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E I N M AGA Z I N F Ü R W E I N U N D G E N U S S

We i n ü b e r den Wol ken

Werner Knipser und sein Weingut in der Pfalz

Die Bi tbu rge r Bi e r k a rt e

Revolution im Weinregal

Da s alt -ne ue Etik ett de r We ingüter Wegel er

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Neu e s L e b en f ür de n Mü l l e r -Th u r g au

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Verleger und Herausgeber Ralf Frenzel ralf.frenzel@fine-magazines.de Chefredakteur Thomas Schröder thomas.schroeder@fine-magazines.de Redaktion Carola Hauck Art Direction Guido Bittner

Verehrte Leserin, lieber Leser,

Mitarbeiter dieser Ausgabe Daniel Deckers, Till Ehrlich, Michael Freitag, Bernd Fritz, Christian Göldenboog, Uwe Kauss, Rainer Schäfer, Christian Volbracht, Martin Wurzer-Berger Fotografen Guido Bittner, Rui Camilo, Johannes Grau, Peter Schulte, Thilo Weimar Titel-Foto: Thilo Weimar Editorial-Fotos: Johannes Grau und Pekka Nuikki Verlag Tre Torri Verlag GmbH Sonnenberger Straße 43 65191 Wiesbaden www.tretorri.de Geschäftsführer: Ralf Frenzel Anzeigen Kristine Bäder Tre Torri Verlag GmbH +49 (o) 611-57 990 info@fine-magazines.de Druck Prinovis Ltd. & Co. KG  ·  Nürnberg Fine Ein Magazin für Wein und Genuss ist eine Sonder­beilage des Tre Torri Verlags und erscheint im Verbund mit Fine Das Wein­magazin viermal Jährlich im ausgesuchten Zeitschriftenhandel.

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Der Verlag h ­ aftet nicht für unverlangt eingereichte Manus­kripte, Dateien, Datenträger und Bilder. Alle in diesem Magazin veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt.

im Karussell der Jahreszeiten hat es zu einer neuen Runde geläutet – nun also: Lust auf Herbst! Lust auf leuchtend buntes Laub, auf fallende Blätter, die jedem Schritt eine raschelnde Bugwelle vorausschicken, auf Drachen in sturmbewegter Luft, auf Frische und frühe Abende am Kamin. So kann es sein. Anderen legt sich der Herbst auf die Seele als eine Zeit des Abschieds, der müden, absterbenden Natur, der Vorahnung des unerquicklichen Winters voller Nässe und Kälte. So empfinden viele und ergehen sich in melancholischen Seufzern über Vergängnis und Verhängnis. Nicht so der Weinfreund! Ihm gilt der Herbst als hohe Zeit der Hoffnung: Ein neuer Jahrgang wird gelesen – und wenn es vielleicht auch keinen JahrhundertWein geben wird, so könnte er doch zumindest wohlgeraten sein und zu gegebener Zeit den Kellervorrat ergänzen. Den Weinliebhabern beiderlei Geschlechts ist die gute Laune so schnell nicht zu verhageln – außer eben genau damit, wenn nämlich ein Hagelschauer ganze Ernten vernichtet hat. Einigen Gründen, warum Weintrinker sich auf der sonnigen Seite des Lebens sehen, geht diese Fine-­ Beilage nach: Wir erhalten dienliche Auskünfte von den Kellermeistern des Bordeaux-Weinguts Petrus,

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Jahr für Jahr Geburtsort des kostbarsten Weins der Welt; wir erörtern Etiketten-Fragen bei den ebenfalls weltbekannten Weingütern ­Geheimrat J. ­Wegeler und bestaunen kraftvolle Weine und komfortable Familien­ verhältnisse im Pfälzer Winzerbetrieb ­Knipser, be­merken respektvoll das Revival des Müller-­ Thurgau, einer lange verachteten, jetzt aber ganz im jugendlichen Trend liegenden Rebsorte, sehen auch nach Hochprozentigem, dem Cognac, der längst schon verdient hätte, Bars und Cocktail-Lounges wieder­ zuerobern, blicken mit dem Thema Korkschmecker in die dunkle Ecke der Wunderwelt des Weins, machen darauf aufmerksam, dass diese Wunderwelt auch in Supermarkt-Regalen zu entdecken ist, und geben allen Freunden des Gerstensafts eine Anleitung, Bier so zu genießen wie Weintrinker ihren Wein. Wem der Herbst aber dennoch unerträglich scheint, der setze sich ab – in die wundersame Märchen­ stadt Marrakech zum Beispiel, wo ein wunder­sames, märchen­haftes Hotel seine Pforten geöffnet hat. Wer dann im Flieger sitzt, sollte zuvor unsere ­Reportage »Wein über den Wolken« gelesen haben, um die ­Wonnen der Bordgastronomie besonders zu genießen – oder der Airline die Reblaus in den Pelz zu wünschen! Ralf Frenzel Thomas Schröder Herausgeber Chefredakteur

Werner Knipser und sein Weingut in der Pfalz Augen, Nase, Mund: Die Bierkarte der Bitburger Braugruppe Wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht: Palais Namaskar Die Wein-Legende Petrus Das alt-neue Etikett der Weingüter Geheimrat J. Wegeler Revolution im Weinregal: Die Supermarktkette real Dauerthema Korkschmecker Wein über den Wolken Zu neuem Leben erwacht: Müller-Thurgau Die Tradition lebt in der Gegenwart: Hennessy Fine de Cognac

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»Man muss offen b Es gibt immer wied

Die Einfahrt zum Weingut Knipser liegt

Gewissenhaft und beharrlich hat Werner Knipser aus dem pfälzischen Laumersheim den traditio­

direkt an der Hauptstraße von Laumersheim. Die beiden Torflügel sind ein­ladend geöffnet. Auf der Hof­fläche s­ pielen zwei

nellen Rebsortenspiegel um rote wie weisse Trauben

Kinder in der Sonne, die kurz zwischen

erweitert. Er wurde damit zum Vor­reiter und Ideen­

den ­Wolken hervorlugt. Der Frühling lässt sich in ­diesem Jahr reichlich Zeit. Vor der

geber nicht nur der Pfalz. Doch ein Einzel­kämpfer

Probierstube ­warten Tische und Bänke

ist der heimat­verbundene Familien­mensch nicht.

auf kundige Gäste. Doch die Besucher ­ziehen heute die großzügige, unaufdringlich modern gestaltete Probierstube vor.

Von Martin Wurzer-Berger Fotos Johannes Grau

Lachen liegt in der Luft. Wein beschwingt auch an kühlen Tagen.

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leiben. der Lektionen.« Alle packen an: Zum Wohl ihres Weinguts a­ rbeiten Werner Knipser, sein jüngerer Bruder Volker und sein Sohn Stephan gern Hand in Hand. Seine Tochter Sabine amüsiert sich am Steuer des piekfeinen Oldtimer-­ Lieferwagens über das schöne Bild des Familienfleißes.

dennoch kaum aufkommen: zahllose Gär­behälter aus Edelstahl und aus mächtigem Holz, teilweise in zwei Etagen, in der Mitte eine große Filter­presse, die offensichtlich gerade noch im Einsatz war, betriebsame Menschen allenthalben. ­Weiter h ­ inten liegen die Barriques. Mitten durch das Gewimmel technischer Armaturen und hallenhoher Tanks geht es in den Mannschaftsraum. Ein langer Tisch steht in der Mitte.

und Beschreibungen gewinnen die Weinberge, die ganze Landschaft ein klar konturiertes Profil. Jetzt meint auch der Ortsfremde, ein riesiges Amphi­ theater zu erkennen. Im Westen zeichnet sich der Höhenzug der Haardt ab, der fast parallel zum Rhein verläuft. An seiner Ostflanke – in seinem Regenschatten – gibt es verhältnismäßig geringe Nieder­schläge. Die ­reichen aus, um die Reben zu versorgen, und ­lassen die Trauben trocken und gesund zu hoher Reife en Raum erfüllt ein voller Bratenduft. ­Werner finden, besonders um die Weinorte Großkarlbach, ­Knipser, angetan mit einer kleid­samen Laumersheim und Dirmstein. Zwei flache HügelSchürze, kommt mit einem breiten Lachen aus ketten ziehen sich vom Haardtrand bis an den der Küche dahinter. Gerade bereitet er Ochsen­ Rhein hinunter. Der höchste Punkt ist der Orlenbacken für das abendliche Essen vor. Nur Z ­ wiebeln, berg. Trotz seiner wenig spektakulären Höhe von ­Tomaten, Lorbeer, Wacholder, Salz und Pfeffer hundertneunzig Metern ist seine Wirkung frappiekommen an das Fleisch. »Und für die Bindung rend. Er bestimmt die kleinklimatischen Besondereine große Kartoffel. Die fehlt noch.« Sagt es heiten im Rund: Von Westen kommende Sommer­ und verschwindet wieder. Die Bäckchen w ­ erden gewitter streichen normaler­weise daran vorbei. Der wunderbar schmecken. Die Knipsers kochen und flache Kessel verstärkt zudem die Effekte der ohnegenießen gern. Am Tisch wird spätabends zur all- hin warmen Rheinebene. gemeinen Erheiterung im schönsten Pfälzisch Das einstmals zerklüftete Kalkgelände des nördabine Knipser, die Tochter des Hauses, führt der Spruch »Wammer wach sin, h ­ ammer Hunger, lichen ­Riedels mit dem Orlenberg, Zeugen eines uns zu ihrem Vater. Durch ältere Gebäudeteile, ­wammer satt sin, simmer mied – Wenn wir wach Urmeeres und den Reben ein bevorzugter Unterwo ein betagter Lanz Bulldog auf seine Restaurie- sind, haben wir Hunger, wenn wir satt sind, sind grund, ist mit Löss bedeckt, der die Landschaft rung wartet und Gitterboxen mit allerlei Bau- und wir müde« zum Besten gegeben. Aber da haben modellierte. Die Schicht ist zwischen fünf Metern Arbeitsmaterial und hohe Stapel mit Weinkarto­ alle, ­Werner, ­Volker, Stephan und Sabine, schon und zwanzig Zentimetern dick. Im Laumersheimer nagen lagern. Schließlich öffnet sich ein großes einen sehr ­langen Arbeitstag und eine ausgedehnte Steinbuckel kann man mit dem Grubber KalksteinTor auf eine schmale Straße. Der Blick fällt auf eine Probier­runde im Barrique-Lager hinter sich. brocken aus dem Lehm an die Oberfläche beförhell verputzte, mit roten Ziegeln gedeckte Halle. Der alte Holzweg, der von Laumersheim in den dern, nicht aber im Laumersheimer Kirschgarten, Seit knapp zehn Jahren schon steht sie hier auf Pfälzerwald führt, ist lehmig und aufgeweicht. Auch im Großkarlbacher Burgweg und im Dirmsteiner dem ehemaligen Kirchenacker. Bald soll sie für die mit zugeschaltetem Allradantrieb müht sich der Mandelpfad. Doch auch sie sind, wie der Stein­ Geräte und Maschinen des Außenbetriebs erwei- Pickup redlich. Die Regenfront, die gerade noch buckel, Erste Lagen und Geburtsstätten exzellentert ­werden. »Am Weingut werden wir dann den die Tropfen aufs Wagendach prasseln ließ, zieht ter Großer Gewächse. Garten schöner machen und einen Barrique-Keller Richtung Rhein. Ein voller Regenbogen, ein ­stiller zum Vorzeigen bauen«, freut sich Sabine Knipser. Moment angesichts seiner duftigen Vergänglichuch der südliche Riedel, eine im Urstromtal Mit den schlanken Rundbogenfenstern in der keit, dann lebt das angeregte Gespräch wieder des Rheins angeschwemmte Kies- und SandStirnseite und den niedrigeren Seitenschiffen auf. Werner Knipser lenkt den Wagen, im Fond bank, verbirgt sein Geheimnis unter der Oberwirkt die Halle fast wie eine Basilika. Eine sakrale sitzt sein jüngerer Bruder Volker. Sie ­kennen hier fläche. Reiner weißer Quarzsand bestimmt die ­Stimmung wird in ihrem zweck­mäßigen Innern jeden Quadrat­meter. Durch ihre Erzählungen Böden des Großkarlbacher Osterbergs und des

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Laumersheimer Kapellenbergs. Auch im Palmberg, der in den neunziger Jahren gegen den erbitterten Widerstand der Knipsers dem Sandabbau zum Opfer gefallen ist. Volker Knipser denkt laut: »Rebenwurzeln sind lang. Sie zeigen die Unterschiede in den Lagen. Jahre­lange Arbeit im Weinberg bringt Dinge zutage, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Man muss immer offen bleiben. Es gibt immer wieder Lektionen.« So etwa Anfang der neun­ziger Jahre. Auf einem nach Norden ausgerichteten Hang wollte man Riesling als Sektgrundwein anpflanzen. Doch gerade diese Lagen brachten die höchsten Mostgewichte hervor. »Man kann nicht durch die Welt fahren und sagen: hier ist eine gute Weinlage. Es sind viele Parameter, die da zusammen­kommen«, fasst Werner Knipser zusammen. Ihr Wissen, ihre Kenntnisse über das Terroir der Unterhaardt haben sich die Knipsers Jahr um Jahr angeeignet. Während der Weiterfahrt durch die Weinberge werden die Traubensorten benannt, über Pflanzund Zeilenabstand wird ebenso gesprochen wie über die Begrünung, die Vielfalt der Klone, ihre Unterlagen und ihre Eigenschaften. Insgesamt knapp sechzig Hektar werden bewirtschaftet, davon zwanzig Hektar in Pacht. Auch auf diesen Flächen ist die eigene Mannschaft aktiv, beispielsweise bei der Reduzierung der Erträge.

­ auvignon Blanc und Cabernet Franc.« Und woher S nimmt er seine Sicherheit? »Wir haben keine risiko­reichen Experimente gemacht. Das war alles nah an dem, was höchstwahrscheinlich möglich ist. Wir haben ­keinen ­Sangiovese ausprobiert, es war klar, dass es nicht k­ lappen konnte. Gerade haben wir Tempranillo gepflanzt. Das könnte auch funktionieren. Das Rioja-Gebiet liegt auf fünf­hundert Höhenmetern. Das darf man nicht vergessen, das nimmt ein paar hundert Kilometer der NordSüd-Distanz.« Woher kommt diese Affinität zu den südlichen Traubensorten? Werner Knipser beginnt zu erzählen und muss weit ausholen. Es ist die Geschichte des Weinguts, seiner Familie, deren Wurzeln in Südtirol liegen, und seine eigene.

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er Flaschenweinverkauf begann in Laumersheim erst 1949 – mit seinem Vater Heinz Knipser, Jahrgang 1925. Der war mit siebzehn ­Jahren zum Reichsarbeitsdienst ge­zogen w ­ orden. Ab 1943 habe er, so der Sohn, Bunker für den »­Endsieg« im südfranzösischen Perpignan bauen müssen. Nach der Kriegsgefangenschaft kehrte er auf den elter­lichen Hof zurück. Das war ein landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb mit fünf bis sechs Hektar Rebland, mit Obstbau, Ackerbau und Viehwirtschaft. Der Vater stellte sich die Frage, was in Zukunft ­tragen könnte. Heinz ­Knipser übernahm die Weinbergs- und Obstbauflächen, seine Schwesünfundzwanzig Rebsorten sind im Anbau, ter ­Hertha, die einen Landwirt aus Dirmstein dabei n ­ ehmen zehn Sorten fünfundneunzig geheiratet hatte, nahm den Rest. In den Winter­ Prozent der Rebfläche in Anspruch. Bei den Roten halb­jahren 1947 und 1948 ging er auf die Weinbauspielt der Spätburgunder mit vierzehn Hektar die schule in Neustadt an der Weinstraße und stürzte Hauptrolle vor Merlot mit fünf und ­Cabernet sich mit g­ roßem Engage­ment und einer gewisSauvig­non mit zwei Hektar. Bei den ­Weißen domi- sen Blauäugigkeit in das Abenteuer Wein. Das niert der Riesling mit dreizehn ­Hektar. Char- Gut wuchs langsam auf sechs, sieben, acht ­Hektar, donnay und Sauvignon Blanc folgen mit je fünf ­Trauben wurden zugekauft. Der Wein wurde mit ­Hektar, Weiß- und Grauburgunder mit je zwei. Auf einem Express-­Motorrad ausgefahren, später mit die Frage, welche Traubensorten in Zukunft hier einem Borgwart Hansa 1800 bis ans Steinhuder ­wachsen werden, antworten ­Werner und ­Volker Meer. Mitglied der Genossenschaft wurden die ­Knipser unisono: Spätburgunder. »Vielleicht ­Knipsers nie. auch Silvaner, die alte weiße Sorte der Pfalz«, fügt Werner Knipser hat diese Zeit als ein wirt­Werner K ­ nipser hinzu. »Sie hat keinerlei Bitter- schaftliches Auf und Ab in Erinnerung. Er wurde stoffe, läuft beim Trinken, kann knochen­trocken 1947 geboren; 1961 kam sein Bruder Volker zur ausgebaut werden, wenn der Ertrag nicht hoch Welt. »Es waren, bis heute, immer alle Generatioist. Das ist eine wunder­schöne Traubensorte. Im nen da!« Seine Mutter Lina, zweiundneunzig Jahre Prinzip ­kommen die alten Rebsorten in Frage und alt mit neun Enkeln und sieben Urenkeln, lebt mit dazu die französischen, die sich in unserem Klima auf dem Gut, einem Mehrgenerationenhaus, wie es wohlfühlen. Da sind meine Favo­riten Chardonnay, selten geworden ist. Nach Abitur und Zivildienst

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­studierte Werner K ­ nipser bis 1975 ­Chemie in Mainz und schloss mit einer Diplom­arbeit in Biochemie ab. Dann wurde es ­richtig spannend, denn in Karlsruhe begann er eine Doktorarbeit über »Das Wein­aroma interspezifischer Reb­sorten«. Dazu musste er an die Bundes­forschungs­anstalt für Reben­züchtung Geilweilerhof in Siebel­ dingen. »Das war die schönste Zeit des Studiums. Die waren super eingerichtet, da ­standen neun Gaschromato­grafen!« Werner ­Knipser schwelgt in Erinnerungen. Die Zeit war auch in anderer Weise prägend: »Am Geilweilerhof waren permanent Wissenschaftler aus aller Herren Länder. Die haben immer Wein mitgebracht, Weine, die ganz anders waren als das, was hier üblich war. Im Barrique ausgebaute Weißweine! Als ich den ersten probiert habe: ­grauslig. Der schmeckte nach Holz und nach …« Er schüttelt sich. »Oder die malolaktische Gärung,


Ein ruhender Pol: Auch im idyllischen Pfälzer Weindorf Laumersheim bleibt die Zeit nicht stehen. Aber gelegentlich gönnt sich Werner Knipser schon einen Augenblick der Besinnung, am liebsten bei einer Flasche Wein. Prächtig gelungen erscheint auch seinem Bruder Volker der Spätburgunder, den er prüfend betrachtet.

da waren die Weine dann schwer und buttrig. An diese Geschmäcker hat man sich aber gewöhnt. Nach einem Vierteljahr findet man das toll.« Aber ­Burgund oder Bordeaux zu imitieren war seine Sache nicht.

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er familiäre Druck aus Laumersheim stieg, voll in den Betrieb einzusteigen. 1975 heiratete Werner Knipser seine Frau Christa; im selben Jahr wurde Stephan geboren. 1978 folgte ­Christian und 1981 Sabine. Da war die Entscheidung, den Geilweilerhof zu verlassen, schon seit einem Jahr umgesetzt. Zu den ersten Veränderungen zählt Werner Knipser die Entwicklung zu knochentrocknen Weinen. Eine süße Welle mit sechzig oder achtzig Gramm Restzucker habe es auf dem Gut zwar nie gegeben, aber Weine mit zehn, fünfzehn oder zwanzig Gramm Restzucker gab es schon. Schritt E in

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für Schritt veränderte er das Weinprogramm, gewann neue Kunden, verlor aber auch alte. Seit 1986 ist der überwiegende Teil der Knipserschen Weine durchgegoren. Damit übernahm er eine Vorreiterrolle nicht nur für den pfälzischen Weinbau. Ein zweiter Fokus galt dem Rotwein. Die einzige Rotweintraube war der Portugieser mit gerade zehn Prozent der F ­ läche wie in der gesamten Pfalz. 1978 wurde Dornfelder angepflanzt, damals eine Sensation. Durch frühzeitigen Saftentzug wurden die Farbtiefe des Weins und die Gerbstofftiefe verbessert. Mit dieser Methode gelangen sofort ganz andere Rotweine. Und der Dornfelder wurde schwarz wie Tinte.

Rotweinpreis. Und in den folgenden Jahren ­wieder und wieder. Die frühen Erfolge motivierten stark. Nur die amtlichen Qualitätsprüfungen machten Probleme. Der Knipser-Wein schmeckte anders als gewohnt und wurde deshalb abgelehnt. Weil die Prüfer dachten, es ginge nicht mit rechten D ­ ingen zu. Doch auch das legte sich. Gegen das anhaltende Murren der Wein­journalisten formierte sich 1991 schließlich das Deutsche Barrique Forum. ­Werner Knipser zählt zu seinen Gründungs­mitgliedern. Im fach­lichen Austausch und mit der kollegialen Unterstützung gelang es innerhalb weniger Jahre, international konkurrenz­fähige, eigen­ständige Rotweine in Deutschland zu erzeugen und zu etablie­ ren. 1993 wurde das Weingut Knipser in den VDP n den achtziger Jahren, als sich die ersten Fein- aufgenommen. Für viele Winzer der Pfalz und schmeckerrestaurants etablierten, Wein- und da­rüber hinaus ist Knipser aufgrund seiner Kompe­ Gourmetzeitschriften gegründet wurden, stieg tenz und der ­Qualität seiner roten wie ­weißen der Druck auf die Winzer. Die Anfänge waren Weine zur wichtigen Inspirationsquelle gewor­schwierig. »Aber wir sind am Ball geblieben«. 1983 den. Das gilt insbesondere für ihre Entscheidung wurde der erste Spätburgunder im Steinbuckel zu neuen Traubensorten. angepflanzt. Er wurde teilentsaftet und in ein groWerner Knipser hebt die Bedeutung der Reben ßes Holzfass gelegt. 1987 gewann er den Deutschen für die Qualität der Trauben hervor. »Man muss für

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seine Böden, für sein Klima Pfropf­kombinationen ausprobieren, die bestehenden Möglich­keiten ­nutzen. Das war 1980 schon alles im Kopf, aber es war noch nicht gemacht.« Auch dafür war der Geilweilerhof die beste Schule gewesen. ­Werner Knipser hatte ein Verfahren mit entwickelt, mit dem er aus einer einzelnen Beere ein Aroma­gramm machen konnte. »Dann habe ich acht­hundert ­Aromen auf einen Schlag. Und wenn die unreifen Komponenten zu stark sind, kann ich eine Sorte ausschließen.« Werner Knipser räumt ein, dass das Weingut lange Jahre an der Untergrenze der Wirtschaftlichkeit gelaufen sei. Doch 1990 schloss sein B ­ ruder Volker sein Weinbaustudium in Geisen­heim ab, 2000 dann Sohn Stephan die Technikerschule in Weinsberg, die etwas praxisbetonter ausbildet. »Richtig nach oben ging es erst, als wir die Man­ power von zwei ­Leuten hatten, dann von dreien, und jetzt sind wir seit 2009 mit Sabine, die Geisen­ heim super abgeschlossen hat, zu viert. Das ist ja auch vernünftig. Vier mal fünfzehn Hektar. Die braucht man hier in der Pfalz, um auch wirtschaftlich erfolgreich ein Weingut betreiben zu können.«

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ngesichts der Klimaerwärmung bleibt die Frage interessant, welche Rebsorten in den Reifezeiten unter denen des Rieslings liegen. ­Aktuell werden Marsanne und Roussanne aus dem Rhônetal in kleinen Versuchseinheiten beobachtet und nach Wachstum, Reife und Anfälligkeit für Erkrankungen begutachtet. Auch der Chenin Blanc aus dem Loiretal sowie alte deutsche Trauben wie der Gelbe und der Grüne Orleans, die deutlich ­später reifen als der Riesling; der Grüne braucht sogar noch zwei Wochen länger. Im Glas funkelt ein »Halbstück« von 2009, ein reifer, voller, eleganter Pfälzer Riesling mit um­werfender Frucht, aus einem sechshundert Liter fassenden Holzfass, einem Halbstück eben. »In den alten Büchern der Kellerwirtschaft steht alles sehr schön präzise beschrieben, wie das zu geschehen hat, und da muss auch niemand etwas abbeißen. Geschönt haben sie mit zehn Gramm Hausenblase auf tausend Liter, und fertig war der Wein. Da muss man nichts Neues erfinden!« Werner Knipser ist zufrieden. Er hat allen Grund dazu.  >

Die Zukunft im Blick: Stephan Knipser, der älteste Sohn, bringt selbstbewusst das Verständnis seiner Generation in die Weinphilosophie der Familie ein, und seine Schwester Sabine, die in Geisenheim studiert hat, ihr Fachwissen. Von beidem profitieren die Weine der Knipsers.

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Augen, Nase, Mund Die Bierkarte der Bitburger Braugruppe schärft das Bewusstsein für erlesenen Biergenuss

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Von Till Ehrlich Fotos Peter Schulte

Seit einigen Jahren scheint die Liebe der Deutschen zu ihrem ­liebsten Getränk, dem Bier, ins Wanken geraten zu sein. Jedenfalls ist das die mediale Botschaft. Was jeden erstaunen lässt, der die deutsche Bierkultur kennt und schätzt. Wie kein anderes Land auf der Welt hat Deutschland noch immer eine in Jahr­hunderten gewachsene, in sich differenzierte Bierkultur, die sich in einer immensen Vielfalt an regionalen und überregionalen Bieren, Marken, Stilistiken und Geschmäckern ausdrückt.

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ass es dennoch eine Diskrepanz zwischen Realität und Image gibt, ist eine Tatsache, die am Selbstbewusstsein der Branche kratzt. Ein Grund ist, dass Bier in Deutschland nicht mit wertschätzenden Attributen besetzt ist im Sinne von authentischem Genuss oder Lifestyle. Obwohl gerade hier­ zulande der Geschmack der Heimat, der Regionen zu unglaublicher Vielfalt führt, wird noch immer gern eine überkommene Mentalität bedient, die im Bier vor allem die Quantität statt der Qualität, den Durstlöscher statt des Genussmittels sieht. Auch die deutschen Brauer gehen, anders als viele Genusshandwerker oder Winzer, oft nicht vom Geschmack her an das Thema. Sie haben in den letzten Jahrzehnten zu sehr auf Technologie und Machbarkeit gesetzt, anstatt das ganze sensorische Erlebnispotential des Produkts Bier auszuschöpfen.

Dabei wird ihnen von Deutschlands besten Winzern und Kelle­reien seit zwei Jahrzehnten vorgemacht, wie man hohe Qualität bei praktikablen Mengen erzeugt. Offensichtlich fehlte in der Brauereibranche wie auch bei den Vermarktern, Verlegern und Gastronomen bisweilen das Gespür für das Thema. Die ganze Lieblosigkeit zum Thema Bier offenbart sich in überlagerten Bieren, die ihre Frische und Aromenvielfalt längst verloren hatten, bevor sie aus der Zapfanlage in vollkommen aus der Zeit gefallene Gläser gelangten. Die sind zu groß und zu dick, sind mit billiger Werbeaufschrift und kitschigem Goldzierrat überladen, die den Reichtum deutscher Biere trivialisieren. Wenn es auch der Bierbranche an Selbstbewusstsein fehlt, ihre Konkurrenten, Deutschlands Qualitätswinzer wissen, was

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Aus dem Fass: Sieben Minuten braucht ein frisch gezapftes, kühles Pils, wenn es perfekt sein soll. So perfekt wie die Bierkarte, die, auf umweltverträglichen Kunststoff gedruckt, auch höchsten Belastungen am Tresen standhält. Die Aromen, auf die sich der Bierfreund freuen darf, sind anschaulich in Wort und Bild beschrieben.

sie am Bier haben: Die besten Winzer der Welt trinken vor und nach Weindegustationen am liebsten ein Bier.

zu bringen, künden eher von technologischem Fetischismus und lassen den Charme eines feingliedrigen, eleganten Pils schmerzlich missen. och seit einigen Jahren tritt ein Wandel ein: Da macht Wer heute einen unverstellten Blick auf die deutsche Biereine Avantgarde von sich reden – sogenannte Mikro­ kultur haben möchte, kommt mit ideologischen Begriffen brauereien, die mit Mikrobieren und Craftbieren das Bier wie Industrie versus Handwerk nicht weiter. Denn es sind als Kulturgut und authentischen Genuss propagieren. Diese gerade die großen Bierhersteller, die ähnlich wie die bedeuBewegung kommt vor allem aus Amerika und hat in Öster- tenden Champagnerhäuser das Potential haben, hohe Quali­ reich oder Italien viel schneller Fuß gefasst als in Deutschland. tät zu gewährleisten. Doch wenn man genau hinschmeckt, erkennt man, dass diese Dass in der Branche gegenwärtig ein Umdenken geschieht, Biere zwar sehr ambitioniert sind, doch fehlt ihnen genau das, zeigt die Bitburger Brauereigruppe. Mit ihrem Marken­ was den Schatz deutscher Bierkultur ausmacht: Eleganz und portfolio ist sie in der Lage, das Thema Bierkultur neu zu Intensität ohne Schwere. All die Double- und Triple-Biere, die beleben. Schon einmal hat sie gezeigt, dass sie offen für innoIPAs und AIPAs, bei denen es oft darum geht, das Bier durch vatives Marketing ist: Vor zwanzig Jahren setzte sie auf die zweifache oder gar dreifache Gärung zu hohen Alkoholgraden deutsche Nationalmannschaft, die seinerzeit längst noch nicht das ­heutige Renommée und Marktpotential hatte. Dass die ­Bitburger Brauereigruppe mit dem Sommermärchen 2006, der Weltmeisterschaft in Deutschland, die Früchte ihres langjährigen Engagements ernten konnte, hat jedoch nicht zu Selbstzufriedenheit geführt. Nun betritt die Brauereigruppe mit einer für die Branche neuartigen Bierkarte wiederum

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Neuland. Diese Karte setzt ganz darauf, dass man Bier, ebenso wie Wein, bewusst wahrnehmen und genießen, seine geschmacklichen Dimensionen erforschen und erleben kann. Da Bier ein noch sensibleres Produkt als etwa Wein ist, bedarf es großer Pflege und Sorgfalt. Man müsse es genauso feinfühlig wie Kaviar behandeln, heißt es bei der CPA!, der Agentur, die für die Bitburger Brauereigruppe die Bierkarte entwickelt hat. Die »Manufaktur des guten Geschmacks«, die auch die Braufactum-Brauereien begleitet, ist eine Spezial­ agentur für ganzheitliche Lösungen zum Thema Kulinaristik und Genuss, deren Kompetenz ursprünglich aus dem Wein kommt.

bedient, dass die Karte in hohem Maße individualisierbar ist: durch ein variables Layout, das dank besonderer Druck­ techniken und Templates eine innovative Flexibilität erlaubt. Das zeigt sich auch im typografischen Aufbau: Jede Bierkarte setzt einen Marken-Hero in Szene, ausgewählt aus den fünf Stars der Bitburger Brauereigruppe, dem Bitburger und dem Licher Premium Pils, dem König Pilsener, dem Köstritzer Edelpils und der Wernesgrüner Pils Legende. Hinzu kommen verschiedene Fass- und Flaschenbiere, die gestalterisch und inhaltlich jeweils gesondert präsentiert werden. Auch das Backcover ist flexibel bedruckbar: Hier lässt sich das Logo der gastronomischen Lokalität einsetzen. Die Bierkarte der Bitburger Brauereigruppe zeugt von iel des Projekts der Bitburger Brauereigruppe ist, im Bier- einem Selbstverständnis, das eine für Deutschland ganz konsumenten die Freude am bewussten Genießen zu neue Annäherung an das Thema Bier repräsentiert und sein entfachen. Die Bierkarte, die sich an den durchschnitt­lichen Genusspotential, seine Aromenvielfalt und seine kulturelle Biertrinker richtet, ist so aufgebaut, dass er die Charakte­ristika Bedeutung herausstellt.  > eines Bieres erfassen kann, ohne über Insider­wissen verfügen zu müssen. Zu jedem Bier gibt es eine Matrix, die dem Bierfreund Informationen wie Geschmack, Farbe, Alkohol­grad, Aus der Flasche: Vielfältig ist die Auswahl, ob blond oder Hopfigkeit, Malzigkeit liefert. Hinzu kommen Bierbeschreibungen, die den Prozess des Schmeckens in griffiger Spraschwarz, mit oder ohne Alkohol oder als Mischgetränk. So che darstellen und auch ohne sensorische Vor­bildung nachzuvollziehen sind. Ergänzt wird die Karte durch eine kleine vielfältig wie das variable Layout der Bierkarte, das sich dem Verkostungsanleitung und ein Kapitel über wichtige Bierstile jeweiligen Angebot des Gasthauses oder Restaurants anpasst. und -sorten. Die entscheidende Botschaft jedoch vermittelt die gestalterische Idee: Hier werden die Biere als Meisterwerke aus Hopfen und Malz in Szene gesetzt. Die künstlerische Fotografie, eine Reverenz an die Stillleben der Alten Meister, der Maler des 14. bis 18. Jahrhunderts, macht deutlich, dass Bier ein Kulturgut mit langer Geschichte darstellt. Für etwa dreitausend Gastronomiebetriebe, von der klassischen Eckkneipe bis zum anspruchsvollen Restaurant, wurde die Bierkarte konzipiert. Die Heterogenität wird dadurch

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Wie ein Märchen aus t Inmitten der marokkanischen Palmensteppe ist ein Tr

Von Bernd Fritz Fotos Johannes Grau

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es promesses d’un visage

Zauber der Orients: Mit der goldenen Kuppel und den funkelnden Spiegelungen auf der glatten Wasseroberfläche vor dem Hauptgebäude umfangen üppiger Glanz und verheißungsvolle Stille die Erholungssuchenden schon auf dem Weg zu der prunkvollen Lounge. Vom Platz am Kamin in einem der villenartigen Gästehäuser des Namaskar geht der Blick durch raumhohe Glastüren auf die von maghrebinischen Arkaden eingefasste Terrasse mit eigenem Swimming Pool. 16

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ist ein Gedicht aus den »Fleurs du mal« ­ etitelt, zu dem Charles Baudelaire das Antlitz b einer Dame von blassem Teint inspirierte. Was ein Gesicht verspricht. Die Landschaft um Marra­ kech gibt, auf der Fahrt zum Palais Namaskar, dem Reisen­den Gedanken ein, die nur um eine einzige Silbe anders zu überschreiben wären: »Les promesses d’un p ­ aysage«. Was aber vermag die Hochebene um die einstige Hauptstadt des Königreichs Marokko, fernab des Meeres und jeglichen Strandlebens, für unseren Aufenthalt verheißen? Von gewaltiger Weite und heller Erde ist das Land, eingefasst vom Hohen Atlas und den Djebilet-­Bergen und bis zum Horizont bestanden von ver­streuten Palmen, die Geologen von einer Palmensteppe sprechen lassen. In ihr finden sich Zitrus­plantagen sowie große, von Mauern umfriedete Anwesen recht­eckigen Grundrisses, die man hier Palmeraies nennt, für welche das Gedächtnis aber auch eine fast vergessene orien­talische Wortschönheit bereithält: Karawanserei. Vorbild dieser von wohlhabenden Privatleuten oder der Hotellerie genutzten Gevierte ist das historische Marrakech, die Medina. Ihre fast zwanzig Kilometer lange und sechs Meter hohe Mauer lässt nur wenig von der Stadt sehen, ausgenommen den Turm der ins 12. Jahrhundert datierenden Koutoubia-­Moschee. Hochhäuser oder Wohnblocks sind auch in der Neustadt nicht zu beklagen, die erlaubte Stockwerkzahl liegt hier bei fünfen,


tausendundeiner Nacht aum vom Paradies zum Leben erwacht: Palais Namaskar im offenen Land gar nur bei zweien. Nichts soll den Blick in die Ferne und auf die Schneegipfel des Atlas verstellen, und auch von den Villen resp. Hotelbauten der Palmeraies ist hinter den mäßig hohen Mauern kaum etwas sichtbar. Höher schlägt das Herz des Reisenden, als der Wagen die Fahrt verlangsamt, abbiegt, und goldene Kuppeln über einer stattlichen Einfriedung in die Wahrnehmung treten. Auch unser Resort ist, wie die Landschaft hoffen ließ, eine jener »Karawanse­ reien«, die das Innen so sinnhaft vom Außen scheiden und, wenn nicht Geheimnisse, so doch das Andere bergen. Dieses besteht im Palais ­Namaskar aus den Elementen Stein, Grün und Wasser. Ja, Wasser. Das nicht nur die Pools füllt, über die hier jede einzelne Unterkunft gebietet, sondern auch eine Reihe flacher Bassins von enormer Ausdehnung, die zusammen mit einem kleinen See für Kühlung sorgen und mit ihrem stillen Spiegel das Auge zur Ruhe kommen lassen. In nüchternen Zahlen ausgedrückt, ist ein knappes Drittel der fünf Hektar großen Resortfläche mit Wasser bedeckt.

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hundert Säulen, die ziervoll gebuchtete Spitz­bogen beanspruchen mit ihren Pools und Bassins etwa tragen. Sonst tragen sie nichts, sondern säumen die Hälfte des gesamten Terrains. Die Bungalows Wege und Bassins oder stehen schlicht zum Plaisir heißen »Villen«, zutreffender wäre indessen der der Augen da wie hübsche ausgediente Aquädukte. Name Palmeraie. Denn sie machen wahr, wovon Eingefasst und durchzogen ist das weiß-beige man auf der Fahrt durch die Palmensteppe kurz Steinschauspiel mit Grün. Über dessen Umfang träumte: ein solches umfriedetes Geviert ganz für genügte es zu erwähnen, dass mit seiner Pflege sich allein zu haben. zwei Dutzend Gartenarbeiter beschäftigt sind. Die Namen der vielfältigen Gehölze – Bäume, chon wenn man das in die Mauer eingelassene ­Sträucher, Kletterpflanzen – und das Alter der Tor aufschließt, hat man das Gefühl, sicheren mächtigen Palmen und Olivenbäume nennt der Raum zu betreten: Das Hartholz des zweiflügeliChefgärtner gern auf einer individuellen Führung. gen Portals ist zehn Zentimeter stark. Die Mauer­ Ein bestimmtes Pflanzprinzip aber ist auch ohne höhe liegt bei knapp drei Metern und umgibt einen Experten­hilfe zu erkennen: Auf reines Rot wurde uneinsehbaren Hof von im Mittel fünfhundert bei den Blüten verzichtet. Denn dieses ­bildete Quadratmetern, der neben dem Bassin und einem zusammen mit dem Grün ein Gegenfarbpaar, was Schwimmbecken, das den Namen verdient, Platz das Auge unvermeidlicher Reizung aussetzte und der Entspannung des Gastes zuwiderliefe. So ­findet sich die Bougainvillea, die sonst nicht genug in Rot prunken kann, fast ausschließlich in Weiß, mitklettern darf gerade noch die rosa blühende Liane de Floride, und den Jasmin, der zwischen den ­Säulen der Arkaden duftet, gibt es ohnehin nicht in Geranienrot.

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us hellem, im Mittleren Atlas gebrochenem Stein bestehen, neben den Gebäuden, die zahllosen Platten der Wege und vor allem der Stege. in weiteres, von der endlosen Ebene um Marra­ Diese führen schnurgerade über das zweihundert kech gegebenes und vom Palais ­Namaskar Meter lange Zentralbassin, viere quer und einer eingelöstes Versprechen ist – Platz. Auf dreiüber die gesamte Länge, und bilden den ersten zehn hat man die Zahl der Unterkünfte begrenzt, der beiden baulichen Akzente des Palastes. Den zehn davon sind Bungalows, drei sind, nicht zu zweiten setzen lange perlweiße Arkaden aus wohl Unrecht, »Paläste« genannte Villen. Alle zusammen

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lässt für Veranda, Wege und Grün. Letzteres dient in Gestalt von Bambus, Palmen, Orangen- oder Olivenbäumen den Singvögeln zum Aufenthalt, vor allem den Wasseramseln, die mit ihrem kräftigen, melodischen Gesang das einzig nennenswerte Geräusch verantworten. Ja, hier genießt man ihn, den raren Luxus vollkommener Unbehelligtheit, und die einzigen fremden Blicke, die man zu gewärtigen hat, wirft eine Katze, die auf der Mauer nach Spatzen aus ist. Platz hat der Gast selbstverständlich auch hinter den raumhohen Glastüren, die mehr als hundert Quadrat­meter Schlafzimmer, Diele und Salon vom Hof scheiden. Und selbst die einzige Tür innerhalb des Bungalows, die zum Bad, ist in der Dicke des Tores gefertigt. Was wunders, dass der beim Safe liegende schriftliche Rat: »Schließen Sie Ihr Smartphone ein, und laden Sie Ihren Akku auf« einige Aussicht auf Befolgung hat.

zu erweitern. Eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe, die den Mitt­vierziger schon jetzt zwei D ­ rittel ­seiner Zeit auf Reisen zubringen lässt. ­Seinen Akku lädt Frank ­Marrenbach vor der Haustür auf: mit Mountainbike-­Touren durch den Schwarzwald. Denn ob Hotelmanager sich in einem von ihnen verantworteten Hotel regenerieren können, ist mehr als fraglich. Selbst wenn es, wie im Palais Namaskar, nicht nur zu Tagen und Wochen garantierter Entspannung, sondern gar zu Momenten von Entrückung kommen kann. Solche stellen sich hier nach dem Dinner ein, nach Anbruch der Dunkelheit. Hunderte in den Boden eingelassener oder sonst diskret angebrachter Strahler leuchten Bäume, Arkaden und ­Kuppeln an. Hoch über der Erde glühen dann grün die K ­ ronen der Palmen, die erhellten Säulen und Bögen verdoppeln sich im Spiegel der Bassins, und das Gold der Kuppeln glänzt übers Land. Von deutschen Oetker Collection, die ihr Collier erlese- ­diesem aber ist nichts mehr zu sehen, begrenzt wird ie prächtigste und höchste Baulichkeit des ner Spitzenherbergen gern um die maghre­binische unser Geviert nur vom warmen Nachthimmel, und Palais Namaskar liegt im Zentrum, nahe des Perle bereicherte. Eine Wahl, die sich binnen k­ urzer der Gast wird zum realen Teil einer aus tätigem Sees, und ist wie die Paläste, die Lobby und das Spa- Frist für beide Seiten lohnen sollte: Schon bevor Verstand erzeugten Illusion: sich auf einem paraGebäude mit einer vergoldeten Kuppel geschmückt. sich diesen April die Eröffnung zum ersten Mal diesischen Kleinstplaneten zu befinden, der beweEs beherbergt das Restaurant des Resorts. Geführt jährte, hatte Harper’s Bazaar das Gesamtkunst- gungslos im Weltraum schwebt. wird es von Antoine Perray, der seine Meriten bei werk zum »Hotel des Jahres 2013« weltweit gekürt. Nachzutragen wäre noch, um im Bild zu bleiben, Alain Ducasse erworben hat und neben der franDas Palais Namaskar ist die fünfte von bis dato die Existenz eines Trabanten, der »Résidence«. Es zösischen auch die marrokanische Küche pflegt. In sechs Preziosen der Oetkerschen Sammlung. Es ist dies eine angegliederte Palmeraie mit vierundzwanzig geräumigen Suiten, versehen mit Pools oder Jacuzzis. Sie liegt jenseits der Straße und ist Luxus der Extraklasse: So robust wie standesgemäß ist durch eine helle, schön gestaltete Unterführung der Land Rover, der den illustren Gästen des Namaskar mit dem Resort verbunden und auch nur von dort zugänglich. So eignet ihr sowohl das Separate wie als Shuttle dient. Im Gourmetrestaurant wird neben der auch die fraglose Zugehörigkeit des Teils zum französischen auch die marokkanische Küche gepflegt, und Ganzen.

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die Weinkarte bietet selbstverständlich auch landeseigene

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ieles wäre noch aus Palais Namaskar zu Gewächse wie diesen Premier Cru Château Roslane von berichten. Von den zahlreichen Angeboten für unternehmungslustige Gäste – ein Flug zum den Coteaux de l’Atlas. Frank Marrenbach, GeschäftsLunch in die Sahara, ein Ritt auf dem Rücken eines führer der Oetker Hotel Management Company, hat Maultiers durch das Land der Berber, Shopping in ­Casablanca – oder von dem großen Graureiher, der Oetker Collection, deren erstes Sammelobjekt 1941 der sich frühmorgens nahe des Restaurants eindas Brenners Park-Hotel in Baden-Baden war, mit dem findet, um an dem kleinen, mit Fischen, F ­ röschen und Schildkröten besetzten See sein Frühstück zu Namaskar ein weiteres Kleinod hinzugefügt. ­nehmen. Doch seien der Worte genug geschrieben, und das letzte soll unser französischer ­Dichter Marrakech, das mit Spitzenlokalen wahrlich ver- funkelt um die Wette mit der deutschen Hotel- haben, der in seinem Poem »Einladung zur Reise« sorgt ist, gilt es bereits als Geheimtipp. Ikone Brenners Parkhotel in Baden-Baden, dem entschieden zur Tat aufrief. »Wie köstlich wäre Ein wahres Geheimnis aber birgt der Prachtbau Bristol am Elysée-Palast, den beiden Côte-d’Azur- es aufzubrechen in die Ferne«, empfahl uns außerhalb des gastronomischen Bezirks. Es sind Juwelen Château Saint-Martin und Cap Eden ­Baudelaire hundertfünfzig Jahre vor Baubeginn zwei Privatgemächer, die nur viermal im Jahr betre- Roc und dem Isle de France auf Saint-­Barthélemy, des Palais, »dorthin, wo Ordnung nur und Schönten werden. Sie gehören Monsieur Philippe Soulier, der gepflegtesten Insel der Antillen. Begonnen heit ­herrschen, Luxus, Sinnenlust und Stille.«  > dem Eigentümer und Erbauer von Palais Namaskar. hatte Patriarch Rudolf August Oetker 1941 mit Alle drei Monate verbringt er hier einige Tage und dem Brenners, damals noch ohne Sammelabsicht, mischt sich unerkannt unter die Gäste wie einst der vollenden soll die Kollektion Frank Marrenbach, Kalif Harun al Raschid unters Volk. Das Anwesen Geschäftsführer der 2008 gegründeten Oetker hatte der in Nigeria tätige Logistik-Unternehmer Hotel Management GmbH. ursprünglich für sich allein erworben, fasziniert Den gebürtigen Rheinländer führte seine von dem Gedanken, in der traumhaften Palmeraie von Studien in den Vereinigten Staaten und der mit ihrem alten, verwunschenen Palais zur Ruhe zu Schweiz begleitete Hotelier-Laufbahn durch kommen. Nach einem halben Jahr aber wurde ihm illustre ­Stationen wie das Londoner Berkeley, das langweilig, sein Tatendrang wurde unbezwinglich ­Crillon in Paris und den Frankfurter Hof nach und ließ ihn in sechsjähriger Bauzeit seine Vision Baden-Baden, wo ihm die Leitung des Parkhoeines Ausnahme-Resorts verwirklichen. tels neben dem Vertrauen der Konzernleitung den Titel »Hotelier des Jahres 2003« (Gault lieb die Frage, in wessen Hände der Betrieb des ­Millau) einbringen sollte. Derzeit obliegt ihm, Hotels zu legen wäre. Der Franzose entschied das Niveau der Sammlung auf Gipfelhöhe zu sich für die Kompetenz und die Sensibilität der ­halten und deren Anzahl auf geplante fünfzehn

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Petrus Petrus ist Mythos, Petrus ist Kult und Statussymbol, aber Petrus versteckt sich. Kein Straßenschild weist den Weg zu dem legendären Weingut im Pomerol. Es hat keine Internet-Seite, keinen Besucher-­Service, kein prächtiger Bildband illustriert Geschichte und Gegenwart. Die steinerne Petrus-Statue am alten Guts­gebäudes ist verschwunden. Für diesen Wein, einen der teuersten und begehrtesten der Welt, scheint das alles nicht nötig – man ist einzigartig und voller Understatement. Von Christian Volbracht Fotos Thilo Weimar, Rui Camilo

»Wir wollen sehr bescheiden und versteckt bleiben«, sagt ­Elisabeth Joubert, laut Visitenkarte die Ambassadrice, die Botschafterin von Petrus. Es ist Juni, wir gehen an den fast fertig­ gestellten neuen Kellergebäuden des Gutes vorbei durch die sattgrünen Rebenreihen. Auch der Neubau ist klassisch und schlicht, man beteiligt sich nicht am Millionen-Wettbewerb der großen und kleinen Weingüter und ihrer Stararchitekten um den spekta­kulärsten Entwurf. Nein, Petrus mit seinen elfeinhalb Hektar Rebfläche und einer Jahresproduktion von nur dreißigtausend Flaschen will klein erscheinen, so großartig die Weine auch sein mögen.

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und die Schlüssel zum Himmelreich die damalige Besitzerin Marie-­Louise ­Loubat be­schlossen, dass Petrus anders als die ­großen Güter des Médoc auftreten sollte: Seitdem steht auf den F ­ laschen-Etiketten nur noch P ­ etrus – ohne Akzent auf dem »e« und ohne ­Château, obwohl dieser Begriff im Bordelais allgemein ein Weingut bezeichnet – sei es nun groß oder klein, prächtig oder bescheiden. Der Partnerschaft von Madame Loubat mit der Wein-Familie Moueix ist es zu verdanken, dass ­Petrus in den Rang der größten Gewächse des Borde­lais aufstieg und sie im Preis schließlich übertraf. Das begann erst 1943, denn auch die Geschichte dieses Weingutes ist untypisch – sein überragender Ruhm entstand in kaum siebzig J­ ahren. Über die bescheidenen Anfänge gibt es verschiedene Lesarten, zuletzt sorgfältig recherchiert von dem englischen Weinautor Neal M ­ artin in s­ einem Buch »Pomerol«: 1746 wird Pétrus erstmals als ein Flurname, als »lieu-dit«, erwähnt. Eine Familie Arnaud besaß Ackerböden in dem Gebiet und ließ Mitte des 18. Jahrhunderts auch Wein anbauen. Erstmals erscheint 1811 in einem Steuerregister ein Bauernhaus der Familie Arnaud namens Pétrus mit sieben Hektar Rebland. Da es noch mehr Pétrus-Lagen gab, nannten die Eigentümer ihren Wein »Pétrus (Arnaud)«. Aus Pétrus-Lafleur wurde das heute ebenfalls der Familie ­Moueix gehörende La FleurPétrus. Der Weinführer von Cocks & Féret führt Pétrus (Arnaud) 1868 als drittbestes Weingut nach Vieux Château Certan und Trotanoy auf, und bei der Weltausstellung von 1878 gewann Pétrus als erster Pomerol eine Goldmedaille. Seitdem gilt er als der beste der Pomerol-Weine, die bei der Bordeaux-­Klassifizierung von 1855 ja nicht berücksichtigt worden waren.

Pétrus-Besitzanteile zu erwerben. Die Familie besaß bereits Château Latour à Pomerol. Die Winzer­tochter und vermögende Witwe widmete ihr ganzes Leben dem Wein und besonders Pétrus, der damals schon hoch geschätzt war. Im BordeauxFührer von Cocks & Féret von 1929 wird Pétrus als gleichermaßen fein, kräftig und bukettreich gelobt. Bis 1940 gelang es der resoluten Marie-­Louise, die anderen Teilhaber auszuzahlen und Allein­ besitzerin von Pétrus zu werden. In dieser Zeit wurde auch das neue Flaschenetikett eingeführt, das erstmals das Konterfei des Apostels ­Petrus mit seinem Schlüssel zum Himmelreich zeigte.

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ls es zur Partnerschaft mit dem Weinguts­ besitzer und Weinhändler Jean-Pierre M ­ oueix kam, musste er der energischen Dame 1943 zu­sagen, Petrus zu mindestens dem Preis zu verkaufen, den er für den Konkurrenten Cheval Blanc verlangte. Das gelang, denn die Nachkriegs-­Jahrgänge 1945 und 1947 wurden die ersten ­großen Erfolge von Madame Loubat. Sie wusste ihr wachsen­ des ­Ansehen zu nutzen und schickte Weine zu den königlichen Hochzeiten in Europa. Berühmt sind zwei Magnums von 1938, die ihr eine Ein­ ladung zum Empfang vor der Hochzeit der ­späteren ­Königin Elisabeth im Jahr 1947 einbrachten. 1956 – sie war über achtzig – stand Marie-­ Louise Loubat die Frostkatastrophe um Pomerol durch, der auch zwei Drittel der Weingärten von Petrus zum Opfer fielen. Sie ließ die Weinstöcke nicht herausreißen, sondern bis zum Boden k­ ürzen und neu aufpropfen, sodass sich die Produktion eben den neuen Gebäuden sehe ich im Boden rasch wieder steigern ließ. Ihr Lebenswerk wurde die bläuliche Tonerde schimmern, die das schließlich durch den grandiosen 1961er Petrus Geheimnis der besonderen Qualität dieser Weine gekrönt, dessen Ernte sie noch erlebte, bevor sie im ist. Man hat eine Parzelle von etwa einem halben November mit fünfundachtzig Jahren starb. Hektar an der Baustelle gerodet und die oberste och die Weine von 1878 hatten mit den Das Erbe fiel an eine Nichte und einen N ­ effen, Erdschicht abgetragen, um sie nach dem Ende der ­heutigen nur wenig gemein. Die Konzen­ die total zerstritten waren. Jean-Pierre ­Moueix Bauarbeiten wieder aufschütten und mit ­jungen tration auf die Rebsorte Merlot folgte erst auf die blieb als kleinerer Teilhaber verantwortlich für Weinstöcken bepflanzen zu können. Anstelle Reblausplage in der zweiten Hälfte des 19. Jahr- die Weine und beauftragte zunächst den berühmvon Cabernet Franc wird dann auch hier Merlot hunderts. Auch die Reben von Pétrus-Arnaud ten Pionier der Weinwissenschaft Professor Emile ­wachsen, die Petrus-Rebsorte schlechthin. wurden damals vollständig zerstört und etwa 1880 Peynaud, sich um Petrus zu kümmern. 1964 stellte Elisabeth Joubert hat mich vor dem Gespräch neu angepflanzt. Vorher gab es im Bordelais über- Moueix anstelle des überlasteten Professors den mit den Weinmachern Vater und Sohn ­Berrouet wiegend Malbec. »Für die Tonböden hier kam nur zweiundzwanzigjährigen Jean-Claude Berrouet empfangen: Jean-Claude, der als Oenologe der Malbec oder Merlot in Frage, und man entschied als Oenologen für die verschiedenen Weingüter Eigentümer­familie Moueix mehr als v­ ierzig Jahr- sich für den Merlot«, sagt Elisabeth Jaubert. »Seine der Familie ein. Im selben Jahr konnte er die erste gänge Petrus gekeltert hat, und Olivier, in dessen Beeren sind kleiner und konzentrierter, wenn die Hälfte des Petrus-Erbes erwerben, die zweite folgte Händen seit fünf Jahren die Doppel-­Verantwortung Reben aufgepropft wurden.« erst im Jahr 2001. Ein besonderer Coup gelang für Weinberg und Keller liegt. ­Niemals sagt sie 1917 musste die Familie Arnaud den Besitz 1969, als Jean-Pierre Moueix vier Hektar von »Château« – warum auch? Ein Schlossgebäude verkaufen. Anfang der zwanziger Jahre begann ­Château Gazin dazukaufen konnte, die im selben gab es nie, und in den vierziger Jahren hatte Marie-Louise Loubat, die ersten der siebzig Tonerdegebiet wie Petrus liegen. Zwei Jahre später

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übernahm der jüngere Sohn Christian M ­ oueix mit dem delikaten 1971er Jahrgang als Partner von Kellerei­direktor Jean-Claude Berrouet die Verantwortung für den Weinberg. Im Juni ist Regen gefallen. In diesem Jahr war die Blüte wegen des schlechten Wetters nicht ideal, sagt Elisabeth Jaubert. Es werde weniger T ­ rauben geben. Die jungen Triebe der Reben streben noch hoch in die Luft, bei Château Lafleur auf der ­anderen Seite der Straße sind sie schon beschnitten. Die Böden sind unterschiedlich. »Bei Château Lafleur glaubt man fast, im Médoc zu sein, so viel Kies ist da«, sagt Jaubert. »Hier aber wird der Kies weniger, immer mehr reiner Ton. Erst diese Tonböden erlauben es, Petrus zu machen.«

Für den Oenologen Jean-Claude Berrouet sind die wichtigsten Neuerungen aus seiner Zeit bei Petrus die Einführung der Gärbehälter aus Beton und die Beherrschung der Temperaturen – was zum Beispiel das kontrollierte Herunterkühlen des Mostes auf 15 Grad erlaubt. Als seinen Referenz­ wein sieht er den 1975er an – eine Enttäuschung gab es nur beim 1976er: »Da haben wir ein wenig zu spät geerntet.« Jetzt hat Christian Moueix die Arbeit im Weinberg an Olivier Berrouet abgegeben. »Olivier hat jetzt eine doppelte Verantwortung, er ist für die Vinifizierung zuständig und kultiviert auch den Wein«, sagt sein Vater. Olivier meint: »So ist es leichter, eine übergreifende Vision zu entwickeln.« Dennoch weiß er natürlich, dass sein Vater, der weiter als Berater für mehrere Weingüter arbeitet, und auch Moueix stets ein waches Auge auf den Petrus haben.

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ie Weingärten von Petrus liegen auf dem höchsten »Berg« im Pomerolgebiet – stolze vierzig Meter erhebt sich die Anhöhe über die Garonne. Es ist zugleich das »Knopfloch«, ein insgesamt rund zwanzig Hektar großer Bereich mit vierzig Millionen Jahre alter Tonerde, die hier bis an die Oberfläche reicht. Oben liegt der schwarze Ton, der mit Steinchen und organischem ­Material vermischt ist, darunter der hellere, blaue, der eisenhaltig ist und sich an der Luft rötlich verfärbt. »Unsere Wurzeln wachsen in der oberen Zone, bis zur Schicht des blauen Tons«, erklärt Elisabeth Jaubert. »Sie ist aber sehr kompakt, sodass sich die Wurzeln horizontal entwickeln, um Wasser und Mineralien in einer sehr dünnen Schicht zu finden.« Diese so genannten Smektit-Tone sind quellfähig wie ein Schwamm. Sie nehmen etwa zehn Prozent der Niederschläge auf, lassen den Überschuss aber ablaufen.“ In keinem anderen Weinbaugebiet der Welt gibt es eine ähnliche Bodenbeschaffenheit. Wir gehen durch die neuen Flaschen- und Gärkeller in den Fasskeller: In einhundert­zwanzig Eichenfässern reift der Jahrgang 2012 heran. Vier Fassreihen, Decke und Stützpfeiler in einem ­warmen Holzton. Ein freundlicher, zurückhaltender Herr im Jackett begrüßt mich. »Le pharmacien« nannte man Jean-Claude Berrouet, weil der junge Mann, der 1964 bei Moueix anfing, stets einen ­weißen Kittel trug. Für einen Apotheker könnte er auch heute noch gehalten werden. Leicht gewelltes graues Haar, randlose Brille, diskretes Lächeln, abgewogene Worte. Ich sehe ihm seine siebzig Jahre nicht an. Kurz darauf kommt Olivier, der Sohn, in kariertem Hemd mit Jeans: Anfang vierzig, schwarze Haare und Bart, große, etwas melancholische Augen unter den dichten Brauen, aber mit strahlendem Lächeln, voller Spontaneität. »Ich schwöre, auch nicht in meinen kühnsten Träumen habe ich mir vorgestellt, dass er eines Tages hier arbeiten könnte«, sagt der Senior. »Aber jetzt ist es eine großartige Befriedigung.«

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ls Jean-Claude Berrouet zu Moueix kam, war er knapp mit dem Studium fertig, der erste Oenologe, der für eine unabhängige Firma ­arbeitete und gleich für zehn verschiedene Weine verantwortlich war: Petrus, Lafleur-Pétrus, T ­ rotanoy, Latour à Pomerol ... Er hatte noch nie Petrus getrunken, fing wenige Tage vor der Lese des schwierigen Jahrgangs 1964 an. Es war eine große Ernte und sehr warm, er ließ den Most in Plastiksäcken mit Eiswürfeln kühlen. Es wurde ein mächtiger, groß­ artiger und langlebiger Wein. Aber schon im folgen­ den Jahr erlebte Berrouet den ersten Tiefschlag,

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O Hintergründig: Die Schlüssel zum Himmelreich sind in die Holztore der neuen Keller­ gebäude eingeschnitzt. Die sind grau-blau ­gestrichen, in der Farbe der Tonerde, die den Petrus so einzigartig macht und den Olivier Berrouet seit fünf Jahren verantwortet. weil die Trauben nach einem nassen Sommer im Weinberg verfaulten und kein Petrus produziert ­werden konnte. »In den siebziger Jahren wurde der Weinberg das Reservat von Christian Moueix«, erinnert sich JeanClaude Berrouet. Man reduzierte den Cabernet-­ Franc-Anteil in den Weinen auf rund fünf Prozent und weniger. Zur G ­ ewinnung organischen Düngers ließ man die Krautschicht auf den Böden mehrmals pro Jahr unter­pflügen. M ­ oueix führte als einer der Ersten das Aus­dünnen der Reben durch den Sommer­schnitt ein, um die Mengen zu reduzieren. Die Reben sind nach dem Guyot-System erzogen: wie mit Zirkel und Rechteck ausgerichtet biegt sich der Seitenarm vom Rebstamm an waage­ rechten Drähten ab. Aus jedem sprießen vier bis fünf Triebe mit je zwei Trauben, um die für Petrus ideale Konzen­tration zu erreichen. Die Ernte findet zum absoluten Höhepunkt der Merlot-Reife statt – einhundertachtzig Leute kann die Moueix-Gruppe dann von den verschiedenen Weingütern zur Lese beordern, um die kostbaren Trauben im Bestzustand in den Keller zu bringen. Christian Moueix ist Hubschrauber-Pilot. 1987 überflog er den Weinberg, um die Trauben nach einem Regenschauer vor der Ernte zu trocknen. 1991 ließ er bei Frost im April Heizöfen in die Rebzeilen stellen und versuchte, warme und eisige Luftmassen über den Reben mit Hilfe des Heli­kopters zu vermischen. Doch die Mühe war umsonst, auch den 1991er Petrus gibt es nicht. Der Jahrgang 1992 wurde gerettet, weil Moueix den Boden mit Plastik­ planen auslegen ließ und so vor zuviel Feuchtigkeit schützte. und

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livier Berrouet hat als Kind schon mal die Keller von Petrus gefegt. Er erlernte den Beruf des Agraringenieurs in Toulouse, machte dann Lehrgänge auf Weingütern in Kalifornien und in Australien und studierte Oenologie in ­Bordeaux. Er arbeitete auch im Cognac-Gebiet, bei den ­Châteaux Haut-Brion und Margaux, bevor ihn Pierre Lurton zum Château Cheval Blanc holte, von wo er 2008 zu Petrus wechselte. Hat er neue Methoden eingeführt? Der Vater scherzt, mit einem ernsten Unterton: »Ich überwache ihn so streng, dass das unmöglich wäre.« Und Olivier sagt: »Es war ja nicht nötig. Wenn man mit einer der großartigsten Lagen der Welt arbeitet, ­können Veränderungen nur sehr kleine Anpassungen sein.« Dennoch gelten die Petrus-Weine der letzten Jahre als etwas voller und reifer, aber auch frischer. Es sei wichtig, auf die klimatischen Gegebenheiten zu reagieren, sagt Olivier, man versucht schon im Weinberg dafür zu sorgen, dass die Trauben nicht zu viel Zucker entwickeln. Seit 2009 werden sie mit einer optisch gesteuerten Selektionsmaschine verlesen. »Das Wichtigste an Petrus ist der Boden«, sagt Olivier Berrouet. Das mittlere Alter der Reb­stöcke beträgt vierzig Jahre, die ältesten s­ tammen von 1962, die jüngsten von 2005. »Das ist ein guter Wert. So müssen wir alle acht bis neun Jahre einen H ­ ektar herausreißen und neu anpflanzen und be­halten die gleichen Mengen und Quali­täten.« Die zwölf ­Parzellen tragen teilweise Namen benach­barter Weingüter wie L’Evangile und Certan, zwei ­heißen Mario und Guy – nach den Vornamen ver­dienter Weinberg-Mitarbeiter. Elf schlichte Tanks aus Beton sind im neuen Gärkeller entstanden, um die Parzellen getrennt vergären zu können. Die ­Berrouets ziehen es vor, in größeren Einheiten zu vergären, weil die Extraktion der Geschmacksstoffe in kleineren Tanks schwieriger sei. »Da gibt es die Tendenz, dass man zu stark extrahiert«, sagt ­Olivier. Der kleinste Betonbottich fasst fünfzig Hekto­liter. Man will, dass sich das Edelste des T ­ erroirs und die Qualität des Merlot voll und harmonisch ausdrücken. Manche Jahrgänge des ­Petrus wie 2011 ­werden ohne jeden Anteil Cabernet-Franc abgefüllt. Ansonsten lautet die Devise: Weniger Holz! Die neuen Barrique-Fässer der drei Lieferanten ­Demptos, Seguin-Moreau und Taransud werden mit heißem Wasser gespült und dann noch einmal zwei Wochen voll Wasser stehen gelassen, um ein Maximum an Eichenholz-Tannin zu eliminieren.


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Einvernehmlich: »Ich schwöre, auch nicht in meinen kühnsten Träumen habe ich mir vor­gestellt, dass er eines Tages hier ar­beiten könnte«, sagt Jean-Claude ­Berrouet über s­ einen Sohn Olivier, der seine ­Nachfolge als Keller­meister auf ­Petrus an­getreten hat. »Aber jetzt ist es eine groß­artige Be­friedigung.« Die gemeinsame Devise im Umgang mit Barriques ­lautet: ­Weniger Holz! W ­ eshalb neue F ­ ässer mit h­ eißem Wasser gespült und dann noch zwei Wochen ge­wässer werden, um zu viel Eichenholz-­Tannin zu vermeiden. Zudem nimmt man jetzt nur noch etwa fünfzig Prozent neue Fässer, die anderen aus dem Vorjahr. »Der Wein verträgt das Holz schlechter«, sagt ­Olivier. Mit wachsendem Alkoholgehalt extra­ hieren die Weine mehr Holztöne. Deshalb findet auch die malolaktische Gärung nur in Tanks und nicht im Fass statt. Besonders der Merlot sei sehr sensibel, sagt Olivier. »Wir benutzen das Holz ja nicht dafür, um dem Wein seinen Geschmack zu verleihen.« Auch andere Güter wie Cheval Blanc hätten den Anteil an neuen Barriques reduziert. »Es ist der Mensch, der dem Wein folgt. Man dominiert ihn nicht, drängt ihm nichts auf. Man hört ihm zu.« So gehört für den Weinmacher auch der Zeitpunkt, zu dem man den Wein aus den Barriques abzieht, neben dem Ernte-Termin und dem Ende der Mazeration, wenn man den Most von den Schalen abpumpt, zu den drei Schlüsseldaten bei der Weinbereitung. »Die Dauer der Fassreife verringert sich im Moment. Früher waren es achtzehn bis vierundzwanzig Monate, heute ist man eher bei zwölf oder vierzehn bis achtzehn Monaten, damit der Wein nicht zu sehr vom Holz betont ist.« »Holz ist auch ein großer Zerstörer«, sagt JeanClaude Berrouet. Robert Parker sei für die übertriebene Holz-Mode der vergangenen Jahre verantwortlich. Wenn der Name des amerikanischen Weinpapstes fällt, lachen die Franzosen stets etwas gekünstelt: »Robert wer?« Aber Parker ist ihnen keineswegs unwichtig, und man freut sich auch im Haus Moueix über 100 Punkte für jüngere Jahrgänge wie 1989 und 1990, dann 2000 und jetzt

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2009 und 2010. Schließlich war es auch Robert Parker, der Petrus zu seinem jetzigen Ansehen und Preisniveau verhalf und ihn zum teuersten aller Sammlerweine avancieren ließ.

Auf dem Gut gibt es wenig Gelegenheit, neue Weine mit älteren zu vergleichen. Auch die Weinmacher selbst können Petrus oft nur als Gäste bei Einladungen probieren. Der Keller ist sehr klein. »Die Familie Moueix wollte keinen Schatz anhäuetrus als Statussymbol, Geldanlage und Spe- fen, sondern Petrus möglichst verkaufen«, sagt kulationsobjekt? »Für mich«, sagt Olivier ­Elisabeth Jaubert. Dreißig bis vierzig Prozent ­sollen ­Berrouet, »gibt es zwei Ebenen der Sichtweise stets an Kunden in Frankreich gehen, darunter viele auf Petrus. Es gibt Leute, die haben die Mittel, die Spitzenrestaurants. Ob der Wein von den Erst­ ­kaufen Petrus, weil man ihn haben muss. Zugleich kunden auch getrunken oder mit Profit in die interist es aber ein Wein, dem man sich sehr leicht nationale Preisspirale geleitet wird, will man nicht nähern kann. Man kann ihn leicht verstehen, er ist so genau wissen. rund, harmonisch. Wer ihn getrunken hat, auch ohne viel davon zu verstehen, kommt wieder. Und reißigtausend Flaschen für Millionen verdaneben entdeckt man auch seine Länge und seine mögende Weintrinker in der Welt sind eben Komplexität. Dies erschließt sich dann den wahren nicht viel, denke ich später bei einem abendlichen Weinkennern, die ebenfalls zurückkehren.« Zumin- Rundgang um die neuen Gebäude. Neben einer dest möchten, wenn es denn der Geldbeutel erlaubt. Pinie steht auf einem hohen Metallpfahl ein P, Andererseits ist die verführerische Weichheit ­darunter die gekreuzten Schlüssel des Petrus als und Fruchtigkeit von jungen Petrus-­Jahrgängen das am weitesten sichtbare, aber natürlich diskrete auch Ursache dafür, dass die meisten dieser Weine ­Signum des Weingutes an der Straße. Ersetzt es die viel zu früh getrunken wurde. So verriet selbst steinerne Petrusfigur, die Madame Loubat an der Christian Moueix dem Pomerol-Autor Neal Stirnfront des alten Gemäuers mit seinen türkis­ ­Martin, dass er zur eigenen Hochzeit im Jahr 1975 grünen Fensterläden aufstellen ließ? Wo die S ­ tatue für eintausendzweihundert Gäste Petrus 1971 aus- geblieben ist und ob sie wieder aufgestellt wird, schenken ließ – und nun keine Flasche mehr davon ver­raten weder Elisabeth Jaubert noch ­Olivier besitzt. Ein Jammer. »Aber man sollte den 71er jetzt ­Berrouet. Man liebt hier nun einmal ein wenig das langsam austrinken«, meint Jean-Claude Berrouet, Versteckspiel. Aber auch ohne Petrus aus Stein – die während wir den Jahrgang 2012 aus dem Fass pro- Schlüssel zum Himmelreich sind in die Holztore bieren: Tief dunkel, und wieder diese großartige der neuen Kellergebäude eingeschnitzt. Die Tore opulente Frucht und kräftige, aber harmonisch ein- sind grau-blau gestrichen, die Farbe der Tonerde, gebundene Tannine ohne jede Aggressivität. die diesen Wein so himmlisch macht.  >

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Gestern und heute: Die Rückkehr zu den Wurzeln des deutschen Weinbaus macht sich bei den Weingütern Wegeler nicht nur in, sondern auch auf der Flasche bemerkbar. Das kleine rote Label aus dem 19. Jahrhundert diente als Vorlage für die neuen Etiketten, die mit der Beschränkung auf die Lagenbezeichnung für Große Gewächse Vorbildcharakter haben könnten.

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»Das sind wir« Das alt-neue Etikett der Weingüter Geheimrat J. Wegeler verweist auf das hohe Ansehen, das deutscher Riesling schon vor hundert Jahren genoss Von Daniel Deckers Fotos Guido Bittner

Doctor – mehr als dieses Wort braucht es nicht, um einen Wein aus der Lage von Weltruf zu identifizieren. Der komplementäre Teil der Botschaft fällt buchstäblich ins Auge. Kunstvolle Ornamente in warmem Goldton prangen auf der mattschwarzen ­Vignette, mit höchster Präzision rund um das Oval in der Mitte geprägt. »Das ist es«, schoss es Tom Drieseberg, dem Geschäftsführer der in Oestrich-Winkel ansässigen Weingüter Wegeler, durch den Kopf. Immer wieder einmal hatte er einen in die Jahre gekommenen Band über die Geschichte des traditionsreichen Weinhandelshauses Deinhard zur Hand genommen, das einst Julius und Carl ­Wegeler gehört hatte. Jetzt fiel sein Blick auf eine alte ­Vignette, mit der das in Koblenz ansässige Unternehmen im l­etzten Drittel des 19. Jahr­hunderts einige seiner besten Weine ausgezeichnet hatte. Das Vorbild für das neue Etikett aller Wegeler-­Weine mit Ausnahme des ­Geheimrat »J« war gefunden, die Suche nach der bestmöglichen Präsentation der besten Weine aus den besten Lagen hatte in der Geschichte ihr Ende gefunden – und ihren Anfang. ie Ursprünge der Verknüpfung des ­Hauses Deinhard mit dem Bernkasteler Doctor ­liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Längst war die am Zusammenfluss von Mosel und Rhein verkehrsgünstig gelegene Koblenzer Wein­handlung zum größten Exporteur von deutschem Sekt, aber auch von Stillweinen geworden. Das Unter­nehmen lieferte bis an die Grenzen der Erde. Über die Nieder­ lassung in London, amerikanische Importeure und zahllose Handelsreisende gelangten »Sparkling Moselle«, »Sparkling Hock« (eine von Hochheim am Main abgeleitete Bezeichnung für Rheingauer Weine), aber auch »Piesporter«, »Geisen­heimer« oder »Niersteiner« in die ent­legensten Winkel des britischen Commonwealth, die besten Hotels in den Boomtowns Nord­amerikas, aber auch auf die Tafeln der Fürstenhöfe der Alten Welt. Wein aus Deutschland stand um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert weltweit im Zenit seines Ansehens. Die Zeitgenossen hielten es für ebenso normal wie angemessen, dass die besten Riesling»Creszenzen« aus dem Rheingau, aus der Rheinpfalz und von den Ufern von Mosel und Saar ein Vielfaches dessen kosteten, was für die teuersten Grands Crus aus dem Bordelais verlangt wurde. Schon im Mittelalter war Rheinwein in Nord­ europa eines der kostbarsten, begehrtesten Güter überhaupt. Zwei Generationen von Reisenden und Landschaftsmalern, allen voran der Brite William Turner, hatten nach dem Ende des Alten Reiches

den Mythos Rheinromantik begründet. Und mit dem »Naturwein« schufen die Spitzenweingüter im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein will­ kommenes Gegenbild zu einer Welt, der die Natur im Zuge von Industrialisierung und Beschleunigung zunehmend fremd wurde.

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aturweine fielen aber nicht vom Himmel. »Selbständige« Rieslinge, die ohne Zusatz von Zucker oder Wasser ausgebaut und unverschnitten auf die Flasche gezogen werden konnten, mussten der Erde unter hohem Risiko abgerungen werden. Gute Weinjahre waren rar, die lockten Dutzende, wenn nicht Hunderte Kenner Steillagen entlang der Flüsse verlangten, wie es der (und nicht wenige Zaungäste) an. Ausgangs des Trierer Karl Marx selbst erlebt hatte, hohen Ein- 19. Jahrhunderts schlossen sich namhafte Wein­ satz an Arbeit und Kapital. Kein Wunder also, dass güter sogar zu Versteigerungskonsortien zusames nirgendwo auf der Welt so detaillierte Lagen­ men. Gemeinsam konnten sie Händlern und Komklassifikationskarten gab (und gibt) wie in der missionären ihre Bedingungen diktieren und auf preußischen Rheinprovinz und im Rheingau. Wo diese Weise ihre kostbaren »Originalabfüllungen« sich das Ansehen vieler Lagen umgekehrt propor- besser gegen die allgegenwärtigen Weinfälscher tional zu ihrer Größe verhielt, waren Händler und schützen. Lieb­haber auf eine genaue Kenntnis der Verhältnisse vor Ort angewiesen. eheimrat Julius Wegeler, einer der Teil­haber Doch wo und wie diese »Naturwein« genannten von Deinhard und Co., war nicht der erste Meisterwerke von Menschenhand erwerben? Wer und nicht der letzte Weinhändler, der das Monounter den Winzern etwas auf sich und seine Weine pol der Naturweinversteigerer zu brechen verhielt, verkaufte die Trauben nicht vom Stock weg suchte. Er wollte selbst Weinlagen von Weltruf oder den Most im Fass an den erstbesten Händler. besitzen. Weingüter in Rüdesheim mit P ­ arzellen Öffentliche Versteigerungen, bei denen die ausge- im Rüdesheimer Berg sowie in Oestrich-­Winkel botenen Weine vorab verkostet werden konnten, machten in den acht­ziger und neunziger Jahren

Foto: Wegeler

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übernahm. Wie die meisten Weinhäuser, so hatte auch ­Deinhard bei Sekten und Weinen längst auf Masse statt Klasse gesetzt. Immerhin hielt das Mosel und Rheingau: In beiden Gutshäusern Unternehmen immer an seinen Spitzenlagen fest. erzeugen die Weingüter Wegeler hervor­ Doch Anspruch und Wirklichkeit stimmten s­ elten überein. Bis zum Jahr 1991 wurden die Doctorragende, doch ganz unterschiedliche Weine – Moste nicht etwa im Gutshaus in Bernkastel ausgein Bernkastel den legendären Doctor Großes baut, sondern über mehr als eine Dekade per Lastwagen nach ­Koblenz gekarrt. Manch ein Jahrgang Gewächs wie den Bernkasteler Ortswein, hatte noch dem Namen nach mit den ­Weinen zu in Oestrich-Winkel das Große Gewächs tun, die einst den Ruf der Lage begründet hatten. »Die Weinliebhaber hatten sich teilweise von der Rothenberg wie den Ortswein Johannishof. Marke Wegeler distanziert«, sagt Tom Drieseberg rückblickend. Allen gemeinsam ist der unverkennbare Allerdings hatten einige kluge Köpfe bei Auftritt mit dem neuen Flaschenschild. ­Wegeler die Zeichen der Zeit früh erkannt. Mitte der achtziger Jahre kam »Geheimrat J« auf den Markt, ein trockner Wein, der die schier unüberwindbare Barriere zwischen deutschem Wein und deutscher Küche einreißen sollte. Wenig später hatte auch das traditionelle zitronengelbe Wegelerden Anfang. Als im Jahr 1900 große Flächen in der das Henkell-Archiv leitet: »Die Vignetten sind Deinhard-Etikett ausgedient, das seit den zwan­ nicht erst seit den Tagen ­Goethes und ­Beethovens wohl im damaligen Geschmack der Renaissance ziger Jahren auch für Weine und Sekte aus der berühmten Lage »­Doctor« in Bernkastel zu erwer- gehalten.« Lage »Doctor« ver­wendet wurde. Das neue lehnte ben waren, griff sein Bruder Carl zu. Mit 100 Mark sich formal an das historische rote Etikett mit dem oder 35,8 Gramm Gold je Quadratmeter bezahlte om Drieseberg scherte sich nicht darum. Eindruck »Geisen­heimer« an, wurde aber in Gold er mehr, als jemals zuvor und jemals danach für Denn ihm hatte es das Geisenheim-Etikett und Schwarz ausgeführt. 1992 gehörte Wegeler im einen Weinberg in Deutschland angelegt wurde. mit ­seiner an die griechische Sagenwelt angelehn- Rheingau zusammen mit den Weingütern Breuer, Doch die Rendite ließ sich nicht in Mark und ten Ornamentik spontan angetan. Hatte nicht der Hans Lang oder Robert Weil zu den Pionieren, ­Pfennig aus­rechnen. Fortan musste das Haus Dein- Verband der Prädikatsweingüter (VDP), dem die die »Erste Gewächse« auf den Markt brachten und hard nicht mehr Doctor-­Weine ein­kaufen, um das Weingüter Wegeler seit der Gründung des Ver- damit den Fokus w ­ ieder auf den Lagencharakter als englische Königshaus und viele andere prestige- bands im Jahr 1910 angehören, nicht gerade eine das Gütekriterium schlechthin legten. bewusste Kunden mit prestigeträchtigen Weinen interne Klassifikation beschlossen, nach der nur beliefern zu k­ önnen. Carl und sein Bruder Julius noch die Namen der Spitzen­lagen auf dem E ­ tikett och sollte es noch lange dauern, ehe sich die Wegeler, letzterer seit 1893 auch Präsident des erscheinen s­ ollten? Was auf den ersten Blick mit der Rückkehr zu den Wurzeln des deutschen Deutschen Weinbauvereins, k­ onnten in einem der Emphase für Terroir und der Verwendung histori- Weinbaus nicht nur in, sondern auch auf der F ­ lasche nam­haftesten Weinhäuser der Welt mit »eigenem scher Etiketten als nostalgische Retrowelle im deut- bemerkbar machte. In den neunziger ­Jahren experiGewächs« von den Moselufern prunken, erzeugt schen Weinbau abgetan werden könnte, ist im Kern mentierte man bei Wegeler mit E ­ tiketten, die Tom in schiefrig-­steilen Parzellen, ausgebaut in einem die Rückbesinnung auf die Tugenden, die deut- Drieseberg freundlich mit »modisch« beschreibt. Gutshaus, das nach modernsten Erkenntnissen der schen Riesling vor ­hundert ­Jahren zum weltweit Ab dem Jahr 1999 konnte man auf den E ­ tiketten der preußischen Domäne Ockfen errichtet worden war. gesuchten Objekt der Begierde hatte werden lassen. Spitzenweine die Handschrift von Peter Schmidt Von diesen goldenen Zeiten war indes nicht erkennen, einem der Top-Designer in Deutschnd wie den neuen Ruhm ins Bild setzen? Die mehr viel übrig geblieben, als der mit Anja ­Wegeler, land. Doch auch das führte nicht dazu, dass sich Motive der bunten Steindruck-­Etiketten der ältesten Tochter von Rolf Wegeler, dem ­Vetter die Kunden von der Klasse der Weine emotional mit Blick auf Bernkastel und dem Lob des »­ächten des legendären Geheimrats, verheiratete und in angesprochen fühlten. Der Kreis schloss sich erst ­Doctor«, die Deinhard bislang für seine Weine ver- der Konsumgüterindustrie erfolg­reiche Marketing­ mit den Weinen des Jahres 2012. Sie alle schmückt wandt hatte, mochten in diesem Moment ausge- fachmann Tom Drieseberg im Jahr 1998 die ein alt-neues Etikett, das nach Tom ­Driesebergs dient haben. Ein an edler Anmut nicht mehr zu ­Leitung der Weingüter Wegeler mit ihren Guts- Worten das einzig ­Wichtige signalisieren soll: »Das überbietendes Etikett musste her. Also kein modi- häusern in Bernkastel und in Oestrich-­Winkel sind wir.«  > scher Jugendstil, sondern antike Symbolik, strenge Formen statt lasziver Ornamente. In dem in Rot gedruckten Etikett, in dessen Oval die Herkunftsbezeichnung Platz fand, schlugen sich diese Überlegungen nieder. War es dieses Motiv mit dem Eindruck »Geisen­ heim«, das Tom Drieseberg an einem Wintertag dieses Jahres wie ein Blitz in die Augen stach? Gut möglich. Doch im Henkell-Archiv, in das die Deinhard-­Archivalien im Jahr 1997 nach dem Verkauf von Deinhard an Henkell & Söhnlein und der Abspaltung der Weingüter Wegeler überführt ­wurden, findet sich kein Beleg dafür, dass das Geisen­heim-Etikett damals auch für die Spitzen­ weine aus der Lage Doctor verwendet wurde. Ebensowenig lässt sich ergründen, wer das äußerst kunstvoll gestochene Flaschenschild wo und wann entworfen hat. Zeitlich zuordnen lasse es sich indes dem Historismus, meint Barbara Burkardt, die

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Vielfalt heisst

Patrick Müller-Sarmiento, Mitglied der Geschäfts­führung von real und zuständig für den Food- wie den Nonfood-Bereich, ist dabei, unter dem Vorsitz von Didier Fleury neue Wege zu beschreiten. Einer der interessantesten und ver­heissungs­vollsten davon führt in die Weinabteilung der Supermarktkette. Von Rainer Schäfer Fotos Johannes Grau

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uf dem Weg von Düsseldorf nach Wildau in Brandenburg ist Patrick Müller-­Sarmiento am frühen Morgen auf dem Flughafen Berlin-Tegel gelandet; er will dem größten realMarkt des Bundes­landes einen Besuch ab­statten. »Wir ­wollen nicht im Elfenbeinturm sitzen«, sagt der Vierzig­jährige, der seit 2012 Mitglied der Geschäfts­führung ist. »Wir wollen rein in die Märkte, unsere Mitarbeiter sollen direkt erfahren, was unsere Gedanken sind.« Die Supermarktkette real, eine Tochter der in Düsseldorf ansässigen Metro Group, beschäftigt insgesamt acht­unddreißigtausend Mit­arbeiter in rund dreihundert M ­ ärkten bundesweit, da sei die K ­ ommunikation ein ganz wesent­liches


das Zauberwort Nobler Auftritt: Inmitten der Weinwelt von real fühlt sich Patrick Müller-­Sarmiento ­sichtlich wohl. Deren Angebot noch mehr aufzuwerten ist ein kaufmännisches Gebot – und ihm ein Herzensanliegen.

müssen den ­Kunden mehr ­Service bieten.« Gerade wenn man große Ziele erreichen will, darf man die Kleinigkeiten nicht über­sehen, und auch die Details müssen stimmen.

Mehr Marktcharakter Patrick Müller-Sarmiento ist in einer schwierigen ­Mission angetreten. Zunächst war er verantwortlich für den Bereich Food, inzwischen wurde seine Zuständigkeit erweitert um das Segment Nonfood. Über die aktuelle Bewertung von real sind sich selbst Kenner der Branche uneinig. Manche reden von einer not­wendigen Sanierung, andere, weniger dramatisch, von einer Neuorientierung. Aber es geht um mehr als kosmetische Korrek­turen, es ist eine Erneuerung von Grund auf, real ist dabei, sich neu zu erfinden. Die SB-Warenhauskette hat auch unter Image­problemen gelitten; die Maxime sei viel und billig, spöttelten die Kritiker, wenn die Kunden im ­bunten Allerlei die Orien­tierung zu verlieren drohten. Wer sich heute in den Märkten umschaut, erkennt die neue Handschrift, die schon nach kurzer Zeit ihre Spuren hinter­lassen hat, wie etwa in Wildau: Dort wurde auf einer Gesamtfläche von zwölftausend Quadrat­metern zuletzt auch das neue Obst- und Gemüsekonzept getestet, das 2014 in mehr als zweiElement – gerade wenn man so viele Verände- die Kunden­bedürfnisse in Deutschland äußerst hundert Märkten umgesetzt werden soll. rungen um­setzen will wie die Geschäftsführung erfolg­ver­sprechend für die Zukunft ist. »Das SB-­ Gerade die Abteilungen mit Frischwaren s­ ollen von real Deutschland, deren Vorsitzender Didier Warenhaus ist das i­deale Format, um Food- wie »mehr Marktcharakter erhalten«, erklärt Patrick Fleury seit August 2012 ist. Nonfood perfekt inszeniert unter einem Dach zu Müller-Sarmiento. Real will weg vom sterilen Allerofferieren. Wir haben den Platz, um ein ­breites welts-Dekor vieler Einkaufshallen. Klinker­optik Perfekte Inszenierung und modernes Sortiment anzubieten, und k­ önnen und Landschaftsabbildungen sorgen für eine warme Die Startbedingungen hätten besser sein k­ önnen: zudem so viele Produktinnovationen präsentieren, »Toskana-­Atmosphäre«. Auf hand­geschriebenen Aber nicht zuletzt weil die neue Geschäftsleitung wie wir möchten.«. Schildern werden die Produkte erklärt – warum e­ ignet ein stimmiges K ­ onzept präsentierte und reichSo viel Selbstbewusstsein überzeugte auch die sich unter den unterschiedlichen Apfelsorten die eine lich Entschlossenheit zeigte, ist auch die Metro- Eigen­tümer. 500 Millionen Euro gab Metro der zum Ein­kochen, die andere zum Backen und die dritte Gruppe inzwischen überzeugt davon, mit real neuen Geschäftsführung für die Modernisierung als Pausen­snack? »Vielfalt« ist ein Substantiv, das der eine Vertriebs­linie zu haben, die sich bislang der Märkte an die Hand. Ein Teil davon musste Manager häufig ver­wendet: »Wir legen viel Wert auf unter Wert verkauft hat und gerade erst dabei ist, »in die Basics investiert w ­ erden«, so Fleury, wie Ultra-­Frische, damit haben wir alte Kunden zurückihre Stärken auszu­spielen. Didier Fleury ist sich Parkplätze, Kompaktoren, Beschilderungen oder und neue dazu­gewinnen ­können.« Viele Ver­braucher sicher, dass das SB-Warenhaus im Hinblick auf Einkaufs­wagen. »Da hatten wir Nachholbedarf, wir seien es satt, zu einem ­Discounter zu gehen, der nur

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t­ ausend Artikel hat und immer das G ­ leiche an­bietet. Vielfalt, das bedeutet aber auch, die unterschiedlich ausgeprägten Wünsche der Kundschaft zu berücksichtigen, »die bei real einen guten Querschnitt der Gesellschaft abbildet«. Das Sortiment wird neben bewährten, preis­günstigen ­Marken auch im oberen Preissegment erweitert. »Ein ­Drittel ­unserer ­Kunden ist bereit, mehr auszu­geben für Genuss- und Premium­artikel«, sagt Patrick Müller-­ Sarmiento. Inzwischen überrascht es niemanden mehr, irisches Rinder­filet oder von Hand geangelten Lachs aus Alaska im real-­Angebot zu finden.

hat so wie wir die Möglichkeit, auf unseren F ­ lächen diese Themen von A bis Z durchzuspielen und dabei möglichst viele Sinne anzusprechen«, sagt Patrick Müller-Sarmiento. Der Halb-Kolumbianer profitiert davon, dass er das Geschäft von der Pike auf gelernt hat. Im ­Hamburger Kaffee-Großhandel lernte er die nachhaltigen Prinzipien und das Berufsethos des hansea­ tischen Kaufmanns mit ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein für das Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft kennen. »Handel hat mich schon immer faszi­niert«, gerät er ins Schwärmen. Bei der Unternehmens­beratung Roland ­Berger, von der aus er im Frühjahr 2012 zu real stieß, hat Patrick Müller-Sarmiento aber auch gelernt, wie man ein Unternehmen rational und effizient führt. Viel Zeit für Experimente hatten er und seine Geschäfts­ führungskollegen nicht. Aber Zaudern, das können

studiert, die imposanten Riesling-­Hänge vor Augen. Da w ­ undert es nicht, dass real den Riesling G ­ elblack von Schloss Johannis­berg für 15,99 Euro anbietet. Für das Unternehmen ist das eine kleine Revolution, lag doch der Durchschnittspreis einer Flasche Wein in der Vergangenheit bei 2,50 Euro. In Zukunft wird man neben dem Landwein Le Filou für 2,29 Euro auch hochwertige Markenweine fi ­ nden. »Wir m ­ üssen gerade beim Wein unsere Kompetenz z­ eigen«, fordert Patrick Müller-Sarmiento.

Themen, oder Italien, das dann übergreifend andere besser als er. So traut er sich auch an Aufden Food- und den Nonfood-Komplex umfasst: gaben, die auf den ersten Blick wie die Quadratur Schon im Eingangs­bereich werden dann viele des Kreises wirken. ­italienische Marken zu sehen sein: Mode, CDs Mehr als zweitausend Artikel hat real im Preis italienischer Musiker wie Eros Ramazzotti, auf gesenkt. »Wir wollen die Preisführerschaft bei Bild­schirmen werden Italo-Western gespielt. bestimmten Pro­dukten«, sagt Müller-Sarmiento. Im Food­bereich listet real dazu eigens drei neue Günstiger werden und die ­Qualität erhöhen, italieni­sche Premium­marken ein, die hier erst­malig das schaffe man nur durch die Optimierung der und exklusiv in Deutschland verkauft werden. Im Abläufe. Frischesektor werden Mozza­rella, Parmesan oder Herzensangelegenheit Tiramisu angeboten, in der Elektronikabteilung Kaffee-Maschinen. Aber Patrick Müller-Sarmiento ist mehr als ein Und auch in den Weinregalen setzt real mit dem kühler Controller, der in der Welt der Z ­ ahlen Lucente 2011, der bis zu zwölf Monate in haupt- und Bilanzen aufgeht. Es ist seine sinnliche sächlich französischen Eichenfässern reift, und Seite, die aufblitzt, wenn er über Genuss redet mit dem Villa Antinori Bianco Maßstäbe. Der und über Wein. Das Weinangebot bei real aufpasst mit seinen feinen und eleganten Aromen zuwerten, das ist ihm eine Herzensangelegenvon ­Ananas und Pfirsich perfekt zur italienischen heit. Müller-­Sarmiento ist in einer Familie von Küche. »Kaum ein anderes Handelsunternehmen Wein­kennern aufgewachsen, er hat im Rheingau

zu entschlacken und stärker in den Regionen zu werden«. Dann können die Marktleiter vor Ort auf die Konkurrenz reagieren und zum Teil sogar die Preise lokal anpassen. Regio­nalität bedeutet aber auch, regionale Produkte verstärkt in den Vordergrund zu rücken, ob Äpfel, Kartoffeln oder Salat. Oder wie in Wildau die hausgemachten Pfefferbeißer, die frisch aus dem Räucherofen kommen. Auch in der Kommunikation will real neue Akzente setzen: Mit Werbeprospekten allein kommt man im 21. Jahrhundert nicht mehr weit. Aktionen und Angebote werden verstärkt online beworben, Kunden können Waren im Internet bestellen und im Markt abholen. Es sind viele Schritte, die real beim Umbau zum »Hypermarkt-Format« mit viel Erlebniswert zurücklegen muss. Patrick MüllerSarmiento lässt ­keinen Zweifel daran, wem das zugute k­ ommen soll: »Wir m ­ üssen in allererster Linie unsere ­Kunden glücklich machen.«  >

Inspirierende Erlebniswelten »Es reicht aber nicht, nur möglichst viele ­Artikel anzubieten, wir wollen diese Artikel auch an ­Themen binden und erlebbar machen«, sagt Müller-­Sarmiento. Erntedankfest ist eines der

Region im Fokus Ideen hat er viele. Die Metro-Gruppe hat signali­ siert, dass die neue Geschäftsführung die not­ wendige Zeit erhält, sie umzusetzen. Im kommenden Jahr sollen die Umbaumaßnahmen bei real noch tiefer greifen; Ziel ist es, »die Zentralen w ­ eiter

Kühler Rechner: »Handel hat mich schon immer ­fasziniert«, sagt Patrick Müller-Sarmiento, der das Geschäft von der Pieke auf gelernt hat. Die Heraus­ forderungen bei der Umgestaltung von real nimmt er mit Freuden an – und mit kritischem Weinverstand.

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DAUERTHEMA KORKSCHMECKER Von CHRISTIAN GÖLDENBOOG Foto GUIDO BITTNER

Kürzlich habe ich mit Benoît Gouez, dem Kellermeister von Moët & Chandon, über identifiziert, die für diesen Muffton hauptverant­ Champagnerkorken gefachsimpelt. Der kostet ungefähr dreißig Cent und ist mehr- wortlich ist: 2,4,6-Trichloranisol, kurz TCA. Man fach geschichtet. Der Kopf besteht aus körnigem Presskork. Auf der Unterseite weiß, dass diese chemische Verbindung immer sind zwei Scheiben Naturkork aufgeklebt. Weil sie unmittelbar in Kontakt mit dem dann entsteht, wenn bestimmte Pilzarten mit Champagner kommen, müssen sie optimal ausgewählt und in einem elaborierten Chlorphenolen stoffwechseln, die bei der Korken­ Herstellungsprozess präpariert werden, um Korktöne im Champagner zu vermei- herstellung als Behandlungs- und Schutzmittel den. Das kommt, zumindest aus meiner eigenen Erfahrung, relativ selten vor. Aber verwendet wurden; inzwischen kommen die aber was heißt schon selten – zwei Korker auf hundert geöffnete Flaschen bleiben in Er- nicht mehr zum Einsatz. innerung; sie können, vor allem bei einem Jahrgangschampagner, ins Geld gehen.

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ulieferbetriebe für Tanks, Pressen, F ­ laschen, Etiketten und natürlich Verschlüsse machen

gute Geschäfte. Allein achtzehn Milliarden Flaschen­

verschlüsse werden derzeit weltweit hergestellt, Schaumweine exklusive. Konzeptio­nell geht es in erster Linie um Sicherheit und um Sauerstoff­ manage­ment: Generell kann man sagen, dass Rot­ weine mehr Sauerstoff in der F ­ lasche b ­ enötigen als Weißweine. Daher hat der Schraubver­schluss inzwischen einen statt­lichen Anteil von sieben­und­ zwanzig Prozent am Weltmarkt: Er ist äußerst luft­ dicht und gilt daher bei Weiß­weinen, die inner­ halb von fünf Jahren ge­trunken w ­ erden m ­ üssen, als o ­ ptimal, weil oxidative Töne ver­mieden w ­ erden. Auch synthe­tische K ­ orken aus Kunststoff b ­ oomen – mit einem Marktanteil von s­ iebzehn P ­ rozent. Allein die ­Firma ­Nomacorc, die auch ein Gerät zum ­Messen des Sauer­stoffs in der F ­ lasche entwickelt hat, produziert j­ährlich zweiein­halb Milliarden ­dieser Verschlüsse aus Poly­ethylen. Agglomerat­

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korken, also Presskorken aus Granulat, die vor or einiger Zeit präsentierte das Champagner­

nen. Dieses Gewebe dient dem Baum als Schutz­

allem für F ­ laschen unter drei Euro begehrt sind,

haus Duval-Leroy eine Flasche mit einem

mantel gegen Krankheitserreger und äußere Ver­

kommen auf siebzehn ­Prozent Weltmarkt­anteil;

Kronkorkenverschluss, der vom Verpackungs­

letzungen. Kork besteht aus Polysacchariden,

dreizehn P ­ rozent entfallen auf die so g ­ enannten

hersteller Alcan relativ elegant umhüllt wurde.

Tanninen, Wachs, Wasser und Glycerin, vor allem

Micros (Agglomerat­korken aus ­Teilchen unter

Mit ­solchen Verschlüssen gelangen übrigens die

aber aus Lignin und Suberin. Lignin etwa ist eine

einem ­ M illi­ m eter) und fünfzehn ­ P rozent auf

­meisten Flaschen für die zweite Gärung in den

extrem harte Substanz, eingebaut in die Zellulose­

­Technical Corks (­Körper aus G ­ ranulat mit oben und

­Keller. Freilich stoppte das Comité Interprofession­

matrix der Zellwand. Als Stützbaustoff sorgt es für

unten ange­brachten Naturkork­scheiben). Dennoch

nel du Vin de Champagne (CIVC) das Experiment

deren Aussteifung. Suberin, das sich als Streifen in

­werden jährlich immer noch fast zwei Milliarden

recht zügig. Was wunder: Benoît Gouez berichtet

jeder Zelle der innersten Rindenschicht be­findet,

Natur­korken verkauft (Marktanteil elf ­Prozent); zum

von einem Training mit einem Sound­designer: Ein

ist für Wasser und gelöste Mineral­stoffe praktisch

Einsatz ­kommen sie besonders im hoch­preisigen

gutes Dutzend Teilnehmer musste eine ­Marke oder

undurchlässig. Suberin und Lignin ­zählen zu den

Segment sowie bei e ­ uropäischen Traditio­nalisten.

ein Produkt an seinem Klang er­kennen. Da d ­ röhnte

dauerhaftesten aller bekannten organischen Sub­

Eine Zeitlang galt, auch aus ästhetischen Grün­

der Motor einer Harley Davidson, es k ­ lickte ein

s­tanzen; sie sorgen dafür, dass Kork sehr leicht,

den, der Glasverschluss als ­optimale Alternative,

Dupont-Feuerzeug. Dann folgten ein Plopp und

elastisch, hitzebeständig und komprimierbar ist

aber mit weniger als vierzig ­Millionen Verschlüssen

ein Zischen. »Und alle«, so erinnert sich Gouez,

und eine hohe Undurchlässigkeit von Flüssig­keiten

pro Jahr, das sind ge­rade einmal 0,22 Prozent des

»assoziierten dies sofort mit Champagnerkorken.

und Gasen aufweist. Seit zwei­hundert ­Jahren

Gesamt­volumens, hat er sich nicht recht durch­

Deshalb bin ich mir nicht so sicher, ob man eine

wird Kork als idealer Verschluss für Weinflaschen

gesetzt. ­Dieser ­Vino-Lok ist recht teuer, außer­

andere Verschlusstechnologie einsetzen sollte.

angesehen. Wäre da nicht der Korkton, der jeden

dem t­ rauen viele Winzer seinem D ­ ichtungsring aus

Dieser Ton repräsentiert ein Ritual.«

Weintrinker schon dazu gebracht hat, vor dem

­Silikon ­keine Langzeitwirkung zu.

Auch der Korkplopp eines Stillweins ist in der

­Öffnen einer besonderen Flasche Stoßgebete zum

Tat wesentlich markanter als das Geräusch beim

­Himmel zu schicken. Ich erinnere mich sehr gut

Öffnen eines Schraubverschlusses, doch hat sich

daran, bei einem Elsässer Winzer einmal hundert

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dies in den letzten beiden Jahrzehnten relativiert:

Flaschen gekauft zu haben, von denen mindestens

Innovative Verschlüsse aus Metall, Glas oder Kunst­

ein ­Drittel verseucht war. Mehr als hilflos drein­

eine Situation, als mir ein Weißwein serviert wurde,

stoff haben seit ihrem Aufkommen zügig Markt­

schauen konnte der Mann auch nicht.

dessen Fehltöne ich mit »schöner Korker« kom­

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mentierte. Schallend lachte mich mein Gastgeber

anteile gewonnen. Und vehemente Diskussionen evoziert, wie sie etwa der amerikanische Autor George Taber in seinem lesenswerten Buch »To Cork or Not To Cork: Tradition, Romance, S ­ cience, and the Battle for the Wine Bottle« reflektiert.

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nd so bleibt der Korkgeschmack auch künf­ tig ein Problem und ein Thema. Manchmal

auch ein peinliches: Ich erinnere mich sehr gut an

eutige Schätzungen sprechen von jähr­lichen

aus. Dann zeigte er mir den Schraubverschluss. In

Verlusten von einer Milliarde Euro: So ­sollen

der Tat endet die Kork-Frage nicht bei Aluminium,

bis zu zwei Prozent aller europäischen und bis

Kunststoff oder Glas. Denn inzwischen weiß man

zu fünfeinhalb Prozent aller ­australischen Weine

immerhin, dass TCA auch an Eichenfässern klebt

Kork wird aus der bis zu zwanzig Zentimeter

Korkgeschmack haben. Die Zeche zahlt der Kon­

oder durch die Atmosphäre des Weinkellers in den

dicken Rinde der Korkeiche Quercus suber gewon­

sument. Vor dreißig Jahren wurde jene ­Substanz

Wein gelangen kann. >

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Tolles Ensemble: erst Weintrauben und dann Beifall geerntet. In Rheinhessen steht eine ganze Reihe von Winzern im Rampenlicht. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie teilen ihr immenses Wissen miteinander und bleiben dabei einzigartig. So entstehen ausge zeichnete Weine, die von Publikum und Presse 체berschw채nglich gefeiert werden. Autogrammj채ger wenden sich an rheinhessenwein.de


Wein über denWolken Wein für die Langstrecke: Alle großen Airlines bieten ihren Passagieren auf Interkontinentalflügen edle Weine an. Sie Fotos: SIA

auszuwählen ist eine Kunst. Sie auch zu bekommen, ein Kunst­ stück. Denn die benötigten Mengen sind verblüffend groß.

Auf Reiseflughöhe können Weine anders schmecken – aber die Weineinkäufer der grossen internationalen Airlines wissen, wie sie ihren Passagieren auch unter überirdischen Bedingungen höchste Genüsse bieten Von Michael Freitag

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in kahler Degustationsraum in Singapur. Am Vormittag waren australische Shiraz, neuseeländische Sauvignon Blancs und toskanische Rote an der Reihe. Jetzt, um 15 Uhr, geht es um ein Highlight. Zehn Gläser mit Bourgogne Grands Crus stehen auf den Tischen: Clos de Vougeot, ­Corton, Chambertin, Clos de la Roche – aus den Jahr­ gängen 2009 und 2010. Drei Verkoster machen sich daran, ihre Qualität zu beurteilen. Das tun sie nicht nur aus Freude an den schönen ­Weinen: Zusammen müssen sie Einkaufsentscheidungen für Singapore Airlines (SIA) treffen, die vor allem für die Q ­ ualität ihres gastronomischen Angebots berühmt sind. Grands Crus aus Burgund sind teuer, aber nicht jeder d ­ ieser Weine lohnt den Kauf, ­deshalb wären Fehlurteile noch teurer. Michael Hill-Smith, Autor, Winzer, Juror bei Wettbewerben und einer der ersten Australier, die den Titel Master of Wine (MW) führen ­dürfen, senkt konzentriert seine Nase ins Glas, sucht nach Aromen, nach Qualität, nach Klasse. Dann schaut er fragend nach links zu Jeannie Cho Lee, ­Koreanerin und die erste Asiatin, die ebenfalls das begehrte Prädikat MW trägt. Sie hat eine Nase genommen, einen Schluck Wein im Mund herumgeschwenkt, dann wendet auch sie sich nach links: »Was meinst du, Steven?« Der Engländer ­Steven Spurrier, der in der internationalen Weinwelt einen legendären Ruf hat, antwortet: »Dieser Wein kommt mir irgendwie vertikal vor.«

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belegen; die Lufthansa schafft es wenigstens in der Kategorie Kabine First Class unter die besten zehn. Eine Entscheidung zu treffen ist eine Sache, sie durchzusetzen, eine andere. ­Tausend ­Kisten à zwölf Flaschen Bourgogne Grand Cru braucht SIA mindestens – für ein halbes Jahr. Denn einhundert­ achtzehntausend First-Class-Menüs allein für die Langstreckenflüge ab ­Singapur müssen angemesKein Witz. Die beiden anderen kennen die sen umrahmt werden, daneben fast zwei MillioWortwahl: »Vertikal« ist bei Spurrier ein Wein nen Business-Class-Menüs und zwölf Millionen mit Ausrufezeichen, straff, klar definiert, sehnig Economy-Mahlzeiten, die von einfacherem Chamund eher schlank, vermutlich ein ­Chambertin – pagner begleitet werden; die Zahl der Flüge nach »­ horizontal« würde er einen ausladenderen Singapur ist noch höher. Wer kann so viel Wein ­Corton nennen. Er ist ein fast altmodisch höf­l icher ­liefern? Die ernüchternde Antwort lautet: niemand. Mensch, ein Weinautor, -händler und Connais- Zumindest kein Erzeuger und kein Händler allein. seur. Berühmt wurde er durch das Judgement of Paris, jene Weinprobe von 1976, in der zum ersten as macht ein Blick auf die Zahlen schnell deutMal kali­fornische Chardonnays und Cabernets von lich. Dreihundertsechsundfünfzig ­Hektar in französischen Verkostern besser beurteilt wurden Burgund sind klassifiziert als Grands Crus für Rotals ihre französischen Vorbilder. weine. Maximal dürfen hier fünfunddreißig Hekto­ liter pro Hektar produziert werden. Genau zwölfIA berät er seit Jahren zusammen mit Michael tausendvierhundertsechzig Hektoliter wären also Hill-Smith und Jeannie Cho Lee. Grands Crus bestenfalls möglich, das ergäbe anderthalb Milliaus der Bourgogne für die Passagiere der First Class, onen Flaschen. Überdies ist die Zahl der Winzer plus Bordeaux Deuxièmes Grands Crus Classés, mit Grand-Cru-Parzellen kaum zu überschauen: plus mindestens fünfundsiebzigtausend Flaschen Allein die einundfünfzig Hektar des alten ZisterDom Pérignon (für 6 Millionen US-Dollar bei zienser-Weinbergs Clos de Vougeot sind aufgeteilt einem Einkaufspreis von 80 Dollar) sowie gut auf mehr als achtzig verschiedene Erzeuger. sechsundfünfzigtausend Flaschen Krug Grande Einige von ihnen haben wenig mehr als das Cuvée (für 4,5 Millionen Dollar bei gleichem buchstäbliche Handtuch an Anbaufläche. Natürlich Einkaufs­preis) – so will es das Marketing. kommen sie als Lieferanten für so große ­Kunden Das Prestige der Produkte verspricht Luxus, und nicht in Frage. Die Domaine de la Romanée-­Conti der soll übersetzt werden in einen Wettbewerbs­ könnte SIA exklusiv beliefern, ist aber nicht so vorteil gegen Konkurrenten wie Turkish Airways, töricht, dies zu tun und damit alle ­anderen WeinCathay Pacific, Thai Airways und die besonders fans der Welt zu ver­ärgern. Die kaum minder aggressiven Aufsteiger Emirates, Etihad und Qatar begehrte Domaine Armand Rousseau in Gevrey-­ Airways, die alle in der jähr­lichen Skytrax-­Rangliste Chambertin hätte gerade eben genug Wein, wenn der World Airline Awards die vorderen Plätze sie all ihre Parzellen zusammenzählte: Knapp

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achteinhalb Hektar, das entspricht maximal zweihundertvierundneunzig Hekto­litern – aber fast alles an einen einzigen Kunden geben? Ökonomisch nicht zu rechtfertigen.

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IA muss also mindestens zwanzig- bis dreißig­ tausend Flaschen, das sind anderthalb bis zwei Prozent der gesamten Erntemenge von B ­ ourgogne Grands Crus pro Jahrgang, einkaufen. Michael Hill-Smith kann mit dieser Rechnung wenig an­fangen: »Viele Weine kriegen wir nicht wegen anderer vertraglicher Verein­barungen, andere mögen wir nicht. In Wahrheit ist die Auswahl viel enger.« Bei der Verkostung schafften es nur ein Charmes-­Chambertin, ein Clos de Bèze und ein Corton auf die Einkaufsliste. Falls noch ein Leser daran zweifeln sollte, dass die Preise dieser Weine ­weiter steigen werden, sollte ihn dies jeder Hoffnung berauben. Den Durst nach hochwertigen Burgundern hält Jeannie Cho Lee für unstillbar: »Mir war immer klar, dass es sich um die idealen Be­gleiter für die asiatische Küche handelt.« Fast noch ­wichtiger ist ihr aber ein geschäftliches Argument: »Die Auktions­ ergebnisse der vergangenen Jahre in Hongkong, dem mittlerweile entscheidenden Marktplatz für Weinauktionen, zeigen über­deutlich, dass asiatische Gourmets bereit sind, für Burgunder noch weitaus höhere Preise zu bezahlen als für Bordeaux und die nördliche Rhône.« Da liegt es nahe, dass eine Gesellschaft wie SIA sich nur dann im Luxussegment gut aufstellt, wenn sie diesem Trend folgt. Aber da

­ ieser Rebsorte, ganz gleich, woher sie kommen – d ist seine unvergleichliche Delikatesse im Spiel von primären Fruchtnoten und sekundären Schokolade-, Leder-, Holzaromen. Wer kraftvolle Eleganz sucht, bevorzugt Cabernet-Cuvées nach BordeauxVorbild, und Liebhaber körperreicher, druckvollwuchtiger Weine suchen nach Syrah und Grenache. Aber nach allem, was man seit spätestens 2010 über das Geschmacksempfinden im Unterdruck weiß, müsste diese Delikatesse in zwölftausend Metern Höhe kaum wahrnehmbar sein. Damals erschien eine Studie der Fraunhofer-­Gesellschaft, die in Holzkirchen bei M ­ ünchen eine riesige Unterdruckkammer hat, in der die halbe Kabine eines Airbus A 310 eingehängt ist. Dort hat die Aroma-Chemikerin Andrea Burdack-­Freitag umfang­reiche Testreihen über das Geschmacksempfinden an Bord durchgeführt. Quint­essenz der Studie war, dass die Durchblutung der Geschmacks­ papillen in Mund, Nase und Gaumen im Unterdruck ­leidet. »Wir ­riechen und ­schmecken so, als seien wir verschnupft«, sagt die Wissenschaftlerin. Oder betäubt. Nur die Wahrnehmung von Bitter­stoffen und Säuren bleibe stabil; offenbar ein Schutzreflex, der in unserem Erbgut angelegt sei, als Warn­hinweis auf möglicherweise gefähr­ liche Stoffe.

genug Weine wie den Fonterutoli Chianti Classico und den Nectar Dei von Nittardi einkaufen. Barolo, zugegeben, ist an Bord schwer zu vermitteln.«

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mmer mehr Passagiere in First und Business geben sich nicht einfach nur mit einem vollen Glas zufrieden – sie wollen die ganze Geschichte des betreffenden Weins hören. Deshalb hat SIA ein Ausbildungs-Programm für »Air Sommeliers« aufgelegt. Das haben schon mehr als neunzig ­Stewards und Stewardessen absolviert. Einer hat sogar schon das begehrte »Diploma« des Londoner Wine and Spirits Education Trust (WSET) abgelegt, der in Deutschland auch mit der Deutschen Sommelierschule zusammenarbeitet. Der Anreiz dafür liegt ausschließlich in der Begeisterung für das Thema Wein: Der Gehaltsaufschlag für die Kurse, die in der Freizeit stattfinden, ist gering. Die SIA-Verkoster haben ihre Entscheidungen mehrfach an Bord regulärer Flüge und gelegent­lich auch in der Airline-eigenen Unterdruck­kammer überprüft, die ansonsten für das Testen von Menüs verwendet wird. Dass Weine, bei denen die Frucht dominiert und die Säure reif ist, den Flugpassagieren ge­fallen, ist anderen Airlines nicht verborgen geblieben. Auch der Lufthansa nicht. Markus del Monego, ­erster deutschsprachiger Master of Wine, berät ie schöne Kehrseite der Medaille: Auch die Lufthanseaten seit mehr als einem Jahrzehnt. fruchtige Aromen werden uneingeschränkt ­Deutsche Große Gewächse seien »gesetzt«, wenn wahrgenommen. So erklärt sich auch die erstaun- es um Einkaufsentscheidungen geht. Ansonsliche Karriere des Tomatensafts an Bord. Asiati- ten sind dieselben Weinkategorien wichtig wie sche, intensiv aromatische Gerichte bleiben bei bei allen anderen großen Airlines. Wobei die

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Premier Cru für die First Class: Ob Burgund, Bordeaux oder Chianti classico – für Singapore Airlines verkosten drei Experten die feinsten Gewächse. Michael Hill-Smith MW, Jeannie Cho Lee MW und Steven Spurrier prüfen unter anderem, ob die teuren Tropfen dem KabinenUnterdruck auf Reiseflughöhe standhalten.

geschäft­liche Entscheidungen niemals schnell Nieder­druck stabil im Geschmack. Fisch und Lufthansa die quanti­tative Messlatte noch einge­troffen w ­ erden, musste die Koreanerin mit Ge­flügel allerdings haben in Reiseflughöhe keine mal hebt: Je Sorte (sechs bis acht) sind in der Master-­Examen der Harvard Business School fast Chance. Da hilft nur: stärker würzen. Das ist nicht First Class achttausend ­Flaschen notwendig – für zwei Jahre lang geduldig Argument auf Argument so einfach, wie es klingt. Denn Salz wird um zwan- zwei Monate. In der Business Class braucht Luftschichten, bis das Management grünes Licht gab, zig bis dreißig Prozent, Zucker um fünfzehn bis hansa in derselben Zeit vierzigtausend Flaschen, um SIA zum ­größten Einzelkunden der Welt für zwanzig Prozent weniger intensiv empfunden. in der ­Economy Class für vier bis sechs Monate ­Bourgogne Grands Crus zu machen. Denn natür- Menschen mit hohem Blutdruck werden es nicht mindes­tens zwei­hundertsechzigtausend. Markus lich hat H ­ ermann Freidanck, der verantwortliche begrüßen, dass sie im Flugzeug mehr Salz zu sich del ­Monego trifft seine Kaufempfehlungen nicht ­SIA-Manager »Inflight Services« erst einmal auf- nehmen. Rieslingwinzer allerdings haben Grund allein, ­sondern zusammen mit acht internen und gestöhnt, als ihm klar wurde, was das alles kostet. zur Freude: Nirgendwo eignet sich »feinherb« so externen Verkostern. Aber der erfahrene Kämpe, der bei internatio­nalen gut wie über den Wolken. Die anderen führenden Airlines, ob sie sich nun Hotelketten seine Sporen verdient hatte, bevor er Für den Wein insgesamt ergeben sich klare extern Hilfe holen wie Cathay Pacific (dort berät dem Charme von Singapur erlag, war dann doch Konsequenzen. Junge Bordelaiser mit dominan- Debra Meiburg MW, eine Engländerin in Hongüberzeugt, dass es nicht lohne, knickrig zu sein. ten Cassisnoten schmecken gut. Alterungstöne kong) oder auf die eigenen Manager für Food and Bisher sind nur die Handelshäuser Bouchard ­helfen nicht; es kann sogar sein, dass die markan­ Beverage vertrauen, kaufen nicht anders ein als SIA Père & Fils, Louis Latour, Louis Jadot und ­Faiveley ten ­Tannine als störend empfunden werden. oder Lufthansa. Dass angesichts der Mengen, die in der Lage gewesen, für SIA brauchbare ­Mengen ­Toskanische Weine aus der Sangiovese-Traube, über den Wolken getrunken werden, noch irgendzu liefern. Dabei ist die erstaunliche Karriere der nicht selten mit einem ordentlichen Säuregerüst eine gute Flasche für Kunden am Boden bleibt, ist roten Burgunder ein Wunder. Denn der Charme ausgestattet, könnten einen schweren Stand haben. ein Wunder. Zum Glück eines, das sich jedes Jahr des Pinot Noir – und das gilt für alle Weine aus Michael Hill-Smith: »Und doch können wir kaum wiederholt. > 38

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Foto: Manuel Debus für Tre Torri © 2013 sixx www.sixx.de, Lizenz durch ProSiebenSat.1 Licensing GmbH, www.prosiebensat1licensing.com

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Müller-Thurgau Der Geschmack von Heimat D

ie Faszination des Weins besteht in seiner Vielfalt. Alle Welt spricht von der Handvoll Premiers Crus aus dem Bordelais, die sie meist nur vom Hörensagen kennt, während weltweit Millio­nen Hektoliter oft mediokerster Bordeaux-­ Weinchen an den Mann und die Frau gebracht ­werden. Dabei wird übersehen, dass in Deutschlands Weinregionen häufig viel geschmackvollere Weine entstehen – zu günstigeren Preisen, aber leider unterschätzt, wenn nicht gar ignoriert. Zur ­Kultur des Weins gehört seine Verankerung in einer Region mit ihrer alltäglichen Lebenskultur. Zu diesen Weinen haben die Menschen im Lauf der Zeit eine selbstverständliche Liebe entwickelt. Mit ihnen wird gefeiert und getrauert, werden ­Kinder getauft und Freundschaften besiegelt, sie werden auf Hochzeiten und Totenfeiern getrunken. Sie begleiten Anfang und Ende eines Lebens, Freude und Schmerz. Weine wie etwa der Gamay aus dem Granit­ gebirge des oberen Beaujolais, der Gutedel aus dem alemannischen Markgräferland oder der MüllerThurgau in Süddeutschland, den man in den kühleren Anbaugebieten Frankens und Badens vorfindet, verkörpern das Lebensgefühl ihrer Region. Hier werden sie getrunken und geschätzt, gehören zum Schoppen, zur alltäglichen Vesper. Die Wahrheit ist, dass das Einfache nicht simpel, das Komplexe nicht kompliziert und das Gute nicht fern sein muss. Die etwa einhundert Jahre alte Rebsorte Müller-­ Thurgau ist noch ein Kind des 19. Jahrhunderts. Die ersten Züchtungsversuche an der Königlich

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Preußischen Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim werden auf die 1870er Jahre datiert. Sie gehen auf die Züchtungen des Schweizer Botanikers und Önologen Hermann Müller (1850 bis 1927) zurück, gebürtig in der Ortschaft Täger­wilen im Kanton Thurgau. Das Bedürfnis nach dieser neuartigen Rebe entstand in einer Zeit, in der sich der Weinbau in größter Not befand und es schien, als machten alle irdischen Übel – Reblaus, Rebkrankheiten, ertrags­schwache Reb­pflanzen und kalte Jahrgänge – dem Wein wirtschaftlich, weinbaulich und klimatisch den Garaus. Ein großer Teil der deutschen Winzerschaft lebte in Armut und tauschte oft nur zu gern den Weinberg gegen einen Arbeitsplatz in einer der zahlreichen modernen Fabriken ein. Reb­züchter wie Hermann Müller und Georg Scheu (1879 bis 1949) verliehen dem Weinbau wieder ein wirtschaftliches Fundament, da sie Reben züchteten, die auch in schwierigen, kalten Jahrgängen reif wurden und stabile Erträge lieferten. Dass ein Teil des deutschen Weinbaus nach dem Zweiten Weltkrieg Maß und Mitte verlor und mit der Massen­produktion auch sein Niveau, kann man den Neuzüchtungen Scheurebe oder Müller-­ Thurgau kaum anlasten. Der Winzer bestimmt, wie er die Rebe erzieht und welche Qualität sie hervorbringt. Dass man auch aus den Trauben stark­wüchsiger und frühreifer Reben besondere Weine erzeugen kann, ist kein Geheimnis. Zwei natürliche Bedingungen sind hierzu erforderlich: karger Boden und kühles Klima – beides dämpft die Wüchsigkeit. Die Rebe soll klein bleiben, nicht ihre ganze Kraft und

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in hemmungsloses Wuchern und unend­liche Verzweigungen stecken, sondern in die Trauben, die umso substanzieller werden, je geringer ihre Anzahl ist. Aber auch hier – und das beweisen etwa die Weine des Markgrafen von Baden – geht es darum, Angemessenheit zu wahren: Nicht die konzentrierteste Müller-Thurgau-Traube liefert den feinsten Wein, sondern die mit einer wohlproportionierten Mischung aus Intensität, ­Frische und Leichtigkeit, die ihn elegant, vielschichtig und säurefrisch interpretiert.

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ine Rebe, die in ihrem Wesen und S ­ chicksal dem weißen Müller-Thurgau ähnelt, ist der rote Gamay, der in den sandigen ­Niede­rungen des Bas-Beaujolais sein Wuchern ungehemmt ent­faltet, was, wenn es auf die Gier eines ­Winzers trifft, zu einer profanen Konstellation gerinnt. Aber in der Höhenluft des nördlichen Haut-­Beaujolais wird das Wachstum des Gamay ge­zügelt. Dort oben, im rauen, bis zu sechs­hundert Meter hohen Granit­ gebirge, reift er auf kargen Böden zu konzen­ trierten Weinen mit Potential und Haltbarkeit heran. F ­ reilich ist sein Ruhm im Vergleich zu ­seinen Quali­täten viel zu gering, das verdirbt ihm das hemmungslose Wuchern im unteren ­Beaujolais. So verhält es sich auch mit dem freundlichen Gutedel im südbadischen Markgräflerland, einer der am meisten unterschätzten regionalen Wein­ spezialitäten Deutschlands – und ganz besonders mit dem Müller-Thurgau. Nachdem der Ruf des Müller-Thurgau in den neunziger Jahren gründlich ruiniert war und


Müller-Thurgau ist der Grenzgänger unter den weißen Reben, eine Sorte, die lange Zeit missachtet, missbilligt und missbraucht wurde. Größe und Anmut zeigte sie in einer großen Probe, die Fine Das Wein­magazin jüngst auf Schloss Salem am Bodensee veranstaltet hat. Sie verkörpert regio­nales Lebensgefühl und ist zugleich eine Heraus­forderung für die deutsche Winzer­avantgarde. Das Weingut Markgraf von Baden hat das Potential des Müller-­Thurgau von Anfang an erkannt und weiterentwickelt. Hier gibt Bernhard Prinz von Baden bis heute den Weinen wichtige Impulse für die Stilistik der Rebsorte. Von Till Ehrlich Fotos Johannes Grau

Unstrut und entwickelten ein neues Geschmacks- aus­gleichende Kühle des knapp vierhundert Meter bild. Im kühlen Klima, das den Müller-Thurgau hoch gelegenen Schwäbischen Meeres und seine langsamer reifen lässt, pflanzten sie ihn in gute wohltemperierte Wärme geben dem Müller-­ Lagen mit kargen komplexen Böden. Denn seine Thurgau, was er braucht, um kultivierte Feinheit höchste Quali­tät zeigt er dort, wo Klassiker wie auszubilden. Schon 1924 sollen die ersten RebRiesling und ­Burgunder klimatisch versagen. pflanzen nachts in einem Boot aus der Schweiz ans deutsche Ufer gerudert worden sein – wo sie willus dem einstigen Massenträger wurde ein vino- kommen waren. philes Icon der deutschen Winzer­avantgarde – ein Geheimtipp für Insider. ­Winzer und Weingüter, er Visionär Prinz Maximilian von Baden die als Wegbereiter diese Erneuerung vorantrieben, (1867 bis 1929) förderte den Anbau der sind in Baden Martin ­Waßmer und Bernhard Huber neuen, vielverheißenden Rebe am Bodensee, und das Weingut ­Markgraf von Baden. In ­Franken um damit dem wirtschaftlichen Niedergang des engagieren sich seit Mitte der neunziger Jahre sech- Weinbaus in der Region etwas entgegenzusetzen. zehn Winzer im Winzerbund »Frank & Frei« für Prinz Maximilian, der letzte Reichskanzler des eine ganz neue Geschmacks­stilistik des Müller-­ 1918 untergegangen Kaiserreiches, war auch der Thurgau. Weiter sind in F ­ ranken zu nennen Horst ­Gründer der heute weltberühmten Privatschule Sauer und Paul Fürst sowie die Weingüter ­Castell, mit Internat Salem, weil er in der unsicheren Zeit Bürger- und Juliusspital. Doch auch an der klima­ nach dem Ersten Weltkrieg ein Zeichen der Hofftischen Grenze des fränkischen Weinbaus im nung für junge Menschen setzen wollte. Tauber­tal trieb eine junge Winzergeneration die Das Haus Baden gehörte zum Hochadel und ­manche Winzer noch den letzten Tropfen aus ihm stilistische und qualitative Neu­definition voran, die bis 1918 zu den regierenden Häusern. Nach dem herausgepresst hatten, war guter Rat teuer. Von etwa von Winzer Christian Stahl repräsentiert wird. ­Wegfall der Steuereinnahmen musste die Familie ­vielen Verbrauchern wurde er mit »­schlechtem Zudem bringt Müller-Thurgau an den ­Hängen der ihren Besitz von heute auf morgen in sich selbst deutschen Wein« und »Zuckerwasser« aus der Dolomiten in Südtirol oder in den Höhenlagen des tragende Wirtschaftsunternehmen umwandeln. Literflasche gleichgesetzt. Die Lage war so d ­ esolat, Trentino erstklassige Bergweine hervor, die in Steil- Das große Erbe, die vier Schlösser, wurde nun ­ enetekel, da diese Gebäude zur Adminis­ dass selbst ein neuer Name auf dem ­Etikett, lagen bis zu eintausend Metern Höhe gedeihen und zum M »­Rivaner«, kein besseres Image brachte. Lang­ wegen ihrer köstlichen A ­ romatik und gletscher­ tration und Repräsentation gedient hatten und nun wierige Basisarbeit führte schließlich zur Wende: frischen Art in Italien als regionale Spezialitäten nicht mehr gebraucht wurden. Man versuchte, sie für kultu­relle und museale Zwecke zu nutzen, was der Wein erneuerte sich ab Mitte der 1990er Jahre sehr geschätzt werden. in der Stille, an den klimatischen Grenzen des Eine ganz eigene Rolle spielt der Wein aus jedoch aus den Einnahmen der ­eigenen Unter­ Weinbaus. Die ­Pioniere kamen aus Franken und der verkannten Rebsorte auch am Bodensee, wo nehmen für Forstwirtschaft und Weinbau nur Baden, aber auch aus S ­ achsen oder von Saale und er den schönen Namen »Seewein« trägt. Die schwer zu unterhalten war. Als Bernhard Prinz von

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Baden, ge­boren 1970, Mitte der neunziger Jahre von der Familie gerufen wurde, um die Unter­ nehmen zu sanieren und somit zu erhalten, waren harte Einschnitte nötig. »Manchmal muss man sich von einem Teil ­trennen, um das Ganze bewahren zu können«, sagt er rück­blickend. So verkaufte er das Neue Schloss in Baden-Baden, Schloss Eberstein bei Gernsbach und 2009 einen Teil von Schloss Salem an das Land Baden-Württemberg. Lediglich die Burg Staufenberg im Schwarzwald ist mit dem Weingut vollständig im Besitz der Familie geblieben.

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ls Prinz Bernhard die Führung der Familien­ unternehmen 1998 übernahm, musste er seine Universitätsstudien abbrechen. Als Firmen­leiter war er erfolgreich. Ein Glanzstück des H ­ auses ist das florierende Weingut, das mit seinen ins­ gesamt einhundertfünfunddreißig Hektar das größte p ­ rivate in Baden ist; hundertzehn H ­ ektar machen die Lagen am Bodensee aus. Das Haus Baden ist zum visionären Wegbereiter ­feiner Weine ge­worden. Die Familie setzt neben Spät­burgunder ganz auf Müller-Thurgau: mehr als zwanzig Prozent der Rebflächen sind dieser Sorte vor­behalten. Die Renaissance des Müller-­Thurgau in der Region hat wesentliche stilistische Impulse von diesem Weingut erfahren, Eleganz und Finesse. Die Geschäftsführung des Weinguts hat Prinz Bernhard in die Hände seines jüngeren Bruders Prinz Michael, geboren 1976, gelegt, der es zusammen mit Volker Faust erfolgreich leitet; seit 2012 ist es Mitglied des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Die Geschichte der Markgrafen von Baden reicht ins 12. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Kultur des Weinbaus verwoben. Auf ­Markgraf Christoph von Baden geht eines der ersten Wein­ gesetze zurück, das er im Jahr 1495 erließ, um die Reinheit des Weins vor Fälschungen zu be­wahren. Die Familie verfügt über erstklassige Lagen in

Baden: seit 1693 über die Lagen von Schloss Staufen­berg in der Ortenau und seit 1802 über die des einstigen Klosters Salem am Bodensee. Im alten Schlosspark von Schloss Salem fand die große Müller-Thurgau-Probe von Fine Das Weinmagazin statt. Dreiunddreißig Weine aus verschiedenen deutschen Weinbaugebieten ergaben ein viel­fältiges Bild. So brillierten die letzten Jahrgänge der Wein­güter Bürgerspital und Juliusspital in Franken mit ihrer feingliedrigen, druckvollen Art, die Intensität und Dichte spielerisch verbindet. Dagegen s­ tanden radikale Inter­pretationen, etwa in B ­ arriques zu komplexen, t­ iefen Weinen ausgebaute Müller-­Thurgaus, deren geschmackliche Wucht immer auch von einem säure­frischen Hauch belebt wird, was sie unter den weißen Barrique­weinen zu k­ leinen Kostbarkeiten macht. Hierfür s­ tehen exemplarisch die Weine von Horst Sauer aus F ­ ranken, der Georg Müller Stiftung aus dem Rheingau oder dem Weingut Parfum der Erde aus Württemberg sowie Bernhard Huber aus Baden. Besonders Letzterer lotet die geschmack­ lichen Dimensionen des Müller-Thurgau bis an die ­Grenzen aus, indem er ihn mit Intensität und lebendiger Fülle, sogar mit dem Duft von Rosen­ blüten hervorbringt. Diese Anmut zeigt sich auch in dem ganz anderen Reichtum der Müller-­ Thurgau-Interpretation von Paul Fürst, der die Traube auf eine festere, sehr reintönige Art auslegt. In ihr kann man köstliche Aromen ebenso ent­decken wie schwerelose Leichtigkeit. Auch der junge ­Winzer Christian Stahl aus dem Taubertal hat eine unkonventionelle, kristallklare Form gefunden, die fruchtige, druckvolle Intensität mit mineralischen N ­ uancen zu beleben weiß.

entwickelt hat. Mit großer Eleganz und Leichtigkeit, in der sich unglaublicher Schliff zeigt, präsen­ tierte sich ihr Müller-Thurgau wie ein Tanz an der Oberfläche, in dem Tiefe mitschwingt. Trotz aller Leichtigkeit sind es eben keine Leicht­gewichte, ­sondern seriöse, faszinierende Gewächse, die einen der Verkoster zu dem Satz hinreißen ließ: »So ein Müller-Thurgau hat für mich dieselbe Freude und dieselbe Daseinsberechtigung wie ein Petrus.« Doch die eigentliche Nagelprobe waren die gereiften Weine. Sie sprachen in solcher Weise für sich, die jede Diskussion um Barrique und Leichtig­keit verstummen ließ, vielleicht auch aus Beschämung darüber, dass diese Sorte derart verkannt worden war. Denn nicht nur der 1929er, der 1971er oder der 1976er waren Wein-­Monumente, die in all den Jahrzehnten ihren geschmacklichen ­Reichtum und anmutigen Ausdruck bewahrt h ­ atten, auch die 1993er und 1994er standen fest auf dem Sockel. Paul Fürst brachte es auf den Punkt, als er sich über den 1971er Müller-­Thurgau ­Casteller Bausch vom Fürstlich Castell’schen Domänenamt in Franken beugte: »Der ist so edel, das könnte Riesling sein.«

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enn deutsche Winzer schon 1929, nur wenige Jahre nach Einführung des Müller-­ Thurgau, so meisterlich mit ihm um­gehen ­konnten, und wenn man bedenkt, dass sogar in den viel gescholtenen siebziger Jahren, als die Massen­ weine aus Müller-­Thurgau Hochkonjunktur ­hatten, groß­artige Weine erzeugt wurden – dann kann man sagen, es hat von Anbeginn auch große Müller-Thurgau-Weine gegeben, auch wenn die Weinwelt kaum davon Notiz nahm. Vorurteile zu hinter­fragen ist immer sinnvoll. Wie viele bedeutende Winzer hat auch Bernhard Huber dies längst u den großen Überraschungen dieser Probe getan: Er hat den Müller-Thurgau, nachdem er ihn gehörte die Stilistik, die das Weingut Mark- in jungen Jahren herausgerissen hatte, wieder neu graf von Baden unter Führung der jungen Prinzen gepflanzt. >

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Hangauf, hangab gedeiht um Schloss Salem prachtvoll mit dem Spät­ burgunder auch der Müller-Thurgau.

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Die Tradition lebt in der Gegenwart weiter 4)HENNESSY)FINE)DE)COGNAC)$ Von Uwe Kauss

In alten Fässern: Säuberlich beschriftet sind die Gebinde im »Gründerkeller« von Hennessy, in denen zum Teil mehr als zweihundert Jahre alte Eaux-de-Vie auf ihre Vermählung mit jüngeren Bränden warten.

as weite, ein wenig hügelige Cognac-Gebiet im Südwesten Frankreichs erstreckt sich nördlich der Stadt Bordeaux nahe der Gironde bis etwa achtzig Kilometer von der Atlantikküste entfernt ins Departement Charente-Maritime, in einen Teil der Charente und in einige Gemeinden der Departements Dordogne und Deux-­ Sèvres. Die Ugni-Blanc-Reben – die hier übrigens den Namen Saint-Emilion tragen – wachsen im kühl-maritimen Klima auf fünfundsiebzig­tausend ­Hektar kalk- und kreidehaltiger Böden. Das Herz der Region ist ein Städtchen mit trutzigem Schloss, mittelalterlichen Gassen, Häusern und Kirchen. Knapp zwanzig­tausend Menschen leben hier. Die kleine Stadt Cognac gab dem eleganten Digestif Die Rebsorte Trebbiano ist eine Fußnote in der Weingeschichte. Aus ihr entstehen keine seinen großen Namen. In prachtvollen Schlössern und Landhäusern sind hier die weltweit be­kannten großen Weine; sie sind günstig, schlicht, schnell getrunken und ­werden meist nur zum Erzeuger zuhause, etwa Rémy Martin, Prunier, Verschnitt verwendet. In Italien wurde die Weißweinsorte f­ rüher etwa dem traditionell Courvoisier und Martell. Der bis heute größte und erfolgreichste unter ihnen ist ­Hennessy. Fünfzig erzeugten Chianti zugefügt, doch seit 2006 ist das untersagt. Auch der welt­berühmte Millionen Flaschen füllt das Unternehmen jährAceto balsamico tradizionale di Modena entstammt einem Grundwein, der aus ­Trebbiano lich, das ist fast die Hälfte der gesamten Cognac-­ Produktion. Doch Massenware ist der Hennessyerzeugt wird. Für diese Sorte gibt es viele Dutzend phantasie­volle Namensvarianten, etwa Cognac nie gewesen: Seine Top-­Erzeugnisse sind Clairette d’Afrique, White ­Hermitage oder Cadillac. In Frankreich heißt sie Ugni blanc; gesucht, rar und teuer. Der H ­ ennessy Ellipse wurde für knapp 8.000 Euro verkauft, der Beauté damit ist dort mit dreiundachtzigtausend Hektar eine gewaltige Fläche bestockt. Zum du Siècle, eine auf hundert ­Flaschen limitierte Vergleich: Die gesamte Rebfläche Deutschlands beträgt rund hunderttausend Hektar. Auflage, erzielte einen Flaschen­preis von rund 200.000 Dollar. ­Seinen größten Erfolg erzielt der leichte, säurebetonte und trockne Trebbiano in einem Davon abgesehen hat es der Cognac seit der edlen und urfranzösischen Erzeugnis: dem Cognac. Jahrtausendwende nicht leicht. Im Zeitalter von Internet, iPhone und Globalisierung gilt der von 44

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Fotos: Hennessy (Leif Carlsson, Olivier Colairo)

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dunklen, rauchigen Aromen geprägte Weinbrand als althergebracht, als Genussmittel für ältere Herrschaften am Kamin, das ein bisschen zu ge­diegen daherkommt. Hennessy hat dieses Image­problem, anders als viele andere Häuser, erkannt und ­seinen Cognac ins Heute geführt: Der 2002 geschaffene und 2011 zart modifizierte Fine de C ­ ognac wird nicht nur in einer eleganten Flasche in modernem Design präsentiert. Mit s­ einer seidi­ gen ­Textur, den fruchtigen Aromen nach Zimt, ­Blumen, Apfel­sinen­bäumen, Zitrusfrüchten und kandierten Manda­rinen ist er zwar ein klassischer C ­ ognac – aber einer, dessen Duft und viel­ schichtiges Aromen­spiel auch junge und urbane Genießer schätzen. Cognac und Live-Stream sind für Hennessy keine Gegensätze mehr. Die Tradition lebt schließlich nur in der Gegenwart weiter. Der Cognac ist fester Bestandteil der französischen Kultur, obwohl achtundneunzig Prozent der Flaschen ins Ausland, vor allem in die Vereinigten Staaten, nach Großbritannien, Russland und Südostasien, exportiert werden. Nur zwei Prozent bleiben im Land. Auch die Wurzeln des Unternehmens liegen nicht in Frankreich. Sondern in Irland. Der irische Offizier Richard ­Hennessy, nach dem britisch-­französischen Krieg in Frankreich geblieben, gründete 1765 im Städtchen ­Cognac ein Handels­kontor für den dort produzierten Eaude-Vie, für den es in Großbritannien eine riesige Nachfrage gab. Sein Sohn James Hennessy begann schließlich mit der Destillation. Dieser zunächst klare Weinbrand wird noch heute wie damals aus etwa achtprozentigem Wein hergestellt. Er entsteht in traditionellen, mit offenem Feuer beheizten Kupferkesseln, die im 18. Jahrhundert aus holländischer Herstellung stammten. Von den Niederländern übernahm man in der Region Cognac auch das heute vorgeschriebene Verfahren der doppelten Destillation. Nach dem ersten Brennvorgang entsteht der »Brouillis« mit etwa dreißig Prozent Alkohol. Nach der zweiten Destillation tropft Eaude-Vie mit maximal zweiundsiebzig Prozent Alkohol aus dem Kesselablauf in die Eichenholzfässer. Das Brennen mit der traditionellen Technik ist ein komplexer Vorgang, der neun bis dreizehn Stunden dauert und schwer zu beherrschen ist. Jedes Detail, jedes Zehntel Grad beim Erhitzen und Abkühlen ist entscheidend. Denn je feiner die prägenden Aromen der verschiedenen Eaux-de-Vie herausgearbeitet werden, umso zarter und distinguierter sind sie nach den Jahren der Fassreife, die dem Cognac seine charakteristische Farbe, die Textur und den Geschmack verleihen. Doch erst die streng geheim gehaltene Assemblage der Eaux-de-Vie aus verschiedenen Regionen und aus unterschiedlich lange gelagerten Fässern verleiht dem Cognac den Charakter eines Hauses.

Tronçais. Fillioux nutzt für den Fine de Cognac keine neuen Barriques, sondern nur zweit- und drittbelegte Fässer, um besonders zarte, feine Eichennoten und weiche Gerbstoffe zu erhalten. So entsteht die für ihn perfekte Cuvée des fruchtigdelikaten, sanften und filigranen Fine de Cognac. Yann Fillioux führt mit seiner Arbeit nicht nur die Tradition des Hennessy-Cognac w ­ eiter,

Handelssperre im Jahr 1807, die Reblauskrise am Ende des 19. Jahrhunderts, die sämtliche Weinberge des Cognac sterben ließ, sowie die beiden Weltkriege. Die aktuellen Börsen- und Finanz­ krisen wirken dagegen wie ein leichter Windhauch. Hennessy hat sie alle überstanden. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts erschlossen Händler vor allem aus Großbritannien den Markt für Weinbrand, den sie in Fässern zu den Metropolen Europas transportierten und bald in die Vereinigten Staaten und nach Japan verschifften. Der Absatz, die Produktion und die Zahl der Handelshäuser wuchsen trotz Krisen immer weiter. Es waren die goldenen Jahre der Rekorde: 1877 betrug die Größe der Weinberge in der Region über 282.000 Hektar. Rund zwanzig­tausend Cognac-Maisons lagerten ihre Fässer in gewaltigen Kellern. Erst in diesen Jahren be­gannen die Handelshäuser, den Eau-de-Vie nicht mehr fassweise zu verkaufen, sondern ihre gereiften und sorgsam cuvetierten Cognacs in eigene ­Flaschen zu füllen. Damals begründete Richard Hennessys Sohn James mit dem Aufbau einer ­eigenen Destillation schließlich den Weltruhm des Hauses. Bald stand er mit seinem Unternehmen, das nun auch den Familiennamen H ­ ennessy trug, in der Stadt und in der Region an der Spitze des internatio­nalen Handels. Die erste ausländische Niederlassung eröffnete James Hennessy 1840 in London, 1868 lieferte er erstmals nach Japan und 1872 nach China.

In neuem Gewand: Nicht nur das äußere

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Erscheinungsbild des Hennessy Fine de Cognac hat sich verjüngt. Auch Duft und Aromenspiel sprechen ein jugendlicheres Publikum an. Aus der Ugni-Blanc-Traube, die in den Wein­ bergen des Cognac-Gebiets kultiviert wird, entsteht der urfranzösische Edelweinbrand.

sondern auch die seiner eigenen Familie. In der siebten Generation ist er als Keller­meister und Master­blender für die stilistische Kontinuität aller Produkte des Hauses verantwortlich. Der erste Keller­meister seiner Familie arbeitete ab 1786 für James Hennessy, den Sohn des ­Gründers. Yann ­Fillioux bildet mit seinem Sohn nun die achte Generation aus – als Vorsitzender des »Comité de Degustation«, das sich aus ihm, zwei etwa sechzig­jährigen, zwei fünfundvierzigjährigen und zwei dreißigjährigen Kellermeistern zusammen­ setzt. »Es braucht zehn Jahre, bis mein Nach­folger alle Nuancen, Aromenveränderungen und Reife­ prozesse verstanden hat«, betont der oberste Keller­ meister des Hauses. Im Keller geschieht nichts von heute auf morgen. Die Zeit des ­Cognac vergeht in ür den Fine de Cognac verwendet ­Hennessys einem sehr viel langsameren Takt als unser schnelKellermeister und Masterblender Yann F ­ illioux ler Alltag. Hennessy lagert in seinem »Gründer­ beispielsweise sechzig verschiedene Eaux-de-Vie, keller« die wichtigste und weltweit meistbeachtete deren Weine aus den berühmtesten vier der sechs Sammlung von Eaux-de-Vie, die zum Teil mehr als regionalen Anbaugebiete stammen: aus der Grande zwei­hundert Jahre alt sind. Auf diese Schätze greift Champagne, der Petite Champagne, aus Borderies Yann Fillioux immer wieder für so exklusive Cuvées und Fins Bois. Der weißhaarige Herr mit dich- wie etwa Hennessy ­Paradis, ­Paradis Impérial oder ten Augenbrauen, randloser Brille und bescheide- den Richard Hennessy gewidmeten Cognac zurück. nem Auftreten lässt die ausgewählten Brände zwei Hennessys wichtigster Erfolg ist die ungebrobis zehn Jahre im Barrique reifen, das laut Regle- chene Tradition und Kontinuität auch durch die ment nur aus zwei Arten von Eiche bestehen darf: Krisen der Weltgeschichte. Dazu gehören die dem grobporigen Limousin und dem feinporigen Französische Revolution von 1789, Napoleons

on der Kontinuität dieses Erfolgs zeugt auch der Unternehmenssitz: Schloss Bagnolet mit seinen eleganten Säulen, der großen T ­ errasse im weiten Garten liegt direkt am Ufer der ­Charente, die durch die Stadt Cognac fließt. Diesen zurückhaltenden Luxus verströmt auch der Fine de ­Cognac. Pur ist er ein überraschender, komplexer Digestif, der sich auch mit Eis und im Mix als Drink nicht aus der Ruhe bringen lässt. Er schmeckt mild, zugänglich und ein klein wenig fruchtig. Er ist ein Cognac, der Tradition atmet, zeitgemäß duftet und eine meditative Balance im Geschmack ent­ faltet. Was aus einem schlichten Weißwein alles werden kann.  >

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Fotos: Hennessy

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Um es mit einem Wort zu sagen: Leidenschaft. Denn genau die haben die Brauer der Bitburger Brauerei mit den Holsthumer Pflanzern gemeinsam. Über Jahre des intensiven Zusammenarbeitens führte dieser Drang nach Perfektion zur Kultivierung des Bitburger Siegelhopfens. Gereift auf dem bedeutendsten Anbaugebiet Rheinland-Pfalz’, darf er als zertifizierter Siegelhopfen verkauft werden und verleiht dem Bitburger Premium Pils seinen unverwechselbaren feinherben Charakter. Die Folge: echter, vollmundiger Pilsgeschmack. Der garantiert wird durch die ständige Kontrolle und die anschließende Verarbeitung des Holsthumer Rohhopfens durch unsere Braumeister. Dieses

Verfahren ist beim Bierbrauen deutschlandweit einzigartig – und damit ein Qualitätsmerkmal, auf das wir zu Recht stolz sind. Nicht zuletzt, weil es in Holsthum schon immer Tradition hatte, nur besten Hopfen anzubauen. Ihren Höhepunkt fand diese Passion 1977 mit der Verleihung des Hopfensiegels. Eine Auszeichnung, die es erst nach einer unabhängigen Kontrolle und bestandener Prüfung erlaubt, den Titel „Siegelhopfen“ offiziell führen zu dürfen. Seitdem wird in der Holsthumer Siegelhalle jeder Sack mit getrocknetem Hopfen vor Ort versiegelt und mit Angaben zu Anbaugebiet, Jahrgang und Sorte versehen. So verdient sich der Bitburger Siegelhopfen seinen Namen und sorgt

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Fine Ein Magazin für Wein und Genuss 3|2013