten, Balkon oder Terrasse. Die Fertigstellung soll im ersten Quartal 2021 erfolgen. Bereits jetzt ist die Vermarktung in vollem Gange. Hietzing zählt zu einem der gefragtesten Wiener Bezirke im urbanen Raum und legt am Wohnmarkt - dank her-

vorragender Infrastruktur und attraktivem Kleinstadtcharme - auch weiterhin an Attraktivität zu. Die 1995 gegründete Project Immobilien Gruppe mit Hauptsitz in Nürnberg ist spezialisiert auf die Entwicklung, Errichtung und Vermarktung von Wohnund Gewerbeimmobilien und verfügt über ein Gesamtverkaufsvolumen von über 2,8 Milliarden Euro. Seit dem Marktstart 2016 in Wien wurden bereits neun Grundstücke angekauft. Auf diesen werden derzeit rund 380 Wohnungen realisiert.

Kurz & Bündig + Kurz & Bündig + Kurz & Bündig + Kurz & Bündig

Christian Gusenbauer verantwortet die Rechtsberatung der neu eröffneten Kanzlei EY Law in Linz.

Die langjährigen Mitarbeiter und Prokuristen Florian Hörmann und Markus Woratschek leiten ab sofort zusammen mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Wolfgang Macho die Geschicke der IMV.

News Ticker Wohnen am Stadion: Die WSE Wiener Standortentwicklung plant direkt neben dem Stadion das neue gemischte Stadtquartier Viola Park. Der Start der Bauarbeiten ist für 2022 geplant. SMARTments in Graz: In Graz eröffnete ein neues SMARTments student mit 187 möblierten und komplett eingerichteten Apartments, jeweils von etwa 17 bis zu 33 Quadratmetern.

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Fotos: Joseph Gasteiger, Architekten Maurer & Partner, PROJECT Immobilien, IMV, EY Law Österreich

Mit dem Wohnprojekt von WINEGG in der Hugogasse 8 im 11. Wiener Gemeindebezirk entstehen 49 Eigentumswohnungen. Die Zwei- bis Vierzimmerwohnungen sind auch optimal für Vorsorgezwecke geeignet. Die Eigentumswohnungen in der Größe von 36 bis 93 Quadratmetern bestechen nicht nur durch eine erstklassige Ausstattung, sondern auch durch eine großartige Infrastruktur: Die U-Bahn befindet sich in unmittelbarer Nähe und ermöglicht es, in weniger als 20 Minuten in die Wiener Innenstadt zu gelangen. Schon zu Baubeginn ist ein Drittel der Wohnungen verkauft. Bereits seit über 20 Jahren ist WINEGG als Investor, Projektentwickler, Bauträger und Makler tätig. Anfangs war das Kerngeschäft das Zinshaus, in den letzten Jahren wurde auch das Bauträgergeschäft im Bereich Neubau forciert.


Kurz & Bündig > Wohnen

6B47 entwickelt in St. Pölten

Vorzeigestadtquartier Durch den Erwerb des ehemaligen Metro-Areals in der Dr.-Wilhelm-Steingötter-Straße konnte 6B47 bereits Ende 2018 die Weichen für ein modernes Stadtquartier stellen. Das Areal mit einer Fläche von 21.000 Quadratmetern soll in drei Baufelder und Bauabschnitte unterteilt werden. Erklärtes Ziel ist es, leistbare und freifinanzierte Mietwohnungen zu schaffen. Dabei entstehen Wohneinheiten mit bis zu vier Zimmern, die durch großzügige Freiflächen und Spielplätze ergänzt werden. Durch diese Bandbreite an unterschiedlichen Wohnungstypen soll für jeden Lebensstil der passende Grundriss gefunden werden. Vor allem besticht das Projekt durch seine attraktive Lage und kurze Wege im Umfeld. Auch die Anbindung an Wien ist optimal. Dank öffentlichem Anbindung erreicht man vom St. Pöltener Hauptbahnhof den Wiener Hauptbahnhof in 25 Minuten, den Flughafen Wien Schwechat in 50 Fahrminuten. Eine gute Anbindung an den Individualverkehr garantiert u.a. die Lage an der Schnellstraße S33.

wieninvest baut im 13. Bezirk

Fertigstellung

wertinvest feiert Spatenstich

Wohntraum im Westen Wiens Mitte Februar erfolgt durch die wieninvest Group in Tullnerbach der Startschuss zur Errichtung von 32 neuen Wohnungen. Realisiert werden die Einheiten mit einer Wohnfläche von 58 bis 81 Quadratmeter ngemeinsam mit dem Partner K3. Alle Wohnungen verfügen über einen eigenen Freibereich wie Garten, Balkon oder Dachterrasse sowie über ein separates Kellerab-

teil. „Das Projekt in Tullnerbach punktet vor allem durch seine exzellente Lage. Zum einen genießt man die Ruhe und Erholung im Grünen, zum anderen ist man durch die hervorragende Anbindung sowohl öffentlich als auch mit dem Auto rasch in Wien“, freut sich Gründer und CEO der wertinvest Group, Alexander Widhofner. Die Fertigstellung soll im Sommer 2021 erfolgen.

Die wieninvest Group hat in der Preyergasse 1-7 im 13. Wiener Gemeindebezirk insgesamt 79 Wohnungen fertiggestellt. Die Wohnungen verteilen sich auf vier Stockwerken. Zusätzlich gibt es eine hauseigene Tiefgarage mit 32 Stellplätzen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Geschäftslokal. Die Wohnungen verfügen über zwei bis vier Zimmer und Wohnflächen von 41 bis 104 Quadratmetern. Alle Einheiten haben Freiflächen wie eine Loggia, einen Balkon, eine Terrasse oder einen eigenen Garten. Zusätzlich stehen ein Fahrradabstellsowie ein Kinderwagenraum zur Verfügung. Das Projekt überzeugt vor allem durch seine ideale Lage, die urbanes Wohnen in einem der schönsten Wiener Bezirke mit der Nähe zur Natur optimal miteinander vereint. So befinden sich Naherholungsgebiete und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten wie der Schlosspark Schönbrunn und der Lainzer Tiergarten in unmittelbarer Nähe. Shops des täglichen Bedarfs wie Lebensmittelgeschäfte, Trafiken, Fitnessstudios und Post- und Bankfilialen sind fußläufig erreichbar.

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Unternehmen & Projekte

Berliner Büromarkt

Post Corona

Baugenehmigung erteilt   Im Zentrum Innsbrucks entsteht mit Ende Jänner bereits der dritte Turm der PEMA Holding. Der Gebäudekomplex wird eine Höhe von 47 Metern haben. Zwei Drittel der Gesamtfläche von ca. 9.400 Quadratmetern wird die Hotelkette Motel One beziehen und damit ihren ersten Standtort in Tirol mit ca. 240 Zimmern eröffnen. Neben einem Retail-Bereich und einer Tiefgarage entstehen zudem großzügige Büroflächen. 2017 kürte eine internationale Fachjury aus 17 Einreichungen

den Entwurf der Innsbrucker Architekten Heinlein & Zierl einstimmig zum Sieger. Das Augenmerk ihres Entwurfs lag auf der Attraktivierung und Belebung der umliegenden Flächen und des innerstädtischen Raums. Für einen größtmöglichen öffentlichen Mehrwert sollen insbesondere der transparente Erdgeschoßbereich, eine Terrasse im 4. Obergeschoß sowie eine frei zugängliche Skybar im obersten Stockwerk des P3s sorgen. Die Fertigstellung ist für Sommer 2022 geplant.

Kurz & Bündig + Kurz & Bündig + Kurz & Bündig + Kurz & Bündig

Mit Ende des Jahres 2019 hat Rosemarie König die lokale Betreuung des EY-CoworkingSpace in Graz übernommen.

eyemaxx-Geschäftsführer Stephan Pasquali ist von der Projektentwicklung des Areals in Wien Simmering überzeugt.

Ein erfolgreiches Firmenjahr 2019 kann Eugen Otto verzeichnen. Mehr als 50.000 Quadratmeter Büroflächen wurden vermietet.

Nachhaltiger Bürocampus

silo plus   Zu 90 Prozent energieautark ist das von Erste Group Immorent und Strabag Real Estate als Joint Venture errichtete Gebäude im 23. Wiener Gemeindebezirk. Heizung und Kühlung erfolgen durch Geothermie sowie Photovoltaik. Ein Grund mehr, dass der innovative Office-Campus mit einer Büronutzfläche von 11. 000 Quadratmetern nun das ÖGNI-Zertifikat in Gold erhielt. Das Bürogebäude silo next ist bereits in Planung: In der Lemböckgasse 57 soll ein Bürogebäude mit einer Fläche von fast 9.800 Quadratmetern entstehen. Die gesamte Bürofläche in den silo offices mit silo one, plus und next wird dann rund 32.500 Quadratmeter betragen.

News Ticker Bürogebäude am Stuttgarter Flughafen: Mercurius Real Estate realisiert im Filder-Airport-Areal ein Bürogebäude mit rund 10.000 Quadratmetern Mietfläche. Finanzierung steht: Die BayernLB finanziert gemeinsam mit sechs Sparkassen den Blue Tower in München. Das Landmark-Gebäude prägt mit rund 24.000 Quadratmetern den östlichen Stadteingang von München.

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Fotos: CA Immo, PEMA Holding, CPI Marketing GmbH, EY Österreich, Alexander Chitsazan, eyemaxx Real Estate Group

Dritter PEMA-Turm in Innsbruck

Auch wenige Monate nach Ausbruch der Corona-Pandemie zeigt sich der Berliner Bürovermietungsmarkt robust. Die seit jeher umsatzstarke und krisenresistente Branche Öffentliche Verwaltung wird den Büromarkt in Berlin weiterhin dominieren. Eine deutliche Veränderung wird es jedoch auf den Büromärkten in Zukunft geben und diese vermutlich nicht nur in Berlin: Das flexible Arbeiten im Office bzw. Homeoffice wird für die Öffentliche Verwaltung schwer umsetzbar sein. Die Corona-Krise bringt somit durchaus eine gewisse Entlastung. Die Leerstandsquote könnte sich bis 2021 oder 2022 auf einen Wert in Richtung Normalisierung bei drei bis vier Prozent einpendeln, so Marcus Lehmann, Head of Office Letting bei Colliers International in Berlin. Zuvor stand die Leerstandsquote bei einem Prozent.


Kurz & Bündig > Office

Mississippi House in Prag

Vorvermietung   CA Immo hat mit dem internationalen Beratungsunternehmen Adastra einen Mietvertrag über 7.000 Quadratmeter für das im Bau befindliche Bürogebäude Mississippi House abgeschlossen. Damit konnten beinahe 50 Prozent des Büroobjekts mehr als ein Jahr vor Fertigstellung vorvermietet werden. Der Baubeginn der beiden Büroobjekte mit einer Gesamtmietfläche von 20.750 Quadratmetern, Mississippi House und Missouri Park, im River City Prague Komplex erfolgte im September 2019. Die Fertigstellung beider Gebäude soll im Sommer 2021 sein. CA Immo investiert insgesamt rund 66 Millionen Euro in das Projekt.

CPI-Officeprojekt

Eighty Two   Der Baustart für rund 11.335 Quadratmeter Bürofläche in der Perfektastraße ist bereits erfolgt. Auf sechs Etagen entsehen aber neben Büroflächen auch ca. 12.400 Quadratmeter Nutzfläche und rund 814 Quadrameter Gastro- und Retail-Flächen. So will CPI das Business-Cluster LiesingMitte mit einem zukunftsweisenden Projekt den Bürostandort direkt an der U6 aufwerten, um so eine hohe Aufenthaltsund Mobilitätsqualität für Mitarbeiter zu garantieren. Die Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2021 geplant.

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Immobilienrecht Baurecht Gesellschaftsrecht / Vereinsrecht Unternehmens- und Vermögensnachfolge / Erbrecht  Vertriebsrecht

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Unternehmen & Projekte

Ikea am Westbahnhof

Vorreiter Wien

Signa plant in St. Pölten

Stadtquartier Das Möbelhaus Leiner in St. Pölten soll adaptiert werden. Im Zuge der Projektentwicklung ist zudem die Errichtung von rund 150 Wohnungen und einem Hotel mit etwa 150 Zimmern geplant. Während die denkmalgeschützten Bauteile entlang des Rathausplatzes erhalten bleiben, ist geplant, die dahinterliegenden Objekte abzubrechen. Die Verkaufsfläche mit rund 10.000 Quadratmetern wird remodernisiert. Derzeit erfolgt die Ausarbeitung unterschiedlicher Varianten der Projektentwicklung. Nach der Adaptierung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans sowie den behördlichen Genehmigungen könnte im Jahr 2021 mit dem Bau begonnen werden.

SES Spar European Shopping Centers eröffnet 150-Millionen-Euro-Projekt

Shopping-Center Aleja Neue Maßstäbe soll Sloweniens modernstes Shopping-Center Aleja setzen. Der Entwickler, Investor und Betreiber SES errichtete das Center in einer Bauzeit von September 2017 bis März 2020 im dichtbesiedelten Nordwesten Ljubljanas und investierte dabei 150 Millionen Euro in das neue Stadtteil-Center im Herzen von Šiška. Über 80 internationale, slowenische und lokale Shops, Gastronomie und Dienstleistungsbetriebe beleben die 32.000 Quadratmeter des Shopping-Centers. Das

Shopping-Center ist zu 100 Prozent verpachtet, unter anderem an den modernsten Interspar-Hypermarkt Sloweniens, sowie der Drogerie Müller, die Modeketten XYZ, H&M, Hervis, Reserved, Tommy Hilfiger, an das Baby Center, an McDonald‘s, Big Bang, Mass und viele weitere. ALEJA ist das fünfte Shopping-Center, das SES in Slowenien managt. SES gilt als Marktführer im Land und ist seit 1997 erfolgreich mit Shopping-Centern in Ljubljana, Maribor und Celje vertreten.

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Gerhard Wohlmacher hat mit März die Leitung des Traditionskaufhauses Gerngross ­übernommen.

Seit Februar ist Johanna Kaschubek, LLB als Retail Consultant bei Colliers ­International tätig.

Der erfahrene Manager Patrick Zehetmayr leitet ab sofort den Bereich Commercial Real Etate bei der Erste Group.

News Ticker dean&david in Linz: Das Retail-Team von Colliers International war bei der Anmietung des ersten Standortes in Linz beratend und vermittelnd tätig. Erfolgreich platziert: Pallas Capital hat erfolgreich ein Mezzanin-Darlehen in Höhe von über neun Millionen Euro für den Ankauf und die Entwicklung eines Einkaufszentrums in Jena platziert.

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Fotos: URW, Otto Immobilien/Stefan Braune , ARE/SIGNA/k18, SES, Erste Group, Colliers, Jost Gantar

Bereits 2021 eröffnet in Wien das innovativste Einrichtungshaus der Ikea-Welt. Gestaltet wird das Gebäude am Westbahnhof vom Architekturbüro querkraft. So basiert das Gebäude architektonisch auf einem Rahmen. Ein positiver Beitrag zum Mikroklima soll durch insgesamt 160 Bäume an allen Fassadenseiten entstehen. Dabei wird die Dachterrasse öffentlich zugänglich sein. Zudem wird das siebenstöckige Gebäude auf insgesamt fünf Ebenen ein vollwertiges Ikea-Einrichtungshaus beherbergen. An der Mariahilfer Straße ziehen vier Geschäfte, die es früher schon an diesem Standort gab, mit ein. Auch ein Hotel der Accor-Marke jo&Joe eröffnet hier seinen ersten Standort in Österreich. Um so wenig Lärm wie möglich zu erzeugen, erfolgt die Warenlieferung im Gebäudeinneren via Drehscheibe.


Kurz & Bündig > Retail

Otto Immobilien vermietet exklusiv

Vienna Twentytwo Otto Immobilien hat für städtebauliche Großprojekt Vienna Twentytwo im 22. Wiener Gemeindebezirk den Exklusivauftrag für die Vermietung der Retail- beziehungsweise Gastroflächen erhalten. In vier verschiedenen Größen stehen die Flächen von insgesamt 1.500 Quadratmetern inklusive großzügiger Außenbereiche wie Schanigärten zur Verfügung. Die Fertigstellung soll in der Bauphase 1 bis zum Jahr 2022 erfolgen. Entwickelt wird der neu entstehende Stadtteil in unmittelbarer Nähe zum Donauzentrum, Donauplex und der Erste Bank Arena in einem Joint Venture von ARE Austrian Real Estate und Signa. Bis zur finalen Fertigstellung 2024 entsteht auf dem rund 15.000 Quadratmeter großen Areal ein neuer und autofrei konzipierter Stadtteil mit einem breiten Nutzungsmix aus Wohnen, Büro, Hotel, Gastronomie sowie bedarfsorientierter Nahversorgung: rund 18.000 Quadratmeter Büroflächen, ca. 600 Wohnungen und 1.500 Quadratmeter Retail- beziehungsweise Gastrofläche.

Union Investment verkauft

Fachmarktzentren

Österreichs Händler unter Top 250

Global Powers of Retailing-Report Der aktuelle Deloitte Global Powers of Retailing-Report verzeichnet die 250 umsatzstärksten Einzelhändler weltweit. Aus österreichischer Sicht erfreulich: Mit Spar (Platz 81), Signa (124) und XXXLutz (203) konnten sich gleich drei Austro-Händler im Topranking platzieren. Spannend ist jedoch vor allem der Kampf an der Spitze: Walmart bleibt zwar mit einem Umsatz von 514 Milliarden Dollar

unangefochten vor Costco (142 Milliarden) auf Rang eins, doch bereits auf Rang drei folgt mit Amazon (140 Milliarden) der weltgrößte Onlin-Händler. „Wir empfehlen eine Innovationsoffensive für den österreichischen Handel, damit er die Chancen, die der digitale Handel bietet, besser in der Breite nutzen kann“, appelliert Rainer Will an die österreichische und europäische Politik.

Auf Vermittlung des Einzelhandelsspezialisten Comfort hat Union Investment zwei Fachmarktzentren in Fürstenfeld in der Steiermark und Feldkirchen in Kärnten verkauft. Zwei Privatinvestoren erwarben in Summe rund 9.800 Quadratmeter Mietfläche aus dem Bestand des immofonds 1. Der Verkaufserlös lag in beiden Fällen deutlich über dem zuletzt ermittelten Sachverständigenwert. Rund 5.200 Quadratmeter Mietfläche entfallen auf das Fachmarktzentrum in der Grazerstraße 12 in Fürstenfeld. Zu den Ankermietern zählen More Fit und das Dänische Bettenlager. Es wurde im Jahr 2002 errichtet und befand sich seit dem Ankauf im Jahr 2005 im Bestand des immofonds 1. Die restlichen 4.600 Quadratmeter Mietfläche sind im Fachmarktzentrum in der Villacher Straße 24 in Feldkirchen. Zu den Mietern zählen Fussl, C&A und dm. 2005 wurde das Fachmarktzentrum in Kärnten eröffnet und im Folgejahr für das Portfolio des immofonds 1 erworben. Die rechtliche Beratung bei beiden Transaktionen erfolgte durch Brand Rechtsanwälte.

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Unternehmen & Projekte

MRP hotels übernimmt

Seit Jahresanfang tritt die Hospitality Competence Berlin (HCB) in Deutschland unter dem Markennamen MRP hotels auf. Mit der Übernahme der HCB durch das österreichische Hotelberatungsunternehmen wurde bereits im Herbst 2019 der Grundstein für die Qualitäts- und Innovationsführerschaft im DACH-Raum sowie Benelux gelegt. 25 Mitarbeiter kümmern sich in interdisziplinären Teams um die Planung und Entwicklung, die Konzeptgestaltung, das Projekt- und Asset-Management, die Betreibersuche und Transaktionsbegleitung sowie das Sanierung- und Interimsmanagement von Hotels. Damit wird der gesamte Zyklus der Hotelimmobilie abgedeckt – und das auf einer europäischen Ebene. „Mit dem Zusammenschluss unter dem Dach der MRP hotels bündeln wir unsere Stärken und können so perfekt auf die aktuellen und zukünfitgen Herausforderungen der Hotellerie im Speziellen und des Tourismus im Allgemeinen reagieren“, freut sich Olaf Steinhage, Geschäftsführer der MRP hotels in Deutschland. MRP hotels verfügt über ein breites europäisches Netzwerk mit Bürostandorten in Wien, Berlin, Amsterdam und Istanbul.

Signa kauft Hotel

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Bauer Palazzo Das berühmte Hotel Bauer Palazzo hat mit der Signa Prime einen neuen Eigentümer. Bereits zum Jahreswechsel wurden mit dem US-Investor Elliott die entsprechenden Verträge unterzeichnet. Ende Mai erfolgte das Closing. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Signa übernimmt mit der Immobilie auch den Hotelbetrieb mit 210 Zimmern.

Dario Travas freut sich über das siegreiche Wettbewerbskonzept von ATP für ein 4-Sterne-Hotel in Zagreb.

Der Travel Industry Club Austria hat die Geschäftsführerin der SoReal Jasmin Soravia in den Vorstand gewählt.

Area Senior Vice President Yilmaz Yildirmlar ist ab sofort bei Radisson auch für Osteuropa, Russland und die Türkei zuständig.

News Ticker Erweiterung: Ruby Lissi erweitert im ersten Wiener Gemeindebezirk um zusätzliche 64 Zimmer. Durch den Umbau entsteht auch eine Community Lounge samt Bar und eine Dachterrasse. Die Eröffnung ist für Ende 2021 geplant. Auf Expansionskurs: Die Radisson Hotel Group eröffnet in Polen zwei neue Hotels. 219 Zimmer entstehen in Sopot, 104 in Szklarska Poreba.

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Fotos: ATP, HENRI Hotels, Mischa Nawrata/MRP hotels, A&O Hostels, Soravia, Radisson Hotel Group

Kräftezuwachs


Kurz & Bündig > Hotel

Coore begleitet Markteintritt

Henri Hotel   Das individuelle Hotelkonzept der DSR Hotel Holding wird mit dem „Henri Wien“ nach Hamburg, Berlin und Düsseldorf im April in Wien-Neubau eröffnen. Nach einer aufwendigen Revitalisierung des ehemaligen Hotel Savoy wird die Boutiquehotelmarke nun in der Lindengasse einziehen. Auf die Wiener Moderne Bezug nimmt das Interior Design, wobei gleichzeitig eine Atmosphäre geschaffen werden soll, die den Austausch zwischen Gästen und Locals fördert. „Wir freuen uns sehr, mit dem Henri ein nachhaltiges Konzept, das sich von anonymen, kühlen Hotels klar abgrenzt, in das Grätzl rund um den Spittelberg und das Museumsquartier zu bringen“, meint Stefan Csejtei, Hotelspezialist und Partner bei Coore.

Christie & Co vermittelt

A&O Hostels kooperiert mit Framen

LetoMotel Wien

Die Lobby wird zur Bühne

BNP Paribas Real Estate Investment Management (REIM) Germany sichert sich für den französischen Immobilien-Publikumsfonds BNP Paribas Diversipierre ein Hotelobjekt im Rahmen eines Forward-Deals vom Projektentwickler Lunzer Steinbauer. Es handelt sich um ein zentrumsnahes Hotelentwicklungsprojekt für LetoMotel aus Starnberg bei München. Die Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2020 geplant. Über den Kaufpreis haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. „Das Hotelsegment bietet unverändert interessante Investmentchancen. Insbesondere Businesshotels und Häuser der mittleren Kategorie profitieren seit Jahren vom stark wachsenden Städtetourismus“, erläutert Isabella Chacón Troidl, Chief Investment Officer von BNP Paribas REIM Germany. Das neue Haus im 6. Wiener Gemeindebezirk wird das erste Hotel der Marke LetoMotel außerhalb Deutschlands sein. Der achtstöckige Neubau des Hotels wird auf einer Fläche von rund 7.000 Quadratmetern über 211 Zimmer und eine Tiefgarage mit 33 Stellplätzen verfügen. Vermittelt wurde das Projekt von Christie & Co.

Gemeinsam mit dem Berliner MediaTech-Start-up Framen realisiert die Hostelgruppe ein Pilotprojekt: Die A&OHostels zeigen in allen vier Berliner Häusern auf Bildschirmen in der Lobby zielgruppenspezifische Inhalte. Auf dem sogenannten Framen-OnlineMarktplatz können Werbekampagnen zu einer exakten Uhrzeit an einem spezifischen Ort gebucht und ihr Erfolg gemessen werden. Verläuft die Berliner Pilotphase erfolgreich, soll das Angebot noch im ersten Halbjahr 2020 in sämtli-

chen A&O-Hostels bundesweit an den Start gehen. „A&O unterstreicht auch mit diesem Angebot seinen Ruf als Innovationstreiber der Branche; zielgerichtete Inhalte bedeuten zudem mehr Customer Value und nicht zuletzt: Kooperationen erweitern den Horizont – die Zusammenarbeit mit innovativen, dynamischen Unternehmen wie Framen inspiriert auch das eigene Team“, betont Chief Marketing Officer Phillip Winter den Dreifacheffekt der Kooperation. Werbeflächen können so zielgenauer vermarktet werden.

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Unternehmen & Projekte

Garbe Industrial Real Estate

Expansionskurs

Modernstes Zentrum in Tirol

Postlogistik Im vergangenen Jahr transportierte die Österreichische Post 127 Millionen Pakte, ein Plus von fast 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich dafür ist sicherlich der boomende Online-Handel. Und ein Ende des Trends ist nicht absehbar. Nun entsteht in Tiroler Vomp Tirols modernstes Logistikzentrum der Post. Rund 30.000 Quadratmeter einer ca. 100.000 Quadratmeter großen Grundstücksfläche werden bebaut. Auf dem Areal entstehen ein Brief- und Paketzentrum mit integrierter Zustellbasis sowie Büroflächen. Bis zu 25 Millionen Euro investiert die Post am Standort für Sortiermaschinen. Die Inbetriebnahme soll im Herbst 2021 erfolgen.

Fachmarktzentrum in Linz-Wels

Union Investment kauft Welas Park Ursprünglich 2006 errichtet und 2019 neu eröffnet, erwarb nun Union Investment den Welas Park, ein Fachmarktzentrum in der Region Linz-Wels. Rund 33 Prozent der knapp 15.000 Quadratmeter Mietfläche entfallen auf die beiden Ankermieter Merkur und Lidl. So setzt der Welas Park einen klaren Schwerpunkt auf den Lebensmittelhandel, ergänzt durch weitere Nahversorgungsangebote auf insgesamt 24 Ladeneinheiten. Verkäufer ist die Rutter Immobilien Gruppe, die das Fachmarkt-

zentrum bei laufendem Betrieb innerhalb von rund 18 Monaten umfänglich rekonstruiert und modernisiert hat. Der Ankauf erfolgt für den Bestand des offenen Immobilien-Publikumsfonds immofonds 1, der ausschließlich in Österreich vertrieben wird. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Zum Zeitpunkt des Ankaufs ist der Welas Park zu rund 95 Prozent vermietet. Die durchschnittliche Mietdauer der Ladeneinheiten liegt bei etwa zehn Jahren.

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Stefan Wierzbinski verstärkt ab sofort das Team von Go Asset. Sein Schwerpunkt wird u.a. in den CEE-Ländern liegen.

Alexander Eisfeld ist ab sofort als technischer Leiter Asset-Management an Bord der LIP Invest.

Martin J. Brühl freut sich über den Erwerb des Logistrial-Portfolios durch Union Investment Real Estate.

News Ticker Logistikmarkt Berlin: Nach Angaben von Colliers International startete der Berliner Industrie- und Logistikimmobilienmarkt stabil in das Jahr 2020. Mit 33 registriereten Deals wurde fast das Vorjahresniveau erreicht. Gemeinschafts-Photvoltaikanlage: Somit können etwa 50 Prozent des Gesamtbedarfs im Campus21 mit Sonnenstrom abgedeckt werden.

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Fotos: Rutter Immobilien Gruppe, Frauenthal Handel Gruppe, Union Investment Real Estate, LIP Invest, ,RLI Investors/ Panattoni, GO ASSET Development

Einer der führenden Spezialisten für Logistik- und Industrieimmobilien in Deutschland und Europa, Garbe Industrial Real Estate, baut seine Präsenz in Zentral- und Osteuropa weiter aus. Bislang fokussierte sich Grabe vor allem auf Logistikimmobilien in den vier westeuropäischen Märkten Deutschland, Niederlande, Frankreich und Österreich. So sollen nun vor allem Polen, Tschechien und die Slowakei im Fokus stehen. Das Unternehmen rechnet bis Mitte des Jahres mit ersten Projekten. Die Expansion in die CEE-Region verantwortet Martin Polák, ehemaliger Geschäftsführer von Prologis. Zuletzt war er Geschäftsführer und Regionalleiter für Mittel- und Osteuropa und steuerte alle Aktivitäten des Unternehmens in der Tschechischen Republik, Ungarn, Polen und der Slowakei.


Kurz & Bündig > Logistik

Otto Immobilien berichtet

Marktbericht Laut dem Marktbericht für Logistik- und Industrieimmobilien von Otto Immobilien bringt der Wunsch nach raschen Lieferketten Dienstleister näher zum Kunden. Das erhöht die Nachfrage nach verkehrsgünstig gelegenen Logistikimmobilien. Somit steigen die Preise und bestehende handwerkliche Betriebe werden verdrängt. Die fünf Hotspots für Logisitik und Industrie sind dabei Wien/Wien Umgebung, St. Pölten/Krems, Graz, Linz/Wels/Enns und Salzburg. Die attraktivsten heimischen Standtorte sind weiterhin Wien und Linz. Zudem wurde für den Marktbericht gemeinsam mit dem Vienna Research Forum (VRF) der gesamte Bestand an Logistik-, Produktions- und Industrieflächen in Wien und Umgebung dokumentiert. Dieser beträgt demnach insgesamt ca. 5.303.846 Quadratmeter an Logistik-, Produktionsund Industrieflächen, wobei 47 Prozent auf Logistik- und 53 Prozent auf Produktionsund Industrieflächen entfallen. Die Nettomieten bewegen sich laut Otto Immobilien qualitäts- und lagebedingt in einer Bandbreite zwischen 3,50 und 6,50 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Logistikregion Hannover

Neubauprojekt RLI Investors hat im Rahmen eines Forward Fundings eine Logistikprojektentwicklung für das Portfolio des offenen Logistikimmobilien-Spezial AIF „RLI Logistics Fund – Germany II“ erworben. Der rund 16.300 Quadratmeter große Neubau wird in Garbsen errichtet. Das Objekt ist bereits vor der für das vierte Quartal 2020 geplanten Fertigstellung vollständig und langfristig vermietet. Verkäufer und Projektentwickler ist Panattoni. Mieter ist HAASE Hausgerätelogistik. Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung will sich der Kontraktlogistiker vergrößern und das neue Objekt, das auf einem rund 30.700 Quadratmeter großen Grundstück errichtet wird, als zentrales Lager für Hausgeräte betreiben.

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Unternehmen & Projekte

Madison erwirbt Anteile

Signa Prime

6B47 feiert Dachgleiche

Zinshaus-Projekt Open Up! Bis 2021 entstehen mit dem „Open Up! Das neue Wiener Zinshaus“ im 10. Wiener Gemeindebezirk auf einer Nutzfläche von rund 3.900 Quadratmetern insgesamt 61 klimaaktive neue Mietwohnungen. Die Fertigstellung ist für das zweite Halbjahr 2020 geplant, die Vermarktung durch 6B47 startet mit der Dachgleiche Anfang März. Erworben wurde das Open Up! im Zuge eines Share Deals gemeinsam mit dem 6B47 Wohnbauprojekt „Jadenhof“ von Auris Immobilien Solutions. Beide Projekte sind künftig Teil

des Immobilienspezialfonds „Nachhaltiger Immobilienfonds Österreich“. „Open Up! zeichnet sich vor allem durch seine nachhaltige Bauweise und effiziente Nutzung der vorhandenen Ressourcen aus, weshalb es perfekt in das Portfolio unseres Immobilienspezialfonds passt“, erklärt Christian Schön, geschäftsführender Gesellschafter von Auris Immo Solutions. Auch in Sachen Lage kann das Projekt punkten: Der Hauptbahnhof und der Helmut-Zilk-Park befinden sich in unmittelbarer Nähe.

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Mit ersten März hat Domicil Real Estate den Finanzspezialisten Holger Lüth zum Finanzvorstand berufen.

Stefan Hellwig verantwortet den Eigenkapitalvertrieb für Immobilieninvestmentprodukte bei Wealthcore in Hamburg.

Markus Weber verstärkt ab sofort Wells Fargos Asset Management (WFAM) am Standort Frankfurt.

News Ticker Studentenheim beim Arsenal: Die STUWO eröffnet im Oktober in der Gänsbachergasse 10 ein Studentenheim mit 210 Design-Apartments. Österreich-Premiere: Nuveen Real Estate erwirbt im Zuge der European-Cities-Strategie den CityPark Wien von SEGRO für rund 65 Millionen Euro.

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ImmoFokus

Fotos: VERO Digital, 6B47 / PPAG architects, Signa Prime, Domicil Real Estate, WEALTHCORE Gruppe, Wells Fargo Asset Management

Die Immobilien-Investmentgesellschaft Madison International Realty hat für einen zweiten institutionellen Investor Anteile in Höhe von rund 2,2 Prozent an der Signa Prime Selection (Singa Prime) erworben. Das Immobilienportfolio beinhaltet eine Fläche von 2,4 Millionen Quadratmetern und umfasst erstklassige Büroobjekte, Luxuseinzelhandel sowie Hotel- und Wohnimmobilien. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Rund 80 Prozent der Immobilien des Portfolios befinden sich in Deutschland, 18 Prozent in Österreich und zwei Prozent sind in Italien angesiedelt. Es handelt sich mehrheitlich um stabile Core-Objekte, die aufgrund der hohen Vermietungsquote von rund 98 Prozent sichere Einnahmen generieren. Ikonen im Portfolio sind unter anderem das KaDeWe und der Upper West Tower in Berlin, die von Architekten Otto Wagner geplante Postsparkasse, das Park Hyatt und das Goldene Quartier in Wien und das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck.


Kurz & Bündig > Invest

3SI kauft im dritten Bezirk

Erweiterung Derzeit steht der dritte Bezirk im Mittelpunkt der 3SI Immogroup. So erweiterte diese mit dem Ankauf zweier Zinshausprojekte ihr Portfolio. Das 1877 auf einem Gartenareal unweit der Urania in der Dißlergasse 8 errichtete Gründerzeithaus wurde kürzlich von privater Hand erworben. Die Nutzfläche des vierstöckigen Hauses beträgt fast 1.000 Quadratmeter. Durch einen Dachbodenausbau ist eine Erweiterung auf 1.370 Quadratmeter Wohnfläche möglich. Dieser ist neben dem Einbau eines Lifts, und dem Anbau von Balkonen auch geplant. Der Baubeginn ist für September 2020 geplant. Als zweites Objekt wird das Haus in der Markhofgasse 10 von Grund auf saniert. Bis Frühjahr 2021 entstehen hier insgesamt 25 Eigentumswohnungen mit Wohnflächen zwischen 30 und 120 Quadratmetern. Sechs dieser Wohnungen entstehen im Dachgeschoß. Auch ein Lift wird angebaut. Dieses Zinshausprojekt besticht durch eine ausgezeichnete Lage: Unmittelbar am Erholungsgebiet Donaukanal ist man mit dem Fahrrad in rund fünf Minuten im Prater. Die optimale Anbindung ermöglicht es, direkt von der Station Schlachthausgasse mit der U3 in nur sechs Minuten in der Innenstadt zu sein.

Invester/UBM Joint-Venture-Projekt

Wohnbauprojekt verkauft Der Immobilienentwickler UBM verkauft gemeinsam mit einer Wiener Investorengruppe, die durch Invester United Benefits vertreten wird, das Wohnbauprojekt in der Pohlgasse 26 in Wien-Meidling. Abgewickelt wurde die Transaktion mittels eines Forward Share Deals. Käufer ist die Institutional Investment-Partners für den offenen Spezialfonds „GalCap - Austria Immobilien I“. Der Kaufpreis beträgt 28,65 Millionen Euro. Weiterhin verantworten die Joint-Venture-Partner Invester United Benefits und UBM die komplette Projektentwicklung. „Das Projekt

Pohlgasse ist durch sein Mixed-Use-Konzept und die ausgezeichnete Lage ein spannendes Entwicklungsprojekt und darüber hinaus auch ein attraktives Investmentobjekt. Wir freuen uns sehr, dass es uns gemeinsam mit UBM gelungen ist, dieses Projekt auf die Beine zu stellen“, so Michael Klement, CEO von Invester United Benefits. Bis Ende 2021 entstehen 121 freifinanzierte Mietwohnungen mit einer Größe zwischen 30 und 85 Quadratmetern. Im Erdgeschoß entstehen 1.950 Quadratmeter Gewerbefläche, welche erfolgreich an Merkur vermietet wurde.

IMMOBILIENBEWERTUNG. Warum wir? Weil wir´s können. www.mrg.at

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Unternehmen & Projekte

Propster feiert

Zwei Jahre

REOS & HousingAnywhere

Kooperation   Die Mietplattform HousingAnywhere und REOS, die erste Cloud-Plattform für Immobilienmanagement, geben ihre Partnerschaft bekannt. Ab sofort ist REOS über die kürzlich eingeführte HousingAnywhere API in die Plattform von HousingAnywhere integriert. So können Nutzer aus einer Online-Buchung auf HousingAnywhere direkt einen über REOS unterzeichneten Mietvertrag erzeugen - das beschleunigt den Prozess bei der Vermietung für alle Beteiligten. Die Integration hat zum Ziel, traditionelle Silos auf dem Immobilienmarkt zu überwinden. Sie spart Zeit und verbessert das Kundenerlebnis ab dem ersten Kontakt. Informationen können nun automatisiert verwaltet werden.

Rehau Smart Guard verhindert Einbrüche

Einbruchpräventionssystem   Smarter Einbruchschutz schreckt ab: Einbruchprävention beginnt bereits beim Fenster. So hat es sich der Polymerspezialist Rehau zur Aufgabe gemacht, Fenster zu entwickeln, die so modern sind, wie das tägliche Leben. Der Smart Guard von Rehau steht in drei verschiedenen Ausbaustufen zur Verfügung und lässt sich somit den individuellen Sicherheitsbedürfnissen der Kunden anpassen. Eingebaut wird das Smart-Guard-Modul in den oberen Blendrahmen des Fensters, der Balkon- oder Terrassentür. Die

Abdeckungen stehen in unterschiedlichen Farben zur Verfügung und lassen sich unauffällig in das Gesamtbild einfügen. Zudem sind keine Kabel notwendig, da das System funk- und batteriebetrieben arbeitet. Somit eigent sich das Modul nicht nur für den Neubau, sondern auch für die Sanierung beziehungsweise Nachrüstung von bereits bestehenden GENEO- oder SYNEGO-Fenstern. In der Basisversion funktioniert das Modul alleine und muss an keine weiteren Systeme angeschlossen werden.

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Martin Pansy freut sich über die Auszeichnung „IoT Emerging Comapny of the Year“ für Nuki Home Solutions.

Anfang Juli trat Matthew Lunt als Head of Asset Management Austria & CEE in die CA Immo ein.

Stefan Scheuerle, CEO von Sensorberg, freut sich über die Digitalisierung des Self-Storage- Lagers in Brunn/Gebirge.

News Ticker Preisgekröntes Design: Der Gira Tastensensor 4 ermöglicht nicht nur eine intuitive Steuerung von Licht, Heizung & Co, sondern sieht dabei auch noch gut aus und erhielt deshalb den IF Design Award 2020. Keimfrei: Dank Schindler Port kann der Aufzug bedient werden, ohne sein Element berühren zu müssen. Die Steuerung des Aufzugs ist via Karte möglich.

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ImmoFokus

Fotos: KONE, Siemens, rehau, nuki, Sensorberg, CA Immo

Das Wiener PropTech-Unternehmen Propster - der Sonderwunsch Meister feiert sein zweijähriges Bestehen. Das Wiener Immobilien Start-Up bietet Bauträgern, Projektentwicklern und Bau­­­unte­r­nehmen die Möglichkeit, den Kommunikations- und Konfigurationsprozess bei neu gebauten Wohnimmobilien und Bürogebäuden über eine digitale OnlinePlattform abzuwickeln. Um noch schneller auf die Anforderungen des deutschen Marktes reagieren zu können, eröffnete Propster im vergangenen Jahr Büros in München und Berlin. Aber auch die internationale Expansion schreitet voran. So ist noch für dieses Jahr der Markteintritt sowohl in den skandinavischen Ländern wie auch in Großbritannien geplant. Mittlerweile hat Propster bereits mehr als 20 Mitarbeiter.


Kurz & Bündig > Digital

Cloudbasiertes Gebäude-Service von Kone

DX-Aufzugklasse   Die neue DX-Klasse von Kone ist dank integrierter Konnektivität eine Weltpremiere. Denn die Aufzüge sind serienmäßig an die cloudbasierte digitale Plattform angebunden. Ziel ist es, die volle Vernetzung der Aufzüge mit Gebäuden, Betreibern, Dienstleistern und Nutzern auszubauen. Dazu zählen beispielsweise Service- und Lieferroboter in Hotels, Pflegeeinrichtungen und Industrie, Sprachassistenten, Indoor-Navigationssysteme, Gebäude-Apps und ganze gebäudetechnische Systeme. Auch elektrische Türen und Tore können mit der DX-Klasse, aber auch mit entsprechend nachgerüsteten Aufzügen kommunizieren. Nachhaltigkeit bedeutet neue digitale Services wie Aufzugmusik nach Wunsch, der Aufzugruf mittels Alexa, cloudbasierte Infoscreens für Aufzug, Foyer und Flur und der Kone Magic Mirror: Diese Lösungen machen die Gebäudenutzung für Eigentümer und Mieter attraktiver und steigern den Wert der Gebäude über ihre gesamte Lebensdauer hinweg.

Digitalisierungstreiber

Fünf Jahre casavi

Siemens machts möglich

Ganzheitliche Energiedatenanalyse n Erstmals lassen sich dank Siemens Smart Infrastructure Energiedaten im Gebäude ohne zusätzlichen Platz- und Verdrahtungsaufwand durchgängig bis zum Endstromkreis erfassen. So lassen sich alle Werte problemlos über Cloud-Applikationen analysieren. Zustzlich verbindet Siemens mit dem Update der Energiemonitoringsoftware Sentron „powermanager“ Gebäude- und Enegiemanagement auf ei-

ner Plattform. Die Software ermöglicht die Auswertung elektrischer Kenngrößen, zum Beispiel Energie, Leistung und Netzqualität. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von der intuitiven Handhabung der Software. Über Unregelmäßigkeiten im Energieverbrauch oder ein außergewöhnliches Systemverhalten werden Anwender automatisch per EMail oder SMS informiert.

Im Juni wurde das Münchner Unternehmen casavi fünf Jahre alt. Mittlerweile nutzen 500 Kunden, tausende ihrer Mitarbeiter und mehr als 100.000 End­­­ anwender die Kommunikations- und Produktivitätsplattform für die digitale Immobilienverwaltung – im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Verdoppelung bei allen wichtigen Messgrößen. casavi konnte sich damit in nur wenigen Jahren vom Proptech-Start-up zum Digitalisierungstreiber der Immobilienwirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickeln. Über casavi werden derzeit rund 1,5 Millionen Wohneinheiten verwaltet. Neben Standorten in München, Berlin und Frankfurt hat das Unternehmen auch ein Team für den österreichischen Markt aufgestellt. Zu den neuen Partnern zählen unter anderem Real Data Systems und IGEL Software. So sollen auch in Zukunft Partnerschaften stetig ausgebaut werden. Zum immer größer werdenden Netzwerk zählen Verbände wie der VDIV oder der BVI ebenso wie Softwareunternehmen – zum Beispiel die Haufe Group oder Spacewell.

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Unternehmen & Projekte

Baustart im Herbst 2020

Loxone Campus

FH Campus Wien

Science City Die Fachhochschule am Alten Landgut in Wien-Favoriten wird um vier Gebäude und ein Studentenwohnheim erweitert. Der neue Campus soll rund 150.000 Quadratmeter groß werden. Mit der Planung des „House of Science und Engineering“ wurden im Mai 2018 das Bieterkonsortiums Baumschlager Eberle Wien & Foru Architekten+ Ingenieure ZT beauftragt. Der Baubeginn ist für März 2021 geplant. Die Fertig­ stellung soll im Sommer 2022 erfolgen. Gleichzeitig ist ein „House of Health Professions“ geplant. Der Ausbau soll rund 1.800 neue Studienplätze im Gesundheitsbereich schaffen.

RPHI feiert Dachgleiche in der Linzerstraße

Neuer Standort für Allianz Technology Die Allianz Technology legt ihre bisher über Wien verteilten Standorte zusammen. Aus diesem Grund entstand innerhalb der letzten zwölf Monate ein Rohbau mit insgesamt 22.800 Quadratmetern Bruttofläche in der Linzerstraße 225 im 14. Wiener Gemeindebezirk. Das wurde Ende Jänner bei der traditionellen Dachgleichenfeier gemeinsam vom Bauträger und Entwickler RPHI und dem Generalunternehmer Strabag gefeiert. Das Projekt punktet durch zahlreiche Grün-

flächen und eine umweltfreundliche Bauweise. Im Dachgeschoß befindet sich darüber hinaus eine 250 Quadratmeter große Photovoltaikanlage. Auch von der ÖGNI wurde bereits ein Vorzertifikat in Gold für die Nachhaltigkeit des Bürogebäudes verliehen. Ab dem dritten Geschoß bestimmen offene Bürobereiche mit Telefon- und Besprechungsboxen und Break-Out-Areas das Gesamtbild. Die Fertigstellung ist für Sommer 2020 geplant.

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Die Hausverwaltung Rustler baut das Führungsteam mit der Prokuristin Sandra Wicher weiter aus.

Guido Unterberger übernimmt die Geschäftsführung der Tochtergesellschaften der Hausbetreuung Attensam.

Der langjährige Bereichsleiter Roman Kleedorfer ist künfitg beim FM-Unternehmen IFM als Prokurist tätig.

News Ticker Award für Schell: Für herausragende elektronische Technologien zum Erhalt der Trinkwasserhygiene erhielt Schell den German Innovation Award in Gold. Smart-Home-Siegeszug: Laut einer aktuellen Studie ist das Interesse an Smart-Home-Technologien groß, der tatsächliche Einsatz in den eigenen vier Wänden jedoch gering. Nur neun Prozent der Begrfagten nutzen diese.

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ImmoFokus

Fotos: U.M.A. Architektur Ziviltechniker, BUWOG /Stephan Huger, Attensam/Martin Steiger, IFM

Auf knapp acht Hektar entsteht ab Herbst 2020 am Standort Kollerschlag der Loxone Campus. Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2023 geplant. 55 Millionen Euro investiert der Spezialist für intelligente Gebäudeautomation in das „Epizentrum für intelligente Gebäudeautomation“. Auf einer Fläche von rund elf Fußballfeldern entsteht ein Campus, der nicht nur Büros beherbert, sondern auch ein Schulungs- und Logistikzentrum samt Hotel. In den 80 Zimmern können Loxone-Partner und andere Seminarteilnehmer übernachten. Die Büroräume schaffen Platz für 300 zusätzliche Arbeitsplätze. Die Neubauten werden mit allen Annehmlichkeiten und Vorteilen intelligenter Gebäudeautomation ausgestattet sein. Mit der Umsetzung des ambitionierten Projekts ist das Architekturbüro ARKD in Linz betraut.


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Kurz & Bündig > Immobilienmanagement

Kontrollierte Luftfeuchtigkeit

Gesundes Raumklima Laut einer Studie der Yale University besteht ein Zusammenhang zwischen der Haltbarkeit des COVID-19-Erregers in Innenräumen und der relativen Luftfeuchte. So soll das Virus eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent in Innenräumen nicht überstehen können. Auch das menschliche Immunsystem arbeitet in diesem Bereich am effektivsten. Beträgt die Luftfeuchtigkeit unter 40 Prozent, bleibt nicht nur das Virus für einen längeren Zeitraum übertragbar, sondern zudem wird auch das Immunsystem geschwächt. Die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen kann jedoch stark variieren. Abhängig von der Art der Belüftung, der Gebäudestruktur, aber auch der Anzahl der Personen im Raum und anderen Faktoren steigt oder sinkt die Luftfeuchtigkeit. Oft beträgt die Luftfeuchtigkeit in den Büros gerade einmal 20 Prozent. Dadurch wird das Ansteckungsrisiko signifikant erhöht. Ein gutes Raumklima hat aber nicht nur Einfluss auf die Gesundheit, sondern auch auf die Produktivität der Mitarbeiter. Dazu zählen frische Luft, die richtige Luftfeuchtigkeit, ein geringer Lärmpegel und eine angenehme Temperatur.

Neues Kunden- und Verwaltungszentrum

BUWOG im ersten Bezirk Nach insgesamt rund 25 Monaten Bauzeit und wenigen Wochen Verzögerung konnten die ersten Mitarbeiter der BUWOG unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften Anfang Juni das neue Kunden- und Verwaltungszentrum in der Rathausstraße 1 im ersten Wiener Gemeindebezirk beziehen. Das Gebäude am Standort des ehemaligen Rechenzentrums der Stadt Wien wurde von der ARGE Schuberth und Schuberth/Stadler Prenn/Ostertag entworfen und bietet neue Arbeitsplätze für rund 280 Mitarbeiter. Der zentrale Standort symbolisiert zudem den Erfolg des Wohnbauunternehmens, so Daniel Riedl, Vorstandsmitglied der Vonovia SE.

Schnell zur effizienten Lichtlösung: mit TwinCAT 3 Lighting Solution www.beckhoff.at/lighting-solution Mit TwinCAT 3 Lighting Solution stellt Beckhoff eine über Excel konfigurierbare Lichtlösung vor, die vom Engineering bis zur Wartung auf die Vereinfachung aller Arbeitsschritte setzt. Alle typischen Lichtregelungen sind integriert, die Anzahl der DALI-Linien ist unbegrenzt. TwinCAT 3 Lighting Solution ist voll HTML- und webfähig, dezentral skalierbar sowie direkt über Panel bedienbar. Schnelle Funktionsänderungen, Adressierungen und Erweiterungen sind direkt im Betrieb möglich, ebenso wie von DALI-Linien unabhängige Gruppierungen.

Für individuelle Lichtsteuerungen: 7-Zoll-Multitouch-Panel, Buskoppler, I/Os und TwinCAT 3 Lighting Solution.

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Unternehmen & Projekte

Innenausbau im HoHo Wien

Auf Hochtouren Trotz erschwerter Bedingungen durch COVID-19 läuft der Innenausbau im HoHo Wien auf Hochtouren. Nach und nach werden die Geschoße an die Mieter übergeben. Logistiker Kardex, Hörakustiker Neuroth und die Galerie Schaudium haben bereits eröffnet, die Bäckerei Ströck folgte Ende Juni. Auch der Hotelausbau verläuft wie geplant. Die ausgebauten Stockwerke werden innerhalb der Frist an das Dormero HoHo Hotel zur endgültigen Fertigstellung übergeben. Die Eröffnung des Hotels sowie des Restaurants ist für Herbst 2020 geplant. Im Sommer beziehen Kerbler, cetus Baudevelopment und Vienna Estate Immobilien zwei Geschoße. Im dritten und vierten Obergeschoß eröffneten kürzlich auf rund 1.800 Quadratmetern HoHo Health und HoHo Beauty. Ab Mitte Juli 2020 ist der im Eigentum der Stadt Wien befindliche Vorplatz des HoHo Wien als Eingang zum Seeparkquartier geöffnet. So wird der Zugang zu den Geschäften und Mietern vereinfacht.

Apleona und Generali managen Immobilienportfolio

Joint-Venture-Unternehmen Künftig managen Apleona Real Estate Management und Generali Real Estate die Anlageimmobilien der Generali Österreich gemeinsam. Zu diesem Zweck wurde eine Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures mit dem Namen Apleona Real Estate Management geschlossen. Das Joint Venture ist als langfristige Partnerschaft angelegt und wird exklusiv mit dem Property Management für das Portfolio der Generali Österreich beauftragt. Dieses

umfasst eine Vielzahl von direkt gehaltenen Immobilien unterschiedlicher Asset-Typen – von Handel und Büro über Wohnungen bis hin zu Mischnutzungen – mit einer Nutzfläche von insgesamt fast 460.000 Quadratmetern. Der Großteil davon befindet sich in Wien, hauptsächlich in zentraler Innenstadtlage. Der Rest verteilt sich auf andere österreichische Ballungszentren wie Salzburg, Graz, Innsbruck, Bregenz und St. Pölten.

Wien Kanal mit neuer Unternehmenszentrale in Liesing

Österreichs größter Kanalnetzbetreiber übersiedelt 2022 seine Unternehmenszentral von dem dritten in den 23. Wiener Gemeindebezirk. Errichtet wird die Zentrale auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage Blumental. Rund 240 Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz am neuen Standort haben. Gerade beim Einsatz der Wärmegewinnung aus dem Abwasser sind die Wiener Kanalprofis Vorreiter. Schon im Sommer 2006 wurde für den Betriebsstandort der österreichweit erste Kanalwärmetauscher im öffentlichen Abwassernetz in Betrieb genommen. Für den Neubau wurde die bestehende Anlage nun erweitert. Über einen 90 Meter langen Wärmetauscher im Kanal in der Großmarktstraße wird

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ImmoFokus

Energie in Form von Wärme oder Kälte entzogen, um das Gebäude im Sommer zu kühlen und im Winter zu heizen. Eine Photovoltaikanlage wurde bereits in Kooperation mit Wien Energie auf einem bestehenden Werkstattgebäude errichtet und produziert jährlich bis zu 150.000 Kilowattstunden Strom. Das entspricht dem Verbrauch von ca. 40 Zweipersonenhaushalten. Zusätzlich tragen ein ver­ stellbarer Sonnenschutz und wärme­ gedämmte Außenwände zur Senkung des Primärenergiebedarfs bei. Die Heizung und Kühlung des Gebäudes erfolgt mittels Betonteilaktivierung. In Summe sollen bis zu 100.000 Euro Energiekosten pro Jahr gespart werden, so der Direktor Andreas Ilmer.

Fotos: k18, Lea Titz, Markus Guschelbauer, ZOOMVP, Romana Hoffmann

Vorreiter bei Energie aus Abwasser


Kurz & Bündig > Immobilienmanagement

Neues Stadtquartier für Verwaltung

Standtortwechsel Unter dem Arbeitstitel „Bauteil IV“ entsteht in der Donaustadt das achtstöckige, rund 4.500 Quadratmeter große Haus im Stadtentwicklungsgebiet Vienna Twentytwo. Pünktlich zum Start des Hochbaus wurde der Mietvertrag zwischen Bau- und Gebäudemanagement der Stadt Wien und Projektentwickler Signa/ARE für ein Bürogebäude im Quartier Vienna Twentytwo durch den Wiener Gemeinderat genehmigt. Der 32 Meter hohe Bürokomplex aus sechs Bauteilen und einer Erdgeschoßzone ist Teil des modernen, von Delugan Meissl Associated Architects geplanten Ensembles an einem zentralen Knotenpunkt im Norden Wiens. Es verfügt über einen breiten Nutzungsmix aus Wohnen, Büro, Hotel, Gastronomie und bedarfsorientierter Nahversorgung. Das Projekt, das gegenüber dem Donau Zentrum und dem Donau Plex sowie der Erste Bank Arena liegt, weist eine Gesamtgrundfläche von 15.000 Quadratmetern auf. Nach der Gesamtfertigstellung im Jahr 2023 werden die Baukörper eine Höhe von 27 bis 155 Metern erreichen. Die Fertigstellung des „Bauteil IV“ ist für 2022 geplant.

Deutscher Immobilieninvestor DEKA kauft

Soravia verkauft Austro Tower Der Verkauf des Austro Towers erfolgte im Zuge eines Forward Purchase Deals zwischen DEKA Immobilien Investment – zusammen mit einem Konsortium aus deutschen institutionellen Investoren – und der Soravia. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bis zur ge­ planten Fertigstellung im vierten Quartal 2021 bleibt der 136 Meter hohe Turm am Standort Schnirchgasse 17 im dritten Wiener Gemeindebezirk im Eigentum der Soravia. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung wird das Gebäude bereits vollvermietet sein. Allein 85 Prozent der 28.000 Quadratmeter Bürofläche werden von der Flugsicherungsbehörde Austro Control und dem Autobahnbetreiber Asfinag bezogen. Die restlichen Flächen plant

Soravia selbst zu beziehen und als neue Unternehmenszentrale zu nutzen. Aber nicht nur langfristige Mieter machen den Austro Tower als Investment attraktiv: Gebaut wurde der Tower nach höchsten ökologischen Standards. Erklärtes Ziel ist es, dank innovativer Planung sowohl beim LEED-Standard als auch bei der ÖGNIZertifizierung jeweils Platin-Zertifikate zu erhalten. Zudem befindet sich der Austro Tower direkt am Donaukanal, umgeben von den Wohntürmen TrIIIple und dem Business District TownTown. Rechtlich wurde die Transaktion von SCWP Schindhelm sowie Wolf Theiss Rechts­ anwälte geleitet. Steuerlich wurde Soravia von der BDO und DEKA von der TPA Steuerberatung betreut.

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Top Deal imFokus

Family Business Kapitalerhöhung. Der Dealmaker Ronny Pecik hat zugeschlagen. Autor: Michael Neubauer

Factbox RONNY PECIK CEO IMMOFINANZ Bestellt ab 04.05.2020 bis 03.05.2023 Ronny Pecik ist seit Mai 2020 CEO der Immofinanz und zeichnet verantwortlich für die Bereiche Group M&A and Capital Markets, Group Transactions, Group Development Office, Group Investors Relations und Group Corporate Legal Affairs. Pecik verfügt über eine langjährige Erfahrung auf Unternehmens-, Banken- und Kapitalmarktseite und hatte in seiner bisherigen Laufbahn zahlreiche Vorstands- und Aufsichtsratspositionen inne.

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ImmoFokus

lichen Beteiligung an der Immofinanz bestehende „starke unternehmerische Verantwortung“ an.

Der CEO als Kernaktionär Das Besondere ist, dass Pecik mit einem Anteil von 10,7 Prozent Kernaktionär der Immofinanz ist, aber auch 14,2 Prozent an der S Immo hält. Auch zwischen den Gesellschaften gibt es Verflechtungen. So hält die s Immo 12 Prozent an der Immofinanz, diese wiederum 29 Prozent an der s Immo. Dass Pecik als Befürworter einer Konsolidierung gilt, ist daher alles andere als ein Geheimnis. „Mit der Bestellung Peciks zum CEO ist eine Fusion mit der S Immo wieder etwas in den Vordergrund gerückt“, bringt es Wolfgang Matejka, Geschäftsführender Gesellschafter Matejka & Partner Asset Management, auf den Punkt.

Interessenskonflikt Schon bei der Bestellung machten Juristen „unter Umständen“ einen Interessenskonflikt aus. Pecik sei ja an beiden Aktiengesellschaften beteiligt und darüber hinaus auch noch CEO der Immofinanz. In dieser Funktion sei er dem Wohl des Unternehmens verpflichtet – so wie im Übrigen auch die beiden anderen Vorstände und der gesamte Aufsichtsrat. Ein Merger müsse aber auch durch beide Hauptversammlungen abgesegnet werden und da würden auch die Free-Float-Aktionäre (limitiert) mitsprechen. In den Verhandlungen sei Peciks Rolle hingegen nicht eingeschränkt. Formal sei er ja nur CEO bei der Immofinanz, die er auch vertritt. Dass er auch Aktien an der S Immo halte, sei vorrangig nicht relevant. Von die-

sem Faktum dürfe er sich jedenfalls nicht beeinflussen lassen. In operativer Hinsicht haben jedenfalls die meisten Beobachter keine Bedenken bezüglich der Bestellung Peciks zum CEO. „Er ist sehr gut darin, Leute zusammenzubringen beziehungsweise Trades zu machen“, so Matejka. Keiner erwarte von ihm, dass er Immobilien im operativen Geschäft besser managt oder etwa bei den Bewertungen mehr rausholt. „Dafür hat er ja genug Spezialisten in den Unternehmen selbst“, so Matejka. Er glaube allerdings, dass der CEO in etwaigen Fusionsverhandlungen aufpasse werde, sich nicht zu stark direkt einzubringen, um Interessenskonflikte zu vermeiden. Ein solcher Trade ist ihm nun gelungen. „Nur sechs Stunden nach Bekanntgabe der Kapitalerhöhung wurden in einer nächtlichen Ho-Ruck-Aktion von der Immofinanz 15,4 Millionen Aktien zum Schnäppchenpreis von 15,31 Euro (innerer Wert beziehungsweise Buchwert je Aktie 30 Euro) unter Umgehung des Streubesitzes an Ronny Pecik und institutionelle Anleger platziert“, kritisiert Wilhelm Rasinger vom IVA Interessenverband für Anleger.

Signifikante Verwässerung Die Konsequenz ist eine signifikante Verwässerung für den Streubesitz von fast drei Euro je Aktie (unter Berücksichtigung der gleichzeitig begebenen Wandelanleihe). Da die Aktien sogar rückwirkend bereits ab 1.1.2019 dividendenberechtigt sind, wird durch die Erhöhung der Stückzahl die mögliche Dividende 2019 massiv geschmälert. Was Rasinger besonders aufstößt: „Ein wesentlicher Teil der jetzt platzierten Aktien wurde 2019

Foto: immofinanz

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ass Ronny Pecik Immofinanz CEO Oliver Schumy als Immofinanz CEO ablösen wird, hatten wohl nur wenige Marktteilnehmer auf ihrem Radar. Pecik wurde für drei Jahre zum Vorstandsvorsitzenden bestellt – seine Mandat läuft vorläufig bis Anfang Mai 2023. Die Begründung für seine Bestellung liefert der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Knap in einer Adhoc-Meldung: „Ronny Pecik ist eine führende Unternehmenspersönlichkeit und stellt aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in Vorstands- und Aufsichtsratspositionen eine besondere Verstärkung des Vorstands in herausfordernden Zeiten wie diesen dar.“ Knap sprach dabei auch die aufgrund seiner wesent-


„Mit der Bestellung Peciks zum CEO ist eine Fusion mit der S Immo wieder etwas in den Vordergrund gerückt.“ Wolfgang Matejka, Matejka & Partner Asset Management

zu einem Durchschnittskurs von 22,54 Euro von der Immofinanz am Markt rückgekauft.“ Auch von der gleichzeitig emittierten PflichtWandelanleihe zu sehr attraktiven Bedingungen (4 Prozent Jahreskupon, 3 Jahre Laufzeit, Wandlung in 7 Millionen Aktien zu 17,15

Euro) wurde der Streubesitz ausgeschlossen. Diese beiden Kapitalmaßnahmen erfolgen aus Sicht des IVA zur Unzeit, die Begründung ist sehr allgemein gehalten und nicht nachvollziehbar. Der Bericht zum 1.Quartal 2020 – veröffentlicht am 27. Mai 2020 - betont die

hohe Liquidität von 312,5 Millionen Euro und die robuste Bilanzstruktur mit einer starken Eigenkapitalquote von 45,9 Prozent. Mit dieser Kapitalerhöhung konnten Ronny Pecik und seine Co-Investoren ihren teuren Einstiegspreis (29,50 Euro pro Aktie von der Fries-Gruppe) zu Lasten des Streubesitzes jedenfalls spürbar heruntermischen. Der Kursverlust der Immofinanzaktie, bedingt durch die COVID-19-Pandemie, hat es – nicht nur bei der Immofinanz - in sich. Am Höhepunkt der Krise war eine Immofinanz-Aktie nur mehr schlappe 12,72 Euro wert – hatte also um stolze 56,88 Prozent nachgegeben. So hält sich nachhaltig das Gerücht, Pecik sei nicht ganz freiwillig als CEO am Wienerberg eingerückt. Vielmehr hätten ihn seine Co-Investoren gedrängt, den Job zu übernehmen, um die Suppe auszulöffeln, die er ihnen   eingebrockt hat.

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Aufsteiger Absteiger

International unterwegs Heimgekehrt. Georg Stadlhofer brachte die Reality Consult in die Drees & Sommer Gruppe ein und schaffte damit nach vielen Jahren im Ausland den Sprung nach Österreich zurück. Als Geschäftsführer ist er heute für das Real Estate Consulting zuständig.

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1 1999 Georg Stadlhofer entschied sich mit der Fachhochschule Facility Management in Kufstein für eine Ausbildung aus Wirtschaft und Technik, die er 2003 mit dem Dipl.Ing. (FH) abschloss.

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4 2009 An der Henley University of Reading erwarb Stadlhofer 2009 nach drei Jahren Studium den Titel MSc Real Estate Investment & Finance.

6 2016

2 2003

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Nach dem Studium erfolgte der Sprung in die Karriere als verantwortlicher Facility Manager für das internationale Headquarter von Sandoz (Novartis) mit damaligem Sitz in Wien.

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1

7 2019

2 5 2010 3 2006 Als Senior Consultant und internationaler Program Manager war er vier Jahre lang in der Managementberatung im Immobilien- und Facility Management für die Reality Consult in Wien tätig.

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ImmoFokus

Mit dem Reality Consult-Gründer Peter Prischl brachte Stadlhofer das Unternehmen in die Drees & Sommer ein. Für zwei Jahre zeichnete als Senior Projektpartner und Mitglied der Geschäftsleitung für die Beratungsprojekte im Immobilien- und Facility Management verantwortlich.

Im Jänner wechselte Stadlhofer zur Reality Consult nach Frankfurt am Main und hatte als Consulting Manager und Partner die Endverantwortung für mehr als 50 große Beratungsprojekte im Immobilien- und Facility Management.

Stadlhofer avancierte zum Geschäftsführer von Drees & Sommer.


Immobilie im Fokus

Wohnen im Container Aus Alt mach Neu. In nur wenigen Tagen Bauzeit werden aus ausrangierten Frachtboxen in Deutschland Microhäuser hergestellt. Geliefert werden sie vollständig ausgestattet und anschlussfertig.

A

cht Jahre Forschung und ein ausgeklügelter Nachhaltigkeitsansatz stecken in den neuen Containermodulen der Firma Containerwerk. Das Unternehmen hat die Micro­ häuser mit einem patentierten HochleistungsDämmverfahren ausgestattet, die Serienfertigung erfolgt im deutschen Produktionswerk und eine detailgenaue Vorfertigung ist Teil des Konzepts.

Patentierte Isolierung

Foto: Containerwerk

Dank der automatisierten High-Tech-Isolierung beträgt der Wandaufbau nur rund zehn Zentimeter und ermöglicht dadurch mehr Wohnraum als herkömmlich ausgebaute Container. „Das Verfahren, an dem wir lange gefeilt haben, ist eine einzigartige Technologie für monolithische, also wärmebrückenfreie, und kompakte Volldämmungen aus einem Guss“, erklärt Michael Haiser, Geschäftsführer von Containerwerk. „Tausende bezugsfertige Module können so jährlich entstehen. In nur

zwei Stunden sind sie mit der schlanken HighTech-Dämmung samt Schallentkopplung und thermisch bewehrtem Fußbodenaufbau bereit für die Innenausstattung.“ Gefertigt werden die Wohneinheiten in nur wenigen Tagen, die Aufbauzeit vor Ort konnte durch den hohen Vorfertigungsgrad auf vier bis fünf Tage reduziert werden. Im finalen Bauschritt werden nur noch Dächer und die Fassadenverkleidungen hinzugefügt. Der Baugrund wird vorab mit Streifenfundamenten und Anschlüssen ausgerüstet. Damit wird der Boden nicht versiegelt, die Wohneinheiten können vollständig rückgebaut werden.

Nachhaltigkeit als Konzept Auf 26 Quadratmetern bietet jede Privateinheit eine voll ausgestattete Küchenzeile, eine private Terrasse, einen separaten Eingang, einen lichtdurchfluteten Ess- und Arbeitsbereich für bis zu vier Personen und einen PKWStellplatz direkt vor der Tür. Dazu kommt das

Gefühl, wie im eigenen Haus zu wohnen. Mit vorgehängten Fassaden aus unbehandeltem und regionalem Holz wird ästhetisch eine ­Brücke zwischen der umgebenden Natur und der coolen Optik geschaffen.

Variable Zusammenstellung Aus den gebrauchten Frachtboxen entsteht einerseits etwas Neues, andererseits auch gleichzeitig etwas ökologisch Sinnvolles. Die ausrangierten Container werden recycelt, ihr Innenleben ist umweltverträglich ausgestattet, die geschaffenen Microhäuser kostensicher und effizient. Die einzelnen Container k ­ önnen durch ihr geringes Eigengewicht variabel ge­stapelt werden und zu individuellen Komplexen zusammengesetzt werden. Hell und sympathisch machen die Containerhäuschen die charakteristisch deckenhohen Fensterelemente in den Stirnfronten, aus denen man einen freien Blick genießt. So lässt es sich urban und standortflexibel wohnen.

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Problemlöser ImFokus

Firmengründer GBuilder

Harri Majala

1. DAS PROBLEM

In der Verkaufs- und Bemusterungsphase müssen sich Kunden oft basierend auf nichtssagenden ­Beispielbildern oder eindimensionalen Grundrissen für Material- und Ausstattungsoptionen ­entscheiden. Für Projektentwickler und Ausführende fallen dabei mühsame Material- und Mengenkalkulationen, die Erstellung von Raumbüchern und Verträgen, sowie zeitintensive Abstimmungsprozesse an. 2. DIE LÖSUNG

© GBuilder

Die finnische Software GBuilder verwandelt CADDateien in interaktive 3D-Modelle in hoher Auflösung und ermöglicht den Kunden das digitale und interaktive Besichtigen, Bemustern und Möblieren im exakten 3D-Modell. In Echtzeit können das Aussehen sowie die Kosten von verschiedenen Material- und Ausstattungsoptionen verglichen und unterschiedliche Möblierungen ausprobiert werden. Das System funktioniert auf jedem gängigen Gerät mit Internetverbindung. Wohnungen und Häuser können so samt Ausstattungsangebot in hoher Detailtreue und unabhängig vom Baufortschritt präsentiert werden. Sonderwünsche werden sofort vom System transparent angegeben und kalkuliert, der für Projektentwickler oft sehr individuelle Freigabeprozess mit verschiedenen Partnern und Ausführenden wird vom Tool unterstützt. Zusätzlich können auch Mängel mit dem GBuilder verwaltet werden. Durch die Automatisierung von Datenverwaltung und Abläufen werden signifikant Kosten und Zeit gespart, Fehler vermieden und der Gewinn bei Ausstattungs- und Materialauswahl gesteigert.

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ImmoFokus

2020 DIE ZAHL GBuilder wurde vom Bauunternehmer Harri Majala 2012 in Finnland entwickelt. Mit dem Einsatz bei großen skandinavischen Projektenwicklern wie Skanska, Bonava und YIT wagt sich das Unternehmen in weitere Märkte vor und möchte in England, Tschechien und der Slowakei Marktanteile gewinnen. 2020 gehen erste Projekte in Österreich und Deutschland an den Start.


Advertorial

Judikatur-Update aus dem Immobilien-Bereich Beratung. Die BDO Immobilienexperten verschaffen einen Überblick über wesentliche aktuelle Rechtsprechung im Immobilien-Bereich. Autor: Marlies Muck, Msc

Mieter- oder Vermieterwechsel – neues Mietverhältnis? (VwGH 3.4.2019, Ro 2018/15/0012; BFG 6.5.2019, RV/7101631/2016) Bei vor dem 1.9.2012 begonnenen Mietverträgen („Altmietvertrag“) von Geschäftsräumlichkeiten durfte der Vermieter unabhängig von der Vorsteuerabzugsberechtigung des Mieters zur Umsatzsteuerpflicht optieren. Diese Option bleibt für die gesamte (Rest-) Laufzeit des Mietvertrages aufrecht. Mit dem 1. Stabilitätsgesetz 2012 (1. StabG) wurde die Optionsmöglichkeit eingeschränkt. Bei nach dem 1.9.2012 begonnenen Mietverhältnissen steht die Option nur zu, wenn der Mieter fast ausschließlich (zu mindestens 95%) steuerpflichtige Umsätze tätigt, die ihn zum Vorsteuerabzug berechtigen. Nach Ansicht der Finanzverwaltung begründet ein Wechsel auf Mieter- oder Vermieterseite für Umsatzsteuerzwecke ein neues Mietverhältnis. Folglich kommt es zur Anwendung der Neubestimmung i.d.F. 1. StabG 2012 und Einschränkung der Optionsmöglichkeit zur Umsatzsteuerpflicht. Gemäß jüngster Judikatur ist auf den tatsächlichen Beginn des Mietverhältnis-

Factbox MARLIES MUCK, MSC STEUERBERATERIN / MANAGERIN Foto: BDO

Telefon +43 1 537 37 marlies.muck@bdo.at

ses und nicht auf die Vertragsparteien (Unternehmer­identität) abzustellen. Der VwGH hat im Fall der Verschmelzung im Wege der Gesamtrechtsnachfolge die Begründung eines neuen Mietverhältnisses versagt. Die Eigenschaft als Altmietvertrag bleibt aufrecht, sodass die umsatzsteuerpflichtige Vermietung fortgeführt werden kann. Unter Verweis auf die Rechtsprechung des VwGH ließ das BFG die Optionsmöglichkeit auch beim Kauf einer Liegenschaft (i.F.d. Einzelrechtsnachfolge – Asset Deal) zu. Dem Vermieter steht somit weiterhin die Option in die Steuerpflicht und ein Vorsteuerabzug zu – unabhängig von der Vorsteuerabzugsberechtigung des Mieters. Gegen das Erkenntnis des BFG wurde Amtsrevision eingebracht. Es bleibt vorerst abzuwarten, wie die höchstgerichtliche Entscheidung im Falle von Asset Deals ausfallen wird.

Hauptwohnsitzbefreiung (BFG 29.08.2019, RV/5100949/2019) Die Hauptwohnsitzbefreiung, nach der die Einkünfte aus der Veräußerung von Eigenheimen oder Eigentumswohnungen steuerfrei sind, knüpft an den Hauptwohnsitz des Steuerpflichtigen und daran an, dass dieser aufgegeben wird. Die Anwendbarkeit der Hauptwohnsitzbefreiung setzt einen durchgehenden Hauptwohnsitz von zwei Jahren vor der Veräußerung (1. Tatbestand) oder von fünf Jahren innerhalb der letzten zehn Jahre vor der Veräußerung (2. Tatbestand) voraus. Nach Ansicht der Finanzverwaltung muss für die Anwendbarkeit des 1. Tatbestandes die Veräußerung innerhalb einer Toleranzfrist

Marlies Muck, Msc Steuerberaterin/Managerin

von maximal einem Jahr nach Aufgabe des Hauptwohnsitzes erfolgen (EStR Rz 6632, 6641, 6643). Das Gesetz enthält keine derartige Frist. Das BFG fordert in erster Linie einen sachlichen (keinen zeitlichen) Zusammenhang zwischen Veräußerung der Liegenschaft und Aufgabe des Hauptwohnsitzes sowie die Abstellung auf den Einzelfall. Aufgrund der glaubhaften Versuche zum nachdrücklichen Verkauf über Online-Plattform, Bekanntenkreis, Immobilienmakler und unbeeinflussbarer Umstände besteht am sachlichen Zusammenhang kein Zweifel. Die Hauptwohnsitzbefreiung steht nach der Erkenntnis des BFG zu – entgegen der Meinung der Finanzverwaltung, da die Veräußerung erst nach 21 Monaten erfolgte. Wie sich zeigt, bietet der Immobiliensektor auch weiterhin zahlreiche Fallstricke, bei denen Ihnen die BDO-Experten gerne beratend zur Seite stehen. Zudem sind die weiteren Entwicklungen i.Z.m. der Steuergesetzgebung der neuen Bundesregierung laufend zu beobachten und zu evaluieren.

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Positionen & Meinungen 56

COVERINTERVIEW

„Generell investieren wir in großvolumige Projekte mit deutlichem UpsidePotenzial", erklärt SIGNA Prime CEO Christoph Stadlhuber mit Blick auf eine stete Wertschöpfung. Am liebsten jedoch entwickelt er ganze Stadtteile.

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ImmoFokus

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DIGITALISIERUNGSNOTSTAND Innovationsaushängeschild Florian Gschwandtner im Interview über Ideenfindung, Apps, Innovationen und Erfolg. Er bringt auf den Punkt, wo im Bereich Proptech noch Geld zu holen ist und warum Österreich bei Innovationen immer noch hinterherhinkt.

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ZU TISCH MIT ... Rechtsanwalt Alexander Grohmann bezeichnet sich selbst als Königsmacher. Schließlich hat er so mancher Karriere den entscheidenden Anstoß gegeben. Im Gespräch mit Michael Neubauer erzählt er von vielen Arbeitsstunden und schneller Selbstständigkeit, lässt aber auch die Sorge durchklingen, dass der nachfolgenden Generation "das Arbeiten" abhanden gekommen ist .


PPP und Kooperationsmodelle — Wege zur lebenszyklusorientierten Immobilie Public Private Partnerships (PPP) sind verrufen — das ist paradox, zumal viele realisierte Projekte Erfolgsgeschichten sind

Auch in Österreich sind bereits einige Projekte als Kooperationen zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft umgesetzt worden. Erfolgreiche Beispiele dafür sind die Neubauprojekte aus dem Bildungseinrichtungen-Neubauprogramm (BIENE) der Stadt Wien, das insgesamt 21 Bildungseinrichtungen (davon 18 Bildungscampus-Standorte) als PPP beinhaltet. Jene Standorte, die bereits in Betrieb sind, zeichnen sich durch hohe Nutzerzufriedenheit aus und bestätigen den Ansatz der Auftraggeberin, Leistungen, die nicht in ihrem Kernaufgabenbereich liegen oder bei denen die vorhandenen Managementkapazitäten in quantitativer Hinsicht nicht ausreichen, einem Spezialisten zu überlassen. Auf diese Weise können durch Effizienzgewinne Kosten gespart werden. Aus rechtlicher Sicht lassen sich PPP- und Kooperationsmodelle im mittleren Spektrum zwischen der Privatisierung von Einzelaufgaben (Outsourcing bzw. Contracting-out) und einer materiellen Privatisierung, d. h. der Überlassung ganzer Aufgaben- bzw. Geschäftsbereiche, einordnen. Die nachhaltige, langfristige Zusammenarbeit zwischen interdisziplinären Partnern kann in vielerlei Hinsicht wirtschaftlich sinnvoll sein. Nicht zuletzt spielt der Lebenszyklusansatz bei Zusammenschlüssen in Kooperationsmodellen eine wichtige Rolle. Die Lebenszyklusorientierung bei Bauprojekten bedeutet eine phasenübergreifende Optimierung von Planung, Bau und Betrieb. Besonders in Zeiten des Klimawandels ist die Fokussierung auf langfristigen Erhalt und Ressourcenschonung unumgänglich. Auch rückt die Erkenntnis, dass die Betriebsphase der größte Kostentreiber ist, immer mehr in das Bewusstsein der Bauherren. Gebäude verursachen zudem auch nicht quantifizierbare Umweltkosten, die Teil der Klimadebatte sein sollten und es zukünftig wohl auch sein werden, da fast ein Drittel aller CO2-Emissionen und etwa die Hälfte des Energieverbrauches auf den Immobiliensektor zurückzuführen sind.

Bei PPP-Modellen ist die Aufgabe des wertschöpfungsstufenübergreifenden Managements grundsätzlich dem privaten Partner zugeordnet. Die öffentliche Hand vergibt einen phasenübergreifenden Dienstleistungsauftrag mit üblichen Laufzeiten zwischen 20 und 30 Jahren auf Basis einer outputspezifischen Leistungsbeschreibung. Dieser Ansatz schafft für den privaten Partner Anreize, bereits in der Planungsbzw. Bauphase Investitionen zu tätigen, die zu einer Minimierung der Lebenszykluskosten führen können und es ihm über die Vertragslaufzeit erleichtern, das Gebäude effizient in dem definierten Soll-Zustand zu halten, an den seine Vergütung gebunden ist. Die Qualitätssteigerung bei PPP-Projekten lässt sich auch darauf zurückführen, dass die übliche Gewährleistungsfrist für Mängel des Bauunternehmens nicht zutrifft. Projektrisiken werden im Kooperationsmodell jeweils dem Partner zugewiesen, der sie am besten beherrschen kann. Somit entsteht für den privaten Partner, der nach den Regelungen des ESVG (Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung) auch wirtschaftlicher Eigentümer ist, ein wesentlich höherer Anreiz, nachhaltig und wartungsarm zu bauen. Im allgemeinen Verständnis steht PPP für verschiedene Varianten der Kooperation zwischen Privatunternehmen und der öffentlichen Hand, denen ein langfristiger Vertrag zugrunde liegt. Dieser wird für verschiedene Kombinationen aus Service-, Bau- und Finanzierungsleistungen geschlossen und mit Mitteln aus dem öffentlichen Budget abgegolten. Grundsätzlich wird zwischen institutionellen und vertraglichen PPP unterschieden. Im Unterschied zum Outsourcing oder Contracting-out wird beim PPP durch die öffentliche Hand nicht nur die reine Ausführungsleistung bestellt, sondern es werden Aufgaben mit einem Partner geteilt sowie Know-how und Ressourcen langfristig und kooperativ in die Leistungserbringungen eingebunden. Dieser

Lebenszyklusansatz kann zu Qualitätssteigerungen führen und bietet für beide Vertragspartner Chancen und Lösungen für viele Herausforderungen im öffentlichen Bereich. Quellen:

Röber M. (2018): Public Private Partnerships (PPP), in: Voigt R. (Hrsg.): Handbuch Staat, Springer VS, Wiesbaden

Beckers, Wagemann, Klatt (2013): Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen bei PPP-Vorhaben: Herausforderungen und Lösungsoptionen, in: Reichard/Schröter (Hrsg.): Zur Organisation öffentlicher Aufgaben: Effizienz, Effektivität und Legitimität, Verlag Barbara Budrich

Ihr EY-Real-Estate-Team beantwortet gerne Ihre Fragen und freut sich auf den persönlichen Kontakt mit Ihnen. Bianca-Daniela Ion Manager, Transaction Real Estate T: +43 1 21170 1651 E: bianca.ion@at.ey.com Elisabeth Rauter Senior Manager, Bauingenieurin und Architektin, Transaction Real Estate T: +43 1 21170 1517 E: elisabeth.rauter@at.ey.com Réne Mayer Rechtsanwalt, EY Law* T: +43 1 26095 2146 E: rene.mayer@eylaw.at *EY Law — Pelzmann Gall Größ Rechtsanwälte GmbH

Stephan Hofmann Geschäftsführer, EY Law* T: +43 1 26095 2135 E: stephan.hofmann@eylaw.at *EY Law — Pelzmann Gall Größ Rechtsanwälte GmbH

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Positionen & Meinungen

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ImmoFokus


Der Quartiersentwickler Lagen selbst schaffen. „Als Raumplaner schlägt mein Herz für die Entwicklung ganzer Stadtteile“, betont SIGNA Prime CEO Christoph Stadlhuber im großen ImmoFokus Interview. Den Trend zum HomeOffice sieht er hingegen kritisch: „Dauerhaft am Küchentisch zu sitzen, ist nicht gesund.“

Fotos: Michael Hetzmannseder

Das Gespräch führte: Michael Neubauer

Wie beurteilen Sie derzeit den österreichischen Immobilienmarkt angesichts der COVID-19-Pandemie? Christop Stadlhuber: Im Wesentlichen werden Trends verstärkt, die bereits vorher vorhanden waren. Die Pandemie wirkt eher beschleunigend als disruptiv. Wir werden also – vielen aktuellen Prognosen zum Trotz – auch weiterhin Büros brauchen. Vielleicht sogar aufgrund des notwendigen Abstandes mehr, aber jedenfalls höchst flexibel nutzbare Flächen. Diese Entwicklung gab es aber schon lange vor Corona. Im stationären Handel und in der Stadthotellerie ist es derzeit zugegeben schwierig, wobei wir davon überzeugt sind, dass sich der stationäre Handel in den A-Lagen rasch wieder erholen wird. Wir reden hier aber von wenigen Monaten oder Quartalen – wobei die große Unbekannte in der Dauer der Einschränkungen liegt. Generell wird an der Assetklasse Immobilie jedenfalls auch in Zukunft kein Weg vorbeigehen. Im Gegenteil, der Anlagedruck steigt. Die langfristige, auf Sicherheit ausgerichtete Strategie von Pensionskassen oder Versicherungen treibt solche Investoren weiter in die Immobilie. Die D-A-CH-Region ist im Vergleich zu Großbri-

tannien, Italien oder Spanien im Moment auch ein krisensicheres Gebiet. Darüber hinaus werden die Staaten investieren müssen, um die Konjunktur anzukurbeln. Die Infrastruktur – auch der Hochbau – ist dabei traditionell ein Schwerpunkt all dieser Programme. Ihren Ausführungen zuvor entnehme ich, Sie glauben nicht an die strahlende Zukunft von Home-Office? Da bin ich zugegeben sehr skeptisch. Wir leben immer stärker von Kommunikation, Transparenz und vom raschen Wissensaustausch im Unternehmen. Das geht hauptsächlich über die direkte, physische Kommunikation. Home-Office ist dort möglich, wo konzentriert, konzeptiv gearbeitet, oder einfach Dinge abgearbeitet werden müssen. Das aber auch nur dann, wenn die entsprechenden Räumlichkeiten und damit vollwertige Arbeitsplätze zu Hause verfügbar sind. Dauerhaft am Küchentisch zu sitzen, ist nicht gesund. Abgesehen von der Frage, die derzeit noch gar nicht diskutiert wird, wer Infrastruktur und Ausstattung bezahlt. Sind wir ehrlich, Home-Office ist vor allem montags und freitags stark nachgefragt.

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Positionen & Meinungen

„In der SIGNA Development verfolgen wir im Wesentlichen eine „BuyDevelop-Sell“Strategie.“

Stellt sich die Frage, warum? Der Diskussion, ob wir in Zukunft überhaupt noch Büros brauchen, halte ich Fakten entgegen. Wir haben seit dem Lockdown Mitte März Mietverträge über insgesamt mehr als 7.000 Quadratmeter Bürofläche im The Icon Vienna unterschrieben. Darunter sind beispielsweise der Softwareentwickler Netcetera, die Unternehmensberatung BearingPoint oder das internationale biopharmazeutische Unternehmen MSD. Ich bin daher überzeugt, flexible, moderne Büros, die unterschiedliche Formen des zukünftigen Arbeitens ermöglichen, bleiben auch in Zeiten nach Corona gefragt. Auch die Entwicklung des Wohnens wird derzeit intensiv diskutiert … Ich sehe als Ursache der Veränderung aber weniger Corona, als vielmehr soziodemo-

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ImmoFokus

grafische Einflussfaktoren. Die Gesellschaft wird immer älter. Gleichzeitig haben wir beispielsweise in Wien über 40 Prozent Single-Haushalte. Das verändert das Thema Wohnen massiv. Kleinere Wohnungen sind nicht zuletzt auch deshalb stärker nachgefragt. Da gibt es zahlreiche Einflussfaktoren. Sogar das Thema Ernährung spielt eine immer größere Rolle. Wir haben bereits vor Jahren in Berlin einen Projektentwickler kennengelernt, der keine Küchen mehr baut. Wozu auch? Man braucht einen Geschirrspüler und der muss klein sein. Es braucht keinen Herd mehr, es reicht eine Aufwärmplatte und eine Mikrowelle, schließlich kocht Foodora – oder andere Anbieter. Ein mutiger Ansatz … Auch wir bauen bei größeren Projekten durchaus kleinere Wohnungen – bei weitem


Christoph Stadlhuber Nach Abschluss eines Studiums der Raumplanung und Raumordnung an der Technischen Universität Wien im Jahr 1994 und mehreren beruflichen Stationen, darunter auch einem Traineeprogramm der Industriellenvereinigung, wurde Christoph Stadlhuber zur Jahrtausendwende Kabinettchef des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit, Martin Bartenstein. Anfang 2003 erfolgte die Bestellung zum Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG).In seine Funktionsperiode fallen der Aufbau der Projektentwicklung mit privaten Partnern, die Entscheidung zum Neubau der Wirtschaftsuniversität Wien mit internationalen Stararchitekten oder die Konzeption der Seestadt Aspern. Stadlhuber hatte während seiner Zeit als BIG Geschäftsführer Aufsichtsratsmandate bei Wien 3420 Aspern Development AG, Bundessporteinrichtungen, oder der SIVBEG – Strategische Immobilien Verwertungs-, Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft, über die militärische Liegenschaften der Republik verkauft wurden. Im Mai 2011 wechselte Stadlhuber in die SIGNA Gruppe. Stadlhuber verantwortet als CEO der Unternehmen SIGNA Prime (Bestellung Dezember 2012) und SIGNA Development Selection (Bestellung 9/2016) ein Immobilienvermögen in der Höhe von mehreren Milliarden Euro. Die operative und strategische Führung der gesamten SIGNA Gruppe erfolgt durch das Executive Board (EB), in dem er seit Gründung des Gremiums im Jahr 2013 bis heute ständiges Mitglied ist.

keine Mikroapartments – und dann zieht man eine Etage mit Gemeinschaftsräumen ein. In den Parkapartments werden diese zum Beispiel gut angenommen. Da werden, wenn wir nicht gerade eine Pandemie haben, Partys gefeiert und am Mittwochabend trifft man sich, um die Champions-League zu schauen. In den Medien taucht die SIGNA oft als Investor auf. Welche Veranlagungsstrategie verfolgen Sie in Österreich? Generell investieren wir überwiegend in großvolumige Projekte mit deutlichem Upside-Potenzial, sowohl in klassische Projektentwicklungen als auch in die Repositionierung von Bestandsimmobilien. Also dort, wo wir entsprechende Möglichkeiten zur Wertschöpfung sehen. Das sind vor allem zentrale innerstädtische Lagen beziehungsweise Lagen mit sehr guter

Verkehrsinfrastruktur. Von der geografischen Aufteilung sind wir vor allem im Wiener Raum und den Landeshauptstädten Salzburg, Innsbruck, Linz und Graz aktiv. Der Unterschied zwischen der SIGNA Prime, quasi dem Flaggschiff der Gruppe, und der SIGNA Development ist, dass wir in der Prime das Portfolio kontinuierlich aufbauen und diese einzigartigen Lagen über Generationen im Bestand halten. In der Development Selection verfolgen wir im Wesentlichen eine Buy-Develop-Sell-Strategie. Beispiele für höchst erfolgreiche Entwicklungen sind der Austria Campus oder das The Icon Vienna. Wir haben sehr schlanke Strukturen und können rasch entscheiden. Tauchen am Immobilienmarkt Opportunitäten auf, können wir rasch zuschlagen. Ich bin mir sicher, wir sind eines der effizientesten Unternehmen der Immobilienbranche in

Mitteleuropa. Was wirklich Spaß macht, ist die Agilität, das unternehmerische Denken und Ticken unserer Mitarbeiter. Liegenschaften in guter Lage sind aber – zumindest in Wien – nur mehr schwer zu bekommen? An den Universitäten haben wir noch gelernt, dass die klassischen drei L – Lage, Lage, Lage – die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Immobilienentwicklung sind. Mit dem Goldenen Quartier in der Wiener Innenstadt haben wir bewiesen, dass man Lage auch schaffen kann, selbst wenn es mitunter lange dauert. Entscheidend ist, es geht. Daher setzen wir zunehmend auf Quartiersentwicklungen, um mit gemischten Nutzungen eigene Lagen zu schaffen – bestes Beispiel dafür ist Vienna Twentytwo. Hier errichten wir in der Donaustadt ein neues Stadtteilzentrum.

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Positionen & Meinungen

„Eine Quartiersentwicklung ist jedenfalls mit viel Ausdauer und einer klaren Vision verbunden.“

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ImmoFokus

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung des Goldenen Quartiers? Wir glauben an die Innenstädte und an den stationären Handel in den Innenstädten. Die Rahmenbedingungen ändern sich, dementsprechend flexibel und zukunftsorientiert muss auch die Ausrichtung erfolgen. Unsere innerstädtischen Bauten stiften Identität und haben direkte Auswirkung auf das Zusammenleben der Menschen. Daher sehen wir niemals nur ein Haus, sondern seine ganze Umgebung und betrachten die Wirkung des Objekts im Kontext weit über seine Grundstücksgrenzen hinaus. Auch beim Goldenen Quartier hat es gedauert, eingespielte, eingelernte Laufwege zu verändern. Das Quartier funktioniert hervorragend und ich glaube, es ist nicht vermessen zu behaupten, dass es auch seine direkte Umgebung sehr positiv beeinflusst hat.

Sich die Lage selbst zu schaffen, braucht aber, wie Sie gesagt haben, einen sehr langen Atem … Als Raumplaner schlägt mein Herz für die Entwicklung ganzer Stadtteile, wie beispielsweise am Hauptbahnhof Wien, wo wir mit dem The Icon Vienna, Bel & Main oder den Parkapartments federführend an der Entwicklung des gesamten Areals beteiligt waren. Eine Quartiersentwicklung ist aber jedenfalls mit viel Ausdauer und einer klaren Vision verbunden, denn die Projektdauer ist lang, allein für eine Umweltverträglichkeitserklärung muss man über ein Jahr einplanen. Ein gutes Beispiel ist hier die Quartiersentwicklung Korneuburg. Das alte Werftareal in Korneuburg – mit einer Gesamtentwicklungsfläche von rund 10,7 Hektar – ist ein einzigartiger Standort direkt an der Donau und soll zu einem neuen,


Wann rollen dort die ersten Bagger an? Jetzt starten wir die Arbeiten für die Umweltverträglichkeitserklärung. Nach aktuellem Stand werden in Korneuburg frühestens in vier Jahren die Baumaschinen auffahren. Genau dieses Durchhaltevermögen braucht man für solche Projekte, aber das ist gleichzeitig auch das Spannende. In Wien wird gelegentlich die Komplexität der Bauordnung kritisiert. Aber auch in Niederösterreich wird Entwicklern vermutlich nicht immer nur der rote Teppich ausgerollt. Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie im Wiener Umland zu kämpfen? Bei ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen in Korneuburg war rasch klar, dass sie das Areal mit uns entwickeln möchten, da wir glaubhaft vermitteln konnten, dass wir die Entwicklung aus einem Guss umsetzen können. Von großer Bedeutung ist

VON DEN BESTEN LERNEN

gemischt genutzten und lebendigen Quartier mit Wohnen, Arbeiten, Handel, Freizeit, Gastronomie, Dienstleistungen und öffentlichen Nutzungen entwickelt werden.

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Positionen & Meinungen

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der Aufbau einer Vertrauensbasis, denn bei einer Entwicklung, wie in Korneuburg, handelt es sich um ein Langfristprojekt, das mit einer großen Auswirkung auf eine Stadt verbunden ist. Kurz vor Weihnachten des Vorjahres sind wir bei den Verhandlungen über eine eigene Autobahnabfahrt mit Asfinag, Bund, Stadt und Land einen großen Schritt nähergekommen. Die größte Herausforderung bei diesem Projekt ist, neben Wohnen auch andere Nutzungen wie etwa Büros, Bildungs- und Forschungseinrichtungen realisieren zu können. Um einen lebendigen, pulsierenden Stadtteil zu entwickeln, müssen wir den richtigen Mix finden. Davon wird der Erfolg des Projektes abhängen. Zurück nach Wien: Wie sieht es mit dem Leiner-Haus in der Mariahilfer Straße aus – alles auf Schiene? Wir sind im Plan. Wir haben Bezirk und Stadt schon im Vorfeld des Architekturwettbewerbs eingebunden, nicht erst als Jurymitglieder mit allen Beteiligten deren Wünsche und Anregungen für die Erstellung der Wettbewerbsunterlagen diskutiert. Aus der Tatsache, dass Wien-Neubau der Bezirk mit den geringsten Grünflächen ist, ist dann auch die Idee mit dem rund 1.000 Quadratmeter großen, öffentlich zugänglichen

Dachgarten entstanden. Die Zusammenarbeit mit Bezirk und Stadt läuft jedenfalls ausgezeichnet. Auch Corona hat den gesamten Planungsverlauf nur marginal beeinflusst. Generell existiert eine hohe Erwartungshaltung. Viele Einzelhändler hoffen, dass wir mit der Errichtung des Traditionswarenhauses einen wesentlichen Teil dazu beitragen, um die untere Mariahilfer Straße wieder zu dem zu machen, was sie einmal war. Nämlich eine stark frequentierte, attraktive Einkaufsstraße europäischen Formats. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an. Die SIGNA setzt bei vielen Projekten auf die Außenwirkung namhafter Architekten. Ist das Marketing? Als PR-Gag wäre das ein bisschen teuer. Wir definieren unsere Fassaden als Innenwände des öffentlichen Raums. Zusammen mit Straßen, Plätzen und Vorgärten prägen sie seine Qualität. Das ist auch ein wesentlicher Grund für die Zusammenarbeit mit national und international renommierten Architekten. Wir sind deshalb in der Planung und bei der Realisierung bereit, Geld zu investieren, weil die dadurch entstehende Qualität von Kunden, Käufern und Nutzern wertgeschätzt wird. Darüber hinaus haben wir aufgrund unserer mittlerweile erreichten Größe auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung.

Über SIGNA Die vom österreichischen Unternehmer René Benko im Jahr 1999 gegründete SIGNA Gruppe ist eine privat geführte Investmentgesellschaft mit dem Fokus auf den Real Estate-, Retail- und Mediensektor. Die Gruppe ist einer der führenden europäischen Immobilieninvestoren mit einem Portfolio einzigartiger Assets in Premium-Lagen. Mit einem laufenden Projektvolumen von 12 Milliarden Euro an zehn Standorten in Österreich, Deutschland, Italien, der Schweiz und Luxemburg ist die SIGNA Gruppe einer der bedeutendsten Immobilienentwickler. Sie ist einer der dominierenden Investoren in den attraktiven Immobilienmärkten deutschsprachiger Städte. In enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kommunen setzt SIGNA Real Estate dabei auf nachhaltige Stadtentwicklung, zukunftsweisende Nutzungskonzepte und architektonische Einzigartigkeit. Anfang 2019 beschloss die SIGNA Gruppe, ihre Immobilienaktivitäten auf den US-Markt auszudehnen und erwarb das legendäre Chrysler Building in New York.

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Positionen & Meinungen

Wir errichten Objekte oder Quartiere, die mehrere Generationen überdauern sollen und einen wesentlichen Beitrag für die Gesellschaft darstellen.

„Erfolgreiche Zusammenarbeit fußt auf einer offenen und ehrlichen Kommunikation.“

Der Umgang mit Stararchitekten ist aber vermutlich nicht immer einfach? Wir zeigen, dass es geht. Die erfolgreiche Zusammenarbeit fußt auf einer offenen und ehrlichen Kommunikation. Man muss akzeptieren, dass renommierte Architekten ihre Wünsche und Forderungen haben, genauso wie wir als Bauherr unsere Interessen vertreten. Renzo Piano hat beispielsweise bei den Parkapartments am Belvedere ganz klar gesagt: Mein USP sind die Keramikfassaden. Wir haben im Gegenzug gesagt: Keramikfassade d'accord, aber beim Wohnungsgrundriss müssen wir das letzte Wort haben. Ein harmonisches Ganzes wird es dann, wenn beide Seiten ihre jeweiligen Stärken und Kompetenzen einbringen und sie wechselseitig respektieren. Zudem arbeiten internationale Architekten bei uns immer mit renommierten, lokalen Büros zusammen.

Apropos Verantwortung für die Gesellschaft: Sind Zertifizierungen ein Thema? Wir waren, glaube ich, vor vielen Jahren eine der ersten Immobiliengesellschaften in Österreich, die ihre Gebäude zertifizieren ließen. Wir machen das aber nach internationalen Standards wie beispielsweise BREEAM oder LEED, weil das unsere Investoren fordern. Zertifizierungen sollten, meines Erachtens grundsätzlich ein internationales und kein nationales Thema sein. Themensprung: Digitalisierung. Wann wird der erste Immobilien-Deal über die Blockchain laufen? Wir treiben die Digitalisierung unserer Abläufe und Prozesse intensiv voran. Das war übrigens auch mit ein Grund dafür, dass die Umstellungen im Zuge des CoronaShutdowns für uns problemlos zu bewältigen waren. Bereits vor vier Jahren haben wir mit Virtual-Reality-Brillen gearbeitet. Die Parkapartments waren gerade im Bau und wir konnten Interessierten so den Blick aus dem 12. Stock zeigen. Halb Mitteleuropa hat uns bei der Expo Real in München die Türen eingelaufen. Damals wurde das ehrgeizige Ziel fixiert, Vorreiter sein zu wollen, wenn es darum geht, Wohnungen digital zu verkaufen. Wir sind schon weit gekommen. Daher auch die Investments in PropTechs und Starts-ups? Wir sind hier klassische Venture-Kapitalgeber. Jedes Jahr steigen wir in ein paar Startups ein. Da sind interessante Kooperationen und Lösungen dabei, wie Hausverwaltungsoder Concierge-Apps. Im Moment sind Storage-Lösungen im Fokus, denn das wird ein zunehmend bedeutenderes Thema. Wohnen wird immer teurer. Allein aus diesem Grund brauchen wir Flächen für Gegenstände, die nicht täglich gebraucht werden. Ungenutzte Garagen im Zuge des geänderten Mobilitätsverhaltens könnten beispielsweise zu Storage-Hubs umgebaut werden. Hier suchen wir nach neuen Ansätzen. Das Elektroauto scheint derzeit das Maß aller Dinge. Wie verändert das die gebaute Umwelt? Der Umstieg auf E-Mobilität ist per se noch keine Veränderung der Mobilität. Hier wird nur die Antriebsform geändert. Das ist das Gleiche wie beim Umstieg auf Wasserstoff.

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ImmoFokus


Die Fragen, die wir uns stellen sollten, sind andere: Muss denn wirklich jeder sein eigenes Auto haben? Wie ändert sich unsere Arbeitswelt und unsere gebaute Umwelt, wenn wir autonom fahren können? Das sind die wichtigen Fragen. Das autonome Fahren ist mit Sicherheit ein wesentlicher Hebel zur Bewältigung von Verkehrsproblemen in wachsenden Städten. Im Silicon Valley setzen schon knapp 100 Unternehmen auf autonom fahrende Fahrzeuge. Lange Zeit war das Auto aber ein Statussymbol. Das scheint sich auch nicht so schnell zu ändern … Das Statussymbol des eigenen Kraftfahrzeugs ist eben auch ein Generationenthema. Den Jungen ist das oft schon egal. Die wollen lieber ein Mobilitätskonto, um mit Taxi oder Bahn zu fahren. Auch Fliegen ist eher eine Frage der Notwendigkeit. Das sind gesellschaftliche Trends, denen sich auch die Immobilienwirtschaft und auch Arbeitgeber stellen müssen, genauso wie den Veränderungen unserer Arbeitswelt. Wir waren in den letzten Jahren der größte Bürovermieter in Wien. 60 Prozent der neu vermieteten Flächen in Wien sind bei uns unterschrieben worden. Kaum ein Unternehmen, das sich für die nächsten acht, zehn, zwölf Jahre einmietet, weiß, ob es wachsen oder schrumpfen wird. Wie wird sich die Büroarbeitswelt entwickeln? Und wie muss ich als Entwickler darauf reagieren? Das sind hier die zentralen Fragen.

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Über den Tellerrand

Digitalisierungsnotstand PropTech. Es existiert zwar ein Wort für Property Technology, zu deutsch Immobilientechnologie, doch in der Realität hinkt die Branche der Digitalisierung hinterher. Österreichs Innovationsaushängeschild Florian Gschwandtner über Ideenfindung, Apps, Innovationen und Erfolg. Und wo noch was zu holen ist. Das Gespräch führte: Lisa Grüner

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uasi über Nacht wurde Florian Gschwandtner als Co-Founder des Unternehmens Runtastic bekannt. Das 2009 gemeinsam mit drei Freunden gegründete Start-up wurde 2015 von adidas für 220 Millionen Euro übernommen, Gschwandtner blieb noch bis 2019 als CEO im Unternehmen. Nach einer Auszeit ist er nun operativ für Tractive, als Investor bei ‚2 Minuten 2 Millionen‘ und als Keynotespeaker tätig. Wie entsteht Innovation? Woher kommt Innovationskraft? Florian Gschwandtner: Innovation entsteht nicht, sondern Innovation muss geschaffen werden und dazu braucht es sowohl die Menschen als auch die passende Umgebung. Speziell im Unternehmen ist die Innovation die treibende Kraft für langfristigen Erfolg. Jeder, der anfängt bei Innovationen einzusparen, bringt sich wohl mittel- bis langfristig in eine schwierige Situation. Ich bin sehr stark der Meinung, dass Innovation vor allem im Leadership-Bereich verankert sein muss, weil diese Menschen mit Vorbild vorangehen müssen. Die simpelsten Ideen bringen oft das meiste Geld: Wie kommt man zu diesen Ideen? Nein, nicht die Ideen bringen das Geld, sondern die harte Arbeit dahinter. Ich sage immer, dass die Idee nur fünf bis zehn Prozent ausmacht und die Umsetzung der viel wichtigere Part ist. Dazu kommt noch, dass man ein tolles Team und gute Menschen um sich braucht, um erfolgreich sein zu können. Ich mache es persönlich so, dass ich eine Liste mit Ideen pflege, welche ich immer

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wieder mal erweitere. Die meisten kann ich leider nie umsetzen, da man den Fokus und die Zeit braucht, einige schaffen es dann aber auch immer wieder mal und werden tatsächlich umgesetzt. So war es auch damals bei Runtastic und auch bei Tractive, dem Weltmarktführer im GPS-Tracking für Hunde und Katzen, wo ich jetzt operativ arbeite. Was machen die meisten falsch? Ich bin der Meinung, dass man das so gar nicht sagen kann. Es machen doch ganz viele auch ganz viel richtig. Wo wir natürlich besser werden können und sollen, ist im Bereich Unternehmertum. Hier ist Österreich leider weit weg von der Spitze und der Unternehmer wird nicht immer sehr freundlich behandelt. Des Weiteren brauchen wir mehr Mut und müssen uns mehr zutrauen. Wir leben in einem tollen Land und es geht uns allen gut und dank der digitalen Welt können wir auch von Österreich aus die Welt bedienen - hier würde ich gerne mehr sehen. Wie kann man als Start-up erfolgreich werden? Auf welche Faktoren kommt es an? Wie bereits oben beschrieben, ist die Idee nur ein Teil einer erfolgreichen Start-upGeschichte. Die viel wichtigere Sache ist das Team und hier geht es beim Start vor allem um das Gründerteam. Ich schaue mir immer ganz genau an, wer die Menschen sind und wie sie ticken und ob sie wirklich den Willen haben, erfolgreich zu sein oder zu werden. Jeder spricht gerne vom Erfolg, aber der Weg dorthin ist ein steiniger. Neben den Faktoren Idee und Team braucht es dann aber auch für mich ein skalierendes Modell. Wie gesagt, die Welt ist heute digital und kann somit von überall bedient werden. Mir machen

Businessmodelle Spaß, welche international und groß funktionieren. Haben Sie eine Formel für Erfolg? Harte Arbeit, harte Arbeit und harte Arbeit. Was bedeutet heute Erfolg für Sie? Wie hat sich Ihre Definition von Erfolg in den letzten Jahrzehnten verändert? Erfolg hat für mich ganz viele Facetten und sieht wahrscheinlich auch für jeden Menschen anders aus. Als ich damals Runtastic gegründet habe, wollte ich, dass wir davon leben können und eine Firma aufbauen, die funktioniert. Das hat sehr gut geklappt und ich hätte mir nicht vorstellen können, dass wir so erfolgreich sein werden und können. Ein weiterer Erfolg ist für mich, dass ich in einer tollen Familie aufgewachsen bin und am Bauernhof viele Basics vom Leben gelernt habe. Das war mir damals wohl gar nicht so bewusst und ich hätte es nicht als Erfolg eingestuft, heute sehe ich dies jedoch anders. Weitere Erfolgsmeilensteine waren wohl neben der Schule dann zwei Studien zu absolvieren und somit die Grundsteine für eine erfolgreiche Zukunft zu legen. Für die nächsten Jahre und Jahrzehnte gilt dasselbe wie immer. Ich setze mir gerne Ziele und wenn ich diese erreiche, dann ist das für mich ein Erfolg. Ein sportlicher Erfolg war 2017 die zehn Kilometer unter 40:00 Minuten zu laufen - dafür hat es echt hartes Training gebraucht und es ist sich mit 39:51 zum Glück auch ausgegangen. Also somit glaube ich, dass es Erfolg immer neu zu definieren gilt und dieser eine temporäre Sache ist. Im Immobilienbereich werden erfolgreiche Apps von ITlern entwickelt, nicht von


Immobilienleuten. Haben Sie eine Erklärung dafür? Der Immobilienmarkt ist ja noch nicht wirklich zu 100 Prozent digitalisiert worden. Hier gibt es also gerade jetzt sehr viele Chancen für neue Businessmodelle und Produkte und natürlich können hier die Softwarespezialisten erfolgreich sein. Die beste Kombination wäre aber wahrscheinlich, wenn man den Experten aus der Branche mit dem Softwarespezialisten zusammenbringt und dann den Markt "disruptiert". PropTech wird also in den nächsten Jahren auch im Start-Up-Markt eine ganz große Rolle spielen, weil das System eben über Jahrzehnte sehr ähnlich funktioniert hat und hier jetzt eine große Veränderung vor der Tür steht. Dies ist vor allem auch dem technologischen Wandel geschuldet und auf einmal können wir zum Beispiel eine Wohnung via Smartphone und Augmented Reality besichtigen. Ich bin echt gespannt, was wir hier die nächsten Jahren noch alles sehen werden und vielleicht gibt es ja auch von mir schon bald mal ein Investment in diesem Bereich. Kann die Angst vor dem Transparent­ werden von Prozessen dahinterstecken? Ja, dies könnte auch eine Ursache sein. Viel mehr glaube ich aber, dass man einfach ohne Veränderung lange in dieser Branche gut erfolgreich sein hat können und man auch Innovation nicht gepusht hat. Es gibt die guten Player im Markt und die verdienen gutes Geld und warum sollte hier viel verändert werden. Es kommt jedoch dann immer eine Zeit, wo Innovation und das gute neue Produkt gewinnen und diese Transition kann mal schneller oder mal langsamer gehen.

Copyrights: Werner Harrer

Oder ist es normal, dass App-Entwick­ lungen eher von außen kommen? Wie gesagt, ich würde nicht sagen ausschließlich von außen, aber oftmals gibt es auch Vorteile, wenn man die Industrie gar nicht kennt. Dies haben viele erfolgreiche Unternehmer immer wieder bewiesen, wie zum Beispiel Richard Branson, als er seine Virgin Airline gegründet hat, ohne jegliches Vorwissen in diesem Bereich. Gibt es eine App, die Sie sich für den Immobilienbereich wünschen würden? Ja, ich würde gerne via Augmented Reality – also quasi durch die Kamera durchsehen – auf

weblink Florian Gschwandtner schreibt auf Instagram unter http://instagram.com/florian.gschwandtner über Innovation und Motivation.

alle Immobilien filmen können und hätte dann dazu gerne Informationen: Wem gehört das Gebäude, wie viele Wohnungen sind da drinnen, gibt es was zu vermieten oder kann

man was kaufen. Dann sieht man vielleicht noch Trends von der Bewertung. Ich kann mir vorstellen, dass es so etwas in Zukunft geben kann und wird.

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Zu Tisch mit … Alexander

Grohmann

Gedanken zu einem Menü verfasst

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Netzwerker Familiäre Prägung. Für Alexander Grohmann stand von Kindesbeinen an fest, Anwalt zu werden. „Mein Urgroßvater war Rechtsanwalt – das war sicher prägend.“ Autor: Michael Neubauer

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as Sole in der Wiener Annagasse ist nicht nur für den Bundespräsidenten ein beliebter Treffpunkt zu nächtlicher Stunde. Zu Mittag ist kaum ein freier Platz zu finden. Es ist ein Treffpunkt für Künstler, Sportler, Komponisten sowie Fans der frischen, italienischen Küche. Mein Gast, Rechtsanwalt Alexander Grohmann (Baier Rechtsanwälte), zählt zu den gern gesehenen Stammgästen. „Ich komme seit über 20 Jahren in dieses Lokal. Ich mag das Ambiente und die gute italienische Küche. Außerdem ist es nicht weit von meiner Kanzlei entfernt.“ 1983 eröffnete Aki Nuredini zuerst eine Frullateria, wo er Shakes, Pasta und Panini verkaufte. Über die Jahre vergrößerte und veränderte sich das Lokal, mitgestaltet vom Architekten Johannes Spalt, zu dem, was es heute ist. Grohmann schätzt die mediterrane Küche. „Fisch gehört zu meinen Lieblingsgerichten.“ Kein Wunder also, dass Italien auch zu den favorisierten Urlaubszielen zählt, zum Beispiel Abano Terme in der Provinz Padua. Frü-

her sei man regelmäßig mit Freunden nach Rom gereist. „Wir fahren noch immer. Zum Geburtstag meiner Frau geht es regelmäßig nach Rom.“ Die Speisekarte ist verlockend. Wir haben die Qual der Wahl. „Nehmen wird doch von allen Vorspeisen ein wenig.“ Gesagt, getan. So finden sich nach kurzer Zeit Carpaccio di gamberi e lime (Garnelen-Carpaccio mit Limette), Polipetti alla Luciana (sautierter Babyoktopus mit einer würzigen Tomaten-Oliven-Sauce), Prosciutto con melone ebenso auf unserem Tisch wie Vitela e tomate – zwei italienische Klassiker schlechthin. Als Hauptgericht wird ein Branzino (Wolfsbarsch) in Salzkruste serviert mit einem Glas – oder waren es doch zwei – Pinot Grigio vom Weingut Eugenio Collavini– ein perfekter Tropfen.

„Ich kann nicht kochen“ Selbst schwingt Grohmann jedoch den Kochlöffel nicht. „Ich kann nicht kochen. Das Einzige, das ich als Student zubereiten konnte,

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waren Spaghetti. Das war‘s dann aber auch schon.“ Zu Hause stehen seine Frau und die vier Töchter am Herd. „Auch mein Sohn ist ein sehr guter Koch. Selbst wenn ich wollte, ich komme beruflich kaum dazu.“ Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Meine Frau hat mir einen Kochkurs geschenkt.“ Für Grohmann stand von Kindesbeinen an fest, Anwalt zu werden. „Mein Großvater war Jurist – das war sicher prägend.“ Wie sein Studienkollege, der spätere ORF-Journalist und nunmehrige NEOS-Abgeordnete Helmut Brandstätter, schlug Grohmann gleich nach dem Studium eine Karriere als Anwalt ein. „Wir beide waren uns rasch einig, einen juristischen Kernberuf ergreifen zu wollen. Anwalt erschien uns als die beste Berufswahl.“ Eine Entscheidung, die Grohmann zu keinem Zeitpunkt bereut hat.

vorgeschlagen.“ Das hat allerdings ein wenig Überzeugungsarbeit gebraucht. „Er ist dann ÖH-Vorsitzender geworden – die Freundschaft ist bestehen gelieben.“ Aus dieser Zeit kennt Grohmann noch so manche ÖH-Funktionäre, wie etwa den Altbürgermeister Michael Häupl, den Grünen-Abgeordneten Peter Pilz oder den Kurzzeitjustizminister Wolfgang Brandstetter, mit dem Grohmann nach wie vor in strafrechtlichen Angelegenheiten zusammenarbeitet. Bevor Grohmann Anwalt werden konnte, hieß es: „Habt acht!“ Seinen Wehrdienst leistete er, wie auch sein Interviewpartner, in der Landesverteidigungsakademie ab. „Ich war, wenn man so will, Adjutant des General Kuntner.“

Königsmacher Grohmann kann sich durchaus als Königsmacher bezeichnen. „Ich habe Brandstätter in die Politik gebracht. Er wurde mein Nachfolger in der Österreichischen Hochschülerschaft. Ich hatte damals die meisten Stimmen in der Fachschaft und die Fraktion wollte, dass ich den Fakultätsvorsitz übernehme. Unter den Befürwortern war auch der spätere Anwalt Georg Karasek, dessen Vater als außenpolitischer Sprecher der ÖVP damals mehr oder weniger Schattenaußenminister war. Ich wollte den Job nicht und habe Helmut Brandstätter

Als Wehrmann Stellvertreter des Generals Alle zwei Monate publizierte die Landesverteidigungsakademie eine technische und eine politische Zeitschrift. Für die „zwei Heftchen“, wie Grohmann anmerkt, fasste er Beiträge aus diversen englisch- und französischsprachigen Wehrzeitschriften zusammen. Zu dieser Zeit ging auch sein direkter Vorgesetzter auf Urlaub. Seine Vertretung war kein geringerer als Wehrmann Grohmann. Das konnte nicht nur der damalige Armeekommandant General Emil Spannocchi kaum glauben. Noch heute

Factbox BAIER RECHTSANWÄLTE BAIER Rechtsanwälte, gegründet im Jahr 1993 ist eine der führenden, unabhängigen Wirtschaftskanzleien und berät österreichische und internationale Unternehmen. Seit Jahrzehnten bieten die fünf Partner und zwölf weitere Juristen von BAIER grenzüberschreitende Erfahrung und Know-how an und arbeiten mit erstklassigen internationalen Anwaltskanzleien zusammen. Die fachübergreifende Expertise und besondere Spezialisierung auf dem Gebiet der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit ergänzen einander dabei. Wesentlicher Schwerpunkt von BAIER ist der Bereich Immobilien mit der Beratung und Vertretung der größten österreichischen Wohnbaugesellschaft im Zusammenhang mit der Entwicklung, der Errichtung und dem Vertrieb von Wohn- und Geschäftsimmobilien mit bisher über 70 erfolgreich abgewickelten Großprojekten. Die BAIER Immobilienverwaltung beinhaltet den kaufmännischen und technischen Bereich und betreut Wohnungseigentumsobjekte, Zinshäuser und gewerbliche Objekte. www.baierpartners.com

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erinnert sich Grohmann an das Telefonat mit General Spannocchi. „Wehrmann Grohmann.“ – „Ich möchte den General sprechen.“ – „Der General ist auf Urlaub.“ – „Wer vertritt ihn?“ – „Ich, Wehrmann Grohmann.“ Daraufhin habe Spannocchi einfach aufgelegt, um es ein paar Minuten später wieder zu probieren. „Hier Armeekommandant Spannocchi. Ich möchte den General oder seinen Vertreter sprechen.“ – „Ich vertrete ihn. Wehrmann Grohmann.“ Aufgelegt. Dann kam am Nachmittag ein Anruf vom General. „Was war? Irgendwas Besonderes?“ – „Ja, der Armeekommandant Spannocchi hat angerufen, wollte Sie sprechen und hat sich fürchterlich aufgeregt, dass ich Sie vertrete.“ – „Auch wurscht.“

Ich konnte und musste vom ersten Tag an selbstständig arbeiten Doch bei welchem Anwalt sollte man anheuern? Da gingen die Meinungen auseinander. „Zum Graf geh ich auf keinen Fall. Der will Minister werden. Da musst du dich den ganzen Tag mit dem Verwaltungs- und/oder Verfassungsgerichtshof beschäftigen.“ Zu Stern wollte er auch nicht. „Strafrecht interessiert mich nicht.“ Dann war eine Annonce im „Kurier“: Weiss-Tessbach. „Als normaler Jus-Student mit 23 hat man keine Ahnung gehabt, wer das ist. Aber mein Vater wusste Rat: `Weißt du, Weiss-Tessbach, das ist eine ganz honorige Kanzlei.´ Also habe ich dort angerufen und bin hingegangen. Damals war das die älteste Kanzlei in Österreich. Vier Anwälte und vier Konzipienten haben die Kanzlei geschupft. Das hat mich geprägt. Ich konnte vom ersten Tag an selbstständig arbeiten. Konnte – wohl besser gesagt – ich musste.“

Längere Arbeitszeiten waren für Grohmann nie ein Problem Eine seiner ersten Aufgaben war die Leitung einer Aufsichtsratssitzung. „Erst während der Sitzung habe ich gemerkt, dass ich den Vorsitz führen sollte. Keiner hat mir vorher davon erzählt.“ Gerne denkt Grohmann an diese durchaus auch anstrengende Zeit zurück. „Viele junge Juristen sind heutzutage nicht dazu in der Lage, selbstständig zu arbeiten. Die meisten haben Hemmungen, Verantwortung zu übernehmen.“ Das sei, so Grohmann, auch auf das Thema Work-Life-Balance zurückzuführen. „Viele Jungjuristen wollen sicher sein, dass sie um sechs oder um fünf nach Hause gehen, dann und wann in den Urlaub fahren und übers


Zu Tisch mit …

Wochenende wegfahren können.“ Längere Arbeitszeiten waren für Grohmann nie ein Problem. „Meine Frau war zu dieser Zeit Balletttänzerin an der Wiener Volksoper. Wenn sie Vorstellung hatte, hatte ich auch abends genug Zeit für die Arbeit.“ Jeden Montag gab es in der Kanzlei ein Mittagessen. „Da ging es hauptsächlich um das Verteilen der Causae.“

Sein Nachfolger wurde sein Partner Übrigens: Sein Nachfolger als Konzipient bei Weiss-Tessbach war Georg Karasek. „Georg Karasek hat den ältesten Fall der Kanzlei von mir übernommen und zum Abschluss bringen können. Es ging um verlorenes Vermögen in Italien. Der Fall hatte 1945 nach dem Krieg begonnen. Ich habe es geschafft, 1984 eine Entschädigung zu erwirken. Unter Georg Karasek ist dann das Geld geflossen. Das habe ich allerdings nicht mehr in der Kanzlei erlebt.“

Mein erster Akt als eigener Anwalt betraf eine Markeneintragung in der Gastronomiebranche. „Es ging um die Marke `Schwarze Kuchl´ für ein Restaurant in Krems, das bis heute besteht.“ Seine erste eigene Kanzlei befand sich in der Singerstraße in der Wiener Innenstadt. „Ich konnte die Kanzlei durch einen Glücksfall übernehmen.“ Grohmann hatte sich auf eine Annonce im „Anwaltsblatt“ gemeldet. Zurückgerufen wurde er von einer alten Bekannten aus Kitzbühel. „Ich war als Student Skilehrer in Kitzbühel. Meine Bekannte war damals mit einem Sohn eines Anwalts befreundet, der seine Kanzlei aufgeben wollte.“ Der Anwalt war ÖVP-Bundesrat. Nach langwierigen Verhandlungen hat dieser die Räumlichkeiten samt den Causae – in erster Linie Autounfälle und Versicherungen – an Grohmann übergeben. „Aber jedenfalls haben wir mit diesen Causae die Sekretärin bezahlen können.“ Grohmann kann sich noch genau daran erinnern: „Am 3. August 1984 bin ich in die Singerstraße eingezogen. Am 1. Jänner 1985 habe ich mit Lambert eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet. Die späteren Eversheds-Sutherland-Anwälte Alexander Stolitzka und Georg Röhsner waren meine ersten beiden Konzipienten. Ein paar Jahre später kam eine weitere Kanzlei in der Dominikanerbastei dazu. „Wir waren die Ersten, die zwei Standorte hatten. Heute ist das mit der modernen Technik vorstellbar, aber

damals ging zweimal am Tag der Bote hin und her – Reibungsverluste und bürokratischer Aufwand inklusive.“ Glücklicherweise verhandelte Grohmann zu diesem Zeitpunkt mit der Immobiliengesellschaft der PSK über das Projekt Hauptpostamt am Fleischmarkt/Ecke Laurenzerberg und zog in den Verhandlungen ein Ass aus dem Ärmel: „Wir mieten – unter der Bedingung, dass wir die Causa bekommen.“ Der Vorschlag wurde angenommen und die PSK Immobilien wanderten für die Verwaltung zu Grohmann und seinem Team. „Gleichzeitig ging es dann mit der Ostexpansion los. Ich war für Prag und die Tschechische Republik zuständig. Kollege Lambert übernahm Ungarn. Bei den ersten Prager Causae habe ich damals den Kollegen Baier kennengelernt. Der hatte dieselbe Kanzlei wie wir, die in Prag vor Ort das Geschäft abgewickelt hat. Gemeinsam konnten wir unsere Aktivitäten ein wenig besser straffen. Zudem hatten wir schon eine internationale Verbindung zu einer englischen Großkanzlei, die hieß Dentons. Bald darauf, es muss gegen 1993 oder 1994 gewesen sein, haben wir zum ersten Mal an der MIPIM in Frankreich teilgenommen.“

Ungeliebte MIPIM Interessanterweise stieß der Besuch bei den Konzipienten und Junganwälten auf wenig Gegenliebe. „Wir hatten damals besprochen, den jüngsten Anwalt nach Frankreich zu schicken.

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Rückkehr von einem seiner Streifzüge fand er eine interessante Visitenkarte. Karl Petrikovics war bereits zweimal am Stand gewesen und hatte ihn gesucht. Das anschließende Zusammentreffen hat zu einer langjährigen Zusammenarbeit bei vielen Projekten geführt. „Ich muss sagen, ich bin mit Petrikovics super ausgekommen. Das hat darin gemündet, dass ich in einer der berühmten `Leintuchgesellschaften´ Aufsichtsrat wurde – glücklicherweise in der gesunden.“ Vorstandsvorsitzender war sein Badener Rechtsanwaltskollege Rudolf Frieß, der erst vor kurzem als Investor aus der Immofinanz ausschied.

Zu Tisch mit …

„Heute ist der Österreich-Stand top. Damals waren wir im Keller, den es übrigens heute noch gibt.“ Im Zentrum des Wirbelsturms Die Finanzkrise hat Grohmann hautnah im Zentrum des Wirbelsturms miterlebt. Der damalige Finanzvorstand hätte immer wieder betont, dass alles konsolidiert sei. „Das war es aber nicht. In Summe gab es zwischen 140 und

Ich hatte keine Zeit. Ich musste mich ums Geschäft kümmern.“ Nach der Rückkehr befragt, war die Antwort ernüchternd:„Ja, war schon nett.“ Im nächsten Jahr stand die Kanzlei vor demselben Problem. Auf meine Frage: „Wer fährt?“, hörte ich nur: „Nein, keine Lust.“ Also machte ich mich selbst auf die Reise. „Heute reißen sich alle darum.“ Doch nachträglich sollte sich die Entscheidung als goldrichtig erweisen. „Es war anstrengend. Parallel zur MIPIM verhandelte ich über ein Mietshaus mit dreißig Wohnungen.“ Potenzieller Käufer war Thomas Muster, für den der Anwalt bereits

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ImmoFokus

zuvor eine Stiftung gegründet hatte. Es hat sich dann herausgestellt, dass Karl Petrikovics das Haus für den Eigentümer eines großen Transportunternehmens kaufen wollte, der Logistikunternehmer das Haus aber nicht mehr wollte. „Wir haben intensiv verhandelt und uns schlussendlich einigen können.“ Dann ging es zur MIPIM. Das sei Knochenarbeit gewesen. Grohmann hatte Standdienst – im Keller. „Heute ist der Österreich-Stand top. Damals waren wir im Keller, den es übrigens heute noch gibt.“ Wenn er keinen Dienst hatte, flüchtete er aus den Katakomben. Bei der


150 Gesellschaften. Unter anderem aber auch einige Wohnbaugesellschaften mit Anlegerwohnungen, für die ich tätig war. Da war aber nichts konsolidiert. Das haben wir allerdings erst bei einer Krisensitzung beim Wirtschaftsprüfer erfahren. Gemeinsam mit Falschlehner (ehemaliger Vorstand der Schoellerbank) als Notvorstand haben wir einen kleinen Beitrag zum Startschuss der Sanierung der Immofinanz Gruppe beigetragen.“ Apropos Thomas Muster. Grohmann ist von Kindesbeinen an begeisterter Tennisspieler und Schiedsrichter. „In der Hinterbrühl – 1966 – hat die Leidenschaft begonnen. Ich war damals elf Jahre alt.“ Mit 14 begann seine Karriere als Schiedsrichter. „Ich spielte bereits bei Jugendturnieren mit. Für ein internationales Turnier wurden 14-, 15-jährige Burschen als Schiedsrichter gesucht. Gesagt, getan. Nach einer Prüfung war ich Schiedsrichter. Gleich mein erster Einsatz führte mich nach Kitzbühel, das damals aber noch viel kleiner aufgestellt war als heute. Da hat man ein bisschen Taschengeld bekommen.“

Thomas Muster geraten nach Monte Carlo zu gehen Kein Wunder also, dass sich später so manch international bekannter Tennisspieler unter seinen Klienten befand. „1984 oder 1985 habe ich dem damaligen Muster-Trainer Ronnie Leitgeb geraten, mit Thomas Muster nach Monte Carlo zu ziehen. Falls es was wird und er Tennisturniere gewinnt, wird das wahrscheinlich wirtschaftlich opportun.“ Auch hier weiß Grohmann über einen Erfolg zu berichten. „Ich habe Thomas Muster zu einem super Sponsorenvertrag verholfen.“ Gerne denkt er an den Tenniszirkus zurück. „Ein einmaliges Erlebnis war 1995, in Monte Carlo am Center Court zu sitzen und zuzusehen wie Thomas Muster Boris Becker schlägt.“ Noch schnell ein Nachtisch. Ein Besuch beim Italiener ohne Dolci – einfach undenkbar. Panna cotta, Crème brûlée und Tiramisu, dazu zwei große (starke) Espressi – das muss sein. Allein der Crème brûlée wegen werde ich wiederkommen.

Vater des Bauträgervertragsgesetzes Grohmann gilt auch als einer der Väter des Bauträgervertragsgesetzes. „Zu Beginn haben wir ein Vorsorgewohnungsmodell entwickelt.

Ich muss zugeben, bei diesem Modell haben wir alle voneinander abgeschrieben. Bei unserem ersten Projekt in der Laudongasse 47 konnten wir LKW Walter den Großteil der Wohnungen verkaufen.“ Daraus entwickelte sich das Bauträgervertragsgesetz. Gemeinsam mit Petrikovics wurde ein großes Symposium veranstaltet. Grohmann ließ seine Kontakte spielen und so kam das Who is who der Branche. Angefangen von der Autorin des BTVG, Sonja Bock – „jetzt eine verheiratete Bydlinsky. Die war als Konzipientin nämlich meine Nachbarin bei Weiss-Tessbach.“ Vor den ersten Projekten hatte man auch mit einem bekannten Staatsanwalt aus dem Justizministerium als Vater des BTVGs Kontakt. „Die Frage war, ob auch das Ministerium unserer Auslegung zustimmen würde.“ Doch die Zustimmung konnte eindeutiger nicht sein: „Ja, super, das passt.“ Das ist Grohmann noch deutlich im Gedächtnis. „Wir konnten starten.“ Seit 1996/97 hat Grohmann über hundert Immobilienprojekte abgewickelt und dabei zehntausende Wohnungen an VIPs und andere verkauft. 2008, also zu Beginn der Finanzkrise, hatte der Immobillienspezialist über hundert Millionen Euro an Treuhandgeldern – in den Büchern. Grohmann fürchtete, dass viele seiner Käufer nun anrufen und überlegen würden, eine eigene Hotline einzurichten. Doch der Ansturm blieb aus. „Da haben dann vielleicht zwei, drei   angerufen. Das war‘s.“

Lokal DAS SAGT DER FALSTAFF Das Ristorante in der Annagasse ist bekannt für seine handgemachte Pasta, Antipasti sowie Holzofenpizza und nicht nur unter den Künstlern von Staatsoper, Konzerthaus und Musikverein eine beliebte Adresse.

DAS SAGT DER IMMOFOKUS Italienische Küche auf höchstem Niveau. Die Antipasti sind vom Feinsten, wie auch die handgemachte Pasta, Pizza aus dem Steinofen. Die Fischgerichte sollte man alle einmal probiert haben .

DAS GASTHAUS Annagasse 8-10, 1010 Wien n Öffnungszeiten Mo. bis So. 11.00-23.30 Uhr www.ristorante-sole.at ImmoFokus Restaurantguide

17 PUNKTE

Essen: Service: Weinkarte: Ambiente:

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Positionen & Meinungen

Die Zwei Gedankensplitter zum ImmoMarketing in Theorie und Praxis.

Die Kunst des guten Brandings Regelmäßiger Kommentar: Alexander Bosak & Philipp Kaufmann

MARKENARCHITEKTUR

Mit drei Strategien Marken richtig einsetzen: Beim Immobilienmarketing spielt die Markenführung eine zentrale Rolle und oft stellt sich beim sogenannten „Branding“ die Frage, wie Marken zur Vertrauensbildung richtig eingesetzt werden können. Die Antwort ist einfach und beginnt, wenig überraschend, mit der richtigen Strategie, wobei drei zur Auswahl stehen: die Dachmarken-, die Familienmarken- und die Monomarkenstrategie.

Dach-, Familien- oder Monomarke

DACHMARKE (= Programmmarke, Unternehmensmarke)

FAMILIENMARKE (= Produktgruppenmarke, Rangemarke)

EINZELMARKE (= Produktmarke, Monomarke)

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ImmoFokus

Bei der Dachmarke gibt es einen Überbau, eine verbindende (Zentral-)Marke, welche von allen Produkten genutzt wird. Einprägsame Beispiele hierfür sind in der Automobilbranche zu finden. Bei BMW oder auch bei VW steht eine Marke für alle Produkte und bildet quasi ein Dach über alle. Bei dieser Vorgehensweise sind die Synergie­ effekte am höchsten, da ja nur eine Marke aufgebaut und gepflegt werden muss. Das einzelne Produkt wird nicht mit einer eigenen Marke ausgestattet beziehungsweise positioniert. Im Gegensatz hierzu wird bei der Monomarkenstrategie, die auch als Einzelmarkenstrategie bezeichnet wird, jedes einzelne Produkt mit einer eigenen voll­wertigen Marke geführt. Beispielsweise setzt Procter & Gamble auf starke (Mono-)Brands wie Pampers (Windeln), Ariel (Waschmittel) oder Gillette (unter anderem Rasierer). Als Zwischenform werden bei einer Familienmarkenstrategie einzelne Produktfamilien je unter einer Marke positioniert. So führt das deutsche Unternehmen Beiersdorf seine Kosmetiksparte unter der Marke Nivea und die Klebstoffe unter tesa.

Praxistaugliche Strategie? In der Realität können die drei Strategien in unterschiedlichen Kombinationen angewendet werden. Oftmals werden diese auch über die Zeit verändert beziehungsweise angepasst, so war Procter & Gamble im Gegensatz zu Nestlé bei seinen Produkten vor Jahren als Unternehmensmarke für den Konsumenten fast nicht erkennbar. Nur für Eingeweihte war bekannt, dass hinter Pampers und Ariel das gleiche Unternehmen steht. Dies hat sich nunmehr geändert und


das Unternehmen versucht sich als Dachmarke zu positionieren und damit auch kleineren Brands mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu verschaffen. In der österreichischen Immobilienwirtschaft hat EHL einen gelungenen Dachmarkenauftritt über alle angebotenen Dienstleistungen geschaffen. Auch Raiffeisen Wohnbau ist generell im gehobenen Segment platziert und ein gutes Beispiel für eine gelungene Umsetzung. Die einzelnen Wohnprojekte werden jeweils durch einen auf die Dachmarke abgestimmten und für das Projekt passenden Slogan auf den Punkt gebracht. Dabei wird immer „Quality Living“ vorangestellt und mit einem Zusatz, wie „im netten Nussdorf“, versehen. Der Nachteil der Dachmarkenstrategie ist das immer gleiche E ­ rscheinungsbild, das die Einzigartigkeit des Projektes „uniformiert“ und weniger emotional auflädt. Aufgrund der Heterogenität von Immobilien und der notwendigen unterschiedlichen Positionierung kann daher eine Etablierung

von Monomarken sinnvoller sein. Toyota etwa nannte seine Luxusmarke nicht Toyota Luxury, sondern Lexus. Im Immobilienmarketing stiftet die Monomarkenstrategie weitere Vorteile. Der Produktvorteil kann direkt im Projektnamen ausgedrückt werden und eine passende eigenständige Corporate Identity trägt zum Projekterfolg bei. So wurde ein Projekt der Wohnkompanie (DWK) mit einem großen, gemeinsam genutzten Garten „garten z’Haus“ genannt. Als Key Visual wurde eine Frau, die vor dem Haus im Garten Gemüse erntet, platziert. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass bei einem etwaigen Flop das dahinterstehende Unternehmen nicht sofort damit in Verbindung gebracht wird. Als Familienmarkenstrategie kann das Viertel Zwei genannt werden, das mit den passenden einzelnen Projektnamen, beispielsweise „Hoch Zwei“, „Plus Zwei“ oder „Studio Zwei“ punktet und den Standort geprägt und etabliert hat. Was lernen wir daraus? Markenbildung und Markenstrategien haben einen wichtigen Einfluss auf die Vermarktung und sollten bewusst entschieden werden.

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GESUNDHEITSSWELTEN

Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Salzburg

ARGE Kaufmann&Partner + Kleboth&Dollnig

Foto: Michael Heinrich

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Architektur Generalplanung Projektsteuerung Bauleitung Projektmanagement


d Praxis

rie un Wissen in Theo

Illmitzer Gespräche Gemeinsam mit Abstand! 15. - 17. Oktober 2020

Die Lacke stirbt

Kreislaufwirtschaft

Less is More

Überlebt die Region den Klimawandel?

Das vollkommen wiederverwertbare Haus

Wie viel CO2 braucht das Gebaute?

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Die Lacke stirbt

sehe, eine objektive andere Welt kann ich nicht sehen, denn es gibt eben nur DEINE oder MEINE Welt. Das Einzige, was wir tatsächlich erreichen können, ist eine ähnliche Sicht der Dinge, die im Informationsaustausch entsteht, in DEINEM und in MEINEM Kopf.

Liebe Freundin, lieber Freund!

Wir müssen dem Klimawandel entgegentreten Ich sitze am Schreibtisch und schaue hinaus auf den Schrändlsee, diese alte – leider längst vergangene – Lacke. Heute ist sie „nur“ noch Wiese, denn schon in den 1950er Jahren wurde ihre wasserdichte Schicht durchbrochen, das Oberflächenwasser hält sich nicht mehr, das Entlastungsgerinne der nahegelegenen Kläranlage hat der Lacke den letzten Rest gegeben. FreundInnen aus Illmitz erzählten mir, wie sie damals über den Schrändlsee mit den Schlittschuhen gelaufen sind, dann kurz die Schuhe aus- und umgezogen haben, um gleich drüben am Kirchsee weiter zu laufen. Heute stirbt die Lacke ein zweites Mal: Während vor fünf Jahren aus der Wiese noch mindestens 20 Strohballen gewonnen werden konnten, sind es – ob der ständigen Dürre – in den letzten Jahren oft weniger als zehn, manchmal gar keiner. Während ich so hinausblicke, befinde ich mich in selbst auferlegter Quarantäne. COVID-19 hat uns fest im Griff, ich sorge mich um meine schon etwas ältere Mutter, die alleine im 4. Bezirk lebt und nur durch uns versorgt werden kann. Durch meine Lehrtätigkeit hatte ich in den vergangenen Tagen und Wochen eine Vielzahl von sozialen Kontakten, die ich nunmehr annähernd auf 0 reduziert habe. Der helle Sonnenschein draußen über der pannonischen Tiefebene – unmittelbar nach dem letzten Abbruch der Kalkalpen – irritiert mich etwas und ich werde trotzdem am späteren Nachmittag hinaus laufen gehen, vielleicht ein wenig in der Werkstatt arbeiten, Obstbäume schneiden, alleine hinausfahren, um die Reben zurück zu schneiden. Ich habe das auch gestern gemacht und auf den Feldern niemanden getroffen. Im Englischunterricht haben wir das Buch „On the beach“ von Nevil Shute gelesen, ich konnte es halb auswendig, weil ich glaubte, es zur Matura zu bekommen. Es war dann doch der „Gatsby“ im Vergleich zur „Importance of being earnest“. Shute beschreibt eine Welt nach dem großen Atomkrieg. Seine Charaktere sind eine kleine Gruppe, die dem Strahlentod entgegengeht. Einige von ihnen – zB Moira Davidson – „tries to flee reality while racing“, sie flüchtet sich in halsbrecherische Autorennen – ob sie dabei stirbt, weiß ich nicht mehr. Ich weiß aber, dass etwa das „Schwarze Kameel“ gestern knall voll gewesen sein soll. Nichts gegen das „Schwarze Kameel“, vielleicht ist es ja der gesellschaftliche Österreich-Ring dieser Tage. Ich habe keine wissenschaftliche Evidenz über die Frage, warum das alles so ist, wie es ist, ich kann nur beobachten, probieren, Schlüsse ziehen. Es sind MEINE Schlüsse, weil es ja auch MEINE Welt ist, die ich

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BLUEPRINT und die Redaktion dieses fabelhaften Magazins haben es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem dem Klimawandel entgegen zu treten, einer Entwicklung, die sich irgendwo da oben abspielt, da oben zwischen den Wolken, da oben in einer hell erleuchteten Welt, die in einem Maße zerbrechlich ist, wie wir es uns angesichts ihrer Masse – gemessen an unserer eigenen Größe – nicht vorstellen können. Sie kurvt durch ein nicht allzu bedeutendes Sonnensystem, das in einem Teil des Universums existiert, das recht jung ist. Ich musste jetzt kurz aufstehen, weil mich fröstelt. Eugene Cernan, der Kommandant der Apollo 17 Mission, sagte nach seiner Rückkehr vom Mond im Jahre 1972: „Wir brachen auf, um den Mond zu erkunden, aber tatsächlich entdeckten wir die Erde.“ Er sah einen einzigartigen Planeten, perfekt platziert, perfekt temperiert, sodass Wasser in flüssiger Form vorhanden ist.

Wir müssen die Dinge in die Hand nehmen Wir leben, wie es der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht in seinem überaus empfehlenswerten Buch „Das Ende der Evolution“ (ISBN 9783-570-10241-1) beschreibt, auf und in einem kosmischen Glücks- und ungeheuren Zufall. Ich hoffe, dass ich mit diesen Zeilen keinesfalls eine Freundin oder einen Freund, die an einen oder mehrere Götter glauben, brüskiere. Das liegt mir weit fern. Jetzt aber liegt es an uns, die Dinge in die Hand zu nehmen und kräftig, unerschrocken, deutlich, ausdrücklich und ohne falsche Höflichkeit in die andere – in die gute – Richtung zu bewegen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen und schließe keinen WENN-Satz an. Bevor ich das Ruder zum Guten herumschwenke – denn das GUTE gibt es, wir sind evolutionär betrachtet NETT, denn wären wir das nicht, es gäbe uns nicht mehr – noch ein paar Gedanken über den Klimawandel hinaus. Wenn ich dann hinüber in den Obstgarten gehe, dann kann ich die Stämme der alten und der von mir neu gepflanzten Bäume berühren. Der eine oder andere junge Baum ist von den Rehen „verfegt“ oder auch angenagt. Wird es das in 20 oder 30 Jahren noch geben oder wird die Art Rehwild ausgestorben sein, weil wir ihren Lebensraum so stark eingeschränkt haben, dass sie keinen Platz mehr hat? Werden wir die letzten Exemplare der Spezies auf der Straße zwischen Gols und Illmitz totfahren? Keine Sorge – im Tiergarten können wir den stolzen Rehbock weiter betrachten, sein Geweih müssen wir nur ein wenig stutzen, damit er sich selbst oder andere nicht verletzt.


Waren Sie schon in Afrika und haben Elefanten, Nashörner, Flusspferde, gar einen Gepard in freier Wildbahn sehen dürfen? Sie werden sie nicht mehr sehen, denn „unsere“ Evolution wird sie verschwinden lassen. Zurück: Von Nordwesten kommen jetzt ein paar Wolken, es ist nicht mehr so hell wie vorher, unser Hund Nanni, die Deutschlanghaarhündin, sitzt auf der Wiese, am Horizont stehen Pferde, es ist der 14.3.2020 und die Bäume blühen – hoffentlich treibt der Wein nicht zu früh, damit er nicht einem späten Frost zum Opfer fällt. Auch 2020 wird es die ILLMITZER GESPRÄCHE geben, das wollte ich an sich als Erstes schreiben, dann sind mir aber Gedanken und Tastatur entglitten. Die ILLMITZER GESPRÄCHE werden vom 15. bis zum 17.10.2020 stattfinden, das vorläufige Programm findet ihr in dieser Ausgabe des Fokus. Danke lieber Michael Neubauer dafür, dass du uns so viel Raum und Unterstützung gibst. Wir haben auch schon unsere Schreiben an die Sponsoren des Vorjahres versandt und hoffen auch in schwierigen Zeiten - wie diesen - auf Unterstützung. Wir brauchen jede helfende Hand und wir brauchen finanzielle Mittel, um unsere gemeinsam definierten Ziele zu erreichen: • Zivilgesellschaft und Wissenschaft zu einem fruchtbaren Miteinander zusammen zu bringen • Die Nachhaltigkeit im Alltag zu propagieren • Regionen – wie den Seewinkel – zu unterstützen, um zu einem Labor der Nachhaltigkeit zu werden. 2020 legen wir einen Schwerpunkt auf Politik, Bildung und soziale Nachhaltigkeit, wobei aber auch Landwirtschaft, Klimaforschung und Best Practice Beispiele nicht zu kurz kommen werden. Von KrompKolb über die zuständigen Ministerinnen, den Landeshauptmann des Burgenlandes bis zum Bildungsexperten Glattauer und zu Pepi Umathum, dem Bio-Weinurgestein, spannt sich unser Bogen. Wir werden den Empfehlungen des letzten Jahres folgen und das Programm weniger dicht gestalten, obwohl uns Herz und Hirn übergehen.

terstützen wollen, dann haben wir interessante Sponsorenpakete, ruf mich einfach an, die Redaktion kennt die Erreichbarkeiten des Organisationsteams. Mein Blick schwenkt wieder hinaus, die Sonne hinter den Wolken macht den Himmel weiß, leichter Wind kommt auf, das ist gut, denn er treibt die Blüten weiter. Ich muss noch darüber nachdenken, ob wir schon etwas erreicht haben? Ich denke ja: Wir füllen diese Seiten, wir publizieren wöchentlich(!) in der BVZ, das Bundesministerium für Nachhaltigkeit zieht in Erwägung, Bildungsexperten anlässlich der ILLMITZER GESPRÄCHE zu entsenden, um neue Bildungszugänge zu diskutieren, wir dürfen den Landeshauptmann von unserem Tun überzeugen, mit dem Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland sind wir eng abgestimmt, er möchte mit den burgenländischen UnternehmerInnen einen beispielhaften Weg definieren, ich werde noch darüber berichten. Mit Hannes Ehrenfeldner, dem Chef des Nationalparks Neusiedlersee, wollen wir gemeinsam „Nationalpark neu denken“. In der Österreichischen Immobilienzeitung dürfen wir regelmäßig berichten, die Interessensvertretung der ImmobilientreuhänderInnen in der WK Österreich und Wien unterstützen uns und wir werden angefragt, was denn wir dazu sagen würden, dass … Ich schreibe und meine Finger gleiten über die weiße Tastatur – jemand hat gemeint die Zeit würde stillstehen. Plötzlich habe ICH Zeit, ich muss und kann auch gar nicht irgendwo hinfahren, gar hinfliegen. Wir sitzen als Familie zusammen und diskutieren über die Frage, ob wir heute Abend eine Runde Tarock spielen. Ich ertappe mich dabei die Bäume, Sträucher, Rosen und natürlich die Weinstöcke etwas genauer anzusehen, etwas bedächtiger und aufmerksamer zu schneiden, jeden Trieb besonders zu schätzen. Auf einmal geht Reduktion und Zurückhaltung, auch in meinem Leben. Ich denke an das Gute im Schlechten.

DENN WIR HABEN KEINE ZEIT MEHR. Herzlichst Euer Thomas Malloth P.S.: Bitte sei dabei!

Die Anmeldung ist OFFEN – bitte gehe einfach auf www.illmitzergespraeche.at. Solltest Du uns als Unternehmen oder persönlich un-

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Illmitzer Gespräche 2020 15. – 17. Oktober Das Programm DONNERSTAG, 15. 10.

Pause

14.00 UHR Begrüßung und Eröffnung

19.30 UHR Abendempfang

BM Elisabeth Köstinger (angefragt) Prof. Mag. Thomas Malloth FRICS

14.45 UHR Nachhaltig wirtschaften im Burgenland WKO BGL Präsident Ing. Peter Nemeth

15.30 UHR Klimawandel – die Wahrheit Em. o. Univ. Prof. Dr.in Helga Kromp-Kolb im Anschluss Diskussion

16.30 UHR Wirtschaftsrechtliche Rahmen der Nachhaltigkeit Univ Prof. Dr.in Verena Mader im Anschluss Diskussion

17.15 UHR tun statt reden René Fischer Global 2000 im Anschluss Diskussion

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Landgasthof Karlo geselliges Besammensein und Vorstellung der Medienkooperationen, chillige Musik von Monsieur Lotha

11.00 UHR Ethische Aspekte der Nachhaltigkeit Podiumsdiskussion Mag. Anton Faber Dipl. Soz. Kenan Güngör KommR Mag. Michael Gehbauer Präsident Gerhard Weissgrab im Anschluss Diskussion

FREITAG, 16. 10.

Mittagspause

Das Weltbild der Nachhaltigkeit

13.30 UHR Nationalspark neu gedacht

08.00 UHR Yoga der Weg Mag.a Petra Herzog Treffpunkt: Nationalparkhotel

09.30 UHR Es kann alles anders werden

DI Johannes Ehrenfeldner im Anschluss Diskussion

14.15 UHR Bildung Menschenbilder Vorbilder Keynote zum erweiterten Verständnis von Bildung in unserer Gesellschaft (N.N.)

BM Leonore Gewessler, BA

10.15 UHR Kann Politik nachhaltig sein? Günther Ogris, MA im Anschluss Diskussion

14.45 UHR Paradies und Lackensterben Führung durch den Nationalpark mit den Nationalparkrangern


Parallelworkshop: FORUM Umweltbildung Wie kann eine erweiterte Bildungsvision lebendig werden?

Parallelvortrag „So sieht die Pflanze ihren Gärnter“ Dr. Wilfried Hartl, Pepi Umathum, im Anschluss Diskussion

16.30 UHR Masterthesen zur Nachhaltigkeit Young Scientists, Kooperation mit der FH für Immobilienwirtschaft Wien im Anschluss Diskussion

17.15 UHR Ein bisschen Schule humorvolle Lesung von Bestsellerautor Nikolaus (Niki) Glattauer

Nationalpark-Kino 18.30 UHR Paradies und Lackensterben Regina Petrik mit Grußbotschaft von Bundeskanzler Sebastian Kurz Kooperation mit dem Gymnasium Neusiedl und der Volks- und Mittelschule Illmitz

SAMSTAG, 17. 10.

ENDE DES FORUMS

08.00 UHR Lauf durch die Lacken

Ausklang

Prof. Mag. Thomas Malloth FRICS Dr. Franz Gschiegl Treffpunkt: Hauptplatz Bartholomäusquelle

10.00 UHR Experiment Burgenland LH Mag. Hans Peter Doskozi im Anschluss Diskussion

10.30 UHR Bürgermeister vor den Vorhang

Ab 15.00 UHR besteht die Möglichkeit, etwas mehr über den Weinbau im Seewinkel zu erfahren. Namhafte WinzerInnen führen durch ihre Weingärten und Weinkeller und werde Ihnen bei dem ein oder anderen Glas Wein die Besonderheiten des Seewinkels, das Terroir und die Vinifikation näher bringen.

Ab 18.00 UHR Gemütliches „get-together“ im Bartholomäus-Stüberl. Bei Pepi Michlits.

LA DIin Elisabeth Blanik, BM von Lienz

„Prozesse zur Stärkung des Zentrums“ Ing. Hans Peter Bock, BM von Fließ

„Baulandpolitik und Betriebsansiedelung“ DI (FH) Rainer Handlfinger BM von Ober-Grafendorf

„Ernährungssouveränität und Bodenschutz“ Alfred Reinisch, BM von Tattendorf

„Nationalpark Garten Gemeinde“ 20.00 UHR Empfang in der Pusztascheune geselliges Beisammensein in rustikalem Ambiente

21.00 UHR Boogie Nights Der weltbeste Boogie-Pianist Christoph Steinbach and Friends

im Anschluss Diskussion

11.45 UHR Was kümmerts mich? Michael Niavarani (angefragt) im Anschluss Diskussion

12.45 UHR Wende oder Ende? DI Dr. Harald Frey

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Die Vortragenden LA DIIN ELISABETH BLANIK

DI DR. HARALD FREY

Elisabeth Blanik studierte Architektur an der Technischen Universität Wien. Seit 2003 ist sie Abgeordnete zum Tiroler Landtag. 2011 wurde Blanik zur Bürgermeisterin der Stadt Lienz gewählt und 2016 bei der Bürgermeisterwahl in ihrem Amt bestätigt.

Harald Frey studierte Bauingenieurswesen an der Technischen Universität Wien, Fachrichtung Verkehrswesen und Infrastrukturplanung. Er arbeitet am Forschungsbereich für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien, seine Forschungsschwerpunkte sind Verkehrserhebungen und Befragungen, Verkehrskonzepte, Machbarkeitsuntersuchungen, Verkehrsmodellierung, Verkehrs- und Siedlungsplanung sowie E-Mobilität.

ING. HANS PETER BOCK Hans Peter Bock absolvierte die höhere technische Lehranstalt für Tiefbau in Innsbruck. Der gelernte Bautechniker war unter anderem Mitglied des Bundesrates, Abgeordneter zum Tiroler Landtag und ist heute Bürgermeister von Fließ.

LH MAG. HANS PETER DOSKOZIL Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien war Hans Peter Doskozil unter anderem Landespolizeidirektor des Burgenlandes und Bundesminister für Landesverteidigung und Sport. Seit Februar 2019 ist er Landeshauptmann des Burgenlandes.

DI JOHANNES EHRENFELDNER Johannes Ehrenfeldner hat die Lehre als Zimmerer absolviert und anschließend an der Universität Wien Forstwirtschaft studiert. Seit 2013 war DI Ehrenfeldner im Landwirtschaftsministerium in der Abteilung Nationalpark, Natur- und Artenschutz tätig. Seit 2017 ist DI Ehrenfeldner Direktor des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel.

KOMMR MAG. MICHAEL GEHBAUER Michael Gebauer studierte Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Dies war auch der Beginn seiner gewerkschaftlichen Tätigkeiten. Im Sommer 1993 wechselte er in die Wohnbauvereinigung der Privatangestellten, wo er 2004 zum Geschäftsführer ernannt wurde.

BM LEONORE GEWESSLER, BA Leonore Gewessler absolvierte das Bachelorstudium der Politikwissenschaften an der Universität Wien. Von 2008 bis 2019 war sie Director der Green European Foundation in Brüssel und von 2002 bis 2019 Geschäftsführerin der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Seit 2020 ist sie Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.

NIKOLAUS (NIKI) GLATTAUER MAG. ANTON FABER Anton Faber studierte Theologie am Priesterseminar Wien. 1988 wurde er zum Priester geweiht. 1997 wurde er zum Dompfarrer der Domkirche St. Stephan zu Wien und zum Dechant des ersten Bezirks ernannt und im November 2000 zum Domkapitular.

Nikolaus (Niki) Glattauer ist Buchautor, Kolumnist und Schuldirektor. Seine großteils erzählenden Sachbücher mit stark belletristischem Charakter, die aus persönlichen Perspektiven Schule und Bildung thematisieren, erreichten allesamt Spitzenplätze in den österreichischen Bestsellerlisten.

RENÉ FISCHER

DIPL. SOZ. KENAN GÜNGÖR

René Fischer ist seit 2002 bei Global 2000 tätig, wo er unter anderem seinen Zivildienst ableistete. Neben seinem beruftsbegleitetem Studium für Umwelt- und Bioresourcenmanagement, war er für EDV und Datenbankmanagement zuständig, ehe er zum wirtschaftlichen Geschäftsführer von Global 2000 berufen wurde.

Kenan Güngör absolvierte die Ausbildung zum Industriekaufmann und studierte Soziologie an der Universität Wuppertal. Seit 2007 lebt Güngör in Wien und leitet das Forschungsbüro think.difference. Güngör ist Mitglied des unabhängigen Expertenrates der österreichischen Bundesregierung, der den jährlich erscheinenden Integrationsbericht herausgibt.

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ARCH DIIN DR.IN RENATE HAMMER, MAS

EM. O. UNIV. PROF. DR.IN HELGA KROP-KOLB

Renate Hammer studierte Architektur an der Technischen Universität Wien und ab 1994 Philosophie an der Universität Wien. Nach zwei postgradualen Studien und dem Doktoratsstudium war sie unter anderem Fakultätsdekanin an der Donau-Universität Krems. Seit 2013 ist Renate Hammer geschäftsführende Gesellschafterin der „Institute of Building Research & Innovation GmbH“ und Lektorin an namhaften Bildungseinrichtungen.

Helga Kromp-Kolb studierte Meteorologie an der Universität Wien. 1995 wurde sie ordentliche Universitätsprofessorin am Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. Sie ist eine weltweit anerkannte Klimaforscherin und erhielt unter anderem das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien und das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

DI (FH) RAINER HANDLFINGER

Verena Madner promovierte an der Universität Wien zur Doktorin der Rechtswissenschaften mit Auszeichnung. Heute ist sie Professorin für Öffentliches Recht, Umweltrecht, Public und Urban Governance am Department für Sozioökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien.

UNIV. PROF. DR.IN VERENA MADNER Rainer Handlfinger absolvierte die Fachhochschule für Telekommunikation und Medien in St. Pölten. Er war unter anderem Leiter für Marketing und interne Kom munikation der SPÖ Niederösterreich und ist seit 2010 Bürgermeister der Marktgemeinde Ober-Grafendorf.

PROF. MAG. THOMAS N. MALLOTH FRICS DR. WILFRIED HARTL Wilfried Hartl ist Institutsleiter der Bio Forschung Austria und forscht seit 1979 im Bereich des viehlosen Bio-Ackerbaus. Dabei liegen seine Schwerpunkte auf Kreisläufen, Nährstoffverfügbarkeiten und Biodiversität.

MAG.A PETRA HERZOG Petra Herzog absolvierte Ihre Matura in Neusiedl am See bevor sie Biologie, Erdwissenschaften und Pädagogik studierte. Seit 2011 ist sie Professorin am BG Neusiedl. Weiters absolvierte sie eine Ausbildung zum Coach für Peer-Mediation, ist Mentaltrainerin und zertifizierte Yogalehrerin.

BM ELISABETH KÖSTINGER Elisabeth Köstinger absolvierte die höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Wolfsberg. Sie war unter anderem Vizepräsidentin des österreichischen Bauernbundes und Delegationsleiter - Stellvertreterin der ÖVP - Delegation im Europäischen Parlament von 2011 – 2017. Seit 2020 ist sie Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus.

Thomas Malloth ist Jurist und hat sich auf die Bereiche Immobilienbewertung, Immobilienconsulting, Immobilienverwaltung, und -vermarktung auf die Projektentwicklung, v.a. im dichten städtischen Raum, spezialisiert. Er ist ständiges Mitglied des Bundesdenkmalbeirates und Lehrbeauftragter an 7 Universitäten. Im November 2016 wurde Prof. Malloth in den Vorstand des österreichischen Chapters der Royal Institution of Chartered Surveyors berufen.

ING. PETER NEMETH Peter Nemeth besuchte die Volksschule und das Gymnasium in Eisenstadt, absolvierte die HTL für Maschinenbau in Wr. Neustadt und legte bei der Wiener Kaufmannschaft die HAK-Matura ab. Heute betreibt er sehr erfolgreich ein Autohaus in Eisenstadt und ist Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland.

GÜNTHER OGRIS, MA Günther Ogris studierte zunächst an der Universität Wien und später sozialwissenschaftliche Datenanalyse an der Universität Essex. Er war unter anderem wissenschaftlicher Leiter des Österreichischen Instituts für Jugendforschung. Seit 1996 ist er Geschäftsführer des Forschungsinstituts SORA und Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten.

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REGINA PETRIK

GERALD VOTAVA

Die studierte Pädagogin Regina Petrik war über 20 Jahre lang als Erwachsenenbildnerin, Erziehungsberaterin und Mediatorin tätig. Heute ist sie Landtagsabgeordnete und Landessprecherin für die Grünen im Burgenland.

Gerald Votava absolvierte das humanistische Gymnasium im Kollegium Kalksburg mit der Matura und belegte dann an der Universität Wien die Fächer Jus und Psychologie. Seit 1994 ist er als Radiomoderator, Kabarettist und Schauspieler tätig. Gerald Votava ist Romy Preisträger und wird die Illmitzer Gespräche moderieren.

CHRISTOPH STEINBACH Der in Kitzbühel geborene Christoph Steinbach startete nach seinem Abschluss der Lehre zum Industriekaufmann die Ausbildung am Musikkonservatorium in Innsbruck, die er jedoch nach knapp zwei Jahren abbrach um sich ganz der bereits voll im Gange befindlichen Karriere als Pianist zu widmen. Nach unzähligen Konzerten und gemeinsamen Auftritten mit Größen wie etwa Eric Burdon organisiert und veranstaltet er heute auch sein eigenes Festival. Zweifelsohne zählt Christoph Steinach heute zu den weltbesten und bekanntesten Boogie-Pianisten.

JOSEF „PEPI“ UMATHUM Josef Umathum zeichnet sich seit 1985 für die weltweit renommierten Weine des Hauses Umathum verantwortlich. Mit seiner Initiative „Umdenken“ engagiert er sich unter anderem dafür, den Begriff „Regionalität“ nicht zu einer Vermarktungsstrategie verkommen zu lassen.

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PRÄSIDENT GERHARD WEISSGRAB Mit 27 Jahren lernte er auf einer Reise durch Sri Lanka den Buddhismus kennen. Von 2003 bis 2006 war Weißgrab Vorstand der Buddhistischen Gemeinde Österreich. 2006 wurde Weißgrab zum Präsidenten der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft gewählt und ist damit der höchste Repräsentant der Buddhisten in Österreich.


Das Organisationsteam HARALD FREY studierte Bauingenieurswesen an der Technischen

THOMAS MALLOTH ist Jurist und hat sich auf die Bereiche Im

Universität Wien, Fachrichtung Verkehrswesen und Infrastrukturplanung. Er arbeitet am Forschungsbereich für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der TU Wien, seine Forschungsschwerpunkte sind Verkehrserhebungen und Befragungen, Verkehrskonzepte, Machbarkeitsuntersuchungen, Verkehrsmodellierung, Verkehrs- und Siedlungsplanung sowie E-Mobilität.

mobilienbewertung, Immobilienconsulting, Immobilienverwaltung und -vermarktung und auf die Projektentwicklung, v.a. im dichten städtischen Raum, spezialisiert. Er ist ständiges Mitglied des Bundesdenkmalbeirates und Lehrbeauftragter an sieben Universitäten. Im November 2016 wurde Prof. Malloth in den Vorstand des österreichischen Chapters der Royal Institution of Chartered Surveyors berufen.

Der studierte Jurist FRANZ GSCHIEGL ist seit dem Jahr 2007 Geschäftsführer der ERSTE Immobilien KAG. Er stützt die Tätigkeit auf seine jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit den nationalen und internationalen Kapitalmärkten. Er ist unter anderem ständiger Autor des Monatsmagazins „Gewinn“.

CHRISTOPH MALLOTH absolvierte seinen Master in Marketing und Businessmanagement. Er ist seit 2011 als Kommunikationsberater für Agenturen und Direktkunden tätig und fungiert als Lektor an diversen Bildungseinrichtungen für Marketing.

HANS JÖRG ULREICH studierte an der WU Wien BetriebswirtschaftsRENATE HAMMER studierte Architektur an der Technischen Universität Wien und ab 1994 Philosophie an der Universität Wien. Nach zwei postgradualen Studien und dem Doktoratsstudium war sie unter anderem Fakultätsdekanin an der Donau-Universität Krems. Seit 2013 ist Renate Hammer geschäftsführende Gesellschafterin der „Institute of Building Research & Innovation GmbH“ und Lektorin an namhaften Bildungseinrichtungen.

lehre mit den Schwerpunkten Industrie- und Personalwirtschaft. Seit 1999 ist er selbstständiger Immobilientreuhänder in Wien, Lektor an der TU-Wien sowie FH Wien und Bauträgersprecher der WKO Österreich.

STEFAN SATTLER arbeitete an der Universität für Bodenkultur bevor er zur Stadt Wien wechselte, wo er zuständig für erneuerbare Energien ist. Außerdem ist er Lektor an der Universität für Bodenkultur und hat den Universitätslehrgang „Green. Building.Solutions.“ geleitet.

CHRISTIAN JANISCH ist stellvertretender Direktor der Esterhazy Immobilien in Eisenstadt. Mit HELMUT LANG aus Illmitz konnten wir unser ORG-Team nachhaltig verstärken: Jahrgang 1996, Matura an der HTL in Pinkafeld, Student der Lebensmittel- und Biotechnologie und leidenschaftlicher Jungwinzer desim Familien- und Prädikatsweinguts. Helmut wird sich um agrarwissenschaftliche Belange und um die Jugend kümmern, ein erstes Treffen der jungen Wilden ist für den Sommer geplant.

MAGDALENA WEISSMANN war während ihres Studiums der Rechtswissenschaften Mitarbeitern bei Herbst Kinsky Rechtsanwälte. Seit 2018 ist sie Universitätsassistentin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien; Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung; Abteilung für Rechtsvergleichung, Einheitsrecht und Internationales Privatrecht.

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Überlebt die Region Neusiedler See den Klimawandel? AUTOR: CHRISTIAN JANISCH

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ufgrund der Dringlichkeit steige ich ohne Umschweife in das Thema ein und rede Klartext: Die Universität für Bodenkultur hat in einer Studie aus dem Jahr 2003 eine weitestgehende Austrocknung des Sees bis spätestens 2050 vorausgesagt. Die globale Erwärmung und immer geringere Niederschlagsmengen würden laut der Studie zu einer sukzessiven Austrocknung führen. Gleich die nächste Botschaft zum Drüberstreuen – die Prognosen aus dem Jahr 2003, die eine Erwärmung in der Region um 1.8 Grad Celsius bis 2050 als Basis hatten, sind falsch, leider. Wir liegen jetzt bereits bei einer Erwärmung der Lufttemperatur um ganze 2,3 Grad und auch die Wassertemperatur des Sees hat sich mittlerweile widererwarten um 2 °Grad erhöht. Experten sagen, dass der Klimawandel vor allem die Region rund um den Neusiedler See aufgrund der besonderen Sensibilität überdurchschnittlich hart treffen wird. Der im Seewinkel bekannte Zicksee in St. Andrä könnte davon ein Lied singen, wenn es ihn noch gäbe. Dieser ist 2019 mehr oder weiniger verschwunden. Natürlich wissen wir, dass der See ist in seiner Geschichte bereits mehrmals nahezu vollständig ausgetrocknet ist. Zum letzten Mal in den Jah-

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ren 1865 bis 1871 – also noch gar nicht so lange her. Es ist dies auch heute noch das Argument von manchen Experten, dass wir eben mit diesen Zyklen des Sees leben müssten. Es wird aber gerne vergessen, dass dies eine Phase war, unter der die Menschen enorm gelitten haben – nachweislich gab es aufgrund einer starken Feinstaubbelastung zahlreiche schwere Atemwegs- und Augenerkrankungen in der Region und es zu einer Abwanderung gekommen ist. Auch wird vergessen, dass der See aktuell mit den Folgen der Klimaerwärmung zu kämpfen hat und das ist ein vollkommen neuer Umstand, den er in seiner 13.000 jährigen Geschichte wahrscheinlich noch nicht hat durchmachen müssen. Zusammengefasst müssen wir also seriöser Weise davon ausgehen, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder zu einer Austrocknung des Sees kommen wird, wenn es keine Gegenmaßnahmen gibt – und diesmal könnte es so sein, dass das Wasser nicht wieder zurückkommt. Die Frage, die sich also für uns dringendst stellen muss, was passiert wenn das erwartete Szenario eintritt? Was bedeutet die prognostizierte Austrocknung für unsere Region, eigentlich sogar für das gesamte Burgenland und auch für die angrenzenden Regionen? So richtig ­


möchte sich das niemand vorstellen – würde dies den Todesstoß für den sich erst so richtig entfaltenden sanften Tourismus bedeuten? Was ist mit der Weinwirtschaft, wie wäre es überhaupt um die Lebens­qualität bestellt? Es erinnert an das Bild des Kaninchens vor der Schlange, aber die Uhr kennt kein Erbarmen und tickt gnadenlos weiter. In der Immobilienwirtschaft macht sich allerdings doch schon eine gewisse Verunsicherung vor allem bei den touristischen Projekten breit, auch wenn immer noch recht fleißig geplant wird. Es ist klar, wenn die Nutzbarkeit des Sees nur noch eingeschränkt möglich ist, werden die Touristen über Nacht ganz einfach ausbleiben. Auch die Radfahrer wird ein Ritt durch die Sierra Leone, so wird der Seewinkel mittlerweile von einem Boulevard Medium betitelt, nicht wirklich interessieren. Aufgrund der geringen Niederschläge im Winter und der hohen Temperaturen, könnte dieser Umstand bereits heuer eintreten. Doch jetzt zur Frage, ob etwas getan werden kann, um das drohende Szenario abzuwenden oder zumindest zu mildern. Schon einmal wurde 2003 laut über eine Wasserzuleitung aus dem sogenannten Donaubegleitwasser nachgedacht und in weiterer Folge im Wesentlichen durchgeplant. Auch die Kosten für diese Leitung wurden erhoben. Überra-

schender Weise waren diese für die ca. 18 km lange Leitung mit knapp 30 Millionen Euro vor allem in Anbetracht der Bedeutung dieses Projektes nicht exorbitant hoch. Allerdings wurde der Plan aufgrund der sich nur scheinbar bessernden Wasserstandsituation in den Folgejahren nicht weiterverfolgt. Seitdem wird immer wieder unter den Experten darüber diskutiert, ob der Neusiedler See überhaupt ein sogenanntes Fremdwasser aushält. Summa Summarum setzt sich immer mehr die Meinung durch, dass ein gewisses Maß an Fremdwasser verträglich sein sollte. Wir dürfen bei dieser Diskussion auch nicht vergessen, dass der Seewinkel bald sehr dringend Wasser brauchen wird, um weiterhin überhaupt eine Lebensgrundlage für Fauna und Flora sein zu können. Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels in der Region mildern wollen, dann muss ohne Vorbehalte an den bekannten Lösungsvorschlägen für eine Wasserversorgung unverzüglich weitergearbeitet werden. Ich möchte, ohne vorerst seinen Namen zu nennen, einen anerkannten und umsichtigen Experten der Region zitieren, der gemeint hat, dass das Austrocknen des Sees die schlechteste Option von allen sei – dem schließe ich mich ohne Widerspruch an.

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Das vollkommen wiederverwertbare Haus?! AUTOR: CHRISTIAN JANISCH

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as ist die Vision des deutschen Chemikers Prof. Michael Braungart und des amerikanischen Architekten William McDonough. Und sie denken dabei nicht ein Knusperhaus aus Lebkuchen, wie bei Hänsel und Gretel, das am Ende der Lebensdauer einfach verzehrt werden könne und so wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt wird. Nein, die beiden denken tatsächlich an ein „richtiges“ Haus aus Mörtel und Ziegel, bei dem alle verwendeten Materialien zur Gänze wiederverwertet werden können. Seit Jahren behaupten nämlich Braungart und McDonough, dass die von uns aktuell gelebte Nachhaltigkeit im Prinzip sinnlos sei. Sie nehmen auch liebgewonnene Gewohnheiten – wie unser Gewissen beruhigendes Mülltrennen – aufs Korn und erklären uns desillusionierend, dass wir uns diese Arbeit „schenken“ könnten. Dieser Schlag in die Magengrube sitzt und muss erst einmal verdaut werden. Nach kurzer Benommenheit werden Erklärungen für diese unglaublichen Behauptungen gefordert. Doch Braungart und McDonough bleiben da ganz gelassen und legen noch locker nach: Sie sagen, dass unsere aktuellen Bemühungen die Welt nicht retten werden, sondern bestenfalls das Ende der Ressourcen und damit unserer Lebensgrundlage etwas hinauszögern würden.

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Doch was steckt hinter diesen ernüchternden Behauptungen und wie werden sie begründet? Zusammengefasst wird uns erklärt, dass „weniger schlecht“ bei der Verschwendung unserer Ressourcen noch lange nicht „gut“ sei. Wir müssten radikal umdenken, und die von uns verwendeten Rohstoffe wieder zur Gänze in den biologischen und technischen Kreislauf der Verbrauchsgüter zurückführen – und zwar ohne Abfall. Sie nennen dieses Prinzip ganz simpel „Cradle to Cradle“ (C2C), was so viel bedeutet wie „von der Wiege zur Wiege“. Für die derzeitige Ver(sch) wendung unserer Ressourcen – von der Wiege zur Bahre –seien wir einfach zu viele auf unserem Planeten, obwohl es laut Braungart sogar eine theoretische Lebensgrundlage für rund 30 Milliarden Menschen gebe. Das bisher übliche "Downcycling" von Produkten, bei dem die Qualität bei jedem Schritt abnimmt, muss vermieden werden, sofern wir noch länger auf unserem Planeten wollen. Müllverbrennungsanlagen und Mülldeponien gibt es in dem C2C-System nicht mehr. „Abfall- oder Bauschutt-Deponien seien die Bankrotterklärung des Ingenieurs.", so Braungart. Somit kommt auch die Bau- und Immobilienwirtschaft nicht ungeschoren davon, und das ist aus mehreren Gesichtspunkten auch nachvollziehbar: Das Bauwesen in Europa verschlingt eine unglaubliche Zahl


von Rohstoffen: 50 Prozent aller Ressourcen gehen in diesen Sektor. Noch dramatischer ist die Lage bei den Abfällen: 60 Prozent aller Abfälle stammen laut UN Umweltprogramm von der Bauindustrie! Es darf eben auch nicht außer Acht gelassen werden, dass unsere Rohstoffe unweigerlich zur Neige gehen. Berechnungen zufolge reichen die für die Produktion von Baumaterialien erforderlichen Rohstoffe noch für 50 bis 100 Jahre. Gemeint sind hier vor allem Stahl, Kunststoff und Eisen. Auch Sand wird ein knappes Gut werden, wenn wir die Wiederverwertung nicht ernst nehmen. Aber ist es überhaupt möglich, dass sämtliche Materialien, die in einem Gebäude stecken, wiederverwertet werden können? Diese Frage wird von beiden mit einem klaren „Ja!“ beantwortet und sie belegen diese Behauptung mit einer Reihe von Produkten, die bereits am Markt erhältlich sind. So gäbe es in fast allen Produktbereichen C2C Alternativen: Wienerberger, der Ytong Anbieter Xella oder auch Schüco bieten mittlerweile vollkommen wiederverwertbare Baustoffe an. Die Produktpalette reicht beispielhaft von Bausteinen aus Ton, K ­ linkerbausteinen

(Click-Brick), die wie Legobausteine fixiert werden, Dachziegeln, Dämmstoffen etc. bis hin zu Teppichen. Noch ein weiterer und tatsächlich sehr spannender Aspekt wird von den Wissenschaftlern ins Treffen geführt:Immobilien können durch C2C zu sogenannten „Materialbanken“ werden, die tatsächlich einen nominellen Wert darstellen. Wenn man bedenkt, dass bei Hochbauprojekten ca. 20 bis 30 % der Baukosten Materialkosten sind, dann ist das ein enormer Faktor. Natürlich gibt es auch Kritiker und Skeptiker der C2C Idee: Hauptkritikpunkt ist, dass die Idee in der Theorie sehr nett, jedoch nicht für die Praxis geeignet sei. Dem ist zuzustimmen, wenn wir den alten Denk- und Handelsmustern verhaftet bleiben und das Umdenken nicht schaffen. Die radikale Kernaussage der beiden Wissenschaftler besagt, dass das Schonen der Ressourcen einfach nicht ausreichen wird. Und damit dürften sie auch Recht haben. Das Team der Illmitzer Gespräche hat es sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, sich vertiefend mit dem Thema zu beschäftigen.

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Less is More Wie viel CO2 braucht das Gebaute? AUTOR: RENATE HAMMER

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elche CO2 Emissionen vom Betrieb eines Gebäudes ausgehen, ist immer mehr Stakeholdern der Branche geläufig. Die Höhe dieser Emissionen scheint in Richtlinien, Zertifikaten, Auszeichnungen, Wettbewerbsausschreibungen und Ähnlichem auf. Wie beim Autoquartett: Die Immobilie mit den niedrigsten Emissionen sticht. Gut so! Aber wie steht es um die CO2 Emissionen, die vom Einsatz der für die Errichtung eines Bauwerks nötigen Materialien ausgehen? Hand aufs Herz: Wer kann hier auch nur Größenordnungen nennen oder weiß, worauf es ankommt?

Aktuelle Erfahrungswerte aus dem mehrgeschossigen Wohnbau ­betrieben mit Netzstrom und Fernwärme weisen für die Bereitstellung von Heizung und Warmwasser, Haushaltsstrom und Hilfsströme – je nach Ambition im Rahmen der gültigen Richtlinien – etwa zwischen 6 kg CO2equ/m²a bis 12 kg CO2equ/m²a Emissionen aus dem Betreib auf. Darüber konnten etliche BauträgerInnen in einer kleinen Telefonabfrage rasch Auskünfte erteilen. Um Informationen über exemplarische Emissionen aus der Errichtung zu erhalten, muss man hingegen die Wissenschaft bemühen.1 Hier ist nachzulesen, dass für Wohnhausanlagen im Durchschnitt Emissionen von 6,52 kg CO2equ/m²a aus der Errichtung zu Buche schlagen – unter der Voraussetzung, dass die errichteten Gebäude 100 Jahre lang Bestand haben. Würden sie nach nur 50 Jahren wieder abgerissen, würde sich dieser Wert verdoppeln und somit rund 13 kg CO2equ/m²a betragen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Emissionen, die aus der Errichtung eines Gebäudes herrühren, durchaus mit jenen aus dem

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Betrieb zu vergleichen sind. Genaueres Hinsehen auf die Materialität des Gebauten ist also geboten. Einer der wesentlichsten Faktoren ist, wie bereits angedeutet, die Zeit; konkret die Lebensdauer des Errichteten. Hier lohnt sich ein differenzierter Blick. So wird die gewöhnliche oder Gesamtlebensdauer des Gebauten üblicherweise mit 30 bis 100 Jahren, je nach Nutzungstyp und Wertigkeit zum Errichtungszeitpunkt, angenommen. Die Gesamtlebensdauer kann je nach Sorgfalt bei der Instandhaltung und Pflege kürzer, aber auch deutlich länger ausfallen. So hat der große Bestand an Gründerzeitlichen Gebäuden bereits eine Lebensdauer von rund 150 Jahren und damit einen geringeren Rucksack an Emissionen aus der Errichtung aufzuweisen. Als technische Lebensdauer ist jene Zeitspanne definiert, an deren Ende ein Bauteil seine vorgesehene Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen kann und seine Erhaltung mehr Kosten verursachen würde, als seine Neuerstellung. Denken wir aber in langen Zeitspannen, wie sie beispielsweise ein Geschäftshaus aus der Gründerzeit erreicht hat, wird klar, dass neben der Wahl von dauerhaften Materialien als Grundlage für die Erreichung einer langen technischen Lebensdauer vor allem die Flexibilität der Nutzung gewährleistet werden muss, damit die Geschosskonfiguration vieler „Zimmer-KücheKabinett“-Einheiten in großzügigere Wohnungen, Büroflächen oder auch eine Hoteletage übergeführt werden kann. Erschließung, Raumhöhen, Gebäudetiefen und die Konzeption der lastabtragenden Konstruktion sind dafür maßgeblich. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist schlichtweg der Umfang an Material, den wir für die Errichtung eines Gebäudes einsetzen. Während die


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Anpassungsfähigkeit der bereits angesprochenen Gründerzeitbestände auch in deren kleinteilig modularen Konstruktionen aus Ziegeln und Balken begründet ist und – zumindest in den Basisgeschossen – auch von einer zumeist großzügigen statischen Bemessung herrührt, gilt es heute hier ganz gezielt und bewusst Innovationsschritte in Richtung eines optimierten und dadurch reduzierbaren Materialeinsatzes zu setzen. So arbeitet etwa Professor Franz-Josef Ulm am Massachusetts Institute of Technology an der atomaren beziehungsweise molekularen Struktur von Zement, um diesen gemäß den Anforderungen, die an den Beton gestellt werden, dem er als Bindemittel dient, optimal zu entsprechen. Der molekular veränderte Beton ist zwar teurer, jedoch könnte bis zur Hälfte des aktuell eingesetzten Materials eingespart werden, wodurch sich in der Gesamtbilanz wieder eine Kostenreduktion ergeben würde.² Selbst, wenn man von derartigen Innovationen, die sich erst am Markt etablieren und behaupten müssen, absieht: Es geht darum, jedes Material entsprechend seiner Eigenschaft – wie statische Belastbarkeit, Wärmespeicherkapazität, Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse, lokale Verfügbarkeit etc. – optimal und den vorgegebenen Rahmenbedingungen entsprechend einzusetzen. Neben der Betrachtung von Lebensdauer und Materialmenge gilt es auch, die Grenzen der Betrachtung im Sinne der Erreichung von Klimaneutralität im Jahr 2050 mit Bedacht zu setzen. Die Systemgrenze Gebäude ist hier oft nicht ausreichend. So schlägt sich der Einsatz nachwachsender Rohstoffe in der Bilanzierung von Gebäuden positiv nieder. Ziehen wir beispielsweise wieder den durchschnittlichen Wert für Emissionen aus der Errichtung für Wohnhausanlagen von 6,52 kg CO2equ/m²a heran und betrachten im Vergleich dazu den minimalen Wert, so wird dieser mit 5,94 kg CO2equ/m²a für ein Gebäude in Holzmassivkonstruktion ausgewiesen. Würde es also Sinn machen, andere Materialien umfänglich durch einen nachwachsenden Rohstoff wie Holz zu ersetzen, um CO2-Emissionen zu substituieren? Eine Studie, die aktuell gemeinsam von Forschungsinstitutionen des Bereiches Wald sowie Holz erarbeitet wurde, zeigt dazu ein differenziertes Bild.³ Gerade in Zeiten des Klimawandels ist das Ökosystem Wald demnach großen Belastungen ausgesetzt. Eine Umgestaltung wird speziell in den niedrigeren, trockenen Lagen Österreichs unumgänglich sein. Die Fähigkeit des Waldes, CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen und in einem sehr langsamen Prozess anteilig im Waldboden zu speichern, wird der Substitution von CO2 durch den Ersatz anderer Materialien und Energieträger durch Holz in unterschiedlichen Szenarien gegenübergestellt. Klar wird dabei, dass speziell die Substitution von lastabtragenden Konstruktionen nur in begrenztem Ausmaß zielführend ist.

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Schließlich sollen noch zwei Wohnhausanlagen verglichen werden, die eine sehr ähnliche Konstruktion aufweisen, deren Emissionswerte aus der Errichtung jedoch einmal mit dem Höchstwert von 7,51 kg CO2equ/ m²a und einem leicht unterdurchschnittlichen Wert von nur 6,40 kg CO2equ/m²a deutlich auseinander liegen. Der Unterschied besteht in Aufwendungen für die Hautechnik. Technische Anlagen zeigen im Vergleich zur Konstruktion selbst zumeist recht kurze technische Lebensdauern. Damit schlägt ein hoher Materialeinsatz besonders deutlich zu Buche. Und auch hier ist ein gesamthafte Betrachtung notwendig. So muss die Hautechnische Anlage gewährleisten, dass die zur Bedarfsdeckung benötigte Energie möglichst klimaneutral bereitgestellt werden kann, andererseits darf diese Qualität nicht durch überbordenden Materialeinsatz erreicht werden. Auch hier gilt: „Less is more!“ - und, nur mit einem durchdachten Gesamtkonzept können wir den Green Deal im Gebäudebereich erfüllen.


1  Vgl. etwa: GEBÄUDE ALS MATERIALSPEICHER - RESSOURCENEFFIZIENZ UND CO2EINSPARUNG IN DER SIEDLUNGSBEWERTUNG H. Figl, IBO – Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH Vortrag im Rahmen des Symposions „Stadt der Zukunft - Nachhaltigkeit vom Quartier zum Baustoff“ am 9. Nov. 2017 in Reichenau; beziehungsweise RICHT- UND ZIELWERTE FÜR SIEDLUNGEN ZUR INTEGRALEN BEWERTUNG DER ­KLIMAVERTRÄGLICHKEIT VON GEBÄUDEN UND MOBILITÄTSINFRASTRUKTUR IN ­NEUBAUSIEDLUNGEN O. Mair am Tinkhof, H. Strasser, T. Prinz, S. Herbst, M. Schuster, R. Tomschy, H. Figl, M. Fellner, M. Ploß, T. Roßkopf; Berichte aus Energie- und Umweltforschung 39/2017 2 Vgl.: DIE KLIMAFREUNDLICHE BETONWÜSTE, addendum, Projekt 094 Klima, Item 05; 18.08.2019 https://www.addendum.org/klima/die-klimafreundliche-betonwueste/ 3 Vgl.: CO2-EINSPARUNG DURCH DEN WALDBASIERTEN SEKTOR, aus dem CARE FOR PARIS PROJEKT K. Schadauer, A. Freudenschuß, T. Ledermann, Bundesforschungszentrum für Wald, BFW Praxistag 23. Jänner 2020: Wald der Zukunft sowie TREIBHAUSGASEMISSIONEN DES STOFFLICHEN UND ENERGETISCHEN E ­ INSATZES VON HOLZ IN ÖSTERREICH IM VERGLEICH ZU SUBSTITUTIONSSTOFFEN, Umweltbundesamt, November 2014

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ImFokus: COVID-19 96

IM SCHATTEN DER PANDEMIE

12 Topmanger blicken auf die Zeit des Lockdowns zurück und ziehen ein Resümee. Ganz offen sprechen sie darüber, mit welchen Herausforderungen sie im nächsten Halbjahr rechnen und wie hart es die Branche treffen wird.

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TOTALAUSFALL STADTHOTELLERIE Ein Rückgang von 98,2 Prozent bei den Nächtigungen sorgte bei den Wiener Hotels für ein Gemetzel. Derzeit gibt es wenig Aussicht auf eine schnelle Erholung des Tourismus. Frans-Jan Soede, CEO und Gründer von HAM, erklärt, wie die Hotelbranche in der Zeit nach COVID-19 aussehen wird.

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SO VIEL GEPUTZT WURDE NOCH NIE Normalerweise erledigen sie ihren Job als unsichtbar dienstbare Geister. Während der Pandemie wurden sie plötzlich als Helden gefeiert: Die Facility-Management-Firmen reagierten unterschiedlich auf die große Herausforderung und waren oft unfreiwillig erste Ansprechpartner für schwer verunsicherte Mitarbeiter.

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ImmoFokus


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Positionen & Meinungen

Im Schatten der Pandemie Ein Blick zurück, einer nach vorn. Die große Krise liegt in der Vergangenheit, die Konsequenzen werden die Unternehmen vor allem in den nächsten sechs Monaten zu spüren bekommen. Zwölf Topmanager über die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf das zweite Halbjahr, Umsatz- und Preisentwicklungen und veränderte Arbeitsbedingungen in der Immobranche. Autor: Lisa Grüner

Peter Lazar, Vorstandsvorsitzender ­ViennaEstate Immobilien

Peter Lazar, ­ViennaEstate Immobilien

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ImmoFokus

titutionelle Investoren könnten mittelfristig umschichten und zu Lasten ihrer Rendite aus Retail, Hotel und Wohnen ­desinvestieren. Der Digitalisierungsschub aus der Krise wird manche Office-Anbieter, aber auch viele Dienstleister zwingen, ihre Strategien und Konzepte zu hinterfragen. Ist ein physischer Arbeitsplatz pro Mitarbeiter wirklich der Weisheit letzter Schluss? Virtuelle Besichtigungen sind langfristig ergänzende Angebote, keine ersetzenden. Wir sind gespannt, welche guten Ideen hier in den letzten Wochen entstanden sind. Jedenfalls interessant wird es nach dem Auslaufen der Staatshilfen, sobald man sieht, welche Unternehmen auch ohne diese künstliche Beatmung weiterhin lebensfähig sind. Für jene, die gut durch die Krise kommen, werden sich mit Sicherheit seltene Opportunitäten ergeben, nur muss man aufpassen, dass man sich nicht übernimmt. Wir selbst sehen vorsichtig optimistisch in den Sommer und gehen davon aus, dass wir unsere Mitarbeiter ab Juli – dann an unserem neuen Standort im HoHo Wien Seestadt – wieder in voller Stärke willkommen heißen werden. Arbeitgeberseitige Kündigungen waren bei uns kein Thema, da wir grundsätzlich auch weiterhin auf Wachstum ausgerichtet sind und die Personalkraft brauchen. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Copyright: Pia Morpurgo, Michael Heztmannseder, Vanessa Hartmann-Gnong

„Beim Wohnen ­gehen wir weiterhin von einer stabilen ­ reisentwicklung aus.“ P

Das zweite Halbjahr wird ein Lackmustest für die wirkliche Schwere der Krise, da insbesondere deren mittelfristige Auswirkungen erst nach Auslaufen der Hilfsmaßnahmen feststellbar sein werden. Die Gesamtsituation ist jedenfalls volatil und schwieriger als erwartet und das Geschäftsklima bleibt deutlich getrübt. Doch sehen wir uns mit einem Fokus auf Wohnimmobilien besser gerüstet als andere, wie zum Beispiel Hotels. Der totale Stillstand aus dem ersten Quartal wird nicht mehr aufzuholen sein, soviel scheint klar. Wir gehen davon aus, dass sich – so sie überhaupt kommen – Kaufentscheidungen nach hinten und eher Richtung 2021 verschieben werden. Hier wird sich zeigen, wer am Markt noch Luft hat. Eine vielbeschworene zweite Welle könnte sich dann zu einem nicht so leicht überwindbaren Hindernis entwickeln. Während institutionelle Player eher abschätzen können, wie sich die Situation entwickelt und was das für sie bedeutet, wird ein privater Kaufinteressent eher zweimal nachdenken, ob er sich womöglich hoch verschuldet, um seine Traumimmobilie zu kaufen. Beim Wohnen gehen wir weiterhin von einer stabilen Preisentwicklung aus. Die Gretchenfrage wird sein, wie es die Finanzinstitute mit dem Neugeschäft bei Privatkunden halten. Bleibt Wohnen finanzierbar oder sitzt der Schock bei großen Instituten zu tief? Ins-


„Ich bin zuversichtlich, dass wir auch im zweiten Halbjahr 2020 die laufenden Wohnbauprojekte erfolgreich abschließen werden.“ Gerhild Bensch-König, Geschäftsführerin Raiffeisen WohnBau Unsere größte Herausforderung ist, nach, ebenso wie vor Corona, die sehr gute Auslastung der Bauunternehmen und die damit verbundenen stark gestiegenen Baukosten. Diese bringen manche Projekte an den Rand der Wirtschaftlichkeit. Die weitere Entwicklung der Baukosten hängt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Nachfrage an Bauleistungen ab. Diese werden, meiner Einschätzung nach, eher zurückgehen. Die Preise für Wohnungen werden auch in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter steigen, wenn auch nur moderat. Eine Stagnation be-

Gerhild Bensch-König, Raiffeisen WohnBau ziehungsweise einen Preisrückgang erwarten wir gerade in Wien nicht. Dem Wunsch nach Wohnimmobilien mit Freiflächen sowie nach einer Veranlagung in solide und reale Werte steht das Thema der Leistbarkeit und der Investitions- und Finanzierungsfreude der Kunden gegenüber. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch im zweiten Halbjahr 2020 die laufenden Wohnbauprojekte erfolgreich abschließen werden. Während der Krise konnten wir auf Kurzarbeit verzichten und unsere Leistungen

zu 100 Prozent im Home-Office erbringen. Investitionen in Besichtigungs-Tools mit 3DRundgängen und einem Grundrissnavigator, mit dem Wohnungen in unterschiedlichen Stockwerken besucht werden können, haben sich bezahlt gemacht. Auch setzen wir Augmented Reality ein, mit der Online-Modelle der Immobilie betrachtet werden können. Vom heutigen Gesichtspunkt aus, hat Corona vor allem Spuren der Verunsicherung hinterlassen, die vielleicht auch zu einer gewissen Konsolidierung am Immobilienmarkt beitragen werden. Die eine oder andere corona-bedingte Bauverzögerung könnte eine Verschiebung von Ergebnissen in das nächste Jahr mit sich bringen.

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Positionen & Meinungen

Daniel Jelitzka, Geschäftsführer JP Immobilien Das zweite Halbjahr 2020 - als Post-CoronaZeitalter - ist vom Erwachen aus der Schockstarre, der allfälligen Schadensbegutachtung und der Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit, mit dem Ziel, wieder die Wirtschaftskennzahlen vor Corona zu erreichen, geprägt. Vorausgesetzt, dass es zu keiner zweiten Corona-Welle beziehungsweise zu einem zugänglichen Impfstoff im ersten, zweiten Quartal 2021 kommt, gehen wir davon aus, dass sich die Wirtschaftsdaten, die derzeit zweifelsohne auf einem historischen Tiefpunkt nach dem zweiten Weltkrieg sind, wieder nachhaltig und deutlich verbessern. Bezogen auf die verschiedenen Immobilien-Assetklassen gehen wir von nachfolgenden Marktentwicklungen für die nächsten Monate und Jahre aus: Die Hotel- und Tourismus-Assets haben durch die Einstellung des Flugverkehrs und die behördlichen Schließungen deutlich an Wert verloren, da die Nachfrage gänzlich eingebrochen ist. Wir gehen davon aus, dass in alle Hotel- und Tourismusbetriebe 2020 massiv Kapital eingeschossen werden muss, dass 2021 eine schwarze Null erwirtschaftet werden kann und erst 2022 beziehungsweise 2023 wieder die Zahlen von vor Corona erreicht werden können. Dennoch bleibt die Hotelund Tourismusbranche – auch bei zukünftig zu erwartendem geändertem Reiseverhalten der Urlaubenden – einer der dynamischsten Industriezweige, welcher sich kurz- bis mittelfristig wieder gänzlich erholen wird. Bei den Büro-Assets gehen wir davon aus, dass einige Büromieter große und teure Flächen im Rahmen ihrer corona-bedingten, notwendigen Einsparungsmaßnahmen gegen kleinere und günstigere Flächen eintauschen werden. Das

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ImmoFokus

„Die Logistik-­ Immobilien zählen ­aufgrund des im Corona-­Zeit-­­­ alter gelebten ­kontaktlosen Einkaufens definitiv zu den Gewinnern der Krise.“ Daniel Jelitzka, JP Immobilien

Motiv der Büroanmietung wird sich von Expansions- hin zur Einsparungsanmietung verlagern. Die Arbeit im Home-Office ist nach Corona eine rasch gelernte Arbeitsform und wird in Zukunft sicherlich vermehrt angewendet werden, wobei wir jedoch nicht davon ausgehen, dass dadurch etwaige Büro-arbeitsplätze obsolet werden, dies insbesondere in Hinblick der ausschließlich im Büro gegebenen sozialkommunikativen Kontakte. Beim Einzelhandel ist davon auszugehen, dass aufgrund der Corona-Krise der private Konsum abnehmen wird und damit auch der Einzelhandel unter Druck geraten wird. Im Ergebnis ist davon auszugehen, dass zahlreiche Einzelhändler in B- und C-Lagen ihre Bestände rückstellen werden. Die Logistik-Immobilien zählen aufgrund des im Corona-Zeitalter gelebten kontaktlosen Einkaufens definitiv zu den Gewinnern der Krise. Das Wohnen hat sich auch im Rahmen der Corona-Krise als krisenresistenteste Assetklasse bewährt und damit ist die Nachfrage nach Wohnraum, sowohl von Seiten der Wohnungskäufer und-mieter, als auch Investoren, ungebrochen. Nachdem andere Assetklassen nunmehr etwas kritischer gesehen werden, ist davon auszugehen, dass pro futuro mehr Geld in die Assetklasse Wohnen fließen wird. Sinngemäß gilt dies auch für den Zinshausmarkt. Die vorgenannten Szenarien können jedoch von der Politik erheblich „abgefedert“ werden, wenn nunmehr einerseits Unternehmen intensiviert werden, etwa durch steuerliche Begünstigungen oder nicht rückzahlbare Zuschüsse weiter zu investieren und zu produzieren und andererseits der private Konsum „angekurbelt“ wird. Die diesbezüglichen Bemühungen der Regierung sind offensichtlich.


Daniela Witt-Dörring, Partnerin WEBER & CO Wenn ich die Auswirkungen der COVID-19Pandemie auf das zweite Halbjahr 2020 betrachte, schlagen zwei Seelen in meiner Brust. Die der Beurteilung meines Geschäfts als Immobilienanwältin, und des Geschäfts meiner Klienten, also der Immobilienbranche. Als Anwälte hat uns die Krise nur gedämpft getroffen. Die Verschiebung von Transaktionen und Projekten wurde vom hohen Beratungsbedarf in Bezug auf die COVID-19-Gesetzesflut und die verordneten Maßnahmen, insbesondere im Bereich Geschäftsraummieten, abgefangen. Ich rechne daher mit einem Einpendeln der Umsätze im Immobilienbereich unserer Rechtsanwaltssozietät auf Vorjahresniveau, das zu Jahresbeginn erwartete Wachstum wird sich wohl nicht mehr verwirklichen lassen. Wir sind froh, dass wir keine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken mussten, da hat es ausgereicht in der harten Phase des Lockdowns Überstunden und Urlaubsguthaben abbauen zu lassen. Als Teil der Rechtspflege waren wir aber auch „privilegierter Betrieb“ und mussten die Kanzlei nicht geschlossen halten, haben aber die Besetzungsdichte etwas heruntergefahren. Der „Luxus“ des Altbaubüros hat sich

„Bei Büros sehe ich die Verstärkung des Trends zur fl ­ exiblen Nutzung und Mehrfach­belegung. “ Daniela Witt-Dörring, Partnerin WEBER & CO in Bezug auf die Abstandsregeln bezahlt gemacht. Homeoffice war für die Juristen leichter umzusetzen als für das Backoffice. Ein Lerneffekt war sicherlich, mit weniger Backoffice-Unterstützung auskommen zu können. Dass als Rechtsanwalt von überall gearbeitet werden kann und oftmals auch muss, war auch vor der Krise zur Maximierung der Erreichbarkeitszeiten schon bestimmender

Faktor des Alltages. Betreffend neue Dienstleistungen ist für meinen Bereich der Ausdruck „Webinar“ Kandidat für das Wort des Jahres. Und dass die Vermeidung von Fahrtzeiten die verfügbare Nettoarbeitszeit pro Tag erhöht, hat sich positiv bemerkbar gemacht. Für unsere Branche sehe ich einen Anstieg bei den Wohnungspreisen im Segment Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser im gehobenen Preissegment. Den Menschen wurde bewusst, wie wichtig der „sichere Hafen“ des eigenen Zuhauses in einer Pandemie ist, auch um arbeiten und verdienen zu können, und wie relativ verzichtbar sonstige Ausgaben im Lifestyle und Freizeitbereich sind. Logistik wird, wie auch schon vor der Krise, weiter zulegen. Bei Büros sehe ich die Verstärkung des Trends zur flexiblen und Mehrfachbelegung. Hotel bleibt ein Fragezeichen, was die Dauer der Durststrecke betrifft, wird es aber meiner Einschätzung nach stärker zurückkommen als Retail und das klassische Büro. Bleiben wir also optimistisch und anpassungsfähig am Weg in die neue Post-COVID-Realität, damit wir ­gestärkt aus der Krise herauskommen.

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Positionen & Meinungen

Anton Bondi de Antoni, Geschäftsführer Bondi Consult Es ist davon auszugehen, dass sich der Markt weitgehend normalisieren wird, wenngleich der Entfall des zweiten Quartals nicht zur Gänze aufgeholt werden kann. Kommt es nicht nochmals zu einem massiven Ausbruch der Pandemie, ist davon auszugehen, dass sich im zweiten Halbjahr 2020 im Bereich der Immobilien das Leben wieder normalisieren wird. Inwieweit die Probleme anderer Branchen, insbesondere Ferienhotellerie, Gastronomie, aber auch kleinerer oder mittlerer Dienstleister, auf die Gesamtentwicklung Auswirkungen hat, bleibt noch abzuwarten; insgesamt gehe ich aber eher von Verschiebungen als von massiven Einbrüchen aus. Die Umsatzeinbußen in unserer Branche im zweiten Quartal werden wohl zeitverschoben bis Anfang 2021 wieder weitgehend aufgefangen werden können; Kurzarbeit wird nicht mehr wirklich ein Thema sein, inwieweit sich in einzelnen Bereichen (teilweises) Home-Office durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Ich glaube jedoch nicht, dass es eine massive und damit relevante Verschiebung in den Büronutzungen geben wird. Ausgenommen davon sind die Großraumbüros, die mit Vorrichtungen ausgestattet werden, die eine „sichere“ Nutzung möglich machen. Damit werden tendenziell Arbeitsplätze verloren gehen und damit allfälliger zusätzlicher Bedarf an Büroflächen generiert. Maßgeblichen Einfluss auf die Preise sehe ich im gewerblichen Bereich nicht, im Bereich Wohnen kann es durchaus im mittleren Preissegment noch zu einem Anstieg kommen, da die Marktdaten zeigen, dass die Nachfrage nach Wohnungen tendenziell gestiegen ist. Hier wird jedoch eine Verschiebung hin zu etwas größeren Wohnungen zu erwarten sein. Aus meiner Sicht wird sich zumindest der Trend zu Microwohnen verflachen. Neue Dienstleistungen sind wohl im Bereich der Digitalisierung, des Ausbaues von WLAN, VPN und Videokonferenzangeboten zu erwarten, die wiederum die Ausstattung von Büroarbeitsplätzen, aber auch das Angebot von Dienstgebern für Dienstnehmer (Home-Nutzung von Laptops, Kostenbeiträge bei HomeOffice) beeinflussen werden. Sofern uns die Pandemie nicht nochmals einholt, erwarte ich für 2021 eine weitgehende Normalisierung der Geschäftstätigkeit, wobei auch Nachholeffekte für die in den letzten Monaten ausgefallenen Umsätze und Leistungen zu erwarten sind.

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ImmoFokus

Roland Pichler, Geschäftsführer Die Wohnkompanie

„Die Umsatzeinbußen im zweiten Quartal werden in unserer Branche wohl zeitverschoben bis Anfang 2021 wieder weitgehend aufgefangen werden können.“ Anton Bondi de Antoni, Bondi Consult

„Aufgrund der ­Verknappung von Neuprojekten und dem zusätzlichen Druck auf die Branche, könnten die Preise nochmals steigen.“ Roland Pichler, Die Wohnkompanie

Wir gehen davon aus, dass das zweite Halbjahr 2020 weiterhin von der COVID-19-Pandemie stark beeinflusst sein wird. Die Unsicherheit auf den Aktienmärkten wird Investoren jeder Größe in Wohnimmobilien drängen. Aufgrund der Verknappung von Neuprojekten und dem zusätzlichen Druck auf die Branche, könnten die Preise nochmals steigen. Die Vermietung und der Einzelabverkauf von Eigentumswohnungen funktioniert wieder. Die Kunden werden auf zusätzliche Art und Weise informiert und betreut. Der Flaschenhals wird noch mehr die Leistbarkeit sein. Die gestiegene Arbeitslosigkeit einerseits und die strikteren Finanzierungsauflagen der Banken andererseits hemmen die Vertriebsgeschwindigkeit deutlich. Luxuswohnimmobilien hingegen könnten wieder mehr an Interesse und Nachfrage gewinnen. Für einige ist es erstrebenswert, sich in Zeiten wie diesen etwas positives Neues zu gönnen und wie man sieht, sind Wohnimmobilien generell krisensicher. Die gewerblichen Immobilien und Projektentwicklungen, vor allem Hotel und Büro werden die nächsten Monate noch schwächeln. Dennoch gehen wir davon aus, dass sich, mit Einkehren der Normalität alle Bereiche wieder erholen werden und damit verbunden auch das Arbeitsleben und -pensum auf das vorige Niveau zurückkommt. Digitales und flexibles Arbeiten, sowie auch Home-Working wird – da nun salonfähig – Bestand haben. Damit die Vollbeschäftigung wieder erreicht wird, ist eine Verschiebung in die teilweise neu entstandenen und kommenden Dienstleistungen der Immobilienbranche zu erwarten. Vor allem im Bereich der Vermarktung und Beratung führen neue Aspekte der Distanzierung und Vorbereitung auf etwaige zukünftige Ereignisse zu einem neuen Bedarf in diesen Sparten. Unterm Strich wird man sich ranhalten müssen, den Umsatz zu halten beziehungsweise zu steigern. Weitere Verschiebungen in den Investorenmarkt und damit verbunden in die Vermietung sind zu erwarten. Flexibles und digitales Arbeiten, auch von zu Hause wird uns in Zukunft begleiten. Ab Herbst ist sicherlich auch mit dem einen oder anderen Projektverkauf zu günstigeren Konditionen zu rechnen. Ein Trend, der sich 2021 voraussichtlich fortsetzen wird.


Andreas Holler, Geschäftsführer BUWOG Group Die Immobilienbranche, insbesondere der Bereich Wohnimmobilien, hat die Coronakrise bislang weitgehend unbeschadet überstanden. Das liegt vor allem daran, dass Wohnimmobilien eine sichere Anlageform sind und daher auch als „Krisenwährung“ gesehen werden. Wohnen ist ein Grundbedürfnis, insofern bleibt der Markt auch im zweiten Halbjahr aus unserer Sicht stabil. Ob und in welchem Ausmaß die derzeitige Krise die Preise im Miet- und Eigentumssegment langfristig beeinflussen wird, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen, wir rechnen aber mit keinen allzu großen Schwankungen, vor allem nicht im bezahlbaren Eigentums- und Mietsegment. Einfluss auf unsere Projektentwicklung hatten die Umstände nur kurzzeitig, während im März die Arbeiten an in Bau befindlichen Projekten von Generalunternehmern vorübergehend, zum Teil oder ganz eingestellt wurden. So verzögerte sich beispielsweise die Fertigstellung des neuen BUWOG Kunden- und

Verwaltungszentrum in der Rathausstraße 1 um wenige Wochen. In Summe rechnen wir bei einem Großteil unserer Projekte aber weiterhin mit einer planmäßigen Fertigstellung und Übergabe. Ich bin davon überzeugt, dass die BUWOG sowohl als Bauträger als auch als Arbeitgeber bestens auf die Situation der vergangenen Monate reagiert hat. Die Umstellung auf HomeOffice erfolgte unkompliziert und reibungslos. Kurzarbeit war kein Thema. Mit Lockerung der Ausgangsbeschränkungen wurde nun seit Anfang Juni auch der Betrieb in unseren Büros langsam wieder hochgefahren: Alle Abteilungen wurden in Kleingruppen eingeteilt, die im wochenweisen Wechsel vor Ort anwesend sind – konsequent unter Einhaltung von Sicherheitsabstand und Schutzmaskenpflicht. Für unsere Kunden wurde ab der ersten Sekunde des Lockdowns intensiv nach Lösungen gesucht, um sie auch weiterhin gut betreuen

„Die Umstellung auf Home-Office erfolgte unkompliziert und reibungslos.“ Andreas Holler, BUWOG Group

zu können. Mit Hilfe digitaler Angebote konnten wir ein optimales Service für sie und Interessenten aufrechterhalten: Kundenfreundliche Videos ermöglichen virtuelle Wohnungsbesichtigungen, zusätzlich wurde auf Video-Beratungsgespräche gesetzt sowie auf die Möglichkeit, Miet- und Kaufabschlüsse online abzuwickeln.

Weitblick durch Kundennähe.

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Positionen & Meinungen

schriften haben natürlich auch unsere Arbeitsprozesse massiv verändert. So haben wir nicht nur alle unsere Mitarbeiter mit Mund-NasenSchutz ausgestattet, sondern noch vor der Rückkehr ins Büro Plexiglaswände zwischen den Arbeitsplätzen installiert und in jedem

Raum Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Auch nach der Phase des Home-Office nutzen wir verstärkt die Möglichkeit von Telefon- und Videokonferenzen, vor allem mit unseren internationalen Kunden. Unabhängig davon, ist uns der persönliche Kontakt mit den Geschäftskunden besonders wichtig. Unsere Kunden sind sehr unterschiedlich von der Pandemie betroffen: im Wohnungsbereich registrieren wir kaum Beeinträchtigungen, Mieten und Kaufpreise sind stabil beziehungsweise sogar leicht steigend. Im Gewerbebereich, der von institutionellen Marktteilnehmern geprägt ist, wird im Moment versucht, soweit es geht, Risiken zu vermeiden und das operative Geschäft zu stabilisieren. Als Konsequenz sind nur die Top-Objekte mit langfristig gesicherten Mieterträgen nicht von Einschränkungen beziehungsweise Preisabschlägen betroffen. Je höher die Unsicherheit des aus der Immobilie resultierenden Ertrages ist, umso größer ist die Auswirkung auf Preise und Renditen. Wir gehen davon aus, dass sich die Situation von Monat zu Monat verbessert. In den meisten Bereichen ist daher zu erwarten, dass man sich im Laufe des kommenden Jahres 2021 wieder dem Vorkrisenniveau annähern wird. Aus diesem Grund blicken wir auch optimistisch in das zweite Halbjahr und darüber hinaus.

corona-spezifische steuerliche Fragestellungen, die uns seit März laufend beschäftigen. Insofern blicken wir positiv in das zweite Halbjahr, da sich die Auftragslage zum Glück unverändert gut darstellt und unsere Mitarbeiter somit gut beschäftigt sind. Aus aktueller Sicht verläuft die Umsatzentwicklung zufriedenstellend, größere Einbrüche haben sich bis dato nicht bemerkbar gemacht. Durch den Lockdown wurde auch die Digitalisierung w ­ eiter vorangetrieben. So konnten unsere Kunden schon bisher papierlos sämtlich Belege über eine Schnittstelle übermitteln, damit diese von uns - ebenfalls digital, verarbeitet werden. Dieses Service wurde in den letzten Monaten naturgemäß noch stärker genutzt als bisher. Für uns als Unternehmen waren auch während des Lockdowns Kurzarbeit oder Kündigungen, schon aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber unseren Mitarbeitern, kein Thema, ganz im Gegenteil, sind wir unverändert auf der Suche nach zusätzlichen Mitarbeitern. Der Lockdown hat uns

aber auch gezeigt, dass neue Arbeitsformen wie insbesondere Home-Office von den Mitarbeitern gut angenommen wurden und sehr gut funktioniert haben. Dem höheren Abstimmungsbedarf stand eine höhere Flexibilität gegenüber und diese positiven Aspekte gilt es jetzt – wo sich die Situation wieder n ­ ormalisiert – weiterzuführen. Die Auswirkungen von COVID-19 auf die Immobilienbranche generell sind schwer einzuschätzen und hängen auch von den Gegebenheiten des Einzelfalls ab. Während Hotel- und Retailimmobilien sicher stärker in Mitleidenschaft gezogen waren, halten sich Wohn- und Büroimmobilien durchaus stabil. Hier wird es auf den weiteren Verlauf der Pandemie ankommen, bevor ein Resümee gezogen werden kann. Wir als Unternehmen und ich persönlich blicken optimistisch in das Jahr 2021, da wir sicher sind, dass es durch die Anstrengung von uns allen wieder aufwärts geht und damit auch die Wirtschaft wieder neu durchstarten wird.

Michael Ehlmaier, Geschäftsführer EHL Immobilien Mit dem seit Ende März begonnenen Rückgang der Neuinfektionen hat auch die wirtschaftliche Entwicklung in Richtung Erholung und Normalität eingesetzt. Das Vorkrisenniveau wird die österreichische Wirtschaft aber voraussichtlich im laufenden Jahr nicht erreichen, in manchen Bereichen wie dem Tourismus oder der Gastronomie wird dies noch wesentlich länger dauern. Positiv zu erwähnen ist allerdings, dass nahezu alle Wirtschaftsforscher für 2021 von einer starken Erholung ausgehen und der heurige BIP-Rückgang im kommenden Jahr nahezu aufgeholt werden kann. Auch in der EHL hat die Pandemie die Dynamik des Geschäfts merklich gebremst. Wir gehen aber davon aus, dass wir auch 2020 ein solides Ergebnis erreichen werden, auch wenn sich nicht alle Bereiche gleich positiv entwickeln. Mittlerweile stehen wir unseren Kunden wieder in voller Besetzung und gewohnter Stärke zur Verfügung, wenngleich unsere Mitarbeiter auch während des Shutdowns im stetigen Austausch mit unseren Kunden waren. Erfreulicherweise ist EHL ein gesundes und stabiles Unternehmen, sodass wir unsere Mannschaft zur Gänze halten konnten. Die Pandemie und die von der Regierung erlassenen Hygienevor-

„Durch den Lockdown wurde die ­Digitalisierung weiter vorangetrieben.“ Gunther Lang, TPA Gunther Lang, Partner TPA Für uns als Steuerberatungsunternehmen gab und gibt es seit den COVID-19-bedingten Einschränkungen viel zu tun. Sei es etwa betreffend Fragen rund um die Kurzarbeit, Härtefallfonds oder Fixkostenzuschuss, oder aber auch

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ImmoFokus

„ Je höher die Unsicherheit des aus der Immobilie resultierenden Ertrages ist, umso größer ist die Auswirkung auf Preise und Renditen.“ Michael Ehlmaier, EHL Immobilien


Wolfgang Scheibenpflug, ­Geschäftsbereichsleiter Flughafen Wien Nach der ersten Schockstarre nach dem Lockdown erwarten wir, dass sich die Nachfrage nach modernen Büroflächen wieder erholen wird. Wir orten ein steigendes Interesse an Business-Standorten, die einen Mehrwert für den Kunden bieten. Sei es durch eine perfekte Anbindung als auch durch ein perfektes Serviceangebot, wie Restaurants, Kindergarten, Fitnesscenter, Post, Co-Working und Konferenzbereich. Mit der Aiport City haben wir in den letzten Jahren ein perfektes Produkt und weiteres Standbein geschaffen. Gerade eine globale Krise beweist, dass Flughäfen mit einer bedeutenden Airport-City-Entwicklung wirtschaftlich deutlich resilienter aufgestellt sind. Auch wirkt die Krise wie ein Katalysator für neue Entwicklungen. Die Digitalisierung der Arbeitswelt wurde „über Nacht“ eingeführt und gelernt. Auch das flächendeckende

„ Die Krise wirkt wie ein Katalysator für neue Entwicklungen.“ Wolfgang Scheibenpflug, Flughafen Wien Arbeiten im Home-Office wurde mit all seinen Vor- und Nachteilen erprobt. Das sind Entwicklungen, die sicherlich von Bestand sein werden und die eine Umorientierung der Projektentwickler und Vermieter erzwingt. Es wird nicht mehr genügen, eine „nackte“ Fläche zu möglichst günstigen Konditionen anzubieten, sondern einen Mehrwert für den Kunden zu generieren. Die Schaffung beziehungsweise Bereitstellung neuer Dienstleistungen

wird entscheidend zum Vermarktungserfolg beitragen. Flexibilität, umfassender Kundenservice und individuelle Betreuung sind Schlüsselfaktoren der Zukunft. Da die Flugindustrie eine der Hauptbetroffenen der Krise war, befanden und befinden sich viele Mitarbeiter aktuell in Kurzarbeit. Es stellt aber auch eine große Chance dar, Standorte und zukünftige Kundenbedürfnisse neu zu denken. Die Entwicklung der Preise ist seriöserweise noch nicht vorhersehbar. Ich bin aber überzeugt, dass eine deutliche Preisschere zwischen den einzelnen Qualitätsstufen beziehungsweise Standorten aufgehen wird. 2021 sehe ich optimistisch entgegen. Die Erholung der Wirtschaft und die damit einhergehenden neuen Geschäftsideen werden zu einer verstärkten Nachfrage nach neuen Objekten und Serviceangeboten ­führen.

Zwischen den Zahlen lesen.

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Positionen & Meinungen

Robert Schmid, Geschäftsführer Schmid Holding

„Qualität ist ­not­wendig, um ­langfristig nutzbare Häuser zu bauen.“ Robert Schmid, Schmid Holding

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ImmoFokus

Die, aus meiner Sicht durchaus vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen aufgrund von COVID-19 haben dazu geführt, dass im April kurzfristig für die Zeit von zwei Wochen fast kein Umsatz und Absatz zu verzeichnen war. Dies war jedoch sehr unterschiedlich. Grundprodukte, wie Transportbeton, sind nahezu auf null abgesackt, während Heimwerkerprodukte, die noch im Baumarkt verfügbar waren, relativ stabil weitergelaufen sind. Das zweite Halbjahr 2020 wird sich aus unserer Sicht durch Fertigstellungen von Neubauten auszeichnen, Neubeginne wird es wenig geben und das wird auch das große Problem im Jahr 2021. Der Wunsch, die thermische Sanierung und Sanierung allgemein zu forcieren, um einerseits Konjunktur und Arbeit zu fördern und andererseits das Klima zu schützen, ist eine sehr gute Idee der öffentlichen Hand. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Umsetzung schnell genug und pragmatisch, im Sinne von „keep it simple“, sein wird! Mit wenig Aufwand sollte man sanieren dürfen und mit wenig Aufwand sollte man zu etwaigen Förderungen kommen. Aus meiner Sicht braucht es nicht irgendwelche Steuer- oder Finanzierungsunterstützungen, sondern, im Sinne von „nur Bares ist Wahres“, Einmalzahlungen an die Sanierungswilligen. Die Kurzarbeit ist vorbei, Kündigungen gab es meines Wissens am Bau relativ wenige beziehungsweise sind die Menschen wieder eingestellt worden und auch die ausländischen Arbeitskräfte, die wir dringend brauchen, sind wieder im Land. Auf den Baustellen gibt es ganz sicher Veränderungen aufgrund von COVID-19, die in Richtung

Mehrnutzung von Verarbeitungsmaschinen, das Verwenden qualitativ hochwertigerer und schnellerer Materialien und sparsamer und effizienter Arbeitsleistung gehen werden. Unser Denken der Vergangenheit im Sinne von mehr, mehr, mehr wird hoffentlich im Sinne des Leitspruchs „mehr Klasse als Masse“ ergänzt. Qualität ist notwendig, um langfristig nutzbare Häuser zu bauen. Nicht nur die Qualität und lange Haltbarkeit der Baustoffe, sondern am Ende auch die Nachnutzung im Sinne der sinnvollen Recyclierbarkeit und Kreislaufwirtschaft werden in nächster Zeit große Themen sein. Höhere Qualität führt natürlich auch zu höheren Preisen, aber zu geringeren Mengen. Am Ende des Tages leben wir nicht von großen Mengen, sondern von guten Produkten und fairen Preisen dafür. Das Jahr 2021 wird jedenfalls super spannend und die Unternehmer werden sehr, sehr wachsam, aber nicht ängstlich den Markt beobachten müssen, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.


Bernd Winter, Partner BDO Austria Aktuell zeigt sich die Immobilienbranche allgemein als relativ krisenresistent. Zu den stärksten betroffenen Branchen der COVID19-verursachten Pandemie zählen der Handel, mit Ausnahme des Lebensmittelhandels und tourismusnahe Branchen. Die drohende Insolvenz bei Einzelhändlern, die Verschiebung zum Online-Handel und das Ausbleiben der (Städte-)Touristen wirken sich insbesondere auch auf einzelne Teilbereiche der Immobilienbranche aus. Die konkreten Auswirkungen auf das zweite Halbjahr 2020 unterliegen - wie auch der konjunkturelle Ausblick – nach wie vor hoher Unsicherheit. Aktuell scheint es so, dass der Wohnimmobilienmarkt trotz CoronaKrise insbesondere in den Großstädten, als auch die Immobilienpreise im Gewerbebereich preisstabil bleiben. Die einzelnen Sektoren sind jedoch unterschiedlich stark betroffen: während die Hotellerie, Gastronomie und der Einzelhandel es in der Corona-Krise schwer haben, könnte der Bedarf an Lagerflächen wachsen. Die derzeitige Zentralbankpolitik mit einem mittelfristig erwarteten niedrigen Zinsniveau sollte sich stützend auf die breite Immobilienpreisentwicklung auswirken.

„Durch die Lockerungsmaßnahmen sowie die Maßnahmenpakete sollte 2021 eine Erholung in diversen Branchen und eine Stabilisierung der Wirtschaft gelingen.“ Bernd Winter, BDO Austria

Meines Erachtens sehr positiv, wird sich das gute Krisenmanagement in Österreich oder Deutschland, in Relation zu schwerer betroffenen Ländern auch preislich bemerkbar machen; ich erwarte, dass Österreich daher insgesamt gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird. Die Einschränkungen im Hinblick auf Social Distancing sowie das Verbot der physischen Begehung hat allgemein den gewohnten Ablauf bei der Objektvermittlung gestört und

führten zu Umsatzausfällen beziehungsweise im besten Fall zu Umsatzverschiebungen. Allerdings war gerade im Bereich kleinere Wohnungen sowie teilweise auch im Gewerbe- und Logistiksegment durchaus eine Nachfrage wahrnehmbar, ebenso kam es kaum zu Abbrüchen bei bereits laufenden Transaktionen. Der damit einhergehende Digitalisierungsschub tut der Immobilienbranche gut. Mit Hilfe moderner 360-Grad-Kameras können nun virtuelle Immobilienbesichtigungen bequem von Zuhause stattfinden. Insbesondere wurden Social-Media-Kanäle gepusht, flexible Arbeitsformen werden zukünftig sowohl seitens der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer gefordert sein. Ein weitaus höherer Anteil an Arbeitnehmern, die zumindest tageweise im Home-Office arbeiten ist denkbar und könnte zu einer Reduktion beim Flächenbedarf für Büroflächen führen. Dennoch wurde die Immobilienbranche bis dato von der CoronaKrise im Allgemeinen weniger hart getroffen als andere Branchen. Und trotzdem ist sie mit erheblichen Unsicherheitsfaktoren, wie Mietausfällen, Liquiditätseinbußen und einer häufig abwartenden Haltung bei Transaktionen beziehungsweise deren Finanzierung, konfrontiert. Durch die Lockerungsmaßnahmen sowie die Maßnahmenpakete sollte 2021 eine Erholung in diversen Branchen und eine Stabilisierung der Wirtschaft gelingen. Abhängig davon ist insbesondere die Entwicklung von Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Der Wohnungsmarkt sollte vergleichsweise stabil bleiben, wobei sich eine langanhaltend höhere Arbeitslosigkeit auch hier nachfragedämpfend auswirken könnte.

Mit Blick über den Zahlenrand.

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Positionen & Meinungen

„Für viele Kollegen wird das COVID-19-­ bedingte Aussetzen im Frühjahr nicht mehr einzuholen und es wird für viele heuer ein Kampf ums Überleben sein.“ Georg Spiegelfeld, Spiegelfeld Immobilien

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Georg Spiegelfeld, Geschäftsführer Spiegelfeld Immobilien Da wir im ersten Halbjahr die für uns wichtigsten sieben bis acht Wochen nur eingeschränkt arbeiten konnten, wird sich das sicherlich im zweiten Halbjahr bemerkbar machen. Wie sehr, wird von der allgemeinen wirtschaftlichen Situation abhängen ist noch nicht absehbar. Die Frage ist auch, wie schnell sich die regionalen und internationalen Märkte und Lieferketten erholen und wie sich das auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Für viele Kollegen wird das COVID-19-bedingte Aussetzen im Frühjahr nicht mehr einzuholen und es wird für viele heuer ein Kampf ums Überleben sein. Außerdem befürchte ich auch, dass die, schon vor der Krise in Diskussion befindlichen, Rahmenbedingungen zusätzlich ihren negativen Beitrag leisten werden, sollten diese jetzt auch noch umgesetzt werden. Preisveränderungen sehen wir weder im Wohnbereich noch im Bereich Retail in den guten Lagen, sowie Betriebsobjekten. Am ehesten könnten Nebenlagen leiden. Die Arbeitsbedingungen haben sich etwas verändert: die Umstellung auf HomeWorking hat größtenteils gut und schnell funktioniert und bei vielen großes Gefallen gefunden. Ich vermisse nur den Schwung in die Normalität. Durch Zoom beispielsweise haben wir gelernt, nicht mehr ortsabhängig sein zu müssen, trotzdem finde ich, dass die Kommunikation und Kreativität leider etwas verloren geht. Da müssen neue Wege gefunden werden,

wie zum Beispiel gemeinsame Mittagessen und vieles mehr. Möglicherweise wird sich auch das Büro der Zukunft etwas ändern – nicht mehr Arbeitsplatz für jeden, eher mehr Flächen für Meetings – und man merkt schon, dass viele Unternehmen über die Größe des Büros nachdenken. Während des Shutdowns haben wir gesehen, dass zwar vieles mit technischen Hilfsmitteln, Internet, 360 Grad und Co unseren Kunden gezeigt werden kann, aber es ist nur eine Unterstützung bei der Grobauswahl, die endgültige Entscheidung fällt erst bei der persönlichen Besichtigung. Das ist auch der Grund, der mich darin bestätigt, dass es immer einen Immobilienmakler geben wird, der beratend und mit entsprechendem Know-how dem Kunden zur Seite steht. Vor allem hat die Krise gezeigt, dass das Investment in Immobilien immer richtig ist. Wenn man sich ansieht, wie negativ sich der Kapitalmarkt entwickelt, ist man mit Immobilien auf der besseren Seite. Natürlich gab es auch da Ausfälle, aber meistens wurden diese gestundet oder die Verluste sind in einem erträglichen Rahmen. Als grenzenloser Optimist gehe ich davon aus, dass es 2021 Bewegung, in welche Richtung auch immer, geben wird – und wenn es Bewegung gibt, ist das für uns immer gut. Ich bin auch sicher, dass es in wirtschaftlicher Hinsicht wieder bergauf gehen wird und es für viele wieder ausreichend Beschäftigung geben wird.


MEHR KOMPETENZ. MEHR DISKRETION. IHR ERFOLG. Dr. Anton Bondi de Antoni

ENTSCHEIDENDES KNOW HOW IN DER BERATUNG UND UMSETZUNG FÃœR IHRE IMMOBILIE. www.bondiconsult.com

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Die bewegte ImmoWirtschaft Regelmäßige Kolumne über Fakten und Inhalte, die verändern und prägen

#22 Jetzt gefragt: Resilienz! In der Krise zeigt sich, welche Unternehmen resilient sind Kommentar: Philipp Kaufmann

COVID-19 fordert uns alle und das Management unserer Unternehmen hat sich neu auszurichten. Ich sage sogar, wir müssen uns von einigen liebgewonnen Gewohnheiten verabschieden – meine Vision sind resiliente Unternehmen. Aber was ist Resilienz?

Resilienter Mensch Der Begriff kommt aus der Psychologie und hat dort eine lange Forschungstradition. Resilienz bezeichnet die Stärke eines Menschen, Lebenskrisen ohne anhaltende Beeinträchtigung durchzustehen. Resilienz wird vor allem im Zusammenhang mit Kindern und dem Erwachsenwerden verwendet. Resiliente Menschen wachsen in einem sozialen Umfeld auf, das durch Risikofaktoren, wie zum Beispiel Armut, Drogenkonsum oder Gewalt, gekennzeichnet ist. Und dennoch sind diese Menschen als Erwachsene zu einer erfolgreichen Lebensführung in der Lage. Diese widerstandsfähigen Personen haben gelernt, dass sie selbst es sind, die über ihr Schicksal bestimmen. Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand und haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten.

Resiliente Unternehmen So wie Menschen, die nach einem Trauma, wie beispielsweise einer Vergewaltigung oder einem dramatischen Kriegserlebnis nicht aufgeben, sondern die Fähigkeit entwickeln, weiterzumachen, gilt es jetzt, resiliente Unternehmen zu formen, die in der Lage sind, unplanbare Krisen, wie etwa COVID-19, zu überleben und widerstandsfähig zu sein. Dafür ist es notwendig, in guten Zeiten genug Reserven zu bilden, ein stabiles Geschäftsmodell zu entwickeln und nicht jeden aktuellen Trend bis zum Maximum auszunutzen. So zeigen die ersten Monate der Krise, dass die großen Profiteure der letzten Finanzkrise, welche die damals bietenden Chancen bis an die Grenze ausgenutzt haben, jetzt in kürzester Zeit unter massiven Druck geraten sind. Denken wir an René Benko und seine Wette auf den innerstädtischen Einzelhandel oder Ronny Pecik mit der Immofinanz. Das Management von resilienten Unternehmen wird in Übertreibungsphasen mit dem Vorwurf konfrontiert sein, nicht von jeder gebotenen Gelegenheit profitiert zu haben beziehungsweise nicht jeden Spielraum maximal ausgenutzt zu haben. Der Lohn für diesen „Verzicht“ wird für alle Stakeholder darin zu finden sein, dass diese Unternehmen Krisen überleben und stabil auf Kurs bleiben. Der Verzicht auf die maximale kurzfristige Rendite, ist die Sicherheit der Stabilität. Welche Unternehmen überleben die Krise, welche sind resilient? Diese Frage wird uns die nächsten Jahre beschäftigen. Denn vieles ist ungewiss und nur eines steht fest: Corona wird uns noch lange begleiten und die nächste Krise kommt ­bestimmt.

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Zum Autor Georg Flödl ist geschäftsführender Partner von Funk Immobilien und bereits mehrere Jahre in unterschiedlichen Funktionen in der Immobilienbranche tätig. Flödl ist Mitbegründer der ÖVI Young Professionals.

COVID-19 – Mietzinsminderungen: Lösungen (nicht) in Sicht Kommentar: Georg Flödl

Die Corona-Pandemie bzw. ihre Folgen verschonen auch die Immobilienwirtschaft nicht. Die Frage, inwieweit Geschäftsraummieter, die von der behördlich verfügten Schließung u.a. von Geschäften und Lokalen betroffen sind, zu einer Mietzinsbefreiung bzw. -minderung berechtigt sind, hat medial eine breite Aufmerksamkeit erfahren. Einschätzungen namhafter Juristen in Verbindung mit allgemeinen Informationen der WKO, nicht zuletzt unterstützt von einer Aussage der Justizministerin, vermitteln den Eindruck, dass sich viele Vermieter auf den Totalausfall von Geschäftsmieten einstellen müssen.

nicht doch eine beschränkte Brauchbarkeit zufällt, die einen gänzlichen Mietzinsentfall ausschließt (z.B. Backoffice für den Onlineverkauf, Zustell- und Lieferdienste, Lagerfunktion).

Der verkürzte Schluss, dass Geschäftsraummieter im Bereich des Handels, der Dienstleistungsunternehmen und der Freizeit- und Sportbetriebe, deren Betriebsstätten unmittelbar von der „Sperrverpflichtung“ gemäß der Verordnung über vorläufige Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 betroffen sind, jedenfalls einen gänzlichen Mietzinsbefreiungsanspruch hätten, ist aus Sicht von ÖVI-Experten unzutreffend. Es wird im Einzelfall zu prüfen sein, inwieweit dem Mieter

Zu den zitierten Bestimmungen des ABGBs gibt es leider (oder besser gesagt mangels Anlässe erfreulicherweise) keine aussagekräftige Judikatur des Obersten Gerichtshofs. Es wird Aufgabe des OGHs sein, hier mit Leitentscheidungen die Grundlagen für die Abwicklung von streitigen Fällen zu schaffen. Doch bis dahin vergehen wohl noch Monate, wenn nicht sogar Jahre.

Strittig ist zudem, ob auch Geschäftsraummietern, die von der zitierten Verordnung nicht unmittelbar betroffen sind, ein gewisses Maß an Mietzinsminderung zukommen könnte, weil etwa Mitarbeitern Home-Office nahegelegt wurde.

Judikatur des Obersten Gerichtshofs fehlt (noch)

Vermieter und Mieter könnten die Empfehlung der immobilienwirtschaftlichen Spitzenverbände in Deutschland als Vorbild nehmen: Gemeinsam durch die Krise wird als Auftrag verstanden, die Belastungen Hälfte-Hälfte auf Mieter und Vermieter gleichermaßen aufzuteilen. Dass in den ersten Wochen der Pandemie noch keine Entscheidungen getroffen wurden, ist verständlich. Jetzt aber, nachdem das wirtschaftliche Leben wieder allmählich Fahrt aufnimmt, sollten die Gespräche zwischen den Vertragspartnern von Bestandsverträgen nicht unnötig hinausgezögert werden. Mittlerweile ist auch in etwa einschätzbar, welche staatlichen Hilfsleistungen überhaupt zur Verfügung stehen. Natürlich gibt es auch dort allzu viele unbekannte Faktoren (Stichwort Schadensminderungspflicht). Im Interesse aller Beteiligten sollte es sein, rasch für Klarheit zu sorgen – ohne langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen.

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Wein & Immobilien

Frisch von der Leber weg Ein lockeres Gespräch beim einem Vinotheksstreifzug mit Herbert Friedl, Geschäftsführer der SoReal .

Gute Aussichten TrIIIple und mehr. Seit 2016 ist der gelernte Baumeister für die gesamte technische Projektabwicklung und das technische Baumanagement bei Immobilienprojekten in Österreich und Deutschland verantwortlich. Kolumne: Lisa Grüner

I

n meiner Lieblings-Vinothek am Rochusmarkt stehe ich immer vor dem gleichen Dilemma: Wo fang ich an, wo hör ich auf. Das umfasst einerseits die Gesprächsthemen, andererseits die große Auswahl an Weinen. Zu meinem heutigen Streifzug habe ich Herbert Friedl, Projektentwickler bei der Soravia-Gruppe und Geschäftsführer der SoReal eingeladen. Unsere lockere Plauderei über aktuelle Projekte beginnen wir mit einem Grünen Veltliner vom Weingut Pfeiffer aus Kleinwetzdorf. Gelbgrün, leicht und duftig mit angenehmer pfeffriger Würze zeigt er sich im Glas. Einen Meter Abstand müssen wir nicht mehr halten und auch keinen Mund-NasenSchutz tragen. Der Kellner hingegen schon. Was uns gleich zu unserem ersten Thema bringt: Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Hotelbranche. Der Lockdown bescherte der Stadthotellerie im April einen schmerzlichen Nächtigungsrückgang um 98 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein großes Pech auch für die Pächter, die kurz vor der Krise oder mittendrinnen ein Hotel übernahmen. Üblicherweise wird für die ersten Monate eine pachtfreie Zeit vereinbart, um den Hotelbetrieb ins Rollen zu bringen, doch was nutzt das in einer Phase, wo so gar nichts rollt? Eben gar nichts. Voller Stolz hatte die Soravia-Gruppe im November 2019 das Amedia Hotel in Linz dem Betreiber übergeben, vier Monate bevor alles heruntergefahren wurde. Ein harter Schlag. Noch fordernder stellte sich der Übergabetermin des 7DaysPremium-Hotel ­

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an Plateno im ersten Quar­tal 2020 heraus. Dank COVID-19 verschob sich die Eröffnung des im neu errichteten Komplex, The Brick, befindliche Hotel auf Anfang Juli. Der ursprüngliche Fokus auf Bussinesskunden fällt ebenso flach. Es wird dauern bis sich die Übernachtungsrekorde am Standort Wien wiedereinstellen. Geduld ist gefragt und Durchhaltevermögen. Reisen ist ein Grundbedürfnis geworden, 2021 kann ja vielleicht alles wieder so sein wie früher. Bis dahin, schlägt Friedl vor, sollte sich in diesem Sommer die Österreichwerbung auf die Österreicher konzentrieren und findet beim letzten Schluck Veltliner eine duftig-fruchtige Note nach Apfel und Melisse. Nie wieder wird es eine Zeit geben, Städte zu besichtigen, ohne sich durch Touristenmassen schieben zu müssen.

Ideen muss man haben Das Sacher hat mit einer witzigen Marketingidee seine Zimmer gefüllt. Frühstück, Mittagessen und Dinner werden in den Suiten serviert, in einem Ambiente, das den Wienern normalerweise nicht zugänglich ist. Mindestkonsumation vorausgesetzt. Bei der Gastronomie sieht Friedl die Situation im Moment schwieriger. Bis alle Lokale wieder gut gefüllt sind, wird es dauern. Unterstützung durch Beihilfen oder Steuerentlastungen wären hier sicher hilfreich. Ich höre unterstützen, nehme es wörtlich und bestelle förderbereit einen Riesling vom Urban aus Wullersdorf. Der AWC-goldprämierte Wein

schmeckt klassisch nach Weingartenpfirsich und Wiesenkräutern, ist voll vollmundig und erfrischend am Gaumen mit rassiger Säure und damit ein typischer Vertreter seiner Sorte. Unser Gespräch schweift von den Preisen für Wohnimmobilien hin zur besten Aussicht der Stadt. Atemberaubend sei der Blick von den TrIIIple-Towers, die gerade am Standort des ehemaligen Zollamts entstehen. Atemraubend finde ich dabei, dass der Preis der Wohnungen zum zweiten Mal erhöht wurde. Verknappung und hohe Nachfrage, erklärt Friedl die Hintergründe und ärgert sich im Nachhinein, dort nicht selbst eine Wohnung gekauft zu haben. Der erste Turm sei großteils verkauft, der zweite schon zu 75 Prozent verwertet und im dritten sind Studentenappartements geplant. Erst wenn man im 24. Stock steht und die Aussicht auf Stadt und Schneeberg genießt, kann man die Attraktivität des Wohnens im Hochhaus spüren. Ganz besonders, erzählt Friedl stolz, sind die Pools mit Aussicht, ganz oben. Es sei das einzige Objekt in Wien mit Schwimmbädern in dieser Höhe. Nahversorger, Kindergärten und Büros machen die TrIIIple-Towers zu einer kleinen Stadt in der Stadt. Besonders wichtig ist, dass der Wert für Behaglichkeit passt. Zu diesem Thema passt ein guter Roter. Für das Fluchtachterl greifen wir zum „Lutz“, einem Zweigelt vom Weingut Weber aus Lutzmannsburg, ein weicher milder Wein mit viel Körper. Sehr stimmig, weils hier grad sehr behaglich ist.


Zum Autor KR Michael Pisecky ist Geschäftsführer der s Real und Obmann der Wiener Fachgruppe der Immobilientreuhänder.

Alles, überall und jederzeit – gestern und heute! Kommentar: Michael Pisecky

Wie rasant sich die Zeiten ändern. Bis vor wenigen Monaten gab es Waren, Dienstleistungen und Services an nahezu jedem Ort der Welt, zumindest für die, die es sich leisten konnten. Die Welt stand einem offen, man konnte unbegrenzt und durchaus günstig zu fast jeder Zeit an jeden Ort gelangen. Es war viel, fast alles verfügbar, ziemlich sicher zu viel, vor allem für Menschen mit Geld. Die Globalisierung hat aber auch dazu beigetragen, dass viele Menschen in den Mittelstand aufstiegen und immer weniger in absoluter Armut leben mussten. Die scheinbare Grenzenlosigkeit kollidierte immer mehr mit der Begrenztheit der Ressourcen. Alle, die das genossen haben, haben ein „we first“ in Anspruch genommen. Dieses „we first“ ist mittlerweile sehr stark von politischen Parteien, Populisten, Autokraten und Interessenvertretungen übernommen worden. Im gemäßigten Bereichen wird es in Form von Klientelpolitik gelebt, in extremer Ausprägung zeigt es sich als Wandel einer Demokratie in eine Diktatur, dazwischen gibt es unzählige Abstufungen davon. Es

wird richtig ungemütlich, wenn man sich das Anschwellen von Konflikten, das Aufrüsten, das Kündigen von Abkommen, das Unterlaufen von Demokratien u.v.m. anschaut – leider funktioniert auch das global.

Geld wird mit Löschflugzeugen ausgebracht Nun kommt eine Krise, die alle bestehenden Krisen in den Schatten stellt, bisherige Errungenschaften vernichtet, die Not vergrößert und „alles, überall und jederzeit“ in eine neue Dimension stößt. Plötzlich ist Geld nichts mehr wert, es gibt dieses scheinbar unbegrenzt, es wird nicht mehr mit Gießkannen, sondern mit Löschflugzeugen ausgebracht. Waren es während der Finanzkrise hunderte Milliarden, sind es nun Billionen und wieder ist es eine nahezu globale Entwicklung. Möge die Besonnenheit wieder „Follower“ finden, mögen Mutige Unterstützungen ablehnen, weil sie derzeit nicht erforderlich sind und finden wir uns damit ab, dass es nicht mehr wird, wie es war. Es steht fast alles fast überall auf dem Spiel und es kann uns jederzeit treffen, leider ist auch das global. Passen wir auf uns und vor allem auf unsere Werte auf, die brauchen wir noch!

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Zum Autor Hans Jörg Ulreich, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Ulreich Bauträger GmbH, Bauträger­ sprecher Österreich, Lektor an der TU Wien und FH Wien.

Was wir wollen

Kommentar: Hans Jörg Ulreich

Corona hat viele Diskussionen aufgeworfen und zahlreiche Fehler in

unserem österreichischen System sichtbar gemacht, vor allem aber ein Thema, das sonst kaum große Aufmerksamkeit bekommt, ein bisschen mehr in den Fokus gerückt: Armut. Rund 1,5 Millionen Österreicher haben ein Einkommen unter der Armutsgrenze und sind daher armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Von diesen rund 17 Prozent unserer Bevölkerung sind 330.000 Betroffene Kinder, rund 240.000 Menschen davon sind materiell erheblich benachteiligt. Für die, die dies nicht betrifft, ist eine solche Situation kaum vorstellbar. Noch schwieriger ist es, dafür die richtigen Worte zu finden oder gar in eine Diskussion darüber einzusteigen. Ich wage es trotzdem.

mich durchaus gerechtfertigt, selbst dann, wenn ich es mir leisten kann, meine Familie und mein Vermögen um ein vielfaches günstiger mit privaten Sicherheitsfirmen oder ähnlichem zu schützen. Ich denke, dass zu einem menschenwürdigen Leben auch gehört, als Betroffener von Armut nicht bei Communitys oder Wohltätigkeitsorganisationen um Hilfe bitten zu müssen, sondern dies eine Aufgabe des Staates sein muss. Zurecht wird kritisiert, dass der Großteil der Betroffenen die privaten Mieten kaum bis gar nicht zahlen kann. Geforderte Mietzinsobergrenzen am privaten Wohnungsmarkt sind hier – richtig zu Ende gedacht – aber keine praktikable Lösung. Und nein, ich sage das nicht als Bauträger, sondern als vermögender Bürger. Denn: Generelle Preisobergrenzen bedeuten gleichzeitig immer eine Reduzierung der Steuereinnahmen.

Unglaublich dankbar, in Österreich leben zu dürfen Während und auch nach dem Lockdown war ich unglaublich dankbar, in Österreich leben zu dürfen. In dieser Ausnahmesituation ist mir, nicht zuletzt auch aufgrund der Berichte meiner im Ausland lebenden Freunde, wieder bewusst geworden, wie wichtig sozialer Frieden und ein Mindestmaß an Versorgung der Ärmsten für eine funktionierende Gesellschaft sind. Wenn dieses Netz reißt und die Situation der Schwächsten vom gerade noch Möglichen ins Unmögliche kippt, dann sind Pandemien nicht unser einziges Problem – wobei ich hier nicht missverstanden werden möchte, ich propagiere nicht „gerade noch“, sondern plädiere für eine menschenwürdige Absicherung der Schwächsten. Ich bin der Auffassung, dass – sollte es aufgrund steigender Notsituationen mehr an öffentlichen Geldern benötigen – durchaus alle, denen es besser geht, einen Beitrag leisten sollen. Höhere oder neue Steuern auf Erbschaften über einer Million oder auf Vermögen sind für den Erhalt der allgemeinen Sicherheit für

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Wann immer ich diesen Punkt aufwerfe, wird mir unterstellt, ich würde nur an meine unternehmerischen Einnahmen denken. Ein Einwand, der leider sehr viel über die Werte des Gegenübers aufzeigt. Mir ist es durchaus etwas wert, dass alle, besonders die Kinder, in unserem Land menschenwürdig und friedlich zusammenleben – sei es durch Vermögenssteuern oder wo auch immer Bestgestellte sinnvoll einen Beitrag leisten können. Gleichzeitig braucht es eine strenge Kontrolle, dass durch solche Steuereinnahmen finanzierte gemeinnützige Güter auch tatsächlich den sozial Benachteiligten zugutekommen. Nur zur Erinnerung: 60 Prozent aller Wohnungen am österreichischen Wohnungsmarkt sind gemeinnützig. Wieso bleiben dann die ärmsten 17 Prozent durch Mieten auf der Strecke? Ich ersuche benachteiligte Menschen in unserem Land eindringlich, ihre Forderungen zu überprüfen und sich nicht durch politisch strategische Kommunikation vom Wesentlichen ablenken zu lassen. Sozialer Frieden kann nur gelingen, wenn wir zusammen das Richtige wollen. Ich wäre sofort dabei!


Zum Autor Frank Brün ist Managing Partner bei Phorus Management. Von 2016 bis 2019 Vorsitzender des Vorstands RICS Österreich und Mitglied der RICS Continental European Standards Board (CESB).

CORONA und RICS Kommentar: Frank Brün

RESILIENZ: Mit Corona wurde der Begriff auf dem Weg zum NewNormal häufiger gebraucht. Den Weg zur Erhaltung der „psychische[n] Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“ (Duden) haben alle unterschiedlich, auf ihre eigene Art, beschritten. Ein Freund spricht mit seinen Topfpflanzen, ein anderer dreht beim Arbeiten den Fernseher auf und ich spreche gerne mit unserer Katze. Eine Herausforderung war anfangs auch die Erhaltung von persönlichen Mindeststandards. Ein Kollege wollte diskutieren, ob es in Ordnung sei, beim Arbeiten den Schlafanzug anzubehalten oder möglicherweise ein Anruf des Chefs beim Gang auf die Keramikabteilung anzunehmen. Mit der Regelmäßigkeit von Zoom- und MS-Teams Online-Calls hat sich diese Frage schließlich erledigt.

Webinar, Streamen oder Online-Meeting. Begriffe, die heute jeder 8-jährige erklären kann. Die etwas Älteren unter uns haben dank Lockdown vielleicht einen solchen daheim, den sie fragen können. Die deutsche Sprache hätte sonst so viel zu bieten, es braucht aber nicht immer Anglizismen: zum Beispiel das Wort Assetmanagementquartalsgesprächtelefontermin, so was gibt es nur bei uns. In einem viral gegangenen Video weist ein Herr für die deutsche Gesellschaft der Psychiater darauf hin, dass man zurzeit von Anrufen überschwemmt würde und dass es in Zeiten der Quarantäne völlig normal sei, wenn man mit Wänden, Blumen oder sonstigen Gegenständen spricht. Er bittet darum, erst anzurufen, wenn sie einem antworten. Meine Katze antwortet mir schon seit Jahren, also kein Grund zur Beunruhigung

HOME-OFFICE: Mit dem Lockdown gelangte das sonst oft geschmähte Home-Office zu neuer Blüte. Es heißt, Home-Office sei wie Schulpflicht – nur schlimmer. Es gibt keine Entschuldigung mehr, nicht am Rechner zu sitzen. Webinare sind das neue großartige Medium zur Akquise. Es gab sogar welche als „After-Work“ für Weinfreunde. Nach der ersten Schockstarre sorgten Online-Meetings für Abwechslung, was jedoch durch den Blick von unten auf die Kollegen in ihre weit geöffneten Nasenlöcher nicht ganz mit dem Plausch am Caféautomaten im Pausenraum zu vergleichen ist. Ein Anblick, der in Erinnerung bleibt. In Zoom schaut meistens jeder auf die anderen herab. Mit leichtem Silberblick, weil er lieber die Qualität seines eigenen Konterfeis auf dem Bildschirm kontrolliert, als in die Kamera zu schauen. In Erinnerung bleibt auch die schlechte Tonübertragung, wenn bei den schicken InEar-Kopfhörern Bluetooth hakt oder die grausame Bildqualität, wenn die Kinder zeitgleich auf Netflix streamen. Unvergesslich auch bei Zoom die schönen Panoramahintergründe der Kollegen, die das Idyll vom Häuserl in Kärnten oder an der Donau bieten sollten, wenn auch das Gegenlicht leicht blendet. Die Angeber! ANGLIZISMEN: Mit dem Einzug der weiteren Digitalisierung mehrte sich auch der Gebrauch von Anglizismen wie Home-Office,

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Zum Autor Andreas Köttl ist Vorstandsmitglied und CEO der ­value one holding AG. Seit 2017 ist er Präsident der ­Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI).

Die Zukunft ist eine Entscheidung Kommentar: Andreas Köttl

Die Welt nach COVID-19 wird nicht mehr sein wie vorher

– hoffentlich! Die COVID-19 Pandemie hat uns überrascht – manche bezeichnen sie als Black Swan, andere wiederum als vorhersehbares Ereignis, auf das wir uns als Gesellschaft hätten vorbereiten müssen –, jedenfalls hat sie uns vor Augen geführt, wie schnell sich unsere (Lebens-)Pläne ändern können. Für mich war die Krise ein echter Ansporn, auch weiterhin alles zu tun, um sich, die Familie und das Unternehmen so aufzustellen, dass man solche Situationen so gut wie möglich abwettern oder daraus resilient hervorgehen kann.

Krise als Chance erkennen Natürlich werden die Ereignisse Einfluss auf die Immobilienbranche haben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Krise als Chance erkennen müssen. Sie wirkt wie ein Katalysator oder Brandbeschleuniger – zum Beispiel für die Digitalisierung und neue Arbeitensweisen. Den Kopf in den Sand zu stecken und sich über nachteilige Entwicklungen zu beschweren, haben noch kein Unternehmen zum Erfolg geführt. Für uns gilt es, die Pain Points der Krise zu analysieren und sich schnell an die neuen Marktgegebenheiten der unterschiedlichen Assetklassen anzupassen. Flexibilität, Mut und Geschwindigkeit bei der Adaption sind in solchen Phasen wichtig, um gestärkt und resilient aus der Krise hervorzugehen. Als Value One können

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wir in Zukunft unsere Stärken, vor allem im Bereich Innovation und Nachhaltigkeit, noch besser am Markt positionieren, denn die Gesellschaft sucht weiterhin nach Antworten. Die Herausforderungen des Klimawandels und des Zusammenlebens in einer immer urbaneren Welt sind durch Corona nicht verschwunden.

Schleichendes „Back 2 Normal“ verhindern Es wäre großartig, wenn wir ein schleichendes „Back 2 Normal“ verhindern und uns nicht vor dem „New Normal“ fürchten würden, sondern vielmehr vor dem „Same Old“. Am besten dem Normalen nicht kritiklos zustimmen, sondern sich so viel wie möglich von dem behalten, was die COVID-19-Krise positiv nach oben befördert hat, wie z.B. Vertrauen in die neue Welt des Arbeitens, zwangloses Ineinanderfließen von Work und Life, Offenheit aller Altersstufen gegenüber der Digitalisierung, den Mut, Dinge mal anders zu machen, bewusste Hinwendung zur Familie, einen höheren Qualitätsanspruch an Urlaub und Freizeit oder einfach mal darüber Nachdenken, wie gut es einem geht. Dann werden wir auch diese Krise gut überstehen und können positiv in die Zukunft schauen. Übrigens waren Krisen – im Rückblick betrachtet – immer die unter­nehmerischsten Zeiten. Ich bin und bleibe optimistisch!


Zum Autor a.o. Univ. Prof. Dr. Gunther Maier: Wirtschaftsuniversität Wien (WU), an der er als Gründer das Forschungsinstitut für Raum- und Immobilienwirtschaft leitet. Er ist Experte für Regionalökonomie.

COVID-19 und die Rolle der Wissenschaft Kommentar: Gunther Maier

Am Anfang der COVID-19 Pandemie zeigte sich – auch auf den Bildschirmen – etwas Neues: Auf einmal standen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoch im Kurs. Christian Drosten in Deutschland und Anthony Fauci in den USA wurden über Nacht zu bekannten Persönlichkeiten. In Österreich gaben sich Virologen und Systemdynamiker die Klinke zum Studio der ZIB 2 in die Hand. Politexperte Peter Filzmaier hatte plötzlich Konkurrenz. Aber nicht nur in den Medien, auch in der Politik wurde die Wissenschaft in Beiräten und Expertengremien zurate gezogen. Vom Bundeskanzler abwärts war auf einmal die Referenz auf den Rat der Experten en vogue. Für die meisten Wissenschaftler war das ziemlich neu und durchaus auch schmeichelhaft. Die Ernüchterung folgte wenige Wochen später.

Die „Bild“-Zeitung startete eine Kampagne gegen Drosten und Fauci verschwand wieder in seinem Labor. In Österreich relativierte ein Sitzungsprotokoll das Bild. Es zeigte, dass die Experten zu ganz anderem geraten hatten, als die Politik letztlich umsetzte.

Politik muss entscheiden, Wissenschaft hingegen zweifeln Den Politikern brachte das zwar einiges an Medienschelte ein, aber im Kern haben sie richtig gehandelt. Denn Wissenschaft und Politik haben völlig unterschiedliche Aufgaben. Politik muss entscheiden, Wissenschaft hingegen zweifeln. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zerlegen Probleme in ihre Bestandteile, treffen Annahmen, um die Probleme zu vereinfachen und so handhabbar zu machen, formulieren Hypothesen, um sie dann wieder zu widerlegen, suchen nach adäquaten Methoden, um am Ende mit wenigen Antworten und viel mehr neuen Fragen dazustehen. Sie hinterfragen die Antworten, die andere gefunden haben, und suchen nach verborgenen Fehlern und Werten. Denn die Antworten der Wissenschaft sollen möglichst objektiv und frei von Werturteilen sein. Daher sind diese Antworten oft kontextabhängig und nur eingeschränkt gültig. Zugleich ist die Wissenschaft hoch spezialisiert. Ein Virologe beschäftigt sich mit anderen Fragen und hat daher auch andere Antworten als ein Immunologe, als ein Ökonom, als ein Soziologe. Die Politik, auf der anderen Seite, muss Entscheidungen treffen und das manchmal rasch. Da ist keine Zeit, darauf zu warten, dassdie Wissenschaft alle ihre Zweifel durchgekaut hat. In einer Demokratie werden Politikerinnen und Politiker auch dafür gewählt, um die Wertvorstellungen der Wähler zu vertreten. Ihnen müssen sie das Gefühl geben, sie zu vertreten und ihre Werte zu verteidigen. Werturteile, die die Wissenschaftler aus ihren Überlegungen eliminieren wollen, sind das tägliche Brot der Politik. In der COVID-19 Pandemie hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Wissenschaft die Politik unterstützen kann und soll, aber nicht ersetzen kann und darf. Evidenzbasierte Politik braucht die Evidenz der Wissenschaft. Am Ende des Tages ist es aber immer noch die Politik, die daraus ihre Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen hat.

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Zum Autor Der studierte Wirtschaftswissenschaftler Franz Pöltl (EHL Investment Consulting) ist seit nunmehr drei Jahrzehnten im Immobilienbereich mit Schwerpunkt Anund Verkauf von großvolumigen Immobilien tätig.

Immobilienmarkt? Welche Sektoren sind stärker, welche weniger stark davon betroffen? Kommentar: Franz Pöltl

Die COVID-19 Pandemie hat auch die Weltwirtschaft völlig unvorbereitet getroffen. Obwohl sich bereits in den letzten 18 Monaten vor den ersten Corona-Fällen die Stimmen derjenigen gemehrt haben, die den Immobilienzyklus unmittelbar vor dem Peak wähnten und vor einem Rückgang der Nachfrage gemahnt hatten, gab es keine ernstzunehmenden Anzeichen für ein Ende der Konjunktur. Unabhängig davon hätte aber niemand ein Virus als auslösendes Moment für einen Umschwung auch nur in Erwähnung gezogen oder gar geahnt, mit welcher Wucht und Geschwindigkeit ein von den Regierungen angeordneter Lockdown das gesellschaftliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten von einem Moment auf den anderen quasi auf Null stellen kann. Nach mittlerweile drei Monaten Pandemie und den ersten Analysen der damit verbundenen Konsequenzen zeigt sich, dass die Menschen, die Wirtschaft und vor allem die Anleger Risiken, die sie vor Corona nicht einmal gekannt hatten, nun ins Zentrum ihres Handelns rücken.

Wohnbedürfnis auch in Zeiten der Pandemie Da es unbestritten auch in Zeiten einer Pandemie ein „Wohnbedürfnis“ gibt, werden Zinshäuser, Neubauwohnhäuser und generell Wohnraum weiterhin stark von Investoren nachgefragt. Sowohl auf Käufer- als auch auf Mieterseite ist dieser Markt daher vergleichsweise unbeeindruckt von der allgemeinen Verunsicherung und so gibt es kaum Auswirkungen auf Mieten und Renditen.

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Die Mieter von Gewerbeimmobilien und in weiterer Folge auch die Eigentümer und Kaufinteressenten derartiger Objekte sind dagegen stärker von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. So wird derzeit vor allem versucht, das Risiko, welches aus Anmietungs- oder Investmententscheidungen resultieren könnte, so weit wie möglich zu reduzieren. Als Konsequenz daraus werden im Moment Expansionsbestrebungen hintangestellt und nur wenige Büroflächen, Geschäftslokale oder Hotelimmobilien angemietet. Die Investoren haben ihren Fokus daher auf Gewerbeobjekte in guter Lage, die möglichst langfristig und an Mieter bester Bonität vermietet sind, ausgerichtet. Objekte, die das nicht bieten können, werden – sofern überhaupt Kaufinteresse gegeben ist – mit Preisabschlägen „bestraft“. Wo die Investoren erhöhte Risiken im Geschäftsmodell der Mieter/Pächter sehen, wie z.B. bei Betreibern von Hotels oder Geschäften, leidet die „Investitionslust“ generell. Um die gewerbliche Immobilienwirtschaft wieder an das Niveau vor Ausbruch der Pandemie heranzuführen, braucht es neben finanziellen Hilfen für die Mieter und Betreiber vor allem Maßnahmen, die das Vertrauen der Konsumenten und Kunden nachhaltig und schnell verbessern. Denn nur wenn die Menschen wieder beginnen, Geld für Dinge wie Restaurantbesuche, Kultur, Mode und Urlaub auszugeben, werden auch die Unternehmen wieder beginnen zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen und sich kostendeckende Mieten leisten können.


Ingrid Fitzek-Unterberger Präsidentin Salon Real - Club von und für Frauen in der Immobilienwirtschaft, ist Bereichsleiterin Marketing ­ & Kommunikation der BUWOG Group, zuständig für Österreich und Deutschland.

Nachhaltigkeit im Wohnbau – jetzt erst recht Ingrid Fitzek-Unterberger

Die hoch gepriesene Globalisierung der vergangenen Dekaden ent-

wickelte sich 2020 zur Wurzel allen Übels: Ein Virus, das auf einem Markt in China vermeintlich seinen Ursprung fand, verbreitete sich in rasendem Tempo über den gesamten Globus – Menschen auf (Dienst-) Reisen sei Dank. Während nun viele aufgrund der von der Regierung ausgerufenen Beschränkung der Reisefreiheit auf ihren diesjährigen Urlaub mit mehr oder weniger überschaubaren Verlusten verzichten mussten und Videokonferenzen anstelle von Dienstreisen zum Usus wurden, hatte der plötzliche Stopp von Produktionen und Transporten weitreichende Folgen

Weiterhin ist mit Lieferschwierigkeiten zu rechnen Selbst Unternehmen, die sich den ausschließlich regionalen Bezug von Produkten und Materialien auf die Fahnen heften können, kamen aufgrund der Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten, standen auch in Österreich für einige Wochen beinahe alle nicht systemrelevanten Betriebe still. Schlimmer traf bzw. trifft es jene, die auf Lieferungen und Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sind, wie z.B. die Baubranche. Mittlerweile sind die Grenzen zu Österreichs Nachbarländern wieder so gut wie uneingeschränkt passierbar, doch der Verzug, der sich bei vielen Projekten ergab, ist so schnell nicht wieder aufzuholen. Bei Produkten bzw. Rohstoffen, die beispielsweise aus Südamerika oder Asien importiert werden, ist auch weiterhin mit Lieferschwierigkeiten zu rechnen. Und obwohl auch der Bezug von Produkten, die zur nachhaltigen Entwicklung von Immobilienprojekten benötigt werden, derzeit nicht uneingeschränkt möglich ist, wurde die Bedeutung von nachhaltigen Maßnahmen insbesondere im Wohnbau noch stärker sichtbar: Ein Großteil der Österreicherinnen und Österreicher verbrachten im ersten Halbjahr 2020 so viel Zeit Zuhause, wie sonst nie. Dies hatte einen gestiegenen Energieverbrauch – u.a. bedingt durch Home-Office – zur Folge, der nur durch Umsetzungen, die einer Steigerung der Energieeffizienz dienlich sind, nicht in explodierenden Energiekosten resultierte. Auch mikroklimatische Effekte, beispielsweise hervorgerufen durch die Begrünung von Fassaden, Innenhöfen und Dächern, machten sich

schon vor dem Sommer bemerkbar, ebenso wie effizient geschnittene Grundrisse, die z.B. die Möglichkeit zum Querlüften bieten. Wurde in Wohnbauprojekten auch dem sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit Rechnung getragen, so konnten sich die Bewohnerinnen und Bewohner während der Ausgangsbeschränkungen über räumliche Abwechslung, wie mit Sportgeräten ausgestattete Gemeinschaftsräume, freuen. Die logische Schlussfolgerung daraus: Nachhaltigkeit im Wohnbau ist nicht nur ein Zeichen für den Klimaschutz, auch die darin wohnenden Menschen profitieren davon – insbesondere in Krisenzeiten –, weshalb Bauträger auch in Zukunft noch stärker darauf setzen sollten.

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Zum Autor Hania Bomba ist Gründerin und Geschäftsführerin der Be Retail GmbH und Aufsichtsratsmitglied der S IMMO und Erste Immo KAG. Zuvor war sie als Geschäftsführerin bei der Regioplan Consulting tätig.

Spieglein, Spieglein an der Wand Kommentar: Hania Bomba

Ich habe neulich die Nominierungen für den Cäsar durchgesehen.

Ich gratuliere allen, die ins Rennen gehen, möge die Beste oder der Beste gewinnen. Und fast hätte ich nicht gendern müssen, denn die Frauenquote ist verschwindend gering. Es wird sofort klar, dass diese Liste nicht aus einem osteuropäischen oder skandinavischen Land stammt.

wollen der Quote wegen. Auch sie sollen und wollen an ihren Leistungen gemessen werden. Mir geht es um Chancengleichheit und Diversifikation.Solange die Kategorien des Cäsars so bleiben wie sie sind, bleibt der Preis hinter seiner Symbolik – außergewöhnliche Leistungen zu würdigen – zurück.

Hat der Cäsar einen Systemfehler? Offensichtlich haben die wenigen und noch dazu viel zu bescheidenen Damen im letzten Jahr nicht viel erreicht bzw. nicht genug. Oder hat der Cäsar einen Systemfehler?

„Liebe Branche, es ist höchste Zeit, die Kategorien der Gegenwart anzupassen, damit wir nicht in die Verlegenheit kommen, einfach irgendwen zu nominieren?“

So wie ich den Cäsar verstanden habe, werden dort Personen ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr eine besondere Herausforderung gemeistert haben und sich zum Wohle der Branche verdient gemacht haben. Es geht nicht darum, ob Hans und Franz schon den Herbert und den Norbert (ihre besten Freunde) nominiert und gewählt haben. Es ist kein Schönheitswettbewerb und kein Rennen der Eitelkeiten. Und mir geht es auch nicht darum, unbedingt irgendwelche Frauen sehen zu

So könnte man statt 1) Developer 2) Makler 3) Bauherr … Menschen für die folgenden Kategorien nominieren, die dazu beigetragen könnten, dass unsere Branche 1) ein Exzellentes Image hat 2) für Ehrlichkeit und Qualität steht 3) Gleichheit und Transparenz fördert 4) hoch innovativ ist 5) sich für Nachhaltigkeit einsetzt 6) hoch profitabel arbeiten kann … und 7) nicht eitel und machtbesessen, auch nicht männlich oder weiblich ist, sondern einfach einzigartig und menschlich! Den Mutigen gehört die Welt.

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Zum Autor Martin Prunbauer, Präsident des Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbundes (ÖHGB). Im Zivilberuf ist Prunbauer Rechtsanwalt in Wien.

Zurück auf die Überholspur! Kommentar: Martin Prunbauer

Mithilfe unterschiedlicher Entlastungsmaßnahmen soll das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket Investitionen anregen und den österreichischen Wirtschaftsstandort auf die Überholspur ­bringen. Degressive Abschreibungen, rückwirkende Verlustverteilungen, die Einrichtung von Investitionsprämien und vieles mehr sollen die Wirtschaft in die Lage versetzen, den Motor für Investitionen in die Zukunft Österreichs anzuwerfen.

Unterstützung für Vermieter ausgeblieben Viele Bereiche sind von den Auswirkungen bzw. dem unerwarteten, heftigen Schlag der Corona-Pandemie jedoch angezählt, sodass die Wirtschaft – trotz staatlicher Unterstützung – von sich aus nicht wieder volle Fahrt aufnehmen kann. Dass es dafür begleitende Unterstützungsmaßnahmen braucht, liegt auf der Hand. Durch die Corona-Krise haben auch Vermieter von Geschäfts- und Wohnimmobilien Einkommensverluste bei fortlaufender Bestreitung von Betriebskosten, Kreditraten etc. hinnehmen müssen. Trotz dieser

schwierigen Umstände ist aus den krisenbedingt eingerichteten Fonds mangels Anspruchsberechtigung eine tatsächliche Unterstützung für Vermieter ausgeblieben. Gerade dem Gebäudesektor kommt für die Unterstützung der Wirtschaft eine bedeutende Rolle zu: Immobilien sind ein bedeutsames Investitionsgut und sie bilden eine wichtige Komponente innerhalb der heimischen Wertschöpfung. Der private Immobiliensektor trägt durch Investitionen in erheblichem Maße dazu bei, denn Eigentümer und Vermieter können ihr Haus oder ihre Wohnung nicht über die Grenze schaffen, um dort Arbeiten günstiger als daheim verrichten zu lassen. Schon allein aus diesem Grund sind private Immobilien für die kleine und mittelständische Wirtschaft nicht wegzudenken.

Praxisnahe Anreize für private Investitionen schaffen Um einen langfristig positiven Effekt auszulösen, müssen daher moderne und praxisnahe Anreize für private Investitionen in die Wirtschaft geschaffen werden. Denn es gibt kein Gut oder Böse bei privaten, öffentlichen oder unternehmerischen Investitionen, wenn mit diesen dazu beigetragen werden kann, der Krise ein Ende zu setzen.

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Frech gesagt

„Alles wird gut – oder wird alles besser?“ Woche 5 im Home-Office. Als optimistische Realistin hinsichtlich beruflicher und persönlicher Krisensituationen bin ich (noch immer) hoffnungsvoll und zuversichtlich.

K

lar, mein Tagesablauf hat sich in kürzester Zeit komplett verändert – was gleichzeitig auch viel Positives mit sich bringt! Nun ist es an der Zeit, frühere Muster zu hinterfragen. Der Satz „Aber wir haben es doch immer schon so gemacht.“ findet aktuell keinen Platz in effizienten Business-Gesprächen. Immer wieder adaptierte Formalitäten rund um diverse Antragstellungen im Rahmen der Unternehmenssicherung haben uns in den

vergangenen Wochen ganz schön auf Trab gehalten. Der vertrauensvolle Blick nach vorne hilft, das alles pragmatisch und optimistisch anzugehen.

Resilienz siegt In der erfolgreichen Bewältigung von Ausnahmesituationen ist es für Führungskräfte – persönlich wie beruflich – enorm wichtig, sich selbst fit und stabil zu halten, um motivierend und zielgerichtet agieren zu können. Aktuelle Fragestellungen lauten: Reicht es

momentan, Online-Wohnungsbesichtigungen anzubieten? Erzielt man dadurch Abschlüsse und wenn ja: Gibt es einen bereits etablierten Workflow, der die Abwicklung ermöglicht? Es zeigt sich, dass es sich einmal mehr als wertvoll erweist, genau hinzuschauen, um potenzielle Möglichkeiten zu erkennen und daraus optimale Vorgehensweisen ableiten zu können. Denn: Jede Krise bringt viel neues Kreativpotenzial mit sich – das merke ich anhand meiner 25 wichtigsten Erkenntnisse.

Erkenntnisse einer Blondine in (coronabedingter) Ausgangssperre 1.  Alleine zu wohnen, bringt große Vorteile mit sich. 2.  Auch bei einer MIETwohnung vor allem auf Lage und Freifläche zu

achten, war die richtige Entscheidung.

3.  In einfach verwandelbares Interieur und Terrassenpflanzen zu investieren, um sich in den eigenen vier Wänden wohlzufühlen, erweist sich als sehr lukrativ.

4.  WhatsApp-Gruppen mit der Familie und mit Freunden eignen sich

6.  Die Luft im Terrassen-Office wirkt klarer und lädt zwischen den zahl-

reichen Telefonaten zum Durchatmen ein. Der Himmel über mir strahlt noch ein bisschen blauer, sogar die Vögel zwitschern etwas vergnügter.

7.  Meine Küche hat mich in den letzten Jahren nicht so oft gesehen wie

in den vergangenen Wochen und mein Kühlschrank wundert sich, was es außer Käse, Mineralwasser, Oliven und Cava noch so alles zu kühlen gibt.

8.  Team-Calls mit den Kollegen werden zu verlässlichen Events, auf

hervorragend, um schon früh morgens aus diversen Bundesländern bestätigt zu bekommen, dass es allen gut geht.

die man sich richtig freut, weil eben neue Ideen/Problemlösungen im gemeinsamen Austausch oft besser entstehen können und auch die Zeit für die Umsetzung endlich gegeben ist.

5.  Das Home-Office ist technisch auf einem hohen Level und die in-

9.  Frühere Kollegen erkundigen sich nach meinem Wohlbefinden und

vestierte Organisations- und Administrationszeit für die digitale Ablage sämtlicher Unternehmensdokumente zahlt sich endlich so richtig aus.

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während der dann doch immer längeren, konstruktiven Telefonate entstehen des Öfteren neue, kreative Ideen.


10.  Bereits vor zehn Jahren dachten unsere Volksvertreter, mit unserem digitalen eGovernment ganz gut aufgestellt zu sein. Diese müssen jedoch gerade hinsichtlich Kurzarbeit feststellen, dass bezüglich der Lösung von Online-/Offline-Brüchen noch einiges zu tun ist.

11. Algorithmen erhalten dieser Tage die verdiente Anerkennung.

Die ewige Frage „Mensch oder Maschine?“ gerät in den Hintergrund, vielleicht nehmen wir es als echte Chance wahr, das digitale Angebot mit unseren menschlichen Fähigkeiten, wie z.B. Empathie, kombinieren zu können. Zwar freuen sich unsere Kunden über digitale Besichtigungsmöglichkeiten, aber eine zusätzliche persönliche Beratung via Telefon ist ein wesentlicher Bestandteil, damit sie sich optimal betreut und verstanden fühlen.

12. Mich für Video-Calls mit Wimperntusche aufzuhübschen, gibt

Anita Körbler, MA – ­Geschäftsführerin

dem ungeschminkten Alltagsgesicht eine zarte Business-Note – bis ich das Stunden später am Laptop wieder vergessen habe, wenn ich mich wundere, warum meine Finger schwarz sind, da ich mir unbewusst die Augen reibe.

Anita Körbler, MA, Geschäftsführerin der Wohnsalon Immobilien GmbH ist ideenreiche Branchenkennerin und Managerin mit Herz und Hirn. Körbler kann auf eine langjährige Erfahrung in Immobilienunternehmen sowie exklusive Projekte im öffentlichen Bereich (PPP) zurückblicken. Berufsbegleitend absolvierte sie erfolgreich zwei Studien im Bereich Wirtschaft und Public Communications, zeichnete jahrelang für verschiedene PropTechUnternehmen als Geschäftsführerin verantwortlich und widmete sich im Anschluss der Beratung und Immobilienvermarktung sowie der Realisierung von Digitalisierungsprozessen in der Immobilienbranche.

13.  Auch eine Blondine merkt nach mehr als einem Monat Friseur-

entzug, dass sie von Natur aus gar nicht sooo blond ist.

14. Mentoring funktioniert auch virtuell sehr gut: Meine Mentees

freuen sich über Erörterungen von Lösungen in der nicht alltäglichen Situation als Ergänzung zu den üblichen Best-Practice-Beispielen.

15.  Viele Unternehmen werden sich im Rahmen ihrer Employer-

Branding-Aktivitäten künftig auch mit digitalen Möglichkeiten auseinandersetzen müssen. Es gibt doch tatsächlich noch Firmen, die ihren Mitarbeitern nicht einmal ein Firmenhandy zur Verfügung stellen, jedoch im Gegenzug erwarten, dass diese alles genauso via Home-Office erledigen können.

16.  Gerade merken viele, dass das Leistungsportfolio eines erfolgrei-

chen Immobilienvermittlers doch nicht nur das Türaufsperren umfasst.

17.  Erste Immobilienpreisschätzungen für Abgeberkunden funktionieren mit den nötigen digitalen Möglichkeiten auch virtuell sehr gut.

18. Marketing „ODER“ Sales wird derzeit zu einem wunderbaren „UND“, weil viele feststellen, dass verstärkte Zusammenarbeit nur unter Einbeziehung neuer Kommunikationskanäle zum Erfolg führen kann.

Fotocredit: © Wohnsalon Immobilien GmbH

19.  Lieferdienste sind etwas Großartiges. Aber: Auch der Online-

„Alters-WG“ hinsichtlich Lage, Größe, Grün- bzw. Freiflächen oder Infra­struktur zu definieren, nimmt nun konkrete Formen an.

23.  Aktives Gestalten ist das beste Gegenmittel für das passive Er-

Lebensmittelmarkt ist nur so stark wie seine logistische Kette – somit ist der Transportdienstleister am Ende des Tages (oder je nach Angebot am Ende des Monats) das letztlich ausschlaggebende Glied.

tragen. Best Practice aus der Zeit VOR Corona mitnehmen und mit den kreativsten Lösungswegen aus der Gegenwart kombinieren – dann sprechen wir wirklich von einer Entwicklung in unserem zukünftigen beruflichen Umfeld.

20.  Meine

24.  Wie auch im „normalen“ Arbeitsalltag gilt auch im Lockdown:

Lieblings-Billa-Kassiererin zählt zu den wenigen und wertvollsten Sozialkontakten und freut sich, wenn wir uns einmal pro Woche kurz sehen, um mich – unter Einhaltung eines vernünftigen Abstands – über den neusten Grätzel-Gossip zu informieren.

21. „Eyeliner ist der neue Lippenstift“ – auch die Kosmetik kann nun aus der Maskenpflicht einen Trend generieren und uns mit neuen ­Designs überraschen.

22.  Mit Freunden die Anforderungen für die spätere gemeinsame

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.

25.  Konstruktives

Netzwerken gelingt auch via Home-Office für ein paar Wochen sehr gut. Noch großartiger wird es allerdings, meine Branchenkolleginnen und -kollegen bald wieder persönlich treffen zu können, um uns beim ersten Event „danach“ über unsere Erkenntnisse aus dieser Ausnahmezeit austauschen zu können.

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Branchen & Services

Die DekontaminierungsTaskforce Schnelle Reaktion gefragt. Die Mitarbeiter der Facility-Management-Firmen standen plötzlich vor neuen Herausforderungen und unter anderem auch vor verschlossenen Türen. In kürzester Zeit wurden neue Produkte und Geschäftsfelder aus dem Boden gestampft. AUTOR: LISA GRÜNER

„Vertrauensbildende Maßnahmen wurden extrem wichtig.“ Peter Kranz, Arealis

„Wir waren Anlaufstelle für großflächig ausgelösten Ängste.“ Ursula Simacek, SIMACEK

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so Steinreiber weiter. Doch anderen Unternehmen erging es nicht besser. Durch die abrupte Schließung zahlreicher Öffentlichkeits- und Geschäftsräume standen die Mitarbeiter der IFMS im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich vor verschlossenen Türen. Die Arbeit fiel aus und Leistungen konnten nicht erbracht werden. Um die Arbeitsplätze langfristig sichern zu können, entschied sich das Unternehmen, das von der Bundesregierung erarbeitete Kurzarbeitsmodell in Anspruch zu nehmen. „Wir hätten nie gedacht, dass wir einmal solche Maßnahmen ergreifen müssen, aber diese Corona-Notlage erforderte von uns allen ungeahnte Einschränkungen”, so Andreas Ubl, Geschäftsführender Gesellschafter von IFMS. Bei der sehr breit aufgestellten SIMACEK Facility Management Group betraf die Krise nicht alle Geschäftsbereiche gleich stark. Einerseits stiegen die Anfragen vor allem bei der Desinfektion und Tiefenreinigung und im Bereich Sicherheit und Bewachung, andererseits sanken sie in anderen Bereichen rapide ab. „Bei der Büroreinigung gab es eine Reduktion bis zu 50 Prozent, weil viele auf Homeoffice umgestiegen sind und sich dadurch die Reinigungsintervalle reduziert haben”, erinnert sich CEO Ursula Simacek. „In anderen betreuten Branchen, wie z.B. Spitälern gab es gar keine Reduktionen, bei der Hotellerie und hier in der Sparte Wäscheservice kam es zu Umsatzeinbrüchen von nahezu 100 Prozent.”

Copyright: ISS, Eva Kelety, AQILA PICTURE

G

emeinsam mit dem medizinischen Personal und Einzelhandelsangestellten wurden sie als Helden der COVID-19-Pandemie gefeiert: Die Reinigungskräfte. Hinter dem plötzlich glorifizierten Job der mit Desinfektionsmittel und Seife bewaffneten Kämpfer gegen das Virus, steckt ein knappkalkuliertes Business, das sich täglich von Erlass zu Erlass handeln musste. Plötzlich traf der Lockdown die Facility-Management-Firmen alle, jedoch unterschiedlich hart. Den Weltmarktführer ISS Österreich erwischte es eiskalt und mit der de facto Einstellung des Flughafenbetriebs auch als erstes. Die über 500 am Flughafen Wien beschäftigten Mitarbeiter standen von einem Moment auf den anderen ohne Arbeit da. Ebenso erging es den Angestellten in der Mitarbeiterverpflegung, da Frischküchen und das Konferenzservice von einem Tag auf den anderen eingestellt wurden. „Rund 6.500 unserer 7.000 Mitarbeiter arbeiten direkt beim Kunden in der Operation”, erklärt Erich Steinreiber, CEO von ISS Österreich die schwierige Situation. „Durch das Coronavirus ist die Nachfrage in einigen Bereichen massiv eingebrochen und wir waren gezwungen, für rund 3.000 Mitarbeiter Kurzarbeit anzumelden.” Durch die Shutdown-Maßnahmen erfolgte die Schließung vieler Objekte und die Kapazitäten inklusive Produktionskapazitäten bei Industriekunden wurden auf das Notwendigste reduziert. „Davon waren alle Dienstleistungsbereiche, von der Reinigung, dem technischen Gebäudemanagement hin zur Mitarbeiterverpflegung betroffen, da keine oder kaum Kunden mehr vor Ort waren”,


Angstdominerter Alltag

Die IFM bekam unmittelbar mit dem Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen auch deren Auswirkungen zu spüren. Die Auftragslage im Störungsdienst ging um 30 Prozent zurück. „Dies hatte damit zu tun, dass die von uns betreuten Büro- und Gewerbeimmobilien von heute auf morgen de facto ungenutzt waren, und somit kleinere technische Störungen für unsere Kunden keine Priorität hatten oder teils unbemerkt blieben”, erklärt Michael Moshammer, Geschäftsführer der Immobilien Facility Management & Development (IFM). „Im Bereich Störungsdienst für private Endkunden kam es zu einem deutlich höheren Koordinationsaufwand wegen Terminverschiebungen,

da viele Privatpersonen keine Handwerker in die Wohnungen einlassen wollten. Auch im Bereich der Projektabwicklung für Modernisierungen von technischen Anlagen gab es ein Zuwarten unserer Auftraggeber.” Die regelmäßig beauftragten Wartungs- und Inspektionsdienstleistungen konnten jedoch ungehindert fortgesetzt werden. Doch das Unternehmen stand aufgrund der Reiseund Ausgangsbeschränkungen innerhalb Europas plötzlich vor bis dato unbekannten Problemen. „Einzelne Mitarbeiter konnten aus ihrem Heimatland nicht nach Österreich zurückkehren”, so Moshammer. „Ebenso war unsere Reisetätigkeit in die Auslandsniederlassungen in Zentraleuropa nicht möglich.”

Durch die Nähe zum Kunden und zu den höchst verunsicherten Mitarbeitern in den Büros, kam der FM-Branche eine neue Rolle zu, die der ersten Anlaufstelle bei der Bekämpfung des Virus und der Beruhiger und Beschwichtiger, das alles menschenmögliche im Bereich der Desinfektion getan wurde. „Das Coronavirus bewirkte bei vielen Menschen große Verunsicherung”, so Steinreiber. „Allen voran hinsichtlich der Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen in den Büro- und Produktionsstandorten.” Auch Simacek fand sich plötzlich als Anlaufstelle für die großflächig ausgelösten Ängste. „Als Partner unserer Kunden haben wir spezielle Leistungen und Lösungen zur Desinfektion hochfrequenter Kleinflächen wie Schalter und Türklinken und ganzer Räume im Akut- und Präventionsfall angeboten. Da hat es sich automatisch ergeben, dass diese Maßnahmen neben der hygienischen Wirkung auch eine beruhigende Wirkung auf die Mitarbeiter unserer Kunden hatten, die sehr wohl uns gegenüber ihre Sorgen rund um die Gesundheit und Ansteckung ­ausdrückten.” Dass die Ängste enorm waren, kann auch Hans Peter Kranz, Geschäftsführer der Arealis rückblickend bestätigen. Deswegen setzte das Unternehmen stark auf vertrauensbildende Maßnahmen. „Wir haben diese Leistungen nicht extra in Rechnung gestellt”, so Kranz. „In der Krise bemerkten wir bei unseren Kunden einen verstärkten Willen zur Zusammenarbeit, vor allem bei der Abstimmung der laufenden Adaptionen an die rechtlichen Gegebenheiten. So konnten alle von dem gemeinsamen Wissen profitieren.” Beim schrittweisen Wiederhochfahren der Gebäude begleitet die ISS ihre Kunden mit neuen Services wie etwa der Einführung von Hygiene Stewards. Sie begrüßten und unterwiesen Mitarbeiter und Gäste, gaben Sicherheitsmasken oder Informationsmaterial aus. Darüber hinaus führten sie laufend Reinigungen von neuralgischen Punkten wie Handlauf, Türgriffe, Lifttaster etc. durch. „Durch ihre Anwesenheit trugen sie dazu bei, das Bewusstsein von Mitarbeitern und Gästen hinsichtlich der neuen Verhaltensregeln zu stärken und ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln”, betont Steinreiber.

Neue Geschäftsfelder Die COVID-19-Pandemie setzte die FM-Branche massiv unter Zugzwang. Konfrontiert mit neuen Herausforderungen mussten sich

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Branchen & Services

die Unternehmen zum Teil neu erfinden und definieren. Neben dem Händchenhalten und beruhigen der Kunden, stampfte die Branche neue Dienstleistungen aus dem Boden und adaptierte bestehende. „Dank neuartiger hochwirksamer Desinfektionsverfahren reinigen wir Innenräume jeder Art und jeder Größe, PKWs, Wohnmobile bis hin zu Bussen”, erklärt Ubl den Kampf gegen das Virus. „Über ein Druckluftverfahren wird mit mobilen Generatoren Desinfektionsmittel kaltvernebelt und in den Raum eingebracht. Das feine Aerosol erreicht den Raum in all seinen Teilen, auch kleinste Fugen und Ritzen.” Simacek gründete sofort beim Auftreten des Coronavirus eine Task Force und baute seine Desinfektoren-Teams aus. Über 600 Mitarbeiter in ganz Österreich setzten Wasserstoffperoxid H2O2 oder alternative Produkte wie Hydroxiessigsäure, NaDCC oder photokatalytische Verfahren ein. Sie aerosolierten unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen vor allem Verkehrsmittel, LKW-Fahrerkabinen, öffentliche Räume, Schulklassen, Sportanlagen, Industriehallen und Büros, Sozial- und Pflegeeinrichtungen und Spitalsbereiche. „So konnten sofort nach dem Einsatz alle Räumlichkeiten und Fahrzeuge wieder zur Verwendung freigegeben werden”, führt Simacek aus. Doch noch andere Probleme erforderten schnelle Lösungen. „Durch die Pandemie standen viele Immobilienunternehmen vor der Herausforderung, dass Wohnungen nicht an die neuen Mieter übergeben werden konnten”, so Simacek weiter. „Wir haben das SIMACEK Immo.CARE Service eingerichtet und die Immobilienübergabe durch speziell geschultes Personal unter strengsten Hygienevorschriften gewährleistet. Dieses Service ist nun fixer Bestandteil unseres Portfolios geworden.” Auch die Arealis sah sich damit konfrontiert, dass Aufgaben, die vorher selbstverständlich waren, plötzlich nicht mehr erledigt werden konnten. „Schadensbesichtigungen und Übergaben oder Rücknahmen von Objekten waren von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich”, so Kranz. „Für Büros und Geschäftslokale haben wir zusätzliche Desinfektionsmaßnahmen angeboten und uns um ein verstärktes Monitoring der Betriebskosten für weniger genutzte Objekte gekümmert. Hier war bedingt durch den Shutdown ein verstärkter Einsatz notwendig. Besonderes Verständnis war natürlich für die Bereiche Retail, Hotellerie und Gastronomie

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„Einzelne Mitarbeiter konnten aus ihrem Heimatland nicht nach Österreich zurück.“ Michael Mooshammer, IFM

„Neue Serviceanforderungen werden die Aufgaben des Facility Managers verändern.“ Erich Steinreiber, ISS

angebracht. Dort sind von einem Tag auf den anderen die Umsätze weggebrochen.” Auch die IFM musste schnell im Sinne ihrer Kunden reagieren. „Wir haben in ungenutzten Immobilien versucht die laufenden Kosten für die Nutzer zu reduzieren”, erzählt Moshammer. „So haben wir technische Anlagen auf einen Minimalbetrieb heruntergefahren, um den Energieverbrauch zu senken.”

Verschlafene Digitalisierung Mit dem plötzlichen Shutdown ging es während der COVID-19-Pandemie den meisten Büros gleich: Sie waren nicht darauf vorbereitet, dass ihre Mitarbeite von einem Tag auf den anderen nicht mehr täglich ins Office kommen konnten. Umleitungen auf Mobiltelefone, der externe Zugriff auf Firmendaten und stabile Internetleitungen für das Homeoffice waren nicht bei allen sofort verfügbar. Erschwerend dazu kam, dass gleichzeitig die Kinderbetreuung eingestellt wurde. In manchen Haushalten entbrannten interne Kämpfe, wer welchen Computer oder Laptop wann für Arbeit oder Schule verwenden konnte und wer wem das Datenvolumen mit Streaming oder Videokonferenzen absaugte. „Einige Mitarbeiter brauchten Zeit, um sich mit den digitalen Kommunikationsmedien zurechtzufinden”, erzählt Simacek. „Grundsätzlich hat die Umstellung in die virtuelle Umgebung aber gut geklappt, da viele Mitarbeiter schon vor Corona die Möglichkeit hatten, tageweise vom Homeoffice aus zu arbeiten. Schwieriger war anfangs hingegen das Abhalten von Lieferantenterminen sowie die Auswahl der Support-Tools wie Chat, Mail, Telefon, Desktop-Sharing.”


Erklärtes Ziel aller Unternehmen war es, die Kommunikation im Team am Laufen zu halten. Video-Meetings machten es möglich, die neue Situation zu bewältigen. „In kürzester Zeit haben wir gelernt, über Videokonferenzsysteme Abstimmungen zeiteffizient zu gestalten”, so Simacek weiter. Bei der ISS will man die Erfahrungen aus der COVID-19-PandemieZeit nutzen. „Die Arbeitsplatzbedingungen in Bezug auf Home-Office und Digitalisierung werden sich ändern”, zieht Steinreiber Bilanz. „Neue Serviceanforderungen werden das Bild und die Aufgabe des Facility Managers verändern.” Auch die Arealis nimmt den Wind in den Segeln mit. „Wir werden weiterhin sehr stark auf Digitalisierung setzen”, erklärt Kranz. „Die Corona-Krise hat diese Entwicklung nur beschleunigt.” Dabei bezieht sich Kranz auf die Art der Verfüg- und Abrufbarkeit der Informationen und einen ständigen, ortsunabhängigen Zugriff auf Daten - nach dem englischen Schlagwort der sogenannten „ubiquity“. „Es werden sich nicht so sehr die Leistungen verändern, sondern die Art der Umsetzung und Präsentation”, wagt Kranz einen Blick in die Zukunft. „Online-Tools und Apps werden die Kommunikation mit unseren Kunden verändern, dennoch werden physische Treffen im Geschäftsleben vor allem für Dienstleister ihre Bedeutung nicht verlieren.”

Maßnahmen für das Personal Mit der COVID-19-Pandemie mussten die Unternehmen auch für ihre eigenen Mitarbeiter Vorsorge treffen. „Wir haben eine interne Notrufnummer eingerichtet, bei der wir alle Arealis-Mitarbeiter per E-Mail oder SMS auf ihrer Privatnummer informieren können”, so Kranz. „Darüber hinaus haben wir auch die Möglichkeit eines externen Notbetriebes eingerichtet, falls die Firmenzentrale einmal nicht erreichbar sein sollte. So können wir sofort andernorts ein Dutzend Arbeitsplätze hochfahren.” Der Büroalltag wurde ebenso entsprechend angepasst. Es wurden berührungslose Seifenspender und WC-Türen installiert und zusätzliche Parkplätze für die Mitarbeiter angemietet, von denen ein Teil der Kosten übernommen wurde. Für kürzere Wege innerhalb der Stadt wurden Firmenräder angeschafft. „Gearbeitet wurde in zwei Mannschaften”, erklärt Kranz. „So konnten wir unsere Schlagkraft aufrechterhalten.” Bei der ISS Österreich wurde frühzeitige eine eigenen COVID19-Taskforce eingerichtet, um alle Mitarbeiter

rasch zu sensibilisieren und zu informieren. Prozesse wie das Screening der Belegschaft, regelmäßige Durchführung von Tests usw. wurden angepasst und neu definiert. Zudem wurden die Sicherheitsvorkehrungen stark erhöht und die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung (PSA) verstärkt. „Im Gesundheitswesen tragen unsere Mitarbeiter nicht nur einen Schutzanzug, sondern auch Schutzhaube, FFP-Maske, Handschuhe und eine desinfizierbare Schutzbrille”, so Steinreiber. „Darüber hinaus gibt es zahlreiche Informationsmaßnahmen wie E-Learning-Kurse,

minent. „Die Berufsgruppe der Gebäudereini-

„Unsere Mitarbeiter standen von einem Tag auf den anderen vor verschlossen Türen.“ Andreas Ubl, IFMS

Lern- und Erklärvideos, Fact Sheets, Broschüren und Toolbox-Meetings zum Thema Arbeitssicherheit.” Bei Simacek wurde zu Beginn der COVID-19-Maßnahmen neben einer eigenen Task-Force ein Prozess aufgesetzt und an alle Mitarbeiter kommuniziert, wie im Falle einer Erkrankung vorzugehen ist. Außerdem wurden an alle Mitarbeiter erweiterte und situationsangepasste Hygienevorschriften in mehreren Sprachen kommuniziert. Bei IFM wurden alle Außendienst-Mitarbeiter mit spezieller Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel ausgestattet.

Was bleibt ist Wertschätzung Bisher wurden Reinigungskräfte nicht so stark wahrgenommen, weil sie ihren Job vorwiegend an den Tagesrandzeiten, also ganz früh am Morgen oder spät am Abend, erledigen. Durch die COVID-19-Pandemie wurde das Thema Sauberkeit und Hygiene plötzlich pro-

ger und Hausbetreuer gehört zu den systemrelevanten Berufen, denn ohne sie wäre ein normales Leben nicht möglich”, ist Simacek erfreut. „Die Selbstverständlichkeit, mit der man ihre Arbeit bewertet, macht der gesamten Berufsgruppe immer schon zu schaffen.” Dass eine Krise notwendig war, die Wichtigkeit der gesamten Dienstleistungsbranche – vom Reinigungs- bis zum Sicherheitspersonal aufzuzeigen, sieht auch Steinreiber als Chance. „Man nimmt wahr, wie wichtig es ist, die Versorgung, Mobilität und Gesundheit in Österreich aufrecht zu erhalten. Desinfektion war in der Vergangenheit tendenziell ein Thema für Gesundheitseinrichtungen oder Gebäude mit besonderem Hygienebedarf. Die Coronakrise zeigt, dass sich nun dieses Bewusstsein verlagert. Was vor der Pandemie häufig als nebensächliche Notwendigkeit angesehen wurde, gewinnt in Zeiten nach dem Lockdown auch für Büro- und Produktionsstandorte an Bedeutung – die Bereitstellung einer sicheren und sauberen Arbeitsumgebung.” So spürt die ISS bei den Kunden, dass sich die Haltung verändert hat. „Das geht sogar so weit, dass vermehrte Reinigungen auch während des Tagesgeschäfts stattfinden”, freut sich Steinreiber. Über Wertschätzung und Dankesschreiben, dass trotz erschwerter Umstände Verträge erfüllt und situationsbedingt reagiert wurde, können auch die Arealis und IFM berichten. So hat Dank der COVID-19-Pandemie die Gesellschaft die Erkenntnis gewonnen, dass der Beruf der Reinigungsfachkraft zu den systemerhaltenden Berufen zählt und ist damit ein Anstoß für eine höhere Wertschätzung   geworden. Zeit Danke zu sagen.

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Nachfrage ungebrochen hoch Dem Virus zum Trotz. Angesichts der coronabedingten Kursstürze an den Börsen nehmen viele Menschen Vorsorgewohnungen noch stärker als stabile Alternative wahr. Autor: Patrick Baldia

V „Zahl der Anfragen langsam wieder in Richtung des Vorjahresniveaus.“ Sandra Bauernfeind, EHL Immobilien

„Keine Anzeichen für einem nachhaltigen Einbruch.“ Christoph Urbanek, DLA Piper Österreich

orsorgewohnungen haben sich in den letzten Jahren bei den Österreichern bekanntlich großer Beliebtheit erfreut. Und das aus gutem Grund: Mit dem Kauf einer Vorsorgewohnung erwirbt der Käufer Eigentum an einer Immobilie, die er nach Ablauf der Finanzierungsfrist selber nutzen kann. Dazu kommen steuerliche Vorteile wie die Tatsache, dass man sich die Umsatzsteuer auf den Kaufpreis zurückholen kann und Finanzierungskosten, Finanzierungsnebenkosten sowie laufende Investitionen absetzen kann. Anfängliche Verluste reduzieren aber auch die Einkommenssteuer für den Käufer. Wird die Corona-Krise die Nachfrage nach Vorsorgewohnungen beeinträchtigen? Danach schaut es derzeit nicht aus. Nach Angaben von Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin der EHL Wohnen, hat sich die Krise von Beginn an weniger stark auf Vorsorgewohnungen ausgewirkt. Der Hintergrund: Angesichts der schweren Turbulenzen an den Aktienmärkten wären Vorsorgewohnungen noch stärker als stabile Alternative zu anderen Veranlagungsmöglichkeiten wahrgenommen worden. Nachsatz der Expertin: „Hier bewegt sich die Zahl der Anfragen langsam wieder in Richtung des Vorjahresniveaus.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch Christoph Urbanek, Rechtsanwalt und Partner in der Finance & Projects Gruppe bei DLA Piper Österreich. Einerseits wären Aktien für viele Menschen zu riskant. Andererseits wären Schuldverschreibungen angesichts der Tatsache, dass die Zinsen noch länger niedrig bleiben werden, wenig

attraktiv. Auch wenn es derzeit noch keine konkreten Verkaufszahlen seit Jahresbeginn gibt, stellt er ein ungebrochen hohes Interesse an Vorsorgewohnungen fest. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Corona-Krise daran etwas ändern wird bzw. zu einem nachhaltigen Einbruch führen wird“, so Urbanek. Für Urbanek deutet dennoch vieles darauf hin, dass seit Jahresbeginn weniger Vorsorgewohnungen verkauft wurden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Einige Anleger sind etwa krisenbedingt in frühen Projektphasen zurückgetreten. „Dazu kommt, dass es derzeit schwierig ist, Finanzierungszusagen der Banken zu bekommen“, so Urbanek. Letztere wären angesichts der starken Nachfrage nach Überbrückungsfinanzierungen und Fördermöglichkeiten für Unternehmen schlichtweg überlastet. Das führe zu langen Verzögerungen. Auch Bauherrenmodelle würden unter demselben Problem leiden. Keine Probleme sieht Urbanek dagegen bei Angeboten, die vor der Corona-Krise abgeschlossen wurden. „Diese Projekte laufen planmäßig weiter.“ Eine spannende Frage, die derzeit Experten beschäftigt, ist, ob die langfristigen Haltedauern der Assets, die bei dieser Anlageart entscheidend sind, am Ende des Tages weiter bestehen werden. Von vielen Seiten sei zu vernehmen, dass sich die Laufzeiten verkürzen sollen. Interessant wird auch sein, ob der mit Bauherrenmodellen verbundene Steuerspareffekt vom Staat genauso zugesprochen wird, wenn die Leute krisenbedingt weniger Steuern zahlen.

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Zuwachsraten über Vorjahresniveau Boom. Die heimischen Crowdinvesting-Plattformen rechnen auch 2020 mit einem positiven Jahr – auch wenn das Wachstum weniger stark ausfallen wird als in den letzten Jahren. Autor: Patrick Baldia

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on einem Rekord zum nächsten. So kann in aller Kürze die Entwicklung des Immobilien-Crowdinvesting in Österreich in den letzten Jahren beschrieben werden. Auch 2019 erreichte das Marktvolumen mit knapp 53 Millionen Euro einen neuen Höchststand. Dann kam bekanntlich die COVID-19-Pandemie. Dem Wunsch der Anleger, über Crowdinvesting auf Betongold zu setzen, scheint aber auch sie keinen Abbruch getan zu haben. „Nach einer ersten

„Viele Entwicklungsprojekte haben Probleme mit der Vermarktung“. Kurt Prasz RECrowd

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Schockstarre zu Beginn des Lockdowns haben sich die Zugriffszahlen und Neukundenabschlüsse relativ schnell wieder verbessert“, berichtet Tobias Leodolter, Mitgründer und CMO bei Rendity.

Kein Jammern zu vernehmen In den heißen sechs Corona-Wochen von Mitte März bis Ende April wurden auf Rendity Projekte mit einem Finanzierungsvolumen von knapp drei Millionen Euro platziert und fast 500 neue Investoren konnten gewonnen werden, so Leodolter weiter. Auch bei der Konkurrentin Dagobertinvest, die gemeinsam mit Rendity und Home Rocket zu den „großen Drei“ am heimischen Crowdinvesting-Markt zählt, ist kein Jammern zu vernehmen. „Auch wenn die Monate April und Mai nicht so stark ausfielen, so lagen die Zuwachsraten immer noch über dem Vorjahresniveau“, sagt Co-Gründer und Geschäftsführer Andreas Zederbauer. Kürzlich konnte beim Funding-Volumen sogar die 50-Millionen-Euro-Grenze geknackt werden. Zederbauer rechnet jedenfalls damit, dass 2020 ein weiteres gutes Jahr wird – auch wenn die Entwicklung bis Ende Jänner etwas flacher verlief als in den letzten Jahren. „Von den Wachstumsvorstellungen zu Jahresbeginn – geplant war ein Plus zwischen 70 und 100 % – haben wir uns verabschiedet“, sagt er. Angesichts der

starken Entwicklung der jüngeren Vergangenheit – mit Zuwachsraten von ebenfalls 70 bis 100 Prozent – scheint ein Jahr mit etwas geringerem Wachstum durchaus verkraftbar zu sein – auch wenn die Erwartungshaltung der Anleger dementsprechend hoch sei. „Ab dem dritten Quartal gehen wir von einer Normalisierung des Marktes aus“, so Zederbauer.

Entwicklerrisikos bleibt das A und O Ihre Geschäftsgrundlage schätzen die großen Anbieter als stabil ein – alle drei setzen den Fokus auf leistbare Wohnimmobilien, die sich in der Vergangenheit als relativ konjunkturresistent erwiesen haben. Tatsächlich: Auch in den letzten Monaten haben die Preise gehalten. „Die Berücksichtigung des Entwicklerrisikos bleibt das A und O beim Crowdinvesting“, hält Leodolter fest. Vor allem Developer, die kein Worst-Case-Szenario berücksichtigt und anhaltende jährliche Preisanstiege von 5 bis 10 Prozent einkalkuliert hätten, könnten jetzt in Schwierigkeiten geraten. Er empfiehlt Anlegern daher, auch weiterhin auf Diversifizierung zu setzen. Nachsatz: „Auch wenn es in Österreich bis dato zu keinem Projektausfall gekommen ist, handelt es sich bei Crowdinvesting dennoch um ein unternehmerisches Investment mit einem unternehmerischen Risikoprofil.“


Mit RECrowd ist erst Anfang Juni eine neue Plattform an den Start gegangen. Angesichts der Entwicklung der Zugriffszahlen ist man mit der Entscheidung, trotz COVID-19 den Markteintritt zu wagen, zufrieden, so Co-Gründer und Geschäftsführer Kurt Praszl. Mit RECrowd soll jedenfalls erstmals die gesamte Wertschöpfungskette im Immobiliensektor abdeckt werden. Dabei baut man auf eine strategische Partnerschaft mit dem Miteigentümer RE/ MAX-DCI und der heimischen CrowdinvestingPlattform Conda. Während Conda Zugang zu einem Netzwerk von 30.000 Investoren bietet, will man von der langjährigen Vermarktungserfahrung von RE/MAX-DCI profitieren. „Das ist deshalb so wichtig, weil viele Entwicklungsprojekte Probleme mit der Vermarktung haben und eine Vollverwertung sowohl Developern als auch Investoren in die Hände spielen“, erklärt der Geschäftsführer von RECrowd.

Pipeline ist voll An Projekten mangelt es derzeit jedenfalls nicht. RECrowd hat mit dem Objekt „Bad Pira-

„Zuwachsraten liegen über dem Vorjahresniveau.“

„Zugriffszahlen haben sich schnell wieder verbessert.“

Andreas Zederbauer, Dagobertinvest

Tobias Leodolter Rendity

warth: Wohnen am Wiesengrund“ (Early-BirdZinsen: 8 Prozent) die Marktpremiere gefeiert. Erst kürzlich wurde auf Dagobertinvest mit dem Funding für ein Wohnhaus in der Hütteldorfer Straße mit einer Verzinsung von 8 Prozent begonnen. Auf Home Rocket wird derzeit ein Luxuswohnprojekt am Fuße des Leopoldsbergs in Wien-Döbling angepriesen, mit dem Anleger 7,25 Prozent Zinsen lukrieren können. Eine prall

gefüllte Pipeline weist auch Rendity auf. „In den nächsten Wochen und Monaten werden wir 15 Projekte auf die Plattform stellen“, so Leodolter. Erst kürzlich konnte ein Wohnprojekt in der Wiener Gumpendorfer Straße (Zinsen: 6,50 Prozent) erfolgreich platziert werden. Auch Newcomer RECrowd hat bis zum Jahresende einiges vor: Bis dahin soll jeden Monat ein neues Projekt vorgestellt werden.

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„Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft“ Konsequente Strategie. Fréderic Puzin, CEO des Pariser Vermögensverwalters Corum, glaubt nicht, dass den Anlegern seines Immobilienfonds Corum Origin heuer große Performance-Einbußen blühen.

Autor: Patrick Baldia

„Wir rechnen mit einer Vielzahl an guten Gelegenheiten.“ Fréderic Puzin, Corum

Der Corum Origin hat das jährliche Performance-Ziel von 6 Prozent seit 2012 entweder erreicht oder übertroffen. Müssen sich Ihre Anleger heuer auf ein mageres Jahr einstellen? Fréderic Puzin: Die Chancen auf eine attraktive Jahresperformance sind auch heuer gegeben. Bislang haben uns 30 Prozent der Mieter um eine Aussetzung oder Stundung der Miete gebeten oder gewarnt, dass sie in den kommenden Wochen und Monaten in Schwierigkeiten geraten könnten. Acht Anträge auf Mietzinsstundung haben wir akzeptiert. Dabei handelt es sich ausschließlich um Mieter, die von der Krise schwer betroffen sind. Insgesamt haben sich mit Stichtag 18. Juni die Anträge auf Mietaussetzung und -stundung auf 1,1 bzw. 2,7 Prozent der Gesamtjahresmiete belaufen. Der Anteil der Mieter, der mögliche künftige Schwierigkeiten eingeräumt hat, liegt bei 0,8 Prozent. In diesem Fall würde die Gesamtjahresperformance bei 5,89 Prozent liegen. Rechnen Sie damit, dass angesichts der Schwere und Tiefe der erwarteten Rezession mehr Mieter in Schwierigkeiten geraten?

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Auch mit so einem Szenario haben wir uns auseinandergesetzt. Eine Simulation hat Folgendes ergeben: Falls 30 Prozent der Mieter die Miete für ein Jahr lang nicht zahlen würden, stünde zum Jahresende immer noch ein Plus von 4,4 Prozent zu Buche. Im Kontext des aktuellen Umfelds wäre das sicher auch ein ansehnliches Ergebnis. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges? Eine konsequente Strategie. Einerseits gehen wir nur in Märkte, wo wir wissen, dass wir einen Vorteil gegenüber anderen haben. Andererseits legen wir viel Wert auf Diversifizierung. In diesem Sinne befinden sich im Corum Origin 137 Immobilien in 13 Ländern der Eurozone. Die größten Segmente sind dabei Büros und Geschäftslokale mit einem Portfolioanteil von 30 bzw. 40 Prozent. Hotels kommen auf 14 Prozent, Industrie- und Logistikflächen auf insgesamt 15 %. Aktuell sind 97,7 Prozent der Gesamtfläche von 1,275 Millionen Quadratmetern vermietet. Bei den Mietern achten wir auf einen ausgewogenen Branchenmix und hohe Qualität. Die durchschnittliche Dauer, für die sich die Mieter zur Zahlung ihrer Miete verpflichtet haben, liegt bei 7,95 Jahren.


„Die Preise werden in vielen Marktsegmenten neu evaluiert werden und sich auf ein realistisches Niveau zubewegen.“

Was erwarten Sie auf kurze und mittlere Sicht? Sondieren Sie bereits Investitionsgelegenheiten? Trotz des schwierigen Umfelds blicken wir zuversichtlich in die Zukunft. Wir rechnen mit einer Vielzahl an guten Gelegenheiten. Dabei sollte uns zugutekommen, dass die Preise in vielen Marktsegmenten neu evaluiert werden und sich auf ein realistischeres Niveau zubewe-

Nutzen Sie jetzt die Zeit für Datenanalysen. Kontaktieren Sie uns!

gen. Und ja, wir schauen uns nach Anlagemöglichkeiten um – so wie wir das grundsätzlich immer machen. Hier gilt jedoch, den richtigen Kaufzeitpunkt zu evaluieren. Beispielsweise haben wir nach der Finanzkrise bei einem Investment in Spanien vier Jahre zugewartet, um dann zuzuschlagen. Erst dann hat eine Markterholung eingesetzt und die Preise haben ein für uns vernünftiges Niveau erreicht.

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COVID-19-Pandemie

Heimische Immobilienfonds halten sich stabil Es geht um Detailfragen. Experten glauben, dass sich die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf österreichische Immobilienfonds in Grenzen halten werden. Autor: Patrick Baldia

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ie Manager von Immobilienfonds müssen sich derzeit mit vielen Detailfragen beschäftigen: Wird etwa wegen des krisenbedingten Home-Office-Booms der Büroflächenbedarf künftig zurückgehen? Muss sich die stark betroffene Hotelindustrie neu erfinden? Wird im Zuge der coronabedingten Zunahme des OnlineHandels der Flächenbedarf im stationären Handel noch stärker zurückgehen? Werden sich Wohnimmobilien während der aktuellen Krise einmal mehr als vergleichsweise sicherer Hafen erweisen?

mobilienfonds hat sich – der COVID-19-Krise zum Trotz – seit Jahresbeginn äußerst stabil entwickelt. Im Mai lag es mit 9,2 Milliarden Euro etwas über dem Niveau von Anfang Jänner (9,19 Milliarden Euro). Peter Karl, Geschäftsführer der Erste Immobilien KAG, geht bis zum Jahresende von einer weiterhin stabilen Entwicklung aus. „Insgesamt sollte die heimische Immobilienfonds-Branche kaum negative Auswirkungen der COVID-19-Krise spüren und man wird sehen, dass das Produkt Immobilienfonds funktioniert“, sagt er.

Keine coronabedingten Mietausfälle Produkt Immobilienfonds funktioniert So viel kann jedenfalls schon jetzt gesagt werden: Das Marktvolumen der heimischen Im-

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Wie sich die heimischen Immobilienfonds heuer entwickeln werden, hängt jedenfalls stark von der jeweiligen Portfoliozusammen-

setzung ab. Der ERSTE Immobilienfonds würde davon profitieren, dass der Anteil des Wohnsegments bei 77 Prozent liegt und sich weder Fachmarktzentren noch Einkaufszentren im Portfolio befinden. Dass man beim Aufbau des Wohnportfolios darauf geachtet habe, dass die Mieten für eine breite Schicht leistbar sind, macht sich jetzt bezahlt: „Bis jetzt haben wir keine coronabedingten Mietausfälle verzeichnet und nur eine Handvoll Wohnungsmieter hat um eine Stundung angefragt.“ Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch Peter Czapek, CEO der Bank Austria Real Invest. Beim hauseigenen Real Invest Austria ist der Wohnanteil – inklusive Infrastruktur – mit 80 Prozent ebenfalls hoch. „Bis dato sind im


Portfolio keine wesentlichen negativen Effekte und keine erhöhten Mietrückstände, Mietausfälle oder Leerstände zu verzeichnen“, sagt er. Um auch im aktuell herausfordernden Umfeld individuelle Lösungen zu finden, stehe man jedenfalls mit allen Mietergruppen in ständigem Kontakt.

Sehr wohl habe man aber in den letzten Monaten Stundungsanfragen bekommen und sich in diesen Fällen auf eine frühzeitige Verlängerung der Mietvertragsdauer geeinigt. Insgesamt wurden über 10.000 Quadratmeter Mietfläche – vorwiegend im Einzelhandelsbereich – um drei bis fünf Jahre verlängert.

Wichtigster Mieter: Öffentliche Hand Vergleichsweise breiter diversifiziert ist wiederum der LLB Semper Real Estate. Während der Wohnanteil aktuell bei rund 3 Prozent liegt, machen Büro- und Einzelhandelsimmobilien 33 bzw. knapp 27 Prozent des Portfolios aus. Hotels und Logistikflächen kommen auf fast 20 bzw. 11 Prozent. Wie Fondsmanager Louis Obrowsky erklärt, waren 10 Prozent der ­Einzelhandelsimmobilien nicht von den behördlichen Schließungen betroffen. Weiters sei der wichtigste Mieter im Bürobereich – sowohl in Österreich als auch in Deutschland

„ImmobilienfondsBranche hat kaum negative Auswirkungen.“ Peter Karl, Erste Immobilien KAG

– die öffentliche Hand. „Hier hat es keinerlei Anfragen auf Mietreduktion, -aussetzung oder -stundung gegeben“, so Obrowsky. Ein weiterer Vorteil sei, dass der Hotelanteil gänzlich in Deutschland angesiedelt sei, wo der Markt zu 70 bis 80 Prozent von inländischen Reisenden geprägt sei. „Derzeit bekommen wir keine Anfragen für Mietreduktionen bzw. -aussetzungen mehr“, so Fondsmanager Louis Obrowsky.

Wieso laufende Mieteinnahmen für Immobilienfonds so wichtig sind und ihre Sicherstellung Sinn macht, liegt auf der Hand: Die Fondserträge kommen aus der laufenden Bewirtschaftung. Etliche Anbieter haben daher auch Simulationen durchgeführt, um die Auswirkung von Mietausfällen auf die Performance auszuloten. Beim LLB Semper Real Estate hat dies etwa gezeigt, dass der Gesamtertrag im Falle des Eintretens des Worst-Case-Szenarios – sprich es kommt zum Ausfall von drei Monatsmieten aufgrund behördlicher Betretungsverbote bestimmter Immobilien – um 45 bis 50 Basispunkte zurückgehen würde. So sehr er auch davon überzeugt ist, dass sich offene Immobilienfonds in der aktuellen Corona-Krise bewähren werden, so will er dennoch beim einen oder anderen auch keine Performance-Einbußen ausschließen. Der CEO der Bank Austria Real Invest weist darauf hin, dass man grundsätzlich keine Performance-Prognosen abgebe und auch die Wertentwicklung in der Vergangenheit – mit einem Plus von drei Prozent war der Real Invest Austria im Vorjahr im Übrigen der performancestärkste heimische Immobilienfonds – kein Indiz für eine künftige sei. Dank der erfolgreichen Umsetzung der definierten Maßnahmen sei die Vermietungsleistung jedenfalls weiterhin sichergestellt. „Auch unser Liquiditätspuffer geht über das gesetzliche Maß hinaus, um für die herausfordernde Zeit bestens aufgestellt zu sein“, sagt er.

„Haben keine Mietrückstände, Mietausfälle oder Leerstände zu verzeichnen.“ Peter Czapek Bank Austria Real Invest

„Stundung – aber nur mit frühzeitige Verlängerung der Mietvertragsdauer.“ Louis Obrowsky, LLB Semper Real Estate

Liquidität ist gesichert Stichwort Liquidität. Um diesbezügliche Schwierigkeiten zu vermeiden, haben etliche Fonds den Anteil an institutionellen Investoren begrenzt. Der Hintergrund: Während der Finanzkrise waren deren Abflüsse maßgeblich dafür verantwortlich, dass viele deutsche Fonds zusperren mussten. „Normale“ Investoren können jedenfalls bei allen drei genannten Fonds weiterhin Anteile erwerben.

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COVID-19-Pandemie

„Erwarte keine Ausfälle von Wandelanleihen“ Positiv gestimmt. Horst Simbürger, Geschäftsführer Convertinvest und Manager des Convertinvest Global Convertible Properties, über die Entwicklung von Wandelanleihen im Zeichen von COVID-19. Autor: Patrick Baldia

Wie haben sich Wandelanleihen seit dem Ausbruch der Corona-Krise bislang geschlagen? Horst Simbürger: Einen repräsentativen Immobilien-Wandelanleihen-Index gibt es nicht. Vergleicht man aber die Entwicklung des FTSE EPRA Nareit Developed Index seit Jahresbeginn (-19 Prozent) mit jener des Convertinvest Global Convertible Properties (-3 Prozent), so zeigt sich, dass ImmobilienWandelanleihen die Kursverluste von Immobilienaktien bei weitem nicht mitgemacht haben. Der Vergleich mit den Aktienmärkten ist im Übrigen deshalb wichtig, da Anleger mit Wandelanleihen ja eigentlich – wenngleich auch in eingeschränktem Ausmaß – auf Aktien setzen.

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Worauf ist die vergleichsweise positive Entwicklung Ihres Fonds zurückzuführen? Der Convertinvest Global Convertible Properties profitiert davon, dass er von Haus aus defensiv ausgerichtet ist. Die im Fonds gehaltenen Anleihen verfügen Großteils über ein Investment gGrade Rating. Schwerpunktmäßig sind wir im vergleichsweise sicheren Wohnsegment investiert. Der regionale Fokus liegt auf Europa, wo sich der Markt zuletzt relativ stark entwickelt hat. Gleichzeitig liegt der Schwerpunkt bei großen Immobilienunternehmen. Sie genießen bessere Finanzierungskonditionen. Grundsätzlich gilt: Je größer der Gap zwischen Finanzierungskosten und Mietrenditen, desto besser.


Man hat schon während der Finanzkrise gesehen, dass große Unternehmen mit werthaltiger Substanz ihre Schulden bedienen können. Weites war auch in den letzten Wochen zu beobachten, dass große deutsche Wohnkonzerne wie Vonovia oder Deutsche Wohnen wegen der Corona-Krise keine Abschreibungen vornehmen mussten. Sie profitieren von einem strukturellen „Problem“: Am deutschen Wohnungsmarkt ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot. Dass eine Rezession kommt, steht mittlerweile fest. Gibt es auch Faktoren, die Sie positiv für die Zukunft stimmen? Immobilienwerte sind immer relativ stark von der Zinsentwicklung abhängig. Das schlimmste Szenario wäre für sie eine nachlassende Konjunktur bei gleichzeitig steigenden Zinsen. Wie aber die letzten Wochen bzw. die coronabedingten Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken gezeigt haben, werden die Zinsen noch

länger niedrig bleiben. Positiv stimmt mich aber auch, dass die Substanz der Immobilienfirmen mehr wert ist als es die aktuellen Kursniveaus (Price/NAV-Verhältnis: 0,8) andeuten. Wohnwerte werden mit 0,9 näher an ihrem Fair Value gehandelt. Werden aktuell neue Wandelanleihen begeben? Was die Emissionstätigkeit betrifft, schaut es bei Immobilien-Wandelanleihen derzeit schlecht aus. Ein anderes Bild zeigt sich bei klassischen Wandelanleihen: Hier gab es zuletzt etliche Emissionen – darunter auch großvolumige. Rechnen Sie heuer mit Ausfällen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es heuer zu Ausfällen kommen wird. Wenn doch, dann werden davon nur Unternehmen mit sehr gestressten Bilanzen betroffen sein. Anders als während der Finanzkrise sind viele Unternehmen sehr gut ausfinanziert – große

„Nachfrage deutlich größer als Angebot .“ Horst Simbürger, Convertinvesta

Refinanzierungen sind nicht notwendig. Gleichzeitig ist der durchschnittliche LTV mit 35 bis 40 Prozent heute deutlich niedriger als während der Finanzkrise (70 Prozent). Man darf aber nicht vergessen, dass eswährend der Finanzkrise zu keinen Ausfällen von Wandelanleihen gekommen ist – obwohl Immobilienwerte zwischenzeitlich deutlich unter Druck geraten sind.

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Mixed-Use, Sonnenhöfe Berlin Schönefeld, Deutschland

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Millennium City Entertainmentparadies Die Millennium City ist das Entertainmentparadies in Wien. Ab sofort den ersten FLIP LAB-Trampolinpark in einem Shopping Center, die neue Cineplexx Kinowelt mit dem größten Kinosaal Österreichs, die Friendly Fire E-Sports Arena und vieles mehr erleben.

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in Paradies aus Fashionshops, noch mehr Genusslokalen und FunFaktoren. Die Modernisierung der 56.000m² großen Millennium City ist abgeschlossen. Nach der Eröffnung von „Friendly Fire“, der größten E-Sports-Arena Österreichs, überrascht Wiens modernstes Entertainment Center jetzt mit den nächsten Highlights: FLIP LAB, der erste Trampolin- Parkour- und Freestylepark in einem Shopping Center, dem größten Kinosaal Österreichs in der Cineplexx Kinowelt, neuen Gastronomiebetrieben, wie dem amerikanischen Foodkonzept „Five Guys". „Millennium City immer ein Erlebnis“, lautet das Motto von Wiens modernstem Shoppingund Entertainment Center an der Waterfront. Tatsächlich setzt die Millennium City nach der größten Modernisierung ihrer Geschichte auf Superlativen in Sachen Unterhaltung, Gastronomie und Shopping in Wien. So wurden der Entertainmentbereich stark ausgebaut, die Eingänge modernisiert und die Innenfassade hell und spektakulär, aus Glas und Aluminium neugestaltet. Einen großen Blickfang stellt der mehr als 130 m² große LED-Screen für multimediale Interkationen dar, welcher

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ImmoFokus

als der größte Indoor-LED-Screen Österreichs auftritt. „Ziel des Umbaus war es, das Center attraktiver und erlebnisreich zu gestalten.“, so der neue Centermanager, Matthias Franta (36), der Mitte Februar die Leitung der Millennium City übernommen hat.

FLIP LAB mit 61 Trampolinen auf 2000 m² Ein Highlight für Actionfans ist der „FLIP LAB Trampolin-, Parkour- und Freestylepark“, ein 2.000m² großer Actionpark mit 61 Trampolinen für bis zu 110 Springer, inklusive „Airtrack Zone“ und „Ninja Zone“. Die Airtrack Zone bietet sich vor allem für Turnübungen, z.B. für Cheerleading, Kampfsport und viele andere Trendsportarten, an. Die Ninja Area ist ein moderner Hindernisparcours bestehend aus fünf zusammenhängenden Modulen mit sieben eingebauten Obstacle-Typen. Höchste Priorität im FLIP LAB haben Qualitäts- und Sicherheitsstandards, geschultes Personal und professionelle Betreuung auf den Sprungflächen. Von Anfängern bis hin zu den Profis, wird darauf geachtet, dass diese in den passenden Bereichen mit Trainern ihre Sprungfreude ausleben können. Eröffnet wurde das FLIP LAB am 29. Mai. Reservierungen, Öffnungszeiten

und weitere Informationen zu Veranstaltungen unter www.fliplab.at .

Ganz großes Kino: Die neue Cineplexx Kinowelt mit dem größten Saal Österreichs Für große Augen sorgt auch die neue Cineplexx Kinowelt. In 13 Sälen laufen die neuesten Blockbuster auf Hollywood-Niveau. Eine neue Lasertechnologie bietet mit gestochen scharfen Bildern in 2D, 3D und 4K ein neues Kinoerlebnis. Dazu kommt der mit 624 Sitzplätzen auf 256m² größte Kinosaal Österreichs. Ein entspanntes cineastisches Erlebnis garantieren auch die neuen Cinegold-Liegesitze. Wer die neuen Bilderwelten mit eigenen Augen sehen möchte, kann dies bald tun, denn viele Säle wurden bereits auf die neue Lasertechnologie umgerüstet. Die Öffnung ist für Anfang August geplant.

Feuer frei im „Friendly Fire“, der größten E-Sports Arena Österreichs „Friendly Fire“ ist mit 360m² die größte ESports-Arena Österreichs. Ab sofort können bis zu 140 Fans von Fortnite, League of Legends, PUBG u.v.a. gleichzeitig in den Genuss der neuesten Gaming-Hardware kommen.


Über CC Real

Die Arena verfügt über dutzende High-EndGaming-PCs, die flüssige Spielerlebnisse in 4K ermöglichen. Zur Wahl stehen mehr als 30 Games für jede Altersgruppe.

Mehr Gastronomie für Foodies, Cocktails für „Couchpotatos“ und Karaoke Hunger? Kein Problem. Im Obergeschoß der Millennium City lässt es sich hervorragend auf kulinarische Entdeckungsreise gehen, denn nach dem Umbau wird hier gleich auf vier zusätzlichen Flächen groß aufgekocht. Der Anteil an Gastronomieflächen wird, bezogen auf die gesamte Verkaufsfläche in der Millennium City, von 8 auf 10 Prozent gesteigert. Neu sind z.B. „Zushi Market“, das kulinarisch nach China, Malaysien, Indien und Japan einlädt, oder die Lounge „Couchpotato“ mit ihren raffinierten Cocktails. Seit Kurzem hat die SOHO Karaoke-Bar ihre Türen wieder geöffnet. Nach einer Renovierung erstrahlt sie mit trendigen Möbeln und Gäste können wieder ihre Gesangskünste unter Beweis stellen. Natürlich ist weiterhin mit einer riesigen Auswahl an Songtiteln aus Rock, Pop, Oldies und vielem mehr für jeden Musikliebhaber etwas dabei.

Premiere für „Five Guys" Eine gastronomische Sensation ist die Eröffnung des „Five Guys" im Entertainmentcenter Millennium City. Die US-Restaurantkette setzt dabei auf hochwertige Burger mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Auf der bewusst überschaubar gehaltenen Speisekarte stehen zudem Hot Dogs, Sandwiches und Pommes Frites. Gegründet wurde Five Guys 1986 in Arlington, Virginia. Seit 2003 wächst das Unternehmen im Franchising und ist mittlerweile mit rund 1.500 Restaurants weltweit vertreten. Die Öffnung ist für Herbst 2020 geplant.

Nachhaltige Nahversorger: Müller, reformstark Martin und Snipes Weiters wird auch den Fashionistas und Shopping-Enthusiasten mehr geboten. Neben dem brandneuen Sportschuhfachgeschäft Snipes wird mit dem Müller Drogeriemarkt ein Big Player in Sachen Nahversorgung, das Sortiment in der Millennium City erweitert. Bei Müller findet man 180.000 Artikel, darunter viele Eigenmarken mit rund 4.000 Artikeln. Auf nachhaltige Produkte spezialisiert hat sich reformstark Martin. Egal ob bio, öko oder vegan, von der Ernährung bis zur Kosmetik: Wer nachhaltig einkaufen möchte, kommt an dem 1905 in Innsbruck gegründeten Familienunternehmen nicht vorbei.

Seit 2014 ist CC Real für das Asset- und Center Management der Millennium City verantwortlich. Nach der ersten Renovierungsphase 2015/2016, in der die Main Plaza, die Einkaufskorridore und der Food Court neugestaltet wurden, setzt CC Real jetzt den nächsten Schritt des Refurbishments. CC Real (www.cc-real.com) ist ein international tätiges Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitern, das über eine umfassende und langjährige Erfahrung im Immobilienbereich verfügt. Das Unternehmen bietet seinen Partnern ein Full-Service-Paket, das alle integrierten Dienstleistungen in den Bereichen Bau, Immobilienentwicklung und -management mit dem Fokus auf ShoppingCentern beinhaltet. Mit seiner langjährigen Erfahrung erzielte CC Real große Erfolge bei Co-Investitionen in Projekten mit internationalen, institutionellen Investoren sowie Family Offices. Derzeit verwaltet CC Real ein Vermögen von 2,2 Milliarden Euro mit 550.000 Quadratmetern Gesamtmietfläche als Miteigentümer bzw. Management von Handelsimmobilien in Österreich, Kroatien, Finnland und Ungarn.

Factbox Fläche: 56.000 m² Shops: 130 Shops Besucher: 14 Millionen pro Jahr Weitere Angebote: Cineplexx Kinowelt, FLIP LAB, Holmes Place Fitness-Center, Ocean Park Family Entertainment, Kinderwelt „Monki Park“, A-Danceclub u.v.m. ÖFFNUNGSZEITEN: SHOPPING CENTER Montag bis Freitag: 9.00 - 20.00 Uhr Samstag: 9.00 - 18.00 Uhr Sonntag: geschlossen ENTERTAINMENT CENTER Montag bis Mittwoch: 10.00 - 24.00 Uhr Donnerstag: 10.00 - 02.00 Uhr Freitag: 10.00 - 02.00 Uhr Samstag: 10.00 - 02.00 Uhr Sonntag und Feiertag: 10.00 - 24.00 Uhr

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Positionen & Meinungen

Comeback auf Umwegen Post Corona. Der Wiener Tourismus kann dieses Jahr im April wohl als Totalausfall bezeichnet werden. Die Übernachtungen sind allein in diesem Monat um 98,2 Prozent, das heißt auf 29.000 zurückgegangen. Frans-Jan Soede, CEO und Gründer von HAM, erklärt, wie die Hotelbranche in der Zeit nach COVID-19 aussehen wird.

Das Gespräch führte: Amelie Miller

Um einen Hotelbetrieb am Leben zu erhalten, braucht es eine Auslastung von jährlich mindestens 50 Prozent. Viele Hotels werden

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schließen müssen, da große Überkapazitäten vorhanden sind. Zusätzlich befinden sich noch weitere Hotels in Bau beziehungsweise in Fertigstellung. Allein in Österreich sind 94 Hotels in Planung. Viel zentraler wird deshalb die Frage sein, wie man bereits bestehende Hotels anders nutzen kann. Ein Hotel lässt sich sehr wohl für Micro-Living-Projekte, aber auch für Student-Housing oder Senior-Living nutzen. Die 25hours-Hotels beispielsweise haben bereits ein spezielles Angebot für LangzeitGäste und Studenten auf den Markt gebracht. So zahlen Schüler, Studenten und Azubis weniger. Orientiert hat sich 25hours hier an den Preisen der Student-Hotels in Berlin. Auch die Frage, wie sich ein Hotel eventuell für das Gesundheitswesen umfunktionieren

lässt, bleibt bestehen. In Kalifornien und in Frankreich wurden bereits Hotels auf Spitalbetrieb umgestellt. Hier hat man die Betten, die im Krankenhaus eventuell gefehlt haben oder fehlen werden. Ein Buy-to-let-Investment in einer Top Destination stellt ebenfalls eine gute Möglichkeit dar. Die Hotelgruppe Achat hat in ausgewählten Städten während des Lockdowns zehn Prozent ihrer Zimmer in Büros umgewandelt und möchte dieses Angebot beibehalten. Laut einer Umfrage des Gallup Instituts wirkt sich die Krise auf die Urlaubsplanung der österreichischen Bevölkerung aus. Kärnten, Salzburg und Steiermark gelten als favorisierte Urlaubsziele. Droht

Fotos: Katharina Schiffl

W ie kann in den großen Städten bis Mitte 2021 wieder eine akzeptable Auslastung der Hotels erreicht werden? Frans-Jan Soede: Wirtschaftliche Krisen in der Hotellerie, rückläufige Umsätze, sinkende Gäste­­­­­­­­­­­­­­­­zahlen und explodierende Kosten haben viele Ursachen. Hotels, Hostels und Pensionen existieren nicht im Vakuum. Der Beherbergungsmarkt ist extrem abhängig von verwandten Industrien. Das ist zum einen die Reise- und Flugbranche im nationalen, kontinentalen und globalen Bereich, aber auch die Tourismusbranche an sich und die einzelnen Destinationen.


der Ferienhotellerie destinations-abhängig ein Einbruch von 50 Prozent oder mehr? Für die Zukunft sehe ich eine große Chance für den lokalen Tourismus. Mit dem Ende der Krise und den Grenzöffnungen steigt das Reiseverhalten – aber nicht in die Ferne. Lokal und regional statt global ist hier das Stichwort. Die Fernmärkte werden bis auf Weiteres stark einbrechen. Erreichbarkeit und Sicherheit treten in den Vordergrund. Genau darin besteht aber die Chance der Ferienhotellerie mit der richtigen Positionierung von der Krise saisonal zu profitieren. Der Urlaub zuhause wird folglich eine Renaissance erleben. Will man über die Grenze, gibt es zum Beispiel großes Potenzial in gut positionierten Resorts in den Nachbarländern wie der Slowakei, Ungarn und Tschechien etc.

Mit dem 29. Mai konnten die Hotels in Österreich ihren Betrieb wieder aufnehmen. Die Auslastung ist allerdings verhalten. Wie entwickeln sich die (inter-)nationalen Reisemärkte und welche Auswirkungen haben diese auf den Hotelmarkt und das Hotelgeschäft? Bis die Werte von 2019 wieder erreicht werden können, rechnen wir mit folgendem Verlauf der internationalen Reisemärkte: Für 2020 erwarten wir in Europa und den CEE-Ländern einen Einbruch von 75 Prozent. Wir gehen davon aus, dass das Reiseverhalten von Jahr zu Jahr wieder zunimmt und sich somit die Zahlen wieder erholen werden. Von einer neuen Normalität kann man aber erst 2024 sprechen. Das heißt, auf Basis unserer Berechnung wird sich das Minus 2021 mit

„Zentral ist jetzt die Frage, wie man Hotels anders nutzen kann – etwa für StudentHousing.“

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Positionen & Meinungen

„Corona ist nicht das Ende des Reisens. Die Reise- und Hotelbranche ist eine gesegnete Industrie.“

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den Märkten im Mittleren Osten, Afrika, den GUS-Staaten, den CEE-Ländern und Europa auf 60 Prozent belaufen. 2022 wird das Minus mit dem Erstarken der Reisemärkte im asiatischen und pazifischen Raum bei 45 Prozentpunkten liegen. Bis 2023 lässt sich mit dem zusätzlichen Reisemarkt in Nord- und Südamerika ein Wert von ca. 35 Prozent unter den 2019 Ergebnissen verzeichnen. Das Ganze pendelt sich dann 2024 bei 15 Prozent unter den Zahlen von 2019 ein. Das Marktvolumen ist derzeit nicht groß genug, um bestimmte Hotels überhaupt wieder zu eröffnen. Nur Betriebe mit großer Liquidität und sehr guter Positionierung können es sich leisten, wieder zu eröffnen.

Die Krise hat gezeigt, Digitalisierung ist essentiell. So können Gäste in Deutschland ab sofort mit dem sogenannten digitalen Hotelmeldeschein einchecken. Wie kann diese zu einer besseren Kundekommunikation, beziehungsweise Gesundheit und Sicherheit von Gästen und Mitarbeitern im täglichen Hotelbetrieb aussehen und genutzt werden? Digitalisierung ist ein Must. Was mit dem kontaktlosen Ein- und Auschecken begann, lässt sich spätestens jetzt auch bei allen Hygienestandards anwenden. Wichtig ist hier, den Vertrieb über die eigene Webseite zu stärken, um die Abhängigkeit von den Online Travel Agents zu reduzieren. Digitale Kommunikation mit den Gästen vor, aber


auch während und nach dem Aufenthalt (Customer Journey) wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Das digitale Checkin ermöglicht ein Kosteneinsparungspotenzial von rund 100 Millionen Euro jährlich nur in Österreich. Auf dich wartet ein guter Sommer! Mit diesem Slogan startet die Österreich Werbung eine Kampagne für den Urlaub zu Hause. Welche Hotel- und Tourismuskonzepte werden in Zukunft funktionieren und welche nicht? Gruppenreisen im Allgemeinen werden sehr leiden. Das liegt daran, dass hier Hygienestandards wie Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Was hingegen sicher funktionieren wird, sind sogenannte Low-BudgetAngebote wie zum Beispiel B&B Hotels, Ibis oder Branded Hostels. High-end Luxury wird in Zukunft ebenfalls weiterhin Steigerungen verzeichnen und auch für Investoren interessant bleiben. Auch Online-Plattformen stellen sich neu auf. TUI und Booking.com haben beispielsweise eine strategische Partnerschaft für den Bereich Touren, Aktivitäten und Ausflüge vereinbart. Geringe Auslaustung, hohe finanzielle Einbußen. Wie kann eine langfristige Neustrukturierung von Finanzierung, Pachtvertrag oder Mietvertrag aussehen? Die Kommunikation ist hier entscheidend. Alle Stakeholder wie Betreiber, Investoren, Entwickler, Banken sollten sich die nächsten Jahre realistisch und pragmatisch regelmäßig an einen Tisch setzen, um den Verlauf der Buchungen beziehungsweise des Marktes zu eruieren, um sich wieder langsam aber sicher in Richtung neuer Normalität zu entwickeln.

Wie sieht eine COVID-19-konforme Hotel Operation nach dem Re-Opening aus? Und ist diese in der Praxis dauerhaft umsetzbar? Hotels als auch Hotelkonzerne haben ihre Hygiene-Standards und operativen Verfahrensweisen schon erheblich erhöht und sich mit den hiesigen Partnern auf eine lange Kooperation geeinigt, speziell um damit die zusätzlichen Kosten zu minimieren. Es wurden mittlerweile sogar neue Sub-Marken für diesen Bereich kreiert um den Gast das maximale Sicherheitsgefühl zu geben wie „Clean IHG Promise“ bei InterContinental oder CleanStay bei Hilton. Falkensteiner hat zum Beispiel mit Diversey neue Hygienestandards für den Spa-und Wellnessbereich entwickelt. Wie stark trifft die Krise den Betreiber? Was kann dieser zur Problemlösung beitragen? Den Betreiber trifft es von allen Stakeholdern am stärksten, da er sich in einer sehr starken Co-Abhängigkeit von anderen Industrien befindet. Er ist letztendlich auch der Lösungsbringer, weil er nicht nur den Hotelbetrieb beherrscht, sondern auch mit der Reise- und Tourismusindustrie verbunden ist. Sollte dieser für eine bestimmtes Produkt oder eine Destination nicht die vollen Vorausset-

zungen haben, müssen andere Experten wie Marketingunternehmen, Berater oder Asset Manager herangezogen werden. Aus Developer-Sicht: Welche marktbedingten Szenarien ergeben sich bei einer geplanten Eröffnung 2020/2021 oder danach – speziell in Osteuropa? Es wird eine starke Konsolidierungswelle kommen und viele Projekte werden auf Eis gelegt werden. In Osteuropa wird vor allem die große Bettenkapazität in Prag, Budapest und Bratislava eine sehr große Herausforderung. Wien, Salzburg und die anderen westeuropäischen Städte werden sich etwas schneller von der Krise erholen. Für Osteuropa stellt sich die Frage, wie schnell das Segment Geschäftsreisen wieder das Niveau von 2019 erreichen wird. Die Trend-Anlageklasse Hotel wird kurz- bis mittelfristig an Glanz verlieren, jedoch nach Konsolidierung der Branche wieder höhere Renditen als andere Immobilienarten lukrieren. Die Reise- und Hotelbranche ist eine gesegnete Industrie. Corona ist nicht das Ende des Reisens. Längst haben wir uns viel zu sehr an den Menschheitstraum der globalen Entdeckung ferner Ziele gewöhnt. n

1,26 Milliarden Euro Hoteltransaktionen im Jahr 2019. 94 Hotels sind allein in Österreich in Planung. Wie wird mit aktuellen und zukünftigen Developments umgegangen? Die im Bau befindlichen Hotels werden fertiggestellt. Es werden aber sicher Hotels, die in Planung sind, gestoppt und verzögert werden. Das hängt von den Prioritäten, der Liquidität der Stakeholder und der Marktvolatilität im Segment ab.

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Branchen & Services

Portalflucht – eine neue Unabhängigkeitsbewegung? Gesprengte Ketten. Nicht alle Makler sind gut auf die großen Immobilienportale zu sprechen. Manche experimentieren mit alternativen Onlineplattformen, Social-Media-Kanälen oder anderen Vermittlungswegen wie der eigenen Homepage. Gute Maklersoftware kann sie dabei unterstützen. Autor: Heimo Rollett

E „Größere Herausforderung ist die Objektakquise.“ Stefan Mantl, onOffice

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tliche Immobilienvermittler kritisieren die hohen Kosten bei den alteingesessenen Immobilienportalen, ihre Marktdominanz, ihre teils intransparente Preisgestaltung und die Vielzahl an Zusatzleistungen, die extra zu zahlen sind. Manche haben dabei das Gespenst vor Augen, dass große Portale irgendwann selbst aktiv in die Immobilienvermittlung einsteigen. Ganz unbegründet scheint dies nicht zu sein, bieten die Plattformen doch schon heute teilweise Dienstleistungen an, die eigentlich zum Geschäft der Makler gehören, wie etwa Marktberichte und Immobiliengutachten. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Maklerschaft als größte Kundengruppe der Portale zusätzlich Geld für

potenziell verkaufsbereite Immobilieneigentümer (Leads) bezahlen muss, obwohl diese Kontakte letztlich über eine Plattform kommen, die die Immobilienvermittler mit ihren Angeboten stark machen.

Einstiege von Investoren vergrößern Misstrauen Die zurückliegenden Verkäufe von Portalen, der Einstieg branchenfremder Investoren sowie der Erwerb einer Maklersoftwarefirma durch ein Portal (Scout24 kaufte Flowfact) vergrößerte die Unruhe innerhalb der Maklerbranche, denn niemand kann absehen, welche Strategie die neuen Eigner künftig verfolgen.


Dabei scheint es zwei Arten von Maklern zu geben: Diejenigen, die sich dem Status Quo resigniert ergeben und behaupten, dass sie nicht anders könnten, als bei den großen Marktführern zu inserieren, da über die Plattform die meisten Anfragen kämen. Die andere Gruppe sieht sich der Situation weniger ergeben. Sie laden weniger Objekte beim Marktführer hoch oder verlassen ihn komplett. Stattdessen setzen sie auf alternative und günstigere Plattformen, auf Ebay-Kleinanzeigen oder auf lokale Portale. Die Erfahrung zeigt, dass weiterhin qualifizierte Anfragen kommen, wenn sie auch weniger zahlreich sind. Zudem sind diese Makler froh, wenn weniger E-Mails und Telefonate eingehen. „Ihre größere Herausforderung ist bekanntlich die Objektakquise und die lässt sich über eigenes Marketing oder das Pushen der Maklerwebseite besser bewerkstelligen als über Portale“, erläutert Stefan Mantl, Geschäftsführer der eigentümergeführten Maklersoftware onOffice. Die bei den Großportalen eingesparten Marketingkosten investieren diese Makler stattdessen in die eigene Firmenwebseite. Das Ziel: Mit der eigenen Webpräsenz und einer alternativen Werbestrategie unabhängiger von den etablierten Portalen und dadurch freier in unternehmerischen Entscheidungen zu werden.

Alternative Marketingaktivitäten Mehrere kleinere österreichische Maklerunternehmen in ländlichen Raum konnten sich so schon ganz von den großen Portalen lösen. Das macht sie fit für die Zukunft, denn die nächsten Veränderungen stehen schon vor der Tür. Nicht wenige Proptech-Firmen stiegen in das Vermittlungsgeschäft von Miet- und zusehends auch Kaufobjekten ein und das teils mit geringeren Provisionssätzen für Verkäufer, Vermieter und Kunden wie sie klassische Makler aufrufen. Diesen Digitalmaklern müssen die lokalen Vermittler etwas entgegensetzen. Kurzum: Makler sind keineswegs auf Gedeih und Verderb an große Portale „gekettet“ oder neuen Proptechs ausgeliefert. Immer mehr Beispiele belegen, dass man mit alternativen Marketingaktivitäten mindestens ebenso erfolgreich sein kann. Im Vordergrund sollte dabei die eigene Webseite stehen. Vermutlich googeln die meisten Verbraucher nach einer Immobilie und tippen nicht die Internetadresse eines Portals in ihre Browserleiste. Dies eröffnet Maklern neue Chancen.

Fünf Kniffe für das „Portalfasten“ Die eigene Webpräsenz zu stärken und Objekte zusätzlich auf alternativen Wegen zu vermarkten, macht unabhängig und spart Kosten. Die Maklersoftware onOffice hat dafür ein paar Tipps auf Lager:

1. GELD SPAREN BEI PORTALEN Wer auf den großen Portalen nur Lockangebote schaltet, gibt weniger aus und hat dennoch die nötige Aufmerksamkeit. In der Maklersoftware kann mit wenigen Klicks festgelegt werden, auf welchen Portalen neue Objekte für wie lange eingestellt werden (Objektrotation) – Automatisierung lautet das Zauberwort. Bei den Portalangeboten kann auf weitere Offerte auf der Maklerwebseite verwiesen werden. Außerdem könne bei der Eingabe entschieden werden, ob Offerte zusätzlich auf der Facebook-Seite der Maklerfirma und der Webseite präsentiert werden, erklärt Pawel Strzyzewski, Leiter des onOffice-Bereichs Webdesign.

2. TRAFFIC DER MAKLER-DOMAIN ZUORDNEN Je mehr Traffic, desto besser das Google-Ranking. Intelligente Services, wie etwa der 360-Grad-Panoramatouren-Anbieter Ogulo, haben häufig eine hohe Verweildauer. Diese kann der Domain des Maklers zugeschrieben werden, was die Bekanntheit und die Sichtbarkeit seiner eigenen Webseite fördert.

3. WEBSEITE MIT ANALYSEMÖGLICHKEITEN Die eigene Webseite kann zum zentralen Vermarktungstool werden. Sie bleibt immer im eigenen Besitz, niemand erhöht die Preise oder verändert sie willkürlich. Wer seine Seite ordentlich aufbaut, analysiert das Nutzerverhalten und sorgt für ein gutes GoogleRanking. Beides ist keine Hexerei mehr, wenn man auf professionelle Baukästen bzw. Software zurückgreift. Und plötzlich gibt es keinen unbekannten Interessenten mehr. Besucherzahlen und Verweilzeiten bei den einzelnen Inhalten werden messbar, den Interessenten können automatisiert weitere Objekte ganz nach deren Interessen angezeigt werden.

4. LANDINGPAGES FÜR EINZELNE OBJEKTE Eigene Webseiten für einzelne Objekte, sogenannte Landingpages, werden immer wichtiger – sie verleihen der Immobilie mehr Wertigkeit und sind die Basis für die bessere Auffindbarkeit über Google. „Wir haben daher für unsere Kunden die Möglichkeit geschaffen, für jedes Objekt eine eigene Landingpage zu generieren“, erklärt onOffice-Chef Stefan Mantl.

5. INTERAKTIONEN OFFENBAREN INTERESSEN Eine gut gemachte Webseite fördert die Interaktion mit den Nutzern. Die Besucher erhalten Informationen zum Hausverkauf, zur Vorgehensweise im Falle einer Scheidung, sie können z.B. über ein Kontaktformular eine Wertermittlung beauftragen, den Newsletter abonnieren oder sich als Kaufinteressenten eintragen. Kurzum: Es geht um Content. Und der Betreiber einer Webseite weiß, wen was interessiert – die durch den Content generierten Verhaltensdaten werden schließlich automatisch gespeichert. Mit ihnen kann der Makler im Anschluss arbeiten, indem er beispielsweise Kunden persönlich anspricht oder neu zu vermarktende Objekte zuerst der entsprechenden „VIP-Gruppe“ anbietet.

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Branchen & Services

Dominanz der Gemeinnützigen Kleinere Projekte, aber mehr Wohnfläche. Je größer die Nähe zu Wien und den regionalen Ballungsräumen, desto höher ist der Anteil der gewerblichen Bauträger. Autor: Andreas Altstädter

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m Herbst des Vorjahres wirbelten der WKÖ-Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder und die Exploreal mit der Studie über die Pipeline an Wohnbauprojekten in Wien gehörig Staub auf. Nun haben die beiden Kooperationspartner mit einer Untersuchung über die Wohnsituation in Niederösterreich nachgelegt. Wie bei der Premiere stand auch bei der Studie für Niederösterreich eine umfassende Auswertung anstehender Großprojekte, von denen wichtige Impulse in Hinblick auf den Wohnungsmarkt und die Bauwirtschaft ausgehen, im Fokus.

Über 1.000 Projekte in Niederösterreich ausgewertet Um ein typisches Neubau-Bauträgerprojekt zu charakterisieren, wurden über 1.000 Projekte in Niederösterreich mit über 30.000 Wohneinheiten ausgewertet. Rund 5.000 Wohneinheiten (überwiegend Wohnungen) wurden im Detail erfasst und analysiert. „Für uns ist es nicht nur als Interessenvertreter eine interessante Abbildung der Ist-Situation, wir können damit auch unsere Kunden exakt über derzeitige Bauaktivitäten informieren“, erklärt Johannes Wild, geschäftsführender Obmann

der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder Niederösterreich.

Vergleich mit Wien: Projekte in NÖ kleiner, Wohneinheiten aber mit mehr Wohnfläche Wie auch in der ersten Studie wurden die in der Pipeline befindlichen Projekte auf ein „typisches Durchschnittsprojekt“ heruntergebrochen. Im Vergleich zu Wien fällt auf, dass die Projekte in Hinblick auf die Anzahl der Wohneinheiten deutlich kleiner sind, mehr Wohnfläche und PKW-Stellplätze aufweisen und die Wohnungen über einen hohen Terrassen-/

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Branchen & Services

DAS „GLÄSERNE“ PROJEKT – WIEN

1-2 Zi-Wg: 50 % 3 Zi-Wg: 35 % 4+ Zi-Wg: 15 %

ø 63 Wohnungen / Projekt

aller Wohnungen im Angebot (n = 7.377)

arithm. Mittel geeigneter Projekte in EXPLOREAL (n = 1.570) ø 65,6 m² Wohnnutzfläche

mit Loggia: 29 % mit Balkon: 50 % mit Terrasse: 35 % mit Garten: 14 %

Median aller Wohneinheiten im Angebot (n = 7.481)

mit Freifläche: 91 %

ø 9,1 m² Freiflächen

(Loggia/Balkon/Terrasse/Garten) aller Wohnungen im Angebot (n = 7.483)

ø 0,81 PKW-Stellplätze / Wohnung arithm. Mittel geeigneter Projekte in EXPLOREAL (n = 759)

(Loggia/Balkon/Terrasse) Median aller Wohneinheiten im Angebot (n = 7.483) ø Grundkostenanteil: 1.120 €/m² arithm. Mittel geeigneter Projekte in EXPLOREAL (n = 948)

Gartenanteil verfügen. Durchschnittlich umfasst jedes Bauprojekt 25 Wohnungen, diese haben im Median 76,5 Quadratmeter Wohnnutzfläche, 11,7 Prozent Freifläche (Loggia/ Balkon/Terrasse) und 1,62 PKW-Stellplätze, rund doppelt so viele wie in Wien (0,81 PKWStellplätze/Wohnung).

„Anzahl der Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern doppelt so hoch als in Wien.“ Michael Pisecky, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder Wien

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„In Wien sind ca. 50 Prozent der neu gebauten Einheiten 1- oder 2-Zimmerwohnungen und lediglich 15 Prozent haben vier Zimmer und mehr. In Niederösterreich ist die Anzahl der großen Wohnungen – mit vier oder mehr Zimmern – doppelt so hoch“, analysiert Michael Pisecky, Fachgruppenobmann der Immobilienund Vermögenstreuhänder Wien. Dies sei vor allem dem hohen Prozentsatz an Ein- und Zweipersonenhaushalten in Wien geschuldet, aber auch dem höheren Quadratmeterpreis, weshalb die Wohnungen kleiner sind, um

leistbar zu bleiben. Erwartungsgemäß ist der Anteil an Eigennutzern, die für die Familie die Wohnung im Eigentum erwerben, in Niederösterreich höher als in Wien. Ähnlich hoch zeigt sich der prozentuelle Anteil der Wohneinheiten mit Freiflächen in beiden Bundesländern: 97 Prozent sind es in Niederösterreich, immerhin 91 Prozent in der Großstadt Wien.

In NÖ dominieren gemeinnützige Bauträger mit rund 64 Prozent der Wohnbauten Bei den Aktivitäten der gewerblichen und gemeinnützigen Bauträger gibt es einen auffälligen Unterschied zwischen den beiden Bundesländern. Alexander Bosak, Mitbegründer und Geschäftsführer der Exploreal: „Während in Wien die gewerblichen Bauträger dominieren, sind es in Niederösterreich die gemeinnützigen. In Niederösterreich errichten die gemeinnützigen Bauträger 64 Prozent der Wohnbau-


DAS „GLÄSERNE“ PROJEKT – NIEDERÖSTERREICH

1-2 Zi-Wg: 32 % 3 Zi-Wg: 37 % 4+ Zi-Wg: 31 %

ø 25 Wohneinheiten / Projekt

aller Wohnungen im Angebot (n = 5.242)

arithm. Mittel geeigneter Projekte in EXPLOREAL (n = 1.218) ø 76,5 m² Wohnnutzfläche

mit Loggia: 19 % mit Balkon: 41 % mit Terrasse: 48 % mit Garten: 36 %

Median aller Wohneinheiten im Angebot (n = 5.367) ø 11,7 m² Freiflächen

mit Freifläche: 97 % (Loggia/Balkon/Terrasse/Garten) aller Wohnungen im Angebot (n = 5.356)

(Loggia/Balkon/Terrasse) Median aller Wohneinheiten im Angebot (n = 5.365)

ø 1,62 PKW-Stellplätze / Wohneinheit

Wohnungen: 85 %

arithm. Mittel geeigneter Projekte in EXPLOREAL (n = 1.037)

Reihenhaus/Doppelhaus: 13 % Einfamilienhaus(-grundstück): 2 % aller Wohneinheiten in EXPLOREAL (n = 30.840)

ten, die freifinanzierten Projekte betragen 36 Prozent. In der Bundeshauptstadt werden nur 33 Prozent der Wohnbauprojekte von gemeinnützigen Bauträgern gebaut, die gewerblichen Wohnbauträger zeichnen für rund zwei Drittel der neuen Wohneinheiten verantwortlich. Je größer die Nähe zu Wien und den regionalen Ballungsräumen, desto höher ist der Anteil der gewerblichen Bauträger. „Ein überproportional großer Anteil der gewerblichen Bauträger ist – im Verhältnis zur Gesamtverteilung – daher in den Bezirken Mödling, St. Pölten/Stadt, Korneuburg, Tulln, Baden und Krems festzustellen“, ergänzt Exploreal-Mitbegründer Matthias Grosse. Die größte Bautätigkeit in Niederösterreich findet prinzipiell in den – an Wien verkehrstechnisch gut angebundenen – Städten statt. Die meisten Projekte sind seit April 2019 im

Industrieviertel (172 Projekte) und Mostviertel (135 Projekte) in die Vermarktung gekommen. Regionale Schlusslichter waren das Weinviertel mit 92 Projekten und das Waldviertel mit 50 Projekten.

More to come „Aufgrund der großen Resonanz – über die Immobilienwirtschaft hinaus – werden wir in den kommenden Monaten die Studie auf alle österreichischen Bundesländer ausweiten, um die jeweilige Wohnbausituation zu erheben und zu analysieren“, kündigt Gerald Gollenz, stellvertretender Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, anlässlich der Präsentation weitere Studien an. Denn die einzelnen Bundesländer zeigen eigene Charakteristika bei der Verteilung und Umsetzung der Wohnprojekte, wie auch die Studie für Niederösterreich bestätigt.

„In NÖ zeichnen wir für rund zwei Drittel der neuen Wohneinheiten verantwortlich.“ Alexander Bosak, Exploreal

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Green Deal: Fluch oder Segen

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ür die Bau- und Immobilienwirtschaft steht 2020 im Zeichen von Klimawandel und den Folgen der CoronaPandemie. Während vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie für viele Branchenmitglieder und Bauherren eine gigantische Herausforderung darstellen, eröffnen New-Work-Modelle verstärkt ein notwendiges digitales und integrales Arbeiten. Dieses neue Arbeiten fördert ein interdisziplinäres Denken, Planen und Umsetzen sowie eine neue Transparenz auf die nachhaltige Gebäude-, Raum- und Stadtplanung.

Intensiver Austausch Der 10. Kongress der IG Lebenszyklus Bau am 20. Oktober 2020 dient dem intensiven Austausch zwischen nationaler und internationaler Politik, Bauherren und Vertretern der Bau- und Immobilienbranche und greift die Themen rund um Mobilität, Vernetzung und Verknappung als wesentliche Faktoren im Hinblick auf den europäischen Green Deal auf. Die IG Lebenszyklus Bau nimmt im Arbeits-

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ImmoFokus

programm sowie mit dem Kongress 2020 die gesellschaftliche Verantwortung der Bau- und Immobilienbranche beim Klimaschutz wahr: Die Arbeitsgruppen des Vereins, zu denen führende Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Politik zählen, erörtern, diskutieren und entwickeln Problemstellungen und innovative Strategien und Lösungsansätze.

Innovationsschübe nach Corona Wie eröffnen New-Work-Modelle neue Perspektiven für Klimaschutz und Digitalisierung? Was sind die Grundlagen einer zukunftsfähigen Gesellschaft? Klimaschutz und New Economy? Ein Widerspruch? Wie tragen Gebäude zum nachhaltigen Klimaschutz bei? Der europäische Green Deal und seine Rahmenbedingungen: Fluch oder Segen? Wie planen, bauen, finanzieren und betreiben wir bis 2040? Nachhaltig durch Verzicht oder nachhaltig durch technologische Innovation? Mit diesen Fragen beschäftigen sich am 20. Oktober im Rahmen des 10. Kongresses der IG Lebenszyklus Bau rund 20 hochkarätige

Speaker in Keynotevorträgen, Diskussionen und Arbeitsergebnispräsentationen, darunter ein hochrangiger Vertreter der Europäischen Kommission, der frühere weltweite Kampagnendirektor von Greenpeace, Wolfgang Pekny, Jürgen Schneider (Sektionschef im Bundesministerium für Klimaschutz), Roland Bechmann (Vorstandsmitglied der Werner Sobek AG), Christoph M. Achammer (ATP architekten ingenieure), Klaus Reisinger (iC consulenten), Brigitte Karigl (Umweltbundesamt), Tim Schabert (KPMG), Walter Hammertinger (Value One), Berthold Lindner (Heid & Partner Rechtsanwälte), Erich Thewanger (KPMG), Wolfgang Kradischnig (DELTA), Karl Friedl (M.O.O.CON), u.v.m … Der Kongress richtet sich an innovative Bauherren, Projektentwickler und Stadtplaner und weitere Vertreter der Bau- und Immobilienbranche. Der Termin verspricht intensives Networking mit rund 200 Teilnehmern, Zukunftstrends und topaktuelle Branchennews. www.ig-lebenszyklus.at/kongress2020

Foto: Leo Hagen/IG Lebenszyklus Bau: Kongress der IG Lebenszyklus Bau

10. Kongress der IG Lebenszyklus Bau. Strategien für eine nachhaltige Stadt-, Raum- und Gebäudeentwicklung in Österreich und in der Europäischen Union.


Advertorial

Umsatzsteuer anlässlich COVID-19 Umsatzsteuerliche Auswirkungen auf Vermieter und Mieter

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ie umsatzsteuerlichen Meldepflichten laufen trotz Corona unverändert weiter. Im Falle einer Zahllast kann geprüft werden, ob die Einbringung eines Stundungsantrages möglich ist. Hierzu ist die konkrete Betroffenheit des Abgabepflichtigen glaubhaft zu machen. Weiters ist eine entsprechende Liquiditätsplanung erforderlich.

der laufenden Zurverfügungstellung des Mietobjekts. Stundet der Vermieter dem Mieter die Miete, ist daher vom Vermieter weiterhin Umsatzsteuer in voller Höhe zu erklären und abzuführen. Der Mieter (Sollbesteuerung) ist vorsteuerabzugsberechtigt nach den allgemeinen Regeln, wenn er die Leistung erhalten hat und eine ordnungsgemäße Rechnung übermittelt wurde.

Die Vermietung von Geschäftsräumlichkeiten (zB Büro, Geschäftslokal) ist von der Umsatzsteuer befreit. Es ist jedoch eine Option zur Umsatzsteuerpflicht möglich, wenn der Mieter die Geschäftsräumlichkeit nahezu ausschließlich (95 %) für Umsätze verwendet, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen. In diesem Fall kommt ein 20 %iger Umsatzsteuersatz zur Anwendung. Wohnungen sind zwingend mit 10 % Umsatzsteuer zu vermieten.

Reduktion und Ausfall der Miete

Stundung der Miete bewirkt keine Reduktion der Umsatzsteuer

Fotos: Franz Helmreich, Zhu Difeng

Die Umsatzsteuerschuld (Sollbesteuerung) entsteht mit der Leistungserbringung, dh mit

LeitnerLeitner Wirtschaftsprüfer Steuerberater

Eine Minderung der Umsatzsteuerbemessungsgrundlage des Vermieters ist erst gegeben, wenn eine Reduktion des Mietentgelts zwischen Vermieter und Mieter vereinbart wurde. Eine zweifelhafte Forderung (zB Miete ist überfällig) rechtfertigt noch nicht eine Minderung der Bemessungsgrundlage. Erst wenn eine Forderung tatsächlich uneinbringlich wird (zB Insolvenz, Gerichtsurteil) kommt es zu einer Minderung der Bemessungsgrundlage zu diesem Zeitpunkt. Im Fall einer Reduktion oder Uneinbringlichkeit der Miete ist auch der Vorsteuerabzug beim Mieter zu reduzieren.

Harald Galla, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei LeitnerLeitner Wien. Er ist spezialisiert auf Immobilientransaktionen.

Vorsicht ist bei Dauerrechnungen geboten. Diese gelten als Anzahlungsrechnungen. Wird die Miete gestundet und verspätet gezahlt, besteht ein Risiko, dass der Mieter keinen Vorsteuerabzug hat. Bei Stundungen und Reduktionen der Miete sollte daher für jede Periode eine korrekte Rechnung ausgestellt werden. n

Am Heumarkt 7 A-1030 Wien Tel: +43 /1/718 98 90 Fax: + 43 /1/718 98 90 - 804 E-Mail: wien.office@leitnerleitner.com

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Branchen & Services

Virusbedingtes Kommunikationsvakuum Bestens genutzt. Marken wie EHL, Signa und BIG erhöhten während des Lockdowns ihre Medienpräsenz und zogen ihren Mitbewerbern davon.

Ranking österreichischer Immobilienunternehmen nach Medienpräsenenz

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ie Medienresonanzanalyse des Observer über die Branchenkommunikation spricht eine klare Sprache: Während die einen den Stillstand nutzten, um ihre Medienpräsenz zu erhöhen, fielen die anderen in einen Kommunikationstiefschlaf. Exklusiv für den ImmoFokus hat der Observer die Zahlen analysiert. So wurden im Jänner 351 Berichte über die stärksten Player in der Branche beobachtet. Das entspricht einer medialen Präsenz von 135 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Februar wurden sogar 404 Clippings erfasst, die allerdings mit 106,6 Prozent in etwa auch der Menge der Vorperiode entsprachen. Im März hinterließ die COVID-19-Krise zum ersten Mal ihre Spuren. Die Medienpräsenz sank in diesem Monat mit 333 Clippings auf knapp 70 Prozent des Vorjahres. Speziell in den ersten beiden Wochen ließ sich die Schockstarre messen. „Die Nachfrage nach Immobilien ging in dieser Phase stark zurück“, erklärt Bernhard Reikersdorfer, CEO von RE/ MAX. „Zeitgleich mit der Kommunikation über Immobilien.“

Neue Kommunikationstaktik Bestimmte Marken drehten den Spieß um und nutzten das während der Krise entstandene Kommunikationsvakuum zur Steigerung der eigenen Präsenz. EHL etwa dominierte die Branchenkommunikation im März, Signa übernahm im April den ersten Platz und BIG

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ImmoFokus

Zeitraum: 01.01. – 09.07.2020 RE/MAX Signa BIG EHL Raiffeisen Immobilien Otto Immobilien UBM CA Immo Immofinanz CBRE BUWOG Sorawia IMMOunited 6B47 STRABAG S Immo Rustler ARE Pema Seestadt Aspern 0

50

100 150 200 250 300 350 400 450 500 550 600

sowie Otto Immobilien zeigten im Mai die stärkste Clippingzahl. Das aktuelle Ranking der präsentesten Immobilienunternehmen von Jänner bis Juli 2020 zeigt, dass sich die Anstrengungen bezahlt machten. Die Marken, die während der Krise ihre Kommunikationsstrategie ausbauten, scheinen in der Rangliste unter den Top 10 auf. Innovationsgeist bewies die Immobilienbranche durch die rasche Integration von

Sell-Touchpoints. Ab März wurde verstärkt auf virtuelle Besichtigungsmethoden gesetzt, um Kunden zu erreichen. 343 Clippings, der Großteil davon im März, berichteten in Folge über die Vorteile, wenn Besichtigungstermine auf der eigenen Couch stattfinden. Wie rasch sich dieses Angebot verbreitete, belegt auch die Anzahl der Unternehmen, die nun eine virtuelle Besichtigung anbieten: Binnen einem Monat boten doppelt so viele Immobilienfirmen einen digitalen Rundgang an.


EDITOR´S CHOICE: Lesenswert!

Buchtipps

Richard Bauer, Andreas Neiß, Clemens Westreicher, Helmut Zolles

350 Seiten ISBN: 9783714303537 Linde Verlag | 2020 € 29,00

Tourismus nach COVID-19 Der Tourismus ist eine der am stärksten von der Corona-Krise betroffenen Branchen. Wirtschaftsprognosen gehen davon aus, dass zahlreiche Betriebe in existenzielle Schwierigkeiten kommen bzw. die Folgewirkungen der COVID-19-Krise nicht überstehen wird. Für das Überleben ist es daher sehr wichtig, Strategien und Geschäftsmodelle an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen oder gänzlich neu auszurichten. Dieses Werk zeigt, welche Möglichkeiten Orte, Regionen, Beherbergungsbetriebe und Attraktionspunkte nun haben, um sich für die Zukunft nach Corona bestmöglich aufzustellen und sich zu erholen. Es werden Schlüsselthemen eines zukunftsstarken Tourismus von ausgewählten Experten genau beleuchtet, die für eine erfolgreiche Neuausrichtung bedacht werden sollten.

Constantin Hofer

Richard Bauer, Andreas Neiß, Clemens ­Westreicher, Helmut Zolles

Hypothekar- und ­Immobilienkreditverträge mit Verbrauchern

Platow Spezial ­Immobilien Sommer 2020

220 Seiten ISBN: 978-3-214-02066-8 Manz Verlag | 2020 € 52,00

Ein Wohnbaukredit ist den meisten Fällen die größte finanzielle Verpflichtung im Leben eines Verbrauchers. Sowohl für ihn, aber auch für den Kreditgeber sind umfangreiche gesetzliche Vorgaben auf Basis des Hypothekar- und Immobilienkreditgesetzes zu beachten, die von wirtschaftlicher Wichtigkeit für beide Seiten sind. Diese Ausgabe befasst sich mit dem Anwendungsbereich des HIKrG, die verpflichtende Kreditwürdigkeitsprüfung samt zivilrechtlichen Sanktionen und Bedenkfristen vor Vertragsabschluss und Rücktrittsrechte. Es werden außerdem die Unterschiede zur bisherigen Rechtslage und der Rechtsvergleich mit Deutschland untersucht. Es beinhaltet auch praktische Hinweise und Lösungsvorschläge.

40 Seiten ISBN: 978-3-943145-48-9 PLATOW Verlag | 2020 € 39,00

Die Corona-Pandemie und der Lockdown haben die Investmentmärkte durcheinandergewirbelt. Ob die Erholung der Börsen trägt, ist ebenso unklar wie die Auswirkungen der staatlichen Hilfsprogramme. Wegen Zinsflaute und fehlender Alternativen wird aber weiter auf Immobilien gesetzt. Der aktuelle Konjunktureinbruch hinterlässt auch dort Spuren und wo Nutzer wegfallen, wird es schwierig. Betroffen sind jedoch nur einzelne Sparten wie Hotels, und Trend zum Onlinehandel könnten sich verstärken. Krisengewinner sind die Bereiche Logistik und Wohnen. Genau hinschauen ist wichtig wenn Sie ihr Geld sicher durch volatile Zeiten bringen wollen.

Stefan Artner, Katharina Kohlmaier

Praxishandbuch Immobilienrecht 512 Seiten ISBN: 9783707341201 Linde Verlag | 2020 € 99,00

Das Immobilienrecht ist, aus der Praxis betrachtet. Der Themenbogen umfasst alle rechtlichen und steuerlichen Aspekte im Lebenszyklus einer Immobilie – vom Grundstückskauf und der Errichtung eines Gebäudes über Asset Management und Vermietung der Immobilie bis hin zur Verwertung. Diese Werk befasst sich unter anderen mit dem allgemeinen Liegenschaftsrecht, Kauf von Liegenschaften, Grundverkehrsrecht, Grundbuchsrecht sowie dem Baurecht und Superädifikat. Weiters werden das Mietrecht im ABGB und MRG, das Wohnungseigentumsrecht, das Bauträgervertragsrecht sowie Steuern und Abgaben beim Liegenschaftserwerb behandelt. Alles wichtige über das Raumordnungs- und Baurecht kann hier auch nachgeschlagen werden. Das Buch ist ein Nachschlagewerk für in verschiedenen Bereichen der Immobilienwirtschaft tätige Personen. Es richtet sich damit gleichermaßen an Juristen wie an Nichtjuristen – sowohl an Mitarbeiter in Anwaltskanzleien, Notariaten, Rechtsabteilungen, Banken und Versicherungen als auch an Makler, Immobilientreuhänder, Projektmanager, Bauherren und selbst verwaltende Eigentümer.

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Advertorial

Gewerbe-Know-how für ganz Österreich RE/MAX Commercial RE/MAX verfolgt einen, für Österreich einzigartigen, Zugang zum Gewerbegeschäft.

Mag. Stefan Krejci, Geschäftsführer von RE/MAX Commercial Group

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ImmoFokus

2019 in Bregenz verzeichnet. Diese stiegen, vor allem aufgrund der Tatsache, dass es de facto keine Neuentwicklungen gibt, von € 12,-/m² auf rund € 15,-/m². Deutliche Steigerung der Spitzenmieten analysierte RE/MAX Commercial auch in Klagenfurt (+ 15 % auf € 11,-/m²) und in Salzburg, wo eine Steigerung um rund 8 % auf € 13,50/ m² zu verzeichnen gewesen ist. „Gerade die Steigerung in Klagenfurt und Salzburg ist insofern für uns überraschend gewesen, weil es doch eine, für die dortigen Verhältnisse, durchaus spannenden Neuflächenproduktion gegeben hat,“ erklärt Mag. Stefan Krejci. In den restlichen Landeshauptstädten wurde großteils eine „Seitwärtsbewegung“ bei den Spitzenmieten festgestellt. „Linz, St. Pölten, Innsbruck und Graz sind sehr stabile Märkte, wenn es um die Entwicklung der Spitzenmieten geht,“ fasst Krejci weiter zusammen. Interessante Entwicklungen spiegeln sich auch im Markt für RetailImmobilien wider. Der stationäre Handel ist seit geraumer Zeit aus vielen Gründen unter Druck. „Das ist nicht alleine auf den OnlineHandel zurückzuführen, der österreichische Handel kämpft auch mit steuerlichen oder bürokratischen Ungleichgewichten,“ hält Krejci fest. In Bezug auf die Spitzenmieten hat die dynamischste Entwicklung 2019 in Klagenfurt stattgefunden. Hier stiegen die Mieten um ca. 12 % auf € 28,-/m². Leichte Steigerungen gab es auch in Linz oder in Innsbruck. „Die absoluten Top-Lagen in den Landeshauptstädten sind aktuell nicht

von Mietrückgängen betroffen, die Lage ändert sich aber in den guten und vor allem durchschnittlichen Lagen. Hier wird es auch in Zukunft vermehrt zu Leerstehungen kommen oder ehemaligen Handelsgeschäfte werden anderen Nutzungsarten zugeführt werden.“ Weitere Details zu aktuellen Markttrends können übrigens kostenfrei auf www.remax. at/presse/presseaussendungen abgerufen werden. Weitere Detailberichte bspw. für den regionalen Retail- und Logistikmarkt werden 2020, dann auch mit den Auswirkungen der Corona-Krise, noch präsentiert. n

Firmensitz RE/MAX Commercial Group RCG Immobiliendienstleistungs GmbH Schwarzenbergplatz 6, 1030 Wien Kontakt Mag. Stefan Krejci Geschäftsführer +43 190 890 50-0 office@remax-commercial.at

Fotos: kommunikationsagentur-sengstschmid

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ährend die lokalen RE/ MAX-Büros ImmobilienFlächen, Grundstücke oder lokale Projekte liefern, bringt die Gewerbe-Sparte von RE/MAX Österreich beispielsweise ihre Expertise in den Bereichen Retail, Hotel, Logistik oder in der Projektentwicklung ein. Dieser gemeinschaftliche Ansatz bringt für Kunden von RE/MAX den zentralen Vorteil, lokales Know How mit überregionaler Kompetenz verbinden zu können – ein gerade in wirtschaftlichen Zeiten ganz wichtiger Vorteil. Dies spiegelt sich auch in der Analyse und im Wissen über lokale Märkte wider. Denn auch heuer hat sich RE/MAX Commercial den Gewerbe-Immobilienmarkt abseits der Bundeshauptstadt Wien ganz genau angesehen und dabei durchaus interessante Entwicklungen herausgearbeitet. Die höchste Steigerung der Büro-Spitzenmieten wurde


Gute Aussichten

Smart Cities, Stadtk lima, Architektur, Sozialer Wohnbau, Nachhaltigkeit, Büros, Wohnungslosigkeit, Hotellerie, Rev italisierung, Lu xus, Wohnraumgestaltung, Stadtplanung, Investments, Grätzelent w ick lung, … Wir haben die Gegenwart und Zukunft von Wohnen und Bauen im Blick. Jeden Samstag in Ihrer „Presse“ und unter:

DiePresse.com/immobilien

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IMPRESSUM Vorschau

Lesen Sie im : t s b r e H s u k o F o Imm e COVID-19 Umfrage. Wertlles Bauen - Vertiefte rie Se us ha ns Zi & nanWohnen chöpfungsketten - Fi ts er W e al ik rt Ve – g schöpfun ng - 30 unter 30 - Zu tu er w be en ili ob m Im zierung e Interview mit … Tisch mit … - Das groß Neustart . Die groß

Medieneigentümer Real Estate Media Group GmbH Handelskai 94-96 A-1200 Wien Tel. +43 1 890 18 26-100 office@media-group.immo www.media-group.immo Herausgeber Mag. Michael Neubauer Chefredaktion Mag. Lisa Grüner Grafik & Layout Marianne Pratscher, Sibylle Exel-Rauth Lektorat Mag. Bettina Trauner Redaktion Amelie Miller, Ferdinand Neubauer Autoren dieser Ausgabe Andreas Altstädter, Patrick Baldia, Lisa Grüner, Amelie Miller, Ferdinand Neubauer, Michael Neubauer, Heimo Rollett sowie die Kommentatoren.

erbst 2020 H : IN M R E T S G N U ERSCHEIN

Fotos wenn nicht anders angegeben: Real Estate Media Group / Katharina Schiffl, Real Estate Media Group / Michael Hetzmannseder Druck Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H

Aktuell informiert auf: www.immo-fokus.at

DER IMMOFOKUS WENDET SICH IM SINNE DER GLEICHSTELLUNG GLEICHERMASSEN AN FRAUEN UND MÄNNER. AUS GRÜNDEN DER ÜBERSICHTLICHKEIT UND VERSTÄNDLICHKEIT KANN ES BEI DEN BEITRÄGEN VORKOMMEN, DASS NUR DIE MASKULINE ANSPRECHFORM VERWENDET WIRD.

ImmoFokus ist Mitglied bei:

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ImmoFokus


QBC in Wien – Hotel, Büro, Wohnen

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wir entwickeln. ihre zukunft. kompetent. konsequent. transparent.

Holiday Inn in Danzig – Hotel

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UBM ist der führende Hotelentwickler in Europa – und auch in den Asset-Klassen Büro und Wohnen international erfolgreich. In Deutschland, Österreich und Polen realisieren wir urbane Großprojekte in den besten Lagen. Unsere Aktie punktet im „prime market“ der Wiener Börse. Mit dem Kauf einer UBM-Immobilie gewinnen Sie also einen renommierten Partner gleich mit.

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Als Spezialist für Immobilieninvestments bieten wir unseren Kunden größtmögliche Sicherheit. Nicht nur mit unseren Anlageobjekten, sondern vor allem auch durch Verlässlichkeit, Flexibilität und Lösungsorientierung. Denn gerade in Zeiten der Krise zeigen sich Unternehmenswerte wie diese. Wir sind immer für Sie da. In Österreich, Deutschland, Spanien, Italien, Tschechien, der Slowakei und Ungarn.