ImmoFokus Frühling

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Landmarks von morgen definieren Michael Klement

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ImmoFokus.Rubrik

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ImmoFokus


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Frühling 2021

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Landmarks von morgen definieren

Adrenalinkick Eisbaden

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FRÜHLING

Rubriken

Positionen & Meinungen

8 VOM HERAUSGEBER 9 EDITORIAL 170 VORSCHAU/IMPRESSUM

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LANDMARKS VON MORGEN DEFINIEREN

98 WERTSTEIGERUNG

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ES GEHT UM LIQUIDITÄT

99 DIE BEWEGTE IMMOBILIENWIRTSCHAFT 100 DAS EINFAMILIENHAUS

Unternehmen & Projekte 14 26 46 48

Coverinterview mit Michael Klement Interview mit Binder, Querfeld und Nemetschke

74 DAS COMEBACK EINES ALTEN BEKANNTEN Bruno Ettenauer im Portrait

KOMPROMISSLOSE ARCHITEKTUR KURZ UND BÜNDIG TOP DEAL

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IMMOBILIE IM FOKUS

86 TRANSPARENZ

Novomatic

Varso Tower

50 AUFSTEIGER 51 PROBLEMLÖSER

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AUFZUG NEU DENKEN

Interview mit Angel Zlatev

MIT VERNETZTEN DATEN ZUM ERFOLG Interview mit Simon Vestner Interview mit Günter Baca

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SPECK MIT EI ... mit Peter Karl

ÜBER DEN TELLERRAND Vitalkick Eisbaden

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ImmoFokus

Kommentar von Frank Brün

Kommentar von Michael Pisecky

101 WAS ZÄHLT

Kommentar von Jörg Ulreich

102

RECHT AUF ERTRÄGE

Kommentar von Louis Obrowsky

103 OPEN SPACE UND HOME-OFFICE Kommentar von Jenni Wenkel

104 FRECH GESAGT

Kommentar von Anita Körbler

106 GESCHENKE AUF KOSTEN DER VERMIETER Kommentar von Martin Prunbauer

107 DAS BESTELLERPRINZIP IN DEUTSCHLAND Kommentar von Gunther Maier

108 DIE ZWEI

Fotos: Richard Tanzer, 7minds, Katharina Schiffl, Adobe Stock, Innovation Imperative Ltd

INHALT

INTERVIEW MIT MICHAEL KLEMENT

Über den Tellerrand


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Geometrische Formen in der Architektur

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Speck mit Ei ... mit Peter Karl

Top-Berater über ESG

AUSGABE Blueprint

ImFokus: ESG und EU-Taxonomie

112 VORWORT

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ESG VERPFLICHTEND SEIT MÄRZ 2021 GROSSE ESG-UMFRAGE TOP-UNTERNEHMENSBERATER ÜBER ESG TAXONOMIEKONFORME IMMOBILIEN

150

Thomas Malloth

116 120 122 124

WAS REALITÄT IST …

Renate Hammer

AUSBAU BESCHLEUNIGEN

Magdalena Weißmann

„R“ WIE NACHHALTIGKEIT

Franz Gschiegl

ERNÄHRUNG DER WELT 2050

Christian Janisch

Kommentar von Astrid Grantner

162

SOZIALE KAPITALANLAGE

163

VOX FEMINA

WEIN UND IMMOBILIEN

164

ESG ALS CHANCE

152 ESG IM BANKENSEKTOR 157 BEWERTUNG

166

SCHULBAUPROJEKT NOVARAGASSE

Interview mit Markus Huber Kolumne von Lisa Grüner

Kolumne von Wolfgang Fessl

158 NACHHALTIGKEITSDEBATTE Kommentar von Erwin Soravia

159 NACHHALTIGKEIT

Kommentar von Hania Bomba Kommentar von Eva Aschauer Kommentar von Andreas Köttl

Branchen & Services 167 BUCHTIPPS 168 OBSERVER

Kommentar von Georg Spiegelfeld

160

NACHHALTIGKEIT - EIN NEUES KEYWORD? Kommentar von Georg Flödl

161 (WIEDER-)ENTDECKUNG

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ESG: Jetzt wird es ernst

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ach mehreren COVID-dominierten (und damit geschichtsträchtigen) Ausgaben des ImmoFokus haben wir uns in dieser Ausgabe auf ein ganz anderes Thema fokussiert: ESG und EU-Taxonomie. Man könnte fast glauben, dass das Thema Nachhaltigkeit die Immobilienbranche eiskalt von hinten trifft und tatsächlich scheint es so, als hätte man im Corona-ähnlichen Dornröschen-Schlaf dieses etwas verpennt. Doch die Zukunft trägt eindeutig den Stempel der Nachhaltigkeit und wird sie einfordern: Überraschenderweise nicht vom Konsumenten, sondern von den Investoren. Warum das so ist? Weil die EU ihre Nachhaltigkeitsverordnung ganz schlau über die Banken eingefädelt hat. Die Banken sind verpflichtet, Taxonomie-Berichte abzuliefern, haben diese Immobilien im Portfolio, so betrifft die Offenlegung diese auch. Für die Investoren heißt das: gute, nachhaltige Immobilie = günstige Finanzierung; schlechte, nicht taxonomiekonforme Objekte = höhere Zinsen, da größeres Risiko. Eine Zinserhöhung kann auch bestehende Objekte betreffen, denn nicht umsonst steht in den Kreditbedingungen, dass ein erhöhtes Risiko das erlaubt. Damit ist Nachhaltigkeit kein Blümchenthema mehr. Der Zeitdruck auf Investoren, sich intensiv mit ihrem Portfolio auseinanderzusetzen, steigt. Nicht taxonomiekonforme Bestandsobjekte abverkaufen? Höhere Finanzierungskosten in Kauf nehmen? Bei Neuanschaffungen die richtigen Kaufentscheidungen treffen … Auf die Manager kommt einiges zu, denn sie sollten bereits jetzt Objekte haben, die morgen noch Bestand haben.

Kaffeesud lesen

Einen kurzen Blick auf ein für die Immobilienbranche sehr wesentliches Corona-Thema

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ImmoFokus

habe ich dennoch geworfen: Viele Pächter und Mieter sind mit Forderungen von Vermietern und Verpächtern bis hin zu Räumungsklagen konfrontiert. Und das, obwohl die §§ 1104 f ABGB klare Regeln für den Fall der Pandemie vorgeben. Doch der Gesetzgeber hat im Rahmen der COVID-19-Gesetzgebung keine ausreichende Klarstellung getroffen. Ein Rechtsgutachten soll hier Klarheit schaffen und wie so oft zeigt sich, dass es des einen Freud und des andern Leid ist. Lesen Sie mehr auf Seite 66. In vielen Bereichen des Marktes sind die COVID-19-Auswirkungen immer noch nicht sichtbar. Die eine oder andere Insolvenz wirkt wie eine Zuckung am Markt. Was am Ende des Tages beziehungsweise des Jahres übrigbleiben wird, wird sich zeigen. Ebenso, ob sich gewisse Trends wie Home-Office, Großraumbüros und Stadtflucht nachhaltig manifestieren. In diesem Sinne kann man sagen, es darf spannend bleiben. Ihr

Michael Neubauer Herausgeber

Fotos: Adobe Stock

„Die Banken zwingen uns zu mehr Nachhaltigkeit - und das ist gut so.“


2021 Sind Sie bereit? „Dieses Heft bietet einen vielseitigen Überblick zu ESG-Themen. Ein Aufbewahren wird im Sinne der Nachhaltigkeit dringend empfohlen.“

T

rotz des ewigwährenden Lockdowns tut sich etwas: Die EU-Taxonomie zur Nachhaltigkeit ist seit März diesen Jahres verpflichtend. „ESG“ – noch nie gehört? Verpflichtend? Was, warum und seit wann? Wir haben uns bei mehreren Unternehmen umgehört und festgestellt, dass das Thema noch nicht so ganz in den Köpfen der Entscheidungsträger angekommen ist. Ein Grund mehr, um uns in der Redaktion intensiv damit auseinanderzusetzen. Entstanden ist daraus ein spannender Schwerpunkt mit Interviews, Storys und einer Umfrage bei ECORE-Mitgliedern, also jenen Unternehmen, die dem ESG Circle of Real Estate beigetreten sind und sich dadurch dem Thema bereits gestellt haben. Wie ESG am besten im Unternehmen umzusetzen sei, das haben wir Top-Berater von PwC Österreich, KPMG, Deloitte Österreich und EY gefragt. Wie sich ESG auf Liquidität, Kreditvergaben und Bewertungen auswirkt, hier stehen RBI, Oberbank, Erste Bank und UniCredit Bank Austria Rede und Antwort. Im Anschluss daran klärt Markus Huber, Projektmanager und seit kurzem EU-Taxonomie Advisor auf, wie ESG-Zertifizierungen funktionieren. Fürchten muss sich vor ESG übrigens niemand, denn Stra-

fen für nicht taxonomiekonforme Immobilien sind im Moment noch nicht vorgesehen. Dennoch wird das Thema Nachhaltigkeit Unternehmensentscheidungen nachhaltig beeinflussen (müssen).

Apropos herausfordernd

Haben Sie schon mal in eiskaltem Wasser gebadet? Nein? Noch haben Sie Zeit auf den neuen Trend aufzuspringen. Als gute Journalistin probiert man auch aus, worüber man schreibt. Und so habe ich mich nach den Interviews mit Susanne Wegscheider und Josef Köberl in das beinahe zugefrorene Mühlwasser gewagt. Der Effekt? Unbeschreiblich, aber dennoch gut beschrieben in unserer Rubrik „Über den Tellerrand“. Andere Herausforderungen wie geschlossene Vinotheken und Restaurants haben wir auch erfolgreich umschifft: Aus dem Vinotheksstreifzug wurde ein Büroumtrunk mit Weinen vom Weingut Krug, aus „Zu Tisch mit“ ein spannendes Gespräch mit ERSTE Immobilien KAG-Geschäftsführer Peter Karl bei Trześniewski-Brötchen. Denn wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg. Herzlichst

Lisa Grüner Chefredakteurin

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Unternehmen & Projekte 51

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EINFACH, ABER RAFFINIERT In der Bildstrecke wird gezeigt, wie moderne Architektur heute mit geometrischen Formen arbeitet: Würfel, Quader und Tetraeder finden sich weltweit in den Entwürfen wieder und auch in der österreichischen Architektur sind sie nach wie vor beliebt.

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VERKAUFT

Thermische Sanierung spielt eine wesentliche Rolle, um den Energieverbrauch von Gebäuden deutlich zu senken. FinEERGo-Dom hat einen Finanzierungsmechanismus entwickelt, der große Investitionen in die Gebäudesanierung ermöglichen soll. Foto: Adobe Stock

Die Novomatic Group trennt sich von ihrem Forum. Zukünftig will man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, heißt es. Käufer ist die LNR Projektentwicklung, die es unter dem Namen „Forum an der Wien“ als Veranstaltungslocation weiterbetreibt.

CO2-EMISSIONEN SENKEN

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ImmoFokus


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Smart City braucht smartes Parken

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m Angesicht von Klimawandel, Urbanisierung und wachsenden Ansprüchen an sämtliche Verkehrskonzepte kommt keine größere Stadt um ein Umdenken in Sachen Stadtplanung herum. Die CoronaPandemie hat zusätzlich das Bedürfnis der breiten Bevölkerung nach mehr Platz im öf-

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ImmoFokus

fentlichen Raum für Erholung und Freizeitgestaltung noch tiefer manifestiert. Nachdem parkende Autos oft noch das Stadtbild prägen, geht das natürlich zu deren Ungunsten. Also, wohin damit? Es gibt genug Platz auf privaten Flächen, unter anderem in Dauerparkgaragen.

Diese Form der Parkflächen war nicht nur teuer im Bau, sondern muss gewartet und aufwendig verwaltet werden. Immobilieneigentümer und Hausverwalter sind den oft mühevollen und zeitintensiven Verwaltungsaufwand, der durch die Anlagen und ihre Parker verursacht wird, überdrüssig. Es ist daher naheliegend,

Fotos: Adobe Stock, Payuca GmbH

Zukunftssicher. Viele bestehende Ressourcen werden noch immer zu wenig genutzt. Intelligente Konzepte für die Digitalisierung im Parkbereich, um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es schon jetzt.


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diesen Raum möglichst effizient zu bewirtschaften. Die Digitalisierung der Garage kann hier nicht nur Abhilfe schaffen, sondern auch die gesamte Immobilie zukunftsfitter und mitunter wettbewerbsfähiger machen.

Nachhaltige Städte fördern und gleichzeitig davon profitieren

Vor allem in Wohngebäuden gibt es das Bedürfnis nach kosteneffizienten Lösungen, die sowohl der Verwaltung als auch der Nutzung angemessen sind. Automatische Zugangssysteme über zeitgemäße Kennzeichenerfassung, mobile App oder NFC, die einen reibungslosen Zugang für die Autofahrer ermöglichen, sind nicht nur für die großen Parkhäuser möglich. Schlüssel und Funksender sollten im Jahr 2021 langsam obsolet werden und Zutrittsberechtigungen flexibel und in Echtzeit ferngesteuert werden können. So wird nicht nur der Verwaltungsaufwand auf ein Minimum reduziert, sondern auch die Sicherheit im Parkraum erhöht.

„Immobilieneigentümer und Hausverwalter sind den oft mühevollen und zeitintensiven Verwaltungsaufwand, der durch die Park-Anlagen und ihre Parker verursacht wird, überdrüssig.“

Der Leerstand ist jedoch nach wie vor hoch. Öffnet man diese Parkflächen für die Öffentlichkeit und nicht nur für ihre Anwohner, wird eine bestehende Ressource effizienter und nachhaltiger genutzt – mit positiven Auswirkungen für alle Beteiligten. Aus einem Wohngebiet am Stadtrand beispielsweise kann eine Schnittstelle zwischen Stadt und Land für Anwohner und Pendler werden. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich eine beispielhafte Verkehrsanbindung. Immobilieneigentümer profitieren mit sinnvoller Leerstandsverwertung also doppelt: die Monetarisierung brachliegender Flächen durch nachhaltige Maßnahmen, Stichwort ESG. Mit PAYUCA können wir das Potenzial Ihrer Dauerparkgaragen steigern, komplett digital und dennoch simpel durch einen flexiblen Mix aus Kurz- und Dauervermietung von Stellplätzen. Wenn Sie nach einer ParkraumManagement-Lösung für Ihre Wohn-, Büround Hotelimmobilien suchen, kontaktieren Sie uns für ein individuelles Angebot.

Zeljko Omerovic, Head of Sales & Projects, PAYUCA GmbH

Kontakt PAYUCA GmbH Wipplingerstraße 32/22, 1010 Wien office@payuca.com www.payuca.com +43 1 307 5622 Ihr Ansprechpartner: Zeljko Omerovic Head of Sales & Projects +43 664 5466623 zo@payuca.com

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Foto: Pixabay

Unternehmen & Projekte

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ImmoFokus


Kompromisslose Architektur Geometrische Formen und deren neue Zusammenstellung. Autor: Amelie Miller

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ollte es einen wieder ins Ausland verschlagen, genau genommen nach Rotterdam, so dürfen die Kubushäuser auf der Liste der Sehenswürdigkeiten nicht fehlen. Ihren Namen verdankt jene außergewöhnliche Wohnhausanlage ihrer optischen Erscheinung: mehrere Kuben, das heißt Würfel, wurden um 45 Grad gedreht errichtet. Von der Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung vergingen jedoch einige Jahre. Bereits 1937 fertigte der niederländische Architekt Piet Blom erste Entwürfe für die Kubushäuser an. Erst in den 1980er Jahren wurden diese aber errichtet. Wie moderne Architektur heute mit geometrischen Formen arbeitet, zeigt die folgende Bildstrecke.

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Unternehmen & Projekte

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SARVESTAN Die Antwort auf eine möglichst angenehme Quarantäne in den eigenen vier Wänden zu PandemieZeiten bietet der Entwurf des Teheraner Architekturbüros Saffar Studio. Die äußere Erscheinung eines verschobenen Zauberwürfels ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern soll im Inneren für viel Tageslicht sorgen. Auf einen zentralen Innenhof mit Grünflächen wurde gänzlich verzichtet. Stattdessen befinden sich Bäume „zerstückelt“ an den freistehenden und teilweise überdachten Freiflächen. Einzelne Freiluftzonen sorgen für kommunikative Räume, aber auch für private Rückzugsorte. Um das Infektionsrisiko dennoch so gering wie möglich zu halten, sind lediglich zwei Wohneinheiten pro Etage geplant. Diese sind getrennt über Rolltreppen und Aufzüge in zwei separaten Lobbys zugänglich. Für zusätzlichen Komfort sorgt unter anderem ein hauseigenes Kino. Architekturbüro: Saffar Studio Geplanter Standort: Teheran, Iran

Fotos: Saffar Studio

www.saffarstudio.com

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Unternehmen & Projekte

TETRA HOTEL Weite Landschaften, in die sich die Architektur still und heimlich einfügt? Fehlanzeige. Das futuristisch anmutende Tetra Hotel sticht sofort ins Auge. Gleich mehrere Module, die der Form eines Doppel-Tetraeders entsprechen, sollen neben 42 Suiten auch Bars und Restaurants beherbergen. Das einzelne Tetra-Modul hat eine Höhe von 19 Metern und ist im Inneren in mehrere Ebenen unterteilt. Alle Baukörper sollen vorgefertigt und vor Ort in Vierergruppen montiert werden. Neben der Optik darf aber auch der ökologische Fußabdruck nicht vernachlässigt werden: Lokales Meerwasser soll für die Kühlung des Komplexes sorgen, während Sonnenkollektoren die Energieversorgung ermöglichen. Architekturbüro: Innovation Imperative Mögliche Standorte: Neuseeland, Spanien, Portugal, Andorra, Ungarn und das Vereinigte Königreich

Fotos: Innovation Imperative Ltd.; rechts: Johannes Scholl/Belvedere Wien, Lukas Schaller/Belvedere Wien

www.tetrahotel.com

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BELVEDERE 21 – MUSEUM FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST Klare Formen, gläserne Hallen und der Einsatz neuer Baustoffe machten das Gebäude 1958 zum Paradebeispiel moderner Architektur. Ursprünglich als österreichischer Pavillon für die Expo 58 in Brüssel errichtet, befindet sich das Belvedere 21 heute in Wien und gilt als Schlüsselwerk der österreichischen Nachkriegsmoderne. Der Stahlskelettbau wurde im Anschluss an die Weltausstellung im Wiener Schweizergarten wieder aufgebaut und 1962 als Museum des 20. Jahrhunderts (Spitzname 20er Haus) eröffnet. 2002 wurde das Haus an das Belvedere übergeben und drei Jahre später von Adolf Krischanitz, einem Schüler Karl Schwanzers, renoviert. Erst seit 2018 trägt das Gebäude den Namen „Belvedere 21“. Architekt: Karl Schwanzer Standort: Wien, Landstraße www.belvedere.at

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Unternehmen & Projekte

OMV OFFICE BUILDING Was auf den ersten Blick wie gleich zwei massive Betonklötze wirken mag, ist eigentlich ein Widerspruch in sich: Das Bürogebäude der OMV in Schwechat. Graue Quader, die übereinander angeordnet sind, scheinen gleichzeitig zu schweben. Das liegt daran, dass das Gebäude aus einer städtebaulichen Perspektive das Eingangsbauwerk zur Raffinerie darstellt. Gleich vier Brückenbauwerke schachteln sich teils über einer bestehenden Bunkeranlage ineinander und erwecken so den Anschein zu schweben. Das Office Building wurde in nur 14 Monaten Bauzeit fertiggestellt. Energetisch versorgt durch das OMV Dampfnetz verfügt das Gebäude heute über ein hochmodernes, lebenszyklusorientiertes Energiekonzept, geplant durch ATP sustain. Architekturbüro: ATP architekten ingenieure Standort: Wien, Schwechat www.atp.ag

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Fotos: ATP/Kuball


Unternehmen & Projekte

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ZEB PILOT HOUSE

Fotos: Snøhetta/ZEB Pilot House/Paal-André

Das Einfamilienhaus im norwegischen Larvik ist ein Pilotprojekt der besonderen Art. Dank ausgeklügelter Architektur und innovativer technischer Lösungen sorgt das Haus ganz allein für die Energiegewinnung. Es kann sogar so viel Energie gewonnen und gespeichert werden, dass damit ein Elektroauto ein ganzes Jahr über geladen werden kann. Die architektonisch gleichermaßen attraktiven wie ungewöhnlichen geometrischen Formen, die hier zum Einsatz kamen, haben vor allem einen praktischen Grund. Eine Photovoltaikanlage und Sonnenkollektoren auf der abgeschrägten Dachfläche sorgen unter anderem für die Energieversorgung des Hauses. An der unteren Dachschräge wird das Regenwasser gesammelt. Dies kommt sowohl im Inneren des Plusenergiehauses zum Einsatz als auch im eigenen Garten, um die Pflanzen zu bewässern. Architekturbüro: Snøhetta Standort: Larvik, Norwegen www.snohetta.com

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Unternehmen & Projekte

THE HEIGHTS Mitten im urbanen, dicht bebauten Stadtviertel Arlington sticht das Schulgebäude The Heights sofort ins Auge. Gleich fünf rechteckige Gebäudewürfel wurden hier aufeinander angeordnet. Ein fixer Drehund Angelpunkt, um den die Würfel zu rotieren scheinen, sorgt für Licht und ausreichend Grünflächen. Über jedem Stockwerk befindet sich eine begrünte Terrasse, die gleichzeitig als Erweiterung des Klassenzimmers fungiert. Sämtliche Innen- und Außenflächen sind sowohl über die Terrassen als auch die Verbindungen im Inneren des Gebäudes zugänglich. The Heights erstreckt sich insgesamt über eine Fläche von 16.700 Quadratmetern und bietet Platz für rund 780 Schüler. In Anlehnung an die historische Architektur der Altstadt von Alexandria wurde die Fassade des Gebäudes mit weiß glasierten Ziegeln gestaltet. Architekturbüro: BIG (Bjarke Ingels Group) Standort: Alexandria (Virginia), USA www.big.dk

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Fotos: The Heights Building/BIG, Laurian Ghinitoiu


Unternehmen & Projekte

Familienhotel in Latschau

Baubeschluss

Im Elbtower der SIGNA

Nobu Hospitality  Nobu Hospitality, die von Nobu Matsuhisa, Robert De Niro und Meir Teper gegründete globale Lifestyle-Marke, wird ihr deutschlandweit erstes Hotel und Restaurant im Elbtower in Hamburg eröffnen. Geplant ist die Eröffnung nach Fertigstellung des Hochhausprojekts für 2025. Das Nobu Hotel Elbtower Hamburg wird 191 Zimmer und Suiten, ein Nobu-Restaurant mit 200 Sitzplätzen, eine Terrassenbar und Lounge mit Blick auf die Elbe bieten. Neben Veranstaltungsräumen für Firmen- und gesellschaftliche Anlässe wird es auch einen Nobu Private Members Club geben: Mitglieder profitieren von einer privaten Lounge, Zugang zum hoteleigenen Fitness- und Wellnessbereich sowie exklusiven Events.

Erstes Adina Hotel eröffnet in Wien

Premiere in Österreich  Am 1. April 2021 wird mit dem Adina Hotel in Wien das erste Adina in Österreich eröffnen. Bisher gibt es bereits fünf Adina Hotels, die sich jeweils in Kopenhagen, Budapest, Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, Leipzig und Nürnberg befinden. Das Adina Vienna Belvedere entsteht zwischen dem Schloss Belvedere und dem neuen Hauptbahnhof. Das Hotel verfügt über 115 Studios sowie 17 One-BedroomApartments und zwei Two-Bedroom-Apartments. Jedes Studio und jedes Apartment ist

mit einer Küche, einem separaten Wohn- und Arbeitsbereich sowie einem Waschtrockner ausgestattet. Somit können die Gäste flexibel entscheiden, ob sie den Hotelservice in Anspruch nehmen möchten oder sich selbst versorgen wollen. Für sportlichen Ausgleich und Entspannung sorgen ein Indoor-Pool, der Fitnessbereich und eine Sauna. Über eine Piazza ist das Haus mit dem neu eröffneten Hyatt Andaz verbunden, das sich auf große Kongresse spezialisieren wird.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Seit Jahresbeginn ist Alexander Rafajlovič Head of Market Research & Data Analytics bei der CA Immo.

Andrea Leitner ist seit Anfang Februar die neue Hoteldirektorin des Gesundheits- & Wellnesshotels Humanomed Bleibergerhof.

Thomas Ziegler wurde zum neune Präsidenten der der RTK Round Table Konferenzhotels gewählt.

News Ticker Digitales Hotelkonzept: Limehome erreicht zweieinhalb Jahre nach seiner Gründung den Meilenstein von 1.500 unterzeichneten Einheiten. Damit zählt das Unternehmen zu den am schnellsten wachsenden Travel- und Hospitality-Start-ups Europas. Modernisierung: Bad Hofgastein modernisiert für eine Million Euro sein Kongresszentrum.

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ImmoFokus

Fotos: Adina Hotels, Humanomed, G. Angerer, CA Immo

Bereits Ende Februar wurde in der Sitzung des Aufsichtsrates der illwerke vkw AG einstimmig dem Baubeschluss für das Hotelprojekt, ein Mitarbeiterhaus und ein Nahwärme-Biomasseheizwerk zugestimmt. Das Investitionsvolumen beträgt insgesamt 45,7 Millionen Euro. Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group (FMTG) soll das Hotel nach der geplanten Eröffnung im Dezember 2022 betreiben. Das Familienunternehmen mit Sitz in Wien betreibt derzeit rund 30 Hotels und Residences. Die architektonische Gestaltung erfolgt nach den Plänen des Architekturbüros Snøhetta. So soll in der Nähe des Falkensteiner Hotel Montafon ein Mitarbeiterhaus mit rund 50 Zimmern sowie ein Biomasseheizwerk entstehen. Die zentrale Nahwärmeversorgung soll für eine nachhaltige und ökologische Wärmeversorgung für die Ortschaft Latschau sorgen. Der Baustart soll im Mai erfolgen.


Kurz & Bündig > Hotel

Hohe internationale Nachfrage am Hotelmarkt

Post COVID-19  Vergangenes Jahr haben die COVID-19-Pandemie und die damit einhergehende Unsicherheit und Zurückhaltung dazu geführt, dass die Investorenaktivität in der Beherbergungsindustrie global stark beeinträchtigt wurde. Wie die Entwicklungen, Aussichten und Trends im Jahr 2021 für die Assetklasse aussehen, zeigt JLL in ihrem neuesten Hotel Investment Outlook: PrivateEquity-Gruppen und vermögende Privatpersonen werden aktive Investoren bleiben. Laut dem JLL-Report wurden 2020 weltweit 24,5 Milliarden US-Dollar an Kapital für geschlossene Fonds eingesammelt, deren Fokus auf Hotel- und Hospitality-Assets lag. Darüber hinaus gibt es in allen Regionen der Welt starke Fundraising-Aktivitäten mit opportunistischem Kapital, das nur darauf wartet, in notleidende Hotelobjekte zu investieren und den anschließenden Kapitalzuwachs mit der Erholung der Märkte zu nutzen. Das Interesse institutioneller und nicht-traditioneller Investoren an Resorts und Ferienparks („Open Air Hospitality“) wird weiter zunehmen. Bereits vor Corona war ein steigendes Interesse an dieser Form von Urlaub zu beobachten. Hinzu kommt nun verstärkt das Reisen im eigenen Land. Das zieht Investoren an, die auf das Potential von Resorts und Ferienparks mit höheren Renditen als in der klassischen Hotelimmobilie bauen. Die Präferenzen der Gäste stärken die Neukonzeptionierung von Hotels. In der Pandemie zeigten sich Präferenzen für größere, nicht markengebundene und private Unterkünfte, die Aufenthaltszeiträume wurden länger. Der Druck, Investitionen zu priorisieren, die auf ESG-Prinzipien beruhen,, wird steigen, so die Hotelexperten von JLL.

Hirmer präsentiert Baupläne

Bad Gastein  Nach der erfolgreichen Genehmigung der Baupläne durch das Land Salzburg beginnen im Frühjahr 2021 die Bau- und Renovierungsarbeiten für das historische Gebäudeensemble am Straubingerplatz. Dabei entstehen zwei Hotels auf Vier-Sterne-Superiorund Fünf-Sterne-Niveau sowie ein Concept Store mit Eventflächen. Die Eröffnung soll 2023 erfolgen. Bereits im November 2018 hatte die Hirmer Gruppe Hotel Straubinger, das Badeschloss und die Alte Post erworben. Ziel der Revitalisierung ist es, die vorhandene Bausubstanz weitgehend zu erhalten. So werden die großteils denkmalgeschützten Gebäudeteile aufwendig saniert sowie das Badeschloss um einen Zubau erweitert. Das als Fünf-Sterne-Haus konzipierte Hotel Straubinger soll in Zukunft 50 Zimmer beherbergen. Das gegenüberliegende Badeschloss wird zukünftig über rund 100 Zimmer verfügen. Das von Hirmer Immobilien beauftragte Wiener Architektenbüro BWM ist als Generalplaner für die gesamte Umsetzung verantwortlich.

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Nachhaltig

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Unternehmen & Projekte

Unibail-Rodamco-Westfield

Millionenverlust

Die Ruhe vor dem Sturm

City Retail  Der kürzlich veröffentlichte City-RetailReport Österreich 2020/21 von Standort + Markt sieht eine unveränderte Leerstandsquote. Auch die Fluktuationsrate ist mit 13,6 Prozent (noch) auf dem üblichen Niveau, so die Experten. Allerdings hat sich die Trendwende von 2017 bestätigt: Shopflächen werden kleiner. In Zeiten eines harten Lockdowns in Österreich sind landesweit 60 Prozent der Shops geschlossen. In den Citys sind es annähernd 78 Prozent. Das entspricht einem Umsatzverlust von ca. 113 Millionen Euro pro Tag. Doch das wahre Ausmaß der Krise lässt sich noch nicht feststellen.Allerdings: COVID-19 ist ein Brandbeschleuniger in Richtung E-Commerce. Der Shopflächenanteil im Einzelhandel ist seit 2014 um stolze 5,4 Prozentpunkte gesunken. Im Einzelhandel steht vor allem die Mode am Prüfstand. Shopflächen werden umgestaltet, sei es als Ordination, Büro oder Storage-Möglichkeit. Der Shop allein reicht nicht mehr, so die Experten von Standort + Markt: Die City muss zurück zur Mulitfunktionalität!

Deutsches Bubble-Tea-Konzept expandiert nach Wien

Erfolgreiche Standortsuche  Bereits im Dezember 2020 haben die österreichischen Franchisenehmer einen ersten Standort in der Wiener City - Goldschmidgasse 9 - eröffnet, aufgrund von COVID-19 vorläufig als Take-away. Erfolgreich unterstützt wurden sie bei der Standortsuche von OTTO Immobilien. „Wir dürfen das Konzept exklusiv bei der Expansion in Österreich begleiten“, freut sich Ditha Kristin Ritschka, Retail-Consultant bei OTTO Immobilien. In Deutschland sind die BubbleTea-Shops bereits in elf Städten, unter anderem

in Stuttgart, München, Köln, Essen und Bonn vertreten. Erklärte Zielgruppe des Konzepts sind die Millennials sowie die Generation Z. So bietet Teeamo nicht nur Fresh Brewed Teas und Milk Teas, sondern auch Sodas und Iced Smoothies an und setzt dabei auf hochwertige und frische Produkte. Das hochwertige Flächendesign im Shop mit dem Verbau von Echtmoos-Wänden sowie der Einsatz wiederverwendbarer dekorativer Verpackungen sollen diesen Ansatz der gesunden Nachhaltigkeit widerspiegeln.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Martin Kalaschek und Stefan Sima leiten seit Jahresbeginn den Bereich Immobilienentwicklung der WSE Wiener Standortentwicklung GmbH. Neben ihren Leitungsfunktionen sind sie weiterhin auch operativ in Immobilienprojekten der WSE tätig.

Herwig Schwarz übernimmt die Immobilien Development-Aktivitäten der STRABAG SE. Er folgt damit Theodor Klais.

News Ticker Expansion trotz Pandemie: SES Spar European Shopping Centers eröffnete am 11. März 2021 ein Fachmarktzentrum in der ungarischen Stadt Kaposvár. Neuzugang für aspern Seestadt: Ernsting‘s family kommt in die gemanagte Einkaufsstraße der Seestadt Aspern am Simone-de-Beauvoir-Platz 7.

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ImmoFokus

Fotos: Christian Steinbrenner, Mahler HALLMANN HOLDING, Strabag, WSE/Martin Votava

Unibail-Rodamco-Westfield (URW)meldet für 2020 einen Rückgang der Nettomieteinnahmen um 28,1 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro. Im Hauptgeschäftsfeld Shoppingcenter waren es 25,9 Prozent weniger (1,7 Mrd. Euro), im Messegeschäft fielen fast alle Einnahmen weg. In Deutschland beträgt das Minus 20,5 Prozent (114,1 Mio. Euro). Das Verhältnis der fälligen zur gezahlten Miete beläuft sich auf 80 Prozent; abzüglich der Corona-bedingten Mietnachlässe wurden 88 Prozent der fälligen Mieten eingenommen, in Kontinentaleuropa waren es 94 Prozent.


Kurz & Bündig > Retail

Nachholeffekte erwartet

Ernüchternde Bilanz   Seit Ausbruch der Corona-Pandemie mussten bereits 10 Prozent der österreichischen Händler ihren Betrieb schließen. Vor allem die Verlagerung zum Online-Handel hat zu dieser Entwicklung geführt, so eine Erhebung von RE/MAX Commercial. Laut österreichischem Handelsverband haben sich die Gesamtumsätze im Einzelhandel deutlich reduziert: von 76,6 Milliarden Euro auf 74,5 Milliarden Euro. Der Online-Handel ist laut WIFO im Jahr 2020 um rund 17 Prozent gewachsen. Laut einer aktuellen Schätzung des KSV für das Jahr 2020 wird in Österreich eine Reduktion der Insolvenzfälle um rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Das bedeutet, dass in dieser Krise gerade einmal 3.000 Unternehmen in die Insolvenz geschlittert sind. Dauert die Krise jedoch an und Hilfspakete laufen aus, ist mit Nachholeffekten und einem starken Anstieg der Insolvenzfälle zu rechnen.

Smart Revenue HALLMANN HOLDING investiert in FMZ

Auf Expansionskurs  Erst Ende Jänner übernahm die HALLMANN HOLDING die Mehrheitsanteile am Fachmarktzentrum in Neu-Ulm. Mit rund 110.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und einem Park­ haus von 36.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche ist das FMZ in Bayern das größte Fachmarktzentrum Deutschlands im Allein­eigentum einer Gesellschaft und zugleich eines der größten Europas. Über die Verkaufssumme wurde Stillschweigen vereinbart. Das moderne Center vereint die Eigenschaften eines Fachmarktzentrums mit denen eines klassischen Shopping­centers: Die großflächigen Geschäfte sind nicht nur von außen zugänglich, sondern auch im Inneren der Mall miteinander verbunden. Aktuell sind rund 30 Mieter aus unterschiedlichen Branchen in dem Komplex vertreten. Dazu zählen auch Ankermieter wie etwa die zweitgrößte Edeka-Filiale Deutschlands, eine Niederlassung der Opti Wohnwelt, der Modepark Röther und weitere Mieter wie Vodafone, home24, Europcar, TEDI, KiK und FITINN. Mehr als 1.500 Parkplätze ermöglichen den Besuchern den raschen Zugang zum Center.

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Advertorial

WIEN MITTE The Mall Gestärkt aus der Pandemie. Wiens größtes innerstädtisches Einkaufszentrum geht mit einem umfangreichen Hygienekonzept auf Nummer sicher und plant in Sachen Premiumgastronomie neue Überraschungen.

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ls Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs und mit bis zu 60.000 Besuchern täglich spielt WIEN MITTE The Mall eine wichtige Rolle in Sachen COVID-Sicherheit im öffentlichen Raum. Entsprechend hoch ist die Verantwortung von Centermanager Florian Richter und dem Team der CC Real. „Wir haben die Lockdowns dazu genützt, um mit Hilfe gezielter Maßnahmen die Sicherheit unserer Kunden, Mieter und Mitarbeiter zu optimieren. So wird durch eine Beschilderung an allen Zugängen sowie innerhalb des Centers auf die Einhaltung des Mindest­abstands hingewiesen. Neuralgische Stellen werden mehrmals täglich desinfiziert, es gibt spezielle

Factbox Daten und Fakten ∙ 30.000 m2 Geschäftsflächen ∙ ca. 60 Shops ∙ 470 Auto-Stellplätze (täglich ab 17:00 Uhr und am Wochenende nur 2,50 Euro pro Stunde) ∙ E-Tankstelle auf Deck 5 mit 10 Schnelladern der WIEN ENERGIE Architektur von WIEN MITTE THE Mall: Büro Neumann + Steiner und Ortner & Ortner Kernöffnungszeiten der Shops: Mo - Fr 09:00 - 19:00 Uhr Sa 09:00 - 18:00 Uhr Interspar: Mo - Fr 08:00 – 19:00 Uhr Sa 08:00 – 18:00 Uhr Interspar-pronto: Mo - So 06:00 – 19:00 Uhr

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ImmoFokus

Aufbewahrungsbehälter für Desinfektionsabfälle und alle Auflagen des Gesundheitsministeriums werden penibel dokumentiert und kontrolliert. Dank dieses Bündels an Maßnahmen gilt WIEN MITTE The Mall als eines der am besten gegen COVID-19 abgesicherten Einkaufszentren Österreichs“, so Richter.

Internationales Hygiene-Gütesiegel

Bestätigt hat dies auch das globale Zertifizierungs- und Beratungsunternehmen „SAFE Shopping Centers“ mit Sitz in Göteborg/ Schweden. Das Institut bewertete die umfangreichen Maßnahmen als „ausgezeichnet“ und zertifizierte mit 89 von 100 möglichen Punk-

ten WIEN MITTE The Mall mit dem „COVID-19 COMPLIANT“-Gütesiegel. Dem Gütesiegel vorausgegangen war eine 78 Punkte umfassende, umfangreiche Dokumentation aller in WIEN MITTE The Mall gesetzten Sicherheitsund Hygienemaßnahmen.

Neue E-Tankstelle und „BürgerInnen Solarkraftwerk“

Verantwortung übernimmt das Einkaufszentrum aber nicht nur in Sachen Hygiene, sondern auch beim Klimaschutz. „Daher setzt WIEN MITTE The Mall seit Jahren auf zukunftsorientierte Lösungen, die schadstofffrei, klimafreundlich und nachhaltig sind“, so Richter.


Der Centermanager spielt damit auf das „BürgerInnen-Solarkraftwerk“, der mit 3100 Quadratmeter größten innerstädtischen Photovoltaik-Anlage Wiens, am Dach von WIEN MITTE The Mall, an. Seit 2013 wird in der Anlage von Wien Energie sauberer Strom für 130 Haushalte gewonnen. Dieser Strom betreibt auch die im Herbst letzten Jahres eröffnete hochmoderne E-Tankstelle, die Energie für bis zu 10 E-Fahrzeuge liefern kann. Dank einer Leistung von 11 KW garantiert die Tankstelle nicht nur schnelle Ladezeiten, sie ist auch via Wien Energie-Ladekarte bzw. „Tank-App“ komfortabel zu bedienen.

Kulinarische Überraschungen

Auch wenn die Premiumgastronomie in WIEN MITTE The Mall vor großen Herausforderungen steht, so wird hinter den Kulissen an vielen neuen Ideen gearbeitet. Richter: „Hier stehen wir mit mehreren bekannten Gastronomen, die unser kulinarisches Angebot verbreitern, ohne bestehende Angebote zu schwächen, in Verhandlung“, so Richter. Welche Gastronomiebetriebe im Rennen sind, ist aber noch ein streng gehütetes Geheimnis.

Über CC Real Seit 2016 ist CC Real (www.cc-real.com) für das Asset-, Center- und Facility Management sowie Leasing von WIEN MITTE The Mall verantwortlich. Seither wurde der Branchenmix nachhaltig geschärft. Der Focus lag dabei auf Premiumgastronomie und der Erweiterung des Serviceangebots. Das 2006 gegründete Unternehmen CC Real mit Hauptsitz im Wiener Millennium Tower und 180 Mitarbeitern in mehreren Ländern ist ein Investor und Betreiber von Gewerbeimmobilien mit verwalteten Assets von 2,7 Milliarden Euro und einem dynamischen und ständig wachsenden Portfolio. CC Real bietet ein Full-Service-Paket aus umfassenden INVESTMENT- (Transaktions-, Fondsund Portfoliomanagement, einschließlich eigener AIFMGesellschaft) und REAL ESTATE MANAGEMENT- (Asset-, Center-/Property-, Facility-, Construction-Management, Leasing) Dienstleistungen an. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über nachgewiesene Erfahrung bei Co-Investitionen in europäische Vermögenswerte mit internationalen institutionellen Investoren sowie mit Family Offices. Anfang 2021 hat sich CC Real zudem mit 50% am Non-Banking Debt Fund Manager Madigan Capital (Sydney, Australien) beteiligt.

Kontakt

Fotos: WIEN MITTE

Tel.: +43 1 890 72 51-0 E-mail: centermanagement@wienmitte.at Facebook: www.facebook.com/WIENMITTE.TheMall Instagram: www.instagram.com/wienmittethemall/ YouTube: www.youtube.com/user/WIENMITTETheMall www.wienmitte-themall.at

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Unternehmen & Projekte

PROJECT startet Neubauprojekt

Südherz

Stagnierende Mietpreise

Bauboom in Graz  Ein anhaltendet Neubauboom, der dafür sorgt, dass annähernd so viele Wohnungen auf den Markt kommen, wie Einwohner zuziehen, sorgt für eine moderate und teilweise rückläufige Entwicklung der Nettomieten, so eine aktuelle Echtdatenanalyse von Rustler. Rund 900 Neuvermietungen von Wohnungen der Ausstattungskategorie A aus den Jahren 2015 bis 2020 wurden in der Analyse berücksichtigt. Pro Quadratmeter Wohnnutzfläche liegt die durchschnittliche Miete für alle Bezirke und Wohnungsgrößen bei rund 8,60 Euro pro Quadratmeter. Jedoch sind aufgrund des hohen Angebots an verfügbaren Wohnungen auch in nächster Zeit keine deutlichen Preissteigerungen zu erwarten.

Römertor – besonders Wohnen in Gersthofen

Pflegenahe Wohnanlage übergeben  Bereits ein halbes Jahr vor Fertigstellung konnte das Johanniter-Quartier übergeben werden. Der Projektentwickler ZIMA realisierte in Gersthofen 119 Wohnungen sowie 82 betreute Wohneinheiten. Die architektonische Gestaltung erfolgt nach den Plänen des Architekturbüros Schulze+Partner Architekten. So wurde der Westriegel des Quartiers „Römertor“ nach den Wünschen der Johanniter gebaut. In diesem Gebäudekomplex befinden sich barrierefreie Wohnungen, eine Tagespflege, ein

offener Mittagstisch und eine Sozialstation sowie Gewerbeeinheiten mit einer Fläche von 1.200 Quadratmetern. Die Grundfläche der gesamten acht Baukörper des Quartiers umfasst 15.600 Quadratmeter. Nach der Fertigstellung kleinerer Innenausbauten können die ersten Mieter ab 1. April einziehen. Schon bei der Übergabe des Johanniter-Quartiers sind 35 Wohnungen fest vermietet und die Nachfrage sei weiterhin hoch, so Marion Maisa, die das Projekt seit Planungsbeginn begleitet.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Florian Wöhrle übernimmt Gesellschaftsanteile und die Geschäftsführung von ALVAREA Immobilien.

Ilse Reindl verstärkt künftig das Vertriebsteam Eigentumswohnungen der zur EHL Gruppe zählenden EHL Wohnen GmbH.

Gerhard Hauer übernimmt ab sofort die Standortleitung der Tiroler Niederlassung von Rustler in Innsbruck.

News Ticker Erste Wohnmesse 2021 findet statt: Am 25. April startet die „Erste Wohnmesse .digital“ gefolgt von der „Erste Wohnmesse .real+“ am 14. November. In der Zwischenzeit sorgt die fahrende Messe „on tour“ in Kleingruppen mit Hop-on-Hop-off Touren direkt zu den aktuellen Bauvorhaben in Wien für ein Messeerlebnis live vor Ort.

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ImmoFokus

Fotos: ZIMA, PRISMA Unternehmensgruppe, Grossmann Immobilien, ZOOMVP, Rustler, ALVAREA Immobilien, EHL

Der offizielle Spatenstich für das Neubauprojekt Südherz in Wien-Liesing ist erfolgt. Insgesamt 51 Wohnungen errichtet der Projektentwickler und Bauträger PROJECT Immobilien in der Ketzergasse 9 und 13. Alle Zwei- bis Vier-Zmmer-Wohnungen verfügen über eine Gesamtwohnfläche von 3.242 Quadratmetern sowie einen eigenen Garten, Balkon, Loggia oder Dachterrasse. Alle 24 Tiefgaragenstellplätze können auf Wunsch mit einer Lademöglichkeit für Elektroautos ausgestattet werden. Umgesetzt wird das Neubauprojekt von Handler Bau. Bezugsfertig sollen die Wohnungen voraussichtlich im dritten Quartal 2022 sein. Bereits seit 25 Jahren realisiert die PROJECT Immobilien Gruppe mit Hauptsitz in Nürnberg erfolgreich Wohn- und Gewerbeimmobilien, neben Wien auch in den Metropolregionen Berlin, Hamburg, München, Nürnberg, Rhein-Main und Rheinland.


Kurz & Bündig > Wohnen

Spatenstich für floé 233

Erster Bauabschnitt   Bis 2023 errichtet die Prisma Unternehmensgruppe am westlichen Ende des Flötzersteigs 48 freifinanzierte Wohnungen. Für den ersten Bauabschnitt floé 233 erfolgte kürzlich der Spatenstich. Insgesamt 28 Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen für Singles und Familien mit hochwertiger Ausstattung, privaten Gärten, Balkonen und Terrassen sowie 23 Garagenstellplätze verteilen sich auf zwei Stadthäuser. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist für den Herbst 2022 geplant. Das architektonische Konzept verantwortet das Architekturbüro BKK-3. Großzügige private Freiflächen und raumhohe Fenster sorgen nicht nur für mehr Licht im Inneren, sondern öffnen auch den Blick ins Grüne bis hin zum Wienerwald. Das Schwesterprojekt floé 225 mit weiteren zwei Stadthäusern soll in den kommenden Monaten folgen. floé 225 wird über weitere 20 Wohnungen und 11 Stellplätze verfügen. Eigentümerin und Investorin ist die Prisma Unternehmensgruppe, für die Projektentwicklung und Umsetzung verantwortlich ist die Prisma Zentrum für Standort- und Stadtentwicklung GmbH.

Grossmann Immobilien und Wüstenrot

Vollständig vermietet

Penthouse-Wohnungen im Marina Tower

Vertriebsstart

Gleich 40 Forward Funding Mietwohnungen hat der Bauträger und Zinshausentwickler Grossmann Immobilien in Kooperation mit Wüstenrot im Zentrum Schwechats errichtet. Das Wohnbauprojekt in der Weglgasse 7 punktet mit einer modernen Architektur sowie einem attraktiven Design. Alle 40 unbefristeten Neubau-Mietwohnungen verfügen über großzügige Freiflächen. Die Wohnanlage ist schon bei der Fertigstellung im Herbst 2020 vollständig vermietet. Als Bauträger des Wohnbauprojekts fungierte das Trio Immobilienwelt Leiner, Grossmann Immobilien, sowie Heilig Immobilien. Vor kurzem erfolgte der Baustart für ein weiteres Projekt in der Sellingergasse 4 im elften Wiener Gemeindebezirk.

Stück für Stück wächst das gemeinsame Projekt von BUWOG und IES Immobilien am Handelskai entlang des Donauufers in die Höhe. Mit seiner Fertigstellung im Sommer 2022 bieten hier 511 freifinanzierte Eigentumswohnungen ein hochwertiges Wohnerlebnis. Neben den zahlreichen Serviceleistungen, die den Bewohnern zur Verfügung stehen werden, sind die insgesamt sechs Penthouse-Wohnungen in den obersten Stockwerken des Wohnturms ein besonderes Highlight. Diese erstrecken sich jeweils gleich über drei Ebenen: zwei Ebenen zum Wohnen, eine Ebene mit großzügigen Freiflächen. Die Kaufpreise für die Penthouse-Wohnungen im MARINA TOWER beginnen bei 2,5 Millionen Euro.

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Unternehmen & Projekte

Core-Büroimmobilien

Hoch im Kurs

„Neue“ Büronormalität

Flexibilität  Eine Umfrage des Planungs- und Beratungsunternehmens Drees & Sommer mit der macom GmbH ergab, dass das HomeOffice in der „neuen“ Normalität Bestand haben wird und sich massiv auf die künftige Bürogestaltung auswirken wird. An der Umfrage teilgenommen haben 180 IT-, RealEstate- und HR-Verantwortliche aus rund 20 unterschiedlichen Branchen. Gefragt sind vor allem eine attraktive, effiziente Flächennutzung sowie der Einsatz neuer digitaler Tools, wobei annährend die Hälfte der Befragten Desk-Sharing ablehnt.

Greiner, Campaigning Bureau und Diplomatische Vertretungen ziehen ein

The Icon Vienna: (Fast) voll vermietet  Gleich mehrere Vermietungserfolge konnten Signa und Allianz Real Estate im Landmark The Icon Vienna erzielen: Vor kurzem sind die Agentur Campaigning Bureau und Greiner, ein weltweit führendes Unternehmen für Kunststoff- und Schaumstofflösungen, eingezogen. Darüber hinaus wird der Nutzungsmix durch die „Delegation der Europäischen Union bei den internationalen Organisationen in Wien“ im Frühjahr ergänzt. Über 5.000 Menschen arbeiten insgesamt in dem Gebäudeensem-

ble mit rund 75.000 Quadratmetern Fläche. Mittlerweile sind mehr als 97 Prozent von THE ICON VIENNA vermietet - nur mehr wenige, rund 450 Quadratmeter große, Einheiten sind verfügbar. „Flexible, moderne Büros, die unterschiedliche Formen des zukünftigen Arbeitens ermöglichen, bleiben auch in Zukunft gefragt. Unsere jüngsten Vermietungserfolge bestätigen die Richtigkeit unserer strategischen Ausrichtung “, ist SIGNA CEO Christoph Stadlhuber überzeugt.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Gerald Oswald ist ab sofort für Finanzierungen, einschließlich Projektfinanzierungen der eyemaxx Real Estate Group verantwortlich.

Roman Kuch übernimmt als Regional Manager die Führung bei VMG inklusive des Bereichs Construction/Real Estate.

Wealthcore beruft Ralph Andermann zum Geschäftsführer. Der 55-jährige folgt Christoph Wendl nach.

News Ticker Büroneubau für Meusburger: Kürzlich erfolgte der Spatenstich für den Bau des neuen Bürogebäudes in Hohenems. Der Umzug der ersten Mitarbeiter ist bereits für Februar 2022 geplant. Apleona Invest verkauft Büroimmobilie in Mödling: Käufer der Immobilie ist ein europaweit tätiger Asset- und Investment Manager. OTTO Immobilien hat die Transaktion durchgeführt.

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ImmoFokus

Fotos: IFAG, Henning Kreft, SoReal, Eyemaxx Real Estate Group, GrECo/VMG

Auch in Pandemiezeiten sind Core-Büroimmobilien gefragt. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Marktüberblick von Wealthcore. Dieser halbjährlich publizierte Bericht erschien nun zum siebten Mal und untersucht die Entwicklung der sieben größten Büromärkte in Deutschland. In Kooperation mit dem Immobiliendienstleister JLL bietet der Real-Asset- und InvestmentManager Einblicke in das Marktumfeld, in die Verhaltensvariablen von Anlegern und Finanzierern sowie in den Büroinvestitionsund Bürovermietungsmarkt im zweiten Halbjahr 2020. So belief sich das deutschlandweite Transaktionsvolumen der gewerblichen Immobilien auf 81,6 Milliarden Euro für das Gesamtjahr 2020. Trotz Pandemie entspricht dies lediglich einem Rückgang von rund 11 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Die Top-7-Städte blieben dabei mit 49 Prozent am gesamten Transaktionsvolumen bei Investoren besonders beliebt. Der Anteil der Büroimmobilien am Gesamtmarkt lag bei 30 Prozent und rund 24,5 Milliarden Euro.


Kurz & Bündig > Office

Büroflächen in Europa

AUVA bezieht myhive

Stabile Renditen

Neuer Mieter

Catella Research kommt im Rahmen einer europaweiten Erhebung zu dem Ergebnis, dass das Transaktionsvolumen in Europa – inklusive UK – rückläufig ist. Im Gesamtjahr 2020 wurden Büroflächen im Volumen von 83,5 Milliarden Euro umgesetzt. Noch deutlicher gab das Volumen in den von COVID-19 stark betroffenen Ländern nach. Irland verzeichnete mit -69 Prozent die stärksten Rückgänge, dicht gefolgt von Luxemburg (-55 Prozent) sowie Schweden (-49 Prozent). Die Nettospitzenrenditen sollten aufgrund hoher Nachfrage nach modernen CoreGebäuden auf Jahressicht in der Gesamtheit stabil bleiben. In lediglich drei der 38 Märkte wird bis zum Ende des Jahres ein Anstieg prognostiziert (> 5,0 Basispunkte), während bei den übrigen Märkten weiterhin stabile Renditen erwartet werden.

Der Mietvertrag für die rund 10.000 Quadratmeter Bürofläche wurde auf fünf Jahre abgeschlossen. Beraten und bei der Vermietung vertreten wurde die IMMOFINANZ von CBRE. Das myhive am Wienerberg ist mit einer vermietbaren Fläche von insgesamt rund 120.000 Quadratmetern einer der größten Büro- und Geschäftsstandorte Wiens mit perfekter Anbindung an das Zentrum, zum Flughafen, zur Autobahn und zum öffentlichen Verkehrsnetz. Darüber hinaus verfügt der Standort über modernste Infrastruktur wie großzügige Meeting- und Konferenzräumen, High-Speed-WLAN, Lounges, einen Fitnessraum und Ladestationen für E-Bikes und E-Autos. Bereits an 22 Standorten in sechs Ländern Europas wurde das Konzept myhive umgesetzt.

Real Success for Real Estate D I E E T W A S A N D E R E A R T, I M M O B I L I E N Z U E N T W I C K E L N . Mit Professionalität und Transparenz verfolgen wir von 6B47 den Ansatz des Umdenkens. Dinge anders anzugehen und neu zu denken. Zum Vorteil von unseren Partnern, Investoren, Mitarbeitern und Kunden. Wir lassen Immobilien wachsen und Zukunft entstehen. Mit Leidenschaft zur Immobilienentwicklung und hoher Einsatzbereitschaft – von der Auswahl unserer Projekte über Planung und Realisierung bis zur Nutzung und Verwertung. In Österreich, Deutschland und Polen. Das sind wir. Das ist 6B47. Das ist Die etwas andere Art, Immobilien zu entwickeln. 6 B 47 R E A L E STAT E I N V E STO RS AG H E I L I G E NSTÄ DT E R L Ä N D E 29 | 1 1 9 0 W I E N W W W . 6 B 4 7. C O M | T + 4 3 1 3 5 0 1 0 1 0 | O F F I C E @ 6 B 4 7. C O M

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Unternehmen & Projekte

Allianz kauft zu

Last-Mile-Logistik

TGW goes Kansas City

Großauftrag  Erst vor kurzem konnte die TGW Logistics Group mit Sitz in Marchtrenk, Oberösterreich den größten Auftrag ihrer Geschichte abschließen. Der international führende Spezialist für hochautomatisierte Intralogistik-Lösungen errichtet für Urban Outfitters bis 2023 ein Distributionszentrum der Superlative in Kansas City, USA. Das Auftragsvolumen ist im dreistelligen Millionenbereich. Es handelt sich um den zweiten Auftrag innerhalb weniger Monate: Aktuell realisiert TGW ein Fulfillment Center in Großbritannien. Herzstück des neuen Distributionszentrums ist das von TGW entwickelte FlashPick-System. Dabei handelt es sich um eine hochautomatisierte Einzelstück-Kommissionierung.

GO ASSET entwickelt City-Logistik-Objekt in Wien

Betriebsstart für Amazon-Verteilzentrum  Der Betriebsstart ist erfolgt: die Immobilie mit 6.000 Quadratmeter Hallenfläche und 700 Quadratmeter Bürofläche liegt in der Schemmerlstraße im 11. Wiener Gemeindebezirk und dient als reine Umschlagsfläche. Errichtet wurde Amazon neuestes Verteilerzentrum in Österreich auf einer Industriebrache, sodass keine neuen Flächen versiegelt wurden. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist die Immobilie nicht nur mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, sondern auch Fernwärme kommt zum Einsatz. Des Weiteren

besteht ausreichend Kapazität für die Aufrüstung der Flotten-Elektromobilität. „Amazon hat klare und professionelle Vorstellungen und Vorgaben für ihre modernen Verteilzentren. Als Logistikimmobilien-Experte verstehen wir diese Bedürfnisse und freuen uns, dass wir exakte und nachhaltige Lösungen liefern können“, so GO ASSET-Geschäftsführer Andreas Liebsch. GO ASSET wurde 2006 gegründet und seitdem wurden zahlreiche Immobilienprojekte im In- und Ausland erfolgreich abgewickelt.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Javier Gomez verstärkt ab sofort als Director Logistics & Industrial Investment das vierköpfige Team der BNP Paribas Real Estate.

GLS Austria hat die Position des Geschäftsführers neu vergeben und setzt dabei auf Christian Schöninger.

Nicolas Roy ist neuer Head of Industrial & Logistics bei Colliers Deutschland. Zuvor war er bei Europa Capital.

News Ticker MLP Group kauft Grundstück: Mit dem „MLP Business Park Vienna“ wird in Stadlau ein urbaner Logistik- und Gewerbepark mit rund 55.000 Quadratmetern an Lager- und Büroflächen entstehen. Die Transaktion wurde von OTTO Immobilien begleitet. Baubeginn: Mit dem LOG Center Adria realisiert GO ASSET gleich drei Logistikimmobilien im slowenischen Sežana.

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ImmoFokus

Fotos: GO ASSET Development GmbH, Esther Horvath, Pixabay, BNP Paribas Real Estate, GLS Austria/Karin Bergmann, Colliers

Im Auftrag mehrerer Allianz Gruppengesellschaften hat die Allianz Real Estate eine Zweckgesellschaft („Special Purpose Vehicle“) im Wert von 72 Millionen Euro für eine neu errichtete Last-Mile-Logistikanlage im Süden Wiens erworben. Verkäufer ist die Exeter Property Group. Die Anlage befindet sich rund zehn Kilometer vom Zentrum Wiens entfernt im größten Industrie- und Gewerbegebiet des Wiener Marktes und ist nur 250 Meter von der nächsten U-BahnLinie entfernt. Amazon ist der alleinige Mieter der Immobilie. Während das Kerngebäude 9.000 Quadratmeter umfasst, beträgt die erworbene Gesamtfläche inklusive Grundstück 48.000 Quadratmeter. Ein Großteil davon wird für Fahrzeuge genutzt, die in hoher Frequenz die Nachfrage bedienen. Allianz Real Estate will das Gebäude zunächst mit Photovoltaik-Paneelen ausstatten.


Kurz & Bündig > Logistik

cargo-partner expandiert

Gut vernetzt  Nach einem Jahr erfolgreicher Zusammenarbeit im Transcargo-Lager in Roermond hat cargo-partner das niederländische Logistikunternehmen übernommen und im Rahmen seiner Expansionsstrategie in Westeuropa mit der schrittweisen Integration von Transcargo in die cargo-partner-Gruppe begonnen. Der strategische Logistik-Hotspot verfügt mit zehn Millionen Einwohnern in einem Umkreis von 250 Kilometern über ideale Flughafen- und Hafenanbindungen und liegt nahe der Grenze zu Belgien, Luxemburg und Deutschland. Neben dem Büro wird das neue Lager in Roermond mit 17.000 Quadratmetern Lagerfläche als europäisches Distributionszentrum für regionale und globale Logistik fungieren.

GARBE Research bringt Rendite- und Mietkarte

Europäische Logistikmärkte  GARBE Research stellt erstmals mit der GARBE PYRAMID eine neuentwickelte Rendite- und Mietkarte für die 123 wichtigsten europäischen Logistikimmobilienteilmärkte vor. Die Karte wird regelmäßig zum Jahresanfang erscheinen und bietet aktuelle, detaillierte und kompakte Informationen über die Spitzenmieten und -renditen sowie ihre Veränderungsdynamik. Zu den wesentlichen Erkenntnissen der aktuellen GARBE PYRAMID zählen: Insbesondere in Osteuropa, Italien und den nordischen Ländern bieten sich inzwischen attraktive Investmentopportunitäten. In ganz Europa befinden sich allein sechs von sieben Top-Logistikregionen in Deutschland. Unter den analysierten 123 europäischen Logistikmärkten weisen Berlin und München die niedrigsten Spitzenrenditen auf. Nur London inklusive Heathrow hat ähnliche Spitzenrenditen wie die deutschen Regionen.

Bezogen auf die vergangenen fünf Jahre, lässt sich im europäischen Kontext eine deutliche Renditekompression erkennen. In allen 123 untersuchten Logistikteilmärkten Europas war jedoch die Renditekompression im deutschen Magdeburg am stärksten ausgeprägt. Der Pandemie zum Trotz konnten auch das niederländische Eindhoven und das französische Lyon ihre Bedeutung als europäische Logistikmärkte ausbauen und weisen eine ausgeprägte Renditekompression auf. Fünf von sieben europäischen Topregionen mit Spitzenmieten liegen nicht im Währungsraum des Euro. Als Drehscheibe internationaler Logistik stellen London und der Teilmarkt London-Heathrow die höchsten aufgerufenen Spitzenmieten, da hier eine massive Nachfrage auf eine sehr geringe Flächen- bzw. Grundstücksverfügbarkeit mit hohen Preisen trifft. Der Brexit und die COVID-19-Pandemie verstärkten diese Entwicklung zusätzlich.

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Unternehmen & Projekte

Sinkende Transaktionszahlen

Zinshausmarkt

Investmentstandort

Ungarn im Fokus  Laut aktuellem Wirtschaftsbericht der WKO und der S-GE aus der Schweiz steht das Land am Balaton im Fokus institutioneller und privater Anleger. Mit einer Investitionssumme von kanpp 20 Milliarden Euro stehen hier vor allem Investoren aus Deutschland an erster Stelle. Steuerliche Vorteile haben nun auch eine enorme Anziehungskraft für Unternehmen aus Übersee. So hat der USamerikanische Autokonzern BorgWarner Anfang des Jahres beschlossen, 12 Milliarden Forint in Ungarn zu investieren. Das weltweit verflechtete Netzwerk zu nationalen und internationalen Banken ermöglicht CS Investment Partners, seinem Klientel seit über 20 Jahren mit einem breiten Spektrum zu begegnen.

Catella Residential Investment investiert in Wohnen

DWK-Projekt verkauft  Kurz nach dem Baustart wurde das Neubauprojekt mit 155 Wohnungen in der Schöpfleuthnergasse 25 im 21. Wiener Gemeindebezirk der DWK Die Wohnkompanie verkauft. Die 2- bis 4-Zimmerwohnungen verfügen über effiziente Grundrisse. Für zusätzlichen Komfort sorgen zwei getrennte Hauszugänge, zwei Stiegenhäuser, die begrünten Innenhöfe sowie eine großzügige Parkgarage. Gleichzeitig wird es einen Indoor Kinder- und Jugendspielplatz und ebenerdige Fahrradabstellplätze geben.

Die Energieversorgung erfolgt mittels Fernwärme. Michael Eirich, Head of Transaction Management der Catella Residential Investment, sieht den österreichischen Markt aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung als extrem stabil. Die Transaktion begleiteten Christian Chini von CORAG als exklusiver Akquisitionspartner in Österreich der Catella Residential Investment,das Team rund um Karl Koller von PwC Legal sowie das Team rund um Stephan Größ von EY Law.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Bereits seit Dezember 2020 ist Markus Tritthart Leiter der Projektentwicklung „Prime Investments“ bei IFA.

Karim Esch rückt in die Geschäftsführung der Union Investment Institutional Property auf.

International Campus erweitert sein Führungsteam mit Michael Stapf als neuen Chief Investment Officer.

News Ticker Beteiligung: CC Real beteiligt sich mit 50 Prozent an Australiens aufstrebendem Non-Banking Debt Fund Manager Madigan Capital. Gebremste Einkaufstour: Laut der EY-Analyse „Chinesische Investoren in Europa 2020“ bremste COVID-19 die Einkaufstour chinesischer Unternehmen in Europa erheblich. Die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen sank um 28 Prozent auf 132.

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ImmoFokus

Fotos: Union Investment, DWK Die Wohnkompanie, schneider + schumacher, IFA AG, Union Investment Institut, International Campus, Adobe Stock

Große Nachfrage nach Zinshäusern bestand auch im vergangenen Jahr 2020 – vor allem in Wien. Laut einer Erhebung von Arnold Immobilien sind jedoch die Transaktionszahlen bei Wohn- und Geschäftshäusern im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Diese Entwicklung ist vor allem auf die Ausnahmesituation des vergangenen Jahres zurückzuführen. Das Unternehmen selbst vermittelte 2020 mit rund 30 Investmentmaklern 55 ZinshausObjekte mit einem Gesamtvolumen von rund 250 Millionen Euro. Die Ankündigung, dass Richtwertmieten erst wieder 2022 valorisiert werden dürfen, wird, laut Markus Arnold, an der anhaltenden Nachfrage nach Zinshaus-Investments wenig ändern. International gilt Wien weiterhin als sehr stabiler und interessanter Markt für Investitionen. Ähnlich gestaltet sich die Situation in Berlin.


Kurz & Bündig > Invest

Union Investment verkauft in Klagenfurt

Fachmarktstrategie

SIGNA und Universal-Investment

„Grünstück 22“

Union Investment setzt seine Fachmarktstrategie in Österreich konsequent um: Kürzlich wurde ein Fachmarktzentrum (FMZ) mit einer Mietfläche von 7.014 Quadratmetern verkauft. Seit 2004 gehörte das FMZ zum Bestand des Offenen Immobilien-Publikumsfonds immofonds 1, der ausschließlich in Österreich vertrieben wird. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart, jedoch liegt der Verkaufserlös deutlich über dem zuletzt ermittelten Sachverständigenwert.Das FMZ wurde 1994 erbaut und befindet sich mit dem Standort in der Völkermarkterstraße 144-150 liegt direkt an einer vierspurig ausgebauten Schnellstraße östlich des Stadtzentrums. Zu den Mietern zählen A.T.U., Action, Deichmann und dm.

Im Rahmen eines strukturierten Bieterverfahrens vermittelte die zur EHL Gruppe zählende EHL Investment Consulting das Neubauprojekt „Grünstück 22“ im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt an die SIGNA und Universal-Investment. Entwickler und Verkäufer des Objekts ist die BUWOG. Das Neubauobjekt mit einer vermietbaren Fläche von ca. 5.960 Quadratmetern verfügt über 84 moderne Wohneinheiten. Alle 84 Mietwohnungen sind hochwertig und modern ausgestattet und verfügen über Loggia, Terrasse oder Balkon. Die Tiefgarage bietet Platz für 55 Auto- und knapp 200 Fahrradabstellplätze. Die beiden Gebäude werden in ÖGNI GoldStandard ausgeführt.

„Rehakliniken Report 2021“ von C&W

Aufstrebende Assetklasse   In den vergangenen Jahren wurden Immobilientransaktionen mit Rehakliniken mit einem Volumen von 150 bis 400 Millionen Euro pro Jahr getätigt, in Spitzenjahren auch mehr als das Doppelte. Die Nettoanfangsrenditen liegen bei 4,3 bis 4,8 Prozent. Diese und weitere Ergebnisse sowie wichtige Grundlagen zu Investments in die noch junge Assetklasse fasst der neue „Rehakliniken Report 2021“ von Cushman & Wakefield (C&W) zusammen. So bieten Investments in Immobilien im Gesundheitswesen viele Vorteile: Neben langfristigen Mietverträgen und stabilen und häufig indexierten Mieten profitieren Investoren hier von demografischen Trends wie dem steigenden Alter der Bevölkerung. Was für Seniorenwohnungen und Pflegeheime gilt, ist auch für Rehakliniken zutreffend. Die Assetklasse gewinnt spürbar an Bedeutung unter den Healthcare-Immobilien. So erlebte der Immobilienmarkt für Rehakliniken in Deutschland in den Jahren 2014 und 2018 Höchststände mit Transaktionsvolumen von 800 und 950 Millionen Euro. Üblich waren in den letzten zehn Jahren Volumen zwischen 100 und 400 Millionen Euro. Derzeit übersteigt die Nachfrage nach Immobilien dieser Assetklasse das Angebot signifikant.

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Unternehmen & Projekte

Parkraum-Digitalisierung

Repositionierung

onOffice & Marktplatz

Neuer Partner  Effiziente Immobilienvermarktung und die Steigerung des Nutzens für den Makler und dessen Kunden ist erklärtes Ziel des Marktplatzes für Immobilienmakler. Der Marktplatz ist ein Projekt vom Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, ÖVI und Immobilienring. Über diese Plattform können Makler ihre Objekte noch umfassender mit anderen Maklern teilen bzw. auf diese zugreifen. Mit onOffice konnte nun ein Partner gewonnen werden, der dabei helfen soll, viele Prozesse in der Vermarktung einfach zu automatisieren – von der Bewertung, über die Terminvergabe für Besichtigungen bis hin zu 360°-Rundgängen. Dies soll bereits im September möglich sein.

Schindler erweitert sein Digital Media Service Portfolio

Multimediale Onboard-Unterhaltung  Die reine Beförderung von Fahrgästen war gestern. Mit den Schindler Digital Media Services (DMS) verwandelt das Unternehmen Aufzüge in Kommunikationsplattformen. Ganz neu am österreichischen Markt wird nun von Schindler der Ahead MediaScreen angeboten. Dieser wird im Aufzug direkt im Sichtfeld der Fahrgäste neben dem Tastentableau installiert. Dieser Screen eignet sich nicht nur perfekt, um anstehende Wartungsarbeiten im Gebäude anzuzeigen, sondern auch für allgemeine Gebäu-

deupdates, Neuigkeiten, Wetter und unterhaltsamen Content – nicht zu vergessen Werbung. Durch die Produkte der Digital Media Services Palette wird die Aufzugsanlage und damit in weiterer Folge die Immobilie aufgewertet. Die Inhalte lassen sich mit dem inkludierten Schindler Ahead Content Management System (CMS) effizient und leicht aktualisieren. Bestehende Aufzugsanlagen lassen sich problemlos mit dem Schindler Ahead MediaScreen nachrüsten.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Bernhard Lamprecht übernimmt die Leitung der Science- und Technologieparks Lakeside Park und High Tech Campus Villach.

Mit Jänner übernahm Diana Ines Schmidberger bei JP Immobilien die Leitung der Bereiche Marketing, PR & Events.

Samir Pajalić übernimmt die Schwerpunkte Corporate Governance und Datenschutz bei HSP Rechtsanwälte.

News Ticker Loxone kooperiert: Ab dem Sommersemester 2021 haben die Studierenden der Jade Hochschule (Niedersachsen) die Möglichkeit, Smart-Home-Projekte selbst zu entwickeln und parallel im Labor für digitales Engineering zu simulieren und zu überprüfen. Ausbildung: DIe FH Kufstein bietet ab dem Wintersemester 2021/22 ein Studium der Unternehmensentwicklung.

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ImmoFokus

Fotos: Schindler, Daniel Hinterramskogler, JP Immobilien, HSP Law

Bereits 2015 in Wien gegründet, positioniert sich PAYUCA mit der neuen Marke PAYUCA Parking Solutions neu. Neben effizienter Leerstandsverwertung über Kurzparkvermietung ermöglicht nun ein digitalisiertes Zugangssystem smarte und nachhaltige Garagenverwaltung für Dauerparker. So werden auf einem Dashboard alle zu verwaltenden Garagen abgebildet. Ebenso im Tool integriert ist das Handling der Zugangsberechtigung, die somit remote ohne physische Besichtigung oder auch Kaution und Schlüsselübergabe erteilt wird. Tore und Schranken werden mittels Smartphone oder auch offline via NFC-Chips oder intelligenter Autokennzeichenerkennung geöffnet. Zusätzlich betreibt das ProptechUnternehmen die gleichnamige Brand PAYUCA Smart Parking, um Leerstände von bereits über 60 Standorten in Wien an Kurzparker zu vermieten.


Kurz & Bündig > Digital

„Climate Excellence“ von PwC

Squarebytes digitalisiert mehr als zwei Millionen Quadratmeter

Klimaszenario-Tool

Digitalisierung ganzer Stadtteile

Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Immobilienportfolio von Unternehmen analysieren und bewerten? Das Klimaszenario-Tool von PwC machts möglich. Nach dem Launch der Module für Asset Manager, Asset Owner und Banken ist das PwC-Tool nun auch als Lizenzmodell für die Immobilienwirtschaft verfügbar. Climate Excellence ermöglicht Nutzern, die finanziellen Implikationen verschiedener Klimaszenarien in das Risiko- und Chancenmanagement zu übertragen und deren materielle Treiber zu verstehen sowie die eigene Klimaperformance und damit den eigenen Beitrag zur Erderwärmung zu messen. Das Tool ist bereits seit sieben Jahren auf dem Markt und nutzt die wissenschaftlichen, international anerkannten Szenarien des Weltklimarats (IPCC) und der International Energy Agency (IEA).

Mit der digitalen Präsentation der KIBB-Projekte auf dem Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs knackt Squarebytes die MillionenQuadratmeter-Marke. Mitgründer und CEO Ari Benz: „Mittlerweile haben wir bereits einen guten Teil von Wien komplett digitalisiert. Laufend kommen neue Bereiche dazu, die einzelnen Immobilien werden am MultiTouchTable dargestellt oder können mit Virtual Reality und Augmented Reality präsentiert werden.“ Die hohe Qualität der „Digital Twins“ zeichnet Squarebytes aus: Je nach Tageslicht wandelt sich die Darstellung der Gebäude, auch das Verkehrsaufkommen wird dargestellt. Zusätzlich können relevante Infomationen zu den einzelnen Gebäuden sowie zur Infrastruktur vom User abgerufen werden. Die Digitialisierung ganzer Stadtteile eröffnet aber noch weitere Anwendungsmöglichkeiten. So kann

im Rahmen der Stadtplanung auf die Daten zugegriffen werden, um beispielsweise Hochhauszonen, mögliche Grünflächen oder auch Verkehrswege zielgerichtet und nachhaltig zu planen. Zu den Unternehmen, die die Anwendungen von Squarebytes bereits erfolgreich für die Planung, Umsetzung und Vermarktung ihrer Projekte nutzen, zählen: die S&B Gruppe, Soravia, SÜBA, Eyemaxx, BUWOG oder STRABAG Real Estate. Eigentlich sei dem Wiener Start-up aber Qualität und Innovation viel wichtiger als Quantität, betont Benz. „Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren mit einem Grundrissnavigator und erst kürzlich mit dem MultiTouchTable und AR-Apps für die Immobilienpräsentation sowie vielem mehr eine Reihe von Innovationen auf den Weg gebracht, die in der Immobilienbranche für Furore gesorgt haben.“

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Unternehmen & Projekte

ISS kooperiert mit weXelerate

Neue Services

STRABAG PFS Österreich

Mandat erweitert  Die Raiffeisen Holding NÖ-Wien hat das FM-Mandat der Strabag Property and Facility Services (Strabag PFS) um insgesamt 73.000 Quadratmeter erweitert. Die STRABAG PFS Österreich wird alle infrastrukturellen Facility Services für vier Büroimmobilien der Raiffeisen-Zentrale, das Rechenzentrum und insgesamt 23 Bankfilialen in Wien übernehmen. Neben den bereits vereinbarten technischen Facility ManagementLeistungen zählen nun auch die Unterhaltsreinigung, Fenster- und Fassadenreinigung, die Reinigung der Außenflächen sowie Sonderreinigungen zum Leistungsporfolio. Das Leistungsspektrum der STRABAG PFS reicht vom Technischen Facility Service bis zu Industrieservices.

Insgesamt 160.000 Quadratmeter im Austria Campus

Property-Management-Mandat für CBRE  Bereits seit Anfang des Jahres verwaltet das CBRE Property Management Team drei Gebäudeteile des Austria Campus mit einer Gesamtfläche von 160.000 Quadratmetern. Mit diesem Auftrag knackt CBRE die Millionenmarke: Mit dem bis dato größten Property Management Auftrag des Jahres erhöht CBRE die verwaltete Fläche auf rund 1,2 Millionen Quadratmeter. Das entspricht knapp 170 Fußballfeldern. Die Nutzung der von CBRE verwalteten Gebäudeteile ist vielfältig. So verteilen

sich rund 92.000 Quadratmeter auf Büroflächen, ca. 13.000 Quadratmeter entfallen auf das Roomz Hotel. Die restlichen 11.000 Quadratmeter sind Retailflächen. Für das Management der rund 160.000 Quadratmeter großen Flächen am Austria Campus ist ein erfahrenes CBRE Team verantwortlich. Zu den Hauptaufgaben des modernen Property Managements zählen unter anderem Mieterbetreuung, Mietvertragsmanagement, Objektbuchhaltung und Reporting.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Gerald Steindl ist seit 1. Jänner Geschäftsfeldleiter Gebäudetechnik St. Pölten bei Allplan.

Seit Jänner hat Ingo Hörnecke 2021 die Aufgabe des Betriebsleiter-Stellvertreters für Österreich von REIWAG Facility Services übernommen. Auch die Leitung des Verkaufs für Österreich wurde mit Georg Warsberg im Jänner neu besetzt.

News Ticker Klimaschutz: Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) sollen bis 2030 100 Prozent des Stromes aus erneuerbaren Quellen kommen. Wiemn-Holding Event-Arena: Siegerprojekt ist der Entwurf der Wiener Teilnehmergemeinschaft Architekt Christian Kronaus, Architekt Peter Mitterer und Architekt Reinhardt Gallister. Die Planungsarbeiten sollen im Herbst 2021 starten.

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ImmoFokus

Fotos: Philipp Derganz, Dussmann GmbH, Allplan, REIWAG Facility Services

Die Digitalisierung macht auch vor der Facility-Branche nicht halt. Obwohl sie in der Branche längst angekommen ist, hat COVID-19 gezeigt, wie wichtig smarte Lösungen sind. Aus diesem Grund kooperiert die ISS Österreich nun mit dem Start-up weXelerate. Erklärtes Ziel ist es, smarte Lösungen weiterzuentwickeln und neue Geschäftsmodelle umzusetzen. Erich Steinreiber, CEO bei ISS Österreich, sieht weXelerate als idealen Partner: „Vor allem in herausfordernden Zeiten, wie der Corona-Krise, ist es wertvoll, ideenreiche Partner an seiner Seite zu haben. Gemeinsam mit den Teams aus der Start-upSzene wollen wir neue Wege beschreiten. Entstehen sollen neue Services, punktgenau zugeschnitten auf die Bedürfnisse unserer Kunden.“ Das Innovationszentrum weXelerate wurde 2017 in Wien gegründet und ermöglicht Firmen dank Open Innovation Ansatz neue Perspektiven.


Kurz & Bündig > Immobilienmanagement

HIH Property Management

Wachstumsschub  Der Anbieter für gewerbliches Property Management HIH Property Management (HPM) konnte das Volumen seiner gemanagten Immobilien im Vorjahr erheblich steigern. Laut eigenen Angaben betreute die HPM somit zum Jahresende 2020 ein Immobilienvermögen im Volumen von rund 9,86 Milliarden Euro (+21,7 Prozent; 2019: 8,1 Milliarden Euro). Das entspricht einer Gesamtfläche von 3,7 Millionen Quadratmetern. Damit stiegen die betreuten Nutzflächen um 12 Prozent (2019: 3,3 Millionen Quadratmeter). Im Jahr 2021 will man noch mehr auf ESG-Kriterien achten, auch das technische Gebäudemanagement soll durch digitale Prozesse effizienter werden, heißt es von HPM.

„Upbeat“ in Berlin

Neuer Mieter  CA Immo hat mit der Deutschen Kreditbank AG (DKB) einen langfristigen Mietvertrag über rund 34.850 Quadratmeter für die Landmark-Büroentwicklung Upbeat in der Berliner Europacity abgeschlossen. Upbeat wird als hochwertiges, innovatives, grünes, gesundes und sicheres Bürogebäude mit modernster Technik und nachhaltigem Betrieb entwickelt und soll mindestens die Zertifizierungen DGNB (Gold), WiredScore (Platin) und WELL (Gold) erhalten.

Reinigungs- und Desinfektionskompetenz im Healthcare-Sektor

Dussmann kauft Janus Gruppe  Mit 1. März 2021 hat die Dussmann Group über ihre Tochtergesellschaft Dussmann Service Österreich die Anteile der Janus Gruppe mit Sitz in Wien erworben. Die Janus Gruppe ist mit ihren 1.300 Mitarbeitern Spezialist für Reinigungs- und Desinfektionsdienstleistungen für Einrichtungen des Gesundheitswesens. Zu ihren Kunden zählen unter anderem das Universitätsklinikum AKH Wien, die Klinik Donaustadt, die Klinik Favoriten und das Landeskrankenhaus Graz. Geschäfstführer bleibt der Firmengründer Dragan Janus. Weitere Geschäftsführer sind Peter Edelmayer und Günter Oberhauser. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Dieter Ro-

yal, Finanzvorstand der Dussmann Group: „Indem wir Janus kaufen, gehen wir einen weiteren Schritt bei der Umsetzung unserer Next-Level-Strategie: Wir streben in allen Bereichen des Facility-Managements nach operativer Exzellenz, und die Janus Gruppe ist ein absoluter Spezialist in der Krankenhausreinigung. Als Dussmann Group werden wir unser Wachstum weiter auf strategische Akquisitionen wie die von Janus konzentrieren. Die Transaktion steht mit unserer Strategie in Einklang, uns auf profitables Wachstum in Europa, im Mittleren Osten sowie in einigen ausgewählten außereuropäischen Märkten zu konzentrieren.“

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Unternehmen & Projekte

Auf Expansionskurs

Elektromobilität

Netzkosten fair aufteilen

Ökostrom  In den nächsten zehn Jahren werden erneuerbare Energien – vor allem Wind- und Sonnenenergie – stark ausgebaut werden, um das klimapolitische Ziel bis 2023 zu erreichen. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die gesamte österreichische Stromversorgung national bilanziell aus erneuerbaren Energiequellen bezogen werden. Das erfodert den Ausbau und die technologische Aufrüstung der Verteilernetze. Doch die nötigen Investitionen in die Verteilernetze dürfen nicht zu einseitigen Belastungen der Stromkunden führen, forderte der Geschäftsführer von Netz Burgenland, Florian Pilz, beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit. Außerdem braucht es einen kostengünstigen Netzzugang für Ökostrom und eine NetzzutrittsPauschale, so Pilz.

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ImmoFokus

UNO-City-Klimaanlagen heizen 2.400 Haushalte

Wärme aus Kühlprozessen  In der UNO-City sorgen ab sofort leistungsstarke Kältemaschinen dafür, dass 5.000 Mitarbeiter aus mehr als 120 Ländern einen kühlen Arbeitsplatz haben. Bisher wurde die Wärme, die bei diesem Kühlprozess entsteht, ungenutzt in die Umgebungsluft abgegeben. Diese Abwärme kann jetzt Wien Energie dank der neuen Energierecycling-Anlage wieder verwenden. Sie wird ins Fernwärmenetz eingespeist und heizt ab sofort klimaneutral rund 2.400 Haushalte in der Umgebung. Ge-

plant wurde die Abwärmenutzung mit drei Hochtemperatur-Wärmepumpen von Allplan. Die elektrotechnische Versorgung der beiden Kältemaschinen erfolgt von der bestehenden Energieversorgung UNO-City/ACV. Allplan war sowohl mit der Planung als auch mit der Ausschreibung der Wärmepumpenanlage und der Einbindung in das bestehende System beauftragt, weiters auch mit der Planung der elektrotechnischen Versorgung der Wärmepumpenanlage und Anlagenkomponenten.

UV-Desinfektion mittels Roboter

Kontaktlos  Die REIWAG setzt bei der Reinigung der Räume auf UV-Desinfektions-Roboter. In einer Einlernungsphase erstellt der Roboter ein Mapping seiner Umgebung und kann sich so dank zusätzlicher Sensoren problemlos im Raum zurechtfinden. So kann ein Raum mit einer Größe von rund 25 Quadratmetern in ca. zehn bis 15 Minuten, ohne Anwesenheit von Personen, autonom abgefahren und desinfiziert werden. Der Roboter setzt dabei UV-CStrahlung im Wellenbereich von 254 Nanometern ein. Aus Sicherheitsgründen erkennt der Roboter Personen, welche sich unbefugt oder unbeabsichtigt im Raum befinden, und schaltet dann seine UV-Lampen sofort ab. Je nach Bedarf kann die Verweildauer und somit die Länge der Desinfektion erhöht werden.

Fotos: REIWAG, Allplan

Compleo Charging Solutions setzt ihren Expansionskurs in Europa fort. Nach dem Eintritt in den schweizerischen Markt Ende Oktober 2020, folgt nur kurze Zeit später der Markteintritt in Österreich. Somit bietet das Greentech-Unternehmen nun im gesamten DACH-Raum Ladesäulen und -lösungen an. Ermöglicht wird das durch eine Kooperation mit KSW Elektro- und Industrieanlagenbau (KSW), einem der führenden Anbieter für Tankstellenbau und Industrieanlagenbau in Mitteleuropa mit Hauptsitz in Feldkirch. Und die aktuelle Marktentwicklung im europäischen E-Mobilitätsbereich treibt Compleos Expansionspläne weiter voran. Laut Bundesverband Elektromobilität Österreich lag der Bestand an Elektroautos im November 2020 bei 41.464. Gut ein Viertel davon (12.581) waren Neuzulassungen in den ersten elf Monaten des Jahres 2020. Die Zahl der EAutos wird in Zukunft weiter zunehmen und somit der Bedarf nach flächendeckender Ladeinfrastruktur steigen. Zusätzlich wird die Förderung für E-Fahrzeuge im Privatbereich in Österreich beibehalten.


| BA12-16G |

Kurz & Bündig > Immobilienmanagement

ÖGNI präsentiert Positionspapier

Die Fassade der Zukunft

Facility Manager Eine Steuerung für alle Gewerke: Gebäudeautomation von Beckhoff

Im Sinn der Nachhaltigkeit muss die Fassade von morgen mehr bieten, als vor Witterung und Umwelteinflüssen zu schützen. Die Fassade der Zukunft kann und muss einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, ist die ÖGNI überzeugt und hat sich im Zuge dessen branchenübergreifend mit Experten aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Immobilienentwicklung, Bauphysik, Herstellung, Innovationsmanagement, Landschaftsplanung und Fassadenbegrünung zusammengetan, um ein Positionspapier für die Fassade der Zukunft zu entwickeln. Und das Potenzial ist groß: Fassaden können nachhaltige Energie erzeugen und speichern, Resilienz gegen den Klimawandel aufbauen, das Leben der Menschen verbessern und das Wohlbefinden in und außerhalb der Räume steigern. Der Einsatz langlebiger oder CO2-neutraler Baustoffe ist zudem unverzichtbar.

Erster Smart Locker im Viertel Zwei in Wien

Smarte Lösung  Rund um die Uhr, kontaktlos und bequem Pakete liefern lassen? Die MYFLEXBOX, ein von der Salzburg AG entwickeltes Netzwerk von smarten Abholstationen, machts möglich. Aber nicht nur die Zustellung von Paketen lässt sich bequem über den ersten Smart Locker im Wiener Viertel Zwei abwickeln, sondern es ist auch möglich, Gegenstände, Wertsachen sowie Produkte zeitunabhängig an Dritte zu übergeben oder aufzubewahren. Aktuell hat MYFLEXBOX insgesamt 2.000 Schließfächer an Standorten in Salzburg, Klagenfurt, Wien und Wien Umgebung. Graz, Linz und Innsbruck folgen bis Ende 2021. Die Abholstationen befinden sich an wichtigen Verkehrsschnittstellen, in Wohnsiedlungen oder bei Nahversorgern.

Spezielle COVID-19-Funktionen im Einsatz

Sicherheitsmanagement  Für mehr Sicherheit in und um das Gebäude des gewerblichen Immobilienanbieters Westminster Property Ventures (PV) aus London sorgen Lösungen von Genetec. Der führende TechnologieAnbieter für vereinheitlichtes Sicherheitsmanagement, öffentliche Sicherheit und Business Intelligence nutzt die bestehende Video- und Zutrittskontrollinfrastruktur von Westminster PV. So sammelt beispielsweise das Entscheidungsunterstützungssystem Genetec Mission Control die Daten tausender Sensoren und Sicherheitsendgeräte und wertet diese aus, bevor das Sicherheitspersonal zu Routineaufgaben oder unvorhergesehenen Ereignissen entsandt wird. Im Zuge der Pandemie kommt nicht nur die Zutrittskontrolllösung Genetec Security Center Synergis zum Einsatz, sondern auch eine Auslastungsmanagement-Funktion.

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www.beckhoff.com/building Das ganze Gebäude zukunftssicher im Griff: Mit der integralen Gebäudeautomation von Beckhoff implementieren Sie eine PC-basierte Steuerungslösung, mit der Sie heute schon an den nachhaltigen Betrieb von morgen denken. Alle Gewerke der TGA werden von einer einheitlichen Hard- und Softwareplattform gesteuert: Ganz gleich, ob es um die nutzungsgerechte Beleuchtung, die komfortable Raumautomation oder die hocheffiziente HLK-Regelung geht. Die Steuerungslösung besteht aus leistungsstarken Industrie-PCs, Busklemmen zur Anbindung aller Datenpunkte und Subsysteme sowie der Automatisierungssoftware TwinCAT. Für alle Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung, die das Engineering enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen oder -änderungen sind jederzeit möglich. Die Systemintegration erfolgt über die gängigen Kommunikationsstandards Ethernet, BACnet/IP, OPC UA oder Modbus TCP.

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Top Deal ImFokus

Novomatic Forum geht an LNR Projektentwicklung Erfolgreich verkauft. Für rund 25 Millionen Euro wechselt das Gebäude zwischen Karlsplatz und Naschmarkt den Besitzer. „Forum an der Wien“ soll es ab jetzt heißen.

Beliebte Veranstaltungslocation

Der Glücksspielkonzern Novomatic hat sein „Forum“-Gebäude gegenüber der Wie-

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ImmoFokus

ner Secession für rund 25 Millionen Euro verkauft. Käufer ist Lukas Neugebauer, Geschäftsführer der LNR Projektentwicklung. Der Glücksspielkonzern hatte die ehemalige Zentrale des Verkehrsbüros 2007 um rund zehn Millionen Euro erworben. Im Novomatic-Forum fanden viele verschiedene Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel Podiumsdiskussionen zu Compliance & Corporate Governance, Charity Veranstaltungen und Kunstevents. Bereits vergangenen Sommer gab es Gerüchte, dass sich die Novomatic von dem Gebäude trennen will. Da man sich zukünftig stärker auf das Kerngeschäft ausrichten will, entschloss man sich zur Veräußerung des Art-Deco-Gebäudes, das 1922 bis 1923 von den

Otto-Wagner-Schülern Hermann Aichinger und Heinrich Schmid errichtet wurde.

Start unter neuem Namen

Das Novomatic Forum wird vom neuen Eigentümer unter einem anderen Namen fortgeführt. „Forum an der Wien“ soll es ab sofort genannt werden, der alte Schriftzug wurde bereits vom Gebäude entfernt. Der neue Name spielt auf den Wienfluss an, auf dessen Überplattung das Forum errichtet wurde. Veranstaltungsort soll das Forum allerdings bleiben, die oberen Stockwerke werden als Büros vermietet werden. Damit bleibt das Forum als Dialogplattform für Wirtschaft, Kunst, Kultur und Wissenschaft bestehen. Auch der eine oder andere Charityevent wird am Verkehrsknotenpunkt Karlsplatz wohl wieder stattfinden.

Foto: Thomas Meyer Photography

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ls einer der größten GamingTechnologiekonzerne der Welt konzentrieren wir uns auf unsere internationale Ausrichtung sowie auf unser Kerngeschäft, das neben der Produktion von Glücksspielgeräten auch den weltweiten Betrieb von Spielstätten umfasst“, erklärt Johann Graf, Gründer und Alleinaktionär der Novomatic. „Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, das prestigeträchtige Haus – das Novomatic Forum – zu veräußern. Wir freuen uns jedenfalls, dass das Haus auch weiterhin ein Ort der Begegnung bleiben und für Veranstaltungen zur Verfügung stehen wird.“


Advertorial

Nachhaltigkeit größer gedacht: Smart Cities Teil der Lösung. Zu den drängendsten Fragen heutiger Städte gehören Energie- und Ressourcenknappheit. Eine nachhaltigere Bauwirtschaft bedeutet aber viel mehr als nur „grüne Gebäude“. Smart Cities sind in der Lage, diese Herausforderungen zu bewältigen.

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Fotos: Nussmüller Hohensinn Lorenz; Klaus Ranger

ür den Begriff der „Smart City“ gibt es viele Beschreibungen. Im Kern dreht sich alles um den intelligenten Einsatz von Ressourcen. Digitale Anwendungen sammeln Daten, werten diese mithilfe von Algorithmen aus und verbessern im Zusammenspiel mit moderner Techno­logie die Lebensqualität der Bewohner.

Führungsrolle bei Smart Cities

Sehr weit fortgeschritten mit der Entwicklung der „intelligenten“ Stadt ist die steirische Landeshauptstadt. Dank der frühzeitigen Beteiligung an My Smart City Graz mit einem Wohnprojekt baut die ERSTE Immobilien KAG

ihre Führungsrolle in diesem Bereich aus. „Ballungsräume können nicht einfach nur wachsen, sie müssen auch besser durchdacht werden“, erklärt Geschäftsführer Peter Karl. „Aber dazu müssen wir Nachhaltigkeit viel größer denken.“

Pionier bei Nachhaltigkeit

Seinen Ausführungen zufolge liegen die Vorteile auf der Hand. „Mit entsprechender Technik kann eine Straßenlaterne die Schadstoff­belastung messen oder zum Ladepunkt für Elektrofahrzeuge werden. Sensoren können die Wasser- und Energieversorgung effi­zienter machen, oder Heizung, Licht und

My Smart City Graz: Hier entsteht ein nachhaltiger Wohn- und Arbeitsstandort mit hoher Lebensqualität. Die ERSTE Immobilien KAG zählt zu den ersten Investoren.

„Nur nachhaltige Gebäude sind smart.“ Mag. Peter Karl, Geschäftsführer (CEO) ERSTE Immobilien KAG Türan­lagen steuern. Im Zusammenspiel mit einer energieeffizienten Bauweise lassen sich Klimaschutzziele viel leichter erreichen als mit der Optimierung von Einzelgebäuden, ist der als Nachhaltigkeitspionier bekannte CEO überzeugt. Auf diese Weise könnte die Wohnungswirtschaft zum großen Klimaschützer werden. Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung. Bitte beachten Sie, dass eine Veranlagung in Wertpapiere neben den geschilderten Chancen auch Risiken birgt. Der „Prospekt und Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ und die Wesentliche Anlegerinformation/KID werden entsprechend den Bestimmungen des Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz (AIFMG) BGBl. I Nr. 135/2013 iVm dem ImmoInvFG BGBI. Nr. 80/2003 idjF erstellt und im „Amtsblatt zur Wiener Zeitung“ veröffentlicht. Die Prospekte in deutscher Sprache sowie das Datum der letzten Veröffentlichung liegen am Sitz der ERSTE Immobilien KAG (Emittentin, Am Belvedere 1, 1100 Wien) sowie der Erste Group Bank AG (Depotbank bzw. Verwahrstelle) kostenlos auf.

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ImmoFokus.Rubrik Immobilie ImFokus

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Der Varso Tower entsteht im Warschauer Stadtbezirk Wola an der Ulica Chmielna, Ecke Aleja Jana Pawła II. Investor ist die polnische Niederlassung der HB Reavis aus der Slowakei, als Architekten sind Foster + Partners federführend. Der Baubeginn erfolgte 2016, die Fertigstellung ist 2022 geplant.

Der Varso Tower wird mit seinen 310 Metern eines der höchsten Gebäude Europas und nach Fertigstellung das höchste Bauwerk in Polen sein. Panorama-Aufzüge, die mit 8 m/s fahren, führen dann zu zwei öffentlichen Dachterrassen mit spektakulären Ausblicken auf die Warschauer Skyline aus 205 und 230 Metern Höhe.

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Der Großteil des Gebäudes ist bereits mit einer vier Meter hohen Glasfassade verkleidet, die eine Flut von natürlichem Licht auf die großzügigen Bodenflächen leitet. Der Varso Tower kombiniert nachhaltiges Design mit Energiespar-, Sicherheitsund Komfort-Aspekten und hat dafür BREEAMund WELL-Zertifizierungen erhalten.

1.500

Doka liefert die maßgeschneiderte Schalungslösung für den Tower. Dabei kommen die Selbstkletterplattform Super Climber SCP, 1.500 Quadratmeter Element-Deckenschalung Dokadek 30, das Tischhubsystem TLS und das Schutzschild Xclimb 60, 1.600 Quadratmeter Rahmenschalung Framax Xlife und die Selbstkletterschalung SKE 100 plus zum Einsatz.

Der gesamte Gebäudekomplex „Varso Place“ erstreckt sich über eine Geschossfläche von 144.000 Quadratmeter. Er entsteht mitten im Stadtzentrum, unweit des Kultur- und Wissenschaftspalasts, und bietet ein Restaurant sowie eine Aussichtsplattform mit Panoramablick über Warschau.

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Der Büroturm ist Teil eines Gebäudekomplexes aus drei Türmen. Die Planung der beiden niedrigeren Gebäude, die zuerst fertiggestellt werden sollen, stammt von HRA Architekci.

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ImmoFokus

70.000

Insgesamt umfasst der Tower 53 Stockwerke über und vier unter der Erde und etwa 70.000 Quadratmeter Bürofläche.

Fotos: HB Reavis, Doka, HRA Architekci

144.000


Advertorial

DIE WOHNKOMPANIE:  Vordenken statt Nachahmen. Innovativ. DIE WOHNKOMPANIE setzt bei ihren Projekten auf nachhaltige, innovative Konzepte, die sowohl für Bewohner als auch Investoren attraktiv sind.

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ich Zeit zum Nachdenken nehmen und Projekte so planen und umsetzen, dass diese individuell zum Standort und den Nutzern passen – das ist das Erfolgsgeheimnis der WOHNKOMPANIE, die zu einem der wichtigsten heimischen Wohnbauträger am österreichischen Markt herangewachsen ist.

Roland Pichler: „Wir haben uns lange mit dem Thema Holzbau auseinandergesetzt. Es war für uns vollkommen klar, dass, wenn wir ein derartiges Vorhaben umsetzen, es zu 100 % stimmig sein muss. Das Holz soll daher zu sehen und zu spüren sein. Es sollen möglichst viele Vollholzelemente eingesetzt werden, die vorgefertigt auf die Baustelle geliefert werden.“

DI Roland Pichler, Geschäftsführer von DIE WOHNKOMPANIE, sieht darin auch einen der entscheidenden Vorteile seines Unternehmens: „Vielleicht sind wir manchmal nicht die Schnellsten beim Umsetzen eines Projekts. Wir sind nun einmal erst zufrieden, wenn wir alle Standpunkte betrachtet haben und diese in unser Projekt einfließen lassen konnten. Für jeden Negativpunkt wollen wir eine Lösung erarbeitet haben, die zunächst für uns intern und in weiterer Folge für unsere Kunden optimal ist.“

Durch diese Konstruktionsweise entstehen weitere positive Effekte: Die zukünftigen Bewohner und Bewohnerinnen erhalten ein Zuhause, das nicht nur nachhaltig, sondern gleichzeitig auch schadstofffrei ist. Die Belastungen der Anrainer, auch aufgrund des Baustellenverkehrs, werden durch eine verkürzte Bauweise gering gehalten.

Dass diese Herangehensweise eine erfolgreiche ist, beweisen die bereits erhaltenen ÖGNI Zertifizierungen sowie die Vorzertifizierungen – ein wesentlicher Faktor bei Investorenprojekten.

Foto: Kurt Hörbst

„Es ist zugegebenermaßen eine Leidenschaft, wenn man so will. Das Gute ist uns oft nicht gut genug, es muss immer einen ‚next step‘, eine Weiterentwicklung geben“, so Roland Pichler weiter. Wie dieser nächste Schritt aussehen kann, verdeutlicht das Projekt Klederinger Straße in Wien Oberlaa, das als erstes Holzbauprojekt der WOHNKOMPANIE umgesetzt wird.

„Aus architektonischer Sicht – ein weiterer Aspekt, der für uns wichtig ist – werden die zwei Baukörper mit ihren 38 Wohneinheiten ganz deutlich als Holzbau erkennbar sein. Damit gliedert sich das Projekt harmonisch in die Umgebung des alten Straßendorfs mit seinen Grünflächen ein“, erklärt Roland Pichler. Ein großzügiger Gemeinschaftsgarten, ergänzt durch private Freiflächen, die direkte Anbindung an den Eurovelo Radweg und die Nähe zur U-Bahn-Station Oberlaa ergänzen das nachhaltige Angebot. Roland Pichler: „Als Wohnbauträger nehmen wir mit diesem Projekt sicher eine Vorreiterrolle in Wien ein. Uns ist es wichtig zu zeigen, dass sich Nachhaltigkeit nicht nur auszahlt, sondern eine echte Zukunft hat. Idealerweise soll es sich auch rechnen.“

Symbolfoto: Architektur nonconform zt gmbh

Über DIE WOHNKOMPANIE DWK Die Wohnkompanie GmbH entwickelt als inhabergeführter, unabhängiger Wohnbauträger nachhaltige urbane Lebensräume. Der Fokus liegt dabei in der Realisierung freifinanzierter, nachhaltiger Wohnbauprojekte. Als Tochterunternehmen der Zech Group – eines der stärksten Bau- und Immobilienunternehmen Deutschlands – steht DIE WOHNKOMPANIE für umfassende Kompetenz im Wohnungsbau, einzigartige Expertise und sichere Bonität. www.wohnkompanie.at www.zech-group.com

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Aufsteiger Absteiger

Zielstrebig nach oben Bilderbuchkarriere. Mit nur 37 Jahren übernimmt Andreas Millonig nach zehn Jahren im Unternehmen die operative Geschäftsleitung von Roland Schmid, Gründer und CEO der IMMOunited, und damit die Position des Chief Operations Officer (COO).

2 2009

Millonig schließt das Studium mit Spezialisierung auf Innovationsmanagement, Organisations-, Personal- und Managemententwicklung und Produktions-, Logistik- und Umweltmanagement ab und ist bei der Forschungsförderungsgesellschaft als ProgrammManager „Talente“ sowohl für den Aufbau und die Betreuung des Key Account Managements als auch für strategische Kundenkontakte und Multiplikatoren zuständig.

4 2012

Der erste Karriereschritt innerhalb des Unternehmens erfolgt. Millonig steigt ins Business Development auf und verantwortet die Einarbeitung von Businessthemen in das Produktdesign, die Steuerung der Produktentwicklung aus Business-Sicht sowie Marktanalysen.

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5 2013

Millonig zeichnet als Prokurist von IMABIS (Roland Schmid Group) verantwortlich und übernimmt die operative Geschäftsleitung.

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2 1 3 2011

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ImmoFokus

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Der Meilenstein für seine Karriere: Millonig beginnt bei IMMOunited (Roland Schmid Group) als Key Account Manager. Er ist für den Aufbau des Bankensektors als maßgebliche Zielgruppe für das Unternehmen, für Vertragsgestaltung und Vertragsverhandlungen auf Geschäftsführungs- und Vorstandsebene zuständig.

7 2021

Der Sprung an die Spitze: Millonig übernimmt die operative Geschäftsleitung von Roland Schmid, Gründer und CEO der IMMOunited, und damit die Position des Chief Operations Officer (COO). In dieser Position verschreibt sich der Datamining-Experte weiterhin der Digitalisierung.

6 2018

Als enger Vertrauter von Roland Schmid wird er zum Chief Innovation Officer bei IMMOunited bestellt. Er beginnt, den Innovationsbereich aufzubauen und Potentiale und Risiken durch die Digitalisierung zu screenen. Erste Prototypen werden konzeptioniert.

Foto: IMMOunited

1 2003

Andreas Millonig beginnt sein Studium der Angewandten Betriebswirtschaftslehre an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. 2007 macht er ein Auslandssemester an der Chung Ang University in Südkorea.


Problemlöser ImFokus

Andreas Hirtl

Experte Österreichische Energieagentur

1. DAS PROBLEM

Die Gebäude in der EU sind für rund 40 Prozent des Energieverbrauches und 36 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Ziel der EU ist es, die CO2-Emissionen des Gebäudesektors um rund 90 Prozent zu senken. Dabei spielt die thermische Sanierung eine wesentliche Rolle – doch dafür braucht es beträchtliche Investitionen.

2. DIE LÖSUNG Thermische Sanierung spielt eine wesentliche Rolle, um den Energieverbrauch der Gebäude in Europa deutlich zu senken. So erreicht man auch eine Reduktion der CO2Emissionen, da die eingesetzte Energie derzeit zu einem großen Teil aus fossilen Brennstoffen wie Öl oder Kohle stammt. Mehr sanierte und energieeffiziente Gebäude bedeuten aber auch eine Verbesserung der Lebensqualität von tausenden Bürgern in Mittel- und Osteuropa.

Foto: FinEERGo-Dom

Im Rahmen des EU-Projekts FinEERGo-Dom wird ein Finanzierungsmechanismus entwickelt, der große Investitionen in die Gebäudesanierung ermöglichen wird. Ziel ist es, in den sieben teilnehmenden Ländern innerhalb von vier Jahren 340 Millionen Euro an Investitionen

auszulösen, 1,5 Millionen Quadratmeter zu renovieren und damit pro Jahr 160 GWh Energie einzusparen. Ein Kerninstrument von FinEERGoDom ist die Onlineplattform SUNShINE. Diese ist darauf ausgelegt, jede Transaktion von der ersten Idee bis zur Finalisierung zu verfolgen und gleichzeitig ein Höchstmaß an rechtlicher und finanzieller Sicherheit und Transparenz zu gewährleisten. Die Österreichische Energieagentur setzt das Projekt FinEERGo-Dom, das von der EU im Rahmen des Horizon2020-Programms finanziert wird, gemeinsam mit neun Partnerorganisationen aus sechs weiteren Ländern (Polen, Lettland, Bulgarien, Niederlande, Rumänien und Slowakei) um.

160 DIE ZAHL Im Rahmen des Projekts sollen 1,5 Millionen Quadratmeter renoviert werden. So können pro Jahr 160 GWh an Energie eingespart werden. Das entspricht dem Strombedarf von rund 45.700 Haushalten.

https://fineergodom.eu

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Positionen & Meinungen

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EXPANSION

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ImmoFokus

RECHTSGUTACHTEN Viele Pächter und Mieter sind mit Forderungen von Vermietern und Verpächtern bis hin zu Räumungsklagen konfrontiert. Ein Gutachten soll Klarheit bringen. Doch bei vielen Betrieben sind die finanziellen Reserven bereits ausgeschöpft. 76

DIGITALISIERUNG Dank intelligenter Systeme reagieren Aufzugsfirmen und lassen Störungen beheben, bevor sie auftreten, Roboter werden in der Montage eingesetzt und Displays zeigen Informationen und Werbung in Echtzeit. Ein Blick auf die Innovationen von Schindler.

Foto: Adobe Stock

Der COVID-19-Pandemie zum Trotz hält United Benefits Holding CEO Michael Klement am Wachstumskurs fest. Im Coverinterview erklärt er, warum er seinem Instinkt vertraut und welche ambitionierten Ziele er verfolgt.

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Positionen & Meinungen

Landmarks von morgen definieren Expansion. United Benefits Holding CEO Michael Klement hält - der COVID-19-Pandemie zum Trotz am Wachstumskurs fest: „Wichtig ist in dieser Phase, Chancen und Risiken konsequent zu evaluieren und auf seine Kompetenzen zu vertrauen.“ Das Gespräch führte: Michael Neubauer

Einige Unternehmen – nicht nur der Immobilienbranche – haben die COVID19-Pandemie unter anderem auch dazu genutzt, sich neu aufzustellen. Ist die neue Holding-Struktur ein Ergebnis derartiger Überlegungen? Michael Klement: Die Holding-Struktur geisterte schon seit längerer Zeit in unseren Köpfen herum. Sie stand schon bei Gründung zur Diskussion. Die Umsetzung wurde bisher wohl auch aus Kapazitätsgründen nicht früher in Angriff genommen. Wir wollten uns das genau überlegen. Mitte des vergangenen Jahres fiel dann der Startschuss: „Jetzt setzen wir die Holding-Struktur um. Jetzt sind wir groß genug.“ Mit der Holding schlagen wir ein neues Unternehmenskapitel auf: Die United Benefits Holding vereint mit Invester United Benefits (Development), Ekazent Management (Asset Management), Wealthcore Investment Ma-

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ImmoFokus

nagement (Fondsmanagement) sowie United Benefits Capital (Institutional Funds Sourcing) alle vier Unternehmensbereiche. Diese Neustrukturierung ist für uns der logische Schritt, um weiter wachsen zu können. Ist weiter wachsen angesichts der Pandemie ein realistisches Ziel? Noch sind die wirtschaftlichen Folgen auf nationaler wie internationaler Ebene kaum abschätzbar. Wir haben im letzten Jahr unsere gesetzten Ziele erreicht. Auch für 2021 haben wir unsere Erwartungen nicht nach unten revidiert. Wichtig ist in dieser Phase, Chancen und Risiken konsequent zu evaluieren und auf seine Kompetenzen zu vertrauen. Im Kern geht es um Wertsteigerung. Der Preis stimmt allerdings nur dann, wenn es Risken gibt, die wir beherrschen können. Darin haben wir – auch dank der beiden Gründer Franz Kollitsch und Erwin Krause – einige Übung und Erfahrung.


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Fotos: Richard Tanzer


Positionen & Meinungen

„Unser Ziel sind Assets under Management in der Höhe von fünf Milliarden Euro. Aktuell haben wir knapp zwei.“

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ImmoFokus

Neben dem Verkauf des Hilton Hotels, einer der größten Immobilientransaktionen innerhalb Europas im Jahr 2019, wurden auch die Y-Towers im Amsterdamer Stadtzentrum verkauft. Mit einem Volumen von 460 Millionen Euro war das Projekt eines der größten Bauvorhaben in den Benelux-Staaten. Derzeit realisieren wir mit „Lavater 2“ und „Wohngarten“ zwei Projekte in den Wiener Bezirken Simmering bzw. Donaustadt. Zudem


verwalten wir auch zwei Designeroutlets – neben jenem in Parndorf auch das gleichartige Freeport Fashion Outlet im tschechischen Chvalovice. Unser Ziel sind Assets under Management in der Höhe von 5 Milliarden Euro. Aktuell haben wir knapp zwei. Sportliche Ziele in einer Krisenzeit. Einige Marktteilnehmer wollten von Problemen beim Projekt Hotel Hilton wissen. Die asiatischen Investoren wollten nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie nachverhandeln. Der Deal sei knapp vor dem Platzen gestanden. Ein Gerücht. Geredet wird viel. Aber: Fleiß und Glück kombiniert sich gern. Wir haben Ende 2019 alle unsere Hotelprojekte zum Exit bringen und verkaufen können – darunter auch das Hilton. In Summe ein guter Deal. Um 200 Millionen ge- und um 370 Millionen verkauft. Es war ein aufregendes, ein herausforderndes Projekt. Wie schon gesagt. Wir haben Chancen und Risiken konsequent evaluiert und auf unsere Kompetenzen vertraut. Herausfordernd war, dass wir das Hotel noch während des Refurbishments verkauft haben. Viele Materialien haben wir aus dem Ausland bezogen, aber wir haben alles zeitgerecht umgesetzt – trotz Pandemie. Darüber sind wir sehr froh. Wie hat sich die Krise bislang auf Ihr Unternehmen ausgewirkt? Die durch die Pandemie entstandenen Mehrkosten halten sich in Grenzen. Auch die damit verbundenen Verzögerungen waren zu verkraften. Bei Neubauprojekten sind die Verzögerungen durch Home-Office-Regelungen und den Wegfall von Präsenz-Terminen deutlicher spürbar. Am schwersten hat uns die Pandemie im Einzelhandel getroffen. Mit 300.000 Quadratmetern sind wir der größte Einzelhandels-Manager in Österreich. Die oft kurzfristigen Änderungen waren durchaus herausfordernd. Das war in den letzten Wochen und Monaten nicht mehr ganz ideal. Hoffen wir, dass das besser wird.

Wie sind Sie mit Ihren Mietern umgegangen? Jeder einzelne Fall wurde individuell geprüft. Wir leben und lieben das Center-Management. Center-Management ist eine unserer Kernkompetenzen. Darum haben wir vor viereinhalb Jahren nicht nur das Ekazent-Portfolio gekauft, sondern auch das Management übernommen. Meine Center- und Asset-Manager im Retail-Bereich haben sicher momentan den schwierigsten Job. Wir haben mit den meisten Mietern individuelle Vereinbarungen getroffen. Es gab aber auch Anlassfälle, wo wir auf

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Positionen & Meinungen

„Die Auswirkungen der Pandemie werden sich wohl frühestens Ende dieses Jahres erkennen lassen.“

unser Recht und auf unsere Miete bestanden haben. Das muss man auch ganz klar sagen. Was unterscheidet Sie von anderen Developern? Wir verstehen uns als unabhängiger Dienstleister, der sämtliche Services und Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette einer Immobilieninvestition anbieten kann. Wir sind nun in der Lage, sämtliche Prozesse und Dienstleistungen zentral und noch effizienter steuern und verwalten zu können. Wir wollen Landmarks von morgen definieren und unser Wachstum vorantreiben. Mit unseren Büros in München und in Frankfurt ist der logische und konsequente Schritt, in Deutschland ein signifikanter Player am Markt zu werden. Wir haben bereits Asset Management Mandate in Bayern

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ImmoFokus

und ein weiterer Fonds der Wealthcore für Süddeutschland mit ersten Kapitalzusagen ist in Auflage. In Österreich bleibt der Fokus auf Wien, aber auch in Graz haben wir die erste Immobilie im Ankauf. Heuer wollen wir auch die Bauabwicklung für knapp 1000 neue Wohnungen starten. Unser Asset Manager, die Ekazent Management, hat 2021, neben ihrer langjährigen Erfahrung rund um Gewerbeimmobilien, mit dem aktiven Asset Management und Vertrieb von Wohnimmobilien gestartet. Bleiben Wohnimmobilien der Megatrend? Definitiv! Der Lebensraum steht immer im Fokus und die demographische Entwicklung wird durch die Corona-Situation eher einen Boost erleben! Die Asset-Klasse Wohnen ist gerade in unsicheren Zeiten eine der, wenn nicht die sicherste Investitionsmöglichkeit. Die Niedrigzinspolitik und die Unsicherheit

in den alternativen Asset-Klassen werden die Preisfindung nochmals verändern. Wir sind im Bereich Mietwohnbau sehr aktiv und man merkt in der Vermarktung, dass die Nutzer keine Abstriche bei Grundrissen, Freiflächen, Lagen und Gesamtkosten machen möchten. Gewerbeimmobilien sind stark unter Druck gekommen und die Auswirkungen werden sich wohl frühestens Ende dieses Jahres erkennen lassen. Die Zeiten, in denen man bei Wohnbauprojekten nichts falsch machen konnte, sind vorbei. Wer in den letzten Jahren keine groben Schnitzer gemacht hatte, musste in der Branche einfach erfolgreich sein. Seit der Gründung von Invester United Benefits befand sich der Immobilienmarkt in Hochkonjunktur. Die wachsende Nachfrage nach Wohn- und Lebensraum spiegelt sich nicht


Michael Klement

nur in den zahlreichen Stadtprojekten, sondern auch in der Entwicklung der Immobilienpreise wider. Leistbares Wohnen – ein heiß diskutiertes Thema. Lässt sich leistbares Wohnen in Wien noch realisieren? Wir sind sehr spät in den Wohnbau eingestiegen. Wir kommen ja eigentlich aus der Gewerbeimmobilie. Aber auch bei der AssetKlasse Wohnen gilt: Chancen und Risiken konsequent evaluieren und auf die eigenen Kompetenzen vertrauen. Mit dem Projekt errichten wir ein Landmark für urbanes Wohnen im aufstrebenden Bezirk Simmering. Es ist nicht nur ein Herzensprojekt für uns, sondern auch das aktuell größte Wohnbauprojekt im Bereich Mietwohnungen in Wien. Keiner hat uns das zugetraut – kein anderer aber wollte das Projekt haben. Wien Simme-

... absolvierte ein Magisterstudium der Rechtswissenschaften und ein Magisterstudium in Immobilienwirtschaft, bevor er seine Karriere als Asset- und Investmentmanager begann. Nach Führungs­ positionen bei Europolis, CA Immo und Signa stieß er gleich zu Gründungsbeginn 2016 zu Invester. Seit Oktober 2018 ist er dort als CEO tätig, seit 2021 steht er auch als CEO an der Spitze der United Benefits Holding.

ring – da will keiner wohnen. Die Nachfrage straft aber die Prognosen Lügen. Bis Ende 2021 schaffen wir modernen Wohnraum für bis zu 1800 Menschen. Unser Fokus wird auch zukünftig stark auf urbanem und modernem Wohnen liegen. Es ist unser Ziel, zeitgemäßen Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen. Der Wohngarten ist ein Zeichen, dass wir uns schwierige Projekte gerne antun. Die Zeiten

des spekulativen Bauens – egal wo, Hauptsache Wien steht drauf –, in denen die Einkaufspreise keine Rolle gespielt haben, die sind endgültig vorbei. Bis jetzt sind auch Projekte, die nicht ganz durchdacht waren, immer durch einen Verkauf bzw. Exit aufgefangen worden, weil auch die Preise mitgegangen ist. Jetzt rückt eine 10-Jahres-Betrachtung wieder verstärkt in den Vordergrund. Mieten müssen nicht nur jetzt, sondern auch in zehn Jahren bezahlt werden können.

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Positionen & Meinungen

Die neue Unternehmensstruktur:

Projekt Wohngarten

Wo sehen Sie hier Obergrenzen? Eine Gesamtmiete unter 1200 Euro ist unser Ziel. 70-, 80- 90-Quadratmeter-Wohnungen mit Bruttomieten von 1800 bis 1900 Euro sehe ich mittelfristig mehr als schwierig an. Wie wird die COVID-19-Pandemie die Ansprüche an Wohnen verändern? Ich bin kein Experte für Demographie. Es ist aber davon auszugehen, dass sich der Zuzug nach Wien verlangsamt, auch wenn die Schätzungen deutlich variieren. Die Rede ist von einem Zuzug von 12.000 bis 18.000 Personen pro Jahr.

mehr auf Energieeffizienz setzen. Eine Folge der Pandemie ist auch, dass das Thema Nachhaltigkeit Gott sei Dank nun auch den Wohnbau erreicht hat. Aber werden sich die Grundrisse ändern? Sicher. Home-Office ist aber nicht nur eine Frage der Räumlichkeiten, es ist auch eine Frage der Ausstattung, der Anbindung an wirklich schnelles Breitbandinternet. In jedem Projekt lassen sich in den ohnehin schwer zu bespielenden Sockelzonen zumietbare Home-Office Flächen schaffen, zum Beispiel mit Kojen. Derartige Flächen werden gerade in zwei Projekten von uns eingeplant.

Dazu kommen noch einige offene Fragen, deren Antwort wir erst in einigen Jahren wirklich kennen werden. Wenn ich als Student oder Mitarbeiter drei oder vier Tage im Home-Office bin, ist die Frage durchaus legitim, ob ich nicht im Waldviertel bleiben kann. Brauche ich dafür einen Zweitwohnsitz in Wien, der mich Monat für Monat 1000 Euro kostet?

Was sich sicher auch ändern wird, sind die Freiflächen. Einen Balkon vorne dranhängen, 80 Zentimeter tief und zwei Meter lang, der ehrlich gesagt nicht nutzbar ist, nur um in der Vermarktung das Argument Freiflächen nennen zu können, das ist zu wenig. Auch hier werden die Ansprüche höher.

Eines aber ist klar: Wohnungen werden immer gebraucht – vor allem in Wien. Wohnungen mit Freiflächen. Wohnungen, die ein bisschen

Weil wir jetzt lange über das Thema Wohnen gesprochen haben. Retail und Office sind nicht tot, wie manchmal geschrieben wird.

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Wir schließen auch aktuell Büro nicht aus. Zugegeben, Office und Retail sind momentan wahrscheinlich eine Spur schwieriger. Aber was ist schwierig? Eine gute Immobilie, das heißt, wo Konzeption und Lage passen, habe ich auch während und nach der Lehman-Krise noch nie scheitern gesehen. Dasselbe gilt für die Asset-Klasse Hotel. Aktuell entwickeln wir am Wiener Hauptbahnhof das erste „prizeotel“ Österreichs für die REZIDOR Hotelgruppe. Der Standort ist top: Exzellente Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr und die Nähe zum Stadtzentrum. So machen Hotelprojekte auch heute Spaß. Was sich ändern wird, sind die Pachtverträge: Ich glaube, dass diese Fixpachtthemen, die in den letzten fünf, zehn Jahren nicht so wichtig waren, mit einer klaren Umsatztangente schwierig werden. Ich glaube, dass die Fixpacht schwierig wird. Zurück zum Thema Nachhaltigkeit: Ich trete hoffentlich jetzt in kein Fettnäpfchen. Aber aus meiner Sicht ist das Einfamilienhaus Umweltschädling Nummer 1. In Deutschland denkt man sogar über ein Verbot nach.

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Positionen & Meinungen

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mit Kellnern im Wirtshaus meiner Eltern.

Sie treten in kein Fettnäpfchen. Genau diese Diskussion habe ich mit meiner Frau geführt. Wir haben in Wien-Liesing gebaut. Ich wollte dort eigentlich immer in eine Wohnung. In der Regel sind wir am Wochenende und im Urlaub nicht in Wien. Ich weiß auch nicht, wie lange die Kinder bei uns sind. Vielleicht ziehen sie mit 18 aus und sind weg. Wie sehen Sie Passivhäuser generell – und im Wohnbau speziell? Beim Passivhaus muss man aufpassen. Da kommt es entscheidend auf den Nutzer an. Wie stellt man die Heizkurven an, wie lüftet man richtig. Ohne Commitment der Bewohner zu einem adäquaten Verhalten kann ein Passivhaus zum Bumerang werden. Eine Zeitlang wurden viele Passivhäuser gebaut – das war wohl eher ein Förderungsthema. Im Wohngarten werden rund 1800 Bewohner leben. 1800 Personen, die im Falle eines Passivhausstandards ihre liebgewonnenen Gewohnheiten ändern müssten. Das kann nicht gut gehen. Das fängt schon bei der Heizung an. Thema Fußbodenheizung versus klassische Heizung mit Radiatoren. Wenn man’s nicht gewohnt ist, hat man das Gefühl, es heizt nicht. Der Passivhausstandard ist im Mehrgeschosswohnbau schwer umsetzbar. Was aber sicher kommen wird, sind dezentrale Energieversorgungen. Stichwort Geothermie? Unter anderem auch Geothermie. Wir beschäftigen uns schon lange mit dem Thema dezentrale Energieversorgung. Ein eigener Energie-Think-Tank unter der Leitung von Franz Kollitsch beschäftigt sich mit diesem Thema.

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Aber treiben nicht Lösungen wie zum Beispiel Geothermie die Baukosten nach oben? Allein auf die Baukosten schauen – diese Zeiten sind vorbei. Wir müssen umdenken. Wir müssen weiterdenken. Unterm Strich sind es Planungskosten, die das Budget belasten. Beim ersten Mal ist der Aufwand sicher höher. Wenn man das fünf Mal gemacht hat, ist es das sechste Mal nicht mehr der Aufwand. Das spielt sich ein. Wie bei der BIM-Planung? Ich bin kein Techniker. Aber für mich ist die BIM-Planung ein Muss. Da führt kein Weg daran vorbei – an BIM, an echter integraler Planung. Wenn ich allerdings nur animierte Architektenplanung bekomme, sehe ich aktuell den Mehrwert nicht. BIM muss den ganzen Zyklus abbilden. Das Planen dauert zwei, das Bauen vielleicht weitere zwei Jahre. Dann wird das Gebäude fünfzig, siebzig, achtzig Jahre genutzt. Wohnungen werden nicht nur gemietet, sie werden genutzt. Es geht um smarte Planung. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Wir haben die Grundrisse den Bedürfnissen der durchschnittlichen Nutzer anzupassen. Wo kauft er ein? Beim Leiner, beim Lutz, bei IKEA oder beim Möbeltischler. Wir haben uns bei der Grundrissplanung für schwierige Ecken und Nischen auf IKEA-Maße geeinigt. Ob das richtig ist oder nicht, wissen wir noch gar nicht. Eines ist aber klar: Wir wollen dem Mieter den Weg zum Möbeltischler – und damit auch ein paar tausend Euro – ersparen. Das alles führt dazu, dass dem Thema technische Projektentwicklung in Zukunft ein

Wenn Sie das Radio im Auto aufdrehen, was läuft?

Superfly

Mit welcher Person (lebend oder bereits verstorben) würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Diego Maradona

Ihr Lieblingshobby?

Kochen


WORDRAP MIT MICHAEL KLEMENT Meinen Kaffee trinke ich am liebsten…

schwarz.

In den nächsten zehn Jahren möchte ich unbedingt…

gesund & bescheiden bleiben.

Morgen- oder Abendmensch?

Morgenmensch

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

TCM – für jeden Tag

Nehmen Sie gerne Risiko?

evaluierbares – jederzeit Wenn Sie zehn Millionen Euro im Lotto gewinnen würden, was machen Sie damit?

Mich an einem Weingut beteiligen und in Start-ups für Bildung investieren.

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Positionen & Meinungen

„Ein eigener EnergieThink-Tank unter der Leitung von Franz Kollitsch beschäftigt sich mit der Frage der dezentralen Energieversorgung.“

höherer Stellenwert zukommt. Grundstück und Architekt, mehr brauch ich nicht – das ist vorbei. Bei Micro-Wohnungen mit 35 Quadratmetern führt wahrscheinlich kein Weg daran vorbei? Sind Micro-Wohnungen angesichts steigender Grundstücks- und Baupreise der Weisheit letzter Schluss? Für temporäres Wohnen ja. Es wird immer einen Bedarf an Micro-Wohnungen geben. Studenten, als Übergangslösung nach einer Trennung – hier sehe ich einen Bedarf nach schnell verfügbaren Micro-Wohnungen. Aber mit Familie wird’s schwierig. Die Immobilienbranche steht in der Pflicht, Stichwort ESG und Taxonomie-VO. Ist die heimische Immobilienwirtschaft ausreichend darauf vorbereitet? Kommt die Nachhaltigkeitswende bei Immobilien? Dass die Immobilienbranche durch Errichtung, Bewirtschaftung, Umbau und Abriss einen großen Anteil zum globalen CO2-Ausstoß beiträgt und deshalb ein enormes CO2-Einsparpotenzial bietet, ist ein Faktum. Daher sollte Nachhaltigkeit, spätestens im Jahr 2021, in den Werten jedes professionellen Projektentwicklers verankert sein. Auch wirtschaftlich hat sich die Nachhaltigkeit bereits durchgesetzt und jeder der darauf, bewusst oder unbewusst, nicht gesetzt hat, wird einen Teil seines Profits

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im Exit abschreiben müssen. European Green Deal & EU-Taxonomie werden definitiv die neuen Trends und lösen endlich das Modewort Digitalisierung ab, das spätestens seit Corona überall angekommen ist. Immobilien Tokens – werden BlockchainNetzwerke die Immobilienwirtschaft verändern? Da wir bis dato ausschließlich mit institutionellem Kapital als Partner und Endinvestoren Erfahrungen hatten, gab es bisher noch keine Anknüpfungspunkte. Für zukünftige Kapitalstrukturen, neben der klassischen Struktur Fremdkapitel (beispielhaft Banken) und Eigenkapital, könnte ich mir eine solche Verbriefungsstruktur aber als alternative Finanzierungsmodelle vorstellen. In den nächsten 36 Monaten wird hier viel Bewegung in den Markt kommen. Aktuell sehe ich Immobilien Tokens mehr im privaten Bereich als Vermögensaufbau bzw. Diversifikationsmöglichkeit. Wie ist es, mit zwei starken Eigentümern im Nacken zu arbeiten? Ohne Kollitsch und Krause wäre Invester und jetzt die United Benefits Holding niemals so erfolgreich geworden. Neben dem starken Netzwerk, von dem das Unternehmen von Beginn an profitiert hat, sind es auch heute noch ihre Visionen und Detailanalysen, die als wichtiger Bestandteil des Unternehmens gelten.


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Positionen & Meinungen

Es geht um Liquidität §§ 1104, 1105 ABGB am Prüfstand. Wolfgang Binder, Berndt Querfeld und Alfred Nemetschke sind sichtlich erleichtert.„Das Gutachten von Univ. Prof. Dr. Brigitta Zöchling-Jud gibt uns in allen Punkten recht.“ Das Gespräch führte: Michael Neubauer

Auf den ersten Blick stärkt das von den Fachgruppen Gastronomie, Kaffeehäuser und Hotellerie in Auftrag gegebene Rechtsgutachten die Position von Mietern und Pächtern. Alfred Nemetschke: Das Gutachten ist wichtig und notwendig. Trotz aus unserer Sicht klarer Regelung im ABGB sind viele Pächter und Mieter mit Forderungen von Vermietern und Verpächtern bis hin zu Räumungsklagen konfrontiert. Insbesondere auch deshalb, weil der Gesetzgeber im Rahmen der COVID-19 Gesetzgebung keine ausreichende Klarstellung getroffen hat. Eines vorweg. Die Prüfung des Mietvertrages ist der erste Schritt. Die Bestimmungen der §§ 1104,1105 ABGB sind dispositiv – das heißt, die Bestimmungen sind nicht zwingend, sie können in einem Mietvertrag oder in einer Nebenabrede vertraglich abgeändert werden. Was sagen die §§ 1104, 1105 ABGB genau? Nemetschke: Gibt es keine anderslautenden Vereinbarungen, dann ist gemäß § 1104 ABGB kein Mietzins zu entrichten, wenn das Mietobjekt wegen „außerordentlicher Zufälle“ – das Gesetz nennt hier unter anderem Feuer, Krieg und Seuche – nicht gebraucht werden kann. § 1104 ABGB ist somit keine Schadenersatzoder Gewährleistungsbestimmung, sondern

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eine Gefahrtragungsregel; die Gefahr für „außerordentliche Zufälle“ wird dispositiv dem Vermieter zugewiesen. Andererseits ist eben auch keine der Vertragsparteien zu Schadenersatz oder Beseitigung des betreffenden Zustands verpflichtet: Der außerordentliche Zufall entbindet beide Parteien von ihren Pflichten. Auf den Punkt gebracht – keine Mietzahlung, keine Verantwortung für die Behebung der eingetretenen Situation. Die Annahme irgendwelcher Mitverschuldensaspekte scheidet daher ebenfalls von vornherein aus. Gleiches gilt sinngemäß für § 1105 ABGB, der für eine Einschränkung des Gebrauchs des Mietobjekts durch außerordentlichen Zufall eben einen verhältnismäßigen Mietzinserlass vorsieht. Auf den Punkt gebracht: § 1104 ABGB ist eine reine Gefahrtragungsregel, die die Gefahr für unter anderem Seuche und behördliche Eingriffe dem Vermieter zuweist. Unabhängig vom Geschäftszweck des vom Mieter im Mietobjekt ausgeübten Gewerbes oder Berufes. Die Eigentümer sehen dies aber oft anders. Wenn Unternehmer aber staatliche Unterstützung in Form eines Fixkostenzuschusses oder Umsatzersatzes bekommen – müssen Sie dann damit auch Miete zahlen.

Nemetschke: Nein. Ein „Stellvertretendes Commodum“ tritt gezielt an die Stelle eines untergegangenen Vermögenswertes eines Schuldners (zB die erwähnte Versicherungsleistung für untergegangene Sache, der Ersatzanspruch für untergegangene Sache, der Erlös aus Doppelverkauf). Davon kann aber bei einem Mieter in der „Lockdown-UmsatzersatzSituation“ keine Rede sein: Es geht durch den Lockdown kein mietvertraglich geschuldeter Vermögenswert eines Mieters unter, der durch den Lockdown-Umsatzersatz ersetzt würde. Auch hier teilt das Gutachten unsere Position, dass staatliche Unterstützungen keine Auswirkungen auf die zwischen Bestandnehmer und Bestandgeber geltende gesetzliche Rechtslage haben. Der Mieter/Pächter kann sich also auch dann auf §§ 1104 f ABGB gegenüber dem Vermieter/Verpächter berufen, wenn er staatliche Unterstützungsleistungen in Anspruch nimmt. Schon aus diesem Grund stellt daher ein „Lockdown-Umsatzersatz“ kein „Stellvertretendes Commodum“ in der Sphäre des Mieters dar: Mangels Untergangs einer Vertragsleistung des Schuldners (Mieters) kann eine erhaltene Förderung kein „stellvertretendes“ Commodum im Vermögen des Empfängers sein: Es gibt beim Schuldner in diesem Sinne nichts zu „ersetzen“.


Schuld an der strittigen Rechtsauslegung zwischen Vermieter und Mieter rund um Fixkostenzuschuss und Umsatzersatz ist das 2.COVID-19-JuBG (Justiz-Begleitgesetz). In dessen Entwurf gab es einen Hinweis auf das Mietminderungs- oder Befreiungsrecht, im Initiativantrag für das Gesetz finden sich diese Ausführungen nicht mehr. Stattdessen wird in den Erläuterungen ausgeführt, dass Fragen, wie etwa über Geschäftsraummieten und Pachtverträge, „auf Grundlage der bestehenden Gesetzeslage gelöst werden“ sollen. Gott sei Dank hat das Gutachten auch hier eindeutig Position bezogen.

Berndt Querfeld

treffen. Das müsste nicht sein. Bis zum 1. Lockdown haben wir immer pünktlich die Miete bezahlt – dabei geht es um einen hohen fünfstelligen Betrag pro Monat. Bedauerlicherweise gibt es aufgrund der fehlenden Bereitschaft der Vermieter zu einer gemeinsamen Lösungssuche derzeit keine Alternative zu einer gerichtlichen Klärung. Wir haben einen guten – auch rechtlich abgesicherten – Grund nicht zu zahlen. In der Krise ist es wichtig, ausreichend Liquidität im Haus zu behalten. Wir mussten das Café Landtmann, wie alle unseren anderen Betriebe auch, schließen und können das Mietobjekt daher nicht nutzen. Wir haben daher beschlossen, nur das Notwendigste zu zahlen. Unser Vermieter nennt das Mietzinsrückstand. Aus unserer Sicht sind wir aber nichts schuldig.

Fotos: Richard Tanzer

Ihr Fall wurde breit in den Medien diskutiert. Was ist der aktuelle Stand? Berndt Querfeld: Nach wie vor gibt es keine Gespräche. Wir werden einander vor Gericht

„Nach wie vor gibt es keine Gespräche. Wir werden einander vor Gericht treffen. Das müsste nicht sein.“

Zwischen den Zahlen lesen. www.tpa-group.at

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Positionen & Meinungen

Wolfgang Binder Der Fachgruppenobmann der Kaffeehäuser der Wirtschaftskammer Wien ist stellvertretender Obmann des Klubs der Wiener Kaffeehausbesitzer und Betreiber des Wiener Kaffeehauses Frauenhuber.

Wie sieht es an den anderen Standorten aus? Querfeld: Mit privaten Vermietern haben wir rasch eine Einigung erzielt. Probleme haben wir bei institutionellen Vermietern wie eben der Wlaschek Stiftung im Fall des Café Landtmann, einer anderen Stiftung im Fall Café Mozart und mit der Burghauptmannschaft beziehungsweise der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft. Letztere will sogar Anspruch auf einen Teil des Fixkostenzuschusses erheben. Ich sollte damit die Mieten bezahlen. Nemetschke: Wenn Betreiber den Fixkostenzuschuss 1 und/oder den Fixkostenzuschuss in Höhe von 800.000 Euro in Anspruch nehmen, dann sind diese, gemäß der Richtlinien zur Schadensminderung – genauer gesagt zur Kostenminderung – verpflichtet. Konkret bedeutet das, dass der Förderungswerber verpflichtet ist, Miet- oder Pachtzinsentfall oder -minderung beim Vermieter geltend zu machen, wenn die Voraussetzungen der §§ 1104 ff ABGB vorliegen. Ist das Mietobjekt aufgrund der herrschenden Pandemie und/ oder im Zusammenhang mit der Pandemie

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erlassener behördlicher Verfügungen (Betretungsverbote, Abstandsregeln, Beschränkungen der Öffnungszeiten) nicht oder nur eingeschränkt nutzbar, steht dem Mieter Anspruch auf Miet- oder Pachtzinsentfall bzw. -minderung zu. Als Minimalerfordernis ist die Zahlung der Mietzinse „unter Vorbehalt“ nötig. Eine vorsätzliche Verletzung dieser Fördervoraussetzungen führt zu einem Rückforderungsanspruch der COFAG und ist auch mit strafrechtlichen Konsequenzen (Förderbetrug) bedroht. Ein privater Vermieter kann womöglich leichter auf Mieteinnahmen verzichten – beziehungsweise die Rechtslage ohne Gegenwehr, so sinnvoll oder sinnlos diese wäre, hinnehmen. Vorstände, Geschäftsführer von institutionellen Anlegern verwalten fremdes Geld. Wollen diese sich durch ihr Vorgehen unter Umständen gegen Schadenersatzforderungen der Eigentümer bzw. Berechtigten absichern? Stichwort: „Ich hab’s versucht – aber bin bei Gericht nicht durchgekommen“? Nemetschke: Das will ich nicht ausschließen. Ändert aber nichts an der Rechtslage.

Klingt wie Anstiftung zum Förderungsbetrug – was man bei Burghauptmannschaft und Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft wohl ausschließen können sollte. Da weiß anscheinend die rechte nicht was die linke Hand tut? Nemetschke: Finanzministerium und COFAG hetzen geradezu Bestandnehmer und Bestandgeber gegeneinander auf, kommunizieren unabgestimmt, noch dazu irreführend. Der ganze Konflikt wird auf dem Rücken der Förderungswerber/Mieter ausgetragen.Es war eine politische Entscheidung der Regierung, Vermieter nicht unterstützen zu wollen. Kommen Sie mit der bisher erhaltenen Unterstützung über die Runden? Querfeld: Die achtzig Prozent Umsatzersatz im November haben ausgereicht, um die Weihnachtsgehälter der Mitarbeiter zu bezahlen. Im Dezember waren es dann fünfzig Prozent. Jetzt bekommen wir aufgrund der Größe des Unternehmens nichts mehr. Der Topf für uns ist leer. Jetzt haben wir noch Anspruch auf Verlustersatz in Höhe von 75 Prozent. Anders als andere Kollegen haben wir schnell reagiert – und uns rasch um externe Hilfe


Alfred Nemetschke Seit 1990 als Rechtsanwalt in Österreich zugelassen - gilt als einer der führenden Immobilienexperten in Österreich und CEE/SEE und berät nationale und internationale Mandanten in den Bereichen Immobilienrecht sowie Projektentwicklung und -finanzierung.

„Eine Verletzung der Fördervoraussetzungen führt zu einem Rückforderungsanspruch der COFAG.“ Alfred Nemetschke

bemüht. Ein bekannter Immobilienexperte hat mich an Rechtsanwalt Nemetschke verwiesen. Wir sind aber auch den Umgang mit Behörden, Finanzamt, Sozialversicherung gewöhnt. Da ist beim ersten Anwaltsbrief wohl so manchen das Herz in die Hose gerutscht.

Einige werden wohl auch aus Kostengründen den Weg zum Anwalt gescheut haben. Wolfgang Binder: Die COFAG arbeitet nicht nur viel zu langsam. Wir haben am 10. September 2020 über unseren Steuerberater den Fixkostenzuschuss eingereicht. Es folgten

mehrere Telefonate. Ende Oktober dann die telefonische Auskunft: Der Antrag sei abgewiesen worden. Eine schriftliche Mitteilung hätte man schon vor einiger Zeit zugestellt. Diese ist aber nie eingetroffen. Jetzt aber kommt‘s: Der Antrag wurde abgewiesen. 2017 hätte es ein Finanzverfahren gegeben – daher hätten wir keinen Anspruch auf den Fixkostenzuschuss. Da geht es um die Frage der steuerlichen Ehrlichkeit? Etwa beim Umsatzersatz, beim Fixkostenzuschuss I und II oder der COVID-19-Investitionsprärnie sind (vorsätzliche) Finanzstraftaten ein Ausschlussgrund. Binder: Stimmt. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Aber: Das Finanzstrafverfahren wurde zu unseren Gunsten eingestellt. Diese

Rechnet sich. www.tpa-group.at

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Positionen & Meinungen

Berndt Querfeld Cafétier Berndt Querfeld ist Chef des Café Landtmann. Neben dem Café Landtmann gehören zum „Querfeld-Imperium“ das Café Mozart gegenüber der Albertina gelegen, das Café Residenz in Schönbrunn, das Café Hofburg im Inneren Burghof, Landtmann’s Parkcafé beim Neptunbrunnen im Schlosspark Schönbrunn, das Café Museum, Landtmann‘s Jausen Station im Schönbrunner Kronprinzengarten und Das Bootshaus an der Alten Donau. Alle Betriebe werden von Familienmitgliedern geführt.

Unterlagen lagen der COFAG aber nicht vor. Dass wir Ende Oktober den Bescheid mit der Einstellung an die COFAG geschickt haben, hat das Verfahren nicht wesentlich beschleunigt. Nach weiteren Telefonaten ist die Auskunft nach immerhin 14 Wochen „Der Akt ist in Bearbeitung“. Man warte – mittlerweile ist es Mitte Jänner – auf ein Ergänzungsgutachten zum Gerichtsverfahren vom BMF. Dies könne man seitens der COFAG aber nicht beschleunigen. Anfang März haben wir dann ein automatisch erstelltes Formular für einen Antrag zur Erstellung eines Ergänzungsgutachtens, auf das die COFAG schon seit Wochen wartet, erhalten. Wie ist der aktuelle Stand? Binder: Bis dato – also seit 10. September 2020 – ist leider noch nicht klar, ob bzw. wann wir mit einer Überweisung des Fixkostenzuschuss rechnen können. Wir sind sicher kein Einzelfall – ich spreche stellvertretend für meine Kollegen, die vor ähnlichen Problemen und bürokratischen Hindernissen stehen. Es wird die Hilfe des Staates sehr geschätzt, doch die Zeit ist und bleibt ein wesentlicher Faktor.

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„Bei vielen Betrieben sind die finanziellen Reserven ausgeschöpft.“ Wolfgang Binder

Wie sehen Sie die Höhe der Zuschüsse – kommt man damit durch? Binder: Es kristallisiert sich auch deutlich heraus, dass man mit den 15 Prozent Umsatzersatz und 15 Prozent Vorschuss auf den Fixkostenzuschuss Jänner, Februar und März 2021 nicht auskommen kann. Wie wir haben viele andere Kaffeehausbetreiber auch Überbrückungskredite aufgenommen. Jetzt werden die ersten Raten fällig, gleichzeitig sind bei vielen Betrieben die finanziellen Reserven ausgeschöpft.

Die COFAG Mitarbeiter leisten sicher gute Arbeit, aber die paar tausend Unternehmer, die aus dem automatischen System herausgefallen sind, brauchen die Hilfsgelder genauso wie alle anderen. Angeblich bzw. laut COFAG beträgt die Bearbeitungszeit durchschnittlich 17 Tage. Die Realität schaut offensichtlich anders aus: Der Fall Café Frauenhuber dauert schon sechs Monate – also statt rund 17 Tagen mehr als das Zehnfache, nämlich rund 180 Tage.


Rechtsprechung bisher # Ein Friseur, der im Frühjahr wegen gesetzlicher Vorgaben im Rahmen der Coronapandemie sein Geschäft schließen musste, muss nach Ansicht des Gerichts für diese Zeit keine Miete zahlen. Das Urteil basiert auf § 1004 ABGB (Urteil BG Meidling 9 C 368/20b). # Im zweiten Fall hatte eine Textilhandelskette die Miete für März nur unter Vorbehalt bezahlt, die für April ganz einbehalten. Die vermietende Gesellschaft klagte auf Mietzahlung und Räumung. Auch in diesem Fall entschied das Gericht zugunsten der Mieter und bestätigte den kompletten Entfall des Mietzinses während der Zeit des Lockdowns. Die Frage, ob der Händler seine Umsätze im Internet hätte retten können, erübrigte sich: Er betrieb nachweislich keinen Onlineshop. Etwaige Fördermaßnahmen waren nicht Gegenstand des Verfahrens, weil die Klägerin dazu nicht genug vorgebracht hatte. Auch in dieser Entscheidung bezieht sich das BG auf die Rechtslage nach dem ABGB hinsichtlich unbeherrschbarer Zufälle bzw. „Seuchen“ (Urteil BG Meidling 9c 361/20y). # Der dritte Fall betraf einen Swingerclub. Dieser hatte die Mieten für die Monate Mai bis inkl. Juli nicht bezahlt. Der Vermieter

klagte – der Mieter sei in einem qualifizierten Mietzinsrückstand. Der Beklagte habe wissen müssen, dass eine gänzliche Mietzinsreduktion nicht in Betracht käme, wenn das Objekt zumindest teilweise benutzbar wäre und zum bedungenen Gebrauch geeignet; der Mieterin sei gemäß ihrem eigenen Vorbingen bewusst gewesen, dass die Öffnung des Barbereichs möglich gewesen wäre. Das Gericht stellte fest, dass das Bestandsobjekt zum Betrieb eines Swingerclubs vermietet worden war. Vom 16. März bis 4. Mai war das Betreten des Kundenbereiches untersagt. Die Beklagte war daher zur Schließung des Lokals verhalten. Danach war bis Juli 2020 die Öffnung zwar möglich, durch Sperrstunden um 23:00 Uhr aber nur für eine Stunde bzw. am Samstag für zwei Stunden. Die Beklagte konnte das Bestandsobjekt daher nicht nutzen und war von der Mietzinszahlung befreit. Das Räumungsbegehren wurde abgewiesen. (Urteil BG Josefstadt 5 C 313/20d). # Und dann gibt es noch ganz aktuell das erste Urteil 2. Instanz (LG ZRS Wien 39 R 27/21s), das im Falle eines Buchhändlers Mietzinsbefreiung während des 1. Lockdowns zuspricht und die Argumentation, dass der FKZ 1 dem Mieter das Recht nehme, sich auf §§ 1104 f ABGB zu berufen, verwirft.

VwGH zum Entschädigungsanspruch nach dem EpiG Im vorliegenden Fall betreibt eine Gesellschaft mehrere Buchhandlungen, darunter auch ein Geschäft im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Aufgrund der COVID-19-Maßnahmenverordnung (COVID 19 MV) bzw. der COVID-19-Lockerungsverordnung (COVID 19 LV) durfte dieses Geschäft zum Erwerb von Waren zunächst gar nicht und dann nur unter bestimmten Voraussetzungen betreten werden (begrenzte Kundenanzahl, Abstandsregeln sowie verpflichtender Mund-NasenSchutz). Die Gesellschaft machte geltend, es handle es sich hierbei um Beschränkungen der Betriebsstätte im Sinne des § 20 Epidemiegesetz 1950 (EpiG). Sie beantragte daher bei der Bezirkshauptmannschaft Bruck-Mürzzuschlag für den Zeitraum der Beschränkungen eine Vergütung für den Verdienstentgang nach § 32 EpiG in der Höhe von ca. 230.000 Euro. Die Bezirkshauptmannschaft Bruck-Mürzzuschlag sowie auch das Landesverwaltungsgericht Steiermark (Verwaltungs-

gericht) verneinten einen Ersatzanspruch nach § 32 EpiG und wiesen den Antrag ab. Die Gesellschaft erhob dagegen Revision. Der VwGH wies die Revision ab. Laut der COVID-19-Maßnahmenverordnung und der COVID-19-Lockerungsverordnung wurde das Betreten von Geschäften untersagt bzw. eingeschränkt. Die Verordnungen fußten auf dem COVID-19-Maßnahmengesetz, aber nicht auf den für die Entschädigung relevanten Paragrafen (Paragraf 20 Epidemiegesetz). Daher greift auch die Entschädigung nach dem Epidemiegesetz nicht für Unternehmen, die nach den beiden COVID-19-Verordnungen zusperren mussten. (Ra 2021/03/0018 vom 24. Februar 2021). Die Hoffnung von Unternehmen, Entschädigungen nach dem Epidemiegesetz zu erhalten, ist damit vorbei.

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Rechtsgutachten schafft Klarheit Des einen Freud des andern Leid. Die §§ 1104 f ABGB geben klare Regeln für den Fall der Pandemie vor, nichtsdestotrotz sehen sich Mieter/Pächter mit (teilweise massiven) Forderungen von Vermietern/Verpächtern und Mietzins- und Räumungsklagen konfrontiert. Ein bei Univ. Prof. Dr. Brigitta Zöchling-Jud, Professorin für Zivilrecht und Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, von den Fachgruppen Gastronomie, Kaffeehäuser und Hotellerie in Auftrag gegebenes Privatgutachten stärkt die Position von Mietern und Pächtern.

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ImmoFokus


1. Ob ein Bestandnehmer den Bestandzins auch dann (ganz oder teilweise) zu entrichten hat, wenn er das Bestandobjekt auf Grund der aktuellen Pandemie nicht vertragsgemäß nutzen kann, ist eine Frage der Gefahrtragung, die im ABGB umfassend geregelt ist. Dabei gilt als Grundsatz, dass die Preisgefahr den Bestandgeber trifft, also zufällige Ereignisse wie die aktuelle COVID-19 Pandemie in seine Sphäre fallen. Dies gilt nicht nur für gewöhnliche Zufälle (§ 1096 ABGB), sondern auch für „außergewöhnliche Zufälle“ iSd §§ 1104 f ABGB. Die Besonderheit bei außergewöhnlichen Zufällen besteht darin, dass der Bestandgeber von der Wiederherstellungspflicht befreit wird. Die §§ 1096, 1104 f ABGB sind ein gesetzlich positivierter Fall der Lehre vom Wegfall der Geschäftsgrundlage. 2. Entsprechend der herrschenden Lehre und der (bislang vorliegenden erstinstanzlichen) Judikatur ist die COVID-19 Pandemie als außerordentlicher Zufall iSd § 1104 ABGB anzusehen. Die durch die Pandemie verursachte Unbrauchbarkeit eines Bestandobjektes führt also dazu, dass den Bestandnehmer keine oder nur eine eingeschränkte Verpflichtung trifft, den Bestandzins zu zahlen.

Foto: Adobe Stock

3. Unter §§ 1104 f ABGB sind nicht nur Gebrauchsbeeinträchtigungen zu subsumieren, die unmittelbar auf einer behördlichen Maßnahme (Betretungsverbot, Abstandsregelungen, Einschränkung der Öffnungszeiten) beruhen, sondern auch sonstige pandemiebedingte Umsatzausfälle. Stets muss aber die im Kunden- und Umsatzrückgang liegende Beeinträchtigung auf die Pandemie zurückzuführen sein, wofür der Mieter/Pächter beweispflichtig ist. Der Zusammenhang ist aber für die Bereiche der Gastronomie und Hotellerie prima facie anzunehmen. 4. Die §§ 1104 f stellen für Miete und Pacht weitgehend gleiche Regelungen bereit. Dies gilt von vornherein für den Entfall der Wie-

derherstellungspflicht des Bestandgebers bei außerordentlichen Zufällen und für den Entfall der Zinszahlungspflicht bei Unbrauchbarkeit des Bestandobjektes. Unbrauchbarkeit (und nicht Gebrauchsbeeinträchtigung) liegt immer dann vor, wenn das Bestandobjekt über einen bestimmten Zeitraum nicht benützt werden kann, wenn Teile davon unbrauchbar sind, oder auch dann, wenn ein nur ganz geringer Ertrag erwirtschaftet werden kann. Ein Restnutzen, der etwa in der Lagerung von Waren liegt, ist unbeachtlich. Liegt eine bloße Gebrauchsbeeinträchtigung vor, ist auch ein Pächter eines für mehr als ein Jahr gepachteten Objektes zur Pachtzinsminderung berechtigt, wenn der durch den außerordentlichen Zufall verursachte Nachteil nicht in Folgeperioden kompensiert werden kann, wie es für Betriebe des Gastgewerbes oder Hotels typisch ist. 5. Ob und inwieweit die COVID-19-Pandemie zu einer gänzlichen oder teilweisen Unbrauchbarkeit des Bestandobjektes führt, ist stets am „bedungenen Gebrauch“ zu messen. Maßgebend ist also der Vertrag. Dabei kommt es nicht nur auf ausdrückliche Vereinbarungen an, sondern auch auf den gewöhnlich vorausgesetzten Verwendungszweck. 6. Ein Bestandgeber kann nicht dazu verhalten werden, im Geschäftslokal ein anderes Geschäft als vertraglich vereinbart oder wie bisher betrieben auszuüben, um dem Bestandgeber den vollen Bestandzins zu erhalten. Kaffeehäuser müssen also nicht zu Lebensmittelgeschäften oder, wie etwa ein Vermieter ernsthaft meint, in Apotheken umgewandelt werden. 7. Es besteht auch keine Verpflichtung, ein Liefer- oder Abholservice einzurichten, wenn ein solches nicht schon vor der Pandemie betrieben wurde. Gegebenenfalls kann ein solches Lieferoder Abholservice, das bisher betrieben wurde, sogar eingestellt werden, wenn es wegen der

Pandemie nicht mehr betriebswirtschaftlich sinnvoll betrieben werden kann. 8. Ein allfälliger Restnutzen des Geschäftslokals durch Lagermöglichkeiten, Unterbringung der Geschäftsausstattung uä stellt keine teilweise Brauchbarkeit iSd § 1105 ABGB dar, sondern Unbrauchbarkeit iSd § 1104, weil die Lagerung und Unterbringung idR nicht Selbstzweck ist. 9. Zwischen Entfall des Bestandzinses und Minderung besteht wie bei § 1096 ABGB nur ein quantitativer Unterschied. Auch bei §§ 1104 f ist das Ausmaß der Zinsminderung nach der relativen Berechnungsmethode zu bestimmen. Daher ist die Minderung durch Vergleich des vereinbarten Bestandzinses zu jenem Bestandzins zu ermitteln, der trotz Gebrauchsbeeinträchtigung am Markt zu erzielen wäre. Maßgebend ist der Grad und die Dauer der Unbrauchbarkeit, die wiederum am Vertragszweck zu orientieren ist. Gute Gründe sprechen dafür, die Unbrauchbarkeit am Umsatzentgang zu messen und daher bei der Berechnung der Minderung einen Umsatzvergleich anzustellen. Die Mietzinsminderung hat den gesamten Mietzins zum Ausgang zu nehmen, also auch die Betriebskosten zu erfassen. 10. Die Minderung wirkt ex lege, so dass ein zu viel entrichteter Zins nach bereicherungsrechtlichen Grundsätzen zurückgefordert werden kann. In der vorbehaltslosen Zahlung des Zinses liegt nur dann ein konkludenter Verzicht auf die Minderung, wenn sie nicht irrtümlich erfolgte, einschließlich Rechtsirrtümern. 11. Staatliche Unterstützungen haben keine Auswirkungen auf die zwischen Bestandnehmer und Bestandgeber geltende gesetzliche Rechtslage. Der Mieter/Pächter kann sich also auch dann auf §§ 1104 f ABGB gegenüber dem Vermieter/Verpächter berufen, wenn er staatliche Unterstützungsleistungen in Anspruch nimmt.

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Positionen & Meinungen

Das Comeback eines alten Bekannten S Immo. Nach fünfjähriger Pause ist Bruno Ettenauer an die Spitze eines börsennotierten Immobilienkonzerns zurückgekehrt. Ein Rück- und Ausblick. Autor: Patrick Baldia

Mit seinem Vorgänger hat Ettenauer etliche Gemeinsamkeiten. Wie auch Vejdovszky genießt er in Aktionärskreisen – vor allem unter Kleinanlegern – hohes Ansehen. Beide sind erfahrene Immobilienprofis mit starken langjährigen Track Records. Und beide hatten so ihre Probleme mit gewissen Großaktionären. Zur Erinnerung: Offiziell schied der damalige CEO Ettenauer Ende 2015 „im gegenseitigen Einvernehmen“ aus der CA Immo aus, obwohl er erst im Frühjahr seinen Vertrag um drei Jahre verlängert hatte. Der Hintergrund: Dmitry Mints, Vorstand der O1 Group und stellvertretender Aufsichtsrat der CA Immo, soll sich wiederholt ins operative Geschäft eingemischt haben.

Aufbruch nach Deutschland

Eng mit Ettenauers Namen verbunden ist der Aufbruch nach Deutschland – damals bekanntlich noch nicht der unumstrittene „Place

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ImmoFokus

to be“ für Immobilieninvestoren. Mit dem Kauf der Vivico Real Estate, die mit dem Ziel gegründet wurde, ehemalige Liegenschaften der Deutschen Bahn zu verwerten, für etwas mehr als 1 Milliarde Euro sicherte sich die CA Immo mit einem Schlag ein Top-Portfolio an Liegenschaften in den besten innerstädtischen Lagen in den wichtigsten deutschen Großstädten. So konnten wichtige Stadtquartiersentwicklungen wie beispielsweise die Europacity im Herzen Berlins, direkt beim Hauptbahnhof, umgesetzt werden. Von dem Deal, ebenso wie von der Entscheidung, mit dem Erwerb der omniCon Gruppe 2008 ins Development Geschäft einzusteigen, profitiert die CA Immo noch heute: Anders als die Konkurrenz, die in Deutschland auf teure Zukäufe angewiesen ist, um zu wachsen, kann sie bei ihren Entwicklungsprojekten attraktive Renditen auf die Herstellungskosten erzielen. Gleichzeitig wurde die CA Immo zu einem ernstzunehmenden Player am deutschen Immobilienmarkt. Dank des Vivico-Kaufs wuchs ihr Immobilienvermögen mit einem Schlag um mehr als 40 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. „Bei unserem Einstieg wollten wir gleich klotzen nicht kleckern“, meinte Ettenauer 2014 in einem Exklusiv-Interview mit dem ImmoFokus. Im selben Gespräch räumte Ettenauer aber ein, dass die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, nicht unumstritten gewesen sei. „Im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen: Der Weg war richtig.“ Es sei nämlich nicht absehbar gewesen, wie sich Deutschland entwickeln würde. Klar sei hingegen gewesen, dass es keinen Sinn mache, weiter Geld in den

CEE-Raum zu schicken. Zu Erinnerung: Mitte der Nullerjahre hatten die Preise in vielen osteuropäischen Metropolen angesichts der boomenden Investorennachfrage bedenkliche Höhen erreicht.

Nachhaltigkeits-Pionier Ettenauer

Als ÖGNI-Gründungsmitglied gilt Ettenauer aber auch als Pionier in Sachen nachhaltige Immobilienwirtschaft. Damals sei diesbezüglich ein sehr starker Impuls aus Deutschland gekommen, der vor allem von den wesentlichen internationalen Investoren getrieben worden sei. Nachhaltige Immobilienbewirtschaftung sei eine permanente Aufgabe. Es gelte nicht nur die Herstellung, sondern auch den Betrieb nachhaltig hinzukriegen. Auch aus ökonomischen Überlegungen. „In Zukunft wird sich die Frage stellen, ob man ohne Zertifizierung überhaupt vermieten kann. Es wird Grundvoraussetzung – nicht nur fürs Vermieten sondern auch fürs Verkaufen.“ Nach seinem Ausscheiden bei der CA Immo hat Ettenauer Ende 2016 als Senior Consultant bei der PEMA Gruppe angeheuert. Fünf Jahre lang unterstützte er die Tiroler Immobiliengesellschaft dabei, sich in Wien noch besser zu positionieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Bei der Bekanntgabe von Ettenauers Wechsel zur S Immo sprach PEMA-CEO Markus Schafferer rückblickend von „einer großartigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit“. Auch während der fünf Jahre bei der PEMA blieb er jedenfalls Aufsichtsratsmitglied bei mehreren Firmen. Aktuell gehören dazu die Bank Austria Real Invest Immobilien-Kapitalanlage, die Bank Austria Real Invest Immobilien-Management, die COVID-19 Finanzierungsagentur des Bundes und die KA Finanz.

Foto: CA Immo

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er 15. März 2021 wird für nicht wenige Aktionäre der S Immo so etwas wie eine Zäsur gewesen sein. An diesem Tag hat mit Bruno Ettenauer ein neuer CEO das Ruder bei der heimischen Immobiliengesellschaft übernommen. Das am 30. Juni dieses Jahres auslaufende Vorstandsmandat von Gründungsvater Ernst Vejdovszky, der mehr als drei Jahrzehnte die Unternehmensgeschichte prägte – davon zwei als Vorstand –, wurde bekanntlich bei der Hauptversammlung im Herbst auf Bestreben des Großaktionärs Immofinanz nicht verlängert. Unterstützt wird Ettenauer im Übrigen vom neuen CIO Herwig Teufelsdorfer und von COO Friedrich Wachernig, dessen Mandat um drei weitere Jahre verlängert wurde.


„Bei unserem Einstieg in Deutschland wollten wir gleich klotzen nicht kleckern.“ Wie schaut die Ausgangslage für Ettenauer bei der S Immo aus? Dank ihres Portfolios mit klarem Fokus auf Büro- und Wohnimmobilien (70 Prozent) ist das Unternehmen bislang ganz gut durch die Coronakrise gesteuert. Unter Letzterer hat großteils der Hotel- (10 Prozent) und der Retail-Bereich (20 Prozent) gelitten. Mit vielen Baustellen wird es der neue CEO also nicht zu tun bekommen. Denn das Management der S Immo hat in der Vergangenheit sehr viel richtig gemacht, was der langjährige Track Record bzw. die Strategie mit Fokus auf die Kernmärkte Deutschland und Österreich (Anteil am Bestandsportfolio: 67 Prozent) sowie gezielten Investitionen in wichtigen CEEHauptstädten (33 Prozent) bestätigt.

Nullerjahre: Bukarest teurer als Berlin

Wiener. Und: Gelingt es auch nur, die Hälfte der Flächen zu entwickeln, so wäre das Wertsteigerungspotenzial beträchtlich.

Auch das Management der S Immo erkannte in den Nullerjahren früh, dass die CEE-Märkte zu heiß gelaufen waren, und entschied sich ebenfalls, den Schritt nach Deutschland zu wagen. „Ein Büro kostete damals in Bukarest mehr als in Berlin – und das auch noch bei schlechterer Qualität“, erinnert sich Vejdovszky in einem Gespräch mit dem ImmoFokus. Der Anfang wurde 2005 in Hamburg gesetzt, 2006 folgte der Einstieg in Berlin. Als die Preise auch in der deutschen Hauptstadt rasant stiegen, wich man in ostdeutsche Sekundärstädte wie Leipzig, Magdeburg, Halle, Erfurt und Rostock aus. Schließlich punkteten auch diese Städte in der zweiten Reihe mit einer positiven wirtschaftlichen und demographischen Dynamik bei einer entsprechenden Größe.

„Positiv zu erwähnen ist, dass die S Immo ein erfahrenes und starkes Management gefunden hat und somit die Lücke, die durch den Abschied von Ernst Vejdovszky hätte entstehen können, vorzeitig schließen konnte“, so Christoph Schultes, Analyst bei der Erste Group, gegenüber dem ImmoFokus. Seiner Einschätzung nach wird der Fokus heuer eindeutig darauf liegen, die Auswirkungen der Pandemie möglichst gering zu halten, was im Hotelgeschäft am schwierigsten werden dürfte. Eine wesentliche Änderung der Strategie erwarte er nicht. „Das große Fragezeichen ist natürlich der neue Hauptaktionär Aggregate bzw. die Pläne, die dieser schmiedet“, bringt es Schultes auf den Punkt.

Eine langfristige Perspektive bieten die Grundstücksreserven mit ganz unterschiedlichen Widmungen im Speckgürtel von Berlin, die die S Immo ab 2018 begonnen hat, aufzubauen. Der Hintergedanke des Managements: Der Berliner Speckgürtel könnte sich angesichts der boomenden Immobilienmärkte in der Hauptstadt ähnlich stark entwickeln wie der

Langweilig dürfte dem neuen CEO der S Immo also nicht werden. Das unterstrich auch das erste „Einstandsgeschenk“ der Immofinanz, das rein zufällig am Abend vor Ettenauers offiziellem Amtsantritt per Aussendung einging: Die Ankündigung, ein freiwilliges Übernahmeangebot für die S Immo – konkret in der Höhe von 18,04 Euro pro Aktie – zu legen.

Beim Interessenverband der Anleger (IVA) sprach man von einem „schwachen Angebot“. „Offenbar möchte der Immofinanz-CEO Ronny Pecik im Spiel bleiben“, so IVA-Vorstand Verena Brauner.

Zur Person Nachdem der studierte Jurist Bruno Ettenauer einige Jahre im Bereich Immobilien und Hypothekenfinanzierung – unter anderem bei der P.S.K. Bank, der Österreichischen Länderbank und im Bankhaus Feichtner – tätig war, heuerte er 1999 bei der Creditanstalt an. Im November 2000 wurde er zum Bereichsvorstand des österreichischen und zentralosteuropäischen Immobiliengeschäfts ernannt. Zwischen 2006 und 2015 saß Ettenauer im Vorstand der CA Immo – ab 2009 als Vorsitzender des Vorstands. Nach seinem „einvernehmlichen Ausscheiden“ bei der CA Immo war er fünf Jahre bei der PEMA Holding als Senior Consultant tätig. Anfang März wurde der erfahrene Immobilienexperte als neuer CEO der S Immo bekanntgegeben. Am 15. März begann sein dreijähriges Mandat.

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Aufzug neu denken Schindler setzt auf digital. Angel Zlatev, New Installations Sales Director und Geschäftsleitungsmitglied, erzählt im Interview, wie sich Innovationsgeist in einer Branche mit langen Vorlaufzeiten dennoch durchsetzen kann.

Fotos: Richard Tanzer, Schindler, Manuel Rickenbacher für Schindler, Walter Luttenberger für Schindler

Das Gespräch führte: Lisa Grüner

Wodurch unterscheiden sich die neuen Schindler Produkte von den bisherigen? Angel Zlatev: Mit dem vierten Quartal 2020 haben wir in Österreich „Adding the EXTRA to the Ordinary“, die neue – globale – Werbekampagne, gestartet. Im kommunikativen Fokus der Kampagne stehen die Extras, die bei Schindler ab sofort den neuen Standard bilden. Je nach Produkt oder Zielgruppe rückt in den Mittelpunkt, welchen konkreten Mehrwert wir unseren Kunden bieten. Somit wird schnell klar, wo genau unser Fokus liegt. Wir sprechen nicht mehr von Produkten, sondern von Lösungen für Menschen. Auswahl, Planung und Konfiguration werden so einfach wie möglich gehalten. Maximale Kombinierbarkeit und Designfreiheit sorgen dabei für Aufzüge, die den individuellen Bedürfnissen in Gebäuden entsprechen. Die neue Produktreihe macht die Liftfahrt nicht nur komfortabler und interaktiver, sie optimiert auch das Erscheinungsbild und die Haptik der Aufzüge.

Wie können Architekten und Planer an das Thema Aufzug effizient herangehen? Wir haben ein komplett neues OnlinePlanungstool lanciert: Mit der webbasierten Anwendung Schindler Digital Plan and Design können Architekten wie Planer mühelos einen auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Aufzug planen und im Detail entwerfen. Der fertig konfigurierte Aufzug kann im Anschluss virtuell (3D) betrachtet bzw. betreten werden. So vermeiden wir Überraschungen und bieten den Kunden neben der Planungssicherheit auch Sicherheit bei der Design- bzw. Ausstattungsfrage. Für Anfragen oder zur Sicherung für zukünftige Projekte steht die Speichermöglichkeit in der Cloud zur Verfügung. Unsere Kunden genießen die vielfältigen Möglichkeiten, ihr eigenes Design für ihre Aufzugskabine zu gestalten. Wir bieten zahlreiche Kombinationsvarianten, unerreichte Flexibilität und somit eine ideale Ergänzung für funktionale, raffinierte wie auch innovative Architekturkonzepte. Architekten und Planer können nun endlich den

Aufzug zu einer Bühne machen und sämtliche Fahrgäste ins Staunen versetzen. Hat die Digitalisierung auch bei Aufzügen einen Schub erfahren? Sämtliche Schindler Aufzüge sind für die digitale Zukunft gerüstet. Egal, ob es sich um die Produkte der neuen Digital Media Services wie Ahead AdScreen, DoorShow, MediaScreen aber auch SmartMirror handelt oder um die digitalen Dienstleistungen wie Ahead Core und Ahead Connectivity für Notruf, Fernüberwachung oder Kommunikation. Die digitalen Dienstleistungen wie Ahead Core und Ahead Connectivity für Notruf und Fernüberwachung sind ja schon quasi normal. Auch die steten Einblicke in den Status jedes Aufzuges und die Übernahme der Betreiberpflichten erfolgen großteils digital und in Echtzeit. Der Anlagenstatus kann vom Smartphone, Tablet oder PC geprüft werden, eine Wartung geordert oder eine Personenbefreiung ausgelöst werden. Gebäudeeigentümer oder Hausverwalter können die Leistung und

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Verfügbarkeit ihrer Anlagen digital und in Echtzeit mitverfolgen. Vernetzung – ein weiteres großes Digitalisierungsthema? Dank unserem Ahead RemoteMonitoring kann die Aufzugsanlage von jedem Ort überwacht werden. Es bildet zusammen mit Ahead ActionBoard und Connectivity die dritte Säule der Ahead Core Produktwelt. Das intelligente System sammelt, analysiert und übermittelt anlagenrelevante Daten in Echtzeit, erkennt Abweichungen vom Normalbetrieb und passt die Wartungsroutine flexibel an. So können wir schon reagieren, bevor es überhaupt zu einem Problem kommt.

„Dank unseres intelligenten Systems können wir reagieren, bevor es überhaupt zu einem Problem kommt.“

Und welche Vorteile bietet Kunden bzw. Schindler die Vernetzung im Bereich der Instandhaltung? Unser Wartungskonzept passt sich individuellen Kundenbedürfnissen an und minimiert die Ausfallzeiten von Aufzügen. Durch die vorausschauende Wartung können zum Beispiel Verschleißteile rechtzeitig ausgewechselt werden, bevor sie einen Ausfall des Aufzugs produzieren. Bei einem Störfall erhalten Einsatzzentrale und in weiterer Folge unsere Techniker sämtliche relevante Informationen auch auf ihr Mobiltelefon. Da kann dann sofort entschieden werden, welches Ersatzteil notwendig ist bzw. welcher Prozess angestoßen werden soll. Unsere Kunden – egal, ob man viele oder nur einen einzigen Aufzug im Portfolio hat – können sich somit bei Schindler PORT: Kontaktloses Verkehrsmanagementsystem

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Grezenlose Designvielfalt inklusive digitaler Vernetzung

ihrer Budgetplanung ganz auf uns verlassen. Schindler bietet hier Handschlagqualität im Sinne der Convenience. Für besonders anstrengende Arbeiten sind in Österreich schon Roboter im Einsatz? Wir haben nicht nur im Bereich der Planung sowie Wartung geforscht. Unser Fokus liegt selbstverständlich auch im operativen Bereich der Montage. Das revolutionäre Schindler R.I.S.E-System (Robotics Installation System for Elevators) besteht aus autonomen, selbstkletternden Robotern. Dieses System ermöglicht eine sicherere und exakte Aufzugsinstallation. Dabei eignet sich Schindler R.I.S.E. vor allem für den Einsatz in Hochhäusern. Die wiederholt gleichen Arbeiten in den Liftschächten sind körperlich für unsere Techniker höchst anstrengend, dazu kommt die Witterung. Im Winter ist es dort windig und eiskalt, im Sommer sehr heiß. Schindler R.I.S.E wurde entwickelt, um repetitive, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten zu automatisieren: Zum Beispiel das Bohren von Löchern in Betonwände und die Befestigung von Ankerbolzen zur präziseren Montage von Führungsschienen. Das System eignet sich für den Einsatz bei anspruchsvollen Arbeitsbedingungen und erhöht die Sicherheit deutlich. Das Robotersystem kam bereits bei der Installation mehrerer Aufzüge in Gewerbekomplexen und hohen Wohngebäuden in Europa zum Einsatz. Wir freuen uns, dass die Roboter auch bei österreichischen Projekten wie dem TrIIIple, Marina Tower und Austro

Schindler Ahead AdScreen: Beeindruckende Werbung & Information

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Tower eingesetzt werden. In einem nächsten Schritt wäre dann angedacht, dass diese Roboter zukünftig auch zusätzliche Montagetätigkeiten übernehmen. Können Schindler Aufzüge mehr als nur „auf und ab“ fahren? Wir bei Schindler kommunizieren bereits im Bereich der Wartung mit den Aufzügen. Die neue Generation kommuniziert ab sofort auch mit den Fahrgästen. Der Aufzug ist nun innen wie außen als Kommunikationsplattform nutzbar. Die Zeit beim Warten vor dem Aufzug sowie im Aufzug ist eine nicht genutzte Zeit. Warum eigentlich, haben wir uns gedacht und mehrere Möglichkeiten entwickelt, um Botschaften, Informationen und Werbung mit Passagieren, Mietern und Kunden teilen zu können. Gewartet werden die Inhalte digital und dezentral über ein ContentmanagementSystem. Mit Schindler Ahead DoorShow können Botschaften, Werbung oder Nachrichten außen auf Aufzugstüren projiziert werden, in der Aufzugskabine zeigen der SmartMirror, AdScreen oder MediaScreen das Kantinenmenü, die Wettervorhersage oder Schlagzeilen aus Wirtschaft und Politik an. Die Produkte bringen Mehrwert und Service für die Kunden,

Angel Zlatev Angel Zlatev ist New Installations Sales Director bei Schindler Österreich. Er bringt langfristige internationale Erfahrung in der Aufzugs- und FahrtreppenBranche mit und ist seit mehr als zehn Jahren bei der Schindler Gruppe in unterschiedlichen Management-Positionen tätig.

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Unterhaltung und eine Umsatzsteigerung für den Betreiber. Ältere Lifte können einfach und kostengünstig ab 2.400 Euro mit Screens aufgerüstet werden. Das kontaktlose Bedienen des Aufzugs gewinnt besonders in Zeiten der Pandemie immer mehr an Bedeutung … Unser kontaktloses Transitmanagementsystem PORT wurde in die gesamte Produktpalette integriert. Alle neuen Funktionen entsprechen führenden Cyber-Sicherheitsstandards. Mit der neuen Aufzugsgeneration wurden auch innovative, kontaktlose Lösungen wie gestengesteuerte Etagentableaus und die myPORT-Smartphone-App, mit der Fahrgäste den Aufzug rufen können, entwickelt. Welche weiteren COVID-19-Maßnahmen wurden noch getroffen? Wir haben umgehend mit der Forschung begonnen, wie die Benützung von Aufzügen oder Fahrtreppen noch sicherer gemacht werden kann. Aktuell bieten wir ein Produkt für Fahrtreppen und zwei Produkte für Aufzüge an. Zum Einsatz kommt ultraviolettes Licht, das die Oberflächen desinfiziert und somit den Einsatz von herkömmlichen Desinfektionsmitteln weitgehend reduziert. Das neue Handlaufdesinfektionsgerät nutzt UV-Strahlen, um den Handlauf von Fahrtreppen zu desinfizieren. Für Aufzüge gibt es den „UV CleanAir“. Mittels UV-Strahlen und einem speziellen Filter wird die Kabinenluft in kürzester Zeit gereinigt. Bei der Lösung „UV CleanCar“ wird die gesamte Kabine mittels UV-C-Licht desinfiziert. Drei ausfallssichere Sensoren prüfen, dass dieser Vorgang nur erfolgt, wenn keine Fahrgäste in der Kabine sind, diese steht und die Türen geschlossen

sind. Sicherheit und Hygiene schaffen eben Vertrauen. Wurde bei der Einführung neuer Produkte verstärkt auf Nachhaltigkeit gesetzt? Die neue modulare Aufzugsreihe weist im Vergleich zu heutigen Lösungen niedrigere CO2-Emissionen auf und belastet die Umwelt entsprechend weniger. Konkret bedeutet das eine gesteigerte Ladekapazität, verbesserte Schnelligkeit und mehr Transporthöhe sowie eine Lärm- und Vibrationsreduktion. Unsere Positionierungssysteme für akkurate Nivellierung und regenerative Antriebstechnologie zur Reduktion der Fahrenergie um bis zu 30 Prozent im Vergleich zur konventionellen Technologie kommt nach wie vor zum Einsatz. Nachhaltigkeit beginnt bei uns jedoch bereits in der Planungsphase. So haben wir in unser neues Planungstool Digital Plan & Design eine Verkehrsanalysesoftware implementiert. Durch die Eingabe von wenigen Parametern, wie Höhe, Personenanzahl im Gebäude und Anzahl an Stockwerken, kann man die genau passende Anzahl an Aufzügen errechnen. Schindler verpflichtet sich zur Nachhaltigkeit. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Umweltauswirkungen unserer Produkte und Dienstleistungen entlang der gesamten Produktionskette und des Lebenszyklus ständig zu verbessern. Die Aufzüge der neuen Generation sind harmonisierte Produkte, bei denen alle Teile perfekt zusammenpassen, damit nicht nur Platz, sondern auch Energie eingespart wird. Wir bei Schindler denken eben in Generationen und schon heute an die Welt von morgen, in der unsere Kinder leben werden. Mit ihrer Entscheidung für ein Produkt von Schindler setzen unsere Kunden ein starkes Zeichen für eine nachhaltige Zukunft.

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Mit vernetzten Daten zum Erfolg Big Data. Simon Vestner, Gründer von Aufzughelden erzählt im Interview, wie Datenanalyse zu Transparenz und Kostenersparnis bei Aufzugswartungen führt und wie Roboter und Aufzüge miteinander kommunizieren können. Das Gespräch führte: Lisa Grüner

Sie haben ein Start-up mit dem klingenden Namen Aufzughelden gegründet … Simon Vestner: Ja, im Sommer 2020 konnten wir erstmals das neu entwickelte, cloudbasierte Smart Device im Festplattenformat in bestehende Aufzüge unterschiedlichster Hersteller und Typen integrieren. Dieser Reality-Check war ein voller Erfolg, weshalb wir uns für das Jahr 2021 hohe Ziele gesetzt haben. Wie kamen Sie auf den Namen? Nun, Helden lösen Probleme und das Wort Aufzug wollten wir auch drinnen haben. Der Name Aufzughelden spiegelt für uns auch den Start-up-Charakter wider.

Fotos: Richard Tanzer

Sie versprechen Ihren Kunden eine Einsparung von 15 Prozent der Kosten… Wir garantieren unseren Kunden eine messbar höhere Verfügbarkeit, also weniger Störungen, und gleichzeitig ein Minus von 15 Prozent bei den Wartungskosten. Möglich gemacht wird das durch „Predictive Maintenance“, also vorausschauende Wartungsplanung auf Basis frisch interpretierter Daten, die bislang von Aufzugsanlagen zwar gesammelt, jedoch nicht intelligent ausgewertet wurden.

Also machen Sie sowohl Prozesse als auch Kosten bei Betrieb des Aufzugs transparent? Bisher war es so, dass die Hausverwaltung oder der Eigentümer eine Rechnung erhält und darauf viele Posten vorfindet, die schwer bis gar nicht nachzuvollziehen bzw. -prüfen sind. Dank unserer Services werden Arbeitsstunden als auch Material transparenter und auch günstiger. Durch vorausschauende Maßnahmen werden Ersatzteile gleich mitgeführt und während der normalen Arbeitszeiten eingebaut. Das heißt, man wartet nicht auf eine Störung, die oft abends oder am Wochenende auftritt, sondern behebt sie bereits vorausschauend. Das heißt, ihr Service ist eher für ältere Aufzugsmodelle interessant? Nicht nur, aber auch. Selbst bei neuen Aufzügen gibt es Einsparungs- und Optimierungspotential. Der Kunde trägt kein Risiko, er bezahlt uns nichts, sondern es liegt an uns, ein Einsparungspotential zu finden. Nehmen auch Aufzugsunternehmen Ihre Dienste in Anspruch? Wir freuen uns, bereits einige namhafte Unternehmen zu unseren Kunden zählen zu dürfen.

Die Aufzugsunternehmen haben ja auch Interesse daran, ihre Produkte und Services zu optimieren und zu verbessern. Wartungsverträge bzw. die beauftragten Firmen werden nicht verändert. Wie verdienen Sie Ihr Geld? Betreiber von Aufzugsanlagen wie Gebäudeeigentümer, Hausverwaltungen, … können aus drei Angebotspaketen wählen: Während die Detail-, Betreuungs-, aber auch Haftungstiefe innerhalb der Pakete namens Basic, Premium und Enterprise skaliert angeboten werden, ist der gemeinsame Nenner derselbe: wir garantieren allen Kunden ein Minus von 15 Prozent bei ihren Wartungskosten. Was wir darüber hinaus noch an zusätzlichem Sparpotenzial abschöpfen, ist unsere Marge und die finanzielle Grundlage für unseren Dienst. Natürlich können unsere Kunden auch zusätzliche bezahlte Services über uns abrufen, in der Basis ist die Finanzierung jedoch dieselbe. Wie funktioniert das konkret? Ganz einfach. Wir steigen in die vorhandenen Wartungsverträge ein und übernehmen sie. Die Kosten werden dem Betreiber bzw. Eigentümer minus der 15 Prozent weiterverrechnet.

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„Wesentlich ist die Steuerung in Realtime. Niemand wartet gerne auf den Aufzug.“

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Aufzughelden wurden engagiert, was sind die nächsten Schritte? Nach Beauftragung installieren wir den Computer „Luna“ im Aufzug. Dieser sammelt und schickt uns Daten, die wir miteinander verknüpfen, aufbereiten und gegebenenfalls anreichern, zum Beispiel um den Faktor Zeit. Doch „Luna“ sammelt nicht nur Daten, sondern kann bei Bedarf auch den Aufzug steuern, er fungiert quasi als virtuelle Aufzugtaste und kann auch beispielsweise mit Robotern kommunizieren.

Was sind die Kernpunkte, wenn ein Aufzug in Produktionsprozesse integriert wird? Wesentlich ist die Steuerung in Realtime. Niemand möchte, wenn er mit dem Handy den Aufzug ruft, eine Minute warten. Ebenso ist es, wenn ein Roboter einen Aufzug ansteuert. Wenn es da eine Zeitverzögerung geben würde, fährt der Roboter gegen die Lifttüre. Da alle Prozesse in der Cloud gespeichert sind, funktioniert das problemlos in Echtzeit.


„Roboter können eigenständig Aufzüge ansteuern. Reinigungsroboter und Minibarroboter sind bereits international im Einsatz. Eine Voraussetzung sind selbstöffnende Türen.“

Stichwort Roboter. Gibt es konkrete Anwendungsfälle für eine intelligente Aufzugssteuerung? Mein Lieblingsbeispiel ist der MinibarRoboter. Minibars kosten Hotels viel Geld, erst einmal die Anschaffung, dann die Bestückung, Nachfüllung und Abrechnung. In manchen Hotels kann man bereits seine Bestellung per Hotel-App abgeben, der Roboter steuert den Lift an und liefert die Getränke zur Zimmertüre. Der Gast entnimmt die Getränke, bestätigt den Erhalt und schon werden diese auf die Zimmerrechnung gebucht. Auch Putzroboter sind bereits im Einsatz. Man kann sich das so vorstellen, wie die kleinen automatischen Haushaltsstaubsauger, nur in Groß. Sie reinigen ein Stockwerk, fahren mit dem Lift in das nächste, reinigen dort weiter. All das ist bei Voraussetzungen, wie beispielsweise selbstöffnenden Türen, programmierbar. In Singapur und bei ausgewählten innovationsaffinen Kunden in Europa sind Reinigungsroboter bereits im Einsatz.

Haben Sie auch eigene Techniker angestellt? Nein, wir haben keine eigenen Servicemitarbeiter angestellt und planen nicht, dies zu tun. Das ist einfach nicht unser Kernbusiness. Wir sind in der IT beheimatet und kennen uns gut mit Daten aus, die wir verarbeiten. Wir setzen auf Partnerunternehmen in Wien und den Bundesländern, die ihr Handwerk bestens verstehen. Klingt so, als hätten Sie Ideen für weitere Start-ups? Ideen gibt es natürlich viele, aber eine Idee ist nur dann gut, wenn sie erfolgreich umgesetzt wird. Wir haben derzeit nicht vor, weiter zu gründen, sondern konzentrieren uns erstmal auf unser Ziel und das heißt Wachstum.

Simon Vestner Simon Vestner gründete 2020 Digital Spine und stellte nun unter der Marke Aufzug­ helden ein Smart Device zur Effizienzsteigerung von Aufzügen vor. Er absolvierte das Studium der Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe und studierte im Anschluss daran Betriebswirtschaftslehre an der JohannWolfgang-Goethe Universität in Frankfurt am Main und an der Ludwig-MaximiliansUniversität München. Vestner entstammt der gleichnamigen Unternehmerfamilie, die über Europa hinaus bis nach Neuseeland tätig ist. Von 2005 bis 2020 leitete er zwischenzeitlich das Familienunternehmen, das bereits seit den 1930er Jahren Teil der deutschen Aufzughersteller-Branche ist.

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Positionen & Meinungen

Transparenz Ort der aktiven Sicherheit. Das österreichische Start-up VIEW Elevator vereinfacht mit Digitalisierung das Aufzugsmanagement. COO Günter Baca im Interview über den Einsatz von Sensorik, Algorithmen und künstlicher Intelligenz in Liftanlagen. Das Gespräch führte: Lisa Grüner

Loslassen und dennoch alles im Griff haben, geht das? Wie kann Digitalisierung beim heiklen Thema Betreiberpflichten und Haftung helfen? Die Betreiberpflichten so wahrzunehmen, wie vom Gesetz vorgesehen, ist komplex und herausfordernd. Deshalb wird das Thema gerne delegiert. Dabei sollte keinesfalls übersehen werden, dass die Kontrollverpflichtung immer beim Betreiber bleibt. Passiert etwas, hat man sofort die Betreiberhaftung auf dem Tisch. Dank Digitalisierung haben wir mit VIEW LiftBook in den letzten Monaten eine Aufzugsmanagement-Plattform geschaffen, die hier Klarheit und die Voraussetzung schafft, alle Dokumentations- und Kontrollpflichten rechtssicher zu erfüllen.

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Für Betreiber ist es auch wichtig, dass die Kosten nicht zu hoch sein dürfen … Richtig, und in diesem Zusammenhang noch wichtiger ist die Transparenz. Denn nur auf Basis transparenter Fakten können Betreiber die richtigen Entscheidungen treffen. Viele Betreiber erkennen zwar das Problem, dass ihnen entscheidendes Know-how fehlt. Fehlen aber die Einblicke, dann wird der Preis rasch das einzige Entscheidungskriterium. Der Trend, den kleinsten Preis einzukaufen, befeuert den Preiskampf und steigert den Anteil der Fremdwartungen sowie das Risiko, dass die Anlagen nicht wertsichernd betreut werden können. Sehen Sie konkrete Anzeichen für unerwünschte Entwicklungen zum Nachteil der Betreiber? Wirklich lukrativ ist das Aufzugsgeschäft erst aufgrund der nachgelagerten Serviceleistungen. Langfristige Serviceverträge sichern Aufzugsfirmen hohe Margen. Sie erweitern ihr Instandhaltungsportfolio und sind bereit, jede Art von Aufzugsanlage zu warten. Da mag es möglicherweise nur Zufall sein, dass wichtige Dokumente wie Schaltpläne verloren gehen.

Fotos: Richard Tanzer

Wenn man Digitalisierung hört, denken viele an Vereinfachung … Günter Baca: Der erste Schritt zur Vereinfachung ist loslassen, was man nicht braucht. Das sollte beim Aufzugsmanagement nicht allzu schwerfallen. Die Aufzugs-Materie ist komplex, der Verwaltungsaufwand ist enorm und die Verantwortung hoch. Kein Betreiber hat Bedarf an unnötigen Kopfschmerzen.


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Positionen & Meinungen

Gibt es ein generelles Problem, dass Dokumente oder Schaltpläne gerne verschwinden oder verloren gehen? Wie eine Stichprobe bei einem großen öffentlichen Betreiber mit gemischtem Portfolio ergab, fehlten bei rund 85 Prozent der Anlagen Handbücher oder Schaltpläne, die bei der Anlage zur Verfügung stehen sollten. Aus welchen Gründen die Dokumente entfernt wurden, sei dahingestellt. Fest stehen die Auswirkungen: Zeitverschwendung, Stress und Kosten. Durch fehlende Dokumente und Pläne sind Wartungsdienstleister und Sicherheitsprüfer nicht ausreichend ausgestattet, um die Anlagen korrekt instand zu halten oder zu prüfen. Wie sieht die digitale Lösung für das Aufzugsmanagement aus? Wenn es darum geht, sowohl technisch, wirtschaftlich als auch rechtlich diesen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, stellt der Aufzug für die meisten Betreiber bisher eine „Black Box“ dar. Mithilfe von VIEW LiftBook sind alle anweisenden und nachweisenden Dokumente auf Knopfdruck verfügbar. Abläufe werden strukturiert unterstützt und notwendige Korrektur-Maßnahmen werden im System

„Bisher stellte der Aufzug für die meisten Betreiber eine ‚BlackBox‘ dar.“

automatisch veranlasst. Die Einhaltung der Betriebskontrollen wird automatisch terminisiert und überwacht. Selbst die Organisation der Überprüfung mit einem Aufzugsprüfer ist ganz einfach. Die Übertragung der Rechte – und des damit verbundenen Zugriffs – erfolgt sicher, zuverlässig und unkompliziert. Und last but not least: Durch die neutrale Plattform ist die Datenhoheit klar im Sinne der Betreiber geregelt. Damit gibt es auch keinen Streit, wem die Daten gehören. VIEW ist ja bekannt für seine KI- und sensorgestützte Sicherheitsüberwachung der Aufzugskabine …

Das Scope unseres Leistungsspektrums umfasst zuverlässige sensorgestützte 24/7-Betriebskontrolle für die bestmögliche und sichere Funktionalität der Aufzugsanlage. Sie liefert die solide Basis für Condition Based Maintenance und unterstützt die Dokumentation ebenso, wie bei der Optimierung des wirtschaftlichen Betriebs und der Einhaltung von Sicherheitsrichtlinien und Notfallplänen. Apropos Notfälle – Aufzüge gelten ja eigentlich als Ort des Unbehagens, warum? Das fängt schon damit an, dass die Aufzugskabine ein abgeschlossener Ort ist. Die Türen gehen zu und die Welt bleibt draußen. Auf dem Weg zum Ziel kann man nicht kontrollieren, wer zusteigt. Die verdichtete Nähe von Fremden tut ihr Übriges. Das sind einige Gründe, warum Aufzüge in Filmen häufig eine dramatische Rolle finden. Und für uns der Grund, den Aufzug zu einem „Ort aktiver Sicherheit“ zu machen. Gestartet haben wir damit, den Notruf zu hinterfragen. Dieser funktioniert noch nach dem Prinzip des Kupferdrahttelefons. Das bedeutet, man kann ihn nur bedienen, wenn man der Sprache mächtig ist. Gerade im Notfall ist es für die Betroffenen extrem wichtig, dass sie verstanden werden. Was aber, wenn sie nicht sprechen können? Wir haben einen Aufzugsnotruf nach dem „Zwei-Sinne-Prinzip“ entwickelt. Dieses Prinzip, das übrigens in der B1600 gefordert wird, bedeutet, dass immer mindestens zwei der drei Sinne „Hören, Sehen, Tasten“ angesprochen werden. Unser Fernnotruf-System stellt sicher, dass auch Menschen, deren Hör-, Sprach- oder Sehleis-

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tung eingeschränkt ist, den Aufzugsnotruf – ohne fremde Hilfe – benutzen und in wenigen Schritten Hilfe anfordern können. Unser System ermöglicht die Notrufkommunikation zusätzlich in zwölf Sprachen. Aufzüge funktionieren mittlerweile sehr digital, ist man da mit dem Notruf nicht etwas hinten nach? Überraschenderweise wurde der kleine Knopf mit der Glocke von der Industrie übersehen. Aber bei VIEW sind wir schon den entscheidenden Schritt weiter. Wir bieten ein patentiertes System, das den Notrufknopf überflüssig macht. Der Aufzug erkennt, dass Sie einen Notfall haben und kann autonom Hilfe anfordern. Die Überwachung mit Tiefensensorik und künstlicher Intelligenz ist in der Lage festzustellen, ob medizinische Notfälle oder gar Übergriffe vorliegen. Wie kann der Aufzug medizinische Notfälle erkennen? Ein Beispiel: Gegen Jahresende sind die Arbeitsbelastung und der Stress besonders hoch. Sie verlassen zu später Stunde als Letzter das Büro. Sie stehen im Lift, der Stress fällt ab und dann kommt es zu einem medizinischen Notfall – wie zum Beispiel einem Herzinfarkt. Niemand drückt den Notruf. Das Reinigungspersonal findet den Unglücklichen am nächsten Morgen – aber es ist zu spät. Weil jede Sekunde zählt, erkennt unsere Sensorik sofort, wenn eine Person in Kabine verbleibt, auch ob es sich um eine bewusstlose Person handelt – und schon funktioniert die Rettungskette. Ist das nicht ideal für Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser, wo Menschen oft orientierungslos sind? Ja, dafür ist es angesichts der besonderen Gefahrenlage perfekt, weil abweichendes Verhalten und Notfälle sofort erkannt werden. Unser Anliegen ist es, den Aufzug zu einem „Ort der aktiven Sicherheit“ zu machen. Ein schöner Gedanke. Kann man jeden Aufzug mit Ihrem System aufrüsten? VIEW lässt sich ganz einfach herstellerunabhängig einbauen, unabhängig von Baujahr

und Aufzugstyp. Das modulare System lässt sich an jede Kabinendimension anpassen. Bereits das Basissystem ist mit kompletter Sensorik ausgestattet, und hat die Zukunft bereits eingebaut. Das heißt, ganz nach Bedarf und weiteren Entwicklungen können Optionen freigeschaltet werden. So zum Beispiel ein 24/7-Aufzugswärterersatz, ConditionMonitoring, Vandalismus-Überwachung, Mieterinformationssystem … Mit den Screens bieten Sie auch Werbemöglichkeiten im Aufzug? Ja, da sind wir bereits sehr erfolgreich. Derzeit verzeichnen wir im Werbenetzwerk eine Reichweite von acht bis zehn Millionen Personen im Monat auf mehr als 350 Screens. Werbeinhalte werden über einen Algorithmus ausgesendet und man kann eine Blacklist erstellen (zum Beispiel Mitbewerb etc.). Damit kann man ja die Kosten für Ihr System gleich einspielen … Jedenfalls einen Teil und das sehr fair. Über die Sensorik werden tatsächliche Ausspielungen gesteuert und gemessen. Unsere Aufzugswerbung ist buchstäblich „Werbung, die ankommt“. Die Ausspielung kann programmatisch erfolgen und zum Beispiel Tageszeit, Fahrtrichtung, Wetter etc. berücksichtigen.

Das System kann auch als digitaler Aushang fungieren … Das ist vor allem für Hausverwaltungen, die ja den Bedarf haben, mit Mietern zu kommunizieren, sehr effizient, autorisiert und offiziell. Steht der Aufzug, rufen mehrere Parteien an, dass es einen Stillstand gibt. Tatsächlich wurde sich bereits darum gekümmert … ein Knopfdruck und schon wird es am Bildschirm ausgespielt. Die Mieter sind informiert und das Telefon nervt nicht mehr. Hier schließt sich der Kreis, das System lässt sich mit LiftBook verbinden und das Aufzugsmanagement wird rundum vereinfacht.

Günter Baca Günter Baca ist seit 2019 COO von VIEW Elevator und langjähriges Vorstandsmitglied des Kundendienstverbandes. Zuvor war er bei Kone und Polaroid tätig. In Diplomarbeiten beschäftigte er sich mit der „Alltäglichen Praxis der Fremdheit Umgang mit unausweichlicher Nähe von Fremden in verdichteten Nicht-Orten am Beispiel der Aufzugsfahrt“ ebenso, wie mit „Aufzugsmanagement - Kosten- und RisikoManagement entlang des Produktlebenszyklus“ und „Aufzüge und Haftung“.

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Speck mit Ei ...

Speck mit Ei … mit Peter Karl

Gedanken zu Trześniewski-Brötchen verfasst

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Der Druck kommt von den Investoren Thema Nachhaltigkeit. Peter Karl im Gespräch über neue Strategien bei der Portfoliozusammenstellung, ESG, EU-Taxonomie und die starke Expansion in der Slowakei. Das Gespräch führte: Lisa Grüner

Fotos: Katharina Schiffl

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ormalerweise besuchen wir in der Rubrik „Zu Tisch mit …“ mit unserem Interviewpartner dessen Lieblingsrestaurant. Doch auch hier spuckt uns Corona sprichwörtlich in die Suppe. Deswegen habe ich die Rubrik kurzerhand in „Speck mit Ei …“ umbenannt und Peter Karl, Geschäftsführer der ERSTE Immobilien KAG zu uns ins Büro eingeladen. Für die Nicht-Wiener muss man hier kurz erklären, dass die Brötchen von Trześniewski ein institutioneller Begriff sind. Wegen der Unaussprechlichkeit des Namens findet man diese unter der Website SpeckmitEi.at. „Mein Lieblingsbrötchen ist das mit Pfefferoni“, verrät mir Karl. Mein Favorit ist Matjes mit Zwiebel. Damit wäre schon die Aufteilung der Brötchen besprochen.

wir das Vorhaben, 2050 in Europa CO2-neutral zu sein, schaffen wollen, muss sich der CO2Ausstoß bis 2030 halbieren, damit sich das rein mathematisch überhaupt ausgeht.“

Die EU-Taxonomie und damit den Einzug von Nachhaltigkeitsthemen in die Regulatorik sieht Karl sehr gelassen. „Wir beschäftigen uns schon über viereinhalb Jahre mit dem Thema und freuen uns, dass es mehr Schwung bekommt.“ Er sieht Nachhaltigkeit nicht als Hype, sondern als langfristige Managementaufgabe. „Wenn

Immobilien sind eine langfristige Angelegenheit. Bei Wertpapierfonds ist die Anpassung der Veranlagung naturgemäß leichter möglich, da man zum Beispiel Aktien von Unternehmen, die ESG-Kriterien erfüllen, dazu kauft und andere verkauft und damit schnell sein Portfolio neu zusammenstellen kann. „Im

Stimmungsbild

Dennoch sind viele Branchenkollegen ob der Offenlegungsverordnung verunsichert. „Vieles ist noch viel zu unklar mit der EU-Taxonomie. Wie immer wird die Wahrheit in der Mitte liegen und aus der Erfahrung gesehen, kann ich sagen, je früher ich Nachhaltigkeitsthemen berücksichtige, umso besser.“ Er sieht die Offenlegungskriterien nur als einen Vorboten für viele Regulatorien. „Als Immobilieninvestor muss man da den Nachhaltigkeitsansatz ohnehin weiter denken.“

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Speck mit Ei ...

Immobilienbereich darf man jetzt im Einkauf keine Fehler machen. Die Immobilien, die wir heute kaufen, müssen morgen auch noch passen. Diese Entscheidungen werden sich auf die Werthaltigkeit, Liquidität und Bewertung auswirken. Kaufe ich energieineffiziente Häuser, werden sie schwerer zu vermieten sein, besonders im Bürobereich ist das schon klar ein Thema.“ Karl sieht seine Verpflichtung eindeutig darin, das Portfolio dort hinzubringen, dass es nachhaltig ist.

ESG-Treiber sind die Institutionellen

Der Druck kommt von den Investoren. Auch die öffentliche Hand treibt das Thema weiter und schlussendlich wird es auch im Mietwohnungsmarkt ankommen, weil es eine Mieterschicht gibt, die gerne nachhaltig wohnen will. „Aber das wird noch etwas dauern. Die Investorenseite will bzw. darf nur mehr in ESG-Objekte investieren und das hat zum Umdenken geführt. In Österreich werden Objekte ohne klimaaktiv-Zertifizierung gar nicht mehr angeschaut.“

Heizung versus Kühlung

Als wesentlichen Punkt sieht Karl die Auswirkungen des Klimawandels auf den Bedarf von Immobilien. „Interessanterweise wird immer der Heizwärmebedarf in den Vordergrund gerückt, dabei wäre das Thema Kühlung viel wichtiger.“ Die Baubranche muss sich überlegen, wie sie baut, damit die Bewohner im Hochsommer dort leben können. Das ist auch ein wichtiges Thema für ältere Personen, bei denen

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Hitze durchaus auch gesundheitsgefährdend werden kann. „Wenn die Bauweise dazu führt, dass sich die Leute das mobile Klimagerät im Fachhandel kaufen, läuft etwas falsch.“ In der Architektur werden damit auch Beschattung und Belüftung immer wichtiger. „Aber wie gesagt, noch werden die Wohnungen trotzdem vermietet, Lage und Grundriss bleiben bei der Wohnungswahl noch viel entscheidender. Von der Nutzerseite darf man sich die Veränderung nicht erwarten, erst wenn klimafeindliches Verhalten verteuert wird, zum Beispiel durch eine höhere Besteuerung von Gas, Öl etc., wird ein Umdenken erfolgen.“

Neuaufstellung bei Immobilienfonds

„Im Bereich der Immobilienfonds stellen wir uns breiter auf.“ Karl, der in Österreich als CEO für die ERSTE Immobilien KAG verantwortlich zeichnet, ist zusätzlich im Vorstand der Muttergesellschaft Erste Asset Management und dort ist er auch für das Immobilieninvestmentgeschäft der Gruppe in CEE verantwortlich. „In Prag, Budapest und Bratislava betreiben wir ja auch seit vielen Jahren Immobilienfondsgeschäft, die Fonds werden lokal gekauft und sind auch stark gewachsen.“ Insgesamt sind 5,5 Milliarden Euro investiert, 1,7 Millionen Quadratmeter werden in den Fonds gemanagt. „In Österreich sind wir der zweitgrößte Investor, in Ungarn sogar der größte.“ Karl möchte den Fokus verstärkt auf die Vernetzung legen. „Gruppenweite Produkte sind unser Ziel.“ Zukünftig soll auch ein tschechischer Kunde in Budapest investieren können. „Das ist im

Moment noch lokal eingeschränkt, weil Kunden und Assets überwiegend im gleichen Land liegen.“ Ein gruppenweiter Zugang bedeutet aber auch, das Nachhaltigkeits-Know-how in allen Portfolien umzusetzen.

Slowakei im Fokus

In der Slowakei wird ein starkes Wachstum angestrebt. „Der Markt hat viel Potential und die Nachfrage nach Immobilienfonds ist hoch, die Zinsen niedrig und den Aufholbedarf wollen wir nutzen.“ Darum hat das Unternehmen seinen ersten slowakischen Immobilienfonds auf den Markt gebracht. „Unsere Mannschaft der Wertpapier KAG hatten wir ja schon vor Ort und wir brauchten nur mehr die Immobilienexperten hinzufügen und erste Objekte in Bratislava kaufen. Insgesamt rechnen wir mit einer Erfolgsgeschichte wie in Österreich und Ungarn. Richtig gut ist man nur, wenn die lokalen Teams vor Ort sind.“

Ein Blick nach Rumänien?

Blickt man auf die Tätigkeiten der Erste Asset Management, so überrascht im Immobilienproduktbereich ein großer weißer Fleck auf der Landkarte – Rumänien. „Es gibt noch keine konkreten Projekte, aber es wäre naheliegend, dort ein Immobilien-Investmentprodukt aufzulegen.“

Der Reiz von Immobilien

„Bei Immobilien, da braucht man immer Menschen, eine Software kann nicht vermieten.“ Karl liebt Immobilien als Assetklasse, weil sie


„Im Bereich der Immobilienfonds wollen wir uns breiter aufstellen.“

immer die Managementleistung brauchen. „Ein Mensch muss mit ruhiger Hand die richtigen Immobilien auswählen.“

Gelebte Nachhaltigkeit

Karl, der Vater von zwei Kindern ist, sieht Nachhaltigkeit als persönlichen Sinn in seinem Leben. „Ich habe dem Thema im beruflichen Wirken einen starken Fokus gegeben, aber auch im Kleinen kann man immer etwas beitragen.“ So sieht er beispielsweise von privaten Kurztrips mit dem Flugzeug ab. Generell möchte er allen mitgeben, dass Nachhaltigkeit auch ein Mindset ist. „Man muss viel mehr aufzeigen, dass man nicht auf Lebensqualität verzichten muss, wenn man nachhaltig lebt. Genauso, wie der Irrglaube, dass beim nachhaltigen Anlegen die Erträge geringer sind. Das stimmt so nicht.“ Nachhaltigkeit bedeutet für ihn persönlich, weniger Ressourcen zu verbrauchen, als nachwachsen können. Aus diesem Grund ist er auch mit der S-Bahn gekommen und nicht mit dem Auto. „Das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist wirklich komfortabel.“ Schön, wenn Nachhaltigkeit aktiv gelebt wird.

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Über den Tellerrand

Eiskalte Leidenschaft Iceman statt Ironman. Auf der Suche nach dem ultimativen Kick schließen sich immer mehr Mutige dem Trend des Eisschwimmens an. Ewige Jugend und ein starkes Immunsystem soll es bringen, vor allem aber ist es eine mentale Herausforderung. Autor: Lisa Grüner

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reitung. „Die erste Grundregel ist, dass immer jemand mit dabei sein muss, der im Notfall eingreifen kann“, so Wegscheider. „Beim Hinkommen darf einen nicht frösteln, man soll sich gut fühlen und sich eine Stelle suchen, die schön ist und das Wasser möglichst wenig bis keine Strömung hat.“

Eiskaltes Glück

Die Badebekleidung hat man besten bereits an. „Die Kleidung sollte man so wählen, dass man sie einfach, schnell und mit klammen Fingern anziehen kann“, rät Extremsportler und Eisschwimmer Josef Köberl. „Auch die Schuhe.“ Jedenfalls soll man sich warm anziehen und lieber etwas mehr mitnehmen als zu wenig. Empfohlen werden auch eine Haube, Handschuhe, Tee und zwei Handtücher, eines zum Abtrocknen und eines zum Draufstellen. Wer untertauchen möchte, sollte auch Badehaube, Schwimmbrille und Schwimmboje mithaben, Neoprenschuhe sollen auch sehr angenehm sein.

Fotos: 7minds, Susanne Wegscheider, Peter Sitte, Lisa Grüner

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ommt man aus dem eiskalten Wasser heraus, wird man von einem Hochgefühl durchflutet, der ganze Körper prickelt und die Beine sind taub“, erzählt Susanne Wegscheider, Co-Gründerin der PR-Agentur com_unit. „Kalt ist einem nicht, man fühlt sich wach und erfrischt, eigentlich ganz anders, als man erwarten würde.“ Vor zwei Jahren begann Wegscheider mit dem Eisschwimmen, also lang bevor die Pandemie mit ihren Lockdowns alles verboten hat, was einen Kick bringt. Jetzt tummeln sich immer mehr Menschen im Badeoutfit an Flüssen, Seen und anderen Badestellen. Und bei den meisten bleibt es nicht bei einem einmaligen Erlebnis. „Am besten ist es, wenn man nach dem Sommer gar nicht mit dem Schwimmen aufhört, aber auch mit kalten Duschen kann man sich abhärten“, rät die passionierte Eisschwimmerin zur Vorbereitung. „Manche gehen aber auch spontan ins Wasser und das klappt auch.“ Das Eisschwimmen an sich braucht allerdings eine gewisse Vorbe-


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Über den Tellerrand

„Beim Eisschwimmen verschwindet der Alltag, der Stress fällt ab und man ist voll konzentriert auf das Element Wasser.“ Susanne Wegscheider, Com_unit

„Wer es bis ans Ufer geschafft hat, der geht auch rein“, lacht Köberl, dem die Kälte nichts ausmacht. „Die mentale Fokussierung ist dann schon so stark, dass man es durchzieht.“ Und dann geht es los. Zuerst wird in den Bauch geatmet. „Es ist wichtig, nicht in die Brust zu atmen, je langsamer und bewusster umso besser. Wenn man ins kalte Wasser kommt, nicht in Schnappatmung verfallen, sondern weiter langsam in den Bauch.“ Ins Wasser springt man nicht etwa hinein, sondern geht langsam Schritt für Schritt. „Das ist wichtig, da sich die etwa 36 bis 37 Grad warme Haut ja an das kalte Wasser anpassen muss.“ Die Haut kühlt sich ab und signalisiert dem Kopf, dass Gefahr droht. Wer nicht weiterkommt, geht wieder ein Stück

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raus und wieder hinein. Dann einfach stehen bleiben, weiter atmen und wer will, taucht unter. „Gerade am Anfang kann man eine Haube im Wasser tragen, damit man nicht zu sehr abkühlt“, rät Köberl. „Die meisten sind verwundert, dass es so gut geht und der Körper das zulässt.“ Dann geht man raus, trocknet sich ab und zieht sich langsam warm an. Das Hochgefühl stellt sich ein. Köberl empfiehlt, den Körper warm zittern und damit seine Temperatur selbst regeln zu lassen. Jetzt kann man auch warmen Tee oder Suppe trinken. „Am besten nicht zu warm einfüllen, damit man sich nicht verbrüht beim Zittern“, so der Profi. „Und vor allem den Moment genießen, in dem man Bäume ausreißen könnte.“

Positive Effekte

„Alltag, Ärger und Stress verschwinden, sobald man am Ufer steht“, schwärmt Wegscheider. „Man beruhigt den Atem und ist voll konzentriert auf das Element Wasser. Für mich ist es der beste Weg, den Kopf frei zu bekommen.“ Die positiven Effekte von Kaltwasser-Therapien und Kneipp-Kuren sind schon lange bekannt, daher überrascht es nicht, dass auch dem Eisbaden nur Gutes nachgesagt wird. „Es macht sowohl körperlich als auch psychisch robuster und widerstandsfähiger und stärkt das Immunsystem“, so Wegscheider weiter. „Allein der Effekt sich zu überwinden und das zu erleben macht stark.“ Wer sich regelmäßig sein Eisbad gönnt, bei dem sollen Erkältungskrankheiten der Vergangenheit angehören. Auch Durchblutung, Kreislauf und Libido sollen gestärkt werden, Entzündungen vermindert und Alterungsprozesse verlangsamt werden. Profi-Sportler nutzen diese Methode auch, um ihre Regenerationszeit nach extremen Einsätzen zu verkürzen. Der Kälteschub setzt definitiv Adrenalin und Endorphine im Körper frei. Diese sorgen für mehrere Stunden für Glücksgefühle, erhöhte Konzentration und Leistungsfähigkeit. Köberl empfiehlt vorab eine ärztliche Abklärung mit einem EKG. Wer Herz- oder Gefäßprobleme, hohen Blutdruck oder mit dem Kreislauf zu tun hat, für den ist Eisbaden


Factbox Josef Köberl kann für Eisschwimm-Seminare und Coachings gebucht werden: www.7minds.at Bezugsquelle für Schwimmbojen, Neoprenschuhe und anderes Zubehör: www.dive-company.eu

tabu. „Auch wir Eisschwimmer lassen uns jedes halbe Jahr durchchecken“, erklärt Köberl. „Sicherheit geht vor.“ Auf alle Fälle sollte man gesund sein, wenn man sich dem Abenteuer hingibt. Auch soll man sich nach dem Eisbaden nicht zu schnell aufwärmen. „Eine warme Dusche sollte man erst nach zwei, drei Stunden genießen“, so Köberl. „Besser ist es, eine Runde spazieren zu gehen.“

Selbstversuch

Bereits bei der Recherche fing es an, mich zu jucken, das doch auch einmal auszuprobieren. Schon des Öfteren war ich beim Spazierengehen an Eisschwimmern vorbeigegangen und fassungslos vor Staunen stehen geblieben. Nach den Interviews mit Susanne Wegscheider und Josef Köberl war mir klar, ich musste das versuchen. Und so packte ich am Nachmittag meine Sachen und traf mich mit einem Freund, der dem Eisbaden schon länger verfallen war. Mit jedem Schritt Richtung Wasser wurde ich wagemutiger, wild entschlossen stieg ich in das eisige Wasser und als ich wieder herauskam, konnte ich es kaum glauben, dass ich es tatsächlich gemacht hatte. Ja, das Wasser war kalt, doch kaum angezogen, war mir so wohlig warm, wie selten zuvor. Mit stolz geschwellter Brust und voller Glücksgefühle zog ich wieder von dannen. Und ja, das nächste Mal ist schon in Planung.

„Anschließend sorgen Adrenalin und Endorphine für mehrere Stunden Glücksgefühle.“ Josef Köberl, 7minds

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Zum Autor Dipl.-Kfm. Frank Brün FRICS ist Managing Partner bei Phorus Management und Gründungsvorsitzender der AREAMA – Austrian Real Estate Asset Management Association.

Wertsteigerung im Fokus Kommentar: Frank Brün

AREAMA: Nicht so lange her ist die Gründung der AREAMA, ausgeschrieben: Austrian Real Estate Asset Management Association. Sie gibt Immobilien Asset Managern erstmals in Österreich eine gemeinsame Stimme und schafft eine neue Plattform, um die Berufsgruppe zu vernetzen, das Berufsbild in Österreich zu schärfen und bekannt zu machen. Und vor allem: verständlicher zu machen. Den Schulterschluss mit der Immobilienbranche bildet die enge Kooperation mit dem ÖVI, RICS und den fünf österreichischen ImmobilienHochschulen.

Gefragtes Know-how

Ein etabliertes Berufsbild des Asset Managements gibt es weltweit schon länger. Die lokale Anwendung folgt üblicherweise regionalen Gegebenheiten und Erfordernissen, wobei in der Regel, dem Prinzip des „wer bezahlt, schafft an“ folgend, den Anforderungen und Wünschen

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der Auftraggeber entsprochen wird. So auch in Österreich. Die immer zahlreicher nach Österreich schwärmenden internationalen Investoren erwarten auch hier eine gewohnte Betreuung der Objekte durch die unterschiedlichsten Beteiligten.

Ausgebildete Dienstleister

Üblicherweise geht der Part der lokalen Vertretung von originären Eigentümerinteressen naturgemäß an einen Asset Manager, der frei agieren können muss, d.h. unabhängig ist von anderen Beteiligten wie Property Manager, Makler, Facility Manager, Banken, Ingenieurbüros etc. Nur so ist gewährleistet, dass die Eigentümerinteressen mit klarem Fokus auf die Wertsteigerung im Vordergrund stehen und nachhaltig verfolgt werden. Das erfolgt durch eigenes Personal oder durch beauftragte Dritte. In beiden Fällen liegt die Herausforderung für die Zusammenarbeit in der intelligenten Definition von Schnittstellen über die Leistungstiefe mit den weiteren Dienstleistern, abhängig von deren Ressourcen und Fähigkeiten in Kombination mit den auftraggeberseitigen Vorstellungen über die Rollenverteilung in der Dienstleistungskette. Dabei handelt es sich nicht um einen Verdrängungsprozess bisher eingebundener Berufsgruppen, sondern um eine zusätzliche, in Österreich immer wichtiger werdende, Dienstleistung. Den Erfolg eines guten Asset Managements erkennt man daran, wie die Beteiligten zusammenarbeiten, um die gesteckten Partikularziele zu erreichen.

Fotos: Adobe Stock

STAYCATION: Wie ist es Ihnen seit der letzten Ausgabe des ImmoFokus ergangen? „Remote“ von daheim gearbeitet oder die „Neue Normalität“ mittels „Staycation“ im „Home-Office“ geübt. Ganz Mutige waren auf „Awaycation“ im Zillertal oder zum Golfspielen in Südafrika. Ich selbst habe Binge-Webinaring betrieben, wobei ich ehrlicherweise das eine oder andere Mal im kleinen Fenster am Bildschirmrand eher nebenher aus dem Augenwinkel zugesehen habe. Sonst mache ich das nur mit Ski-Liveübertragungen, um ab und zu mal zu sehen, ob mal wieder sechs Österreicher unter den ersten fünf sind (ist schon länger her).


Die bewegte ImmoWirtschaft Regelmäßige Kolumne über Fakten und Inhalte, die verändern und prägen.

#25 Gewerbeflächen: Jetzt geht es um ALLES! Kommentar: Philipp Kaufmann

Die Corona-Krise hält uns weiterhin fest im Griff und wir sind noch lange nicht aus dem Tal der Tränen aufgetaucht. Den Satz „die nächsten zwei Wochen sind entscheidend“ müssen wir tagein, tagaus von Politikern in vielen Ländern hören und können es kaum mehr glauben. So schön der letzte Sommer (2020) war, so dramatisch war der Herbst und so wenig Hoffnung haben wir aktuell. Mit den Mutationen und den fehlenden Impfungen sind wir noch immer mitten in der Krise – viele von uns sind schon müde von all den Einschränkungen und Entbehrungen. Kaum zu vorstellbar, wann die letzten zwei Wochen endlich vorbei sind und wir wieder ein normales Leben leben können. Als Konsumenten fehlen uns die Möglichkeiten, Essen zu gehen oder einen Theaterbesuch zu planen. Aber die Betreiber trifft die Krise noch dramatischer, geradezu existenziell und diesen Druck spüren die Vermieter.

rum. Keiner von uns ist nicht von seinem Mieter um eine Mietreduktion angesprochen worden oder musste ein Schreiben vom Anwalt lesen. Die Situation ist dramatisch und wird sich die nächsten Wochen noch intensivieren. Problematisch ist dies, da wir als Vermieter keine Förderungen für diese Reduktionen erhalten und gezwungen wären, diesen Umsatzverlust als Letzter in der Nahrungskette zu „schlucken“. Gleichzeitig ist die Situation mehr als ungerecht, da zumindest für November und Dezember 2020 unsere Mieter 80 bzw. 50 Prozent des Umsatzes ersetzt bekommen haben. Bei diesen (Über-)Förderungen müsste es möglich sein, die Miete zahlen zu können. Dem Grunde nach wäre es fair, gerade in diesen Monaten die Miete zu erhalten. Dementgegen steht scheinbar das ABGB und die Rechtsmeinung vieler im Markt.

Gewerbeflächen unter Druck

Die einzige und richtige Vorgehensweise ist es, Vereinbarungen zu finden, welche für beide Seiten vertretbar sind und Rechtsfrieden bringen. Die Alternative sind Rechtsunsicherheit und hohe Prozessrisiken – dies auf beiden Seiten, auch wenn die ersten Zeichen dafür sprechen, dass die Mieter Recht bekommen könnten. Aber: Wenn der Mieter klagt und gewinnt, bleibt eines im Raum: Wenn die Beziehung zerstört ist, wird es verdammt schwer, langfristig zusammenzuarbeiten. Und die nächste Mietvertragsverlängerung kommt bestimmt.

Mit den behördlichen Schließungen sind gewerbliche Immobilien in einer Art und Weise von der Krise betroffen, wie wir es alle nie auf dem Radar hatten. Erstmals seit dem zweiten Weltkrieg sind viele Betriebe verpflichtet gewesen, ihre Geschäfte zu schließen, und viele waren gezwungen, keine Umsätze machen zu dürfen. Diese Situation betrifft Vermieter aller Gewerbeflächen, gleich ob es sich um ein Geschäft in einer Einkaufsstraße handelt, in einem Fachmarkt- oder Einkaufszent-

Zukunft verspielt

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Zum Autor KR Michael Pisecky ist Geschäftsführer der s Real und Obmann der Wiener Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder.

Alle (Viele) wollen im Einfamilienhaus wohnen! Kommentar: Michael Pisecky

Zu hoher Energieverbrauch

Was wir daraus machen: Wir bauen auf immer kleiner werdenden Grundstücken viel zu große Häuser mit Grünstreifen vorne und auf den Seiten und einem kleinen Garten dann hinter dem Haus. Wir erreichen maximale Einsicht von allen Seiten, die wir mit schnell wachsenden Hecken verdecken wollen, die uns unendliche Gartenarbeit bescheren. Gerüche und Geräusche kommen weiter zu uns und die Nichteinsehbarkeit nimmt uns jeden Ausblick. Der Keller wird vollgeräumt mit Dingen, die wir großteils nicht mehr brauchen, und das viel zu große Haus, meist zwei Wohngeschosse, wird nach dem Ausziehen der Kinder nur mehr im Erdgeschoss bewohnt, das obere Wohngeschoss muss trotzdem ge-

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reinigt werden. Wir verbrauchen viel Grund und Boden, die Orte dehnen sich unermesslich aus, wir bauen Infrastruktur mit sehr langen Wegen, deren Erhaltung wir uns nicht mehr leisten können, um dann im Alter zu vereinsamen, weil die Wege zu den gesellschaftlichen Treffpunkten zu weit werden. Wir verbrauchen viel Energie für viel Wohnraum, der oft nur teilweise genutzt wird – und sanieren nicht.

Zielsetzungen hinterfragen

Nun ist der Bewohner, der kein Fleisch isst, nur mit dem Fahrrad fährt und in der Stadt wohnt, aus ökologischer Sicht das Optimum. Der Zeitgeist schon seit 2015 und nun beschleunigt durch Corona führt jedoch zu einer Stadtflucht und Wohnen auf dem Land, d.h. noch mehr Einfamilienhäuser, mehr Autos etc. Wir müssen die Zielsetzungen hinterfragen, um vielleicht zu festzustellen, dass Wohnen im verdichteten Flachbau, mit geschlossenen Straßenzügen, einem L-förmigen Baukörper mit nicht einsehbarem Eigengarten – also ein Zurück in die Ortskerne – ein guter Weg wäre, individuell zu wohnen und einigermaßen ökologisch zu bleiben. So wie es schon die „Alten“ gemacht haben. Nein zur weiteren Zersiedelung und weiteren Aufschließung von Baugründen, ja zur Belebung der Ortskerne, Nutzung schon versiegelter Flächen durch Verkleinerung der Siedlungsgebiete. Es ist möglich, wir müssen aber die Diskussion über Inhalte und Zielsetzungen führen. Ich vertraue auf den Verstand. Michel Pisecky

Fotos: Adobe Stock

Es gibt wieder laufend Diskussionen und Umfragen rund um die „beliebteste“ Wohnform der Österreicher, dem Einfamilienhaus. In Expertengremien, in den Kreisen der Landesräte für Wohnbau, bei den Bautensprechern und auch in der Regierung wird, sicher verstärkt durch die wieder stattfindende Auseinandersetzung mit den Umweltthemen, dieses Thema erläutert. Da fallen Aussagen wie „das kann man den Österreichern nicht wegnehmen“ oder in Umfragen sprechen sich extreme Mehrheiten für das Einfamilienhaus aus. Da laufen wir Gefahr, dass niemand den Mut findet, sich dagegen zu stemmen, damit Zersiedelung und Flächenverbrauch nicht weiterhin erfolgen dürfen. Ich habe schon in einigen Gesprächen, Vorträgen und Publikationen versucht, inhaltlich auf die Konsequenzen dieser Wohnform einzugehen und damit gegen das Einfamilienhaus Stellung genommen. Freundlich wurde das nicht aufgenommen, es ist wirklich schwierig. Ich getraue mich aber, eine kurze Analyse der Bedürfnisse, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, zu formulieren: Eine Familie, mit oder ohne Kinder, möchte im Eigentum, mit Nähe zur Natur, also eigenem Garten, (eher) ungestört, für sich allein, also nicht einsehbar, mit großer Wohnfläche, also jedem sein Zimmer und ausreichend Platzreserven, jedenfalls unterkellert u.v.m. wohnen. Vielleicht denken auch viele an die Art und Weise, wie früher Gutsherren oder Adelige gewohnt haben, ein Gebäude inmitten der umliegenden Ländereien.


Zum Autor Hans Jörg Ulreich, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Ulreich Bauträger GmbH, Bauträger­ sprecher Österreich, Lektor an der TU Wien und FH Wien.

Was zählt. Kommentar: Hans Jörg Ulreich

Mein jüngstes Bauprojekt, mit dem ich an den Start gehe, ist noch vor der Gründerzeit erbaut worden und liegt mitten in einer Wiener Schutzzone. Die ehemalige Pension wurde von einem desinteressierten Besitzer zum nächsten gereicht –Instandhaltungsarbeiten gleich null – und letztendlich ist es bei mir gelandet. Als ich es vor drei Jahren übernommen habe, war es schon mehr als „marod“. Von Regionalmedien wurde es aufgrund zahlreicher Proteste von Anrainern mit dem wenig rühmlichen Prädikat „Schandfleck der Woche“ prämiert. Vor einigen Wochen ging die Bauphase los.

Effiziente Flächennutzung

Keine Sorge, ich bewerbe hier nicht mein nächstes Bauprojekt. Jahrelang siechte dieses Haus praktisch vollkommen verlassen vor sich hin und war kaum anzusehen. Mehr noch, in Zeiten, in denen es quasi ein Gebot sein muss, Flächen so effizient wie möglich besonders in der Stadt auszunutzen und zu verdichten, kam neben der grässlichen Optik natürlich auch noch der nicht genutzte Boden in die Waagschale. Viele Anrainer beschwerten sich über die so zentral gelegene und damit gut sichtbare, leerstehende Ruine mitten in einer sonst so beschaulichen Straße. Nicht nur mich selbst freute, dass das Planungsergebnis optisch gut gelungen ist, sondern vor allem technisch auf die allerneuesten ökologisch nachhaltigen Errun-

genschaften baut. Von der Tiefgarage bis hinauf in den Dachboden wird das Objekt ein klarer Umweltfreund. Das positive Feedback nach der Projektpräsentation war überwältigend.

Kleiner Wermutstropfen

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Eine Handvoll alteingesessener Anrainer machte ihrer Wut Luft darüber, dass der grüne Wildwuchs um das Haus nach den ersten Arbeiten einer Erdenflut weichen musste. Diverse Postings machten in den Social-Media-Kanälen die Runde. So sehr ich überzeugt bin, dass dort ein ökologisch nachhaltiges, sich perfekt in die Schutzzone einfügendes, charmantes Objekt entsteht, das Wohnraum für alle Generationen bietet, ein Wermutstropfen bleibt. Auch wenn ich zu 100 Prozent zum Bau stehe, auch wenn ich weiß, dass es ein durch und durch umweltfreundliches Bauprojekt wird, die kleine „Gstettn“, die dem Bau jetzt zum Opfer fiel, war ökologisch wertvoll. Das ist einfach nicht wegzudiskutieren. Und jede und jeder, der sich die Mühe macht, darauf seriös hinzuweisen, verdient unseren Respekt. Denn sie erinnern uns daran, dass die Frage darüber, was ökologisch und sozial nachhaltig wirkt, viel mehr an Abwägungen bedarf, als die wenigen in den aktuellen Diskussionen. Einen schönen Start in den Frühling!

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Zum Autor MMag. Louis Obrowsky, Präsident des Verbandes der Institutionellen Immobilieninvestoren. Geschäftsführer der LLB Immo Kapitalanlagegesellschaft m.b.H.

Immobilienbesitzer haben ein Recht auf Erträge Kommentar: Louis Obrowsky

Keine Hilfe für Immobilieninvestoren

Wer in eine Immobilie investiert, erwartet genauso einen Ertrag wie bei einer Investition in ein produzierendes Unternehmen. Baukosten steigen, Arbeitskosten steigen, Gebühren steigen, Corona-bedingte Bevorzugungen der Mieterrechte werden eingeführt und vieles andere mehr. Damit muss ein Wohnimmobilien-Investor erst einmal klarkommen,

um nicht in die Liebhaberei abzurutschen. Denn Hilfe vom Staat ist für Immobilieninvestoren nicht in Sicht. Da macht es ihm die Politik auch noch zusätzlich schwer, indem wieder einmal das Inflationsmilderungsgesetz aktiviert wurde, das eine gesetzlich geregelte Anpassung der Mieten alle zwei Jahre verhindert. Rund sieben Prozent der Mieter haben, so kann man es lesen, ein Corona-bedingtes Problem, ihre Miete zu bezahlen – dafür dürfen in diesem Jahr gleich 100 Prozent der Richtwertmieter von dieser Problemlage einiger profitieren. Wieso eigentlich? Fragt jemand die Immobilieninvestoren – egal ob Private oder Institutionelle –, ob sie sich dann überhaupt noch die nötigen Reparaturen werden leisten können?

Schwierige Investitionsentscheidungen

Warum es gerade im Mietrechtsgesetz keinerlei Vertrauensschutz gibt, bei anderen Rechtsfragen muss sich dieser oftmals über Jahrzehnte erstrecken, ist unklar. Wie soll man Investitionsentscheidungen treffen, Finanzierungen planen, wenn man der gesetzlichen Willkür ausgeliefert ist? Lippenbekenntnisse, dass auch Vermieter das Recht auf eine Rendite haben, sind dabei wohl bedeutungslos. Wer seinen Bürgern eine günstige Wohnung vermitteln will, kann dies gerne tun, solange die Bürger bereit sind, dass ihre Steuern dafür verwendet werden. Es kann aber nicht sein, dass private Investoren dafür herangezogen werden, Mietraum zu Preisen zur Verfügung zu stellen, die fernab von Gestehungskosten liegen. Still ist es eigenartigerweise jedes Mal, wenn die Gemeinde Wien die Abgaben für Wasser, Müllabfuhr, Strom etc. anhebt. Das scheint irgendwie gottgegeben zu sein. Helfen könnte dem nur eine mutige Reform des Mietrechtsgesetzes: Z.B. Friedenskronenmieten rascher an ein ortsübliches Niveau anheben, Wohnungen, die als Büro vermietet sind, und Geschäftsraummieten aus dem Mietrechtsgesetz herausnehmen – wie es in ganz Europa üblich ist, steuerliche Anreize, um in Wohnraum zu investieren etc. Aber das ist wohl nach wie vor Utopie.

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Fotos: Richard Tanzer, Stanislav Jenis , Adobe Stock

Alle wollen leistbaren Wohnraum. Möglich ist das aber nur, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. Dazu muss man aber Immobilieninvestoren die Chance bieten, ihr eingesetztes Kapital zurückverdienen zu können, das heißt, eine halbwegs vernünftige Rendite zu erwirtschaften. Und wenn die Steuern auf Arbeit sinken würden – hier ist Österreich ein absolutes Hochsteuerland –, dann würden sich auch schon jetzt viele Menschen ihre Miete leichter leisten können.


Zum Autor DI Jenni Wenkel MRICS ist studierte Immobilienökonomin und Vorstandsvorsitzende der RICS in Österreich. Seit 13 Jahren ist sie im Erste Bank Konzern tätig, zuletzt im Bereich CREAM und als Projektleiterin in der Hotelentwicklung.

Open Space und Home-Office Kommentar: Jenni Wenkel

Ich arbeite in einem der modernsten Bürokomplexe Europas – dem Erste Campus. Als die Erste Group Bank AG mit all ihren Tochtergesellschaften Anfang 2016 an diesen Standort zog, wurde eine völlig neue Arbeitswelt geschaffen. Eine Arbeitswelt, welche die in Europa immer noch vorherrschende Arbeitsweise revolutioniert hat: Open Space, Desk Sharing, Paperless Office, all das wurde implementiert. Es gibt nur noch ein einziges Einzelbüro auf 90.000 m² und das ist dem Aufsichtsratsvorsitzenden vorbehalten. Sogar der Vorstand arbeitet im Großraumbüro. Eine Herausforderung auf vielen Ebenen. Für eine Unternehmenskultur und jeden einzelnen Mitarbeiter. Aber es ist auch eine Herausforderung, die verbindet. Denn mittlerweile arbeiten 5.500 Kollegen tagtäglich sehr erfolgreich mit diesem innovativen Konzept. Allein das Thema HomeOffice wurde stehts kritisch gesehen.

Technisch kein Problem

Dann kam das Virus – mit all seinen Abstands- und Hygienevorschriften im Gepäck. Auf einmal war Home-Office verpflichtend. Für alle. Nach dem ersten harten Lockdown im Frühjahr 2020 wurde eine 50/50-Regel eingeführt, die bis heute Bestand hat. Zwei Gruppen. Eine Woche „Office“, eine Woche „Home-Office“. Nur wenige sind permanent vor Ort. Manche Kollegen habe ich daher seit Monaten nicht „gesehen“. Wiederum eine Herausforderung. Technisch war die Umstellung dank einer hervorragenden IT-Abteilung in knapp einer Woche vollzogen. „Teams“

wurde zu unserem neuen Medium. Inhaltlich waren in den meisten Bereichen kaum Auswirkungen auf die Arbeitsleistung zu bemerken. Im Gegenteil. Weniger Wegzeiten, mehr Arbeitszeit. Und so hat sich mit der Krise auch die Einstellung zum Thema Home-Office positiv verändert. Bleibt die Frage, inwieweit sich diese Arbeitsweise dauerhaft in unser aller Arbeitsalltag integrieren lassen kann. Und welche Auswirkungen sich daraus auf den Flächenbedarf und das soziale Miteinander ergeben.

Menschlich eine Herausforderung

Denn nach wie vor ist es erstaunlich zu beobachten, wie unterschiedlich die einzelnen Kollegen mit dieser „Ausnahmesituation“ umgehen. Je nach den jeweiligen Lebensumständen können sich einige sehr gut mit den neuen Gegebenheiten arrangieren, anderen fehlen der inhaltliche Austausch und das soziale Miteinander umso mehr. Es wird die nächste Herausforderung sein, die auf uns zukommt: hier die richtige Mischung zu finden. An unterschiedlichen Konzepten wird momentan intensiv gearbeitet. Bis dahin haben wir, zumindest derzeit, eine ganz gute Mischung gefunden. Telefonieren auch mal nur so miteinander, um zu fragen, wie es uns geht. Kommunizieren noch klarer untereinander. Und freuen uns trotzdem schon jetzt, wenn wir dann auch alle mal wieder gemeinsam im Büro sitzen dürfen. Und im Schanigarten.

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Frech gesagt

„Ziele 2021. Break your habits.“ „Dein Ernst? Was willst Du denn in einer derart unsicheren Zeit planen, was soll das bringen“, fragt verwundert ein Bekannter, der eher auf der pessimistischen Realisten-Seite zuhause ist. Sollen wir uns somit in diesen besonderen Tagen überhaupt keine Ziele mehr setzen? Ist alles egal, weil COVID-19-bedingt eh jede Art von Sicherheit schwindet? Ich meine, nein. Kolumne: Anita Körbler

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ls ziel- und lösungsorientierter Charakter frage ich mich beim Zitat „Der Weg ist das Ziel“ des Öfteren, ob dieser Satz nicht für manche einfach eine Ausrede darstellt, weil man keine Ziele formuliert hat oder weil’s einfach bequemer ist. Naturgemäß tun sich Menschen, die mit einer intrinsischen Motivation (sprich, die Antriebskraft kommt aus einem selbst) gesegnet sind, hier leichter. Gleichzeitig können extrinsische Zielsetzer (die darauf ausgerichtet sind, externe Bestätigung durch andere zu erhalten) mit dem richtigen Sparring-Partner an ihrer Seite gleichermaßen effektiv attraktive Ziele schaffen. Fakt ist, dass die Definition des einfachsten Ziels – vor allem in turbulenten Zeiten – enorm wichtig für die eigene Motivation ist und die Zufriedenheit nachhaltig stärken kann. Der Fokus von langfristiger Konzeption auf kurzund mittelfristige Planung gewürzt mit einer gehörigen Portion Troubleshooter-Qualitäten und wertvoller Prioritätensetzung bewährt sich im dynamischen Umfeld.

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ImmoFokus

Wenn Wünsche nicht mehr reichen ... Was man schreibt, das bleibt.

Wir alle kennen sie, die großartigen Neujahrsvorsätze, die hoffnungsfroh am Ende des Jahres formuliert, aber nach einiger Zeit dann auch wieder rasch vergessen werden. Das Problem dieser Vorsätze ist, dass sie wenig operationalisiert, vielleicht noch kommuniziert, aber nicht kontrolliert werden. Studien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Ziel zu erreichen, um über 40 Prozent steigt, wenn es notiert wird. Gerade diese herausfordernden Zeiten, in denen viel Unsicherheit und Frustration herrscht, schreien nach etwas Selbstbestimmung, nach Träumen anstatt Hindernissen. Wir kennen alle das Gefühl des inneren Schweinehundes, wenn wir etwa wissen, dass wir uns sportlich mehr betätigen sollten. Hier hilft es, den Fokus auf die Vorstellung der Emotion nach dem Sport zu legen, das Resultat schon vorab vor Augen zu haben: was sehe ich, höre ich, fühle ich, wenn mein Ziel erreicht ist? Quasi eine self-fulfilling prophecy, step-by-step: auch kleine Fortschritte beleben!

Die Selbstreflexion ist dabei ein wichtiger Faktor: Was bin ich selbst bereit, für die Erreichung meiner Ziele zu tun? Disziplin, Ausdauer, Ehrgeiz: das beste Ziel nützt nichts, wenn es nicht erreicht werden will. Wenn eine Person sich selbst im Weg steht, ist der richtige Weg, sich Unterstützung zu suchen.

Man kann nicht alles haben. Zumindest nicht zur gleichen Zeit.

Unterschiedliche Lebensabschnitte – unterschiedliche Prioritäten. Sinnvoll ist es, die eigene Planung in diverse Bereiche aufzuteilen. Wann war es für mich ein guter Tag? Wenn ich meinem Unternehmen Umsatz gebracht habe oder wenn ich meine Kinder vor dem Einschlafen noch umarmen konnte? Wie intensiv möchte ich Erfolg, Freiheit, Unabhängigkeit erleben? Je nach Prioritätensetzung in puncto Beruf, Beziehungen oder Selbstverwirklichung kann das je nach Lebensphase divergieren, da uns allen bekannterweise eine limitierte Menge an Energie und Ressourcen zur Verfügung steht.


Betrachten wir eine Zielformulierung anhand eines (vor allem seit dem vorigen Jahr wieder sehr populären) Brettspiels: Activity. Wo liegt der Reiz, was treibt mich an, was steigert meine Zufriedenheit: Will ich mit meinem Spielpartner gewinnen oder macht es mich als wissbegierigen Menschen eher glücklich, mein Spektrum hinsichtlich andersartiger Beschreibungen, Zeichnungen, Darstellungen des Gegnerteams zu erweitern? Zielsetzung ist immer auch eine Frage der Perspektive – egal ob am Spielfeld oder etwa im Rahmen einer Arena-Analyse in Unternehmen und Institutionen.

Groß denken versus kleine Ziele setzen – Methoden der Zielplanung.

Werden Ziele verstanden bzw. genügend heruntergebrochen? So manche Organisation feilt an hervorragenden Zieldefinitionen, die eher an Marketing-Texte für Firmenleitbilder erinnern. Wie soll ein Mitarbeiter Ziele erfüllen/erreichen können, wenn es ihm aufgrund der Kommunikation nicht einmal möglich ist, das Ziel vollständig zu erfassen? Was wir nicht verstehen, werden wir nicht zielführend realisieren können. Vor allem im digitalen Umfeld ist der „Design Thinking“-Ansatz immer wieder ein Thema. Vielen hilft diese Art der Problemlösung und/oder Innovationsgenerierung bei der erfolgreichen Bewältigung der fordernden Begleitumstände in diesen bewegten Zeiten. Man muss nicht alles allein abdecken, warum nicht Teammitglieder suchen, die mit anderen Kompetenzen und Motivationen erheblich dazu beitragen, das Ergebnis zu optimieren?

Foto: Wohnsalon Immobilien

Egal ob nach der SMART-Formel (Spezifisch, Messbar, Aktivierend, Realistisch und Terminiert), der KRAFT-Methode (Konkret, Realistisch, Attraktiv, Fähigkeiten und Terminiert) oder der WENN-DANN-Planung (wie etwa jeden Montag einen Jour-fixe-Termin mit anschließendem Protokoll hinsichtlich der To-do’s für die Woche abzuhalten): konkrete, schriftlich formulierte Zielsetzungen bleiben das A & O einer realisierbaren Konzeption. Ich persönlich verwende im Austausch mit Kunden gerne moderne Szenarioplanung, weil damit neben Unternehmenszielen und persönlichen Interessen auch das Umfeld (sei es ökonomisch, ökologisch, sozial, demografisch oder politisch) genauer betrachtet wird.

Anita Körbler, MA Anita Körbler, MA ist ideenreiche Branchenkennerin und Managerin mit Herz und Hirn. Körbler kann auf langjährige Erfahrung in Immobilienunternehmen sowie exklusive Projekte im öffentlichen Bereich (PPP) zurückblicken. Berufsbegleitend absolvierte sie erfolgreich zwei Studien im Bereich Wirtschaft und Public Communications, zeichnete jahrelang für verschiedene PropTech-Unternehmen als Geschäftsführerin verantwortlich und widmet sich der Beratung und Immobilienvermarktung sowie der Realisierung von Digitalisierungsprozessen in der Immobilienbranche.

Die ehrliche Auseinandersetzung mit den Fragestellungen „was genau will ich mit wem wann wo wie erreicht haben, kann ich die Zielerreichung selbst beeinflussen, wofür brauche ich externe Unterstützung, welcher Nutzen/Gewinn soll dadurch entstehen, welche Kompetenzen/ Fähigkeiten stehen zur Verfügung, was sind die nächsten Schritte auf diesem Weg“ sind ein empfehlenswerter Anfang. Und nicht vergessen: auch die kleinsten Erfolgserlebnisse werden schriftlich festgehalten – damit aus vagen Wunschvorstellungen schließlich verwirklichte Ziele werden. Ganz frech gesagt: Wie Lessing einst meinte: „Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt“. Also: gehen wir’s an!

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Zum Autor Martin Prunbauer ist seit 2012 Präsident des Österreich­ ischen Haus- und Grundbesitzerbundes (ÖHGB), seit 2020 Präsident des Zentralverband Haus und Eigentum und im Zivilberuf als Rechtsanwalt in Wien tätig.

Geschenke auf Kosten der Vermieter Kommentar: Martin Prunbauer

Vermieter sind Verlierer

Die Regierung hat darüber hinaus den Forderungen der SPÖ und Mietervertretern nachgegeben. Die für 1. April 2021 gesetzlich vorgesehene Inflationsanpassung der Richtwerte soll auf ein weiteres Jahr ausgesetzt werden. Auf Betreiben der Grünen soll aber auch die Wertanpassung bei den Kategoriebeträgen verschoben werden.

Populistische Unvernunft

Mit Verteilungsgerechtigkeit hat diese Maßnahme rein gar nichts zu tun. In Zeiten wie diesen ist eine generelle Entlastung für alle Mieter, die ohnehin schon im preisgeregelten Sektor des Mietrechts wohnen – egal, ob sie es nun brauchen oder nicht –, Ausdruck populistischer Unvernunft. Richtig wäre es, all jenen einen staatlichen Zuschuss zu gewähren, die aufgrund der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben oder sich durch Kurzarbeit in finanziellen Engpässen befinden.

Die Regierung hat aus Anlass der Krise berechtigterweise großzügig das Füllhorn über die Betriebe ausgeschüttet, damit diese durch die Krise tauchen können. Ungeförderte Vermieter kämpfen jedoch mit Mietzinsminderungsbegehren. Private Eigentümer haben keine Unterstützung erhalten.

Diese undifferenzierte Großzügigkeit der Regierung geht auf Kosten der Eigentümer. Die ohnehin nur alle zwei Jahre durch das Richtwertgesetz vorgesehene Inflationsanpassung der Richtwerte sowie die Indexierung bei den Kategoriebeträgen dient dem Werterhalt des preisgeregelten Mietzinses.

Auch bei den Wohnungsmieten hat der Gesetzgeber Erleichterungen zugunsten der Mieter beschlossen. Für Zahlungsrückstände aus dem zweiten Quartal 2020 wurde eine Kündigung aus diesem Grund aufgeschoben. Die Zahlungsfrist für Mieten aus diesem Zeitraum wurde bis zum 31. März 2021 verlängert und Räumungsexekutionen können über Antrag aufgeschoben werden.

Viele der so dringend benötigten Investitionen für die Wirtschaft werden künftig ausbleiben. Die Folge ist unter anderem, dass vor allem Aufträge an das Bau- und Baunebengewerbe zurückgehen und Österreich künftig auch im europäischen Vergleich im Standard hinterherhinken wird. Diese Entwicklungen werden sich über kurz oder lang auch am Stadtbild ablesen lassen.

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Fotos: Adobe Stock

Corona hat den Alltag vieler Vermieter von Grund auf verändert und diese vor neue Aufgaben gestellt. Behördlich angeordnete Geschäftsschließungen und veränderte Geschäftstätigkeiten – etwa von der herkömmlichen Gastronomie hin zur Umstellung auf Lieferdienste, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen – haben auch für Vermieter Umsatzeinbußen zur Folge. Dabei gleicht bei den zahlreichen Mietzinsminderungsbegehren kein Fall dem anderen und muss anhand der individuellen Verhältnisse beurteilt werden. Erschwerend wirkt der Umstand, dass mangels gesicherter Rechtsprechung keine präzisen Aussagen getroffen werden können, wie die Rechtslage im konkreten Fall zu beurteilen ist. Viele Vermieter haben mit ihrem Mieter das Gespräch gesucht und einvernehmliche Lösungen gefunden.


Akademische Seite

Zum Autor Univ. Prof. Dr. Gunther Maier: Modul Universität Wien (MU). Gründer des Forschungsinstituts für Raum- und Immobilienwirtschaft an der WU Wien und Vizepräsident der European Real Estate Society.

Das Bestellerprinzip in Deutschland Kommentar: Gunther Maier

Vor einigen Wochen sah ich eine interessante Präsentation über die erwarteten Auswirkungen des Bestellerprinzips für Immobilienmakler in Deutschland. Stephan Kippes von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtlingen-Geislingen berichtete über die Ergebnisse einer entsprechenden Umfrage unter rund 1.300 Maklern in Deutschland. Dabei kamen einige recht interessante Ergebnisse zum Vorschein.

Vorteil. Ebenso wenig überrascht, dass die meisten Makler auf die Frage, wie sie auf die neue Situation reagieren werden, antworten, dass sie den Anteil des Verkäufers an der Kommission auf den Verkaufspreis aufschlagen und sie so wiederum dem Käufer bzw. Mieter aufbürden wollen. Am Ende des Tages zahlt eben immer der Endverbraucher.

Wenig überraschend ist, dass die Makler mit der neuen Regelung mehrheitlich keine Freude haben. Denn mehr als die Hälfte von ihnen verrechnete bisher die Gebühr dem Käufer bzw. Mieter und muss daher das Geschäftsmodell anpassen. 59 Prozent der Befragten erwarten für sich von der Neuregelung primär einen Nachteil, nur 22 Prozent einen

Überraschender sind einige andere Antworten auf diese Frage, bei der übrigens Mehrfachantworten zugelassen waren, sodass sich die Prozentanteile auf über 100 Prozent summieren. Während 31 Prozent meinen, so weiter machen zu können wie bisher, sehen 9 Prozent ihr Geschäft vor dem Aus. 92 Prozent davon begründen die erwartete Schließung ihres Geschäfts ausdrücklich mit der neuen gesetzlichen Regelung. Ein großer Teil jener, die nicht die Flinte ins Korn werfen wollen, sehen für sich Nachholbedarf. 27 Prozent der Befragten wollen ihre Qualifikation verbessern, und je 15 Prozent attraktivere Angebote entwickeln bzw. ihr Unternehmen besser promoten.

Befragungsergebnisse überraschen

Erwartungen der Makler

Recht aufschlussreich sind auch die Antworten auf die Frage nach den Erwartungen der Makler für ihre Branche (auch hier waren Mehrfachantworten möglich). Fast zwei Drittel sehen ihre Leistung anscheinend eher skeptisch und erwarten, dass die Eigentümer ihre Immobilien vermehrt selbst vermarkten werden. Über 50 Prozent sehen in der neuen Regelung eine klarere Rollenverteilung und erwarten daher weniger Feilschen um die Höhe der Kommission. Ein großer Anteil (43 Prozent) erhofft sich einen Rückgang des Konkurrenzdrucks durch eine erwartete Marktbereinigung. Dass es vor allem die schwarzen Schafe sind, die ausscheiden sollen, zeigt sich daran, dass 43 Prozent der befragten Makler einen Anstieg der Kundenzufriedenheit erwarten und gar 53 Prozent eine Verbesserung des Images der Maklerzunft.

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Die Zwei

Gedankensplitter zum ImmoMarketing in Theorie und Praxis.

Auf dem Holzweg? Auf dem Holzweg! Kommentar: Philipp Kaufmann und Alexander Bosak

Wohnbau aus Holz

Es gibt mittlerweile eine Handvoll Bauträger, die sich diesem Thema widmen, aber es sind noch viel zu wenige. Wenn wir mit Bauträgern sprechen, dann wird auch klar warum: Die klassischen Baumeister sind dort, verzeihen Sie den Vergleich, wo die Automobilindustrie vor zehn Jahren war. Ihre Expertise beschränkt sich aus unserer Sicht nach wie vor auf eine dem Klima nicht zuträgliche Bauweise, der Baustoff Holz wird mit einbetonierten Vorurteilen ignoriert. Dabei sind diese Vorurteile wie höhere Kosten, Brandschutz, Haltbarkeit etc. schon längst widerlegt. Aber nicht nur den Ausführenden, sondern auch den meisten Konsulenten fehlt es an Know-how.

Holzbau als Marketing-Chance

Für Bauträger bedeutet das ein Verlassen der vertrauten Pfade und das Suchen von neuen Projektpartnern. Das erfordert auch entsprechende zusätzliche

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ImmoFokus

Ausbildungsmöglichkeiten. Fakt ist, dass durch den Baustoff Holz der Planungs- und Ausführungsprozess ganz anders erfolgt als in der klassischen Bauweise. Dies bedingt daher eigens hierfür ausgebildete Architekten und Konsulenten, und last but not least Unternehmen, die diese Bauweise auch umsetzen können. Planung muss viel mehr auf die Produktion abgestellt werden, ein Denken in Rastern, Materiallängen und Lieferkapazitäten tritt in den Vordergrund. Viele Arbeitsschritte passieren nicht mehr auf der Baustelle, sondern in Fertigungshallen, in denen gewerkeübergreifende Bauteile oder Module mit „0-Prozent“-Fehlertoleranz produziert und in kurzer Zeit vor Ort zu Bauwerken zusammengefügt werden. Und nicht zu vergessen, auch mehr Sicherheit und bessere Arbeitsbedingungen für die Baumannschaft bringen. Im Moment gibt es noch Höhenbeschränkungen für die Holzbauweise, aber diese werden sich, wie die Reichweite der Batterien, laufend verbessern. Wenn die klassischen ausführenden Unternehmen ihr Know-how nicht in diese Richtung entwickeln, werden sie von den neuen „Teslas“ der Bauwirtschaft einfach überholt werden, die sich auf dem Holzweg der Zukunft befinden. Und das Beste: Mit Holz haben Bauträger eine wunderbare Möglichkeit, ihr Produkt zu differenzieren und für den Kunden Mehrwerte zu schaffen. Mehr geht bei einem erfolgreichen Marketing nicht.

Foto: Adobe Stock

In Zeiten des mittlerweile erkannten Klimawandels und der gesteckten Klimaziele der Regierung, bis 2040 CO2-neutral zu sein, kommt dem Baustoff Holz für den Neubau von Immobilien eine wichtige Rolle zu. Holz ist ein lokal verfügbarer, nachwachsender Baustoff, der CO2 bindet und damit ein zukunftsfähiges Bauen ermöglicht. Während die Holzbauweise in der Steiermark bereits einen wichtigen Stellenwert insbesondere beim Wohnungsneubau einnimmt, ist dieser in Wien noch sehr überschaubar.


Advertorial

Vermietung an den Gesellschafter Vorsteuerabzug auf die Investitionskosten.

D

ie Errichtung eines Gebäudes durch eine GmbH oder Stiftung, mit Überlassung des Gebäudes an den Gesellschafter bzw Begünstigten, führt häufig zu Diskussionen in Betriebsprüfungen. So wurden jetzt wieder zwei Erkenntnisse des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) zum Vorsteuerabzug veröffentlicht (VwGH 7.12.2020, Ra 2020/15/004 und VwGH 7.12.2020, Ra 2020/15/0067).

Fotos: Chlorophylle/Adobe Stock, Franz Helmreich Fotografie

Laut VwGH ist für die steuerliche Anerkennung der Vermietung von Immobilien an den Gesellschafter maßgeblich, dass eine fremdübliche Rendite erzielt wird. Entscheidend ist der Renditesatz, der sich bei der Veranlagung des Gesamtbetrages der Anschaffungskosten in gut rentierliche Immobilien (Immobilien, die eine hohe Rendite erwarten lassen) ergibt. Nach Auffassung des Verwaltungsgerichtshofes ist im Allgemeinen ein Renditesatz in der Bandbreite von drei bis fünf Prozent zu erzielen. Davon abweichen kann man nur, wenn ein funktionierender Mietenmarkt vorliegt. In

LeitnerLeitner Wirtschaftsprüfer Steuerberater

diesem Fall muss der Steuerpflichtige nachweisen, dass ein wirtschaftlich agierender und nur am Mietertrag (dh ohne Berücksichtigung der Wertsteigerung) interessierter Investor in Objekte mit vergleichbarer Gediegenheit und Exklusivität investieren und am Markt gewinnbringend vermieten würde. Nach dem VwGH ist der Nachweis zu erbringen, dass das konkrete Wohnobjekt Mietrenditen erbringt, die bei solchen gut rentierlichen Objekten (zB kleinere Wohnungen im urbanen Bereich sind) zu erzielen sind.

Umsatzsteuer

Im Bereich der Umsatzsteuer lässt sich aus den VwGH-Entscheidungen Folgendes schließen: Kann das Gebäude nicht dem steuerlichen Betriebsvermögen zugeordnet werden (idR nur in Ausnahmefällen bei bestimmten Luxusimmobilien, die ihrer Erscheinung nach offensichtlich für die private Nutzung durch den Gesellschafter bestimmt sind), so muss die vereinbarte Miete nahezu die fremdübliche Höhe erreichen, damit ein Vorsteuerabzug zu-

Am Heumarkt 7 A-1030 Wien Tel: +43 /1/718 98 90 Fax: + 43 /1/718 98 90 - 804 E-Mail: wien.office@leitnerleitner.com

steht. Ist dies nicht der Fall, so steht zur Gänze kein Vorsteuerabzug zu. Wird die Immobilie dem Betriebsvermögen zugeordnet (Normalfall), so muss die Miete mindestens die Hälfte der fremdüblichen Miete erreichen, damit ein Vorsteuerabzug zusteht. In diesem Fall bleibt der volle Vorsteuerabzug bestehen. Hier ist jedoch zu beachten, dass auf Basis der Normalwertregelung (welche seit 2016 auch für Immobilien gilt) die UStBemessungsgrundlage auf die Renditemiete angehoben wird. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, ist daher bei der Vermietung von einer GmbH oder Stiftung an nahestehende Personen im Vorfeld die Fremdüblichkeit genau zu analysieren und zu dokumentieren.

Harald Galla ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei LeitnerLeitner Wien und auf Immobilientransaktionen spezialisiert.

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Illmitzer Gespräche Gemeinsam mit Abstand! 14. – 16. Oktober 2021

Realität

E-Mobility

Ernährung 2050

Wir müssen anders wirtschaften lernen

Leitungs- sowie Ladeinfrastrukturausbau beschleunigen

Lebensmittelbedarf steigt um 70 Prozent

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ImmoFokus.Rubrik

Neues Jahr, neues Glück, alte Fragen

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Vom 14. bis zum 16.10.2021 werden die 3. Illmitzer Gespräche stattfinden und wir werden alles daran setzen Wege zu finden, um eine Präsenzveranstaltung stattfinden zu lassen – und wenn Sie alle beim Eingang geimpft werden! Über den Winter haben wir unser Logo einem sanften Relaunch unterzogen. Es soll nun noch mehr die Farben der Savanne einerseits und – mit der dünnen, darüber gelegten Outline – das stete Verrinnen der Zeit darstellen. In der Savanne hat sich nach der „Garden Eden theory“ der Homo erstmals aufgerichtet, in einem Umfeld mit 40 Prozent Luftfeuchtigkeit und einer Durchschnittstemperatur von 29° C. Die Suche nach Kleintieren im seichten Wasser der Flussläufe hat dazu beigetragen, unser Rückgrat aufzurichten, wir haben uns aus dem Wald gewagt und sind über tiefhängende Äste bei Gefahr auf Bäume geflüchtet. Aus dem Garten Eden sind wir ausgezogen, um uns im wahrsten Sinne des Wortes die Welt untertan zu machen. Wir wurden zum schlimmsten und intelligentesten Raubtier, das die Fähigkeit zur Selbstzerstörung hat. Wahrhaft unterscheiden wir uns von den Affen aber nicht dadurch, dass wir etwa schneller begreifen, es ist das soziale Lernen, das uns so einzigartig macht. Wir entwickeln, wie Martin Buber, der Psychotherapeut, gesagt hat, „unser ICH aus dem DU“

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ImmoFokus

Fotos: Adobe Stock, REMG

iebe Freundinnen, liebe Freunde, 2021 hat schon wieder ein paar Wochen hinter sich gebracht und Corona hat noch immer den Fuß fest in der Türe. Nichtsdestotrotz: Das Organisationsteam des Nachhaltigkeitsforums Illmitz nutzt diese besondere Zeit so intensiv als möglich, denn – wie Sie alle zwischenzeitlich wissen – wir haben keine Zeit mehr und wir lassen uns auch durch FPP2-Masken und Spucktests im Wohnzimmer nicht aufhalten


und das von allem Anfang an. Wir lernen durch Abschauen und Kooperieren. Das kann ich aus meiner Schullaufbahn nachhaltig bestätigen. Aufbauend auf diesen Überlegungen müsste im Zeitpunkt des Erscheinens dieses Magazins auch schon unsere neue Homepage www.illmitzer-gespraeche.at online gegangen sein. Gegen Ende des Jahres 2020 haben wir noch zwei Videos produziert, von denen jedenfalls das eine bei Drucklegung bereits in drei Teilen im Netz abrufbar ist. Franz Gschiegl, unser Finanzexperte, im Gespräch

mit Kenan Güngör, dem Migrationsspezialisten der Bundesregierung, zum Thema soziale Nachhaltigkeit, dies vor allem unter dem Eindruck des Terroranschlages in Wien. Da wir einen Bildungsschwerpunkt setzen, laden wir in den kommenden Wochen gleich nach und haben Ali Mahlodji, EU-Jugendbotschafter, ersucht, seine Gedanken rund um „die Jungen“ in einem Vortrag digital zu versenden. Im Burgenland würden wir sagen: „Schau ma uns das an“. Natürlich sind wir auch auf Facebook und in Instagram präsent. Bei aller kritischer Distanz zu sozialen Medien einerseits, vor allem aber auch zu

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ImmoFokus.Rubrik

den dahinterstehenden Unternehmen, und deren wahren Zielsetzungen andererseits, helfen uns Kanäle dieser Art deutlich, unsere Botschaften zu verbreiten und präsent zu sein. Eine Bitte: Wenn Sie sich in TELEGRAM einklinken, wobei dies aber mit Ihrer Handynummer erfolgen muss, dann kann ich Sie persönlich in eine vollkommen abgeschlossene Gruppe einladen, in der sich unsere Gemeinschaft ständig sinnvoll austauscht. Das ist sehr sicher und vor allem von uns im weiteren Sinne auch „qualitätsgeprüft“. Ich darf an dieser Stelle – gerade am Anfang des dritten Jahres unseres Bestehens – nochmals auf unsere Kernziele eingehen: 1. Zivilgesellschaft und Wissenschaft müssen mit einem Höchstmaß an Interdisziplinarität zusammengeführt werden. So muss Immobilienentwicklung in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext stattfinden, der den sozialen, ökologischen und auch ökonomischen Aspekten der Nachhaltigkeit entspricht. Ich habe bewusst „auch ökonomischen“ geschrieben, weil das Eindämmen des Artensterbens, die Klimaschutzziele und die Bevölkerungsexplosion Themen sind, die weit vor einem allfälligen ökonomischen Effizienzstreben gedacht werden müssen. Die Frage, ob uns dann jemand wählt, oder etwa die Frage nach dem Preis haben keine Relevanz. Bildung wird in diesem Zusammenhang ein zentrales Kriterium sein. Nicht Ausbildung, sondern Bildung im humanistischen Sinn, nicht Lernen von Prüfung zu Prüfung, sondern Lernen in und aus der Vernetzung der Inhalte. Die Lehrerin wird zum Trainer, positive Inhalte zu Werkzeugen auf dem Weg zur möglichen Lösung. Bundesministerin Leonore Gewessler unterstützt uns auf diesem Weg in außerordentlicher Weise. Auf Facebook können Sie ein Interview sehen, das Renate Hammer mit ihr geführt hat. 2. Wir wollen mit dem nördlichen Burgenland zum Labor der Nachhaltigkeit werden und –national betrachtet – in einem überschaubaren regionalen und politischen Rahmen Möglichkeiten zum Versuch bieten. In den letzten Tagen haben wir sehr positive Signale der Unterstützung aus dem Land bekommen, die uns Mut machen. In der ersten Reihe des Supermarktes muss die Regionalität stehen, Mobilität muss in den Siedlungen als open space einerseits, als sanfte und gemeinschaftlich sinnvolle Bewegung andererseits verstanden werden, Raumordnungen müssen vollkommen neu gedacht werden.

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3. Mit der Nachhaltigkeit im Alltag haben wir ein drittes, sehr erdiges Ziel. Es geht keineswegs um Verzicht – und so sollten wir auch kommunizieren –, es geht um Ersatz und Erneuerung, vor allem aber um ein stetes „Aufmerksamsein“. Ich kenne eine Reihe von Bauträgern, die diese täglichen Fragen längst in ihr Kalkül miteinbeziehen, von der Freiraumgestaltung bis zum Home-Office. Es mag eigenartig klingen, aber fragen Sie doch einmal nach der Shampoo-Seife, es gibt sie und ich habe noch immer Haare! Ich bin recht sicher, dass wir dieses Jahr noch eine Novelle zum WEG bekommen werden und ich meine auch, dass das Bestellerprinzip – im Rahmen der Rechtsform Miete – eingeführt werden wird. Die allfällige Novelle zum WEG zeigt bereits – und darüber bin ich froh – klare Hinweise auf Schlagworte wie erneuerbare Energieträger, Dekarbonisierung und Fragen der Finanzierung und Beschlussfassung in diesen Zusammenhängen. Ich bin dankbar dafür, dass ich schon mehr als 30 Jahre an diesen Prozessen mitarbeiten darf. Ich verdanke es vor allem meinen großen Lehrmeistern Gerhard Stingl und Peter Rustler. Inhaltlich habe ich es mir abgewöhnt, dem Wunsch nach Großem, Einmaligem, Allumfassendem nachzugeben. Solange meine persönliche Vision in der operativen Zielsetzung Platz findet, kann ich mitgehen. Wenn wir – immer einen Beschluss des Nationalrates vorausgesetzt – hinkünftig etwa mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen (= Nutzwerte) eine Mehrheit bilden können, gleichzeitig aber das Grundrecht des Eigentums durch Informationspflichten und Mindestquoren schützen, dann sind wir einen Schritt weiter. Natürlich hätte ich lieber, dass der Gesetzgeber klarmacht, dass Maßnahmen zum Erreichen der Klimaschutzziele im weiteren Sinne privilegiert sind, wenn wir aber die richterlichen Prüfkriterien erleichtern, dann haben wir auch einiges erreicht. Ich bin kein großer Freund der vieldiskutierten Mindestrücklage, weil ich Wohnungseigentümer nicht für so uninformiert halte, wie immer angenommen wird, und ich die hervorragende Qualität unserer Verwalter kenne. Mit dem Erfordernis der Angemessenheit der Rücklage hat die Mindestrücklage aber längst Einzug gehalten und wenn die gesetzlich pragmatische Lösung ein bestimmter Betrag X ist, reagiert X zwar nicht auf die Bauweise, das Baualter oder den Erneuerungszustand, es erleichtert aber unsere Argumentation. Zum Bestellerprinzip werden sich andere zu Wort melden und ich möchte diesen nicht vorgreifen. In allem als schlecht Empfundenem steckt immer aber auch die Chance für Neues.

Tatsächlich schreibe ich diesen Artikel, nach Maßgabe meines 3- bis 4-Finger-Satzes, in Windeseile. Die Worte gehen mir leicht von der Hand und ich wäre übervoll an Gedanken. Ich zwinge mich deshalb, Schluss zu machen: Bitte machen Sie sich mit uns Gedanken, bitte sind Sie vom 14. bis zum 16.10.2021 in Illmitz und nutzen Sie all Ihre Talente und Einflussmöglichkeiten, einen nachhaltigen, gemeinsamen Weg zu gehen. Verbannen Sie das Wort „Realpolitik“ aus Ihrem Wortschatz und bereiten wir gemeinsam den Weg zu einer sanften, gewaltfreien aber deutlich erkennbaren Revolution. Unsere Zukunft mag zwar vielleicht ein Bild unserer Vergangenheit sein – dies aber mit einem riesigen Unterschied: Es liegt an uns – und nur an uns –, wie sie schon in der nächsten Minute aussehen wird. Denn wir haben wirklich keine Zeit mehr Thomas Malloth t.malloth@malloth.at www.illmitzer-gespraeche.at

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Was Realität ist … Autor: Renate Hammer

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er Wettbewerb ist gewonnen – mit umfänglichen Ansprüchen an Nachhaltigkeit, Innovation und Ästhetik ausgeschrieben, mit höchster Ambition durch ein interdisziplinäres Team bearbeitet. Man trifft das erste Mal zusammen, digital – aber doch. Eine große Runde, sogar der Juryvorsitz ist dabei, um nochmals die wesentlichen Qualitäten des Beitrags zu unterstreichen. Architekt*in, Fachplaner*innen, Nutzer*innen, alle beschreiben Absichten und Ziele. Das wird ein großartiges Projekt. Schließlich meldet sich ein bisher unauffällig Gebliebener, „er wolle die Euphorie ja sicher nicht bremsen, aber schon weniger engagiertere Projekte lägen deutlich über Budget. Die Realität sei doch, Derartiges könne man sich in der aktuellen Situation definitiv nicht leisten.“

Fotos: Adobe Stock

Der Gedanke, der sich an dieser Stelle bei etlichen in der Runde aufdrängt, ist der nach der Realität. Während es völlig real ist, dass wir selbst gesteckte Emissionsreduktionen nicht erreichen, dass wir dem Artensterben nichts entgegenzusetzen haben, dass wir Ressourcen und Flächen wider besseres Wissen und mannigfachen Absichtserklärungen übermäßig verbrauchen, folgt die Beurteilung dessen, was wir für eine notwendige Investition oder eine nicht leistbare Ausgabe halten, einer wirtschaftlichen Konvention, die wir vor langer Zeit selbst definiert haben. Was Adam Smith 1767 oder auch Marx 1867 legitimerweise postulieren konnte, bietet für eine Vielzahl der prekären Aspekte unserer gegenwärtigen Lebensrealität keinerlei Lösung. Wie sollte es auch? Und dennoch basiert eine Vielzahl langfristiger, für unsere Zukunft ausschlaggebender Entscheidungen immer noch auf historischen wirtschaftlichen Theorien. Es ist unabdingbar notwendig, dass die Erhaltung

unserer aller natürlichen Lebensgrundlagen, wie Wasser, Boden, Klima, Biodiversität, jene Berücksichtigung in unserer Wirtschaftstheorie und damit unserer wirtschaftlichen Praxis und Entscheidungsfindung erfährt, die ihrer umfassenden Bedeutung entspricht. Dass das höchst selten der Fall ist, erscheint geradezu absurd – ist aber Teil eben jener prekären Realität, die wir im Alltag gewohnt sind zu ignorieren. Auch aus Mangel an klaren alternativen Erzählungen und Bildern, die uns den nötigen Mut geben könnten, aus gewohnten Entscheidungsmustern auszuscheren. Wir brauchen Innovation nicht nur auf der technischen Ebene, sondern auch auf der wirtschaftlichen und, damit aufs engste verbunden, der sozialen. Um nachhaltig handeln zu können, brauchen wir Alternativen in unseren Wirtschaftstheorien, die es endlich schaffen, aus Polemik und der Polarisierung von links und rechts, oben und unten herauszutreten, um den Blick darauf zu wenden, dass die Menschheit sich in einer globalen ökologischen Notlage befindet, deren Auswirkungen eine rasch wachsende Gruppe vornehmlich sozial und wirtschaftlich Benachteiligter bereits akut betrifft, und deren Lösung keinen Aufschub mehr erlaubt. Realität ist – wir müssen anders wirtschaften lernen und die Muster, nach denen wirtschaftliche Entscheidungen gefällt werden, kritisch hinterfragen und umgestalten, um die Belastungsgrenzen unserer Erde nicht unumkehrbar zu überschreiten. Dazu böte sich an, das in der Ökologie eingeführte Betrachtungssystem der Planetary Boundaries auch auf die soziokulturelle und die ökonomische Säule der Nachhaltigkeit anzuwenden. Ansätze dazu gibt es bereits, etwa im Donut-Modell von Kate Raworth, ein breiter inhaltlicher Diskurs, der Grundlage für eine nötige Verbindlichkeit schafft, fehlt aber noch.

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Arch. DI Dr. techn. Renate Hammer, MAS – die Nachhaltige Sie moderiert das Team um den österreichischen Baukulturreport, ist eine Kämpferin in Wissenschaft und Praxis für unsere Gedanken, direkt und auf den Punkt, verständnislos für „laissez faire“. Ihre Sichtweisen pendeln zwischen dem übergeordnet philosophischen Ansatz hinüber zur kulturellen, zur architektonischen letztlich zur gesamtgesellschaftlichen Frage. Wichtige Wegmarken: • Lehrgangsleiterin am Zentrum für Bauen und Umwelt der Donau-Universität Krems bis 2004 • Dekanin der Fakultät für Kunst, Kultur und Bau bis 2012 • Dekanin der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur bis 2013 • 2009 Gründung, Geschäftsführung und wissenschaftliche Leitung des COMET Kompetenzzentrums Future Building GmbH • dato Geschäftsführende Gesellschafterin der Institute of Building Research & Innovation GmbH, seit 2015 ZT-GmbH • dato Lektorin an der Fachhochschule Campus Wien mit Vorlesungen zur „Einführung in das Entwerfen“ und „Tageslichtarchitektur“ • dato Ziviltechnikerin mit Befugnis Architektur

Eine Stärke des Planetary Boundaries-Modells liegt darin, dass es quantifizierbare Grenzen zwischen drei Sicherheitsstufen von Handlungsspielräumen zieht und damit Klarheit verschafft, wo wir in einem ökologischen Prozess stehen. Die erste Grenze trennt den sogenannten sicheren Handlungsspielraum von der Zone der Unsicherheit. In dieser Zone können Kippmomente innerhalb von Prozessen auftreten, was abrupte und unumkehrbare Veränderungen hervorruft. Unsere Handlungsfähigkeit und die Möglichkeit, Wirkungen unseres Handelns einzuschätzen, wird dadurch eingeschränkt. Zu den Kippelementen im Klimasystem gehören etwa die auftauenden Permafrostböden in Russland oder die sich erwärmenden Methanhydrate auf dem Meeresboden. Wenn der Klimawandel bis zu einem gewissen Punkt fortgeschritten ist, reicht eine kleine Veränderung, um durch das Kippen eines Elements eine ganze Kaskade an problematischen Vorgängen auszulösen. An die Zone der Unsicherheit grenzt die sogenannte gefährliche Zone. Die Wahrscheinlichkeit, dass abrupte und unumkehrbare Veränderungen eintreten, nimmt deutlich zu, während gleichzeitig unsere Möglichkeiten wirksam zu steuern sinken. Die Überschreitung einer planetaren Grenze beschreibt somit nicht das Eintreten einer konkreten Zustandsveränderung, sondern die Höhe des Risikos des Eintretens folgenschwerer Beeinträchtigungen der vernetzten ökologischen Systeme auf der Erde.1 In zwei von den derzeit neun definierten ökologischen Prozessen befinden wir uns bereits in der gefährlichen Zone, das betrifft das Artensterben und die biogeochemischen Kreisläufe. Bauwesen, Raumordnung und Immobilienwirtschaft haben vor allem im Prozess des Klimawandels, der Unversehrtheit der Biosphäre und der Landnutzungsänderung Hebel zur Entlastung der Systeme in der Hand. Welche Konkretheit und Verbindlichkeit die Anwendung des Planetary Boundaries-Modells entwickeln kann, erleben wir alle in Bezug auf den ökologischen Prozess des Klimawandels, der aktuell in der unsicheren Zone abläuft. Hier wurde Übereinstimmung zwischen dem Übereinkommen von Paris und dem Modell erzielt. So wurden die planetaren Grenzen und die Ziele des Pariser Abkommens übereinstimmend durch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre in ppm und den Strahlungsantrieb in W/m² definiert.2 Schlüssig und sinnfällig lässt sich so das übergeordnete Ziel des Klimaschutzes bis auf konkrete Handlungsebenen etwa im Gebäudebereich herunterbrechen:

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Um die weltweite mittlere Erderwärmung, wie im Pariser Abkommen festgelegt, deutlich unter 2° Celsius zu halten, sind die weltweiten Emissionen an Treibhausgasen bis 2050 um 80 % zu senken, bezogen auf die Emissionen im Jahr 1990. Die globalen Treibhausgasemissionen sind zwischen 1990 und 2016 von etwa 37 Gt CO2,äqu auf 53 Gt CO2,äqu, also um rund 43 % gestiegen. Seit dem Jahr 2010 bremst sich der Anstieg zwar ein, das Klimaziel von Paris 2015, die globale Erwärmung deutlich unter 2°C zu halten, ist aber nur zu erreichen, wenn es gelingt, bis 2050 annähernd treibhausgasneutral zu werden. Dabei gilt es, den Löwenanteil der nötigen Reduktionen bis 2030 zu schaffen, um das Eintreten von Kippvorgängen zu verhindern.

Bauen, die Raumplanung und die Immobilienwirtschaft verständigen würden und zu verbindlichen Übereinkommen wie dem von Paris kommen könnten. Dazu bräuchte es dringend den eingeforderten berufeneren Diskurs und wirtschaftstheoretischen Innovationsschub, der die abschließende Skizze von einer ersten holprigen Idee zur Grundlage für unser aller Aufenthalt in einem globalen sicheren Handlungsspielraum macht, in dem wir uns entfalten können.3 Das ist die Realität, die wir brauchen.

Im Kontext der Entwicklung zur klimaneutralen Gesellschaft in Österreich bis 2050 wurde einerseits eine Langfriststrategie bis 2050 beschlossen, andererseits gibt es ein klares Bild für die Umsetzung im nationalen Energie- und Klimaplan für die Periode 2021 bis 2030. Dieser Plan sieht bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 36 Prozent gegenüber 2005 vor, sowie eine Anhebung des Anteils erneuerbarer Energie am Brutto-Endenergieverbrauch auf 46 bis 50 Prozent. Vor diesem Hintergrund wird der Begriff der Klimaneutralität heute für jene Qualität von Handlungsweisen und Prozessen verwendet, welche zur Erreichung dieser Emissionsziele eingehalten werden müssen. Klimaneutralität für Österreich bedeutet somit eine maximal zulässige Emission von Treibhausgasen äquivalent zu 1,5 t CO2 pro Person und Jahr. Derzeit werden in Österreich im Durchschnitt jedoch Treibhausgase äquivalent zu 8,9 t CO2/Person und Jahr emittiert. Klimaneutrale Gebäude sind demnach solche Gebäude, deren Treibhausgasemissionen auf ein Niveau beschränkt sind, welches die Erreichung der Emissionsziele ermöglicht. In diese Betrachtung einzubeziehen sind die Treibhausgasemissionen aus der Gebäudeerrichtung, dem Gebäudebetrieb und der Gebäude-induzierten Alltagsmobilität. Hierfür ergibt sich in Österreich eine maximal zulässige Emission von Treibhausgasen von 0,69 t CO2,äqu pro Person und Jahr beziehungsweise von 15,0 kg CO2,äqu pro m² Nutzfläche und Jahr. Wie hilfreich wäre es, wenn wir uns auch für die wirtschaftliche und damit verbunden die soziokulturelle Säule der Nachhaltigkeit auf derart stringente und klar argumentierbare Vorgaben etwa für das

1: Vgl.: Steffen W. et al.: Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. In: Science. Band 347, Nr. 6223, 2015. 2: Planetary Boundaries – Ökologische Belastungsgrenzen der Erde nach Will Steffen, Stockholm Resilience Centre et al. 2015 https://de.wikipedia.org/wiki/Planetare_Grenzen#/media/Datei:Planetary_ Boundaries_2015.svg; Monthly mean carbon dioxide measured at Mauna Loa Observatory, Hawaii, August 2019; https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ ccgg/trends/; UNO-Weltklimarat – Intergovernmental Panel on Climate Change, 5. IPCC Sachstandsbericht, 2013; http://www.climatechange2013. org/images/report/WG1AR5_SPM_FINAL.pdf. 3: Steffen, W., Richardson, K., Rockström, J., Cornell, S. E., et al. (2015) Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet. Science 347 (6223). doi: 10.1126/science.1259855.

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Ausbau beschleunigen

Deutschland. Der Bundestag beschließt Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) mit dem Ziel, den Ausbau der Leitungs- sowie Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge zu beschleunigen. Autor: Magdalena Weißmann

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er wesentliche Regelungsinhalt sieht vor, dass beim Neubau von Wohngebäuden mit mehr als fünf Stellplätzen künftig jeder Stellplatz und beim Neubau von Nichtwohngebäuden mit mehr als sechs Stellplätzen jeder dritte Stellplatz mit Schutzrohren für Elektrokabel auszustatten ist.

erwirken. Das GEIG wurde nun am 12. Februar 2021 im Bundestag beschlossen. Das Gesetz muss nun noch den Bundesrat durchlaufen, durch den Bundespräsidenten unterzeichnet werden und im Bundesgesetzblatt verkündet werden, um am folgenden Tag in Kraft treten zu können. Von den neuen Regelungen betroffen sind dann alle nach Inkrafttreten des Gesetzes gestellten Bauanträge.

Historie und Inkrafttreten

Somit erfolgt auch die Umsetzung einer der Vorgaben der EU-GebäudeRichtlinie zum Aufbau von Lade- und Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität in Gebäuden. Bis 2030 plant die deutsche Bundesregierung zur Erreichung des Klimaschutzprogramms zudem die Zulassung von sieben bis zehn Millionen E-Fahrzeugen. Damit diesen auch die entspre-

Fotos: Adobe Stock

Der erste GEIG-Entwurf wurde bereits im Jänner 2020 vorgelegt. Federführend waren dabei das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat. In den vergangenen Monaten konnte die Koalition noch zentrale Änderungen

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chenden Leitungen sowie genügend Lademöglichkeiten zur Verfügung stehen, braucht es eine flächendeckende Infrastruktur.

Wohngebäude

Für einen langfristigen Erfolg der E-Mobilität ist speziell die Ladeinfrastruktur im privaten Bereich ausschlaggebend, da über 85 Prozent der E-Fahrzeuge privat aufgeladen werden. Das GEIG sieht daher in Zukunft vor, sowohl bei Neubauten als auch im Zuge von größeren Renovierungen von Gebäuden mit mehr als fünf Stellplätzen verpflichtend jeden Stellplatz mit Schutzrohren für Elektrokabel auszustatten. Von einer „größeren Renovierung“ spricht man dann, wenn mehr als 25 Prozent der Oberfläche der Gebäudehülle einer Renovierung unterzogen werden. Um den Bau dieser Infrastruktur möglichst schnell umzusetzen, wurde die Grenze, welche im ersten Entwurf für zehn Stellplätze vorgesehen war, nun zudem auf fünf herabgesetzt. Trotz der allgemein sehr positiven Rückmeldungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft wird vor allem dieser Punkt kritisch hinterfragt: Denn somit sind Ein- bzw. Zweifamilienhäuser von dieser Regelung nicht erfasst, obwohl diese mehr als 80 Prozent aller Neubauten darstellen.

Sonstige Gebäude

Bei Neubauten, bei denen es sich um keine Wohngebäude handelt, besteht die Verpflichtung, bei Vorhandensein von mehr als sechs Stell-

plätzen jeden dritten Stellplatz mit Schutzrohren für Elektrokabel auszustatten. Darüber hinaus muss ab 2025 bei Bestandobjekten, die über 20 Stellplätze verfügen, ein Ladepunkt errichtet werden.

Ausnahmen

Ausgenommen davon sind all jene Gebäude, die sich im Eigentum von KMUs, also kleiner und mittelständischer Unternehmen, befinden und von diesen genutzt werden. Dabei handelt es sich – laut Homepage des Bundesverbandes für KMUs – bei den rund 3,5 Millionen Klein- und Mittelunternehmen um 99,5 Prozent sämtlicher Unternehmen in Deutschland. Sogar über 97 Prozent der deutschen Exporte gehen von KMUs aus. Ebenso von der Ausnahme erfasst sind bestehende Gebäude, sofern der finanzielle Aufwand für die Errichtung der notwendigen Infrastruktur für Lademöglichkeiten sowie Leitungen über sieben Prozent der Gesamtkosten einer umfangreicheren Renovierung hinausgehen würde.

Quartiereinsatz

Unter einem Quartiereinsatz versteht man Ladepunkte bzw. die Infrastruktur für Leitungen für ganze Wohnviertel. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen forderte im Zuge des Gesetzgebungsprozesses immer wieder Lösungsmöglichkeiten auf Quartiersebene. Daher beinhaltet das GEIG nun auch die Möglichkeit, dass Bauherren oder Eigentümer von Gebäuden Vereinbarungen treffen können, wenn zwischen deren Gebäuden ein räumlicher Zusammenhang besteht, wobei auch hier die allgemeinen Vorgaben gelten.

Mag. Magdalena Weißmann – Die Juristin Aus der Kaderschmiede des Univ.Prof. Dr. Helmut Ofner, Institut für Zivilrecht der Alma mater Rudolfina. Sie verbindet Rechts-, Gesellschaftsordnung und unser Thema, ihre Augen spiegeln Bestimmtheit und kritischen Zugang in gleichem Maße. Besonderheiten: • 2011 – 2015 Studium der Rechtswissenschaften, Universität Wien • laufend: Doktorratsstudium der Rechtswissenschaften, Universität Wien • seit 2016 Programmmanagement „Wohn- und Immobilienrecht“ an der Universität Wien • Mitorganisation des Wiener Immobilien- und Mietrechtstages

Quellen: BT-Drucks. 128/21; Gesetz zum Aufbau einer gebäudeintegrierten Ladeund Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz – GEIG) RefE GEIG; Entwurf eines Gesetzes zum Aufbau einer gebäudeintegrierten Lade- und Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz– GEIG) https://www.bvmw.de/themen/mittelstand/zahlen-fakten/ https://www.bdew.de/presse/presseinformationen/ausbau-privater-ladesaeulen-ist-entscheidender-faktor-fuer-den-erfolg-der-elektromobilitaet/

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„R“ wie Nachhaltigkeit … und da sind jetzt nicht biologische rote Rüben gemeint. Im Zuge des „Home-Schooling“ habe ich mir englische Begriffe mit „R“ rausgesucht, die in das weite Universum der „Nachhaltigkeit“ fallen. Natürlich gibt es auch in unserer Heimatsprache ausreichende „R“s zum Thema, klassisch etwa: reparieren, reduzieren, reflektieren oder beispielsweise eingedeutscht: Recycling.

Autor: Franz Gschiegl

RESPONSIBLE:

Das Paradewort zum Thema Nachhaltigkeit. „Verantwortlich“ im Sinne der klassischen ESG-Kriterien, die für Environmental, Social und Governance stehen. Am meisten wird beim Thema Nachhaltigkeit an die Umwelt (Environmental) gedacht, es gilt aber auch die sozialen Komponenten zu beachten, wie etwa die Arbeitsbedingungen, Gesundheitsaspekte, gesellschaftliches Engagement, Integration und Diversität in allen Spielarten (... nicht nur das beliebte Gendern). Noch viel zu wenig Beachtung hat die Governance, also die nachhaltige Unternehmensführung, gefunden. Compliance-Kriterien, die Vermeidung von Korruption, ein ausgefeiltes Risikomanagement und die Rücksichtnahme auf die Reputation zählen hier dazu.

REFUSE, REJECT, RESTRAIN:

Bei jedem Kauf, bei jeder Aktivität sollten wir uns, wenn möglich, überlegen, ob wir aus Nachhaltigkeitsüberlegungen es nicht ab-

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lehnen (refuse, reject) oder uns zurückhalten (restrain) können. Muss es wirklich ein neues Kleidungsstück sein? Müssen wir das eigene Auto nützen? Gibt es nicht auch noch interessante Urlaubsziele im Inland? Müssen wir im Winter Heidelbeeren aus Chile essen? Ohne jetzt zum Konsumverweigerer zu werden, kann man sicher des Öfteren gezielter „investieren“.

RETHINK, RECONSIDER, REFLECT:

In einer stillen Minute könnten wir überhaupt gleich unseren Lebensstil hinsichtlich Nachhaltigkeit überdenken (rethink). Bekanntlich lassen sich die berühmten „ersten 10%“ relativ leicht einsparen, sei es der Energiekonsum, neue Anschaffungen etc. Gerade bei leicht kontrollier- und messbaren Aktivitäten wie dem Strom-/Energieverbrauch oder dem Treibstoffkonsum können wir das „Ergebnis“ leicht ablesen … und uns über eine CO2- und Kostenersparnis freuen.

REDUCE:

Wie zuvor ausgeführt, kann man sicherlich ohne große Einschränkungen einiges „reduzieren“. Besonders angenehm und erleichternd ist dies, wenn damit eine Kostenersparnis als „Belohnung“ möglich ist.

Fotos: Adobe Stock

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ir wollen aber unseren Englischwortschatz auffrischen und erweitern und vielleicht eben wie in Schulzeiten Vokabeln „büffeln“.


Dr. Franz Gschiegl – der Denker Eigentlich ist der Denker ein Banker. Uneigentlich ist er jemand, der den Dingen sehr tief auf den Grund geht und dessen Erfolg in eben diesem ständigen Hinterfragen auf ethisch hohem Niveau liegt. Er nützt Chancen für Ideen, die nicht bloß der Kapitalvermehrung dienen und – er sie setzt um. Wichtige Wegmarken: • 1978 Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaften mit Magisterium und Doktorat • seit 2007 Geschäftsführer der ERSTE Immobilien KAG • 1991 bis 2016 Mitglied des Vorstandes der ERSTE-SPARINVEST KAG • 2008 bis 2012 Mitglied des Vorstandes der Erste Asset Management • 2003 bis 2008 Mitglied des Vorstandes der VÖIG • Ständiger Autor des Monatsmagazins „GEWINN“ • Referent bei zahlreichen internen und externen Veranstaltungen • Co-Autor zahlreicher Börsen- und Finanzbücher

REPAIR:

Ja, wir leben heute zweifellos in einer Wegwerfgesellschaft und eine Reparatur lohnt sich oft kostenmäßig kaum. Oft müssen ganze Teile ausgetauscht werden oder gleich das ganze Gerät. Einerseits lohnt es sich oft, ein hochwertigeres Gerät zu erwerben, andererseits sollte man immer den Weg über eine Reparatur überprüfen. Mittlerweile gibt es schon in vielen Städten „Reparaturcafes“, wo elektronische (Klein-) Geräte kostengünstig von Experten wieder zu Leben erweckt werden.

RECYCLE:

Das versteht sich wohl von selbst, dass man nach Möglichkeit Wegwerfgüter dem Recycling zuführt, aber man kann durchaus einige Textilien erwerben, die auf Recycling beruhen oder/und recyclebar sind. Neben dem Thema der generellen Müllvermeidung sollte das „Müllmanagement“ eine größere Rolle spielen. Eine gewissenhafte Mülltrennung und nach Möglichkeit Müllverwertung ist dabei selbstverständlich.

RESTORE, REBUILD, REVITALIZE, REFURBISH:

Da geht es in erster Linie um unser Heim. Was können wir sinnvoll wiederherstellen, restaurieren (restore), revitalisieren oder eben „aufmöbeln“ (refurbish)? Aus „alt“ mach „neu“ bringt oft auch viel Freude …

RECHARGE, REFRESH, RELOAD, REUSE:

… und da reden wir nicht nur von wiederaufladbaren (recharge) Batterien, sondern über ein sinnvolles „neues“ Leben mancher Produkte in einem neuen „Einsatzgebiet“.

REFILL:

… ist wohl selbsterklärend. Erfreulicherweise ist der Weg zu Mehrwegflaschen und Flaschenpfand bereits beschritten.

RESPECT:

Mehr Respekt und Achtung vor unserer Natur, vor unserer Umwelt und damit vor unserem eigenen Lebensumfeld ist oberste Prämisse.

REGIONAL:

Der alte, aber gute Spruch „Fahr´ nicht fort, kauf ´im Ort“ feiert erfreulicherweise eine Renaissance. Nach Möglichkeit regionale Lebensmittel und andere regionale Produkte zu erwerben, unterstützt gerade in den aktuell schwierigen Zeiten die heimische Wirtschaft.

REWARD:

Schlussendlich „belohnen“ (reward) wir uns und unsere Umwelt und Mitmenschen mit einer nachhaltigen Lebensweise.

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Die Ernährung der Welt im Jahr 2050

Quadratur des Kreises? 2050 werden wir 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde sein, die auch ernährt werden müssen – der Bedarf an Lebensmitteln wird laut einer Studie bis dahin um 70 Prozent steigen. Autor: Christian Janisch

Global betrachtet brauchen wir etwa 2.300 Quadratmeter Ackerfläche für die Ernährung eines Menschen – Tendenz aufgrund der klimatischen Veränderungen und der Ressourcenschonung (Energie, Düngemittel) allerdings stark steigend. Das heißt, es müssen neue klimataugliche Sorten und neue Ackerflächen her. Versuche mit neuen Sorten laufen bereits seit geraumer Zeit mehr oder weniger erfolgreich, mit neuen Flächen wird es da schon schwieriger. Hier beginnt nämlich „die Krücke zu hinken“ – auf Kosten unserer klimaentscheidenden Wälder werden unmöglich weitere Flächen zu gewinnen sein. Im Gegenteil – wir werden,

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um den CO2-Gehalt zu verringern, eher weitere Aufforstungen forcieren müssen. Von vornehm gesprochen extremen Optimisten wird gerne angeführt, dass die Erderwärmung sogar vegetationslose Gebiete von beachtlicher Größe zum Teil wieder fruchtbar machen wird. Der Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) und Professor an der Universität Hamburg, Martin Claußen, hält es seinen Berechnungen nach tatsächlich für möglich, dass zum Ende des 21. Jahrhunderts große Teile im zentralen und westlichen Sahel sowie am Südrand der Sahara unglaublicher Weise deutlich grüner werden könnten. Schier grotesk mutet der Hauptgrund für das erwartete Ergrünen der Wüstengebiete an – die steigende CO2-Konzentration in der Luft führt zu einem Düngeeffekt auf die Vegetation. Gleichzeitig warnt er davor, sich hier allzu große Hoffnungen auf diese neuen Flächen zu machen. Er leitet nämlich aus den Ergebnissen der am MPI-M benutzten Klimamodelle ab, dass dieser Grüngürtel bei weiterer globaler Erwärmung wahrscheinlich nur relativ kurz bestehen wird.

Fotos: Adobe Stock

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ie Ernährung in Anbetracht der durch den Klimawandel verursachten verheerenden Ernteausfälle der letzten Jahre sicherzustellen, scheint eine nahezu unlösbare Aufgabe zu sein. Wir werden also die Quadratur des Kreises brauchen, da wir in allernächster Zukunft nicht nur mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben, sondern einfach auch noch mehr produzieren werden müssen.


Trotz mancher noch nicht vorhersehbarer und vielleicht auch überraschender Entwicklungen brauchen wir dringend ergänzende Formen der Landwirtschaft, die mit weniger Fläche höhere Erträge erzielen. Wenn wir bedenken, dass 2050 circa 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden – das werden 7 (!) Milliarden Menschen sein –, wird die Ernährung der urbanen Bevölkerung ganz klar das zentrale und entscheidende Thema der nächsten Jahrzehnte sein. Ein noch relativ junger Hype gerade für den urbanen Raum ist das Vertical Farming. Tatsächlich schießen in vielen Großstädten der Welt die Vertical Farming Anlagen wie Pilze aus dem Boden – allein in Japan gibt es mittlerweile über 135 davon. Vertical Farming wird in Gebäuden, also indoor betrieben, und ist demnach ein geschlossenes System, in dem Frischprodukte mit verschiedenen Anbau- und Produktionsmethoden in gestapelter Form angebaut werden. Auf den übereinander gelagerten Ebenen können höhere Erträge erzielt werden, als auf einer vergleichbaren Grundfläche auf dem Boden. Befürworter sehen vor allem in der Steigerung der Nutzpflanzenproduktion, im Schutz vor wetterbedingten Ernteausfällen und eben in der Ressourcenschonung die Vorteile. Kritiker, und die gibt es natürlich auch, führen an, dass es insgesamt noch zu wenige Langzeiterfahrungen mit den Produkten gibt und der Energieverbrauch hoch sei. Von den Befürwortern ist dazu zu hören, dass sich auf vertikalen Farmen sogar Energie erzeugen lässt. Methangas kann direkt in Elektrizität umgewandelt werden. Projekte dieser Art sind jedenfalls ein klarer Auftrag an die Immobilienwirtschaft, rechtzeitig solche auch in den urbanen Räumen Österreichs in Angriff zu nehmen. Für den ländlichen Raum könnte die sogenannte Permakultur, die in diversen Regionen Frankreichs im großen Stil bereits praktiziert wird, ein Teil der Lösung sein. Sie ist quasi eine Form der dauerhaften Landwirtschaft, die beim Kreislaufgedanken ansetzt. Mit effektiver und achtsamer Gestaltung soll zukunftsfähige Landwirtschaft geschaffen werden, die Humus aufbaut, Wasser speichert und die Vielfalt fördert.

Sie ist vor allem eine regionale Form der Landwirtschaft, die auf kurze Wege setzt. Diese Bewirtschaftungsform erinnert stark an die Meierhöfe aus den vergangenen Jahrhunderten, die von der maschinellen bzw. industriellen Landwirtschaft verdrängt wurden. Die Permakultur bietet Menschen eine neue Betätigungs- und Lebensform, die allerdings noch nicht jedermanns Sache ist, aber künftig durchaus reüssieren könnte. Eines ist klar, wir brauchen ganz einfach auch neue Wege in der Landwirtschaft – ob diese Modelle Teil der Lösung sind, wissen wir noch nicht. Auch ist klar, dass wir unsere Gewohnheiten definitiv werden ändern müssen – da bin ich zuversichtlich, wir können das.

Christian Janisch – Der Bewahrer Veränderung kann auch im Erhalten, im behutsamen Weiterentwickeln liegen. Er ist für pragmatische Lösungen bekannt und kämpft im Detail bis zum Umfallen. Man muss in der Änderung auch im richtigen Moment warten können, dann gilt aber wieder: „Vollgas“.

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ESG UND EU-TAXONOMIE

DIE ZEIT LÄUFT

Im Rahmen unseres Schwerpunkt-Themas ESG wurden Mitglieder des ESG Circle of Real Estate (ECORE) befragt, welche Herausforderungen sie in Bezug auf ESG meistern müssen, was bereits umgesetzt wurde und inwieweit die EU-Taxonomie die Branche verändern beziehungsweise es zu einer Neubewertung kommen wird.

Seit März ist die EU-Taxonomie verpflichtend umzusetzen. Wie man seine Immobilien bzw. sein Portfolio ESG-konform bekommt, erklärt EUTaxonomie-Advisor Markus Huber im Interview.

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ESG ERFORDERT NEUE PROZESSE

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Top-Berater von KPMG, Deloitte, EY und PwC erklären im Interview, was ESG für Nachhaltigkeit, Rendite und Digitalisierung bedeutet und wie eine sinnvolle ESGStrategie aussieht. Eines ist klar, die Zeit drängt.

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Bauchgefühl ist gut. Unsere Marktberichte sind besser.

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Verpflichtend seit März 2021: ESG Neue Benchmarks. Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Immobilien und ein Instrument, das Investoren, Unternehmen und Projektträgern dabei hilft, die verpflichtenden Anforderungen des Paris Agreements umzusetzen. Ein Überblick. Autor: Lisa Grüner

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ls Standard nachhaltiger Anlagen hat sich die Begrifflichkeit „ESG“ etabliert. Diese drei Buchstaben beschreiben drei nachhaltigkeitsbezogene Verantwortungsbereiche von Unternehmen: Das „E“ für Environment steht hierbei für Umwelt, z.B. für Umweltverschmutzung oder -gefährdung, Treibhausgasemissionen oder Energieeffizienzthemen, „S“ für Social beinhaltet Aspekte wie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Diversity oder gesellschaftliches Engagement, kurz gesagt Corporate Social Responsibility. Und „G“ ist die Abkürzung für Governance, unter der eine nachhaltige Unternehmensführung verstanden wird, zu der Themen wie Unternehmenswerte oder Steuerungs- und Kontrollprozesse zählen. Die ersten zwei der von der Europäischen Kommission definierten sechs Umweltziele treten 2021 in Kraft. Diese umfassen den Klimaschutz sowie die Anpassung an den Klimawandel.

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Ende 2022 treten die weiteren vier Umweltziele in Kraft: Schutz von Wasser und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung und Schutz und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme

Auswirkungen auf Unternehmen

Die Taxonomie ist eine Verordnung, die auf drei Gesetzesinitiativen mit direkten Auswirkungen auf Unternehmen und Investoren beruht, und insbesondere die Berichterstattung, die Offenlegung von Umsatz und Kapital- oder Betriebsausgaben, sowie neue Umweltzeichen und -standards (z.B. Green Bonds) betrifft. Das vorrangige Ziel der EU-Taxonomie ist es, privates Kapital zu Aktivitäten zu lenken, die langfristig der Umwelt zugutekommen. Akteure im Finanzsektor erhalten ein BewertungsTool, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als umweltverträglich angesehen werden, ob und inwieweit Investitionen, Finanzprodukte und

Finanzierungsaktivitäten mit den in der Taxonomie definierten Kriterien übereinstimmen. Die EU-Taxonomie wird prüfen, inwieweit bestimmte Aktivitäten zur Erreichung der im Pariser Abkommen festgelegten Ziele beitragen.

ÖGNI als Anlaufstelle

In Österreich bietet die ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) in Kooperation mit der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), dem Dänischen Green Building Council und dem Spanischen Green Building Council an, die Praxistauglichkeit der Taxonomie-Anforderungen für aktuelle neue Projektentwicklungen, Sanierungen und/oder Bestandsgebäude zu überprüfen.

Neue Chancen

Wie alle Unternehmen können auch Immobilienunternehmen das Thema ESG als Chance nutzen. Die Vorteile einer guten ESGPerformance reichen von gesenkten Kosten im Energiebereich über bessere Konditionen


Es erfordert eine Reihe von Kompetenzen, um die Strategie in messbare KPIs umzuwandeln und dann die erforderlichen Daten zu sammeln. Die wichtigsten Etappen:

Prozesse einbetten

• Berücksichtigung von ESG-Daten mit der gleichen Genauigkeit wie etwa finanzielle Buchhaltungsdaten, einschließlich Kontrollen • Berücksichtigung der technologischen sowie der personellen Aspekte des Wandels

Verständnis, was zu berichten ist Sammeln der richtigen Daten • Schaffung von soliden Prozessen zur Definition, Erhebung und Verarbeitung von Daten • Vertrauensbildung durch Gewährleistung von Materialität, Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit der Daten

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Kontrolle

Technologie einbetten

• Auswahl der richtigen Tools und Technologien für nichtfinanzielle Daten mit der gleichen Genauigkeit wie für die Finanzberichterstattung

• Unterstützung durch gute Unternehmensführung und Kontrollen, um externe Prüfungen zu ermöglichen

bei Finanzierungen bis hin zu einer besseren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Die Taxonomie-Verordnung ist ein erster wichtiger Schritt hin zu einer allgemeingültigen Definition von Nachhaltigkeit. Mit den dazugehörigen delegierten Rechtsakten werden Kriterien geschaffen, die eine Unterscheidung zwischen nachhaltig und nicht nachhaltig zulassen. Das Ganze ist zurzeit sicher noch nicht perfekt und auch noch nicht vollständig, da die Rechtsakte einem dynamischen Prozess unterworfen sind. Der bedeutende Schritt ist aber die Schaffung eines EU-weiten Instruments, das allen Mitgliedsstaaten einen Maßstab für Nachhaltigkeitsklassifizierungen bietet. Im Zuge der Umsetzung wird es auch zu einer umfassenden Neubewertung von Immobilien am europäischen Markt kommen.

• Offenlegen unterschiedlicher Ansichten: Kapitalmärkte (Investoren, Ratings usw.) und ESG-Taxonomie-Anforderungen • Verknüpfung der Strategieentwicklung, KPI-Auswahl und effizienter Stakeholder-Kommunikation

Factbox ESG-Ziele sollten Teil einer gesamthaften Strategie sein, die auf die oben genannten Fragen aufbaut. Dadurch ist sichergestellt, dass die Ziele relevant und stakeholder-fokussiert sind und auch zur Resilienz und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens beitragen. Das ist wichtig für den langfristigen Unternehmenserfolg und die Glaubwürdigkeit nach außen. Die Kernfragen lauten: • Wie wirken sich Klimarisiken in Zukunft auf meine Portfolios aus? • Wie kann ich mich vor den identifizierten Risiken schützen? • Wie nutze ich Zukunftspotenziale in meinen Portfolios?

• Wie nachhaltig sind meine Bestandsimmobilien und wie plane ich künftige CapEx, insbesondere Modernisierungsinvestitionen? • Welche Kern-ESG-Ziele in Bezug auf Nachhaltigkeit möchte ich mit meinen Bestandsportfolios und Developmentprojekten erreichen, sowohl vor dem Hintergrund der Klimaverantwortung als auch der gesellschaftlichen Verantwortung? • Wie kann ich unter anderem die Empfehlungen der Task Force on Climate Related Financial Disclosures (TCFD), beispielsweise der Aufsichtsbehörden und der NBGL, in meinen Reportings effizient umsetzen? Quelle: PwC

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Das sagen Top-Unternehmen zur EU-Taxonomie-VO Umfrage. Mit dem ESG Circle of Real Estate (ECORE) hat die Immobilienwirtschaft DACH einen europäischen Nachhaltigkeitsstandard entwickelt und einen belastbaren und marktfähigen Branchenstandard zur Messung der Nachhaltigkeitsperformance von Immobilien und Portfolios etabliert. Autor: Lisa Grüner

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CORE, im Februar 2020 durch Bell Management Consultants und namhafte ImmobilienBestandshalter ins Leben gerufen, umfasst heute ca. 40 Mitglieder, die ein Immobilienvermögen von insgesamt ca. 800 Milliarden Euro auf sich vereinen. Das ESG-Scoring-Modell der Initiative ist ein ganzheitlicher Kriterienkatalog. Über die ESG-Kriterien hinaus werden die erforderlichen Taxonomie-Kriterien des Action Plan on Sustainable Finance der EU (seit März verpflichtend) und die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens (über z.B. CRREM) abgebildet. Das Scoring wird fortlaufend mit den neuen Instrumenten der EU aktualisiert. Anhand einer Punkteskala

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von null bis 100 können alle Stakeholder, wie z.B. Mieter, Anleger und Investoren, erkennen, inwieweit eine Immobilie oder ein Portfolio die Klima-Ziele und ESG-Kriterien abbildet. Daraus leitet sich im Detail das operative Optimierungspotenzial einer Liegenschaft ab. Das Modell (OpenSource) liefert einen konkreten Fahrplan, mit welchen Maßnahmen die ESG-Ziele erreicht werden können. Neben der breiten Marktabdeckung sind der operative Nutzen für jeden Investor/Anleger und die Vergleichbarkeit in seiner Peer-Group bei adäquatem Aufwand zentraler Bestandteil dieses ESG-Scorings. Der ImmoFokus hat namhafte Mitglieder zu ESG und den Beweg- und Hintergründen dem Circle beitreten, befragt:

• Ihr Unternehmen ist der Initiative „ESG Circle of Real Estate“ beigetreten, was sind die Gründe dafür? • Welche Vorteile bringt das Ihrem Unternehmen? • Wurden konkrete ESG-Kriterien in Ihrem Unternehmen bereits umgesetzt? • Welche werden Sie in den nächsten zwei Jahren umsetzen? • Was sind die größten Herausforderungen dabei? • Inwieweit wird ESG die Immobilienbranche verändern? • Sind Immobilien nur mit ESG zukunftssicher? • Wird ESG zu einer umfassenden Neubewertung von Immobilien am europäischen Markt führen?

Fotos: Art-Invest, Verifort Capital, KanAm Grund, Commerz Real, CA Immo, Habona Invest Asset Management, DWS, RLI Investors, Union Investment, Catella Real Estate, Corestate Capital Group, JPI

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„Die Anforderungen der Mieter an die von ihnen genutzten Mietflächen werden sich zunehmend ändern.“ Benita Scheider, DWS

Benita Schneider, DWS Für die DWS ist ESG – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – ein wichtiger Bestandteil der Investmentphilosophie. Nachhaltigkeitsrisiken werden schon heute regelmäßig im Investitionsentscheidungsprozess beim Ankauf neuer Immobilien für die Immobilienfonds berücksichtigt. Im Management der Bestandsimmobilien prüft die DWS konstant, durch welche Maßnahmen diese Immobilien sukzessive ökologisch nachhaltiger für die Zukunft aufgestellt werden können. So haben wir uns bereits im Jahr 2019 dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen unseres europäischen Büroimmobilien-Portfolios bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren und haben die Klimaschutzverpflichtung der Better Building Partnership unterzeichnet, mit der wir bis zum Jahr 2050 kohlenstofffrei sein wollen, um sicherzustellen, dass die Treibhausgasemissionen unseres Portfolios mit dem 1,5°C Erwärmungsszenario übereinstimmen, wie es das Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2016 vorschreibt. Dabei konzentrieren wir uns zunächst auf die Verbesserung der Energieeffizienz unserer Immobilien, gefolgt

von der Beschaffung von erneuerbaren Energien und, falls notwendig, der Unterstützung durch CO2-Kompensationsmaßnahmen. Zu unseren initialen Nachhaltigkeitsmaßnahmen gehören neben einer konkreten Zielsetzung beispielsweise die Datensammlung und -erfassung von Verbrauchswerten, die anschließende Bewertung und Festlegung geeigneter Investitionsmaßnahmen, sowie Auditierung und Zertifizierung der Immobilien. Hierzu beteiligen wir uns beispielsweise an der Initiative ECORE – ESG Circle of Real Estate, um gemeinsam mit der Immobilienbranche in Deutschland einen Standard für die Beurteilung von Immobilien und Portfolios nach ihrer Nachhaltigkeit mit einem einheitlichen ESG-Scoring zu entwickeln. Ein solches ESG-Scoring hilft, die Ergebnisse der ergriffenen Maßnahmen auf dem Weg zur CO2-Neutralität transparent zu machen. Aber um nach vorne gehen zu können, bedarf es noch mehr. In der täglichen Praxis begegnen uns unterschiedliche nationale und lokale Regelungen und Gesetze

etwa beim Mietrecht und Datenschutz, die es uns beispielsweise erschweren, direkten Einblick in Versorgerverträge unserer Mieter zu nehmen und Einzelverbrauchsdaten zu erfassen, die uns ein ganzheitliches Bild der Immobilie vermitteln. Hierzu fokussieren wir uns auf den Dialog mit jedem einzelnen Mieter, um daraus weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz zu entwickeln. Außerdem implementieren wir Standards für Gesundheit & Wohlbefinden in unserem Gebäudemanagement und erarbeiten eine Social Charta, um auch unserer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Mit Blick auf das europäische Ziel, bis 2050 CO2-neutral zu sein, werden sich die Anforderungen der Mieter an die von ihnen genutzten Mietflächen zunehmend ändern. Zudem ist zu erwarten, dass die gesetzlichen Anforderungen in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union dafür sorgen werden, dass sich Investitionskriterien für Vermögensverwalter und Investoren ändern. Nur ein gemeinsames Vorgehen wird uns dabei helfen, das Klimaproblem zu verbessern.

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Viola Joncic, Commerz Real Nachhaltigkeit und die Bewertung von Immobilien nach ESG-Kriterien ist eine branchenweite Herausforderung, welche auch nur im Zusammenwirken der Unternehmen miteinander bewältigt werden kann. Eine Initiative wie der ESG Circle of Real Estate bringt viele wichtige Player zusammen und trägt so zur Erhöhung der Transparenz über Nachhaltigkeit bei. Zudem versprechen wir uns eine Vereinheitlichung von Parametern und Daten. Das wiederum reduziert den Aufwand bei Transaktionen und perspektivisch auch bei den Propertymanagern, die viele der Daten bereitstellen. Unser Ziel ist die Erfüllung der Pariser Klimaziele und die Ausrichtung unseres Investmentportfolios daran. Erste Maßnahmen haben wir bereits umgesetzt: So haben wir zum Bei-

Daniel Jelitzka, JPI Die EU-Taxonomie-Verordnung ist ein wichtiges Instrument auf dem Weg in eine CO2-neutrale Zukunft. Insbesondere für den Bausektor, der ja für mehr als ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Ein Umdenken ist auch in unserem Segment im Gang – so stellen

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spiel den CO2-Fußabdruck unseres Immobilienportfolios ermittelt und sind jetzt dabei, ihn sukzessive zu reduzieren. Zudem bauen wir den Anteil an bezahlbarem und gefördertem Wohnen in unserem Immobilienportfolio signifikant aus und werden künftig noch mehr in die Themen Medizin/Gesundheit sowie in soziale Quartiere investieren. Die größten Herausforderungen sind die Ausbalancierung von Kosten und Nutzen, insbesondere in der aktuellen Krisensituation, die Datenverfügbarkeit in einer komplexen Struktur zwischen Mietern, Propertymanagern und Vermietern, die Reduzierung der Mieterverbräuche sowie die Auflösung des Dilemmas, dass der Nutzen von ESG-Investitionen beim Mieter liegt, die Kosten selbst aber oft nur beim Vermieter. Dass ESG fester Bestandteil der Immobilienbranche wird, dürfte inzwischen weithin klar sein. Ohne Abwägungen zu einer nachhaltigen Entwicklung werden Immobilien-Entscheidungen nicht mehr getätigt werden können. Dafür sind die Auswirkungen des Immobiliensektors auf das Klima und die Gestaltung von Wohn- und Arbeitsbedingungen einfach zu groß. Zudem sind Entscheidungen, die Gebäude betreffen, immer langfristiger Art, zum großen Teil sogar für

wir beispielsweise unseren Fuhrpark auf ressourcenschonende E-Autos um. Aber auch bei unseren Projekten legen wir den Fokus auf klimafreundliche Maßnahmen wie zum Beispiel effiziente PhotovoltaikAnlagen, dort wo es möglich ist, sowie Bauteilaktivierung, Ladestationen für EAutos oder Fernwärme statt Gas. Ein großes Potenzial sehen wir außerdem in der Digitalisierung z.B mit unserer PropTechApp „puck“ – bringt den guten Geist ins Haus“, die einen maßgeblichen Beitrag in puncto Ressourceneffizienz leistet. Durch neue, von der EU eingeführte Umweltzeichen sowie -standards sind Projektentwickler gefordert ihren Beitrag zu leisten. So trägt man durch die entspre-

„ESG wird zum festen Bestandteil der Immobilienbranche.“ Viola Joncic, Commerz Real nachfolgende Generationen. Das ist eine besondere Verantwortung, die wir in der Branche tragen. Ich bin davon überzeugt, dass Immobilien durch ESG zukunftssicher werden. Nachhaltigkeitsrisiken müssen bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden. Das heißt, dass schon jetzt betrachtet werden muss, welche äußeren Faktoren sich in Zukunft ändern werden. Das gängigste Beispiel sind hier vermehrte Naturkatastrophen oder sich ändernde Gesetzeslagen (z.B. CO2-Steuer). Außerdem sind nur die Immobilien auch in Zukunft wertvoll, die schon heute sich ändernde Bedürfnisse antizipieren oder flexibel gestaltet sind und sich somit anpassen können. Ich denke hier an Faktoren wie die Verkehrswende, die Energiewende sowie sich verändernde gesellschaftliche Anforderungen.

chenden Maßnahmen nicht nur maßgeblich zum Klimaschutz bei, sondern kann sich durch innovative Akzente auch von den Mitbewerbern abheben. Denn natürlich legen Investoren auch ein immer größeres Hauptaugenmerk darauf. Es nicht zielführend, einzelne Maßnahmen isoliert voneinander zu betrachten, vielmehr müssen sie gesamt ineinandergreifen. Damit dies gelingt, braucht es eine langfristige Nachhaltigkeitsstrategie mit einem durchdachten Maßnahmenmix. All dies muss zudem in einem Commitment der gesamten Branche münden – denn um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen.


Bernhard Setzwein, RLI Investors Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Dazu muss der Immobiliensektor einen wesentlichen Beitrag leisten. Als Teil der DIC-Gruppe und als ein auf Logistikimmobilien spezialisierter Investmentund Asset-Manager sind auch wir dabei gefordert und wollen unsere Logistikexpertise dafür mit einbringen, auch durch Mitarbeit in der ECORE-Initiative. Wir haben durch den Beitritt bei ECORE die Möglichkeit, an der Entwicklung erforderlicher Branchenstandards zur Messung der Nachhaltigkeitsperformance von Immobilien und Portfolios mitzuwirken und zu erfahren, wo wir mit unserem Portfolio unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien und speziell dem Standard EU-Taxonomie aktuell stehen und welche Agenda wir uns vornehmen müssen. Des Weiteren gestalten wir als Mitglied aktiv mit und handeln verantwortungsvoll für die Gesellschaft, unsere Mitarbeiter, die Immobilienbranche sowie die Investoren, Anleger und Mieter. Wir haben seit Gründung der RLI in 2013 ESG-Best Practices in unsere Prozesse für Immobilieninvestitionen und Immobilienmanagement eingebettet. Ein wichtiger Meilenstein im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie war die letztjährige Teilnahme am GRESB-Rating mit einem unserer Bestandsfonds. Auch für unsere Muttergesellschaft, die DIC Asset als eines der führenden deutschen börsennotierten Immobilienunternehmen, ist eine nachhaltige Entwicklung unter Berücksichtigung von ökonomischen wie auch ESG-Aspekten Teil ihrer DNA. Wir

„Die Veränderung aufgrund von ESG macht sich schon jetzt bemerkbar.“ Bernhard Setzwein, RLI Investors

werden unsere Tools, Prozesse und unser Reporting stetig weiterentwickeln und dabei ESG-Kriterien besonderes Augenmerk widmen. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir auch unsere vor- und nachgelagerten Partner – also Dienstleister wie Mieter – bezüglich der Relevanz von ESG für sie und uns in geeigneter Weise einbeziehen werden. Die EU-Taxanomie sieht für Neubauten bestimmte Grenzwerte für den NettoPrimärenergiebedarf vor. Das treibt die Kosten und erhöht den Druck auf die Renditen. Eine weitere Herausforderung wird sein, sich nicht im regulatorischen Dschungel zu verirren, sondern sich strikt auf die jeweils relevanten ESG-Maßnahmen zu fokussieren. Die Veränderung aufgrund von ESG macht sich schon jetzt bemerkbar. Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Immobilienvehikel gewinnen an Bedeutung, der Stellenwert der Sanierung

von Bestandsgebäuden wird steigen und Nachhaltigkeit rückt mehr und mehr in den Fokus. ESG-Faktoren werden beim Objektankauf mehr und mehr zu einem Entscheidungskriterium. Nachhaltigkeit als Faktor bei Immobilieninvestitionen und Immobilienmanagement ist für uns wichtig und wird in Zukunft noch wichtiger werden. Das ist ein Wert an sich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. In der Vergangenheit waren ESG-Kriterien bei der Wertermittlung von Immobilien kaum explizit von Bedeutung. Das hat sich geändert. Die Kriterien, die ein Objekt aufgrund der ESG-Richtlinien erfüllen muss, um als nachhaltig eingestuft zu werden, gehen inzwischen weit über den Energieausweis hinaus. Die neue EU-Taxanomie fordert die Berücksichtigung von ESG auf allen Ebenen des Investmentprozesses und des Immobilienmanagements. Und das wird sich perspektivisch auch in den Immobilienwerten abbilden.

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„ECORE bietet ein zukunftsgerechtes ESG-Bewertungsmodell für Gebäude.“ Justus Wiedemann, CORESTATE Capital Group

Justus Wiedemann, CORESTATE Capital Group Bei ECORE handelt es sich um ein neuartiges und zukunftsgerechtes ESGBewertungsmodell für Gebäude. Es grenzt sich klar ab von anderen bislang gängigen Systemen, da es als weltweit erstes Scoring die Klimapfade der EU bis 2050 beinhaltet. Weiterhin ist ECORE eine Entwicklung von der Branche für die Branche, und zwar von den Anwendern, den „Reportern“, selbst erstellt und in zahlreichen (teils mühevollen) Sitzungen abgestimmt. Sowohl BVI und ZIA waren hier aktiv beteiligt, zusätzlich zu den über 40 Investmenthäusern, wie der Union Invest, Deka, DWS, UBS und auch CORESTATE. So können wir als Anwender selbst hier auch fortlaufend Einfluss nehmen, was das ECORE-System aus ihrer Sicht abbilden sollte. Stichwort: Wir wollen gerne selbst entscheiden, was wir aus ESG-Sicht für wichtig zu halten haben. Idealerweise einigt sich die Branche fortlaufend auf eine ESG-Bewertungssystematik, das spart Zeit und Geld. Als letzter wichtiger Punkt: ECORE ist open source. Das bedeutet, dass die Bewertungstabelle für die Erstellung eines nicht-gebenchmarkten Scorings öffentlich verfügbar sein wird. Somit ist sichergestellt, dass hier keine Interessenskonflikte zwischen potentiellen zukünftigen Geschäftsmodellen mit ECORE und dem entstehen, worum es eigentlich gehen sollte. Nämlich maximale Transparenz über die relevanten Nachhaltigkeitsrisiken im Einklang mit der

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Regulierung (Offenlegungsverordnung und Taxonomie) herzustellen.

auf die Umwelt und die Gebäudequalität und -sicherheit für die Nutzer vor Ort.

Da wir PRI-Unterzeichner sind, veröffentlichen wir jährlich einen ESG-Report, haben ein Frauennetzwerk, eine Stiftung zur Förderung von mildtätigen Zwecken und ein monatliches ESG-Komitee ins Leben gerufen. Von 2018 auf 2019 haben wir die CO2-Emissionen signifikant reduziert und in 2020 einen Piloten für die digitale ESGAnkaufsprüfung durchgeführt, eines der Top-10-Referenzprojekte „Top 10 Digital Real Estate Deutschland“ des Immobilien Manager-Magazins. Wir glauben an die Quantifizierung von ESG und deren unmittelbaren Mehrwert für unsere Portfolien. Daran arbeiten wir fortlaufend, unter anderem durch unser Engagement als einer der Projektleiter von ECORE. Herausfordernd dabei ist das Entwickeln eines branchenübergreifenden Verständnisses dafür, was eigentlich zählt: Die reale Auswirkung der Gebäudeemissionen

Wir kommen aus einer Welt, in der ESG nicht reguliert war, und steuern auf eine Vollregulierung zu. Wir müssen uns daher fokussieren hinsichtlich der Messung von ESG, und zwar ausschließlich mit Tools, die an die Regulierung angelehnt sind. Ad Zukunftssicherheit: Nur wenn wir die Immobilie gesamtheitlich attraktiv erhalten, für die Investoren, die Mieter und demnach auch für potenzielle Käufer, machen wir weiterhin Umsätze. Und ESG nicht umzusetzen, torpediert alle drei dieser Dimensionen. Ja, ESG wird zu einer umfassenden Neubewertung von Immobilien am europäischen Markt führen. Denn steigende Steuerlast, verwaltungsrechtliche Einschränkungen in der Vermietung und explodierende Baukosten führen zu einer maßgeblichen und unumgänglichen Anpassung der Businesspläne und daher zu Risikoaufschlägen im Markt.


Philipp Henkels, Art-Invest Durch die Beteiligung an dem ESG Circle of Real Estate wollen wir einen aktiven Beitrag bei der Entwicklung eines europäischen ESG-Reporting-Standards für Immobilieninvestitionen leisten, damit die Transparenz in Sachen „Nachhaltigkeit“ für Investoren, Mieter und weitere Interessensberechtigte verbessert wird. Wir erhoffen uns dabei, insbesondere über das

Frank M. Huber, Verifort Capital Unser Beitritt als Verifort Capital in die Initiative „ESG Circle of Real Estate“ war für uns ein Schritt aus Überzeugung und ist für uns eine freiwillige Selbstverpflichtung. Wir unterstützen das Ziel der Etablierung eines belastbaren und marktfähigen Branchenstandards zur Messung der Nachhaltigkeitsperformance von Immobilien und Portfolios. Diese Methodik ist eine Chance auf mehr Transparenz und Vergleichbarkeit (Benchmarks) in der Branche, die man im Sinne der Anleger und Mieter nicht verstreichen lassen darf. Uns war wichtig, dass über die ESGKriterien hinaus die aktuell bekannten Taxonomie-Kriterien und die Ziele des

ECORE-Reporting-Tool neben den bereits gängigen ESG-Kriterien auch die zukünftigen Taxonomie-Kriterien sowie die Zielpfadmessung im Hinblick auf das Pariser Klimaschutzabkommen standardisiert abbilden zu können und einen Beitrag für die Vergleichbarkeit der NachhaltigkeitsPerformance von Immobilieninvestments zu leisten. Als Immobilieninvestmentmanager betrachtet Art-Invest Real Estate Nachhaltigkeit unter verschiedenen Aspekten. Vor zwei Jahren haben wir uns deshalb verbindliche Nachhaltigkeitsleitlinien zu den für uns relevanten Kategorien „Ökonomie“, „Ökologie“, „Soziales“ sowie „Gesellschaft“ gegeben, die wir in unseren Immobilienprojekten umsetzen. In Zukunft wollen wir unsere verbindlichen Nachhaltigkeitsleitlinien und die daraus entwickelte Nachhaltigkeitsstra-

tegie kontinuierlich weiterentwickeln. Im Immobilienbereich liegt beim Thema „Daten“ eine besondere Schwierigkeit vor, was zum einen an rechtlichen Fragestellungen und zum anderen an der ausgeprägten Heterogenität von Immobilien liegt. Mit großer Sicherheit werden ESG-Faktoren in Zukunft in jeder Lebenszyklusphase von Immobilien eine stärkere Rolle spielen als bisher. Zukunftssicherheit impliziert Nachhaltigkeit, daher sind ESG-Kriterien auch ein wesentlicher Bestandteil von zukunftssicheren Immobilien. ESG-Faktoren spielen bereits heute in der Bewertung von Immobilien eine wichtige Rolle, wenngleich die wachsenden regulatorischen Anforderungen hinsichtlich der Transparenz die Bedeutung von ESG-Faktoren für die Bewertung von Immobilien sehr wahrscheinlich erhöhen werden.

Pariser Klimaschutzabkommens berücksichtigt sind. Aktuell implementieren wir ein eigenes Strategiepapier in unserem Unternehmen, mit dem wir unsere internen Prozesse im Hinblick auf einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Ansatz zur Unternehmensführung weiter analysieren und optimieren können. Insbesondere auf unseren Teilbereich der Immobilienbranche, den Asset Manager von Bestandsimmobilien, kommen in der Zukunft im Hinblick auf eine verbesserte und umweltgerechte Nutzung von älteren Gebäuden besondere Herausforderungen zu. Im Bereich der Corporate und Social Governance sind wir bereits weiter – hier haben wir uns zum einen eine hohe Diversität in unserer Mitarbeiterstruktur, aber auch die Umsetzung fairer Spielregeln im täglichen Miteinander auf die Fahnen geschrieben. Aktuell entsteht hierzu gerade unser Code of Conduct, den wir nicht nur an allen unseren Standorten für unsere Mitarbeiter zum Standard machen, sondern den wir vor allem von der Führungsebene aus vorleben wollen. Aus unserer Sicht wird die ESG-Thematik starken Einfluss auf die ganze Immobilienbranche

haben. Nachhaltigkeit wird insgesamt eine immer größere Rolle einnehmen, auch die Frauenquote in der ganzen Branche wird weiter steigen. Ebenso rückt, wie in vielen anderen Branchen auch, das Thema Governance immer stärker in den Fokus der Unternehmen. Tatsächlich ist es schon noch eine Herausforderung zu wissen, welche Investitionen notwendig sein werden, um die Ziele des deutschen Klimaschutzplans sowie des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Unsere Aufgabe als Asset-Manager wird in Zukunft verstärkt auch darin bestehen, Immobilien durch intelligentes und aktives Management ESG-konform zu machen und so zu verhindern, dass sogenannte „Stranded Assets“ entstehen. Wir sehen nicht, dass ESG zu einer umfassenden Neubewertung von Immobilien führen wird. Stattdessen werden sich vielmehr alle Immobilien an Nachhaltigkeitskriterien orientieren, was zu einer Entwicklung des ganzen Markts, nicht jedoch einzelner Immobilien führen dürfte.

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Helena Ivanovic, KanAm Grund Als Branche können wir gemeinsam mehr erreichen als jeder für sich. Zwar gibt es bereits ein international führendes System zur Bewertung von Nachhaltigkeit in Immobilienportfolios – GRESB. Vergangenes Jahr nahm die KanAm Grund Group mit dem LEADING CITIES INVEST bereits daran teil. Aber es ist eben noch besser, wenn darüber hinaus auch ein auf die deutsche Immobilienfondsbranche zugeschnittenes Scoring-Modell verfügbar ist. Dann können wir alle gemeinsam unsere Immobilien nach vergleichbaren Standards transparent scoren. Denn letztendlich geht es uns allen darum, einem Nachhaltigkeitsstandard zu folgen, der uns auf das große Net-Zero-Ziel im Jahr 2050 ausrichtet. Kurz gesagt bringt es drei Vorteile. Erstens: Wir werden als Branche einem gemeinsamen Standard folgen. Damit wird es klare und akzeptierte Leitplanken für den Weg in die Zukunft geben. Zweitens: 40 Nachhaltigkeits-Experten werden diesen Standard breiter und überlegter anlegen, als dies ein einzelner bewerkstelligen könnte. Und drittens: Die Teilnahme ist für uns zugleich ein Lernprozess, bei dem wir uns zugleich mit eigenen Ideen einbringen können. Nachhaltigkeit ist seit 2009 festgeschriebener Bestandteil unserer Unternehmenspolitik. Die Pläne der EU im Rahmen des Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums veranlassten uns dann bereits 2018 dazu, intern hierzu Strukturen zu schaffen und das Thema Nachhaltigkeit auf eine neue Basis zu stellen. Wir haben seitdem ein Sustainability Team aus 17 führenden Köpfe des Unternehmens. Dieses Team ist damit beauftragt,

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das Thema Nachhaltigkeit auf Unternehmens-, Fonds- und Immobilienebene zu entwickeln und umzusetzen. So haben wir auf Ebene der KanAm Grund Group die CO2-Emissionen unserer Immobilien bisher bereits um 9.079 Tonnen pro Jahr reduziert, erhöhen die Zertifizierungsquote von Einzelimmobilien sukzessive, sind Teilnehmer geworden beim internationalen ESG-Benchmarking-System GRESB mit dem LEADING CITIES INVEST und Unterzeichner der UN PRI. Parallel dazu motivieren wir auch unsere Mieter, sich mit ihren Mietflächen an dem Bezug erneuerbarer Energien zu beteiligen. Wir entwickeln im Sustainability Team derzeit einen grünen Standard-Mietvertrag, um weitere ESG-Aspekte zu berücksichtigen. Weiterhin legen wir aktuell die Voraussetzungen fest für die Implementierung von Smart-Metering-Systemen in unseren Gebäuden. Unsere ganzen Aktivitäten und Ziele werden wir in einem ersten Nachhaltigkeitsbericht der KanAm Grund Group im zweiten Quartal 2021 veröffentlichen. Die größten Herausforderungen sind dabei letztendlich immer die Menschen. Von ihnen ist der Erfolg dieses Projektes abhängig. Die Immobilienbranche muss sich die neue Nachhaltigkeitskultur erst aneignen und wie selbstverständlich leben. Das beginnt schon mit der Erfassung und Pflege der ESG-Daten, die vom Zutun vieler abhängt. Aber natürlich auch die Regulierungen. Diese sind momentan noch nicht zur Gänze klar. Was hier auf dem Papier gefordert wird und in welchem kurzen Zeitraum ist schon sehr ambitioniert. Das traditionelle Investitionsdreieck bei Immobilien bestand aus Rendite, Sicherheit und Li-

quidität. Als vierter Eckpfeiler ist längst die Nachhaltigkeit dazugekommen. Das Dreieck ist zu einer Raute geworden, ESG hat die Branche schon längst verändert. Jeder in der Branche hat Pilotprojekte gestartet, künftig wird wohl kein Haus mehr verkauft werden, ohne dass seine ESG-Performance beurteilt wird und mögliche weitere ESG-Maßnahmen definiert werden, die das Asset Management dann umsetzen soll. Bereits jetzt ist es schon so: Je besser eine Immobilie bei Energieverbrauch und CO2-Ausstoss abschneidet, umso attraktiver ist sie. Aber fast keine Bestandsimmobilie auf den internationalen und nationalen Immobilienmärkten erfüllt heute schon das Net-Zero-Ziel. Verkürzt gesagt: Alle Immobilien müssen auf den Dekarboniserungs-Pfad – und sinnvolle, standardisierte ESG-Maßnahmen helfen dabei als Wegweiser. Die große Aufgabe unserer Branche ist es, die Immobilien mit ESG zukunftssicherer zu machen. Künftig werden alle Immobilien auch mit der ESG-Brille betrachtet werden. Aber diese Perspektive ist lediglich ein weiteres Core-Kriterium bei der Beurteilung einer Immobilie. Viele ESG-Maßnahmen sind nach unserer Erfahrung auch mit geringen Kosten umsetzbar. Teilweise kann man sogar Kosten sparen. Bei der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien konnten wir beispielsweise günstigere Rahmenverträge abschließen. Bei Sanierungsmaßnahmen, die im Objekt im Laufe der Zeit ohnehin anfallen, kann man das ESGThema integral mitberücksichtigten. Insofern gehen wir nicht von einer umfassenden, einmaligen Neubewertung aus.


„Der Druck auf die Immobilienwirtschaft, die ökologische Nachhaltigkeit nachzuweisen, steigt.“ Hans Christian Schmidt, Habona Invest Asset Management

Hans Christian Schmidt, Habona Invest Asset Management Für Habona ist Nachhaltigkeit Programm. Mit unserem Fokus auf Nahversorgungsimmobilien sichern wir die Grundversorgung der Menschen auch abseits der Ballungsgebiete. Wir stellen uns zudem unserer Verantwortung zur Erreichung des Klimaziels 2050. Als aktiver Teil von ECORE haben wir nun gemeinsam ein ESG-Scoring für die Immobilienwirtschaft entwickelt. Unser Ziel ist es, das Scoring als wichtigen Nachhaltigkeitsstandard zu etablieren. Durch unsere Mitarbeit bei ECORE können wir frühzeitig auf Besonderheiten unserer Assetklasse Nahversorgung hinweisen und so bei Investoren und im Vertrieb für Vertrauen sorgen. Mit unserem Fokus auf systemrelevante Immobilien wie Lebensmittelmärkte und Kindertagesstätten erfüllen wir bereits wesentliche soziale Nachhaltigkeitsstandards, unsere Mieter haben sich umfang-

reichen ESG-Selbstverpflichtungen unterworfen. Kurzfristig möchten wir unsere Portfolien möglichst flächendeckend mit Elektro-Ladeinfrastruktur und Fotovoltaik ausstatten. Darüber hinaus ist unser Ziel, neben den üblichen RessourcenEinsparungszielen, die Einführung von ESG-Komponenten bei der Bonifizierung sowie die Umsetzung von Remote Work auch nach Corona. Herausfordernd ist unsere Unternehmensgröße, die eine entsprechende Fokussierung neben dem Kerngeschäft erschwert. Schon ab 2021 werden auf Basis der EU-Taxonomie-Verordnung technische Bewertungskriterien verpflichtend. Ab 2022 sind Finanzvermittler und Vermögensberater aufgefordert, Anlegern zumindest ein ökologisch nachhaltiges Finanzprodukt anzubieten. Daher steigt schon heute der Druck auf die Immobilienwirtschaft, die ökologi-

sche Nachhaltigkeit nachzuweisen bzw. diese überhaupt herzustellen, um später Nachteile zu vermeiden. Das Koordinatensystem bei der Bewertung einer Immobilie wird sich ganz erheblich verschieben. Die Politik wird in die Lage versetzt, die Voraussetzungen zu steuern, die sich direkt auf die monetäre Bewertung der Immobilie auswirken. Wobei jedoch eine positive ESG-Bewertung nicht automatisch zu einer wirtschaftlich erfolgreichen Immobilie führen muss. Der wachsende Bedarf an nachhaltigen Immobilienprodukten, aufgrund der zunehmenden Nachfrage seitens institutioneller und privater Investoren, wird zwangsläufig zu höheren Bewertungen bei den entsprechend ausgestatteten Objekten führen – vorausgesetzt, dass die wirtschaftlichen Parameter dem monetären Risikoprofil entsprechen.

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Jürgen Werner, Catella Real Estate „Mit den Immobilien-Investmentlösungen der Catella Real Estate in eine nachhaltige Zukunft“- diese Mission haben wir uns, die Catella Real Estate, als Ziel gesetzt, um einen positiven Beitrag für eine nachhaltige Zukunft zu leisten. Als Immobilien-Kapitalverwaltungsgesellschaft sind wir uns unserer Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft bewusst. Aufgrund dessen verfolgen wir einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz und integrieren diesen aktiv und konsequent in unsere Unternehmensführung sowie in ausgewählte ImmobilienInvestmentlösungen. Unser Verständnis von Nachhaltigkeit und Verantwortungsübernahme im Sinne unserer Mission und Ziele haben wir unter anderem in unserem Catella Nachhaltigkeitsstatement beschrieben. Ebenso wichtig ist es uns, ein identisches Verständnis für Nachhaltigkeit unter den Marktteilnehmern zu schaffen und somit die Transparenz zu erhöhen. Eine Entwicklung eines einheitlichen Standards ist daher unerlässlich. Um dies zu unterstützten und voranzutreiben, sind wir als Catella Real Estate im Sommer letzten Jahres der ECORE-Initiative beigetreten. Durch unsere langjährige Expertise im Bereich Nachhaltigkeit konnten wir einen aktiven Beitrag zur Entwicklung des ganzheitlichen Kriterienkatalogs des ESGScorings leisten.

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„Messbare Nachhaltigkeitsaspekte werden Standard bei institutionellen Immobilieninvestitionen sein.“ Jürgen Werner, Catella Real Estate

Mit dem Catella Nachhaltigkeitsmonitor haben wir selbst ein erfolgreiches Tool zur ganzheitlichen Bewertung von Nachhaltigkeit einer Immobilie, welches bereits seit 2017 mit der Auflage des Sondervermögens „KCD-Catella Nachhaltigkeit IMMOBILIEN Deutschland“ und bei weiteren Sondervermögen Anwendung findet. Die Herausforderungen bei der Weiterentwicklung des Tools ist, das Thema Nachhaltigkeit um weitere Facetten, wie z.B. die Übernahme sozialer Verantwortung mit unserem Sondervermögen „KCD-Catella Immobilien mit sozialer Verantwortung“, zu erweitern oder es auf spezielle Nutzungsarten, wie z.B. für Logistikimmobilien für unser Sondervermögen „Catella Logistik Deutschland Plus“,

anzupassen und die sich stetig verändernden Rahmenbedingungen abzubilden. Diese fortlaufenden Neuerungen der Rahmenbedingungen braucht es aber, damit sich auch Unternehmen, die nicht intrinsisch getrieben Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsfelder integrieren, in diesem Bereich weiterentwickeln. Messbare Nachhaltigkeitsaspekte werden zukünftig ein absoluter Standard bei institutionellen Immobilieninvestitionen sein und damit einen großen Einfluss auf die gesamte Branche haben. Ohne Nachhaltigkeitsstrategie wird ein Bewirtschaften von Immobilien künftig unmöglich, und um zukunftssicher zu sein, ist ein Umdenken jedes einzelnen Marktteilnehmers vonnöten.


Jan von Mallinckrodt, Union Investment Real Estate

noch schnelleren und umfassenderen Überblick zu haben. Dadurch können Energieverbräuche oft schon mit einfachen und günstigen Maßnahmen gesenkt werden. Zusätzlich bauen wir das soziale Engagement vor Ort in den Objekten weiter aus. Auch ethische Ausschlusskriterien für unsere Geschäftspartner haben wir bereits im Einsatz und sind bestrebt diese auszubauen.

Ein branchenweites Benchmarking bedeutet mehr Transparenz für unsere Anleger und Mieter. Somit werden unsere Anstrengungen in Richtung Klimaneutralität sichtbar – und vergleichbar. Zudem findet dabei ein intensiver Wissensaustausch über Nachhaltigkeit statt, der die ganze Branche nach vorne bringt. Wir haben bereits E-, S- und G-Kriterien in der gesamten Immobilienwertschöpfungskette umgesetzt, dazu zählen unter anderem grüne Property-Management-Verträge, Kriterien für nachhaltige Mieterausbauten oder die Ableitung von Effizienzmaßnahmen. Derzeit installieren wir Energiemanagementsysteme in die Objekte, um bis 2025 für unser Gesamtportfolio einen

Das Nutzer/Investor-Dilemma ist und bleibt die größte Hürde (Der Investor investiert, der Nutzer profitiert). Zudem gibt es weitere regulatorische Hemmnisse auf dem Weg zu klimaneutralen Gebäuden (bspw. Ausbau von PV-Anlagen). Auch hoffen wir noch auf technologischen Fortschritt, denn erst durch diesen wird Klimaneutralität in bestehenden Gewerbeimmobilien möglich. Wünschenswert wäre auch, wenn Projektentwickler und Bauunternehmen von Beginn an klimaneutrale Gebäude planen würden und auf den Einsatz von ökologischen Baumaterialen achten. Wenn wir als Bestandshalter ein Gebäude ankaufen, sind die meisten Weichen bereits gestellt.

Andreas Quint, CA Immo Als Top-Player im europäischen Immobiliensektor wollen wir aktiv zur Erreichung der von der EU definierten Klima- und Umweltziele und dem allgemeinen Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft beitragen. Gemäß den Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit auf die Umwelt und Gesellschaft fokussieren wir unser ESG-Engagement unter anderem auf die Themenbereiche Klima & Energie, Ressourcenschonung & Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Stadtquartiersentwicklung

und verantwortungsvolle Unternehmensführung. In vielen dieser Themen blicken wir auf langjährige Erfahrung zurück. So entwickeln wir seit 2011 alle Büro- und Hotelgebäude für den eigenen Bestand nach mindestens DGNB Gold oder LEED Gold Standard. Dank dieses frühzeitigen Engagements verfügen wir heute über einen qualitativ hochwertigen Bestand, der zu rund 70% nach DGNB, BREEAM oder LEED zertifiziert ist. Eine große Herausforderung in den kommenden Jahren wird vor allem die weitere Reduktion des Energieverbrauchs und somit der CO2-Emissionen im Bau und Betrieb unserer Gebäude sein. Im Jahr 2020 haben wir die Umstellung unseres Gebäudebetriebs auf grünen Strom und Gas eingeleitet; allein dadurch können wir bis 2025 geschätzt rund 280.000 Tonnen CO2 einsparen. Darüber hinaus sind unter anderem Green Leases, aktives

Wir sind davon überzeugt, dass Immobilien langfristig durch ESG zukunftssicher sind. Allerdings muss man aktuell noch trennen zwischen den regulatorischen Vorgaben, die hauptsächlich auf das „E“ abzielen, und dem breiteren Ansatz von ESG, der insbesondere nicht nur uns bewegt, sondern auch einen Großteil unserer Anleger. Echte Klimaneutralität ist unser Ziel und gleichzeitig die größte Herausforderung für uns Bestandshalter. Längst zieht die internationale, aber auch nationale Regulatorik an. Ob ein Gebäude in Zukunft noch vermietet werden kann und vermietet werden darf, hängt unmittelbar damit zusammen, wie es energetisch aufgestellt ist. Manche Bestandshalter fangen an und trennen sich bereits allein auf dieser Grundlage von Gebäuden. Das hat natürlich großen Einfluss auf die Immobilienbranche. Wenn die Regulatorik dahingehend anzieht – dann ja, es wird zu Neubewertungen kommen. Im Moment wird jedoch nur der Status quo bewertet, nicht die Zukunftsfähigkeit. Das muss sich auch im Sinne der Anleger unbedingt ändern.

Energie-, Abfall- und Wasserverbrauchsmanagement sowie der Schwerpunkt auf Brownfield Development Teil unserer Nachhaltigkeitsagenda. Resilienz gegenüber ESG- und Klimarisiken – sowohl gegenüber extremen Wetterphänomenen als auch sich ändernden Regulierungen und Marktanforderungen – wird künftig maßgeblich zur Attraktivität und Wertstabilität von Immobilien beitragen. Um die damit verbundenen Qualitäten und Ausprägungen transparent und vergleichbar darzustellen, bedarf es einheitlicher Standards. Gemeinsam mit rund 40 europäischen Bestandshaltern haben wir deshalb im Rahmen des ESG Circle of Real Estate ein Scoring-Modell zur Messung von Nachhaltigkeits-Performance von Objekten und Portfolien erarbeitet. Dieses soll künftig ein internationales, qualifiziertes ESG-Benchmarking ermöglichen.

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ESG als Unternehmensprozess Zieldefinition. Auf dem Markt werden langfristig nur jene Unternehmen erfolgreich sein, die eine sinnvolle ESG-Strategie verfolgen. Vier Top-Berater von KPMG, Deloitte, EY und PwC im Interview über Nachhaltigkeit, Rendite und Digitalisierung. Autor: Lisa Grüner

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Fotos: KPMG, EY, Deloitte feelimage, PwC, Adobe Stock

gal, um welche Branche es sich handelt: Der ESG-Zug rollt und der Druck von Kunden, Kreditgebern, Aktionären und Mitarbeitern steigt. Alle Unternehmen, und insbesondere auch Immobilien-Unternehmen und -Investoren, müssen sich priorisiert und intensiv mit ESG auseinandersetzen. „ESG-Ziele sollten Teil einer gesamthaften Strategie sein. Die Ziele sollen relevant und stakeholder-fokussiert sein und zur Resilienz und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens beitragen“, so Marius Richter, Partner und Leiter Real Estate Assurance bei PwC Österreich. „Das ist wichtig für den langfristigen Unternehmenserfolg und die Glaubwürdigkeit nach außen.“ In die gleiche Kerbe schlägt Jürgen Buchelt, Partner im Bereich Real Estate bei KPMG. „Man muss messbare und relevante Ziele beschreiben und einen klareren Fokus auf Energieeffizienz und Treibhausgasemissionen haben. Das könnten die beiden zentralen Zielgrößen in jeder Nachhaltigkeitsstrategie werden, weil hier die meisten Chancen und Risiken schlummern.“ Zielwerte dazu lassen sich differenziert aus dem Transformationspfad zum Pariser Klimaabkommen ableiten. Damit kann man sowohl die Unternehmensebene als auch die Portfolioebene gut und mit Übersicht steuern. Stefan Merl, Manager bei Deloitte Österreich empfiehlt den Unternehmen, sich zu Beginn drei Fragen stellen: Was bedeutet ESG für mein Unternehmen? Wer sind meine relevanten Stakeholder und welche Informationen benötigen sie? Und welchen Beitrag kann ich leisten, um meine Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern? „Die letzte Frage führt bereits zur Formulierung von Zielen“, so Merl. „Um sich jedoch sinnvolle Ziele zu stecken, ist es notwendig zu wissen, wo man sich befindet. Idealerweise sind dazu aktuelle Daten, aber auch Daten aus den vergangenen Jahren vorhanden, um daraus eine Entwicklung der eigenen ESG-

Performance ableiten zu können. Auf Basis dieser Informationen lassen sich dann wesentliche Handlungsfelder identifizieren, für die konkrete Ziele und entsprechende Maßnahmen bestimmt werden.“ Diese Maßnahmen sollten klar verständlich und realistisch formuliert sein, zudem sollten sie laufend überwacht werden, um die Wirksamkeit zu überprüfen und gegebenenfalls gegenzusteuern oder die Zielsetzung auch adaptieren zu können. „Bei Nicht-Erreichen der Ziele sollte auch das offengelegt werden“, so Merl. „Inklusive der Gründe, weshalb diese nicht erreicht werden konnten.“ Um grobe Fehler zur vermeiden, ist es gerade zu Beginn sinnvoll, externe Experten heranzuziehen, die diesen richtungsweisenden Prozess beim Projektstart begleiten. Dazu gehört auch die richtige, ergo positive Einstellung zu ESG. „Bis heute begehen immer noch viele Unternehmen den Kardinalfehler, Nachhaltigkeit als Gegenpol zur Rendite zu betrachten“, zeigt Alexander Hellmuth, Senior Manager Strategy and Transactions bei EY auf. „Das ist einerseits deshalb falsch, weil nachhaltige Faktoren durch Regulatorik zunehmend eingepreist werden. Wenn etwa CO2-Emissionen Kosten verursachen, dann haben sie direkten Einfluss auf die Rendite, weniger Nachhaltigkeit bedeutet dann mehr Kosten und eine geringere Rendite. Andererseits ist es auch falsch, weil der Nachfragedruck nach nachhaltigen Produkten auf Anlegerseite wächst und sich künftig in höheren Werten niederschlagen wird.“ Die richtige Frage, die sich Unternehmen stellen sollten, ist die nach der besten Rendite durch nachhaltiges Wirtschaften und nicht die nach Rendite oder Nachhaltigkeit..

Die ersten Schritte

„Wichtig ist, dass Unternehmen die nachhaltige Transformation strategisch und bedacht angehen und kein Flickenteppich von Ein-

„Es gilt, Prozesse, Mitarbeitende und IT Schritt für Schritt mit ESG zu durchdringen.“ Jürgen Buchelt, KPMG

zelmaßnahmen entsteht“, so Hellmuth. „Mit einer ESG-Strategie werden messbare Indikatoren aufgestellt, anhand derer Maßnahmen ergriffen werden können, die dann in Hinblick auf definierte Ziele gemessen, bewertet und gegebenenfalls angepasst werden können. Nur so lässt sich eine konkrete Steuerungsfähigkeit erreichen.“ Zu Beginn ist immer eine Erhebung des Status quo notwendig: Welche Daten wurden bereits gesammelt und sind ohnehin schon vorhanden? „Die Erfahrung zeigt, dass sich in vielen Fällen bereits verschiedene Personen in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens bis zu einem gewissen Ausmaß mit ESG-Daten beschäftigen“, so Merl. „Oftmals fehlt nur die koordinierende Stelle, die diese Personen und Daten zusammenbringt.“

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„Es werden jene Unternehmen am Markt erfolgreich sein, die nachhaltig agieren.“ Marius Richter, PwC Österreich

rungen der Stakeholder sowie regulatorischer Änderungen in der (ESG-)Strategie des Unternehmens; Setzen von Zielen für CO2-Reduktion und Kreislaufwirtschaft (Stichwort „Nachhaltiges Bauen“), in puncto Geschäftsmodell: Bewertung der aktuellen Wertschöpfungskette im Hinblick auf die definierte Strategie und die ESG-Risiken/Chancen – ESG-Kriterien sollten Teil der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen werden und im Bereich Lenkung: Identifikation von relevanten ESG-KPIs für die Strategieumsetzung und Integration in Management-Dashboards und Anreizsysteme.

Von ESG profitieren

Jedenfalls erfordert ESG eine authentische und langfristige Antwort. „Es wäre zu kurz gesprungen, sich von Reporting-Anforderungen oder Regulierung treiben zu lassen“, so Buchelt. „Es geht darum, Nachhaltigkeit als unausweichliche Transformation zu begreifen und vorausschauend zu managen, eigene Antworten und Strategien zu entwickeln.“ Immobilien-Unternehmen und Investoren müssen sich eine klare und transparente Strategie rund um ihr aktuelles Geschäftsmodell und dessen künftige Ausrichtung auferlegen, sowie Maßnahmen und Regelungen zur Lenkung dieser strategischen Ausrichtung. Richter empfiehlt hierfür folgende Herangehensweise in puncto Strategie: Berücksichtigung von ESG-Anforde-

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Wie alle Unternehmen können und sollen auch Immobilienunternehmen das Thema als Chance nutzen. „Die Vorteile einer guten ESGPerformance reichen von gesenkten Kosten im Energiebereich über bessere Konditionen bei Finanzierungen bis hin zu einer besseren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit“, so Merl. Jedenfalls kommen die Märkte in Bewegung und der Renditebegriff wird um Soziales und Ökologisches erweitert. „Das bietet neue Chancen, sich im Wettbewerb zu differenzieren, Nischen zu besetzen oder aktiv Mehrwert zu schaffen“, erklärt Buchelt. „Zum Beispiel könnte eine stärkere Spreizung der Immobilienpreise zwischen nachhaltigen und wenig nachhaltigen Investments dazu führen, dass Letztere für aktive Strategien nach dem Motto ‚Manage-to-Green‘ sehr attraktiv werden.“ Nachhaltigkeit bietet auch die Chance, stärker in den Austausch mit Kunden und Investoren zu treten. Das kann Produkte und Leistungen verbessern und langfristig helfen, diese Beziehungen zu stärken. Nicht zuletzt adressiert ESG auch Risiken, denen Immobilienunternehmen besonders ausgesetzt sind, etwa im Bereich der

Compliance oder der öffentlichen Wahrnehmung. Vor allem im Bereich der Compliance empfiehlt Richter, die Mindestanforderungen zu erfüllen. „Im Bereich der Investitionsentscheidungen ist das Bauen mit nachhaltigen Materialien und das Anbieten von grünen und gesellschaftlich nachhaltigen Assets (Stichwort ‚leistbares Wohnen‘) sehr wichtig, da bereits jetzt gerade institutionelle Investoren ESG-Mindestkriterien in ihrem Ankaufsprozess erfüllen wollen und müssen“, so Richter. „Im Bereich von Immobilienankäufen müssen sich Investoren neben den Financial und Commercial Due Diligences noch stärker auf ESG Due Diligences fokussieren.“ Das heißt: Kein Investor und kein Immobilienunternehmen wird mittel- bis langfristig um ESG herumkommen. Nur diejenigen, die das E, das S und das G in ESG ausgewogen und auf Basis sinnvoller, nachhaltiger Stakeholder-Analysen in ihren Geschäftsmodellen und Unternehmensstrategien implementieren, werden für sich und die Stakeholder Mehrwert generieren, damit auch den langfristigen Unternehmenserfolg sichern und von ESG klar profitieren können.

Rolle der Digitalisierung

„Strategische Positionierung und Ziele vorausgesetzt, gilt es, alle Produkte sowie Prozesse, Mitarbeitende und IT Schritt für Schritt mit ESG zu durchdringen“, so Buchelt. „Weil kurzfristige Erfolge und Lernprozesse dabei wichtig sind, braucht es besonders am Anfang pragmatische, schnelle Lösungen statt eines perfekten Big Bang. Messen, Steuern, Optimieren, Kompensieren und Berichten – in diesen Dimensionen findet die Umsetzung statt.“ Richter merkt an, dass die Digitalisierung im ESG-Bereich denselben Stellenwert in Unternehmen haben sollte, wie Finanzdaten. „Es gilt, Systeme und Prozesse zu implementieren, die einerseits


ESG-Kriterien Artenvielfalt

Ernährungssicherheit

Risiko- und Reputationsmanagement

Demografischer Wandel

Korruption

Klima

Environment (Umwelt)

Social (Soziales)

Governance (Unternehmensführung) Compliance

Wasser Ressourcenknappheit

eine Compliance mit den Taxonomie-Anforderungen gewährleisten, andererseits darüber hinaus auch eine fundierte Basis für Investitions- und Desinvestitions-Entscheidungen bieten.“ Dazu ist es notwendig, passende Systeme für die eigenen Portfolios zu finden, die neben klassischen Asset Management-Daten auch ESG-Daten in Echtzeit und mit hoher Datensicherheit ausgeben können, etwa den laufenden CO2-Ausstoß. „Nur wenn ESGrelevante Daten in Echtzeit und mit hoher Datensicherheit vorliegen, können diese im Rahmen der jeweiligen Immobilienzyklen Risiken rechtzeitig identifiziert, ausgewertet und adressiert werden“, so Richter weiter. Wird ein Unternehmen im Tagesgeschäft in Hinblick

Mitarbeiter

Sicherheit und Gesundheit

auf ESG-Kriterien geführt, sind also jederzeit wichtige Management-Entscheidungen davon beeinflusst, dann muss das Unternehmen auch in sehr hoher Frequenz aktuelle Daten erheben, messen und auswerten können. Und das funktioniert nur mit digitaler Technologie. Hellmuth führt dazu praktische Beispiele an: Im Betrieb kann mittels Sensorik die Flächenauslastung, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2-Sättigung gemessen, alles im Verhältnis zueinander analysiert, darauf basierend automatisch Beleuchtung, Belüftung sowie Klimatisierung gesteuert und so Energie gespart werden, wo vorher dauerhaft das Licht brannte und die Heizung bei geöffnetem Fens-

Aufsichtsstrukturen

ter durchgehend lief. „Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer Ankaufsentscheidung. Welchen Einfluss hätte der Ankauf auf die Portfolioperformance? Erfüllt das Portfolio noch seine Emissionsziele? Werden die CO2-Kosten über den gesamten Verlauf der langfristigen Haltedauer zu hoch? Das sind Fragen, die man sich beim Ankauf heute stellen muss, deren Beantwortung ohne digitale Technologie aber Wochen dauert“, so Hellmuth weiter und spannt den Bogen von den Transaktionen zum Asset Management: Ein Portfolio soll weniger Emissionen verursachen. Dafür gibt es ein bestimmtes Budget. „Was machen Sie: Alle Gebäude dämmen? Aber jede Immobilie ist einzigartig. Vielleicht benötigen manche eine

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„Die ESG-Kriterien und regulatorischen Vorgaben stellen hilfreiche Leitplanken dar.“ Alexander Hellmuth, EY

bessere Dämmung, andere aber eine neue Heizung oder Beleuchtung“, führt der EY-Berater aus. „Bei mehreren hundert Gebäuden einen Maßnahmenmix zu finden, der einerseits die Emissionen minimiert, gleichzeitig die Rendite maximiert – so etwas schafft man nicht mit dem Taschenrechner.“

ESG-PropTechs

Aktuell beschäftigt sich eine große Anzahl an innovativen PropTech-Unternehmen mit ESG. „Wichtig ist, auf Basis der eigenen ESG-Analysen die für sich und seine Portfolien angepassten wichtigsten Bereiche zu definieren und auf dieser Grundlage den richtigen Anbieter von ESG-Lösungen zu finden“, so Richter. Eine sehr

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gute Gelegenheit, um sich einen Überblick über die Möglichkeiten von PropTechs und die diversen Anbieter zu verschaffen, ist z.B. die im März stattfindende „Real PropTech Pitches“ Veranstaltung oder „Real PropTech“ Messe im September.

Späte Erkenntnis

Rund 35 Prozent des Gesamtenergiebedarfs entfallen auf den Gebäudesektor, da stellt sich die Frage, ob die ESG-Richtlinien nicht zu spät kommen. „Dafür, dass die Klimakrise seit Jahren bzw. eigentlich Jahrzehnten absehbar war, kommen diese strengeren Vorgaben sehr spät“, bestätigt Richter. „Es ist quasi 5 vor 12. Dadurch wurden auch in den letzten Jahren noch viele Gebäude entwickelt und gebaut, die in Zukunft wohl zu ‚stranded assets‘ werden, wenn nicht entsprechende Maßnahmen gesetzt werden.“ Für Merl ist die Frage weniger, ob die EU-Vorgaben zu spät kommen, sondern vielmehr, ob sie genügen, um die gesteckten Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen. „Gebäude sind dafür ein wesentlicher Baustein und daher auch beim Green Deal ein wesentlicher Teil“, so Merl. „Förderungen zur Verbesserung der Performance des Gebäudesektors sind vorhanden und werden auch verwendet. Letztlich stellt sich aber auch die Frage, ob die Taxonomie-VO ausreichend ist oder ob hier strengere Maßnahmen mit konkreten Grenzwerten notwendig wären.“ Da unser Leben nun mal überwiegend in Gebäuden stattfindet, wird der Gebäudesektor prozentual also immer einen hohen Energiebedarf haben. „Es geht auch nicht nur darum, den Energieverbrauch zu senken, sondern ihn nachhaltiger zu gestalten“, so Hellmuth. „Sicher ist es immer besser, mit großen Aufgaben früher als später anzufangen. Einzelne Vorreiter gab und gibt es auch in der Immobilienwirtschaft. Für viele war die Thematik aber bislang schlecht

greifbar und selbst mit den besten Absichten kaum in konkrete Handlungen umzusetzen. Für den Großteil der Unternehmen stellen die ESG-Kriterien und neuen regulatorischen Vorgaben dadurch sehr hilfreiche Leitplanken dar, an denen man sich erstmals gut orientieren und messen kann.“ Buchelt sieht beim Thema ESG kurzfristig mehr Unsicherheit, aber auch mehr Innovation und mehr Differenzierung. „Die Quick-Wins werden gehoben, z.B. im Stromeinkauf oder bei der Anlagensteuerung“, so Buchelt. „Wirtschaftliche energetische Maßnahmen werden angegangen, und steigende CO2-Preise machen weitere Maßnahmen wirtschaftlich. Wir sehen neue Dienstleistungsangebote, und Fortschritte beim Einsatz ökologischer und sozialer Baustoffe und -methoden. Langfristig wird Nachhaltigkeit der Branche sicher gut tun, aber es könnten auch die Zielkonflikte zwischen Ökologie, Sozialem und Finanziellem deutlicher zu Tage treten.“ Dennoch werden die Taxonomiekriterien für ökologisch nachhaltige Immobilienaktivitäten als Fortschritt gesehen, weil sie für Transparenz sorgen werden. Sie sind ambitioniert und legen die Messlatte hoch. Sie sind vergleichsweise einfach, und deshalb natürlich nicht perfekt. Vor allem fehlen noch die wichtigen Kriterien für die Kreislaufwirtschaft, zu der die Bau- und Immobilienwirtschaft auch einen erheblichen Beitrag leisten kann. Und es fehlt an etwas Vergleichbarem für sozial nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten.

Zukunftssicherheit

Dass Immobilien nur mit ESG zukunftssicher sind, wird von allen vier Beratern eindeutig mit Ja beantwortet. Schließlich will kein Unternehmen höhere Kosten im Bestand und Preisabschläge bei einer zukünftigen Veräußerung in Kauf nehmen. „Die Nachhaltigkeitsaspekte


werden ja bereits heute stärker beachtet und Immobilien mit hoher ökologischer, sozialer und finanzieller Nachhaltigkeit erzielen die höchsten Preise“, so Buchelt. „Die Wirkmechanismen der Dekarbonisierung der EU sind aber vergleichsweise komplex, sie greifen in Mietmärkte, Kapitalmärkte, Märkte für Güter und Leistungen gleichermaßen ein. Mittelfristig sorgen die niedrigen Zinsen für viel Liquidität im Markt, was eine schnelle und deutliche Differenzierung der Preise etwa im Sinne eines Green Premium oder Black Discount verzögern dürfte. Die Lage ist also eher undurchsichtig für Investoren wie für Bewerter. Langfristig spricht natürlich einiges dafür, dass nachhaltige Immobilien im Vergleich wertstabiler und risikoärmer sein können als weniger nachhaltige Gebäude.“ Die ESG-Performance ist stark von Investoren getrieben, die immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen, andererseits auch von der Finanzseite – etwa, wenn Banken bei Finanzierung, Krediten oder Investitionen die ESG-Performance in ihre Rechenmodelle einpreisen und so die Finanzierungskosten je nach Nachhaltigkeitsleistung variieren. „Die Folge daraus ist, dass Gebäude energieeffizienter und ökologischer gebaut oder saniert werden, um sich Finanzierungsvorteile zu verschaffen oder Zugang zu Förderungen im Rahmen des Green Deals zu erhalten“, so Merl.

Rentabilität

Da Mieter immer mehr nachhaltige Gebäude nachfragen, ist langfristig auch mit höheren Mieteinnahmen zu rechnen. Investitionen werden sich langfristig nicht nur lohnen, sondern notwendig sein. Es gilt, die Anforderungen der Stakeholder zu bedienen. „Niedrigere Renditen für ESG-konforme Gebäude bedeuten höhere Verkaufspreise, einen geringeren Investitionsbedarf, niedrigere Finanzierungskosten und ein geringeres Risiko für

Leerstand und Mietausfall“, fügt Richter hinzu. Zusätzlich ist die Schaffung höherer sozialer Akzeptanz ein Asset. Die Bekämpfung des Klimawandels, ein geringerer CO2-Fußabdruck, gute Unternehmensführung, gute Behandlung von Arbeitnehmern und Interaktion mit der Umgebung sorgen dafür. „Am Anfang stehen sicher die hochrentierlichen Maßnahmen auf dem Plan und es gibt neue Opportunitäten für die Mutigen, die Pioniere, die auch ein entsprechendes finanzielles Risiko beinhalten“, so Buchelt. „Später ist es bei ESG-Maßnahmen sicher nicht anders als bei einem herkömmlichen Instandhaltungsstau. Kurz- und mittelfristig lässt sich einiges herauszögern, aber irgendwann materialisieren sich Verluste an Ertragskraft und Wert. Und dann werden die Maßnahmen auch wirtschaftlich sein.“

„Unternehmen sollten sich so schnell wie möglich mit dem Thema ESG auseinandersetzen.“ Stefan Merl, Deloitte Österreich

Neubewertung von Immobilien

Kommt es durch ESG zu einer umfassenden Neubewertung von Immobilien am europäischen Markt? „Diese wird schon allein aufgrund der Taxonomie-VO durchgeführt werden müssen“, so Merl. „Denn Unternehmen, die unter die EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung fallen, müssen den Anteil jener Umsätze, Betriebs- und Investitionskosten, die gemäß TaxonomieVO nachhaltig sind, offenlegen.“ Das betrifft die Immobilienwirtschaft sowohl direkt als auch indirekt – etwa über die finanzierenden Banken, die diese Informationen von den Immobiliengesellschaften benötigen, um ihre Anforderungen aus der Taxonomie erfüllen zu können. „Unternehmen, die an ihrer ESG-Performance arbeiten, weisen bereits jetzt auch eine langfristig stabilere Finanzperformance auf“, so Merl. „Durch das steigende Interesse der Investoren, die regulatorischen Anforderungen und den gesellschaftlichen Druck werden in Zukunft nur jene Unternehmen am

Markt erfolgreich sein, die nachhaltig agieren. Und letztlich sind effizientere Gebäude im Betrieb kostengünstiger.“ Richter sieht vor allem, dass Core/Core+ Liegenschaften in Prime Locations, die ESG-Standards erfüllen, von diesem Trend profitieren werden. „Liegenschaften, die ESG-Standards erfüllen, zeigen niedrigere Cap Rates, ergo höhere Verkaufspreise und niedrigere Finanzierungskosten für diese Liegenschaften.“ Zusammenfassend kann man sagen, es führt kein Weg an ESG vorbei: Der Druck am Markt ist groß, für die Umwelt ist es unumgänglich und letztlich ist es eine Reputationsfrage für alle Unternehmen.

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Markus Huber Markus Huber hat einen Master in Architektur und Real Estate Management abgeschlossen und blickt auf 15 Jahre Erfahrung in der Architektur, dem Projektmanagement und der Projektentwicklung sowie dem GreenBuilding-Consulting zurück. Er ist Managing Partner bei der CC Real Projektmanagement und seit kurzem EU-Taxonomie Advisor.

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Taxonomiekonforme Immobilien Richtige Vorgehensweise. Markus Huber, Managing Partner bei der CC Real Project Management und Auditor für EU-Taxonomie, erklärt im Interview, wie die Prüfungen für einzelne Immobilien als auch Portfolios in der Praxis durchgeführt werden.

Fotos: Katharina Schiffl

Das Gespräch führte: Lisa Grüner

Obwohl die EU-Taxonomie bereits in Kraft getreten ist, herrscht aktuell noch immer Verwirrung vor allem im Bereich der Immobilien – wie fix ist das Klassifizierungssystem? Markus Huber: Der offizielle Release des delegierten Rechtsakts zur EU-Taxonomie hätte bereits mit 15.01.2021 erfolgen sollen. Auf Grund der vielen Rückmeldungen in der Konsolidierungsphase wird sich dieser weiterhin verzögern. Trotzdem soll die EU-Taxonomie rückwirkend ab 01.01.2021 gültig sein. Nicht nur, dass sich der offizielle Release verzögert, auch sind erst zwei von sechs Umweltzielen ab 2021 gültig, der Rest kommt mit Ende 2022. Ob und in welcher Form noch Anmerkungen in die finale Version des delegierten Rechtsakts einfließen und gegebenenfalls die Kriterien nochmals geringfügig abgeändert werden, ist offen. Doch Zeit zum Abwarten bleibt nicht, vor allem bei Neubau- aber auch bei Bestandsimmobilien sollte unmittelbar mit der Evaluierung und dem Erstellen eines Maßnahmenkatalogs begonnen werden, um diese taxonomiekonform zu bekommen.

Wie wird sich die seit März 2021 verpflichtende EU-Taxonomie auf Immobilienunternehmen auswirken? Die EU-Taxonomie ist eine Verordnung und wirkt sich direkt auf Unternehmen und Investoren im Bereich der Berichterstattung, Offenlegung von Umsatz und Kapital- oder Betriebsausgaben sowie neuer Umweltzeichen und -standards (z.B. Green Bonds) aus. Dies soll Kapitalanlegern zukünftig helfen, „grüne“ Investments zu erkennen und Kapitalströme dahingehend zu lenken. Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten, unter anderem auch für nachhaltige Immobilien. Ziel ist es, taxonomiekonforme Immobilien am Markt bereitzustellen, welche zukünftig als „Sustainable Financing Instrument“ gelten. Dies soll sich schlussendlich werterhaltend oder sogar wertsteigernd auf Immobilien auswirken. Die Nachhaltigkeit wird dadurch messbar. Welche Finanzmarktteilnehmer bzw. Unternehmen wird es betreffen? Direkt betrifft es folgende Akteure: Finanzmarktteilnehmer, die Finanzprodukte in der

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„Als EU-Taxonomie Advisor sind wir befähigt, Prüfungen für einzelne Immobilien als auch Portfolios gemäß der EU-Taxonomie-Verordnung durchzuführen.“

EU anbieten, einschließlich Investmentfonds, Portfoliomanager und den Bereich der betrieblichen Altersvorsorge, weiters Finanzund Nichtfinanzunternehmen, die in den Anwendungsbereich der Richtlinie über die Offenlegung nichtfinanzieller Informationen fallen, sowie EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Union. Indirekt betrifft es aber auch deren Geschäftspartner sowie die Liefer- und Wertschöpfungskette. Sowie jene Unternehmen und Investoren, welche zukünftig Produkte – unter anderem auch Immobilien – an die betroffenen Akteure verkaufen möchten. Es wird erwartet, dass die Finanzmarktteilnehmer ihre ersten Angaben zur EU-Taxonomie bis zum 31. Dezember 2021 machen. Was passiert, wenn sie das nicht schaffen? Es wird erwartet, dass Unternehmen und Investoren bis 31.12.2021 angeben, ob deren Immobilien taxonomiekonform sind oder nicht. Aus heutiger Sicht werden nur wenige Immobilien diese Kriterien erfüllen können. Aktuell droht noch kein unmittelbares Bußgeld, aber wer seine Immobilien zukünftig als „grüne“ Investments verkaufen will, muss über die Nachhaltigkeit und damit Taxonomiekonformität informieren. Oder gegebenenfalls „Brown Discounts“ und eine mögliche Ausdünnung des Käufermarktes in Kauf nehmen. Sie sind EU-Taxonomy Advisor. Wie sieht Ihr Aufgabenfeld aus? Einerseits sind wir als „EU-Taxonomie Advisor approved by ÖGNI“ befähigt, Prüfungen

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für einzelne Immobilien als auch Portfolios gemäß der EU-Taxonomie-Verordnung durchzuführen. Diese Ergebnisse werden anschließend in einer Konformitätsprüfung der ÖGNI überprüft und damit ist eine unabhängige Prüfung garantiert. Andererseits beraten und begleiten wir den Prozess, um die Konformität mit der EU-Taxonomie herzustellen. Dafür wird ein Maßnahmenkatalog erstellt und abgearbeitet und/oder auf Grund der Synergien eine Kombination mit einer DGNB-Zertifizierung angestrebt. Wie läuft die Taxonomie-Bewertung bzw. -Prüfung durch den Advisor im Detail ab? Als ersten Schritt gibt es eine Plausibilitätsprüfung und Nachweisdokumentation einzelner Immobilien oder Portfolios auf Konformität zur EU-Taxonomie. Das Ergebnis zeigt, dann ob eine Konformität gegeben ist oder nicht. Im Falle der Nicht-Konformität werden folgende Schritte gesetzt: 1. Schritt: GAP-Identifizierung zur Erreichung der Anforderungen 2. Schritt: Erstellung eines Maßnahmenkatalogs 3. Schritt: Begleitung der Abarbeitung des Maßnahmenkatalogs 4. Schritt: Plausibilitätsprüfung und Nachweisdokumentation einzelner Immobilien oder Portfolios auf Konformität zur EU-Taxonomie – Ergebnis Konformität ja/nein 5. Schritt: Einreichung zur Konformitätsprüfung bei ÖGNI – Bestätigung Konformität ja/ nein 6. Schritt: Berichterstattung

Welche allgemeinen Herausforderungen sehen Sie? Eine große Herausforderung sehe ich vor allem bei bestehenden Gebäuden in der Verfügbarkeit und der Qualität von Daten sowie in der notwendigen vorausschauenden Implementierung von Anforderungen bei aktuellen Immobilienentwicklungen. Wie sehen die Kriterien aus? Welche technischen Herausforderungen müssen gemeistert werden? Die sechs Umweltziele oder auch Kriterien unterscheiden sich jeweils in Bezug auf Neubauten, Modernisierungen und Bestand. Zwei der Umweltziele, Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel, treten ab 2021 in Kraft, die weiteren vier Ziele Ende 2022. Diese sind der Schutz der Wasser- und Meeresressourcen, der Übergang zu Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung und Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme. Technische Herausforderungen sind aus meiner Sicht unter anderem die Umsetzung eines Rückbau- und Entsorgungskonzeptes, die Umsetzung von Luftdichtheitsmessung und Thermographie sowie die detaillierte Materialprüfung und die geforderte Wassereffizienz. Manche Anforderungen können nicht allein durch den Projektentwickler oder Investor entschieden werden, hier wird es eine enge Abstimmung mit den Betreibern sowie der Industrie geben müssen. Beispielsweise haben Hotelbetreiber eigene Standards


auch hinsichtlich der Wassereffizienz. Der geforderte maximale Wasserdurchfluss von lediglich sechs Litern pro Minute für Duschen wird daher nur schwer zu akzeptieren sein. Was sind die Anforderungen der EUTaxonomie? Laut Verordnung gilt eine Wirtschaftsaktivität dann als taxonomiekonform, wenn folgende Voraussetzungen eingehalten werden: einen wesentlichen Beitrag zu mindestens einem Umweltziel leisten, keinem der anderen der fünf Ziele erheblichen Schaden zufügen (DNSH – do not significant harm) und die Mindestanforderungen hinsichtlich Menschenrechte und Arbeitsstandards sowie die technischen Evaluierungskriterien umgesetzt werden. Wie müssen in Planung bzw. in Bau befindliche Objekte vorbereitet werden? Für die in Planung befindlichen Immobilien ist ab sofort eine vorrauschauende Implementierung der Maßnahmen notwendig, um bei der Fertigstellung die Konformität mit der EU-Taxonomie bestätigen zu können. In Bau befindliche Immobilien müssten schnellstmöglich auf Konformität evaluiert und gegebenenfalls Prozesse und Qualitäten angepasst werden. Eine vollständige Konformität in dieser Phase ohne eine bereits gestartete begleitende DGNB-Zertifizierung ist sehr unwahrscheinlich. Ansonsten wiederum über GAP-Identifizierung und anschließenden Maßnahmenkatalog. Warum ist eine DGNB-Zertifizierung hilfreich für die Konformität der EUTaxonomie? Viele Kriterien der DGNB-Zertifizierung entsprechen bereits heute den Kriterien der EU-Taxonomie. Die DGNB arbeitet gerade an einer Systemumstellung, zukünftig soll die EUTaxonomie vollständig in die Zertifizierung implementiert werden. Mit einem DGNBZertifikat soll damit auch die Konformität der EU-Taxonomie bestätigt werden. Mit welchen Kosten ist für eine Bewertung zu rechnen? Die Kosten für die Prüfung durch den Advisor sind abhängig vom Umfang der Prüfung und werden individuell berechnet. Ist es eine reine

„Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten.“ Plausibilitätsprüfung oder eine Begleitung oder sind zusätzliche Leistungen in Form von Nachweisen zu erbringen und handelt es sich um ein Einzelobjekt oder Portfolio? Die abschließende Konformitätsprüfung wird seitens der ÖGNI in einer Gebührenordnung abgebildet, diese unterscheidet zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern sowie Einzel- und Portfoliobewertung. Wird damit der Paradigmenwechsel zur Nachhaltigkeit endgültig stattfinden? Auch ohne verpflichtende EU-Taxonomie hat aus meiner Sicht der Paradigmenwechsel hin

zur Nachhaltigkeit bereits begonnen. Erst kürzlich durfte ich als Auditor die DGNBZertifizierung der Vorarlberg Milch begleiten, die als erste Molkerei weltweit mit einem DGNB-Zertifikat in Gold ausgezeichnet wurde. Nicht nur nachhaltige Produkte und deren Verarbeitung, sondern auch ein nachhaltiges Gebäude war dem Kunden, einer Genossenschaft im Eigentum von über 450 Vorarlberger Landwirten, wichtig. Diese Verordnung wird das Interesse der Investoren an nachhaltigen Unternehmen und Anlagen sowie vor allem an nachhaltigen, „grünen“ Immobilien noch sehr viel mehr steigern.

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ImmoFokus.Rubrik Wein & Immobilien

Frisch von der Leber weg Ein lockeres Gespräch bei einem Vinotheksstreifzug mit Martin Müller, Geschäftsführer von JP Immobilien. Corona-bedingt durchgeführt im Büro.

Auf der Suche nach Opportunitäten Einkaufstour geplant. Das Investitionsvolumen wurde aufgestockt, geliebäugelt wird mit Hotels in interessanten Lagen.

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einahe haben wir uns schon daran gewöhnt, dass unser Vinotheksstreifzug aufgrund der geschlossenen Bars im Büro stattfindet. Den Wein habe ich direkt beim Weingut Krug in Gumpoldskirchen bestellt. Als ersten Wein lasse ich den Gemischten Satz aus Grünem Veltliner, Welschriesling und Sauvignon Blanc ins Glas laufen. Ausgebaut im Stahltank verleihen die drei Rebsorten der No. 1 ihre Frucht und Frische mit einem schönen Frucht-Säurespiel. Beim ersten Schluck zeigt sich die zugängliche, blumige Stilistik des hellgelben Weines. Und schon steigen wir direkt ins Thema ein. JP will investieren, und zwar in eine Assetklasse, die momentan von den Investoren eher gescheut wird – in Hotels. Das Unternehmen, das bereits im Hotelgeschäft aktiv ist, hat seit Herbst für seinen Hotel Investor Club

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an die 70 Millionen Euro von Investoren eingesammelt und möchte auf 400 Millionen Euro Investmentvolumen aufstocken. Das hohe Eigenkapital ist wichtig, da derzeit keine Bank bereit ist, ein Hotel zu finanzieren. Das Unternehmen ist davon überzeugt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich interessante Objekte anzuschauen. Deswegen hat JP Immobilien auch das Team aufgestockt und Hotelexpertise eingekauft. Martin Müller glaubt fest an den Tourismus in Europa und möchte interessante Lagen einkaufen, die Hotels mit einem neuen Konzept an den Start bringen und nach ein paar Jahren wieder verkaufen.

Die Sache mit der Nachhaltigkeit

Als zweites Achterl schenke ich uns einen Chardonnay Reserve von Krug mit viel Fruchtcharme von Äpfeln, Birnen, Nüssen sowie

exotischer Fülle ein. Ein hochreifer Wein mit zarter Röstigkeit im Finish und guter Lebendigkeit. Ob ESG auch bei JP Thema ist, will ich wissen. Der Fuhrpark wird derzeit auf E-Autos umgestellt. Zusätzlich outet sich Müller als Photovoltaikfan. „Wir ziehen das mit Konsequenz durch und setzen Photovoltaik wo immer möglich aufs Dach.“ Beim Endkunden kommen die Vorteile von Erdwärme und Sonnenenergie noch nicht so ganz an. „Die Energiepreise sind einfach zu günstig.“ Langsam gibt es hier ein Bewusstsein, aber Nachhaltigkeit wird beim Endkonsumenten erst dann ankommen, wenn die Energiepreise steigen. Bei den institutionellen Investoren ist ESG schon ein Thema, weil sie sich die Nachhaltigkeit gerne in die Statuten schreiben und Zertifizierungen gewünscht werden.

Fotos: REMG_Michael Hetzmannseder, Adobe Stock

Kolumne: Lisa Grüner


Digitalisierung und Transparenz

Bei der roten Versuchung vom Weingut Krug, einer vielschichtigen und eleganten Rotweincuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt, schweifen wir zur Digitalisierung. Transparenz und Kommunikation sind wichtige Themen. Mit der JP Puck App, die als Schaltstelle zwischen Mietern, Eigentümern und der Hausverwaltung dient, wurde bereits ein Meilenstein gesetzt. Ein weiteres Thema ist die Grätzlaktivierung. „Die Kommunikation unter Nachbarn ist sehr wichtig und wer ein guter Vermieter sein will, schaut, was die Um-

gebung zu bieten hat.“ Müller sieht Immobilienentwickler durchaus in der Verantwortung, nicht nur flächenoptimiert zu bauen, sondern auch für eine Durchmischung von Wohnungsgrößen zu sorgen und sinnvolle Begegnungszonen zu schaffen. Und was bringt die Zukunft, will ich zum Abschluss noch wissen. „Wir spüren eine Tendenz zu größeren Projekten wie auch zur Stadtentwicklung. Wir haben uns spannende Liegenschaften gesichert.“ Fluchtachterl gibt es keines, da Müller per e-Smart gekommen ist. Schließlich will er grün nach Hause fahren, nicht blau.

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ESG im Bankensektor Nachgefragt. ESG-Risiken betreffen Banken in vielen Bereichen. Angefangen bei der Geschäftsstrategie über das Risikomanagement bis hin zur Governance. Ein Status quo, den Immobilienbereich betreffend, von RBI, Oberbank, Erste Bank und UniCredit Bank Austria. Autor: Lisa Grüner

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Fotos: Martina Siebenhandl, Sara Tomic, UniCredit Bank Austria, Oberbank, Adobe Stock

ie EU verfolgt das Ziel, nachhaltiges Wirtschaften zu fördern und die Finanz- und Kapitalmärkte in der Förderung dieses Ziels einzubinden. Dazu kommt, dass die Europäische Bankaufsichtsbehörde einen Bericht zu einer möglichen Berücksichtigung von ESG-Risiken in der Prüfung und Beurteilung von Banken durch den Regulator vorgelegt hat und gemäß NFRD (Non-financial Reporting Directive bzw. EU-Richtlinie 2014/95/EU) eine verpflichtende Offenlegung von ESG-Risiken durch Banken zu erfolgen hat. Insbesondere schreibt Artikel 8 vor, dass Unternehmen, die der NFRD unterliegen, in ihrem nichtfinanziellen Abschluss darüber berichten müssen, wie und in welchem Umfang die Aktivitäten des Unternehmens mit umweltverträglichen wirtschaftlichen Aktivitäten verbunden sind, einschließlich dem Anteil ihres Umsatzes, der aus Produkten oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Aktivitäten stammt, die als umweltverträglich gelten, und dem Anteil ihrer Investitionen im Zusammenhang mit Vermögenswerten, die als umweltverträglich gelten. Die TEG hat zudem einen „Usability Guide“ zum EU Green Bond Standard (GBS) veröffentlicht. Dieser beinhaltet praktische Leitlinien für zukünftige Emittenten von EU Green Bonds. Darüber hinaus erfährt das Thema Nachhaltigkeit immer mehr Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung, aber ebenso seitens der Investoren und Kunden. Im Banksektor ist Nachhaltigkeit aber schon länger ein Thema.

Nachhaltigkeitsrisiken

Nachhaltigkeitsrisiken umfassen Risiken im Hinblick auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. „Nachhaltigkeitsrisiken und insbesondere Klimarisiken können nicht nur die Performance einzelner Vermögenswerte und Finanzmarktteilnehmer, sondern potenziell auch die Finanzstabilität selbst negativ beeinflussen“, erklärt Andrea Sihn-Weber, Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement der RBI. Von Klimarisiken sind all jene Risiken umfasst, die durch den Klimawandel entstehen oder die

infolge des Klimawandels verstärkt werden. Unternehmen und deren Wertschöpfungsketten, insbesondere Lieferanten, können direkt oder indirekt betroffen sein (z.B. durch sich ändernde klimatische Rahmenbedingungen und Naturgefahrenpotenziale, regulatorische Vorgaben im Klimaschutz oder durch technologische Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen). Klimarisiken lassen sich in zwei Risikokategorien einteilen, die jedoch Wechselwirkungen aufweisen können. Dazu zählen die physischen Risiken als Folge veränderter klimatischer Bedingungen und die Transitionsrisiken als Folge der Entwicklung hin zu einer CO2-armen Wirtschaft und Gesellschaft. Hinsichtlich der gesellschaftlichen/sozialen Risiken können beispielsweise schlechte Arbeitsbedingungen, Gesundheitsgefährdung und Verfehlungen beim Einhalten der Menschenrechte in Zusammenhang mit getätigten Finanzierungen oder Investments eine Rolle spielen.

Nachhaltigkeit im Portfolio

„Wir sehen ESG als wichtige Chance für langfristiges Wachstum und Nachhaltigkeit“, so Reinhard Madlencnik, Head of Real Estate der UniCredit Bank Austria. „Wir haben unsere Corporate Governance gestärkt, um ESG noch stärker in die Geschäftsstrategie und die Kernaktivitäten unserer Bank zu integrieren. Und zwar von der Kreditvergabe über das Risikomanagement bis hin zu klaren Zielen, um den breiten Zugang zu Finanzmitteln und die Inklusion benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu unterstützen.“ Die Oberbank setzt auf ein nachhaltiges Produktportfolio als Hebel für eine nachhaltige Entwicklung von Gesellschaft und Umwelt. „Als Kreditinstitut haben wir eine Schlüsselrolle im Wandel hin zu einer CO2-armen Wirtschaft. In Übereinstimmung mit dem Aktionsplan der Europäischen Union zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums beabsichtigen wir, die Kapitalflüsse noch stärker auf nachhaltige Investitionen zu lenken“, so Matthias-Munir Midani, Geschäftsführer der Oberbank Immobilien Service. „Zur

„ESG macht umfangreiches Reporting und Abstimmungen in der gesamten Gruppe erforderlich.“ Andrea Sihn-Weber, RBI

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Erreichung dieses Zieles haben wir ein Maßnahmenpaket geschnürt, mit dem wir unser Produktangebot um nachhaltige Alternativen erweitern möchten und eine entsprechende Kreditpolitik etablieren.“

„Wir sehen ESG als wichtige Chance für langfristiges Wachstum und Nachhaltigkeit.“ Reinhard Madlencnik, UniCredit Bank Austria

Die Erste Group ist ECORE, dem „ESG Circle of Real Estate“, beigetreten. „Der interdisziplinäre und branchenübergreifende Austausch und das Ziel, einen gemeinsamen Standard zum Scoring von Immobilien zu entwickeln, hat unsere volle Aufmerksamkeit“, konstatiert Wolfgang Hausner, Geschäftsführer der Erste Group Immorent. „Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit sogenannten Immobilienratings etc., jetzt können und wollen wir unsere internen Betrachtungs- und Bewertungsmethoden auch mit den ESG-Kriterien erweitern.“ Für die Erste Group Immorent, die auch als Immobilienentwickler aktiv ist, ist es wichtig, dass die ECORE-Standards europaweit anwendbar und ein verlässlicher Branchenstandard werden. Die UniCredit als paneuropäische Geschäftsbank sieht sich als Global Player und ist eine der ersten Adressen bei ESG-Finanzierungen. „Wir sind ein strategischer Finanzpartner für unsere Kunden zum Thema ESG“, so Madlencnik. „Unternehmen brauchen Beratung und Betreuung, wenn sie den Weg von der klassischen hin zur nachhaltigen Finanzierung einschlagen wollen. Denn dieser Weg ist immer auch mit Neuerungen und Umstellungen verbunden.“

ESG und Liquidität

„Die ESG-Kriterien im eigenen Unternehmen zu berücksichtigen wird immer wichtiger, wenn es darum geht, den eigenen Zugang zu Liquidität sicherzustellen – gerade auch in

anhaltend schwierigen Wirtschaftsphasen“, so Madlencnik. „Umweltrisiken etwa fließen im Rahmen der Beurteilung des kommerziellen Risikos bereits jetzt in die Gesamtbeurteilung von Unternehmen ein, das wird aber in Zukunft noch viel stärker der Fall sein.“ Das bedeutet, dass Unternehmen, die die Umweltstandards nicht erfüllen, in Zukunft einen deutlich erschwerten Zugang zu Kapital haben werden. „Wir haben ein sogenanntes Technisches Objektrating (TOR) und Location Rating (LOR) entwickelt, welche bereits gruppenweit Anwendung finden, und werden ab sofort die durch unsere ECORE-Teilnahme gewonnenen neuen Erkenntnisse und Kriterien diesen hinzufügen“, so Hausner. „Somit fließen die ESG Kriterien nun auch in unsere Investment- und Kreditentscheidungen ein.“ Bei der RBI erfolgte eine Erweiterung der Information in Bezug auf die Kreditpolitik und Kreditentscheidungsprozesse bzw. des ESG-Bewertungsprozesses und der diesbezüglich relevanten Kennzahlen. „Darüber hinaus haben wir erstmals ein TCFDIndex integriert“, so Sihn-Weber.

Immobilienfonds

Die Thematik rund um ESG gewinnt auch in alternativen Anlageklassen wie Immobilien an Bedeutung. Im Immobilienbereich sollen diese Aspekte sowohl in der Immobilienentwicklung (umweltfreundliche Materialien, Reduktion von Abfällen usw.), in der Nutzung (Energieeffizienz, geringer Ressourcenverbrauch) als auch im Umgang mit Mietern, der Gesellschaft und Arbeitern berücksichtigt werden (gerechte Entlohnung von Arbeitern, keine Diskriminierung). „Besondere Berücksichtigung erfahren solche Überlegungen in Emerging Markets, wo es zu beachten gilt, dass

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etwa Korruption ausgeschlossen wird oder Naturschutzgebiete nicht zerstört werden“, so Midani. „Diese Überlegungen betreffen die gesamte Wertschöpfungskette der ImmoBranche.“ Die konkreten Auswirkungen auf Immobilienfonds sind noch nicht eindeutig abzusehen. Bei Veranlagungen in ImmobilienAktien, wie dies im Rahmen der 3 Banken Immo-Strategie erfolgt, wäre ein Screening der Unternehmen nach ESG-Gesichtspunkten vorzunehmen, was aktuell noch nicht geschieht. Aber solche Immobilienfonds profitieren natürlich davon, wenn immer mehr börsennotierte Immobilien-Unternehmen verstärkt ESG-Prinzipien miteinbeziehen. Der Einfluss von ESG auf Immobilienfonds ist daher noch nicht ganz so stark ausgeprägt, wie man das in anderen Sektoren beobachten kann, aber es ist zu erwarten, dass auch Immobilienfonds vermehrt ESG-Kriterien in den Research- und Veranlagungsprozess aufnehmen werden. Das aktuelle Angebot an ESG-Immobilienfonds ist jedenfalls noch sehr überschaubar.

Thema Digitalisierung

„Das Management von ESG-Risiken stellt uns unter anderem im Bereich des Datenmanagements vor neue Herausforderungen“, erzählt Midani. „Wir beschäftigen uns derzeit zum Beispiel mit der Implementierung eines Systems zur Einschätzung und Beurteilung von Nachhaltigkeitsrisiken in unserem Kreditportfolio. Auf Basis dieses Systems werden wir unser Kreditportfolio in Richtung eines nachhaltigen Portfolios weiterentwickeln.“

Veränderungen in der Immo-Branche

„Wir verbringen einen Großteil unseres gesamten Lebens in Gebäuden. Angefangen

mit dem Kindergarten und der Schule, dem Arbeitsleben im Büro, dem Einkaufen im Shopping-Center bis zum Urlaub im Hotel“, so Midani. „Die Immobilienbranche ist daher in der Pflicht, weil die Gebäude einen hohen Anteil am CO2-Ausstoß verursachen. Deshalb ist die gesamte Branche aufgerufen, für ihren Bereich Strategien zu entwickeln, um nachhaltige Trends zu setzen.“ Die langfristigen Veränderungen sieht er darin, dass sich alle Projekte und Aktivitäten an der Nachhaltigkeit der ESG-Richtlinien orientieren werden. Und die Branche sollte diese Vorgaben auch als Chance sehen, sich einerseits am Markt neu positionieren zu können und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. „Neben der höheren Nutzungsqualität und offensichtlichen Vorteilen für die Gesellschaft sind nachhaltig errichtete Gebäude auch langfristig wirtschaftlicher“, ergänzt Madlencnik. „Das beginnt mit einem geringeren Ressourcenverbrauch, setzt sich fort mit der einfachen Reparierbarkeit von Gebäudekomponenten sowie besserer Vermietbarkeit und endet mit der kostengünstigen Entsorgung von Bauteilen.“ Hausner glaubt an eine wesentliche Veränderung. „Die gesamte Branche mit der zusammenhängenden Wertschöpfungskette hat nun ein gemeinsames Ziel, und kurzfristige Arbitragen werden keine Nachhaltigkeit erfahren bzw. keinen Investor mehr finden“, erklärt er. „Die ESG-Kriterien haben bei vielen das Bewusstsein unseres Wirkens massiv positiv beeinflusst – und sie werden das noch mehr tun. Manche mögen das als notwendiges Übel abtun und wollen noch immer ihre Produkte in altgewohnter Weise herstellen und verkaufen,

„Das Management von ESG-Risiken stellt das Datenmanagement vor Herausforderungen.“ Matthias-Munir Midani, Oberbank Immobilien Service

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doch das wäre weder Entwicklung noch Fortschritt noch Evolution – und auch nicht verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft und zukünftigen Generationen.“ Midani ergänzt, dass es aus Sicht der Bautechnik viele Möglichkeiten, angefangen bei Solaranlagen über nachhaltige Baustoffe bis zu smarter Regelungs- und Steuerungstechnik für Heizungs-, Wasser- und Stromverbrauch, gibt, um einzusparen. Einen weiteren Schwerpunkt sieht Sihn-Weber im weiteren Ausbau der internen ESG-Kompetenz, um sicherzustellen, dass entsprechende Produkte und Beratungsdienstleistungen im Bereich nachhaltige Finanzen und Investitionen überhaupt angeboten werden können.

Neubewertung von Immobilien

„Wir erweitern unsere internen Betrachtungsund Bewertungs­ methoden mit den ESG-Kriterien.“ Wolfgang Hausner, Erste Group Immorent

„Wir gehen derzeit nicht von einer umfassenden Neubewertung von Immobilien am europäischen Markt aus“, so Midani. „Wir glauben aber, dass sich viele neue Projekte an den ESGFaktoren ausrichten werden und die Nachhaltigkeit eine große Rolle spielen wird.“ Die Zertifizierungen von Gebäuden werden die Projekte verändern und daran werden sich auch alle Stakeholder in Zukunft richten. Hausner sieht eine mittelfristige Neubewertung für Commercial Real Estates. „Für sonstige klassische Anlage- und Deckungsstock-Portfolien wird diese Entwicklung langsamer sein. Ad hoc denke ich, dass es aufgrund der Überliquidität am Kapitalmarkt und der Niedrigzinspolitik in den nächsten Jahren nicht spürbar zu Kapitalabflüssen aus Immobilien kommen wird und die Nachfrage hoch bleibt – und damit verbunden auch die Bewertungsansätze“, so Hausner. „Im nächsten Aufwärtszyklus und der damit potentiell verbundenen Zinshochphase wird

das aber ein Thema, da dann wieder andere Produkte für Investoren interessanter werden und der sichere Immobilienhafen vielleicht schneller verlassen wird.“ Auch Madlencnik rechnet eher mit einer mittelfristigen Neubewertung. „Abschätzen kann man heute nur die Richtung, soll heißen, ein energetisch ineffizientes Gebäude wird durch höhere Energiekosten, schlechtere Vermietbarkeit und hohe Sanierungs- bzw. Recycling-Kosten sicher deutlich rascher und stärker an Wert verlieren als ein ESG konformes Gebäude“, ergänzt er.

Fazit

Ob sich die Kosten bzw. Investitionen rechnen werden, hängt davon ab, ob der Markt bereit ist, diese Kosten auch zu tragen. Es ist eine Sache, bei Projekten ESG-Faktoren anzuwenden, aber wieder eine andere, ob alle Stakeholder, wie zum Beispiel Investoren, Fonds, Anleger und Mieter, auf die gestiegenen Kosten reagieren werden. Für die Nachhaltigkeit und den Umweltgedanken werden sich die erhöhten Kosten auf jeden Fall rechnen, nur müssen eben alle bereit sein, diese Ausgaben mitzutragen. Immobilien mit einem besseren ESG-Scoring sind künftig fungibler und werden deshalb stärker nachgefragt werden. Beobachtet man den Investorenmarkt, ist gut sichtbar, dass viele, auch Kleininvestoren, nur noch Green Building Fonds nachfragen. Viele Fonds reagieren schon auf diese Entwicklung und bieten entsprechende Investmentmöglichkeiten an, auch wenn sie etwas weniger Rendite bringen. ESG-Immobilien sind damit etwas zukunftssicherer. Ob das dann das Ende der Entwicklung ist? Vermutlich nicht, denken Sie etwa an Gebäude aus dem 3D Drucker, neue Baustoffe und Energiekonzepte.

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Bewertung ImFokus

Der Umwelt zuliebe! Gordischer Knoten. „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“. Zu Beginn musste ich (leider) Norbert Hofer aus dem Jahr 2016 zitieren. Damals leise belächelt, hätte sich niemand gedacht, wie Recht er damit haben könnte.

Kolumne: Wolfgang Fessl

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eute reicht es, wenn eine Virologin ihr Unbehagen in die Welt stöhnt, und die Regierung riegelt tatsächlich ein ganzes Bundesland ab. Das ist eine Form des Aktionismus, mit der bis dato niemand auch nur ansatzweise gerechnet hat …

Foto: Katharina Schiffl

Andererseits: Wenn jetzt die Virologen Politik machen, dann lassen wir die Raumplanung doch von Philatelisten erledigen – kann auch nicht schlimmer werden. Derartig spontanen Konstruktivismus würde ich mir bei anderen Themen wünschen. Beim Thema Nachhaltigkeit oder Klimawandel zum Beispiel. Man stelle sich das vor: Ein Umweltforscher an der TU-Wien tritt mit seinem Unbehagen an die Presse – wenn wir unser Mobilitätsverhalten nicht ändern, besteht die Möglichkeit, dass in den nächsten Jahren einige Leute an Lungenkrebs sterben könnten. Am nächsten Tag gibt’s Urlaubsreisen nur mehr bei Vorweis eines symptomfreien Lungenröntgens. Nicht nur für Raucher, sondern für alle. Bei einem leichten Schatten im rechten Lungenflügel gibt es erst 3 Monate Reha, bevor die Reise angetreten werden darf. DAS würde uns bei der Klimathe-

matik auch nicht weiterbringen, und natürlich würde das der Wirtschaft enorm schaden, aber hey, das wäre immer noch ein Kindergeburtstag gegenüber den Schäden, die wir bis dato zähneknirschend in Kauf genommen haben. WAS würde uns denn beim Thema Klimawandel weiterbringen? Wir in der Immobilienwirtschaft sind ja nicht gerade als Innovatoren bekannt. Das Thema Nachhaltigkeit erfolgt situationsbezogen eher als Reaktion auf die vermehrte Nachfrage. Vielleicht ändert sich das ja aber mit der EU-Verordnung 2020/852? Damit wird die Immobilienbranche durch ihre Abhängigkeit vom Finanzmarkt quasi gezwungen, ab 1. Jänner 2022 mehr auf Nachhaltigkeit zu setzen. Im ersten Schritt werden vermutlich dicke Handbücher und Prozessbeschreibungen geschrieben, damit man das Thema Nachhaltigkeit auch präsentieren kann. Es passiert also genau das Gegenteil von dem, was man erreichen wollte. Eine Lösung für das Thema Nachhaltigkeit wird nur möglich sein, wenn es gelingt, den gordischen Knoten aus Bauherr, Investor und Nutzer zu lösen. Solange die Verantwortlich-

keiten in diesem Dreigestirn hin- und hergeschoben werden, ist eine Lösung fern und erinnert an jene für den Energieausweis: Ist Vorschrift, interessiert aber keinen, und die allfälligen Auswirkungen auf die Immobilienbewertung sind marginal. Natürlich gibt es vor allem von Seiten größerer Mieter verstärkt Vorgaben in Richtung „green lease“. Doch die können nur mieten, was schon gebaut ist oder zumindest wird. Und das ist zu dem Zeitpunkt schon lange geplant. Das Entscheidungskarussell wird sich also noch ein paarmal drehen müssen, bis die Kriterien zwischen Planen, Bauen und Vermieten richtig verteilt sind. Immerhin geht es darum, dass wir gemäß dem europäischen „green deal“ bis 2050 klimaneutral sein sollten, das bedeutet also, keine Treibhausgase mehr zu emittieren – nicht weniger, sondern null. Ambitioniertes Ziel? – Sicher. Unmöglich? – Nein. Und wer jetzt noch Zweifel hat: Bitte nochmals Zeile 1 lesen!

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Zum Autor Erwin Soravia ist Präsident der VÖPE – Vereinigung Österreichischer Projektentwickler. Die VÖPE ist die neue gemeinsame Stimme der Projektentwickler Österreichs und zählt derzeit knapp 40 Mitglieder.

Bewegung in der Nachhaltigkeitsdebatte Kommentar: Erwin Soravia

Nachhaltigkeit hat in der Projektentwicklung schon längst ihre Relevanz, nicht erst seit der Verabschiedung des European Green Deals. Einerseits gibt es die bestehenden nationalen Standards wie klimaaktiv oder ÖGNI Zertifikate, andererseits die bekannten internationalen Standards wie LEED, BREEAM, WELL oder auch DGNB. Durch den European Green Deal als europäische Flagship-Initiative merken wir, wie sich der regulative Druck stetig erhöht. Die EU-Taxonomie Verordnung sieht eine Klassifizierung nach Nachhaltigkeitstargets für finanzierende Banken vor. Wer also seine Projekte nachhaltig gestaltet, wird dafür mit besseren Konditionen belohnt. Darüber hinaus gibt es die NonFinancial Reporting Directive der EU, die konkrete Berichtspflichten zu Nachhaltigkeitsthemen vorsieht. Als VÖPE – Vereinigung Österreichischer Projektentwickler sind wir bereits im vergangenen Jahr, kurz nach unserer Gründung, aktiv an das Thema herangegangen und haben einen Ethik- und ComplianceKatalog zum Thema Nachhaltigkeit entwickelt. Dieser Kodex wurde von unseren Mitgliedern gemeinsam mit externen Experten erarbeitet und ist bindend für jedes aktive VÖPE Mitglied.

Langlebigkeit im Fokus

Warum nimmt sich die VÖPE des Themas so vorrangig an? Das Bestreben von uns allen als Projektentwickler ist es, möglichst langlebige Gebäude zu entwickeln, die multifunktionale Aufgaben übernehmen kön-

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nen und einen vielfältigen Nutzungsmix ermöglichen. Knapp 30% des globalen CO2-Ausstoßes sind bisher auf das Wohnen zurückzuführen. Als Projektentwickler ist es unsere Pflicht, durch innovative Konzepte, Einbindung alternativer Energiequellen und Schaffung von klimaresilienten Lebensräumen unseren Beitrag zur Reduktion unseres Carbon Footprints zu leisten. Die Mitglieder der VÖPE gehen in dem Thema daher aktiv einen Schritt voraus.

Fotos: Adobe Stock, Reinhard Lang

ESG ist Anlegerthema

Worum geht es? Die Nachvollziehbarkeit nachhaltiger Aspekte spielt für Anleger bei der Bewertung eine große Rolle. Daher ist das Thema für keinen von uns neu. Im VÖPE Ethik Kodex gehen die Mitglieder aber eine einheitliche Verpflichtung ein und verpflichten sich, ihr Wirken den ESG Zielen und dem European Green Deal folgend anzupassen. Das kann nicht von heute auf morgen passieren, aber eine kontinuierliche Verbesserung ist unser explizites Ziel.


Zum Autor KR Georg Spiegelfeld, Eigentümer der Spiegelfeld Immobilien GmbH, allg. beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für das Immobilienwesen, RICS, REV, Vorstandssprecher des Immobilienring Österreich und Geschäftsführer der Immobilien Marktplatz GmbH.

Nachhaltigkeit ist ein Thema für alle Kommentar: Georg Spiegelfeld

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein aktuelles Thema im Bereich Investments oder in der Bauwirtschaft, sondern sollte sich auch in unserem täglichen Miteinander, Zusammenleben und Zusammenarbeiten wiederfinden. Gerade in der Immobilienbranche sollte die Befriedigung der Kundenwünsche das Zentrum unserer Bemühungen sein und Fachwissen, Transparenz und Fairness sollten zum gegenseitigen Erfolg führen.

Kooperationsmöglichkeiten

Aber um unsere Kunden glücklich zu machen, sollten wir Immobilienmakler enger miteinander kooperieren. Es gibt genügend Studien, die belegen, dass es wesentlich effizienter ist, mit Kollegen zusammenzuarbeiten und dadurch schneller und öfter Geschäfte abzuschließen.

Anfragen ist auf www.immobilienmarktplatz.at möglich und der Preis fürs Mitmachen ist äußerst attraktiv.

Erfolg in Übersee

Ich bin sicher, dass diese Art der Zusammenarbeit nicht nur in den USA und Kanada dazu geführt hat, dass fast 100% der Immobilienverkäufe über Makler laufen, sondern, dass es auch in Österreich ein nachhaltiges Tool für erfolgreiche Vermarktung von Immobilien sein wird. Nachhaltig nicht nur, weil ein geschäftlicher Erfolg dahinter stehen wird, sondern auch in Richtung Kooperation, Transparenz und gemeinsames Auftreten unserer Branche, so dass der Öffentlichkeit stärker bewusst wird, was wir leisten.

Um diese Zusammenarbeit zu unterstützen, wurde von der WKÖ, dem ÖVI und dem IR der Immobilienmarktplatz als Plattform zur softwareübergreifenden Kooperation geschaffen. Hier können Immobilienmakler, egal mit welcher Software gearbeitet wird, ihre Objekte eingeben oder Objekte finden und diese Objekte direkt ihren Kunden anbieten. Derzeit funktioniert dieses System mit den Softwarefirmen EDI Real, Just Immo und Top Real, mit weiteren Softwarefirmen sind schon Gespräche im Laufen. Diese B2B Plattform steht allen konzessionierten Immobilienmaklerunternehmungen offen, Anmeldung und

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Zum Autor ÖVI Präsident Georg Flödl ist geschäftsführender Partner von Funk Immobilien, seit langem in unterschiedlichen Funktionen in der Immobilienbranche tätig und Mitbegründer der ÖVI Young Professionals.

Nachhaltigkeit – ein neues Keyword der Immobilienwirtschaft? Kommentar: Georg Flödl

Brüssels Mühlen mahlen langsam, aber sicher. Es ist schon beeindruckend, welche jahrelangen, ja sogar jahrzehntelangen Bemühungen erforderlich sind, um in der Breite und Tiefe der Mitgliedsländer zu wirken. Das über viele Jahre eher als Hülse wahrgenommene Wort Nachhaltigkeit ist auf dem besten Weg, zu einem Keyword der Immobilienwirtschaft aufzusteigen. Ausgangspunkt war vor fast 20 Jahren die EU-Gebäuderichtlinie 2002/91/EG, mit der sowohl Mindeststandards bei Neubau und Sanierung von Gebäuden festgelegt wurden als auch die energietechnische Dokumentation von Gebäuden bei Verkauf und Vermietung in Form des Energieausweises vorgeschrieben wurde.

Null- und Niedrigstenergie

Mit 13. März 2021 sind in Österreich nun jene Änderungen umzusetzen, die 2018 in den Novellen der EU-Gebäuderichtlinie und der EnergieeffizienzRL vorgeschrieben wurden. Diese geben vor, dass ab dem Jahr 2021 in der EU nur noch „Nearly Zero Energy Buildings“ neu errichtet werden dürfen. Die Begriffe Nullenergie oder Niedrigstenergie (engl. Net or Nearly Zero Energy) beschreiben Gebäude, die eine sehr gute Gesamteffizienz aufweisen, wobei nicht nur der Energiebedarf sehr gering sein muss, sondern dieser auch durch erneuerbare Energiequellen gedeckt werden sollte.

für klimafreundliche Anlagen fördern. Im so genannten EU-Klassifikationssystem „Taxonomie“ wird definiert, was unter einer „nachhaltigen Anlage“ verstanden werden kann, im Speziellen auch bei Immobilen: der Energieausweis wird nicht das alleinige Maß sein in Zukunft, sondern weitergehende Grenzwerte (sog. „Thresholds“) werden zu erfüllen sein, und damit zum Maßstab für den Investor. Was sagt der Markt zu dem Thema? Noch ist sich die Immobilienbewertung uneins. Der Sachverständige soll ja den Markt nur abbilden, aber nicht machen. Welchen Einfluss Nachhaltigkeitsüberlegungen bei Investoren haben, ist empirisch noch nicht wirklich erfasst. Im Gewerbeimmobilienbereich ist die Durchdringung mit NachhaltigkeitsZertifikaten schon sehr hoch, anders der Wohnungsimmobilienmarkt. Doch auch hier stehen die Zeichen auf Nachhaltigkeit.

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Fotos: Adobe Stock

Klimafreundlich ist in

Doch nicht nur auf der ausführenden Ebene wurden deutlich verschärfte Anforderungen postuliert. Die Finanzströme, die in den vergangenen Jahren gerne auch in das sogenannte Betongold geflossen sind, sollen unter dem Blickwinkel von Nachhaltigkeit neu gelenkt werden. Gefragt sind klimafreundliche, langfristige sowie kohlenstoffarme Technologien und Anlageformen, die eine klimaresiliente Kreislaufwirtschaft unterstützen. Der Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“ vom 8. März 2018 ist hier ebenso zu nennen wie der „European Green Deal“ (11. Dezember 2019). Eine höhere Transparenz in Bezug auf die klimarelevanten Aspekte von Anlageprodukten soll so das Bewusstsein der Marktteilnehmer für mögliche Klimarisiken schärfen und Kaufanreize


Zum Autor Astrid Grantner ist Geschäftsführerin der EHL Unternehmenstochter EHL Immobilien Bewertung GmbH, diese zählt zu den führenden unabhängigen Bewertungsgesellschaften in Österreich.

Die (Wieder-)Entdeckung der Nachhaltigkeit Kommentar: Astrid Grantner

Bereits das vergangene Jahr 2020 wäre wohl vom Thema Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft geprägt gewesen, hätten nicht die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie Themen wie Digitalisierung, Home-Office und die Auswirkungen auf den Büromarkt ins Zentrum vieler Diskussionen gerückt. Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit an sich nicht wirklich neu. Mit der Entwicklung verschiedener Gebäudezertifizierungen – Stichwort „Green Buildings“ – Anfang der 1990er Jahre und der Gründung der ÖGNI im Jahr 2009 reichen die Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit bereits Jahrzehnte zurück. Durch den Aktionsplan Sustainable Finance der EU-Kommission wird das Thema Nachhaltigkeit jedoch noch viel weiter gefasst und Banken, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Versicherungen und Pensionskassen klar in die Pflicht genommen. Im November 2020 wurde seitens der Europäischen Bankenaufsicht EBA das Diskussionspapier zum Management und der Überwachung von ESG-Risiken für Kreditinstitute und Investmentfirmen publiziert, welches Mitte 2021 in einem finalen Bericht münden soll. Mit 10. März 2021 gelten zudem die wesentlichen Teile der europäischen ESG-Offenlegungsverordnung.

Der Umfang der neuen Offenlegungspflichten zielt dabei insbesondere auf die unternehmensinterne Strategie des jeweiligen Finanzmarktteilnehmers in Bezug auf den Umgang mit ESG-Faktoren ab. In der Folge werden weitere wichtige Etappen in Form von Durchführungsverordnungen zur Offenlegungs- als auch zur Taxonomie-Verordnung folgen.

Green Financing, Green Bonds, Impact Investing

2021 und die kommenden Jahre werden somit, nicht zuletzt durch die enge Verzahnung von Finanz- und Immobilienindustrie, maßgeblich vom Thema Nachhaltigkeit geprägt werden. Begriffe wie Green Financing, Green Bonds, Impact Investing oder ESG rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit. EHL-Kunden aus den Bereichen Finanzierung, Projektentwicklung und Investment beschäftigen sich mit verschiedensten Aspekten und Fragestellungen rund um das Thema ESG und hier sind auch wir Dienstleister gefordert, unsere Kunden entsprechend zu beraten und zu unterstützen.

ESG ist Wettbewerbsfaktor

ESG-Konformität wird zum wesentlichen Wettbewerbsfaktor, was die massive Nachfrage nach entsprechenden Immobilieninvestments schon jetzt zeigt. Neben der Auswirkung allein dieser Nachfragesituation auf die Preisbildung und somit Immobilienbewertung reichen mögliche bewertungsrelevante Parameter von der Berücksichtigung günstigerer Finanzierungskonditionen in der Projektentwicklung bis zu Vorteilen im laufenden Betrieb. ESGkonforme Gebäude werden z.B. durch einen erhöhten Nutzerkomfort eine größere Attraktivität für die Mieter aufweisen, was zu höheren Mieterträgen und kürzeren Leerstandsphasen führt. Wir befinden uns mitten in der Entwicklung von Bewertungsmodellen und -standards (z.B. Scoring-Modell der ECORE) und letztlich werden sich Industriestandards etablieren.

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Zum Autor Hania Bomba ist Geschäftsführerin bei Huber Shop in AT & DE, Gründerin/CEO der Be Retail und Aufsichtsratsmitglied der S IMMO und der Erste Immo KAG. Zuvor war sie Geschäftsführerin bei der Regioplan Consulting.

Das Märchen von der sozialen Kapitalanlage Kommentar: Hania Bomba

Wir wollen in einer Welt und auch in einer Branche, in der es um Gewinnmaximierung, Gier, Machtmissbrauch und Ego geht, uns jetzt um ein Zertifikat bemühen, für nachhaltige Kapitalanlagen. Echt jetzt? Weil sich das Zertifikat noch besser verkaufen lässt … unfassbar. Nein! Das ist kein guter Anfang, nein, ich schreibe nicht, wie großartig wir sind und weitere Zertifikate in die richtige Richtung gehen.

Gesetzliche Regelung gefordert

Ich fordere mehr! Ich fordere das Ende der Gier und von Machtmissbrauch. Ich fordere menschliche Menschen an wichtigen Schlüsselpositionen und Gefängnis für Menschen, die falsche Versprechen machen,

weil sich diese super verkaufen, aber diese dann nicht einhalten, weil es „eh egal“ ist! Statt einem Nachhaltigkeitszertifikat hätte ich gerne ein Gesetz: Jeder der nachweislich lügt, geht sitzen! Na, das wäre ein Bauboom! Da kann man doch glatt als Fonds gleich mal nachhaltig und vorausschauend investieren, jetzt, wo so viele Asset-Klassen ins Strudeln kommen, eine tolle Alternative … privat geführte Non-Profit-Gefängnisse würde ich anbieten, wo sich von mir aus die Reichen ihre vergoldete Zelle kaufen können, den Ertrag spenden wir dann für soziale Projekte. Diese Degeneration würde sowieso zu unserer Zeit passen. Würde mich echt interessieren, wer sich das Penthouse mietet …

Das Herz am rechten Fleck

Wie Sie sich also nach diesem Artikel denken können, halte ich nicht viel von Zertifikaten. Ich halte sehr viel von Ethik und habe bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass Ethik bei Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, sehr ähnlich gelagert ist. Gerechtigkeit, Moral, richtig oder falsch werden von Menschen, die in der Lage sind zu lieben, als sehr ähnlich empfunden. Statt neuer Zertifikate denken wir doch darüber nach, wie wir wieder zu menschlichen Menschen werden. Ich weiß, ich fordere viel, aber es geht ja schließlich auch um alles und Sie können mir glauben, ich fange bei mir an, jeden Tag aufs Neue …

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Fotos: Adobe Stock, RBI AG

Es war einmal in einem wirklich, glauben Sie mir, lieber Leser, sehr weit entfernten Land, die soziale, ökologische und ach so nachhaltige Geldanlage. Und alle lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Ende des Märchens.


Zum Autor Eva Aschauer leitet die Abteilung Immobilienfinanzierung Österreich in der Raiffeisen Bank International AG, der größten Green-Bond-Emittentin Österreichs. Sie ist Mitglied bei Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) und bei Salon Real.

Grüne Immobilienfinanzierungen – mehr als nur ein Schlagwort Kommentar: Eva Aschauer

Green Finance ist in den vergangenen beiden Jahren für die meisten Banken vom exotischen Produkt zu einem zentralen Thema geworden, Hand in Hand gehend mit dem deutlich gestiegenen Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Gesellschaft. Der Begriff klingt gut – aber worum geht es eigentlich, und wie wirkt sich Green Finance bei Immobilienprojekten aus? Grundsätzlich stehen hinter Green Finance zwei treibende Aspekte, nämlich der Regulator (z.B. die Europäische Bankenaufsichtsbehörde, EBA) und der Kapitalmarkt. Hinsichtlich der regulatorischen Seite müssen Banken (jedenfalls die an die EBA berichtenden) ihre Kreditportfolien hinsichtlich nachhaltiger Kriterien analysieren und in weiterer Folge „stress-testen“. Ein Stressszenario wäre z.B. die Auswirkung einer CO2-Steuer auf die Unternehmensbilanzen und in weiterer Folge auf das jeweilige Finanzinstitut. Auf dem Kapitalmarkt gibt es bei mittlerweile sehr zahlreichen Investoren eine große Nachfrage nach „grünen“ Investitionsmöglichkeiten. Zu deren Befriedigung gilt es, entsprechende grüne Produkte zu strukturieren und anzubieten.

Grüne Investitionen

Die Immobilienbranche hat bezüglich der Strukturierungsmöglichkeiten gegenüber vielen anderen Branchen zumindest im mittel- und großvolumigen Bereich einen großen Startvorteil, da es nicht unüblich ist, dass das zu finanzierende Projekt eines der (international) anerkannten Zertifikate für nachhaltiges Bauen (z.B. ÖGNI, DGNB, LEED oder BREEAM) vorweisen kann. Darüber hinaus gibt es den Energieausweis, der viele für die Bewertung als „grüne Investition“ notwendige Daten enthält. Während in

anderen Branchen das Thema CO2-Verbrauch und die dazu notwendigen präzisen Berechnungen erst am Anfang stehen, können wir Green Finance bei Immobilienprojektfinanzierungen auf den Nachhaltigkeitszertifikaten aufbauend weiterentwickeln.

Vorteile bei Finanzierung

Banken begeben klassischerweise Anleihen (Bonds), um ihre Finanzierungsprojekte in großem Maßstab zu refinanzieren. Wenn eine Bank nun im entsprechenden Ausmaß Kredite für Immobilien vergeben hat, die die relevanten Nachhaltigkeitszertifikate mit einem hohen Zertifizierungslevel (z.B. DGNB/ÖGNI Gold) haben, kann sie einen sogenannten Green Bond begeben. Dafür werden (nicht zuletzt aufgrund der großen Nachfrage nach grünen Investments) etwas höhere Preise bezahlt oder, anders formuliert, eine etwas niedrigere Rendite akzeptiert. Für die Bank bedeutet das im Gegenzug geringere Refinanzierungskosten, weshalb sie Immobilienprojekte mit den erwähnten Nachhaltigkeitszertifikaten – darunter fallen auch Entwicklungsprojekte während der Bauphase – günstiger finanzieren kann. Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden Nachhaltigkeitszertifikate hauptsächlich aufgrund der Annahme des Developers erstellt, dass der Endinvestor (insbesondere institutionelle Fonds) oder bis zu einem gewissen Grad die (Büro-)Mieter aufgrund von CSR-Aspekten ein Interesse an einem Objekt mit geringen Energiekosten haben. Heute hingegen ist das Thema „Nachhaltigkeit“ verstärkt Grundlage für eine attraktive Finanzierung während der Bau- und Investmentphasen. Diese können natürlich nur Institute anbieten, die auch Green Bonds emittieren.

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Zum Autor Andreas Köttl ist CEO der Value One, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) und Vize-Präsident der Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE).

ESG als Chance für die Immobilienwirtschaft Kommentar: Andreas Köttl

Zügiges Handeln gefragt

Die Wandlung zum klimaverträglichen Wirtschaften in der Immobilienbranche erfordert eine Vielzahl von technischen Neuerungen sowie

eine durchgehende Organisation bezüglich Nachhaltigkeit über die komplette immobilienwirtschaftliche Wertschöpfungskette hinweg. Die Anpassung der Prozesse erfordert Zeit, daher ist es schon jetzt notwendig, ESG-Kriterien in Ablaufprozesse und Unternehmensstrategien zu integrieren und in Planungskonzepte einzubinden.

Boost für die Digitalisierung

Die neu entstandene Dynamik im Bereich der nachhaltigen Projektentwicklung schafft aber auch große Chancen für die Immobilienbranche. Die ESG-Kriterien öffnen die Tür für die schnellere Umsetzung von technischen Innovationen und sorgen dafür, dass die Digitalisierung noch rascher Teil von neugeplanten Immobilien wird. Nachhaltige Technologien werden auch im Bereich der Wohnimmobilien sowie bei der Planung von urbanen Wohngebieten immer stärker Voraussetzung für die erfolgreiche Vermarktung werden. Gleichzeitig ergeben sich durch die Nachhaltigkeitsstandards auch ertragssteigernde Chancen für Projektentwickler. Die Berücksichtigung der ESG-Kriterien wird zur Klassifizierung der Immobilien nach diesen Standards führen. Hier ergeben sich Chancen zur Differenzierung am Markt, Reduzierung des Investmentrisikos sowie die Möglichkeit, bewusste Kaufentscheidungen auf Grund dieser Kriterien herbeizuführen. Der Ausbau der Nachhaltigkeitsstandards und die Integration von Digitalisierung in den Projekten führt zu einer allgemeinen Wertsteigerung der Assets. Die Einführung von ESG-Standards durch die EU-Taxonomie-Verordnung wird damit zu neuen Pflichten und Möglichkeiten in der Immobilienbranche führen. Neben der Dekarbonisierung des Energiesektors sind auch Investitionen in umweltfreundliche innovative Technologien sowie Kreislaufwirtschaft als Ziele definiert. Die neue Regierung in den Vereinigten Staaten und die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels werden diesen Trend zusätzlich verstärken. Daher ist es schon jetzt notwendig, hohe Nachhaltigkeitsstandards in der Projektentwicklung zu realisieren.

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Foto: Adobe Stock

Unsere Branche steht vor einer großen Transformation. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass sogenannte „ESG – Environmental Social Governance“-Kriterien zu wesentlichen Faktoren für die Planung von neuen Projekten werden. Neue Regularien bringen veränderte Anforderungen ans Entwickeln, Bauen, Betreiben und Finanzieren von Immobilien. Vor allem die EU-Taxonomie-Verordnung macht die ESG-Kriterien zu unverzichtbaren Faktoren bei der zukünftigen Projektentwicklung.


Gute Aussichten

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Auszeichnung für Schulerweiterung Siegreich umgesetzt. Der internationale BigSEE Architecture Award geht in der Kategorie „Public and Commercial Architecture“ an das Wiener Schulbauprojekt Novaragasse.

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Fokus auf solide Bauausführung

„Diese Auszeichnung bestätigt uns im Weg, uns bei Schulzu- und -neubauten nicht nur auf eine kurze Bauzeit und eine solide Bauausführung zu fokussieren, sondern gleichzeitig hochwertige Architektur in Wien zu ermöglichen“, freut sich Wien Holding-Geschäftsführerin Sigrid Oblak. Der Neubau öffnet sich mit einem überdeckten Freibereich mit fünf Meter Höhe großzügig zur Blumauergasse. Grundgedanke des Entwurfes ist es, die bisherige Freifläche zu erhalten und als durchlässig erlebbare Zone mit Grünflächen für den Straßenraum zu gestalten. Durch die Überbauung des Freibereiches ergibt sich eine großzügige, witterungsunabhängige Spiel-, Sport- und

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Bewegungsfläche. Das Terrassengeschoß bietet, sonnen- und windgeschützt durch eine Pergola, zusätzlich Platz für zwei Freiklassen. Das Gebäude ist als Stahlbetonbau mit zwei Unter- und vier Obergeschoßen zur Schulnutzung ausgeführt.

Barrierefreier Zubau

Insgesamt beheimatet das Erweiterungsgebäude zehn Klassenräume, einen Gymnastiksaal, eine Bibliothek und Nebenräume. Zusätzlich wurde der bestehende Speisebereich vergrößert und gemeinsam mit der Aufwärmküche im 1. Obergeschoß der Erweiterung untergebracht. Im Erdgeschoß bleibt ein Freibereich mit Spiel- und Bewegungsflächen erhalten. Der Neubau wurde an die bestehende Schule angebunden und barrierefrei ausgeführt.

Factbox Projektleiter: WIP Wiener Infrastruktur Projekt Architekten: Raumkunst ZT, RWT plus Tragwerksplanung ZT Bauzeit: 14 Monate Fertigstellung: April 2020 Auszeichnung: BigSEE Architecture Award 2021 Kategorie: Public and Commercial Architecture

Foto: Romana Fürnkranz

er dringende Schulraumbedarf, der durch neue Wohnbauten und bereits ausgelastete Schulen in der Umgebung entstanden ist, hat eine Erweiterung des Schulstandorts der Ganztagsvolksschule Novaragasse 30/Blumauergasse 19 in Wien-Leopoldstadt notwendig gemacht. Den vorangegangenen Architekturwettbewerb konnten Raumkunst ZT mit RWT plus Tragwerksplanung ZT für sich entscheiden. Umgesetzt wurde das Projekt von der WIP Wiener Infrastruktur Projekt im Auftrag der Stadt Wien – Wiener Schulen und in enger Abstimmung mit der Stadtbaudirektion Wien. Im April vergangenen Jahres wurde die Erweiterung nach einer Bauzeit von nur 14 Monaten fertiggestellt. Jetzt wurde das Projekt der WIP Wiener Infrastruktur Projekt, ein Unternehmen der Wien HoldingTochter WSE Wiener Standortentwicklung, mit dem EU-weiten BigSEE Architecture Award 2021 in der Kategorie „Public and Commercial Architecture“ ausgezeichnet.


EDITOR´S CHOICE: Lesenswert!

Buchtipps

200 Seiten ISBN: 9783110701555 Verlag De Gruyter Oldenbourg | 2021 € 49,95

Nils Goldschmidt, Marco Rehm

Soziale Nachhaltigkeit in der Region Wirtschafts- und sozialpolitische Perspektiven Wie kann man Regionen nachhaltig gestalten? Mit dieser Frage beschäftigten sich internationale Experten aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen auf einer Konferenz im November 2019 in Siegen. In diesem Buch finden Sie die unterschiedlichen Beiträge.

472 Seiten ISBN: 978-3-7073-4232-1 Linde Verlag | 2020 € 68,00

144 Seiten ISBN: 978-3-99001-514-8 Verlag edition a | 2021 € 18,00

Peter Haunold, Herbert Kovar, Josef Schuch, Ronald Wahrlich

Immobilienbesteuerung Das Immobiliensteuerrecht gilt als eine besonders komplexe und stets im Wandel begriffene Rechtsmaterie. Das Werk „Immobilienbesteuerung“ bietet einen ganzheitlichen Überblick über die wichtigsten nationalen und internationalen steuerlichen Aspekte, die in der Praxis der Immobilieninvestitionen zu beachten sind. Im Fokus stehen dabei Themen wie Steuerliche Aspekte der Immobilienfinanzierung, Übertragung von Liegenschaften, Einräumung von Fruchtgenuss, Investition in ausländische Immobilien, Steuerliche Konsequenzen mietrechtlicher Maßnahmen und Abrechnungen nach dem Mietrechtsgesetz etc. Dieses Werk richtet sich sowohl an Rechtsanwender wie Vermieter, Unternehmer und Bauträger als auch an Steuerberater, Immobilientreuhänder und Rechtsanwälte – ein nützlicher Ratgeber für alle, die in Immobilien investieren.

Willibald Katzenschlager

Kommt der Corona-Crash? Folgt auf die Corona-Krise die große Inflation? Crasht der Euro? Stürzen die Börsen ab? Was droht unseren Jobs und unserem Geld? Der Privatbanker Willibald Katzenschlager beobachtet die Wirtschaft seit Jahrzehnten und hilft mit seinem Wissen vermögenden Kunden, ihre Gewinne zu erhöhen und abzusichern. Leicht verständlich erklärt er in diesem Werk, was wirklich kommt. Dabei zeigt er ohne Rücksicht auf die Beschwichtigungen der Politik und die Untergangsszenarien in den Sozialen Medien auch, wie wir uns darauf vorbereiten können.

248 Seiten ISBN: 978-3-7073-1851-7 Linde Verlag | 2021 € 108,00

Veronika Hofer, Michael Klinger

Handbuch Immobilienverwaltung in der Praxis Das „Handbuch Immobilienverwaltung in der Praxis“ bietet einen fundierten Überblick über die aktuellen Themen im Immobilienverwaltungsbereich. In der dritten, aktualisierten Auflage werden die verschiedenen Verwaltungsaufgaben unter Berücksichtigung kaufmännischer, steuerrechtlicher und auch technischer Aspekte eingehend dargestellt. In diesem Werk werden u.a. das Miet- und Wohnungseigentumsrecht und das Immobiliensteuerrecht behandelt. Weitere Themenbereiche sind das Berufsbild und Standesregeln, Verwalterpflichten und Haftungen, Kanzleistrukturen samt Softwaremöglichkeiten und Konfliktlösungsansätze in der Immobilienpraxis. Das Buch dient Auszubildenden in der Immobilienwirtschaft als Lernunterlage und gibt erfahrenen Praktikern Werkzeuge zur Unterstützung in ihrer täglichen Praxis in die Hand.

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Branchen & Services

Daily Business statt Pandemie Ein Jahresrückblick. Themenbeobachtung in den Fachmagazinen der österreichischen Immobilienbranche.

Die Themenwolke veranschaulicht, welche Begrifflichkeiten in den Artikeln besonders oft Verwendung fanden. Desto größer ein Wort geschrieben steht, umso öfter wurde es thematisiert. Auf den ersten Blick lässt sich erkennen, dass Pandemiethemen

präsent sind, die Grafik jedoch nicht dominieren. 22 Prozent der Berichte informieren über Corona, 13 Prozent schreiben über die Pandemie im Allgemeinen, insgesamt haben 2.500 Artikel einen starken COVID-19-Bezug, was 35 Prozent der gesamten Berichterstattung entspricht. Wesentlich präsenter hingegen ist und bleibt das Daily Business: 63 Prozent der Berichterstattung präsentieren aktuelle oder geplante Projekte, 50 Prozent der Artikel behandeln Finanzthemen wie Preis- & Marktentwicklungen und Interviews mit Experten sowie CEOs. Des Weiteren zeichnet sich ein starker Bezug zu Österreich ab. 26 Prozent der Berichte fokussieren auf die Alpenrepublik oder beziehen sich auf Vergleiche mit anderen Staaten.

Werden die Themenfelder via Sentimentanalyse auf Ihre Tonalität überprüft, so zeigt sich, dass der Österreichbezug durchaus positiv interpretiert werden kann. Diese Themenbeobachtung ist mit 14,9 Prozent positiver und 83,8 Prozent neutraler Berichterstattung deutlich im grünen Bereich. Auch die neuen Projekte werden mit einem positiven Sentiment vorgestellt. Die Medienresonanzanalyse über die Branchenkommunikation wird exklusiv von der Media Intelligence Agentur OBSERVER zur Verfügung gestellt. In die Analyse fließen die Berichterstattungen der Fachmagazine der Bau- und Immobilienbranche Österreichs ein. Der Beobachtungszeitraum umfasst zwölf Monate (15.03.2020 bis 15.03.2021).

Pandemiethemen

12,1%

85,7%

2,2%

Österreichbezug

14,9%

83,8%

1,3%

Finanzbezug

11,5%

87,5%

1%

Projektvorstellungen

14,4%

84,4%

1,2%

0%

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ImmoFokus

20%

40%

60%

80%

100%

Grafik: Media Intelligence Agentur OBSERVER

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b dem 16. März 2020 wurde als Maßnahme der Pandemie­ bekämpfung ein bundesweiter Lockdown verfügt. Nun, über ein Jahr später, zeigt ein Jahresrückblick, wie stark die globale Pandemie die mediale Themenkulisse der Immobilienbranche in Österreich übernommen hat. Das Ergebnis: verhältnismäßig gering. Zumindest im Vergleich zu weiteren Branchen, so eine Themenanalyse der Media Intelligence Agentur OBSERVER.


Advertorial

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E

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Foto: kommunikationsagentur-sengstschmid

Doch ganz unabhängig von den technologischen Möglichkeiten nutzen wir nach wie vor auch erfolgreich klassische Marketing-Tools wie Verkaufsschilder, Bautafeln, Banner, Print-Inserate usw. RE/MAX lebt Netzwerk – deshalb präsentieren wir Ihre Projekte auch persönlich bei unseren RE/MAX Partnern in der Region und, wenn gewünscht, auch überregional.

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IMPRESSUM

ImmoFokus.Rubrik Vorschau

Lesen Sie im : r e m m o S s u k o F o Imm erung; Strukturierte ing ierung; Non-Perform ur kt ru st Re ; en ng ru Finanzie eil bieten Mezzanine Loans; Welchen Vort rowd; Blockchain C e di er üb n re ie nz Zu Finanzierungen; Fina Software für Makler; ft; ha sc irt w en ili ob m in der Im e Interview mit … Tisch mit …; Das groß obilienfinanzi Finanzierung. Imm

Medieneigentümer Real Estate Media Group GmbH Handelskai 94-96 1200 Wien Tel. +43 1 890 18 26-100 office@media-group.immo www.media-group.immo Herausgeber Mag. Michael Neubauer Chefredaktion Mag. Lisa Grüner Grafik & Layout Eva Stern Lektorat Mag. Karlheinz Hoffelner Autoren dieser Ausgabe Mag. Patrick Baldia, Mag. Lisa Grüner, Amelie Miller, BA, Mag. Michael Neubauer, sowie die Kommentatoren Relations Management Tanja Klingseis

er 2021

MIN: Somm R E T S G N U IN E H C S R E

Aktuell informiert auf: www.immofokus.at

Fotos wenn nicht anders angegeben: Real Estate Media Group/Katharina Schiffl, Michael Hetzmannseder, Richard Tanzer Druck Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H

Der IMMOFOKUS wendet sich im Sinne der Gleichstellung gleichermaßen an Frauen und Männer. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und Verständlichkeit kann es bei den Beiträgen vorkommen, dass nur die maskuline Ansprechform verwendet wird.

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