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wirtschaft ostschweiz

FREITAG, 25. MÄRZ 2011

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Grossraumbüro a` la carte

Lista Office LO hat die Nase vorn, wenn es um Trends in der Arbeitswelt geht. Am heutigen ersten internationalen Symposium «New Ways of working» werden Alternativen zur Gestaltung von traditionellen Arbeitsplätzen aufgezeigt.

«Beim Fensterln kennengelernt»

´ M ELANIE KNÜSEL-RIETMANN

Ein Grossraumbüro ist nicht jedermanns Sache. Selbst wenn die einzelnen Arbeitsplätze getrennt und isoliert sind, bleibt ein Klima, in dem konzentriert und ohne Störung gearbeitet werden kann, für viele ein Wunschtraum. Die Wirklichkeit sieht nämlich anders aus: In repräsentativen Umfragen stehen Lärmimmissionen, allen voran unfreiwillig mitgehörte Telefonate und andere unerwünschte Unterbrechungen durch Kollegen, zuoberst im Sorgenkataster. «Die Akustik am Arbeitsplatz ist heute immer noch das zentrale Thema», bestätigt denn auch Sergio Renda, verantwortlich für Marketing und Innovationen bei der Lista Office LO. Aber das ist nur eines von vielen Problemen, die mit zukunftsorientierten Konzeptlösungen dieses innovativen Unternehmens behebbar sind. Das Stichwort in der Fachwelt heisst «non-territoriales Büro». Was in geschwollenem Anglizismus daherkommt, ist nichts anderes als die Bezeichnung für eine neue Ära auf dem Gebiet einer besseren Nutzung von Flächen in einem grossen Arbeitsraum: Wenn, wie heute üblich, jeder sein eigenes Kabäuschen in einem Grossraumbüro hat, bleiben viele Anforderungen an eine möglichst immissionsfreie Bürolandschaft unerfüllt, weil die Flächen durch starre Strukturen «besetzt» und nicht a` la carte verfügbar sind. DEGERSHEIM/OERLIKON.

Beliebig einteilbar Mit der neuen Raummöbelserie «Mindport» der Lista Office LO kann die Flexibilität in der Raumnutzung erhöht werden, weil es keine festen Einbauten, sondern nur noch modular einsetzbare Elemente gibt. Das so gestaltete Grossraumbüro wird zu einer beliebig einteilbaren Arbeitsfläche, bei der verschiedene Tätigkeiten des Büroalltags unter einem Dach vereint sind. Dazu gehören individuelle Arbeitsplätze wie auch Räumlichkeiten, in denen diskutiert, konferiert und oder einfach «abgeschaltet» werden kann. Am anschaulichsten beschreibt diese futuristisch anmutende Konzep-

Arbeiten trotz Behinderung ST.GALLEN. «Menschen mit Behinderungen sind die grösste Minderheit weltweit», sagte Stephan Böhm, Direktor des Center for Disability and Integration an der Universität, gestern am Commitment to Action Symposium an der HSG. Doch oft bleiben sie vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Drei Preise wurden vergeben für Firmen, die sich bei der Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt besonders hervorgetan haben. Bei den Kleinunternehmen gewann die Zürcher Asperger Informatik AG. Fünf der sieben Mitarbeiter sind Asperger-Autisten – diese Menschen verfügen oft über besondere Fähigkeiten. Bei den Grossunternehmen gewann die Audi AG. Den Sonderpreis gewann das Institut für Sozialdienste Vorarlberg mit ihrem Projekt «Spagat», das Jugendliche mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Solche Beispiele zeigen, dass die Schritte für eine bessere Integration nicht teuer sein müssen und den Arbeitsplatz oft für alle besser machen, sagte Stephan Böhm. (red./ken)

BUSINESS LUNCH

Schon in den ersten drei Monaten wurde Thomas Gerosa und seine EgoKiefer in Altstätten mit Preisen überhäuft: Zuerst wurde ihm am Rheintaler Wirtschaftsforum im Januar der Preis der Rheintaler Wirtschaft überreicht. Doch damit nicht genug: Vor rund zwei Wochen erhielt die EgoKiefer den Publikumspreis der MarketingTrophy 2011 – für eine Kampagne, die mit der arktischen Tierwelt wirbt: Eisbären, Robben oder Pottwale.

Bild: Lista Office

Die Zeit der eckigen Boxen in den Grossraumbüros ist vorbei, glaubt die Lista. tion Sergio Renda: «Man muss sich das wie eine Wohnung vorstellen, in der ich alle Räume nutzen darf, aber keiner davon gehört mir ganz alleine.» In der Work Lounge können beispielsweise spontane Sitzungen durchgeführt werden, bei denen man die Nachbarn nicht stört. Grosse Ohren schirmen ab. In einer klimatisierten Raumbox, bezeichnenderweise Think Tank genannt, kann ungestört vor sich hinbrüten, wer mit einer guten Idee schwanger geht. Das Raumelement Touch Down ist für jene gedacht, welche kurz vor einem Meeting oder einer Präsentation ihren Laptop einschalten, ihre Mails checken oder Dokumente ausdrucken wollen. Kurz: Es sind dies lauter temporäre Arbeitsplätze, die von allen benützt werden können. Gemäss Renda sind die Lista-Office-LO-Raummöbel Prototypen und werden im Frühjahr 2012 serienreif. Die Entwicklung

BEFRAGT

Sergio Renda Leiter Marketing + Innovation

Offene Raumstrukturen Wie gross ist das Interesse an «Mindport»? Mit «Mindport» gehen wir auf einen Trend ein: Büroflächen werden unausgebaut gemietet. Auch fragen sich viele Unternehmen, wie ihr Grossraumbüro optimiert werden kann. Mit «Mindport» kann der Raum einfach und ohne Einbauten strukturiert werden. Glauben Sie, die Nutzer akzeptieren das neue Konzept?

«My Office is my castle» – wir sind uns bewusst, dass ein persönlicher Arbeitsplatz ein Statussymbol sein kann. Ein optimiertes Grossraumbüro muss aber nicht zwingend non-territorial genutzt werden. Hinzu kommt, dass die Mitarbeitenden aber so von neuen, alternativen Raumangeboten profitieren. Wichtig ist, dass jedes Projekt begleitet wird, um die Menschen an die neuen Konzepte heranzuführen. Ab welcher Unternehmensgrösse sind solche Bürowelten sinnvoll? Unser Konzept ist so ausgelegt, dass auch KMU von diesen Lösungen profitieren können. Erfahrungsgemäss arbeiten heute noch nicht viele KMU in offenen Raumstrukturen, wir sind aber überzeugt, dass sich dies in Zukunft ändern wird. (mer)

der Raummöbel basiert auf der wissenschaftlichen Erforschung nachhaltiger Arbeitswelten. Begleitstudie An der begleitenden Studie dürfte vor allem interessieren, wie Mitarbeitende auf diese in der Schweiz neue Form von Arbeitsumfeld reagieren. Weil Lista Office LO in der Ostschweiz produziert, darf davon ausgegangen werden, dass sich ein Erfolg dieses Konzepts auch positiv in den Auftragsbüchern niederschlagen wird. Allerdings ist es noch zu früh, konkrete Zahlen zu nennen. Sicher ist indes heute schon, dass das in Degersheim domizilierte Unternehmen mit dieser neuen Bürowelt, die man als einen Dreiklang von Modularität, Funktionalität und zeitgemässem Design bezeichnen könnte, definitiv das Image eines blossen Herstellers von Tischen und Schränken hinter sich gelassen hat.

Heisses Jahr für Hälg Gruppe

Die St. Galler Hälg Gruppe, die in der Planung und Installation von Gebäudetechnik-Anlagen tätig ist, konnte 2010 ihren Umsatz um 10 Prozent steigern. KASPAR ENZ

ST.GALLEN. Das Areal ist noch

eine Baustelle, doch im Innern der Halle brennen schon die Holzschnitzel. Hier in Speicher ist das Herzstück des Wärmeverbundes Speicher-Trogen. Öffentliche Gebäude werden schon von hier aus geheizt, bald soll noch ein kleinerer Wärmeverbund angehängt werden, der schon existiert. Die Feuerung kommt von der Schmid AG in Eschlikon, die Leitungen verlegt das St. Galler Gebäudetechnik-Unternehmen Hälg. Es ist dabei, möglichst viele weitere Kunden zu gewinnen. «Bis im September dürfte die Anlage ausgelastet sein», sagt Donato Mascello, Leiter Heizung und Kälte bei Hälg. Ist eine gewisse Grösse erreicht, will man hier auch Strom produzieren – Platz für eine entsprechende Anlage ist vorhanden. Seit drei Jahren erneuerbar Vor drei Jahren hat die Hälg angefangen, auch Wärmepumpen

oder Solaranlagen zu installieren. Gerade in den ersten beiden Jahren sei das Wachstum sehr stark gewesen, 2010 war es etwas flacher, sagt Roger Baumer, Vorsitzender der Gruppenleitung, gestern bei der Vorstellung des Geschäftsberichts. Trotzdem war 2010 ein gutes Jahr für die Hälg Gruppe: Der Umsatz stieg von 233 Millionen Franken auf 258 Millionen an. Den Gewinn gibt das Familienunterneh-

men nicht bekannt, die Rendite sei aber «angemessen», sagte Baumer. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 650 auf 720, ein Drittel der neuen Mitarbeiter kam dank der Übernahme der Brunner Haustechnik AG hinzu. Bautätigkeit stieg weiter «Die Bautätigkeit war durch die tiefen Zinsen stark», sagte Roger Baumer. Dank der Energiepreise habe die Industrie auch viele Ge-

(Fast) alle unter einem Namen 2010 überdachte die Hälg Gruppe auch ihren Auftritt. Für die bessere Wahrnehmung am Markt soll die Marke «Hälg Building Services Group» mit dem Slogan «perfekt kombiniert» sorgen. Ausserdem treten neu auch fast alle Tochterfirmen unter dem Namen Hälg

auf – auch die Klima AG. Zwei Teile bleiben aussen vor: Bei der Axpo Contracting AG ist Hälg nur Minderheitsaktionärin. Auch die Brunner Haustechnik AG, die 2010 dazukam, behält den Namen. Man wolle sie erst besser kennenlernen, sagte Roger Baumer. (ken)

Herr Gerosa, was haben Eisbären mit Fenstern zu tun? Seit Anfang der 90er-Jahre interessierte ich mich für das Potenzial von Fenstern beim Energiesparen. Seither wird der Klimaschutz auch öffentlich wichtiger. Wir fragten uns: Wie können wir unser Engagement für den Klimaschutz rüberbringen, auch im Bild? Die Bilder von Tieren, die Gerry Hofstetter in der Arktis gemacht hat, machten mir klar: Nicht nur unsere Gletscher, auch die Arktis schmilzt. Kaum ein Tier verkörpert das so wie der Eis-

bäude saniert. Die Hälg Gruppe, die von Beratung und Ingenieurarbeiten über die Installation zum Gebäudemanagement ein breites Spektrum abdeckt, konnte davon profitieren. Wegen des Tsunami in Japan steigt nun die Skepsis gegenüber der Kernenergie, und die Ölpreise sind hoch. «Das spielt uns zu», sagte COO Marcel Baumer. Er hofft auf weitere Sanierungen und Investitionen in erneuerbare Energien. «Die Latte liegt bei 90 Franken», sagte Donato Mascello. Ist der Ölpreis höher, würden sich viele Kunden gegen die Ölheizung entscheiden. Auch im letzten Jahr konnte die Hälg Gruppe an verschiedenen Grossprojekten mitwirken. In der Ostschweiz gehörten dazu das Wellnesshotel Golf Panorama in Lipperswil, wo Hälg die Heiz-, Lüftungs- und Klimaanlagen geplant und installiert hat. In Herisau installierte Hälg die Anlagen im neugebauten Gebäudekomplex der Metrohm AG.

Thomas Gerosa CEO und Delegierter des Verwaltungsrats, EgoKiefer bär. Deshalb war er das erste Sujet der Kampagne, mit der wir den Publikumspreis der Marketing-Trophy 2011 gewonnen haben.

Wurde der Preis schon gebührend gefeiert? Ich war im Ausland, als der Preis bekanntgegeben wurde. So feiern wir es an unserem Kadertag. Mit Ihren Fenstern engagieren Sie sich fürs Energiesparen – haben Sie selber auch ein Minergie-Haus? Nein, ich nicht. Ich habe ein altes Haus, das aber so weit wie möglich mit den besten Fenstern, also EgoKiefer-Fenstern, ausgerüstet ist. Meinem Sohn habe ich gesagt, er soll ein Minergie-Haus bauen. Das hat er auch getan. Ich selber denke als weiteren Schritt über eine Wärmepumpe und über Photovoltaik nach. Haben Sie auch mal genug von Fenstern? Nein – bei mir hat es mit den Fenstern wohl begonnen, als ich meine Frau beim Fensterln kennengelernt habe. Damals habe ich aber noch nicht gewusst, was auf mich zukommt. Früher war das Fenster einfach etwas, das man auf und zu macht. Dann merkte man, dass sie die Schwachstellen der Häuser sind: Da kommt Luft rein und Licht. Heute machen wir HighTech-Produkte. Bleibt neben den Fenstern doch noch Zeit für die Familie? Wenn ich zu Hause bin, nehme ich mir Zeit für Familie und Garten; oder Nordic Walking im Balgacher Wald. Aber was heute von den Männern erwartet wird bezüglich Teilnahme an der Familie – das hätt ich wohl nicht gekonnt. Aber die Gerosas gehen schon noch zusammen Skifahren. (ken)


Grossraumbüro à la carte