BauTecFokus Sommer 2021

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Die Zukunft des Parkens Dominik Wegmayer

Wir leben Immobilien. Vermittlung | Verwaltung | Bewertung | Baumanagement

ehl.at


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CARE Österreich

CO 2- neutral 02

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EXTRA CLEAN

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We Elevate

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Die Zukunft des Parkens

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SOMMER

Rubriken

Positionen & Meinungen

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DIE ZUKUNFT DES PARKENS

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ZU TISCH MIT ...

VOM HERAUSGEBER EDITORIAL VORSCHAU/IMPRESSUM BUCHTIPPS

Coverinterview mit Dominik Wegmayer

Alexander Pongratz

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PARTNERING STRATEGY

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ÜBER DEN TELLERRAND

Unternehmen & Projekte

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DA FÄHRT DIE EISENBAHN DRÜBER

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12 24 48 49 50 51 52 53

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WIE GEBÄUDE AUF MENSCHEN WIRKEN

83 EIN GEWICHTIGES BUCH

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HÄLT DIE FASSADE? DENKEN SIE AN DEREN PFLEGE UND WARTUNG?

84 NACHHALTIGES BAUEN & WIRTSCHAFTEN

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BAUEN FÜR DIE ZUKUNFT KURZ UND BÜNDIG UMSTEIGER PROJEKT IM FOKUS TOP DEAL START-UP PROBLEMLÖSER AUFSTEIGER

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Blackout

Interview mit Christopher J. Rothschedl Kommentar von Hannes Gerstmann

Kommentar von Clemens Hecht

IM DRUCK VON GEBÄUDEN LIEGT DIE ZUKUNFT DER BRANCHE Kommentar von Andreas Gobiet

Kommentar von Philipp Kaufmann & Alexander Bosak

ABRECHNUNG

Kommentar von Philipp Kaufmann Kommentar von Harald Greger Kommentar von Bernd Rießland

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SANIERTE BESTANDSIMMOBILIEN

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VOX FEMINA

Kommentar von Stefan Wernhart Kommentar von Regina M. Lettner

Fotos: Porr, Peri, EDGE Technologies GmbH

INHALT

INTERVIEW MIT DOMINIK WEGMAYER

Bauen für die Zukunft


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Kreislaufwirtschaft:

Abbruch und Verwertung

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Zu Tisch mit ...

Alexander Prongratz

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Roboter am Bau

AUSGABE ImFokus

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ROBOTER AM BAU HOLZ KÖNNTE AUCH SPASS MACHEN

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DIE HÜRDEN ZUM HOLZOBJEKTBAU

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STADTERNEUERUNGSPREIS KREISLAUFWIRTSCHAFT NACHHALTIGE BAUSTOFFE TEURES PFLASTER BLOCKCHAIN IN DER BAUWIRTSCHAFT WAS TREIBT DIE PREISE? WEIN & IMMOBILIEN

Kommentar von Frank Brün

Kommentar von Andreas Kreutzer

Kolumne von Lisa Grüner

134 DAS GROSSE KRABBELN AM BAU 138 MEDIATION AM BAU 142 ILLMITZER GESPRÄCHE

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Immer knapper, immer teurer!

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olz, Metall, Dämmstoffe, Aluminium, Kunststoffrohre – alles heiß begehrtes Baumaterial. So heiß begehrt, dass die Arbeit auf vielen Baustellen brachliegt. Gründe für den Baustoffmangel gibt es viele. COVID-19-bedingt wurden die Kapazitäten weltweit zurückgefahren und Lager abgebaut. Jetzt boomt China und kauft Stahl in großen Mengen auf – anstatt wie früher zu exportieren. Die Stahlblechpreise können ein Lied davon singen. Das hat zeitversetzt Auswirkungen auf die Profilpreise, Metalldecken, Zargen, Abhängezubehör und so weiter. Wie verwundbar die Bauindustrie ist, zeigt ein Blick auf die Flugwirtschaft. Neben deutlich erhöhten Rohölkosten bereitet nun auch die Komponente Styrol Kopfzerbrechen. Styrol ist ein Abfallprodukt der Kerosin-Erzeugung. Da deutlich weniger Kerosin benötigt wurde, gibt es auch deutlich weniger Styrol. Die Folge: Preiserhöhungen um bis zu 30 Prozent. Von den verlängerten Lieferzeiten ganz zu schweigen. Der Trend zum Holzbau wiederum könnte vorbei sein, bevor er so richtig in Fahrt kommen konnte. Aufgrund von massivem Schädlingsbefall kanadischer Kieferwälder ging der Holzexport von Kanada Richtung Vereinigte Staaten mehr als deutlich zurück. Die USA holen sich – koste es, was es auch wolle – den begehrten Baustoff aus Europa

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und treiben den Preis um mehr als 30 Prozent nach oben, gleichzeitig verknappt sich der Markt in Europa merklich.

Internationale Lieferketten gestört

Dazu gesellen sich hohe Transportkosten. LKW-Staus durch Corona-bedingte Grenzkontrollen und überlastete Testcenter an den Grenzen, Engpässe bei Verpackungsmaterial und Paletten, Ausfälle beim Rohstoffeinkauf auf den internationalen Märkten oder fehlende Kapazitäten bei Seecontainern. Mit einem Durchschnittspreis von über 3.500 US-Dollar ist der Containertransport auf dem Spotmarkt aktuell viermal so teuer wie vor einem Jahr. Eines ist auch klar: Die Kleinen bleiben auf der Strecke. Die Großen und Liquiden, die sich rechtzeitig mit Material eindecken konnten (darf man hier vielleicht auch von Hamsterkäufen sprechen?), sind die Gewinner, die Kleinen die Verlierer und schlussendlich die Bauherren – die dürfen die Zeche zahlen.

Michael Neubauer Herausgeber

Fotos: Adobe Stock

„Eines ist auch klar: Die Bauherren zahlen die Zeche.“


Tendenz steigend „Informieren Sie sich über die Top-Themen der Baubranche bei der Lektüre der umfangreichen Sommerausgabe.“

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amit sind nicht die sommerlichen Temperaturen gemeint. Preisanstieg und Verknappung dominieren seit Monaten die Schlagzeilen: Holz, das in der letzten Zeit ganz im Sinne des nachhaltigen Bauens vermehrt eingesetzt und eingeplant wurde, ist so teuer wie schon lange nicht mehr. Wer kann, plant noch schnell um und ersetzt die Holzkonstruktion oder -fassade durch günstigere Alternativen. So man diese überhaupt noch findet, denn auch die anderen Baumaterialien haben sich signifikant verteuert. Darüber freut sich letztlich niemand. Je nach Vertrag erwischt die Teuerung die ausführende Baufirma oder letztlich den Bauherrn, der plötzlich um einiges mehr für sein Vorhaben berappen muss. So er seine Baustelle überhaupt weiterführen kann, da die Materialien immer knapper werden. Damit rückt neben dem Einsatz von nachhaltigen und österreichischen Baustoffen auch das Thema Kreislaufwirtschaft immer mehr in den Fokus.

Nehmen, was da ist

Material aus Abbruchobjekten gibt es genug, die Deponien sind voll. Recycling heißt das Zauberwort. Doch im Altbestand muss man erst analysieren, ob und wie viel man verwenden kann, denn sehr oft weiß man nicht, was da so alles verbaut ist. Urban Mining ist das nächste Schlagwort, das einem hier begegnet. Man soll herausholen, was brauchbar ist und hier ist tatsäch-

lich so einiges an Material zu holen – wenn die Aufbereitung und Wiederverwertung nicht so aufwändig, zeit- und ressourcenintensiv wäre. Dennoch wird daran langfristig kein Weg vorbeiführen, ebenso wenig wie an einer geplanten Kreislaufwirtschaft, die aber erst beim Abbruch von jetzt gebauten Objekten so richtig in Schwung kommen wird. Denn jetzt wird immer mehr genau dokumentiert, was verbaut wird, vor allem beim Einsatz von BIM und bei der Erstellung eines digitalen Zwillings. Was definitiv weitergetrieben wird, ist die Digitalisierung: Wie der Einsatz von Apps, Readern und digitalen Zufahrtssystemen die Zukunft des Parkens beeinflussen, erzählt Dominik Wegmayer im Coverinterview. Roboter am Bau sollen den Fachkräftemangel beheben und Unfälle reduzieren und die BlockchainTechnologie rückt auch immer mehr in den Fokus. Viel Vergnügen beim Lesen! Herzlichst,

Lisa Grüner Chefredakteurin

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PROJEKT IM FOKUS

HOLZ IN PERFEKTION

Im bayerischen Aschheim wird ein neuer Schulcampus in Holzhybridbauweise und nach dem Effizienzhaus-PlusStandard errichtet. Der Baustart ist für den Herbst 2022 geplant. Drees & Sommer übernimmt die Projektsteuerung.

In der Bildstrecke zeigen wir, wie vielseitig das Naturprodukt Holz eingesetzt werden kann. Als neues Trendprodukt hat Holz einen bemerkenswerten Aufschwung erfahren, dem die explosiv steigenden Preise derzeit einen starken Dämpfer verpassen.

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UMSTEIGER Sandra Bauernfeind wechselt nach mehr als 13 Jahren bei der EHL Gruppe in die Geschäftsführung der Heimat Österreich und damit in die Bauträgerbranche. Sie ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI).

Foto: Adobe Stock

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Der perfekte Einfall: Tageslicht unter flachen Dächern

Von Grund auf Neu: Die neue Flachdach-Fenster-Generation www.velux.at

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Unternehmen & Projekte

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Für die Zukunft Holzboom. Rohstoffknappheit, Preissteigerungen und lange Lieferzeiten ändern wenig daran, dass der Holzbau boomt, denn „Kindergärten, Schulen, öffentliche Gebäude aus Holz, das ist ein Teil der Zukunft“, sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger anlässlich des Starts eines Förderprogramms mit 20 Millionen Euro aus Mitteln des Waldfonds. Welche Projekte schon jetzt als Holzbau oder Hybrid umgesetzt werden beziehungsweise wurden, lesen Sie in der folgenden Bildstrecke.

Foto: Hannes Buchinger

Autor: Amelie Miller

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Unternehmen & Projekte

ILSE WALLENTIN HAUS Das Seminargebäude der Universität für Bodenkultur Wien gilt als Pionierwerk, da es das erste Gebäude in Holzbauweise im Universitätsbereich ist. Insgesamt 1.000 Kubikmeter Holz wurden am Standort Peter-Jordan-Straße 82 im 19. Wiener Gemeindebezirk verbaut. Entstanden ist nach nur 14 Monaten Bauzeit ein zweiter Wald: Das Niedrigstenergiehaus speichert rund 1.000 Tonnen CO2. Die Planung übernahm eine Arbeitsgemeinschaft aus Delta und Swap Architekten. Ende März 2021 erhielt das Ilse Wallentin Haus den Green & Blue Building Award.

www.big.at/projekte/ilse-wallentin-haus-boku

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Fotos: Hannes Buchinger

Architekturbüro: Delta und Swap Architekten Bauherr/Entwickler: Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) Standort: Wien, Österreich Bauzeit: 14 Monate


HOLZ-CHALETS HANNERSBERG

Architekturbüro: schwartz architekt Bauherr/Entwickler: Handler Bau Standort: Hannersberg, Burgenland, Österreich Bauzeit: ca. drei Monate www.chaletdorf-hannersberg.at

Fotos: HANDLER Bau

Chalets in Vollholzbauweise. Dass das möglich ist, und zwar in nur drei Monaten, hat das Familienunternehmen Handler Bau in Hannersberg unter Beweis gestellt. Das Holz für die 35 Chalets stammt ausschließlich aus Österreich, die Fertigung erfolgte quasi in der Nachbarschaft. Denn die Holzteile wurden in der Produktionshalle von Handler Bau im burgenländischen Neutal in modularer Bauweise hergestellt. Gestaltet wurde das Chaletdorf von Architekt Martin Schwartz. Rund die Hälfte der Kosten für die neu zu gründende GmbH – 500.000 Euro – konnten durch ein Investment von Leo Hillinger im Zuge einer Präsentation bei „2 Minuten, 2 Millionen“ auf Puls 4 gedeckt werden.

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Unternehmen & Projekte

EDGE SÜDKREUZ BERLIN Ein Beispiel für ein Büroensemble errichtet als Holzhybrid ist das Edge auf einem rund 10.100 Quadratmeter großen Grundstück am Berliner Bahnhof Südkreuz. Verantwortlich für die Errichtung der neuen Zentrale für den Energiekonzern Vattenfall ist eine ARGE aus drei Unternehmen: CREE Deutschland, Rhomberg und Zech Bau. Die Nachhaltigkeit des Projekts soll die neue Firmenstrategie des Energiekonzerns symbolisieren. Das Ensemble besteht aus zwei freistehenden Gebäuden, wobei das überdachte Atrium mit viel Tageslicht in einem der Gebäude ein klarer Mittelpunkt ist. Bis zu 15 Meter hohe baumartige Plattformen sind mit Treppenkonstruktionen untereinander und ebenso mit angrenzenden Geschossen verbunden. Die Montage der CREE-Systemelemente wurde innerhalb von neun Monaten abgeschlossen. Das Gebäude soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Architekturbüro: Tchoban Voss Architekten & granz + zecher architekten Bauherr: CREE Buildings, Rhomberg und Zech Bau Standort: Berlin, Deutschland Geplante Bauzeit: 2016 bis 2021

Fotos: EDGE Technologies GmbH

www.edge.tech.de

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Fotos: Schreiner Kastler (Visualisierungen)

Unternehmen & Projekte

ARE HOLZBAU WILDGARTEN Mitten im Wildgarten im 12. Wiener Gemeindebezirk auf dem Bauplatz 7 errichtet die ARE Austrian Real Estate zehn Wohnhäuser in nachhaltiger Holzbauweise. Dabei werden die Außenwände überwiegend in Holzriegelbauweise mit einer naturbelassenen Fassade aus sibirischer Lärche errichtet. In den Innenräumen kommt jedoch die heimische Fichte zum Einsatz: Die Decken in den Wohnräumen und vereinzelte Wände aus Brettsperrholz werden sichtbar belassen. Auch die Liftschächte werden aus Holz errichtet. Nur die Stiegenhäuser und Keller werden in Massivbauweise errichtet. Der überwiegende Teil des verwendeten Holzes stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Architekturbüro: sps architekten zt Bauherr: ARE Austrian Real Estate Standort: Wien, Österreich Geplante Fertigstellung: Herbst 2021 www.wildgarten.wien

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HOLZ-CARRÉ M40 Das Holz-Carré M40 ist der erste Bauteil des klimafreundlichen Quartiers Die Macherei BerlinKreuzberg auf dem Areal des ehemaligen Postscheckamts am Halleschen Ufer im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Insgesamt ist Die Macherei Berlin-Kreuzberg in drei Gebäudekomplexe aufgeteilt. So entstehen zusätzlich das M60 – Das Zero CO2-Haus, ein klimaneutrales und zugleich urbanes Bürohaus, und das Wohnhaus M55 – Urban Living mit 78 Wohnungen. Der dritte und letzte Bauabschnitt besteht aus dem 90-Meter-Turm, der unter dem Namen M50 – Der Design Tower, ein ökologisches Refurbishment erfährt. Das Besondere am Holz-Carré M40 ist, dass es mit einer Bruttogeschossfläche von 27.800 Quadratmetern in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet wird. Architekturbüro: Robertneun Architekten & Sauerbruch Hutton Bauherr/Entwickler: Art Invest Real Estate Standort: Berlin, Deutschland Geplante Bauzeit für das Gesamtprojekt: März 2021 bis Ende 2023/Anfang 2024

Fotos: Art Invest Real Estate

www.die-macherei-kreuzberg.de

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i8 – iCAMPUS AM WERKSVIERTEL Am Rande des Münchner Werksviertel ist an der August-Everding-Straße ein rund 20.000 Quadratmeter großes Holz-Hybrid-Gebäude als südöstliches Tor zum „iCampus im Werksviertel“ geplant. Das Bürogebäude i8 soll mit seiner Fertigstellung eine Vielzahl von flexiblen Räumen bieten, die an die verschiedenen Anforderungen der Benutzer angepasst werden können. Der Entwurf für die Immobilie stammt aus der Feder von C.F. Møller, eines der renommiertesten und größten dänischen Architekturbüros, das im Jahr 1924 gegründet wurde und sich unter anderem auf Gebäude mit Holztragwerken spezialisiert hat. So kommt auch hier Holz zum Einsatz: Eine hybride Holzbauweise kombiniert mit einer Fassade aus recyceltem eloxierten Aluminium in Grün soll die Nachhaltigkeit des Gebäudes hervorheben. Für diese sorgen im Inneren unter anderem ein außen liegender Sonnenschutz und eine natürliche Lüftung. Architekturbüro: C.F. Møller Architects Bauherr/Entwickler: R&S Immobilienmanagement Standort: München, Deutschland Geplante Bauzeit: 2023 bis 2024 www.icampus-muenchen.de

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Fotos: C.F. Møller Architects


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HOTEL ALPSTADT In zentraler Lage in Bludenz errichtet Kaufmann Zwei als Totalunternehmer ein multifunktionales Hotel mit einer Bruttogeschossfläche von rund 3.000 Quadratmetern und 65 Hotelzimmern inklusive einem Penthouse. Dabei werden das Untergeschoss und teilweise das Erdgeschoss in Massivbauweise, die sechs oberen Zimmergeschosse in nachhaltiger Holzmodulbauweise errichtet. Die schlüsselfertige Modulproduktion erfolgt in der Kaufmann Zimmerei & Tischlerei in Reuthe, sodass die Montage der Holzmodule für die Hotelzimmer innerhalb von drei Tagen erfolgen kann. Architekturbüro: Kaufmann Zwei Bauherr: Wilfinger Immo Standort: Bludenz, Vorarlberg, Österreich Geplante Bauzeit: Neun Monate

Fotos: Kaufmann Zwei

www.kaufmannzwei.at

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WOHNBAU IN SCHRUNS Im Auweg in Schruns kam 2020 der revolutionär neue Ansatz für Bauen und Wohnen von purelivin zum Einsatz. Seriell vorgefertigte, komplett ausgebaute Raummodule aus Massivholz wurden hier nach dem Prinzip „Plug & Play“ zu multifunktionalen Wohngebäuden kombiniert. Das Ergebnis: 15 Mietwohnungen, die jede für sich durch den Einsatz von Holz rund 25 Tonnen CO2 speichert. Rund 370 Kubikmeter Holz wurden hier verbaut. Auf die Baustelle geliefert wurden die 36 Module von der Modul-Fabrik in Kalwang und konnten vor Ort in nur drei Tagen nach dem Plug & Play Prinzip mit Hilfe eines 220-Tonnen-Mobilkrans montiert werden. Fotos: purelivin/ZIMA

Architekturbüro: Johannes Kaufmann Bauherr: Alpenländische Generalunternehmer: purelivin & Dobler Hochbau Standort: Schruns, Vorarlberg, Österreich Bauzeit: August 2020 bis November 2020 www.purelivin.net

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Unternehmen & Projekte

Organischer Wachstumskurs

Investition

Bosch-Gruppe 2020

Durchwachsen  Die Bosch-Gruppe erwirtschaftete in Österreich im Geschäftsjahr 2020 insgesamt einen Umsatz von 1,23 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei entwickelten sich die Sparten der Bosch-Gruppe sehr unterschiedlich: Während die Heizungssparte unter dem Vorjahr lag, konnte das Geschäft mit Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen ein deutliches Plus verzeichnen. Somit verzeichnete die BSH 2020 einen Rekordumsatz. Der Unternehmensbereich Mobility Solutions entwickelte sich besser als der Markt, angesichts der rückläufigen Automobilproduktion lag der Umsatz jedoch unter dem Vorjahreswert. Eine Ausnahme bildete dabei das Geschäft mit Technik für eBikes.

Österreichische Bautechnik Vereinigung (ÖBV) bringt Leitfaden

Initiative wegen Materialmangel  Was längst bekannt ist, bedarf nun einer Gegenmaßnahme. Ob Stahl, Holz, Kupfer oder andere Rohstoffe: Auf den österreichischen Baustellen werden derzeit fast alle Baumaterialien knapp – und auch teuer. Jetzt hat die Österreichische Bautechnik Vereinigung eine Initiative gestartet, um als Auftraggeber und Auftragnehmer gemeinsam gegen diese Entwicklung anzukämpfen. Bei dem neuen ÖBVLeitfaden handelt es sich um eine Empfehlung eines paritätisch aus Auftraggebern (ÖBB,

Asfinag, Wiener Linien und BIG) und Auftragnehmern (Strabag, Porr, Swietelsky, Habau) besetzten Arbeitskreises. Der Leitfaden gliedert sich in vier Bereiche, wobei unterschieden wird in bereits bestehende Verträge und zukünftige Ausschreibungen, jeweils damit verbunden die Themen Preisveränderungen sowie Lieferengpässe/Lieferausfälle. Der Anwendungszeitraum für die Empfehlungen im Leitfaden ist mit derzeit 1. Jänner – 30. September 2021 zeitlich begrenzt.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Um den Anforderungen des dynamisch wachsenden Heizungsmarktes noch besser gewachsen zu sein, sind Roman Seitweger und Stefan Gubi zukünftig gemeinsam für die Leitung der gesamten Windhager Gruppe verantwortlich.

Mit Anfang September übernimmt die gelernte Betriebs­ wirtin Barbara Bernsteiner die Geschäftsführung bei Quester.

News Ticker Jubiläum: Vasko+Partner feiert COVID-bedingt 2021 ohne Gäste sein 45-jähriges Bestehen. Umsatzplus: Der Markt für vorgedämmte Versorgungsleitungen wuchs in Österreich im Jahr 2020 um nahezu sechs Prozent auf 33 Millionen Euro.

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Fotos: Keba Veigl, Felbmayr Holding, Scott Bufkin, Vaillant, Doka, Tony Gigov, Franz Neumayr, Quester, Pixabay, Adobe Stock

Der Kunststoffrohr-Spezialist Poloplast konnte 2020 einen Rekordumsatz von 100 Millionen Euro verzeichnen. Jetzt soll bis 2025 mit rund 40 Millionen Euro der Standort Leonding ausgebaut werden – je nach Konjunkturentwicklung. Bereits von 2016 bis 2020 wurden 46 Millionen Euro in den Standort investiert. Zudem richtet der oberösterreichische Kunststoffspezialist die internationale Strategie für hochwertige Abfluss- und Kanalrohrsysteme neu aus. Damit entstehen rund 60 neue Arbeitsplätze. Erklärtes Ziel sei es, so CEO Wolfgang Lux, bis 2025 einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro zu erreichen. Erreicht werden soll die Umsatzsteigerung durch eine verstärkte Ausrichtung auf die Hauptmärkte Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und Skandinavien sowie durch eine Neupositionierung mit hochwertigen Produkten. Diese waren zuletzt besonders nachgefragt.


Kurz & Bündig > Unternehmen & Märkte

40 Millionen Euro für den Produktionsausbau

Doka investiert  Sie ist eine der größten Investitionen des Schalungsunternehmens Doka: Die neue Pulverbeschichtungsanlage in St. Martin, unmittelbar in der Nähe des eigenen Headquarters in Amstetten. Sie zählt europaweit zu den modernsten Anlagen auf ihrem Gebiet und ging Anfang Juni in Betrieb. Die hochautomatisierte Anlage ist Teil eines mehrere Etappen umfassenden Produktionsausbaus in St. Martin mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 40 Millionen Euro. Und sie bringt viele Neuerungen: Ab sofort können auch die Großelemente der Framax Produktfamilie pulverbeschichtet werden. Des Weiteren ist es nun möglich, auch Kleinserien rasch und wirtschaftlich zu produzieren. Die neue Pulverbeschichtungsanlage bringt zudem Farbe ins Spiel. So können die Rahmenelemente je nach individuellem Kundenwunsch, zum Beispiel in der Farbe des jeweiligen Firmenlogos, eingefärbt werden. Derzeit wird die Anlage im Ein-Schicht-Betrieb hochgefahren. Geplant ist, die Kapazitäten auch für Lohnfertigung zur Verfügung zu stellen. Erste Gespräche mit potenziellen Partnern laufen bereits.

Maco verzeichnet Rekordumsatz

Investitionspläne

Overtec nutzt die Krise

Expansion nach München

Mit 311 Millionen Euro erzielte der Weltmarktführer für Fenster-, Tür- und Großflächenbeschläge Maco den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte. 2021 will das Unternehmen bis zu 25 Millionen investieren – unter anderem in technische Anlagen. Aufbauend auf dem erfolgreichen Jahr 2020 sind die Pläne für 2021 ehrgeizig. Michael Weigand, Geschäftsführer Vertrieb & Marketing der Maco-Gruppe, über die Ziele: „Wir planen für das aktuelle Jahr mit einem zweistelligen Umsatzplus. Aber fast noch wichtiger, wir werden mehr als 25 Millionen Euro vollständig aus dem Cash-Flow investieren.“ Darüber hinaus werden zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Die Pandemie genutzt hat der Experte für Fertigteilprodukte für die Bauindustrie Overtec und einen Standort in München eröffnet sowie den Umsatz durch Wohnbauprojekte in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt verfünffacht. Für Overtec-Eigentümer Sebastian Hilscher sind vor allem der steigende Bedarf nach Wohnraum sowie der zunehmende Kostendruck im Bau Grund genug gewesen, die Expansion zu beschleunigen – und das trotz COVID-19. Das familiengeführte Unternehmen produziert seit über 35 Jahren in Wien, Attnang-Puchheim und München Fertigteilprodukte für die Bauindustrie. Das Portfolio umfasst die Bereiche Attika, Brüstungen, Flachdachabschlüsse und Schachtelemente.

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Unternehmen & Projekte

Abwasserwärme richtig genutzt

Förderprogramm  Erstmals fördert der Klima- und Energiefonds die klimafreundliche Energiegewinnung aus dem öffentlichen Kanalnetz. Die Wärmeenergie aus der Warmwasserproduktion fließt in Österreich größtenteils ungenutzt in den Kanal. Das soll sich nun ändern: Mit dem Programm „Energie aus Abwasser“ fördert der Klima- und Energiefonds erstmals in Österreich die Gewinnung von thermischer Energie aus Abwasser. Dafür steht ein Budget von einer Million Euro, dotiert aus Mitteln des Bundesministeriums für Klimaschutz (BMK), zur Verfügung. Mittels Wärmetauscher wird dem Abwasser Wärmeenergie entzogen und mit Wärmepumpen auf das benötigte Temperaturniveau gebracht. Damit können etwa umliegende Abnehmer direkt mit Wärme versorgt oder die Wärmeenergie in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Ziel des Förderprogramms ist es, einerseits Machbarkeitsstudien und Potentialstudien zu beauftragen und andererseits jene Projekte, die die Energie aus dem Abwasser nutzen, zu fördern. Die Ausschreibung ist bis 28. Februar 2022 um 12:00 Uhr mit zwei Auswahlrunden geöffnet.

Über 250.000 E-Ladeboxen verkauft

Ladelösungen

Kaldewei unterzeichnet SBTi

Klimaneutralität   Kaldewei hat als erstes Unternehmen der Sanitär-Branche die Science Based Target Initiative (SBTi) unterzeichnet. Der führende internationale Hersteller von hochwertigen Sanitäranlagen schließt sich damit einer Initiative an, die es sich zur Aufgabe macht, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens durch konkrete Maßnahmendefinition zu erreichen. Konkret ist die SBTi ein Bündnis aus globalen Non Profit Organisationen wie UNGC, CDP, WWF und WRI. Das Bündnis ist angetreten, um wissenschaftlich fundierte Ziele (SBT) zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen zu einem Standard unternehmerischen Handelns werden zu lassen. Ziel ist es, die weltweiten Emissionen bis 2030 so zu reduzieren.

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Anfang 2021 hat das Linzer Unternehmen Keba einen wichtigen Meilenstein erreicht. Über 250.000 Wallboxen wurden verkauft. Damit entwickelt sich das Unternehmen zu einem der größten Hersteller für Ladelösungen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. „Mit der Herstellung von intelligenten und langlebigen Ladestationen ist Keba der Experte in einer prosperierenden Branche“, freut sich Christoph Knogler, CEO Keba Energy Automation. Im Geschäftsfeld Energy Automation hat sich der österreichischen Automatisierungsexperten Keba auf Ladestationen und Heizungssteuerung spezialisiert. Die gesamte Elektronikentwicklung und -fertigung findet am Linzer Standort statt.


Kurz & Bündig > Unternehmen & Märkte

Niedrigstes Niveau seit zehn Jahren

Auch für das abgelaufene Geschäftsjahr fließt erneut keine Dividende

Pelletpreis

COVID-19 sorgt für Delle in der Porr-Bilanz

Mit einem durchschnittlichen Wert von 21,9 Cent pro Kilogramm liegt der Pelletpreis heuer erstmals seit dem Jahr 2010 unter dem Wert von 22 Cent pro Kilogramm. Im langjährigen Vergleich mit den Öl- und Gaspreisen wird deutlich, dass Pellets wesentlich kostengünstiger sind und auch viel geringere Preisschwankungen aufweisen. „Pelletpreise sind bei den Einlagerungsaktionen im Frühjahr immer am günstigsten. Dass die Preise heuer besonders niedrig sind, liegt daran, dass derzeit die Pelletproduktion nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland auf einem Rekordniveau läuft. Wer die Einlagerungsaktionen jetzt nutzt, kann den gesamten Energiebedarf der kommenden Heizsaison bereits jetzt zu besten Konditionen im eigenen Keller speichern“, erklärt Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria. Pelletpreise werden von proPellets Austria seit 2006 monatlich erhoben. Mehr als 70 Prozent der gehandelten Pelletmenge wird bei dieser Preiserhebung bei über 50 Pellethändlern erfasst, die damit einen zuverlässigen Indikator für die Entwicklung der Marktpreise darstellt.

„2020 hat mit einem guten Auftragsbestand im Jänner und Februar begonnen, dann folgte die Ernüchterung im März“, so CEO Karl-Heinz Strauss anlässlich der Online-Bilanzpressekonferenz für das vergangene Geschäftsjahr. Die Pandemie habe jedenfalls „überraschend und mit voller Wucht die Welt der Porr heimgesucht“. Die Folge: Eine Delle in der Bilanz beziehungsweise ein Verlust von 42 Millionen Euro – im Übrigen nach einem Gewinn von 27,8 Millionen Euro im Jahr davor. Aber auch Neubewertungen von Projekten hätten in diesem Zusammenhang eine Rolle gespielt. Nichtsdestotrotz konnte der Auftragsbestand auf den historischen Höchstwert von 7,067 Milliarden Euro erhöht werden. Nachdem bereits 2019 keine Dividende an die Porr Akti-

onäre ausgeschüttet wurde, werden diese auch heuer leer ausgehen. Zu den drei großen Themen, die die Porr derzeit beschäftigen, zählt der CEO die Ermittlungen der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) wegen des Verdachts von Preisabsprachen bei Projektvergaben. Strauss räumte ein, dass Absprachen getroffen wurden und man einen Brief der BWB erhalten habe, in dem diese mitteilt, dass sie deshalb gegen Firmen der Porr einen Antrag an das Kartellgericht gestellt hat, um eine Geldbuße zu verhängen. Strauss hielt aber auch fest, dass die Porr seit Bekanntwerden der Vorwürfe mit der BWB kooperiert und darüber hinaus sich auch – als Reaktion – einschlägig zertifizieren habe lassen. Weiters berichtete Strauss von zwei Vertragsauflösungen.

Mineralwolle verzeichnet Minus

Umsatzrückgang  Laut aktuellem Branchenradar „Dämmstoffe in Österreich“ ist im Jahr 2020 bei nahezu allen Dämmstoffarten ein sinkender Bedarf zu spüren. So ging die Nachfrage um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Nur aufgrund steigender Preise hielt sich der Umsatzrückgang in Grenzen. Die Herstellererlöse sanken um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 317,6 Millionen Euro. Absatzrückgänge gab es sowohl im Neubau als auch in der Sanierung. Rund siebzig Prozent der Kontraktion ließ sich jedoch im NichtWohnbau verorten, knapp zwei Drittel bei der Fassade. Besonders hart traf es im vergangenen Jahr allerdings dieMineralwolle: Die Erlöse sanken überdurchschnittlich rasch um mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Schaumstoffen lag das Umsatzminus indes nur bei 0,7 Prozent im Vergleichszeitraum.

Digitale Ferndiagnose via myVaillant Pro

Vaillant setzt auf digitalen Service  Die Heizungsanlage permanent up to date halten? Das geht. Dank der neuen Online-Serviceplattform myVaillant Pro. Diese macht aus jedem internetverbundenen Vaillant-Gerät eine permanent betreute Anlage. Das heißt, die Plattform kann jederzeit verlässliche Aussagen über den Zustand einer Anlage treffen, auf eine notwendige Gerätebetreuung hinweisen oder an eine anstehende Wartung erinnern. Das alles spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Denn dank der IoT-Plattform können

Serviceeinsätze vermieden oder optimiert erfolgen – so etwa bei drohendem Wassermangel: Das Vaillant-Gerät meldet sich über das Internet von selbst beim Fachhandwerker oder dem zugehörigen Haustechniker, bevor es überhaupt zu einem Wassermangel in der Heizung kommt. Damit weiß der Servicetechniker vorab, welche Anlagensituation er vorfindet, und welche Ersatzteile er gegebenenfalls für eine schnelle und fachgerechte Instandsetzung mitbringen soll.

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Unternehmen & Projekte

Wohnhaus in den USA

Frisch gedruckt

Energie-Trendmonitor 2021

Umdenken  Laut aktuellem Energie-Trendbarometer, eines Marktforschungsinstituts im Auftrag von Stiebel Eltron unter 1.000 Österreichern erhoben wurde, hat die Pandemie zu einem Umdenken über die Klima-Risiken geführt: 70 Prozent der Befragten bewerten diese nun anders und möchten ihren Teil dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Konkret wünschen sich zwei Drittel, in den eigenen vier Wänden auf klimafreundliche Heizsysteme umzusteigen. Gleichzeitig fehlt 60 Prozent aber das Wissen, wie sie bei der privaten Energiewende vom Staat unterstützt werden. Dabei stellt die Bundesregierung für den „Raus aus Öl und Gas“-Bonus sowie den „Sanierungsscheck“ ein Rekordbudget von 650 Millionen Euro bereit.

Sechs Tipps vom Dachfenster-Hersteller Velux

Home-Office im Dachgeschoss   Velux hat sechs Tipps, wie sich das Arbeiten im Dachgeschoss angenehmer gestalten lässt. So macht es durchaus Sinn, das Tageslicht punktuell durch Kunstlicht zu ergänzen. Hier eignen sich vor allem Leuchten mit Dimmfunktion. Selbstverständlich lohnt sich auch die Installation eines Rollos, um die Dachfenster abzudunkeln. Ob es sich dabei um ein Stoff- oder Faltrollo handelt, ist reine Geschmackssache. Zusätzliche können sogenannte Markisetten mit Netzstoff verhindern,

dass das Dachgeschoss bei direkter Sonneneinstrahlung zu schnell überhitzt. Nicht zu vergessen: die Gelsen und Fliegen! Auch diese lassen sich mithilfe eines passenden Insektenschutz fernhalten. Um konzentriert arbeiten zu können, macht regelmäßiges Lüften – drei bis vier mal pro Tag – auch trotz Hitze Sinn, so der Dachfenster-Spezialist. Auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes spielt eine wichtige Rolle. Hier kann ein höhenverstellbarer Schreibtisch Abhilfe verschaffen.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Mit 1. Juni übernahm Gregor Bitschnau die Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Beton Dialog Österreich.

Die studierte Betreibswirtin Teresa Gangl ist neue Geschäftsstellenleiterin bei Otis in Oberösterreich.

Melvin Raffalt verrstärkt ab sofort als Senior Project Manager das Team der Rustler Immobilienentwicklung.

News Ticker Neustart: Der neue Vorstand der IG Lebenszklus Bau startet mit einem starkem Arbeitsprogramm: „Wer nicht nachhaltig baut, baut in Zukunft gar nicht mehr“ – so lautet eine der zwölf aktuell erstellten Thesen des am 9. Juni gewählten neuen Vorstands.

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BauTecFokus

Fotos: Velux, ZOOM VP, Rustler, Otis, Interfoto

Nachdem Peri Ende 2020 zwei gedruckte Häuser in Deutschland realisierte, druckte der Hersteller und Anbieter von Schalungsund Gerüstsystemen nun in Tempe, Arizona sein erstes Wohnhaus. Das eingeschossige Wohnhaus verfügt über eine Wohnfläche von rund 160 Quadratmetern und ist bis dato eines der ersten im 3D-Druck-Verfahren druchgeführte Wohnprojekt in den USA, das alle behördlichen Genehmigungsprozesse vollständig und erfolgreich durchlaufen hat. Für die reine Druckzeit sind rund zwei Wochen angesetzt. Nach aktuellem Planungsstand soll das Haus im August/September 2021 bezugsfertig sein. Bauherr und Partner von Peri bei diesem Projekt ist die Regionalorganisation von „Habitat for Humanity“ in Arizona. Dabei handelt es sich um eine weltweit tätige Non-Profit Organisation, die mit Hilfe von Spenden Wohnraum für bedürftige Menschen schafft.


Kurz & Bündig > Technik & Wissen

Drees & Sommer entwickelt Vorzeigeobjekt

Fassaden-Innovation   Drees & Sommer und FKN entwickeln eine hochisolierende Elementfassade. Mit einer Stärke von 210 Millimeter ist die PVintegrierte Fassade extrem schlank. An den Oberen Waldplätzen 12 in Stuttgart baut das Beratungs- und Planungsunternehmen Drees & Sommer derzeit ein Vorzeigeobjekt für den Eigenbedarf. Der aufgrund seiner Lage als OWP12 bezeichnete Neubau soll allen modernen Anforderungen für Umweltfreundlichkeit und Digitalisierung gerecht werden. Premiere hat in der OWP12 nun eine neuartige modulare Fassade namens e-coFace des Fassadenbauunternehmens FKN Fassaden mit Sitz in Neuenstein, Hohenlohekreis. Die Besonderheit: Die platzsparende und nach Prinzipien der Materialkreislaufplanung konzipierte Gebäudehülle soll den Energieverbrauch auf ein Minimum reduzieren, selbst Energie erzeugen und zugleich den sehr hohen Anforderungen an den Schallschutz genügen. 22 Millionen Euro betragen die Kosten für das vierstöckige Gebäude, das auf einer Bruttogrundfläche (BGF) von rund 7.000 Quadratmetern einen großen Konferenzbereich, Bereiche für die Mitarbeiter wie eine Terrasse, eine Cafeteria und eine Kantine im Erdgeschoss für bis zu 1.000 Personen bietet. Künftig werden am Standort 200 Arbeitsplätze geschaffen. Das gemeinsam mit SCD Architekten Ingenieure konzipierte Gebäude ist als Plusenergiehaus konzipiert. Dazu trägt nicht nur die Fassadenkonstruktion bei, sondern auch Fernwärme.

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Gebäudereport 2020: Zuwachs von 20 Prozent

klimaaktiv-Gebäude  Laut Gebäudereport 2020 des Klimaschutzministeriums befindet sich das Bewertungssystem klimaaktiv weiterhin auf Erfolgskurs: 2020 stieg die Zahl der klimaaktiv Gebäude um 20 Prozent an. Seit 2005 wurden insgesamt 1.065 Gebäude nach dem klimaaktiv Gebäudestandard bewertet und deklariert – knapp die Hälfte davon erreicht den Gold Standard und entspricht damit den höchsten Qualitätsansprüchen in puncto klimafreundliches Bauen. Eines dieser gold-prämierten Gebäude ist der Marina Tower in Wien.

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Unternehmen & Projekte

Somfy launcht Door Keeper

Nachhaltiges Unternehmen

Voll vernetzt

E-Mobilität

Mit dem Door Keeper baut Somfy sein Smart-Home-Portfolio im Bereich Zutritt und Sicherheit weiter aus. Der smarte Türsteher für die Haustür besitzt integrierte Sensoren, die unter anderem die Verriegelung überwachen und Einbruchsversuche aufzeichnen. Quälende Fragen, ob man die Tür wirklich abgeschlossen hat, als man das Haus verlassen hat, gehören so der Vergangenheit an. Denn dank der Somfy Keys App kann der Nutzer jederzeit auf seinem Smartphone überprüfen, ob die Haustür offen oder geschlossen ist – und sie bei Bedarf aus der Ferne verriegeln. Wird die Tür offengelassen oder nicht richtig geschlossen, folgt automatisch ein Alarmsignal. Bezogen werden kann der Door Keeper über den Fachhandel.

Im Rahmen des Umweltmanagementsystems hat Leyrer + Graf die ersten Elektroautos und Elektro-Nutzfahrzeuge für den Firmengebrauch angeschafft, um diese in den nächsten Monaten auf ihre Alltagstauglichkeit zu testen. Zu den Testschwerpunkten für Firmenfahrten bei den angeschafften PKWs zählen vor allem die Routen- und Terminplanung in Zusammenhang mit den Reichweiten der Fahrzeuge. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Ladeinfrastruktur. Erfahrungswerte zum Thema Kostenvergleich und Zuverlässigkeit gegenüber konventionellen PKWs sowie die Lebensdauer von Akkus sind ebenso wesentliche Testschwerpunkte. Getestet werden Fahrzeuge der VolkswagenUnternehmensgruppe und Opel.

Konsequente Kreislaufwirtschaft

Sozialer Mehrwert

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BauTecFokus

Gira erweitert Sicherheitssystem Alarm Connect um Feuerschutz

Funkbasierte Rauchwarnmelder  Vor allem zur Nachtzeit, wenn der Mensch für gewöhnlich schläft, kann er Gerüche nur schwer, im Tiefschlaf sogar kaum wahrnehmen. Hinzukommt, dass die Brandursache in den eigenen vier Wänden meist Defekte an elektrischen Geräten sind. Um einen Brand so schnell wie möglich zu erkennen und zu jeder Tages- und Nachzeit zu melden, hat Gira den neuen und funkbasierten Connect Rauchwarnmelder entwickelt. Dieser registriert mithilfe von Streulichtmessung bereits leichte

Rauchentwicklung im Raum und schlägt mit einem Alarmton von 85 Dezibel an. Zusätzlich warnt das Gerät mit einem blinkenden LEDWarnsignal. Der funkbasierte Rauchwarnmelder lässt sich ohne bauliche Veränderungen einfach einbauen und eignet sich nicht nur für den eigenen Haushalt, sondern auch für Geschäfts- oder Büroflächen. Die Bedienung des Gira Sicherheitssystems Alarm Connect ist einfach und sicher und kann sogar bequem via Gira Smart Home App erfolgen.

Fotos: www.gira.at, Somfy

Seit 2016 setzt BauKarussell verwertungsorientierten Rückbau mit sozialem Mehrwert in die Praxis um. Der in den ersten fünf Jahren erzielte Impact kann sich sehen lassen: In Summe hat BauKarussell mit seinen lokalen sozialwirtschaftlichen Partnerbetrieben seit den ersten Rückbauprojekten über 21.000 Stunden sozialwirtschaftliche Arbeit geleistet und über 100 Zielgruppenpersonen des AMS beschäftigt. 1.100 Tonnen Materialien gingen durch die Hände der Rückbauteams, davon konnte etwa die Hälfte – 550 Tonnen – in die Wiederverwendung vermittelt werden. Markus Meissner, Leiter von BauKarussell, präzisiert: „Das entspricht mehr als 12.500 Re-Use-Einheiten, zum Beispiel Stück, kg, m² oder Laufmeter. Unsere Bilanz zeigt ganz deutlich: Kreislaufwirtschaft am Bau schafft Arbeit! In unseren Projekten erhalten benachteiligte Personen Training und Qualifizierung – das ist neben dem Aspekt der Ressourcenschonung der essentielle Teil unserer DNA.“ BauKarussell ist der erste Anbieter am österreichischen Markt für Social Urban Mining im Rahmen des verwertungsorientierten Rückbaus. Und setzt sich aus Partnern von pulswerk, Romm und anderen zusammen.


Kurz & Bündig > Technik & Wissen

aep energy bringt Game Changer auf den Markt

Wasserstoff-Batteriesystem  Der Technologie-Profi Gerald Wirtl, aep-Gründer und CEO, bringt mit AEP H2 ein intelligentes Speichersystem auf Wasserstoffbasis auf den Markt. Durch Elektrolyse wird mit Solarstrom Wasserstoff hergestellt, gespeichert und über eine Brennstoffzelle bei Bedarf wieder in elektrische Energie umgewandelt. Die dazugehörige Software wurde von aep energy entwickelt und trägt dazu bei, dass der Strom zukünftig auch in Energie-Communities gehandelt werden kann. Damit liefert die klimafreundliche Innovation aus Oberösterreich einen wesentlichen Beitrag zur Lösung von drängenden Energie-Themen wie Speicherung von Sonnenstrom, Blackout-Prävention oder Energie-Autarkie. „Wir fokussieren uns darauf, die besten Komponenten am Markt zu einem funktionierenden System zusammenzuschließen“, beschreibt Wirtl den Erfolgsfaktor seines Unternehmens.

Fensterlüfter in Rollladenkästen

Frischluftzufuhr  Mit dem Fensterlüfter von Siegenia lässt sich das Lüften der Innenräume auch mit einem ästhetischen Anspruch verbinden, denn die Lüfter können in zahlreichen Rollladenkästen aller führenden Hersteller angebracht werden. So sorgt der Verzicht auf einen Wetterschutz an der Außenfassade dafür, dass die Lüfter von außen komplett unsichtbar sind, und erlaubt eine Integration in die Gebäudearchitektur. Auch bei geschlossenen Rollläden sorgen die Fensterlüfter für einen entsprechenden Luftwechsel. Hohe Schalldämmwerte sorgen dafür, dass störende Außengeräusche draußen bleiben. Verarbeiter profitieren darüber hinaus von der einfachen Montage auf der Innenseite des Rollladenkastens, die ohne die Bearbeitung von Fenster beziehungsweise Rahmen auskommt. Auch ein nachträglicher Einbau im Zuge von Sanierungsarbeiten ist möglich.

Frische Luft für Heiz- und Kühldecken

Zehnder bringt Luftauslass  Der Spezialist für Design-Heizkörper und Raumluft Zehnder ergänzt sein Angebot im Geschäftsbereich Heiz- und KühldeckenSysteme um eine optionale Lüftungsfunktion. Diese lässt sich unsichtbar in Zehnder Heiz- und Kühldecken integrieren und unterstützt deren Heiz- und/oder Kühlleistung mit einem hygienischen Luftwechsel. Und das geräuscharm und ohne Zugluft zu erzeugen. Die intelligente Zuluftlösung eignet sich optimal für den Einsatz in Büros, öffentlichen Gebäuden oder im Hotel- und Gaststättenbereich. Zehnder Breeze ist ab sofort in verschiedenen Modellvarianten für geschlossene Metalldecken von Zehnder in den gängigsten Systemen verfügbar.

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Unternehmen & Projekte

Streng limitierte Vienna Edition

Lichterlebnis

Artweger MOVE Duschtüre

Extrakomfort  Das Herzstück der neuen SchiebetürSerie MOVE von Artweger ist die zum Patent angemeldete Tür-Führungseinheit. Diese ist besonders schmal ausgeführt. Der mit Magnet daran fixierte Anker führt die Tür ruhig und sicher beim Öffnen und Schließen – ganz ohne Metallschienen am Türteil oder am Boden. Zum Reinigen wird die Türe einfach mitsamt dem Anker weggeschwenkt. Außerdem ist die Schiebetür dank extraschmaler Türführungseinheit und glatter Oberflächen besonders leicht zu reinigen. Die Artweger MOVE gibt es in sechs verschiedenen Farbausführungen angefangen von Schwarz Matt bis zu Champagne. Viele weitere Sanitärfarben sind auf Anfrage möglich.

x-well Lüftungsgeräte von Kermi sorgen für regelmäßigen Luftaustausch

Filter-Upgrade mit x-well hygienic  Im Zuge der Pandemie ist die Luftqualität in Innenräumen in den Fokus gerückt. Kontrollierte Wohnraumlüftung kann bei dicker Luft Abhilfe verschaffen. Die x-well Lüftungsgeräte von Kermi können dank hochwertiger Filter effektiv Schadstoffe von außen fernhalten. Ist die Außenluft besonders belastet, kann der Filter ab sofort auch um den neuen elektronischen x-well hygienic Filter aufgerüstet werden und so eine noch bessere Filterleistung garantieren. Neben eine guten Filterleistung

bieten die Filter des x-well hygienic weitere Vorteile: Sie arbeiten elektrostatisch und nicht mechanisch. Das heißt, der Luftstrom und somit die Effizienz der Lüftungsanlage werden nicht beeinträchtigt. Somit sind auch keine Wartungsarbeiten und kein Filtertausch notwendig: Das Filterelement wird lediglich regelmäßig ausgewaschen, je nach Belastung der Außenluft etwa halbjährlich. Der x-well hygienc Filter kann herstellerunabhängig eingesetzt oder nachgerüstet werden.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Nach mehr als 20 Jahren an der Spitze des Supervisory Boards von Rehau übergibt Jobst Wagner zum 1. Juli 2021 das Amt des Präsidenten an seinen Bruder Veit Wagner und übernimmt dessen jetzige Funktion als Vizepräsident.

Günther Orlitsch ist neuer Verkaufsleiter am Röfix-Standort in Villach. Der 58-Jährige ist damit für den Vertrieb in der Region Kärnten und Osttirol verantwortlich.

News Ticker Starker Preisanstieg: Im Vergleich zum Juli 2020 liegt der Österreichische Gaspreisindex um 274 Prozent höher, gegenüber dem Vormonat Juni steigt er um 16 Prozent. Nachhaltigkeits-Strategie: Wienerberger will bis spätestens 2050 mittels Dekarbonisierung der Produktionsprozesse, innovativem Produktportfolio und mit neuen Technologien klimaneutral sein.

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BauTecFokus

Fotos: Kermi, Otis Arnaud Février, Rehau, Röfix

Die limitierte Vienna Edition sorgt mit ihrer edlen Messing-Optik im brandneuen Loxone Office & Experience Center in Wien für das richtige Licht. „Um dem Charakter des ehrwürdigen Palais in der Johannesgasse zu entsprechen, haben wir bezüglich Innenarchitektur mit Materialien wie Marmor, altem bronzierten Messing oder Eiche gearbeitet. Die Serie der Vienna Edition von Loxone ermöglichte eine übergreifende Gestaltung“, Marcel Amrhein, Architekt bei ARKD Linz. Zu kaufen gibt es die Leuchten als Präsenzmelder in Deckeneinbau. Dieser passt seine Beleuchtung auch dem Lichteinfall der Umgebung an. Ähnlich funktioniert die Deckenleuchte der Edition mit LEDLicht. Neben der Pendulum Slim RGBW Tree-Leuchte mit passendem Bedienelement gibt es auch ein Loxone Nightlight, das sowohl als Nachtlicht als auch als Wecker und Bedienelement genutzt werden kann.


Kurz & Bündig > Gebäude Ausrüstung Management

Neueste Aufzug-Generation von Otis

Gen360-Aufzug   Otis stellt die neue Generation digital vernetzter Aufzüge vor, mit denen sich Menschen in einer größeren, schnelleren und intelligenteren Welt verbinden: der Gen360. Neben Sicherheit, Langlebigkeit und Effizienz besticht die neueste Aufzug-Generation mit der IoT-Plattform Otis ONE. Sie bildet die Grundlage für die intelligente Vernetzung. Durch die Erfassung und Auswertung großer Datenmengen durch intelligente Aufzugssensoren ermöglicht die Otis-ONE-Plattform die Gewinnung wichtiger Informationen in Echtzeit sowie proaktive Kommunikation und prädiktive Erkenntnisse. Zusätzlich können mithilfe der OtisONE-Technologie Störungen per Fernzugriff bearbeitet werden. Dank cloudbasierter APIs (Application Programming Interface) lassen sich beide Plattformen leicht in andere intelligente Gebäudesysteme integrieren, was einen wichtigen Mehrwert für Gebäudemanager, aber auch für die Fahrgäste darstellt. Weiters braucht der Gen360-Aufzug aufgrund seiner neuen elektronischen Architektur keinen Sicherheits- beziehungsweise Dachaufbau im Schachtkopf mehr und kann so problemlos in Bauten mt Flachdächern verbaut werden.

Biotope City Wienerberg

FH Joanneum veröffentlicht Ergänzungsstudie

Auszeichnung

Lebenszyklus von Fassaden

Der neue Favoritner Stadtteil wurde als Vorzeigeprojekt einer Gartenstadt der Zukunft konzipiert, die aktiv auf die Herausforderungen des Klimawandels eingeht. So soll etwa die Überhitzung der Stadt durch vertikale Begrünung in dichtverbautem, urbanem Gebiet abgemildert werden. Dazu trägt auch die Ausgestaltung der Dachfläche der neuen Wohnhausanlage der „Wien-Süd“ in der Biotope City Wienerberg bei: Durch intensive Begrünung und die Schaffung von Begegnungsräumen, wie dem Pool am Dach, einer Sauna, einem Fitnessraum sowie Hochbeeten für Urban Gardening, wurden etliche Erholungszonen in das Objekt integriert. Für Familienfreundlichkeit sorgen nicht nur die zentral geschoßweise etablierten Kinderwagenstellplätze, sondern auch die Freizeitangebote in unmittelbarer Nähe mit dem Naherholungsgebiet des Wienerbergs. Am 29. Juni fand die feierliche Verleihung des Awards auf der Dachterrasse der „Wien-Süd“ statt. Mit dabei waren neben anderen Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál sowie der Vorstand der „Wien-Süd“.

Im Rahmen der Ergänzungsstudie der FH Joanneum – Institut Bauplanung und Bauwirtschaft wurde eine Fassadensystemanalyse in Zusammenarbeit mit der Landesinnung Bau Oberösterreich und verschiedenen Herstellern aus dem Bereich der Metall- und Holzfassaden vorgenommen. Dabei wurden unterschiedliche Rohbausysteme mit verschiedenen Fassadenkonstruktionen kombiniert sowie zwei monolithische Außenwandsysteme untersucht. „Die Studie zeigt, dass oft die EPS-Fassade aufgrund der auf den ersten Blick günstigeren Errichtungskosten gewählt wird. Aber bei nachhaltiger Betrachtung der Lebenszykluskosten ist die Auswahl der Fassadenarten in Bezug auf die Ökologie und Wirtschaftlichkeit wesentlich größer“, so Landesinnungsmeister Alexander Pongratz, Landesinnung Bau Steiermark. In der Baupraxis werden als Entscheidungsgrundlage meist nur die Errichtungskosten der Fassade in Betracht gezogen, was zu einem überproportionalen Einsatz erdölbasierter Dämmstoffe geführt hat. Vergleichsweise kostengünstig in der Errichtung, benachteiligen diese aber massiv alternative, ökologisch nachhaltige Fassadensysteme. Die in der Studie ausgewählten Fassadenkonstruktionen sind zwei

Konstruktionsprinzipien zuordenbar und teilen sich auf in Monolithische Verbundfassaden (inkl. WDVS - Wärmeverbundsystem) und vorgehängt hinterlüftete Fassaden (VHF - Vorgehängte Fassade). Die Lebenszykluskostenbetrachtung über 30 Jahre zeigt: Hinsichtlich der Kosten über den Lebenszyklus unterscheidet sich der Großteil der Fassadensysteme nicht so massiv wie bei den Herstellungskosten. Bei Faserzementfassaden und Metallfassaden sowie bei Holzfassaden entstehen im Vergleich zu WDVS geringe Nutzungskosten. Kostengünstigste Varianten in der Gesamtbetrachtung sind die monolithischen Systeme, gefolgt von vorgehängt hinterlüfteten Fassaden mit Holz-Verkleidung. Vorgehängt hinterlüftete Fassaden, deren Erst-Herstellungskosten deutlich über anderen liegen, schneiden über den gesamten Lebenszyklus besser ab als WDVS-Fassaden. „Um eine zuverlässige Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Konstruktion zu ermöglichen, ist die Einbeziehung aller Phasen des Lebenszyklus erforderlich. In der aktuellen Studie hat sich gezeigt, dass vor allem die Aufwendungen während der Nutzungsphase zu berücksichtigen sind“, betont Ewald Hasler, Projektleiter FH Joanneum, Institut Bauplanung und Bauwirtschaft.

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Unternehmen & Projekte

Steinbach mit Rekordumsatz

Sandwichpaneele sind gefragt laut Branchenradar-Daten

Poolboom

Massive Preissteigerung

Die Urlaubsplanung ist ungewiss, doch die sommerlichen Temperaturen hält das nicht davon ab, weiter zu steigen. Einer, der davon profitiert, ist der oberösterreichische PoolHersteller Steinbach aus Schwertberg. Immer mehr Österreicher investieren in GartenPools. Per 31. August 2020 verzeichnete das Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro ein Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für heuer wird erwartet, die 200-Millionen-Euro-Umsatzmarke zu knacken, so das Unternehmen. Besonders Aufstellpools, Whirlpools und Solarduschen seien hoch im Kurs, sagt Geschäftsführer Horst Lauß. Mit rund 300.000 verkauften Pools habe sich die Nachfrage nach Aufstellpools in den letzten drei Jahren bei Steinbach verdoppelt. Aktuell gilt das Poolunternehmen als eines der größten Europas.

Der Markt für Sandwichpaneele ist 2020 moderat gewachsen. Im laufenden Jahr wird die Nachfrage durch substanzielle Preiserhöhungen gebremst, so aktuelle Daten des Marktforschungsinstituts Branchenradar. Trotz Corona haben sich Sandwichpaneele im vergangenen Jahr sehr gut verkauft. Laut aktuellem Branchenradar erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr im Jahr 2020 der Absatz um 1,5 Prozent auf knapp 3,28 Millionen Quadratmeter und die Herstellererlöse um 0,6 Prozent auf 84,2 Millionen Euro. Zuwächse gab es erlösseitig jedoch nur noch bei Produkten mit Schaumstoffdämmung und bei Wandpaneelen. Der Umsatz von mit Mineralwolle gedämmten Sandwichpaneelen entwickelte sich seitwärts, jener mit Dachpaneelen sowie Kühl- und Tiefkühlpaneelen rückläufig.

Das laufende Jahr ist bislang durch massive Preiserhöhungen gekennzeichnet. Sowohl die Preise für Aluminium als auch für Dämmstoffe erhöhen sich nahezu im Wochentakt substanziell. Infolgedessen bremst sich die Nachfrage augenscheinlich ein, weil mancherorts einschlägige Bauprojekte entweder rückgestellt oder mit anderen Baumaterialien ausgeführt werden. Aus heutiger Sicht könnte der Markt rund sechs Prozent an Absatzvolumen verlieren, so die Analyse. Nichtsdestotrotz dürften die Herstellererlöse auch 2021 signifikant anziehen, weil der Preisauftrieb die sinkende Nachfrage bei weitem übertrifft. Für das heurige Jahr erwartet Branchenradar.com ein Umsatzplus von etwa neun Prozent, im kommenden Jahr von ungefähr zwei Prozent gegenüber Vorjahr.

Somfy und Danfoss kooperieren

In den eigenen vier Wänden will man ungern bei 30 Grad Celsius schwitzen oder bei Minusgraden frieren. Bei der Klimatisierung von Innenräumen stößt man jedoch auf ein bekanntes Problem: Eine Steuerung regelt die Heizung, eine zweite die Beschattung und eine dritte das Licht. Was fehlt, ist die Vernetzung. Heizspezialist Danfoss und Smart-Home-Pionier Somfy wollen das mit ihrer Partnerschaft ändern. Ermöglicht wird das durch die Integration der Danfoss Icon Fußbodenheizungsregelung in die SmartHome-Steuerzentrale TaHoma DIN Rail von Somfy. So löst der Somfy Öffnungsmelder über Danfoss Icon automatisch eine Unterbrechung des Heizbetriebs aus, sobald ein Fenster geöffnet ist, und kann so Energieverluste effektiv minimieren. Gleichzeitig kann die intelligente Steuerung TaHoma im Winter Jalousien und Vorhänge bei starker Sonneneinstrahlung dank Sonnensensor Somfy Sunis in Kombination mit dem Danfoss Icon Raumthermostat öffnen, während gleichzeitig die Heizung reguliert wird. Somit sorgt die Smart-Home-Lösung für einen ganzjährigen Wohnkomfort und ermöglicht die Realisierung energieeffizienter und zugleich benutzerfreundlicher und smarter Häuser und Wohnungen. Die TaHoma DIN Rail mit ZigbeeModul lässt sich über den Elektriker beziehen, das Danfoss Icon über den Sanitärhandel. Zusätzlich zum Somfy Heizkörper-Thermostat io kann ebenfalls das Danfoss Ally Heizkörperthermostat über TaHoma gesteuert werden.

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BauTecFokus

Fotos: Somfy

Intelligente Klimatisierung


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Kurz & Bündig > Gebäude Ausrüstung Management

Daikin sorgt für umweltfreundliche Abkühlung

Konsumenten-Liebling

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Bereits zum zweiten Mal in Folge wurde ein Split-Klimagerät der Marke Daikin von Konsument und Stiftung Warentest zum Testsieger gekürt: Unter den insgesamt zehn getesteten Geräten, darunter Monoblöcke und Split-Modelle, wird die Daikin Emura mit der Note „gut“ zum Testsieger gekürt. Besonders in der Kategorie „Umwelt und Energieeffizienz“ überzeugte Daikins Emura und kühlt vergleichsweise günstig, mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von rund 26 Euro pro Jahr. Alle Testgeräte wurden in vier Kategorien geprüft und wie folgt gewichtet: Umwelteigenschaften (50 %), Kühlen (35 %), Handhabung (15 %) und Sicherheit (0 %). In allen vier Kategorien geht das Split-Gerät Daikin Emura von Daikin als Sieger hervor. In die Note der Umwelteigenschaften fließen auch die Bewertungen der Geräusche-Emission sowie des Kältemittels ein. Mit einem besonders niedrigen Schallpegel ist Daikin Emura kaum zu hören. Zudem kommt wie bei allen Daikin Split-Klimageräten auch bei Daikin Emura das klimaschonende Kältemittel R-32, ein nicht ozonschädigendes, reines Kältemittel mit einem niedrigen globalen Treibhausgaspotential und daher leicht zu recyclen, zum Einsatz.

NEFI-Forschungsprojekt „Sanba“

Abwärme als Energiequelle  Nach drei Jahren wurden nun am Areal der ehemaligen Martinek-Kaserne in der Stadtgemeinde Baden die Forschungsergebnisse des NEFI-Forschungsprojekts (New Energy for Induastry) Sanba präsentiert. Der Name des Projekts steht für Smart Anergy Quarter Baden und entwickelte ein sogenanntes Anergie- oder Niedertemperatur-Heiz- und Kühlnetz für die Martinek-Kaserne. Dabei können industrielle Niedertemperatur-Abwärme aus der benachbarten NÖM-Molkerei und lokal verfügbare erneuerbare Wärmequellen wie Geothermie verwendet werden. Als Basis für die Berechnung wurden drei mögliche Szenarien für das 40 Hektar große Areal entwickelt. Diese reichen in der ersten Ausbaustufe von der exklusiven Nutzung der denkmalgeschützten, sanierten Bestandsgebäude ohne neue Gebäude, bis hin zu einer verdichteten Bebauung mit Mischnutzung von Wohnen bis Arbeiten oder Aus- und Weiterbildung. Ergänzend zur technischen Analyse und Planung erfolgte zudem eine betriebswirtschaftliche Analyse, bei der die spezifischen Kosten der unterschiedlichen Energiedienstleistungen für diese drei Entwicklungsszenarien ermittelt und vergleichend gegenübergestellt wurden. Die Szenarien gehen auch auf die Gebäudetypen und ihre Energieverbrauchs-Charakteristik ein. Die Projektergebnisse zeigen, dass kurze Leitungswege ein entscheidender Faktor für das kompakte SanbaAnergienetz sind.

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Schwebende Planarmover

6D Bewegung

Skalierbare Nutzlast

Dynamisch mit bis zu 2 m/s

Individueller Produkttransport

Beliebiges Anlagenlayout

www.beckhoff.com/xplanar XPlanar eröffnet neue Freiheitsgrade im Produkthandling: Frei schwebende Planarmover bewegen sich über individuell angeordneten Planarkacheln auf beliebig programmierbaren Fahrwegen. Individueller 2D-Transport mit bis zu 2 m/s Bearbeitung mit bis zu 6 Freiheitsgraden Transport und Bearbeitung in einem System Verschleißfrei, hygienisch und leicht zu reinigen Beliebiger Systemaufbau durch freie Anordnung der Planarkacheln Multi-Mover-Control für paralleles und individuelles Produkthandling Voll integriert in das leistungsfähige PC-basierte Beckhoff-Steuerungssystem (TwinCAT, PLC IEC 61131, Motion, Measurement, Machine Learning, Vision, Communication, HMI) Branchenübergreifend einsetzbar: Montage, Lebensmittel, Pharma, Labor, Entertainment, …

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Unternehmen & Projekte

Recycelte Baustoffe

Premiere

Gedämmte Rohre

Umsatzplus   Der Markt für vorgedämmte Versorgungsleitungen entwickelte sich im vergangenen Jahr positiv. Laut aktuellem Branchenradar „Vorgedämmte Versorgungsleitungen in Österreich“ erhöhte sich die Nachfrage um 3,4 Prozent gegenüber Vorjahr auf rund 900.000 Laufmeter und die Herstellererlöse um 5,8 Prozent gegenüber Vorjahr auf 33,0 Millionen Euro. Etwa 75 Prozent davon entfielen auf Rohre aus Stahl. Angeschoben wurde der Markt im Wesentlichen durch die Verdichtung des Fernwärme- und Fernkältenetzwerkes, weniger durch die Erschließung neuer Absatzgebiete. Zuwächse gab es vor allem in Ostösterreich sowie in Salzburg und Tirol. Auch im laufenden Jahr sei ein deutliches Umsatzplus zu erwarten.

Signa realisiert Wiener KaDeWe auf der Mariahilferstraße

Fliegende Bagger am Leiner-Dach  Über den Sommer wird der Bestand abgebrochen, um danach ein modernes TraditionsWarenhaus und ein Lifestyle-Hotel zu errichten. Bis dato werkten daran Bagger mit mehr als 30 Meter langen Greifarmen und einem Eigengewicht von bis zu 80 Tonnen. Trotz ihrer Massivität sind diese High-Tech Geräte vom Boden aus in der Lage, Gebäudestrukturen in luftiger Höhe mit absoluter Präzision erfassen und zu Boden zu bringen. Modernste, technische Ausrüstung vermindert Staubemissionen mittels punktgenau eingesetztem Sprühnebel

am Ort des Geschehens. Das hohe Gewicht ist gleichzeitig aber auch der Grund für den Strategiewechsel der ARGE Abbruch, bestehend aus Zöchling/Mayer. Ende Juli wurde ein 16-Tonnen Bagger mittels Raupenkran auf das Dach gehoben. Dieses „Fliegengewicht“ hängt durchgehend am (Stahl-)Seil, womit das Gerät mit „nur“ mehr vier bis fünf Tonnen Auflast agieren kann. Bis in den September wird also ab jetzt von oben nach unten rund 180.000 Kubikmeter„umbauter Raum“ abtransportiert. Das entspricht etwa 50.000 Tonnen Bauschutt.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Neues Direktoren-Trio für w&p Zement: Seit April 2021 zeichnen Jerneja Potocnik, Florian Salzer und Peter Ramskogler als Direktoren für die Leitung der w&p Zement verantwortlich. Ziel des Trios ist es, das familiengeführte Traditionsunternehmen fit für die Zukunft aufzustellen und dessen regionale Strukturen nachhaltig zu stärken.

News Ticker Ideenschmiede: Bereits zum vierten Mal lobt proHolz Austria – diesmal in Kooperation mit proHolz Bayern – den interdisziplinären und internationalen Wettbewerb zum Thema Bauen mit Holz aus. Das Wettbewerbsthema lautet „woodencity“. Einreichfrist ist der 31. März 2022. Die Preisverleihung findet am 19. Mai 2022 an der Technischen Universität Wien statt.

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BauTecFokus

Fotos: w&p Zement, Signa, i+R Gruppe, PSLoopSitters

Mit dem Bau des 21. Objekts im „Nachhaltigen Immobilienfonds Österreich“ in der Braunspergengasse 4 im 10. Wiener Gemeindebezirk setzt Auris Immo Solutions erstmals auf recycelte Baustoffe. Für die Errichtung der 80 Wohneinheiten kommen somit Ziegelfertigwände aus recycelten Baustoffen zum Einsatz. Der Massivbaustoff wird aus Ziegelsplitt, Sand und Zement sowie Wasser produziert und garantiert nicht nur einen schnellen Baufortschritt, sondern auch eine hohe Planungssicherheit. Neben den wirtschaftlichen Aspekten ist zudem der hohe ökologische Faktor hervorzuheben. Die Ziegelwände aus Recyclingbaustoff ermöglichen einen hohen Schallschutz, sind optimale Speicher für Wärme und Kühle und bieten eine ausgeglichene Luftfeuchtigkeit. Eine klimaaktiv Zertifizierung für das Wohnbauprojekt wird angestrebt.


Kurz & Bündig > Materialien & Maschinen

Europas erste Recyclinganlage zur Aufbereitung von Alt-Styropor

Polystyrene Loop geht in Betrieb  Als Meilenstein für das Kunststoffrecycling in Europa wurde am 16. Juni in Terneuzen, Niederlande, eine Recyclinganlage zur Aufbereitung von expandiertem Polystyrol (EPS) eröffnet. Mit dieser Referenzanlage können nicht nur verschmutzte Baustellenabfälle verarbeitet werden, sondern auch Alt-Dämmstoffe mit dem Flammschutzmittel HBCD. Das im HBCD enthaltene wertvolle Brom wird zurückgewonnen und wiederverwendet. EPS – auch bekannt unter dem Namen „Styropor“ – ist ein Schaumstoff, der zu 98 Prozent aus Luft und zu zwei Prozent aus Polystyrol besteht, und in dieser Kombination über hervorragende Dämm- und Schutzeigenschaften verfügt. Es wird häufig als Dämmstoff in Gebäuden, für Fahrradhelme sowie als Verpackung für Güter aller Art verwendet. Bisher galt es aufgrund von Verunreinigungen durch Kleber oder andere Baureste als schwierig zu recyceln. EPS selbst

ist zu 100 Prozent recycelbar. Die Recyclinganlage PolyStyrene Loop wurde gebaut, um die technische und wirtschaftliche Machbarkeit einer großtechnischen Kreislauflösung für das Recycling von EPS-Abbruchabfällen nachzuweisen. Zunächst wird sie Bauabfälle aus den Niederlanden und Deutschland recyceln und zu neuem, hochwertigem Dämmmaterial verarbeiten. Später werden auch Abfälle aus anderen Ländern aufgenommen. Die Anlage ist in der Lage, jährlich über 3.000 Tonnen Polystyroldämmplatten aus Abbruchbaustellen zu recyceln

und bestätigt damit die technische, ökologische und wirtschaftliche Machbarkeit eines neuen Recyclingverfahrens. Dabei ist es gelungen, HBCD-haltige Polystyrolschaumstoffe vollständig in die Kreislaufwirtschaft zu integrieren. In einem weiteren Schritt soll auch XPS (extrudiertes Polystyrol) recycelt werden.

Einsatz im Karawankentunnel

Platzmangel  Sechs Monate, sieben Tage die Woche, 24 Stunden pro Tag und 1.500 Einsatzstunden: Im Schichtbetrieb transportierten die acht Dual View Dumper DV90 von Wacker Neuson neun Tonnen Nutzlast Material auf der Großbaustelle Karawankentunnel. Um den 115 Jahre alten Bahntunnel zwischen Österreich und Slowenien auf einen sicheren und modernen Stand zu bringen, wird der Tunnel auf einem Gleis umgebaut. Zusätzlich werden das Tunnelgewölbe und die denkmalgeschützten Portalbauwerke saniert sowie eine zeitgemäße Entwässerung eingebaut. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse entschied sich das ausführende Bauunternehmen, die Strabag, für die Dual View Dumper von Wacker Neuson. Insgesamt knapp 40.000 Kubikmeter Material wurden mit den Dumpern aus dem Tunnel befördert. Das Besondere am Dumper: Mit Dual View kann die Sitzposition durch eine 180-Grad-Drehung der gesamten Bedienund Sitzkonsole schnell und komfortabel gewechselt werden. Zeitaufwendiges Wenden und Rangieren ist somit nicht mehr nötig.

i+R Gruppe wächst und investiert kräftig

Rekordumsatz dank Bagger  Die i+R Gruppe konnte im Geschäftsjahr 2020/21 einen Umsatz von 700 Millionen Euro erwirtschaften, rund die Hälfte davon mit der Sparte Bagger. So erwirtschaftete die Sparte Bagger mit 4.000 verkauften TakeuchiBaggern pro Jahr und 6.550 Baggern, Arbeitsbühnen und Baumaschinen in der Mietflotte 330 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr. In der Sparte Bauen lag der Umsatz bei 160 Millionen Euro. Großprojekte wie beispielsweise das Hochwasserpumpwerk der ARA Bregenz oder der vor kurzem unter-

zeichnete Generalunternehmerauftrag für die Verpackungsgruppe CCL Label in Dornbirn stehen in den Auftragsbüchern. Innerhalb von sieben Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl über alle Standorte hinweg auf 1.200 verdoppelt. Dieses Wachstum macht nun Investitionen nötig: Am i+R Campus in Lauterach wird ein zweigeschossiger Büro-Neubau in Holzbauweise errichtet – insgesamt entstehen 100 zusätzliche Arbeitsplätze für bestehende und neue Mitarbeiter samt Besprechungs- und Schulungsräumen und Begegnungszonen.

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Unternehmen & Projekte

Holz-Installation im Wiener Museumsquartier

Vom Baum zum Haus  Mitten in Wien – genau genommen im Museumsquartier – konnte man bis Anfang Juni durch die Installation „woodpassage“ die Umwandlung vom Baum zum Haus sinnlich erleben. So skizzierte die „woodpassage“ mit einfachen Piktogrammen in 40 Stufen, Scheibe für Scheibe aus großen Holzblöcken herausgeschnitten die Umformung vom Baum zum Haus. Ziel der von proHolz Austria in Wien gezeigten Installation war es, diese Transformation als die Basis für Bauen mit Holz begreifbar zu machen sowie die damit verbundenen ökologischen Vorteile aufzuzeigen. Denn global ist der Bausektor für rund 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ein Kubikmeter Holz bindet eine Tonne CO2. „Gerade in Städten hat der Holzbau enormes Potential. Der Bedarf nach Wohnraum steigt, mit dem nachwachsenden Material Holz kann er klima- und ressourcenschonend errichtet werden. Bauen mit Holz in neuen Dimensionen vom mehrgeschossigen Wohnbau bis zum Hochhaus ist mittlerweile erprobt. Die Klimaziele erfordern CO2-Einsparungen insbesondere im Bausektor, Holz ist der wesentliche Schlüssel dazu“, so Richard Stralz, Obmann von proHolz Austria.

EasyHammer von Bosch

Aus Hanf und Holz

Handwerks-Multitalent

Der Kindergarten samt Hort am Hauderweg in Linz-Ebelsberg aus den 1980er Jahren musste geringfügig adaptiert und saniert werden. Die Architektin Petra Stiermayr, Projektentwicklerin beim Bauträger Immobilien Linz entschied sich für den Dialog bei der Integration von Alt- und Neubauten und entwarf ein zweigeschossiges L-förmiges Gebäude, das sich nahtlos an den Haupttrakt des Bestandsbaus anschließt. Ausgearbeitet wurde der Entwurf vom Linzer Architektenbüro mia2. Während einige erdnahe Teile in Stahlbeton ausgeführt wurden, bestehen die gartenseitigen Außenwände, das gesamte Obergeschoß und die inneren Trennwände aus Brettsperrholz. Zur Dämmung kam ein System von Capatect zum Einsatz. Dämmplatten aus Hanf sorgen für die ökologische, diffusionsoffene Außenwanddämmung. Damit zeigen die Verantwortlichen für diesen Bildungsbau ihre Verantwortung für die nachkommenden Generationen. Ein weiterer wichtiger Vorteil der Hanffassade ist der ausgezeichnete Schallschutz. Das ist speziell für Einrichtungen wie Kindergärten oder Horte ein großer Nutzen, um die Kinder vor Außenlärm zu schützen. Was die Farbgebung der Außenwände angeht, so ließ man sich vom rotbraunen Ziegeldach des Bestandsgebäudes inspirieren. Die Bildungseinrichtung hat nun mit dem Neubau Platz für insgesamt neun Hortgruppen, sechs Kindergartengruppen und zwei Krabbelstuben. Eingebettet in einem großzügigen Garten mit altem Baumbestand bietet der neue Komplex das ideale Umfeld für Kinder und Betreuende.

Beim EasyHammer 12V von Bosch ist der Name Programm: Das Multitalent macht es besonders auch Einsteigern im HeimwerkerBereich leicht, Löcher in diverse Materialien einschließlich Beton zu bohren sowie Schrauben einzudrehen oder zu lösen. Grundlage dafür ist sein innovatives Bedienkonzept mit einem einzigen Schiebeschalter zentral im Sichtbereich auf der Oberseite des Geräts: je nachdem, welches Symbol gewählt wird, hämmert, bohrt oder schraubt er. Dabei hilft der ins Bohrfutter integrierte 360°-LED-Lichtring die entsprechende Stelle, an der gehandwerkt werden soll, vollständig auszuleuchten. Ist die Arbeit getan, lädt man den EasyHammer 12V einfach per USB-Kabel.

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BauTecFokus

Fotos: Bosch, proHolz Austria/Redtenbache

Nachhaltige Dämmung


Kurz & Bündig > Materialien & Maschinen

Klema erweitert Kranflotte

Hohe Einsatzflexibiltät   Klema Kranverleih aus Oberschleißheim bei München hat einen neuen Liebherr-Mobilkran LTM 1110-5.1 übernommen. Der neue 110-Tonner erweitert den Fuhrpark des bayerischen Unternehmens. Die hohe Leistung und große Variabilität hinsichtlich Achslasten und Transportgewicht des LTM 1110-5.1 waren wichtige Entscheidungskriterien. Das Konzept des LTM 1110-5.1 ist sowohl auf hohe Leistung mit langem Teleskopausleger als auch auf hohe Mobilität ausgelegt. Er ist so leicht gebaut, dass er ein Gesamtgewicht von nur 48 Tonnen bei Achslasten unter 10 Tonnen erreicht. Trotz seiner gewichtssparenden Konstruktion übertrifft der LTM 1110-5.1 mit seinem 60 Meter langen Teleskopausleger die Leistung vergleichbarer Mobilkrane im Markt.

Riffel-Upgrade für Dünnwandschlauch

Optimierung  Das Produktsortiment des Dämmstoffherstellers Steinbacher ist um eine Weiterentwicklung reicher: Maßgeblich verbessert wurden der Dünnwand-Isolierschlauch steinoflex 445 (4 mm Dämmdicke) sowie der Abfluss-Isolierschlauch steinoflex 405 R (5 mm Dämmdicke). Beide Produkte – hergestellt aus Polyethylen – werden jetzt ganz neu mit innenliegender Riffelstruktur produziert, welche die Elastizität der Schläuche deutlich verbessert. Der Vorteil: Das oft beschwerliche Aufziehen auf Rohre – besonders bei Muffen und Bögen – lässt sich wesentlich einfacher bewerkstelligen.Ein weiteres Plus: Für den Abfluss-Isolierschlauch mit Riffelstruktur wurden die körperschalldämmenden Eigenschaften durch das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP bestätigt. Zusätzlich zur Produktverbesserung wurde die Kartongröße optimiert – jetzt können 18 Kartons pro Euro-Palette geliefert werden.

Pilotprojekt auf der Autobahn

Holz statt Alu  Die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) tauscht im Rahmen eines Pilotprojekts auf der A2 in der Steiermark und der A12 bei Imst in Tirol die herkömmlichen Verkehrsschilder aus Aluminium gegen solche aus Holz. Das Schild besteht aus Bambus, die Steher sind aus Accoya­ holz. Heimisches Holz für die Herstellung der Verkehrsschilder konnte die Normen hinsichtlich der Stabilität und Belastbarkeit nicht erfüllen. Bis zum Sommer 2022 soll nun evaluiert werden, ob die Schilder aus Holz Hitze, Kälte und Schnee unbeschadet überstehen. „Klappt alles so wie gedacht, könnten wir Schritt für Schritt ganz auf Holz und Bambus umstellen“, sagt ASFINAGProdukt- und Projektmanager Peter Rath.

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Unternehmen & Projekte

Bund & Land Kärnten

Baukultur

Griffner baut in Bio-Qualität

Hausbau  Als erster Fertighausspezialist in Österreich erhält Griffner die baubiologische Zertifizierung des internationalen Instituts für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN. Mit der „Bio Line“ setzt Griffner neue Maßstäbe im ökologischen und nachhaltigen Holzbau. Konkret bedeutet das unter anderem: Dämmung der Installationsebenen ausschließlich mit Schafwolle, Einsatz von biozidfreien Materialien, keine großflächigen Verleimungen, Verzicht auf PU-Schaum sowie Fußbodenaufbauten mit rein mineralischen Schüttungen. Dazu werden in den Schlafbereichen sämtliche Elektroinstallationen abgeschirmt, um Elektrosmog zu vermeiden. Angewendet werden kann die „Bio Line“ auf alle Griffner Haustypen mit Satteldach.

Rhomberg Bau entwickelt Funkhaus-Immobilie weiter

ORF-Funkhaus wird revitalisiert  Die Wiener Niederlassung von Rhomberg Bau startet im Bauteil D – dem Bauteil, der auch das Radiocafé beherbergt – mit der Revitalisierung und errichtet in der Argentinierstraße im vierten Wiener Gemeindebezirk 21 neue Wohnungen. Fast alle Wohnungen verfügen über Balkone, Loggien oder Terrassen. Abstellräume für Kinderwägen und Fahrräder sind ebenso eingeplant wie ein Spielraum für Kleinkinder. Die Modernisierung des Gebäudes in der Argentinierstraße 30 ist der Auftakt zur

Weiterentwicklung der Funkhaus-Immobilie. Geplant ist eine Nutzung, die eine Mischung aus Wohneigentum und Angeboten im Kulturund im Arbeitsbereich, also Kreativeinrichtung, Start-ups oder Investoren, vorsieht. Auch der ORF wird als Eigentümer des Kulturtrakts mit Radio-Sendesaal und Hörspielstudios weiter an Bord bleiben. Das Funkhaus in der Argentinierstraße ist das älteste Funkhaus in Österreich. Es wurde von 1935 bis 1939 unter Einbeziehung von älterer Bausubstanz errichtet.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Alice Godderidge ergänzt die Unternehmensspitze von Poloplast um Wolfgang Lux (CEO) und Konstantin Urbanides (CFO).

Die Architektin Ursula Schrott leitet seit Mai den Bereich Wohnbau beim österreichischen Premiumbauträger Glorit.

Immobilienmarkt-Expertin Brita Hombrecher wirkt seit 1. Juli an der strategischen Ausrichtung der baukult ZT mit.

News Ticker Standortsuche: Die Bio-Brennstoff, ein Tochterunternehmen der Baumit-Gruppe, beabsichtigt die Errichtung eines Vorzeigebetriebes der Kreislaufwirtschaft: der sogenannte „Upcycling Park“. Für das 50-Millionen-Euro-Projekt ist eine Fläche von 3,5 Hektar nötig.

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BauTecFokus

Fotos: Rhomberg Bau, ÖSTU-Stettin, Glorit, Poloplast, Jana Madzigon

Erstmals kooperieren der Bund und ein Bundesland im Bereich der Baukultur auf Basis abgestimmter Leitlinien. Die künftige Kooperation des Bundes mit dem Land Kärnten nimmt folgende drei Bereiche der Baukultur in den Fokus: die Stärkung der Orts- und Stadtkerne, die Abstimmung von Qualitätskriterien für die Vergabe öffentlicher Mittel und den Ausbau der baukulturellen Bildung und Vermittlung. „Baukultur ist jene Kulturform, die man am unmittelbarsten erlebt, weil der Raum, den wir um uns herum formen, letztendlich auch uns formt. Deshalb ist die aktive und breite Auseinandersetzung mit Baukultur so wichtig“, erklärt Wohnbaureferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, und betont, dass nach Erstellung der Baukulturellen Leitlinien für Kärnten das Qualitätskriterium „Baukultur“ in alle relevanten Förderschienen des Landes integriert wurde.


Kurz & Bündig > Hoch- & Tiefbau

Habau Group und Verbund beim Reißeck II plus

Klimafreundliches Unigebäude

Stollentaufe der Kraftwerkerweiterung Reißeck II plus

Biologiezentrum

Die Wasserkraftwerksgruppe Malta/Reißeck in Kärnten ist eine der größten ihrer Art in Europa. Nun feiert die Habau Group gemeinsam mit dem Verbund die Stollentaufe der Kraftwerkerweiterung Reißeck II plus. Das Auftragsvolumen beträgt 15,7 Millionen Euro. Das Kraftwerk, das zwischen den Speichern Großer und Kleiner Mühldorfer See gelegen ist, ist als sogenannte Kavernenanlage geplant – das bedeutet, dass sich sämtliche Einrichtun-

gen in einem in den Fels gesprengten Hohlraum befinden. „Die Lage im Hochgebirge bei über 2.200 Metern bedingt schwierige Witterungsverhältnisse und eine schwere Erreichbarkeit der Baustelle über eine 25 Kilometer lange Hochgebirgsstraße. Entsprechend gestalten sich auch Geräte-, Material- und Personaldisposition“, erklärt Martin Zmölnig, Geschäftsbereichsleiter für den Untertagebau bei der Habau-Tochter ÖSTU-Stettin.

Im Stadtviertel Sankt Marx in Wien Landstraße ist in den letzten drei Jahren ein neues Biologiezentrum entstanden. Mit Ende Mai hat die BIG als Bauherr und Liegenschaftseigentümer den Neubau fertiggestellt und an die Universität Wien übergeben. Ab dem Wintersemester 2021 werden 5.000 Biologie-Studenten und 500 Mitarbeiter der Uni Wien im Biologiezentrum ein- und ausgehen. Die Investitionskosten betrugen 146 Millionen Euro. Das Gebäude mit der markanten Fassade aus 400.000 Klinkersteinen wurde nach den Plänen der Berliner Architekten Karsten Liebner und Marcel Backhaus realisiert. Sie zeichnen in einer Arge mit Vasko+Partner für das neue Biologiezentrum verantwortlich. Bei der Planung des Biologiezentrums achtete man besonders darauf, ein klimafreundliches Universitäts- und Forschungsgebäude zu konzipieren. Das begann beim Grundriss, der so flexibel wie möglich geplant wurde. Die Größe der Räume kann angepasst werden, weil die Zwischenwände installationsfrei sind. Und erstmals wird in Wien bei einem Forschungsgebäude die Laborabluft zur Wärmerückgewinnung genutzt.

Energiespeicher unter der Erde

20 Millionen Euro für Holzbau

Drei Baufelder in Seestadt aspern

Sonnenspeicher

Förderung

Bieterverfahren

Im Leitprojekt „Underground Sun Storage 2030“ wird die Speicherung von erneuerbarer Energie in Form von Wasserstoff in unterirdischen, ehemaligen Erdgaslagerstätten entwickelt. Erneuerbare Sonnenenergie wird zunächst klimaneutral mittels Elektrolyse in grünen Wasserstoff umgewandelt und anschließend in reiner Form gespeichert. Bis 2025 werden unter Leitung von RAG Austria gemeinsam mit den Projektpartnern – Axiom Angewandte Prozesstechnik, Energie Oberösterreich, Energieinstitut an der Johannes-Kepler-Universität Linz, EVN, HyCentA Research, K1-MET, Technische Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien, Verbund, Verein Wiva P&G und voestalpine Stahl – Untersuchungen für die Energiezukunft durchgeführt.

Das Landwirtschaftsministerium vergibt 20 Millionen Euro Förderung für Holzbau. Mit der CO2-Bonus genannten Förderung soll der Ersatz anderer Baustoffe, bei deren Produktion CO2 freigesetzt wird, durch Holz unterstützt werden. Geld aus dem CO2-Bonus gibt es für Neu- und Ausbauten im mehrgeschoßigen Wohnbau sowie für Gebäude für öffentliche Zwecke in Holzbauweise, teilte Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) mit. Der nicht rückzahlbare Zuschuss beträgt einen Euro pro verbautem Kilogramm Holz, 10 Prozent Aufschlag gibt es, wenn zusätzlich Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet wird. Seit 1. Juli sind Einreichungen für die Förderung möglich. Der Waldfonds hat ein Gesamtvolumen von 350 Millionen Euro.

Drei Baufelder in Toplage kommen angrenzend an das in Bau befindliche Quartier „Am Seebogen“ im Norden der Seestadt zum Verkauf. Das Bieterverfahren „aspern urban Waterfront“ umfasst zwei herausragende Hochhausstandorte, Klimapioniergebäude mit Gewerbeanteilen, unmittelbar an der Seestadtpromenade am Nordufer des Asperner Sees. Das zweistufige Verhandlungsverfahren für die „aspern Manufactory“ an der nordöstlichen Sonnenallee und der Zufahrt zur Spange S 1 wird der Auftakt für die Entwicklung des nächsten Gewerbeschwerpunkts in der Seestadt. Die Verfahrensbegleitung für die Hochhausstandorte erfolgt durch die EHL Investment Consulting, die rechtliche Abwicklung durch EY Law – Pelzmann Gall Größ Rechtsanwälte.

Sommer 2021

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Unternehmen & Projekte

Elk Bau & Mitras Holding setzen auf Holz

Dachgleiche für Wohnpark

Leyrer + Graf feiert Spatenstich in Horn

Gesundheitszentrum

Unmittelbar in der Nähe von St. Pölten realisiert Elk Bau mit Mitras Holding das derzeit größte Holzbauprojekt Österreichs. In vier Bauphasen entstehen insgesamt 168 Eigentumswohnungen. Die 42 Wohnungen des ersten Wohngebäudes sollen bereits im Herbst 2021 an die neuen Eigentümer übergeben werden. „Dank Car-Sharing Angebot und einem großen Parkplatz, der am Rand der Siedlung konzipiert wurde, bietet der Wohnpark Ober-Grafendorf viel Lebensqualität“, zeigt sich Bürgermeister Rainer Handlfinger über die nachhaltige Wohnraumschaffung erfreut. Direkt neben der Wohnanlage wird ein rund 1.500 Quadratmeter großer Spielplatz errichtet.

HNP architects gestaltet zwei Objekte

Stadtentwicklung   Gleich zwei Gebäude – ein Büro- und ein Wohnhaus – gestaltet das Architektur- und Ingenieurbüro HNP architects in Wien Landstraße. Im neuen Stadtentwicklungsgebiet „Village im Dritten“ von ARE, UBM und dem Wohnfonds Wien entstehen bis 2026 in etwa 1.900 nachhaltige Wohnungen. Bereits im ersten Quartal 2021 wurde mit den Abbrucharbeiten der ehemaligen TU-Gebäudes begonnen, 2022 startet der Hochbau. Mit einer Gesamtfläche von circa elf Hektar zählt das Quartier „Village im Dritten“ zu den größten Österreichs. Auf den Bauplätzen 9A und 9B, Ecke Adolf-Blamauer-Gasse und Landstraßer Gürtel, entwarfen HNP architects ein Bürogebäude sowie einen Wohnbau. Der Wohnbau besticht vor allem durch leicht versetzte, weit auskragende Balkone, eine großzügige Verglasung und eine Vollwärmeschutzfassade. Für eine Wohlfühlatmosphäre sollen eine Vielzahl an Gemeinschaftsbereichen und ein zentraler Durchgang direkt in den Innenhof sorgen. Begrünte Dachterrassen und westseitig ausgerichtete Eigengärten sollen den Bewohnern zusätzlichen Freiraum bieten.

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BauTecFokus

Fotos: Leyrer + Graf, Christian Mikes, E&M Ober-Grafendorf, HNP architects Immobilienentwicklung

In der Hopfengartenstraße in Horn entsteht bis Herbst 2022 auf 6.000 Quadratmetern ein neues Gesundheitszentrum. Im Auftrag der Gesundheitsplatz Horn verrichtet Leyrer + Graf die Baumeisterarbeiten für das viergeschoßige Gesundheitszentrum inklusive Tiefgarage. Die Generalplanung erfolgte über Panis & Markom. Das Gesundheitszentrum soll mit der Fertigstellung ein breites Leistungsspektrum abdecken und eine entsprechende Versorgungssicherheit bieten. Besonderes Augenmerk wird bei diesem Bauprojekt auf eine nachhaltige und umweltgerechte Umsetzung gelegt. Darüber hinaus soll das neue Zentrum helle, barrierefreie Räumlichkeiten und eine gute Erreichbarkeit für alle Kunden und Besucher bieten.


Kurz & Bündig > Hoch- & Tiefbau

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SMARTES HEIMKOMMEN IM WOHNBEREICH Süba übergibt Wohnhausanlage in Wien

Klimaschonender Wohnbau  Bereits Ende Mai wurde der nachhaltige Wohnbau in der Urschenböckgasse 3 vom Bauträger Süba an einen neuen Investor übergeben. Der Gebäudekomplex verfügt über 121 Wohnungen, alle ausgestattet mit Freiflächen, sowie über eine Tiefgarage mit insgesamt 188 Stellplätzen. Zweigeschossige Maisonetten, großzügige Wohnungen bis 110 Quadratmeter, sowie kleinere Wohnungen bis zu 50 Quadratmeter bieten sowohl für Singles, junge Paare als auch größere Familien Platz. Die Energieversorgung erfolgt mittels Fernwärme. Im Sommer sorgen Tiefsonden und Wärmetauscher für eine passive Kühlung der Wohnräume. Die Energieversorgung der zentralen Haustechnikanlagen wird mittels Photovoltaikanlage am Dach sichergestellt. Bei der Planung des klimafreundlichen Wohnbaus wurden die Möglichkeit zur Solarstromspeicherung sowie zum Einbau von PKW-E-Ladestationen in der Tiefgarage ebenfalls berücksichtigt. Auch nach Fertigstellung des Objekts fungiert Immo Solutions als Asset Manager. Der Einsatz erneuerbarer Energie und der Verzicht auf fossile Energieträger ist auch der Hauptfokus in der SübaWohnhausanlage „EsslingLiving“ in der Rosthorngasse 5, im 22. Wiener Gemeindebezirk. Bei dem Gebäude mit 82 Wohneinheiten setzt der Bauträger in seinem Energiekonzept erstmals auf Betonkernaktivierung. Die für die Betonkernaktivierung nötigen Wärmepumpen werden zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbarer Energie betrieben.

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Sommer 2021

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Unternehmen & Projekte

Stromversorgung in Kärnten

Software in Verbindung mit BIM und NFC

Meilenstein

Premiere im Tunnelbau

Vor kurzem haben der Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) und der Verteilernetzbetreiber KNG-Kärnten Netz die 220/110-kV-Netzabstützung Villach Süd offiziell in Betrieb genommen. Rund 80 Millionen Euro haben beide Projektpartner in dieses Projekt investiert. Mit Inbetriebnahme soll nun die sichere und ausreichende Stromversorgung des Großraumes Villach in den nächsten Jahrzehnten gewährleistet sein. „Diese offizielle Inbetriebnahme bezeichnen wir als Meilenstein für die Stromversorgung in Kärnten“, sagt Kelag-Vorstandssprecher Manfred Freitag. „Die 220/110-kV-Netzabstützung Villach ist die erst dritte Netzabstützung dieser Art in Kärnten und wir haben sie in jener Region errichtet, die am meisten Strom braucht und die sich dynamisch entwickelt.“ Die 220/110-kV-Netzabstützung Villach verbindet das 110-kV-Netz mit dem europäischen Verbundnetz.

Erstmals wurde die PlanRadar-Software in Verbindung mit BIM und NFC beim Tunnelbau eingesetzt. Und zwar für ein Projekt am Flughafen Salzburg. Um Bauwerksdokumentation, Schadensbegutachtung oder Mängelbegehungen bei größeren Tunnelprojekten zu gewährleisten, werden entlang des Tunnels sogenannte NFC-Tags angebracht. Sie helfen unter anderem bei der eindeutigen Positionierung bestimmter Bauteile. Solche Tags können aber auch für ultrapräzise Ortungen platziert

werden. Das ermöglicht das Verfolgen standortspezifischer Begebenheiten. Die Tags sind extrem langlebig und halten Wasser, Hitze und extremen Bedingungen stand. Zusätzlich können dank BIM-Technologie sämtliche Bauteile in der App abgebildet werden. Das erleichtert die Dokumentation enorm. Schadstellen an Bauteilen können so digital dokumentiert und am entsprechenden Ort ein NFC-Tag angebracht werden. Dazu braucht es lediglich ein NFC-fähiges, mobiles Endgerät.

Recycling-Lösung

Mit Rockcycle Austria bietet Rockwool bereits seit Mitte 2020 einen kostenpflichtigen Rücknahme- und Recycling-Service für Rockwool Dämmstoffe an. Dabei werden die Steinwolleabfälle mit Hilfe von Entsorgungspartnern zur Wiederverwertung in eines der Rockwool Werke in Deutschland geliefert. Im Werk werden die Steinwolleabfälle gesammelt, aufbereitet und sukzessive dem Produktionsprozess wieder zugeführt. Um die Transportmengen zu optimieren, sollte eine Mindestmenge von drei Tonnen gebündelt werden. Eine Kleinmengenlösung für die Wiederverwertung von Verschnitt befindet sich derzeit in der Testphase und soll im Lauf des Jahres österreichweit ausgerollt werden.

People in Motion - People in Motion - People in Motion

Christian Göres verantwortet ab Mai 2021 als Verkaufsleiter den Bereich Technische Isolierung bei Saint-Gobian Österreich. Gemeinsam mit Maximilian Fetz als Fachberater ist er Ansprechpartner für Planer, Verarbeiter und den Fachhandel.

Andreas Leobacher übernimmt die Leitung der Steiner Haus­technik und löst damit Bernhard Zwielehner ab.

News Ticker FCP Innovationspreis: Die TU Wien und FCP verliehen im Rahmen einer akademischen Feier der Fakultät für Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Wien den FCP Innovationspreis. Die Gewinner sind Christoffer Vida und Nadia Gremer.

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BauTecFokus

Fotos: Frauenthal Handel Gruppe, PlanRadar, Wien Energie, GC Gruppe, Saint-Gobain Isover

Rockcycle Austria


Kurz & Bündig > Praxis & Lösung

Sonnenenergie für alle

Bürger-Solarkraftwerk  In der Wiener Donaustadt an der Schafflerhofstraße steht Österreichs größte Photovoltaik-Anlage. Mit 11,45 Megawatt Leistung kann das Solarkraftwerk umgerechnet rund 4.900 Haushalte mit Sonnenstrom versorgen. Von diesem Ausnahme-Projekt sollen ab sofort alle Wienerinnen und Wiener profitieren können. Interessierte können sich ab sofort ihren eigenen Anteil in Form von Gutscheinpaketen sichern und damit nicht nur den weiteren Ausbau von Photovoltaik in der Stadt unterstützen. Die aktuelle Produktion der Anlage und damit der Status zur Vergütung ist jederzeit live über eine neue Online-Plattform abrufbar. Teilnehmer am Bürger- und Bürgerinnen-Solarkraftwerk erhalten hier einen personalisierten Zugang. Die Plattform wurde gemeinsam mit Riddle&Code Energy Solutions entwickelt und basiert auf Blockchain-Technologie. Mit Hilfe von Blockchain wurde die gesamte Photovoltaikanlage digitalisiert und jedes Modul mit einer eindeutigen Identität versehen. Damit ist die Erzeugung völlig transparent. „Das stärkt das Vertrauen in das Produkt Strom“, ist Michael Strebl, Vorsitzender der Wien EnergieGeschäftsführung überzeugt.

Neue Sport Arena Wien

Multifunktionale Arena

Temporäres Lager & Büro

Container-Service   In Kooperation mit Containex bieten SHT, ÖAG und die Kontinentale ihren Kunden ab sofort verschiedene Miet-Container an. Im Programm sind Materialcontainer, Mannschaftscontainer und WC-Container. Dabei machen die Container in zwei Größen (10 und 20 Fuß) und in verschiedenen Ausstattungsvarianten die Baustellenorganisation sicher, flexibel und effizient. Dragan Skrebic, Gesamtverantwortlicher für Vertrieb & Marketing bei Frauenthal, über die vielen Vorteile des neuen Angebots: „Es gibt nur einen Ansprechpartner von der Baustelleneinrichtung bis zur Warenanlieferung. Nach Abstimmung mit unserer Logistik bestücken wir Container sogar über Nacht.“ Der Zugang erfolgt via Chip.

Das legendäre Wiener Dusika-Stadion im zweiten Bezirk kommt weg, entstehen wird ein Neubau, der Sport Arena heißen soll. Den Wettbewerb für das 50-Millionen-Projekt holte sich das Wiener Architekturbüro Karl und Bremhorst. Geplant ist ein Bau, der sich aus drei Hallen in verschiedenen Ebenen zusammensetzt. Die Hallen sind unabhängig voneinander bespielbar und bieten eine ausgewogene Mischung aus Trainings- und Veranstaltungsstätte. Herzstück des Projekts ist eine multifunktionale Sporthalle mit Schwerpunkt Ballsport (Hand-, Volley– und Basketball sowie Hockey und Badminton), die je nach Bedarf als Veranstaltungs- oder reine Trainingshalle dient. Rund 3.000 Sitzplätze können je nach Bedarf ein- oder ausgefahren werden. In der Dachkonstruktion ist eine Trainingshalle vorgesehen. In der dritten Halle befindet sich ein Functional Fitness sowie ein Cardio- und Krafttrainings-Bereich. Die Trainingshallen können modulartig an die jeweilige Sportart angepasst werden und decken damit die Nachfrage nach zusätzlichen Trainingszeiten ab. Das Gebäude soll den modernsten Kriterien zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz entsprechen und wird als hochwärmegedämmtes Energiespargebäude konzipiert. Es soll fast ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Dadurch ist es möglich, ein nahezu energieautarkes Gebäude zu betreiben, so die Ansage der Stadt. Dazu sind Photovoltaik und Wärmepumpen vorgesehen. Der Baustart ist für 2022 geplant.

Sommer 2021

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Unternehmen & Projekte

Smatrics erweitert Ladenetz

E-Mobilität  Der E-Mobilitätsdienstleister Smatrics und Tiroler Wasserkraft (Tiwag) vernetzen ihre Ladesysteme und ermöglichen damit ihren Ladekunden eine Erweiterung des Ladenetzes. Die Tiwag, die seit 2014 rund 2,5 Millionen Euro in den Ausbau des Tiroler Ladenetzes investiert hat, bietet an rund 90 Standorten mehr als 400 öffentlich zugängliche Ladepunkte an. Smatrics EnBW bringt ein österreichweites Netz mit mehr als 500 Ladepunkten – davon 300 mit 50 – 300 kW (Kilowatt) – in die Kooperation ein. Dazu kommen noch weitere 2.500 Ladepunkte, die das Mutterunternehmen Smatrics für Unternehmenskunden wie beispielsweise die ÖBB managt. „Smatrics EnBW besitzt Österreichs größtes High-Power-Ladenetz, welches wir 2021 weiter ausbauen werden. Zu den aktuell 500 Schnellladepunkten kommen bis Ende des Jahres 100 Ultra-Schnellladepunkte mit 300 kW entlang von Autobahnen und im innerstädtischen Bereich hinzu“, erklärt Smatrics Geschäftsführer Hauke Hinrichs. Mit der Smatrics Ladekarte haben Kunden Zugriff auf das gesamte Smatrics EnBW Ladenetz, auf über 5.000 Ladepunkte von Partnern in Österreich sowie auf über 40.000 internationale Ladepunkte.

Würth sponsert EuroSkills 2021 in Graz

Lichtlösung

Nachwuchsförderung

Bereits von außen zeigt sich die klare, lineare Struktur des neuen Headquarters von Kaufmann Bausysteme in Reuthe, Vorarlberg. Der von Johannes Kaufmann Architektur, NKBAK Architekten und sps architekten entworfene Modulbau spiegelt Flexibilität und Nachhaltigkeit wider. Im Rahmen des Neubaus arbeitete Zumtobel eng mit dem Hersteller von Deckensystemen, Haufe, zusammen: Die Lichtlösung wurde speziell auf die flächentemperierte Lamellendecke angepasst und so in die Architektur integriert. Das 54 Meter lange Gebäude, das sich über zwei Geschosse erstreckt und aus insgesamt 32 Einzelmodulen besteht, wurde in Rekordzeit fertiggestellt: Die reine Bauzeit betrug dank der Modulbauweise gerade einmal ein halbes Jahr. Das Gebäude greift nicht nur in seinem Gestaltungskonzept die Themen Nachhaltigkeit und Natürlichkeit auf – diese Ansätze wurden auch in der Gebäudeausstattung konsequent fortgeführt. So wird die Wärmeerzeugung durch Erdwärme realisiert und das intensiv begrünte Dach verfügt über eine Photovoltaikanlage.

Das Unternehmen Würth unterstützt die internationalen Berufseuropameisterschaften EuroSkills, die von 22. bis 26. September 2021 erstmals in Österreich stattfinden. Bei Berufswettbewerben auf nationaler wie internationaler Ebene stellen junge Menschen in ihren Berufen ihr Können unter Beweis. Alle zwei Jahre treffen dann die Besten der Besten aufeinander und zeigen ihre Leistungen alternierend bei der EuroSkills oder WorldSkills. Wie die Jahre zuvor unterstützt Würth das Team Austria bei den Wettbewerben. In Graz übernimmt das Unternehmen erstmals die Rolle des Diamant Sponsors. Dabei wird die Veranstaltung großangelegt unterstützt und zusätzlich der Wettbewerbsbereich mit Montageund Befestigungsmaterial, Werkzeugen, Maschinen und Betriebseinrichtung von Würth ausgestattet. „Als Sponsor der EuroSkills 2021 setzen wir ein klares Zeichen

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BauTecFokus

für die Zukunft des Handwerks. Wir wollen gemeinsam dazu beitragen, dass das Handwerk ins Rampenlicht gerückt wird und junge Menschen für attraktive Lehrberufe gewonnen werden. Eine solide Ausbildung in einem handwerklichen Beruf bietet viele Chancen für die Zukunft und es ist beeindruckend, welche Spitzenleistungen die jungen Fachkräfte bei den Wettbewerben erbringen“, bringt Willi Trumler, Geschäftsführer Würth Österreich, das Engagement auf den Punkt.

Fotos: Würth, Smatrics

Zumtobel & Kaufmann Bausysteme


Kurz & Bündig > Praxis & Lösung

Energiesparmesse

Eisring Süd in Wien

Holter: Reklamationsmanagement

Goes digital

Grüne Energie

Besserer Service

Es steht fest: Die zwischen 4. und 6. März 2022 stattfindende Webuild Energiesparmesse Wels wird als Hybridevent über die Bühne gehen. Das sogenannte „digitale Plus“ der Messe beinhaltet gleich mehrere Komponenten im Sinne eines digitalen Ausstellungsraums für alle Aussteller. In diesem können sie vor, während und nach der Messe ihre Produkte und Lösungen präsentieren. Zusätzlich soll es ein digitales Messeticket geben. Damit sammelt die Messe eine große Menge Daten und weiß so, wo die Besucher waren. Das erleichtert die zielgruppengerechte Kontaktaufnahme seitens der Aussteller nach der Messe – selbstverständlich nur, wenn der Besucher zustimmt, denn das System soll laut Veranstalter DSVGO-konform sein.Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Messe im Frühjahr so gut besucht sein wird wie die Jahre zuvor.

Derzeit werden rund 500 neue Wohnungen um die Wiener Sportanlage auf dem Areal des ehemaligen Außen-Eisschnelllauf-Ringes, das auch weitere nicht mehr genutzter Sportflächen umfasst, errichtet. Für die Planung und das Nutzungskonzept bleibt der Sport maßgeblicher Schwerpunkt. So wurden die in die Jahre gekommenen Anlagen mit einer Eisfläche von insgesamt 3.600 Quadratmetern in der Halle und im Freien im Zeitraum Juni 2019 bis November 2020 auf den neuesten technischen Stand gebracht, die Sport- und Funhalle gänzlich neu errichtet. Bei der Neugestaltung setzte der Generalplaner Raumkunst ZT auf ein nachhaltiges Energiekonzept: Die Abwärme aus dem Eisaufbereitungsprozess wird zu 100 Prozent für Raumheizung und Warmwasserbereitung verwendet. Das spart jährlich bis zu 226 Tonnen CO2.

Mit Juli startete der Sanitär- und Heizungsgroßhandel Holter mit Sitz in Wels seine neue Abteilung für Reklamationsmanagement. Erklärtes Ziel ist es, den Installateurpartnern so einen besseren Service anzubieten. Dazu zählt einerseits die fachkundige Auskunft durch einheitliche Ansprechpartner und andererseits die rasche Bearbeitung der Kundenwünsche. Dafür wurden in den vergangenen Monaten firmeninterne Prozesse optimiert und das Reklamationsteam zusammengestellt. Mit Hilfe derer sollen die Anliegen in Zukunft schnell und effizient geklärt werden. Somit entspricht die neue Fachabteilung auch den gestiegenen Serviceanforderungen der Installateurpartner. Im Rahmen einer Kundenbefragung, die im Herbst 2020 vom market Institut im Auftrag von Holter durchgeführt wurde, wünschten sich die Befragten noch mehr Dienstleistungen in diesem Bereich.

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Sommer 2021

Karin Zufall, Sachbearbeiterin

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Umsteiger ImFokus

Umstieg in der Branche Immobilienkarriere. Sandra Bauernfeind wechselt nach mehr als 13 Jahren bei der EHL Gruppe in die Geschäftsführung der Heimat Österreich und damit in die Bauträgerbranche. Sie ist Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI) und Lektorin an der FH Wien beziehungsweise der FH Wiener Neustadt.

1 1998

4 2007

Sandra Bauernfeind absolviert das Studium der Raumplanung und Raumordnung an der TU Wien, das sie 1998 mit einem Diplomingenieur abschließt.

Es erfolgt der Wechsel zu EHL, wo die Immobilienexpertin die Leitung des Bereichs Wohnimmobilien übernimmt.

2 2001

Bauernfeind erhält den Cäsar – Makler 2012, im Jahr 2014 folgt ein Cäsar – Real Estate Service.

8 2021

Bauernfeind wechselt in die Bauwirtschaft und übernimmt die Geschäftsführung des Bauträgers Heimat Österreich.

8 5 2012

Bauernfeind übernimmt die Projektleitung Bauwirtschaft bei der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW).

7

6 5 4 2

3

1

6 2014

Es erfolgt der Aufstieg in die Geschäftsführung der EHL.

3 2004

Die Raumplanerin wechselt zur Constantia Privatbank und übernimmt dort das Asset Management Immobilien.

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BauTecFokus

7 2018

Bauernfeind wird geschäftsführende Gesellschafterin der EHL Wohnen.


Projekt ImFokus

2025

Im bayerischen Aschheim wird ein neuer Schulcampus in Holzhybridbauweise und nach dem Effizienzhaus-Plus-Standard errichtet. Der Baustart ist für den Herbst 2022 geplant, die Fertigstellung für 2025. Drees & Sommer übernimmt die Projektsteuerung.

30.000

Die Gemeinde Aschheim liegt im Landkreis München, östlich der Stadt München. Das Grundstück, auf dem der Campus entstehen soll, ist 30.000 Quadratmeter groß und grenzt an das Gewerbegebiet, ein Freizeitgelände und einen Sportpark an. Nach Süden hin könnte das Gelände später um eine Grund- oder Fachoberschule erweitert werden.

Fotos: Köhler Architekten + beratende Ingenieure

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1.900

Neben einer Dreifachsporthalle für das Gymnasium soll auf dem Campus auch eine Schulschwimmhalle angesiedelt werden. Diese bietet Platz für zwei Becken, eines davon 25 Meter lang und fünf Bahnen breit.

4

Der Gewinnerentwurf von Köhler Architekten + beratende Ingenieure sieht vier zum Teil über Brücken verbundene Gebäude vor, die sich als Quader versetzt über das Areal verteilen und den Bestandsbau der jetzigen Realschule mit seiner schiffsartigen Form eingliedern.

Auf dem neuen Campus können bei voller Auslastung künftig bis zu 1.900 Kinder und Jugendliche zur Schule gehen: 1.000 Plätze bietet das neue Gymnasium, 900 die erweiterte St.-Emmeram-Realschule. Die insgesamt 72 Klassenzimmer sollen je 70 Quadratmeter groß sein.

200

Das schulische Konzept des Gymnasiums Aschheim folgt dem „Lernhausprinzip“. Das bedeutet, dass pro Jahrgangsstufe eine Lernlandschaft mit circa 200 Quadratmeter entstehen soll. Außen herum reihen sich vier Klassenräume, Teamräume für Lehrer, Abstellräume und Toiletteneinheiten.

237

4.104

Auf 11.000 m² Dachfläche werden 4.104 Photovoltaik-Module installiert. Die Photovoltaikanlage ergibt eine Generatorleistung von 1,65 MWp. Damit kann sich der Campus selbst versorgen und zusätzlich noch Strom in das öffentliche Netz speisen. Zusätzlich werden die Dachflächen begrünt.

Die geplante Geschäftsstelle für den Zweckverband wird circa 237 Quadratmeter umfassen und neben Büro-, Aufenthalts- und Küchenräumen über zwei Besprechungszimmer sowie Sanitärund Technikbereiche verfügen. Auch eine Hausmeisterwohnung und zwei Appartements für Lehrkräfte sind geplant.

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Top Deal ImFokus

(v.l.n.r.) Wolfgang Kradischnig (Delta), Maria Dietrich (CMb.industries), Peter Steurer (Soravia), Wolfgang Gomernik (Delta), Chris Müller (CMb.industries), Ingo Huber (Delta) und Erwin Soravia (Soravia)

Delta steigt bei CMb.industries ein Siebenstellige Investition. Delta stärkt mit dem Investment ihr Portfolio. Gleichzeitig verpartnert sich das Unternehmen mit dem Immobilienkonzern Soravia.

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BauTecFokus

Ganzheitlicher Partner

„Wir sind ganzheitlicher Dienstleister im Hochbau, kreativer Gebäudedenker und der richtige Partner, um innovativen Ideen Raum zu geben. Von Beginn an dürfen wir Atmos begleiten und dieses Pionierprojekt mitformen“, so Wolfgang Kradischnig, Geschäftsführer der Delta Holding. „Im Verbund mit CMb.industries und Soravia wollen wir durch kooperatives, verlässliches und vorausschauendes Handeln unsere Vorreiter-Position im Bereich zukunftsweisender Technologien ausbauen und einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Wir erhalten somit Know-how über Sensorik und Satellitentechnik und dehnen die Betrachtung aus – vom Fundament bis ins Weltall. Unsere Vision ist das Schaffen von fühlenden Gebäuden und sensitiven Städten mittels IoT.“ Maria Dietrich, seit Gründung der CMb.industries 2016 COO, wird neue Gesellschafterin und bildet weiterhin als Prokuristin neben Chris Müller und Ingo Huber, Miteigentümer der Delta Gruppe, die neue Geschäftsführung.

Foto: Delta

C

Mb.industries entwickelt und berät Greenfield-, Brownfieldsowie Spezial-Projekte mit spezifischer Ökologie für internationale Kunden. Dieses Know-how hat sich Delta nun strategisch eingekauft. Zukünftig sollen damit auch Spezialprojekte, wie etwa Atmos Research&Resort, umgesetzt werden. „Dazu braucht es, neben dem passenden Mindset und einem permanenten Streben, eine Vielzahl von Skills, Disziplinen, agile Prozesse und einen Ort der Ermöglichung“, so Chris Müller, CEO und Mitgründer von Atmos Aerosol Research, die sich auf das Messen von Luftqualität und deren gesundheitliche Auswirkungen spezialisiert hat. „Wir sind stolz, mit der Delta Gruppe einen optimalen Umsetzungs-Partner gefunden zu haben, mit dem wir nun auch ein europaweit einzigartiges Projekt starten: das Department of Disruptive Disciplines in der Grand Garage der Tabakfabrik Linz.“ Atmos Resort&Research ist ein Kernprojekt von CMb.industries und wurde von Soravia, als auch Delta von Anfang an unterstützt.


Start-up ImFokus

Roman Erler, Gründer & CEO Naturefloor Gründung

Das ökologische Start-up Unternehmen wurde 2019 von CEO Roman Erler und seiner Frau Anja ins Leben gerufen.

Gründer

Roman Erler arbeitet seit 2004 bei der Firma Fertighaus Erler und seit 2019 leitet er die Firma Naturefloor.

Ökologische Trockenschüttung und Fußbodenaufbau Styroporersatz. Ein Start-up aus Ried im Innkreis bietet eine Alternative: Die Naturefloor Trockenschüttung wird aus Forstabfällen erzeugt, wobei Holzhackgut mit Lehm ummantelt und getrocknet wird. Der gesamte Prozess von der Herstellung bis zur Entsorgung ist ökologisch und umweltschonend.

Fotos: Naturefloor, Merl

J

etzt, wo Styropor schwer zu bekommen ist und die Erfüllung der ESG-Kriterien immer mehr in den Fokus rückt, bietet ein oberösterreichisches Start-up eine interessante Lösung für Trocken- und NassEstrich-Aufbauten mit und ohne Fußbodenheizung an. Genutzt werden dabei das nicht brauchbare Feinmaterial des Holzhackguts für Fernwärme und Holzabfälle aus der Forstwirtschaft, Käferbäume oder Bäume aus Windwürfen für die Herstellung der Späne. Diese werden mit einem gewissen Lehm- und Wasseranteil ummantelt, mit einem Bandtrockner getrocknet und danach in wiederverwendbare 40 Liter Papiersäcke oder Big Bags gefüllt.

Eigenschaften

Die Methode, dass Lehm im trockenen Zustand Holz schützt, beruht auf seiner Gleichgewichtsfeuchte von drei bis fünf Prozent. Dadurch wird den pflanzlichen und tierischen Schädlingen die Lebensgrundlage entzogen. Durch die Kantigkeit des Materials ist eine hohe Formstabilität im eingebauten Zustand gegeben. Die Schüttung ist druckbelastbar und gewährleistet gute Schallschutzwerte. Die Ummantelung mit Lehm setzt zudem die Brennbarkeit herab. Die Naturefloor Schüttung eignet sich für Decken und Fußböden und kann sowohl für den Trockenaufbau gemeinsam mit Lithotherm als auch für den NassEstrich-Aufbau verwendet werden.

Umsatz

Umsatzerwartung 2021: 200.000 Euro, Tendenz steigend.

Mitarbeiter 3

Die Meinung des Profis Nischenanwendung mit Potential. Zur faktenbasierten Bewertung braucht es Daten über die technischen Eigenschaften, die quantitativ nachhaltige Verfügbarkeit, die Kosten und die Ökobilanz über den gesamten Lebenszyklus. Eine Bewertung ist ohne vorliegende Daten nicht möglich, damit entfällt die übliche Vergabe von Punkten.

Adolf Daniel Merl Co-Founder & Managing Director, Daxner & Merl Nachhaltigkeitsexperten

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Problemlöser ImFokus

Torsten Becker

Dreamer & Innovator carbonauten

1. DAS PROBLEM

Damit das 1,5 Grad-Ziel erreicht werden kann, muss der Atmosphäre aktiv CO2 entzogen werden. Dazu identifiziert das Mercator-Institut geeignete sechs Technologien, darunter auch zwei ökologisch und ökonomisch sinnvolle: Aufforstung und Biokohlenstoffe aus Biomasseresten. Die Industrie steckt in dem Dilemma, dass quantitatives Wachstum zwangsweise zu Lasten der Ressourcen, Natur und Gesellschaft geht. Zudem sind biobasierte Lösungen in der Regel teurer und nicht in der erforderlichen Menge verfügbar.

carbonauten hat ein System für die Bauindustrie entwickelt, das CO2-Emissionen und Kosten senkt. Es umfasst die Herstellung der in vielerlei Hinsicht innovativen Materialkategorie NET-Materials® (Negative Emission Technologie), einer Kombination von CO2-senkenden Biokohlenstoffen aus Biomasseresten mit verschiedenen Bindern wie Polymeren, Biopolymeren, Silikaten und Mineralien. Die Biokohlenstoffe werden aus biogenen und industriellen Reststoffen durch pyrolytische Karbonisierung hergestellt. Sie sind auch geeignete Zuschlagstoffe für Beton, Asphalt und Ziegel. Als Nebenprodukt entsteht bei der Pyrolyse grundlastfähige Erneuerbare Energie. Die Skalierung ist ab 2022 durch weltweit entstehende, dezentrale und technologisch identische Standorte gewährleistet. Diese sind die Grundlage für die Reduzierung von Klimagasen im Bereich von Gigatonnen.

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BauTecFokus

3,3 DIE ZAHL 1 Tonne Biokohlenstoff speichert dauerhaft das Äquivalent von 3,3 Tonnen CO2. Ein Basisproduktionsstandort erzeugt circa 6.000 Tonnen Biokohlenstoffe beziehungs­ weise Zertifikate für 18.000 Tonnen CO2. carbonauten planen hunderte dezentrale Standorte.

Foto: carbonauten

2. DIE LÖSUNG


Aufsteiger Absteiger

Doka mit neuem CEO Aufstieg. Mit 1. Juli übernimmt Robert Hauser (51) den Vorsitz der Geschäftsführung des international agierenden Unternehmens für Schalung und Gerüste. Er folgt Harald Ziebula nach, der sich nach 21 Jahren bei Doka in den Ruhestand begibt.

1 1990

Robert Hauser inskribiert für das Studium der Physik an der Universität Heidelberg und schließt dort seinen Bachelor ab.

2 1995

Hauser absolviert das Masterstudium der Physik an der Technischen Universität in München.

5 2003

Umfassende Erfahrung im Schalungsgeschäft sammelt Hauser in unterschiedlichen Rollen bei Peri. Dazu zählen Aufgaben in der Zentrale wie Aufbau und Leitung des Inhouse Consultings sowie Leitung von Controlling und IT. Durch die Regionalleitung für die Region Mittlerer Osten und Afrika, für Süd- und Westeuropa sowie die Geschäftsführung der kanadischen Niederlassung übernimmt er darüber hinaus Vertriebsaufgaben direkt beim Kunden. Insgesamt ist Robert Hauser zwölf Jahre bei Peri.

8 2021

Hauser übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung von Doka.

8 7

6 3 1997

Hauser geht nach New York und erwirbt an der Columbia Business School einen MBA im Studienfach Business Administration.

2

3

1

5 4

6 2015

Hauser ist beim Industriedienstleister Bilfinger als Divisionsleiter beschäftigt und zeichnet dort unter anderem für den Bereich Gerüstbau verantwortlich.

Foto: Doka

4 1998

Der gebürtige Deutsche arbeitet fünf Jahre für die internationale Unternehmensberatung McKinsey & Company. Dort zeichnet er für Projekte in Deutschland, den USA, Portugal, Argentinien und Brasilien verantwortlich. Er führt ein Team von sechs Beratern.

7 2018

Hauser startet seine Karriere bei Doka. Seit vergangenem Jahr ist er Mitglied der Geschäftsleitung mit Verantwortung für die Regionen Middle East & Africa sowie East Asia & Pacific.

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Positionen & Meinungen 72

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COVERINTERVIEW

BLACKOUT

Payuca-Geschäftsführer Dominik Wegmayer erzählt im Interview über die Zukunft des Parkens, wie man Leerstände in Garagen effizient nutzen kann und welche Lösungen den Hausverwaltungen die Verwaltung von Dauerparkern erleichtern sollen.

Wenn es finster wird und finster bleibt. Sich ständig erhöhender Stromverbrauch, veraltete Leitungen, geringe Speichermöglichkeit und Hackerangriffe: Ein längerfristiger Stromausfall wird immer mehr zum realistischen Schreckgespenst.

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ZU TISCH MIT ... Alexander Pongratz, Geschäftsführer des gleichnamigen Grazer Bauunternehmens, bricht im Interview eine Lanze für den Massivbau und erzählt über hohe Umplanungskosten aufgrund des Mangels an verfügbaren Baustoffen.

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BauTecFokus


INNOVATION HUB

IHR NEUES BÜRO IM HERZEN VON FLORIDSDORF www.twentyone.immo

INNOVATION HUB

TWENTYONE IM ÜBERBLICK

INNENANSICHT

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Positionen & Meinungen

Die Zukunft des Parkens Parken polarisiert. Angefeuert durch das zukünftig flächendeckende Wiener Parkpickerl, Leerstände in Garagen und Parkplatzvernichtung durch Umgestaltungen wird der Parkplatz immer mehr zum heißen Eisen. Ein Wiener Start-up bietet mit digitalen Lösungen überraschend einfache Auswege, das Auto günstig abzustellen. Das Gespräch führte: Lisa Grüner

Wie kam es zur Idee von Payuca? Dominik Wegmayer: Zwei meiner Mitgründer hatten eine Initialzündung. Einer wurde beauftragt, den Stellplatz einer älteren Dame zu vermieten und der zweite ist ein Business Serviced Apartment-Anbieter, der sehr kurzfristig Bedarf an Parkplätzen für seine Gäste für die Zeit ihres Aufenthalts hat. Das führte uns zu einer Recherche, die ergab, dass es viele Leerstände von Parkplätzen in Wohngebäuden, Garagen und Hotels gibt. Wir haben dann versucht, alle Prozesse zu einer kurzfristigen Anmietung zu digitalisieren, also die Suche, das Finden und die Bezahlung etc. Gescheitert sind wir dann bei den Zugangsmedien, um in die Garage zu kommen. Da sind hauptsächlich Schlüssel und Funksender im Einsatz.

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BauTecFokus

Wie ging es dann weiter? Wir haben begonnen, eine Hardware zu entwickeln, um es dem Kunden einfacher zu machen, die Garage zu nutzen. Ohne Schlüssel und Funksender. Wie kam es zur Gründung? Wir haben mehrere Studien analysiert, unter anderem eine der Stadt Wien, laut der über 17.000 Plätze in Dauerparkgaragen leer stehen. Demgegenüber steht die Nachfrage von potenziellen Kurzzeitmietern. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter von Vienna Residence waren wir dann zu viert und haben Ende 2015 gegründet. Jetzt sind wir dabei, unsere Vision, das Parken abseits der Straße möglich zu machen, umzusetzen.


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Positionen & Meinungen

„Unsere Vision ist es, die führenden Lösungen zu schaffen, um Parken abseits der Straße so einfach wie möglich zu gestalten.“ Dominik Wegmayer, Payuca

Wie entstand der Name Payuca? Der Name ist eigentlich eine Abkürzung und leitet sich von „park your car“ ab. Das Unternehmen hat sich ja sehr schnell entwickelt … Unser Team besteht mittlerweile aus 23 Mitarbeitern, meinem Bruder und mir. Was sind Ihre Hauptprodukte? Einerseits Smart Revenue beziehungsweise Smart Parking, die Kurzzeitvermietung und andererseits Smart Access, mit der wir die Dauerparkplatzverwaltung bedienen. Was ist Smart Access? Unsere Lösung für den Geschäftskundenbereich, die den Liegenschaftsverwaltern das Leben vereinfacht. Hier wird die komplette Administration aller Parkgaragennutzer, also auch der Dauerparker, über ein praktisches Dashboard angeboten. Dabei wollen wir ganz weg von Schlüsseln und Funkhandsendern hin zu einer komplett digitalen Lösung. Viele Hausverwaltungen managen die Verwaltung

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BauTecFokus

der Dauerparker noch über ein Excelsheet. Wie viele Schlüssel und Funksender im Umlauf sind, weiß keiner so genau. Mit Smart Access können Nutzergruppen eingerichtet werden, eine Kennzeichenverwaltung schützt vor Missbrauch und Zugangsberechtigungen können per Klick erteilt und auch entzogen werden. Das spart viel Zeit und Verwaltungsaufwand.

Welche Lösung bietet Payuca dem Endkonsumenten? Garageneigentümern beziehungsweise verwaltern bieten wir mit Smart Revenue eine Lösung zur Leerstandsverwertung an. Sie stellen ihre leeren Parkflächen zur Verfügung, wir übernehmen die Installation der Zugangshardware und bringen eine Beschilderung im Innen- & Außenbereich an. Die User können


mithilfe der Smart Parking App nach einem freien Parkplatz suchen und diesen buchen. Diese sind über die App, in der sie Name, Handynummer und Kennzeichen eingeben, verifiziert. Der Parkvorgang startet mit der Handy-App. Über 25.000 registrierte User können mit Payuca in Wien und Umgebung in 60 unserer Partnergaragen nach einem freien Parkplatz suchen.

Sie haben auch Visionen in Richtung E-Mobility? Abseits der Straße ist das Aufladen eines E-Autos nicht einfach und auch nicht verbreitet. Jede Prognose beschreibt, dass sich bis 2025 die Zahl der e-Autos verfünffachen wird. Damit steigt der Bedarf an Ladestationen. Unsere dritte Schiene wird Smart Charging. Wir treten gegenüber dem Projektentwickler

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Positionen & Meinungen

als Gesamtanbieter für E-Ladestationen auf, da immer mehr Stationen von Dauerparkern nachgefragt werden beziehungsweise auch die Vorkehrungen wie zum Beispiel Leerverrohrungen, getroffen werden müssen. Wir haben eine breite B-B- und B-C-Umfrage durchgeführt und festgestellt, dass es auf beiden Seiten viele unterschiedliche Interessen gibt, die zusammengeführt gehören.

Dominik Wegmayer Dominik Wegmayer wurde 1994 in Wien geboren und ist hier aufgewachsen. Nach der erfolgreichen Absolvierung der HTL für Bautechnik und der Sammlung erster Berufserfahrung machte er sich gemeinsam mit seinem Bruder in der Systemgastronomie selbstständig. Währenddessen begann Wegmayer zwei berufsbegleitende Studien an der FHWien und an der TU Wien im Bereich Unternehmensführung bzw. Immobilienwirtschaft. Ende 2015 gründete er mit drei weiteren Partnern die Payuca, welche mittlerweile 25 Mitarbeiter zählt, und vertritt diese seit Anfang 2019 als alleiniger Geschäftsführer.

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BauTecFokus

Ab wann kann man Smart Charging nutzen? Wir sind gerade dabei, drei Pilotprojekte mit Partnern umzusetzen, um die Prozesse zu optimieren. Im Herbst 2021 wollen wir das


Produkt am Markt anbieten. Den Immobilieneigentümern bieten wir ein Komplettservice an, also von der Planung, über das Beantragen und Abrechnen von Förderungen, das Einholen von Angeboten, Wartung, 24-Stunden-Support etc. Für den Anwender ist die Nutzung dann so einfach wie ein Mobilfunkvertrag. Kann man Bestandsgaragen damit aufrüsten? Unsere drei Produkte sind sowohl für Neubauprojekte als auch für Bestandsgaragen anwendbar. 99 Prozent der Garagen sind im Bestand, daher bieten wir an, diese aufzurüsten.

Sie akquirieren auch sehr viele Neubauprojekte? Mit Smart Revenue, also der Kurzzeitmiete, haben wir uns auf den Bestand konzentriert, weil es ja dort den Leerstand gibt. Mit Smart Access haben wir die Möglichkeit, unsere Reader bei Neubauten auch Unterputz zu installieren. Wir arbeiten auch mit der Plattform Exploreal zusammen, die alle Neubauprojekte sammelt und damit die Recherche stark vereinfacht. Uns ist wichtig, auch die Stakeholder, die Architekten und Planer, die örtliche Bauaufsicht und Elektriker über unser System aufklären, da sie als Influencer gegenüber dem Bauherren beziehungsweise Eigentürmer auftreten.

Was ist die Zukunft des Parkens? Digital. Schlüssel, Funksender und Parktickets werden der Vergangenheit angehören. Zugangsmedien wie Apps, NFC-Chips oder das Kennzeichen als Zugangsmedium werden zum Standard, weil sie digital verwaltbar sind. Wir rechnen damit, dass unsere Software zukünftig in fast jede Applikation integriert wird, wir decken ja nur einen Teil des Gebäudes ab und wir versuchen, mit vor- oder nachgelagerten Branchen oder Proptechs, die andere Themen in der Immobilien- oder Bauwirtschaft digitalisieren, zusammenzuarbeiten. Wer sind Ihre Kunden? Wir betreuen die drei Segmente Wohn- und Bürogebäude und Hotels, also hauptsächlich Genossenschaften, Bauträger, ImmobilienAGs oder Verwalter und institutionelle Vermieter. Wie reagieren Bestandsmieter auf fremde Kurzmieter in ihrer Garage? Wir setzen gezielt auf Kommunikation und heben sowohl den Nachhaltigkeitsaspekt

„Um nahtlosen und automatischen Zugang zu garantieren, wählen wir innovative Technologien mit maximaler Kosteneffizienz.“ Dominik Wegmayer, Payuca

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Positionen & Meinungen

WORDRAP MIT DOMINIK WEGMAYER

Ihr größtes Laster?

Nehmen Sie gerne Risiko?

Gutes Essen

Natürlich, jedoch gut überlegt.

In den nächsten zehn Jahren möchte ich unbedingt…

an etwas Bedeutendem mitgewirkt haben.

Ihr Lieblingshobby?

Tennis

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Durch Pflicht­ praktika auf Baustellen. Ihren Kaffee trinken Sie am liebsten?

Gar nicht. Kaltes Wasser ist eher meins.

Wenn Sie zehn Millionen Euro im Lotto gewinnen würden, was machen Sie damit?

In Payuca investieren

Wenn Sie das Radio im Auto aufdrehen, was läuft?

Spotify Mit welcher Person (lebend oder bereits verstorben) würden Sie gerne einen Abend verbringen?

Al Gore

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BauTecFokus

Morgen- oder Abendmensch? Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?

Keine Regeln: Warum Netflix so erfolgreich ist

Nachtmensch


hervor als auch die Vorteile, die sich für sie ergeben. Einige Partner lassen die Einnahmen durch die Kurzzeitvermietungen wieder in die Liegenschaft fließen. Das bedeutet einen konkreten Mehrwert für die Mieter selbst. Die Sicherheit im Gebäude erhöht sich, man weiß immer, wer wann wie lange in der Garage ist. Wie ist es, mit dem eigenen Bruder im selben Unternehmen zu arbeiten? Payuca ist großteils durch die Gesellschaft unserer Familie finanziert. Wir hatten das Glück, von Anfang an nicht auf externe Investoren angewiesen zu sein. Mein Bruder ist Ende 2020 ins Unternehmen eingestiegen und das funktioniert wunderbar und wir stimmen uns täglich ab. Dadurch können wir sehr schnell eine einheitliche Willensbildung erzielen. Wie hat Ihre Familie auf Ihre Gründungsidee reagiert? Mein Bruder und ich haben das Glück, unsere Ideen und Wünsche umsetzen zu können und dass dies von der Familie auch unterstützt wird. Darüber bin ich sehr glücklich. Am Ende des Tages ist man rechenschaftspflichtig, doch Entscheidungen können sehr schnell getroffen werden. Natürlich war es schon auch ein Risiko, eine Hardware zu entwickeln. Welche Aufgaben haben Sie im Unternehmen? Hauptsächlich die formalen Pflichten eines Geschäftsführers und natürlich die Human Resources-Themen, aber in die Produktentwicklung bin ich nach wie vor sehr stark eingebunden und unterstütze im Bereich Sales. Mein Bruder kümmert sich um die Vermarktung und den Außenauftritt.

bin dann an die TU Wien gewechselt, um den Studienzweig Immobilienwirtschaft und Liegenschaftsmanagement zu belegen. Aber das Studium ruht jetzt, da mir die Zeit fehlt. Was würden Sie anderen Gründern oder Start-ups raten? Wir haben bei Payuca alle Fehler gemacht, die man machen kann. Aber die größte Empfehlung ist, von Anbeginn an auf sehr, sehr professionelle Leute zu setzen. Man macht am Anfang den Fehler, beim Gehalt sparen zu müssen, dadurch bekommt man aber auch nicht die Leute, die man haben will oder die den Aufgaben entsprechen. Wir haben bei Payuca ein gutes Team aus verschiedenen Persönlichkeiten zusammengestellt und ich hätte durchaus schon viel früher auf meine Intuition hören sollen, als auf Lebensläufe

zu schauen. Das ist das größte Learning, die Wurzel des Erfolgs sind einfach tolle Leute, tolle Führungskräfte und ein tolles Team. Haben Sie weitere Ziele? Wir möchten mit unseren Lösungen österreichweit agieren und diese natürlich auch am deutschen Markt sehen. Wir wollen Payuca skalieren und in mehrere Städte bringen. Deutschland hat viele große Städte und ist ein Autofahrerland, daher ist es für uns ein sehr großes Ziel. In Berlin haben wir bereits gestartet und passen unser Produkt an die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen unseres Nachbarn an. Wir vertreten ja die Meinung, dass jede Dauerparkgarage ein System von Payuca verdient hat, und Funksender und Schlüssel wollen wir ins Museum verbannen.

Payuca Payuca hat es sich zum Ziel gemacht, das Parken abseits der Straße so einfach & effizient wie möglich zu gestalten. Mit der Payuca-App deckt das Wiener Unternehmen seit 2017 erfolgreich Kurzparkbedürfnisse für mehr als 25.000 registrierte Autofahrer ab. Seit März 2021 positioniert sich das Unternehmen als „Payuca Parking Solutions“ in der Immobilienbranche neu. Mit seinen Solutions zur Dauerparkverwaltung und Leerstandsverwertung konzentriert sich Payuca dabei auf Wohnungs-, Büro- und Hotelimmobilien.

Welche Ausbildung haben Sie gemacht? Ich habe die HTL für Bautechnik im 3. Bezirk gemacht und dann ein Jahr berufsbegleitend Unternehmensführung an der FH studiert,

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Zu Tisch mit ...

Zu Tisch mit … Alexander Pongratz

Gedanken zu einem Menü verfasst

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BauTecFokus


Baustoffkrise hausgemacht Mangelware. Unternehmen, die verunsichert waren, haben weniger produziert und ab Lager verkauft. Diese Lager sind leergeräumt worden. „Die Produzenten selbst haben Fehler begangen, weil sie nicht produziert haben“, betont Alexander Pongratz. Das Gespräch führte: Michael Neubauer

E

s ist eine Freude. Nach Monaten unfreiwilliger Restaurant-Abstinenz können wir – unter strengen Auflagen – wieder gemütlich in Lokalen Face-to-Face-Gespräche führen. So führt mich mein Weg an einem sonnigen Juni-Tag nach Graz ins Nullneun im MP09, dem Headquarter der Michael Pachleitner Group. Mein Gesprächspartner Alexander Pongratz, Geschäftsführender Gesellschafter der Pongratz Gruppe, rollt mit seiner Vespa an. Doch davon später mehr. Warum gerade hier? Die Frage ist rasch beantwortet. „Das Gebäude ist ein moderner Hingucker – und von Wien aus kommend rasch erreichbar. Auf der anderen Seite ist unsere Firmenzentrale gleich in der Nähe hinter dem Eisstadion in der Liebenauer Hauptstraße beziehungsweise am Zoisweg 6“, so Pongratz. „Wir haben das Gebäude mitgebaut und sind stolz darauf. Wir haben es für einen sehr guten Freund von uns, Michael Pachleitner, errichtet. Ich glaube, es ist eine sehr ansprechende Architektur und es ist zu Mittag sehr gut zum Essen. Sehr nahe, sehr schnell –

auch zu Mittag, wenn man zu Mittag nicht so viel Zeit hat.“ Nicht gesagter Nachsatz: „Wer hat schon Zeit, auch in Zeiten der Pandemie.“ „‚Business trifft Hunger‘, lautet das Motto, unter dem die Gaumen unserer Gäste mittags verwöhnt werden und wir bereits die Mittagspause zu etwas ganz Besonderem machen. Die Devise des mehrfach ausgezeichneten Grazer Kochs Robert Ferstl lautet: Regionale Küche trifft auf internationale Einflüsse“, so der Eintrag auf der Homepage. So ein richtiges Hungergefühl will sich aufgrund der extrem heißen Temperaturen nicht einstellen. Beim Studium der Speisekarte ändert sich das aber gleich. Nach der langen Anfahrt aus Wien – anschließend an das Mittagessen steht für mich (Halbsteirer) noch ein kurzer Abstecher zu Verwandten auf dem Programm samt Nachschub an Kernöl und Honig – habe ich mir ein kleines Bier verdient. Die hohen Temperaturen verlangen anschließend nach Durstlöschern: Klassisches Soda-Zitrone. Mein Gesprächspartner wählt Spargel mit heurigen Kartoffeln und Sauce Hollandaise, ich kann der gebackenen

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Zu Tisch mit ...

„Die Baubranche ist bisher gut durch die Pandemie gekommen.“ Alexander Pongratz, Pongratz Baugesellschaft

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BauTecFokus

Scholle mit Kartoffel-Mayonnaise-Salat nicht widerstehen. Zuvor noch eine Spargelsuppe. Die Entscheidung fürs Dessert – wird vorerst aufgeschoben. Mein Gesprächspartner ist kein regelmäßiger Mittagesser, im Gegenteil. „Ich vermeide fast immer das Mittagessen, was man normalerweise nicht sollte. Aber es ist eben immer ein Zeitproblem. Vor allem aber werde ich müde, wenn ich zu viel esse. Dann ist der Nachmittag dahin. Zu Mittag habe ich selten Hunger, der regt sich eher erst am Abend.“ Pongratz bemüht sich in der Früh, zumindest eine Kleinigkeit zu essen. „Ein Joghurt, einmal ein weiches Ei. Ich bemühe mich schon, mir zum Frühstück so viel Zeit zu nehmen, dass ich eine Kleinig-


keit esse“. Wie heißt es so schön – morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler. „Wir machen es leider gerade umgekehrt“, betont Pongratz selbstkritisch. „Auf jeden Fall ist es gescheiter, dem Körper in der Früh Energie zuzuführen, weil man diese ja sehr gut am Vormittag braucht. Sie rauben dem Körper die Kraft, wenn Sie ihm in der Früh nichts zu essen geben. Dann geht er auf Reserven. Das ist auch nicht gesund.“

Bahnhof sind es ungefähr vier Kilometer. Die Keplerstraße geht am Ende steil hinauf. Beim Fahren merkst du es wegen des Fahrtwindes nicht. Dann habe ich das Rad abgesperrt, bin hinaufgegangen und auf einmal ist die Hitze gekommen. Beim Meeting war ich schweißgebadet.“ In der Stadt fährt Pongratz gerne mit seiner Vespa. „Ein perfektes Fortbewegungsmittel für die Stadt.“

In seiner Freizeit ist er gerne mit seinem Fahrrad unterwegs. „Mit E-Unterstützung“, wie er betont. „Wenn mir zu warm wird, schalte ich den Motor dazu. Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, zu ehrgeizig zu sein. Wir hatten ein Meeting am Bahnhof. Von mir bis zum

„Wir haben volle Auftragsbücher“, freut sich Pongratz. „Nicht nur der steirischen Bauwirtschaft geht es gut. Die Baubranche ist bisher gut durch die Pandemie gekommen. Die Bauwirtschaft war nur rund drei Wochen im Vorjahr – von März bis Mitte April – wirklich stark

Erfolgreich durch die Krise

beeinträchtigt. Im Juli hatten wir bereits wieder die Beschäftigtenzahl wie vor Beginn der Pandemie. Auch weil die Branche rasch reagiert hat“, blickt Pongratz, der auch als Landesinnungsmeister des steirischen Baugewerbes in der Berufsvertretung tätig ist, zurück. „Das haben wir mit der Sozialpartnerschaft schnell ausdiskutiert.“ Von Vorteil war sicherlich auch die gute Gesprächsbasis von Steirer zu Steirer. „Ich habe zum obersten Gewerkschaftsboss Josef „Peppo“ Muchitsch gesagt: ‚Du, Peppo, jetzt können wir uns aussuchen, wir sperren drei Wochen zu oder wir sperren drei Monate zu. Aber COVID wird nicht vorbei sein. Das heißt, wir müssen dieses Problem lösen. Und je früher, desto besser.‘“ Den rasch umgesetzten Maßnahmen – wie dem Ein-Meter-Mindestabstand – sei es zu verdanken, dass die Bauwirtschaft die Pandemie erfolgreich überstanden hat. „Mit Maßnahmen wie Maske tragen, desinfizieren, Aufträge entflechten, dass nicht so viele Dienstnehmer gleichzeitig auf der Baustelle sind, konnten wir Schlimmeres verhindern. Im Oktober 2020 hatten wir bereits um zehn Prozent mehr Beschäftigte als im Jahr zuvor.“ Wie erklären sich nun aber die hohen Baustoffpreise, die zum Teil mit Produktionsausfällen argumentiert werden? „Bedingt durch die Kurzarbeit, die natürlich auf der einen Seite ein Segen ist, haben viele Unternehmen, die verunsichert waren, weniger produziert und ab Lager verkauft. Diese Lager sind leergeräumt worden. Die Produzenten selbst haben Fehler begangen, weil sie nicht produziert haben.“

Kernmärkte Wien und Graz

Pongratz Bau konzentriert sich auf die zwei Kernmärkte Graz und Wien. „In Wien sind wir mit einer eigenen Filiale vertreten. Wohlgemerkt mit einer vollen Mannschaft. Das ist keine Briefkastenfirma.“ Pongratz Bau erwirtschaftet zwischen 50 und 60 Millionen Euro pro Jahr – abhängig von den gerade in Umsetzung begriffenen Projekten. „Aktuell haben wir jetzt im Gate 17 in Puntigam ein Projekt mit ungefähr 40 Millionen. In der Smart City Nord machen wir auch eines mit rund 40 Millionen. In der Regel haben die Projekte ein Volumen zwischen fünf und zehn Millionen, vielleicht einmal 20 Millionen.“ Bei größeren Projekten setzt man auf langjährige Partnerschaften. „Bei 50, 60 Millionen Jahresumsatz ist es ge-

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Zu Tisch mit ...

scheiter, man nimmt sich für ein Projekt mit 40 Millionen einen Partner mit ins Boot und macht es gemeinsam.“

Preise haben sich verdreifacht

Die steigenden Baustoffpreise bereiten Pongratz, der auch im Baustoffhandel tätig ist, Sorgen. „Die Rohstoffpreise sind enorm gestiegen und damit auch die Baustoffpreise. Während der Pandemie ist einfach weniger produziert worden“, bringt es Pongratz auf den Punkt. Europa leide auch unter dem Rohstoffhunger Chinas und der Vereinigten Staaten. „Wir sind in den zweiten Lockdown, gleichzeitig ist die Wirtschaft in China wieder hochgefahren. Aus diesem Grund haben sich viele Produktionen nach China verlagert. Amerika hat zum Beispiel gar nicht zugesperrt. Da hat es keine Einbußen gegeben. Das heißt, dort ist die Konjunktur weitergegangen.“ Diese Märkte brauchen Rohstoffe und damit auch Baustoffe. „Holz geht ganz massiv in den nordamerikanischen Raum. Dort ist die Nachfrage nach Holz, bedingt durch Produktionsausfälle, massiv gestiegen. Dadurch haben sich die Preise für Baustoffe zum Teil verdreifacht.“

Nebenprodukte fehlen

Es sei ein Marktgesetz, dass bei großer Nachfrage die Preise steigen. Daran werde auch die COVID-19-Pandemie nichts ändern. „Es wurde nicht nur die Produktion zurückgefahren, es wurden auch einzelne Lieferketten unterbrochen. Zum Beispiel Kerosin: Bedingt durch den eingeschränkten Flugverkehr wurde sehr wenig Kerosin produziert.“ Kerosin habe aber Nebenprodukte, die bei der Kunststofferzeugung, bei der PE-Erzeugung wichtig sind. „Das heißt, mir fehlt das Produkt. Das kann man mit den Chips in den Autos vergleichen. Gehen die Chips verstärkt in Spielkonsolen, fehlen diese der Autoindustrie. Ich kann alles rund ums Auto produzieren, aber mir fehlt der Chip. Das heißt, das Auto kommt nicht zum Fahren.“ Was für das Auto der Chip, ist der Stahl für die Bauwirtschaft. „60 Prozent des in Österreich verbauten Baustahls kommt aus Italien. Die italienischen Produzenten haben – wie auch die Voest – die Produktion heruntergefahren. Der Bedarf aber war da. Jetzt geht es nicht mehr ‚nur‘ um Preissteigerungen, sondern um die die generelle Verfügbarkeit. Das trifft uns sowohl als Bauunternehmen als auch als

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BauTecFokus


„Bis zum Ende des Jahres werden Lieferengpässe und Materialverknappung überwunden sein.“ Alexander Pongratz, Pongratz Baugesellschaft

Nullneun DAS SAGT DER FALSTAFF Das Haus ist ein moderner Hingucker. Optisch sind auch die Gerichte ansprechend, Robert Ferstl schafft den Spagat zwischen regional, südlich und asiatisch. Beliebt sind Trüffel- und Schokoladenmenüs

DAS SAGT DER BAUTECFOKUS Mittagsmenü mit traditionellen Speisen, die raffiniert zubereitet werden. Top-Service.

NULLNEUN Liebenauer Tangente 4 - 8041 Graz

Öffnungszeiten Mo, Di 09-20 Uhr, Mi-Fr 09-24 Uhr Samstag, Sonntag geschlossen www.nullneun.at

BauTecFokus Restaurantguide

16 PUNKTE

Essen: Service: Weinkarte: Ambiente:

Baustoffhändler. Als Bauunternehmen, weil ich mit den Auftraggebern längerfristig gültige Preise vereinbart habe. Ich habe den Stahl zum Beispiel im Vorjahr noch um 600 Euro die Tonne eingekauft und ich kaufe ihn jetzt um 1.000 Euro die Tonne – wenn ich ihn überhaupt bekomme.“ Der Mangel schlage damit auch auf die Bauzeit durch. „Da ist im Moment viel Sand im Getriebe.“ Die hohen Preise werden jedoch bleiben, ist Pongratz überzeugt. „Bis zum Ende des Jahres werden Lieferengpässe und Materialverknappung überwunden sein. Die Nachfrage ist sehr gut. Die Auftragsbücher sind voll. Warum also sollten die Preise fallen? Die hohen Preise werden für die Produzenten Ansporn genug sein, mehr zu produzieren. Das wird sich sicher rasch einpendeln.“

Einkaufspolitik wird sich verändern

Eines steht aber fest: Die Einkaufspolitik werde sich verändern. „Wir haben von der Bundesinnung Empfehlungen herausgegeben, dass die Verträge nur mehr zu veränderlichen Preisen abgeschlossen werden sollen. Zudem sollen Hinweise gegeben werden, dass es durch Eng-

pässe bei den Baustoffen zu Verzögerungen kommen kann.“ Was sich auf jeden Fall ändern wird: „Wir werden früher bestellen müssen – damit kommt der Baustellenplanung eine immer größer werdende Bedeutung zu. Bauen ist eine logistische Abwicklung einzelner Abläufe. Ich werde meine Professionisten noch stärker in die ganze Bauabwicklung einbeziehen müssen.“

Umplanen Gebot der Stunde

„Bei Fertigteilen zum Beispiel haben wir Lieferzeiten teilweise von zwei, drei Monaten. Es gibt Kollegen, die dazu übergehen, keine Fertigteile mehr zu verwenden, sondern den Stahlbeton auf der Baustelle zu erzeugen und entsprechend einzusetzen. Umplanen ist ein Gebot der Stunde: Uns hat auf einer Baustelle – aus welchem Grund auch immer – ein Zehnereisen gefehlt. Also ein Eisen mit zehn Millimeter Durchmesser. Dann wird der Plan umgezeichnet und umgerechnet auf 8-Millimeter-Eisen, weil das da ist. Aber das ist natürlich wieder ein Mehraufwand. Ich muss es umplanen, ich muss es auch entsprechend in die Pläne eintragen. Das ist eine logistisch und planerisch große Herausforderung, die wir jetzt haben. Da hoffen wir wirklich, dass das vielleicht bis zum Herbst oder bis Ende des Jahres wieder auf Normalniveau ist.“ Wie wird serielles Bauen die Branche verändern? „Man muss nicht alles immer wieder neu erfinden. Serielles Bauen ist sicher die Zukunft. Letztendlich will man immer mehr von der Baustelle wegbringen. Stichwort Fachkräftemangel. Wir haben das Problem, dass wir nicht genügend Fachkräfte für unsere Baustellen haben. Geburtenschwache Jahrgänge, wir kennen die demografischen Probleme. Das trifft ja nicht nur den Bau, sondern auch andere Bereiche. Alle fischen im selben Teich, damit sie ihre Lehrlinge erwischen.“ Der Holzbau habe punkto seriellen Bauens den Massivbauern schon einiges vorgemacht. „Er ist an und für sich teurer im Bauen, auch in den Details komplizierter und mängelanfälliger“, gibt Pongratz zu bedenken. „Aber durch die weitgehende Vorplanung besteht die Möglichkeit einer seriellen Fertigung mit einer kürzeren Bauzeit. Es wäre schön, wenn wir im Massivbau auch so weit wären. Dann könnten wir unsere

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Zu Tisch mit ...

„Entscheidungen sind vom Bauherrn viel früher abzurufen.“ Alexander Pongratz, Pongratz Baugesellschaft

Architekten und Bauherren davon überzeugen, dass wir zum kostengünstigen und weniger mängelanfälligen Bauen kommen. Da muss man sagen, sind wir leider noch ein bisschen in den Kinderschuhen, was den Massivbau anbelangt. Man ist sehr versucht, es auszunutzen, dass ich mich noch spät umentscheiden kann, wo das Fenster genau ist oder wo die Tür ist. Bei der seriellen Fertigung fällt diese Flexibilität weg“, unterstreicht Pongratz. Serielles Bauen bedeute Abkehr vom baubegleitenden Planen. „Da haben wir noch viel Potential.“ Es stelle sich auch die Frage, wie weit der Ausführende in die Planung miteingebunden sein soll. „Im amerikanischen oder angelsächsischen System wird ein Design erstellt, die Bewilligung eingeholt und die Planung dem Ausführenden übergeben.“ Das habe auch mit Gewährleistung und Mängelfreiheit zu tun. Natürlich habe jede Baufirma oder jeder Ausführende gewisse Eigenschaften, wo er vielleicht da und dort besser ist als der andere. „Das kann man viel besser nutzen, wenn man die Planung in der Hand hat.“ Optimal wäre es, die Detailplanung abgeschlossen und vom Bauherrn freigegeben zu bekommen und erst dann zu bauen zu beginnen, bricht Pongratz eine Lanze für Building Information Modelling (BIM). „Das spricht auf alle Fälle für BIM, bei BIM bin ich gezwungen, die Planungsprozesse und vor allem auch die Entscheidungen vom Bauherrn viel früher abzurufen. Damit sind auch die Mengengerüste

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viel früher definiert, was wiederum den Bestellvorgang vereinfacht.“ Jetzt interessiert mich aber, was den Holzbau fehleranfälliger mache. Denn viele Holzbauer verwenden dieses Argument gerne gegen den Massivbau. „Die Details sind wirklich komplizierter. Ich habe kein Problem mit dem Baustoff. Ich verbaue Holz genauso gerne wie Beton. Ich bin aber nicht überzeugt, dass eine Holzdecke im Zwischengeschoss zielführend ist. Wird diese undicht, merke ich es erst, wenn

Pongratz Bau 2018 feierte Pongratz Bau ihr 85-jähriges Bestehen und wurde von der Wirtschaftskammer für die Verdienste am Wirtschaftsstandort Steiermark ausgezeichnet. Das Familienunternehmen in vierter Generation hat sich vom klassischen Stadtbaumeister zum angesehenen General- und Totalunternehmer in Österreich entwickelt. 1933 durch Stadtbaumeister Ing. Josef Pongratz gegründet, wird das Unternehmen heute von den Brüdern Alexander und Josef Pongratz geführt. Auch die vierte Generation ist bereits seit fünf Jahren im Unternehmen tätig. Die seit 1999 bestehende Beteiligung an WIG-Beton zur Rohstoff-Sicherung ist nur einer der zukunftsweisenden Entwicklungsschritte in der Pongratz-Geschichte. 2000 erfolgt die Gründung der Krenn & Pongratz in Fehring, 2001 die Gründung der Puntigam & Pongratz in Deutschfeistritz. Gemeinsam mit der Wiener Niederlassung – seit 2001 im Pongratz-Verbund – spezialisiert sich das Unternehmen heute zunehmend auf den technisch anspruchsvollen Hochbau. Dazu zählen Wohn- und Industriebauten, Sanierungen und Umbauten, ergänzt um Hotelprojekte und Bauträgermodelle. 2007 folgte die Erweiterung des Dienstleistungsportfolios durch Pongratz – HLS, 2011 wurde das Zimmereigewerbe integriert.


auf Zuruf produziert werde. „Wir erleben es immer wieder, dass du die Stahlbetonbewehrung bestellst. Dann heißt es, am Freitag wird betoniert. Dann trudelt am Mittwoch noch ein Zettel ein, da brauchen wir noch eine Zulage und da brauchen wir noch dies oder jenes. Es ist katastrophal, wenn es so schlecht geplant wird. Einerseits von den Kosten her, andererseits auch von der Logistik her und von der Mängelanfälligkeit. Wenn ich so spät erst einschreite, dann führt das oft dazu, dass die Planungsschritte nicht hundertprozentig gut überlegt sind. Es kommt zu Schnellschüssen.“ Wenn man im Massivbau die Planungsschritte wirklich diszipliniert und weiter vorausplane, dann könne man den Fertigteilbau forcieren. „Natürlich ist es fehleranfälliger auf der Baustelle als in einer Fertigungsstraße. Das ist klar. Aber damit ich produzieren kann, muss ich alles genau vorplanen. Da ist wieder die Planung gefragt.“ Apropos Planung: Jetzt wird einmal das Dessert geplant. Doppelte Espressi und überbackene Topfenpalatschinke.

es beim unteren Nachbarn heraustropft. Dann aber ist die Holzkonstruktion unter Umständen kaputt. Dann habe ich ein ernsthaftes statisches Problem. Wird eine Dusche undicht wird, dann habe ich auch im Stahlbetonbau Probleme – habe aber einen Baustoff, der gegen Wasser unempfindlich ist. Der nächste Punkt ist der Schallschutz. Holz hat aufgrund der geringen Dichte Schallschutzprobleme, weil die Masse beim Schallschutz entscheidend ist. Je mehr Masse da ist, desto größer ist der Schallschutz. Dadurch wirken sich Fehler stark aus. Das heißt, ich muss im Detail genauer planen. Holzbau ist einfach viel anfälliger für Mängel. Ich bin kein hundertprozentiger Freund. In der vorgehängten Fassade kann ich bald einmal in Holz arbeiten. Bei der Decke bin ich sehr misstrauisch, weil ich glaube, dass es da für

die Zukunft wirklich große Probleme geben wird.“ Dass immer wieder mit dem hohen CO2Ausstoß bei der Zementproduktion gegen den Stahlbetonbau Stimmung betrieben wird, ist Pongratz ein Dorn im Auge. „Es gibt immer ein Plus und ein Minus. Irgendwann einmal geht auch bei Holz der Lebenszyklus zu Ende. Wird es verbrannt oder vermodert es, wird das gebundene CO2 wieder in die Natur freigesetzt.“ Und: Auch bei Beton oder Ziegel besteht die Möglichkeit zu recyceln. Zudem heiße es immer, der Holzbau sei so schnell. „Davor liegen aber meistens eine Planungsphase und die Produktion in der Halle. Anschließend kann der Bau rasch aufgestellt werden. Das habe ich beim Massivbau nicht.“ Auch weil, so Pongratz, im Massivbau oft

Doch nun schnell zurück zum eigentlichen Thema. Zudem würden die Vorteile von Beton oder Ziegel übersehen. „Mit der hohen Masse kann Energie gespeichert werden. Das habe ich beim Holz nicht. Wir bauen in unseren Bauträgerprojekten mittlerweile eine Betonkernaktivierung ein. Das heißt, wir erwärmen über Wärmepumpen den Stahlbeton. Damit habe ich eine sehr gleichmäßige Temperaturverbreitung im Haus und ich brauche wenig aufheizen und auch nicht viel kühlen. Ich kann das über diese Betonkernaktivierung sehr gut ausgleichen und auch Energie speichern. Das kann ein Holzbau sicher nicht.“ Die Industrie täte deshalb gut daran, die Forschung in Alternativprodukte zu forcieren. „Zement durch Flugasche oder andere Bindemittel zu ersetzen, verteuert die Betonproduktion. Umgekehrt ist der Holzpreis auch nicht immer so niedrig, wie man sieht. Das Bauen mit Holz ist teurer, weil die Details komplizierter sind. Das nimmt man aber in Kauf. Also wird man auch bei der Betonproduktion in Kauf nehmen müssen, dass der Beton mit Alternativmitteln ein bisschen teurer in der Produktion wird.“

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Über den Tellerrand

Blackout Wenn es finster wird und finster bleibt. Sich ständig erhöhender Stromverbrauch, veraltete Leitungen, geringe Speichermöglichkeit und Hackerangriffe: Ein längerfristiger Stromausfall wird immer mehr zum realistischen Schreckgespenst.

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s gibt Leute, denen macht es Spaß, sich das Was-wäre-wenn auszumalen. Einer von ihnen ist der österreichische Schriftsteller Marc Elsberg. In seinem Roman „Blackout – Morgen ist es zu spät“ erzählt er über einen Zeitraum von zwei Wochen über die katastrophalen Auswirkungen eines großflächigen Stromausfalls in Europa. Das Buch wurde zu einem Bestseller. Warum? Weil es einen empfindlichen Nerv der Zeit trifft und ein Blackout immer mehr in den Bereich des Möglichen rutscht. Im Herbst soll es auch als sechsteilige EventSerie verfilmt werden.

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Ereignisse wie technische Gebrechen, Naturkatastrophen, Cyber-Attacken oder Terrorangriffe könnten einen großflächigen Stromausfall verursachen. Ein Netzzusammenbruch der Versorgungsspannung und Leistungsausfälle oder ein unvorhergesehenes starkes Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch im Stromnetz können dann zu einem Blackout führen.

lekommunikationsversorgung, die gesamte Logistik und damit auch die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern stillsteht. Während die Zeit des Stromausfalls noch absehbar ist, ist eine realistische Einschätzung in anderen Bereichen kaum möglich. Aufgrund der allgemeinen schlechten Vorsorge droht damit eine Katastrophe.

Konkret bedeutet das, dass binnen Minuten in weiten Teilen Europas die Stromversorgung ausfällt und damit auch alle anderen wichtigen Infrastrukturen, wie etwa die Te-

In Österreich sind wir wahrscheinlich in der Lage, als eines der ersten Länder in Europa wieder ein Stromnetz aufzubauen, was immer noch rund einen Tag oder länger dauern

Die unterschiedlichen Phasen

Fotos: Adobe Stock, APG Karl Michalski

Autor: Lisa Grüner


könnte (Phase 1). Bis auf europäischer Ebene wieder überall der Strom fließt, wird laut Experten-Einschätzungen im besten Fall zumindest eine Woche vergehen. Aber auch danach kehrt noch keine Normalität zurück. Denn bis die Telekommunikationsversorgung, also Handy, Festnetz und Internet, wieder funktioniert (Phase 2), muss wegen Hardwareschäden, Störungen und Überlastungen zumindest mit weiteren Tagen gerechnet werden. Erst danach kann wieder

mit einem breiteren Wiederanlauf gerechnet werden (Phase 3), der in Teilbereichen Monate lang dauern kann. Um es zu verdeutlichen: Im Februar musste in Texas aufgrund der Strommangellage eine Chipfabrik abgeschaltet werden, der Normalbetrieb konnte im Juni wieder aufgenommen werden. Die hohe Versorgungssicherheit in Österreich kann leicht zum Bumerang werden, da sich zu viele Menschen und Organisationen darauf verlassen, dass immer alles funktioniert und

verfügbar ist. Eigenvorsorgemaßnahmen sind unabdingbar. „Die Frequenzstörung am 8. Jänner 2021 hat uns vor Augen geführt, dass lokale, unvorhersehbare Ereignisse zu ernsten Krisensituationen führen können“, erklärt Gerhard Christiner, technischer Vorstand Austrian Power Grid (APG). Gleichzeitig haben die vorgesehenen Schutzmechanismen auf europäischer Ebene beziehungsweise die von den Übertragungsnetzbetreiber (TSOs) europaweit akkordierten Maßnahmen gezeigt, dass sie über gute Instrumente auf nationaler und internationaler Ebene bei derartigen Krisen verfügen.

Stromnetze am Limit

Durch die Transformation des Energiesystems hin zu einem nachhaltigen und erneuerbaren steigen die Anforderungen an das Gesamtsystem enorm. Daher müssen die Instrumente zur Krisenvermeidung beziehungsweise -behebung permanent evaluiert und weiterentwickelt werden.

Weitere Informationen: Vorbereitungen auf ein Blackout | Blackout-Vorsorge (saurugg.net) Verhalten bei Blackout (oesterreich.gv.at) Blackout-Ratgeber | Sicher informiert mit Krisenvorsorge.at

„Lokale, unvorhersehbare Ereignisse können zu ernsten Krisensituationen führen.“ Gerhard Christiner, Austrian Power Grid (APG)

„Mittlerweile müssen wir fast täglich die so genannte Sicherheitsmaßnahme Redispatch (RD) durchführen, damit die Stromversorgung auch dann funktioniert, wenn es eng wird“, so Christiner. „Um die Schwankungen im Netz auszugleichen, greifen wir auf den Einsatz von thermischen und hydraulischen Kraftwerken zurück, mit denen wir Leistung kontrolliert ins APG-Netz einspeisen oder entnehmen können.“ Allein im Jahr 2020 musste an 261 Tagen ins Stromnetz eingegriffen werden. Insgesamt wird APG in den kommenden zehn Jahren rund 3,1 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur investieren. Das sind rund 17 Prozent der insgesamt 18 Milliarden Euro, die die E-Wirtschaft Österreichs in den kommenden zehn Jahren in den Netzausbau investieren wird. Zu den wichtigsten Projekten zählen die Salzburgleitung, die Weinviertelleitung und der Zentralraum Oberösterreich. Dennoch sollte man sich nicht in Sicherheit wiegen. Eigenverantwortung, eine gute Vorbereitung, sowie eine entsprechende Vorratshaltung sollten eine Selbstverständlichkeit darstellen.

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Positionen & Meinungen

Da fährt die Eisenbahn drüber Data is an Asset. „Digitale Prozesse erfordern eine Denkweise, zu der wir auch erziehen und trainieren müssen“, ist Christopher J. Rothschedl überzeugt. Das Gespräch führte: Michael Neubauer

Christopher J. Rothschedl Christopher J. Rothschedl wurde 1988 in Graz geboren. Bereits während des Studiums an der Montanuniversität vereinte er Theorie mit breitgefächerter Praxis im Schwermaschinenbau. Bei Sandvik und FLSmidth tauchte er neben mechanischen Auslegungen vertieft in datenbasiertes Maschinen- und Prozessverständnis ein. Seine Erkenntnisse brachte er anschließend bei Keller Grundbau in der Geotechnik zur Anwendung, die Promotion erfolgte berufsbegleitend. Nach Bergund Grundbau nun im Infrastrukturbau angekommen unterstützt er seit März 2021 Plasser & Theurer, wo er für den Kompetenzaufbau der Datenanalyse verantwortlich zeichnet.

Digitalisierung, Augmented Reality (AR), Künstliche Intelligenz (KI) – es wird viel geschrieben, viel diskutiert, aber wie sieht es in der Praxis aus? Angesagte Revolutionen finden oft nicht statt. Künstliche Intelligenz und Bauwirtschaft – ein Begriffspaar das einander ausschließt? Christopher J. Rothschedl: Digitalisierung ist ein omnipräsentes Wort, jeder – und das

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macht die Sache nicht einfacher – versteht ganz etwas anderes darunter. Der eine versteht unter Digitalisierung das papierlose Büro, ein anderer redet von automatisch erstellten leistungsbezogenen Verrechnungsmodellen bei Bahnbaumaschinen. Auf den Punkt gebracht: Es geht um bessere Prozesse und nicht um das papierlose Büro. Digitale Prozesse erfordern eine Denkweise, zu der wir auch erziehen und trainieren müssen.

Mit der Digitalisierung haben wir eine neue Disziplin eröffnet. Wo sie uns endgültig hinführen wird, wissen wir in Wahrheit nicht einmal im Ansatz – und ehrlich gesagt: Digitalisierung ist ein Super-Stichwort im Marketing. Manchmal sind aber auch super Lösungen dabei. Plasser & Theurer ist weltweit tätig. Welche Rolle spielen da die bei den


unterschiedlichen Projekten gewonnenen Daten? Data is an Asset. Aber wir müssen diese auch wirklich zum Mehrwert bringen. Das Asset allein bringt uns auf Dauer nichts. Datenbasierte Analyse und Optimierung von Prozessen aber führt zu Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit, vor allem auch zu einem sparsamen Einsatz von Stoffen und Humanressourcen. Wir versuchen zu normieren. Das heißt, wir versuchen aufgrund der bei den unterschiedlichsten Gerätetypen aufgezeichneten Daten, Methoden und Modelle so zu generalisieren, dass die Erkenntnisse auf andere Arten von Themen oder Maschinen umlegbar sind. Das hört sich jetzt einmal leicht und einfach an. So leicht und einfach ist es dann aber doch nicht. Man muss da schon einige Randbedingungen berücksichtigen. Aber im Großen und Ganzen ist das ein spannendes Feld. Wir lernen bei jedem Einsatz etwas dazu. Können Sie uns ein Beispiel geben? Wir haben verschiedenste Stopfmaschinen. Es gibt Streckenstopf- und Weichenstopfmaschinen. Vereinfacht dargestellt ist ein Weichenstopfaggregat zunächst einmal anders aufgebaut als ein Streckenstopfaggregat. Bei einer Weiche wollen Sie sehr prägnant und präzise vorgehen. Präzise sind Sie auf der Strecke auch, aber auf der Strecke geht es auch um die Vortriebsleistung. Da geht es auch darum, die 2.300 Meter in der Stunde zusammenbringen, die Sie vertraglich zugesichert haben. Bei den Weichen geht es um eine aufwendigere Sensorik. Es kommen mehr Assistenzsysteme zum Einsatz. Die von uns verbauten Aggregate sind vom Kundentypus teilweise ähnlich, teilweise ganz unterschiedlich. Ich habe erst heute einen 30-seitigen internen Katalog bekommen, in dem verschiedene Typen von Aggregaten aufgelistet sind – um hier auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, müssen viele Fachbereiche miteingebunden werden. Es geht auch darum, vorhandenes Wissen abzubilden. In den kommenden Jahren gehen viele Mitarbeiter bei den Eisenbahnen, die über die Zeit viel Erfahrung aufgebaut haben, in den Ruhestand. Dieses Wissen darf

„Wir werden noch viele Jahre in einer digitalen Übergangsphase leben.“ Christopher J. Rothschedl, Plasser & Theurer

nicht verloren gehen. Der Wissensübertrag wird häufig stiefmütterlich behandelt. Es geht wie immer um Kosten – es kostet einfach Geld, dem scheidenden Mitarbeiter einen zweiten Mitarbeiter zuzuteilen, der zuschauen und lernen soll. Der Ausbau von Assistenzsystemen ist der Versuch, dies etwas zu glätten. Das große Ziel ist die vollautomatische Maschine. Da unter-

scheidet sich der Hoch- oder Tiefbau nicht vom Infrastrukturbau wie eben Gleisanlagen. Man rennt dem Ziel hinterher, verschwendet aber keine Gedanken an die Übergangsphase. Vollautonomes Fahren. Super. Vollautonome und konventionelle Fahrzeuge nebeneinander im Straßenverkehr. Wie soll das funktionieren? Diese Übergangsphase muss geplant werden. Assistenzsysteme sind der Weg zur vollautomatischen Maschine. Aber das kurzfristige Ziel ist es, unerfahrenen Menschen und Bedienern Unterstützung zu leisten, dass sie ihre Arbeit auch besser machen könen. Wir werden noch viele Jahre in einer digitalen Übergangsphase leben. Also in letzter Konsequenz – Personalabbau? Nicht unbedingt. Ich würde lieber von Verlagerung sprechen. Mit zum Beispiel vollautomatischen Maschinen wird es möglich, Mitarbeiter aus gefährlichen Bereichen abzuziehen. Jeder Arbeitsunfall, der passiert, egal in welcher Branche, ist einer zu viel. Lassen Sie mich noch einmal zu den Assistenzsystemen zurückkommen. Für die

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Positionen & Meinungen

Entwicklung brauchen Sie Mitarbeiter, die relevante Daten zur Verfügung stellen und interpretieren können. Dateninfrastruktur ist da ein sehr großes Thema. Das können Sie mit einem Datencenter in Indien nicht realisieren, nur weil die Lohnbedingungen für den Auftraggeber vielleicht ein bisschen günstiger sind.

„An Robotik und vollautonomen Maschinen führt kein Weg vorbei.“

Sie schauen da auf keine Finanzdaten oder Ergebnisse wissenschaftlicher Tests. Sie schauen auf Daten eines Cyber-physischen Systems. Auf Daten eines Geräts, das physikalischen Gesetzen folgt. Das müssen Sie bei der Auswertung berücksichtigen. Es zählt zu meinen Aufgaben, die Physik und die Gesetze der Physik einmal grundlegend anzusetzen und die Modellbildung entsprechend zu betreiben, um die Daten entsprechend zu interpretieren. Das gibt den Daten einen anderen Wert. Das sind keine Zeitreihen, die der Finanzmarkt ausspuckt, die vom Finanzmarkt ablesbar sind, sondern das sind Daten, die physischen Identitäten entsprechen oder entspringen. Und das macht einen großen Unterschied.

Von der Artificial General Intelligence (AGI), der künstlichen allgemeinen Intelligenz, der hypothetischen Intelligenz eines Computerprogramms spricht man, wenn dieser die Fähigkeit besitzt, jede intellektuelle Aufgabe zu verstehen oder zu lernen, die ein Mensch ausführen kann. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Machine Learning – Zukunftsmusik oder bereits praxistauglich? Es kommt darauf an, was sie darunter verstehen. Unter dem Strich versteht man darunter Künstliche Intelligenz, den Versuch, Entscheidungsstrukturen des Menschen nachzubilden. Einen Computer so zu bauen und zu programmieren, dass er eigenständig Probleme lösen kann. Intelligentes Verhalten wird durch einfache Algorithmen simuliert.

Warum? Wo liegen die Probleme? Machine Learning ist ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz und nutzt Algorithmen und statistische Methoden, um Daten zu analysieren und Muster zu erkennen. Durch die steigende Datenmenge ist es anhand von einfachen Datenanalysen schwer, wertvolle Informationen zu extrahieren. Machine Learning steckt noch in den Kinderschuhen. Ein großes Problem ist, dass wir mit Erfolgs-

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Christopher J. Rothschedl, Plasser & Theurer

meldungen auf diesem Gebiet überschüttet werden. Wie viele Fehlversuche aber vor dem Erfolg liegen, wissen wir nicht – damit fehlt uns aber die Möglichkeit zu beurteilen, wie weit Machine Learning in der Entwicklung bereits gekommen ist. Wenn ich ein Beispiel bringen darf. Künstliche Intelligenz, Machine Learning oder Deep Learning im Speziellen – angewandt auf Image Recognition: Sie haben ein Set mit Bildern von Rasenmähern. Irgendwann wird das System bei einem neuen Bild mit einem Rasenmäher, diesen als solchen erkennen. Dasselbe können Sie mit Bildern von Schafen machen. Irgendwann wird das System bei einem neuen Bild mit einem Schaf, dieses als Schaf erkennen. Was das System nicht kann, ist zu erkennen, dass Schafe und Rasenmäher in einem Teilbereich dasselbe machen – Rasen mähen. Dann, wenn das System auch das kann, dann wird es interessant. Aber das wird noch dauern. Wo wir aber schon weiter sind, ist der Bereich Fernsteuerung. Im Untertagebau ideal. Überall dort, wo wir die Sicherheit erhöhen können. Wie lange wird es noch dauern, bis die ersten vollautonomen Maschinen zum Einsatz kommen werden? Da gibt es gerade bei uns in der Branche seitens des Gesetzgebers noch viel zu tun. Die Spezialtiefbau-Branche hat hier – weil nicht gleisgebunden – Vorteile. Bei uns spielen viel mehr Faktoren eine Rolle. Es wird noch einige Jahre dauern. Definitiv. Aber eines steht fest:


An Robotik und vollautonomen Maschinen führt kein Weg vorbei. Besonders stolz sind wir auf unsere Innovationskraft. So sorgen wir mit einer für Stadt- und Straßenbahnen komplett neu entwickelten Schienenschleifmaschine für Ruhe. Auf geschliffenen Schienen fahren die Züge leiser. Die im Rahmen von Shift2Rail entwickelte Weltneuheit ATMO (Automatic Track Machine Oscillator) kombiniert dafür zwei Arbeitsverfahren. Oberflächenveränderungen wie Riffel und Wellen, wie sie etwa in Bögen beim Bremsen und Beschleunigen entstehen, machen sich besonders im urbanen Umfeld durch Schallemissionen und Erschütterungen negativ bemerkbar. ATMO kombiniert das klassische Rutschersteinschleifen mit dem oszillierenden Schleifen. Dabei bewegt eine Hydraulik die zwei Schleifschlitten mit ihren jeweils zwei Schleifsteinen pro Schienenkopf mit variabler Frequenz horizontal in Schienen-

längsrichtung. Das stete „Vor-und-Zurück“ bei Langsamfahrt bis 8 km/h bewirkt einen intensiveren Feinschliff bei einfacher Überfahrt. Unser Entwicklungsteam arbeitet aktuell an einem lernenden 3D-Scan-basierten Sensorsystem und bringt diesem bei, autonome Entscheidungen zu treffen. Die hierfür verwendete Methode: Deep Learning. Das smarte Weichenstopf-Assistenzsystem „PlasserSmartTamping – The Assistant“ unterstützt den Bediener, die operativen Systeme seiner Maschine zu managen, und stellt darüber hinaus einen wichtigen Schritt zur Automatisierung von Stopfmaschinen dar. Das Spannende daran: Das zukünftige Verhalten wird dem automatischen Assistenzsystem nicht statisch einprogrammiert, sondern beruht – wenn man so will – auf aktivem Selbststudium der Maschine. Die KI-basierte Deep-Learning-Technik optimiert dabei die

Analyse von visuellen Reizen und der daraus resultierenden Handlungsentscheidung. Worum genau geht es bei Deep Learning? Deep Learning ist eine Form des maschinellen Lernens, wobei einem Computer ein Trainingssatz von Beispielen bereitgestellt wird. Durch diese Lerndaten erlangt er die Fähigkeit, auch auf die Fälle korrekt zu reagieren, die im eingespeisten Datenmaterial so nicht vorkamen. Durch eine Lernphase, in der mehrmalige Abfolgen von Auswertungen seitens des Systems und manuelle Korrekturen vorgenommen werden, kommt es laufend zu besseren Ergebnissen. Übrigens: Wir sind nicht nur bei den großen Infrastrukturprojekten gefragte Partner. Die 11,9 Kilometer lange Strecke des Stainzer Flascherlzugs zwischen Stainz und Preding-Wieselsdorf wurde mit unseren Maschinen gestopft.Was mich als Steirer natürlich sehr freut.

Plasser & Theurer Plasser & Theurer ist der weltweite Technologieführer für Gleisbaumaschinen. Zahlreiche Entwicklungen in vielen unterschiedlichen Bereichen sichern diese Position auch für die nächste Zukunft ab. Gleichzeitig ist das österreichische Familienunternehmen auch dabei, seine Customer Services massiv auszubauen. Und sich damit auch als erster Ansprechpartner für die lebenslange Betreuung der Gleisbaumaschinen anzubieten. • Gegründet im Jahr 1953 • Ca. 5.000 Mitarbeiter in Österreich und den internationalen 19 Partnerfirmen • Produktprogramm: Maschinen und Systeme für Neubau, Umbau und Instandhaltung von Gleisen und Oberleitungen • Lieferung von mehr als 16.700 Großmaschinen in 109 Länder • Exportquote 93 Prozent • Stammwerk in Linz, Firmenzentrale in Wien • Service-, Reparatur- und Ersatzteilstützpunkte weltweit • Größte Absatzländer: Deutschland, USA, Großbritannien, Indien, Japan, Frankreich, Österreich, Brasilien, Spanien, Australien • Kunden: Bahnbetreiber, Baufirmen, städtische Verkehrsbetriebe, Industrieund Minenbahnen • Mehr als 2.000 aufrechte Patente • Zwölf internationale Zertifikate/Qualifizierungen (zum Beispiel ISO 9001, ISO 14001 und ISO 50001)

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Zum Autor Hannes Gerstmann ist Sprecher des Bundesverbandes Sonnen­schutztechnik Österreich. Den Bezug zur Praxis hält er durch sein Planungsbüro, das sich mit der nutzerorientierten Optimierung transparenter Flächen beschäftigt, aufrecht.

Wie Gebäude auf Menschen wirken Kommentar: Hannes Gerstmann

Seit den 1990er Jahren lässt sich auf nationaler und europäischer Ebene bei der Entwicklung nachhaltiger Gebäude ein starker Fokus auf die Erforschung und Entwicklung von energie- und umweltorientierten Technologien beobachten. Um die angepeilte Nachhaltigkeit zu erreichen, wird mit Kennwerten, also harten Fakten und teilweise alternativen Fakten, gearbeitet. Entscheidend für die Akzeptanz eines Gebäudes oder das physische und psychische Wohlbefinden ist jedoch die Berücksichtigung der vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Gebäuden und den darin lebenden und agierenden Menschen, die jedoch in der Architektur- und Bauforschung bislang ein Randthema darstellen.

Analyse von Wechselwirkungen

Im Projekt Gebäudesoftskills, so der Titel eines zweijährigen Wissenstransferprojektes, arbeiteten sechs wissenschaftliche Institutionen und über 30 Experten aus der Architektur- und Baubranche disziplinübergreifend zusammen, um wichtige Grundlagen für das Verständnis dieser Wechselwirkungen zu schaffen. Ziel des Projektes war es, relevantes Wissen aus dem Bereich der Humanwissenschaften – vor allem aus der Medizin, der Verhaltensbiologie und der Psychologie – zu identifizieren, es mit dem in der Architektur- und Baubranche vorhandenen, faktenbasierten Wissen abzugleichen und beide Wissensstände zusammenzuführen.

Die Initiatoren des Projektes waren die Donau Universität Krems, Department für Bauen und Umwelt, sowie der Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich. Das Projekt wurde vom BMDW im Rahmen des FFGProgramms „Forschungskompetenzen für die Wirtschaft“ gefördert. Im Nachgang zu diesem Forschungsprojekt haben DI. arch. Pia Anna Buxbaum und Dr. Elisabeth Oberzaucher im IBO-Verlag das Buch „Gebäudesoftskills“ herausgegeben, künstlerisch interpretiert von Michael Wegerer. Die Autoren der Textbeiträge stammen zu gleichen Teilen aus der Wissenschaft und der Praxis. Alle Beiträge wurden einem Begutachtungsverfahren unterzogen, damit ist gewährleistet, dass der aktuelle Wissensstand dokumentiert, aber unbelegte Annahmen keinen Platz finden. „Diese Publikation soll dazu beitragen, leere Versprechungen von fundierten Inhalten zu unterscheiden“, so Dr. Oberzaucher. Ich kann Ihnen dieses Buch sehr empfehlen.

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Fotos: Adobe Stock

Gebäudesoftskills

Der Projekttitel Gebäudesoftskills bezieht sich dabei auf Eigenschaften der gebauten Umwelt, die mit den derzeit in der Baubranche etablierten Methoden und Werkzeugen nur unzureichend beschrieben werden. In Hinblick auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Akzeptanz sind die Soft Skills jedoch entscheidend für den langfristigen Erfolg von Bauprojekten.


Zum Autor Clemens Hecht, Sprecher der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme (QG), Referent an der WKO, Geschäftsführer der Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI), Tätigkeit in verschiedenen nationalen und europäischen Verbänden.

Hält die Fassade? Denken Sie an deren Pflege und Wartung? Kommentar: Clemens Hecht

Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass wir sehr viele Dinge in unserer Umgebung mehr oder weniger intensiv pflegen und warten? Technische Dinge werden regelmäßig kontrolliert, teilweise sogar verpflichtend. Auch unser Miteinander wird gepflegt, wir treffen uns und tauschen uns aus. Zum Glück geht dies nun auch wieder intensiver … Aber wer denkt schon daran, eine Fassade, einen Vollwärmeschutz zu pflegen oder zu warten? Natürlich gibt es diejenigen, die dies immer wieder oder regelmäßig tun. Aber die große Mehrheit? Auch wenn der Vollwärmeschutz mit einem Wärmedämmverbundsystem (kurz WDVS) nach den einschlägigen Verarbeitungsrichtlinien (VAR) und ÖNORMen durch qualifizierte Fachfirmen und deren zertifizierte Fachverarbeiter für WDVS (ZFV) samt Eigen- und Fremdüberwachung geplant und ausgeführt wurde: Trotzdem benötigt die Fassade eine entsprechende Pflege und Wartung!

Belastungsprobe für Fassaden

Alle der Witterung ausgesetzten Produkte auf Fassaden müssen zeitweise extremen Belastungen standhalten. Auch die Nutzung im und am Gebäude stellt eine mögliche Belastung der Fassade dar. Diverse Belastungen wirken sich auf die Lebensdauer der Fassade aus. Ziel der Pflege und Wartung ist es, eine höchstmögliche Nutzungsdauer zu erreichen, das gewünschte optische Erscheinungsbild langfristig zu bewahren und gleichzeitig Schäden durch Belastungen und damit aufwendige Reparaturen zu

vermeiden. Durch fachgerechte Pflege und Wartung können die Optik und die schützende Wirkung der Beschichtung/des Putzes kontinuierlich erhalten und ihre Lebensdauer verlängert werden.

Die Verantwortung trägt der Eigentümer

Für die fachgerechte Pflege und Wartung sowie die Erhaltung eines sicheren Zustandes des Gebäudes trägt der Eigentümer eines Objektes eine besondere Verantwortung. Die Pflege und Wartung ist durch den Eigentümer des Objektes zu veranlassen. Dies gibt unter anderem die ÖNORM B 1300 „Objektsicherheitsprüfungen für Wohngebäude – Regelmäßige Prüfroutinen im Rahmen von Sichtkontrollen und zerstörungsfreien Begutachtungen“ vor. Für die regelmäßige Überprüfung der Fassadenfläche und allenfalls für notwendige Pflege- und Wartungsmaßnahmen empfiehlt es sich, unterstützend Fassadenfachfirmen mit deren dafür qualifizierten ZFV beizuziehen. Dies ist mit einem geringen finanziellen Aufwand, unter anderem auf Basis eines Wartungsvertrages, möglich, verlängert jedoch die Gebrauchstauglichkeit des WDVS und erspart künftig eventuelle kostenintensive Sanierungen. Pflege und Wartung verlängert in jedem Fall die Lebensdauer der Fassade! Ein Wärmedämmverbundsystem ist die Schutzhülle des Hauses. Putz ist Schutz und Putz braucht Pflege! Was alles zu beachten ist, finden Sie im entsprechenden Serviceheft unter https://var.waermedaemmsysteme.at/de/serviceheft.

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Zum Autor Andreas Gobiet, Präsident des Verbands der Zivil­ techniker- und Ingenieurbetriebe (VZI).

Im Druck von Gebäuden liegt die Zukunft der Branche Kommentar: Andreas Gobiet

Es ist unbestreitbar: Die Baukosten sowohl im Hochbau als auch im Infrastrukturbereich steigen enorm an. Dies ist auf die höheren Preise der Baumaterialien ebenso zurückzuführen wie auf den enormen Fachkräftemangel im Baubereich. Diese Situation ist nicht nur aktuell akut, sondern sie wird sich in den kommenden Monaten und Jahren noch verschärfen. Das weiß die gesamte Branche.

der Bauprozesse, die unsere Zukunft nachhaltig prägen wird. Es ist jetzt und hier dringend notwendig, dass die Planungsgrundlagen und die Planung selbst auf eine digitale Ausführung des Baus mittels Drucker angepasst werden müssen. Das kann nur in kooperativer und engster Abstimmung zwischen Planern und Ausführenden erfolgen.

In weiterer Folge führt diese gefährliche Entwicklung zu einem gesellschaftspolitischen Problem, da leistbares Wohnen nicht zuletzt auf der Höhe der Baukosten basiert. Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist es notwendig, die Digitalisierung im gesamten Baubereich massiv zu forcieren, um so, gemäß zahlreichen Studien, eine nachhaltige Kostenersparnis von 30–40 Prozent gewährleisten zu können.

Deswegen ist es notwendig, die bisher gesetzlich geregelte Trennung zwischen Planung und Ausführung auch im Ziviltechnikergesetz aufzuheben, um hier, wie vorgesehen, die kooperative Abwicklung von Bauvorhaben zu ermöglichen.

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Die international geschätzte und anerkannte Leistung von Architektinnen und Architekten ist besonders wichtig in der kooperativen Bearbeitung von Bauvorhaben mit der ausführenden Industrie. Nur so kann sichergestellt werden, dass sowohl die Gestaltung als auch die Nachhaltigkeit von Gebäuden in der gewollten und notwendigen Qualität umgesetzt werden kann.

Fotos: Adobe Stock

Digitalisierung als Ausweg

Die Digitalisierung von der Planung bis zur Ausführung, damit meine ich das Drucken von Gebäuden, führt zu einer völligen Veränderung

Kooperative Abwicklung ermöglichen


BauMarketing Gedankensplitter zum Marketing als regelmäßige Kolumne.

Partnering Strategy Sind wir noch zu retten? Regelmäßiger Kommentar: Philipp Kaufmann und Alexander Bosak

Gerade die Bau- und Immobilienwirtschaft ist hoch komplex und es ist fast denkunmöglich allein ohne Partner Immobilien zu bauen beziehungsweise zu bewirtschaften. Wir sind es alle gewohnt, laufend Partnerschaften einzugehen und gemeinsam die gestellten Aufgaben zu lösen, wobei darunter unterschiedliche Konstellationen verstanden werden können: Einerseits handelt es sich rechtlich um eine Beauftragung und es gibt somit einen Auftraggeber und einen Auftragnehmer. Andererseits gehen wir echte Partnerschaften ein, da wir auf Augenhöhe einen Partner suchen, mit dem wir gemeinsam eine spezifische Funktion, beispielsweise die des Bauherren, wahrnehmen. Bei der ersten Konstellation gibt es formal eine klare Verantwortlichkeit und eine offenkundige Machtstruktur, denn der eine „schafft“ an und zahlt, der andere führt aus. Die zweite ist auf den ersten Blick deutlich komplexer, denn einer lädt zumeist ein und der andere nimmt ein Angebot zur Zu-

sammenarbeit an. Die eigentlichen Interessenslagen und Machtverhältnisse sind hier deutlich komplizierter und äußerst mannigfaltig.

Richtige Partnerwahl

Der Spruch „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ ist wahrer, als es auf den ersten Blick scheint, denn mit der Partnerwahl wird eine langfristige Entscheidung getroffen. Mit dieser Wahl gibt es eine Richtungsentscheidung und die Weichen sind gestellt. Eine getroffene Wahl zu ändern, kostet meist nicht nur viel Geld, sondern meist geht Know-how verloren. Darüber hinaus ist mit der Auflösung einer eingegangenen Partnerschaft ein großer Zeitverlust verbunden. All dies führt dazu, dass die falsche Partnerwahl (seien es Dienstleister oder echte Partner) der offensichtlichste Grund für das Scheitern einer guten Idee, eines erfolgsversprechenden Projekts ist. Dies gilt es zu verhindern.

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BauKaufmann

#10

Regelmäßige Kolumne über Fakten und Inhalte, die verändern und prägen.

Abrechnung Szenen zum Schmunzeln und Nachdenken Kommentar: Philipp Kaufmann

Montag, 10.04 Uhr: Geschäftsführer Hubert Allmächtig bittet via Teams-Chat um die aktuelle Abrechnung für das Neubauprojekt „ZentrumsPark“. In seiner kurzen Nachricht steht nur noch „Vor 13 Uhr“ und Max B. weiß, was zu tun ist. Der Auftrag ist ihm Befehl und er hat seine Zahlen im Griff. Max kennt seinen Chef, er arbeitet ja schon seit Jahren mit ihm zusammen. Allmächtig ist ein gewissenhafter Vorgesetzter und ein Zahlenmensch – er hat immer gerne Kontrolle, sucht nicht unbedingt die Nähe zu seinen Mitarbeitern und Anfragen sind daher äußerst selten. Umso dringlicher ist es, wenn er selbst auf einen zukommt und nicht durchs Sekretariat Aufträge verteilen lässt.

Max macht sich an die Arbeit und er hat sein Projekt gut im Griff. Sein Projekt mit 54 Wohnungen, drei Geschäftslokalen und einem Park im neuen Stadtzentrum ist ihm ans Herz gewachsen: Er kennt jede Entscheidung aus dem Effeff, jeden Auftrag und jede Rechnung. Wie er es von seinem unmittelbaren Vorgesetzten gelernt hat, kämpft er bei jeder Beauftragung, jeder Entscheidung für das Unternehmen und es war durchaus ein wahrer Glücksfall, dass gleichzeitig der Unternehmenssitz umgebaut wurde. Er koordinierte beide Projekte und war in seinem Element.

12.59 Uhr: Geschafft. Schon zweimal hat das Sekretariat angerufen, leider war Max noch nicht fertig, jetzt hat er es geschafft und schickt die Excel-Datei direkt in den Besprechungsraum „Gute Stimmung“. Zufrieden und erschöpft gönnt er sich sein Mittagessen. Er ist stolz, denn er hat gute Arbeit geleistet. 17 Uhr: Kurz vor Büroschluss passiert Seltsames: Allmächtig erscheint bei Max B. im Büro. Max hört zu seiner Überraschung kein Lob, sondern einen laut schreienden Chef. Warum hat er diese Kalkulation geschickt? Warum die Aufstellung, wo eindeutig ersichtlich ist, dass der Umbau des eigenen Büros mit dem „ZentrumsPark“ finanziert wird? Warum die Aufstellung, wo alle Kick-backs aufgeführt sind? Jetzt erst hört Max, dass der Termin mit dem 49%-Anteilseigner „Keine Sorgen“, der mit viel Mezzanin-Kapital das wichtigste Projekt der Unternehmensgeschichte mitfinanziert, stattgefunden hat. Fakt ist: Diese Partnerschaft ist beendet und „Keine Sorgen“ steigt aus.

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Fotos: Adobe Stock, alufenster.at – Viennamotion

Einzig unangenehm ist, dass er heute den ersten Tag im Büro ist. Max hat seinen dreiwöchigen Urlaub genossen. In seiner Abwesenheit ist alles nach Plan gelaufen, soweit hat er sich um 8 Uhr bereits informiert, aber es sind schon viele Rechnungen eingegangen, die den Weg noch nicht in seine Kostenverfolgung gefunden haben. Mit wenigen Worten: Viel zu tun!


Zum Autor Harald Greger ist Geschäftsführer des AFI – AluminiumFenster-Institut. Der 1987 gegründete Verein ist eine spartenübergreifende Kooperation österreichischer Gewerbe-, Industrie- und Handelsunternehmen.

Ein geWICHTIGES Buch 1,2 kg Wissen über Fenster Kommentar: Harald Greger

„Ein Buch ist und bleibt ein Buch“ schreibt ein Empfänger des im April 2021 erschienenen Weißbuches des Aluminium-Fenster-Instituts. Obwohl es eine Selbstverständlichkeit ist, den Inhalt eines kompakten Nachschlagewerkes auch online zur Verfügung zu stellen, bleibt die Haptik eines Buches unerreicht. Und wenn das Cover und der Buchrücken auch noch dem qualitätsvollen Inhalt adäquat gestaltet sind, hat man ein „Werk“ in Händen, stellt es gerne ins Bücherregal und nimmt es sich spontan wieder heraus, wenn Fragen zu Design, Technik, Ökologie und/oder Wirtschaftlichkeit zu beantworten sind – ganz ohne Googeln: Das ist heute schon etwas Besonderes. Und das ist gut so, denn bei Neubau und Sanierung treffen Architekten, Bauherren und Immobilienfachleute Entscheidungen, die über viele Jahrzehnte Auswirkungen haben.

Aluminium wiederum liegen in der langen Haltbarkeit und im nahezu unbegrenzt wiederholbaren, umweltschonenden Recycling. So werden 98 Prozent des Altaluminiums im Bauwesen recycliert. Um die Wahl des geeignetsten Werkstoffes bestmöglich informiert zu treffen, versammelt das Weißbuch der Gemeinschaftsmarke ALU-FENSTER diese und weitere wissenschaftliche Erkenntnisse: Die Daten und Fakten basieren unter anderem auf Untersuchungen des Instituts für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement der TU Wien in Zusammenarbeit mit der MA 39, Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien, sowie einer Potenzialanalyse von bauXund und M.O.O.CON. Diese wissenschaftlichen Arbeiten sowie die Richtlinien Metallbautechnik sind im Anhang des Weißbuches verfügbar.

Faktenbasierte Werkstoffwahl

Für die Materialwahl im Bereich Fenster und Fassade gibt es mit dem neuen Weißbuch der Gemeinschaftsmarke ALU-FENSTER ab sofort eine wissenschaftlich fundierte Faktensammlung rund um die Baustoffwahl. Das kompakte Nachschlagewerk kann kostenfrei bestellt werden und steht zum Download sowie als Blätterkatalog online unter www.weissbuch-alufenster.at zur Verfügung.

Ein Weißbuch als Entscheidungshilfe

Eine heute getroffene Entscheidung für einen Werkstoff hat Auswirkungen über einen Gebäudelebenszyklus von 40 Jahren oder mehr. Konstruktionen aus Aluminium punkten hier neben großer Gestaltungsfreiheit mit hoher Verlässlichkeit in Bezug auf ökologische und wirtschaftliche Aspekte: So sind Aluminiumfenster beispielsweise längerfristig die wirtschaftlichste Wahl, verglichen mit Holz- oder Kunststofffenstern. Sie benötigen dank des robusten Werkstoffs und der Oberflächenveredlung kaum Wartung. In einem Betrachtungszeitraum von 50 Jahren machen Aluminiumfenster nur 4,1 Prozent der Lebenszykluskosten eines Gebäudes aus, verglichen mit 7,1 Prozent (Holz) oder 5,4 Prozent (Kunststoff). Die entscheidenden ökologischen Vorzüge von

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Zum Autor Verbandsobmann Bernd Rießland studierte Klavier und Bauingenieurwesen. Nach Stationen im Wirtschaftsministerium, bei Erste Bank und Wirtschaftsagentur Wien ist er seit 2010 Vorstandsmitglied der Sozialbau AG.

Nachhaltiges Bauen und Wirtschaften Kommentar: Bernd Rießland

Ein erster Blick auf das Thema Sanieren zeigt, dass im Schnitt der letzten Jahre pro zwei neu gebauter GBV-Wohnungen eine Bestandswohnung thermisch saniert wurde, in Summe zwischen 7.000 und 10.000 totalsanierte Wohnungen pro Jahr. Rund eine Milliarde Euro werden so jährlich in die Instandhaltung und Sanierung von GBV-Wohnungen investiert. Das ist rund ein Viertel des Gesamt-Investitionsvolumens der GBVs. Werte, die man in anderen Sektoren nicht findet: Denn während bei den GBVs über 70 Prozent aller bis zum Jahr 2000 errichteten Mietwohnungen bereits thermisch saniert wurden, liegt der Durchschnitt aller (im Hauptwohnsitz bewohnten) Wohnungen und Häuser bei nur 47 Prozent. Unter den aus Sicht der Energieeffizienz besonders problematischen Bauperioden vor 1980 sind die GBV-Mietwohnungen praktisch zur Gänze thermisch saniert worden.

Thema Heizen

Ein zweiter Blick zeigt die Nachhaltigkeit der GBVs beim Heizen: Von 2001 bis 2018 wurden 43.000 Ölheizungen aus dem gemeinnützigen Mietwohnungsbestand abgebaut und durch ein klimaschonenderes System ersetzt, das sind fast drei Viertel des Ausgangsbestands von 2001. Hinzu kommen zahlreiche Pilotprojekte, wie zum Beispiel die Kombination von Photovoltaikanlagen am Dach kombiniert mit einem Umstieg auf Wärmepumpen. Summiert man diese Leistungen, zeigt sich ein deutliches Bild: Insgesamt haben Dämm- und Heizungsoptimierungen bei den GBVs neben der guten Neubauqua-

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lität dazu beigetragen, dass pro Wohnung weniger als die Hälfte der CO2-Emissionen des österreichischen Durchschnittshaushaltes anfällt (0,7 Tonnen gegenüber 2,2 Tonnen pro Jahr). Dieser Effekt ist auch auf die kompaktere Wohnungsgröße der GBV-Wohnungen vor allem im Vergleich zum Einfamilienhaus zurückzuführen. Die gemeinnützigen Mietwohnungen haben einen Anteil von 16 Prozent an allen Hauptwohnsitzen, rund 11 Prozent an der gesamten Nutzfläche, aber nur rund 5 Prozent am Heizenergieverbrauch und 4,6 Prozent an den heizungsbedingten CO2-Emissionen.

Leistbarkeit von Nachhaltigkeit

Alle diese nachhaltigen Schritte der letzten Jahrzehnte stehen der Leistbarkeit nicht im Weg. Erst heuer hat das WIFO den GBVs ihre kostendämpfende Wirkung in einer Studie bestätigt: 1,2 Milliarden Euro pro Jahr ersparen sich unsere Mieterinnen und Mieter und auch der geschätzte Eigentumsvorteil aus GBV-Eigentumswohnungen beträgt rund 122 Millionen Euro pro Jahr. Die Gründe dafür: Das privatwirtschaftliche und auf das Gemeinwohl gerichtete Agieren von GBVs unterscheidet sich deutlich von dem der gewinnorientierten Anbieter. Aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Begrenzung der Profite und der kostenbasierten Preissetzung kommt es zu diesen Vorteilen. Und das ermöglicht nachhaltiges Bauen und nachhaltiges Wirtschaften für Generationen.

Fotos: Adobe Stock

Nachhaltigkeit ist aktuell in aller Munde. Oft hört man aber die Kritik, dass nachhaltig kochen, einkaufen oder leben zu teuer ist. Die gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBVs) zeigen beim Thema Wohnen, dass Nachhaltigkeit und Leistbarkeit kein Gegensatz sind.


Zum Autor Stefan Wernhart ist Geschäftsführer der EHL Unternehmenstochter EHL Gewerbeimmobilien und für die Bereiche Office, Retail, Asset Management und Market Research verantwortlich.

Hochwertige sanierte Bestandsimmobilien – aus Alt mach Neu Kommentar: Stefan Wernhart

Die aktuelle COVID-19-Pandemie stellt die Unternehmen weltweit vor sehr große ökonomische und soziale Herausforderungen. Erfreulicherweise hat sich das letzte Jahr, welches fast zur Gänze von der Pandemie und damit verbundenen wirtschaftlichen Turbulenzen und Unsicherheiten geprägt war, rückblickend deutlich erfolgreicher entwickelt, als zunächst angenommen wurde. Trotz der erschwerten Marktbedingungen konnte der Wiener Büromarkt das vergangene Jahr mit einer erfreulichen Gesamtvermietungsleistung von 210.000 m² beenden. Damit lag das Ergebnis nur sieben Prozent unter jenem der Vorjahresperiode. Diese positiven Zahlen und das geringe Fertigstellungsvolumen von ca. 120.000 m² im Vorjahr führten zu einer weiter sinkenden Leerstandsrate.

Im europäischen Vergleich

Aktuell liegt diese mit 4,2 Prozent im europäischen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Anmietungen der letzten Jahre konzentrierten sich beinahe ausschließlich auf neu erschlossene oder bereits etablierte Mikrolagen mit perfekter Infrastruktur und idealer Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Dieser Nachfrageüberhang hatte zur Folge, dass einige Kunden in Lagen wie zum Beispiel der Innenstadt oder in der Region Hauptbahnhof und Umgebung aufgrund des hohen Auslastungsgrades nicht mehr ausreichend Büroflächenangebot vorgefunden haben. Durch die bereits stark reduzierten Flächenreserven zur Entwicklung neuer Büroflächen in manchen Regionen wird verstärkt auf die Revitalisierung von Bestandsimmobilien in bester Lage gesetzt. 2020 betrug der Anteil der Generalsanierungen gemessen am gesamten Fertigungsstellungsvolumen 16 Prozent. Laut unserem EHLResearch-Team wird der Wert im heurigen Jahr schon auf ca. 45 Prozent steigen, bevor dieser Trend 2022 mit rund 75 Prozent seinen bisher höchsten Wert erreichen wird. Schon heute weisen diese Projekte erfreulicherweise einen sehr hohen Vorverwertungsgrad auf. So konnte auch das EHL-Büroteam im Vorjahr zwei Großmieter mit zusammen ca. 65.000 m² bei der Büroflächenanmietung in generalsanierten Bestandsimmobilien in der stark nachgefragten Achse Lassallestraße/

Messe/Prater beraten und während des gesamten Anmietprozesses strukturiert begleiten.

Haus am Schottentor

Ein weiteres prominentes Beispiel für eine erfolgreiche Sanierung einer Bestandsimmobilie in bester Lage ist das Haus am Schottentor direkt am Schottenring. Das Haus wird nach einer Generalsanierung den technischen Anforderungen eines modernen Neubaubüros entsprechen, verfügt zusätzlich über eine perfekte Infrastruktur im direkten Umfeld sowie eine sehr gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Diese Entwicklungen zeigen, dass sich der Wiener Büromarkt in einer stabilen und gesunden Verfassung befindet.

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Zum Autor Architektin Regina M. Lettner ist geschäftsführende Alleingesellschafterin der baukult ZT, Gerichtssachverständige für Nutzwertgutachten und Parifizierung, Vortragende und Mitglied bei Salon Real.

Brett vorm Kopf? Warum wir beim Bauen Materialien UND Prozesse neu denken müssen. Kommentar: Regina M. Lettner

Holz ist Zukunft: Vom ausreichenden Angebot …

… über die steigende Nachfrage …

Die technischen Notwendigkeiten im Holzbau sind längst gelöst. Wir haben im DACHRaum bereits genug Routine der Planer und der ausführenden Firmen und somit auch Rechtssicherheit. Aus unseren Gesprächen mit Investoren wissen wir aber: Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeitskriterien erfüllende Objekte am Markt fehlen. Es wird seit Jahren am Markt und an den Kunden vorbeigebaut. Zahlreiche Umfragen und auch einige Masterstudien an der Donau-Uni Krems zeigen: Die Kunden wünschen sich Holz und Ziegel als Rohbaustoff und Holzfaser oder Schafwolle als Dämmstoff.2

… bis zur fachgerechten Ausführung.

Um den Kosten- und Termindruck zu managen, braucht es Systematisierung, Digitalisierung und Prozessoptimierung. Das hat uns bei baukult ZT bereits 2012 der Bau des Naturfreundehauses Knofeleben als System- bzw. Massivholzbau gezeigt. Herkömmliches Bauen war hier auf Grund der Seehöhe nicht möglich. Wir konnten alles mit BIMPlanung und der daraus gezielt abrufbaren Vorfertigung abwickeln. Nur das Wetter für die Montage lässt sich bekanntlich nicht planen.

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Immobilienentwickler brauchen als Entscheidungsgrundlage wie auch zur Begleitung ihrer Projekte durch alle Entwicklungsphasen im vorgefertigten Holzbau völlig neue, aber umso spannendere Denkweisen. Die Rolle der Generalplanerin baukult ZT ist daher interdisziplinäres Wirken. 2.500 Quadratmeter Büroflächen in neun Tagen dicht in Holzsystembauweise aufstellen, bedeutet nachhaltige Verdichtung, Klimaschutz und schnellere Bauweise und verkürzt sohin Verzinsungsdauer und Verwertung. Das rechnet sich. Auch vergaberechtliche Themen, städtebauliche Verträge und zahlreiche andere Berührungspunkte in Bauprozessen sind neu zu denken. Lösungsansätze dazu wurden in einer gemeinsam mit DI Evelyn Susanne Ernst (DIe ERNST) und Ing. Bernd Höfferl (pro Holz) seit Winter 2021 laufenden Workshopserie für Holzbauexperten aufgezeigt. Fragestellungen waren etwa: Sind Änderungen des BTVG im Hinblick auf System- bzw. Modulbau notwendig? Kann Holzbau für öffentliche Auftragsvergaben forciert werden? Können Makler mit neuen Suchkriterien für Materialfilter Holzbau pushen? Wenn es gelingt, diese Prozesse für den Holzbau neu zu konstruieren, haben wir ein stabiles Fundament für eine wirklich nachhaltige Baubranche. 1: https://www.holzistgenial.at/blog/alle-40-sekunden-waechst-ein-haus-nach/ 2: Masterarbeit Donau-Uni Krems 2021: Fabian Pelwecki, MSc, „Die Qual der Baustoffwahl – Baustoffe/Gebäudehüllen im Wohnbau“

Fotos: Jana Madzigon, Adobe Stock

„Wir haben nicht genug Holz.“ Es ist Zeit, mit diesem Vorurteil aufzuräumen: Ein Drittel des jährlichen österreichischen Holzzuwachses würde bereits für das gesamte Hochbauvolumen in Österreich ausreichen.1 Was wir brauchen, ist eine koordinierte Nutzung der vielen Kleinflächen in Privatbesitz, deren Bewirtschaftung sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht auszahlt.


Gute Aussichten

Smart Cities, Stadtk lima, Architektur, Sozialer Wohnbau, Nachhaltigkeit, Büros, Wohnungslosigkeit, Hotellerie, Rev italisierung, Lu xus, Wohnraumgestaltung, Stadtplanung, Investments, Grätzelent w ick lung, … Wir haben die Gegenwart und Zukunft von Wohnen und Bauen im Blick. Jeden Samstag in Ihrer „Presse“ und unter:

DiePresse.com/immobilien

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ROBOTER AM BAU

KONFLIKTE KOSTEN

Sie errichten Ziegelmauern, drucken Betonbauten, bohren Löcher oder schweißen Bewehrungen – Roboter automatisieren die Baustelle. Sie erledigen schwere Arbeiten und könnten gegen den Fachkräftemangel helfen. Wäre da nicht die Hürde der fehlenden digitalen Datenbasis.

Wenn sich gegensätzliche Standpunkte verhärten und/ oder Emotionen das Gesprächsklima beherrschen, ist eine sachliche Lösung eines Konfliktes oft, ohne Hilfe Dritter, nicht möglich. Eine professionelle Mediation kann helfen, eine Lösung zu finden.

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KREISLAUFWIRTSCHAFT Klimaziele, ESG und zu Ende gehender Deponieraum verschärfen die Frage nach einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Dem hochwertigen Recycling von Bauabfällen oder Baurestmassen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

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Foto: Adobe Stock

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Roboter am Bau Im Einsatz. Sie errichten Ziegelmauern, drucken Betonbauten, bohren Löcher oder schweißen Bewehrungen – Roboter automatisieren die Baustelle. Sie erledigen schwere Arbeiten und könnten gegen den Fachkräftemangel helfen. Wäre da nicht die Hürde der fehlenden digitalen Datenbasis und die mangelnde Einbindung von unter anderem BIM. Autor: Lisa Grüner

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as Thema Robotik steckt im Handwerk noch in der Anfangsphase und beschränkt sich auf erste Praxiseinsätze und Pilotvorhaben im Rahmen der Forschung und Entwicklung. Doch jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und auch die längste Reise erfolgt mit dem ersten Schritt. Eines ist klar, langfristig wird die Technologie die Arbeit auf dem Bau verändern und die (teil)automatisierte Baustelle wird bald zur Realität werden. Wir wollen einige Roboter vorstellen, die schon im Einsatz sind: Sie sollen vor allem anstrengende, gefährliche und monotone Arbeiten verrichten.

Fotos: Aaron Hargreaves/Foster+Partners, Christian Holzinger/Pixelatelier

Auch die EU unternimmt Anstrengungen, damit Europa beim Thema Robotik und Automation der Baustelle international vorne dabei ist. Im Rahmen des Förderprogramms Horizont 2020 wurde das Projekt „European SMEs Robotics Applications“, kurz ESMERA, aufgelegt. Es soll insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, Robotik-Lösungen zu entwickeln und in den nächsten Jahren auf den Markt zu bringen.

Roboterhund „Spot“

Der Roboterhund „Spot” ermöglicht es, 3DScandienstleistungen zu (teil)automatisieren, um Objekte wie Gebäude, Maschinen etc. zu digitalisieren. Dafür wird ein Laserscanner auf dem Rücken von „Spot“ montiert. „Spot“ kann sich eine vorab einmal gegangene Route selbst einprägen und diese dann automatisch erneut nachgehen. Dabei erstellt er dann ein reales und detailgenaues, digitales Abbild, einen sogenannten „Digital Twin“, des jeweiligen Objektes. Der Roboterhund kann überall dort eingesetzt werden, wo Menschen nur schweren oder keinen Zugang haben, zum Beispiel in einem kontaminierten Gebiet. Insbesondere für die Dokumentation von Bauabschnitten und den verschiedenen Bauphasen ist das von

Nutzen, da die Scans immer von der genau gleichen Stelle (wie zuvor einprogrammiert) erstellt werden. Der Einsatz erfolgt über Fernsteuerung beziehungsweise eine automatisierte Route, die ihm vorab eingeprägt wird. Stößt er auf seinem Weg auf Hindernisse, wie zum Beispiel Kabelrollen oder Leitern, erkennt er diese automatisch und weicht aus. Probleme könnten sehr enge Durchgänge bereiten, durch die er aufgrund der automatischen „object avoidance“ (also dem „Kollisionsassistenten“) eventuell nicht weiterkommt. Zudem können gänzlich versperrte Wege mit hohen Barrieren oder eine sich stark veränderte Umgebung im Vergleich zur vorab gespeicherten Route Schwierigkeiten darstellen.

Der Einsatz macht überall dort Sinn, wo eine automatisierte und regelmäßige 3D-Erfassung eines Objektes gefragt ist. Damit haben Bauleiter, Planer etc. immer und überall Zugriff auf aktuelle Daten von der Baustelle. Zusätzlich kann aber auch zum Beispiel noch Jahre nach Abschluss des Bauprojekts hinter Fassaden, Decken oder Böden geschaut und sich ohne großen Aufwand ein Bild von vor Ort gemacht werden – um beispielsweise Wartungseinsätze besser zu planen oder Kosten bei der Suche nach „Fehlerquellen“ zu reduzieren. Das Aufstemmen von Böden oder Wänden fällt weg, denn es kann mit den 3D-Daten gezielt vorgegangen werden, da Ist-Pläne anstatt Soll-Pläne zur Verfügung stehen. www.qapture.at

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Roboterinstallationssystem Schindler R.I.S.E.

Um den anspruchsvollen Anforderungen der Montageplanung in hohen Gebäuden gerecht zu werden, setzt Schindler Roboter ein, die einzelne Montageschritte autonom ausführen. Die Form der Montage bietet eine hohe Genauigkeit, verbesserte Planung durch BIM-Integration und eine Reduktion von nicht ergonomischen manuellen Aufgaben. So kann beispielsweise das Bohren und Setzen der für Aufzugsschachttüren, Trennbalken sowie Wandhalterungen erforderlichen Ankerbolzen viel schneller ausgeführt werden. Auf der Plattform ist eine Kamera montiert, um eine konstante Fernüberwachung zu ermöglichen, wobei das System rund um die Uhr unabhängig ohne Steuerperson arbeitet. Das System hat eine Schnittstelle zum Building Information Modeling (BIM), wodurch der Roboter Daten direkt aus dem digitalen Gebäudemodell abrufen kann. Dies stellt sicher, dass die Schrauben genau entsprechend dem Layout platziert werden, und macht eine manuelle und fehleranfällige Datenübertragung an Montagemitarbeiter obsolet. Informationen und Daten aus jedem einzelnen Schritt der Installation werden aufgezeichnet und automatisch im digitalen Modell des Gebäudes abgespeichert beziehungsweise ausgetauscht, um später in der Bau- und Wartungsphase des Projekts darauf zurückgreifen zu können. Schindler hat auch eine Forschungsvereinbarung mit dem Council of Tall Buildings and Urban Habitat (CTBUH). Es wird untersucht, wie Robotertechnologien Bauprozesse von Hochhäusern positiv beeinflussen können, um Qualität sowie Geschwindigkeit des Baus zu verbessern und gleichzeitig ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten. www.schindler.com

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Fotos: Schindler, KUKA@Aeditive

3D-Betondruck-Fertigung

Brücken, Wände oder ganze Häuser sollen zukünftig modular aus dem 3D-Drucker kommen. Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen arbeiten hierbei an der Herstellung von Betonbauteilen und den dazugehörigen Planungs- und Ausführungsprozessen. Bei KUKA tragen Roboter mit gleichmäßigen Bewegungen aus einer großen Düse Spritzbeton auf einen Gitterstahlkorb auf. Schicht für Schicht wächst ein feucht glänzendes, blau-graues Gebilde – noch mit Wellenstruktur und rauer Oberfläche, die dann bald von einem zweiten Roboter mit einem großen spachtelartigen Werkzeug glatt und in Form gestrichen wird. Die mobil einsetzbare 3D-Betondruck-Fertigung erfolgt mit zwei sechsachsigen KUKA Robotern aus der KR Quantec ultra Serie. Mit einer maximalen Traglast von 300 Kilogramm und einer Reichweite bis zu 3.900 Millimetern gehören sie zu den stärksten und kompaktesten Industrierobotern. Als Foundry-Varianten sind sie besonders geeignet für Bereiche mit hohem Verschmutzungsgrad, hoher Feuchtigkeit und hohen Temperaturen. Die Maschinen sind komplett eingehaust, arbeiteten autonom und lassen so einen maximal sicheren Produktionsraum für die überwiegend sehr schweren Bauteile entstehen. Die kompakte Anlage ist

ausgerichtet auf verbaufertige Betonteile in Größen von bis zu 11 x 4 x 4 Metern, inklusive Bewehrung und Einbauteilen. Wie die ersten Ergebnisse in der Zusammenarbeit mit Pilotkunden zeigten, ergäbe sich für potenzielle Nutzer eine ganze Reihe attraktiver Vorteile: Der hohe Automatisierungsgrad steigert die Produktivität, das Arbeiten ohne Verschalungen erlaubt flexible Anpassungen der Produktionsplanung, Schalungsmüll fällt weg. Der

digitale Fertigungsprozess bringt auch eine höhere Qualität und eine bessere Planbarkeit aufgrund von präziser Simulationsfähigkeit mit sich. Voraussetzung für die Automatisierung und den Roboter-Einsatz im Betonbau sind eine digitale Bauteilplanung und die laufende Auswertung von Sensordaten zur Materialqualität. www.kuka.com

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Jaibot erledigt Deckenmontage

Mit Hilfe des semiautonomen, mobilen Baustellenroboters Jaibot können Installateure Rohrleitungen oder Kabelschächte schneller und präziser verlegen. Der Jaibot holt sich die Daten aus dem BIM-Modell und ist in der Lage, sich unter Aufsicht in den Innenräumen eines Rohbaus akkurat auszurichten, Löcher zu bohren und diese für die folgenden Gewerke zu markieren. Besonders effizient arbeitet der Roboter bei der Deckenmontage. Denn Bohren

über Kopf gilt als eine der anstrengendsten Tätigkeiten im Heizungs-, Klima- und Lüftungsbau. Acht Stunden lang kann der kabellose Jaibot bohren und erledigt gleichzeitig die Absaugung des Staubs. Der Installateur importiert über das Tablet PLC 400 den digitalen Bohrplan und verbindet den Jaibot mit der Totalstation PLT 300. Den Rest erledigt der Roboter. www.hilti.de/jaibot

exxotec human robotics

Exoskelette zählen zu den dynamischen Entwicklungen aus Mechanik und Technik, die industrielle Arbeit durch angewandte Wissenschaft richtungsweisend ändern. Sie werden außerhalb des Körpers als Stützstruktur des menschlichen Organismus angebracht und unterstützen und verstärken jegliche Bewegung. Dadurch werden Ausdauer und Leistungsfähigkeit gesteigert und vor allem Überlastungen abgefedert und Verletzungen vorgebeugt. Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates sind ein Hauptverursacher von Arbeitsunfähigkeit und krankheitsbedingten Ausfallzeiten. Eingesetzt werden die Exoskelette dort, wo die Arbeit des Menschen durch eine vollautomatisierte Produktion oder Robotik-Systeme nicht sinnvoll ersetzbar ist. Dazu zählen schwere Arbeiten am Bau, in der Pflege, im Bereich der Logistik und der industriellen Produktion. Ein ganzheitlicher Ansatz in der Test- und Implementierungsphase von Exoskeletten ist für das Unternehmen notwendig. Das bedeutet, dass bei der Evaluierung der Arbeitsplätze der Mitarbeiter von Anfang an immer eingebunden ist. www.exxotec.com

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Fotos: Aerovision Drone Support, Hilti, Marti Holding

Automatisierte Arbeitslinie

Das Schweizer Unternehmen Marti als Hersteller von Betonfertigteilen und Herrenknecht Formwork als Lieferant von Tübbing-Produktionsequipment haben eine automatisierte Arbeitslinie mit Robotern entwickelt. Das Robotersystem hängt kopfüber an einer Verfahrbrücke (ähnlich einem Brückenkran) und hat dadurch einen optimalen Zugang zu den Schalungen. Für die Produktion der Betonsegmente für das Projekt Sarner Aar erledigt der Roboter folgende Aufgaben: Öffnen der Schalung durch einen SPS-gesteuerten Drehmomentschrauber, Reinigen und Einölen der Schalung, Schließen der Schalung durch einen SPS-gesteuerten Drehmomentschrauber und der Einbau von Plastikstutzen. Nach der Betonierkammer wurde ein weiterer Roboter installiert, der die Oberfläche des Betonsegmentes abzieht und verdichtet. Dieser Roboter ist stationär und kann nicht verfahren werden. In der Fertigteilindustrie sind Roboter und Automatisierung im Vormarsch. Es werden zunehmend kollaborierende Roboter eingesetzt werden, die ein Arbeiten Mensch & Roboter ermöglichen. Zudem werden die Prozesse entsprechend den Ideen zu Industrie 4.0 vernetzt. Die Systeme, die bislang hauptsächlich Daten gesammelt haben, werden nun die Produktionsleitung in ihren Entscheidungen unterstützen und die Prozesse sicherer machen. Ebenso wird die Künstliche Intelligenz Einzug halten. Herrenknecht hat auch hier bereits erste Prototypen im Einsatz. www.herrenknecht.com

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Drohnen auf der Baustelle

Im Bereich der Planung und Bauvorbereitung kommen Drohnen zum Beispiel für Urgeländeaufnahmen zum Einsatz. Dabei wird der zu bebauende Untergrund mittels eines Laserscanners oder einer RGB-Kamera aufgenommen und eine hochgenaue 3D-Punktwolke erstellt. In der Baufortschrittsdokumentation wird oftmals auf Drohnen gesetzt, um den Fortschritt zu kontrollieren oder auch zu visualisieren. So können beispielsweise mehrfach Videos aus den exakt gleichen Winkeln oder Flugpfaden aufgenommen und später übereinandergelegt werden. Ein weiterer großer Anwendungsbereich ist die Berechnung von Aushubmengen. Wie bei der Urgeländeaufnahme wird das jeweilige Areal beflogen und in eine Punktwolke umgewandelt. Im Falle eines Laserscanners werden die Messpunkte direkt vom Scanner gemessen und durch die Position der Drohne im Koordinatensystem zugeordnet. Bei der fotogrammetrischen Berechnung werden, je nach Größe, hunderte oder sogar tausende Bil-

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der in einem vordefinierten Raster aufgenommen. In jedem dieser Bilder ist hinterlegt, an welcher Position, in welcher Höhe und in welchem Winkel es aufgenommen wird. Durch die visuellen Kontrastpunkte werden einzelne Punkte multianguliert und im dreidimensionalen Koordinatensystem vermerkt. Messungen, die so zustande kommen, weisen eine Genauigkeit auf, die sich im Millimeterbereich bewegt. Die gewonnenen Punktwolken sind georeferenziert und können so in alle gängigen GIS-Systeme und Software für die Baubranche importiert werden. Durch die ge-

nauen Berechnungen gewinnt man vor allem bei sehr weitläufigen Liegenschaften, sehr unregelmäßigen Aushubflächen oder schwer zugänglichem Gelände genaue Daten. Branchenriesen wie die STRABAG oder Betreiber von Kieswerken und Aushubdeponien setzen auf Drohnen, um Aushub- oder Materialmengen zu berechnen und gegebenenfalls auch zu kontrollieren, da sich die Kosten an zu viel verrechnetem Schüttungsmaterial oder Aushubmengen bei größeren Projekten schnell im Millionenbereich niederschlagen können. www.dronetech.at


Fotos: Dronetec, Peri/Achim Reissner

Wohnhaus aus dem 3D-Drucker

In Wallenhausen kam bereits das erste Fünffamilienhaus mit drei Stockwerken und circa 380 Quadratmeter Wohnfläche aus einem 3D-Betondrucker. Es ist das größte gedruckte Mehrfamilienhaus Europas. Hierbei setzte Peri den Portaldrucker BOD2 ein. Bei dieser Technik bewegt sich der Druckkopf über drei Achsen auf einem fest installierten Metallrahmen. Der Vorteil: Der Drucker kann sich in seinem Rahmen an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen und muss nur einmal kalibriert werden. Diese spart Zeit und Kosten. Während des Druckvorganges berücksichtigt der Drucker bereits die später zu verlegenden Leitungen und Anschlüsse für Wasser, Strom etc. Der BOD2 ist so zertifiziert, dass auch während des Druckvorgangs im Druckraum gearbeitet werden kann. Manuelle Arbeiten, wie zum Beispiel das Verlegen von Leerrohren und Anschlüssen, können auf diese Weise einfach in den Druckprozess integriert werden. Das für den Druck des Hauses in Wallenhausen eingesetzte Material „i.tech 3D“ wurde von HeidelbergCement speziell für den 3D-Druck entwickelt. Bedient wird der Drucker von zwei Personen. Der Druckkopf

und die Druckergebnisse werden per Kamera überwacht. Mit einer Geschwindigkeit von 1 Meter/Sekunde ist der BOD2 aktuell der schnellste 3D-Betondrucker auf dem Markt,

er benötigt für eine 1 Quadratmeter große doppelschalige Wand rund fünf Minuten. www.peri.de

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Zum Autor Frank Brün ist Managing Partner bei Phorus Management und Gründungsvorsitzender der AREAMA – Austrian Real Estate Asset Management Association.

Holz könnte auch Spaß machen Kommentar: Frank Brün

Nicht erst, seit die 257ers ihre Hymne „Holz“ vor ein paar Jahren herausgebracht haben, bin ich ein echter Holz-Fan. Amerikanische Rapper singen üblicherweise von großen Autos, riesigen Villen, schönen Frauen, und vor allem über den grandiosen Sex in denselben beziehungsweise mit jenen. Einem einfachen Geist wie mir hingegen genügt der Baustoff Holz als solcher und die Möglichkeit einen Artikel darüber für Sie zu schreiben durchaus, um zufrieden zu sein. Holz ist immer noch eine ernste Sache: Googelt man nach der lustigen Seite von Holz, wird es schnell fad. Ja, doch – „wenn Pinocchio sich erkältet hat, geht er zum Holz-Nasen-Ohrenarzt“ liegt von dem, was ich gefunden habe, im oberen Segment. Selbst für Genderdiskussionen ist das sächlich neutrale Holz zum Glück wenig geeignet.

Preistreiberei durch Verknappung

Selbst die Flakes gehen aus

Eine Normalisierung ist nicht in Sicht und in England werden „99 Flakes“ des Herstellers Cadbury, die traditionell zu Softeis gereicht werden, knapp. In sozialen Netzwerken wird schon berichtet, der (englische) Sommer sei so gut wie abgesagt – und das ganz ohne Einfluss durch den Brexit. Das war jetzt ein komplett Corona-freier Beitrag – ist das überhaupt erlaubt?

Fotos: Adobe Stock, Sima.pix

Mehr Spaß haben zurzeit die Holzproduzenten und Händler, nachdem die globalisierten Proponenten beschlossen haben, den Markt erst einmal dichtzumachen, den Europäern kurzfristig das Feld für massive

Preissteigerungen zu überlassen, um dann mit vollen Lagern in Europa nach den Preissteigerungen wieder durchzustarten. Wer aktuell eine Baumaßnahme plant, ausschreibt oder bereits durchführt, weiß davon ein Lied zu singen. Die künstliche Verknappung des Baustoffs Holz ist der Entwicklung des Holzbaus leider nicht zuträglich, da dieser nur eine breite Akzeptanz erhält, wenn das nicht nur die ökologischere, sondern auch eine kostengünstigere Alternative bei der Ausführung sein kann. Neben den kaum kalkulierbaren Preisen in der nahen Zukunft machen den Käufern insbesondere die erschwerte Verfügbarkeit und nicht garantierte Lieferzeiten enorme Schwierigkeiten.

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Zum Autor Andreas Kreutzer ist Geschäftsführer des Beraternetzwerks Kreutzer Fischer & Partner mit Sitz in Wien. Seit nahezu 30 Jahren unterstützt KFP unter anderem Unternehmen bei Marktanalysen und Projekten.

Die Hürden zum Holzobjektbau Kommentar: Andreas Kreutzer

In den letzten Jahren rückten spektakuläre Projekte wie etwa der Gare Maritime in Brüssel, das HoHo Wien, der Mjøsa Tower in Brumunddal oder zuletzt das Roots in der Hamburger Hafencity den Holzobjektbau auch in unserem Land in den medialen Fokus. Doch wenngleich derartige Leuchtturmprojekte zweifellos das Interesse am großvolumigen Holzbau wecken, ist in Österreich dessen Marktanteil zuletzt kaum gewachsen. Zwar erhöhte sich der Auftragsstand bezogen auf die Anzahl der zu errichtenden Gebäude zwischen 2015 und 2020 jährlich um durchschnittlich 2,9 Prozent, nichtsdestotrotz lag im vergangenen Jahr der Anteil des Holzobjektbaus an den insgesamt bewilligten Gebäuden im Geschoßwohnbau und NichtWohnbau mit 7,7 Prozent (402 Gebäude) nur um wenige ZehntelProzentpunkte über den Marken der Jahre davor. Im Wohnbau lag der Marktanteil im letzten Jahr bei 4,1 Prozent, im Nicht-Wohnbau bei 12,6 Prozent. Von einem Boom kann also keine Rede sein.

Eine Argumentationsfrage

Wenngleich der Holzbau in einem Land wie Österreich, in dem Beton und Ziegel als Baustoffe, verkleidet mit glatter Putzfassade das Stadtbild dominieren, kein einfaches Standing hat, ist er für die vergleichsweise geringe Dynamik im Wesentlichen selbst verantwortlich. Denn die Positionierung des Holzobjektbaus dockt vor allem an „weltanschauliche“ Themen an, anstatt wirtschaftliche Argumente ins Treffen zu führen. Denn, architektonische Aspekte unberücksich-

tigt, wird der Holzbau primär als ökologische, regional bezogene Alternative verkauft.

Luxusprodukt Holz?

Ein Bauherr handelt mit einem Gebäude in Holzbauweise „nachhaltig“ und demonstriert Wertschätzung für eine regionale Wertschöpfung, selbst wenn – wie so oft – der Kern eines Gebäudes in Stahlbeton ausgeführt wird. Von Kosten- oder Qualitätsargumenten hört man indessen kaum. Das führt dazu, dass in der öffentlichen Wahrnehmung Geschoßbauten in Holzbauweise in gewisser Weise ein „Luxus“ sind, den man sich leisten können muss. Dabei gibt es für den Objekt-Holzbau durchaus auch „handfeste“ Gründe, die allesamt aus der in der Regel kürzeren Bauzeit und einem alles in allem vergleichsweise höheren Qualitätsanspruch von holzverarbeitenden Unternehmen resultieren. Unglücklicherweise werden diese Vorteile aber in keinem Angebot monetär quantifiziert. Vielmehr beschränkt man sich diesbezüglich auf qualitative Ansagen und hofft, dass am Ende des Tages die Imagekomponente sticht. Auf diese Weise wird der Holzbau jedoch die vom Massivbau definierten Spielregeln nicht wirklich ändern können. Genau das wäre aber notwendig, wenn man zu einem relevanten Player am Markt werden möchte. Andernfalls wird man wohl bis auf weiteres nur eine Nische besetzen – und sei es in architektonischer und ökologischer Hinsicht eine noch so anziehende. Abgesehen davon sollte man sich möglicherweise doch noch etwas zum Thema Brandschutz einfallen lassen. Im HoHo Wien gilt im gesamten Gebäude Rauchverbot.

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GOLD „PIONIERLEISTUNG“: PILOTPROJEKT „SMART BLOCK, GEBLERGASSE 11 + 13, 1170“ Bei diesem Revitalisierungsprojekt entstand das erste nachhaltige Energienetz in einem gründerzeitlichen Häuserblock. Es basiert auf dem Forschungsprojekt „Smart Block“ und „Smart Block II Energy“, dass durch die Architektinnen Jutta Wörtl-Gössler und Uli Machold konzipiert und von der Stadt Wien (MA50, MA20) sowie dem Umwelt- und Energiefonds gefördert wurde. Durch liegenschaftsübergreifende Gemeinschaften sollen dabei bessere Resultate bei Energie-, Freiraum- und Mobilitätsversorgung erreicht werden. Auf Grundlage dieses wissenschaftlichen Konzepts wurde das Projekt in Abstimmung mit dem Wohnfonds Wien sowie durch Kooperation der Eigentümer ermöglicht und ganz im Zeichen einer aktiven Energiewende umgesetzt.

Fotos: Lisi Zeininger

Bauherr: GEB11: Angelika + Johannes Zeininger, GEB13: Stefan + Johann Fischer Planer: Zeininger Architekten; Hollinsky & Partner ZT; TB Käferhaus; Prause iC ZT Bauausführendes Unternehmen: Profitbau; SOLO Bau

Wiener Stadterneuerungspreis 2020/21 Ausgezeichnet. Der Wiener Stadterneuerungspreis der Landesinnung Bau zeichnet die umfassende Expertise von Planern und ausführenden Bauunternehmen aus und veranschaulicht Trends und Innovationen bei Sanierungen. Die Fachjury kürte zehn Projekte in den Kategorien „Pionierleistung“, „Wiener Meisterleistung“ und „Bravour Leistung“ und vergab auch einen Sonderpreis. Die vier Siegerprojekte wollen wir hier vorstellen. Autor: Lisa Grüner

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Fotos: Bruno Klomfar

GOLD „WIENER MEISTERLEISTUNG“: PORZELLANGASSE 36, 1090 Die denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftsimmobilie aus der Gründerzeit befindet sich im Besitz der PUBA Privatstiftung, die auf die Kombination aus traditionellem Handwerk und dessen moderner Interpretation setzte. Die Planung übernahm Praschl-Goodarzi Architekten. Die originalgetreue Sanierung fand in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt sowie zahlreichen Restauratoren statt und wurde von Baumeister Rudolf Denk realisiert. Gefördert wurde die Restaurierung der straßenseitigen Fassade vom Wiener Altstadterhaltungsfonds. Bauherr: PUBA Privatstiftung zur Unterstützung und Bildung von Arbeitnehmerlnnen Planer: Praschl-Goodarzi Architekten ZT Bauausführendes Unternehmen: Baumeister Rudolf Denk

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Das ehemalige Bürohaus wurde in den 1960er Jahren vom Wiener Architekten Harry Glück in Stahlbetonskelettbauweise errichtet. Nun wurde es von BWM Architekten im Auftrag der WertInvest als modernes Wohnhaus mit plastischer Fassadengestaltung revitalisiert. Das Sanierungsprojekt umfasste unter anderem die komplette Neugestaltung der Fassade mit Loggien und Austritten für die Fassadenbegrünung zur Aufwertung von Wohn- und Stadtraum. Bauausführendes Unternehmen war AY-KA Bau. Im Zuge der Realisierung erfuhr das Objekt im 3. Wiener Gemeindebezirk eine vollständige bauliche Transformation in eine hochwertige, moderne Wohnimmobilie. Bauherr: WertInvest Planer: BWM Architekten und Partner ZT Bauausführendes Unternehmen: AY-KA Bau

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Fotos: BWM Architekten

GOLD „BRAVOUR LEISTUNG“: TRAUNGASSE 12, 1030


SONDERPREIS FÜR „SCHWIMMENDE GÄRTEN“ Mit den „Schwimmenden Gärten“ der Kaiserbadschleuse am Wiener Donaukanal wurde im Rahmen des Wiener Stadterneuerungspreis 2020/21 erstmals ein Sonderpreis für ein herausragendes Projekt vergeben, das auf innovative Weise neue Erholungsflächen mitten in Wien schafft. Gebaut wurde die Kaiserbadschleuse zu Beginn des 20. Jahrhunderts, um den Donaukanal schiffbar zu machen. Im Sommer 2020 erfolgte der Umbau der Schleuseninsel sowie die Erschließung für die Öffentlichkeit im Auftrag der Stadt Wien durch die STRABAG als Generalunternehmerin nach dem Vorbild der „Schwimmenden Gärten“ an der Pariser Seine. Die Schleuseninsel wurde mit Sitzlandschaften aus Holz, neuen Bodenbelägen sowie Pflanzeninseln ausgestattet. Die urbane Begrünung soll im Sommer aktiv zu einem angenehmeren Stadtklima beitragen.

Fotos: Wiener Gewässer Management

Bauherr: Wiener Gewässer Management Planer: Carla Lo Landschaftsarchitektur, ghp Gmeiner Haferl & Partner ZT Bauausführendes Unternehmen: STRABAG

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Kreislaufwirtschaft Abbruch und Verwertung. Klimaziele, ESG und zu Ende gehender Deponieraum verschärfen die Frage nach einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Dem hochwertigen Recycling von Bauabfällen oder Baurestmassen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Autor: Lisa Grüner

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Foto: Porr

ass ein Denken in Kreisläufen essenziell ist, zeigen die Zahlen: Die Bauwirtschaft verursacht rund 40 bis 50 Prozent des gesamten österreichischen Energie- und Ressourcenverbrauchs und rund 72 Prozent des gesamten Abfallaufkommens inklusive Aushubmaterialien. Es geht bei der Kreislaufwirtschaft darum, Baurestmassen wie zum Beispiel Beton oder Ziegel möglichst sortenrein zurückzugewinnen. Innovationspotential liegt beispielsweise bei der automatisierten Identifizierung und Ausschleusung von Störstoffen. Ziegel und Beton sind prinzipiell sehr gut wiederverwertbar, trotzdem ist Recyclingbeton noch nicht sehr weit verbreitet. Hauptsächlich werden Recyclingfraktionen im Straßen- und Wegebau verwendet. Die vermischteren beziehungsweise auch feinere Bestandteile von Baurestmassen spielen heute schon eine wichtige Rolle bei der Zementherstellung. Auch Ziegelsplitt wird dort ganz gezielt als Tonträger eingesetzt. In Zukunft wird auch das Karbonatisierungs-Potential, also die Fähigkeit des Zementsteins im Beton CO2 wieder aufzunehmen und in stabilen Kalkstein umzuwandeln, eine wichtige Rolle in der Kreislaufwirtschaft spielen.

Urban Mining nimmt damit tatsächlich Fahrt auf. Da die im Bau teilweise verwendeten Primärressourcen nicht nur umwelt- und gesundheitsschädigend sein können, sondern auch immer knapper und immer teurer werden, spitzt sich das Thema weiter zu. Doch

die Praxis zeigt, dass noch viel Entwicklungsbedarf besteht.

Schwierigkeiten des Urban Mining

Zurück zum Urban Mining. Viele Bestandsbauten, die nicht in diesem Sinne errichtet wurden und deren Baustoffvorrat nicht bekannt ist, stellen ein Problem dar. Hier fällt es besonders schwer, verbautes Baumaterial zu trennen, weiterzuverarbeiten und wiederzuverwenden. „Zentral sind hier natürlich auch allgemeine Rahmenbedingungen und Möglichkeiten, denn es reicht nicht, wenn ein Umdenken in einzelnen Unternehmen stattfindet. Vor allem die Bauherren haben hier eine zentrale Rolle und entscheiden, wie viel Nachhaltigkeit in einem Gebäude umgesetzt wird“, so Wolfgang Kradischnig, Geschäftsführer von Delta. „Das müssen keine durch und durch grünen Projekte sein – jeder kleine Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit ist bereits ein Erfolg und zeigt, wie positiv sich zum Beispiel natürliche Materialien auf die Nutzer, die Umwelt und natürlich auch die langfristigen Betriebskosten einer Immobilie auswirken.“

Wie geht es weiter?

Seit Anfang 2020 unterzieht die BIG jeden Neubau und jede Generalsanierung mit dem OI3 Berechnungsverfahren einer ökologischen Gesamtbewertung. Dadurch kennen sie die Masse aller Materialien der thermischen Hülle, der tragenden Konstruktion und der Trennwände von Nutzungseinheiten und wis-

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erfolgen im Rahmen des Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 Maßnahmen zur Reduktion von Abfällen und Schadstoffen und die Förderung von Recycling, neuen Technologien wie E-Mobilität und PV-Anlagen über Green Building bis zum Einsatz von Wasserstoff.

„Die eingeschränkten Materialverfügbarkeiten relevanter Bauprodukte zeigen einen dringenden Handlungsbedarf.“ Hubert Wetschnig, Habau Group sen, welche Materialien in welchem Umfang in Gebäuden verbaut sind und welche davon wiederverwendet beziehungsweise -verwertet werden können. Eine weitere Maßnahme ist die Einführung eines Rückbaukonzepts bei Planungen, um damit die Wiederverwendbarkeit von Materialien zu forcieren und die Abfallmengen in der Immobilienwirtschaft deutlich zu reduzieren. Bei der EHL wird im Bereich Sanierung, Umund Ausbau bei jedem Projekt auf die Wiederverwendbarkeit von Materialien geachtet. Die Kunden werden auch in Richtung Energieeinsparung und Nachhaltigkeit beraten bis hin zur Umsetzung. Ein Fokus liegt dabei unter anderem auf Sanierungen von Kälteanlagen. „Wir legen Wert darauf, mit Firmen zusammenarbeiten, die das Abbruchmaterial ordnungsgemäß entsorgen und uns das auch bescheinigen können“, so Yasmin Obojkovits, Bereichsleiterin der Baumanagement Abteilung bei EHL Immobilien. Bei Habau blickt man auf eine jahrzehntelange Erfahrung in der Baurestmassenaufbereitung zurück. „Aktuell sind Themen rund um die Ökobilanz von zum Beispiel Betonstahl, Recyclinganteil von Asphaltmischgut und Transportleistungen bereits bei ausgewählten öffentlichen Ausschreibungen Bestandteil der Bestbieterermittlung“, so Hubert Wetschnig, CEO der Habau Group. Bei der Leyrer + Graf Baugesellschaft

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Bei Drees & Sommer blickt man schon in die Zukunft, wo kreislauffähige Gebäude, die das ihnen innewohnende Rohstoffdepot ausweisen können, einen höheren wirtschaftlichen Wert haben werden. Denn die Baumaterialien machen zumindest 20 Prozent der Baukosten aus. Je höher der Anteil an wiederverwendbaren Materialien, desto höher der Gebäudewert. Klingt futuristisch? Ist es aber nicht. „Wir haben bereits die ersten Pilotprojekte umgesetzt, wo mit derzeit gängigen Bewertungsmethoden der Materialwert in die Gebäudebewertung einfließt“, so Nadja Pröwer, Mitglied der Geschäftsführung des Immobilienberatungsunternehmens Drees & Sommer Österreich. „Eine andere spannende Tendenz am Markt ist das Leasen von Services. So gibt es bereits Anbieter, die eine bestimmte Lichtleistung und keine

Leuchten verkaufen. Am Ende der Lebensdauer der Leuchten werden diese vom Anbieter ausgetauscht und das Material wiederverwendet.“

Die Rolle von BIM

Mit BIM lässt sich ein Gebäude lebenszyklusorientiert planen, weil von Anfang an verschiedenste Aspekte vom ersten Entwurf bis zum Facility Management und Rückbau berücksichtigt werden können. Mit BIM lässt sich bereits in 3D, 4D und 5D (die 4D- und 5D-Versionen beinhalten bereits Termine und Kosten des Bauvorhabens) arbeiten – in

Recycling Center Himberg (RHC)


Fotos: Porr, Gerry Mayer-Rohrmoser, Horst Dockal

Zukunft wird es mit der BIM 6D-Version auch möglich sein, den ökologischen Footprint eines Gebäues zu berechnen. Jedenfalls enthält das 3D-Gebäudemodell die wesentlichen Informationen über die in einem Gebäude verbauten Materialien. „Dieses Wissen ist die wichtigste Grundlage für das künftige Wiederverwenden, Aufbereiten oder Rezyklieren von Baumaterialien“, so Hans-Peter Weiss, CEO der BIG. „BIM hat jedenfalls das Potenzial, ein bedeutendes Werkzeug für die Kreislaufwirtschaft in der Immobilienbranche zu werden.“ Schon in der Planungsphase und dem Ein-

satz moderner Tools und Software sind viele Optimierungen im Bereich eines umweltoptimierten Entwurfs möglich. Dabei können erneuerbare oder recycelte Materialien mit neuen Bauverfahren wie Lean-Management oder 3D-Druck kombiniert werden. „Der Einbau von Sensoren trägt zur Optimierung der Energieeffizienz oder auch der Raumluft oder -auslastung bei“, so Stefan Graf, CEO der Leyrer + Graf Baugesellschaft. „Dies wiederum wirkt sich sehr positiv auf die Nutzungsdauer des Bauwerks aus und ermöglicht eine intelligente, vorausschauende Wartung.“

„Firmen müssen das Abbruchmaterial ordnungsgemäß entsorgen und dies auch bescheinigen können.“ Yasmin Obojkovits, EHL Immobilien

Ausweg umweltfreundliche Materialien?

Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft könnten in Zukunft als Basis für umweltfreundliche Baumaterialien, Dämmschäume oder Treibstoffe dienen und damit langfristig eine Kreislaufwirtschaft erleichtern. Viereinhalb Jahre hat das EU-Projekt REHAP unter Beteiligung der Universität Augsburg das Potenzial solcher Produkte untersucht. Nicht ganz überraschend zeigen die Ergebnisse auch, wie wichtig ein ganzheitlicher Blick ist, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden. Werden herkömmliche Materialien durch grüne Alternativen ersetzt, hat das Konsequenzen in unterschiedlichen ökologischen Bereichen, kurz gesagt, die Ökobilanz von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen muss genau geprüft werden. Wissenschaftler setzen Computerprogramme ein, um die Wechselbeziehungen algorithmisch abbilden zu können. Auf diese Weise lässt sich sichtbar machen, wie sich die Optimierung eines Parameters wie zum Beispiel des KohlendioxidAusstoßes auf einen anderen Parameter – wie die Landnutzung oder die Bodenqualität – auswirkt. Auf diese Weise lassen sich die Sweet Spots identifizieren, aufgrund derer eine Abwägung der Schadenskategorien gegeneinander möglich ist.

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Friedrich Gruber, 6B47

Was es noch braucht

Eines ist klar, die Bauwirtschaft muss einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten. Die Kreislaufwirtschaft ist zwar in vielen Verordnungen EU-weit verankert, wird aber noch nicht nachhaltig angewandt und gelebt. „Um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in der österreichischen Immobilienwirtschaft nachhaltig zu etablieren, sind öffentliche Förderungen oder Steuererlässe unabdingbar“, so Friedrich Gruber, COO der 6B47. Konkret führt er die Notwendigkeit entsprechender Förderungen, Verordnungen und Gesetze, den Madaster Gebäudematerialkatalog, eine passende Finanzierung und Softwarelösungen an.“ Das sieht auch BIG-Chef Hans-Peter Weiss so: „Eine der größten Herausforderungen sehen wir in der detaillierten Ausformulierung einheitlicher Grundanforderungen auf regulativer Ebene, damit Kreislaufwirtschaft nicht als Hürde, sondern als Selbstverständlichkeit, die sich auch wirtschaftlich rechnet, gesehen wird.“ In den kommenden Jahren werden die Vorgaben der Politik, wie zum Beispiel Green Deal, die 17 Ziele für eine nachhaltige Zukunft der UN etc., verstärkt in Ausschreibungen, Richtlinien, Förderungen & Co. Eingang finden. „Die aktuelle Situation im Zusammenhang mit den teilweise stark eingeschränkten Materialver-

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Beispiele für Wiederverwertung

In Ansätzen wird die Kreislaufwirtschaft bereits in der Praxis umgesetzt, auch wenn diese ersten Schritte erst einmal im Recycling und der Wiederverwertung von Materialen bestehen. Eine komplette Kreislaufwirtschaft, wie sie im Buche steht, wird erst mit der genauen Dokumentation von verwendeten Materialien im Neubau möglich sein – wenn diese im Sinne der Grundidee entsprechende Baustoffe verwendet.

Abbruch Althanquartier

Für den Abbruch hat die 6B47 ein befugtes Zivilingenieurbüro beauftragt, ein Konzept zu erstellen und danach ein „Schad- & Störstoffgutachten“ auszuarbeiten. Bereits während der Ausarbeitung erfolgte eine laufende Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Aus der getesteten Methode beziehungsweise aus der Laboruntersuchung und dem Entsorgungskonzept wurde ein abschließendes Gutachten erstellt und durch die Behörde genehmigt. Nach Rückbaubeginn wurden laufend die Arbeiten für den Abbruch bzw. die Entsorgung durch die örtliche Bauaufsicht, also das Ingenieurbüro, beziehungsweise durch Lokalaugenscheintermine mit der Behörde überwacht. Parallel dazu wurde eine Versuchsfläche für einen Proberückbau eingerichtet und mit begleitenden Messungen, Aufzeichnungen beziehungsweise Einbindung der Behörden wurde die Methode für die Schad- und Störstoffentsorgung festgelegt. Beim Rückbau selbst wurde auf eine entsprechende Trennung des Materials in die verschiedensten Fraktionen geachtet. Das betraf hauptsächlich die Materialien verschiedene Metalle wie Aluminium

„BIM hat das Potenzial, ein bedeutendes Werkzeug für die Kreislaufwirtschaft in der Immobilienbranche zu werden.“ Hans-Peter Weiss, BIG

Fotos: Irene Schanda, feelimage/Matern, Harald A. Jahn, Peter Rigaud, Fürnkranz

„Öffentliche Förderungen oder Steuererlässe sind für die Unterstützung der Kreislaufwirtschaft notwendig.“

fügbarkeiten relevanter Bauprodukte verdeutlicht, dass nicht bloß ein Umdenken einsetzen muss, sondern bereits ein dringender Handlungsbedarf auf europäischer Ebene gegeben ist“, so Wetschnig. „Wir sind überzeugt, dass hierbei neben dem Grundansatz der Kreislaufwirtschaft auch der Fokus auf neue nachhaltige Baustoffe gelegt werden muss. Hierbei muss es uns gelingen, innerhalb der EU unsere Stärken zu bündeln und unsere Abhängigkeiten außerhalb der EU zu reduzieren. Allerdings gilt es auch, Partnerschaften und Kooperationen zu forcieren.“


Abriss Joseph und Francis/Althanquartier (l. & r.o.), Abriss MedUni Campus Mariannengasse (r.u.)

Kupfer, etc. und Holz, sowie Kunststoff. Dabei konnten an recyclingfähigem Material circa 50 Prozent gewonnen werden.

MedUni Campus Mariannengasse

Eines der größten Re-Use-Projekte der BIG ist aktuell der MedUni Campus Mariannengasse. In Kooperation mit BauKarussell wurden über 140 Tonnen Ressourcen bewegt: 60 Tonnen Material wurden wiederverwendet, 80 Tonnen sortenrein getrennt und der stofflichen Verwertung zugeführt. Darunter Leuchtstoffröhren, Zwischendecken, Schwerlastregale oder Treppenhandläufe. Türen aus dem Areal des MedUni Campus werden beispielsweise im Restaurant Dogenhof als stilvolle Wandvertäfelungen genutzt.

Erdaushub Wohnquartier Wildgarten

Eine weitere wesentliche Rolle spielt auch die Wiederverwendung und -verwertung von

mineralischen Werkstoffen. Ein Beispiel dafür ist die Wiederverwertung des Erdaushubs im Wohnquartier Wildgarten. Wertvolle Rohstoffe wurden vor Ort aufbereitet und genutzt. Ein anderer Teil des Aushubs kommt bei einem anderen ARE Projekt, dem Village im Dritten, zum Einsatz. Dort werden übrigens auch vier von sechs ehemaligen Hallen durch BauKarussell verwertungsorientiert abgetragen. Das BauKarussel ist spezialisiert auf den verwertungsorientierten Rückbau und setzt auf ReUse-Produkte wie Fenster, Türen, Fliesen, Parkettböden, Fassadenelemente, Dachbegrünung etc., die im Neubau wieder eingeplant werden.

Das ehemalige Zollamt

Ein weiteres Beispiel der BIG ist das Bauschuttrecycling beim TrIIIple, das gemeinsam mit Soravia umgesetzt wurde. Insgesamt fielen bei den Abbrucharbeiten des ehemaligen Zollamts, auf dessen Grund das TrIIIple

„Der Einbau von Sensoren trägt zur Optimierung der Energieeffizienz oder auch der Raumluft bei.“ Stefan Graf, Leyrer + Graf

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errichtet wurde, rund 130.000 Tonnen an Bauschutt und Eisenabfällen an, die vom Abbruchunternehmen recycelt und ordnungsgemäß entsorgt wurden. Der Großteil der Abbruchmasse – rund 120.000 Tonnen – bestand aus Betonschutt, der wiederaufbereitet wurde. Um Bauschutt und Baurestmassen fachgerecht verwerten zu können, wurden Abfälle bereits vor Ort von einer Recyclingmaschine verarbeitet und sortiert. Sekundärprodukte wurden fachgerecht gelagert und in verschiedenen Industriebereichen verarbeitet oder eingesetzt.

Türme des Brüsseler World Trade Center

Das Projekt „ZIN“, das von Befimmo zusammen mit dem Unternehmen „Open Minds“ entwickelt wurde, besteht aus der Renovierung der Türme 1 und 2 des Brüsseler World Trade Center. Am Ende des Projekts wird das multifunktionale Gebäude auf 110.000 Quadratmetern Büros, Coworking-Flächen, Wohnungen und Hoteldienstleistungen beherbergen. Eines der großen Ziele dieses Projektes war die Integration des Konzepts der Kreislaufwirtschaft durch die Inven-

Holzneubau der Boku (l.), ZIN Brüssel (r.o.), Village im Dritten/Reuse Halle (r.u)

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„Die Basis für jede gute Kreislaufwirtschaft sind die Materialdaten. Das ist bei Neubauten natürlich einfacher.“ Nadja Pröwer, Drees & Sommer

Fotos: Drees & Sommer, Stanislav Kogiku, Erich Sinzinger, Anna Rauchenberger, Florian Voggeneder, Befimmo Jaspers-Eyers 51N4E L‘AUC

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tarisierung und Wiederverwendung eines Maximums an Materialien und die „Cradle to Cradle®“-Zertifizierung. Ein Großteil der vorhandenen Materialien wird entweder beibehalten oder an anderen Standorten wiederverwendet beziehungsweise recycelt. Drees & Sommer unterstützt dieses Projekt mit „Cradle to Cradle®“-Beratung, Implementierung des Materialpasses und einem Vorschlag für effiziente Ökosysteme.

Götschka Tunnel

Ein gutes Beispiel für Wiederverwendung „on-site“ ist die bewusste Verwendung von Ausbruchmaterial als Substitut von Virgin Material im Zuge der Errichtung des Götschka Tunnels durch die Porr Niederlassung Oberösterreich. Entsprechend der Größe des Projekts fiel beim Bau des Tunnels Götschka eine enorme Menge an Ausbruch- und Aushubmaterial an. Die Entsorgung von insgesamt 1.200.000 Kubikmetern stellte eine massive Herausforderung dar. Die Porr begegnete dieser, indem sie den dafür geeigneten Ma-

„Die Bauherren haben eine zentrale Rolle und entscheiden, wie viel Nachhaltigkeit in einem Gebäude umgesetzt wird.“ Wolfgang Kradischnig, Delta

terialanteil zu hochwertigem Spritz- und Konstruktionsbeton verarbeitete. Mit Hilfe einer Kieselaufbereitungsanlage konnten Gesteinskörnungen für Beton, ungebundene Tragschichten und Filterschichten wiederverwertet werden. Das führte auch dazu, dass weniger Kies, Deponieflächen und Transportwege benötigt wurden. Und schließlich wirkte sich auch die geringere Lärm-, Staub- und Luftbelastung positiv aus – sowohl für die Anrainer als auch auf die Klimabilanz des Bauvorhabens.

RCH Recycling Center Himberg

Im RCH Recycling Center Himberg, einem Tochterunternehmen der Porr, werden Baurestmassen wie Ziegel, Beton oder Bauschutt von Abbruchobjekten übernommen und nach den geltenden Richtlinien, Gesetzen und Verordnungen aufbereitet und daraus Produkte hergestellt, die wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Dabei wird so viel wie möglich wiederverwertet, abgesehen von Schrott oder anderen Störstoffen, die im angelieferten Material enthalten sein können und aussortiert werden. „Ziel ist es, dass keine Fraktionen übrigbleiben, die man auf einer Deponie endlagern muss“, erklärt René Trauner, Betriebsleiter und abfallrechtlicher Geschäftsführer der RCH. „Alles, was bei der RCH reinkommt, soll auch als Produkt den Standort wieder verlassen.“ So wird aus Ziegelabbruchmaterialien Ziegelsplitt mit einer Körnung von 2 bis 11 mm erzeugt. In einer eigenen Mischanlage werden aus diesen Ziegelsplittfraktionen und zahlreichen anderen Zuschlagsstoffen wie Kompost, Blähton oder Natursand nach verschiedenen Rezepturen Substrate hergestellt. Zum Einsatz kommen diese Materialien dann vor allem als Dachsubstrat zur Begrünung von Dächern. Neben der Aufbereitung von Ziegelabbruchmaterialien können auch Betonabbruchmaterialien zu hochwertigen Recyclingmaterialien verarbeitet werden. Diese finden hauptsächlich als Drainagematerialien und im Straßenunterbau Verwendung. Wenn im Zuge von Abbruchmaßnahmen auch Bauschutt anfällt

„Ziel ist es, dass keine Fraktionen übrigbleiben, die man auf einer Deponie endlagern muss.“ René Trauner, RCH Recycling Center Himberg

(Mischung aus Beton, Ziegel, Ytong, Fliesen, Keramik), können auch diese Materialien zu einem Ersatzrohstoff oder Schüttmaterial aufgearbeitet werden. Ebenso werden Bodenaushubmaterialien von Baustellen durch spezielle Aufbereitungsschritte als Recyclingmaterial wiederverwertet.

Ein Neubaubeispiel von Delta

Im Herbst letzten Jahres wurde der BOKU Holzneubau an der Türkenschanze in Wien fertiggestellt, der zu 78 Prozent aus Holz besteht. Hier wurden 1.000 Kubikmeter Holz verbaut: Das klingt im ersten Moment viel, ist aber jene Holzmenge, die in einem Land wie Österreich schon in 17 Minuten nachwächst. Das Besondere bei diesem Projekt sind die wenigen unterschiedlichen Baustoffe, die aber die oben genannten Aspekte erfüllen. Holz ist ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff, der viele architektonische Möglichkeiten sowie Flexibilität bietet. Durch den hohen Vorfertigungsgrad des Baustoffes konnte das Gebäude in nur 14 Monaten errichtet werden. Der Holzneubau ist ein Niedrigstenergiegebäude und trägt mit einem sehr niedrigen CO2-Ausstoß beim Bau und im Betrieb zum Klimaschutz bei. Dafür wurde es kürzlich mit dem Green and Blue Building Award ausgezeichnet.

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Ökologische Baustoffe Sehr gefragt. Mit der Einführung der ESG-Kriterien und dem Bestreben, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen, steigt die Nachfrage nach ökologisch verträglichen Baustoffen. Autor: Lisa Grüner

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lobal gesehen stammen 40 Prozent des Abfalls aus der Bauindustrie. Zu einem guten Teil handelt es sich um Pre-ConsumerWaste, der bereits entsteht, ehe das Produkt auf die Baustelle gelangt. Zum anderen handelt es sich um Abfall, der durch Umbauten oder am Ende des Lebenszyklus eines Gebäudes anfällt. Je weniger Materialien und Baustoffe für die Erstellung des Gebäudes benötigt werden, desto weniger wird die Umwelt und das Baubudget belastet. Daher sind bei der Baustoffwahl auch Produkte empfehlenswert, die wenig Energie für ihre Herstellung benötigen oder aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen

Fotos: Rieder Group, Saint-Gobain Weber Terranova

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Wiederverwendung von Baustoffen und eine Planung, die konsequent auf Ressourceneffizienz ausgerichtet ist.

freestyle GW von webertherm

Das neuartige Fassadensystem hat einen Glaswolle-Kern des innovativen WärmedämmVerbundsystems (WDVS) vom Dämmstoffspezialisten Isover. Er besteht zu circa 80 Prozent aus Recyclingglas und sorgt für viele positive Eigenschaften: extrem niedrige Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,034 W/mK, A2-geprüfter Brandschutz, perfekter Schallschutz, federleichtes Gewicht. Damit ist dieses Wärmedämm-Verbundsystem für alle Gebäudetypen geeignet.

Gütesiegel

wie Holz, Schilf, Stroh, Flachs, Hanf, Schafwolle usw. Diese Materialien können bei der Tragkonstruktion, der Wärmedämmung, der Fassade, im Innenraum und vielem mehr eingesetzt werden. Zusätzlich zur Umweltfreundlichkeit unterstützen diese Baustoffe auch oft das gesunde Wohnklima. Materialien mit einem hohem Herstellungsaufwand wie beispielsweise Metalle, Stahlbeton, Kunststoffe, Abdichtungsbahnen etc. sollten reduziert oder nur dann eingesetzt werden, wenn die technischen Vorteile deutlich überwiegen oder keine Alternativen zur Verfügung stehen.

Umwelt- und Qualitätszeichen für Bau- und Wohnprodukte geben allen Baubeteiligten Orientierung in Richtung Gesundheit, Umweltverträglichkeit und technischer Zuverlässigkeit. Das Institut für Baubiologie und Bauökologie (IBO) vergibt das IBO Prüfzeichen und führt Prüfungen für natureplus und das Österreichische Umweltzeichen durch. Ein weiteres Gütesiegel ist der Blaue Engel. Baustoffe, die auf ökologische Kriterien geprüft wurden, werden nicht nur mit Gütesiegeln ausgezeichnet, sie sind auch am Oekoindex erkennbar. Der Oekoindex drückt die Wirkung eines Produktes auf die Umwelt aus. Er wird vom IBO mittels Ökobilanzen errechnet. Dazu werden von der Rohstoffgewinnung bis zum versandfertigen Produkt der Energieeinsatz und sämtliche Emissionen berücksichtigt. Betrachtet wird dabei der gesamte Lebenszyklus eines Produktes wie die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, der Transportaufwand, der Energieeinsatz beim Herstellungsprozess, der Einsatz erneuerbarer Energien, die Länge der Nutzung und Reparaturfähigkeit, sowie die Recyclingfähigkeit. Eine Alternative ist die

Für die Herstellung des Dämmstoffes wird 100 Prozent Strom aus zertifizierter Wasserkraft eingesetzt. Es werden keine chemischen Brandhemmer, keine Stützfasern aus Kunststoff und keine Pestizide verwendet. In der Ausführung mit Weber Edelputzen ist das Fassadensystem ohne Biozide endbeschichtet. Zudem ist das innovative Wärmedämm-Verbundsystem voll recyclingfähig. Die Dämmstoffe besitzen eine EPD (Umweltproduktdeklaration). Dieses Dokument bildet sämtliche relevante ökologische Parameter transparent und nachvollziehbar ab und bietet auch europaweit eine objektive Produktbewertung nach einheitlichen Kriterien.

öko skin pixel von Rieder

Eine wichtige Strategie lautet bei Rieder „Zero Waste“, also die Rohstoffminimierung und Müllvermeidung in der Produktion und Logistik, sowohl im Pre- als auch im PostConsumer-Bereich. Rieder stellt auf nachhaltige Primärenergie um und bereits 2021 wird der Zementanteil in ihrer Betonmatrix um 50 Prozent reduziert sein. Um den Verschnitt bei der Produktion der öko skin Betonlatten zu reduzieren, hat Rieder ein neues Produkt entwickelt, die öko skin pixel. Das Produkt hat durch die Kleinteiligkeit eine andere Ästhetik und wirkt dadurch nicht so perfekt. In Zusammenarbeit mit einem Partner wurde ein digitales Werkzeug entwickelt. Diese Software greift auf die Bestände des Verschnitts zu und

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Ökobeton von Wopfinger

Mit der Produktlinie Ökobeton führt Wopfinger Baurestmassen durch hochwertige Aufbereitung wieder der Betonproduktion zu und schließt den Kreislauf des Gesteins. Um hochwertig rezyklierte Gesteinskörnung mit gleichbleibender Qualität herzustellen, sind moderne Aufbereitungstechnik und strikte Vorgaben im Prozesskreislauf einzuhalten. Den Kernprozess des Nassaufbereitungsverfahrens stellt das Waschen und Sieben der

zerkleinerten Baurestmassen nach vorheriger Entfernung unerwünschter Fremdstoffe dar. Rund 98 Prozent des Ausgangsmaterials können so dem Stoffkreislauf wieder zugeführt werden. Dieses Recyclingmaterial kann natürliche Sande und Kiese bei gleichbleibender Betonqualität ersetzen. Das so hergestellte Recyclingmaterial wird nach geltenden Regelwerken kontrolliert und fremdüberwacht. Unter Beachtung gewisser grundlegender Voraussetzungen können so hergestellte hochwertige Ökobetone, neben Anwendungen als Füllbeton oder Magerbeton, auch im konstruktiven Betonbau verwendet werden. Damit steht nun im Vergleich zu herkömmlichen Transportbetonen ein ÖNORM geprüftes, gleichwertiges Transportbetonprodukt zur Verfügung, welches sowohl Ressourcen schont als auch Deponievolumen spart. Ökobeton ist beim Österreichischen Institut für Bauen und Ökologie mit dem IBO-Gütesiegel zertifiziert, im baubook gelistet und darüber hinaus mehrfach als innovatives, nachhaltiges Produkt ausgezeichnet (zum Beispiel NÖ-Innovationspreis 2020, ÖGUT

Umweltpreis 2019, Energy Globe Award 2019). Und: Optisch sieht man keinen Unterschied zu herkömmlichem Beton.

GO2morrow Recycling Beton B20 von Baumit

Die Klimaschutzpotenziale mineralischer Baustoffe wurden lange nicht genutzt. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus, weisen mineralische Baustoffe die gleiche Ökobilanz wie organische Baustoffe auf. Durch neue Technologien, aber auch aktiv betriebene Kreislaufwirtschaft können sie einen ganz massiven Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudebereich und zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten. Unter dem Label GO2morrow entwickelt Baumit aktuell Baustoffe, deren mineralische Basis aus recycelten Rohstoffen besteht. Den Anfang macht dabei der GO2morrow Recycling Beton B20, der von der Güteklasse her wie ein Trockenbeton 20 speziell für kleinere Anwendungen im Gartenbereich zum Betonieren von Grillplätzen oder zum Verfüllen von Schalsteinen geeignet ist. Baumit GO2morrow Recycling Beton B20 ist ein werksgemischter Trockenbeton der Fes-

Weitere Informationen • Relevante Umweltgütesiegel listet das Österreichische Institut für Baubiologie und Bauökologie (IBO) auf. • Produkte, die mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurden, präsentiert das Österreichische Umweltzeichen. • Interessante Informationen über Oekoindex-Bauprodukte und deren ökologischen Hintergrund sind im Oekoindex-Baubook-Produktekatalog verzeichnet. • Zur Berechnung und Auswahl ökologischer Bauprodukte steht unter www.baubook.at eine qualitätsgesicherte Datenbank zur Verfügung. • Die Umweltberatung berät beim Einsatz ökologischer Stoffe und beim Setzen von nachhaltigen Maßnahmen im Betrieb.

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Fotos: MABA Fertigteilindustrie GmbH/Christian Postl, Wopfinger

generiert projektbezogene Gestaltungsmöglichkeiten für Fassaden. Es handelt sich dabei um Verschnittteile aus dem Glasfaserbetonplatten-Sortiment, die dank einer innovativen Methode der Katalogisierung für neue Anwendungen als kleinteilige Schindeln aufbereitet und weiterverarbeitet werden. Somit bietet sich für die aus mineralischen Grundstoffen bestehenden Werkstoffe nicht nur die Option des Recyclings, sondern auch jene des Upcyclings in Form kleinteiligerer Elemente, die zahlreiche Einsatz- und Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Zudem arbeitet Rieder an einem Kreislaufsystem, sprich der Rücknahme der Produkte, um sie wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen.


tigkeitsklasse C 16/20. Die bisher verwendete Kalksteinkörnung wird hier zu 100 Prozent durch gewaschene, sortenrein recycelte und qualitätsgesichert zur Verfügung gestellte Betonbruchkörnung ersetzt. Damit wird Baustoff wieder zu Baustoff.

SILE & SAFE von Kirchdorfer

Mit der SILE & SAFE-Serie hat die MABA eine ökologisch nachhaltige Lösung aus Betonfertigteilen für die Bereiche Lärmschutz und Verkehrssicherheit entwickelt. Im August 2020 wurde das patentierte System im Auftrag der Gemeinde Wöllersdorf in Kooperation mit dem Land Niederösterreich auf einer Länge von über 1,2 Kilometer entlang der B21 in Wöllersdorf installiert, wodurch eine Reduktion des Schallpegels um die Hälfte sowie eine Steigerung der Straßensicherheit erzielt werden konnte. Durch die Kombination von Lärmund Rückhalteschutz in einem einzigen, kompakten System aus Betonfertigteilen ergibt sich aufgrund der niedrigeren erforderlichen Höhe im Vergleich zu einer konventionellen Lärmschutzwand eine besonders ressourcenschonende Bauweise. Die bei herkömmlichen Lärmschutzwänden erforderliche Stahlleitschiene mit einem Gewicht von etwa 25 Kilogramm pro Laufmeter entfällt, was allein beim

Projekt an der B21 eine CO2-Reduktion von 60 Tonnen bedeutet. Auch das Einbringen von Schwermetall über die Straßenabwässer in die Naturkreisläufe, zu dem es bei Stahlsystemen durch den kontinuierlichen Abbau von Zinküberzügen kommt, kann dadurch vermieden werden. Das Absorbermaterial besteht aus mineralischem, gebrochenem Gestein und ist daher umweltfreundlich und recyclebar. Eine regionale Herstellung kann durch österreichweite Produktionsstandorte sichergestellt werden. Außerdem zeichnet sich das Produkt im Vergleich zu Stahlsystemen durch seine Langlebigkeit und die in Folge geringeren Erhaltungskosten aus. Das SILE & SAFE-System ist aktuell das einzige, das alle Aspekte der Fahrzeugsicherheit (Rückhaltewirkung, Insassensicherheit etc.) mit integrierter Funktion einer Lärmschutzwand erfüllt.

MonoTop-412 Eco von Sika

Mit dem MonoTop-412 Eco hat Sika in Österreich einen Hochleistungsinstandsetzungsmörtel mit verbesserter Performance bei gleichzeitig 30 Prozent reduziertem Zementeinsatz entwickelt. Dieser wird an Schwestergesellschaften in Europa geliefert. Damit zeigt sich, dass Nachhaltigkeit und bessere Performance kein Widerspruch sind.

Beim Einsatz von einer Palette Mörtel spart der Kunde über 60 kg CO2. Auch bei anderen Produkten setzt Sika auf Nachhaltigkeit: Das Produkt Sika CarboDur Kohlefaserlamellen schützt und verstärkt Bauwerke und vermeidet dadurch den Neubau von Brücken und unnötige CO2-Emissionen. Die neu entwickelte Sarnafil AT Dachabdichtungsbahn kommt ganz ohne Weichmacher oder andere flüchtige und umweltrelevante Stoffe aus. Die Dachabdichtungsbahn ist wurzelfest und enthält keine Herbizide, die durch Regenwasser ausgewaschen werden und die Umwelt verschmutzen könnten. Auch die Art der Verschweißung trägt zur ökologischen Positionierung von Sarnafil AT bei. Die Dachabdichtungsbahn wird thermisch, ganz ohne Lärm, Flamme und Emissionen, verschweißt. Eine Nahtvorbereitung mit Lösemitteln ist nicht mehr erforderlich. Dies ermöglicht die Verarbeitung auch bei tiefen Temperaturen und wirkt sich wesentlich auf die Umweltfreundlichkeit aus. Sika arbeitet in verschiedenen Forschungszentren rund um den Globus daran, bei der nächsten Generation ihrer Mörtel Zement zu 50 bis 90 Prozent zu ersetzen und den CO2-Ausstoß in gleichem Umfang zu reduzieren.

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IMPRESSUM Vorschau

Medieneigentümer Real Estate Media Group GmbH Handelskai 94-96 1200 Wien

r e d in ie S n e s e L : e b a g s u A n e t s h näc

Tel. +43 1 890 18 26-100 office@media-group.immo www.media-group.immo Herausgeber Mag. Michael Neubauer

llschutz; Sicherheitsha Sc d un dan Br . it Sicherhe Gebäudeplanung: it; he er ch si ts ei rb A & der technik orkflow; Revolution in W en rt ie tim op m zu it … Digital telligenz - Zu Tisch m In e ch tli ns Kü : he nc Baubra mit … Das große Interview

Chefredaktion Mag. Lisa Grüner Grafik & Layout Eva Stern Lektorat Mag. Karlheinz Hoffelner Autoren dieser Ausgabe Mag. Andreas Altstädter, Mag. Patrick Baldia, Mag. Lisa Grüner, Amelie Miller, BA, Mag. Michael Neubauer, sowie die Kommentatoren Sales & Relations Rudolf E. Oezelt

t 2021

MIN: Herbs R E T S G N U IN E H C S R E

Relations Management Tanja Klingseis Fotos wenn nicht anders angegeben: Real Estate Media Group/Katharina Schiffl, Michael Hetzmannseder, Richard Tanzer Druck Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H

Täglich top informiert: www.bautecfokus.at Den BauTecFokus jetzt immer und überall lesen, mit der neuen REMG-App.

Der BauTecFokus wendet sich im Sinne der Gleichstellung gleichermaßen an Frauen und Männer. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und Verständlichkeit kann es bei den Beiträgen vorkommen, dass nur die maskuline Ansprechform verwendet wird.

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Teures Pflaster Wohnbauprojekte in der Pipeline. In Kärnten werden dieses Jahr ca. 1.300 Wohneinheiten fertiggestellt. Damit entspricht die Anzahl der Fertigstellungen ungefähr jener der Vorjahre. Autor: Andreas Altstädter

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ärntner haben mehr Platz – müssen dafür aber auch tiefer in die Tasche greifen. Im Median sind pro Wohneinheit 321.000 Euro zu zahlen. Das sind fast 100.000 Euro mehr als in der Steiermark, wo es lediglich 223.400 Euro sind. „Auch im Vergleich zu Oberösterreich und Niederösterreich zeigt sich ein Ungleichgewicht“, so Studieninitiator „Wohnbauprojekte in der Pipeline“ und Exploreal-Geschäftsführer Alexander Bosak: „In Niederösterreich kostet eine Wohnung im Median 274.000 Euro, in Oberösterreich 278.400 Euro.“ Von den bereits ausgewerteten Bundesländern sind lediglich Salzburg mit 364.006 Euro und Wien mit 399.000 Euro pro Quadratmeter im Median teurer.

Wird mehr gebaut als benötigt?

In Kärnten werden dieses Jahr ca. 1.300 Wohneinheiten fertiggestellt. Damit entspricht die Anzahl der Fertigstellungen ungefähr jener der Vorjahre. 2022 ist mit rund 1.500 geplanten Einheiten mit einer ähnlich hohen Fertigstellungsquote zu rechnen. Allerdings könnte das auch in weiterer Folge Probleme aufwerfen. Seit 2017 kamen deutlich mehr Wohnungen auf den Markt, als aufgrund der Bevölkerungsentwicklung benötig worden wären. Das Hauptaugenmerk der aktuellen Bauprojekte liegt in Kärnten auf Klagenfurt mit Klagenfurt Land und Villach mit Villach Land. Genau dort, wo ein Bevölkerungswachstum prognostiziert wird.

Gebaut wird in der Stadt

Die Frage „wo gebaut wird in Kärnten“ ist relativ leicht zu beantworten: Ein Großteil der Neubauleistung findet in den Städten Klagenfurt und Villach statt. Wobei die Landeshauptstadt an erster Stelle steht. Hier werden in den kommenden Jahern um rund 1500 mehr Einheiten fertig gestellt bzw. sind in Planung als in Villach. In den anderen Regionen Kärntens liegt die Neubauaktivität bei unter 500 Wohneinheiten.

Gewerbliche Bauträger versus Gemeinnützige

65 Prozent der Einheiten werden von gewerblichen Bauträgern errichtet. Ein hoher Prozentsatz, der nur in Wien mit 68 Prozent höher liegt. 70 Prozent der Wohneinheiten werden im Eigentum errichtet, freifinanzierte Mietwohneinheiten werden hingegen kaum gebaut. Die Studien „Wohnbauprojekte in der Pipeline“ vom WKÖ-Fachverband Immobilien und Exploreal stellen die Ist-Situation der Neubauleistung in den jeweiligen Bundesländern dar und geben einen Ausblick auf die kommenden Jahre. Kärnten ist das siebente Bundesland, das aufgearbeitet wurde. Fehlen somit nur noch Tirol und Vorarlberg, dann ist die Neubauleistung bei Wohnprojekten in ganz Österreich erfasst.

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ImFokus

Blockchain in der Bauwirtschaft Sprung aus der Nische. Die Blockchain-Technologie hat das Potential, die Baubranche zu revolutionieren, und bietet vielseitige Einsatzmöglichkeiten.

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ie Digitalisierung scheint sich selbst zu überholen. BIM ist noch nicht flächendeckend im Einsatz und schon erscheint das nächste kryptische Wesen am Horizont, wobei das kryptisch durchaus im wahrsten Sinne des Wortes zu nehmen ist. Hinter Blockchain steht eine Technologie, bei der Teilnehmer Transaktionen tätigen können und die ohne zentrale Zertifizierungsstelle auskommt. Wie der Name bereits verrät, handelt es sich bei der Blockchain um eine „Kette“ von Blöcken, die bestimmte Informationen beziehungsweise Daten enthalten. Eine Manipulation ist auszuschließen, da die einzelnen Blöcke aneinandergereiht werden. Ein Block baut auf dem nächsten auf, wobei die einzelnen Blöcke durch kryptografische Schlüssel verkettet sind. Nach einer Transaktion können die Daten, die innerhalb einer Blockchain

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BauTecFokus

aufgezeichnet wurden, nicht mehr verändert werden, da die nachgeschaltete Kette die vorgelagerten Transaktionen verifiziert. So weit, so theoretisch. Sieht man sich die Einsatzmöglichkeiten an, so wäre ein Use Case zum Beispiel die automatisierte Überwachung des Baufortschritts, die Koordination von Bauprojekten oder die Prüfung der Herkunft von Bauteilen in der Vertriebskette. Auch im Abrechnungswesen innerhalb komplexer Vertragskonstellationen könnte die Technologie Vorteile bieten. Vorausgesetzt, jede zu erbringende Leistung ist durch einen digitalen Vertrag geregelt und alle Akteure sind Teil der Blockchain. Hat ein Handwerker oder Lieferant seine Leistung erbracht und somit seinen Teil des Vertrages erfüllt, meldet er dies mittels eines mobilen Geräts auf der Baustelle, dann erfolgt die Bauabnahme oder die Bestätigung des Warenerhalts,

Foto: Adobe Stock

Autor: Lisa Grüner


der Prüfer kennzeichnet den Auftrag als erledigt und schon kann die fällige Rechnung automatisch zur Zahlung angewiesen werden.

Neue Finanzierungsformen

Auch bei der Finanzierung will die Blockchain mitspielen. Die Tokenisierung von Immobilien erlebt im CrowdinvestingBereich und der Immobilienfinanzierung einen Aufschwung, an einer automatisierten Abwicklung von standardisierten Kauf- und Mietverträgen (Smart Contracts) wird eifrig gearbeitet. Diese vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten verdankt die Blockchain der Fälschungssicherheit und der Dezentralität. Informationen können manipulationssicher auf der Blockchain gespeichert werden, ermöglichen jederzeit eine Rückverfolgung der Transaktionsschritte durch alle Teilnehmer des Blockchain-Netzes und schaffen so eine einzigartige Vertrauensbasis. Und damit präsentieren sich Security Token Offerings als alternative Finanzierungsform. Der Security Token ist, vereinfacht gesagt, ein Transport-Medium auf der Blockchain, das Rechte und Pflichten an einem zugrundeliegenden Vermögenswert widerspiegelt und transportiert. Security Token Offerings (STO) sind demnach ein alternatives Beteiligungs- und Finanzierungsinstrument unter Verwendung der Blockchain-Technologie. Verdeutlichen wir das an einem Beispiel: Will ein Unternehmen großflächig Solaranlagen bauen und betreiben, so benötigt es Geld. Muss es für das erste entsprechende Großprojekt eine eigenkapitalähnliche Anlauffinanzierung von 1,5 Millionen Euro aufstellen, so kann es ein tokenisiertes Genussrecht begeben, wobei die Genussrechtsbedingungen derart ausgestaltet sind, dass die Investoren zu 70 Prozent am laufenden Ergebnis und einem allfälligen Veräußerungserlös dieses Solarkraftwerkes

beteiligt sind. Das Unternehmen kann durch den entsprechenden „Smart Contract“ unmittelbar an die Tokeninhaber auszahlen, die Bank als Intermediär fällt weg. Die Tokeninhaber können die in Form von Token verbrieften Genussrechte auch jederzeit unkompliziert übertragen und verkaufen.

Praxisbeispiele

Der Kauf eines Zinshauses oder einer Wohnung ist finanzierungstechnisch häufig nicht allein zu stemmen. Durch die Tokenisierung können zum Beispiel einzelne Quadratmeter erworben werden, der mittelbare Teileigentümer ist dann anteilsmäßig an deren Wertsteigerung und laufenden Erträgen beteiligt. Als konkretes Beispiel kann hier das Berliner Wohnbau-Projekt Tigris S17A genannt werden, an welchem sich Investoren am Bauträger und Eigentümer der Liegenschaft mittels tokenisierter Genussscheine beteiligen konnten. Es wurden von rund elf Millionen Euro Gesamtkosten zwei Millionen über Security Token

finanziert. Nach Fertigstellung des Objekts und dem Verkauf der einzelnen Wohneinheiten werden die Anleger am Bilanzgewinn der Gesellschaft zu 20 Prozent beteiligt. Der Projekteigentümer wiederum konnte hierdurch seinen erforderlichen Eigenkapitalanteil refinanzieren beziehungsweise durch die Ausgabe von Security Token ein entsprechend größeres Projekt realisieren. Es eröffnen sich somit für beide Seiten, Immobiliengesellschaften als auch Investoren, neue Möglichkeiten einer Interaktion im Rahmen von Beteiligungs- oder Finanzierungsprojekten. Durch die große Flexibilität, die Vorteile bei der Begebung und der laufenden Verwaltung und den großen Kreis an potenziellen Investoren wird die Finanzierung über Token die Unternehmensfinanzierung in den nächsten Jahren stark beeinflussen. Anlegern können alternative Investitionsmöglichkeiten am Immobilienmarkt eröffnet werden, welche bislang für diese nicht zugänglich waren.

Vorteile der Blockchain: Transparenz, Änderungen sind nachverfolgbar, Daten sind permanent abrufbar, Manipulation der Daten wird ausgeschlossen, Daten werden dezentral gespeichert und validiert, Zeit- und Kostenersparnis, Wegfall von Intermediären wie zum Beispiel Banken oder Maklern.

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ImFokus

Ronald Frankl, Lansky, Ganzger & Partner Rechtsanwälte

Die MiCAR normiert drei unterschiedliche Token-Arten und knüpft daran für den Emittenten – abhängig von der jeweiligen Einordnung – teils sehr umfangreiche Rechtsfolgen. Die vom Anwendungsbereich der MiCAR umfassten Token-Arten sind dabei „Asset Referenced Tokens“ („ARTs“) und E-Money Tokens („EMTs“) – beides Stablecoins – sowie Utility Tokens („UTs“).

Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Gesetzeslage rund um Crypto-Assets, so sieht man, dass die derzeitige Gesetzeslage der rasanten Entwicklung der BlockchainTechnologie weit hinterher hinkt. Einen ersten Anlauf zur Aufholjagd hat die Europäische Kommission im September 2020 mit der Veröffentlichung des Verordnungsentwurf mit dem Titel „on Markets in Crypto-Assets“ („MiCAR“) gewagt, der eine europaweite Regulierung für Emissionen von Stablecoins und Utility Tokens sowie für das Anbieten von Dienstleistungen im Zusammenhang mit Kryptowerten vorsieht.

Als gemeinsame Voraussetzung teilen sich diese drei Token-Arten, dass die MiCAR Emittenten eines öffentlichen Angebots jeweils zur Veröffentlichung eines sogenanntes „White-Papers“ verpflichtet. Ein White-Paper dient dabei insbesondere dem Anleger- und Verbraucherschutz sowie einer allfälligen Haftungsbegründung des Emittenten gegenüber dem jeweiligen Investor und erfüllt damit einen ähnlichen Zweck wie ein Kapitalmarktprospekt.

Fast jede Diskussionsrunde zur Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft beginnt mit dem Statement, dass die Branche sehr langsam ist und auf neue Technologien nur sehr zögerlich reagiert. Und im Gegensatz zu vielen anderen digitalen Möglichkeiten trifft dieses Vorurteil bei der Anwendung der Blockchain auch ausnahmsweise voll zu. Während Cloud Computing und Robotics Process Automation Einzug in die IT und Geschäftsprozesse gehalten haben, sind die Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain weitestgehend unbekannt. Allein im Investment Management, also dem An- und Verkauf von Immobilien, werden gerade erste Projekte auf dem Markt bekannt, die darüber abgewickelt werden.

Betriebs-, Verbrauchs- und Bewirtschaftungsdaten in einer gegenseitig verifizierten Datenhaltung schaffen würde. Hierfür müssen sich jedoch alle Markteilnehmer zu einer qualitativ hochwertigen Datenhaltung und der Transparenzschaffung bereit erklären.

Dabei sehe ich beispielsweise in der Umsetzung um ESG zahlreiche Möglichkeiten für deren Anwendung. Man stelle sich nur die Transparenz für alle Marktteilnehmer und über den gesamten Immobilien-Lebenszyklus vor, die eine sichere Speicherung von Bau-,

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Neben diesen für Emittenten vorgesehenen Verpflichtungen normiert die MiCAR auch

Erst dann kann die Auswahl einer geeigneten „Public Blockchain“ für die Immobilienwirtschaft erfolgen, denn nicht jedes DLT (Distributed Ledger Technology)-Verfahren ist technisch und fachlich gleichzusetzen. Es existieren Anbieter, die dem „Proof of Work“, vereinfacht gesagt der inhaltlich sachlichen Verifizierung dienen, und andere Verfahren, die eher dem „Proof of Identity“, also der Identifikation der Prozessbeteiligten einen Beitrag leisten. Beides ist für die Immobilienwirtschaft relevant und muss berücksichtigt werden, damit auf einem einheitlichen Standard aufgesetzt wird und nicht die gleiche babylonische Sprachverwirrung wie bei den Smart BuildingStandards entsteht.

ein Zulassungserfordernis sowie besondere Anforderungen und Sorgfaltspflichten für das berufliche und gewerbliche Anbieten von Dienstleistungen im Zusammenhang mit Krpytowerten. Nicht umfasst sind von der MiCAR hingegen Security Tokens. Dies hat zur Folge, dass auf diese wertpapierähnlichen Tokens weiterhin das bestehende kapitalmarktrechtliche Regime Anwendung findet, das jedoch nicht speziell für Tokens konzipiert wurde. Es wäre wünschenswert, dass auch für diese Token-Art ein maßgeschneidertes Regelwerk geschaffen wird, das deren Eigenheiten in angemessener Weise berücksichtigt und dementsprechend differenzierte Regelungen trifft. Der Entwurf der MiCAR erscheint für die umfassten Anwendungsbereiche als vereinheitlichte rechtliche Regelung geeignet, um den – mangels spezieller Regelungen – vorherrschenden Missbrauchsmöglichkeiten entgegenzuwirken und Rahmenbedingungen für einen durch Rechtssicherheit und Verbraucherschutz geprägten Wettbewerb zu schaffen.

Robert Betz, KPMG Erst wenn das Commitment der Immobilienbranche für Transparenz und Datenqualität für einen allgemein anerkannten Anwendungsfall besteht, kann die Blockchain einen Mehrwert für die Reduzierung von „Daten-Intermediären“ liefern. Ob dies dann noch beim derzeit notwendigen Stromverbrauch auch im Sinne von ESG nachhaltig ist, steht auf einem anderen Blatt der aktuellen Diskussion.

Fotos: Adobe Stock, LGP, KPMG, Tanja Hofer

Die MiCAR soll voraussichtlich Ende 2022 in Kraft treten.


„Die automatische Vertragsdurchführung mittels Smart Contracts kann über Blockchains optimal ausgeführt werden.“ Sonja Dürager, bpv Hügel Rechtsanwälte

Sonja Dürager, bpv Hügel Rechtsanwälte Smart Contracts – Die Revolution der Immobilienwirtschaft? Bislang ging man in vielen Branchen davon aus, dass das in der Finanzwirtschaft omnipräsente technische Phänomen der Blockchain nur ein Spezifikum für Bitcoins oder andere Kryptowährungen wäre. Der Gedanke, Prozesse der Immobilienwirtschaft zu digitalisieren und über eine Blockchain abzubilden, lag fern. Dabei kann der Blockchain vor allem wegen der Fähigkeit, Transaktionen ohne Intermediär, der die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts der Transaktion kontrolliert (zB Banken), abzubilden, aus Effizienz- und Simplifizierungsgründen hohes Potential zugeschrieben werden. So kann beispielsweise die automatische Vertragsdurchführung mittels Smart Contracts über Blockchains optimal ausgeführt werden. Wenn nämlich eine im Vertrag festgelegte Bedingung erfüllt wird, dann führt dies automatisch zu der vorher bestimmten Folge. Das könnte etwa das Management von Mietobjekten erleichtern, indem basierend auf den Vertragsbedingungen des Smart Contracts periodisch die Mietzahlungen vom Mieter an den Vermieter und die sonst eingebundenen Parteien (zum Beispiel Energieanbieter) veranlasst werden.

Signifikant für Smart Contracts ist jedoch, dass diese nicht der Vertrag selbst sind, sondern diesen nur in einem Code abbilden, und so Abschluss und/oder Durchführung erleichtern. Maßgeblich bleibt jedoch der Wille der Parteien off-chain. In diesem Sinn kann man auch die Vertragsdurchführung sehr diffizil gestalten, und muss nicht jeder Vorgang onchain abgebildet sein. So könnten etwa nur nicht verhandelbare Bestimmungen mit klaren Anordnungen – und keinen unbestimmten Rechtsbegriffen oder sonst auslegungsbedürftigen Spielräumen – im Smart Contract programmiert werden, und der übrige Teil des Vertrags (etwa die Hauptleistungspflichten und Gewährleistungsbehelfe dazu) individuell off-chain ausgehandelt und exekutiert werden.

Industrie und Gewerbe sind nicht zuletzt ob des noch unklaren Verhältnisses zum traditionellen Schuldrecht und dessen Gestaltungsrechten (zum Beispiel Vertragsrückabwicklung) zurückhaltend beim Einsatz von Blockchains, allerdings ist die Blockchain ein disruptiver Technologie-Trend, der gerade auch in der Immobilienbranche vielfältige Einsatzmöglichkeiten vorfindet, und standardisierte Prozesse (zum Beispiel Abwicklung von Mietverträgen und Verträgen der Immobilienverwaltung) durch digitale Wenn-Dann-Verknüpfungen effizienter gestalten kann. Langfristig sollte man sich daher der Herausforderung stellen, rechtliche Anforderungen an Immobilienverträge mit den technischen Möglichkeiten in Einklang zu bringen.

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ImFokus

„Blockchain-Technologie hat die Chance, den langsamen und illiquiden Immobilienmarkt dynamischer und liquider zu gestalten.“ Christoph Urbanek, DLA Piper

Blockchain-gesteuerte Wertschöpfung in der Immobilienwirtschaft ist in aller Munde. Eine dezentralisierte, transparente, unverfälschbare und vor allem kostengünstige Datenbank. Abgesehen von Kryptowährungen gibt es für die Blockchain-Technologie noch zahlreiche weitere Anwendungsbereiche. Vor allem für die Immobilienbranche und deren gesamte Wertschöpfungskette bestehen besondere – bei weitem noch nicht ausgeschöpfte – Möglichkeiten und Einsatzbereiche. Durch das transparente und beinahe manipulationssichere Peer-toPeer Blockchain-Netzwerk ergeben sich durch den Ausschluss von einigen bis dato mitwirkenden Intermediären zahlreiche Vorteile. Blockchain-Technologie hat die Chance, den langsamen und illiquiden Immobilienmarkt

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BauTecFokus

Der Handel von Eigentum an Grundstücken ist nur bei gleichzeitiger Eintragung in das Grundbuch möglich. Obwohl Österreich schon ein Vorreiter in der Digitalisierung des Grundbuchs ist, würde der Einsatz der BlockchainTechnologie der Übertragung noch einmal einen enormen Vorteil verschaffen. Möglich wären demnach vollkommen digitalisierte und automatisierte Eigentumsübertragungen von Immobilien durch sogenannte „Smart Contracts“, also auf der Blockchain gespeicherte Verträge, welche beim Eintritt von bestimmten Bedingungen automatisch exekutiert werden. Beispielsweise startete Schweden bereits 2016 ein Pilotprojekt, womit ein Block-

chain-basiertes Grundbuch geschaffen werden soll. Die zwingenden Formvorschriften bei der Eigentumsübertragung einer Immobilie stehen diesem Digitalisierungsschritt in Österreich noch entgegen. Dennoch gibt es viele andere Möglichkeiten, um durch Token indirekt mit Immobilien zu handeln. Dazu gehören Genussrechte, Aktien, Anleihen oder Fonds. Möglich ist auch die Immobilienprojektfinanzierung mittels eines Token Offerings. Bei diesen können Unternehmen ein Projekt finanzieren, indem sie Anlegern Token verkaufen, welche dann bestimmte Rechte verleihen. Die konkrete Ausgestaltung ist sehr variabel und kann nicht nur klassische Auszahlungen in Form von Genussrechten, sondern auch eine Mischform mit einem Utility Token vorsehen. Letzterer könnte zum Beispiel im Tourismusbereich interessant sein, womit die Token-Inhaber auch Übernachtungsgutscheine zu ihrem Investment erhalten. Vergleichbar ist in einem Neubauprojekt auch die Vergabe von Vorkaufsrechten an bestimmten Wohnungen denkbar. In der Ausgestaltung sind der Fantasie im Rahmen des rechtlich Möglichen kaum Grenzen gesetzt.

Fotos: Adobe Stock, Advoodle, EY

Christoph Urbanek, DLA Piper

dynamischer und liquider zu gestalten. Verschiedene Rechte an Immobilien können in Form von Immo-Token verbrieft werden. Diese könnten in Zukunft ähnlich wie Aktien am Sekundärmarkt gehandelt werden. Diese als Security Token ausgestalteten Immobilienanteile unterliegen denselben Regeln wie Finanzinstrumente im Sinne der MiFID. Immobilien können somit in sehr kleine Teile geteilt werden, womit auch Kleinanleger in Immobilien investieren können. Dies kann dem Immobilienmarkt einen großen Aufschwung geben.


Andreas Böcskör, Advoodle Die digitale Immobilientransaktion ist Realität geworden. Sie schafft neue Möglichkeiten in der professionellen Arbeit mit den Kunden, spart Kosten und Zeit und ist rechtssicher. Die Einbindung der Blockchain als Plattform für qualifizierte Transaktionsketten ist offensichtlich, weil sie technisch transparent und manipulationssicher ist. Während die Public Blockchain Sicherheit ausschließlich durch die Rechenkraft der Teilnehmer gewährleistet, können in Permissioned Blockchains spezielle Autorisierungskonzepte zusätzliche Sicherheit vermitteln. Permissioned Blockchains liefern somit Vorteile hinsichtlich Performance und den datenschutzrechtlichen Anforderungen. Unser Schwerpunkt ist die Verarbeitung von Rechtstransaktionen unter Zuhilfenahme von Smart Contracts. Dabei lehnen wir uns bewusst an die juristische Praxis an und optimieren bestehende Prozesse. Smart Contracts werden idealtypisch in der Blockchain gespeichert und über den Konsensmechanismus legitimiert. Praktisch relevant sind vor allem die sogenannten Automated Contracts. Diese sind ebenfalls Smart Contracts, weil sie zumindest teilweise self-executing sind. Ihr Vorteil besteht in ihrer Methode, nämlich der Verarbeitung von menschlich-lesbaren Rechtstexten. Somit können sie für den Immobilienkauf ebenso wie für die Immobilienfinanzierung eingesetzt werden. Sie bilden letztendlich ein Tool, in dem der automatisiert erstellte Vertrag beraten, verhandelt und in den vollautomatisierten Transaktionsprozess eingebunden werden kann. Die sohin erstellten Dokumente sind nicht nur der Rechtsauslegung unmittelbar zugänglich, sondern können auch rechtskonform qualifiziert elektronisch (mittels eID) signiert werden, ohne die Notwendigkeit eines technischen Kunstgriffes.

Alexander Hellmuth, EY Real Estate Welche Potenziale, welche Anwendungsfelder eröffnet die Blockchain-Technologie der Immobilienwirtschaft? Die Blockchain-Technologie kann überall dort ihr Potenzial entfalten, wo es um Vertrauen geht. Traditionell wird für solche Konstellationen ein Intermediär, etwa eine Bank oder ein Treuhänder, eingesetzt. Diese Rolle kann eine Blockchain übernehmen und ist dann effizienter, schneller und transparenter. So lassen sich etwa kleine Transaktionen im Facility Management einfach abwickeln: Wenn der Facility Manager einen Auftrag abgeschlossen hat, hinterlegt er das auf der Blockchain und wird ausgezahlt. Eine vergleichsweise aufwendige Rechnungsstellung mit allem, was dazu gehört, ist nicht nötig. Auch große Transaktionen von ganzen Gebäuden lassen sich via Blockchain abbilden. Eine Anteilsübertragung kommt dann ohne Fonds, Urkunde und notarielle Beglaubigungen aus. Generell ist das gesamte Vertragswesen ein breites Anwendungsfeld für die BlockchainTechnologie. Allerdings hängt in all diesen Bereichen der Erfolg der Blockchain von der Akzeptanz und dem Vertrauen der Beteiligten in die Technologie ab. Nur wenn eine kritische Masse von Akteuren der Immobilienwirtschaft der Blockchain mindestens genauso stark vertraut wie den althergebrachten Intermediären, hat sie eine Zukunft.

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ImFokus

Die Blockchain-Technologie ermöglicht Unternehmen eine neue Form der Finanzierung sowohl durch Groß- als auch Kleinanleger. Konkret kann im Wege der Tokenisierung eine Finanzierung (zB Genussrecht oder Anleihe) ohne aufwendiges Listing an einer Börse handelbar gemacht werden. Somit vergrößert sich der Kreis potenzieller Investoren signifikant.

Weiters können die Zahlungen aus diesem Genussrecht auf einzelne Projekte eingeschränkt werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Unternehmen spezifisch die Investition in eine neue Immobilie oder eine neue Fabrik finanzieren kann und die Anleger an den Gewinnen dieses konkreten Projektes beteiligt werden.

Besonders bei tokenisierten Genussrechten kann das Unternehmen eine für die jeweiligen Bedürfnisse maßgeschneiderte Finanzierungslösung schaffen. Je nach konkreter

Durch die Blockchain-Technologie kann auch die laufende Verwaltung der Finanzierung effizient umgesetzt werden. Einerseits kann über die Analyse der Blockchain ausgewertet werden, wer die Anleger sind und andererseits kann durch sogenannte „smart contracts“ die Abwicklung der laufenden Zahlungen aus der Finanzierung effizient ohne Einschaltung einer Bank als Intermediär durchgeführt werden.

Derzeit ist in Österreich leider gefühlt die Luft etwas raus aus dem Thema Token-Offerings bzw Security Tokens. Klassische Kapitalmarktinstrumente gewinnen wieder verstärkt an Bedeutung, auch im Bereich des Crowdfunding. Eventuell bietet die digitale Sammelurkunde (die freilich nichts mit Blockchain oder klassischen Security Tokens zu tun hat) einen Anschub, dass das Thema digitale Investments wieder in den Fokus rückt. Einen weiteren Anschub könnte die geplante EUVerordnung über eine Pilotregelung für auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basierende Marktinfrastrukturen leisten. Während Regulierung auf der einen Seite bei

vielen Marktteilnehmern verpönt ist, kann Regulierung auf der anderen Seite Vertrauen bei potenziellen Investoren schaffen. Da in der Vergangenheit gerade im Markt der TokenOfferings oftmals „Wild West“ geherrscht hat, ist nicht verwunderlich, dass vor allem der breiten Masse an Kleinanlegern derzeit wohl vielfach das Vertrauen in DLT fehlt. Die geplante Verordnung wird die starre Verwahrung von „digitalen Wertpapieren“ bei Wertpapiersammelbanken durchbrechen oder auch kleineren Wertpapierfirmen das Betreiben eines DLT-basierten Handelssystems und den Handel mit DLT-basierten Wertpapieren ermöglichen.

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Ein Praxisbeispiel: Ein Unternehmen will großflächig Solaranlagen bauen und betreiben und benötigt für das erste entsprechende Großprojekt eine eigenkapitalähnliche Anlauffinanzierung von 1,5 Millionen Euro. Das Unternehmen begibt ein tokenisiertes Genussrecht, wobei die Genussrechtsbedingungen derart ausgestaltet sind, dass die Investoren zu 70 Prozent am laufenden Ergebnis und einem allfälligen Veräußerungserlös dieses Solarkraftwerkes beteiligt sind. Das Unternehmen muss für die Auszahlung der laufenden Beteiligung nicht umständlich über eine auszahlende Stelle unter Einschaltung der Kontrollbank als Zentralverwahrer agieren, sondern kann durch den entsprechenden „smart contract“ unmittelbar an die Tokeninhaber auszahlen. Die Tokeninhaber können die in Form von Token verbrieften Genussrechte falls gewünscht jederzeit unkompliziert übertragen und verkaufen. Durch die große Flexibilität, die Vorteile bei Begebung und der laufenden Verwaltung und den großen Kreis an potenziellen Investoren wird die Finanzierung über Token die Unternehmensfinanzierung in den nächsten Jahren stark beeinflussen.

Stefan Paulmayer, CMS Reich Rohrwig Hainz Rechtsanwälte

Fotos: Adobe Stock, Alexander Müller, Michael Sazel, Black Manta Capital Partners

Florian Petrikovics, tpa

Ausgestaltung kann unternehmensrechtlich Eigen-, Hybrid- oder Fremdkapital und steuerlich Eigenkapital (steuerlich gleichbehandelt wie eine unmittelbare Beteiligung) oder Fremdkapital (bei entsprechender Ausgestaltung stellen die Zinsen beim Unternehmen steuerlich Werbungskosten dar und werden beim Empfänger mit 27,5 Prozent KESt endbesteuert) vorliegen.


„Unser Ziel ist es, Anlegern alternative Investitionsmöglichkeiten am Immobilienmarkt zu eröffnen.“ Alexander Rapatz, Black Manta Capital Partners

Alexander Rapatz, Black Manta Capital Partners

Security Token Offerings als alternative Finanzierungsform? Der Security Token ist – vereinfacht gesagt – ein Transport-Medium auf der Blockchain, welches Rechte und Pflichten an einem zugrundeliegenden Vermögenswert widerspiegelt und transportiert. Security Token Offerings (STO) sind demnach ein alternatives Beteiligungs- und Finanzierungsinstrument unter Verwendung der BlockchainTechnologie.

Obwohl es derzeit nur sehr eingeschränkt möglich ist, unmittelbares Eigentum (iS einer Handelsregister- oder Grundbuchseintragung) durch einen Security Token darzustellen, kann man jedoch mit Treuhandstrukturen oder Genussrechten ein wirtschaftlich sehr ähnliches Ergebnis erzielen. Ausnahme in Österreich ist zum Beispiel das Aktienbuch einer AG, welches bereits auf der Blockchain geführt werden kann.

Als Beispiel kann hier das Berliner WohnbauProjekt Tigris S17A genannt werden, an welchem sich Investoren am Bauträger und Eigentümer der Liegenschaft mittels tokenisierter Genussscheine beteiligen konnten. Als eigenkapitalähnliches Instrument ist der Anleger (im Gegensatz zu Fremdkapitalinstrumenten) am Erfolg des Immobilien-Projekts beteiligt. Konkret wurden von rund 11 Millionen Euro Gesamtkosten zwei Millionen über Security Token finanziert. Nach Fertigstellung des Objekts und dem Verkauf der einzelnen Wohneinheiten werden die Anleger am Bilanzgewinn der Gesellschaft zu 20 Prozent beteiligt. Dies bedeutet, der Anleger erhält die Möglichkeit, sich an der Wertentwicklung eines einzelnen Immobilienobjektes zu beteiligen, dies schon ab einem Investment von 500 Euro. Der Projekteigentümer wiederum konnte hierdurch seinen erforderlichen Eigenkapitalanteil refinanzieren bzw. durch die Ausgabe von Security Token ein entsprechend größeres Projekt realisieren.

Unser Ziel ist es, Anlegern alternative Investitionsmöglichkeiten am Immobilienmarkt zu eröffnen, welche bislang für diese nicht zugänglich waren. Wer sich den Kauf eines

Es eröffnen sich somit für beide Seiten, Immobiliengesellschaften als auch Investoren, neue Möglichkeiten einer Interaktion im Rahmen von Beteiligungs- oder Finanzierungsprojekten.

Grundsätzlich gilt, dass Security Token im Rahmen des rechtlich Zulässigen frei gestaltbar sind und man jede Form einer direkten oder indirekten Beteiligung individuell strukturieren und abbilden kann. Die Ausgestaltung eines STO ist jedoch stark abhängig vom jeweiligen Vermögenswert und auch den Zielen des emittierenden Unternehmens.

Zinshauses oder einer Wohnung nicht leisten kann, kann nun über den Erwerb von zum Beispiel einzelnen Quadratmetern einer solchen Immobilie mittelbarer Teileigentümer und anteilsmäßig an deren Wertsteigerung und laufenden Erträgen beteiligt werden.

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Baukosten: Rasantester Preisanstieg seit 2008 Rallye an den Rohstoffmärkten. Egal ob Stahl, Holz, Kupfer, Bitumen oder Kunststoffe – hohe Nachfrage trifft auf ein knapperes Angebot. Die Folge: Drastische Preisanstiege. Autor: Patrick Baldia

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it einem Plus von 0,9 Prozent fiel der Kostenanstieg im heimischen Wohnhaus- und Siedlungsbau im Vorjahr noch relativ erträglich aus. Anders die Ausgangslage im bisherigen Jahresverlauf: Im Wohnbau stiegen die Baukosten zwischen Anfang Jänner und Ende April um durchschnittlich 4,7 Prozent. Allein im April stand im Jahresvergleich ein Anstieg von sieben Prozent zu Buche. Ähnlich

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dynamisch entwickelten sich die Baukosten im Straßenbau, wenngleich mit drei Prozent zwischen Jänner und April auf einem etwas tieferen Niveau. Experten fühlen sich an die Jahre 2006 bis 2008 erinnert, als die Preise infolge eines Wohnbaubooms ähnlich stark in die Höhe schossen. „Hinter dem Kostenanstieg seit Jahresbeginn steht vor allem der Preisanstieg bei Stahl und

Bauholz“, erklärt Günter Wolf, Ökonom bei der Unicredit Bank Austria, der sich der Thematik in einer kürzlich erschienenen Analyse („Entwicklung der Baukosten 2021“) widmete. So sei etwa Stahl, der einen Anteil von rund zehn Prozent an den Wohnbaukosten habe, im Mai im österreichischen Großhandel gegenüber dem Vorjahr um 51 Prozent teurer gewesen. Bei Schnittholz und Holzplatten habe sich das Plus auf 16 Prozent belaufen. Aber auch andere

Fotos: Adobe Stock, Michael Hetzmannseder, Omnicon, UniCredit Bank Austria

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„Die Gefahr wächst, dass mit den rückläufigen Margen die Eigenkapitalausstattung der Baufirmen abschmilzt.“ Günter Wolf, Unicredit Bank Austria

Baurohstoffe wie Kupfer, Bitumen oder Kunststoffe – beispielsweise in Form von Dämmstoffen – sind in den letzten Monaten infolge der hier wie da stark gestiegenen Nachfrage nach Metallen sowie des höheren Ölpreises deutlich teurer geworden.

Rallye an den Rohstoffmärkten

Auch ein aktueller Research-Report („Baustelle: Rallye an den Rohstoffmärkten“) der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) vermittelt ein Bild über die Rallye an den Rohstoffmärkten. So hat etwa das Industriemetall Kupfer Rekordpreise von über 8.400 Euro pro Tonne erreicht und sich allein in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 70 Prozent verteuert. Aluminium hat sich über denselben Zeitraum um fast 50 Prozent auf mehr als 2.000 Euro pro Tonne verteuert. Die Holzpreise haben wiederum an der Chicagoer Börse mit einem Anstieg von über 250 Prozent eine wahre Kursexplosion erlebt. „Die Produktionskapazitäten in der Stahl- und Sägeindustrie wurden Anfang 2020 aufgrund des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie zum Teil stillgelegt. Mit der raschen Erholung der Nachfrage konnten sie aber nicht schnell genug wieder in Betrieb genommen werden“, so Wolf zur wesentlichen Ursache der Preisanstiege beider Rohstoffe. Allein die Nachfrage aus den USA und China nach Schnittholz

aus Deutschland und Europa sei 2020 kräftig gestiegen. Zur Veranschaulichung: In diese beiden Märkte gehen insgesamt 25 Prozent der gesamten Schnittholzexportmenge aus Deutschland und acht Prozent jener aus Österreich. Denn auch in den USA und China erlebt die Baubranche aktuell einen Boom. Dazu

kommen fehlende Einschnittkapazitäten und ein Mangel an Rundholz, hinter dem erhöhte Zölle auf kanadisches Holz (in den USA) und der Handelsstreit mit Russland (im Falle von China) stehen. Es kann also angenommen werden, dass die Gewinnmargen der Holzproduzenten schon einmal schlechter waren.

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ImFokus

„Die zugespitzte Situation der letzten Monate entspannt sich derzeit allmählich.“ Karl-Heinz Strauss, Porr

Österreich: Baustoffmangel stärker ausgeprägt

Der Mangel an Baustoffen ist derzeit in Österreich und Deutschland sogar noch stärker ausgeprägt als im Rest von Europa. Laut der Analyse der Unicredit Bank Austria klagten im Mai elf Prozent der Baufirmen in der EU über einen Materialmangel. In Österreich und Deutschland waren es hingegen 34 Prozent. „Das ist auf die aktuell besonders dynamische Wohnbaukonjunktur in beiden Ländern zurückzuführen“, hält Wolf fest. Tatsächlich ist die Baukonjunktur in Österreich auch 2020 kaum abgekühlt, da die Baufirmen nach einem kurzen Lockdown relativ früh wieder die Arbeit aufgenommen haben. Im Wohnungsneubau und in der Hochbausanierung sind die Umsätze daher nur um ein, zwei Prozent zurückgegangen. Die Zahl der fertiggestellten neuen Wohnungen belief sich im Vorjahr auf starke 72.000. Dafür, dass heuer mit ähnlich hohen Neubauzahlen gerechnet werden kann, spricht

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einiges. Etwa die Tatsache, dass die Baugenehmigungen Ende 2020 um 15 Prozent über dem Durchschnitt des letzten Jahrzehnts lagen. Gleichzeitig sollte die Baunachfrage hierzulande von der Förderung von Sanierungsmaßnahmen – in den kommenden Jahren stehen dabei vor allem energetische Bauvorhaben im Fokus – profitieren. Wolf glaubt, dass die Zahl der Konsumenten, die in den kommenden zwölf Monaten eine Wohnraumsanierung ins Auge fassen, im zweiten Quartal 2021 einen Rekordwert erreichen können. Daraus ergibt sich auch für Nicht-Ökonomen eine relativ einfache Schlussfolgerung: Zumindest auf kurze Sicht sollte nicht mit einer schwächeren Nachfrage und – sich daraus ergebend – einer Entspannung der Wohnbaukosten gerechnet werden.

Fokus auf Preisvolatilität

Wie erleben die Baufirmen die aktuelle Situation? „Wir haben heuer bei nahezu allen Warengruppen überproportional Preiserhöhungen verzeichnet“, sagt Porr-CEO Karl-Heinz

Strauss. Für bestehende Aufträge habe man jedoch bereits Preisabsicherungen im Kernsortiment getroffen. Darüber hinaus verfüge man über ein breites Netzwerk an Lieferanten und setze innerhalb der Gruppe auf eng vernetzte Beschaffungsbereiche, um Preissteigerungen abzufedern und Stillstandzeiten auf den Baustellen des Unternehmens zu vermeiden. Davon profitiere die gesamte Porr Gruppe. „Zudem liegt der Fokus unserer Kalkulationsverantwortlichen im Einkauf aktuell auf der vorherrschenden Preisvolatilität“, erklärt Strauss. „Aktuell sehen wir Lieferengpässe bei bestimmten Produkten, wie zum Beispiel bei Dämmstoffen, Gipskarton oder Holz“, berichtet Markus Rink, Geschäftsführer der Omnicon, von der Erfahrung der Bautochter der CA Immo in Deutschland. Deshalb versuche man, frühzeitig mit Lieferanten Lösungsansätze zu finden und langfristig zu planen, um eventuelle Engpässe zu überbrücken. Auf den Baustellen seines Unternehmens sieht Rink jedenfalls


„Aktuell sehen wir Lieferengpässe bei bestimmten Produkten, wie zum Beispiel bei Dämmstoffen, Gipskarton oder Holz.“ Markus Rink, Omnicon

aktuell keinen Terminverzug aufgrund von Materialverknappung. Da man in bestehenden Verträgen die Projektpreise fixiert habe, sei die Preisbasis stabil. „Bei anstehenden Verträgen wird anhand des freien Wettbewerbs der Preis bestmöglich ausbalanciert“, so Rink.

Stahl- und Holzproduktion steigt

Wolf geht davon aus, dass sich die Versorgung mit Baustoffen mit zunehmender Produktion im zweiten Halbjahr verbessern sollte. Er verweist darauf, dass die Top-20 der europäischen Sägewerke vorhaben, heuer um mindestens sechs Prozent mehr zu produzieren. Allein die deutsche Sägeindustrie habe im ersten Quartal ein Produktionsplus von 18 Prozent vermeldet. Daher sollten auch die Preise zumindest leicht zurückgehen. Darauf deutet im Übrigen auch die jüngste Abkühlung der US-SägeholzFutures hin. Etwas anders schaut die Sache hingegen beim Stahlpreis aus. Zwar wird auch in der Stahlindustrie die Produktion hochgefahren. Aus der

Mai-Befragung über die Produktionserwartungen der nächsten Monate ist jedoch zu entnehmen, dass die europäischen Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte mehrheitlich einen deutlichen Anstieg des Outputs erwarten. Mit dem zunehmenden Angebot sollte auch die Dynamik der Preisanstiege nachlassen. Für Wolf bedeutet das allerdings nicht, dass der Stahlpreis fallen wird. „Er könnte in den kommenden Monaten durchaus noch steigen und bis ins Frühjahr 2022 hinein relativ hoch bleiben“, so der Ökonom.

Situation entspannt sich

„Die Preissituation wird meiner Meinung nach 2021 anhalten“, meint Strauss. Was etwaige Lieferengpässe betreffe, nehme er derzeit leider auch „vermeidbare Engpässe“ wahr und gehe aber davon aus, dass es im dritten oder vierten Quartal wieder gewohnte Lieferintervalle geben werde. „Aber natürlich wird es auch im Herbst noch vereinzelte Bereiche geben, in denen wir mit Störungen rechnen“, so der Porr-CEO. Nachsatz: „Grundsätzlich lässt

sich aber festhalten, dass sich die zugespitzte Situation der letzten Monate derzeit allmählich wieder entspannt.“ Nicht von der Hand zu weisen ist, dass angesichts der Entwicklung der letzten Monate der Margendruck im Wohnbau zuletzt gestiegen ist. Der Kostenanstieg konnte nämlich nur mehr zum Teil in den Baupreisen abgefangen werden, die in den ersten drei Monaten des Jahres um durchschnittlich 3,7 Prozent stiegen. „Vor allem bei Pauschalaufträgen und vereinbarten Festpreisen konnten die Teuerungen bei den Vormaterialien kaum weitergereicht werden. Zugleich berichtet die Baubranche, dass die Baustofflieferanten vielfach nur kurze Bindungsfristen und Tagespreise anbieten“, heißt es etwa in der Analyse der Unicredit Bank Austria. Angesichts der guten Auftragslage dürfte das Insolvenzrisiko in der Bauindustrie kaum gestiegen sein. „Aber es wächst die Gefahr, dass die Eigenkapitalausstattung der Baufirmen mit den rückläufigen Margen abschmilzt“, bringt es Wolf auf den Punkt.

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Gründe für den Preisauftrieb Blitzumfrage. Das sagen befragte Firmen zum Thema.

Andreas Wolf, Mapei Austria

Durch die hohe Nachfrage von Endkunden, unter anderem aufgrund von absehbaren Preiserhöhungen, stieg natürlich die Nachfrage an Rohstoffen seitens der Unternehmen. Seit über eineinhalb Jahren befinden wir uns in einer absoluten Ausnahmesituation, durch Corona-bedingte Grenzkontrollen, geschlossene Produktionsstätten sowie Probleme mit internationalen Containerschiffen wurde die Situation zusätzlich verschärft. Es folgte die weltweit herrschende Rohstoffverknappung. Die Nachfrage unserer Kunden stieg infolgedessen immens, sodass teilweise schon im April Jahresmengen bestellt wurden. Mehrere Unternehmen gleichzeitig mit Jahresmengen zu beliefern, ist eine logistische Herausforderung und auch für die Produktion kaum machbar. Zu Beginn eines Geschäftsjahres ist man natürlich auf etwaige Ausnahmesituationen

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vorbereitet, jedoch mit Sicherheit nicht auf eine weltweite Ressourcenkrise und die damit einhergehenden Preiserhöhungen von bis zu 100 Prozent! Aus diesem Grund sind die meisten Unternehmen, so auch Mapei Austria, gezwungen, unterjährige Preisanpassungen vorzunehmen. Bereits im April mussten wir unsere Partner über Preisanpassungen, geltend ab Mai 2021, informieren. Wir haben davon abgesehen, die Preisanpassungen am gesamten Produktsortiment vorzunehmen und haben lediglich jene Produkte erhöht, welche auch im Einkauf massiv teurer wurden. Aus diesem Grund haben wir auch eine Neuauflage unseres Produkt- und Preiskataloges veröffentlicht. Diese ist auf unserer Website – natürlich als digitaler Blätterkatalog – verfügbar. Um Ressourcen einzusparen, sehen wir jedoch davon ab, den Katalog als Druckversion zur Verfügung zu stellen. Ein Ende der Corona-Pandemie ist jedoch in Sicht, weshalb sich Nachfrage und Angebot wieder besser entsprechen werden, Logistikketten sich schließen und sich weltweit die Gegebenheiten am Rohstoffmarkt einpendeln werden – und wir werden Schritt für Schritt zur „Normalität“ zurückkehren.

Fotos: Mapei, Robert Tober, Uponor

Corona-Pandemie, weltweite Rohstoffkrise und was kommt als nächstes? Als wäre die Pandemie nicht schon genug, hatten wir vor allem im zweiten Quartal 2021 mit der weltweit herrschenden Ressourcenverknappung zu schaffen. Für uns alle ist diese Entwicklung stark spürbar, ob Lieferant, Kunde oder Endverbraucher.


Werner Hoyer-Weber, Hoyer Brandschutz

Aus meiner Sicht hat der derzeitige Baustoffmangel zwei Hauptursachen: Unsere Abhängigkeit von globalen Lieferketten, wenn mit Produkten aus Übersee gebaut wird anstelle mit Erzeugnissen aus Österreich oder Europa,

und zum anderen die Rohstoffknappheit durch die massive Ausbeutung von Ressourcen. Wenn man hört, dass bald kein Beton mehr hergestellt werden kann, weil sämtliche Sandvorräte aufgebraucht sind, stellt sich die Frage, ob wir weiter auf Baustoffe setzen, wo schon Knappheit herrscht, oder mehr auf andere beziehungsweise nachwachsende wie Holz zurückgreifen. Auch die aktuelle Preissituation ist verheerend. Als Fachplaner geben wir auf Basis unserer Erfahrungswerte Schätzkosten für Brandschutzanlagen ab und sehen dann, dass die Preise teils im zweistelligen Prozentbereich steigen. Den Bauherren trifft es am härtesten, denn er hat mit einem gewissen Budget kalkuliert und muss nun einen weitaus höheren Preis zahlen.

Trotz der angespannten Lage auf dem Rohstoffmarkt kann Uponor insgesamt eine zuverlässige Belieferung der Kunden sicherstellen – wobei partiell Engpässe nicht immer auszuschließen sind. Im Interesse der Kundenzufriedenheit werden Aufträge teilweise priorisiert, um vorrangig laufende Projekte zu bedienen.

Rudolf Donner, Uponor

Der Preisdruck in der Branche hat mehrere Gründe. Die Anspannung in der Lieferkette aufgrund der Materialverknappung, Engpässe in der Logistik angesichts der starken Auslastung der Lieferdienste und der hohe Bestelleingang führen zu steigenden direkten Kosten. Die Auswirkungen auf den Preis sind über das gesamte Sortiment von Uponor zu spüren. Es hat sich gezeigt, dass in dieser Situation Augenmaß, Transparenz und Fairness entschei-

Aus meiner Sicht kann die Bauwirtschaft dieses Dilemma nur überwinden, indem wir in der Planung konsequent auf den ressourcenschonendsten Weg setzen, die Wahl der Baustoffe überdenken und uns verstärkt dem Kreislaufdenken zuwenden. Muss bei Umbauten wirklich immer alles erneuert werden? Ich sage nein und selbst im Brandschutz kommen wir bei vielen Sanierungen mit Bestehendem gut und sicher aus. Das betrifft nicht nur Bestandsdecken oder -wände, sondern auch die Anlagentechnik. Wir können Aufzüge ertüchtigen und als Evakuierungsaufzüge weiterverwenden und Löschanlagen oder Brandmeldeanlagen so adaptieren, dass sie viele weitere Jahre einsetzbar bleiben. Diese nachhaltigeren Lösungen erfordern mehr Know-how und oft auch die planerische Extrameile, aber machen sich am Ende des Tages mehrfach bezahlt.

dend sind bei der Preisgestaltung. Unter dem Eindruck der steigenden Materialkosten hat Uponor die Preise einmalig maßvoll erhöht und vermeidet dadurch in kürzeren Abständen nötige Preisanpassungen. Durch den Dialog mit den Kunden ist es gelungen, Verständnis zu wecken: Nur gemeinsam können Hersteller, Handel und Handwerk diese Situation meistern. Dies liegt auch im Interesse der Endkunden, die langfristig die Kosten tragen müssen, wenn sich die Situation nicht entspannt – was sich dann wiederum negativ auf die Bauwirtschaft auswirken könnte. Zu einer gewissen Entspannung beitragen könnte, wenn der im öffentlichen Bereich geltende Baukostenindex gesetzlich auch auf die Privatwirtschaft übertragen würde.

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Wein & Immobilien Frisch von der Leber weg Ein lockeres Gespräch bei einem Vinotheks­ streifzug mit Christian Babler, Geschäftsführer von BauConsult Group.

Agieren statt Reagieren Stete Veränderung. Arbeitsweisen und Bürokonzepte müssen neu gedacht und definiert werden. Dabei immer einen Schritt voraus zu sein, schafft einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil. Kolumne: Lisa Grüner

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ie Sonne brennt unbarmherzig auf den Asphalt des Rochusmarkts. Die Markise der Vinothek spendet wohltuenden Schatten, doch die Luft steht. Da drängen sich gleich Themen wie Bodenversiegelung und Nachhaltigkeit auf. Wie wirken sich die neuen ESGRichtlinien auf die BauConsult Group aus? „Was für ein intelligentes Instrumentarium der Finanzwirtschaft, um auf die Nachhaltigkeitsthemen einzuwirken“, lacht Babler. „Den Investoren Rahmenbedingungen aufzuerlegen, dass sie nur unter gewissen Voraussetzungen sinnvoll erwerben dürfen, war von der EU sehr geschickt eingefädelt. Wir als Industrie müssen uns langfristig danach richten.“ Wir nehmen einen Schluck

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vom Frizzante Syrah von Roland Steindorfer aus Apetlon. Der trockene, leicht herbe Frizzante ist erfrischend mit einem milden Abgang, im Duft mit feinen Noten nach Erdbeeren und dunklen Waldbeeren. „Auch wenn es uns in unserer Tätigkeit noch nicht unmittelbar betrifft, so setzen wir uns mit dem Thema intensiv auseinander. Man muss sich immer die Frage stellen, für wen arbeite ich, wer sind meine Auftraggeber? Wir müssen Immobilien errichten, die den Kaufkriterien institutioneller Investoren und auch einer internationalen Klientel entsprechen. Auch wenn wir Investoren haben, die mit 100 Prozent Eigenkapital finanzieren, ist das nachhaltige Bauen und entsprechende Zertifizierungen kein Nice-to-have, sondern ein Must-have.

„Man muss sich immer die Frage stellen: Für wen arbeite ich?“ Christian Babler, BauConsult Group


Mit der ÖGNI haben wir ein enges Verhältnis und mit unserem Preferred Partner Beyond Carbon Energy setzen wir nachhaltige Energiekonzepte um.“ So wurde beim Viertel 2 auf regenerative Energieerzeugung und energetische Kommunikation zwischen den Gebäuden gesetzt. Mit moderner Haustechnik und entsprechenden Wärmeschutzmaßnahmen an der Gebäudehülle werden bereits mehr als 70 Prozent an CO2Emissionen und Brennstoffen eingespart. „Wir nehmen das CO2-Thema ernst und bringen in Projekten entsprechende Konzepte unter. Ideal sind verschiedene Nutzungsformen wie im Viertel 2. Die Büros brauchen Kälte, aus der Abwärme wird das Warmwasser für das Wohngebäude aufbereitet, das macht Sinn.“

Fotos: Mopix Photography, Adobe Stock

Verkleinert wird nicht

Als nächsten Wein versuchen wir einen Welschriesling vom Weingut Benjamin und Elisabeth Spät aus Großkrut. Der schöne, leichte Sommerwein präsentiert sich spritzig und fruchtig fein. Demnächst übersiedelt die BauConsult Group ins Korso, eine größere Bürofläche wurde notwendig, nachdem das Unternehmen stark gewachsen ist. Hat Corona etwas an der Entscheidung, auf 850 Quadratmeter zu gehen, geändert? „Wir verkleinern nicht, sondern lassen dem Büro eine andere Funktion zukommen“, erklärt Babler. „Es wird ein Kommunikationszentrum mit unterschiedlichen Zonen werden, in denen das Arbeiten in unterschiedlichsten Qualitäten über die Bühne gehen kann.“ So werden ruhige, aber auch Kreativzonen geplant, in denen es auch lauter zugehen kann.

Für das Backoffice sind fixe Arbeitsplätze und zusätzlich ein paar flexible vorgesehen. Ein Drittel der Mitarbeiter ist immer auf Baustellen unterwegs. „Wir haben schon vor Corona ein flexibles Arbeitszeitmodell erarbeitet, jetzt haben wir aufgrund der Erfahrungen der Mitarbeiter im letzten Jahr nachjustiert und die Ergebnisse einer Mitarbeiter-Befragung einfließen lassen.“ Gezeigt hat sich, dass die Projektarbeit in den Teams gut funktioniert hat, untergegangen ist die Kommunikation zwischen den Teams. „Das gemeinsame Lernen, das Reden über Problemstellungen und wie sie gelöst wurden, fehlt, wenn es kein gemeinsames Büro gibt“, erzählt Babler. „Unsere Leute fordern diese gelebte Lösungskultur auch ein.“

Zukunftsfit sein

Babler, der 2014 in die BauConsult Group eingestiegen ist, hat das Unternehmen gemeinsam mit Andreas Laschober stark ausgebaut. Mit über 40 Mitarbeitern, Laschober als Baumeister und ihm selbst als Immobilientreuhänder deckt das Unternehmen ein breites Spektrum ab. Den steigenden Rohstoffpreise und Kosten sieht er gelassen entgegen. „Es ist ja nicht das erste Mal, dass sich Baukosten bewegen, weil sich Rohstoffpreise verändert haben. Es wurde immer wieder mal der Stahl teurer, die Energiepreise höher, Kupfer teurer usw. Das sind Themen, mit denen man sich immer schon hat beschäftigen müssen, das heißt nicht, dass man diese Baustoffe nicht mehr verwendet, sondern mehr Effizienz in die Planung bekommen muss.“ Hier setzt die BauConsult Group auf Digitalisierung. „Das letzte Jahr haben wir genutzt, um die EDV zu

erneuern und auf eine neue Rechnungswesensoftware umzustellen. Die digitale Projektplattform wurde so ausgebaut, dass weitere Prozesse digitalisiert werden können. „Wir haben alle Daten in der Cloud und am Sharepoint integriert“, so Babler, „damit können unsere Mitarbeiter von überall sauber und schnell arbeiten.“ Stichwort BIM? „Da sind wir in Österreich deutlich hinten nach, in Großbritannien und Deutschland ist das viel mehr im Einsatz, öffentliche Ausschreibungen setzen oft schon eine Abwicklung über BIM voraus“, so Babler. „Der Planungsprozess ändert sich durch BIM komplett, wir haben zwei Mitarbeiterinnen, die sich rein mit BIM beschäftigen, damit wir dieses Know-how im Unternehmen haben.“ Die Vorteile bei der Kostenermittlung liegen für den Geschäftsführer auf der Hand. „Die Massenberechnung ist leichter, ein Knopfdruck und man weiß, wie viel Beton, Türen, Holz etc. benötigt werden.“ Der Kellner stellt uns zwei Gläser Oberberg vom Weber Arkadenweinhof aus Lutzmannsburg auf den Tisch. Der schöne dichte Blaufränkische hat 320 Sonnentage gesehen und bildet einen schönen Abschluss für unser Gespräch. Überholt sich die Digitalisierung nicht selbst, da ja schon Blockchain und Smart Contracts an die Türe klopfen? „Wir sind dem Thema offen gegenüber und versuchen immer zeitnah herauszufinden, welche Konsequenz es für unser Geschäftsmodell hat“, so Babler. „Es ist wie bei ESG, wenn es zum Thema wird und ein Investor das fordert, dann müssen wir das können. Und weil wir das wissen, beschäftigen wir uns damit, wir müssen agieren, nicht reagieren.“

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Das große Kribbeln und Krabbeln am Bau Herausforderung Natur- und Artenschutz. Der Lebensraum streng geschützter Tiere darf in Österreich nur in Ausnahmefällen bebaut werden. Dabei kommen diese praktisch auf jedem großen Bauareal vor. Autor: Patrick Baldia

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Fotos: Adobe Stock

as hatte sich Elon Musk wohl anders vorgestellt. Eigentlich sollte im neuen Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin diesen Juli die Produktion aufgenommen werden. Dass nun nicht wie geplant die ersten E-Fahrzeuge vom Fließband rollen, liegt unter anderem auch an einem kleinen Reptil, das auf dem Areal der sogenannten Gigafactory lebt: Der streng geschützten Zauneidechse. Ende 2020 hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) einer Beschwerde von zwei Umweltverbänden stattgegeben und die Rodung von Waldflächen auf Teilen der Baustelle untersagt. Dort sei der Lebensraum überwinternder Zauneidechsen, die die Rodungsmaßnahmen voraussichtlich nicht überleben würden, hieß es in der Entscheidung. Und auch die von Tesla durchgeführte Umsiedelung der Tiere sei „nicht geeignet, eine signifikante Erhöhung des Tötungsrisikos und damit einen Verstoß gegen das bundes- und europarechtliche Tötungsverbot auszuschließen“. Freilich liegt es nicht allein an Lacerta agilis oder der ebenfalls am Areal lebenden streng geschützten Schlingnatter (Cornella austriaca), dass der ursprüngliche Zeitplan des umtriebigen Unternehmers nicht eingehalten werden kann. Nach wie vor liegt nämlich die endgültige umweltrechtliche Genehmigung des Landes Brandenburg, und damit die Vo-

raussetzung für den Produktionsstart, nicht vor, weshalb über einzelne vorläufige Zulassungen gebaut wird. Vor kurzem hat Tesla den ursprünglichen Bauantrag für die erste europäische E-Auto-Fabrik auch noch um ein Batteriewerk ergänzt, was weitere Verzögerungen nach sich zieht. Es zeigt aber insgesamt, wie Umwelt- und Naturschutzrecht, ebenso wie die Beteiligung von diversen Stakeholdern, beispielsweise Umweltschützer oder Bürgerinitiativen, Bauvorhaben in Deutschland erschweren und mitunter auch verhindern können.

Wien: 700 geschützte Tierarten

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der Alpenrepublik. Hört man sich unter Bauträgern und Entwicklern um, so erschließt sich schnell der Eindruck, dass nahezu jeder Baugrund in Wien bereits bewohnt ist – von seltenen Insekten, Reptilien, Amphibien, Nagetieren oder Vögeln wohlgemerkt. Allein in Wien soll es um die 700 geschützte Tierarten geben. Dazu zählen etwa Juchtenkäfer, Wanderkröte oder Feldhamster. Zu unverhoffter Prominenz hat es vor einigen Jahren ein gelb-brauner, mittelgroßer Nager, der in wiesenartigen Lebensräumen wie Weingärten, Trockenrasen oder Brachen – aber auch Flugfeldern oder Golfplätzen – anzutreffen ist, gebracht: Das Ziesel. Eine Kolonie der streng geschützten Tiere hat ein Wohnbauprojekt hinter dem Heeresspital in Stammersdorf nahe

dem Marchfeldkanal jahrelang verzögert – und mehrere Millionen Mehrkosten verursacht. Die betreffenden Grundstücke in Floridsdorf wurden bereits 2008 von den beiden Bauträgern Kabelwerk und Donaucity erworben. 2009 erfolgte die Umwidmung zu Baugrund. Auf dem 70.000 Quadratmeter großen Areal sollten rund 950 geförderte Wohnungen errichtet werden. Als die Pläne bekannt wurden, formierte sich rasch Widerstand und die „Interessensgemeinschaft Lebensqualität (IGL) Marchfeldkanal“ betrat die Bildfläche. Sie mauserte sich zur Beschützerin der rund 150 Ziesel, die dort lebten. So mancher Kritiker sah dahinter auch andere Motive. ORF-Moderator Paul Tesarek stellte etwa 2012 in einem „Wien heute“-Bericht in den Raum, dass eine von der Bürgerinitiative geplante Mahnwache zum Schutz der Ziesel „vielleicht auch zum Schutz der eigenen Aussicht“ erfolgen könnte. Seitens der IGL-Marchfeldkanal war wiederum zu vernehmen, dass man „nicht grundsätzlich gegen die Verbauung freier Grundstücke“ sei, es komme aber immer auf das „Wie“ an.

Ziesel-Steg für 70.000 Euro

2012 gab die MA 22 grünes Licht für ein Projekt, das die Umsiedelung der Ziesel – sowie der ebenfalls auf dem Baugrund lebenden Feldhamster – auf Ausgleichsflächen zum Ziel hatte. Den Bauträgern wurde per Bescheid

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vorgeschrieben, eine ökologische Bauaufsicht einzurichten. Damit wurde unter anderem die Verhaltensbiologin Irene Hoffmann von der Uni Wien betraut. Unter ihrer Aufsicht wurden die Tiere mit Transpondern versehen und regelmäßig gezählt. Gleichzeitig wurde für kolportierte 70.000 Euro ein eigener Ziesel-Steg über den Marchfeldkanal gebaut, über den die Abwanderung zu den Ausgleichsflächen erfolgen sollte. Als sich erwies, dass der Umsiedelungsplan erfolgreich war beziehungsweise zumindest 50 der Nager sich ein neues Zuhause gesucht hatten, konnten schließlich die Baumaschinen auffahren. Allerdings erst 2018. Im Frühjahr 2019 wurden dann die ersten Gebäude mit 156 Wohnungen fertig und damit um einiges später als ursprünglich geplant. „Artenschutzbestimmungen werden im EURecht sehr streng gefasst“, sagt Paul Reichel, Partner bei NHP Rechtsanwälte. Wie der Experte für Naturschutzrecht erklärt, würden in den neun heimischen Naturschutzgesetzen zwei EU-Richtlinien umgesetzt: Die Vogelschutz- und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Ihr Ziel ist die Erhaltung wildlebender Vogelarten beziehungsweise die Sicherung der Artenvielfalt durch die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Um dies zu erreichen sind laut Reichel unter anderem drei zentrale artenschutzrechtliche Verbote normiert: das Töten und Fangen von Exemplaren geschützter Tierarten, die Störung geschützter Tierarten sowie die Zerstörung oder Beschädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten beziehungsweise Nestern bestimmter Tierarten.

Problematisch: Deutlich höheres Tötungsrisiko

Was passiert aber, wenn bei einem Bauprojekt einzelne Tiere getötet werden, was natürlich immer vorkommen kann? „Das wäre für sich genommen dann kein Problem, wenn sich das durch ein Bauvorhaben hervorgerufene Tötungsrisiko in einem Bereich bewegt, der im allgemeinen Naturgeschehen immer gegeben ist“, so Reichel. Problematisch wäre es, wenn es zu einer signifikanten Erhöhung des Tötungsrisikos kommen würde. Das wäre beispielsweise dann der Fall, wenn ein Windpark-

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Tierische Troubles mit den Nachbarn Geschützte heimische Tiere, die in den vergangenen Jahren auf die eine oder andere Art Bauvorhaben beeinflussten: • Feldhamster: Eine eigene Schutzzone soll während der Sanierung der Hochstraße St. Marx für die Sicherheit der Nager sorgen. • Juchtenkäfer: Sein Vorkommen im Hietzinger Hörndlwald verhinderte dort den Bau einer Burnout-Klinik. • Triel: Der vom Aussterben gefährdete Vogel könnte die geplante Marchfeld Schnellstraße (S8) kippen. • Wanderkröte: Verzögerte 2016 das Wohnprojekt am Nordbahnhof. Konnte in eigens angelegte Biotope umgesiedelt werden. • Zauneidechse: Das Reptil der Jahre 2019-2021 zählt zu den Mitbewohnern der Wanderkröte am Nordbahnhof. • Ziesel: Der wohl berühmteste Nager Ostösterreichs sorgte für jahrelange Verzögerungen eines Wohnprojekts in Stammersdorf.


in frostfreie Höhlen zurückziehen, saniert. Bereits Anfang April 2018 hingen die Säuger bereits an ihren gewohnten Plätzen.

15 Millionen Euro für Reptilien-Umsiedelung

Projekt auf der Route von Zugvögeln realisiert werden soll. Nachsatz des Experten: „Zu berücksichtigen ist allerdings, dass für die Frage, ob artenschutzrechtliche Verbotstatbestände ausgelöst werden, immer auch projektimmanente ökologische Begleitmaßnahmen – wie zum Beispiel die Schaffung von Lebensraumstrukturen oder Umsiedelungsmaßnahmen – mitberücksichtigt werden müssen.“ Wie wichtig in diesem Zusammenhang die offene Kommunikation zwischen allen wichtigen Stakeholdern ist, zeigt das Beispiel des Schloss Frein in Frankenburg am Hausruck. Das denkmalgeschützte Objekt wurde 2017 von der Green Finance erworben, um es einer Generalsanierung zu unterziehen. Vor dem Baubeginn wurde das Unternehmen jedenfalls von Naturschutzbund und Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) darauf hingewiesen, dass sich am Dachboden des Schlosses eine Wochenstube von Fledermäusen der Art „Großes Mausohr“ befindet. Laut GreenFinance-Geschäftsführer Michael Kottnig, Geschäftsführer der Green Finance, war man bemüht Naturschutz und KFFÖ während des gesamten Projekts miteinzubeziehen. Mit Erfolg: Der Dachstuhl wurde 2018, während der Wintermonate, über die sich die Tiere

Es kann auch extremer ablaufen, wie ein weiteres Beispiel aus Deutschland aufzeigt. Mit dem Kauf der Vivico, einer Verwertungsgesellschaft der Deutschen Bahn, kam die CA Immo 2007 zwar in den Besitz von etlichen Top-Liegenschaften in den besten innerstädtischen Lagen Deutschlands. Auf Bahngrundstücken fühlt sich aber nun mal auch ein kleines Tierchen offenbar pudelwohl, weshalb es dort oft in großer Zahl anzutreffen ist: die bereits erwähnte Zauneidechse. Bei einem Entwicklungsprojekt in Frankfurt mussten daher die dort lebenden Tiere – auf Basis eines Behördenbeschlusses – zum Umsiedeln auf die Nachbarfläche bewegt werden, wie sich Patrick Kaurisch, Leiter der Grundstücksaufbereitung/Erschließung bei der CA Immo, erinnert. Als sich herausstellte, dass es dort nicht möglich sei, über Ausgleichsmöglichkeiten die Lebensgrundlage der hiesigen Zauneidechsen zu sichern, mussten Biologen jedes einzelne der insgesamt 2.000 Tiere einfangen, um sie zu einem eigens angelegten Biotop in zwei Kilometer Entfernung zu bringen. Dabei war man allerdings auf schönes Wetter angewiesen. Nur dann kommen Zauneidechsen nämlich aus ihrem Unterschlupf, um ein Sonnenbad zu genießen. Die Kosten solcher Aktionen umschreibt Kaurisch – auch wenn sie im Vergleich zu den Baukosten „vernachlässigbar“ wären – als „nicht unerheblich“. Ein weiteres Beispiel aus Deutschland hilft das konkrete Ausmaß jedenfalls zu veranschaulichen: Im Rahmen des Milliardenprojekts Stuttgart 21 mussten in Stuttgart-Untertürkheim 6.000 Mauereidechsen umgesiedelt werden. Jedes einzelne Tier musste mit einer an einer Rute befestigten Schlinge von Experten gefangen werden. Laut der Deutschen Bahn kostete die Umsiedelung einer Eidechse durch Planung, Gutachten, Monitoring, Fang und Grunderwerb zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Insgesamt soll die Umsiedelung von geschützten Reptilien für Stuttgart 21 Kosten in der Höhe von 15 Millionen Euro verursacht haben.

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Konflikte kosten Baumediation. Wenn sich gegensätzliche Standpunkte verhärten und/oder Emotionen das Gesprächsklima beherrschen, ist eine sachliche Lösung eines Konfliktes oft, ohne Hilfe Dritter, nicht möglich. Spannungsfelder gibt es überall, wo es menschelt. Autor: Lisa Grüner

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S „Die Idealsituation ist dann gegeben, wenn schon zu Projektbeginn ein Mediatorenteam eingebunden wird.“ Franz Taumberger, eingetragener Mediator

ind beim Bau eines Objektes mehrere Unternehmen beteiligt, gibt es immer wieder Anlässe für Spannungsfelder und Konflikte: Terminverzug, strittige Vorleistungen, Leistungsänderungen, Abrechnungsthemen, Leistungsfeststellungen, Behinderung und Störung der Leistungserbringung, Gewährleistungsmängel oder Konflikte mit Anrainern und Bewohnern. In hoch eskalierten Fällen können eine Ersatzvornahme oder eine Vertragsauflösung im Raum stehen. Das kostet alles verzögert die Fertigstellung und kostet Geld und Nerven. Mediatoren können in all diesen Situationen bei der Lösungsfindung zeitnah Konflikte klären und unterstützen. „Die Idealsituation ist dann gegeben, wenn schon zu Beginn des Projektes ein Mediatorenteam eingebunden wird“, erklärt Franz Taumberger, eingetragener Mediator in Wien. „Damit ist gewährleistet, dass die Mediatoren das Projekt von Beginn an kennen, mögliche Konfliktlinien erkennen und zeitnah zu agieren beginnen.“ Ist im Bauvertrag eine Mediationsklausel, zum Beispiel als Ergänzung zur Schlichtungsklausel wie in der ÖNorm 2110, vereinbart, kann das Mediatorenteam rasch aktiv werden. Dieses sollte möglichst vor einem Aktivwerden von Rechtsanwälten, allein aus Kostengründen, beigezogen werden.

Fotos: ISMIB, Adobe Stock

„Das Bundesministerium für Justiz führt ein Verzeichnis der eingetragenen Mediatoren“, erklärt Johannes Göstl, Mitglied des Vorstandes ISMIB und eingetragener Mediator. „Diese unterliegen dem Zivilrechts-Mediationsgesetz und sind in der Liste mit dem jeweiligen Tätigkeitsbereich angeführt.“ Baumediatoren sollten neben ausreichender Erfahrung auch eine Affinität zur Bauwirtschaft aus ihrem Herkunftsberuf haben, also beispielsweise Architekt oder Bauträger sein. Damit wird sichergestellt, dass die hohe Komplexität eines Bauprojekts erfasst werden kann. Brennt der Hut, so muss zeitnah reagiert werden. „Wie schnell ein Mediator tätig werden

kann, hängt einerseits von der Verfügbarkeit und andererseits von der Bereitschaft aller erforderlichen Beteiligten ab, an einem Mediationsverfahren teilzunehmen“, so Göstl. „Ein zentrales Prinzip der Mediation ist die Freiwilligkeit einer Teilnahme am Verfahren und die Option, zu jeder Zeit aus dem Verfahren auszusteigen.“ Die Vorbereitungszeit für die Mediationssitzungen ist von der Komplexität der Konfliktthemen und der Anzahl der Beteiligten abhängig, meist aber kurz, weil Mediatoren sich nicht in die Details der Auseinandersetzung einarbeiten müssen.

Kosten/Nutzen

Die grundlegende Frage ist: Welche direkten und auch Folgekosten bewirkt ein nicht geregelter Konflikt? „Dazu kommt, dass eskalierende Konflikte nicht nur soziale und wirtschaftliche Beziehungen schädigen oder im schlimmsten Fall sogar zerstören, sondern sich auf die Konfliktparteien und Dritte nachhaltig nachteilig auswirken können“, so Göstl. „Auch mögliche Rechtsverfahren bedeuten Zeitaufwand und Kosten.“ Abgerechnet wird die Mediation üblicherweise auf Basis eines Stundenhonorars. Der Aufwand für Vor- und Nachbereitung sowie die Mediationssitzungen selbst steht in etwa im Verhältnis 1:1. „Der Einsatz eines Zweierteams ist nicht nur aus Qualitätsgründen sinnvoll, in meiner Berufspraxis biete ich auch keine andere Form von Mediation an“, so Taumberger. Es gibt keine Honorarrichtlinie für Mediatoren. Der übliche Stundensatz für ein Baumediatorenteam liegt zwischen 300 und 500 Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Die höchsten Honorarkosten fallen erfahrungsgemäß dann an, wenn Baukonflikte bereits gerichtsanhängig sind und konsensuale Lösungen in einem gerichtsnahen Mediationsverfahren gesucht werden. Auch für die Kostenübernahme gibt es keine einheitlichen Richtlinien. „Üblicherweise übernehmen diese die Konfliktparteien zu gleichen Teilen, in der Praxis können aber auch vertragliche Vereinbarungen getroffen

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werden, dass diese Kosten aus der Position ‚nicht zuordenbare Baukostenʻ getragen werden“, so Taumberger. „Es macht Sinn, diese Frage schon bei Projektbeginn zu klären.“ Zieht man nur Gerichtkosten und Anwaltskosten heran, wird die Kostenersparnis durch ein erfolgreiches Mediationsverfahren sehr klar sichtbar, besonders deshalb, da viele gerichtsanhängige Verfahren mit einem Vergleich oder einer Quotenteilung enden.

Garantierter Erfolg?

Mediationen können aber auch scheitern. Erfahrene Mediatoren werden üblicherweise rasch erkennen, ob eine Mediation sinnvoll ist oder nicht und das Verfahren nicht in die Länge ziehen. Auch deshalb wird im Normalfall eine Mediation rascher und kostengünstiger abzuwickeln sein als ein Gerichtsverfahren.

Beispiel: Projektabrechnung

Die Projektabrechnung beziehungsweise die Schlussrechnung birgt immer wieder ein großes Konfliktpotential. Unterschiedliche Standpunkte in Bezug auf den Grad und die Qualität der Leistungserbringung führen zu Nach- oder Gegenforderungen beziehungsweise Rechnungsabstrichen. Oftmalig sind hierfür Änderungen im Leistungs- beziehungsweise Lieferumfang, Nachträge oder im Raum stehende Mängel der Grund. Die Mediatoren wirken hier unterstützend, indem den Emotionen zwar Raum gegeben wird, diese jedoch auf die Bedürfnisse und Interessen, also was den Beteiligten wichtig ist und was diese brauchen, zurückgeführt werden. Auf Basis der Bedürfnisse und Interessen der Beteiligten werden von diesen Optionen entwickelt, die möglichst viele (im best case: alle) Interessen der teilnehmenden Parteien erfüllen. Im Falle der einvernehmlichen Verständigung über die Beiziehung eines Sachverständigen zu Themenbereichen, die von den Mediationsparteien nicht selbst gelöst werden können, erfolgt in der Mediation die Einigung über die Auswahl eines Sachverständigen. Damit werden Diskussionen über divergierende Gutachten verhindert. Aus den

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derart durch die Mediationsparteien kreierten Lösungsoptionen werden auf Basis der zuvor ermittelten Interessen (Kriterien) Lösungen erarbeitet, welche die Basis für die weitere Zusammenarbeit schaffen. Die Mediatoren leiten dabei den Mediationsprozess, haben jedoch die Verpflichtung, sich aus der inhaltlichen Gestaltung der Lösungsfindung herauszuhalten.

Beispiel: Begleitende Baumediation

Um den geplanten Dachbodenausbau in Wien wirtschaftlich optimal gestalten zu können, musste in bestehende Mietverträge wegen des Lifteinbaues und der Konstruktion von Balkonen eingegriffen werden, dazu war die Zustimmung der Betroffenen erforderlich. Nach der Einigung über ein Mediationsverfahren wurde in Vorgesprächen mit dem Architekten und den Eigentümern klar, dass mehrere Mieter das Bauvorhaben zumindest verzögern, wenn nicht sogar in der vorgeplanten Form zu verhindern versuchen werden. Der Eigentümer hatte das Gebäude erst kürzlich erworben. Zwischen dem Vorbesitzer beziehungsweise dessen Hausverwaltung und den Mietern gab es große Spannungen, unter anderem wegen der Nichteinhaltung von Sanierungszusagen. Dieses Misstrauen wurde auf den neuen Eigentümer übertragen. Die erste Aufgabe der Mediation war es daher, zwischen allen Beteiligten wieder ein tragfähiges Vertrauensverhältnis herzustellen. Deshalb wurden zur ersten Sitzung, noch vor der Einleitung des Baugenehmigungsverfahrens, alle betroffenen Mieter, die neue Hausverwaltung, das Planungsteam und der Eigentümer eingeladen. Die hier vorgebrachten Einwände und Wünsche der Mieter wurden im Wesentlichen in die Planung eingearbeitet. Eine zweite Sitzung diente vor allem dazu, die nun vorliegende Baugenehmigung nochmals vorzustellen und die zu erwartenden Beeinträchtigungen während der Bauzeit zu besprechen. Zu dieser Sitzung wurden alle Mieter des Hauses eingeladen. Der Bauzeitplan wurde

„Eskalierende Konflikte können soziale und wirtschaftliche Beziehun­gen schädigen und im schlimmsten Fall sogar zerstören.“ Johannes Göstl, ISMIB


besprochen und zusätzlich vereinbart, dass jederzeit eine weitere Mieterversammlung einberufen wird, sollten unerwartete Konflikte auftreten. Im Bauvorhaben selbst war die Mediation Vertragsbestandteil. Dadurch wurde sichergestellt, dass mögliche auftretende Konflikte rasch, kostengünstig und zeitnah gelöst werden können. Das Projekt befindet sich in der Fertigstellungphase.

Beispiel: Anlassbezogene Baumediation

Im Zuge der Projektübergabe eines Neubauprojektes im Süden von Wien mit circa 30 Wohneinheiten wurden erhebliche Mängel in der Warmwasserversorgung des errichteten Gebäudes festgestellt. Da der beauftragte Installateur jedoch Konkurs angemeldet hatte, konnte er als Verursacher nicht mehr herangezogen werden. Der Bauherr versuchte daher, den Schaden beim Architekten, der auch mit der Örtlichen Bauaufsicht beauftragt war, geltend zu machen. Zum Zeitpunkt der Einleitung des Mediationsverfahrens war bereits ein

Anwalt vom Bauherrn eingeschaltet worden, der eine Klage in der Höhe von 150.000 Euro angedroht hatte. An den Haftpflichtversicherer des Architekten war noch keine Schadensmeldung ergangen, daher war auf dieser Seite auch noch kein Anwalt eingeschaltet. Im Mediationsverfahren wurde zunächst die Einigung über die Beauftragung eines von beiden Seiten anerkannten Sachverständigen erzielt. Auf Basis dessen Gutachtens konnte der Streitwert auf 25.000 Euro reduziert werden. Im weiteren Verlauf wurde der Haftpflichtversicherer des Architekten eingeschaltet. Dieser erklärte sich bereit, in Form einer Prozesskostenablöse einen Teil der Schadenssumme zu übernehmen. Von Beginn an signalisierte der Architekt starkes Interesse an einer außergerichtlichen Lösung. Für ihn war es wichtig, dass seine Leistungen durch den Bauherrn anerkannt und gewürdigt werden. Als diese Anerkennung er-

folgte, war er bereit, einen erheblichen Betrag zur Schadensbehebung anzubieten. Nach der vierten Sitzung wurde die Mediation (auch auf Anraten des Anwalts) vom Bauherrn jedoch abgebrochen. Die bis dahin erzielten Teileinigungen wurden nun als nicht ausreichend bezeichnet. Nach mehreren Tagsatzungen, einer Prozessdauer von nunmehr mehr als drei Jahren und der Einschaltung weiterer Sachverständiger wurde auf Intervention des Architekten ein weiterer Mediationsversuch unternommen, welcher jedoch wiederum durch den Bauherrn (beziehungsweise dessen Anwalt) abgebrochen wurde. Der Streitfall wird nun beim HG Wien entschieden, das endgültige Urteil steht noch aus. In der Zwischenzeit übersteigen die Gerichts- und Anwaltskosten den Streitwert bei weitem, ein Ende ist nicht in Sicht. Dieses Beispiel zeigt, dass es, trotz Mediation, keine Erfolgsgarantie gibt.

Factbox Mediatoren Institut für Schlichtung und Mediation im Bauwesen: www.ismib.at Mediatorenliste für Zivilrechtssachen: www.mediatorenliste.justiz.gv.at Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten: www.arching.at Fachverband UBIT der WKÖ, Experts Group Wirtschaftsmediation: www.wirtschaftsmediation.cc Forum Wirtschaftsmediation: www.wirtschaftsmediation.at Gesellschaft für Wirtschaftsmediation (GWM): www.gwm.or.at Österreichischer Bundesverband für Mediation: www.oebm.at Dachverband für Außergerichtliche Konfliktlösung in Österreich: www.netzwerk-mediation.at Mediation Austria: www.mediation-austria.at

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Illmitzer Gespräche

Klimavolksbegehren jetzt! Wir haben keine Zeit mehr. Während unsere wohnrechtliche Diskussion zurzeit von der Novellierung des HeizKG einerseits, von einer möglichen Novelle zum WEG andererseits bestimmt wird, geraten die Forderungen des Klimavolksbegehrens in den Hintergrund. Autor: Thomas Malloth

Während unsere wohnrechtliche Diskussion zurzeit von der Novellierung des HeizKG einerseits, von einer möglichen Novelle zum WEG andererseits bestimmt wird, geraten die Forderungen des Klimavolksbegehrens in den Hintergrund und drohen zwischen Ibiza und dem Festland zu versinken. Gerade an den beiden geplanten Novellen wird ersichtlich, dass eine weitgehend visionsbefreite Politik endlich der Vergangenheit angehören muss. Nehmen wir einmal das HeizKG, in Zukunft auch für Kälte zuständig: Wir beschäftigen uns – auf höchstem Expertenniveau und viele Stunden lang – mit der Frage einer effektiven und transparenten Abrechnung, ohne vorab klargestellt zu haben, dass es nachvollziehbarer, für jeden

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Einzelnen sichtbarer Umsetzungsschritte vor allem zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern bedarf. Betrachten wir auch die Diskussion rund um Änderungen im Wohnungseigentumsgesetz: Statt einfach zu sagen „Maßnahmen, die zur Erreichung der Klimaschutzziele dienen – und keine schutzwürdigen Interessen der WE verletzen –, sind privilegierte Maßnahmen im Sinne des Gesetzes“ – beschäftigen wir uns kasuistisch mit E-Ladestationen und Verschattungsfragen. Wovor haben wir Angst? Vor der eigenen Zukunft? Am 26.03.2021 hat der Nationalrat mit dem Stimmen von ÖVP, Grünen und Neos einen Mehrheitsbeschluss gefasst, mit dem der Bundesregierung eine breite Palette an Maßnahmen zur Umsetzung aufgetragen wird. Es liegt an uns nunmehr einzufordern, wofür 380.590 Bürger unterschrieben haben:

1. Verankerung des Rechtes auf Klimaschutz in der Verfassung

Erinnern wir uns an den Stufenbau der Rechtsordnung, an dessen nationaler Spitze das Verfassungsrecht steht. Jedes staatliche Handeln und jede Maßnahme der Legislative muss diesem „höchsten“ Recht entsprechen. Hebt man nun den Klimaschutz in den Verfassungsrang, so zwingt man alle drei Staatsgewalten – Legislative, Judikative und Exekutive – das übergeordnete Ziel des Klimaschutzes immer im Kalkül zu haben. Das spart zwar noch kein Gramm

CO2 und rettet auch noch keine Art, bewirkt aber eine unabdingbare Rücksichtnahme auf die wirklich übergeordneten Zielsetzungen.

2. Schaffung eines verbindlichen CO2-Budgets

Keiner von uns würde sein Unternehmen führen können, ohne eindeutige Zielsetzungen. Wir leben als Unternehmer nicht für den Moment, sondern planen umsichtig und nach Maßgabe unserer Ressourcen unser Handeln. Im Gegensatz zu aktuellen tagespolitischen „Sagern“, die nur dazu dienen, das Emotionale im Wähler anzusprechen, verfolgen wir unsere unternehmerischen Zielsetzungen auf Basis von Markt- und Trendbeobachtungen. Entscheidend ist für uns die Messbarkeit. Exakt diese jährlichen Meilensteine gilt es für unsere „Mitarbeiter“ in der Exekutive – Bund, Länder und Gemeinden – einzuführen und gesetzlich zu verankern.

3. Controlling durch einen Klimarechnungshof

Gleich wie in unseren Unternehmen muss es eine von der obersten Leitung unabhängige und nur dieser berichtspflichtige Instanz geben, die die Einhaltung des Budgets überwacht und – wenn erforderlich – geeignete Maßnahmen empfiehlt, die – binnen angemessener Frist – umzusetzen sind. Ich würde in diesem Zusammenhang über den vom genannten Entschließungsantrag geforderten Expertenrat

Fotos: Adobe Stock

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rotz coronarer Umstände, in der Zwischenzeit aber zumindest einmal geimpft und dem letzten Lockdown entronnen, arbeiten wir an den Illmitzer Gesprächen 2021 vom 14. bis zum 16.10.2021. Nochmals ein Danke an die Spitzen der Wirtschaftskammern im Bund, KR Mag. Georg Edlauer, und in Wien, KR Michael Pisecky, die uns nicht nur tatkräftig unterstützen, sondern auch am 14.10. den Wiener Immobilientag nach Illmitz verlegen. Wir haben damit die Chance, echte Entscheider für unser brennheißes Thema zu gewinnen, denn wir Immobilientreuhänder haben es in der Hand rund 30 Prozent des Energiebedarfs im Wohnbereich zu steuern.


hinaus einen Umweltbundesanwalt einrichten, der ein Gesicht und eine Stimme für das Thema ist.

4. Kostenwahrheit und ökosoziale Steuerreform

Das Steuerrecht ist schon immer eine zentrale Stellschraube gewesen, um gewünschte volkwirtschaftliche Veränderungen zu bewirken. Entscheidend ist bei Ein- und Durchgriffen in dieser Materie die Akzeptanz der Normunterworfenen. Zweckbindung, Kostenwahrheit, zielgerichtete Förderungen, vor allem aber „Belohnungstatbestände“, sind wirkungsvolle Treiber in diesem Zusammenhang. An historischen Beispielen mangelt es nicht. Diejenigen, die schon ein wenig länger dabei sind, wie ich, erinnern sich an die „steuerfreie Rücklage“. Man durfte den Überschuss eines Jahres neun Jahre zurückstellen und musste ihn erst im zehnten Jahr versteuern, es sein denn, man hatte ihn bereits mit sinnvollen Investitionen verbraucht. Gerne berechne ich für die für Finanzen zuständigen Autoritäten die positiven Einkommen- und Umsatzsteuereffekte, wenn man diese Methodik auf klimarelevante Investitionen anwendet. Warum sollte die Zukunft kein positives Abbild der Vergangenheit sein?!

5. Brauchen wir wirklich eine dritte Spur auf jeder Autobahn?

Vor mehr als 30 (!) Jahren hat ein unbeugsamer Stadterneuerer zu mir als jungem Immobilientreuhänder gesagt: „Thomy: Stadterneuerung und ruhendes Blech sind einander ausschließende Ziele und – es gibt kein Recht innerhalb bestimmter Zeit von A nach B zu gelangen.“ Seine Worte haben sich tief in mein Denken eingeprägt und es vergeht kaum ein Vortrag, in dem ich dieses Zitat nicht bringe. Jeder von uns muss die Möglichkeit haben, klimaschonend mobil zu sein. Da darf die Forderung nicht lauten 1, 2 oder 3 Euro pro Tag für den öffentlichen Verkehr, sondern null Euro und das aus jedem Winkel der Alpenrepublik.

6. Partizipation als Schlüssel zum Erfolg?

Vor kurzem habe ich aus Anlass des DreiParteien-Mehrheitsbeschlusses mit einem Freund die Frage der Einrichtung von Bürgerbeiräten diskutiert. Ich gebe zu: Wegen des Mietermitbestimmungsstatutes der Gemeinde Wien (kennen Sie das noch?) bis hin zu den Regelungen rund um die Wohnungseigentümerversammlung habe ich nicht geringe Teile meines Lebens in den Hinterzimmern von

Gasthäusern mit den Wünschen der Menschen verbracht. Manchmal habe ich mich vor diesen Abenden gefürchtet, zumeist habe ich sie – vielleicht etwas zerzaust – gut überstanden und war beim Einschlafen stolz auf kleine oder große Erfolge. WUINAN heißt Wohlfühlen und ist der Sprachstamm von Wohnen und für dieses Wohlfühlen sind wir verantwortlich. Bewusst haben wir 2002 die – physische – Versammlung der Wohnungseigentümer zum zentralen Element der Willensbildung gemacht, denn je weiter wir von der Entscheidung – auch körperlich – weg sind, desto einfacher wird das vielgeliebte Nein, das weitaus häufiger als ein beherztes JA ist. JA: Die Einrichtung von Bürgerbeiräten kann jenen politischen Druck erzeugen, den es in dieser lauen und visionslosen „Realpolitik“ bedarf, warum sind sie noch nicht eingerichtet? DENN WIR HABEN KEINE ZEIT MEHR Melden Sie sich an und sind Sie dabei: www.illmitzer-gespraeche.at oder noch einfacher: t.malloth@malloth.at.

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Illmitzer Gespräche

Das Programm Gemeinsam die Zukunft gestalten. Wie schon für die ersten offiziellen Illmitzer Gespräche 2019 ist es uns gelungen, hochkarätige Vortragende für unser Forum zu gewinnen. Nachstehend finden Sie das vorläufige Programm. Durch die 3 Tage führen Sie, wie bereits auch bei den Gesprächen 2019, Romy-Preisträger Gerald Votava und Thomas Malloth.

Donnerstag, 14. 10. 2021 # Global und Wissenschaft 13:00

LH Mag. Hans Peter Doskozil Eröffnung – Labor Burgenland

13:30

Prof. Mag. Thomas Malloth FRICS Ziele und Ablauf

14:00

Prof.in (FH) PD Dr.in Christine Vallaster (angefragt) Was kommt nach dem Kapitalismus?

15:00 Podiumsdiskussion KommR Mag. Michael Gehbauer Gemeinützigkeit als Ausweg? DI Wolfgang Gleissner Mit Beispiel voran KommR Michael Pisecky Wirtschaft neu gedacht. Bmst. Ing.in Caroline Palfy

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17:00

Ivana Vlahusic „Mutmachen“ Poetry Slammerin

18:00

SchülerInnen des Gymnasiums Neusiedl am See Präsentation der Projekte im Nationalpark-Kino

20:00

Empfang am Seegelände mit Musik von Monsieur Lothar und Plakat-Versteigerung zu Gunsten von Bildungseinrichtungen im Seewinkel.


Freitag, 15. 10. 2021 # Klima, Natur und regional 09:30 Em. o. Univ.-Prof.in Dr.in Helga Kromp-Kolb Klimawandel 10:30

Mag. Dr. Georg Wolfram Der See stirbt.

11:45

Lisa Weddig, BA (angefragt) Tourismus nachhaltig.

Mittagspause 13:30 Vor den Vorhang LA DIin Elisabeth Blanik, BM von Lienz „Prozesse zur Stärkung des Zentrums“ Ing. Hans Peter Bock, BM von Fließ „Baulandpolitik und Betriebsansiedelung“ DI (FH) Rainer Handlfinger, BM von Ober-Grafendorf „Ernährungssouveränität und Bodenschutz“ Alfred Reinisch, BM von Tattendorf „Nationalpark Garten Gemeinde“ Dr. Alexander Scheuch, GF Rustler Immobilien „Nachhaltig Häuser bewirtschaften“ 15:00

Workshop: FORUM Umweltbildung (am Weingut Salzl) „Bildung for Future“

Parallel dazu: Exkursion in den Nationalpark Keynote von DI Johannes Ehrenfeldner Wissenswertes erklärt durch die Nationalpark-Ranger

Ausstellung Arbeiten der Volksschule und der neuen Mittelschule Illmitz zum Thema Nachhaltigkeit

20:00

Empfang in der Pusztascheune geselliges Beisammensein

20:15 LH-Stvin Mag.a Astrid Eisenkopf Grußworte 21:30 Boogie-Night Christoph Steinbach and friends

Anmeldung:

www.illmitzer-gespraeche.at

Samstag, 16. 10. 2021 # Neue Wege 09:30

Global 2000 Vom Sterben der Arten

10:30

Dr. Peter Resetarits Recht nachhaltig

Pause 12:00 Humorvolles Eva Maria Marold 13:00

DI Dr. Harald Frey Zusammenfassung und Verabschiedung

Mittagspause 16:00

Ausklang – Rebenrundfahrt und Kellerbesichtigung

Ab 16.00 Uhr besteht die Möglichkeit, etwas mehr über den Weinbau im Seewinkel zu erfahren. Namhafte WinzerInnen führen durch ihre Weingärten und Weinkeller und werden Ihnen bei dem einen oder anderen Glas Wein die Besonderheiten des Seewinkels, das Terroir und die Vinifikation näherbringen.

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Buchtipps EDITOR´S CHOICE: Lesenswert!

Hans Drexler

352 Seiten ISBN: 978-3-86859-681-6 Jovis Verlag | 2021 € 38,00

Open Architecture – Nachhaltiger Holzbau mit System

Nachhaltigkeit, so das Plädoyer des Autors, ist ein integraler Bestandteil des architektonischen Entwurfs und der Konstruktion. Dafür hat er einen ganzheitlichen Ansatz entwickelt: Ein flexibles Holzbausystem, das die Interaktion der Nutzer mit dem Gebäude ins Zentrum des Entwurfs rückt. Die nachhaltige Bauweise wird nicht allein durch das Material Holz erreicht, sondern auch durch die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Wohngebäude. In diesem Werk werden zwölf Architekturprojekte vorgestellt, analysiert und verglichen, die die weitreichenden Potenziale dieses Bausystems aufzeigen.

128 Seiten ISBN: 9783900403515 Ibo Verlag | 2021 € 39,00

208 Seiten ISBN: 9783707344158 Linde Verlag | 2021 € 52,00

Pia Anna Buxbaum, Elisabeth Oberzaucher, Michael Wegerer

Gebäudesoftskills – Bauen in menschlichen Dimensionen

Im ersten Buch über den jungen Begriff „Gebäudesoftskills“ teilen zahlreiche Experten aus der Baupraxis und Wissenschaft ihr Wissen über die Mensch-Gebäude-Wechselwirkungen mit den Lesern. Gut verständlich und praxisbezogen beschreiben sie, wie die vielfältigen Eigenschaften der Gebäude langfristig auf die Gesundheit, Wahrnehmung und das Verhalten von uns Menschen einwirken. Die einzelnen Beiträge beschäftigen sich mit den sichtbaren, hörbaren, fühlbaren oder riechbaren Eigenschaften der Gebäude. Dieses Werk vereint planungsrelevante und wissenschaftlich basierte Erkenntnisse für das Planen, Bauen und Wohnen, die bei rein wirtschaftlichen Überlegungen oft zu wenig Beachtung finden. Dennoch sind gerade sie es, die langfristig auf unser Wohlbefinden und Gesundheit wirken.

Lukas Flener

Bauträgerprojekte umsetzen und verstehen Dieser Band ist ein Leitfaden für eine gelungene Abwicklung von Bauträgerprojekten. Von der Rolle des Bauträgers über die Projektumsetzung bis zu den Rücktrittsrechten und Rückforderungsansprüchen: „Bauträgerprojekte umsetzen und verstehen“ bietet einen Überblick über die gesamte Abwicklung eines Bauträgerprojektes aus rechtlicher Sicht. Der Leitfaden vereint dabei juristisches Hintergrundwissen mit verständlicher, praxisnaher Anwendung. Zudem enthält die dritte, aktualisierte Auflage einen Überblick über die seit der Vorauflage ergangene höchstgerichtliche Judikatur und die aktuelle Literatur zum Thema Bauträgervertragsgesetz.

260 Seiten ISBN: 978-3-7913-8754-3 Prestel Verlag | 2021 € 60,70

Bettina Hintze

Nachhaltige Häuser

Zeitgemäß und zukunftsfähig – Die Sieger des HÄUSER-Award Die besten nachhaltigen Wohnhäuser von heute, ausgewählt von der Jury des renommierten HÄUSER-Awards, reich bebildert in einem edlen Band! Klimawandel und knapper werdende Ressourcen stellen auch unser Planen und Bauen vor neue Herausforderungen. Doch dank kluger Ideen und kreativer Konzepte lässt sich nachhaltige Architektur mit gelungener Gestaltung hervorragend verbinden. Dies beweisen die 29 Wohnhäuser aus ganz Europa in diesem Werk, ausgewählt von der Jury des HÄUSER-Awards.

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