Page 1

ausgabe 06

juni 2017

fu t ur e das magazin der fh st. pĂślten

Der digitale Umbruch

Die Digitalisierung ändert unser Lernen, unsere Arbeit, unser Leben. Ăœber Chancen und Risiken der Vernetzung. Neuer Marketing-Lehrgang

Virtueller Dostojewski

Ethik im Internet


Editorial

Ein digitales Update Die Digitalisierung hat heute Einzug in sämtliche Lebensbereiche gehalten und wird auch in Zukunft unseren Alltag und die Berufswelt wesentlich beeinflussen. Diese Entwicklungen erfordern entsprechend ausgebildete Expertinnen und Experten. Daher haben zahlreiche unserer Studien- und Weiterbildungslehrgänge kürzlich ein „digitales Update“ erhalten: vom Master Studiengang Digital Media Management, der ab Herbst mit neuem Curriculum starten wird, bis hin zum ­Masterstudium Digitale Medientechnologien mit einer neuen Masterklasse zu ­Augmented & Virtual Reality. Ab Herbst 2017 haben wir mit dem Masterlehrgang Digital Marketing zudem ein neues einschlägiges Weiterbildungsangebot im ­Programm. Der Master Studiengang ­Digital Healthcare verbindet bereits seit 2015 digitale Technologien mit Aspekten

2 

fu t u r e · j u n i 2 0 17

der Gesundheit. Auch in der Forschung wird das Thema Digitalisierung intensiv bearbeitet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe von „future“ über aktuelle Projekte und Neuigkeiten der Fachhochschule St. Pölten und informieren Sie sich im Dossier über ­Chancen und Risiken der Digitalisierung und ihre vielfältigen Auswirkungen auf ­Bildung, Gesellschaft und Arbeitswelt! Dr. M. Gabriela Fernandes Dipl.-Ing. Gernot Kohl, MSc


I N H A L T

4 Aktuell

Neuigkeiten aus der Welt der FH St. Pölten

6 Die digitale Bibliothek

Aus dem Raum der Bücher wird ein Raum des Lernens

7 Digital Marketeers

Neuer Weiterbildungslehrgang

8 Dostojewski im virtuellen Raum

Das Projekt „Wearable Theatre“ untersucht Kunst und Storytelling

9 Citizen Science, Finanzwissen & YouTube-Stars Aktuelle Forschungsprojekte der FH St. Pölten

10 Von der Lehre ins ÖBB-Management

Wie Sandra Vincze die Weichen auf Aufstieg stellte

12 Helle Köpfe

Dossier: Digitalisierung 14 Der digitale Umbruch Von Big Data bis zu Robotern: Veränderungen und Hypes

19 Ist Digitalisierung die Lösung für alles? Expertinnen und Experten beziehen Stellung

20 „Wir sind an einem Wendepunkt“

Petra Grimm und Michael Litschka über Ethik im Internet

22 „Das Problem ist die Vernetzung“

Über den Kampf gegen Cyberkriminalität

23 Was bringt die Digitalisierung?

Über gute und weniger angenehme Erfahrungen mit Facebook & Co

26 Von Schoggi und Schweizer Chäs

Alexandra Kolm lehrte in Bern

27 Von Shanghai nach St. Pölten Der erste chinesische Gaststudent an der FH St. Pölten

28 Blitzlicht

24 Neue Tools für die Radiologie und lauschende Smartphones Projekte mit digitalen Technologien

25 Irgendwann spricht keiner mehr von Veränderung

Dauernd passiert was, aber nur nebenbei – ein Gastkommentar

Veranstaltungen an und mit der FH

30 Buchtipps 31 Auch da steckt FH drin   3


A K T U E L L

Internationaler Austausch

1.000 Studierende im Ausland Dolby Atmos

3D-Sound in Audiostudios Seit Anfang des Jahres nutzt die FH St. Pölten das neue 3D-Klang­ system Dolby Atmos in ihren Audiostudios für Unterricht und ­Forschung. Das System ermöglicht neue ­Dimensionen räumlicher, klanglicher ­Präsentationen. Das bestehende DolbyDigital-7.1-Surround-System wurde dazu um vier Lautsprecher an der Studiodecke erweitert. Kernstück sind Soft- und Hardwarekomponenten, die der Fachhochschule St. Pölten von der Firma Dolby ­kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die FH St. Pölten ist damit zukunftsweisend ausgestattet für die akustischen und gestalterischen Herausforderungen von Kino, 360°-Video und Augmented-/ ­VirtualReality-Umgebungen.

Kooperation

Erstmals Sozial­ pädagogik-Bachelor Gemeinsam mit der Saxion University of Applied Sciences im niederländischen Enschede bietet das Department Soziales ab diesem Jahr den Absolventinnen und Absolventen des akademischen Lehrgangs ­Sozialpädagogik einen praxisorientierten Bachelor-Abschluss im Fach Sozialpädagogik an, der in Österreich in dieser Form derzeit nicht möglich ist. Absolventinnen und Absolventen können sich in einem zusätzlichen vierten Jahr nach Abschluss des Lehrgangs dafür inskribieren. Die Lehrveranstaltungen finden in St. Pölten statt, die Prüfung in Holland.

Blick in die Zukunft: ein Modell des neuen Campus.

4 

fu t u r e · j u n i 2 0 17

Im Wintersemester verzeichnete die FH St. Pölten zwei Jubiläen im Bereich der Studierendenmobilität: Sophia Klöbl, Studentin im Bachelor­ studium Medientechnik, verbrach­te als insgesamt 1.000. Outgoing-­ Studierende ein Semester im Ausland, und zwar an der Leeds Beckett University in Großbritannien. Mit Dmitry Gusakov von der Moscow State University of Railway Engineering kam zudem der 500. Gaststudierende an die FH St. Pölten.

Holding und Privatuniversität

Ausbau der FH St. Pölten Der Ausbau der FH St. Pölten und die Gründung der Privatuniversität schreiten voran. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs, an dem zahlreiche in- und ausländische Architekturbüros teilgenommen haben, ist das Büro NMPB Architekten ZT GmbH Wien mit FCP GmbH, das auch schon das bestehende Gebäude geplant hat, als Sieger hervorgegangen. Im November 2016 wurde der Architekturentwurf für den „Campus der Zukunft“ öffentlich präsentiert. Im März und April folgten Notariatsakte zur ­Gründung einer Hochschulen St. Pölten Holding GmbH sowie der Privatuniversität.

Wissenschaftspreis

Ausgezeichnete Masterarbeiten Bei der letzten Verleihung der Wissen­schaftspreise der AK Niederösterreich waren unter den insgesamt neun Preisträgerinnen und -trägern vier Absolventinnen der FH St. Pölten. Lisa Gringl, Absol­ ventin des Masterstudiums Medien und Digitale Technologien, wurde für ihre Arbeit zum Thema Industrie 4.0 mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Doris Artner, Sandra Nietzsche und Jacqueline Staudinger, Ab­­solventinnen des Masterstudiums Soziale Arbeit, erhielten für ihre Abschlussarbeit zur MitarbeiterInnen(Un-)Zufriedenheit in der ­Sozialen Arbeit einen Sonderpreis.


A K T U E L L

Die Gewinner des Smart Engineering Award freuen sich über 1.000 Euro.

Firmenpartner

Neues Modul für Ressel-Zentrum Das Josef Ressel-Zentrum für ­konsolidierte Erkennung gezielter Angriffe im IT-Bereich auf Unter­ nehmen (TARGET) wird im dritten Jahr seines Bestehens erweitert: Hinzu kommt ein neues Modul, das von der Wiener SBA Research als externem Partner bearbeitet wird. Das Budget für die fünfjährige Laufzeit des Zentrums steigt damit von ca. 1,3 Millionen auf ca. 1,8 Millionen Euro. Neuer Partner im Zentrum ist zudem die Firma CyberTrap, eine Ausgründung des bisherigen Partners SEC Consult Unternehmens­ beratung GmbH. Finanziert wird das Zentrum vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) sowie den beiden Firmenpartnern IKARUS Security Software GmbH und CyberTrap/SEC Consult Unter­ nehmens­beratung GmbH. www.fhstp.ac.at/target

Würdigungspreis

Kindgerechte Lern-Apps FH-Absolventin Bibiana Bayer erhielt für ihre Diplomarbeit „Developing a Mobile Edutainment App for ­Children“ im Masterstudium Digitale Medientechnologien den Würdigungs­ preis 2016 des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Bayer er­forschte Um­­ setzungsmöglichkeiten und Lern­ faktoren bei Apps für Vier- bis Neunjährige sowie Usability-Richtlinien zum Berücksichtigen der Bedürfnisse von Kindern im Vor- und Volksschulalter. Für einen Usability-Test im Rahmen der Diplomarbeit hat Bayer eine Sprachlern-App für mobile ­Endgeräte mit Touchscreen selbst entwickelt. Betreut wurde die Arbeit von Kerstin Blumenstein.

Smart Engineering Award

Preis für schlaue TechnikerInnen Im März wurde zum ersten Mal der Smart Engineering Award der FH St. Pölten vergeben. Mit dem Preis prämiert der Studiengang Smart Engineering der FH St. Pölten Diplom- und Abschlussarbeiten von HTL-Schülerinnen und -Schülern zum Themenfeld „Produktion der Zukunft“. Als Gewinner gingen Teams des TGM Wien, der HTL Waidhofen an der Ybbs und der HTL St. Pölten hervor.

Staatspreis Digital Solutions

Eine Scheibe Realität Drei Medientechnikstudenten der FH St. Pölten entwickelten im Rahmen des Start-up-Programms „Creative pre-incubator“ unter dem Titel „A Slice of Reality“ ein interaktives Aufnahme- und Wiedergabesystem für 360°- bzw. Virtual-Reality-Videos. Das Projekt wurde im April mit dem Förderpreis beim Staatspreis Digital Solutions ausgezeichnet, der heuer erstmals vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft vergeben wurde. www.fhstp.ac.at/cpi

Felix Blasinger, Max Heil und Johannes Traun von der FH St. Pölten erhielten den Förderpreis Digital Solutions.

  5


A K T U E L L

Die digitale Bibliothek

Durch die Digitalisierung ändert sich auch die Rolle von Bibliotheken: Immer mehr Publikationen werden elektronisch angeboten, die Bibliothek als Raum der Bücher verliert damit zunehmend an Bedeutung. Service und Beratung sind heute Kernaufgaben. V O N

E V A

M A R C H H A R T

Ging es um die Beschaffung von Informationen, führte vor allem im wissenschaftlichen Bereich früher kein Weg an Bibliotheken vorbei: Im ana­ logen Zettelkatalog offenbarte sich, fein säuber­ lich und alphabetisch sortiert, das jeweilige In­ formationsangebot, das vor Ort sogleich genutzt werden konnte. Heute führt der Weg der Wiss­ begierigen zuerst an den Computer. Seit den 1990er-Jahren verfügen die meisten Bi­ bliotheken in Österreich über Onlinekataloge. Einige Jahre später wurden die ersten Zeit­ schriften vollständig elektronisch zugänglich gemacht. „In den 2000er-Jahren begannen die ersten Ver­ ­ lage, ihre wissenschaftlichen Zeit­ schriften zusätzlich zur Printversion auch elek­ tronisch für die Bibliotheken anzubieten“, er­ innert sich Christian Kieslinger, Leiter der Bibliothek der FH St. Pölten, zurück. „Etwa zehn Jahre später folgte die gleiche Entwicklung bei Büchern.“

Digital statt Print. Heute verfügt die Bibliothek der FH St. Pölten über rund 10.000 elektronische Zeitschriften-Abos, der Anteil an reinen Print-­ Zeitschriften sank auf zehn Prozent. Bezogen werden die elektronischen Zeitschriften in Pake­ ten über das Bibliothekskonsortium Österreich, an dem die FH St. Pölten beteiligt ist. Die Vor­teile für NutzerInnen liegen auf der Hand: Eine weit größere Auswahl an nationalen und internatio­ nalen Publikationen, eine einfachere Suche nach einzelnen Artikeln sowie die Möglichkeit, diese bequem von zuhause aus abzurufen. Für die ­Bibliotheken auf der anderen Seite bedeutet das 6 

fu t u r e · j u n i 2 0 17

ein attraktiveres Angebot für Kundinnen und Kunden, aber auch höhere Kosten, denn elektro­ nische Zeitschriften sind um ein Vielfaches teu­ rer als klassische.

Leichter publizieren. Über das nationale Biblio­ thekskonsortium ist die FH St. Pölten seit 2016 auch am Lizenzmodell „Springer Compact“ des Springer-Verlags beteiligt. Es bietet Zugriff auf über 2.000 Zeitschriften des Verlags und erleich­ tert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das Publizieren über Open Access. Bei diesem Modell zahlen nicht die LeserInnen für den Ar­ tikel, sondern Forschungseinrichtungen leisten einen finanziellen Beitrag an Verlage, damit die­ se die Texte frei zugänglich machen. „Open Ac­ cess ist eine wichtige Entwicklung, die vor allem die Forschung stärkt. Es unterstützt die Offen­ heit der Wissenschaft und den freien Zugang zu Open Access stärkt die Forschung, unterstützt die Offenheit der Wissenschaft und den freien Zugang zu Informationen aus der Forschung. Informationen aus der Forschung“, so Kieslin­ ger. Eine neue Software soll künftig endgültig den Weg hin zu einer „Bibliothek der Zukunft“ sichern: „Alma“ läutet eine neue Generation von Bibliotheksverwaltungssystemen ein, die nicht mehr lokal vor Ort, sondern in einer Cloud-Um­ gebung bereitgestellt werden. 14 Institutionen werden bis 2018 auf die neue Software umstei­ gen, darunter die FH St. Pölten als einzige Fach­ hochschule.


A K T U E L L

Digital Marketeers Im Herbst startet ein neuer Weiterbildungslehrgang zu Digital Marketing. A ­ bsolventinnen und Absolventen steht eine Karriere in den boomenden Bereichen E-Commerce und Online-Marketing offen. Die neue, digitalisierte Kommunikationswelt verlangt heute nach entsprechendem Know-how zur zielgerichteten Ansprache von Kundinnen und Kunden. Die FH St. Pölten bietet ab dem Wintersemester 2017/18 ein maßgeschneidertes Ausbildungsangebot für eine Karriere in der dy­ namischen Online-Marketing-Branche und der wachsenden E-Commerce-Vermarktung.

Vom Informations- zum Lernort. Mit der Digita­

lisierung hat sich die Rolle der Bibliothek einem grundlegenden Wandel unterzogen. War die Bi­ bliothek früher ein Informationsbeschaffungs­ ort, so wird sie heute vielmehr als geschützter Lern- und Aufenthaltsort genutzt. „Die Biblio­ thek als Ort, an dem in Büchern recherchiert und gearbeitet wird, verliert zunehmend an Bedeu­ tung. Die Aufgaben von Bibliotheken sind aber vielfältig, und viele dieser Aufgaben können nicht durch das Internet ersetzt werden – etwa die Unterstützung bei der Bewältigung der In­ formationsflut“, so Kieslinger. So schafft die FH St. Pölten mit Service und Beratung einen wichtigen Mehrwert. Neben Recherche-Semina­ ren sind heute auch Schulungen im Bereich Ur­ heberrecht gefragt – denn durch die Digitalisie­ rung eröffnen sich mit illegalen Downloads, Plagiaten und Urheberrechtsverletzungen auch neue Handlungsfelder.

Die Bibliothek ist heute vor allem ein Lern- und Aufenthaltsort.

Der Lehrgang „Digital Marketing“ wird als aka­ demischer Lehrgang mit drei Semestern oder als viersemestriger Masterlehrgang angeboten. Beide Varianten sind berufsbegleitend organi­ siert, gelehrt wird in berufsfreundlichen Block­ einheiten. Die Studierenden gewinnen direkten Einblick in Möglichkeiten, wie Digital Marke­ ting im Marketing-Mix bzw. in der Omni-Chan­ nel-Vermarktung eingesetzt werden kann. Zu­ sätzlich können sie das erworbene Wissen im Rahmen von Praxisprojekten für Unternehmen anwenden. Lehrgangsleiter Harald Rametsteiner blickt dem Start mit Vorfreude entgegen: „Unser Lehrgang ist die umfassendste Weiterbildung in Digital Marketing für eine Karriere im Online-Marke­ ting. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist der mögliche Master-Abschluss, welcher innerhalb von vier Semestern erreicht werden kann.“ Die Inhalte des Lehrgangs sind mit den unter­ stützenden Fachverbänden Internet Advertising Bureau (IAB) und Handelsverband abgestimmt. Das sichert eine praxisorientierte Weiterbildung für eine berufliche Entwicklung in der Fach­ branche.   7


F O R S C H U N G

&

P R A X I S

Dostojewski im virtuellen Raum Das Kunstforschungsprojekt „Wearable Theatre“ d e r F H S t . P ö l t e n u n t e r s u c h t L i t e r a t u r, S t o r y t e l l i n g u n d Medienkunst auf ihre Potenziale im virtuellen Raum. V O N

M A R K

Das Forschungs- und Kunstprojekt „Wearable Theatre. The Art of Immersive Storytelling“ von den Autoren Markus Wintersberger und Marcus Josef Weiss untersucht „Virtual Reality“ (VR) auf ihr dramatisches, narratives und strukturelles Potenzial. Ziel ist das Erschließen und Nutzen des 360°-VR-Mediums als Erlebnisform für litera­ rische Stoffe. Als Ausgangspunkt der Unter­ suchungen wurden Autoren mit existenziell at­ mosphärischem Erzählton ausgewählt: Fjodor M. Dostojewski, Albert Camus und Max Frisch. Figuren und Szenen der Romane „Die Dämonen“, „Der Fall“ und „Homo Faber“ werden in ein 360°-VR-Script übersetzt. Ein interdisziplinäres Team aus Autorinnen und Autoren sowie aus den Bereichen Regie, Medienkunst, Schauspiel, Dra­ maturgie, Komposition und Medientechnik er­ forscht in diesem dreijährig angelegten For­ schungslabor die Zusammenhänge zwischen Kunst und Technologie, Immersion (Eintauchen in VR) und Empathie sowie virtueller Realität und Literatur.

Tragbares Theater. Das Forschungsprojekt struk­

t­ uriert und durchleuchtet ästhetische Variablen in zwölf experimentellen Schritten, wobei jedes Experiment auf einen spezifischen Erlebnis­ aspekt von 360°-VR fokussiert. Die Erzählperspek­ tiven der ausgewählten literarischen Sequenzen werden mit den ästhetischen Variablen kombi­ niert, mit dem Ziel, die visuellen, akustischen und atmosphärischen Möglichkeiten von 360°-VR in ihrem vollen Potenzial dramatisch zu nutzen. Vom literarischen und medienkünstlerischen Gesichtspunkt aus betrachtet, sollen die ge­ ­ wonnenen Informationen laut Projektleiter und FH-­Dozent Wintersberger neue Perspektiven und Erzählmuster von VR-Dramaturgien erschließen und somit Anstoß zu einer eigenständigen

8 

fu t u r e · j u n i 2 0 17

H A M M E R

künstlerischen Ausdrucks-, Wahrnehmungs- und Erlebnisform werden – der Erlebnisform eines Wearable Theatre. Die Forschungsarbeiten sollen in regelmäßigen Abständen durch wissenschaft­ liche Symposien begleitet und international kommuniziert werden. www.fhstp.ac.at/wearabletheatre Das Projekt „Wearable Theatre“ wird im Rahmen des Programms zur Entwicklung und Erschließung der Künste (PEEK) durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanziert. Nationaler Forschungspartner des Projektes ist das OAA-Wien Konservatorium für Schauspiel.

Marcus Josef Weiss, Autor und Regisseur, Abteilungsleitung „Schauspiel für visuelle Medien“ am OAA-Wien Konservatorium für Schauspiel: „Die Kreation spezifischer Erzähl­muster für VR-Erfahrungen ist für Autorinnen, Autoren und Regie ein weites Feld unerforschter ­Möglichkeiten und die Literarizität für VR-Content wird sich eher am Roman als am Drama orientieren.“ Mag. Eva Fischer, Produktionsleitung „Diagonale. Festival des österreichischen Films Graz“ und Leiterin des Festivals sound:frame: „Aktuell stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß VR für den Film und damit die Filmindustrie interessant ist und werden kann, sowie inwieweit der Film auf technologische Entwicklungen und den Markt reagieren muss.“ FH-Prof. Dipl.-Ing. Hannes Raffaseder, Prokurist der FH St. Pölten: „Mit ‚Wearable Theatre‘ sind wir in einer einzigartigen Förderschiene an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft vertreten. Das Vorhaben schließt an jahre­ lange Erfahrung an der FH St. Pölten im Bereich Kunst und Medientechnik an.“


F O R S C H U N G

&

P R A X I S

Feldforschung auf der Frankfurter Buchmesse Citizen Scientists arbeiten an ethno­ graphischem Projekt mit. Am Projekt „Inside Trading Cultures“ (dt.: „Innensicht von Handelskulturen“) der FH St. Pölten können sich BürgerInnen an sozialwissenschaftlicher Forschung auf der Frankfurter Buchmesse 2017 beteiligen. Das Projekt untersucht die Rolle und Bedeutung von jährlich stattfindenden internationalen Handelsmessen im globalen Buchmarkt. Ziel ist eine „Ethnographie aus unterschiedlichen Perspektiven“. Zentraler Bestandteil des Projekts ist die Feldforschung auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2017 mit einem Team aus neun Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie drei Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern des Instituts für Medienwirtschaft der FH St. Pölten. Am Projekt sollen Männer und Frauen mit unterschiedlichem

Vorwissen, Alter und Hintergrund teilnehmen. Das Projekt erweitert durch deren Einbinden die Sichtweisen und Deutungen der beteiligten ForscherInnen um Perspektiven von Bürgerinnen und Bürgern, die an Literatur und dem Handel mit Büchern interessiert sind. Den beteiligten Personen wird exklusiver Einblick in üblicherweise nicht zugängliche Bereiche des Alltags und der Kultur des internationalen Handels von Buchrechten und -lizenzen ermöglicht.

Das Team besteht aus neun Citizen ­Scientists sowie drei Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern.

https://mitforschen.fhstp.ac.at Das Projekt „Inside Trading Cultures“ wird vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) im Rahmen des Programms „Top Citizen Science“ gefördert.

Finanzwissen verbessert die Pension

Auf YouTube die Stars von morgen finden

Eine Studie der Fachhochschule St. Pölten und der Hochschule Luzern untersuchte ­Pensionsvorsorge und Anlageverhalten.

Daten aus Sozialen Medien sollen für die Musikindustrie nutzbar gemacht werden.

Eine Studie der FH St. Pölten und der Hochschule Luzern hat untersucht, wie sich Finanzkompetenz (Financial Literacy) auf Pensionsvorsorge und Anlageverhalten in Österreich und der Schweiz auswirkt: Wer besser über Finanzthemen Bescheid weiß, sorgt für die Pension eher vor. Die Ergebnisse zeigen auch, dass SchweizerInnen im Vergleich zur österreichischen Bevölkerung über mehr Finanz­ wissen verfügen und besser für die Zeit nach dem Erwerbsleben vorsorgen. Unter Financial Literacy versteht man das Verständnis von Finanzprodukten und Finanzmärkten. Frauen, junge Menschen und Menschen mit geringem Einkommen und niedrigerer Bildung schneiden laut der Studie beim Finanzwissen schlechter ab. Ältere Menschen planen eher vor als jüngere. Eine Ausnahme der Regel bilden ausgerechnet Angestellte des Finanzsektors: Sie wissen auf diesem Gebiet zwar besser Bescheid als andere Beschäftigte, treffen aber dennoch nicht häufiger Maßnahmen zur privaten Pensionsvorsorge.

Besuchte Musikvideos auf YouTube, herunter­ geladene Musikdateien und Kommentare zu Musikerinnen und Musikern auf Facebook und Twitter: ­Soziale Medien bieten eine Menge an Information, die für die Musikindustrie wertvoll sein kann, um die Beliebtheit von Künstlerinnen und Künstlern zu beurteilen, den Musikgeschmack der Menschen einzuschätzen oder die Stars von morgen ausfindig zu machen. Doch die Daten sind meist unstrukturiert, verteilt und schwer bzw. nur mit großem ­Aufwand zugänglich. Im Projekt SAMBA (Smart Data for Music Business Administration) erforschen ­W issenschaftlerInnen der Departments Medien und Wirtschaft sowie Medien und Digitale Technologien der FH St. Pölten, wie Daten aus Sozialen Medien bestmöglich für die Musikindustrie genutzt werden können. Die ForscherInnen entwickeln dazu ­kontextbasierte Analysemethoden und Verfahren zur Datenvisualisierung.

Studie: T. Aubram, M. Kovarova-Simecek, G. Wanzenried (2017). “Financial Literacy and Pension Planning – A Comparative Study for Austria and Switzerland.” SSRN Electronic Journal. Download: http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.2892726

www.fhstp.ac.at/samba Das Projekt SAMBA wird vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft im Rahmen der COIN-Programmlinie „Aufbau“ finanziert.

  9


I N

D E R

P R A X I S

Von der Lehre ins ÖBB-Management

Zuerst kam das Interesse am „System Bahn“, im zweiten Bildungsweg dann das Studium an der FH St. Pölten. Wie Sandra Vincze die Weichen auf Aufstieg stellte. V O N

E V A

Ein typischer Arbeitstag im Leben von Sandra Vincze? „Den gibt es nicht wirklich“, schmunzelt die 39-jährige Absolventin des Bachelor Studien­ gangs Bahntechnologie und Mobilität. Sandra Vincze ist seit 2005 bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) tätig, im vergangenen Jahr gelang ihr der Karriereschritt zur Teamkoordi­ natorin im Geschäftsbereich Netzzugang. „Mich erwarten jeden Tag sehr vielfältige Aufgaben, die ein hohes Maß an Flexibilität erfordern. Neben meiner Tätigkeit als Teamkoordinatorin sind meine Fähigkeiten im Bereich Projektmanage­ ment sowie in der betrieblichen Analyse gefragt.“

Über Umwege zur Bahn. Eine Karriere im Bahn­ wesen war für Sandra Vincze aber keineswegs vorprogrammiert. Mit 15 Jahren verließ sie die Schule und begann eine Lehre zur Druckvorstu­ fentechnikerin. „Ich habe mich damals ganz be­ wusst für einen eher männerdominierten Beruf entschieden. Ich liebe Herausforderungen und wollte meinem Interesse im technischen Bereich nachgehen“, erzählt die Niederösterreicherin. Da ihr nach dem Berufswechsel zur technischen Scanner-Operatorin die Außendienste allmäh­ lich zu viel wurden, wechselte sie ins Bundes­ ministerium für Verkehr, Innovation und Tech­ nologie, wo sie im Kabinett des damaligen Vizekanzlers Hubert Gorbach als Assistentin für verschiedene Fachreferenten tätig war. „Ich ar­ 10 

fu t u r e · j u n i 20 17

M A R C H H A R T

beitete dort unter anderem auch für den Fachre­ ferenten Verkehr & Schiene. So kam ich erstmals näher mit dem Bahnwesen in Kontakt und ent­ wickelte zunehmend Interesse für diesen Be­ reich.“

Weichenstellung zum Geburtstag. 2005 ergriff

Sandra Vincze die Chance, in die ÖBB Infrastruk­ tur Bau AG zu wechseln. Als Assistentin des Ge­ samtprojektleiters für den Bau des neuen Wiener Hauptbahnhofs sammelte sie wertvolle Erfah­ rungen. Später war sie einige Jahre lang im Vor­ standsbereich der ÖBB Infrastruktur AG tätig. „Dort hat sich mein Interesse am ‚System Bahn‘ endgültig manifestiert. So fasste ich damals an meinem 30. Geburtstag den Entschluss, die Matura nachzuholen, und startete danach mit dem berufsbegleitenden Bachelorstudium an der Fachhochschule St. Pölten.“

Balanceakt. Arbeit, Studium, Hobbys und Fami­ lie unter einen Hut zu bekommen, war für die ausgebildete Hundeführerin dabei die größte He­ rausforderung. „Anfangs war es nicht leicht, die richtige Balance zu finden – niemanden zu ver­ nachlässigen und trotzdem zielorientiert zu blei­ ben und mein Studium so rasch wie möglich ab­ zuschließen“, schildert Vincze ihre Erfahrungen. An der FH konnten sie und ihre Kommilitonin­ nen und Kommilitonen die Termine für Prüfun­


I N

D E R

P R A X I S

FH-Absolventin Sandra Vincze ist Teamkoordinatorin Netzanalyse bei den ÖBB.

gen und Exkursionen mitbestimmen und diese daher bestmöglich an Urlaubszeiten anpassen. Und auch aufseiten ihres Arbeitgebers erfuhr Sandra Vincze die nötige Unterstützung und Fle­ xibilität. „Ich habe Lehrveranstaltungs- und Prü­ fungstermine immer möglichst frühzeitig mit meinem Arbeitgeber abgestimmt, so hat der Spa­ gat zwischen Beruf und Studium gut funktio­ niert“, resümiert die FH-Absolventin. „In dieser Phase lernte ich vor allem Zeitmanagement und Selbstorganisation – das, gemeinsam mit Pro­ fessionalität und Lernbereitschaft, war in dieser Zeit unverzichtbar. Diese Fähigkeiten kommen mir noch heute zugute.“

Anfangs war es nicht leicht, die richtige Balance zu finden – niemanden zu vernachlässigen und trotzdem zielorientiert zu bleiben und mein Studium so rasch wie möglich abzuschließen. Fachlich war das FH-Studium für Sandra Vincze die größte Bereicherung – und Basis für ihren späteren Karriereweg. „Durch das Studium habe ich einen Gesamtüberblick über das System Bahn bekommen und mir das nötige technische Wis­ sen und Verständnis angeeignet. Wir hatten während der Ausbildung zudem die Möglichkeit, wichtige Netzwerke in der Branche aufzubauen. Durch das Studium und meine Zielstrebigkeit

habe ich es im letzten Jahr geschafft, in die Füh­ rungsebene bei den ÖBB einzusteigen“, erzählt die FH-Absolventin stolz.

Weiter auf der Karriereleiter. Ihr heutiger Job als Teamkoordinatorin Netzanalyse im Bereich Kapazitätsmanagement bei den ÖBB begeistert sie jeden Tag aufs Neue. „Durch die Vielseitigkeit meiner Tätigkeiten kann ich mir täglich Wissen aneignen. Die größte Herausforderung ist für mich, stets professionell und auf sachlicher ­Ebene zu bleiben, egal wie sehr mich ein Thema emotional einnimmt.“ Ihrer beruflichen Zukunft sieht die Bahnexpertin positiv entgegen – und sie fühlt sich noch lange nicht am Ende der Karriereleiter. „Weiterent­ wicklung und Wissen sind für mich das Um und Auf. Daher möchte ich auch in Zukunft an ­Weiterentwicklungsprogrammen teilnehmen. In zehn Jahren möchte ich meine Fähigkeiten bei Führungsaufgaben so weit entwickelt haben, dass die Weichen für Aufstiegsmöglichkeiten in eine gezielte Richtung gestellt sind.“

  11


H E L L E

K Ö P F E

01

02

01

03 Katharina Visur

Eine Frage der Beziehung

03

04

Katharina Visur, Absolventin des Master Studiengangs Media- und Kommunikationsberatung, wurde für ihre Masterarbeit zum Thema „Kundenbeziehungstypen im E-Commerce“ vergangenes Jahr mit dem Alfred Gerardi Gedächtnispreis ausgezeichnet. Der Preis wurde im Rahmen des 11. Wissenschaftlichen Kongresses für Dialogmarketing des Deutschen Dialogmarketing Verbands in Wiesbaden vergeben. Er gilt als bedeutendster Nachwuchs-Wettbewerb der Direktmarketingbranche. Visurs Arbeit untersuchte die verschiedenen Kundenbeziehungstypen unter den Wiener Studierenden und welche Unterschiede zwischen ihnen bestehen. „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und sehe sie als Ehre und gleichzeitig auch als besondere Chance an, um in der Dialogmarketingbranche zukunftsweisende Kontakte zu knüpfen sowie Erfahrungen zu sammeln“, so die Absolventin.

02

Andreas Jakl

Logistik als 3D-Projektion Gemeinsam mit seinem Team gewann FH-Dozent Andreas Jakl den Preis der European Space Agency (ESA) beim Wettbewerb Junction in Helsinki, Europas größtem Hackathon. Jakl entwarf für den Wettbewerb eine holografische 3D-Projektion für die HoloLens von Microsoft. Damit können Transportwege in der Papierindustrie aufgrund von Simulationen der Transportbedingungen optimiert und visualisiert werden. Das ermöglicht bessere Termintreue bei Lieferungen und dadurch enorme Kostenersparnisse. Andreas Jakl arbeitet seit 2004 mit mobilen Apps und ist seit 2017 Dozent an der FH St. Pölten im Studiengang Digital Healthcare und am Institut für Creative\Media/Technologies.

12 

fu t u r e · j u n i 2 0 17

David Wind

Erfolgreicher Netflix-Hacker Einen großen Erfolg im Bereich der Internet-Sicherheit kann David Wind, Student im Master Studiengang Information Security, verbuchen: Er hat eine Möglichkeit gefunden, wie das Passwort von ­Nutzerinnen und Nutzern des Video-on-Demand-­ Anbieters Netflix mittels Voicemail-Hacking zurückgesetzt werden kann, sodass sich Hacker Zugriff auf einen fremden Account verschaffen können. „Zur Passwort-Rücksetzung wird ein sechsstelliger Code benötigt, der per E-Mail, SMS oder als virtueller Anruf übermittelt wird. Entscheidet man sich für den Anruf und wird dieser nicht angenommen, wird er auf die Voicemail umgeleitet und dort gespeichert. Dass manche Mobilfunkanbieter anfällig sind für Voicemail-Hacking, ist ein bekanntes Problem“, so Wind. Der FH-Student hat das Problem erkannt und bei Netflix gemeldet. Dank der Information konnte das US-amerikanische Unternehmen die Systemschwachstelle mittlerweile beheben.

04

Lisa Gringl

Mit Industrie 4.0 zum Innovationspreis Die Arbeiterkammer Niederösterreich vergab bereits zum elften Mal den Wissenschaftspreis an junge AkademikerInnen. Lisa Gringl, Absolventin des ­Master Studiengangs Medien und Digitale Technologien, wurde für ihre Master-Thesis zum Thema „Mobile Interfaces and Concepts for Decentralized Distribution of Human Resources in Industry 4.0“ mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Die Arbeit, die in englischer Sprache verfasst wurde, beschäftigt sich mit mobilen Benutzeroberflächen und ­Konzepten für mobile Assistenten in der modernen, IT-gestützten industriellen Produktion, der sogenannten „Industrie 4.0“. Lisa Gringl erarbeitete dafür eine Bedarfsanalyse für mobile Assistenzsysteme im Industriebereich und erstellte ein benutzer/innenfreundliches Konzept und Design, basierend auf Cloud-Applikationen.


D I G I T A L I S I E R U N G

Dossier: Digitalisierung 14 Coverstory Der digitale Umbruch 19 Wörtlich genommen Ist Digitalisierung die Lösung für alles? 20 Ethik im Internet „Wir sind an einem Wendepunkt“ 22 Cyberkriminalität „Das Problem ist die Vernetzung“ 23 Ihre Meinung Was bringt die Digitalisierung? 24 Projekte Neue Tools für die Radiologie und lauschende Smartphones 25 Blick von außen Irgendwann spricht keiner mehr von Veränderung

Die Zukunft ist jetzt Digitalisierung verändert die Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Menschen, Hochschulen und Wirtschaft können sich dem nicht entziehen. Eine zunehmend digitale Welt bringt Chancen und Risiken, vom vereinfachten Zugang zu Information und neuen Formen der Kommunikation über virtuelle Welten und innovative Geschäfts- und Lehrmethoden bis zu IT-Angriffen und ethischen Herausforderungen. Die Fachhochschule St. Pölten bietet mit ihrem Studien- und Weiterbildungsangebot aktuelle und praxisnahe Ausbildung für zukünftige Expertinnen und Experten der Digitalisierung und trägt mit den Aktivitäten ihrer Forschungsinstitute maßgeblich zur technischen Entwicklung und begleitenden Forschung rund um digitale Innovationen bei. Das Dossier des aktuellen FH-Magazins „future“ durchleuchtet Aspekte der Digitalisierung. Die Coverstory betrachtet die Auswirkungen der Digitalisierung auf Wirtschaft, Wissenschaft, Lehre und Alltag. Statements gehen der Frage nach, ob Digitalisierung die „Lösung für alles“ sein kann und wo ihre Potenziale und Herausforderungen liegen. Aspekte der Medienethik und digitaler Kommunikationsformen werden ebenso vorgestellt wie jene der IT-Sicherheit und des Einsatzes von digitalen Technologien im Gesundheitswesen. FH-Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Aigner, MSc Leiter des Instituts für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten FH-Prof. Mag. Dr. Tassilo Pellegrini FH-Dozent am Department Medien und Wirtschaft der FH St. Pölten

13


D I G I T A L I S I E R U N G

Der digitale Umbruch

M e h r a l s n u r Te c h n i k : D i e D i g i t a l i s i e r u n g ä n d e r t u n s e r L e r n e n , u n s e re A r b e i t , u n s e r L e b e n . D o c h Vo r s i c h t v o r H y p e s : So wird auch Big Data die klassische Wissensproduktion nicht ersetzen können. V O N

M A R K

Selbstfahrende Autos, Roboter im Haushalt, In­ ternetkriminalität und Fakenews: Es gibt kaum einen Lebensbereich, der heute nicht ansatz­ weise digitalisiert ist. Auch die Arbeitswelt ist im Umbruch: Neue Informations­, Kommunika­ tions­ und Medientechnik verändert das Verhält­ nis von Menschen zu Maschinen. Prozesse der industriellen Produktion werden zunehmend vernetzt, automatisiert und digitalisiert. Laut Franz Fidler, Leiter des dualen Studienganges Smart Engineering of Production Technologies and Processes an der FH St. Pölten, ist die Indus­ trie 4.0 ein sozio­technisches System: Neue Tech­ nologien, die Art, wie Menschen arbeiten und wie Organisationen und Firmen damit umgehen, hängen eng zusammen. Die Entwicklung zur In­ dustrie 4.0 fügt sich in eine Reihe bisheriger Transformationen im Produktionsbereich: „Digi­ talisierung der Arbeit ist derzeit ein Hype­Thema. Doch wenn man Digitalisierung als Internetnut­ zung versteht, dann ist die Arbeitswelt schon lan­ ge davon durchzogen“, sagt Linda Nierling vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Sys­ temanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für ˇas Technologie (KIT). Ähnlich sieht es Johann C vom Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaf­ ten: „Industrie 4.0 ist das Fortführen von Auto­ matisierungs­ und Vernetzungstendenzen, die seit Jahrzehnten stattfinden.“ Studien zur Aus­ wirkung auf die Zahl der Arbeitsplätze sind wi­ dersprüchlich – von Verlusten bis zu Zunahmen reicht die Bandbreite. Zwei Sichtweisen dominie­

H A M M E R

ren laut Fidler die Diskussion um Arbeitsplatz­ effekte durch die digitale Produktion: Bei der ers­ ten würden Menschen an Maschinen nur noch Bedienoberflächen verstehen müssen, jedoch nicht die Prozesse dahinter. Die Arbeitswelt wäre zweigeteilt in jene, die Geschäftsmodelle entwi­ ckeln und gut ausgebildet sind, und jene, die mit einer verkürzten Ausbildung nur noch ausfüh­ ren. Das zweite Modell geht davon aus, dass Mit­ arbeiterInnen auf allen Ebenen in die Technik eingreifen und tiefergehendes Wissen haben müssen. Dies würde eine höhere Ausbildung für alle nötig machen. „Es wird beides passieren. Es wird keine Entweder­oder­Entscheidung sein“, sagt Fidler. Firmen suchen laut Fidler Mitarbei­ terInnen, die das Unternehmen in eine digitale

Digitalisierung braucht begleitende Maßnahmen. Der Mensch sollte dabei immer im Mittelpunkt stehen. Ing. Mag. Johann Cˇas, Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Zukunft führen können. In Projekten erhebt die FH St. Pölten das Angebot der einschlägigen Bildungsangebote in Österreich und vergleicht dieses mit dem Bedarf der Wirtschaft oder berät regionale Unternehmen, um deren Wettbewerbs­ fähigkeit im digitalen Zeitalter zu stärken.

Digitale Hochschule. Digitalisierung bietet auch Chancen und Herausforderungen für Hochschu­ len. Das deutsche Hochschulforum Digitalisie­ Fortsetzung auf Seite 16

14

fu t u r e · j u n i 20 17


D I G I T A L I S I E R U N G

Digital im Museum unterwegs

Auf voraussichtlich

44

Zettabyte oder 44.000.000.000.000.000.000.000 Byte wird das weltweite Datenvolumen bis zum Jahr 2020 wachsen – und wäre damit ähnlich umfangreich wie die Anzahl aller Sterne des Universums. Quelle: www.digital-ist.de/aktuelles/ zahlen-des-monats.html

Smartphones, Touchscreens und Hologramme könnten Museumsbesuche zum digitalen und multimedialen Erlebnis werden lassen. So könnten etwa auf Tablets Bücher durchgeblättert werden, die aus Schutzgründen von Besucherinnen und Besuchern nicht berührt werden dürfen. Oder auf das Skelett eines Dinosauriers ließen sich mit Virtual und Augmented Reality Fleisch und Haut projizieren. Im Projekt MEETeUX (Multi-Device Ecologies Towards Elaborate User Experience) entwickelt die FH St. Pölten unter der Leitung von Markus Seidl, Leiter des Instituts für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten, derzeit Ansätze und Lösungen für eine solche Form der Ausstellungsgestaltung. Im Zentrum steht dabei Forschung an der Schnittstelle von Mensch und Maschine: zum Interaktionsdesign und dem Erlebnis für NutzerInnen. PartnerInnen im Projekt sind mehr als zehn Museen sowie AnbieterInnen von Museumsinstallationen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft im Rahmen der COINProgrammlinie „Aufbau“ über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG. www.fhstp.ac.at/meeteux

Mehr als

4

Mrd. Menschen weltweit, fast 60 Prozent der Weltbevölkerung, haben keinen Zugang zum Internet.

5 50

Mrd. Geräte, zum Beispiel Kaffeemaschinen, Autos, Gesundheitsmessgeräte oder Wecker, werden bis zum Jahr 2020 an das Internet angeschlossen sein. Quelle: www.digital-ist.de/aktuelles/ zahlen-des-monats.html

Quelle: Weltbank, zitiert in http://derstandard.at/2000029034304/42-Milliarden-Menschen-weltweitohne-Internet 15


D I G I T A L I S I E R U N G

rung hat 20 Thesen und einen Bericht zur Digita­ lisierung der Hochschulbildung veröffentlicht. Hochschulen sollten Digitalisierung strategisch nutzen und den digitalen Wandel aktiv gestal­ ten. Der Einsatz von digitalen Medien mache fle­ xibles Studieren möglich und unterstütze inter­ aktive Lehr­ und Lernmethoden sowie team­ und länderübergreifende Zusammenarbeit. Praxisre­ levante Kompetenzen, wie die Fähigkeiten, kom­ plexe Probleme zu lösen und selbstorganisiert in heterogenen Teams zu arbeiten, würden so ge­ fördert. Organisation und Lehre an Hochschulen würden zunehmend arbeitsteilig organisiert werden, viele Hochschulen seien jedoch auf die lehrunterstützenden Aufgaben noch nicht vorbe­ reitet. Vor allem Datenschutz und Urheberrecht seien anzupassen. Die österreichische Bundesre­ gierung hat eine Digital Roadmap erstellt, die in zwölf Handlungsfeldern circa 150 Maßnahmen beschreibt, um Österreich erfolgreich in eine di­ gitale Zukunft zu führen. Als zweites von zwölf Leitprinzipien steht in der Roadmap: „Digitale Bildung soll möglichst früh beginnen. Kein Kind soll ohne digitale Kompetenzen die Schule verlas­ sen.“ Teilhabe an der Gesellschaft setze in Zu­ kunft digitale Kompetenzen voraus und digitale Medienkompetenz werde zum Bestandteil der Grundbildung werden. Dazu gehöre auch der kritische und reflektierte Umgang mit neuen Technologien. Fach­ und berufsbezogene Quali­ fikationen in den wesentlichen IT­Entwicklungs­

Datenbergen die Komplexität komplett nehmen zu wollen, ist der falsche Ansatz. Dann besteht die Gefahr der Übersimplifikation. Man muss Zugänge zur vorhandenen Komplexität schaffen, um sie handhabbar und verständlich zu machen. FH-Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Aigner, MSc, Leiter des Instituts für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten

bereichen müssten gestärkt werden und ein Schlüsselfaktor sei die Aus­ und Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen. Mehrere Pro­ jekte der FH St. Pölten untersuchen, wie digitale Technologien in der Lehre eingesetzt werden können. „Die Lernräume der Zukunft werden nicht nur in vier Wänden und Gebäuden liegen.

Virtuelles Lernen „Die Lernräume der Zukunft werden nicht nur in vier Wänden und Gebäuden liegen. In den realen Raum werden virtuelle Objekte eingebunden. Dadurch ändern sich Lernen und Lehren stark.“ FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Franz Fidler, Leiter der Studiengänge Smart Engineering of Production Technologies and Processes sowie Digitale Medientechnologien an der FH St. Pölten

Hype oder echte Neuerung? „Digitalisierung der Arbeit ist derzeit ein Hype-Thema. Doch wenn man Digitalisierung als Internetnutzung versteht, ist die Arbeitswelt schon lange davon durchzogen.“ Dr. Dipl.-Umweltwiss. Linda Nierling, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

In den realen Raum werden virtuelle Objekte eingebunden. Dadurch ändern sich Lernen und Lehren stark“, sagt Fidler.

Big Data in der Wissenschaft. Digitalisierung und Big Data, also der Zugang zu großen Daten­ mengen und die Möglichkeit, diese zu verar­ beiten, gelten als große Hoffnung zum Finden neuer Erkenntnisse. Informationen, die bisher verstreut waren, können vernetzt und mit neuen technischen Möglichkeiten automatisiert analy­ siert werden. Doch ganz so einfach sei dies nicht, erklärt Wolfgang Aigner, Leiter des Instituts für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten. „Datenbergen die Komplexität komplett nehmen zu wollen, ist der falsche Ansatz. Dann besteht die Gefahr der Übersimplifikation. Man muss Zu­ gänge zur vorhandenen Komplexität schaffen, um sie handhabbar und verständlich zu machen“, sagt Aigner. Er nutzt das Verfahren der Daten­ visualisierung, um in großen Datenmengen Mus­ ter zu erkennen, und verwendet einen Ansatz, den er „Human­in­the­loop“ nennt: Hinter auto­ matischen Analysen stehen immer Menschen, die die automatischen Verfahren steuern und Fortsetzung auf Seite 18

16

fu t u r e · j u n i 20 17


D I G I T A L I S I E R U N G

Studienangebot rund um Digitalisierung an der FH St. Pölten Medienmanagement (BA) / Digital Media Management (MA) Ausbildung für eine Karriere in digitalen (Medien-)Unternehmen. Ab dem Studienjahr 2017/18 wird das Studium Digital Media Management einen stärkeren Fokus auf den Bereich Digital Business legen. Medientechnik (BA) / Digitale Medientechnologien (MA) Kompetenzen in Audio- und Videoproduktion, Grafik und Layout, Web-Technologien und Fotografie. Das Masterstudium Digitale Medientechnologien bietet ab dem kommenden Wintersemester die neue Masterklasse „Augmented & Virtual Reality“ an. Smart Engineering of Production Technologies and Processes (BA) In enger Kooperation mit Unternehmen bildet der duale Studiengang Smart Engineering für die „Industrie 4.0“ aus. IT Security (BA) / Information Security (MA) Studienangebot der FH St. Pölten im Bereich IT-Sicherheit. Digital Healthcare (MA) Thema des Studiums ist die interdisziplinäre Gestaltung von Innovationen im Gesundheitswesen.

Die Studiengänge Media- und Kommunikationsberatung (BA / MA), Bahntechnologie und Mobilität (BA), Bahntechnologie und Management von Bahnsystemen (MA), Diätologie (BA), Gesundheits- und Krankenpflege (BA) sowie Physiotherapie (BA) widmen sich in ihren Curricula Aspekten der Digitalisierung und sind immer wieder an digitalen Entwicklungen beteiligt, zum Beispiel bei mobilen Anwendungen für einen Fachbereich. Das Department Soziales (Studiengänge Soziale Arbeit, BA / MA) untersucht bei vielen Projekten die Akzeptanz der Menschen gegenüber der neuen Technik. Weiterbildungslehrgänge Mehrere Weiterbildungslehrgänge der FH St. Pölten bilden für digitale Aspekte bestimmter Berufsfelder aus, etwa der Lehrgang Digital Marketing (s. S. 7 in diesem Magazin) oder jene für Agrar- und Technologiemanagement, Angewandte Fotografie, Film, TV & Media – Creation and Distribution sowie Produktionsund Technologiemanagement. Forschung, Lehrmethoden, Start-ups Viele Forschungsprojekte der FH St. Pölten beschäftigen sich mit Aspekten der Digitalisierung, etwa mit Big Data, E-Health, Assistenzund Kommunikationssystemen für ältere Menschen, IT-Sicherheit, Industrie 4.0 und digitalen Technologien. Das Service- und Kompetenzzentrum für Innovatives Lehren & Lernen (SKILL) der FH St. Pölten unterstützt Lehrende und Studierende beim Umsetzen neuer, auch digitaler Ansätze des Lehrens und Lernens. Im Programm „creative pre-incubator“ zur Förderung von Unternehmensgründungen entwickeln Studierende und Alumni neben verschiedenen Apps etwa einen digitalen Fahrschulsimulator und eine therapeutische Assistenz-Applikation für die Physiotherapie.

17


D I G I T A L I S I E R U N G

Muster mit ihrem Hintergrundwissen interpre­ tieren. „Menschen können mit unsicheren, wi­ dersprüchlichen und fehlenden Informationen umgehen, automatische Datenanalyseverfahren kaum“, so Aigner. „Der Big­Data­Hype ist durch­ aus kritisch zu hinterfragen. Große Datenmen­ gen können die klassische Wissensproduktion nicht ersetzen“, sagt Tassilo Pellegrini, FH­Do­ zent am Department Medien und Wirtschaft der FH St. Pölten. Pellegrini erforscht, wie Maschi­ nen Bedeutung hinter Daten und Mustern erken­

Oft halten Menschen Daten automatisch für Fakten. Daten können falsch sein und bleiben Daten. Fakten stimmen – oder es sind keine Fakten.

FH-Prof. Mag. Dr. Tassilo Pellegrini, FH-Dozent am Department Medien und Wirtschaft der FH St. Pölten

nen können. „Die wachsende Menge und Vielfalt an Daten in Unternehmen und öffentlicher Ver­ waltung bedarf früher oder später ihrer automati­ sierten Verarbeitung und des kosteneffizienten Managements“, sagt Pellegrini. Doch große Da­ tenmengen bestehen nicht automatisch aus sinn­ vollen und richtigen Daten. „Oft halten Men­ schen Daten automatisch für Fakten. Daten können falsch sein und bleiben Daten. Fak­ ten stimmen – oder es sind keine Fak­ ten. Ein Analyseergebnis aus vielen Daten ist nicht automatisch be­ lastbarer als eines aus wenigen Daten“, sagt Pellegrini. „Daten sind, auch wenn sie stimmen, nicht per se objektiv“, ergänzt

Aigner. Es bleibt die Frage, wie, von wem und zu welchem Zweck sie erhoben wurden, was nicht erhoben wurde und zu welchen Lizenzbedingun­ gen man Daten weiterverwenden darf.

Selbstfahrende Autos. Bereits heute saugen in vielen Haushalten Roboter Zimmer oder mähen Rasen, bei Smarthomes lassen sich Heizung und Jalousien von unterwegs fernsteuern, Technik im Haushalt könnte alte Menschen und Perso­ nen mit Beeinträchtigungen unterstützen. Zu­ künftig könnten auch Herzschrittmacher mit dem Internet verbunden sein und medizinische Daten übertragen. Digitalisierung betrifft auch den Verkehrsbereich. Bei selbstfahrenden Autos sind neben der technischen Entwicklung noch viele rechtliche und ethische Fragen offen: Wie soll das Auto reagieren, wenn ein Zusammen­ stoß mit einem Kind am Zebrastreifen nur noch verhindert werden kann, indem das Auto gegen eine Mauer, in den Gegenverkehr oder in eine Menschenmenge am Straßenrand fährt? Wer haftet bei Unfällen – Herstellerfirmen, Program­ miererInnen, LenkerInnen oder AnbieterInnen des Mobilitätsservices? Laut Frank Michelberger, Leiter des Carl Ritter von Ghega Instituts für integrierte Mobilitätsforschung der FH St. Pöl­ ten, muss auch das Sicherheitsempfinden der Menschen berücksichtigt werden. „Einem Ver­ kehrssystem ohne Menschen wird meist nicht vertraut“, sagt Michelberger. Ähnlich sieht es ˇ as vom Institut für Technikfolgenab­ Johann C schätzung: „Digitalisierung braucht begleitende Maßnahmen. Der Mensch sollte dabei immer im Mittelpunkt stehen.“

Linktipps: http://info.cern.ch/ Eine Seite der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) aus dem Jahr 1990 gilt als die erste Webseite der Welt. Sie ist noch heute online, laut Wikipedia in einer Kopie aus dem Jahr 1992.

www.digital-ist.de Webseite des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Wissenschaftsjahr 2014, das sich dem Thema „Die digitale Gesellschaft“ widmete.

www.digitalroadmap.gv.at Die Österreichische Bundesregierung hat eine Digital Roadmap erstellt, um abgestimmte Aktivitäten zur Digitalisierung für alle gesellschaftlichen Bereiche aufzubauen.

www.digitalisierung-bildung.de Webseite und Blog der Bertelsmann Stiftung und des Centrums für Hochschulentwicklung zum Thema Digitalisierung der Bildung.

http://plattformindustrie40.at Webseite des Vereins „Industrie 4.0 Österreich – die Plattform für intelligente Produktion“, der sich der Gestaltung der zukünftigen Produktions- und Arbeitswelt widmet.

www.hochschulforumdigitalisierung.de Initiative des Stifterverbandes mit dem CHE Centrum für Hochschulentwicklung und der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

18

fu t u r e · j u n i 2 0 17


DIGITALISIERUNG: DIE LOSUNG FUR ALLES? 01

Michaela Moser

W ie jede Entwicklung gilt es auch Digitalisierung gleichermaßen kritisch wie kreativ einzusetzen. O b A r b e i t s w e l t o d e r F r e i z e i t , Z u g a n g z u W i s s e n o d e r Ve r n e t z u n g m i t a n d e r e n M e n s c h e n , Digitalisierung darf nicht zu neuen Ausschlüssen führen. Anliegen Sozialer Arbeit ist es folglich, sowohl zur Sicherung des Zugangs zu als auch zu einem guten Umgang aller mit neuen Te c h n o l o g i e n b e i z u t r a g e n . FH-Prof. Mag. Dr. Michaela Moser ist Dozentin am Department Soziales der FH St. Pölten und leitet den Forschungsschwerpunkt Partizipation, Diversität und Demokratieentwicklung am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung.

02

Stefan Rüping

Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz entwickeln sich rasant und stecken hinter einer V i e l z a h l i n n o v a t i v e r, i n t e l l i g e n t e r P r o d u k t e u n d S e r v i c e s . M a s c h i n e l l e s L e r n e n i s t i m m e r d a n n e r f o l g r e i c h , w e n n g e n ü g e n d D a t e n z u r Ve r f ü g u n g s t e h e n , s e t z t a l s o e i n e u m f a s s e n d e D i g i t a l i s i e r u n g zwingend voraus. Zunehmend wichtiger ist dabei nicht nur die Digitalisierung von Daten, sondern auch von Wissen. Dr. Stefan Rüping ist Geschäftsfeldleiter Big Data Analytics beim Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS). Er hat langjährige Erfahrung in Consulting, Projekten und Lehre sowohl in Kundenprojekten als auch in der Forschung. Seine Forschungsinteressen sind das Maschinelle Lernen, künstliche Intelligenz und Data Mining.

03

Nina-Theresa Huber

Hauptverantwortlich für den Paradigmenwechsel in der Kommunikation, bietet die Digitalisierung d i e B a s i s f ü r B e z i e h u n g s m a r k e t i n g . S t a t t k l a s s i s c h e r, e i n s e i t i g e r K o m m u n i k a t i o n e n t s t e h t i n d e r digitalen Welt ein Interaktionspool, der eine persönlichere und dynamischere Zielgruppenansprache ermöglicht. Es ergeben sich neue Strategieansätze und ein vielfältigerer Media-Mix, wodurch konvergente Lösungen und eine optimierte und auch automatisierte Aussteuerung von Kommunikationsmaßnahmen möglich werden. Nina-Theresa Huber, MA ist Absolventin des Master Studiengangs Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. Sie befasste sich in ihrer Master-Thesis mit dem Thema „Content Marketing im Wandel“.

01

02

03 19


D I G I T A L I S I E R U N G

Ethik im Internet: „Wir sind an einem Wendepunkt“

Guter Datenschutz schafft Wettbewerbsvorteile: Medienexpertin Petra Grimm fordert, dass sich Unternehmen zu innovativen Smart-Data-Ansätzen verpflichten. I N T E R V I E W :

E V A

Was verstehen Sie unter „Digitale Ethik“ – und wofür brauchen wir sie?

Prof. Dr. Petra Grimm ist Professorin für Medienforschung und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule der Medien Stuttgart und leitet seit 2014 zudem das dort angesiedelte Institut für Digitale Ethik.

Die Digitale Ethik befasst sich mit den Auswir­ kungen der digitalen Medien und der computer­ gesteuerten Infrastruktur auf den Einzelnen und die Gesellschaft. Die Digitale Ethik reflek­ tiert die in einer digitalen Gesellschaft gelten­ den Wertmaßstäbe und Überzeugungen. Sie muss gute Argumente vorbringen, warum be­ stimmte Werte und Normen im Internet und in der digitalisierten Umwelt gelten sollen, und bietet Handlungsorientierung.

Obwohl wir täglich im Internet unterwegs sind, gibt es bis dato keine Standards für moralisches Handeln. Wir sind ja gerade dabei, uns über ethische Standards im Internet und im Umgang mit ei­ ner digitalisierten Infrastruktur zu verständi­

M A R C H H A R T

gen. Wie vor fast 40 Jahren, als das Bewusstsein für Umweltschutz plötzlich politisch und öko­ nomisch Fahrt aufnahm, stehen wir heute wie­ der an einem Wendepunkt: Wir müssen uns der ethischen und datenökologischen Verantwor­ tung bewusst werden.

Stichwort Daten: Was sagen Sie zur Kritik, Datenschutz hemme den Wettbewerb? Datenschutz ist kein Verhinderer, sondern eine Chance für innovative nachhaltige Geschäfts­ modelle. Wer Privacy durch die Technologie schützt, hat einen Wettbewerbsvorteil. Für Un­ ternehmen stellt sich in verschiedenen Berei­ chen, wie zum Beispiel dem autonomen Fah­ ren, der künstlichen Intelligenz, der Robotik et cetera die Frage, wie Digital Ethics by Design, also nachhaltiges Datenwirtschaften, umsetz­ bar ist.

10 Gebote der Digitalen Ethik 1. Erzähle und zeige möglichst wenig von dir. 2. Akzeptiere nicht, dass du beobachtest wirst und deine Daten gesammelt werden. 3. Glaube nicht alles, was du online siehst, und informiere dich aus verschiedenen Quellen. 4. Lasse nicht zu, dass jemand verletzt und gemobbt wird. 5. Respektiere die Würde anderer Menschen und bedenke, dass auch im Web Regeln gelten. 6. Vertraue nicht jedem, mit dem du online in Kontakt bist. 7. Schütze dich und andere vor drastischen Inhalten. 8. Messe deinen Wert nicht an Likes und Posts. 9. Bewerte dich und deinen Körper nicht anhand von Zahlen und Statistiken. 10. Schalte hin und wieder ab und gönne dir auch mal eine Auszeit. www.digitale-ethik.de/beratung/10-gebote

20

fu t u r e · j u n i 2 0 17


D I G I T A L I S I E R U N G

Zwischen Fakenews und Hatespeech

Wie lässt sich in Zukunft eine Digitale Ethik sicherstellen? Unternehmen müssten sich zu innovativen Smart­Data­Ansätzen verpflichten, das heißt, ethische Prinzipien schon bei der Entwicklung umsetzen. Ebenso brauchen wir einen Dialog über die mit der Digitalisierung verbundenen Chancen, aber auch Risiken. Die Digitale Ethik kann hier in ihrer Funktion als Steuerungs­ und Reflexionsinstrument Hilfe leisten und mode­ rieren. Des Weiteren muss als gesamtgesell­ schaftliche Aufgabe die Förderung einer nach­ haltigen Digitalkompetenz erkannt werden. Master­Studierende der Hochschule der Medien Stuttgart haben dazu „10 Gebote der Digitalen Ethik“ erarbeitet, die uns NutzerInnen anregen sollen, über die eigene Haltung und das eigene Verhalten im Netz nachzudenken.

Das zweite Symposium „Medienethik“ der Fachhochschule St. Pölten widmete sich im März 2017 unter dem Titel „Produsage: Wo bleibt die medienethische Verantwortung der UserInnen?“ einem Phänomen, das die Medienwirtschaft und -praxis immer stärker berührt: Nicht nur Journalistinnen und Journalisten sowie professionelle Medienproduzentinnen und -produzenten erstellen Inhalte und Medien, sondern auch Rezipientinnen und -rezipienten sind vermehrt (durch Blogs, Social Media, als Bürgerjournalistinnen und -journalisten) in der Medienproduktion tätig: Sie sind „ProduserInnen“. Das Symposium Medienethik thematisierte Verantwortung und ethische Fragen rund um diese Entwicklung. „Unter anderem Fakenews und Hasspostings zeigen, wie wichtig Medienethik ist. Die FH St. Pölten wird dem gerecht, indem wir medienethische Themen in unsere medienwirtschaftliche Ausbildung integrieren und auf dem Gebiet forschen“, sagt Michael Litschka, Leiter des Studiengangs Digital Media Management an der FH St. Pölten und Organisator des Symposiums Medienethik. Die FH St. Pölten kooperiert zum Thema unter anderem mit dem Interdisciplinary Media Ethics Center (IMEC), einem am Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt angesiedelten Projekt und Netzwerk. Michael Litschka ist zweiter Sprecher des IMEC.

FH-Prof. Priv.-Doz. Dr. Michael Litschka schreibt für den Blog „Ein Fall für die Wissenschaft“ auf derstandard.at. In dem Blog kommentieren MedienwissenschaftlerInnen Themen der Medienbranche: http://derstandard.at/ r2000002037494/Blog-EinFall-fuer-die-Wissenschaft

Vor Kurzem war Litschka zu Gast auf einen „Campus Talk“ im Campus & City Radio 94.4, um über sein Arbeitsgebiet zu sprechen. Sendung zum Nachhören: https://soundcloud.com/fhstp

21


D I G I T A L I S I E R U N G

„Das Problem ist die Vernetzung“ C y b e r k r i m i n a l i t ä t , A n g r i f f e a u f k r i t i s c h e I n f r a s t r u k t u r, unberechtigter Zugriff auf private Daten: Mit der Digitalisierung s t e i g t d i e A n f o r d e r u n g a n d i e I T- S i c h e r h e i t . Doch das Problem ist nicht die Digitalisierung an sich, s a g e n I T- S i c h e r h e i t s e x p e r t e n d e r F H S t . P ö l t e n . V O N

M A R K

„Laut einer Studie entstehen Stromausfälle weit­ aus häufiger durch Eichhörnchen und andere Tiere als durch Cyberterroristen und ­terroristin­ nen. Das wird kippen“, sagt Sebastian Schritt­ wieser. Er leitet an der FH St. Pölten das Josef Ressel­Zentrum für konsolidierte Erkennung ge­ zielter Angriffe auf Unternehmen. Dass ganze Städte, Regionen oder gar Staaten durch einen IT­Angriff lahmgelegt werden, ist zwar noch nicht passiert, wird aber immer wahrscheinli­ cher. „Das Problem ist nicht die Digitalisierung, sondern das Vernetzen. Daten hatte man auch früher auf PCs. Doch um an diese heranzukom­ men, musste man in die Wohnung oder Firma einbrechen und den PC stehlen. Heute sind auch Fernseher und viele andere Geräte in Haushalten mit dem Internet verbunden und ermöglichen Angriffe“, sagt Johann Haag, Leiter des Depart­ ments Informatik und Security an der FH St. Pöl­ ten. „Aus einer Spielerei mit IT­Angriffen ist ein Wirtschaftszweig geworden. Mit der globalen Vernetzung wird die Suche nach Schwachstellen leichter und die Schwachstellen werden mehr“, sagt Haag. „Alles, was vorher lokal war, wird jetzt global. Alles ist vernetzt und international. Das ist eine neue Form der Globalisierung“, er­ gänzt Ernst Piller, Leiter des Instituts für IT­Si­ cherheitsforschung der FH St. Pölten.

Banküberfall im Wohnzimmer. Es ist ein Wett­ kampf um Ressourcen: Wer verteidigt, muss alle möglichen Schwachstellen schützen, wer an­ greift, sucht sich global eine Schwachstelle aus. Angegriffen wird dort, wo das Risiko am gerings­ ten ist. „Bei einem Banküberfall aus dem Zimmer ist die Hemmschwelle niedriger als bei einem Überfall mit der Waffe auf eine Filiale. Und der 22

fu t u r e · j u n i 20 17

H A M M E R

Klick beim Überweisen von 200 Euro ist der glei­ che wie bei 20.000 Euro“, erklärt Haag. „Bezahlt wird oft anonym über Bitcoins, ein digitales Zahlsystem. Die Möglichkeit von anonymen Geld­ überweisungen ermöglicht erst eine Reihe von kriminellen Geschäftsmodellen, wie beispiels­ weise Cyber­Erpressung“, sagt Schrittwieser.

Es ist ein Wettkampf um Ressourcen: Wer verteidigt, muss alle möglichen Schwachstellen schützen, wer angreift, sucht sich global eine Schwachstelle aus. IT­Sicherheit beginnt bei der Zulieferkette und den IT­Komponenten. Durch unsichere Soft­ oder Hardwarekomponenten kann jede Digital­ kamera und jeder Fernseher zur Sicherheitslücke werden. Die FH St. Pölten hat vor Kurzem die Plattform www.it­sicher.kaufen gestartet. Sie ermöglicht das Prüfen der IT­Sicherheit beim Einkauf von Software, Hardware mit integrierter Software und Open­Source­Produkten. „Brücken­ und Bahnbau etwa müssen Sicherheitsvorschrif­ ten berücksichtigen. Gewerbe unterliegen der Gewerbeordnung. Aber Softwareentwicklung ist ein freies Gewerbe. Jede und jeder kann eine App entwickeln und vertreiben, die Millionen Men­ schen benutzen, egal, ob die App sicher ist oder nicht“, sagt Haag. „Software funktioniert halt auch ohne Sicherheitsvorkehrungen und ist dann schneller und billiger zu entwickeln“, er­ klärt Schrittwieser. Eine mögliche weitere Hilfe: Ausbildung und Bewusstsein zur IT­Sicherheit neben der qualifizierten Hochschulausbildung schon früh zu etablieren. „Softwareentwicklung sollte ebenso gelehrt werden wie Lesen, Schrei­ ben und Rechnen“, meint Ernst Piller.


IHRE MEINUNG Was bringt die Digitalisierung?

03

E-Mails, Facebook, WhatsApp – Digitalisierung verändert unseren Alltag. „future“ hat drei MitarbeiterInnen der FH St. Pölten gefragt, was die guten Seiten der Digitalisierung des Alltags sind, was die schlechten – und welches ihr persönlich bestes oder unangenehmstes Erlebnis mit der Welt des Digitalen war.

01

Anita Kiselka

Pro: Informationsgewinn und Vernetzung durch Nutzung neuer Medien: Zum Beispiel ermöglichen zentrale Datenbanken und Applikationen interdisziplinäre Befunde und Telerehabilitation, tracker-basierte Apps das Monitoring von Gesundheitsdaten, Video-Ganganalysen, Sonifikation, Game Based Learning und Exergaming (eine Mischung aus sportlicher Übung – Exercise – und Spiel) zusätzliches Feedback und Motivation für optimale Lernerfolge. Contra: Immer und überall erreichbar zu sein, lässt die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verschwimmen. Kommunikationsstil, Datenschutz und ethische Fragen sind in Aus- und Weiterbildung zu thematisieren. Persönlich: Interdisziplinäre Zusammenarbeit in FH-Projekten: Lernen von und Austausch mit anderen Berufsgruppen in Hinsicht auf das gemeinsame Ziel, digital unterstützt Gesundheit zu fördern.

Anita Kiselka, PT, MSc ist Physiotherapeutin und FH-Dozentin am Department Gesundheit der FH St. Pölten.

02

Michael Auen

Pro: Erleichterungen und ­ unktgenaue Hilfestellungen: Bildp schirme, die sich an Lichtverhältnisse anpassen; Navis, die an Staus vorbeileiten. Bei Pflege und Versorgung können digitale Anwendungen routinemäßige Aufgaben übernehmen und in diesem Bereich arbeitenden Personen mehr Zeit für persönliche Betreuung ermöglichen. Somit könnte Digitalisierung dazu führen, dass sich die Qualität der analogen Begegnungen verbessert. Contra: Digitale Anwendungen funktionieren nicht ohne viele individuelle Vorarbeiten und Ein­ stellungen meinerseits, bei denen ich in der Regel einen Teil meiner Privatheit aufgebe. Der Preis der digitalen Anwendungen ist das Zurver­fügung­stellen vieler privater Informationen, was nur zu einem kleinen Teil bewusst erfolgt. Der Großteil der Informationen wird darüber hinaus durch physische und digitale Bewegungsprofile abgeschöpft, ohne dass ich dem explizit zustimme. Persönlich: Die Möglichkeit, fast überall in Europa auf dem Weg zu Bahnstationen spontan digital Tickets für den Bahnverkehr zu buchen und diese dann papierlos auf dem Smartphone zu haben.

01

03

02 Johanna Grüblbauer

Pro: Enorme Effizienzgewinne bei Arbeiten, die mit Informationen und Daten zu tun haben – und das betrifft mittlerweile alle Bereiche von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Contra: Wenn jeder publizieren kann, wird die Bedeutung von Medienkompetenz immer wichtiger: Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit von Daten, Informationen und Nachrichten beurteilen zu können, schützt vor Fehlurteilen und dem Gefangensein in der Echo­kammer eigener Vorurteile. Persönlich: In Bulgarien bei der Autovermietung ganz selbstverständlich mit mobilem Internet für die Fahrt ausgestattet zu werden. Und dank digitaler Gadgets auch in Dörfern, die außer dem Pferd noch keine Transportmittel nutzen, problemlos zu eindrucksvollen Orten navigieren zu können.

FH-Prof. Mag. (FH) Dr. Johanna Grüblbauer ist stellvertretende Institutsleiterin und Senior Researcher am Institut für Medienwirtschaft der FH St. Pölten.

Dipl. Soz. Päd. (FH) Michael Auen ist FH-Dozent am Department Soziales der FH St. Pölten.

  23


D I G I T A L I S I E R U N G

und Patienten zu unterstützen. Er hat eine 3D-Projektion für die Microsoft HoloLens entworfen, die den Ablauf der Bestrahlung erklärt. Zum Einsatz kommt damit neueste Technik im Bereich der Mixed Reality, einer Kombination aus Virtual und Augmented Reality.

Neue Tools für die Radiologie Studierende des Studiengangs Digital Healthcare der FH St. Pölten entwickeln Projekte, um Patientinnen und Patienten die Angst vor Strahlentherapien zu nehmen und MedizinerInnen bei Röntgendiagnosen zu unterstützen. Menschen mit Krebs müssen mitunter über mehrere Wochen täglich zur Strahlentherapie. Viele Betroffene haben Angst vor der ersten Behandlung wegen möglicher Nebenwirkungen und wegen des unbekannten Ablaufs der Therapie. Student Alexander Raith hat ein Verfahren entwickelt, um Fachärztinnen und Fachärzte der Radioonkologie bei der Aufklärung der Patientinnen

Eine 3D-Projektion für die Microsoft HoloLens erklärt den Ablauf der Bestrahlung.

Student Christian Schneckenleitner hat einen Weg gefunden, um die Charakteristik des Kontrastverhaltens von Röntgendetektoren zu visualisieren. Grauwerte in Röntgenbildern stellen unterschiedliche Gewebetypen dar, etwa Knochen oder Weichteile. Daraus erstellen Fachärztinnen und Fachärzte für Radiologie ihre Diagnosen. Die Wahl der optimalen Aufnahmeparameter während der Untersuchung spielt eine entscheidende Rolle. Schneckenleitner hat mit dem Ansatz der Computer Vision eine Methode entwickelt, mit der Informationen aus den Grauwerten herausgerechnet werden, um Radiologietechnologinnen und Radiologietechnologen bei der Bildaufnahme zu unterstützen. Der Studiengang Digital Healthcare der FH St. Pölten bildet für das Entwickeln digitaler Technologien zum Einsatz im Gesundheitswesen aus. Profitieren sollen Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Professionistinnen und Professionisten des Gesundheitswesens. www.fhstp.ac.at/mdh

Smartphones am heimlichen Lauschen hindern Ein Projekt der FH St. Pölten arbeitet an der Abwehr ungewollten Audiotrackings durch akustische Cookies.

Das Projekt wird gefördert von der Initiative netidee. Organisiert und finanziert wird die Förderaktion von der gemeinnützigen Internet Foundation Austria (IPA). sonicontrol.fhstp.ac.at

Video zum Projekt: youtu.be/mJ26qdbn-I8

24

fu t u r e · j u n i 2 0 17

Mobiltelefone und Tablets können durch sogenanntes Audiotracking mittels Ultraschall unbemerkt das Verhalten ihrer BenutzerInnen verfolgen. Zum Beispiel kann ein Fernseher während eines Werbespots unhörbare akustische Signale („akustische Cookies“) aussenden. Mobile Endgeräte in der Umgebung nehmen diese Signale auf, dekodieren sie und senden über das Internet Informationen an die SenderInnen des Signals zurück. So kann etwa festgestellt werden, dass der Fernseher und das Mobilgerät derselben Person gehören und welche Werbung gerade gesehen wird. Das ermöglicht das Erfassen von UserInnen-Verhalten, ähnlich wie es mit Cookies im Webbereich seit Langem betrieben wird, jedoch über mehrere Geräte hinweg und ohne das Wissen der NutzerInnen.

Im Projekt SoniControl entwickelt Matthias Zeppelzauer, Senior Researcher in der Forschungsgruppe Media Computing am Institut für Creative\Media/ Technologies der FH St. Pölten, mit den Kollegen Peter Kopciak, Kevin Pirner und Florian Taurer eine mobile Anwendung, die akustische Cookies aufspürt, NutzerInnen darauf aufmerksam macht und auf Wunsch das Tracking blockiert. Signalverarbeitungsmethoden sollen die akustischen Cookies erkennen, unhörbare Störsignale über den Lautsprecher des Mobilgeräts sollen die Cookies maskieren. So könnten akustische Cookies neutralisiert werden, bevor Betriebssystem oder mobile Applikationen darauf zugreifen können.


BLICK VON AUSSEN

G A S T B E I T R A G

Irgendwann spricht keiner mehr von Veränderung

Yvonne Widler, MA hat vor fünf Jahren gemeinsam mit vier Kollegen das Web­ magazin „paroli“ gegründet. Ressortgrenzen wurden ­aufgebrochen und multi­ mediale Erzählformate entwickelt, die Darstellung war damals einzigartig und hat nationale und inter­ nationale Journalistenpreise gewonnen.

Ich sitze hier vor meinem MacBook Pro, das mit meinem iPhone verbunden ist, welches mich in regelmäßigen Abständen durch blinkende Banner unterschiedlichster Nachrichtendienste darauf hinweist, was in meiner Social-Media-Blase gerade passiert. Ein Post auf Facebook, ein neuer Follower auf Twitter, eine Erinnerung auf Instagram, eine Story auf Snapchat. Ab und an auch einfach das Geräusch einer eingehenden E-Mail oder einer WhatsApp-Nachricht. Ich höre dabei über meine mit dem Laptop via Bluetooth verbundene JBL-Box eine von einer App extra für mich zusammengebastelte Playlist, die mir tatsächlich gefällt. Jedenfalls soll der gut klingende Sound mich dazu inspirieren, über Digitalisierung und deren Auswirkung auf unsere Kommunikation zu schreiben. Wie hat sie die Kommunikation verändert? Digitalisierung ist wie atmen. Nur wilder. Weil dauernd etwas passiert. Nur nebenbei. Sie passiert permanent. Ich schreibe an dieser Stelle nicht darüber, dass alles schneller und gehetzter geworden ist, man immer ­erreichbar sein muss – von solchen Kommentaren gibt es reichlich, meist von jenen, die noch die „andere Zeit“ erlebt haben: Festnetz, Fax und Briefeschreiben beispielsweise. Wir dürfen nicht vergessen, dass es Generationen gibt, die mit der Digitalisierung aufgewachsen sind. Für die Jungen ist Snapchat kein Unternehmen, das gerade an der Börse ein starkes Debüt hingelegt hat, sondern Alltag. Dort passieren Liebe und Streit, Spaß und Freundschaft. Auch Familie und Schule. Freizeit und Bildung. Egal ob Generation X, Y, Z, Politik oder Medien. Irgendwann spricht keiner mehr von Veränderung, sondern wir alle werden angekommen sein. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Playlist, die mir in 30 Jahren zusammen­ gebastelt werden wird. Ebenso wie ich mich über jede ­zittrig handgeschriebene Geburtstagskarte von meinem Groß­vater freue. Dann fotografiere ich sie ab und poste sie auf einem meiner vielen Kommunikationskanäle. Denn dafür gibt es immer die meisten Likes.

  25


Z U

G A S T

I N

Von Schoggi und Schweizer Chäs

D i e F a c h h o c h s c h u l e n S t .  P ö l t e n u n d B e r n p f l e g e n b e r e i t s s e i t Jahren einen engen Austausch. Alexandra Kolm, Dozentin im Studiengang Diätologie, war kürzlich zum dritten Mal als Gastdozentin in der Schweiz. V O N

Alexandra Kolm, MSc unterrichtete in der Schweiz.

E V A

Für den Studiengang Diätologie der FH St. Pölten und das Schweizer Pendant an der FH Bern gehört der gegenseitige Studierenden- und ­ Lehren­ denaustausch zum Fixpunkt in jedem Studienjahr. Denn die beiden Fachhochschulen verbindet schon seit Jahren eine enge Koopera­ tion. Alexan­dra Kolm, Dozentin an der FH St. Pöl­ ten, besuchte die FH Bern im Wintersemester 2016/17 bereits zum dritten Mal als Gastdozentin im Bereich der Ernährungstherapie bei Fettstoff­ wechsel­erkrankungen.

Mit Headset im Hörsaal. Mit mehr als 50 Stu­

diengängen und rund 6.600 Studierenden ist die FH Bern mehr als doppelt so groß wie die FH St. Pölten. „Die hohe Anzahl an Studierenden war für mich anfangs sehr ungewohnt, denn ich musste im Unterricht beispielsweise ein Headset mit Mikrofon tragen“, berichtet Kolm. „Zudem empfand ich dadurch auch Gruppenarbeiten als etwas schwieriger als in St. Pölten.“ Neben der Studierendenanzahl gibt es in der Schweiz aber auch hinsichtlich des Ausbildungsweges einige Unterschiede. So dauert das Bachelorstudium nicht wie hierzulande drei Jahre inklusive meh­ rerer Praxisphasen, sondern wird um ein viertes sogenanntes „Praxisjahr“ erweitert, das die an­ gehenden Diätologinnen und Diätologen zum Erwerb der Berufsberechtigung benötigen.

Schwerpunkt Beratung. Die FH Bern setzt zu­ dem einen besonderen Schwerpunkt im Bereich der Beratung. „Es gibt eine eigene Abteilung, in der die Lehrenden gemeinsam mit Schauspiele­ rinnen und Schauspielern entsprechende reali­ tätsnahe Übungssettings entwerfen und ein­ üben. So können die Studierenden bereits während der Ausbildung reelle Beratungssituati­ onen durchspielen“, erklärt Kolm, die das Bera­

26 

fu t u r e · j u n i 20 17

M A R C H H A R T

tungstraining in Bern als vorbildlich erachtet. Im Rahmen der Kooperation lädt die FH St. Pölten einmal im Semester einen Kommunikationstrai­ ner und Schauspieler als Gastdozenten ein, um die Ausbildung noch stärker kompetenz­orientiert zu gestalten.

Feedback durch Anwesenheit. Ein weiterer ­ nterschied zur FH St. Pölten: An der FH Bern U gibt es für die Studierenden keine Anwesenheits­ pflicht. Ein Faktum, das Alexandra Kolm als durchaus positiv erlebte. „Als Lehrende bekommt man somit sehr unmittelbares Feedback auf den angebotenen Unterricht: Ist der Hörsaal auch zum Ende einer Vorlesung noch gut gefüllt, fin­ den die Studierenden die Inhalte meist interes­ sant und hilfreich.“ Wandel am Esstisch. Bei ihren Aufenthalten in

der Schweiz lernte die St. Pöltner FH-Dozentin auch die Schweizer Küche näher kennen. Mit lan­ destypischen Speisen wie Käsefondue, Zürcher Geschnetzeltem oder der berühmten Schweizer

Als Lehrende bekommt man unmittelbares Feedback: Ist der Hörsaal auch zum Ende einer Vorlesung noch gut gefüllt, finden die Studierenden die Inhalte meist interessant und hilfreich. Schokolade wirkt die Schweiz auf den ersten Blick nicht unbedingt wie das Eldorado für Ernäh­ rungsbewusste. „Ihre ‚Schoggi‘ ist den Schwei­ zerinnen und Schweizern heilig“, lacht Kolm. „Auch Käse nimmt eine recht große Rolle im ­Speiseplan ein. Dennoch lässt sich in den letzten Jahren ein gewisser Ernährungstrend hin zu vege­ tarischer und auch veganer Kost beobachten, so wie das auch bei uns in Österreich der Fall ist.“


S T .

Von Shanghai nach St. Pölten

Huiqi Deng verbringt als erster chinesischer Gaststudent ein Jahr an der FH St. Pölten. Hier schätzt er die praxisorientierte Ausbildung – und Ausflüge in das Salzkammergut. V O N

E V A

M A R C H H A R T

Huiqi Deng nahm für sein Auslandsstudium ei­ nen weiten Weg auf sich. Der 24-jährige Jour­ nalismus-Student an der Communication Uni­ versity of China wurde auf die FH St. Pölten aufmerksam, als er sich für ein Ernst-Mach-Sti­ pendium zum Studium an einer österreichischen Fachhochschule bewarb. Mit dem Stipendium wurde es leider nichts, die FH St. Pölten ging ihm aber trotzdem nicht mehr aus dem Kopf. So ent­ schloss er sich, als sogenannter „Free Mover“ selbstorganisiert an die FH St. Pölten zu kom­ men. Hier ist der studierte Germanist seit Herbst vergangenen Jahres im Master Studiengang Me­ dia- und Kommunikationsberatung inskribiert.

Praxisnah studieren. „Hochschulen im deutsch­ sprachigen Raum haben in China generell eine sehr hohe Anerkennung. Die FH St. Pölten ge­ nießt einen guten Ruf und bietet eine starke Pra­ xisorientierung“, erzählt Huiqi Deng, der später einmal in einem internationalen Unternehmen im Bereich Marketing/PR/Werbung arbeiten möchte. Die Praxisnähe ist es auch, die den Gast­

P Ö L T E N

U N D

D I E

W E L T

studenten aus China besonders begeistert. „Mei­ ne Heimatuniversität in China legt sehr großen Wert auf die Forschung und es gibt vor allem im Masterprogramm kaum praxisbezogene Lehrver­ anstaltungen. Hier an der Fachhochschule lau­ fen zahlreiche spannende Projekte mit Unter­ nehmen, außerdem ist die Ausstattung der Studios und Labore viel besser.“

Halbwissen über China. An der Stadt St. Pölten schätzt der Austauschstudent aus Shanghai die hilfsbereiten Menschen und das ruhige Leben. „Die Persönlichkeit der Österreicherinnen und Österreicher ist für mich eine Mischung aus der deutschen Gewissenhaftigkeit und der italieni­ schen Flexibilität, was ich sehr angenehm finde. Die Leute hier sind sportlich, umweltfreundlich und ordentlich.“ Auffällig ist für ihn aber auch die falsche Vorstellung, die ÖsterreicherInnen von seinem Heimatland China haben. „In Öster­ reich wie generell in Europa herrschen viele Ste­ reotype und Vorurteile gegenüber China vor. Das spiegelt sich auch in den Medien wider. Ich den­ ke, dass das an mangelndem Wissen über das Land, seine Wirtschaft und Ideologie liegt.“ Kunst, Seen und Sissi. Seine Zeit in St. Pölten

nutzt Huiqi Deng auch für Reisen in- und außer­ halb der Landesgrenzen. Neben der Burgruine Aggstein in der Wachau hat er auch schon die Städte Wien und Salzburg sowie Hallstatt im Salzkammergut besucht. „Hallstatt ist sehr be­ rühmt in China. Mich hat das Salzkammergut fasziniert. Die Landschaft mit Seen und Bergen entspricht genau der Vorstellung, die wir in Chi­ na über Österreich haben – so wie wir es aus den berühmten Sissi-Filmen kennen.“ Auch Norwe­ gen und die Türkei hat Huiqi Deng bereits be­ sucht. Neben der Landschaft sind es vor allem Kunst und Kultur, die den Austauschstudenten an Österreich begeistern. „Wien und Salzburg gelten bei uns in China als Weltbühnen. Ich habe sozusagen eine goldene Chance, hier selbst Mu­ sik und Kultur zu erleben. Ich finde es sehr impo­ nierend, wie gut Österreich die Kunstgeschichte bewahrt hat und auf die Bühne bringt.“   27


B L I T Z L I C H T

Internationale Kooperation

Doppelabschluss im Bahnwesen Tagung der Sozialen Arbeit

Austausch über Ansprüche Ende März fand an der FH St. Pölten die 3. Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa) statt. Die Veranstaltung bietet ein Forum für intensiven interdisziplinären Austausch. Thema war heuer „Ansprüche“. Im Rahmen der ogsaTAGUNG 2017 wurde auch der 1. Wissenschaftspreis für Soziale Arbeit vergeben, den die Online-Zeitschrift „soziales_kapital“ ausgeschrieben hat.

Vor Kurzem hieß die FH St. Pölten die ersten beiden Studierenden der Moscow State University of Railway Engineering willkommen. Im Rahmen einer Kooperation zwischen der Moskauer Eisenbahn­ universität und dem Department Bahntechnologie und Mobilität der FH St. Pölten können Studierende beider Länder ein Jahr an der jeweiligen Partnerhochschule verbringen und erlangen die Studien­ abschlüsse beider Hochschulen („Double Degree“).

Vernetzung

Diätologisches Online-Training VertreterInnen von fünf Hochschulen aus Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Österreich trafen sich im Februar an der FH St. Pölten, um den Fortschritt des EU-Projekts IMPECD (Improvement of Education and Competences in Dietetics) zu besprechen. Das Projekt entwickelt eine europaweit einheitliche Basis für das Training zu ernährungswissenschaftlichen Diagnosen und Therapien. www.impecd.eu

28 

fu t u r e · j u n i 20 17


B L I T Z L I C H T

Jugendliche entwickelten ein Getränk.

Gesundheitsförderung

Innovatives Getränk, gesundes Trinkverhalten Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts „GAAS – Projekt zur Förderung der Gesundheitskompetenzen von Jugend­ lichen, die sich nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung befinden“ unter der Leitung der FH St. Pölten entwickelten Jugendliche ein Getränk, das gesundes Trinkverhalten fördern soll. Das innovative Produkt wurde Anfang April präsentiert. www.fhstp.ac.at/gaas

Symposium ­W irtschaftsund Finanzkommunikation in der Säulenhalle der ­W iener Börse.

Gesundheits- und Krankenpflege

Symposium

Neues Gesetz, neue Chancen?

Soziale Finanzkommunikation

Im März trafen sich Expertinnen und Experten des Gesundheitswesens an der FH St. Pölten, um darüber zu diskutieren, wie sich das neue Gesundheits- und Krankenpflegegesetz auf die Berufschancen im Bereich der präklinischen Versorgung auswirken wird.

Anfang Mai fand in der Wiener Börse zum dritten Mal das „Symposium Wirtschafts- und Finanzkommunikation“ der FH St. Pölten statt. Thema waren unterschiedliche Formate der Finanzkommunikation für (private) Investorinnen und Investoren, zum Beispiel wie Social-Media-Plattformen zum Einsatz kommen können oder wie das Medium Radio zu besserem Finanzwissen beitragen kann.

  29


E M P F E H L E N S W E R T

Organisationskommunikation | Organisational Communication

l2

Helmut Kammerzelt | Harald Wimmer [Hrsg.]

Online-Marketing Grundlagen – Planung – Durchführung – Messung

Leitlinien und weiterführende Literatur für die gendersensible Gestaltung innovativer Kindermedienformate Astrid Ebner-Zarl und Andreas Gebesmair Institut für Medienwirtschaft

St. Pölten, Dezember 2016

Fachhochschule St. Pölten GmbH, Matthias Corvinus-Straße 15, 3100 St. Pölten, T: +43 (2742) 313 228, F: +43 (2742) 313 228-339, E: csc@fhstp.ac.at, I: www.fhstp.ac.at

Medienwandel kompakt 2014 – 2016. ­Schlaglichter der Veränderung in Medien­ ökonomie, Medienpolitik & Journalismus. Ausgewählte Netzveröffentlichungen Christoph Kappes, Jan Krone und Leonard Novy (Hrsg.) Springer VS, Wiesbaden 2017 321 Seiten, eBook € 29,99, Softcover € 41,11 ISBN 978-3-658-17500-9 Der nunmehr dritte Band „Medienwandel kompakt“ greift den Medienwandel aus ökonomischer, politischer und journalistischer Perspektive der letzten drei Jahre auf. Dazu werden ausgewählte Beiträge aus Netzveröffentlichungen herangezogen, sodass die LeserInnen einen redaktionell gefilterten Überblick über die Umbrüche der Medienlandschaft durch Digitalisierung und Internet erhalten. Online-Marketing. Grundlagen – Planung – Durchführung – Messung Helmut Kammerzelt und Harald Wimmer (Hrsg.) Nomos, 2016 208 Seiten, € 39,00 ISBN 978-3-8487-3507-5, eISBN 978-3-8452-7810-0 Das Buch behandelt die wichtigsten Grundlagen des Online-Marketings und die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen: die Planung digitaler Kampagnen, relevante Datenquellen für Online-­ Kampagnen, Display-Advertising, Performance-, Mobile- und Social-Media-Marketing sowie die Messung von Online-Kampagnen und die Möglichkeiten von Paid Media, Owned Media & Earned Media. Den Abschluss bildet das Thema Augmented Reality inklusive eines Ausblicks in die Zukunft der digitalen Kommunikation. Leitlinien und weiterführende Literatur für die gendersensible Gestaltung innovativer Kindermedienformate Astrid Ebner-Zarl und Andreas Gebesmair FH St. Pölten, 2016 Das Forschungsprojekt „TraEx – Transmedia Extensions. Geschlechtsensibles Erzählen für Kinder“ setzte sich mit aktuellen Medienformaten für Kinder auseinander. Dabei wurde das spezifische Potenzial von transmedialen Erzählformen für die gendersensible Formatentwicklung ausgelotet. Die Ergebnisse der Analysen und die Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung wurden in Form eines Leitfadens für die Praxis der Formatentwicklung aufbereitet. Download des Leitfadens und weitere Informationen zum Projekt: http://traex.fhstp.ac.at.

30 

fu t u r e · j u n i 20 17

Ambient Assisted Living. 8. AAL-Kongress 2015 Reiner Wichert und Helmut Klausing (Hrsg.) Springer, 2016 € 110,00 ISBN 978-3-319-26345-8 Die Texte zum achten AAL-Kongress stellen den ­Einsatz technischer Assistenzsysteme im Bereich der Pflege und Gesundheit vor und zeigen, wie Technik autonomes Leben von Menschen unterstützen kann. Das Buch enthält einen Beitrag eines Teams der FH St. Pölten zur Kommunikations- und Spieleplattform BRELOMATE (Breaking Loneliness with Mobile Interaction and Communication Technology for Elderly) für ältere Menschen. Handbuch zur Europäischen Wirtschaftsethik. Business Ethics: Expectations of Society and the Social Sensitisation of Business Alexander N. Krylov (Hrsg.) BMV, 2016 636 Seiten, € 79,00 ISBN 978-3-8305-3431-0 Das Handbuch bietet einen Überblick über die wichtigsten Themen der gegenwärtigen europäischen Wirtschaftsethik. Enthalten ist auch ein Beitrag von Michael Litschka, Leiter des Studiengangs Digital Media Management an der FH St. Pölten, und ­Matthias Karmasin von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt zur Wirtschaftsethik in der Medien- und Kommunikationsgesellschaft. Tagungsband Forum Medientechnik und „All Around Audio“-Symposium 2016 Die Tagungen der FH St. Pölten befassen sich mit aktuellen Entwicklungen im Bereich der Medientechnik. Der Tagungsband ist online in der Open-AccessISSN-Publikationsreihe CEUR-WS erschienen: http://ceur-ws.org/Vol-1734.

IMPRESSUM Herausgeberin: Fachhochschule St. Pölten GmbH, Matthias Corvinus-Straße 15, 3100 St. Pölten Chefredaktion: Mag. Daniela Kaser, MAS Redaktion: Mag. Mark Hammer, Mag. Eva Marchhart, Bakk. Illustrationen: Anna Hazod (S. 1, 13, 14, 15, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 24) Fotos: Foto Kraus (S. 2, 21, 23, 26), NMPB Architekten (S. 4), We Need Light (S. 5), Carola Berger (S. 5), Martin Lifka Photography (S. 7, 19), FH St. Pölten/ Wintersberger/Weiss (S. 8), FH St. Pölten/Maximilian Döringer (S. 11), David Faber (S. 12), Rudi Föse (S. 12), Raphaela Raggam (S. 12), Alexandra Kromus (S. 12), FH St. Pölten (S. 16), KIT Irina Westermann (S. 16), Harsieber (S. 19), Radmila Kerl (S. 20), Fraunhofer IAIS (S. 20), privat (S. 23, 25, 27), FH St. Pölten/Otfried Knoll (S. 28), FH St. Pölten/Alice Thörisch (S. 28), FH St. Pölten/Mario Ingerle (S. 28, 29), FH St. Pölten/Claudia Winkler (S. 29), FH St. Pölten/Alice Thoerisch (S. 29), Carola Berger (S. 31) Grafik und Produktion: Egger & Lerch Ges.m.b.H., 1030 Wien Druck: Ueberreuter Print GmbH, 2100 Korneuburg


AUCH DA STECKT DRIN

Wenn sich der Studiengang Smart Engineering der FH St. Pölten auf Berufsmessen und bei Tagen der offenen Tür präsentiert, kommt dabei oft ein Cocktailroboter zum Einsatz. Studierende des Studiengangs haben die Maschine zum automatischen Mischen der Getränke entworfen und zeigen damit auf spielerische Weise die Interaktion zwischen Mensch und Maschine und welche technischen Lösungen bereits heute für die Produktion der Zukunft erforscht werden. 31


„Figuren und Szenen der Romane ‚Die Dämonen‘, ‚Der Fall‘ und ‚Homo Faber‘ werden in ein 360°-VirtualR e a l i t y - S c r i p t ü b e r s e t z t . “    Seite 8 „Die Arbeitswelt wäre zweigeteilt in jene, die Geschäftsmodelle entwickeln und gut ausgebildet sind, und jene, die mit einer verkürzten Ausbildung nur n o c h a u s f ü h r e n . “    Seite 14 „ D a t e n s c h u t z i s t k e i n Ve r h i n d e r e r, sondern eine Chance für innovative n a c h h a l t i g e G e s c h ä f t s m o d e l l e . “    Seite 20 „Laut einer Studie entstehen Stromausfälle weitaus häufiger durch Eichhörnchen und andere Tiere als durch Cyberterroristen und -terroristinnen. Das wird kippen.“   Seite 22 „Die Landschaft mit Seen und Bergen entspricht genau der Vorstellung, die wir in China über Österreich haben – so wie wir es aus den berühmten S i s s i - F i l m e n k e n n e n . “    Seite 27

www.fhstp.ac.at

Profile for FH St. Pölten

future 06: Der digitale Umbruch  

future 06: Der digitale Umbruch  

Profile for fhstp