Das Heft – Ausgabe Nr. 3 (2020) – Motivation in der Schule

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SPIEL- UND LESETIPPS

VIER DAMEN GEGEN EINEN LÄUFER Mark Weisshaupt, Lernwerkstatt SPIEL

Möglichst wenige, klare Regeln und zugleich motivierend variantenreiche Spielverläufe – eine der goldenen Regeln beim Spieldesign. Schach erfüllt dieses Prinzip vorbildlich. Dennoch meiden viele die seriöse Anmutung dieses Spiels – das vorhandene Zugwissen der Experten kann der experimentellen Neugier von Anfängern schnell den Garaus machen. Nicht so beim ironisch betitelten «Really Bad Chess»: Bei der auf Tablets und Smartphones

spielbaren Schachvariante werden die bekannten Spielfiguren bei jeder neuen Partie zufällig verteilt: So spielt man beispielsweise plötzlich mit 5 Springern und 2 Damen unter seinen 16 Figuren. Damit entstehen von Beginn an völlig neue Situationen, die statt traditioneller Eröffnungen experimentelle Neugier für alle gebieten. Ungleiche Stärken von Spielenden kann der Computer zudem durch ungleich verteilte Figurenstärken ausgleichen. Es sind auch Partien gegen den Computer möglich. Durch die Öffnung der traditionellen Regeln mit den Zufallsfiguren – was nur in dieser virtuellen Form als Game gut möglich ist – wird das Schachspiel für viele Gelegenheitsspieler und Anfänger jeden Alters lustvoller und motivierender, ohne dass die Spielregeln komplexer würden. Ein genialer

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Schachzug – auch Traditionalisten sollten ein Probespiel wagen. Really Bad Chess, Zach Gage, 2016, www.reallybadchess.com

WER TRIFFT DEN HUMOR? Mark Weisshaupt, Lernwerkstatt SPIEL

Weniger spieltief im Verlauf als Schach, aber aus anderen Gründen sehr motivierend ist das kleine, schon 2004 vorgelegte, aber immer noch feine «Wie ich die Welt sehe» von Schweizer Spieleautor Urs Hostettler. Eine Spieler*in legt eine ausgewählte Satzkarte wie «Ich mag die eigenartige Stimmung, die von (BITTE EINSETZEN) ausgeht» oder «Wenn Pferde sprechen könnten, verlangten sie (BITTE EINSETZEN)» ab. Die anderen wählen dann aus ihren Handkarten Begriffe aus,

die in die Sätze eingesetzt werden. Und zwar möglichst so, dass es passend und auch lustig ist. Die verdeckten Vorschläge werden dann vom Spielenden mit der Satzkarte laut verlesen. Er/sie wählt dann die Kombination aus, die ihm/ihr am meisten gefällt und die jeweilige «Autor*in» des Vorschlags, die erst dann bekannt wird, bekommt Punkte. Die Ergebnisse schwanken von philosophisch über spielerisch böse bis hin zu absurd, sind dabei aber in sehr

vielen Fällen urkomisch. Der lockere Rahmen und die wohlformulierten Satz- und Begriffskarten erzeugen auch in unterschiedlich besetzten Runden zuverlässig allgemeine Freude und heitere Diskussionen über die «besten» Vorschläge. Oft bekommt diesen Zuschlag, wer den Humor des Spielenden mit der Satz-Karte gut antizipiert. Das Spiel funktioniert ab ca. 9 Jahren, für zwei bis neun Spieler*innen. Ein steter Quell der Freude wider bierernste Zeiten. «Wie ich die Welt sehe» und «Neue Welten» (Erweiterungsset) von Urs Hostettler, ABACUSSPIELE

ROADTRIP DER SONNE NACH Maria Riss, Zentrum Lesen

Dario ist sechzehn, in der Schule läuft es nicht so, wie es soll. Manchmal spürt er eine unbändige Wut auf alles, und er weiss nicht mal, warum. Und dann wird er mit gemeinnütziger Arbeit bestraft, er soll sich um

Andy kümmern, diesen Jungen im Rollstuhl, der nicht richtig sprechen kann. Andys Augen strahlen selten, nur, wenn er in der Sonne sitzen kann