Page 1

SWISSLIFE 3. Jahrgang // Ausgabe 1 // Fr. 6.50

Frühling 2012 // Stadtgeschichten

Scannen Sie die QR-Codes mit Ihrem Handy und geniessen Sie Alex Capus’ Stadtgeschichten. (So einfach benutzen Sie QR-Codes: Seite 54)


Die Geschichten hinter unseren QR-Codes stammen aus dem neusten Kolumnen-Band von Alex Capus, «Der König von Olten kehrt zurück» (knapp Verlag).


Editorial // 3

Grüezi Städte in der Schweiz, so sagen wir oft, wirken wie grosse Dörfer: Die Quartiere sind uns schnell vertraut, die Menschen bald bekannt. Wir haben keine Mühe, zwischen Stadt und Land zu wechseln, zwischen Hektik und Ruhe, zwischen Gross und Klein. Unlängst bin ich mit meiner Familie vom beschaulichen Wiesendangen nach Winterthur gezogen. Obwohl dem Land seit jeher stark verbunden, weiss ich die Vorteile des Stadtlebens wieder mehr und mehr zu schätzen. «Stadtgeschichten» ist denn auch das Thema dieses Heftes, das Ihnen ein Begleiter in den Frühling sein möchte: mit einer abwechslungsreichen Sicht auf die Städte in unserem Land, den Menschen – und Tieren, die sich darin bewegen, sie lebenswert machen und ihre unterschiedliche Kultur prägen. Dank dem grosszügigen Nebeneinander von Land und Stadt und dem Geben und Nehmen auf beiden Seiten erleben wir die Vielfalt unseres Landes Tag für Tag aufs Neue. Die Stadtgeschichten in diesem Heft sollen illustrieren, wo wir in der Schweiz leben: in einem einzigen grossen Dorf, das auch Platz für Städte bietet.

SWISSLIFE Frühling 2012

Ivo Furrer, CEO Swiss Life Schweiz: «Meine eigenen Stadtgeschichten habe ich im kleinstädtischen Luzern erlebt, aber auch in den Metropolen London, Frankfurt und Zürich. Das neuste Kapitel in meinem persönlichen Städteführer schreibt nun Winterthur.»


06

Swiss Photo Selection:

Stadt in der Stadt

In den Sechzigerjahren gebaut, gilt Le Lignon auch heute noch als vorbildliche Lösung zur Behebung der Wohnungsnot. Der Fotograf Meinrad Schade hält mit seiner preisgekrönten Arbeit «Le Lignon» das Leben im Genfer Wohnkoloss fest. 16 Zwei Seiten:

20

Stadt vs. Land

Schwerpunkt:

Paris einfach

Verdichtetes Wohnen, made in Switzerland Das längste Gebäude Europas steht in Genf: Die Überbauung Le Lignon ist über einen Kilometer lang, gipfelt in zwei hundert Meter hohen Wohntürmen und bietet 5500 Menschen eine Heimat.

Der Schritt vom Dorf in die Stadt fällt nicht immer leicht. Vor allem, wenn das Dorf Weinfelden heisst und die Stadt Paris. Peter Stamm nahm mit 19 Jahren einen Bürojob an der Seine an. Und entdeckte sein Bedürfnis zu schreiben. 28 Zahlensalat:

Tierisch schöne Städter

31 Verkehrskadetten:

So fängt Zukunft an.

Gesamtverantwortung: Swiss Life Public Relations, Martin Läderach Redaktionskommission: Ivo Furrer, René Aebischer, Thomas Bahc, Monika Behr, Thomas Langenegger, Christian Pfister, Hans-Jakob Stahel, Paul Weibel Redaktionsleiter UPDATE: Dajan Roman Redaktionsadresse: Magazin SWISSLIFE, Public Relations, General-Guisan-Quai 40, 8022 Zürich, magazin@swisslife.ch Projektleitung: Mediaform, Christoph Grenacher, Ittenthal Konzept und Gestaltung: Festland Werbeagentur, St.Gallen/Zürich Übersetzung: Swiss Life Language Services Druck und Versand: Heer Druck AG, Sulgen Erscheinungsweise: 3 x jährlich; Frühling, Sommer, Herbst Auflage: 100 000 Anzeigenverkauf: Mediaform, Baumgärtli, 5083 Ittenthal, mediaform@mediaform.ch Adressänderungen/Bestellungen: Magazin SWISSLIFE, General-Guisan-Quai 40, 8022 Zürich, www.swisslife.ch/magazinabo Rechtlicher Hinweis: In dieser Publikation vermittelte Informationen über Dienstleistungen und Produkte stellen kein Angebot im rechtlichen Sinne dar. Über Wettbewerbe wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Gedruckt auf FSC-Papier.

Kanäle, Kneipen, Käsefondue Das Paris der Touristen ist nicht das Paris der Bewohner. In seinem Essay zeichnet Peter Stamm ein Bild von der Seinestadt, wie man sie nur erlebt, wenn der Aufenthalt länger als ein paar Tage dauert.


Inhalt // 5

46

A Swiss Life:

Roger Widmer

Der Trendsport Parkour entstand in den Pariser Vororten und sorgt auch in der Schweiz für Aufsehen: Auf dem direkten Weg durch eine Stadt werden Hindernisse spektakulär überwunden. Roger Widmer gilt als Pionier unter den Schweizer Traceuren.

55 Küchenfreuden:

Frühlingsgrüsse aus dem Tessin

57 Reeto von Gunten: Wandauf, wandab Wo ein Wille ist, gibt es einen direkten Weg: Roger Widmer findet ihn, indem er über Abgründe springt, Hauswände hochklettert und über Geländer balanciert.

58

Bilder am Haken

Gewinnen Sie ein Dinner und eine Nacht im Grand Hotel Dolder für zwei Personen. 60 Zugabe:

Beilage:

Wettbewerb:

Phenomden über seinen Song «Stadt»

UPDATE

Lesen Sie, wie Sie bei Ihrem Pensionskassenkapital die Ertragschancen erhöhen, wie Swiss Life bei der Vorsorge Sicherheit und Flexibilität perfekt unter einen Hut bringt und was Sie bei der Geldanlage in Zeiten der Krise beachten sollten. Wie Sie Ihr Lebenswerk in gute Hände geben In vielen KMU und Familienunternehmen ist die Nachfolge ein hoch aktuelles Thema. Im UPDATE lesen Sie, wie ein Luzerner Betrieb die Nachfolgefrage beantwortet hat und was es dabei zu beachten gilt.

SWISSLIFE Frühling 2012


Ein Haus, 17 000 Zimmer

Das längste Wohngebäude Europas steht in Vernier GE. 1060 Meter lang, beherbergt es 5500 Mieter. Gebaut wurde Le Lignon in den Sechzigerjahren vom Architekten Georges Addor. Der Fotograf Meinrad Schade hat das Leben der Menschen im Genfer Wohnkoloss dokumentiert.

›››

In «Swiss Photo Selection» präsentiert SWISSLIFE Arbeiten von Schweizer Fotografen, die von der internationalen Jury des «Swiss Photo Award – ewz.selection» ausgezeichnet wurden. www.ewzselection.ch


Swiss Photo Selection // 7

MonstrĂśse Antwort auf die Genfer Wohnungsnot vor 40 Jahren: Mit Le Lignon wurde das Thema verdichtetes Bauen so radikal umgesetzt wie (bislang) nirgends in der Schweiz.

SWISSLIFE FrĂźhling 2012


8 // Swiss Photo Selection

Der Künstler Justin McMahon vor seinem Wandbild bei der Busstation: Er lebt seit seiner Geburt in Le Lignon und muss immer wieder Pizzakuriere überreden, ihm eine Prosciutto bis zur Wohnungstür zu liefern. Rechte Seite: Eine romantische Abendstimmung sieht anders aus – soziale Spannungen gehören hier zum Alltag. Folgende Doppelseite: Le Lignon besitzt eine eigene Postleitzahl, zwei Kirchen, die höchsten Wohntürme Genfs, ein eigenes Einkaufszentrum, Schulen und über 40 Assoziationen, vom Italienerklub bis zum Pétanqueverein.


Swiss Photo Selection // 13

5500 Menschen unter einem Dach: Dank engagierter Projekte insbesondere für Jugendliche und Arbeitslose wurde es ruhiger in Le Lignon. Linke Seite: Auszubessern gibt es immer etwas – Arbeiter bei ihrer Mittagspause auf dem Dach von Le Lignon. Zur Wohnsiedlung gehören auch die beiden freistehenden Türme im Hintergrund.

SWISSLIFE Frühling 2012


Das h旦chstgelegene Schwimmbad Genfs befindet sich auf rund 100 Metern 端ber dem 28. Stockwerk eines der beiden Wohnt端rme. Es bietet eine herrliche Aussicht auf die Stadt und die Umgebung. Allerdings steht es nur den Bewohnern dieses Wohnturms zur Verf端gung.


Swiss Photo Selection // 15

Meinrad Schade: «Mich hat dieser Ort angenehm überrascht.» Der Fotograf Meinrad Schade (1968) schloss ein Biologiestudium an der Universität Zürich ab, ehe er sich der Fotografie zuwandte. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen arbeitete er zunächst als Pressefotograf. 2002 machte er sich als Porträtund Reportagefotograf selbständig und verfolgte eigene fotografische Projekte. 2011 gewann Schade den Hauptpreis des Swiss Photo Award sowie den Preis in der Kategorie «Redaktionelle Fotografie». Bevor Meinrad Schade nach Genf reiste, um sich Le Lignon fotografisch anzunähern, musste er oft an das Buch «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» denken, an die heroinsüchtige Christiane F., ihr Leben in grauen, gesichtslosen Hochhäusern, irgendwo in Berlin. Auch Le Lignon hat nicht den besten Ruf. «Beim Fotografieren wurde mir klar, dass diese Siedlung ihren Ruf nicht verdient», sagt Meinrad Schade. «Bei all den Problemen, die das Zusammenleben so vieler Menschen mit sich bringt – mich hat dieser Ort angenehm überrascht. Warum? Meine Bilder sind die Antwort.»

SWISSLIFE Frühling 2012

Seit 2007 dokumentiert Meinrad Schade in einem Langzeitprojekt Schauplätze, die sich in unterschiedlicher räumlich-zeitlicher Distanz zu Konfliktzentren befinden. Entstanden sind bisher die Serien «Erinnerung an den Grossen Vaterländischen Krieg in der ehemaligen Sowjetunion» (Bild 1), «War and Peace Show» über einen gigantischen Living-History-Anlass in England, an dem vor allem der Zweite Weltkrieg nachgespielt wird (Bild 2), und eine Serie, die vom Atomtestgelände der ehemaligen UdSSR im heutigen Kasachstan erzählt (Bild 3). www.meinradschade.ch


16 // Zwei Seiten

Text: Simone Ott, Bild: Kilian Kessler

Stadtleben Anita Schlegel (47), kaufmännische Leiterin Museum Haus Konstruktiv, Zürich

Mit 20 zog ich aus dem St.Gallischen nach Zürich. Durch meinen ersten Job lernte ich Leute aus Kunst und Kultur kennen und habe schnell gemerkt, dass ich am richtigen Ort bin.

Kultur hat mich schon immer interessiert, und in der Stadt fand ich Gleichgesinnte. Auch beruflich bietet mir die Stadt Möglichkeiten, die ich auf dem Land nie hätte. Ausser ich würde pendeln, was mir ein Gräuel wäre. An der Stadt schätze ich, dass viele Subkulturen und verschiedene Lebensformen nebeneinander existieren – das hat für mich etwas Befreiendes. Es mag zwar in der Stadt etwas anonym zu und her gehen, aber das passt mir ganz gut. Da kann man tun und lassen was man will. Meine Verwand­ ten denken, es sei einsam in der Stadt. Auf mich trifft das nicht zu – im Gegenteil. In der urbanen Umgebung fühle ich mich sogar sehr aufgehoben – gerade weil ich keine eigene Familie habe. Freundinnen treffen, spontan ins Kino gehen oder an eine Ausstellung – es läuft immer etwas. Und die alltäglichen Szenenwechsel in der Stadt finde ich inspirierend. Bodenständiges und Schickes, Triviales und Intellektuelles, Schweizerisches und Internationales – es gibt alles. Das hält mich frisch im Kopf.


Eine Schweizerin? Nö. Rund mit rechten Winkeln verkörpert der NOMOS-Klassiker Tangente zugleich Glashütter Manufaktur und allerfeinstes „Made in Germany“. Form und Qualität sind zeitlos, dauerhaft, vielfach preisgekrönt – eine Uhr, die uns hilft, wir selbst zu sein. Mit automatischem Aufzug – ebenfalls ein Glashütter Kaliber – heißt das Modell Tangomat. Wie man es dreht ...


... und wendet: In Glashütte, einer Art Schweiz im Kleinformat, sind die Ansprüche an gute Uhren und ihre Werke noch viel höher als die Berge drumherum. Schönste Uhrenklassiker und mehr finden Sie auf der Baselworld, Halle 1.1, Stand A27. In der Schweiz im guten Fachhandel. Und überall hier: www.nomos-glashuette.ch, www.nomos-store.com. Modell Tangente gibt es in der Schweiz für mindestens 1540 Franken, Modell Tangomat ab 2420 Franken bei: Aarau: Widmer Goldschmied; Basel: Elia Gilli Schauraum; Bern: Helen Kirchhofer, Uhrsachen; Chur: Unix Goldschmiede; Davos Platz: André Hirschi; Lausanne: Viceversa; Locarno: Zoltan Gioielli; Luzern: Langenbacher Goldschmied; Olten: Jürg Brunner, Maegli; Samnaun Dorf: Hangl; Solothurn: Maegli; St. Gallen: Labhart Chronometrie; Winterthur: Wehrli; Zug: Maya Sulger; Zürich: Daniel Feist, Zeithalle – und im Zürcher NOMOS-Flagshipstore.


Zwei Seiten // 19

Landliebe Stefan Brunner (25), Maurer, derzeit in Ausbildung zum Polier Ganterschwil, SG

Ich lebe auf dem Bauernhof meiner Eltern. Hof und Land gehören uns, und niemand kann uns sagen, was wir tun dürfen und was nicht. Das bedeutet für mich Freiheit.

Wir haben zudem viel Platz, zum Beispiel für eine Werkstatt, in der ich nach Lust und Laune werken kann. Für mich ist die Nähe zur Natur sehr wichtig: Ich schaue ins Grüne, gehe im Wald spazieren, bewundere nachts einen Sternen­ himmel, den es in der Stadt so grandios nicht gibt. Weil unser Hof auf über 700 Meter ü. M. liegt, sind wir oft über der Nebelgrenze, und dann kann ich hinunter auf die graue Suppe schauen. Zuhause leben wir als Grossfamilie mit Eltern, Grosseltern und Kindern – das gibt mir ein Gefühl von Gebor­ genheit. Auf dem Lande ist sowieso alles persönlicher, man bekommt das Leben sehr direkt mit. Mehr als ein­, zweimal pro Woche gehe ich nicht aus. Zuviel Ablenkung, finde ich, tut nicht gut. Freunde habe ich nicht nur im Dorf – sie leben überall verstreut. Mit den modernen Kom­ munikationsmitteln spielt Distanz ja keine grosse Rolle mehr. Ab und zu reise ich auch in Entwicklungs­ länder und arbeite für Hilfswerkpro­ jekte. Meine Welt ist grösser als mein Dorf.


Schwerpunkt // 21

Lichter der Vorstadt Text: Peter Stamm, Bild: Marco Benedetti

Mit 19 Jahren zog Peter Stamm nach Paris. Er war überfordert vom Lärm, von den vielen Menschen, hatte Heimweh. Dann entdeckte er die Nacht, den Jazz – und sein Bedürfnis zu schreiben.

›››

SWISSLIFE Frühling 2012


D

ie Fahrt begann vor 27 Jah­ ren an einem Samstag im Dezember. Eigentlich war ich mit 19 zu alt, um von den Eltern zum Bahnhof gebracht zu werden, aber diese Reise war eine besondere: Ich hat­ te keine Rückfahrkarte gelöst, die Ab­ fahrt nach Paris war zugleich mein Auszug aus dem Elternhaus. Noch während der Rekrutenschule hatte ich mich bei der Schweizerischen Verkehrszentrale beworben, einer staat­ lichen Organisation, die – inzwischen unter dem Namen Schweiz Tourismus – Werbung für das Ferienland Schweiz macht und Büros in vielen Ländern hat. Zum Vorstellungsgespräch war ich in Uniform gefahren. Als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, im Ausland zu arbeiten, sagte ich, eher nicht. Ich hatte mir vorgenommen, ne­ ben der Arbeit die Matura nachzuho­ len, danach wollte ich studieren und dann Schriftsteller werden, auch wenn ich nicht recht wusste, wie das zu be­ werkstelligen war. Wenige Tage später wurde ich in der Kaserne zum Telefon gerufen. Der Personalchef der Verkehrs­ zentrale war am Apparat und sagte, er hätte eine Stelle zu vergeben in Paris, ob ich daran interessiert sei. Der Buch­ halter des dortigen Büros war Mitglied bei den Schweizerischen Pfadfindern (einem von vielen Schweizer Clubs in Paris) gewesen und hatte sich beim Sturz von einer selbstgebauten Seilbrücke töd­ lich verletzt. Ich bat um Bedenkzeit. Kurz darauf sagte ich zu. Der Zug nach Zürich war voller Ju­ gendlicher, die in die nahe Stadt fuh­ ren, zu einem Kino­ oder Diskotheken­

besuch. Mein Koffer war seltsam fehl am Platz wie die Eltern, die auf dem Bahnsteig standen und versuchten, dem Moment die angemessene Würde zu geben. Aber für mehr als ein kurzes Winken reichte der Aufenthalt nicht und der Zug fuhr ab. Ich stelle mir vor, dass meine Eltern noch ein paar Schrit­ te mitgingen und sich dann auf den Nachhauseweg machten durch den kal­ ten Dezemberabend. Für sie ging etwas zu Ende, für mich fing etwas Neues an. Ich erreichte Paris spätabends. Es regnete, und obwohl das Hotel nur zehn Minuten von der Gare de l’Est entfernt war, entschloss ich mich, ein Taxi zu nehmen. Der Fahrer hatte noch nie von einem Hôtel de la Nouvelle France gehört, im Bahnhofsviertel wimmelte es von solchen kleinen Häu­ sern mit hochtrabenden Namen und

vier Stockwerke hoch und fand mein Zimmer ganz am Ende des Flurs, keine acht Quadratmeter gross. Ein Zimmer wie jenes von »Mr. Bleaney« in Philip Larkins berühmtem Gedicht: Bed, upright chair, sixty­watt bulb, no hook/Behind the door, no room for books or bags ... Aber ich fühlte mich sofort wohl hier, geborgen in der Enge und durch die Aussicht über eine Dächerland­ schaft doch mit der Stadt verbunden. In den ersten Monaten meines Aufenthalts schaute ich mich nach einer Wohnung um, aber schliesslich gab ich die Suche auf und blieb das ganze Jahr über in meinem kleinen Zimmer wohnen. Ich weiss nicht mehr, wie ich mei­ nen ersten Tag in Paris verbrachte, vermutlich spazierte ich ziellos im Regen herum und kochte mir Tee mit

Mein Koffer war seltsam fehl am Platz wie die Eltern, die versuchten, dem Moment die angemessene Würde zu geben. schäbigen Zimmern. Er brachte mich zu einer Gendarmeriekaserne dessel­ ben Namens, und der wachhabende Gendarme erklärte mir den Weg zum Hotel, das ganz in der Nähe lag in einer düsteren engen Strasse. Die Reception war um diese Zeit nicht mehr besetzt, der Hotel­ und der Zimmerschlüssel la­ gen in einem Umschlag unter der Fuss­ matte. Ich schleppte meinen Koffer die

meinem Tauchsieder, den ich noch heute manchmal benutze. Ich war schon zweimal in Paris gewesen und hatte geglaubt, die Stadt einigermas­ sen zu kennen. Ich hatte den Eiffel­ turm bestiegen und im Louvre die Mona Lisa gesehen. Aber die Über­ sichtlichkeit der Pariser Innenstadt hatte mich darüber hinweggetäuscht, dass es sich um einen riesigen Bal­


Schwerpunkt // 23

SWISSLIFE Fr端hling 2012


lungsraum handelte, in dem tausend­ mal so viele Menschen lebten wie im Dorf, in dem ich die ersten neunzehn Jahre meines Lebens verbracht hatte. In der Schweiz war ich zu Fuss ins Büro gegangen und hatte die Hälfte der Menschen gekannt, die mir auf der Strasse begegneten. In Paris stand ich eingequetscht in einer Métro, in der

der Unvoreingenommenheit des Ju­ gendlichen vom Land. Es waren nicht so sehr die Monumente, die mich inte­ ressierten, als die Menschen. Ich ent­ deckte die dunkleren Orte der Lichter­ stadt, die ärmlichen, schmutzigen Viertel im Norden, die selbst meine französischen Arbeitskollegen mieden, die nach Feierabend so schnell wie

Wenn eine der Frauen uns um Feuer bat oder uns am Arm fasste und fragte, «Kommst du mit rauf ?», fühlten wir uns sehr erwachsen. Nase den Geruch von ungewaschenen Haaren und billigen Parfums. An mei­ nem ersten Arbeitstag hatte ich einen vollen Zug vorbeifahren lassen, aber der nächste und der übernächste waren genauso voll, das Reservoir von Men­ schen schien unerschöpflich zu sein. Und während es in meinem Dorf ein Kino gegeben hatte, gab es in Paris 400 Säle oder mehr, zwischen denen man sich entscheiden musste. Egal zu wel­ cher Tageszeit man unterwegs war, nie war man allein, nie fand man Ruhe. Die ersten Monate dachte ich oft daran, meine Stelle aufzugeben und nach Hause zurückzukehren. Aber ich war zu stolz aufzugeben. Ich lebte mich von Woche zu Woche immer mehr ein und gewöhnte mich an den schnellen und zugleich langsamen Rhythmus der Stadt, an den Alltag. Ich fing an Pa­ ris zu erforschen mit der Neugier und

möglich in ihre Vororte verschwanden. Oft kam ich erst spät in der Nacht von meinen Streifzügen zurück. Meine Stammkneipe, das »Cordial«, wurde von Paco, einem Algerier, geführt, der im Hinterzimmer auch manchmal Lederjacken oder Musikkassetten ver­ kaufte, von denen nicht ganz klar war, woher sie stammten. Wenn unter den dicken Vorhängen noch ein Streifen Licht zu sehen war, konnte man lange nach der Polizeistunde noch an die Scheibe klopfen. Dann äugte der Wirt misstrauisch durch einen Spalt im Vor­ hang und kurz darauf wurde die Tür entriegelt und man wurde hereinge­ winkt. Dort sassen meist auch meine Freunde, die Söhne der Gendarmen und ein paar Schweizer Angestellte, die wie ich im Hotel untergebracht waren, und wir redeten und tranken, bis der Morgen graute.

Im Büro war nicht sehr viel zu tun. Mein Vorgänger hatte seine Zeit damit verbracht, das Büromaterial zu zählen. Auf jeder Schachtel mit Bleistiften oder mit Schreibblocks standen der Anfangsbestand und die datierten Ent­ nahmen. Die Heiligenbilder, mit denen er das Büro dekoriert hatte, hatte ich längst abgehängt und durch Tourismus­ plakate der Schweiz ersetzt, Schneeland­ schaften, Berge und Seen, die Natur, die ich in Paris vermisste. Dafür fand ich hier vieles, was mir zu Hause gefehlt hatte. Ich ging in je­ nem Jahr achtzig Mal ins Kino, sah all die Klassiker, die es nie in unser kleines Dorfkino geschafft hatten, Spiel mir das Lied vom Tod, Midnight Express oder Papillon, aber auch billige Action­ filme in Doppelvorstellungen zu er­ mässigtem Preis. Wenn ich aus dem Kino trat und mit schnellen Schritten den Grands Boulevards entlang ging, die selbst mitten in der Nacht noch dicht bevölkert waren, fühlte ich mich wie die Helden der Filme, einsame Männer in dunklen Städten, die zu­ gleich Jäger und Gejagte waren. Ein Kollege erschloss mir die Welt des Jazz, indem er mich immer wieder ins New Morning schleppte, ein kleines Jazzlokal in der Rue des Petites Ecuries, in dem Jazzgrössen auftraten, die sonst nur im berühmten Olympia zu sehen waren. Es kam vor, dass er in der Pause eines Konzerts zu mir ins Hotel kam und mich, wenn ich schon im Bett war, herausklopfte und nötigte mitzukom­ men, um wenigstens den zweiten Teil eines genialen Abends nicht zu verpassen. Dank ihm hörte ich Lionel Hampton


Schwerpunkt // 25

und George Adams, Niels­Henning, Ørsted Pedersen und Chet Baker, der kurz darauf verstarb. Ich ass während eines Ausflugs in die Normandie zum ersten Mal in mei­ nem Leben Meeresfrüchte, fing an zu rauchen, kaufte mein erstes Aftershave, «Jules», einen zimtigen Duft den ich bis heute in der Nase habe. Mit meinen Freunden trieb ich mich im Rotlicht­ viertel der Rue du Faubourg Saint­ Denis herum. Wir hörten den Verhand­ lungen zwischen den Prostituierten und den Freiern zu und beobachteten, wie die Männer in den Hauseingängen verschwanden und wie schnell sie wie­ der herauskamen. Und wenn eine der Frauen uns um Feuer bat oder uns am Arm fasste und fragte, «Kommst du mit rauf?», fühlten wir uns sehr erwachsen und gingen schnell weiter. Mein Paris wurde mit jedem Tag grösser, meine Wanderungen führten mich immer weiter in die Aussenvier­ tel. Ich entdeckte den Parc des Buttes­ Chaumont, eine wunderbare kleine Märchenlandschaft im 19. Arrondisse­ ment, die Pariser Kanäle, die Fernfah­ rerkneipen am Autobahnring, wo man wunderbares Käsefondue bekam. Auf dem grossen Flohmarkt an der Porte de Clignancourt erstand ich einen engli­ schen Militärregenmantel, den ich auf fast allen Bildern aus jener Zeit trage. In den Sommerferien besuchten wir unsere französischen Freunde am At­ lantik auf einem Zeltplatz nur für Gen­ darmen und ihre Angehörige, assen mittags Austern am Strand und tanzten am Abend in einer improvisierten Disco. Und schliesslich gab es da auch

SWISSLIFE Frühling 2012

Peter Stamm: Sein erster Text war Habermus «Ich ‹muss› nicht schreiben, aber ich liebe das Schreiben mehr als jede andere Beschäftigung», sagt der Schriftsteller Peter Stamm (49) über seine Arbeit, «die mich nie langweilte, aber immer herausforderte. Ich hatte und habe nie das Gefühl, ganz das zu erreichen, was ich erreichen will». Stamms Romandebüt «Agnes» erschien 1998. Mit seinen neusten Erzählungen «Seerücken» war der gebürtige Thurgauer im vergangenen Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse und für den Schweizer Buchpreis nominiert. Ein guter Text, sagt Stamm, sei dann gut, wenn er lebt: «Das ist Glück für mich.»

Der abgedruckte Text ist Teil des neuen Buchs Paris, Liebe, Mode, Tête à Tête (Verlag Corso).

Stamms erster noch erhaltener Text ist ein Rezept für Habermus, den er im Kindergarten schrieb. Ein anderer früher Text «ein Gedicht auf Ferdi Kübler, einen Radrennfahrer, der mir einmal eine Autogrammkarte geschenkt hatte und eine Schirmmütze». Wann genau er sich für das Schreiben als Beruf entschieden habe, wisse er nicht mehr, schreibt der in Winterthur lebende Stamm: «Ich weiss nur noch, dass ich in der Silvesternacht vor meinem zwanzigsten Geburtstag die Idee zu einem Roman hatte, die ich erst Jahre später zu ihrem schlechten Ende

führte. Wie man Schriftsteller wurde, wusste ich nicht, und hätte ich damals gewusst, dass es noch 15 Jahre dauern würde, bis mein erster Roman erscheint, hätte ich wohl kaum weitergemacht.»


Schwerpunkt // 27

noch ein Mädchen, eine Österreiche­ rin, die erst in unserem Hotel ein Zim­ mer hatte und dann ein kleines Studio ganz in der Nähe. Aber das ist eine andere Geschichte. An der Gare de l’Est, von der ich in diesem Jahr ein paar Mal in die Schweiz fuhr für Ferien oder ein verlängertes Wochenende, gab es ein Plakat, «Melde dich zur Fremdenlegion». Ich dachte nie ernsthaft daran, Legionär zu wer­

«Junger Mond» schrieb: «Ein Dorf brauchst du, und wäre es nur, damit du es hin und wieder gern verlässt. (...) Ein Dorf – das bedeutet: du bist nicht al­ lein, du weisst, in den Menschen, in den Pflanzen, in der Erde lebt ein Stück von dir, das, auch wenn du selbst nicht da bist, bleibt und auf dich wartet.» Mein Dorf war meine Kindheit, in die ich nicht zurück konnte oder wollte, und die ich doch nicht verlor.

«Paris hatte mir ein paar Wunden beigebracht, die für einen Schriftsteller wichtiger sind als ein Literaturstudium.» den, aber irgendwann bestellte ich bei der angegebenen Adresse die Unterla­ gen. Es war wie ein Versprechen, dass die Welt noch grösser war, dass es nicht nur den Weg zurück in die Heimat gab, sondern auch Wege, die weiter führten, nach Süden, in die arabische, die afrika­ nische Welt. Paris hat mich erwachsen gemacht. Ich lernte, dass Menschen, wie Hugo Lötscher sagte, keine Wurzeln haben, sondern Beine. Und dass man in dieser grossen Stadt verschwinden konnte in der Einsamkeit eines winzigen Zim­ mers oder einer Menschenmasse. Jeder war für sich selbst verantwortlich, wer sich nicht bemühte, ging unter. Zu­ gleich versöhnte ich mich mit meinem Dorf und begriff, was Cesare Pavese in

SWISSLIFE Frühling 2012

Paris hat mir ein paar Wunden bei­ gebracht, die für einen Schriftsteller wichtiger sind als ein Literaturstudium oder Kurse für kreatives Schreiben. In dieser riesigen Stadt, in der ich oft ein­ sam war, verwirrt und unglücklich, wurde Literatur zum Überlebensmittel. Eines Abends, zu Besuch bei Freun­ den, trat ich in einen schachtartigen Innenhof, in dem vollkommene Stille herrschte. Nach Monaten des Lärms und der Aufregung war diese plötzliche Stille wie ein Schock, wie ein plötzliches Erwachen. Ich hatte mich an Paris ge­ wöhnt, aber die Stadt war eine dauern­ de Überforderung geblieben. Von nun an ging ich nicht mehr so oft aus und fing an, meine Freunde zu meiden und statt im Restaurant in meinem Zimmer

zu essen. Ich sass am Fenster und schaute stundenlang in die Hinterhöfe, las wieder mehr, spazierte alleine durch die Stadt. Mein Bedürfnis, all das Erleb­ te und Gesehene in eine Form zu brin­ gen, wurde immer stärker, und ich fing an, erste Texte zu schreiben auf der al­ ten Hermes Schreibmaschine im Büro, auf der ich sonst die Kontenblätter nachführte. Manche dieser Texte waren nur ein paar Zeilen lang, kleine Szenen, Stimmungen und allerlei altkluge Ge­ danken. Fast alles ist verloren, aber ein paar Fragmente, ein paar Erinnerungen haben es in einen ersten Roman ge­ schafft, den ich kurz nach meiner Rückkehr in die Schweiz schrieb. «Damals war ich glücklich. (...) Auf dem kleinen Ruderboot im Bois de Boulogne in Paris, mit einem guten Freund und dieser Schweizerin, die ich ja eigentlich gar nicht gemocht habe, aber die so lebendig und sonnenver­ brannt war wie der Sommer im Park, mit ihrem kurzen, weissen Rock und den braunen Armen und Beinen.» Der Roman hiess nach einem Zitat von Charles Baudelaire, «Ein Traum von Stein», und begann und endete in einem Zug nach Paris. Er fand – völlig zu Recht – keinen Verleger. Aber er war ein An­ fang wie meine Reise nach Paris, von der ich nie wirklich zurückgekehrt bin.

Fotograf Marco Benedetti, 1961, lebt in Biel und wurde 2011 gleich mit mehreren internationalen Preisen geehrt. Seine Bilder erzählen ruhige, poetische Geschichten und wollen nicht unbedingt modern sein, dafür stets der Schönheit huldigen.


Tierisch schöne Städter

64

Die Stadt Zürich ist das urbanste Gebiet der Schweiz. Neben mehreren Hunderttausend Menschen beherbergt sie eine überraschend vielfältige Fauna: Nicht weniger als 894 Tierarten finden hier einen Lebensraum. SWISSLIFE stellt Ihnen am Beispiel jeweils eines Vertreters die wichtigsten Gruppen vor und verrät, wie viele Arten dieser Gattung in der Stadt beobachtet wurden.

6

Das Tagpfauenauge verschönert als einer von 64 Tagfaltern den Zürcher Luftraum.

12

Die Ringelnatter zählt zu den sechs seltenen Zürcher Reptilienarten.

97

Der Edelkrebs gehört als Gliederfüsser zu den zwölf Krebstierarten.

12

Der Teichfrosch, einer von zwölf Amphibien, ist ein Bastard aus Wasserfrosch und Seefrosch.

Der Grünspecht gehört mit vier weiteren Spechten zu den 97 Vogelarten.


Zahlensalat // 29

43

40

Das Wildschwein ist eine von ihnen: 40 Säugetierarten gibt es in der Stadt, vom Dachs über den Iltis bis zum Siebenschläfer.

Der Frühe Schilfjäger ist eine von 43 Libellenarten und gehört damit zu den 555 Insektenarten, die in Zürich nachgewiesen sind.

Die Weinbergschnecke zählt mit ihren 100 Artgenossen zu den am meisten verbreiteten Tieren im Stadtgebiet.

31

Das Grüne Heupferd, eine von 31 Heuschreckenarten, tritt zum Glück nicht in Schwärmen auf.

SWISSLIFE Frühling 2012

27

Der Flussbarsch lebt wie fast alle 27 Fischarten im See und in den Flüssen.

Quelle: Stadtfauna – 600 Tierarten der Stadt Zürich, Haupt Verlag, Illustrationen: www.atelier-symbiota.de /Alexander Schmidt

100


Bringen sie räume zum Blühen: mit silent garden von création Baumann.

Création Baumann AG | Bern-Zürich-Strasse 23 | CH-4901 Langenthal www.creationbaumann.com


Verkehrskadetten // 31

Bild: Giorgio von Arb

So fängt Zukunft an.

Sie stehen mindestens einmal pro Woche auf Strassen, Plätzen, Einfallsrouten und sorgen dafür, dass der Verkehr rollt und die Fussgänger sicher sind.

SWISSLIFE Frühling 2012


Das Kadetten-Korps Basel (KKB) besteht aus Knaben und Mädchen ab zwölf Jahren. Ohne einen Rappen zu verdienen, verrichten sie Freiwilligenarbeit – und werden ausserdem laufend aus- und weitergebildet. SWISSLIFE porträtiert zehn Verkehrskadetten und zwei Leiter, die an einem nassen Samstag am Basler Messeplatz mit Freude im Einsatz standen.

›››


Mathieu Kroll (14), Kadett, Basel: «ich achte darauf, dass der öffentliche Verkehr immer Vortritt hat.»

SWISSLIFE Frühling 2012


Giuseppe Di Falco (14), Kadett, Basel: ÂŤich finde es interessant, den Verkehr zu regeln.Âť


sVen D. (13), Kadett, Münchenstein Bl: «es macht mir immer wieder spass, Verantwortung zu übernehmen.»

SWISSLIFE Frühling 2012


Denny Mai (14), Kadett, Basel: «als Verkehrskadett muss man immer den Überblick haben.»


iVan huGentoBler (13), Kadett, Basel: «Bei uns ist immer Fun – und wir haben eine tolle Kameradschaft.»

SWISSLIFE Frühling 2012


Mirco cucci (21), Fw, Basel: ÂŤMit unserem einsatz garantieren wir die sicherheit auf den strassen.Âť


clauDio roMeo (27), hptm-adj, Basel: «ich sorge für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung beim Kadetten-Korps Basel.»

SWISSLIFE Frühling 2012


sVen ruF (14), Kadett, Basel: «Was ich hier lerne, kommt mir später sicher einmal zugute.»


Mayuran siVanathan (13), Kadett, Basel: «Wir müssen zu allen nett, hilfsbereit und aufmerksam sein.»

SWISSLIFE Frühling 2012


DoMiniK chastonay (13), Kadett, Basel: «Jeder einsatz ist völlig anders und man lernt immer wieder neues dazu.»


GaBriele santoro (14), Kadett, Basel: «es ist anspruchsvoll, immer alles im auge zu haben.»

SWISSLIFE Frühling 2012


alex staMMherr (13), Kadett, Gempen Bl: «unsere aufgabe ist dafür zu sorgen, dass der Verkehr immer schön rollt.»


Ich werde niemals Weinbauer in der Toskana zu sein erfüllt mich total. Das Leben ist voller Wendungen. Unsere Vorsorge passt sich an. Swiss Life bietet für jeden Lebensabschnitt massgeschneiderte Lösungen an. Ob Sie gerade eine Familie planen, eine Firma gründen oder Ihre Vorsorge angehen möchten: Bei uns sind Sie gut beraten. www.swisslife.ch


A Swiss Life // 47

Text: Barbara Klingbacher, Bilder: Tom Haller

Der Pfadfinder Für Roger Widmer sind Strassen und Treppen nur Möglichkeiten, keine Gebote. Der Traceur aus Bern sucht sich seine eigenen Wege – effizienter und schneller als von den Architekten geplant.

›››

SWISSLIFE Frühling 2012


V

or ein paar Wochen eignet sich Roger Widmer einen neuen Ort an: Eine graue Terrasse zwischen Hecken und Betonwänden, menschenleer und ungenutzt, ein städtischer Unort, ganz wie er ihn liebt. Sorgfältig wärmt der 31-Jährige seine Muskeln auf, dann gleitet er über Sitzgelegenheiten, auf denen nie jemand ruht, balanciert auf Geländern, die niemanden schützen, und überwindet längst vergessene Mauern. Eins ums andere Mal wiederholt Widmer die Bewegungen, geschmeidig und scheinbar mühelos. Bis plötzlich eine Stimme über den Platz erschallt. «He da! Ab­ fahren, aber sofort!», brüllt der Abwart und nähert sich in schnellen Schritten. Roger Widmer fällt es leicht, die andere Perspektive ein­ zunehmen. «Aus der Sicht des Abwarts ist da dieser schmut­ zige Kerl in weiten Hosen, der etwas tut, das ‹man› nicht tut», sagt er. «Der Mann glaubt, einen Homie vor sich zu haben, und denkt sich Ärger, Vandalismus und Gewalt dazu.» Seit zwölf Jahren trainiert Widmer die urbane Bewegungskunst Parkour. In dieser Zeit hat er unzählige solche Situationen erlebt. Und eigentlich mag er diese Begegnungen. Denn sie sind für ihn nichts anderes als all die Mauern und Abgrün­ de, die er immer wieder überwindet: Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Ärger, Gewalt und Vandalismus? Der Abwart könnte sich nicht stärker täuschen. Roger Widmer hat 2008 ge­ meinsam mit Freunden die Firma ParkourONE gegründet, seither lebt er von seinem Sport. Er inszeniert Performances und tritt in Spots auf, vor allem aber unterrichtet er an Schulen und in Jugendzentren, für Suchtpräventionsstellen, bei der Polizei und in Managementkursen. Der vermeintli­ che Homie hat eine Ausbildung zum Goldschmied, ein Lehrerdiplom, ein Kleiderlabel mit dem Namen «Etre fort», von dem ein Prozent des Erlöses der Umwelt zugute kommt, und ein Amt als Pet-Recycling-Botschafter. Ausserdem ist Widmer verheiratet und Vater von zwei kleinen Buben, die er «eigentlich auch nach den Grundsätzen von Parkour erzieht». Trotz Bart wirkt Widmer jünger als 31. Schmal ist er und durchtrainiert, schnell im Denken und präzise im Sprechen. Um die Philosophie hinter dem Sport zu erklären, streckt er eine Hand aus, die schwielig ist von Beton und Stahl. Jeder Finger stehe für einen Grundsatz, sagt Widmer: für Beschei­ denheit, Vertrauen, Respekt, Vorsicht und für den Verzicht auf Konkurrenz. «Etre fort pour être utile» – «stark sein, um nützlich zu sein», lautet der Leitsatz von Parkour, ein Slo­ gan, der auch den Pfadfindern gut anstehen würde. Und tat­

sächlich ist ein Traceur, wie sich die Protagonisten des Sports nennen, nichts anderes: Einer, «der den Weg ebnet», seinen eigenen Pfad sucht. Lässt man die Philosophie weg, ist Parkour schnell er­ klärt: «Es geht darum, möglichst schnell und effizient von A nach B zu kommen», sagt Widmer. Die Methode wurde einst von der französischen Armee entwickelt, um kräftespa­ rend durch den Dschungel zu fliehen. Ende der Achtziger­ jahre übertrug der Sohn eines Soldaten, David Belle, die Technik in die urbane Landschaft der Pariser Vororte. Die Strassen und Gassen einer Stadt sind nur Möglichkeiten, keine Gebote. Ein Traceur erkennt Wege, wo andere Men­

«Da ist dieser schmutzige Kerl in weiten Hosen, der etwas tut, das ‹man› nicht tut. Der Mann glaubt, einen Homie vor sich zu haben, und denkt sich Ärger, Vandalismus und Gewalt dazu.» schen Wände sehen, sichtet Treppen in vermeintlich glatten Fassaden und Übergänge statt Abgründe. «Wir folgen nicht den Vorgaben der Architekten und Städteplaner», sagt Ro­ ger Widmer. «Wir sehen das Gelände neu, mit Kinderaugen und dem Verstand des Erwachsenen.» Schon als Kind wählte Roger Widmer selten einen vorge­ spurten Weg. Als kleiner Junge brachte er sich das Einrad­ fahren bei, während alle andern Fussball spielten. Mit zwölf verliebte er sich in den Klang des Digeridoos und baute dann gleich selbst eines. Mit 18 sah er eine Reportage über den Parkour-Pionier David Belle und beschloss, sich diesen Sport anzueignen. Dass man ihn damals nirgends lernen konnte, war Widmer egal. Gleich am nächsten Tag suchte er seinen ersten Unort, einen verlassenen Platz beim Bahnhof Münsingen. Er balancierte auf Geländern, hüpfte von einem Mäuerchen zum andern, hangelte sich an Baumstämmen hoch, unermüdlich, stundenlang, jeden Tag. «Mir gefielen


Auf dem Sprung: In der Berner Altstadt hat man sich längst an die ungewöhnlichen Wege von Roger Widmer gewöhnt. SWISSLIFE Frühling 2012


Sein Gel채nde sind die Gel채nder der Stadt: Traceur Roger Widmer.


A Swiss Life // 51

reduzierte Formen», sagt er, «und einen reduzierteren Sport als Parkour gibt es nicht: Hier zählt nur der eigene Körper und das Gelände.» Roger Widmer und seine Freunde, die nach und nach dazu stiessen, waren die erste Parkour-Truppe ausserhalb Frankreichs. Vier Jahre lang brachten sie sich den Sport bei und waren mächtig stolz auf ihr Können. Als sie aber 2004 ins französische Lisses reisten, dem Wohnort von David Belle und dem Mekka des Parkour, «da merkten wir, dass wir noch nirgends waren», sagt Widmer. Eine gute Lektion in Bescheidenheit, denn auch zum Hochmut gibt es eine Weis­ heit: «Wer glaubt, er sei der Grösste, weil er über eine hohe

«Egal, was sich einem in den Weg stellt – man kann ein Problem nicht verändern, sondern nur sich selbst verbessern und dann das Problem überwinden.» Mauer gesprungen ist, vergisst, dass es immer noch höhere gibt», sagt Widmer. Missen möchte er die autodidaktischen Jahre aber keinesfalls. Sie hätten ihn Respekt gelehrt: vor der eigenen Angst und vor der Erfahrung. Denn nur die Erfah­ rung erlaubt es, das Risiko beim Parkour zu kalkulieren: Wie gross müssen Vorsprünge sein, um Mauern überwindbar zu machen? Welches Material ist griffig, welches rutschig? Ab wie viel Rost wird ein Geländer instabil? Widmer hat sich in zwölf Jahren mit Tausenden von Griffen und Sprüngen eine Art taktile Datenbank erstellt, die es ihm ermöglicht, wäh­ rend eines Laufs blitzschnelle Entscheidungen zu fällen. Diese Fähigkeit hat ihm vielleicht das Leben gerettet. Als er vor zwei Jahren mit seinem Motorrad in Münsingen un­ terwegs war, rammte ihn ein Auto mit 50 Stundenkilome­ tern. Noch im Fallen suchte Widmer nach einem Pfad, sich­ tete die ungefährlichste Stelle am Strassenrand, veränderte die Richtung seines Sturzes, rollte ab – alles im Bruchteil einer

SWISSLIFE Frühling 2012

Sekunde. Das Motorrad wurde unter das Auto geschleudert und brach Widmer dabei ein Bein. «Ich spürte, dass ich verletzt war», erinnert er sich. «Ich sagte zu den aufgebrach­ ten Autofahrern: Wir sollten die Unfallstelle sichern und die Polizei rufen, danach muss ich ins Spital.» Widmer blieb so ruhig, dass der Notarzt glaubte, er stünde unter Schock. «In diesem Moment», sagt er, «merkte ich, dass mich die zehn Jahre Parkour auch mental stark gemacht hatten.» Ob in der Nähe des Blutturms am Ufer der Aare, rund um das Leichtathletikstadion Wankdorf oder auf der Gros­ sen Schanze mitten in der Stadt: Die Berner Passanten ha­ ben sich an die Traceure gewöhnt. Parkour ist zu einem Trendsport geworden, für die Trainings von ParkourONE existieren Wartelisten. Aber wer mit dem Sport anfängt, weil er gerade als cool gilt, gibt bald wieder auf. Das Training ist hart. «So hart», sagt Widmer, «dass man nicht die Energie hat, sich über seine Coolness Gedanken zu machen.» Auch wenn es nur die eigenen Grenzen sind, die immer wieder über­ wunden werden müssen – Parkour ist kein Wettkampfsport. «Einen Traceur interessiert es nicht, wer schneller rennt, hö­ her klettert, weiter springt», sagt Widmer. «Ob du es richtig machst, sagt dir hier kein Trainer, sondern der Boden oder die Wand.» In den Kursen gibt Widmer nicht nur seinen Sport, son­ dern auch seine Lebenseinstellung an die Jugendlichen wei­ ter: Egal, was sich einem in den Weg stellt – man kann ein Problem nicht verändern, sondern nur sich selbst verbessern und dann das Problem überwinden. Das funktioniert auch, wenn das Hindernis für einmal aus einem ärgerlichen Ab­ wart besteht, der sich in schnellen Schritten nähert und «Abfahren, aber sofort!» brüllt. Roger Widmer erzählt die Anekdote zu Ende: An jenem Nachmittag ging er über die Terrasse auf den Abwart zu, nannte seinen Namen und er­ klärte, was er hier tut. Höflich, bescheiden, respektvoll. Na­ türlich hätte er ein Verbot des Abwarts respektiert. Aber nach dem Gespräch erlaubte ihm der Mann sogar etwas, das Widmer sich selbst versagt hatte: An der Fassade des Gebäu­ des hochzuklettern. Der vermeintliche Homie und der ver­ meintliche Spiessbürger verabschiedeten sich lächelnd. Bis zum nächsten Mal, sagte der Abwart und fügte an: «Wenn ich jünger wäre, würde ich das auch probieren.»

Die preisgekrönte Autorin und Journalistin Barbara Klingbacher lebt und arbeitet in Zürich.


Stauraumsystem LO One


Vorwärtsdrang. Designed by Lista Office LO. Welche Eigenschaft braucht Ihre Arbeitswelt, um sich in einer temporeichen Wirtschaft durchzusetzen? Das Markenzeichen «LO» gibt eine klare Antwort: Innovationskraft. Das Resultat sind zukunftsgerichtete Büromöbelsysteme, welche die Einzel- und die Teamleistung verstärken. Sowie weitsichtige Raumkonzepte, die Ihrem Unternehmenserfolg mehr Schub geben. Lista Office LO in Ihrer Nähe > www.lista-office.com/vertrieb


So einfach benutzen Sie QR-Codes

1 // Laden Sie einen QR-CodeReader auf Ihr Smartphone. Die meisten Gratis-Apps funktionieren 端brigens tadellos.

2 // Aktivieren Sie die App und richten Sie die Kamera auf den QR-Code: Die App erkennt ihn sofort und entschl端sselt ihn.

3 // Einmal antippen gen端gt: Schon kommen Sie in den Genuss eines kleinen Film-, Ton- oder Textbeitrags.


Küchenfreuden // 55

Einfach, aber vom Besten: Frühlingsgrüsse aus dem Tessin Das Gute liegt oft nah – man muss es bloss entdecken: die Spargelsaltimbocca aus dem Magadino etwa. Mit lokalem Formagella betört sie die Sinne – und krönt den kulinarischen Frühling.

Illustration: Sylvia Geel

Matthias Althof über frische Produkte

Spargelsaltimbocca aus dem Magadino mit geschmolzenem Formagella und Frühlingssalaten Spargel schälen und kochen, mit dem Rohschinken und einem Salbeiblatt einwickeln, so dass die Spitzen frei bleiben. Mit einer Scheibe Rohschinken eine Rose dressieren, auf den eingewickelten Spargel legen und ca. 6 Minuten bei 160 Grad im Ofen braten, bis der Schinken kross ist. Den Formagella (Taleggio) 3 bis 5 Minuten in einer Pfanne leicht wärmen oder abflämmen und auf den Spargel geben. Mit Frühlingssalat – vielleicht bereits mit Bärlauch! – an einem Kräuter­Essig­Dressing oder mit neuen Kartoffeln servieren. Zutaten für 4 Personen: 480 g gekochter grüner Spargel, 16 Scheiben Rohschinken (ca. 80 g), 160 g Formagellakäse (Taleggio) in Scheiben geschnitten, Frühlingssalate

SWISSLIFE Frühling 2012

Für mich ist es wichtig, mit lokalen Produzenten zu arbeiten, die mir liefern, was ich sonst in dieser Frische nicht bekomme. Der Ziegenkäse aus dem Onsernonetal stammt nicht von ungefähr von einem Hof namens La Capra Contenta (Die zufriedene Ziege). Und das Rindfleisch von Tieren aus der Region kommt vom Metzger in Intragna. Ich verarbeite Produkte aus dem Tal und beziehe sie von Menschen, die mit viel Liebe ihrem Handwerk nachgehen – Produ­ zenten, die ab und zu auch bei mir vorbeischauen, ein Glas Wein trinken oder mit der Familie zum Essen kommen. Das verbindet. Die Arbeit mit ihren Produkten macht auch das Kochen einfach: Etwas Spargel aus dem Magadino, etwas Rohschinken vom hiesigen Säuli, Formagella von einer gut gehegten Alp, Frühlingssa­ late – fertig ist das Meistergericht! Matthias Althof betreibt das Restaurant Tentazioni in Cavigliano TI zusammen mit seiner Frau, der Patissière Elvira Soler Althof. Für seine Kochkünste wurde er mit 15 Gault-Millau-Punkten belohnt und als Entdeckung des Jahres 2012 im Tessin ausgezeichnet. www.ristorante-tentazioni.ch


SHOP ONLINE NOW


Reeto von Gunten // 57

Ursprünglich wollte er fliegenfischen. Doch das war ihm zu kompliziert. Darum fischt unser Autor jetzt mit einer Kamera nach den wahren Momenten des Lebens. Irgendwann, zwischen Kalenderwoche 1 und 4 des neuen Jahres, ist mein Joggingvorsatz auf der Strecke geblieben. Das schlechte Gewissen allerdings, das ist immer noch da und mahnt mich an meine eigene Träg­ heit und den Zahn der Zeit. Ursprünglich wollte ich fliegenfischen. Das hat et­ was Beruhigendes, fast Zen­mässiges, jedenfalls in mei­ ner Erinnerung an diesen Kinofilm. Blöderweise hatte die Wirklichkeit dann hauptsächlich kompliziertes Equipment, amtsschimmeligen Papierkram und stun­ denlanges Techniktraining für mich bereit. Zudem litt meine Motivation massiv unter der Vor­ stellung, als Höhepunkt meiner Freizeitbeschäftigung jemanden umbringen zu müssen. Das wars dann auch mit Fliegenfischen. Rest in Peace. Bloss: Aktiv bleiben möchte ich immer noch. Und seit ich eine Brille trage–Diagnose Altersweit­ sicht – verspüre ich diesen seltsa­ men Drang, meinen Blick schärfen zu wollen, im über­ tragenen Sinn natürlich. Endlich mal Überblick ge­ winnen, das Leben durchschauen. Das war doch ein Plan: Draussen nach dem Durchblick suchen! Gesunder Ent­ deckergeist! Im Freien statt vor dem Bildschirm! I like! Also beschloss ich, aus dem ahnungslosen Amateur­ knipser, der ich nun mal bin, wenigstens einen dilettan­ tischen Fotografen zu machen und habe mich in Foto­ grafie­Websites gegraben, ganze Nachmittage über Fotobüchern verbracht, mich mit Bildkomposition und der Subjektivität von Schärfe auseinandergesetzt und dabei etwas entdeckt. Etwas, das man als «Echte Foto­ grafie» bezeichnen könnte; quasi das Gegenteil von dem, was mit einem Telefon und ein paar Apps alles möglich ist. Mir waren Bildbearbeitungsprogramme

SWISSLIFE Frühling 2012

schon immer suspekt. Wer Fotos nachträglich verän­ dert, trägt letztlich nur zur Flut der omnipräsenten Lügenbilder bei. Mich interessiert viel mehr, die Wirk­ lichkeit abzubilden. Das Reale, das ich auf meinen Streifzügen durch die Stadt sehe, woher ich auch schon die meisten meiner Geschichten habe. Dort, wo ich lebe und das Leben um mich herum beobachten kann. Und ich habe mir auch schon einen Arbeitsgrundsatz zurechtgelegt, schliesslich will der eigene Anspruch in Worte gefasst und dann zielstrebig verfolgt werden. So wie beim Jogging, in Kalender­ woche 1 bis 4. Ich werde also nicht nach dem beeindruckenden Bild streben, sondern mich auf die Suche nach Spontaneität und Echtheit ma­ chen, nach jenem Moment, der nicht voraussehbar und in Se­ kundenschnelle wieder weg ist. Dazu habe ich mir eine Kame­ ra besorgt, die mir ein gewisses Mass an Handfertigkeit abver­ langt und mich gar nicht erst in Versuchung kommen lässt, Autofokus und Menüpunkt «Landschaft» ein­ zustellen, sie kennt so was gar nicht. Und als erstes gleich jenes Bild geschossen, das alle von sich machen, aus Freude am neuen Gadget: ein Spiegel­Selbstporträt, keinen Deut besser als mit dem Telefon geschossen. Ausserdem habe ich es anschliessend im Computer «entspiegelt». Mein Weg ist also noch ein langer. Und ich bin mo­ mentan wenig zuversichtlich, Ihnen in einer der nächs­ ten Ausgaben eine meiner «Echten Fotografien» zeigen zu können. Aber ich bleibe unterwegs. Versprochen. Reeto von Gunten schreibt in SWISSLIFE über Dinge mit einer besonderen Geschichte. Den Radiomoderator (DRS3), Buchautor und Geschichtenerzähler faszinieren die kleinen Grossartigkeiten des Lebens.


Sind Sie mit Ihrem Wissen auf der Höhe? Wo Setzt man SIch 2012 eIn 175 m hoheS denkmal? D > WInTERTHUR A > BASEL

Welche Stadt BeSItzt den eRSten WolkenkRatzeR deR SchWeIz? G > LAUSAnnE n > GEnF

Wo kann man den mIt 101 m höchSten kIRchtuRm deR SchWeIz BeWundeRn? G > THUn U > BERn

Gewinnen Sie eine Übernachtung im Grand Hotel Dolder Zürich.


Wettbewerb // 59

ÜBeR WelcheR Stadt thRont dIeSe 74 m hohe kathedRale? L > FREIBURG n > SoLoTHURn

Wo Steht daS mIt 126 m (noch) höchSte SchWeIzeR GeBäude? L > BASEL o > ZÜRICH

Welche Stadt nennt dIeSe BRÜcke mIt tuRm IhR WahRzeIchen? D > ST. GALLEn n > LUZERn

Nebeneinander aufgereiht, imponieren die höchsten Schweizer Baudenkmäler als grossartige Skyline. Doch welches Gebäude steht in welcher Stadt? Setzen Sie die Lösungsbuchstaben richtig zusammen, kommen Sie auf den Namen eines bekannten Ortes – und gewinnen mit etwas Glück ein Dinner samt Übernachtung für zwei Personen im Wert von 1500 Franken im besten Schweizer Stadthotel (BILANZ-Hotel-Rating 2011): dem Dolder Grand in Zürich. Nehmen Sie im Internet (www.swisslife.ch/magazin) an diesem Wettbewerb teil oder beantworten Sie die sechs Fragen auf der Antwortkarte (Lasche der hinteren Umschlagseite). Teilnahmeschluss ist der 30. April 2012. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird im nächsten SWISSLIFE bekannt gegeben. Wir gratulieren Herrn Marco Montanari, 6010 Kriens, zum Gewinn des letzten Wettbewerbs, einem Sony Blu-ray Heimkino-System BDV-L800 im Wert von 899 Franken, offeriert von Sony. Die richtige Antwort lautete: A.

SWISSLIFE Frühling 2012


60 // Zugabe

Phenomden über seinen Song «Stadt»

«Es ist extrem schön, wieder da zu sein.» Sie wär nüüt ohni eus mir wäred nüüt ohni sie i ihre inne findet’s statt und drumm suechemer sie jede liebt sini eigeni‚ s isch ganz egal ob Basylon, Burn oder Z’riich­shitty «Ich war vor gut einem Jahr ziemlich lange weg, zehn Monate in Kingston, Jamaica, lebte dort an den Hügeln der City, Red­ hills, in fünf Minuten bist du downtown, mittendrin, es ist lärmig, es ist heiss, es ist cool – du fühlst dich im Universum zu Hause, an einem andern Ort, in einer andern Stadt. Ich habe dort viele Songs geschrieben, hatte eine gute Zeit, aber irgendwie vergass ich auch, wie es sich anfühlt, wenn man sich in einem vertrauten Umfeld bewegt, unter Freunden und Bekannten. Das hat mich dann echt berührt, als ich hierher zurückkam, in die Schweiz. Ich jobbte in Zü­ rich in einer Velowerkstatt, da kamen Kunden, die mich wie­ der erkannten und die sagten: «So geil, bist du wieder da, wann kommt ein neues Album von dir?» – und ich merkte, wow, so cool: Es ist extrem schön, wieder da zu sein. Das war so warmherzig, das hat mich echt berührt, so heimzukommen und zu merken, die Leute hier, die freuen sich auf dich, die warten sogar auf dich! Ich traf wieder meine Freunde, ich ging wieder an die Orte, die mir vertraut waren, durch die Quartierstrassen, die ich kannte – ich war da zu Hause, wo es mir wohl war, es war wirklich meine Heimat­

stadt. Aber ich merkte auch, besonders, als ich im Studio war, dass die Songs, die ich in Jamaika geschrieben hatte, nicht nur melodiöser wurden, sondern von den Themen her auch universeller, das sagten mir auch die Musiker der Scrucialists, meiner Band – aber sie sagten mir auch: «Man merkt, dass du die Songs nicht zu Hause in Zürich geschrieben hast.» Ich traf dann Stereo Luchs, wir beide hatten schon früher einige Songs gemacht, in denen wir viel kritisierten, was in den Städten so abgeht: Spekulation, Wohnungsnot, Ver­ kehrsmisere. Aber jetzt sagten wir uns, come on, es wäre ei­ gentlich gut, trotz all dem, was nicht gut läuft, mal zu sagen, was uns gefällt in der Stadt – so kam es zu diesem Song. Für mich stimmt das Lied total, ich hatte ja wirklich die­ sen warmen Empfang hier, in dieser Stadt, die ja auch wie ein Dorf ist, man geht an die gleichen Orte, man trifft sich in denselben Bars, man begegnet sich in den gleichen Quartie­ ren, und du merkst, eine Stadt ist manchmal eine kleine Welt. Darum habe ich auch ein paar Nicknames eingebaut im Song, man darf sich als Städter nicht zu ernst nehmen. Ob Lufern, Senf, Lug, Winterchur, Basylon, Burn oder Tüüri­city – es ist mit den Städten wie mit einer Liebesbeziehung: Man denkt, läck, so geil, und handkehrum hängt dir die Sache wieder zum Hals raus, und man ist froh, kann man weggehen – für einen Moment. Aber es ist dann wahnsinnig schön, auch wieder das Zurückkommen zu erleben, das ist eben schon toll, auch und gerade in Z’riich­shitty.» Phenomden tourt zurzeit mit seinem neuen Album «Eiland» durch die Schweiz. Begleitet wird er von seiner Band The Scrucialists, teilweise auch von Stereo Luchs, mit dem er den Song «Stadt» eingespielt hat. Dank seinem eingängigen Reggae im Jamaican-Style und ebenso herzlichen wie engagierten Texten zählt Phenomden zu den wichtigsten Vertretern einer neuen, eigenständigen Schweizer Musikszene. www.phenomden.ch


Ich bin erreichbar von

Thema:

Ich wünsche eine persönliche Beratung. Nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf. bis

Swiss Life Business Profit (siehe UPDATE Seite 5) Swiss Life Classic Crescendo Duo (siehe UPDATE Seite 6) Möglichkeiten der Geldanlage bei Swiss Life (siehe UPDATE Seite 8) Sonstiges:

Ich wünsche zusätzliche Informationen. Senden Sie mir Unterlagen zu folgenden Themen:

Teilnahmeschluss: 30. April 2012

Eine von fünf Geschenkkarten von Ochsner Sport im Wert von 200 Franken. (siehe UPDATE Seite 10).

Das Lösungswort lautet:

Ein Dinner und eine Übernachtung für zwei Personen im Grand Hotel Dolder in Zürich im Wert von rund 1500 Franken (siehe Seite 58)

Ich möchte gewinnen!

SWISSLIFE // Frühling 2012 // Stadtgeschichten App für QR-Codes runterladen und Code mit Handy erfassen: Viel Spass mit den Stadtgeschichten von Alex Capus!


Magazin 3.12

www.swisslife.ch/magazin

Map data © OpenStreetMap contributors, CC-BY-SA

Absender: Vorname Name Strasse/Nr. PLZ/Ort E-Mail Telefon

Teilnahmebedingungen: Teilnahmeberechtigt sind alle Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz, ausgenommen die Mitarbeitenden der Swiss Life-Gruppe und allfälliger beteiligter Agenturen sowie deren jeweilige Angehörige. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden persönlich benachrichtigt. Eine Barauszahlung der Gewinne ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ihre Angaben können zu Marketingzwecken verwendet werden.

Swiss Life AG Marketing Schweiz General-Guisan-Quai 40 Postfach 8022 Zürich


SWISSLIFE  

Frühling 2012 // Stadtgeschichten

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you