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fazitmagazin.at

#96

Nr. 96 7/2013 EURO 4,50 Erscheinungsort Graz Verlagspostamt A-7204 Neudörfl P.b.b. 04Z035487 M

Mikrokosmos. So wählt eine Grazer Straße

Hans im Glück Fazitgespräch mit Hans Knauss

Fazit

Oktober 2013

Reiner Wein. Zu Gast bei Sepp Muster Zehn Jahre Kulturhauptstadt

Essay von Andreas Unterberger

Wirtschaft und mehr. Aus dem Süden.


Start-Up Österreich Um der Realität der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden und um unternehmerische Innovationen zu vermehren, müssen wir die Bedingungen zur Gründung und zum Betrieb von Unternehmen neu adjustieren. Wir haben fünf Maßnahmenpakete für ein zukunftsfähiges Start-Up Land Österreich ausgearbeitet:

1.

2.

Start-Up Boom durch Anreize für private Investoren

One-Stop-Shop für Gründer und Entlastung der EPU

3.

4.

5.

Oft gefordert, nie passiert: Der Faktor Arbeit gehört entlastet. Unsere Ideen fokussieren auf kleine Unternehmen:

Es ist dringend an der Zeit privates Investment zu stimulieren. Dafür braucht es:

Damit sich Unternehmer gerade in der schwierigen Anfangszeit auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, wollen wir:

Das österreichische Gewerberecht in seiner jetzigen Form stellt einen skurrilen Protektionismus dar.

→ Für den ersten Mitarbeiter werden keine Lohnnebenkosten gezahlt. Die Regelung gilt für alle Unternehmen egal wie groß oder klein. → Mitarbeiterbeteiligungen werden erleichtert. → Wir fordern ein Ende der Abgabenverschleierung (u. a. in Form des 13. und 14. Monatsgehalts) und der Lohnnebenkosten für selbstständige GmbHGesellschafter.

→ Die steuerliche Abschreibbarkeit von Verlusten aus StartUp-Beteiligungen, eine Steuerbegünstigung für Investitionen in Start-Ups. → Eine Investitionsverpflichtung für institutionelle Investoren und Anreize für Stiftungen. → Rechtliche Grundlagen für Crowd Funding und → Investitionen aus staatlichen Privatisierungserlösen.

→ Entlastung der EinPersonen-Unternehmen, besonders im Hinblick auf die SVA. → Streichung der MindestKörperschaftsteuer → Streichung der Gesellschaftsteuer.

→ Kammer-ZwangsMitgliedschaften müssen abgeschafft werden. → Der Gewerbezugang kann in über der Hälfte aller betroffenen Branchen gelockert werden. → Das Ladenöffnungsrecht muss als Recht der Unternehmer begriffen werden, ein Geschäft jederzeit offen halten zu dürfen, solange das Arbeitsruhegesetz einhalten wird.

Die GmbH als Unternehmensform sichert direkten Einfluss und limitiert das Risiko. Für Investitionen ist sie aber zu unflexibel und international wenig anerkannt.

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Mehr Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter

Gewerberecht auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringen

Das gesamte Papier finden Sie auf der NEOS-Website zum Download: neos.eu/startup.pdf

„Klein AG“ für mehr Flexibilität moderner Unternehmen

Die AG ermöglicht im Vergleich dazu Flexibilität, verursacht aber hohe Kosten. Eine neue Unternehmensform der Klein AG könnte die Vorteile von AG und GmbH verbinden.


Editorial

Von Christian Klepej

S

eit bald zweieinhalb Jahren herrscht in Syrien ein kriegsgleicher Zustand, der nach groben Schätzungen bis zum heutigen Tag um die 100.000 Opfer zählt. Rund sechs Millionen Syrer befinden sich auf der Flucht, von ihnen haben bereits zwei Millionen ihr Land verlassen. Ausgebrochen ist dieser Bürgerkrieg im ersten Halbjahr des Jahres 2011 mit dem Beginn der von westlichen Medien gerne recht euphemistisch als »Arabischer Frühling« bezeichneten Unruhen im ganzen Nahen Osten und eben auch in Syrien. Präsident Baschar al-Assad hat diese anfangs friedlichen Demonstrationen mit roher Gewalt zu unterbinden versucht und daraufhin eskalierte recht rasch die Situation. Schon nach wenigen Wochen war klar, dass in diesem Land nichts mehr klar war. Das eigentliche Ansinnen der syrischen Opposition, das Land zu demokratisieren, war – bestenfalls – in den Hintergrund gerückt und entwickelte sich zum brutalen Krieg aus vor allem ethnischen und religiösen Gründen, der nun tagtäglich das Land erschüttert und den Menschen schreckliches Leid zufügt.

Gerade die Christen in Syrien benötigen dringend unsere Unterstützung!

Wie verworren und unbeurteilbar – jedenfalls von außen – auch immer die Lage in Syrien ist, es droht wieder einmal, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Und es erscheint (sogar) mir, dass es gut war, dass die USA (vorerst) auf ein aktives Eingreifen in den Konflikt verzichtet hat. Ich vermag selbstverständlich nicht zu beurteilen, was das Beste für Syrien wäre, es drängt sich nur jedenfalls der Anschein auf, dass für die islamischen Staaten in Nahost nicht die uns westlichen, europäischen Staaten eigenen demokratiepolitischen Maßstäbe anzusetzen sind. Und wohin sich der arabische Raum entwickeln kann und will, wird uns erst die Geschichte zeigen. Was ich aber sehr wohl beurteilen kann, ist die Tatsache, dass den Menschen in Syrien geholfen werden muss. Allen natürlich, und – das muss gerade für ein in letzter Konsequenz natürlich christliches Land wie Österreich gelten – insbesondere auch den Christen dort. Zehn Prozent der Syrer sind Christen (im Jahre 1920 waren es noch 30 Prozent) und diese sind – übrigens in furchtbarer Einheit mit den Alawiten, denen Präsident Assad angehört – die am stärksten bedrohte religiöse Gruppe im heutigen Syrien. Die syrisch-orthodoxe Kirche etwa hat bereits im März 2012 von »ethnischen Säuberungen« gegen Christen in der Stadt Homs durch islamistische Mitglieder einer Brigade der »Freien Syrischen Armee«, also Revolutionstruppen, berichtet. 90 Prozent der Christen von Homs sind aus der Stadt vertrieben, ihr Hab und Gut wurde konfisziert und ganze Stadtteile sind mittlerweile vollkommen, wie es heißt, »christenrein«. Rund eineinhalb Millionen, also 25 Prozent, der Flüchtlinge in und aus Syrien sind Christen. Alleine diese Zahl zeigt, dass Christen weit überproportional zu den Opfern der Gewalt zählen. Dieser noch dazu leider eben oft gezielten und fanatischen Gewalt gegen »Ungläubige«. Die österreichische Bundesregierung hat beschlossen, in einer Soforthilfemaßnahme abseits aller sonstigen Asylquoten 500 syrische Flüchtlinge in Österreich aufzunehmen. Innenministerin Johanna

Mikl-Leitner hat zudem präzisiert, dass dabei »christliche Opfer« zu bevorzugen wären. Der Grüne Peter Pilz empfindet – in diesem Fall – eine solche »Quotenregelung« als »letztklassig«. Ich getraue mich es hier zuzugeben: Ich empfinde diese Entscheidung der Regierung ganz im Gegenteil als »erstklassig«. Die moslemischen Flüchtlinge Syriens finden (leichter, nicht leicht!) im ganzen Nahen Osten, den Golfstaaten oder der Türkei Schutz und Aufnahme. (Und das ist dankenswert!) Die Christen aber sind dort, in dieser einstigen Wiege des Christentums, vollkommen auf sich allein gestellt. Selbst für einen Atheisten muss klar sein, sofern er kein geschichtsvergessener Dolm ist, dass wir ein christliches Land sind. Und daher eine besondere Verantwortung gegenüber Christen in Not haben. Die Syrienhilfe des ORF wirbt unter der Marke »Nachbar in Not«. Über die Tatsache, dass Syrien kein Nachbar von uns ist, wird man unter dem Eindruck der humanitären Katastrophe in diesem Land natürlich hinwegsehen; dumm ist es trotzdem. Wenn ich einen Nachbarn in Syrien habe, dann ist es die christliche Gemeinschaft dort. Und der muss ich vorrangig helfen! Genauso, wie ich in Folge allen anderen Menschen auch helfen muss. Wer sich aber vornimmt, immer gleichzeitig »allen« zu helfen, der hilft in letzter Konsequenz niemandem. Sondern beruhigt nur sein Gewissen. Spenden Sie jetzt für die Menschen in Syrien unter 0800222444 oder im Netz unter nachbarinnot.orf.at Sie erreichen den Autor unter christian.klepej@wmedia.at Fazit Oktober 2013 /// 3


Inhalt Fazit Oktober 2013 47

06

Fotos: Michael Thurm, Marija Kanizaj (2), Michael Neumayr

26

Steuern: Geschichte und Sinn, Nutzen und Schaden

Andreas Unterberger analysiert des Bürgers nobelste Pflicht. Eine kleine Geschichte der Steuern.

Wahl in der Kalchberggasse

Eine Grazer Geschäftsstraße wählt und ist sich erstaunlich einig.

Hans im Glück

Hans Knauss hatte für das Fazitgespräch zum Glück mehr Zeit als nur eine Hundertstelsekunde.

Ausgabe Oktober 2013 X. Jahrgang Nr. 96 FAZIT © Klepej &Tandl OG, Graz Alle Rechte vorbehalten. Mit »Promotion« oder »l« gekennzeichnete Beiträge sind entgeltliche Einschaltungen. Printed in Austria.

4 /// Fazit Oktober 2013


Wirtschaft und mehr. Rubriken Editorial 3 Politicks 16 Investor 34 Zur Lage 46 Immobilien 54 Alles Kultur 80 Schluss 82

68 74

Liebe Leser!

Print ist tot. Es lebe Print! Diesen Satz hatten wir die letzten Wochen immer und immer wieder im Hinterkopf. Obwohl oder wahrscheinlich gerade weil wir mit unserem Magazin einen weiteren – durchaus gewagten – Schritt hin zu noch mehr Qualität, zu noch mehr »Journalismus« machen.

Wir sind – noch immer – kein klassisches Kaufmagazin. Vielleicht werden wir auch nie eines werden. Vielleicht wird es aber überhaupt bald keine Magazine mehr geben. Der Weg der »Medien« ist ein ungewisser. Print funktioniert nicht mehr. Internet funktioniert noch nicht. So kann man es auf einen Nenner bringen. Wir, als herausgebergeführtes Magazin, versuchen zumindest, auf einem immer enger werdenden Markt zu bestehen. Neun Jahre ist uns das erfolgreich gelungen.

Heute präsentieren wir Ihnen ein runderneuertes »Fazit«. Unser Dank gilt dabei unserer Redaktion und dem ganzen Team, allen voran Michael Thurm, dem leitenden Redakteur und einem Mastermind dieses Relaunches. Jetzt sind Sie am Werk! Lesen Sie sich durchs neue Fazit und teilen Sie uns mit, was Ihnen gefallen hat und was nicht. Wir würden uns über Ihre Reaktionen freuen. -J. Tandl/C. Klepej-

Reiner Wein

Wir waren zu Gast bei Sepp Muster, Bioweinbauer im südsteirischen Leutschach. Dort macht er Wein, gut genug für die besten Restaurants der Welt.

Impressum Herausgeber Horst Futterer, Christian Klepej und Mag. Johannes Tandl Medieninhaber & Verleger Klepej & Tandl OG

Was bleibt

Zehn Jahre Kulturhauptstadt. Die Initiatoren blicken zurück und diskutieren auf der Murinsel.

Chefredaktion Christian Klepej Mag. Johannes Tandl

Leitender Redakteur Michael Thurm

Redaktion Mag. (FH) Michael Neumayr, Mag. Maryam Laura Moazedi, Mag. Josef Schiffer, Mag. Johannes Pratl, Helmut Wagner, Vanessa Fuchs (Organisation) Lektorat AdLiteram, Victoria Graf Produktion noahcommunications.at

Vertrieb & Anzeigenleitung Horst Futterer

Kundenberatung DI (FH) Gerald Gaksch, Sophie Serec Redaktionsanschrift Kalchberggasse 1/II, A-8010 Graz T. 0316/671929*0. F.*33 office@wmedia.at www.wmedia.at facebook.com/fazitmagazin

Fazit Oktober 2013 /// 5


Mikrokosmos Kalchberggasse

Wahl in der Kalchberggasse

Eindeutige Aussagen statt vermeintlicher Repr채sentativit채t. Die Umfrage zur Nationalratswahl, die mehr sagt als jede Sonntagsfrage.

Von Michael Thurm Mitarbeit: Vanessa Fuchs, Horst Futterer, Gerald Gaksch, Christian Klepej, Michael Neumayr, Johannes Tandl

6 /// Fazit Oktober 2013


Mikrokosmos Kalchberggasse

Ö

sterreich und seine Wähler, sie wünschen sich von einer Wahl eigentlich mehr, als es die Gewichtung von fünf oder gar sieben Parteien vermag auszudrücken. Dass diese Ansprüche weder in Umfragen noch bei der Wahl selbst deutlich werden, lässt jetzt schon erwarten, dass am Wahlabend wieder jeder seine eigene, einzig wahre Interpretation des Ergebnisses haben wird. Jeder wird sich bestärkt fühlen in dem, was er macht und will, und sicher wird auch jeder Politiker irgendeinen »Auftrag« aus dem Ergebnis ableiten. So sieht es die Zeremonie unbeeindruckt vom Wahlergebnis vor. Die Sehnsucht nach Konkretisierung und Inhalten wird lediglich in Nebensätzen befriedigt und spätestens beim Aufleuchten des Kameralichts wieder vergessen. Diese Sehnsucht lässt sich nicht in repräsentativen Umfragen, Kreisoder Balkendiagrammen erfassen, sondern sie ist die gewohnte Stimmung in jeder politischen Diskussion, die außerhalb der Fernsehstudios geführt wird. Es herrscht anhaltendes Entsetzen über die Trivialität der Auseinandersetzung und die Fahrlässigkeit, mit der wichtige Themen behandelt werden. Fazit verzichtet normalerweise gern auf Umfragen, diesmal haben wir uns für eine besondere Form entschieden. Nicht repräsentativ, sondern explizit. In der Kalchberggasse, mitten in der Grazer Innenstadt, in der auch unser Büro ist, haben wir die kleinen und großen Gewerbetreibenden über ihre Meinung zum Wahlkampf und ihre Wünsche an die Bundespolitik befragt. Von der Schneiderin über die Wirtin bis zum Banker. Nicht jeder wollte sich zur Wahl äußern, nicht einmal um seinen Zorn kundzutun: »Meine Meinung kann man niemandem zumuten und ich will sie auch nicht in der Zeitung lesen«, sagt einer, der nicht genannt werden will. Der politische Unmut ist trotz der guten Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage spürbar. Er drückt sich

aus in Wut und Unverständnis, in der Hoffnung auf konstruktive Besserung oder in fatalistischen Anarchie-Träumen. Bei dieser Wahl sind mit den Neos und Frank Stronach nun sogar wählbare Projektionsflächen dafür vorhanden. Ob diese halten, was sie versprechen, ist natürlich eine andere Frage. Eine, die sich aber erst nach dem Wahlabend stellt.

Im Gegensatz zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel gelang es Werner Faymann und Vize Michael Spindelegger nicht, den Status quo als erfolgreich und damit sich selbst als die Erfolgreichen zu präsentieren. Trotz der relativ positiven Erfahrungen in der Vergangenheit – es geht uns gut – trauen den beiden Großparteien immer weniger Menschen zu, diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Während Angela Merkels Slogan »Sie kennen mich« ihre gesamte Politik und ihren Wahlkampf zusammenfasst – alles bleibt solang wie es ist, bis eine inhaltliche Kursänderung unausweichlich und mehrheitsfähig ist –, würde dieser Satz aus dem Munde von Faymann oder Spindelegger einfach nicht funktionieren. Nicht weil wir sie nicht kennen würden, sondern eben weil wir sie kennen und wissen, dass auch die notwendigste sachpolitische Entscheidung (Beispiel Bildungspolitik) durch parteitaktische Mechanismen aufgeschoben und zerbröselt wird. Der Unterschied zwischen Besitzstandswahrung (Pensionen, Lehrerdienstrecht) und konstruktiver Bemühung um den qualitativen Erhalt des Status quo scheint unerkannt. Von der alten Weisheit »Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert« war trotz aller Wahlkampffloskeln nie etwas zu hören. Dabei ist doch genau das ein ziemlich vernünftiges Konzept für Politik und Wahlkampf der Regierungsparteien: Erneuern um zu erhalten, mehr ist nicht nötig. Weniger aber auch nicht.

Fazit Oktober 2013 /// 7


Mikrokosmos Kalchberggasse

»Natürlich interessiert mich die österreichische Politik. Schließlich zahle ich hier seit 30 Jahren meine Steuern. Bei der Nationalratswahl darf ich jedoch nicht wählen, weil ich Italiener bin und aus Identitätsgründen auch bleiben will. Ich glaube, die Österreicher haben gute und vor allem korrekte Politiker, auch die Verwaltung ist viel besser als in Italien. Ich habe dennoch eine Reihe von Anliegen. So wird das Risiko, das Unternehmer eingehen, hier einfach viel zu wenig belohnt. Ich sehe nicht ein, dass ich weniger Pension bekommen soll als jemand, der nie in seinem Leben ein unternehmerisches Risiko eingegangen ist. Es passt mir auch nicht, dass ich für jeden Karton Wein, den ich aus Italien kommen lasse, Unmengen von Formularen ausfüllen muss und von der EU-Bürokratie daran gehindert werde, meinen Geschäften nachzugehen, während Kunden von mir durch die offenen Grenzen dazu verleitet werden, selbst nach Italien zu fahren, ihren Kofferraum mit Weinen vollzuladen und diese dann an ihre Bekannten weiterzuverkaufen. Was ich auch nicht verstehe, ist, dass Menschen nur hierherkommen, um das Sozialsystem auszunützen. Da läuft einiges schief.«

Giacinto Battaglia, Weinhändler seit vier Jahren an der Ecke Kalchberggasse/Raubergasse 8 /// Fazit Oktober 2013


Mikrokosmos Kalchberggasse

»Also der Wahlkampf kommt mir manchmal schon arg lächerlich vor. Ich wüsste noch nicht einmal, wen ich wählen soll, gehe aber auf jeden Fall zur Wahl. Vielleicht sollte man einmal weiß wählen, damit die Parteien sehen, dass es so nicht geht. Vor allem die Spitzenkandidaten sind nicht gerade ideal, um etwas Neues zu präsentieren. Das klingt zum Teil so, als hätten die ihre Texte auswendig gelernt.«

Claudia Hammer, Änderungsschneiderin seit acht Jahren in der Kalchberggasse 1 Fazit Oktober 2013 /// 9


Mikrokosmos Kalchberggasse

»Ja, dem Land und den meisten Bürgern geht es gut. Verhältnismäßig sogar sehr gut. Aber mit jedem Wahlkampfauftritt suggeriert das politische Spitzenpersonal, dass dies trotz – und nicht wegen – der amtierenden Politikdarsteller der Fall ist. Und diese lassen immer mehr befürchten, dass eine weitere Legislaturperiode mit ihnen in der Regierung fatale Folgen haben könnte. Nicht weil die politischen Ideen oder Projekte so sonderlich gefährlich wären, sondern weil jedem Einzelnen das Format fehlt, das sich viele von einem Bundeskanzler wünschen. Es ist schon klar, im Fußvolk der Parteien wuseln noch genug Leute, die ihnen grölend den Weg ins Fernsehstudio bereiten und sie bei allem unterstützen, was sie wollen. Ich weiß nicht, wo diese Leute herkommen, was sie antreibt. Ich weiß nur, dass es nicht auszuhalten ist. Sogar in den eigenen Reihen melden sich immer mehr missmutige, weil eben klügere Köpfe, die sich für diese Spektakularisierung schämen. Der ORF trägt seinen Teil dazu bei, ebenso der Boulevard und nicht zuletzt Politikberater, die statt aufklärender Analysen längst nur mehr Meinungsbrei liefern, der niemanden klüger, aber noch mehr Leute verdrossen macht. Politikverdrossen. Politikerverdrossen. Politikberaterverdrossen. Eine tödliche Melange für unser demokratisches System. Sicher, ein paar Stimmen lassen sich mit dem Spektakel gewinnen, ein paar Wähler von den Thomas Hofers dieses Landes überzeugen. Mehr aber wird verloren. Nicht nur Wählerstimmen, sondern vor allem die politische Würde, die wir uns wünschen. Die Würde, die uns unabhängig von der Parteifarbe wieder auf vernünftige Politik hoffen lässt.« M. Thurm

»Wenn man wie ich, 30 Jahre seines Lebens bereits Mitglied einer Partei ist, stellt sich die Frage nach der Wahlentscheidung nur theoretisch. Viel zu stark sind – auch – die persönlichen Bindungen mit Funktionären oder gar Kandidaten seiner Partei, als dass man am Wahltag eine ernsthafte Entscheidungsfreiheit hätte. Und das ist übrigens gut so. Als überzeugter Anhänger einer Vertretungsdemokratie, sind Parteien nun einmal notwendig, ja gerade wesensbestimmend für eine solche Demokratie. Außerdem lehne ich beinahe jede Form der direkten Demokratie ab. Und, das wird viele überraschen, man gibt mit einer Parteimitgliedschaft nicht seine eigene Meinung an der Garderobe ab. Ganz im Gegenteil, kann man eben in der Gesinnungsgemeinschaft, die einem am nächsten ist, auch das seinige beitragen, um das »Werkl« am Laufen zu halten. Natürlich haben die beiden Großparteien unglaublich viel verbockt in den letzten Jahren. Nur, schauen Sie sich um: Ist dieses Land nicht herrlich, in dem wir leben dürfen? Also müssen meine ÖVP und auch die SPÖ auch einiges richtig gemacht haben. Aber, ich bleib halt ein unverbesserlicher Optimist.« C. Klepej

Michael Thurm und Christian Klepej, Redaktion Fazit seit drei bzw. sechs Jahren in der Kalchberggasse 1

10 /// Fazit Oktober 2013


»Unser Wunsch an die Bundesregierung wäre sicherlich, den Ansprüchen einer modernen Kulturnation gerecht zu werden, das heißt einerseits für die Erhaltung und Vermittlung des kulturellen Erbes zu sorgen und andererseits neue künstlerische Impulse zu fördern. Dem Stellenwert von Kunst und Kultur in Österreich sollte durch die Schaffung eines eigenen Ministeriums innerhalb der Bundesregierung auch Ausdruck verliehen werden. Dem Rückgang öffentlicher Förderungen sollte durch steuerliche Erleichterungen im privaten Kultursponsoring begegnet, die vielfach prekäre soziale Lage von Künstlerinnen und Künstlern abgesichert und verbessert werden. Besonderes Augenmerk sollte durch gezielte Förderungen in ganz Österreich auf die Digitalisierung des Kulturgutes und damit eine breite öffentliche Vermittlung gelegt werden. Zudem muss nach langen Debatten die Bildungspolitik endlich an die Ansprüche des 21. Jahrhunderts herangeführt werden.«

Wolfgang Muchitsch, Leitung des Universalmuseums Joanneum seit 2011 ist das Joanneumsviertel an der Kalchberggasse geöffnet Fazit Oktober 2013 /// 11

Foto: Universalmuseum Joanneum

Mikrokosmos Kalchberggasse


Mikrokosmos Kalchberggasse

»Mit der Regierung bin ich unzufrieden, weil ich das Gefühl habe, dass jene Reformen, die Österreich nach vorne bringen würden, ganz einfach nicht angepackt werden. Die Politiker haben Angst davor, bei ihrer Klientel anzuecken und den Wählern die Wahrheit über die Pensionen, das Gesundheitswesen oder das Bildungssystem zuzumuten. Außerdem wurde der öffentliche Bereich in einem Ausmaß aufgebläht, das in keiner Relation zum sonstigen Arbeitsmarkt steht. Dann sind da noch die drohenden Vermögenssteuern. Geld hat kein Mascherl. Eine Vermögenssteuer darf die Unternehmen nicht betreffen. Falls tatsächlich eine solche kommt, fließen große Beträge in Steueroasen ab. Ich war noch nie so unschlüssig wie bei dieser Wahl, wen ich wählen soll. Ich weiß nur, dass ich ganz sicher hingehen werde.«

Herbert Mostögl, Bankdirektor seit zwei Jahren in der Kalchberggasse 12 /// Fazit Oktober 2013


Mikrokosmos Kalchberggasse

»Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Politik in Österreich entwickelt. Vor der Wahl gibt es aber leider immer diese Schmutzkübelkampagnen. Außerdem wird alles versprochen und nie gehalten. Die Farbe ist da egal. Aber zur Wahl gehe ich schon. Es ist das Schlimmste, dass so viele schimpfen und dann nicht wählen gehen.«

Thomas Strohmaier, Trafikant seit sieben Jahren in der Kalchberggasse 5 Fazit Oktober 2013 /// 13


Mikrokosmos Kalchberggasse

»Die Konfrontationen im Fernsehen finde ich überhaupt nicht ernsthaft. Eigentlich ist das lächerlich. Ich würde mir wünschen, dass die Ausbildungen besser gefördert werden. Aber auch Eltern müssen ihre Kinder besser erziehen und ihren Pflichten nachkommen. Das kann nicht allein die Politik machen, aber die Erziehung ist das Wichtigste. Es geht uns ja eh gut, das Gesundheitssystem funktioniert, die Infrastruktur passt auch …«

Anita Priebernig, Friseurin seit zehn Jahren in der Kalchberggasse 5

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Mikrokosmos Kalchberggasse

»Der Wahlkampf geht in meinem normalen Tagesgeschäft unter. Ich hab genug zu tun … Wenn die Politiker das umsetzen würden, was sie jetzt versprechen, dann wäre schon viel geholfen. Immerhin gab es bisher noch keine Schlammschlacht, aber warten wir ab, was noch kommt.«

Ruth End, Café Piccolino seit drei Jahren in der Kalchberggasse 7

Zeit, die Zukunft in die Hand zu nehmen.

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Foto: ÖVP/Georges Schneider Illustration: Holding Graz

Die Stimmbürger können beruhigt sein. Unsere Politiker sind bei weitem nicht so inkompetent, wie sie im Wahlkampf auf uns gewirkt haben.

Show statt Information im TV-Wahlkampf In wenigen Tagen ist es geschafft und der Wahltermin setzt einem Wahlkampf ein Ende, der wohl wieder in einer rotschwarzen Koalition münden wird. Insgesamt hat sich in den letzten Wochen der schlechte Eindruck, den weite Bevölkerungskreise von der Politik haben, verfestigt. Statt ihre Kompetenz zu beweisen, haben sich die Spitzenkandidaten oft selbst geschwächt. Ein Beispiel für diese Selbstbeschädigung war etwa das TV-Duell zwischen VP-Chef Michael Spindelegger und BZÖ-Obmann Josef Bucher. Logisch wäre es gewesen, über Themen zu diskutieren, bei denen beide Politiker trotz unterschiedlicher Positionen punkten hätten können. Dafür hätte sich etwa die Eurorettung angeboten, wo beide völlig unterschiedliche Konzepte verfolgen. Stattdessen stritten sich Spindelegger und Bucher vor laufenden Kameras darüber, wer die größere Schuld am Hypo-Debakel trägt. Mit dem Ergebnis, dass die 1,3 Millionen TV-Zuseher dieser Konfrontation nur zur Überzeugung

gelangt sein können, dass sowohl das BZÖ als auch die ÖVP tief in den Hypo-Sumpf verstrickt sind. Das BZÖ, weil Jörg Haider die Milliardenhaftung des Landes Kärnten zu verantworten hatte, und die ÖVP, weil sie wegen der möglicherweise übereilten Notverstaatlichung der Pleite-Bank durch ihren damaligen Parteichef Josef Pröll die finanzielle Verantwortung von den bayrischen Eigentümern und den Hypo-Gläubigern auf den Steuerzahler abgewälzt hat. Die Stimmbürger können dennoch – trotz dieses Wahlkampfes – beruhigt sein. Unsere Politiker sind bei weitem nicht so inkompetent, wie sie in den letzten Wochen auf uns gewirkt haben. Außerdem gilt, dass vieles, was vor einer Wahl verzapft wird, mit dem Wahlabend seine Gültigkeit verliert. Und so kann man sich etwa in Wirtschaftskreisen ziemlich sicher sein, dass Werner Faymann nicht im Traum daran denken wird, jene wirtschaftsfeindlichen Programmpunkte umzusetzen, mit denen er die Wiener Gemeindebau-Sozis oder die SPÖ-Pensionisten zur Wahlurne bringen will. Es wird

daher weder eine Vermögenssteuer noch ein Mietrecht geben, das dazu führt, dass die Vermieter ihre Wohnungen lieber leer stehen lassen, als sie auf den Markt zu bringen. Und wenn Michael Spindelegger im Wahlkampf mitunter wie ein Autist gewirkt haben mag, liegt das daran, dass er völlig „overcoached“ in manche TV-Diskussionen gegangen ist und nicht an seinem Geisteszustand. Kein Mensch weiß im Nachhinein, warum sich gerade die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP auf so viele TV-Duelle einlassen konnten. Die Opposition nutzte die zahlreichen Gelegenheiten weidlich, um sich endlich einmal auf Augenhöhe mit Kanzler und Vizekanzler zu „matchen“. Mit dem Korruptionsthema hatte etwa die in dieser Frage völlig unverdächtige Eva Glawischnig genug Munition, um ihre Kontrahenten bei den TV-Diskussionen in der Ecke zu halten. Die Grünen konnten so wochenlang ihre Korruptionsvorwürfe trommeln, statt die Wähler mit inhaltlichen Alternativen zur Regierungspolitik überzeugen zu müssen.

Der Widerstand gegen die Gemeindefusionen bröckelt Mit völlig anderen Problemen rund um die Nationalratswahl sehen sich indessen die steirischen Reformpartner, Landeshauptmann Franz Voves und LH-Vize Hermann Schützenhöfer, konfrontiert. Die Widerständler gegen die Gemeindereform haben zum Wahlboykott von SPÖ und ÖVP aufgerufen. Hintergrund dieser politischen Verzweiflungstat ist der näher rückende 30. September, die „Deadline“, bis zu der die Gemeinden freiwillige Fusionsbeschlüsse fassen können und dafür vom Land eine Fusionsprämie erhalten. Tatsächlich beschließen inzwischen im-

Michael Spindelegger wirkte im Fernsehen oft »overcoached«. Eva Glawischnig konnte hingegen bei den TV-Duellen ordentlich abräumen.

16 /// Fazit Oktober 2013


Politicks

Mit Johannes Tandl

mer mehr betroffene Gemeinden, mit ihren Nachbarn zusammenzugehen, obwohl ihre Bürgermeister ursprünglich gemeinsam mit der „Gemeindeinitiative“ gegen die Fusionen eingetreten sind. Dadurch sehen sich die verbliebenen Reformgegner an die Wand gedrückt. Inzwischen ist klar, dass kaum ein Bürgermeister, dessen Gemeinde auf der Fusionsliste der Reformpartner steht, eine echte Chance hat, sich dagegen vor dem Verfassungsgericht zu widersetzen. Die Reformpartner haben sich nämlich bei ihrem Vorhaben auf infrastrukturell besonders schlecht ausgestattete Gemeinden beschränkt, die auch wirtschaftlich viel zu schwach sind, um sich ohne massive Unterstützung des Landes entsprechend zu modernisieren. Dass der Wahlboykott der frustrierten Bürgermeister greift, ist kaum anzunehmen. Schließlich haben die bisherigen Abstimmungen gezeigt, dass es den meisten Menschen ziemlich egal ist, ob sie zur Gemeinde X oder Y gehören. Sie stimmen nur für oder gegen die Eigenständigkeit ihrer Gemeinde, wenn sie von ihren Bürgermeistern dazu gebeten wurden. Ob die Loyalität der Dorfbewohner so weit reicht, dass sie deswegen nicht zu Nationalratswahl gehen, ist anzuzweifeln. Außerdem leben nur etwa fünf Prozent der wahlberechtigten Steirerinnen und Steirer in betroffenen Gemeinden. Selbst ein erfolgreicher Wahlboykott hätte daher nur marginale Auswirkungen auf das steirische Wahlergebnis. Nach dem 30. September werden die Reformpartner sich daher recht rasch mit jenen Beschlüssen befassen, die notwendig sind, um auch jene Gemeinden zusammenzuführen, die sich nicht „freiwillig“ zur Fusion entschließen konnten. Das Problem der wirtschaftlich starken Speckgürtelgemeinden, in unmittelbarer Nähe der attraktiven, aber in ihren Entwicklungsmöglichkeiten räumlich stark eingeengten Zentralorte, bleibt dennoch virulent. Es kann erst von einer nächsten Reformregierung in Angriff genommen werden und bedarf wohl einer Verfassungsänderung im Bereich der Gemeindeautonomie.

Graz hat’s – die Gratis-Bim Noch merkt man wenig von ihr. Und doch ist allein ihre Idee, ihre bloße Existenz ein erfreuliches Politikum: die Altstadtbim. Seit Schulbeginn darf jeder und jede in der Grazer Innenstadt kostenlos und ohne Fahrschein fahren. Zwischen Dietrichsteinplatz und Kunsthaus, zwischen Finanzamt und Schloßbergstiege. Was Peter Michael Lingens im Profil noch als Utopie formuliert hat, haben Verkehrsstadtrat Mario Eustacchio und Bürgermeister Siegfried Nagl für Graz zumindest ein bisschen Realität werden lassen.

Eine Gratis-Bim, für alle, zu allen Uhrzeiten, an allen Tagen. Ein mutiger Schritt und doch nur ein zaghafter in die richtige Richtung. Natürlich haben nicht alle etwas von der Gratis-Bim, entweder weil sie bereits eine Langzeitkarte haben oder außerhalb der kostenfreien Zone wohnen und auch in Zukunft so viel wie bisher zahlen. Was muss als Nächstes passieren, um diesen mutigen Weg erfolgreich weiterzugehen? Der nächste Schritt besteht – das ist einfach – darin, die Verbindung bis zum Hauptbahnhof kostenfrei zu machen. Touristen werden die gesparten zwei Euro umso freudiger in der sich noch wiederbelebenden Annenstraße oder der Innenstadt ausgeben. Pendler hätten einen Grund mehr, das Auto möglichst weit weg von der blauen Zone stehen zu lassen. Das würde langfristig nicht nur

die Parkplatzsituation entspannen, sondern auch die allmorgendlich verstopften Zufahrtsstraßen. Mit jeder weiteren kostenlosen Haltestelle werden sich ein paar Autofahrer mehr davon überzeugen lassen, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Der entscheidende große Schritt muss irgendwann folgen: Freifahrt zwischen allen Park-and-Ride-Anlagen und der Innenstadt. Nach OGH-Urteil stehen Schweinefabriken vor dem Aus Bauern sind keine Gewerbebetriebe. Ein komplexes gewerberechtliches Verfahren ist für große Schweineställe trotz der massiven Geruchsbelästigung, die von ihnen ausgeht nicht vorgesehen. In der Vergangenheit reichte daher ein Baubescheid des Bürgermeisters um eine große Schweinefabrik durchzuwinken. Mit einem Gerichtsurteil, das ein oststeirischer Wirt vor dem OGH gegen seinen Nachbarn erwirkte, hat sich das nun geändert. Der vom Bürgermeister genehmigte Stall muss entweder geschlossen oder so umgebaut werden muss, dass er nicht mehr stinkt. Agrarlandesrat Hans Seitinger sprach in Zusammenhang mit diesem Urteil von einem schweren Schlag und sieht in der Folge 6000 Bauern in ihrer Existenz gefährdet, weil die Rechtssicherheit verlorengegangen sei. Tatsächlich sehen inzwischen überall in der Steiermark die geplagten Anrainer von Großställen eine neue Chance, ihre Lebensqualität gerichtlich durchzusetzen. In Zukunft werden rechtssichere Ställe wohl nur noch mit einem gewerberechtlichen Verfahren errichtet werden können. Die Südoststeiermark mit ihren vielen Streusiedlungen scheidet damit als Standort für die herkömmliche Schweinemast aus. 6

Fazit Oktober 2013 /// 17


Kurz & News

Tag der offenen Tür bei Spar Steiermark und Südburgenland

WB: Zuwanderung besser steuern

Während die Arbeitslosenzahl steigt, können gleichzeitig aber auch unzählige Jobs aufgrund des Facharbeitermangels nicht besetzt werden. Qualifizierte Migration sei der Schlüssel, erklärte Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz beim Unternehmerfrühstück des Wirtschaftsbundes: „Unser Ziel muss es sein, die Zuwanderung dort auszubauen, wo wir sie steuern können.“ Derzeit sei der Zuzug nach Österreich nur über die Rot-Weiß-Rot-Card steuerbar.

Die Spar-Einzelhändler und deren Mitarbeiter, die Mitarbeiter der Spar- und Eurospar-Märkte und jene aus der SparZentrale haben sich mit ihren Familien zu einem energievollen und bunten Tag der offenen Tür in der Spar-Zentrale Graz getroffen. Dabei konnten mehr als 2.500 begeisterte Besucher den Arbeitgeber ihrer Angehörigen kennenlernen.

Mazedoniens Vizepremierminister in Graz

Der Vizepremierminister der Republik Mazedonien, Zoran Stavreski, besuchte mit einer Delegation von Regierungsvertretern Graz. Im Rahmen des Empfangs in der Steiermärkischen Sparkasse präsentierte er den Investitionsstandort Mazedonien vor führenden steirischen Unternehmen. Die Steiermärkische Sparkasse ist mit ihrer Tochterbank Sparkasse Bank Makedonija als einziges österreichisches Finanzinstitut in Mazedonien vertreten.

Pilzwiderstandsfähige Weinsorten präsentiert

Spar eröffnet Supermarkt in der Plüddemanngasse

Nach einem sechswöchigen Totalumbau wurde der Spar-Supermarkt in der Grazer Plüddemanngasse wiedereröffnet. Der 920 m² große Markt zeichnet sich durch ein sehr attraktives Ladendesign mit Fokus auf den Frischebereich aus. Auch ein erweitertes Sortiment an regionalen Produkten wird angeboten. Dem Umweltgedanken ist man ebenfalls gerecht geworden. So wurden eine energiesparende LED-Beleuchtung und eine Wärmerückgewinnungsanlage eingebaut. 18 /// Fazit Oktober 2013

„Die Steiermark hat eine 30-jährige Forschungsarbeit im Weinbau erfolgreich zum Abschluss gebracht und damit eine revolutionäre Weiterentwicklung des Qualitätsweins eingeleitet“, erklärt Landesrat Johann Seitinger bei der Präsentation des sogenannten Piwi-Weins. Dabei handelt es sich um Kreuzungszüchtungen herkömmlicher europäischer Weinsorten mit widerstandsfähigen Sorten aus Amerika und Asien. Der Wein soll vor allem im biologischen Weinbau eingesetzt werden.

Hinter den Kulissen bei Gölles

Am 29. September findet bei Gölles der Tag der offenen Tür statt. Besucher haben die Chance, einen Blick hinter die Kulissen der Essig- und Schnapsproduktion zu werfen. Zu jeder halben und vollen Stunde starten kostenlose Führungen. Acht weitere Betriebe im Vulkanland öffnen ihre Türen. Nähere Informationen unter www.kulinarisches-vulkanland.at

Wiki feiert Familienfest

Das diesjährige Wiki-Familienfest stand unter dem Motto „Wild Wild Wiki“. Hunderte große und kleine Cowboys und Indianer vergnügten sich bei verschiedenen Stationen wie Ponyreiten, Gold-Schatzsuche, Hupfburg, Karikaturist, Kletterwand, Kasperltheater, Tanzshow und vielem mehr. Kulinarisch verwöhnt wurden die Gäste mit gegrillten Köstlichkeiten aus dem Wilden Westen. Für Schleckermäuler gab es außerdem gratis Eis von Charly Temmel, Popcorn, und selbstgemachte Kuchen und Mehlspeisen.


Foto: Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.

Österreichische Auszeichnung für indischen Topmanager

Fotos: WB Steiermark, Spar(2), Steiermärkische Sparkasse, Wiki, AVL, Belcantoakademie, Gady, Knapp

Bei einem Festakt in der österreichischen Botschaft in Neu Delhi wurde Shashi Singh, Gründer und Geschäftsführer von AVL India, das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Er erhielt die Auszeichnung in Würdigung seines großen Engagements zur Förderung österreichischer Wirtschaftsinteressen sowie österreichischer Kultur und Wissenschaft in Indien. AVLCEO Helmut List reiste für die Feier extra nach Indien.

Kurz im Gespräch mit Andreas Cretnik Geschäftsführer der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.

Erste Belcanto-Akademie feiert Erfolg

Die aus Georgien stammende Mezzosopranistin Natela Nicoli, längst Wahlgrazerin, trägt fürs Gelingen ihrer ersten „Belcanto-Akademie“ die Verantwortung. Gesangspädagogen haben 58 Teilnehmer zwei Wochen lang unterrichtet, und die Fortschritte konnten sich sehen lassen. In der Kirche von Frohnleiten präsentierten sich die zwölf Finalisten. Ganz besonders imponierten Margarita Vilsone, Sopio Koberidze, Maria Kublashvili und der Tenor Roman Pichler.

Tradition und Moderne beim Gady-Markt

Als Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne präsentierte sich der GadyMarkt. Auf dem Herbstmarkt gab es wieder Vielgeliebtes, Altbewährtes aber auch rekordverdächtig Neues für große und kleine Besucher. Eine viel bestaunte Attraktion war die „Pracht der Tracht“. Ausgiebig gefeiert wurde außerdem die 50-jährige Partnerschaft zwischen Massey Ferguson und Gady. Auch Landesrat Johann Seitinger ließ sich die Veranstaltung nicht entgehen.

150 Jugendliche schnuppern bei Knapp Praxisluft

Bei Bewerbungen punkten Berufseinsteiger, wenn sie erste Praxiserfahrungen im Rahmen von Ferialarbeiten gesammelt haben. Die Knapp AG, international führender Spezialist für Lagerautomation und LagerlogistikSoftware, bot über den Sommer 150 Jugendlichen in Hart bei Graz und Leoben die Gelegenheit dazu. „Wir würden uns freuen, wenn wir einige der Jugendlichen in ein paar Jahren als Kollegen wiedersehen“, erklärt Anna Wascher, Recruiterin bei Knapp.

Das Kernöljahr 2013 war wetterbedingt sehr schwierig. Wie wirkt sich das auf die Ernte aus? Die Wetterkapriolen (kalte und feuchte Anbauphase, Hagel, Dürre) in der heurigen Saison haben dem Steirischen Ölkürbis in manchen Teilen der Steiermark sehr stark zugesetzt. Es wird daher in diesen Gebieten zu deutlichen Ernteeinbußen von bis zu 70% kommen. Wirkt sich das Wetter nur auf die Menge oder auch auf die Qualität aus? Entscheidend für die Qualität des Steirischen Kürbiskernöls ist eine hochwertige Rohware als Ausgangsprodukt. Wichtig ist es, dass die Kerne optimal ausreifen können und den richtigen Erntezeitpunkt zu wählen. Die Wahl des Erntezeitpunktes ist natürlich auch etwas vom Wetter abhängig, da die Erntemaschinen nur bei trockenen Bedingungen auf den Äckern eingesetzt werden können.

Wie können die Ernteeinbußen kompensiert werden? Müssen Kerne importiert werden? Ein Import von Kernen aus dem Ausland ist für die Produktion des Steirischen Kürbiskernöls ggA nicht zulässig! Es dürfen nur heimische Kerne aus dem definierten Anbaugebiet verpresst werden. Da die Ernteeinbußen nicht flächendeckend sind, können sie teilweise von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft kompensiert werden. Dazu kommt, dass in den letzten beiden Jahren eine kleine Reserve aufgebaut werden konnte, damit auch in schwächeren Erntejahren die Versorgung mit dem „grünen Gold“ der Steiermark sichergestellt werden kann. Fazit Oktober 2013 /// 19


Innovation

Steirische Forschungspower für das Bundesheer Das Österreichische Bundesheer will in Zukunft mit der steirischen Forschungseinrichtung Joanneum Research noch enger kooperieren und die gemeinsamen Aktivitäten in mehreren Forschungsfeldern ausbauen. Die vertragliche Grundlage für die vertiefte Zusammenarbeit bildet ein Abkommen über eine fünfjährige Forschungskooperation, das Anfang September von Minister Gerald Klug und JR-Geschäftsführer Wolfgang Pribyl unterzeichnet wurde.

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ie neuen Aufgabenbereiche für die Wissenschaftler der Joanneum Research umfassen unter anderem Cyber-Security, Aufklärungssysteme und militärisches Gesundheitswesen. Sie sollen dazu beitragen, das österreichische Heer fit für zukünftige Herausforderungen, etwa für kommende Auslandseinsätze, zu machen. „Exzellente Forschung kann nur in gemeinsamer Arbeit mit den Anwendern sowie unter Berücksichtigung deren Know-hows, Kompetenz und Image erfolgreich funktionieren. Das Österreichische Bundesheer ist daher ein wichtiger Partner für die Herausforderungen der Zukunft“, betonte Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pribyl, Geschäftsführer der Joanneum Research Forschungsgesellschaft. „Die künftige Zusammenarbeit mit dem Bundesheer wird auch im Wettbewerb um europäische Fördergelder von großem Nutzen sein. Erfahrung mit Konsortien, Partnern und Know-how aus bereits abgewickelten Projekten sind eine maßgebliche Voraussetzung, um Projektgelder lukrieren zu können“, hob Pribyl hervor. Bei der bisherigen erfolgreichen Kooperation wurden luftgestützte Erkundungs- und Warnsysteme für einen wirksamen Katastrophenschutz entwickelt. Diese kamen nicht nur bei Tests, sondern auch in der Praxis sehr erfolgreich zum Einsatz – etwa beim Hochwasser im heurigen Frühjahr, bei Waldbränden im vergangenen Jahr sowie bei militärischen Übungen. Ein weiteres Projekt bildete die Verbesserung des Schutzes von Soldaten im Auslandseinsatz. Durch elektronische Maßnahmen sind Sprengstoffanschläge auf Konvois oder große Menschenansammlungen frühzeitig auszumachen. Das ermöglicht 20 /// Fazit Oktober 2013

eine rechtzeitige Warnung sowie die Sprengung mittels geeigneter Roboter. Ein deutlicher Schwerpunkt des Bundesheers unter dem Schlagwort „Transformation“ stellen die Auslandseinsätze dar. „Die rund 1.100 Soldatinnen und Soldaten für Auslandseinsätze sind ein beachtlicher Beitrag unseres Landes für die Verbesserung der Sicherheit in Krisengebieten. Der Sicherheitsfaktor ist ein ganz wesentlicher, dabei werden wir mit der intensiven Zusammenarbeit der steirischen Forschungsgesellschaft noch bessere Frühwarnsysteme entwickeln, die bei Patrouillenfahrten oder Truppenkonvois zum Einsatz kommen“, führt Minister Klug aus. Die künftige Zusammenarbeit mit dem Militär umfasst innovative Entwicklungen in den Bereichen Datennetze und Cyber-Sicherheit und Entwicklungen in der Informationsund Kommunikationstechnologie. Weitere Gebiete bilden optische Sensoriksysteme zur schnelleren Erkennung von Gefahren sowie das militärische Gesund-

heitswesen. Hier soll etwa durch die Anwendung moderner bioanalytischer Methoden und durch den Einsatz von Nanotechnologie die Früherkennung von neuen Krankheitserregern verbessert werden. Diese Erkenntnisse sollen dann sowohl dem öffentlichen als auch dem militärischen Gesundheitswesen zur Verfügung gestellt werden. „Eine erfolgreiche Forschungskooperation ist das wesentliche Erfolgsrezept für das Bundesheer der Zukunft. Deswegen haben wir mit Joanneum Research einen Partner der ‚Champions League‘ der Forschung ausgewählt“, erklärte Verteidigungsminister Mag. Gerald Klug anlässlich der Vertragsunterzeichnung. Im Bundesheer selbst gibt es derzeit rund 50 Mitarbeiter, die sich mit Forschung beschäftigen. Ihre Zielrichtung liegt in der Umsetzung von zivilem Know-how in den militärischen Bereich. Insgesamt wendet das Österreichische Bundesheer pro Jahr 10 Millionen Euro für Forschung auf.

Foto: Joanneum Research

Von JOSEF SCHIFFER

BM Gerald Klug (li.) und Wolfgang Pribyl von der Joanneum Research unterzeichneten in Graz eine fünfjährige Forschungskooperation zwischen dem Bundesheer und der Joanneum Research.


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Die Grazer Herbstmesse ist jedes Jahr ein Publikumsmagnet.

Herbstmesse wieder mit legendärem Tscheppefest Armin Egger, Vorstand der Messe Congress Graz, spricht über die Herbstmesse und über die Rolle der größten Messe Südösterreichs für den Wirtschaftsstandort Graz.

Welchen Stellenwert hat die Herbstmesse für den Wirtschaftsstandort Graz? Der Stellenwert wird sehr stark unterschätzt. Die Herbstmesse ist ein typisches Beispiel für die Wichtigkeit unserer Veranstaltungen. Wenn man bedenkt, dass 85 Prozent unserer Wertschöpfung außerhalb des Betriebs stattfinden, dann kann man das ungefähr abschätzen. Es kommen 450 Aussteller, der Großteil muss nach Graz anreisen. Da sind wir noch nicht einmal beim Kunden, der nach Graz anreist. Insgesamt gehen rund 20 Prozent der jährlichen Übernachtungen in Graz auf die Messe Congress Graz zurück. Die Wertschöpfung ist enorm. Schon Wochen

vor der Messe beschäftigen wir und auch unsere Aussteller Handwerker aus der ganzen Steiermark für den Aufbau.

recht trocken, aber es ist genau das Gegenteil der Fall. Messebesucher und Schulklassen erwartet eine spannende Führung durch die Ausstellung von der Montanuni Leoben bzw. vom Bergmännischen Verband. Zu sehen gibt es dabei unter anderem einen Rohstofftunnel, der einen Einblick in die verschiedenen Disziplinen der Montanistik gewährt, eine Ausstellung von Großgeräten sowie ein Rohstoff-Kino. Die Sonderausstellung gehört zur Herbstmesse wie der Vergnügungspark, weil dadurch Besucher kommen, die sonst vielleicht nicht auf die Messe gekommen wären.

Auch die Sonderausstellung spielt bei der Herbstmesse eine große Rolle. Hier dreht sich diesmal alles um das Thema Rohstoffe. Das klingt auf den ersten Blick

Fotos: mcg

Die Herbstmesse steht wieder auf dem Programm. Was können die Gäste dieses Jahr Neues erwarten? Wir bieten wieder eine ganze Palette an Neuem. Ein Highlight ist das legendäre Tscheppefest, das heuer sein Comeback feiert. Sehr viele Leute haben vom alten Fest geschwärmt und gesagt, dass man das erleben muss. Mit dem neuen TscheppeFest lassen wir diese Tradition wieder aufleben. Die Karten haben wir limitiert, sie sind bei ÖTicket zu kaufen. Ein weiteres Highlight sind die Latin Dance Days. Auch der Designbereich wird dieses Jahr größer sein. Vor allem die Ausstellung der Tischler in der Stadthalle ist sehenswert.

Armin Egger, CEO und Vorstand der MCG: „Wir werden das legendäre Tscheppefest auf der Herbstmesse wieder einführen.“

Warum funktioniert die Herbstmesse so gut, in einer Zeit, in der man alles im Internet kaufen kann? Gingen wir rein nach der Messetheorie, gäbe es schon längst keine großen Publikumsmessen mehr. Begonnen hat diese Entwicklung schon mit den Großkaufhäusern. Die Leute gehen aber trotzdem auf die Messe, weil es so viele Produkte gibt, die man direkt vergleichen kann, und weil man nach wie vor einen speziellen Messerabatt bekommt. Außerdem gibt es andere Produkte, die es vielleicht im Kaufhaus gar nicht gibt. Eine Messe spricht alle Sinne an, das schafft das Internet nicht. Die Grazer Herbstmesse ist die größte Messe in Südösterreich und das wollen wir auch bleiben. Fazit Oktober 2013 /// 21


Kurz & News

Musikgenuss bei den 5. Straßengler Herbstklängen

Zu einer besonderen Klangreise lud der Judendorf-Straßengler Kulturverein K3 mit seinen diesjährigen Straßengler Herbstklängen. Organisator Andreas Fabianek gelang es bereits zum fünften Mal, die Konzerttermine miteinander zu verweben. „Mit den Herbstklängen präsentieren wir hochkarätige KünstlerInnen und Ensembles, die offen für Experimente sind“, so Fabianek. So spielte auch die neue Hofkapelle Graz auf.

Holding Graz baut Partnerschaft mit tag.werk aus

Die Kooperation zwischen der Caritaseinrichtung tag.werk und der Holding Graz wird weiter wachsen. „Es freut mich sehr, dass die Holding Graz ihr Engagement nicht nur bestätigt, sondern es auch ausgebaut wird. In Zeiten großer Jugendarbeitslosigkeit ist die Unterstützung von Beschäftigungsprojekten eine wichtige Investition in die Zukunft“, freut sich Caritasdirektor Franz Küberl bei der Scheckübergabe.

Österreich trifft russische Klangwelten

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m Rahmen einer Konzertreihe spielt das Kammerorchester „Klassika“, das bereits zum zweiten Mal in Österreich gastiert, gemeinsam mit international erfahrenen steirischen Pianisten und lässt damit zwei Musikwelten aufeinandertreffen. Am Programm stehen berühmte russische Kompositionen von Tschaikowski, Arenski, Rachmaninow, Swiridow und Schostakowitsch sowie österreichische Meisterwerke von Mozart und Schubert. Einen Höhepunkt stellt 22 /// Fazit Oktober 2013

dabei die Aufführung des „Concerto Grosso Nr. 1“, einer Komposition der Steirerin und Wahlberlinerin MarieTheres Härtel, dar. Neben dem künstlerischen Element bildet der Austausch dieser Kulturen eine wichtige Perspektive der Konzertreihe, aufbauend auf dem Gedanken, dass Kultur bis heute wesentlich zum Aufbau wirtschaftlicher, diplomatischer und gesellschaf t spolit ischer Beziehungen beiträgt. Insbesondere durch das Einfließen asiatischer Elemente wird bewusst der Ausbau

kultureller Kontakte mit Asien forciert und gleichermaßen auf eine Ebene mit den „großen“ Klangwelten Russlands und Österreichs gestellt. Die Konzerte finden zwischen 28. September und 6. Oktober in Übelbach, Fernitz, Bad Radkersburg, Graz, Frohnleiten, Deutschfeistritz, Hitzendorf, Wien und Hohenems statt. Karten gibt es bei A.R.A.C.A. unter Tel. 0676 61559941, bei Ö-Ticket und regionalen Verkaufsstellen.

Foto: A.R.A.C.A.

Anfang Oktober gastiert auf Einladung von A.R.A.C.A. – Austrian Russian-Asian Culture Association – das Russische Philharmonische Kammerorchester „Klassika“, eines der führenden Orchester Russlands, wieder in Österreich. Das Besondere 2013: Mehr Regionalität – Ensemblemitglieder treten in kleinen Gemeinden auf, steirische Pianisten begleiten das Orchester und spielen auch eine Komposition einer jungen steirischen Künstlerin.

Das Russische Philharmonische Kammerorchester „Klassika“ mit Dirigent Adik Abdurachmanov gastiert in der Steiermark.


Eigentümerwechsel bei Steiermark 1

Gerüchte gab es schon länger, jetzt ist es offiziell. Markus Gerold und Hubert Fürnholzer verabschieden sich vom Fernsehsender Steiermark 1 und übergeben ihn in die Hände von Christian Schmidt. Fürnholzer bleibt dem Sender als Berater erhalten.

Frischer Wind bei Steiermark1!

Die Spatzen pfiffen es schon seit längerem von den Dächern und nun ist es offiziell. Markus Gerold und Hubert Fürnholzer verabschieden sich von der Steiermark 1 Bühne und übergeben den Sender in die Hände von NeoEigentümer Christian Schmidt, wobei Fürnholzer als Berater dem größten steirischen Privatfernsehen erhalten bleiben wird.

Golf-Erlebnistag in Murstätten

Der Golfclub Gut Murstätten und BMW Gady luden am 31. August zum Erlebnistag der besonderen Art. Markus Brier, Sieger der European Tour, gab Anfängern und Fortgeschrittenen ebenso Tipps wie die Teaching Pros der Golfschule. Außerdem wurden die neuesten Modelle der Premiummarke BMW präsentiert.

Christian Schmidt, vulgo Direktor der Musical Akademie Graz, ist für die SeherInnen des heimischen TV Senders kein Unbekannter mehr. Als Moderator und Initiator neuer, höchst erfolgreicher Projekte (Graz im Trend, Steiermark 1 Homeshopping) ist er seit einem Jahr für Steiermark 1 tätig. „Steiermark 1 wird sich in den nächsten Monaten stark verändern, sich neu positionieren und somit für SeherInnen aber auch vor allem für Werbekunden von großem Interesse und Bedeutung sein“, berichtet Schmidt über seine Pläne. „Der größte steirische Privatsender will seine Stellung als steirische Nummer 1 festigen und weiter ausbauen indem wir unsere Visionen Zug um Zug umsetzen, sodass mit 1. Jänner 2014 Steiermark 1 mit neuen Formaten, Serien, neuen Moderatoren aber auch den beliebten Gesichtern über die Bildschirme unserer Seher und Werbekunden flattern wird. Einfach gesagt: mehr Programm, Struktur, Klarheit.“ Fernsehen von Steirern für Steirer, wird der Leitsatz der Neuprogrammierung von Steiermark 1 sein, über die Schmidt mit großer Leidenschaft berichtet. Es wird neue Programmschwerpunkte geben, etablierte, beliebte Formate bleiben selbstverständlich erhalten. Eine Schiene für Kinder ist geplant. Es wird also eine ordentliche Brise frischer Wind durch die Räumlichkeiten von Steiermark 1 wehen. Wir freuen uns drauf und wie heißt es so schön bei Steiermark 1: WIR SEHEN UNS!

Weihnachtsfeiern im Hotel Novapark

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Foto: Novapark

ann ist das Wohlfühlhotel Novapark genau das Richtige! Im Novapark finden sich zahlreiche Möglichkeiten, Feiern im Kleinen wie im Großen abzuhalten. Um etwas ganz Besonderes zu bieten, hat das Novapark-Team heuer eine „Kulinarische Wichtelwerkstatt“ für Sie eingerichtet. Machen Sie die Feier zu einem

Kontakt & Unterlagen Anita Macher macher@novapark.at +43 316 682010-641 www.novapark.at

Die Marketing- und Technologieagentur Scoop and Spoon hat für ihren Kunden AVL geballtes Automotive-Knowhow für Print und Online zusammengefasst. Über den Zeitraum von 25 Jahren wird eindrucksvoll präsentiert, dass bei der AVL-Tagungsreihe „Motor & Umwelt“ Themen und Technologien vorgestellt wurden, welche die Weiterentwicklung des Fahrzeugantriebs maßgeblich beeinflusst haben. Vor einem Fachpublikum wurde anlässlich der 35. AVL-Tagung das Ergebnis präsentiert.

11.05.–01.12.2013

Suchen Sie die perfekte Location für Ihre Weihnachtsfeier? Sie soll mehr werden als eine Pflichtveranstaltung für Ihre Mitarbeiter? unvergesslichen Abend für Ihre Mitarbeiter! Das Novapark bietet: • Verschieden große Räumlichkeiten • Platz für bis zu 300 Personen • Keine Raummiete • Ausreichend kostenfreie Parkplätze vor dem Hotel • Kein Gedeckpreis • Weihnachtlich gedeckte Tische

Scoop and Spoon zeigt AVL-Know-how

Der Kult um den KOPF

www.schaedelkult.at

Fotos: © Hugo Maertens, Brügge; © Museum of Anthropology Athen, Foto: Theodoros Pitsios

Der Oberste Gerichtshof hat kürzlich zur Erkrankung im Zeitausgleich zu Recht festgestellt, dass Zeitausgleich kein Urlaub ist und somit eine Erkrankung diese Freizeit nicht unterbricht. Für Angelika Kresch, Obfrau der Sparte Industrie in der WKO Steiermark, stellt diese Entscheidung „eine wichtige und notwendige Klarstellung“ dar. Den Plänen der steirischen Arbeiterkammer, dieses höchstgerichtliche Urteil mit einer Gesetzesänderung gekonnt zu umgehen, erteilt Kresch eine eindeutige und klare Absage.

© Kastner & Partner! GmbH | 8700 Leoben

Fotos: Klamminger, K3, Gady, Steiermark 1

WK begrüßt OGH-Urteil

Fazit Oktober 2013 /// 23


Graz hat‘s

e-AMS-Konto mobil

Die Junge Wirtschaft Steiermark lud gemeinsam mit der Initiative Follow me zum Sommerfest in die Skybar am Grazer Schloßberg – ein toller Abend über den Dächern von Graz mit Musik, Unterhaltung, viel Spaß und der Möglichkeit, neue und interessante Kontakte zu knüpfen. Die zahlreichen Gäste, unter ihnen auch BM Beatrix Karl, konnten sich über die vielen erfolgreichen Neugründungen und Nachfolger des letzten Halbjahres, deren Zahl laut WKO-Präsident Josef Herk wieder gestiegen ist, freuen.

1.500 bei Sommerredoute der steirischen Wirtschaft

Graz meets New York

„If I can make it there, I’ll make it anywhere“ lautete das Motto am 12. September in der Hypo Steiermark Filiale Landeskrankenhaus. Die Gäste begaben sich auf die bildhafte Reise in die Stadt, die niemals schläft. Vorstandsdirektor Bernhard Türk und Filialleiter Peter Schwarzenegger luden zur Vernissage „New York“ mit eindrucksvollen Fotos von Robert Gasser. Die Ausstellung ist bis 6. Dezember geöffnet.

„Flanieren im Flair einer Sommernacht“ hieß die Devise der zweiten Sommerredoute der steirischen Wirtschaft. Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann und Bundesministerin Beatrix Karl konnten rund 1.500 Gäste im Grazer Schauspielhaus begrüßen. Bei ihren Eröffnungsreden stellten sie die Leistungen der steirischen Wirtschaft in den Mittelpunkt. „360.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind täglich in unserem Bundesland im Einsatz und bilden dabei jedes Jahr 20.000 junge Leute in zahlreichen Lehrberufen aus. Mit diesen Menschen im Hintergrund schaffen wir es auch weiterhin, die steirische Wirtschaft auf einem TopLevel zu halten“, so Buchmann.

Saisonstart für UBSC Raiffeisen Graz

Zum siebten Mal startet der UBSC Raiffeisen Graz in die Basketballbundesliga. Es ist die erste Saison nach der Ära von Pit Stahl, die die größten Erfolge der Vereinsgeschichte brachten. Sein Nachfolger, Ervin Dragsic aus Slowenien, kann mit Robert Abramovic und Dragan Miletic auf zwei neue Legionäre zurückgreifen. Als Saisonziel wurde das Erreichen der Play-offs avisiert. Am 5. Oktober startet man auswärts gegen den BC Vienna. Danach folgt gleich zum ersten Heimspiel ein Derby gegen die Fürstenfeld Panthers. 24 /// Fazit Oktober 2013

Gerhard Mayer erhält goldenes Ehrenzeichen der Stadt Graz

Anlässlich des 40. Firmenjubiläums des Flagshipsalons in der Grazer Sporgasse wurde Intercoiffeur Gerhard Mayer überraschend mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Graz ausgezeichnet. In Vertretung von Bürgermeister Siegfried Nagl, der im Urlaub weilte, überreichte VP-Klubobmann Kurt Hohensinner die Auszeichnung als Synonym für 40 Jahre erfolgreiche Unternehmensgeschichte.

Fotos: Foto Fischer, Werner Krug, Hypo Steiermark, Robert Frankl, UBSC, Christian Jungwirth, Wiesner, Aft, WK Steiermark, noahcom.at, AMS

Sommerempfang der Jungen Wirtschaft und Follow me

Jedes Jahr touren AMS-Berater durch die Steiermark und besprechen mit Personalverantwortlichen ihre wichtigsten Anliegen. Eines der Dauerthemen: die Online-Services des AMS. Passend dazu wurde ein Tablet-Computer verlost. Die Gewinnerin: Heidemarie Tax vom Bundesgestüt Pieber.


Herbstmesse mit Latin Dance Night und Tscheppe-Fest

Besonders schwungvoll geht die heurige Grazer Herbstmesse über die Bühne. Von 3. bis 7. Oktober können die Gäste nicht nur die Europa- und Weltmeisterschaft im „Latin Dance“ besuchen, auch das Comeback des legendären Tscheppe-Fests und eine Sonderausstellung zum Thema Rohstoffe stehen am Programm. Außerdem präsentieren mehr als 450 Aussteller aus zehn Nationen ihre Produkte, erklärt Messe-Chef Armin Egger. Freien Eintritt gibt es am Messe-Opening am Mittwochabend, den 2. Oktober von 17 bis 21 Uhr.

Junge Wirtschaft Graz stellt sich neu auf

Charity Dinner der Steirischen Wirtschaft

„Erwarten Sie das Unerwartete in der Kulinarik, Kunst & Kultur – die Steiermark hat viel zu bieten“, unter diesem Motto fand am 10. September ein Charity-Dinner, organisiert von Daniela Gmeinbauer, vom Art&Fashion Team zugunsten zweier steirischer Familien, in der Helmut-List-Halle statt. Ein 4-gängiges Menü, 4 Bilder von 4 Künstlern zur Verlosung und 4 Showacts boten den Gästen einen wunderbaren Rahmen für ihr soziales Engagement zugunsten zweier Familien in Not. Der Reinerlös von 16.000 Euro wurde zum Abschluss an die beiden Familien übergeben.

Unter der Leitung von Burkard Neuper, Landesvorsitzender der Jungen Wirtschaft Steiermark, erfolgte am 23. Juli die Neuwahl des Bezirksvorstandes der Jungen Wirtschaft in Graz. Werner Aschenbrenner wurde zum neuen Bezirksvorsitzenden, Gerald Ratz und Mario Schöngrundner zu seinen Stellvertretern gewählt. Auch im Bezirksteam vertreten sind Lisa Weswaldi-Eichler, Ulfried Hainzl jun. und Raoul Lechner.

Graz Linien: Neue Ticketautomaten am Hauptplatz

Seit kurzem steht den Kunden der Graz Linien auf dem Hauptplatz auf jeder Straßenseite in den Wartehäuschen je ein stationärer Fahrscheinautomat zur Verfügung. „Dieser jüngste Schritt der Vertriebserweiterung, nach dem Aufstellen von sechs Fahrscheinautomaten am Hauptbahnhof und jüngst zwei Automaten am Jakominiplatz (neu seit 2. September), forciert den Ausbau des stationären Vertriebs“, erklärt Vorstandsdirektorin Barbara Muhr.

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EN

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www.steirisches-kuerbiskernoel.eu Fazit Oktober 2013 /// 25


Hans im Gl端ck Fazitgespr辰ch

Von Michael Thurm und Sabrina Luttenberger

Foto: Marija Kanizaj f端r Aufsteirern

Skilegende Hans Knauss 端ber sein Leben auf dem Hang, in der Werbung und als Bauernopfer.


Fazitgespräch

Haben Sie noch den Ehrgeiz, mit ein paar von den Aktiven mitzuhalten? Es gibt selbst für mich ab und zu noch Highlights. Wenn ich merke, dass ich auf einer schweren Abfahrt fünf Schwünge auf blankem Eis hinlege, ohne irgendeinen Wackler … super. Sie sind auch noch nie gestürzt, trotz eines recht hohen Tempos. Ich bin einmal in Sölden im Neuschnee gelegen. Aber gestürzt bin ich Gott sei Dank noch nicht. Ich fahr zwar statt 130 km/h nur 110 km/h, nehme schon auch Risiko raus, aber es gibt Passagen, da geht es nicht ohne. Und wenn ich das gut meistere, dann fängt es mir an zu taugen. Das Skifahren war mein Leben und ist es nach wie vor. Wie sieht Ihr Training aus, können Sie sich noch annähernd so quälen wie früher? Wenn ich einen guten Tag habe, dann geht das super. Wenn nicht, quatsch ich halt mehr mit den Leuten im Fitnessstudio und geh wieder heim.

Und wie ist das Verhältnis von guten und schlechten Tagen? Naja. Sagen wir drei gute, zwei schlechte … Früher war das zum Teil gnadenloser Druck. Heute ist das im Vergleich dazu fast Hobbysport. Und es ist schon ein riesiger Unterschied, ob man noch die letzten drei Sekunden für den Weltcup holen will oder ob es darauf nicht ankommt.

Wie lange wären Sie noch weitergefahren, wenn Sie Ihre Karriere nicht wegen der Dopingvorwürfe hätten beenden müssen? Mein Ziel waren noch drei Jahre. Ausgerechnet in dem Jahr, wo ich aufhören musste, hab ich meine besten Werte abgeliefert, das Umfeld hat gepasst und alles war auf einem guten Weg. Im Jahr darauf wäre Olympia gewesen und dann die Weltmeisterschaft in Aare. Ärgert es Sie dann nicht, dass Sie sich heute zwar immer noch den Hang runterstürzen, aber eigentlich nicht mehr viel dafür bekommen? Nein, ich bin froh, dass mein Hobby noch immer mein Beruf ist.

28 /// Fazit Oktober 2013

War es nicht die denkbar blödeste Art, seine Karriere zu beenden? Es war die zweitblödeste. Irgendwo zu stürzen und dann im Netz zu zappeln, einen bleibenden Schaden davonzutragen, das wäre das Blödeste gewesen. Ich war zum Glück nie ernsthaft verletzt. Aber jeder hat sein Packerl zu tragen. Die Art und Weise, wie ich

Foto: Marija Kanizaj für Aufsteirern

Im Leben von Hans Knauss haben oft Hundertstelsekunden entschieden. Bei der WM-Bronzemedaille 1999 fehlte ihm genau eine Hundertstel auf die beiden vor ihm liegenden Weltmeister, bei der Silbermedaille vier Jahre später nur drei Hundertstelsekunden auf den obersten Stockerlplatz. Inzwischen geht es nicht mehr so knapp zu. Trotzdem findet das Interview, ganz effizient, in den Pausen eines Pressetermins im Rahmen des »Aufsteirerns« statt, wo Knauss als Trachtenmodel einen Auftritt hat. Mitten auf dem Grazer Hauptplatz, auf frischen Holzspänen und neben einer kleinen Holzblockhütte beginnt das Interview und wie auf der Skipiste scheint Knauss alles um ihn herum ausblenden zu können. Nicht einmal die kurze Unterbrechung für einen Fototermin bringt den Gesprächsfluss durcheinander.

Herr Knauss, wie viel mussten Sie heuer schon für Ihre Kamerafahrten trainieren, die Sie vor jedem alpinen Weltcuprennen für den ORF machen? Ich höre eigentlich nie auf zu trainieren. Auf Skiern muss ich zwar grundsätzlich nicht mehr viel machen, da reicht mein Können von früher. Ich kämpfe ja nicht um die letzten Sekunden. Und wenn ich körperlich fit bin, dann stell ich mich auf die Bretter und fahre. Also Fitnessstudio, Bergsteigen, Mountainbiken. Das mach ich eh gern, weil ich die Natur liebe. Es ist mein Hobby und gleichzeitig brauch ich es auch beruflich.


Fazitgespräch

Hersteller gewonnen und ich bin froh, dass das gelungen ist. Ich war damals ja ein Bauernopfer der FIS, die haben gepokert und es hätte kein besseres Opfer geben können. Ich war verzichtbar, aber ich war gut genug, damit man an mir ein Exempel statuieren konnte. So beinhart ist das. Und ich hab damals viel gelernt. Wer heute glaubt, dass die Olympiavergabe wegen der Natur und der regionalen Gegebenheiten entschieden wird, der ist völlig blauäugig. Es geht um Politik und um Geld. Das ist knallhartes Business.

Der ORF hat Ihnen sehr schnell, zwei Monate nach Ihrem Rücktritt, eine Stelle als Kommentator gegeben … Die haben das ja alles voll mitbekommen und begleitet. Die wussten genau, wie und warum das zustande gekommen ist. Für die war klar, dass ich mehr Opfer bin, als dass ich selber etwas dafür kann. Das war mein Glück. Sie sind jetzt gut mit dem Kommentator Oliver Polzer befreundet, waren Sie das damals schon? Er war immer schon einer der Lieblingsinterviewer, weil er gute Fragen gestellt hat … einfach ein guter Journalist. Das hört man selten über Journalisten. Noch seltener beim Fußball, wo Polzer ja auch kommentiert. Beim Fußball kann ich nicht mitreden, weil ich mich überhaupt nicht auskenne. Seit dieser Saison verfolge ich es etwas mehr, weil wir mit Daniel Royer jetzt einen Schladminger in der Bundesliga haben. Ich kenn mich aber nicht aus, also lass ich mich berieseln. Was wir im Skisport machen, hat meiner Meinung nach Weltniveau. Bei der gesamten Aufbereitung, von der Fernsehtechnik bis zur Analyse, sind wir vorn dabei.

Zu den Kamerafahrten kamen bald Autorennen. Seit 2006 fuhren Sie mehrere Meisterschaften. Warum haben Sie damit angefangen? hab aufhören müssen, hat mir damals schon einen irrsinnigen Klopfer verpasst. Wie sehen Sie heute die Dopingvorwürfe gegen andere Leistungssportler? Ich werde nie eine Sportart pauschal verurteilen, auch wenn einige Ausdauersportarten brutal über die Grenze gegangen sind. Aber wenn dann ein paar dabei sind, die nichts nehmen, dann tut man denen so furchtbar unrecht. Das Gefühl habe ich erleben müssen und deshalb hüte ich mich vor solchen Urteilen. Die Österreicher standen aber trotz der Vorwürfe immer hinter Ihnen. Es hat schon eine Zeit gebraucht. Und bisher bin ich in Europa immer noch der Einzige, der Verunreinigung bei Nahrungsergänzungsmitteln hat beweisen können. Ich bin vom Vorsatz freigesprochen worden, habe auch in Amerika den Prozess gegen die

Hans Knauss wurde 1971 in Schladming geboren und gewann schon als

Schüler Skirennen. Nach seiner Aufnahme in den ÖSV-Kader fuhr er 1992 erstmals ein Weltcuprennen, seinen ersten Sieg holte er 1995 in Alta

Badia. Neben mehreren Weltcupsiegen gewann er bei der WM 1999 die

Bronzemedaille, 2003 die Silbermedaille. Nach Dopingvorwürfen musste

Knauss 2004 zurücktreten, im Verfahren gegen den amerikanischen Hersteller seiner verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel konnte er eine außergerichtliche Einigung erzielen und sich rehabilitieren.

Fazit Oktober 2013 /// 29


Fazitgespräch

Kaum bin ich wieder ins Fitnessstudio gegangen, ging es mir besser.

Am Anfang wollte ich da schon mehr, hab aber schnell gemerkt, dass das finanziell nicht zu bewältigen ist. Und dann war es für mich die ideale Ausstiegsdroge aus dem Skifahren. Ich bin einfach zu früh aus dem Spitzensport ausgeschieden und ich war zwar raus aus dem Geschäft, hatte aber den Reiz, in einem anderen Sport Fuß zu fassen. Den Reiz, eine Zeit lang nichts zu tun, sich glücklich zu langweilen, kennen Sie nicht? Das hatte ich mal drei Monate lang und dann bin ich völlig unrund gelaufen. Mir hat einfach was gefehlt. Kaum bin ich wieder ins Fitnessstudio gegangen, ging es mir besser.

Sowohl der Rennsport als auch die Abfahrten sind bei dem Tempo nicht ganz ungefährlich. Auf Ihrer Webseite steht, dass die Gesundheit Ihrer Familie das Allerwichtigste ist. Gilt das nicht für Sie selbst? Schon. Ich mach nur Sachen, bei denen ich mich wohlfühle. Selbst vor einer schweren Aufgabe wie der vereisten Streif. Dann hab ich zwar eine Stunde vorher ein ungutes Gefühl, aber sobald ich die Skier anhabe und rausfahre, ist das alles wieder vertraut. Die Gesundheit von meiner Frau und meinen zwei Kindern steht über allem und dann kommt einmal meine.

Wie sieht Ihre Frau das, wenn Sie immer noch 40-Meter-Sprünge auf der Piste machen? Die sieht das relativ entspannt. Sie weiß genau, dass ich viel schlimmere Sachen machen würde, wenn ich das nicht hätte. Sie hat mich so kennengelernt und im Gegensatz zu früher verlasse ich mich nicht mehr nur aufs Glück. Den Fehler hab ich in der Vergangenheit immer mal gemacht. Meine letzte Verletzung war allerdings ein Bänderriss und ein Knöchelausriss auf der Bühne von der Romy-Verleihung. Die Treppe hinter der Bühne war die größte Gefahr. Ihre zahlreichen Fans sind auch kein Grund für Ihre Frau, Sie zum Aufhören zu überreden? Nein. Sie ist zwar manchmal schon etwas genervt, wenn ich ständig nach einem Foto oder Autogramm gefragt werde. Ich habe da echt Geduld, sie etwas weniger, aber sie ist nie eifersüchtig oder so. Da ist genug Grundvertrauen da. Ich kann Ihre Frau verstehen. Ist es nicht total anstrengend, Everybody‘s Darling zu sein? Es passiert wirklich ganz selten, dass ich mir wünsche, dass mich niemand kennt. Und wir wählen dafür die Urlaubsdestinationen so, dass mehr Holländer, Engländer und Deutsche da sind, die mich nicht kennen. Und dann haben wir es ruhig. Wie lang halten Sie das normalerweise aus? Sie brauchen die Aufmerksamkeit offensichtlich schon. Mir gefällt das natürlich, aber ich laufe dem nicht nach. Es ist eine 30 /// Fazit Oktober 2013

Hans Knauss

wunderschöne Begleiterscheinung, aber ich bin kein High-Society-Typ und geh nicht auf öffentliche Plätze, wo ich nicht unbedingt hinmuss.

Nur zum Aufsteirern? So etwas ist tatsächlich härter geworden. Ich könnte am Sonntag nicht in der Menge mit meinen Freunden herumstehen und das genießen, weil ich ständig mit irgendwem quatsche oder ein Foto mache. Wenn ich mit meinen Freunden etwas unternehmen will, dann muss ich halt wissen wo. Zum Glück bin ich ja nur in Österreich bekannt … Warum sind Sie eigentlich so beliebt? Also ein paar wird es immer geben, die sagen, der Knauss ist ein Trottel. Das Wichtigste ist, dass du voll authentisch bist. Selbst wenn du ein Spinner bist …

Sie sind, das resultiert aus Ihrer Beliebtheit, einer der meistgebuchten Werbeträger in Österreich. Gibt es etwas, für das Sie keine Werbung machen würden? Also ich musste schon einige Sachen ausschlagen, weil das in Konkurrenz zu den Dingen stand, die ich bereits mache. Parteiwerbung mache ich nicht, auch wenn ich schon gefragt wurde. Sagen Sie uns von wem? Nein, sag ich nicht. Aber es waren zwei.

Brauchen Sie noch eine emotionale Nähe zu den Sachen, für die Sie Werbung machen? Auf jeden Fall. Als Auto gibt es für mich nur Audi, ich bin ein Autonarr, bin Autorennen gefahren und das taugt mir. Ich steh mit allen Sponsoren privat gut in Verbindung. Die Direktanlage habe ich zwar nicht mehr auf meiner Kleidung oben, aber das sind nach wie vor Freunde und ich habe dort auch investiert. Da muss einfach eine Ehrlichkeit dahinter sein.

Was würde passieren, wenn Sie irgendwo mal ein privates StieglBier trinken und es davon ein Foto gibt? Das hat es schon gegeben, aber mittlerweile passe ich da sehr auf. Mit den Handys wird sofort fotografiert und das legt dann schnell mal einer blöd aus. Und in den Verträgen steht schon auch drin, dass man möglichst nicht mit Konkurrenzprodukten fotografiert werden soll. Das geht bei Gruppenbildern nicht immer, aber ich bin da ein Vollprofi. Es ist Teil meiner Arbeit, dass ich darauf schaue. Aber ich entscheide zum Beispiel selber, wann ich das Gewand mit den Logos anziehe. Ein Punkt, den ich etwas kritisch fand, war der gemeinsame Audi-Werbespot mit Ihrem Sohn, der ja noch sehr jung ist. War das selbstverständlich oder haben Sie sich da viele Gedanken gemacht? Ich habe schon ein paar Tage gehadert. Die Agentur hatte dann exakt so einen Jungen wie den Leo gecastet. Und sie haben noch-

Foto: Michael Thurm


Fazitgespräch mal nachgefragt, wie es ausschaut. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, weil er noch jung genug ist. Wäre er 14, würde ich es wahrscheinlich nicht machen. In der Schule gab es dann schon ein paar Sprüche, aber er ist total cool damit umgegangen. Und in Schladming kennt man sich ja. Seine Schwester hatte hier und da auch schon ein paar Auftritte, allerdings nicht mit mir gemeinsam. Und dafür durfte der Leo jetzt mal zusammen mit dem Papa einen Spot drehen und es ist wahnsinnig gut angekommen. Ihre Kinder werden also Fernsehstars und Models, keine Skifahrer? Naa, das ist ihm, glaube ich, egal. Für ihn zählt nur Arbeiten und Bauer sein. Den interessiert der Spitzensport nicht, seine Helden sind in einer anderen Welt. Jeder Traktor ist ihm lieber als irgendein Sportwagen. Haben Sie versucht, Ihre Kinder zum Sport zu bewegen? Meist hoffen Eltern ja, dass die Kinder ähnliche Wege gehen. Das nicht, aber wir achten darauf, dass sie raus in die Natur kommen und sportlich aufwachsen. Das ist nicht nur Skifahren, sondern auch Wandern und Radfahren. Da machen sie mit, aber den Leo hat es nie interessiert, Rennen zu fahren. Meine Tochter will das von sich aus und geht jetzt sehr konsequent in die Skimittelschule.

Wir haben schon Schladming angesprochen: Ihnen gehören dort inzwischen einige Immobilien. Einige wenige, da gibt es viel größere Magnaten im Ort. Aber ich bin extrem zufrieden. Ich habe früh angefangen, Geld zu sparen

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Könnten Sie sich dann nicht das ein oder andere Pickerl am Hemd sparen? Die Werbung läuft davon völlig getrennt. Die Immobilien sind mein zweites Standbein, wo ich auch vom Geschäftsleben etwas lerne. Das Ganze hat halt doch etwas mehr Grundsubstanz. Ich hab mich immer schon mit den Preisen für Grundstücke oder Wohnungen beschäftigt und bisher hat sich das meiste als richtig herausgestellt. Das ist ja eine völlig andere Materie als die Werbung, die ich nun doch schon etwas länger gewohnt bin.

Was ist Hans Knauss als Werbeträger eigentlich wert? Das ist ganz schwer zu sagen. Ein aktiver Läufer, der Rennen gewinnt, ist sicher mehr wert. Das waren zuletzt ja gar nicht mehr so viele. Na so schlimm ist es auch nicht. Aber meine Generation hatte damals einen Neunfach-Triumph und wir sind trotz starker Konkurrenz über den Weltcup drübergefahren. Wir haben den Sport geprägt und das hat natürlich noch ein paar Nachwirkungen. Für Sportler heißt es: Nach der WM ist vor der WM – gilt das auch für den Austragungsort Schladming? Sportlich hat der unfassbare Sieg von Marcel Hirscher im Slalom das Tüpferl aufs i gesetzt. Hätte er das nicht gewonnen, wäre Schladming relativ schnell vergessen worden. So wird die WM

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und in Immobilien zu investieren, und bis jetzt hat sich das als sehr gut herausgestellt.

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Fazitgespräch gleich wie Harti Weirather 1982 immer in den Geschichtsbüchern erwähnt.

Und wirtschaftlich? Wie sehen Sie als Schladminger die großen und zum Teil schon rückgebauten Investitionen? Ich selbst war finanziell ja überhaupt nicht involviert, daher kenn ich die ganz genauen Zahlen nicht. Wenn aber so viel investiert wird wie dort, dann ist es völlig normal, dass man im Nachhinein ein paar Millionen überdenken muss. Wir haben jetzt im Sommer gesehen, was es gebracht hat: So viele Leute waren um die Zeit noch nie in Schladming und das hat auch die Kritiker etwas verstummen lassen. Es gibt auf der Welt einfach viele schöne Gegenden und viele gute und große Skigebiete. Da musst du dich irgendwie positionieren und das ist mit der Weltmeisterschaft ganz gut gelungen. Sollen in Schladming auch künftig Weltcuprennen in den Speed-Disziplinen stattfinden? Ich würde das nicht verfolgen. Wir sollten uns auf das Nightrace konzentrieren und zu einem fixen Bestandteil im Rennkalender machen. Nach den ersten erfolglosen WM-Rennen hat Hermann Maier heuer sehr harsch Kritik geübt. Sie haben sich da zurückgehalten … Mich hat keiner gefragt!

Ist solche Kritik aus den eigenen Reihen hilfreich? Ich hab dem Hermann nicht oft im Leben völlig zugestimmt, aber

da schon. Er hat absolut recht gehabt! Und er ist ein Hero, der sich aus eigener Kraft Richtung Weltcup katapultiert hat, und nicht irgendwer vom Verband. Wenn einer auf den Tisch hauen darf, dann der Hermann. Und das hat dann auch eine Tragweite und ich hoffe, es gibt dem ÖSV zu denken. In der Zeit, als wir so stark waren, haben wir uns nicht alle nur lieb gehabt. Bei Ihnen kann man sich das kaum vorstellen. Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker und zum Schluss war ich immer mal der, dem der Kragen geplatzt ist. Ich hab sehr lang nichts gesagt, aber wenn es dann einmal sein musste, dann wurde auch zugehört und es hat etwas gebracht. Das ist damals aber nie an die Öffentlichkeit gekommen. Sportler dürfen da nicht zu viel Respekt gegenüber der Führungsetage haben, weil ja auch die Athleten, die noch nicht den großen Erfolg haben, gute Ideen haben. Und auf die muss man hören, um besser zu werden. Interessieren Sie sich für Politik, die über Sportpolitik hinausgeht? Die Nationalratswahl zum Beispiel? Schon, mir waren nur die Diskussionen am Anfang zu tief vom Niveau. Das hat die Politik eigentlich nicht nötig und ich erwarte da mehr Stil. Wer auf dieser Ebene Politik macht, der sollte ja hochintelligent sein. Teilweise hat es mich aber dann nicht mehr interessiert, ihnen beim Streiten zuzuhören. Das Jahr über denk ich mir bei vielen Themen oft: Schön, dass ihr darüber reden könnt, das ist ein Zeichen, dass es uns sehr gut geht. Herr Knauss, vielen Dank für das Gespräch.

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Foto: USACE

Steuer Board

Mag. Alexander Hofer

Durch den Wahlkampf steuern Das System der Flat Tax (neuerdings: Fair Tax) wird immer dann strapaziert, wenn es darum geht, für eine Reduktion des Verwaltungsaufwands (BZÖ, Team Stronach) und für die Einführung leichter, nachvollziehbarer Regelungen öffentlichkeitswirksam einzutreten, durch welche „jeder die Steuer auf einem Bierdeckel nachrechnen kann“. Übersehen (oder nicht gesagt) wird jedoch, dass auch im aktuellen (progressiven) Steuersystem die Berechnung der Steuer bei Beherrschung der Grundrechnungsarten gar nicht das Problem darstellt. Die Herausforderung liegt in der Berechnung des Einkommens, also der Bemessungsgrundlage für die Steuer. Dass es dafür unzählige Paragrafen gibt (laut BZÖ gibt es 600 „steuerliche Sonderregelungen“), liegt wohl auch in den (Lenkungs-)Aufgaben, die die Steuer zum Beispiel in der Sozial- und Wirtschaftspolitik zu erfüllen hat. Wollte man tatsächlich vereinfachen, läge darin die wahre Herausforderung für politische Akteure.

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Allerdings: Die Regierungsparteien haben viele (Regierungs-)Jahre am Gegenteil gearbeitet. Die wenige Seiten umfassenden Steuerprogramme der Oppositionsparteien sind – abgesehen von den Zweifeln an der demokratiepolitischen Umsetzbarkeit – auch nicht mehr als Absichtsbekundungen. Für mich stammt einer der besten konkreten Vorschläge zur Vereinfachung und Entlastung vom 2012 leider verstorbenen langjährigen Präsidenten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Prof. Karl Bruckner: der Entwurf einer Einheitsabgabe für Steuer und Sozialversicherungsbeiträge. Das wäre ein wahrlich großer Wurf – und wird wohl Utopie bleiben, wage ich als gelernter Österreicher und Steuerberater zu behaupten.

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FA Z I T

Großinsolvenzen

Der Markt hat Recht! Wenn in einem Wahljahr so große Unternehmen wie der Alpine-Bau-Konzern oder die Drogeriekette „dayli“ in die Pleite schlittern, hat das den Vorteil, dass die Politik aufgeschreckt reagiert. Mithilfe von Auffanggesellschaften und Qualifizierungsmaßnahmen sollen die Folgen abgefedert werden. Das ist in manchen Fällen sinnvoll, in anderen purer Aktionismus.

D

enn unabhängig vom individuellen Leid, das mit dem Verlust des Arbeitsplatzes oder dem Ausfall eines Kunden verbunden ist, gehört der Niedergang zum Wirtschaftsleben und ist eine der Voraussetzungen für Wohlstand und Fortschritt. Der österreichische Nationalökonom Peter Schumpeter sprach von der „schöpferischen Zerstörung“, denn erst durch die Kraft der Zerstörung werde Platz geschaffen für Wandel und Verbesserungen. Mit den Großinsolvenzen ist die Wirtschaftskrise endgültig bei den Menschen angekommen. Tausende Jobs gingen verloren und besonders die schlecht qualifizierten „dayli-Verkäuferinnen“ haben nur geringe Chancen, auf dem Arbeitsmarkt entsprechende Angebote vorzufinden. Die Mitarbeiter des Bauriesen „Alpine“ hatten es im Vergleich dazu einfacher. Am Bau herrscht seit jeher eine saisonbedingte „Hire-and-fire-Mentalität“. Entsprechend gering ist die Aufgeregtheit über einen kurzfristigen Jobverlust. Und da die Pleite mitten in der Bausaison erfolgte, dauerte 34 /// Fazit Oktober 2013

es nur wenige Tage, bis 90 Prozent der Arbeitnehmer bei anderen Baufirmen unterkamen, um die Tausenden von der Alpine begonnenen Baustellen weiterzuführen. Die Opfer der Alpine-Pleite sind mit 1,6 Milliarden Euro die Banken. Etwa 1,4 Milliarden Euro resultieren aus Schadenersatzforderungen. Unter den restlichen zwei Milliarden befinden sich auch die Forderungen von Subauftragsnehmern – kleine gewerbliche Baufirmen, für die es besonders schwierig wird, die Liquiditätsausfälle – etwa durch neue Kredite – zu kompensieren. Insolvenzexperten rechnen daher mit zahlreichen Folgeinsolvenzen, die sich auf die nächsten Monate aufteilen werden. Dass die Folgen von Großinsolvenzen zum Teil von der Allgemeinheit getragen werden müssen, steht außer Zweifel. Und auch, dass es öffentliche Aufgabe ist, jenen zu helfen, die durch die ökonomischen Schwächen anderer in existenzielle Nöte geraten. Dennoch steht hinter der Alpine-Pleite eine enorme Überkapazität des Bausektors. Nur so ist es erklärbar, dass inzwischen ein ruinöser Preiskampf um die Fortführung der Alpine-Baustellen ausgebrochen ist. Langfristig wird die schöpferische Kraft der Zerstörung dazu führen, dass die Bauindustrie auf eine wirtschaftsverträgliche Größe schrumpft, und die Marktmechanismen das Humanund Investitionskapital für Bereiche zur Verfügung stellen, die neue Chancen und neues Wachstum versprechen.


Die Fakten rund um das Gold

Investor

Von Johannes Tandl

Der gute alte Goldpreis

Gold ist ein Edelmetall und schmilzt bei 1.064 Grad Celsius. Es reagiert weder mit Wasser noch mit Sauerstoff oder anderen chemischen Stoffen. Gold ist extrem stabil. Man schätzt, dass im Laufe der Menschheitsgeschichte etwa 167.000 Tonnen Gold gefördert wurden. Umgelegt auf das spezifische Gewicht von 750er-Gold entspricht das einem Würfel mit einer Seitenlänge von 22 Metern. Dazu kommen jährlich weitere 2.500 Tonnen – ein Würfel mit etwa 5,4 Metern Seitenlänge. Die weltweiten Goldvorräte die noch in der Erde schlummern, werden auf 51.000 Tonnen geschätzt. Größter Goldproduzent ist derzeit China mit etwa 13 Prozent, gefolgt von den USA und Australien mit je 9 Prozent der jährlich abgebauten Menge. Größter globaler Goldbesitzer ist übrigens die US-Notenbank mit 8.100 Tonnen – ein Würfel von etwa 8 Metern Seitenlänge.

Die einen sagen »rauf«, die anderen »runter« Im Laufe der Menschheitsgeschichte ist Gold zu einer einzigartigen Krisenwährung geworden – leicht zu verstecken und einfach zu transportieren. Natürlich ist Gold damit auch Spekulationsobjekt. Sein Preis steigt, wenn die Risiken für die Konjunktur oder die Inflation steigen oder die Finanzmärkte in Turbulenzen geraten.

G

old ist ein faszinierendes Metall. Es ist knapp und teuer, es ist unverwechselbar und bis vor Kurzem war es eigentlich zu nichts zu gebrauchen, außer um aufbewahrt zu werden. Aufgrund seiner Leitfähigkeit werden inzwischen jedoch etwa 10 Prozent der jährlichen Abbaumenge von der Industrie zu elektronischen Kleinteilen verarbeitet. Grundsätzlich wird Gold jedoch in Baren gegossen, zu Münzen geprägt oder zu Schmuck verarbeitet.

1.299

Zwischen 2005 und 2011 ist der Preis für eine Feinunze (31,10 Gramm oder ein Würfel mit 1,26 Zentimeter Seitenlänge) von 445 auf 1.570 Dollar gestiegen. Aktuell kostet die Feinunze etwa 1.300 Dollar. Gold leidet traditionell unter der Annahme, dass es eine gewaltige Goldblase gibt und es daher stark überbewertet ist. Doch trotz dieses permanenten Imageschadens bleibt physisches Gold für viele Anleger interessant. Langfristprognosen, wie sich der Goldpreis entwickeln könnte, sind schwierig. Der Preis hängt stark von der Stimmung ab. Und die hat mit realen Marktbewegungen bekanntlich oft nur wenig zu tun. In den letzten hundert Jahren galt jedenfalls die völlig unwissenschaftliche Theorie, dass eine Feinunze Gold in etwa so viel kosten darf wie ein guter Anzug, als gängige Bewertungsrichtlinie. Im Jahr 1913 waren das etwa 19 Dol-

439

1978

Jährlicher Durchschnittspreis für Gold in Euro je Feinunze. (Quelle: World Gold Council)

2012

lar und im Jahr 1940 etwa 35 Dollar, und beides kam hin. Diese Relation geht davon aus, dass ein Anzug, unabhängig davon, wann und wo er geschneidert wird, in etwa den gleichen Ressourceneinsatz benötigt und sich daher gut als Indikator für die tatsächliche Geldentwertung verwenden lässt. Über viele Jahrzehnte stimmte diese Relation tatsächlich. Doch seit etwa fünf Jahren stimmt sie eben nicht mehr, denn mittlerweile kostet die Feinunze mit 1.300 Dollar – etwa so viel wie zwei gute Anzüge. Demnach wäre Gold dramatisch überwertet. Zahlreiche Analysten haben ihre Prognosen, wo der Goldpreis am Jahresende 2013 stehen wird, nach unten angepasst. Die Privatanleger lässt das dennoch ziemlich kalt: Physisches Gold bleibt ein Renner. Während viele Analysten glauben, dass der Goldpreis noch etwa ein Jahr lang sinken wird, bevor er wieder anzieht, sehen Privatanleger in den jüngsten Kursrückgängen ein deutliches Kaufsignal. Im krassen Gegensatz steht dazu die jüngste Prognose von Goldman Sachs. Im Juni hielten die Investmentbanker noch einen Endjahres-Kurs von 1.300 Dollar für realistisch, inzwischen hält man sogar einen Absturz auf unter 1.000 Dollar für möglich. HSBC hingegen sieht den Kurs zu Jahresende bei 1.446 Dollar und hat die Prognosen sogar angehoben. Das Fazit-Resümee nach Durchsicht zahlreicher Charts und Analysen: Der tatsächliche Goldkurs bleibt völlig unkalkulierbar. Für einen Absturz spricht die Ankündigung der US-Notenbank, die Geldschwemme der Märkte bald zu beenden. Dagegen sprechen hingegen die große Gier der Investoren nach wertbeständigen Alternativen zum Geld und die enorme Attraktivität des gelben Metalls in den aufsteigenden Volkswirtschaften der Schwellenländer. Fazit Oktober 2013 /// 35


Investor kurz Binder+Co: Umsatzsteigerung in schwierigem Marktumfeld Der in Gleisdorf beheimatete Spezialist für Aufbereitungs-, Umwelt- und Verpackungstechnik Binder+Co konnte seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 23,4 Prozent steigern, das Betriebsergebnis blieb durch Anlaufverluste der im Aufbau begriffener Tochtergesellschaften mit 2,3 Millionen Euro jedoch unter dem Vorjahresniveau. Obwohl sich das Marktumfeld zunehmend schwierig präsentiert, konnte ein solider Auftragseingang erzielt werden. Vorstand Karl Grabner: »Im 2. Quartal 2013 ist nun auch das operative Geschäft unseres neuen Tochterunternehmens ‚Binder+Co Machinery‘ (Tianjin, China) voll angelaufen. Durch die zunehmende Internationalisierung haben wir in den vergangenen Jahren wichtige Weichenstellungen für die langfristige Entwicklung von Binder+Co gelegt.« Aktuell sieht Grabner aber eine Verschlechterung

der Marktverhältnisse und eine deutliche Zunahme des Wettbewerbsdrucks. Die Binder-Aktie hat in den letzten Monaten von rund 28 auf 20 Euro nachgegeben.

AT&S startet Kapitalerhöhung Der obersteirische Leiterplattenhersteller setzt ein Angebot von bis zu 15.527.412 Aktien. Diese bestehen aus einem Preplacement und einem Bezugsangebot. Der Vorstand von AT&S hat mit der Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, bis zu 12.950.000 neue Aktien – 50 Prozent des bestehenden Aktienkapitals – auszugeben. Bis zu 2.577.412 eigene Aktien, das entspricht 9,95 Prozent des bestehenden Aktienkapitals werden zum Kauf angeboten. Das Unternehmen teilte zudem mit, dass der weltgrößte Chiphersteller Intel mit etwa fünf Millionen einsteigen werde. Berenberg und Erste Group wurden für das Angebot als Joint Lead Manager mandatiert.

»Fast Forward Award« 2013 Für Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann ist die Innovationskraft der Unternehmen der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes: »Bei so vielen Innovationen ist es kein Wunder, dass der Steiermark dieses Jahr eine hohe europäische Auszeichnung, die ‚Europäische Unternehmerregion 2013‘, zuteilwurde und wir unsere F&E-Quote soeben auf den Rekordwert von 4,6 Prozent steigern konnten.« Die Finalveranstaltung im Messe-Kongress Graz fand vor 350 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft statt. 36 /// Fazit Oktober 2013

Foto: Robert Frankl

Bei der 17. Auflage des steirischen Wirtschaftspreises wurden heuer 93 Projekte eingereicht und sechs Unternehmen ausgezeichnet.


Wirtschaft entfesseln Österreich steht in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen.

D

eshalb braucht unser Land jetzt eine Regierung die mutig und entschlossen Reformen anpackt statt neue Steuern zu erfinden um die heimische Wirtschaft noch weiter zu belasten. Während die SPÖ mit ihren Vorschlägen den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich bedroht, kämpft die ÖVP als einzig glaubwürdige Wirtschaftspartei für die Entfesselung der Wirtschaft. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sind neben Sparmaßnahmen auch gezielte Wachstumsimpulse gefragt. Für eine positive Standortentwicklung müssen deshalb Maßnahmen in Richtung Wachstum, Innovation und Beschäftigung gesetzt werden.

Michael Spindelegger stellen ÖVP und Wirtschaftsbund den Anspruch auf den Kanzler und damit den Anspruch auf einen sicheren Arbeits- und Wirtschaftsstandort. Auch aus den Reihen des Wirtschaftsbund stellen sich in der Steiermark wieder engagierte KandidatInnen der Wahl. Wir stellen Ihnen hier diese Persönlichkeiten sowie Ihre Ziele und Anliegen vor.

Andreas Zakostelsky, Bundesliste „Wirtschaft für den Menschen – mir ist eine nachhaltig orientierte Wirtschaftspolitik wichtig. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen!“

Gerlinde Hutter, Bezirksliste 6B „Ich lebe in einer ländlichen Region und arbeite für die Anliegen dieser Region.“

Fotos: ÖVP/Glaser(6), Helmreich, Foto Fischer, Steinberger, ST VP/Nestroy (3)

Unsere Kandidaten: Wirtschaft wählt schwarz: Am 29. September werden die Weichen für Österreichs Zukunft gestellt. Mit

Vier Schritte für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit ÖVP und Wirtschaftsbund haben sich für die nächsten Jahre klare Ziele gesetzt: Wachstum statt Schulden, Arbeitsplätze statt neue Steuern und Freiheit statt Bürokratie. Oberste Priorität haben die Attraktivierung sowie Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. „Wer Arbeitsplätze schaffen will, muss sich für die notwendigen Rahmenbedingungen

Treffen Sie am 29. Septem ber die richtig e Wahl für Österre ich:

Liste 2 fü r die ÖVP!

eines optimalen Wirtschaftsstandortes einsetzen“, mahnt WB-Obmann und Wirtschaftslandesrat Dr. Christian Buchmann. Der Wirtschaftsbund hat konkrete Vorschläge und fordert dringlich die Umsetzung von vier Punkten für die Sicherung Österreichs Wettbewerbsfähigkeit: 1. Senkung der Abgabenquote auf unter 40 %, 2. Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters auf das Gesetzliche, 3. Anhebung der Forschungsquote in Österreich auf 3 % durch z.B. Innovationsfreibetrag für KMU und 4. Flexibilisierung der Arbeitszeit im Interesse der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Nur mit verbesserten Rahmenbedingungen können wir unsere Betriebe entlasten und damit den Wirtschafts- und Arbeitsstandort sichern. Das Credo für Österreich muss deshalb lauten: Wirtschaft entfesseln durch erneuern statt besteuern! Adelheid FürntrathMoretti, Bezirksliste 6A „Ich will einfach mehr für euch erreichen: verständlich, transparent, effektiv.

Peter Kalcher, Bezirksliste 6C „Reformieren und Erneuern statt Mittelstand besteuern.“

Johann Kaufmann, Bezirksliste 6B „Ich setze mich für bessere Rahmenbedingungen und mehr Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen ein.“

Barbara Krenn, Bezirksliste 6D „Mut steht am Beginn der Veränderung.“

Katharina Lang, Bezirksliste 6B „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut!“

Walter Flecker, Bezirksliste 6D „Hausverstand und Eigenverantwortung sind mehr gefragt denn je.“

Dominic Neumann, Bezirksliste 6A „Es sollte viel mehr unternehmerisch denkende Menschen in der Politik geben. Ich kann Bilanzen lesen und weiß was es heißt selbst Geld zu verdienen und verantwortungsvoll auszugeben.“

Kurt Winter, Bezirksliste 6B „Hervorragende Fachkräfte sind der beste Garant für den Erfolg unserer Wirtschaft im globalen Wettbewerb.“

Joachim Schnabel, Bezirksliste 6C „Ein starker Kernraum für einen starken Bezirk.“

Markus Windisch, Bezirksliste 6A „In der Pflicht konsequent, in der Kür kreativ.“

Fazit Oktober 2013 /// 37


Kurz & News

Die an der Wiener Börse notierte Bene AG hat mit den finanzierenden Banken eine Einigung über die Restrukturierung der Finanzierung erzielt und damit einen weiteren wichtigen Meilenstein bei ihrer umfassenden Restrukturierung gesetzt. Das Gesamtpaket sieht längere Kreditlaufzeiten, eine Refinanzierung der 40 Millionen schweren Anleihe und frische Mittel in der Höhe von 14 Millionen Euro vor. Damit verfügt Bene über einen ausreichenden finanziellen Rahmen, um seine Position als Büromöbelspezialist weiter zu stärken.

WB-Vorschläge für ein wettbewerbsfähigeres Österreich

Bei der Club1-Sommertour in Altaussee war dem Wirtschaftsbund nichts zu heiß. „Unser oberstes Ziel muss es sein, unsere Betriebe – angesichts ihrer hohen Steuern- und Abgabenbelastungen – zu entfesseln“, fordert Wirtschafsbundobmann Christian Buchmann. Dafür brauche es eine Senkung der Abgabenquote auf unter 40 Prozent, eine Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters, eine Anhebung der Forschungsquote auf drei Prozent und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, erklärt Buchmann.

Bankhaus Krentschker verlängert Kultursponsoring

Tag des offenen Ateliers der Styrian Art Foundation

„Kunst ist ein Lebensmittel, man braucht es, um zu überleben“, erklärt Diözesanbischof Egon Kapellari bei der Eröffnung am Tag des offenen Ateliers. Die Besucher staunten nicht schlecht über die zahlreichen Kunstwerke, die von den neun Künstlern zum Thema „Utopia“ geschaffen wurden. Entstanden sind die Kunstwerke auf Initiative der Styrian Art Foundation im Rahmen der Steirischen Künstler Klausur.

Energieautarke TouchInterfaces entwickelt

Ein österreichisches Konsortium bestehend aus der Keba AG, dem Media Interaction Lab der FH Oberösterreich und Joanneum Research hat ein energieautarkes, kraftsensitives Touch-Interface für die mobile Maschinenbedienung entwickelt. „Das Anwendungsspektrum für derartige Sensoren, die auf Grund ihrer einzigartigen Biegsamkeit auf beliebig dimensionierten Oberflächen integriert werden können, scheint aus heutiger Sicht unbegrenzt“, erklärt Barbara Stadlober, Leiterin der Forschungsgruppe.

Neuer E-Fahrzeug-Verleih in Loipersdorf

Die Energie Steiermark baut ihr E-Mobility-Angebot weiter aus und eröffnet den ersten E-Fahrzeug-Verleih in der Thermenregion. Vor der Therme Loipersdorf stehen ab sofort neben zahlreichen E-Bikes auch zwei E-Autos der Marke Renault Twizy und E-Trikes zur Verfügung. „Wir freuen uns, dass wir die Therme Loipersdorf für das Thema E-Mobility begeistern konnten“, erklärt Christian Purrer, Vorstandssprecher Energie Steiermark. 38 /// Fazit Oktober 2013

Das Bankhaus Krentschker erneuert als Hauptsponsor die Partnerschaft mit dem Orchester „recreation – Großes Orchester Graz“. „Sowohl die Privatbank als auch das Orchester verbinden traditionelle Werte mit modernen Interpretationen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Georg Wolf-Schönach. Das Bankhaus Krentschker mit Sitz in Wien und Graz zählt zu den größten PrivateBanking-Instituten in Österreich.

Grüne Nacht unter dem Motto 475 + 230 Jahre

Unterhalten, erklären, plaudern und jubilieren Unter dem Motto „475 + 230“ galt es bei der Grünen Nacht 2013. Im 475 Jahre alten Schloss Moosbrunn und dem seit 230 Jahren dazugehörenden Buschenschank Moosbrunn feierten rund 300 Gäste. Unter ihnen auch L andeshaupt mann-Stellver t reter Hermann Schützenhöfer und Tourismuschef Georg Bliem.

Fotos: Bankhaus Krenschker, WB Steiermark, Tourismus Steiermark, Geopho

Bene einigt sich mit Banken über Restrukturierung


Foto: Hypo Steiermark

Mehr als 30 Hauben kürten den Kürbiskernöl-Champion Am 16. September 2013 wurde das beste Kürbiskernöl gekürt. Maria Baumgartner aus Thal konnte sich den ersten Platz sichern. Vize-Champions wurden David Kern aus Siebing und Hubert Feirer aus Allerheiligen bei Wildon. Im Vorfeld kickte das „HaubenNationalteam“ der besten Köche Österreichs gegen das Team „Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ zugunsten von „Licht ins Dunkel“.

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ölproduzenten waren heuer die Wetterextreme, von der nasskalten Witterung bis zur extremen Hitze und Trockenheit, die unterschiedlich große Schäden angerichtet haben.“ Die Versorgung sei jedoch gesichert, stellt Franz Labugger, Obmann der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl, fest: „Trotz erheblicher Ernteeinbußen können wir die Versorgung mit steirischem Kürbiskernöl sicherstellen.“ Einzigartig „steirisch“, dunkelgrün, nach Nüssen duftend und intensiv im Geschmack, eroberte das „Steirische Kürbiskernöl g.g.A.“ als kulinarisches Aushängeschild der Steiermark die Herzen der Bevölkerung und der internationalen Spezialitäten-Küche. Steirisches Kürbiskernöl ist untrennbar mit der Steiermark verbunden und erfolgreicher Botschafter unseres Landes.

Foto: LK/Kristoferitsch

österreichische Spitzenköche mit insgesamt 37 Hauben küren heuer gemeinsam mit Experten und viel Prominenz aus Wirtschaft und Politik den Kürbiskernöl-Champion 2013. Im Rennen sind die 20 besten Öle, die eine geschulte Verkoster-Jury von 131 Produzenten, die in den Jahren 2012 und 2013 die Landesprämierung erfolgreich bestanden haben, gekürt hat. „Ich freue mich, dass steirisches Kürbiskernöl bei den österreichischen Spitzenköchen einen großen Stellenwert hat. Ihr Kommen bestätigt auch unseren konsequenten Qualitätsweg, den die heimischen Kürbiskernöl-Produzenten Jahr für Jahr weiter optimieren“, betont Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski. Und weiter: „Besonders herausfordernd für die Kern-

Die großen Sieger: Maria und Franz Baumgartner (Mitte) mit den Vize-Champions David Kern (l.) und Hubert Feirer (2.v.r.)

Kurz im Gespräch mit Stefan Bardel Bereichsleiter Privat- und Geschäftskunden der LandesHypothekenbank Steiermark

Wertpapiere gelten seit der Finanzkrise für Viele als rotes Tuch. Sind mittlerweile Wertpapierveranlagungen wieder attraktiv? Erst kürzlich hatte EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigt, dass die Leitzinsen im Euroraum für längere Zeit auf einem niedrigeren Niveau bleiben. Für die Vermögensbildung klingt die Ankündigung schon fast wie eine Drohung. Denn nicht nur die Vermögen werden durch Inflation geschrumpft, auch die Vermögensbildung wird erschwert. Wertpapiere rücken deshalb wieder stärker in den Fokus.

Die HYPO Steiermark setzt auf „ethischnachhaltige“ Veranlagungen. Was zeichnet derartige Investments aus? Bei ethisch-nachhaltigen Investments werden neben der finanziellen Analyse auch die sozialen und ökologischen Leistungen eines Unternehmens beurteilt. Unternehmen, die ihren Energieund Rohstoffverbrauch im Griff haben und fair mit ihren Mitarbeitern umgehen, stehen bei solchen Investments im Fokus. Viele wissenschaftlicher Studien zeigen, dass ethisch-nachhaltige Investments langfristig eine gleichwertige, manchmal sogar eine bessere Performance erzielen. Was verstehen Sie persönlich unter einer sicheren Veranlagung? Sicherheit erreicht man nicht durch eine vermeintlich sichere Anlage, sondern durch eine breite, intelligente Streuung in unterschiedliche Vermögenswerte. Veranlagt man das Geld zu einseitig, dann erhöhen sich die Risiken.

Fazit Oktober 2013 /// 39


Team Stronach

Die Zeit ist reif für Praktiker Ein großer Schwerpunkt des Team Stronach sind die Unternehmer. Die steirischen Spitzenkandidaten Waltraud Dietrich und Bernhard Juranek, selbst Unternehmer, erklären, warum Wirtschaftstreibende auf das Team Stronach setzen sollten.

Foto: Sascha Pseiner

Förderung wieder weiterzieht, geht das nicht. Die Regionen veröden wieder und die Arbeitslosen bleiben der Allgemeinheit, das kann nicht sein. Da müssen wir über die Rückzahlung der Förderung oder über eine Beteiligung an den Kosten, die die Arbeitslosen erzeugen, sprechen.

Waltraud Dietrich und Bernhard Juranek kandidieren in der Steiermark für das Team Stronach. Was wäre das Erste, das das Team Stronach für den Standort Steiermark unternehmen würde? Waltraud Dietrich: Ich glaube, ganz zentral für alle Wirtschaftsfragen ist die Steuerpolitik. Die Frage ist, in welche Richtung lenke ich den Wirtschaftsstandort und wie können sich Unternehmen in Österreich entwickeln. Wir wollen ein einfaches, klares und transparentes Steuersystem, bei dem viele Schlupflöcher aus dem Weg geräumt werden. Wir wollen mit dem Steuersystem die Unternehmen dazu anleiten, verstärkt in Österreich zu investieren. Wenn Unternehmen in Österreich Gewinne erzielen, sollen sie nicht mehr die Verluste im Ausland gegenrechnen können. Wir wollen, dass Unternehmen, die in Österreich investieren, nur einen zehnprozentigen Steuersatz für die Investitionssumme zahlen, und gleichzeitig sollen sie die Möglichkeit haben, diese zehn Prozent auch als Mitarbeiterbeteiligung weiterzugeben. Außerdem wollen wir Behördenwege vereinfachen. 40 /// Fazit Oktober 2013

Das Beispiel Schwarze Sulm zeigt, dass Verfahren über Monate dauern, und wenn der Investor beginnt, ein Projekt durchzuziehen, kommt wieder ein Stopp. Hier gibt es keine Beständigkeit. Viele Investoren investieren in der Steiermark nicht, weil die Verfahrenswege zu lang sind.

Ein beliebtes Mittel der Standortpolitik sind Förderungen für Unternehmen, die sich für einen österreichischen Standort entscheiden. Viele große Unternehmen profitieren davon, unter anderem Magna. Würden Sie das weiter so handhaben oder würden Sie anders ansetzen? Bernhard Juranek: Förderungen per se sind nichts Schlechtes. Wir haben aber in Österreich eine Vielzahl an Förderungen, die zu hinterfragen sind. Grundsätzlich sollte eine Förderung niemanden benachteiligen. Förderungen werden deshalb vergeben, um eine bestimmte Region zu fördern. Eines ist aber klar: Wenn ein Unternehmen die Förderung in Anspruch nimmt und nach Auslaufen der

Wie würden Sie gerade Jungunternehmern helfen, ihr Unternehmen zu gründen und am Leben zu erhalten? Juranek: Die Frage ist, wie einfach man das angehen will. Ich habe den Frank im Ohr, der erzählt, wie einfach es in Amerika ist. Dort ist es so, dass man ein Unternehmen einfach gründen kann und der Markt regelt, ob man erfolgreich ist oder nicht. Das ist vielleicht etwas zu weitgehend, aber grundsätzlich sollte es eine möglichst große Freiheit bei der Unternehmensgründung gegeben sein.

Welche Vorteile haben die steirischen Unternehmer, wenn das Team Stronach stark im Parlament vertreten ist? Dietrich: Ein wesentlicher Vorteil würde sein, dass uns als einzige Partei bewusst ist, wie überbordend die Bürokratie in diesem Land ist. 12.000 Unternehmer haben keinen Nachfolger mehr und das ist eine deutliche Sprache. Es gibt keine Jungen mehr, die sich das antun wollen. Wir vom Team Stronach sind Garant dafür, dass Praktiker einbezogen werden und der Auflagendschungel durchforstet wird. Die Schikanen, die Unternehmer erleben, müssen abgestellt werden. Außerdem gibt es niemanden im politischen Bereich, der so viel Kompetenz im Wirtschaftsbereich hat wie Frank Stronach. Kein anderer wird die Anliegen der Wirtschaft so verstehen und vertreten können wie er. Die Zeit ist reif für Praktiker. Es ist höchste Zeit, dass sich Unternehmer einbringen.


Bank Austria

Bank Austria unterstützt Unternehmer bei Zukäufen Unternehmen müssen wachsen, um ihre Marktposition auszubauen. Der gängige Weg ist das organische Wachstum von innen, über neue, innovative Produkte und Dienstleistungen in alten und neuen Märkten. Einen anderen Weg zu wachsen bietet der Zukauf geeigneter Unternehmen. Die Bank Austria bietet als führende Firmenkundenbank Österreichs genau für diesen Bereich ein hoch spezialisiertes Expertennetzwerk mit internationalem Know-how.

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Fotos: Bank Austria

er Vorteil des Wachstums durch Zukauf liegt vor allem darin, dass ein Unternehmen dadurch in seinen Märkten schneller wachsen kann. Die Bank Austria verzeichnet eine verstärkte Beraternachfrage für Zukäufe. „Auch wenn die Fundamentaldaten noch kein Ende der Krise signalisieren, hat doch das gefühlte Risiko bei den Unternehmen abgenommen“, analysiert Bernd Meister, Bank-Austria-Landesdirektor Firmenkunden Steiermark. „Dazu kommt, dass die historisch tiefen Zinsen Investitionen attraktiv machen und auch viele Unternehmen nach der Krise nun

Bernd Meister: „116 Unternehmen gelten in Österreich als Hidden Champions.“

wieder gut dastehen. Wir sehen sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite attraktive Unternehmen. Die Innovationskraft österreichischer Unternehmen verdeutlicht auch eine Studie, die gezeigt hat, dass in Österreich 116 Hidden Champions zu Hause sind. Mit dieser Anzahl an Unternehmen, die in ihrer Nische weltweit zu den Top drei oder aber in Europa die Nummer eins sind und weniger als drei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften, liegt Österreich absolut im Spitzenfeld.“

Bei Zukäufen ist Expertenwissen gefragt „Bevor mit der Suche nach einem Unternehmen begonnen wird, sollte ein ausführliches Anforderungsprofil erstellt werden, damit deutlich wird, welche Eigenschaften potenzielle Kauf- oder Übernahmekandidaten mitbringen müssen. Es muss definiert werden, welchen Nutzen die Akquisition bringen soll und welche übergeordneten Ziele mit dem Kauf verfolgt werden“, so Christian Kainz, Head of Corporate Structured Finance. Strategische Gründe sind beispielsweise, einen Konkurrenten zu übernehmen, neue Vertriebswege zu eröffnen, die eigene Angebotspalette zu erweitern, neues Know-how hinzuzugewinnen, die eigene Marktmacht zu stärken und auszubauen oder kostengünstigere Produktionsmöglichkeiten zu schaffen. „Genau dafür braucht man erfahrene Experten mit spezifischem Know-how. Die Bank Austria bietet als führende Firmenkundenbank Öster-

reichs Expertenwissen und -tools aus einer Hand. Darüber hinaus verfügen wir auch über hervorragende internationale Kontakte in verschiedenste Branchen, da die Bank Austria als Teil der UniCredit die führende Bank bei grenzüberschreitenden Geschäften ist“, fasst Meister zusammen.

Christian Kainz: „Bevor mit der Suche nach einem Übernahmekandidaten begonnen wird, sollte ein ausführliches Anforderungsprofil erstellt werden.“ Fazit Oktober 2013 /// 41


Vorsorge

Zwischen Pflege und Tod:

Versicherung im Alter Auf den ersten Blick erscheinen Pflegeversicherung und Sterbeversicherung eine logische Konsequenz des Älterwerdens. Doch es ist Vorsicht geboten. Wartezeiten und höchstmögliches Einstiegsalter können sich negativ auswirken. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass man überhaupt pflegebedürftig wird, ist geringer, als man denkt.

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erade im Alter kommen Kosten auf einen zu, an die man als junger Mensch gar nicht denkt. Gesundheitsund Pflegekosten nehmen eine große Rolle ein und selbst der Tod kostet mehr als das Leben. Oft bleiben die Angehörigen auf den Kosten sitzen. Abhilfe können hier die entsprechenden Versicherungen schaffen. Doch während der Tod bestimmt kommt, ist nicht sicher, ob man je pflegebedürftig wird.

Alt werden bedeutet nicht gleichzeitig pflegebedürftig zu sein. 42 /// Fazit Oktober 2013

Pflegeversicherung: Wenn, dann früh abschließen Pflegeversicherungen werden immer interessanter für die Versicherungsunternehmen. Während es vor sieben Jahren erst fünf Pflegeversicherer in Österreich gab, bieten inzwischen elf Versicherungsunternehmen eigene Produkte zur Absicherung im Pflegefall an. Der Verkauf dieser Versicherungen gestaltet sich dem Konsumentenschutzmagazin Konsument zufolge aber eher schleppend. Das liegt zum Teil auch an den schlechten Ergebnissen bei Lebensversicherungen, die den Konsumenten skeptisch gegenüber dem Versicherungsmarkt machen. Aber auch die Pflegeversicherungen selbst erscheinen manchmal wenig attraktiv. Eine große Rolle spielt dabei das Einstiegsalter. Je älter die Versicherten, desto teurer die Prämien, und während man sich als junger Mensch noch keine Gedanken ums Alter macht, ist es später oft schon zu spät, um überhaupt eine Pflegeversicherung abschließen zu können. Bei manchen Versicherungsunternehmen ist in Sachen Pflegeversicherung ein Einstieg für einen 60-Jährigen schon nicht mehr so einfach. Für 80-Jährige gibt es überhaupt keine Chance mehr, eine Pflegeversicherung abzuschließen. Naturgemäß steigt der Anteil der


Vorsorge

Pflegebedürftigkeit mit dem Alter, doch selbst bei den über 80-Jährigen lag der Anteil 2010 bei nur 59,7 Prozent. Bei der Altersgruppe zwischen 61 und 80 Jahren waren gar nur zehn Prozent pflegebedürftig. Das könnte viele davon abhalten, eine private und oft teure Pflegeversicherung abzuschließen.

Sterbeversicherung schützt Angehörige vor Kosten Sicher kommt jedoch der Tod. Ein Begräbnis kann sich mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen. Eine Sterbeversicherung kann hier helfen und die Begräbniskosten decken. Der größte Anbieter in Österreich ist der Wiener Verein. Neben einer klassischen Sterbeversicherung kann

dort auch eine Versicherung zur Grabpflege abgeschlossen werden. Dann übernehmen lokale Gärtnereien und Steinmetze die Grabpflege, bis die Versicherungssummer aufgebraucht ist. Auch spezielle Arrangements für Geburtstage, Todestage oder Hochzeitstage stehen zur Verfügung. Der Vorteil bei der Sterbeversicherung ist, dass die Bestattungskosten gleich direkt mit dem Wiener Verein abgerechnet werden und die Angehörigen nicht mit der teuren Abwicklung belastet werden. Auch andere Versicherungen in Österreich bieten Sterbeversicherungen an. Beim Vergleich sollte darauf geachtet werden, dass es keine Wartezeiten bei der Auszahlung gibt. Das heißt, dass ab Versicherungsabschluss die Ver-

sicherungsleistung auch tatsächlich sofort erbracht werden soll. Manche Versicherungen bieten für die erste Zeit eine Übergangslösung, bei der nur ein Teil der Versicherungssumme ausgezahlt wird. Außerdem ist das höchste Einstiegsalter relevant. Meistens liegt dieses Alter bei 80 Jahren. Ein hohes Einstiegsalter wirkt sich jedoch negativ auf die Versicherungsbeiträge aus. Die Sterbeversicherung und die Versicherung zur Grabpflege zählen wohl nicht zu den wichtigsten Versicherungen. Wenn man seinen Angehörigen aber bei den eigenen Begräbniskosten unter die Arme greifen will, sollte man diese Lösung in Betracht ziehen.

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Jungunternehmer oft am Abgrund Die öffentliche Hand fördert Jungunternehmer in zahlreichen Programmen. Trotzdem sind Unternehmen, die jünger als zwei Jahre alt sind, weit insolvenzgefährdeter als ältere Unternehmen. Das hat nicht nur mit der geringen Eigenkapitaldecke vieler Jungunternehmer, sondern auch an der mangelnden Erfahrung.

V

iele Jungunternehmer stehen vor denselben Herausforderungen. Und meistens scheitert es nicht an der Geschäftsidee, sondern an mangelnder Erfahrung in der Unternehmensführung und schlicht am Geld. Die Idee ist gut, die Umsetzung dieser ist jedoch in vielen Fällen einfach mangelhaft. Oft sind NeoUnternehmer darauf erpicht, alles selbst in die Hand zu nehmen. Delegation muss gelernt sein und dazu braucht es auch die richtigen Mitarbeiter. Doch gerade Jung-

unternehmer rekrutieren meist im Verwandtschaftsund Freundeskreis. Das ist eine schlechte Ausgangslage und kann dazu führen, dass das Unternehmen schnell ins Chaos stürzt. Vorbereitung auf den Worst-Case Dazu kommt, dass sich der Unternehmer nicht mehr auf sein Fachgebiet beschränken kann. Buchhaltung, Arbeitsrecht, Urlaube, das sind oft Bereiche, die der Jungunternehmer selten schon in seiner


Jungunternehmer

Supernachfolger gesucht Follow me ruft zur Wahl des Supernachfolgers. Im Internet stellen sich bis 10. Oktober 2013 erfolgreiche Nachfolger aus der Steiermark dem Publikumsvoting. übernehmen rund Jährlich 950 junge Steirerinnen

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Jungunternehmer vor allem Risikokapital.

ursprünglichen Tätigkeit ausgeführt hat. Ein Partner kann hier Abhilfe schaffen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man einander vertraut. Viele junge Unternehmen zerbrechen auch, weil sich die beiden Geschäftspartner zerstritten haben. Dann ist das ganze Unternehmen handlungsunfähig. Deshalb ist es klug, sich schon zu Beginn der Unternehmertätigkeit vertraglich auf ein WorstCase-Szenario, nämlich die Auflösung des Unternehmens, vorzubereiten. Das alles sind Erfahrungen, die viele Unternehmer in der Gründungsphase machen, und leider muss nur zu oft das Rad neu erfunden werden. Deshalb sind Mentoringprogramme wie jenes des Wirtschaftsbundes eine gute Idee, um das Unternehmen zumindest auf eine solide organisatorische Basis zu heben und Netzwerke zu schaffen. Kaum Risikokapital in Österreich Doch selbst wenn organisatorisch alles im

Lot ist, kann eine Neugründung schnell scheitern. Nämlich dann, wenn es am nötigen Eigenkapital fehlt. Öffentliche Förderungen helfen zwar über die ersten Monate, doch die Zeit, bis von der Bank Fremdkapital aufgenommen werden kann, ist mit öffentlichen Förderungen allein nicht zu überbrücken. Deshalb bräuchten viele Jungunternehmer, besonders jene, die schnell wachsen, Kapitalgeber, die das Risiko einer Pleite eingehen wollen. Anders als in den USA gibt es aber kaum finanzkräftige Risikokapitalgeber, die einspringen könnten. Große Unternehmen wie Facebook wären ohne Risikokapitalgeber, sogenannte Angel Investors, nie in der heutigen Form umgesetzt worden. Im August 2004 investierte Peter Thiel als erster großer Investor 500.000 Dollar in Facebook und erhielt dabei einen 10,2-Prozent-Anteil am Unternehmen. 2012 verkaufte er einen Großteil seines Investments für mehr als eine Milliarde Dollar.

und Steirer einen Betrieb. Das sichert direkt mehr als 5.000 Arbeitsplätze. Die größte Bedeutung kommt den Nachfolgenden aber als Innovations-Turbos dieses Landes zu: Drei Viertel aller Produkte im Betrieb werden durch die Nachfolge weiterentwickelt. Die Hälfte aller übernommenen Betriebe steigern ihren Umsatz und jeder dritte schafft neue Arbeitsplätze.

Erfahrung und Innovation Nun sollen die erfolgreichsten Übernehmer von der Wirtschaftskammer gekürt werden. Im Internet stellen sich 13 steirische Unternehmen, die vor Kurzem übernommen wurden, der Wahl. Mit dem Programm „Follow me“, der Wirtschaftskammer Steiermark, konnten sie sich den Traum des eigenen Unternehmens erfüllen. Dabei konnten sie auch auf das Knowhow der übernommenen Unternehmen setzen. „Durch regelmäßige Mitarbeitergespräche und Feedbacks versuchen wir, Innovationen

und Ideen aus den täglichen Erfahrungen unserer Mitarbeiter zu generieren. So bleiben wir zukunftsfit“, erklärt etwa Mario Janisch, der die Auto Lind GmbH & Co KG in Friedberg bei Hartberg übernommen hat. Aber auch die Erfahrung der Vorgänger ist wichtig, erklärt Mario Sturm von der Bäckerei Sturm in Gaishorn: „Die Erfahrung meines Vaters gibt mir als Jungunternehmer im Familienbetrieb in dritter Generation Rückhalt.“ Auch die Möglichkeit, auf bestehende Strukturen aufzubauen, hilft den Nachfolgern. „Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden“, erklärt Egon Oberhauser, der einen Friseursalon übernommen hat. Supernachfolger wird der Unternehmer mit den meisten Stimmen. Für den Gewinner und die Finalisten winken ein Medien-Paket, Weiterbildungsg ut scheine und Innovations-Beratungen. Follow me unterstützt bei der Partnersuche: Sowohl für Nachfolger, als auch für den NAchfolgeantritt. Alle Informationen finden SIe auf followme.nachfolgen.at.

Auf followme.nachfolgen.at den steirischen Supernachfolger wählen! Gewinnen können aber nicht nur Nachfolger, sondern auch alle Voter. Unter allen Teilnehmern bis 10. Oktober wird ein Thermenwochenende verlost.

Fazit Oktober 2013 /// 45


Zur Lage #61 Über Unternehmertum und den Sepp Bucher, kurz was über das schöne Bayern und Atombomben und über einen lustigen Kondomtest.

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Von Christian Klepej

rank Stronach. Muss man noch mehr schreiben? Kann man noch mehr schreiben überhaupt, wenn man der Leserin schon mit der ersten Zeile, mit diesen ersten beiden Worten so viel an Unterhaltung geboten hat? Man kann! Aber zu den Grünen komm ich erst später. Frank Stronach; noch einmal. Hat irgendjemand geglaubt, dass dieser alte Fuchs, dieser Zampano möcht ich schreiben, dieses menschgewordene Unternehmertum für so viel Esprit in der österreichischen Innenpolitik und darüber hinaus vor allem im Österreichischen Rundfunk sorgt? Diese Minuten bass erstaunten Schweigens vor dem Fernseher, wo Frank Stronach mit den Wolfs und den Lorenz-Dittlbachers und den Thurnhers des ORF, ja, man kanns nicht anders formulieren, Schlitten gefahren ist? Herrlich, sag ich Ihnen. Alleine dafür hat Frank Stronach meine Stimme mehr als verdient. Bekommt sie aber leider wohl nicht. Um den Sepp Bucher tuts mir leid. Muss ich wirklich sagen, ganz ohne Umschweife, um den tuts mir leid. Der wird fehlen im Parlament. Es ist ja geradezu Ironie der

»Schmierblattl« haben weggeschmissen, sind wir unter uns. Ein bisserl intimer und können offener die Dinge beim Namen nennen. Natürlich werd ich die Freiheitlichen nicht wählen. Da wären schon zwei, drei Sachen, die sie von den Sozialisten unterscheiden, aber, sorry, das geht nicht! Die Flachkappendichte unter den freiheitlichen Funktionären ist mir dann doch noch zu hoch, außerdem rechts von mir, sag ich immer, rechts von mir sollte nur mehr der humane Strafvollzug stehen. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Hui, heute gehts aber richtig zur Sache, merke ich. Kommen wir zu Michael Spindelegger. Kommen wir zur ÖVP. Die, gefühlt natürlich nur, ist die am meisten gehasste Partei Österreichs. Also wenn man sich in den sozialen Netzwerken des Internets umtreibt. Dort ist nämlich plusminus, più meno, alles, also wirklich alles, was die ÖVP tut oder treibt, sagt oder schreibt, des Teufels. Bumstinazl. Etwa Bayern, also nicht die ÖVP, dort halt die CSU, die hat ja letzten Sonntag für klare Verhältnisse gesorgt. Ja habe die Ehre, Sie können, Sie wollen sich

Geschichte, dass einer der wenigen wirklich guten Abgeordneten leider nicht mehr dem nächsten Hohen Haus angehören wird. Sollte kein Wunder geschehen. Aber gut, ich wünsch dem Sepp Bucher aus reinem Herzen ein Wunder. Muss ich ja, weil wählen werd ich auch ihn nicht. Was noch? Die Neos! Eine tolle Truppe. Eine ganz tolle Truppe. Viele tolle Ideen, viele motivierte junge Menschen. Toll einfach. Aber auch zu denen komm ich erst später. Kommunisten kandidieren auch, denk ich. Interessanterweise sind die noch immer nicht verboten. Aber gut, die sind so gut, soll sein. Freiheitlich könnt ich einmal wählen. Außerdem hab ich mir gedacht, da jetzt gute sechzig Prozent der rechtschaffenen Leser nicht mehr bei uns sind, weil sie sofort – voller ehrlicher Entrüstung! – dieses

nicht vorstellen, was die geballte Internetilligenzia für dieses wunderschöne Land seit Sonntag für Beschimpfungen, für Schmähungen übrig hat. Würde irgendjemand, auch nur einer, sowas über eine linke Partei schreiben, dann wär erst was los. Mahnwachen, Lichtermeere, Protestsongs und und und. Aber es ist ja Bayern und es ist ja nur die CSU. Da darf dann der Internetfuzzi mit der Idiotenfrisur etwa meinen, er verstünde »Außerirdische« eher als die bayrische Seele. Oder ein anderer Geistesriese aus sich herausfallen lassen, Bayern sei ein Hort inzestuöser Hinterwäldler. Um nur die jugendfreien Beispiele zu nennen. Das bringt mich zu diesem sympathischen Grazer Sozialdemokraten, der unlängst hat festgestellt, dass beim Aufsteirern – ich war da noch nie, heuer hab ich mich

Wahlempfehlung in dem Sinn will und kann ich Ihnen natürlich keine geben.

46 /// Fazit Oktober 2013

nicht getraut, man weiß ja nicht – »der Einsatz einer taktischen Atombombe keine Unschuldigen töten würde«. Na ist das super? Bin ja nur froh, dass es kein rechter Dämlack war, dem das eingefallen ist. Man stelle sich die vielen Broschüren »Gegen rechts« vor, die stalinorgelgleich über uns hereingeschossen wären. Aber so ist ja nichts passiert. Beim Michael Spindelegger waren wir eigentlich. Und die Grünen wollt ich auch noch erwähnen, hab jetzt aber fast keinen Platz mehr. (Zwei Seiten wollte mir die Redaktion nicht durchgehen lassen.) Vielleicht nur ganz kurz erzähl ich von »Eva. Das grüne Mädchenmagazin. Auch für Jungs.« Ich weiß schon, der Titel ist amusant genug, aber noch cooler war der Kondomtest in diesem Magazin. Ein bisserl fixiert kommen sie mir vor, die Grünen. Egal. Der Kondomtest, der hat mich unterhalten. Zum einen weil etwa auch ein lesbisches Paar sich berufen fühlte, da mitzufühlen; was immer die damit machen. Und zum anderen weil ich so Manuel kennenlernen durfte. Der braucht nämlich XXL (sagt er, wir verstehen) und ist »pansexuell«. Wow, aber, das war mir neu, das ist gar nicht das Arge! Das ist mehr so »mal Mann«, »mal Frau«, »mal Kukuruz« oder sonst ein beliebiges Objekt der Trieberfüllung. Wo die Lust halt hinfällt. Den jungen Grünen gefällt das Magazin übrigens gar nicht. Denen ist das zu sehr Establishment. Die haben ihre eigene Jugendkampagne gestartet, nämlich »I love my vagina«. Auch das Motto »Sex soll Spaß und keine Kinder machen« gefällt mir natürlich ungemein. Noch ein bisschen bunter treibens die jungen Grünen in Deutschland, die wollen endlich die selbstbestimmte Gesellschaft und verlangen daher, dass auch Geschwister, Sie wissen, also. Nein. Aus! Gut. Wahlempfehlung in dem Sinn will und kann ich Ihnen natürlich keine geben. Wichtig ist einmal, dass Sie hingehen. Und wen ich schwarze Socke wähle, das ist ja eh kein Geheimnis. Mal schauen, wie lange sich der Satz noch ausgeht: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.


Essay von Andreas Unterberger

Steuern: Geschichte und Sinn, Nutzen und Schaden S

teuern hat es, soweit die Geschichtsforschung reicht, immer gegeben. Das waren beispielsweise Wegesteuern, Mauten oder Zölle. Das waren Kopfsteuern, wo jeder gleich viel zahlen musste. Besonders interessant sind zwei Steuerprinzipien, auf die man quer durch die Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende, trifft. Das eine ist der sogenannte Zehent, nichts anderes als eine zehnprozentige Abgabe. Es gibt eine Reihe von Quellen, die sich maßlos über diesen Zehent als viel zu hoch erregen, den einst auch die Kirche mancherorts vorgeschrieben hat. Man kann das natürlich tadeln, denn heute ist die Kirchensteuer viel geringer. Nur vergisst man dabei: Die Kirche, Klöster und andere religiöse Einrichtungen hatten viele Jahrhunderte lang allein die gesamte Funktion des heutigen Sozialstaates getragen. Der Kaiser und der Adel, also die politische Macht, haben sich hingegen fast nie um Krankheit, finanzielle Not oder Altersversorgung gekümmert. Das war Aufgabe der Kirche und wurde mit diesem Zehent finanziert, der in dieser Sicht im Vergleich zur Gegenwart gar nicht hoch erscheint.

Noch ein weiterer historischer Rückblick ist hochinteressant. Der Parlamentarismus hat sich zwar über viele Formen und Zwischenstufen entwickelt. Aber die wichtigste Forderung bei der Entstehung fast aller Parlamente war eindeutig das Verlangen der Steuerpflichtigen, durch gewählte Repräsentanten über die Steuereinhebung und den Steuersatz mitzubestimmen. Wenn man hingegen die Arbeit heutiger Parlamente analysiert, dann gehen dort weit mehr als 90 Prozent der parlamentarischen Energien ins Gegenteil hinein, ins Nachdenken, wie man die vorhandenen wie auch die noch nicht vorhandenen, also die erhofften künftigen Steuern ausgibt. Zwangsläufig ist es schon allein durch diese Veränderung in der Bewusstseinslage der Parlamentarier zu einer ständigen Erhöhung der Abgabenquote gekommen. Die Abgabenquote ist jener Anteil des Einkommens, den der Staat den Menschen wegnimmt. Sei es über Sozialversicherungsbeiträge, sei es über Steuern, sei es über sonstige Abgaben. Alleine in den letzten 40 Jahren haben wir da eine Steigerung von 36 auf 43 Prozent erlebt. In diesen Jahrzehnten ist tatsächlich auf vielen Gebieten eine Trendwende eingetreten. 1970 gab es in Österreich das Ende der ÖVP-Alleinregierung und der Beginn der SPÖ-Alleinregierung – nur kann dieser fundamentale Regierungswechsel nicht alleine die Ursache jener Wende gewesen sein. Viele Werte, Orientierungen, politische Usancen waren plötzlich auch in anderen Ländern nicht mehr gültig. Der Staat wurde fast überall immer mehr aufgebläht, neue gesellschaftliche Muster griffen um sich, der Wohlfahrtsstaat explodierte, Leistung und Sparsamkeit galten plötzlich als altmodisch. Es fand ein historischer und europaweiter Paradigmenwechsel statt. Der ganze Kontinent erhöhte

Foto: Archiv

Das zweite Steuer-Prinzip war noch viel verbreiteter, auch wenn der Ausdruck jünger ist: Durch Jahrhunderte und Jahrtausende gibt es nämlich schon eine »Flat Tax«. Das heißt: Der Prozentsatz der abzukassierenden Steuer steigt nicht, wenn man mehr verdient, sondern er ist über alle Einkommensstufen völlig gleich. Das ist keineswegs eine neue Erfindung, auch wenn heute schon der Gedanke daran als ein politisch unkorrekter Tabubruch wirkt. Auch der fixe Prozentsatz des kirchlichen Zehents war eine Flat Tax. Erst im 19. Jahrhundert hat man mit der Einführung progressiver Steuern begonnen. Die heute wichtigsten Steuern, die Einkommensteuern, waren zwar am Beginn des 20. Jahrhunderts schon progressiv – aber sie waren insgesamt im Vergleich zu heute sensationell niedrig. In keinem europäischen Land, über das ich Quellen gefunden habe, hat es damals Spitzensteuersätze gegeben, die einen zweistelligen Prozentsatz ausgemacht hätten. Sie lagen also weit unter zehn Prozent. Im Deutschen Reich etwa ist die Progression von 0,62 Prozent – also weniger als ein Prozent! – nur bis zum »gigantischen« Höchstbetrag von vier Prozent gegangen. Interessanterweise haben die Staaten auch damals trotz dieser niedrigen Steuern ganz gut existiert.

Dr. Andreas Unterberger ist Jurist und Ökonom, der heute als Vortragender und Publizist arbeitet. Er war 1995 bis 2004 Chefredakteur der Tageszeitung »Die Presse« und von 2005 bis 2009 Chefredakteuer der »Wiener Zeitung«. Seit 2010 führt er das »nicht ganz unpolitische Tagebuch« unter andreas-unterberger.at Fazit Oktober 2013 /// 47


Steuern: Geschichte und Sinn, Nutzen und Schaden

nicht nur massiv die Abgabenquoten, sondern begann auch noch auf Pump zu leben. Die erwähnte Steigerung der Abgabenquote von 36 auf 43 Prozent klingt ja relativ harmlos. Viel dramatischer ist die Entwicklung der Staatsschulden seit 1970. Diese haben damals weniger als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen und sind seither auf über 70 Prozent gestiegen. Dementsprechend ist die jährliche Zinsenlast schon auf acht Milliarden Euro gestiegen. Das ist wohlgemerkt nur die Zinsenlast, in dem Betrag ist noch keine Rückzahlung auch nur eines einzigen Kredites enthalten. Die Staatsverschuldung hat in Wahrheit so dramatische Folgen angenommen, dass diese eines Tages zum Zusammenbruch der Republik führen können. Zugleich hat sich die Begründung der Kreisky-Androsch-Jahre für die damals in Gang gesetzte (und seither nur eine kurze Periode lang kurzfristig gebremste) Schuldenspirale als haltlos erwiesen: Die Arbeitslosigkeit wurde durch die Schulden nicht reduziert, sondern blieb davon völlig unbeeindruckt. Die Gier der Politik

Dennoch hat die Tendenz der Politik, den Menschen immer mehr wegzunehmen und das Geld dann als freigiebige Herrscher irgendwie umzuverteilen, ständig zugenommen.

48 /// Fazit Oktober 2013

Österreich, also die Summe von Bund, Ländern und Gemeinden, hat kein Einnahmenproblem, sondern ein riesiges Ausgabenproblem. Das beweist die fast ständige Steigerung der Abgabenquote und die gleichzeitige Zunahme der Verschuldung. Daher ist es eigentlich absurd, über eine weitere Steigerung der Abgabenquote, über neue Steuern auch nur zu diskutieren. Dennoch hat die Tendenz der Politik, den Menschen immer mehr wegzunehmen und das Geld dann als freigiebige Herrscher irgendwie umzuverteilen, ständig zugenommen. Der allergrößte Teil der Politiker hat, quer durch die Parteien, unter politischer Tätigkeit immer nur das Beschließen von immer mehr Ausgaben verstanden, auch wenn diese großteils nur noch durch Schulden zu finanzieren waren. Im privaten Leben landet man dafür vor dem Strafrichter, die Gesetzgeber haben sich aber selber von der Strafbarkeit für irgendeinen Gesetzesbeschluss befreit. Und sie waren sogar meist stolz auf diese Beschlüsse. Lediglich in einer einzigen Periode hat es einen signifikanten Rückgang der Staatsschuldenquote gegeben. Das war die schwarz-blaue Ära Schüssel. Zwischen 2000 bis 2007 – das Jahr 2007 geht ja noch auf Schüssel zurück – sind diese Schulden immerhin von 68 auf 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückgegangen. Das sollte eigentlich zumindest Funktionäre der Volkspartei sehr positiv stimmen. Nur wird dieser historische Erfolg auch von VP-Politikern erstaunlicherweise sehr wenig kommuniziert. Aus welchen Gründen immer. Vielleicht weil die ÖVP damals den aus heutiger Sicht falschen Koalitionspartner hatte? Wechseln wir kurz ins Ausland und zu den Staatsverschuldungen in Griechenland oder Italien. Griechenlands Staatsschuldenquote hatte - wenn man zumindest diesen Zahlen trauen darf, schon 180 Prozent erreicht. Durch das riesige Hilfspaket zu Lasten anderer Länder soll die Quote auf 125 Prozent hinunter kommen. Bei rund 120 Prozent steht aber schon Italien. Mit anderen Worten: Wenn die Griechen auf 125 Prozent herunterkommen – mit einer unglaublichen Kraftanstrengung, mit Schockwellen quer über den Kontinent – stehen sie erst dort, wo heute Italien steht. Das schafft alles andere als Zuversicht, dass schon irgendein Teil der europäischen Schuldenkrise gelöst wäre. Da meinen nun manche, dass eine Schuldenquote von 73 Prozent in Österreich eigentlich recht beruhigend wäre. Jedoch: Dieser Wert ist ja noch lange nicht die ganze Wahrheit. In dieser Zahl sind erstens die ausgegliederten Schulden – ÖBB, ASFINAG – noch nicht drinnen. Zweitens kennt man die Summe der Haftungen von Bund, Ländern und Gemeinden nicht einmal annähernd. Man erinnere sich nur der Kärntner Haftungen für die Hypo-Alpen-Adria. Ein Land mit einem Budgetvolumen von zwei Milliarden Euro im Jahr ist allein für diese Bank Haftungen von insgesamt rund 20 Milliarden eingegangen. Dieser Umfang war aber jahrelang überhaupt nicht bekannt! Selbst bei der Verstaatlichung der Bank sprach der österreichische Finanzminister noch von bloß sechs Milliarden Haftungen. Diese reichten aber in seinen Augen schon aus, um eine Verstaatlichung der Bank


Essay von Andreas Unterberger

zu rechtfertigen, weil Kärnten das alles nicht aushalten würde. Wenn angesichts solcher Zustände nicht alle Glocken auf höchsten Feueralarm geschaltet werden, dann habe ich ein ziemliches Problem, eine solche Politik noch ernst zu nehmen. Vergleichen wir uns jetzt noch einmal mit Griechenland. Diesmal nicht in Prozentsätzen, sondern mit absoluten Beträgen und der Bevölkerungsgröße, wodurch also das in Österreich deutlich höhere Bruttoinlandsprodukt nicht mehr Vergleichsbasis ist. Das deutsche Finanzministerium hat 2009 für ganz Europa einmal die Pro-Kopf-Verschuldung in Euro berechnet. Da kam für Österreichs offiziell gemeldete Staatsschulden, also noch ohne ÖBB, Asfinag und Haftungen, eine Schuldenlast von 22.000 Euro pro Kopf heraus; Griechenlands Schulden betrugen hingegen 24.000 Euro pro Kopf. Wer angesichts dieser Zahlen meint, Griechenlands Schulden seien ein Skandal, in Österreich sei aber alles wohlbestellt, der muss träumen. Statt dessen muss bei das jenen, die sich ernsthaft mit Wirtschaftszahlen befassen, größte Besorgnis auslösen. Schon lange bevor es passiert ist, haben daher Experten gewarnt, dass Österreich das sogenannte Triple A verlieren wird. Was hat die Politik getan? Nichts. Sie hat sich über die Warner lustig gemacht. Sie hat die guten Jahre 2010 und 2011 nicht genutzt, und hat erst Anfang 2012 einige Sanierungsmaßnahmen beschlossen, die aber großteils erst 2013 wirken werden. Auch die meisten Medien haben das Thema lange ignoriert. Nun, wir sind eben das Land, wo Sigmund Freud den Begriff »Verdrängung« entdeckt hat. Der Verlust des Triple A war nur ein Zeichen des Verlustes an Kreditwürdigkeit. Daher müssen schon seit Jahren Bund, Länder, Firmen und auch Privatpersonen höhere Zinsen für jeden Kredit zahlen als etwa die Deutschen. Selbstverständlich sind auch die Gemeinden davon getroffen, wenn sie einen neuen Kredit wollen oder einen alten umschulden müssen.

Wer angesichts dieser Zahlen meint, Griechenlands Schulden seien ein Skandal, in Österreich sei aber alles wohlbestellt, der muss träumen.

Die versteckten Schulden Das ist aber noch immer der harmlose Teil der Geschichte. Denn jetzt kommt der dritte Punkt, weshalb die österreichische Schuldenquote alles andere als beruhigend ist. Der ist nun ein wirklicher Schock. Er zeigt, wie sich die Staatsschuldenquote in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. Die EU-Kommission hat sie nämlich für die nächsten 50 Jahre geschätzt. Sie kam dabei auf den unglaublichen Wert von 337 BIP-Prozent. Da sind sowohl Inflation wie Wachstum schon herausgerechnet. Diese 337 Prozent sind damit eine absolute Horrorzahl, die alles, was ich bisher gesagt habe, in den Schatten stellt. Der Horror ist aber nicht nur von der EU errechnet worden. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, also die Zentralbank aller Zentralbanken, hat eine Prognose schon für das Jahr 2040 berechnet. Und bei dieser liegt Österreich schon 2040 bei 300 Prozent. Das ist also ein noch steilerer Anstieg, als das, was die EU-Kommission prophezeit hat. Objektiverweise muss man zwar sagen, dass diese Berechnungen noch vor dem Spar- und Belastungspaket erstellt worden sind. Jetzige Berechnungen bewegen sich zwischen 200 und 300 Prozent. Dieses Paket hatte aber viel zu wenig Elemente, um Gravierendes zu ändern. Denn diese Berechnungen beziehen sich auf bisher noch gar nicht erwähnte weitere versteckte Schulden. Das sind vor allem die Kosten des Pensionssystems. Und gegen das, was da auf Österreich zukommt, ist selbst der Hypo-Alpen-Adria-GAU harmlos. Bekanntlich muss jedes bilanzierende Unternehmen, das irgendwem eine Zahlung zugesagt hat, diese Verpflichtung in seiner Bilanz rückstellen. Es kann sie nicht mit dem Argument ignorieren, dass die Zahlungspflicht ohnedies erst in 5, 10 oder 20 Jahren eintreten wird. Die Republik Österreich jedoch beziehungsweise ihre Pensionsversicherung tut genau das. Sie handelt also auch weiterhin nicht so, wie es jeder ordentliche Kaufmann muss. Sie hat überhaupt nichts rückgestellt. Sie rechnet einfach wie ein Greißler am Gemüsemarkt. Sie schreibt das, was in einem Jahr hereinkommt, auf die eine Seite, und das was hinausgeht, auf die andere. Und das, was sie darüber hinaus verspricht, schreibt sie nirgends hin.

Fazit Oktober 2013 /// 49


Steuern: Geschichte und Sinn, Nutzen und Schaden

Die Pensionskatastrophe Daher wird in allen Bilanzen und Berechnungen der Republik die dramatische Problematik des Pensionssystems total verschwiegen. Deren Hauptursache lautet kurz gesagt »Demographie«. Das ist aber ein Problemgemenge gleich auf sechs Ebenen.

Da kann man zwar große und ideologische Kreuzzüge gegen den bösen Neoliberalismus und viele andere Pappkameraden führen. Das wird aber die Chinesen, die amerikanischen Pensionsfonds, die arabischen Staatsfonds und die sonstigen Institutionen, die Geld haben und uns dieses borgen könnten, überhaupt nicht beeindrucken.

50 /// Fazit Oktober 2013

- Das ist erstens die rapide Steigerung der Lebenserwartung – täglich bekommen wir sechs Stunden Leben dazugeschenkt. - Das ist zweitens die viel zu geringe Geburtenrate – seit 1970 kommen alljährlich nur noch zwei Drittel der für die Bevölkerungsstabilität benötigten Kinder zur Welt, einschließlich der Zuwanderer, die sich noch deutlich stärker vermehren. - Das ist drittens der verfrühte Pensionsantritt – die Österreicher gehen heute im Schnitt um zwei Jahre früher in Pension als 1970. - Das ist viertens die völlig falsche Qualität der Zuwanderung – Zuwanderer vor allem aus der Türkei und Jugoslawien sind viel häufiger reine Konsumenten der Wohlfahrtsstaatstransfers und viel weniger berufstätig als der Rest der Österreicher. - Das sind fünftens die ständig durch populistische Wahlgeschenke erhöhten Zusagen, für welche Lebensjahre es auch ohne eine Arbeitstätigkeit Pensionsansprüche gibt. - Und das sind sechstens die EU-Regeln, die allen EU-Ausländern, die als Pensionisten in Österreich leben, die hohen österreichischen Pensionen garantieren. Das ist zwar noch relativ wenig wirksam, könnte aber zur finanziellen Megabombe werden.

Natürlich wird es dennoch niemals eine 300-prozentige Staatsverschuldung geben. Diese Beruhigung folgt aber nicht aus dem Glauben an eine plötzliche Weisheit der Politik. Jedoch wird lange vor Erreichung der 300-Prozent-Grenze die Wirkung der wirtschaftlichen Naturgesetze durchschlagen. Niemand mehr wird Österreich Geld borgen. Die internationalen Ökonomen sind sich ziemlich einig, dass spätestens ab 80 oder 90 Prozent Staatsverschuldung die Handlungsfähigkeit eines Staates mehr oder weniger verschwindet. Italien und Griechenland haben sie zwar erst bei einem höheren Prozentsatz verloren. Aber man kann sicher sein, dass seit dem Ausbruch der Krise alle Länder von den Geldgebern viel kritischer angeschaut werden, falls sie wieder neue Schulden aufnehmen oder alte Schulden umschulden müssen. Da kann man dann zwar über die Finanzmärkte und die bösen Kapitalisten schimpfen. Da kann man zwar große und ideologische Kreuzzüge gegen den bösen Neoliberalismus und viele andere Pappkameraden führen. Das wird aber die Chinesen, die amerikanischen Pensionsfonds, die arabischen Staatsfonds und die sonstigen Institutionen, die Geld haben und uns dieses borgen könnten, überhaupt nicht beeindrucken. Jedoch ist Österreich überwiegend im Ausland verschuldet. Mehr als 70 Prozent aller Staatsschulden hat es im Ausland aufgenommen. Das zeigt erstens eine fast totale Abhängigkeit vom Ausland, und zweitens, wie unsozial Verschuldungen sind. Denn alle Österreicher, vor allem der Mittelstand, zahlt Steuern. Die Zinsen aus den staatlichen Schulden bekommen nicht etwa die imaginären Kapitalisten auf irgendwelchen Schlössern, gegen welche die SPÖ, die Grünen, die Blauen und auch manche ÖVP-Politiker so gerne kampagnisieren, sondern das Ausland. Jene, die das Geld geborgt haben, das Staat und Bürger längst verkonsumiert haben. Sei es zur Bezahlung der Ölrechnung, sei es für die vielen Konsumprodukte aus Ostasien, sei es für schöne, aber teure Auslandsreisen. All das heißt: Österreich und in ähnlicher Weise ganz Europa steuern mit Volldampf auf die Unfinanzierbarkeit zu. Es gibt im Grund nur zwei Möglichkeiten, wie das enden wird, wenn die Regierungen nicht zu kräftigem Sparen imstande oder bereit sind. Entweder in einem Crash, in dem der Staat am nächsten Monatsersten nicht einmal mehr seine Beamten und Pensionen zahlen kann. Die andere Möglichkeit scheint zwar oberflächlich etwas weniger explosiv, hat aber ähnliche Wirkungen: Das ist eine Megainflation, in der alle Ersparnisse der Durchschnittsösterreicher dahinschmelzen. Dabei wird es den Herrn Mateschitz oder die Familie Swarovski noch am wenigsten treffen. Denn die werden ihr Vermögen etwas professioneller als wir alle zu sichern verstanden haben.


Essay von Andreas Unterberger

Die unsoziale Schuldenpolitik In einem kleinen inoffiziellen Kreis hat einst der frühere Finanzminister und spätere Notenbankpräsident Stephan Koren gesagt: »Schauen Sie, im Grunde hat jede Generation noch einmal ihre Ersparnisse verloren.« Das klang damals in meinen Ohren sehr zynisch, aber heute kommt mir der Hinweis deutlich realistischer vor. Daher ist die lange vor allem von Arbeiterkammer und Gewerkschaften forcierte Schuldenpolitik das Allerunsozialste, was Politik ja anstellen kann. Der Glaube, dass man mit immer weiteren Schulden das Wachstum ankurbeln kann, ist längst als Mythos entlarvt. Bei diesem Schuldenstand funktioniert das Ankurbeln nicht mehr.

Das von den Notenbanken gedruckte Geld, das derzeit die Staaten von den USA bis zur Europäischen Union unter die Menschheit bringen, wird zwar wieder ausgegeben, aber es löst keine weiteren Multiplikatoren aus. Es vervielfältigt sich nicht mehr. Arbeiterkammernahe Ökonomen – wie die Herren Schulmeister und Marterbauer – sagen ständig, man müsse die Wirtschaft durch Schulden ankurbeln. Diese Herren haben hingegen noch nie gesagt: »Jetzt wäre die Zeit zum Sparen«. Was aber auch ein (ehrlicher) Keynesianer in allen Jahren mit Wachstum sagen hätte müssen. Ihr Stammvater Keynes hat selbst noch davon gesprochen, dass maximal eine Steuer- und Abgabenquote von 25 Prozent denkbar sei.

Die Linken sagen hingegen in guten wie in schlechten Jahren: »Ankurbeln, Schulden machen, Löhne kräftig erhöhen und dann geht’s schon wieder gut.« Würde diese Theorie stimmen, dann wäre Griechenland heute das wohlhabendste und erfolgreichste Land Europas. Griechenland hat nach Einführung des Euro seine Gehälter und Löhne um rund 30 Prozent steiler, schneller erhöht, als diese etwa in Deutschland gleichzeitig gestiegen sind. Aber das Schicksal der Griechen war dann halt trotz der Arbeiterkammer-Ökonomie nicht so toll. Kern dieser Ökonomie ist ja die Hoffnung, dass Lohnerhöhungen den Konsum und dieser die Wirtschaft ankurbeln. Das ist aber eine reine Milchmädchenhoffnung. Erstens fließt ein guter Teil jeder Lohnerhöhung in Steuern und Abgaben. Zweitens wird bei Lohnerhöhungen vor allem die private Sparquote und nicht der Konsum erhöht. Und drittens landet vom Rest, der dann wirklich konsumiert wird, der Großteil im Ausland. Unsere Ankurbelung fördert die Wirtschaft in China und Umgebung. Die Wirtschaft ist also durch die Lohnerhöhungen viel stärker belastet, als sie dann durch die Einnahmen daraus am Ende profitieren könnte. Aus all diesen Gründen führt nichts um kräftiges Sparen herum. Wo das überall möglich ist, würde diesen Rahmen sprengen. Höhere Steuern bringen weniger Geld Im Prinzip gilt: Wenn die Situation so verzweifelt ist, kann natürlich auch die Diskussion über Steuererhöhungen nicht vermieden werden. Bevor ein Staat gegen die Wand fährt, darf es in der Diskussion keine Tabus geben. Nur zeigt die nähere Analyse der Folgen von Steuererhöhungen in den allermeisten Fällen eine negative Wirkung, also einen Verlust für die Staatskassa. Österreich hat schon jetzt eine der höchsten Steuer- und Abgabenquoten. Die pseudomoralischen Argumente, die ständig Vokabel wie Gerechtigkeit und Armut verwenden, sind in dieser Debatte absolut fiktiv. Österreich ist eindeutig ein Land mit sehr geringen sozialen Unterschieden. Die medial immer wieder präsentierten Armutszahlen sind nicht ernstzunehmen. Denn sie erklären jeden, der weniger als 60 Prozent vom Durchschnittseinkommen verdient, für arm oder armutsgefährdet. Diese Armuts-Argumentation ist absolut sinnlos. Das lässt sich leicht beweisen, denn was würde sich an der Zahl der Armen ändern, wenn ein reicher Onkel aus Amerika oder China das Einkommen jedes Österreichers verdoppelt? Also nicht inflationär, sondern real. Wie viel weniger Arme gibt es dann in Österreich weniger? Antwort: Keinen einzigen. Es bleiben nach dieser Berechnung genauso viele Menschen arm. Jeder hat zwar doppelt so viel Geld wie vorher, aber trotzdem haben wir genauso viele Arme.

Die pseudomoralischen Argumente, die ständig Vokabel wie Gerechtigkeit und Armut verwenden, sind in dieser Debatte absolut fiktiv.

Fazit Oktober 2013 /// 51


Steuern: Geschichte und Sinn, Nutzen und Schaden

Es gibt sehr starke Indizien, dass eine weitere Erhöhung der Steuern am Schluss weniger Geld in die Kasse des Finanzministers und damit natürlich auch von Ländern und Gemeinden einbringen würde.

Zu hohe Einkommensteuern reduzieren die Motivation zu arbeiten dramatisch. Und noch mehr reduzieren sie die Motivation legal zu arbeiten.

1. Es wird die Motivation zur Schwarzarbeit wachsen. 2. Es wird der Anreiz wachsen, die Steuerpflicht in andere Länder zu verschieben. Ich kenne jetzt schon ganz persönlich Fälle, die durch zum Teil fiktive Verschiebung ihres Wohnsitzes nicht mehr in Österreich Steuer zahlen, obwohl sie Österreicher sind. Der eine zahlt in der Slowakei und der andere in einem lateinamerikanischen Land Steuern. Jedenfalls nicht mehr in Österreich. Wenn man nicht 181 Tage in Österreich ist, beziehungsweise wenn die Finanzämter die Behauptung nicht widerlegen können, dass man es nicht ist, zahlt man hier keine Steuern. 3. Es wird die Motivation zu zusätzlichen Anstrengungen sinken. Ich habe es in meinen Chefredakteursjahren x-mal erlebt, dass gerade Gutverdiener, die interessante Autoren wären, die Einladung ablehnen, einen Artikel für die Zeitung zu schreiben: »Lasst mich in Ruhe mit den paar Euro, die ich da krieg. Ich tu mir das nicht an. Ich hätte dann die ganze Schererei mit einer Einkommenssteuererklärung und muss dann die Hälfte abgeben. Entweder ich schreibe es euch gratis, wenn es mich wirklich brennend interessiert, oder ich genieße lieber meine Freizeit.« Wenn ein Zeitungsartikel weniger erscheint, ist das nicht weltbewegend. Aber ähnliche Demotivationsvorgänge finden ja in vielen Ebenen vom Tischler bis zu jedem anderen Gewerbebetrieb statt. Zu hohe Einkommensteuern reduzieren die Motivation zu arbeiten dramatisch. Und noch mehr reduzieren sie die Motivation legal zu arbeiten. Jetzt werden manche sagen, das mit den 50 Prozent und künftig noch mehr stimmt ja gar nicht, denn es gibt ja die Begünstigung für den 13. und 14. Gehalt; daher sei die Steuerlast ohnedies um sieben Prozentpunkte weniger. Nun, versuchen Sie das mal einem ausländischen Unternehmer zu sagen: Der hört sich so komplizierte Konstruktionen gar nicht an, der fragt nur verwirrt: »Habt ihr in Österreich 14 Monate pro Jahr?« Aber er ist nicht bereit, sich auf das System einzulassen, sondern schaut nur auf den Steuertarif und sagt: »Österreich? 50 Prozent? Nein danke!« Noch schlimmer ist diese Wirkung bei einem Manager, der darüber zu entscheiden hat, ob er mit einer Zentraleuropa-Niederlassung nach Österreich geht oder nach Prag oder Pressburg. Der schaut natürlich sofort, was er selber an Steuer zu zahlen hat – und verzichtet dann meist (wobei er freilich andere Vorwände vorschützt) auf die Investition in Österreich. Was das Land viele Arbeitsplätze kostet. Welche Steuern kann ein Staat noch erhöhen, ohne insgesamt weniger zu verdienen? Da kommen dann sofort Vorschläge, Tabak oder Benzin noch mehr zu besteuern. Darüber kann man aus gesundheitlichen oder ökologischen Gründen durchaus diskutieren. Weniger Rauchen, weniger Auto fahren sind lobenswerte Effekte. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass wir nicht auf einer Insel leben: Jede Zigarettenverteuerung macht Schmuggel oder Einkäufe im Ausland noch attraktiver. Und die finden heute schon in großem Umfang statt. Nur die Umsatzsteuer würde noch Geld bringen

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Eine der wenigen Steuererhöhungen, die funktionieren und mehr Geld einbringen würde und auch positive Lenkungseffekte hätte, ist die Umsatzsteuer. Von dieser redet aber überhaupt kein Politiker, weil ihre Erhöhung als politischer Selbstmord gilt. Sie würde jedenfalls den Abfluss von Geld für die zu 60 Prozent im Ausland produzierten Konsumartikel reduzieren. Sie ist aber politisch derzeit tabu. Sie gilt auch als unsozial, weil ärmere Menschen prozentuell einen größeren Teil ihres Einkommens konsumieren. Reichere investieren hingegen mehr. Dann gibt es noch die ewige Debatte um höhere Vermögenssteuern. Auf Vermögen, auf Erbschaften, auf Stiftungen. Bei Stiftungen hat man die Steuer schon erhöht. Ihre minimale Privilegierung ist schon bei der letzten Steuerreform beseitigt worden. Das hat dazu geführt, dass kaum noch


Essay von Andreas Unterberger

Stiftungen gegründet werden und dass etliche große Stiftungen bereits Geld aus Österreich abgezogen haben. Dasselbe wird natürlich auch bei Einführung einer Vermögenssteuer passieren. Mobile Vermögen sind schneller über die Grenze, als der Nationalrat auch nur ein solches Gesetz beschlossen hat. Und welches Vermögen will man überhaupt konkret treffen? Das bei der Bank angelegte Geld ist jedenfalls über die Kapitalertragssteuer schon endbesteuert. Würde das – verfassungswidrig – noch mehr besteuert, würde überhaupt niemand mehr übers Sparbuch sparen. Auch stimmen die Behauptungen, im Ausland werde Vermögen viel höher besteuert, nur zum Teil. In den Vermögenssteuern sind im Ausland nämlich sehr viele Aufschließungs- und Infrastrukturkosten integriert, die bei uns über diverse andere Abgaben von den Grundeigentümern konsumiert werden. Man muss aber auch die ethische Frage stellen: Angenommen, zwei Menschen verdienen gleich viel. Der eine konsumiert alle Einkünfte sofort; der andere spart einen Gutteil, verschiebt Konsumwünsche auf später, spart für seine Familie. Der wird dann im Gegensatz zum ersten durch eine alljährliche Vermögenssteuer bestraft, welche also die Substanz des durch Verzicht Ersparten angreift. Ist das wirklich so ethisch, diesen Sparefroh zu besteuern, wie da immer behauptet wird? Wir sollten uns auch daran erinnern, wie wir die Vermögenssteuer in den 90er Jahren abgeschafft haben. Damals sind viele Vermögen – laut oder leise – nach Österreich gekommen. Viel davon wird bei einer Steuererhöhung wieder abfließen. Vor allem wird das Land auf Dauer einen schweren Vertrauensverlust bei allen internationalen Investoren erleiden. Das wäre katastrophal. Die Ablehnung von Vermögenssteuern hat überhaupt nichts mit persönlichen Sympathien für die Reichen zu tun, sondern nur mit ganz rationalen Überlegungen: Was nützt Österreich und was schadet den Finanzen eines schwer überschuldeten Landes? Und worin bestehen eigentlich die Vermögen, die zu besteuern sind? Rund 80 Prozent waren damals in den 90er Jahren vor der Abschaffung der Steuer unternehmerische Vermögen. Wollen wir die wirklich wieder besteuern und damit Arbeitsplätze und Investitionen bedrohen? Dann haben wir nur noch einen relativen kleinen Prozentsatz Privatvermögen. Wenn man das schon besteuerte Geld beiseite lässt, sind das primär Schmuck, Kunstwerke, Goldbarren, Elektrogeräte, Autos und Pelze. Wollen wir wirklich Steuerfahnder in unsere Wohnungen lassen, die dort alljährlich auf die Suche nach solchen Schätzen gehen?

Die Ablehnung von Vermögenssteuern hat überhaupt nichts mit persönlichen Sympathien für die Reichen zu tun, sondern nur mit ganz rationalen Überlegungen.

Die Einheitswerte sind ein echtes Privileg Bleiben noch die Grundsteuern. Die kann man am leichtesten erhöhen. Auch der Verfassungsgerichtshof sagt immer wieder, die artifiziell niedrigen Einheitswerte seien ein arges Privileg gegenüber jeder anderen Form, sein Geld anzulegen. Freilich sind Grundsteuererhöhungen extrem unpopulär. Jeder weiß, wie sehr die Landwirtschaft dagegen kämpfen wird. Aber es sind ja nicht nur die Bauern, eine Grundsteuer würde auch Industrie und Gewerbe treffen. Und ebenso jeden Häuslbauer. Auch die SPÖ wird absolut null Interesse haben, die Grundsteuern zu erhöhen. Denn diese träfen ja über die Mieten auch alle Mieter, einschließlich jener in den Wiener Gemeindebauten, wo gerade das große Match zwischen Rot und Blau und Stronach um die Mehrheit in Stadt und Bund ingange ist. Eine steilere Vorlage könnte man der Opposition gar nicht machen, als die Grundsteuern auf Mietshäuser zu erhöhen. Aus all diesen Gründen ist die Konklusion klar: Über Steuererhöhungen ist die Schuldenkrise kaum mehr bekämpfbar. Man wird nicht um ganz, ganz brutale Sparmaßnahmen herumkommen, die all das übersteigen, was wir bis jetzt erlebt haben. Denn das drohende Szenario einer Staatsinsolvenz oder einer Megainflation bedeutet dann nicht bloß irgendwelche Zahlen auf einem Stück Papier. Das hat dann katastrophale soziale Wirkungen. Unruhen und Bürgerkrieg sind in der Geschichte fast regelmäßig auf solche Staatsinsolvenzen gefolgt. So hängt etwa auch der Aufstieg der Nationalsozialisten kausal mit der großen Inflation der 20er Jahre zusammen, in der der gesamte Mittelstand all seine Ersparnisse verloren hat. Damals waren die davorliegenden Kriegskosten die Ursache, heute sind es die unbedeckten Rechnungen für die Wohlfahrt der letzten Jahrzehnte.

Der gesamte Text dieser Analyse ist in Andreas Unterbergers »nicht ganz unpolitischen Tagebuch«, dem meistgelesenen österreichischen Internet-Blog, erschienen: andreas-unterberger.at Fazit Oktober 2013 /// 53


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Foto: Kapo

Poschacher Kompost aus Mürzzuschlag-Bruck Mit der Ausgliederung der Kompostierung von Biomüll geht der Abfallwirtschaftsverband Mürzverband neue Wege. Die Arge Öko & More – Poschacher Kompost bietet nun den Bürgern von Mürzzuschlag – Bruck hochwertigen Kompost aus den Abfällen der Region an.

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eit Juni übernimmt die Arge Öko & More – Poschacher Kompost die Kompostierung von Bioabfall und Grünschnitt im Bezirk Mürzzuschlag – Bruck. Der hochwertige Kompost steht den Bürgerinnen und Bürgern des Abfallwirtschaftsverbandes Mürzverband zur Verfügung. „Nach 35 Jahren Biomüllverwertung in der eigenen Anlage haben wir uns für eine Ausgliederung entschieden“, erklärt Andreas Zöscher, Geschäftsführer des Mürzverbandes. Über eine EU-weite Ausschreibung sei Öko & More – Poschacher Kompost als Bestbieter hervorgegangen. „Dieses

neue Projekt entspricht den Vorgaben der Kreislaufwirtschaft des Landes Steiermark. Unser Ziel ist es, möglichst alle Abfälle in der Steiermark zu verwerten und zu nutzen“, bestätigt der steirische Nachhaltigkeits-Koordinator Wilhelm Himmel. Die Arge Öko & More ist ein direkter Regionalpartner der Ara AG und erbringt in vielen steirischen Gemeinden Abfallsammel- und Verwertungsdienstleistungen. Dabei kooperiert das Unternehmen oft mit Kleinunternehmen in der Region die die notwendige Infrastrukturen einbringen können.

Credit: ARGE ÖKO & MORE

Franz Poschacher, Andreas Zöscher, Ulrike Poscharnegg, Josef Trummer, Obmann-Stv. Fritz Kratzer, Wilhelm Himmel und Professor Roland Pomberger präsentieren das neue Abfallkonzept des Mürzverbandes.

Kurz im Gespräch mit Karin Polzhofer Marketingleiterin der Kapo GmbH (Hersteller von Fenstern, Türen und Möbeln in Pöllau) Ihre Branche ist sehr von der Baubranche und somit von der Konjunktur abhängig. Haben Sie die Krise mit Ihrem hochpreisigen Sortiment gespürt? Wir sind mit Kapo Fenster und Türen und den Möbeln und Polstermöbeln der Neuen Wiener Werkstätte sehr breit aufgestellt. Dadurch konnten wir in den letzten Jahren immer wieder einzelne, rückläufige Geschäftsbereiche durch andere Segmente auffangen. Diversifikation ist hier vorteilhaft. Grundsätzlich glaube ich aber, dass bei qualitativ hochwertigen Produkten die Krise weniger zu spüren war als im Consumer Bereich.

Welche Herausforderungen kommen auf Ihre Branche in den kommenden Monaten zu? Als Produktionsbetrieb ist eine unserer größten Herausforderungen, mit Auslastungsschwankungen erfolgreich umzugehen. Wir produzieren ausschließlich auftragsbezogen, haben eine große Produktvielfalt, bieten je nach Kundenwunsch individuelle Lösungen und trotzdem eine kurze Lieferzeit. Aufträge werden tendenziell bei uns immer größer, mit langer Vorlaufzeit, beim Zuschlag soll dann aber rasch und fehlerfrei geliefert werden. Wohnraum wird immer teurer. Wird Ihrer Meinung nach genug gebaut? Einerseits wird Wohnraum teurer, andererseits ist es eine langfristige Geldanlage, von der ich sogar persönlichen Nutzen habe, wenn ich selbst darin wohne. Aus dem Grund wird aus meiner Sicht nach wie vor gut gebaut. Für einen Fenster- und Möbelhersteller kann aber nie genug gebaut werden.

Fazit Oktober 2013 /// 55


Pagina links

Fotos: Binder+Co

Die Anlage Clarity setzt bei der Sortierung von Altglas neue Maßstäbe.

Scherben mit steirischer Innovationskraft sortieren Wenn es um das Sortieren von Glasscherben geht, dann ist Binder + Co eine weltweite Topadresse. Ohne die technische Meisterleistung aus der Steiermark wäre nämlich diese Aufgabe ein äußerst mühevolles Unterfangen.

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enn es um das Sammeln von Altglas geht, ist Österreich Weltmeister. Über 200.000 Tonnen gebrauchte Glasverpackungen werden jährlich gesammelt und recycelt. Pro Kopf sind das im Durchschnitt beachtliche 24 Kilogramm. Dieser große Scherbenhaufen muss auch sortiert werden, denn obwohl das Altglas oft in Weiß- und Buntglas vorsortiert wird, darf hier kein Fehler entstehen. Außerdem gilt es, Verunreinigungen wie Etiketten, Lebensmittelreste oder auch ganz einfach falsch weggeworfener Müll auszusortieren. Um Glas nämlich immer

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wieder verwenden zu können, muss es zu 100 Prozent sauber sein. Schon die kleinste Verunreinigung kann großen Schaden anrichten. Die Befreiung des Altglases von Verschmutzungen ist also das Um und Auf bei der Wiederverwertung von Glas. Eine Sisyphus-Aufgabe, wenn das steirische Unternehmen Binder + Co hier keine technische und automatisierte Lösung gefunden hätte. Wenn es nämlich um Sortieranlagen geht, ist Binder + Co eine weltweite Topadresse. Schon in den 80er Jahren wurden von Binder + Co Standards zur optischen Sortierung

von Glas gesetzt. Eines ihrer stärksten Produkte ist dabei die Anlage Clarity, die auch Störstoffe aussortieren kann, die für das menschliche Auge nicht als solche erkennbar sind. Etwa hitzebeständige Sondergläser oder bleioxydhaltige Gläser. Sie sind die neuen Herausforderungen der modernen Glassortierung geworden. Steirisches Know-how Mit modernster Kamera- und Sensortechnik erkennt Clarity nicht nur Fremdstoffe wie Steine, Porzellan, Metall oder Scherben nach ihren unter-


Recycling

Nachdem die Sensoren die Scherben erkannt und zugeordnet haben, kommt ein innovatives Gebläse zum Einsatz. Durch kurze Luftstöße werden die Scherben in jene Behälter geschickt, die für sie vorgesehen sind. So können Fremdstoffe vollautomatisch aussortiert werden und das Glas effektiv in Bunt- und Weißglas sortiert werden. Entwickelt wurde die Anlage in der Steiermark, und das seit 1998 bereits in der dritten Generation. Besonderes Augenmerk legt Binder + Co dabei auch darauf, dass die gesamte Anlage vom Unternehmen konzipiert wird und nicht nur einfach das Gerät aufgestellt wird. Ein Vollservice, bei dem das Unternehmen seine jahrzehntelange Erfahrung voll ausspielen kann. Mehr als vierhundert Glassortieranlagen wurden von Binder + Co praktisch in der ganzen Welt realisiert. Das Unternehmen hat die ersten Glassortieranlagen in China, aber auch in Australien oder in Japan gebaut und hat die Glassortiertechnik auch in vielen europäischen Ländern eingeführt. Geschichte Binder + Co Gegründet wurde Binder + Co 1894 als kleine Bau- und Kunstschlosserei in Graz-Eggenberg. In den 1940er Jahren entstand ein mittelständischer Betrieb mit rund 150 Mitarbeitern. Bereits 1954 entwickelte Binder + Co erste Vibrations-Siebmaschinen, die zunächst

in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wurden. Das stetige Wachstum führte 1960 zur Übersiedelung nach Gleisdorf, wo die ersten Aufbereitungsanlagen für Industriematerialien gebaut wurden. In den 70er Jahren wurde Binder + Co

von der voestalpine-Gruppe gekauft und somit verstaatlicht. Bis zur Reprivatisierung 19991 sollten bereits die ersten Maschinen zur Sortierung von Altglas entwickelt werden. Seit 2006 notiert Binder + Co an der Wiener Börse.

In der Rundhalle in Gleisdorf baut Binder + Co komplette Anlagen.

Seit 1960 ist das Unternehmen in Gleisdorf vertreten. Credit: Binder + Co.

29.09. SPÖ, Liste 1

„Nur wer wählen geht, kann wählen, wie‘s weitergeht.“ Starke Stimmen der Steiermark

www.stmk.spoe.at

schiedlichen Farben. Die Gläser werden auch nach unterschiedlichen Schmelztemperaturen sortiert. So können hitzebeständige Sondergläser aussortiert werden. Erkannt werden die Störstoffe, die mit freiem Auge nicht erkennbar sind, durch die Analyse von Informationen im ultravioletten und im sichtbaren Lichtwellenlängenbereich, die von einem UV-Sensor und einer RGB-Kamera gesammelt werden.

Gerald Klug

Fazit Oktober 2013 /// 57


Recycling

Österreich ist Europameister im Glasrecycling Im ersten Halbjahr 2013 hat die Altglassammlung in unserem Land erneut deutlich zugelegt. Österreich belegt mit einer vorbildlichen Sammelmenge von über 26 kg pro Kopf im EU-Vergleich den Spitzenplatz. ie Altglas-Bilanz des ersten Halbjahres 2013 weist nach Angaben der Austria Glas Recycling GmbH (AGR) erfreuliche Ergebnisse auf: Mit über 115.000 Tonnen Altglas wurde der Trend, die Sammelmenge jährlich weiter zu steigern, einmal mehr erfolgreich fortgeführt. Im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2012 ist damit eine Erhöhung um rund 1.000 Tonnen erreicht worden. Seit 36 Jahren zeichnet die AGR für das Sammeln und Verwerten gebrauchter Glasverpackungen in Österreich verantwortlich – und das Angebot zur Abfalltrennung wurde von der Bevölkerung begeistert angenommen. Die hohe Recyclingquote für Glasverpackungen unterstreicht die hohe Sammelbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher. Mit einer Quote von 85 Prozent Rücklauf gebrauchter Glasverpackungen

zählt Österreich zu den vorbildlichsten Glasrecycling-Nationen im europäischen Raum – der EU-weite Durchschnitt liegt bei 70 Prozent. Dr. Harald Hauke, Geschäftsführer der AGR, nennt die Erfolgsfaktoren beim Namen: „Ein ausgereiftes und praktisches Sammelsystem und eine recyclingbegeisterte Nation sind zwei Parameter, die einander perfekt ergänzen. Auf diese beiden Konstanten können wir in Österreich vertrauen – und dieses Niveau gilt es auf allen Ebenen zu halten.“ Im geschlossenen Materialkreislauf der Glasherstellung werden 100 Prozent des gesammelten Altglases wiederverwertet. Wichtig ist vor allem, dass Altglas sorgfältig gesammelt wird, denn dieses ist der mengenmäßig wichtigste Rohstoff bei der Glasproduktion. Der Einsatz von Altglas anstelle von Primärrohstoffen spart Energie und reduziert

CO2-Emissionen. Der wichtigste Appell an die Bevölkerung lautet: nur Verpackungsglas zum Glascontainer bringen – gebrochene Trinkgläser, Teller oder Fensterscheiben entsorgt man im Restmüll oder Recyclinghof. Foto: Austria Glas Recycling / Fotostudio Helmreich

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Kleine Fehler – große Wirkung: Nur Glasverpackungen gehören in den Altglas-Container.

DHL Freight startet taggenauen Stückgutservice in Europa für schnellen Geschäftsausbau Um der schnelllebigen Geschäftswelt gerecht zu werden, hat DHL Freight einen neuen Service für taggenaue Lieferzeiten eingeführt. Das Angebot ist in 14 Ländern in ganz Europa verfügbar, auch in Österreich.

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Foto: DHL

HL Freight, einer der führenden Anbieter von Straßentransporten in Europa, hat einen neuen Service für taggenaue Lieferzeiten und priorisierten Transport von Stückgut namens Eurapid eingeführt. Zum Service gehören ein umfassendes Monitoring und übersichtliche Tarife. Eurapid ist seit dem 2. September verfügbar

Heike Sommer: „Unsere Kunden erwarten fortschrittliche Lieferkettenkonzepte.“ 58 /// Fazit Oktober 2013

und bietet zentral gesteuerte, direkte Verbindungen zwischen den wichtigsten Wirtschaftsstandorten Europas. Der neue Service ist verfügbar für gesamteuropäische LTL-Sendungen bis zu einem Gewicht von 2,5 Tonnen. Kurze Produktzyklen fordern schnelle Lieferung „Unsere Kunden erwarten höhere Frequenzen, einen proaktiven Kundenservice und extrem zuverlässige Transporte für fortschrittliche Lieferkettenkonzepte. Kurze Produktlebenszyklen, zum Beispiel in der Technologie- oder Textil- und Modebranche, verstärken diese wachsende Nachfrage. Aus diesem Grund hat DHL Freight nun Eurapid gestartet und

bietet Kunden damit eine taggenaue und einfach zu nutzende Lösung“, sagt Heike Sommer, Managing Director von DHL Freight in Österreich und Slowenien. DHL Eurapid bietet Kunden die Möglichkeit, ihr Geschäft mit den wichtigsten Märkten in Europa zu vernetzen. Der neue Service ist bereits in folgenden 14 Ländern verfügbar: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Spanien, Schweden, Schweiz und Tschechische Republik. Damit deckt Eurapid die Regionen mit dem höchsten BIP in Europa sowie 74 Prozent des Handelsvolumens im Export und Import ab. Weitere Regionen werden in den kommenden Monaten mit dem Netzwerk verbunden.


Fotos: KNAPP

Die innovative Sortieranlage von KNAPP sorgt für eine durchgängige Transparenz über alle Leergutflüsse und ermöglicht es, über 100.000 Getränkekisten pro Tag beleglos zu verarbeiten.

Glasklare Sache

KNAPP errichtete bei trinkgut die leistungsstärkste Sortieranlage für Getränkekisten der Welt. Stunde werden 6.500 GetränkeJede kisten automatisch sortiert, täglich sind es bis zu 100.000. Dabei werden 1.000 verschiedene Kisten- und 200 Flaschentypen aller am Markt vertretenen Getränkehersteller (Bier, Wasser, Säfte, alkoholfreie Getränke etc.) unterschieden und sortenrein zur Verfügung gestellt. Die innovative Leergutsortierung erfolgt bei trinkgut, einer hundertprozentigen Tochter der EDEKA Rhein-Ruhr und Marktführer unter den Getränkeabholmärkten in Nordrhein-Westfalen.

Ergonomisch und sicher – die zentrale Leergutkontrolle

Wachsende Anforderungen Nach der Übernahme durch EDEKA, der größten deutschen Lebensmittelhandelskette, erhöhte sich die Menge des zu handhabenden Leerguts für trinkgut drastisch. Die bestehende Logistiklösung am Standort Hamm war nicht mehr in der Lage, diese Mengen effizient zu bearbeiten. Der Einsatz der intelligenten Sortierlösung KiSoft RMS bietet trinkgut zahlreiche Vorteile: Neben der deutlich höheren Leistungsfähigkeit wurden auch der Servicegrad für Kunden erhöht, das gesamte Pfandverrechnungssystem für Filialen auf den neuesten Stand der Technik gebracht und der Arbeitsaufwand in den Filialen reduziert. Zudem wird das Personal durch den Einsatz moderner Automatisierungstechnologie und der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze entlastet. Innovative Leergutsortierung Die KNAPP Systemintegration GmbH mit Sitz in Leoben gehört zur weltweit tätigen KNAPP-Gruppe und realisierte für trinkgut die innovative Leergutsortierlösung. Die Lösung wurde in der bestehenden Leerguthalle am Standort Hamm integriert, wo die Be-

arbeitung des gesamten Leerguts von rund 400 EDEKA- und trinkgut-Filialen erfolgt. Das System ermöglicht, die aus den EDEKA- und trinkgut-Filialen retour kommenden Getränkekisten und die darin enthaltenen Flaschen automatisch zu verbuchen, zu sortieren und den Getränkeproduzenten versandfertig wieder zur Verfügung zu stellen.

Logistik-Spezialist KNAPP KNAPP bietet intralogistische Gesamtlösungen aus einer Hand, von der Konzeption über die Fertigung und Installation bis zur umfassenden laufenden Betreuung. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf die Kernbranchen Pharma, Fashion, General Retail & Lifestyle, Food Retail sowie Tools & Spares. Die Anforderungen aus der gesamten Supply-Chain hinsichtlich Vollgut- und Leergutlogistik – auch Reusables genannt – sind bei KNAPP in einem am Markt einzigartigen Lösungspaket integriert.

Fazit Oktober 2013 /// 59


Innovation

Joanneum Research mobilisiert steirische Green-Tech-Kompetenz Die steirische Forschungseinrichtung Joanneum Research (JR) gestaltete bei den diesjährigen Alpbacher Technologiegesprächen gemeinsam mit dem Forschungszentrum Virtual Vehicle den Arbeitskreis „Green Tech: Vision und Business ECO-Mobilität“. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie „grüne Innovationen“ durch konsequente Forschung und Entwicklung erfolgreich auf den breiten Consumer-Markt finden. In Zukunft wollen die steirischen Forschungseinrichtungen zudem unter der Ägide der JR ihre Kompetenzen im Bereich Energie- und Umwelttechnik noch stärker bündeln.

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em Thema Mobilität komme im Bereich der aktuellen Green Tech Research besonders hohe Relevanz zu, betonte Dr. Johann Fank, der wissenschaftliche Direktor von JR Resources in seinem Eröffnungsstatement. Demografische Entwicklung, Urbanisierung, Globalisierung, Rohstoffknappheit und Klimawandel sind die Megatrends des 21. Jahrhunderts. Der Faktor Sustainable Business – auch im Bereich der Mobilität – wird angesichts dieser Trends nicht nur zunehmend wichtiger, sondern Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg, den sozialen Zusammenhalt sowie den Schutz der Umwelt. Die Weiterentwicklung der Mobilität zur ECO-Mobilität – einer emissionsarmen und leistbaren Fortbewegung in Verbindung mit regenerativen Energieträgern – sei eine gesellschaftliche Herausforderung, erklärte Fank. Der erste Teil war den technischen Entwicklungen und ihrer ökonomischen Relevanz gewidmet. Prof. Wolfgang Steiger, Leiter des Bereichs Zukunftstechnologien der Volkswagen AG, behandelte in seinem Referat „Mobilität am Wendepunkt“ die Notwendigkeit eines Wandels in der gegenwärtigen Mobilitätskultur. „Vor dem Hintergrund ökonomischer und technologischer Rahmenbedingungen – insbesondere des absehbaren globalen Ölfördermaximums – ist eine konsequente Handlungsstrategie in Bezug auf unsere Zukunft essenziell“, hob Steiger hervor. Dr. Jost Bernasch, GF der Forschungsgesellschaft Das virtuelle Fahrzeug mbH, setzte sich mit dem Thema „Leistbare Mobilität“ auseinander. „Es bedarf neuer Prozesse und Werkzeuge, damit die Industrie

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Innovationen und Fahrzeuge so kosteneffizient entwickeln kann, dass sie den Markterfordernissen entsprechen.“ Es sei wichtig zu erkennen, dass der Erfolg „grüner Technologien“ zentral von ihrer Leistbarkeit für Umwelt, Industrie und Kunden abhängt. Mobilität fordert ihren Preis, der in Form von Umweltbelastung und hohem Energieverbrauch bezahlt werden muss. Um den Übergang in eine Low Carbon Economy zu gestalten, sind innovative Konzepte und Technologien für ressourcenschonende und leistbare Mobilität von zentraler Bedeutung. Zum Bereich der Verfügbarkeit von Ressourcen, Energie und Infrastruktur behandelte Dr. Walter Böhme, Leiter Innovationsmanagement der OMV, das Thema „Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe“. Das Fehlen einer Infrastruktur für die Nutzung alternativer Kraftstoffe sowie gemeinsamer technischer Spezifikationen für die Schnittstelle Fahrzeug/Infrastruktur sei „das größte Hindernis für

die Markteinführung alternativer Kraftstoffe und deren Akzeptanz seitens der Verbraucher“. Prof. Martin Faulstich, GF der Clausthaler Umwelttechnik-Institut GmbH (CUTEC), widmete sich der „Nachhaltigen Gestaltung von Verkehr und Mobilität“. Der Theologe Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold zeigte die ethischen Aspekte der Mobilität auf und beleuchtete, wie diese die Umsetzung von (ECO-)Mobilität – auf den unterschiedlichen Ebenen Produktion, Distribution und Rezeption – beeinflussen können und sollen. Mag. Zechner hatte die „ECO-Mobilität im Kontext der österreichischen und europäischen Verkehrspolitik – Neue Allianzen bilden“ im Focus und nahm zu den Herausforderungen und Lösungsansätzen in der Verkehrspolitik Stellung: „Wichtig sind eine integrierte Betrachtung des Verkehrssystems, ein Förderung der Nutzung von ��ffentlichen und nicht-motorisierten Verkehrsmitteln sowie die Stärkung nachhaltigen Verhaltens im Verkehr.“

Foto: LR

Von JOSEF SCHIFFER

Geballte Mobilitätsforschung in Alpbach: Jost Bernasch, Virtual Vehicle; Wolfgang Steiger, VW; Ursula Zechner, BM-VIT Sektion IV; Johann Fank, JR; Walter Böhme, OMV; Leopold Neuhold, Uni Graz; Martin Faulstich, Clausthaler Umwelttechnik-Institut; Sonja Kranz, JR; Aldo Ofenheimer, Virtual Vehicle


Innovation

Heiße Entwicklungen

Foto: RHI AG

Wann immer es in einem Industriebetrieb irgendwo auf der Welt so richtig heiß wird, sind ihre Produkte gefragt. Die RHI AG, ein steirisches Unternehmen, ist einer der größten Hersteller von Feuerfestprodukten und Anbieter von Feuerfest-Serviceleistungen weltweit. Um das zu bleiben, wird jede Menge Know-how investiert – und kooperiert.

Das steirische Unternehmen RHI liefert feuerfeste Produkte in die ganze Welt.

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is zu 2.000 Grad Celsius herrschen bei der Erzeugung von Stahl im LDKonverter. Nur wenige Materialien und Produkte halten diese Temperaturen aus. Die keramischen Feuerfestprodukte – etwa für die Auskleidung derartiger Konverter – der RHI AG tun es. Das Unternehmen mit etwa 8.000 Mitarbeitern weltweit hat eine über 100-jährige Erfahrung und entsprechendes Know-how mit den wirklich heißen Dingen in der Industrie. Und das in fast allen Bereichen wie Eisen und Stahl, Nichteisenmetalle, Zement, Kalk, Glas, Energie, Chemie, Petrochemie und Umwelttechnik. In Leoben ist die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit konzentriert. Dieses Wissen wird in die 33 Produktionsstätten weltweit hinausgetragen. Um immer weitreichendere Lösungen für die Probleme ihrer Kunden zu finden, schaut die RHI AG über den berühmten Tellerrand. Die über 165 F&E-Mitarbeiter arbeiten in Projekten eng mit den heimischen, aber auch internationalen Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammen. Unterstützung kommt auch noch von einer anderen

Seite, wie Bernd Buchberger, Managing Director Corporate Research & Development, betont: „Wir reichen regelmäßig unsere zukunftsträchtigsten und risikoreichsten Forschungsprojekte auch bei der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG zur Förderung ein.“ Eines davon befasst sich mit neu zu entwickelnden Produkten mit Bauteilcharakter, die nicht nur extrem feuerfest sind, sondern auch bestimmte Funktionen in der Stahlerzeugung übernehmen, über die reine Auskleidungsrolle also weit hinausgehen. „Designte Ingenieurkeramikkonzepte“ können zum Beispiel Schieberverschlusssysteme für Stahlpfannen sein, aber auch Tauchrohre für den Stahlstrangguss. Hochleistungsmonolithe aus Österreich Auch an der Weiterentwicklung einer der Kernkompetenzen, nämlich feuerfestem Beton, hin zu anwender- und umweltfreundlichen Speziallösungen in diesem Gebiet wird mit Hochdruck gearbeitet. Auf neue Entwicklungen auf Basis eigener, alpiner, österreichischer

Informationen zu Förderungsmöglichkeiten Die Steirische Wirtschaftsförderung SFG unterstützt innovationsfreudige Unternehmen in der Steiermark bei Forschung und Entwicklung und ihrem Wachstum, damit diese neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen erfolgreich am Markt etablieren können.

Rohstoffe wird bei diesem Projekt namens „Hochleistungsmonolithe“ besonderer Wert gelegt. Bei aller Aufmerksamkeit für das Neue darf auch „das Alte“ nicht zu kurz kommen: „Begleitend zu diesen Entwicklungsarbeiten werden neue Recyclingsysteme entwickelt, um diese wertvollen Rohstoffe möglichst ressourcenschonend einzusetzen“, schildert Buchberger die Bemühungen um Nachhaltigkeit in der RHI AG. Apropos nachhaltig: „Wir blicken auf eine bereits mehr als zwei Jahrzehnte andauernde, erfolgreiche und fruchtbringende Zusammenarbeit mit den nationalen und regionalen Förderstellen, FFG und Steirische Wirtschaftsförderung SFG zurück“, so Buchberger. Innovative steirische Unternehmen: Eine Serie der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG

Steirische Wirtschaftsförderung

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Fazit Oktober 2013 /// 61


Steirische Wirtschaft

Arbeitsplatznahe Qualifizierung:

Oberösterreichisches Erfolgsmodell für die steirische Wirtschaft Obwohl die Beschäftigung in der Steiermark ein neues Rekordmaß erreicht hat, steigt die Zahl der Arbeitslosen. „Trotzdem klagen immer mehr Unternehmer über einen zunehmenden Fachkräftemangel. Ein klares Indiz dafür, dass Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt nicht zueinander passen“, erklärt WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. Aus diesem Grund macht sich Herk für die Einführung des oberösterreichischen Erfolgsmodells „Arbeitsplatznahe Qualifizierung“, kurz AQUA genannt, auch in der Steiermark stark. „75 Prozent der Teilnehmer erhalten hier direkt im Anschluss ein reguläres Dienstverhältnis. Eine Win-win-Situation für Arbeitssuchende und Betriebe“, betont Herk. m August zählte man in der Steiermark 495.000 Beschäftigte, das sind um 1.200 Personen mehr als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig ist aber auch die Zahl der Arbeitslosen um 4.200 gestiegen. Eine Entwicklung, der es gegenzusteuern gilt. „Wir müssen es schaffen, dass Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt wieder besser zueinander passen“, fordert WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. Deshalb schlägt Herk nun die Einführung des oberösterreichischen Erfolgsmodells AQUA (Arbeitsplatznahe Qualifizierung) auch in der Steiermark vor. Dieses Modell bietet nämlich zwei entscheidende Vorteile: Einerseits erhalten arbeitssuchende Personen die Möglichkeit einer praxisnahen Qualifizierung mit überdurchschnittlich hohen Wiedereinstiegschancen und andererseits profitieren auch die Unternehmen, da sie durch AQUA die Möglichkeit haben, oftmals schon lang gesuchte Fachkräfte gezielt für ihren Bedarf ausbilden zu lassen.

In Oberösterreich müssen Betriebe dafür dem AMS nur ihren Fachkräftebedarf bekannt geben. Das Arbeitsmarktservice wählt daraufhin in Frage kommende Mitarbeiter aus dem Kreis der vorgemerkten Personen aus und entwickelt gemeinsam mit Kooperationspartnern individuelle Bildungspläne. Teilnehmer können dabei einen Lehrabschluss nachholen, Kurse oder auch eine Schule besuchen, allerdings nicht länger als 24 Monate. Die praktische Ausbildung im Unternehmen kann dabei maximal doppelt so lange 62 /// Fazit Oktober 2013

dauern wie die theoretische Ausbildung. Ziel ist jeweils eine individuell maßgeschneiderte Qualifizierung. In dieser Zeit erhalten die Teilnehmer vom AMS eine Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts (mindestens in der Höhe des Arbeitslosengeldes bzw. der Notstandshilfe) und einen Pauschalersatz in der Höhe von 1,86 Euro pro Tag zur Abgeltung schulungsbedingter Nebenkosten. Darüber hinaus zahlen sowohl die teilnehmenden Unternehmen als auch das Land Oberösterreich einen Teil der Bildungskosten. Hohe Erfolgsquote „Alles in allem eine Erfolgsgeschichte, wie die stetig steigenden Teilnehmerzahlen in Oberösterreich beweisen“, betont Herk. Diese haben sich nämlich innerhalb von nur drei Jahren fast verdreifacht, rund 1.400 Personen nehmen AQUA heuer in Anspruch. „75 Prozent davon werden vom Betrieb im Anschluss in ein reguläres Dienstverhältnis übernommen. Man sieht also, es zahlt sich für alle Seiten aus. Darum plädiere ich auch für die Einführung eines solchen Modells in der Steiermark“, so Herk. Erste Vorgespräche mit Land und AMS haben bereits stattgefunden. Herk: „Als WKO ist uns jeder Arbeitslose ein Arbeitsloser zu viel. Darum sehen wir es auch als unsere Hauptaufgabe an, Rahmenbedingungen einzufordern, die es der Wirtschaft ermöglichen, noch mehr neue Jobs zu schaffen. Arbeitsplatznahe Qualifizierung ist dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Foto: Stuhlhofer

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Josef Herk, Unternehmer und Präsident der WKO Steiermark: „Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt müssen besser zusammenpassen.“


Steirische Wirtschaft

Die steirischen Tischler auf der Grazer Herbstmesse

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iebenundzwanzig steirische Tischlereibetriebe stellen ihre kunstvollen Arbeiten in der Stadthalle vor. Sie bilden damit einen gewichtigen Teil des Themenschwerpunkts Bauen und Wellness, dem die Messe Graz in der Stadthalle eine Bühne gibt. Landesinnungsmeister Walter Schadler freut sich besonders darüber, dass so viele Tischlereien aus der ganzen Steiermark an der Sonderausstellung teilnehmen: „Damit geben wir allen Besucherinnen und Besuchern einen hervorragenden Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten, mit denen wir individuelle Einrichtungswünsche erfüllen können.“

Die Palette der von den Tischlern ausgestellten Arbeiten reicht vom traditionellen Landhausstil über modernste innenarchitektonische Lösungen bis hin zu vielen intelligenten Details, mit denen nur engagierte und auf höchste Perfektion spezialisierte Handwerksbetriebe auftrumpfen können. Einen Höhepunkt der Ausstellung stellen die neun besten Werkstücke des CraftDesignwettbewerbs der Wirtschaftskammer dar. Eine unabhängige Jury hat die Einreichungen nach Gestaltungsidee, Gebrauchswert, Kreativität und Ausführungsqualität bewertet und die besten Einreichungen nominiert.

Foto: WK Steiermark

Die Landesinnung der Tischler und der holzgestaltenden Gewerbe nutzt die Grazer Herbstmesse auch heuer wieder als besondere Gelegenheit, die Handwerkskunst der steirischen Tischlereibetriebe in einer großzügigen Sonderausstellung ins Rampenlicht zu rücken. Auch die neun Finalisten des Craft-Designwettbewerbs stellen ihre Einreichungen aus. Die spannendsten Designs der steirischen Tischler sind auf der Grazer Herbstmesse zu sehen. Die erste Möglichkeit, diese Sonderausstellung zu besuchen, gibt es übrigens schon am Mittwoch, 2. Oktober 2013, bei freiem Eintritt ab 17.00 Uhr! Sonderausstellung „Die steirischen Tischler“ Grazer Herbstmesse 2. Oktober bis 7. Oktober 2013 Stadthalle

Die Stars der steirischen Wirtschaft A

m 18. September wurden 100 Lehrlinge aus 60 Grazer Unternehmen und 30 Meister- und Befähigungsprüfungsabsolventen mit den Star-ofStyria-Trophäen ausgezeichnet. „Damit setzen wir ein deutliches Zeichen der Wertschätzung gegenüber Menschen und Unternehmen, die mit voller Kraft in die fachliche Bildung investieren“, bestätigte die Obfrau der WK-Regionalstelle Graz, Sabine Wendlinger-Slanina. Die Auszeichnungen wurden in der Aula der Karl-Franzens-Universität überreicht und Vizerektorin Renate Dworschak meinte, dass vielleicht der eine oder andere wiederkommt, da der Lehrabschluss die Möglichkeit zur Berufsmatura und späterem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss bietet. WK-Direktor Thomas Spann betonte: „Im Gegensatz zu den

oft schnell verglühenden ‚Superstars‘ aus den Castingshows seid ihr nachhaltig leuchtende Stars. Denn ihr seid Leistungsträger der Zukunft, auf die die Wirtschaft bauen kann.“ Dass die Auszeichnungsreihe Stars of Styria von der Energie Steiermark und der UNIQA gesponsert wird, zeigt, wie wichtig in den Unternehmen die Ausbildung von qualifizierten Fachkräften ist. Bürgermeister Siegfried Nagl gratulierte den Ausgezeichneten persönlich: „Ich komme aus einem Familienunternehmen und möchte euch auch Mut machen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ihr seid Spitzenfachkräfte mit viel Potenzial. Und solche Unternehmer braucht die Wirtschaft.“ Sabine Wendlinger-Slanina konnte sich vor Ort schon über eine weitere Zusage der Sponsoren für die nächsten Jahre

Foto: foto fischer

Bereits zum siebten Mal in Folge zeichnete die Wirtschaftskammer ausgezeichnete Lehrabschlussprüflinge, deren Ausbildungsbetriebe sowie Absolventen von Meister- und Befähigungsprüfungen mit dem „Star of Styria“ in der Aula der Karl-Franzens-Universität in Graz aus.

Freuten sich mit den neuen „Stars of Styria“: v.l.: WK-Graz-Obfrau Wendlinger-Slanina, Issovits (UNIQA, Bgm. Nagl, Rumpf (ausgezeichnete Lehrabsolventin UNIQA), WK-Dir. Spann, Uniqa-Landesdirektor Rumpl freuen und wünschte sich auch für 2014 ebensolchen Zuspruch und Erfolg für künftige „Stars-of -Styria-Anwärter“. Fazit Oktober 2013 /// 63


Zusammenleben

Zusammen wohnen:

Integrationsressort fördert Konfliktlösungen Gemeinsam mit den Wohnbauressorts setzt das Integrationsressort des Landes Steiermark in den kommenden Monaten auf eine Offensive, um das Zusammenleben im Wohnumfeld zu verbessern. Dabei sollen „Botschafter des Zusammenlebens“ in Siedlungen gesucht und Angebote zur Bewusstseinsbildung und zur Konfliktintervention geschaffen werden. Von Michael Neumayr

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o Menschen auf engem Raum zusammenleben, entstehen Konflikte. Kinder lärmen im Hof, es wird nicht zusammengeräumt oder der Nachbar spielt zu laute Musik. Einer Studie zufolge sind 23 Prozent der Bewohner genossenschaftlicher Wohnungen mit der Nach-

GER 2013 PETER ROSEG d

g von Gestern un Die Verknüpfun leben, uhm und Alltags Heute, von Weltr eation ng und neuer Kr von Überlieferu sjahr segger-Jubiläum – das heurige Ro ickfeldes: rung unseres Bl lädt zur Erweite en, en, Veranstaltung mit Ausstellung tzt le sen und nicht zu kritischen Diskur nem -Sonnenbrille, ei mit der Rosegger en al ukt mit region exklusiven Prod . emäßem Design Wurzeln und zeitg

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barschaftssituation wenig bis gar nicht zufrieden. Besonders in größeren Wohnanlagen treten Konflikte auf. Die Probleme zwischen Nachbarn sind vielfältig und oft braucht es Hilfe von außen, um Nachbarschaftsstreitigkeiten beilegen zu können. Deshalb hat das Integrationsressort unter Landesrätin Bettina Vollath gemeinsam mit den beiden Wohnbauressorts ein 7-Punkte-Maßnahmenpaket geschaffen.

„Es geht um Prävention, nachhaltige Bewusstseinsbildung, Begleitung und auch Angebote zur Konfliktintervention“, erklärt Bettina Vollath. Botschafter des Zusammenlebens Gemeinsam mit den großen Wohnbaugenossenschaften der Steiermark hat man daher die Zusammen-WohnenOffensive ins Leben gerufen. Sie soll Menschen dazu motivieren, selbst zu handeln und die eigene Nachbarschaft positiv zu gestalten. Neben dem bereits laufenden Kleinprojektefonds „Zusammen wohnen“, mit dem unter anderem Nachbarschaftsinitiativen mit bis zu 1.000 Euro unterstützt werden, werden ab Herbst auch „Botschafter des Zusammenlebens“ in den Siedlungen der


Foto: Land Steiermark

Zusammenleben

Genossenschaften gesucht. Dabei soll ein ehrenamtliches Netzwerk entstehen, an das sich Konfliktparteien wenden können. So soll auch an die Eigenverantwortung der Siedlungsbewohner appelliert werden. Mediation bei unlösbaren Konflikten Sollten jedoch unlösbare Konflikte entstehen, kann auch ein externes Angebot wahrgenommen werden. So wurde ein Angebot zur Krisenintervention durch Mediation, das von Städten, Gemeinden oder den Hausverwaltungen und den

Das Land Steiermark fördert nicht nur Nachbarschaftsinitiativen, sondern bietet auch Hilfe bei großen Konflikten. Wohnbauträgern angefordert werden kann, installiert. Dabei kommen externe Mediatoren in die Siedlung und versuchen, unterstützend zur Konfliktlösung beizutragen. Dazu wird ein Servicebüro eingerichtet, um die einzelnen Maßnahmen besser koordinieren zu können. Insgesamt sind in der Steiermark 120.000 Wohnungen, in denen rund 500.000 Steirerinnen und Steirer wohnen, in Genossenschaften organisiert. Langfristig

soll sich das Angebot jedoch nicht auf Genossenschaftswohnungen beschränken. Im weiteren Projektverlauf sollen auch privatvermietete Wohnungen das Angebot nutzen können. Finanziert ist das Projekt bis 2014. Ausgelegt ist es jedoch längerfristig. Um eine längerfristige Finanzierung zu sichern, müsse das Projekt doch im Landesbudget 2015, das im kommenden Jahr im Landtag beschlossen wird, berücksichtigt werden.

Nähere Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter http://www.zusammenlebengestalten.steiermark.at

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Fazit Oktober 2013 /// 65


Wahlkampfpause

Die Emphase der Politik

Die ÖVP diskutiert über Politikverdrossenheit VP-Klubobmann Christopher Drexler und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle nützten eine Pause zwischen zwei Wahlkampfauftritten, um sich mit einem bürgerlich-intellektuellen Publikum über die »Emphase des Politischen« auszutauschen. Altphilologe Töchterle und Jurist Drexler sehen in der fortschreitenden Abkehr von der Politik eine echte Bedrohung für die Demokratie, der es unbedingt entgegen zu wirken gelte. Von Johannes Tandl

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öchterle unterscheidet zwei Kategorien von Ursachen für die Politikverdrossenheit. Er fasst zuerst zeitspezifische Gründe zusammen und nennt zum einen das postmoderne Wesen, das geprägt ist vom Scheitern der großen Weltbilder und Ideologien und sich daher von der Politik abwendet. Er bezieht sich dabei auf den französischen Philosophen Jean-François Lyotard, der diesbezüglich vom „Ende der großen Erzählungen“ sprach und da-

mit den Fall der großen philosophischen Denkrichtungen und Weltbilder meinte. Diese Entwicklung habe vor 40 Jahren eingesetzt. Viele ideologische Haltepunkte gingen seitdem verloren. Damit geriet die Politik unter Generalverdacht und besonders die Parteien mit ihren auf diese Haltepunkte basierenden Denkmodelle wurden nicht nur in Frage gestellt, sondern sogar für gescheitert erklärt.

Politik braucht Autoritäten Als weitere zeitlich bedingte Ursache für den Unmut mit der Politik nennt Töchterle zum anderen die Folgen die 68er-Bewegung. Die Infragestellung von Autoritäten habe zwangsläufig zu einer Infragestellung des repräsentativen politischen Systems geführt, denn Politik sei angewiesen auf Autorität – im wörtlichen Sinne, auf Glaubwürdigkeit. Einen weiteren wesentlichen zeitspezifischen Aspekt, der die Politikverdrossenheit forciert, sieht Töchterle in der Fragmentierung der Gesellschaft. Die großen gesellschaftlichen Blöcke seien in verschiedenste Untergruppen zerbrochen. Für die Volkspartei bedeute das, dass sie die Bauern oder Bürger als

einheitliche Gruppe nicht mehr vorfinden würde. Die SPÖ hat das gleiche Problem mit den Arbeitern. Das betreffe aber auch Kirchen und viele andere Verbände. Stattdessen findet eine gesellschaftliche Individualisierung statt. Die Ich-AG als Kontrapunkt zu den ehemaligen gesellschaftlichen Lagern, der es die Politik nur sehr schwer rechtmachen kann. Dabei ginge es den Menschen in Österreich heute wesentlich besser als noch vor 30 Jahren. Das Land sei sicher, der Wohlstand hoch, dennoch herrsche bei vielen Menschen die unbegründete Grundstimmung, dass die Zeiten schlechter würden. Politik braucht Medialisierung Zur Kategorie der zeitlosen Gründe für Politikverdrossenheit zählt Töchterle die „Fixierung auf das Mediale“. Damit meint er, dass Menschen ohne Charisma in einer Mediendemokratie keine Chance haben, wahrgenommen zu werden. Dabei steht für Töchterle außer Zweifel, dass jedes repräsentative System die Medialisierung braucht, und er macht dabei keinen Unterschied zwischen demokratischen und totalitären Staatsformen. Er sieht jedoch


Foto: Fischer

ein Problem darin, dass es heute nicht mehr möglich sei, komplexe Botschaften zu transportieren. Die Politik hinterlasse dadurch den Eindruck, sie setze sich nicht ernsthaft mit komplexen Problemen auseinander, sondern versuche bloß, schnelle Lösungen zu verkaufen. Töchterle erkennt eine Sehnsucht der Wähler nach Authentizität, nach direkter Demokratie und nach Präsenz. Der Altphilologe verweist in seinen Ausführungen auf das Athener Modell, das diese Probleme ebenfalls bereits kannte und daher so viele Entscheidungen wie möglich direktdemokratisch in der Volksversammlung zu entscheiden trachtete.

Auch Andersdenkende haben Recht. Und so stelle sich die Frage, wie ein demokratisch pluralistisches System zu Lösungen gelange, ohne langfristig die Akzeptanz zu verlieren. Demokratien sind, so Töchterle, zu Diskurs und Konflikt und damit einhergehenden Kompromissen verdammt. Und so liege ein Dilemma sämtlicher Demokraten in der notwendigen Erkenntnis, dass immer auch Recht habe, wer das Gegenteil dessen behauptet, wovon man selbst überzeugt sei. In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die eingeladenen Wissenschaftler ebenso eine Legitimationskrise des gegenwärtigen politischen Systems erkennen. So äußerste der Soziologe Manfred Prisching seine Bedenken über die Macht der Medien, weil die Menschen die Welt nur mehr in medialen Bildern verstehen würden. Für den Informationswissenschaftler Wolf Rauch erzeugen immer öfter die Medien die Politik. Aus seiner Sicht werde die Politik den Umbruch der zentralen Kommunikationsmittel nicht überleben. Dramatische Änderungen der Kommunikationsmittel hätten in der Vergangenheit immer dramatische Auswirkungen auf die Politik gehabt. Töchterle hingegen glaubt mögliche Auswege zu erkennen. Er sieht einen möglichen Ansatz in einer verbesserten Bildung aber er sieht auch ein neues vertieftes Heimatgefühl als Ausweg.

Der Wissenschaftsminister zu Gast im Steirischen Landtag

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Fazitportrait

Reiner Wein Von Michael Neumayr

Der biodynamische Wein von Sepp Muster bricht aus dem System der steirischen Klassik aus. Was in den besten Restaurants der Welt gut ankommt, erfüllt in Österreich zwar nicht die Anforderungen eines Qualitätsweines, findet aber besonders unter Weinkennern großen Anklang. Ein Besuch beim idyllischen Weingut von Maria und Sepp Muster im südsteirischen Schloßberg zeigt, warum.

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Fazitportrait

Nur der Boden, der Lesezeitpunkt und das Mikroklima im Weingarten spielen bei meinen Weinen eine Rolle.

Sepp Muster, Weinbauer

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er Sepp Muster auf seinem Weingut besuchen will, findet ihn entweder im Keller oder im Weingarten. »Weinbauer zu sein bedeutet in erster Linie warten und beobachten«, erklärt der Bio-Weinbauer, einer der wenigen seiner Art in der Südsteiermark, während er von den Trauben kostet, die Blätter kontrolliert und hin und wieder mit dem Refraktometer den Zuckergehalt seiner Weintrauben kontrolliert. Beobachten, das bedeutet, mit der Natur im Einklang zu sein, die Veränderungen im Wald zu erkennen und auch regelmäßig zu schauen, wie sich der Weingarten entwickelt. »Jeder Moment im Leben ist anders und das gilt auch für die Natur. Dementsprechend werden auch meine Weine. Denn Wein kann ein völlig natürliches Produkt sein. Man könnte den Wein so steuern, dass er schmeckt, wie er schmecken soll. Wenn aber immer alles gleich schmeckt, wird es fad«, begründet Sepp Muster, warum er nichts von einer standardisierten Weinwelt hält: »Es gibt genug, die das wollen. Das meine ich nicht im negativen Sinn, aber meine Kunden suchen etwas anderes. Deshalb machen wir auch den Wein nicht so, wie ihn die Masse der Kunden will, sondern so wie ihn die Natur vorgesehen hat.«

Lebendige Weine Das bedeutet, dass Sepp Muster auf Dünger, systemische Pflanzenschutzmittel und biodynamische Präparate verzichtet. Und auch Hefekulturen haben in seinem Keller nichts verloren. Dieser Verzicht wirkt sich zwar auf die Ernte aus, seine Weingärten tragen nur halb so viele Weintrauben wie die Weingärten konventioneller Weinbauern, dafür ist der Schwefelgehalt im Wein viel niedriger und schmeckt genauso, wie er gewachsen ist. »Nur der Boden, der Lesezeitpunkt und das Mikroklima im Weingarten spielen bei meinen Weinen eine Rolle. Wir nehmen nichts weg und geben auch nichts dazu«, erklärt Muster. Das führt dazu, dass seine Weine besonders komplex auftreten und einen sehr vielschichtigen Geschmack aufweisen. »Alle reden über solche Weine, aber nicht jeder kann sie auch trinken«, ist Sepp Muster überzeugt: »Meine Weine sind lebendig. Bei jedem Schluck kann man etwas Neues erleben.« Voraussetzung dafür sei aber eine ge-

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wisse Offenheit für Unerwartetes. Viel wert legt Muster auf die Reife seiner Weine. Da er auf Hefe verzichtet und auf Spontanvergärung setzt, reifen seine Weißweine 20 bis 24 Monate. Beim Rotwein kann es schon bis zu vier Jahre dauern, bis er fertig ist. Dabei geht er völlig ohne Erwartungshaltung in die Weinproduktion. »Ich weiß nicht, was entsteht, es gibt so viele kleine Faktoren, da ist kein Jahr wie das andere. Die Kunst ist es, nicht in einem guten Jahr einen guten Wein zu machen, sondern konstant guten Wein zu liefern«, erklärt Muster seine Philosophie. »Wir machen unseren Wein aber auch für jene, denen unser Wein schmeckt, und nicht für Juroren. Deshalb kann man unseren Wein auch nicht katalogisieren. Der Kunde muss auf sich selbst hören«, so Muster.

Wein außerhalb des Systems Allein schon deshalb passen Musters Weine nicht in das System der steirischen Klassik, das hat der streitbare Weinbauer sogar amtlich. Mehrmals hat er versucht, seine Weine als Qualitätswein zertifizieren zu lassen. »Die Prüfer konnten mit dem komplexen Weinstil einfach nicht umgehen. Es wurden immer Fehler gefunden, aber nie dieselben. Dabei waren wir gleichzeitig schon im berühmten Restaurant Steirereck in Wien gelistet«, erzählt Muster. Inzwischen würde er es aber auch gar nicht mehr bemühen. Seine Weine verkaufen sich nämlich auch als Landwein in den besten Restaurants der Welt hervorragend.

Weltweiter Export in die Spitzengastronomie Darum gehen auch 60 bis 70 Prozent seiner Weine in den Export. Besonders in Japan, Skandinavien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Deutschland, Kroatien und der Schweiz kommt der individuelle Weinstil Musters gut an. Zu seinen Hauptkunden gehört die weltweite Spitzengastronomie. Die Liste der Top-Restaurants ist lang und gespickt mit Highlights wie das Noma in Kopenhagen, das schon mehrmals als bestes Restaurant der Welt bewertet wurde und derzeit die weltweite Nummer zwei ist. Auch das Restaurant Frantzens in Stockholm, das Bunon in Tokyo, der


Fazitportrait

Weinbauer zu sein bedeutet in erster Linie zu warten und beobachten.

Sepp Muster, Weinbauer

Taubenkobel in Schützen am Gebirge und das Steirereck in Wien zählen zu Musters zahlreichen Kunden in der Spitzengastronomie. Das zweite große Standbein sind die Privatkunden, die ihren Wein direkt beim Weingut kaufen. »Wir haben das Glück, dass immer mehr Kunden auf sich selbst hören und nicht unbedingt nur das kaufen, was die Experten vorbeten. Sie suchen das Unerwartete und finden es bei uns. Die Nachfrage nach Biowein steigt stetig«, erzählt Muster. Das war nicht immer so. Besonders die stark schwankenden Ernten waren für Sepp Muster, der den Weinbaubetrieb von seinen Eltern übernommen hat, eine große Herausforderung. 2004, ein Jahr nachdem er das Demeter-Zertifikat erhalten hat, produzierte Muster zwar einen guten Wein, der Ertrag ließ aber zu wünschen übrig. »Damals dachten wir, wenn es so weitergeht, müssen wir zusperren«, erinnert er sich zurück. Die geringe Ernte schrecke auch viele Weinbauern davon ab, in den Bioweinbau einzusteigen. »Es ist vor allem die Angst vor den Pilzkrankheiten, die Weinbauern abschreckt.« Deshalb sei er zu Beginn belächelt und später auch ausgelacht worden. Mit steigendem Erfolg hätte es auch Widerstand gegen seine Arbeitsweise gegeben. »Das Verhältnis zu den Nachbarn und meinen Kollegen an der Südsteirischen Weinstraße ist aber sehr gut«, betont Muster. Bioweinbau sei nach wie vor eine sehr junge Disziplin, jedoch mit Wachstumspotenzial.

eine Flasche Wein verlangen: »Bis 30 Euro kann man den Preis tatsächlich mit einem hochwertigen Produkt argumentieren. Alles was darüber hinausgeht, ist vor allem Image. Dann kauft man nicht mehr den Wein, sondern das Etikett.« Doch mit den Preisen scheint sich Sepp Muster nicht so gerne zu beschäftigen: »Ich möchte Weinbauer bleiben. Deshalb halte ich auch nicht so viel von Hypes. Denn die sind nur kurzfristig.« Am liebsten verbringt er die Zeit im Weingarten: »Die Laubarbeit im Sommer ist fast schon meditativ. Man ist in der Natur und manchmal bleibe ich einfach nur stehen und genieße die Landschaft.« Auch seine Kinder würden gerne den Weingarten besuchen, aber eher zum Naschen, denn schon bald sind die Trauben süß genug, um mit der Weinlese zu beginnen. Das sagt nicht nur der Refraktometer in Sepp Musters Hosentasche, sondern auch der nahe Wald, bei dem sich die Blätter schon zu färben beginnen.

Wert hat seinen Preis Das spiegelt sich auch in den Preisen, die Muster für seine Weine verlangt, wider. Ab Hof kosten sie zwischen zehn und 30 Euro pro Flasche. »Ich verlange den Preis, den ich für gerechtfertigt halte. Mein Wein ist diesen Preis wert«, ist Sepp Muster überzeugt. Es gehe ums Produkt, und dafür nehme er auch längere Lagerzeiten in Kauf. Den gesamten Jahrgang verkauft er nicht gleich im ersten Jahr. Dadurch kann er ausgetretene Pfade verlassen und begibt sich nicht so sehr in Abhängigkeiten. Sei es von Händlern oder vom Wetter. Mehr als 30 Euro will Muster derzeit aber nicht für

Musters biodynamische Weine sind in Graz bei der Weinhandlung Schaeffer am Kaiser-Josef-Platz erhältlich. Weingut Maria und Sepp Muster 8463 Leutschach, Schlossberg 38 Telefon: +43 (0) 345470053 weingutmuster.com

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Text von Michael Thurm Fotos von Marija Kanizaj

Was bleibt Zehn Jahre nach der Kulturhauptstadt

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ie Murinsel erfüllt Erwartungen. Kaum ein Ort eignet sich so gut, um über die Nachhaltigkeit von Kulturinvestitionen im Allgemeinen und die der Kulturhauptstadt Graz 2003 im Speziellen zu sprechen. Das einstige Prestigeprojekt ist inzwischen ein unterdurchschnittlich frequentiertes Café. Wie zu erwarten, ist während des Gesprächs mit Altbürgermeister Alfred Stingl und dem früheren Kulturstadtrat Helmut Strobl gerade einmal ein weiterer Tisch besetzt. Was vom damaligen Intendanten Wolfgang Lorenz als Zentrum der Kulturhauptstadt, als kulturelle Verbindung der beiden Murhälften, gar als »Piazza für das neue Millennium« gedacht war, bekommt von Grazern und Touristen nur wenig Beachtung geschenkt und noch weniger Besuche abgestattet. Gleichzeitig verursacht die Insel bis heute hohe Instandhaltungskosten. Man hätte dieses Gespräch mit den beiden entscheidenden Initiatoren der Kulturhauptstadt auch an anderer Stelle führen können. Im erfolgreichen Kunsthaus, das in diesen Tagen zu seinem zehnten Geburtstag ein zehntägiges Fest feiert. Oder in der Messehalle, die sich als variable Veranstaltungslocation für Konzerte, Messen und Sportevents erfolgreich etabliert hat. Die Erfolge, die Graz 2003 mit sich gebracht hat, sind heute fast unbestritten. Dass über ein Kunsthaus für die Stadt bereits 1985 diskutiert wurde, ebenso wie über die Notwendigkeit einer großen Veranstaltungshalle, wirft die Frage auf, ob es diese Investitionen nicht auch ohne den Titel der Europäischen Union gegeben hätte. Alfred Stingl: Ich habe da schon Zweifel. Die Kulturhauptstadt war ein wichtiges Argument für das Kunsthaus und die Stadthalle, weil wir als eine der größten Städte Österreichs so etwas nicht

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Kulturhauptstadt

Alfred Stingl wurde 1939 in Graz geboren. Nach hatten. Unser Ziel war immer, die europäische Kultur, damals war vor allem die Öffnung nach Südosteuropa wichtig, nach Graz zu holen, und wir hatten ein Defizit an Kulturstätten. Wir haben die Kulturhauptstadt für Europa und für Graz gemacht. Die Stadthalle sollte vor allem der Messe neue Möglichkeiten und eine Zukunft geben. Wir wollten auch unbedingt einen Ausgleich zwischen den beiden Murseiten schaffen. Das Kunsthaus ist dafür ein gutes Beispiel. Stingl: Kaum hat es eröffnet, ist die ganze Achse vom Lend- bis zum Griesplatz aufgelebt. Das Hotel Mariahilf war damals zum Beispiel kurz vorm Zusperren.

Sie haben schon recht, diese Häuser sind erfolgreich. Aber die Helmut-List-Halle musste mit Zugeständnissen der privaten Teileigentümer gesichert werden. Die Murinsel fristet ein trauriges Dasein. Stingl: Die Beobachtung ist richtig. Jetzt ist es zumindest gelungen, die wasserrechtliche Genehmigung für die Murinsel zu verlängern. Die Mur ist ein Bundesfluss, daher muss das alle zehn Jahre neu genehmigt werden. Es gibt längst die Absicht, die Insel ganzjährig bespielbar zu machen, und das ist sicherlich sinnvoll. Helmut Strobl: Der geistige Schöpfer – Vito Acconci – wird da auch miteinbezogen. Was mir persönlich aber fehlt, ist, dass die Chance der Insel erkannt wird. Wir sind hier in der Mitte zwischen Kasematten, Dom im Berg, dem Kulturzentrum der Minoriten und dem Orpheum. Diese Dichte legt ja nahe, dass man als Veranstalter nicht nur getrennte Konzepte macht, sondern das mit der Murinsel als Mitte verbindet. So hatte es der damalige Intendant Wolfgang Lorenz auch gedacht. Aber gibt es nicht die Notwendigkeit eines organischen Wachstums? Publikumsinteresse lässt sich eben nicht immer planen. Müsste man dann nicht das Scheitern eingestehen und kostspielige Dinge wieder abschaffen? Stingl: Aber man kann Impulse geben. Das ist die Aufgabe der Kulturpolitik. Da muss nachgedacht werden, wie sich die Auslastung in den vorhandenen Ressourcen bündeln lässt. Das fehlt mir noch. Kulturpolitiker müssen natürlich gegenüber Kritik offen sein. Und gleichzeitig muss man ein wenig resistent sein. Gerade im Kulturbereich. Sonst kommen wir nie über die Frage hinaus: Warum dieses und nicht jenes? Wer Kultur will, der muss auch bereit sein, Risiken einzugehen, und das haben wir gemacht. Heute müsste man die Veranstalter offensiv ansprechen.

Strobl: Bei der Murinsel war es ganz eindeutig so, dass die Kreativszene keine Ambitionen hatte, diesen Ort zu bespielen. Die wurde aus irgendwelchen Gründen zum »Unort«. Es gibt außerdem viele gute Alternativen. Eine Rolle spielt sicher auch die Lärmentwicklung durch den Fluss, die bestimmte Sachen unmöglich macht. Ich bin gespannt, ob das in der Neugestaltung gelöst wird. Acconci hat gemeint, dass sich das realisieren lässt, und dann 76 /// Fazit Oktober 2013

hoffen wir, dass die Bespielung besser funktioniert. Im letzten Jahr stand sogar Rückbau im Raum. Stingl: Ein Abbau wäre nicht gut. Da hätten wir schon eine Initiative ergriffen. Strobl: Das sind doch Blödeleien, diese Schmäh, die Arme der Murinsel abzuschneiden und sie ins Schwarze Meer schwimmen zu lassen. Stingl: Mit einigen Kunstobjekten von 2003 ist schon sehr fahrlässig umgegangen worden. Sie sprechen den Marienlift und den Uhrturmschatten an … Stingl: … und die gespiegelte Stadt. Aus all dem hätte man sicherlich mehr machen können, als sie irgendwohin zu verschicken.

Herr Stingl, von Ihnen stammt der Satz: »Es kann kein Zuviel an Kultur geben.« Würden Sie den Satz heute noch unterschreiben? Stingl: Na sicher. Ich sehe, dass es heute qualitativ und quantitativ gute Weiterentwicklungen gibt. Ich sehe die Notwendigkeit kultureller Investitionen vor allem auch für die Kommunen. Graz hat im Unterschied zu vielen Städten der gleichen Größe keine Einschränkungen hinnehmen müssen, im Gegenteil, im Lendviertel wächst vieles weiter. Das einzige Sorgenkind ist noch der Griesplatz. Ich würde den Satz dreimal unterschreiben, weil wir in einer Phase leben, wo Kultur noch notwendiger wird. Mit den neuen Medien, mit der zunehmenden Sprachlosigkeit der Menschen. Ich stimme Ihnen zu, dass das für den Einzelnen gilt. Aber ist es immer Aufgabe der Politik, das zu finanzieren und Kultur quasi zu verordnen? Stingl: Man muss das zulassen. Schöpferisches Wirken kann nur in Freiheit passieren.

seinem Einzug in den

Gemeinderat 1968 kam

er bereits eine Legislatur später in den Stadtsenat,

bevor er 1985 schließlich zum Bürgermeister ge-

wählt wurde. Dieses Amt hatte er bis Jänner 2003 inne, dann verlor er die

Bürgermeisterwahl gegen Siegfried Nagl. Während

des Kulturhauptstadtjahres war er aber weiter an der Koordination beteiligt.


Helmut Strobl wurde zwar 1943 in Deutschland gebo-

ren, wuchs aber von frühester Kindheit an in Graz auf.

Nach der Matura studierte er an der Technischen Universität Architektur, bevor er

1985 ins Magistrat ging und innerhalb der Regierung bis 2001 für die Kultur zustän-

dig war. In dieser Zeit orga-

nisierte er den Europäischen Kulturmonat und schließlich auch die Bewerbung für die Kulturhauptstadt 2003.


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Strobl: Eine Variante von staatlicher Kunstförderung ist die sogenannte Staatskunst, die wollen wir nicht. Das kennen wir aus kommunistischen Staaten, die verordnen und bezahlen, was gemacht werden soll. Ich plädiere für einen liberalen Zugang. Die eine Aufgabe ist es, das zu ermöglichen, was ohne Förderung nicht stattfinden würde: experimentelle Kunst und alles, was dazugehört. Eine Stadt wie Graz hätte in den USA maximal einen Veranstaltungsraum, vielleicht noch eine Bibliothek, aber das war es dann. Die zweite Aufgabe der Politik ist es, diese Dinge ans Publikum heranzubringen. Ich behaupte, dass die Bedürfnisse in Graz massiv im Steigen waren. Und die Besucher sind ja damals nicht plötzlich anderen Institutionen ferngeblieben. Die sind zusätzlich zur Galerie oder zum Kino noch ins Kunsthaus gegangen.

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aum etwas war so schwierig wie die Suche nach dem Standort für das Grazer Kunsthaus. Nach einigen Ideen, die bis zur Zeit von Josef Krainer junior zurückgehen, sollte das Kunsthaus am Pfauengarten errichtet werden. Die Sozialdemokraten verweigerten damals die Zustimmung und brachten den Schlossberg – heute der Dom im Berg – ins Spiel, prompt widersprach die ÖVP. 1997 folgte schließlich ein Architekturwettbewerb, der damit endete, dass der Vorschlag, der von der Jury als Sieger ausgewählt wurde, von allen politisch relevanten Akteuren abgelehnt wurde. Stattdessen kam ein Jahr später der erste Entwurf des späteren Kunsthausarchitekten Peter Cook – nur der Standort fehlte noch immer. Die Freiheitlichen hatten indes eine Volksbefragung gegen die Variante im Schlossberg initiiert und mit über 80 Prozent auch eindeutig in ihrem Sinne entschieden. Die Vertreter der Stadt suchten erneut und wurden im »Eisernen Haus« fündig, einem schlecht genutzten Areal am rechten Murufer, das zu Kastner & Öhler gehörte. Nach schwierigen, aber letztlich erfolgreichen Verhandlungen mit den Eigentümern kam nun Bewegung in die Sache. Im Jahr 2000 fiel die endgültige Entscheidung für das Kunsthaus in seiner heutigen Form, im Herbst 2003 wurde es feierlich eröffnet. Der Druck durch das Prestigeprojekt Kulturhauptstadt hatte schließlich alle Beteiligten dazu genötigt einzulenken. Auch das Literaturhaus und das Kindermuseum wurden mit Zustimmung der starken Kaltenegger-KPÖ beschlossen. Meine Herren, würden Sie der These zustimmen, dass der Titel »Kulturhauptstadt« seit 2003 eigentlich wie eine kulturelle Entwicklungshilfe vergeben wird? Vorher waren es die großen Hauptstädte, Amsterdam, Berlin, Paris. Seitdem sind es vor allem die »zweiten Städte«, die dadurch Impulse erfahren sollen. Strobl: Also wenn der Begriff der Entwicklungshilfe nicht so abwertend gemeint ist, stimmt das schon. Das war eine ganz bewusste Entscheidung der EU für die sogenannten zweiten Städte.

Was spielt die größere Rolle: Dass wir Kulturhauptstadt heißen und plötzlich alle kreativ werden? Oder sind die finanziellen Mittel, die dadurch möglich werden, entscheidender, weil dadurch Infrastrukturen entstehen, die dann bespielt werden?


Kulturhauptstadt

Stingl: Wir haben einen sehr weiten Kulturbegriff gehabt. Der ging von Sozialprojekten … Strobl: Der Homeless World Cup ist zum Beispiel damals erfunden worden und nach wie vor ein riesiger Erfolg. Stingl: … bis zur Menschenrechtshauptstadt. Auf die Kulturhauptstadt folgte noch die Genusshauptstadt und auch die City of Design steht in dieser Logik. Sehen Sie die Gefahr, dass Graz zur City of Beliebigkeit wird? Strobl: Polemisch könnte man auch sagen: die Stadt der vielen Titel. Stingl: Man kann es auch Stadt der Vielfalt nennen. Wir sind ja vielfältig. Und mit den Reininghausgründen hat Graz eine neue große Chance, endlich wurde sich dort geeinigt und der Westen wird weiter mit hochwertigen Projekten kultiviert.

In Graz sind es immer Top-Down-Projekte der Politik. Mit Ausnahme der Belebung des Lendviertels ist kaum etwas von selbst gewachsen, sondern war immer verordnet. Ist das politisch sinnvoll? Stingl: Es muss ja einen Grund geben, warum eine Stadt wächst. Die wichtigsten Assets der Wirtschaft für Betriebsansiedelungen oder Fachkräfte, die nach Graz kommen, sind ganz klar: Gibt es eine internationale, bilinguale Schule? Wie ist der universitäre Sektor aufgestellt? Wie ist das Freizeitangebot? Man muss für neue Ideen auch ein bisschen Geduld investieren. Wenn wir uns die Nächtigungszahlen anschauen, sehen wir natürlich 2003 die Spitze, aber ohne diese ist trotzdem eine recht kontinuierliche Steigerung zu erkennen. Wären wir nicht auch ohne die Kulturhauptstadt heute vor knapp einer Million Nächtigungen jährlich? Strobl: Sicher nicht. Stingl: Wenn Sie sich die Bilanz von 2003 anschauen, dann sehen Sie, dass wir eine der stärksten Kulturhauptstädte waren, und die internationale Aufmerksamkeit war enorm. Ich war ja sehr reserviert, als Intendant Lorenz meinte, wir müssen 30 Prozent des Budgets in die Werbung investieren. Das war mir zu viel, aber er hat recht gehabt. Plötzlich sind wir ein Punkt auf der Landkarte geworden. Und das ist auch eine Form von Nachhaltigkeit.

Ein Gemeinsamkeit, die Sie beide fast tragisch eint: Sie haben beide die Kulturhauptstadt vorbereitet, aber nicht mehr als aktive Amtsträger erlebt. Strobl: Ich bin schon zwei Jahre vorher aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten … Stingl: Das hat mir damals sehr leidgetan. Wir hatten immer eine kultivierte Zusammenarbeit. Auch in den Wahlkämpfen. 2003 hat Siegfried Nagl dann die Wahl gewonnen und er hat uns beide gebeten, dass wir im Aufsichtsrat der Kulturhauptstadt das Jahr begleiten. Das haben wir gemacht und erst nach der Abrechnung, im Mai 2004, unsere Ämter niedergelegt. Und ich habe immer gesagt, dass die Kulturhauptstadt kein Prestigeprojekt meiner Amtszeit sein wird. Hat es Sie nicht geärgert, dass es für so ein insgesamt erfolgreiches Projekt nie eine politische Belohnung, also einen Wahlerfolg, gab? Seit 2003 hat die SPÖ ja keine Gemeinderatswahl mehr gewonnen. Stingl: Das steht auf einem anderen Blatt. Und man hätte so etwas nie machen können, wenn man das parteipolitisch spielt. Das wäre niemals gegangen. Es gibt nichts Vernünftigeres als den unabdingbaren Willen zweier Partner zusammenzustehen. Und zwar durch dick und dünn. Und das ging damals alles. Ich allein hätte das nicht zusammengebracht. Das ist doch ein schönes Schlusswort. Herr Stingl, Herr Strobl, vielen Dank für das Gespräch.

Zehn Jahre Kulturhauptstadt bedeuten auch zehn Jahre Kunsthaus Graz. Aus diesem Anlass gibt es vom 22. September bis zum 3. Oktober kostenlosen Eintritt ins Kunsthaus. Geburtstagsfest zu zehn Jahren Kunsthaus am 28. September ab 10 Uhr bei freiem Eintritt und mit stündlichen Spezialführungen. Genaues Programm unter: museum-joanneum.at

Fazit Oktober 2013 /// 79


Und so sehen wir betroffen. Den Vorhang zu und alle Fragen offen. Bertold Brecht zitiert von Marcel Reich-Ranicki, 1920–2013

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Zeit ist Geld Die Welt ist eine imperfekte und so ist auch unsere Blattreform nicht in allen Details perfekt. Etwa hatten wir für die schönen Dinge des Lebens (bisher die »Musts«) mehr Platz vorgesehen, mussten dann aber klein beigeben und präsentieren daher in dieser Ausgabe nur ein so ein schönes Ding. Dafür aber auch gleich eines der schönsten. Die »Master Control« der Uhrenmanufaktur Jaeger-Le-Coultre. Aus Edelstahl – lassen Sie sich nicht die Platinvariante zeigen! – mit Alligatorlederband und einem 899er-Kaliber hat sie eine Gangreserve von 43 Stunden. Schon seit 1833 stellt Jaeger im Schweizer Juragebirge diese mechanischen Meisterwerke her und zumindest einmal sollten Sie eine an Ihrem Arm getragen haben! In Graz etwa bei Schullin in der Herrengasse zu sehen oder zu erstehen.

Geld und Kunst Am 20. September beginnt heuer wieder der »steirische herbst«, das Festival für zeitgenössische Kunst in Graz. Dabei geht es mehr als sonst ums Geld: diesmal allerdings nicht um die Frage nach Förderung und Subventionen, sondern um seinen Mythos und seine Wirkung auf die Gesellschaft. Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ist ein guter Zeitpunkt für ein solches Ansinnen. Der gesamte Herbst steht unter einem Titel, wie ihn sich nur Künstler ausdenken können: »Liaison dangereuses« – Gefährliche Liebschaften. Konkreter werden da einzelne Ausstellungen und Aufführungen, die wir an dieser Stelle empfehlen wollen:

Zahlen sind schön

Mathematik ist weder Naturwissenschaft noch Kunst. Und doch beides: Das wird in der neuen Sonderausstellung »Matheliebe« des Universalmuseums Joanneum deutlich. Mit wenigen Formeln und zahlreichen kleinen Experimenten wird die alltägliche Gegenwart der Mathematik verdeutlicht und vor allem verständlich. Viel schöner kann Matheunterricht nicht sein. Noch dazu wo es weder schlechte Noten noch eine Pausenklingel gibt.

Matheliebe Noch bis 29.6.2014 Naturkundemuseum Joanneumsviertel

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Liquid Assets Nach der Transformation des Kapitals 20.9. bis 1.12. im Festivalzentrum Ex-Zollamt, Bahnhofgürtel 57 Kredit Von der Erwartbarkeit zukünftiger Gegenwarten 5. und 6. Oktober, Orpheum Sei nicht du selbst! Von Boris Nikitin. Eine Parodie auf die Motivationsbibel »How to Win Friends and Influence People« 6., 7. und 8. Oktober, Schauspielhaus Graz


Alles Kultur

Von Michael Thurm und Christian Klepej

Weltuntergang aus Graz

Fotos: Jaeger-Le-Coultre, N.Lackner/UMJ, Richard Wagner um 1860 von Franz Hanfstaengel gezeichnet (Ausschnitt), Picus Verlag

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Selbstverständlich Wagner Die Oper Graz beginnt ihre neue Spielzeit mit, wie soll es heuer anders sein, Richard Wagner. Zum 200. Geburtstag des deutschen Komponisten wird »Lohengrin« unter der Leitung von Julien Salemkour gegeben. Die Uraufführung der Wagner-Oper in Graz liegt allerdings schon etwas zurück: 1899 wurde das neue Grazer Opernhaus mit dem musikalischen und mythologischen Vorspiel zu Wagners späterem Großwerk – »Ring der Nibelungen« – eröffnet. In der Titelrolle singt diesmal der Steirer Johannes Chum. Premiere am Samstag, 28. September 2013, 18.30 Uhr Oper Graz

ie gebürtige Grazerin Cordula Simon hat mit »Ostrov Mogila« ihren inzwischen zweiten Roman veröffentlicht. Nach »Der potemkinsche Hund« beschreibt sie nun den Untergang einer Stadt: Kapitel für Kapitel nimmt sie die Ich-Perspektive eines anderen Überlebenden ein und macht so die zusammenfallenden Häuser, die auseinanderbrechenden Straßen und die geknickten Strommasten zu den eigentlichen Hauptfiguren des Romans. Ideenreich, sexualisiert und poetisch düster versinken die Gebäude in der Erde, das Internet fällt aus, nur ein bisschen Liebe bleibt noch. Oder zumindest Sex. Den kann zumindest einer der Beteiligten noch für Liebe und damit Errettung halten. Dabei ist gar nicht klar, ob die ständig wie nebensächlich erwähnten Geschlechtsakte nun letzter Zeitvertreib zur Apokalypse oder deren Ursache sind. Aber das scheint auch nicht wichtig zu sein. Auf einen konkreten Handlungsstrang verzichtet die

Autorin, stattdessen stehen die zahlreichen Protagonisten nur beiläufig in Beziehung zueinander. Cordula Simon offenbart dabei eine ganze Bandbreite an literarischen Techniken: von den wechselnden Perspektiven, die man aus Orhan Pamuks »Rot ist mein Name« kennt, über eine sensible Detailverliebtheit, die fast schon zu sehr an »Die fabelhafte Welt der Amélie« erinnert, bis zur vulgär-fantastischen Literatur, die in den letzten Jahren mit Charlotte Roche und Helene Hegemann populär geworden ist. Die Sprache ist explizit und selten subtil. Wozu auch subtil sein, wenn die Welt untergeht? Die große Stärke des Buches liegt in der erschreckend glaubwürdigen Vereinigung von Fantastischem – kopulierende Einhörner – und Realistischem wie der Polizeiwache an der Gleisschleife der Grazer Linie 7 beim LKH in St. Leonhard. Und man wundert sich beim Lesen schon nicht mehr darüber.

Ostrov Mogila, Roman Picus Verlag 2013, 239 Seiten, 21,90 Euro u.a. erhältlich in der Bücherstube am Grazer Mehlplatz

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Fazit Oktober 2013 /// 81


Wir machen Schluss! Allmonatliche Finalbetrachtungen diesmal von Christian Klepej und Johannes Tandl

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ie Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Doch wie viel davon lassen wir tatsächlich zu? Als Herausgeber von Fazit sehen wir uns fast täglich mit Gefahren, Verführungen und Zensurversuchen konfrontiert, die damit im Zusammenhang stehen. Da ist einmal das Thema der »politischen Korrektheit«. Für jeden Fazit-Redakteur ist ein Sprachgebrauch, der sich durch eine besondere Sensibilisierung gegenüber Minderheiten kennzeichnet und sich einem Antidiskriminierungsgebot verpflichtet fühlt, eine Selbstverständlichkeit. Doch die gelebte „politische Korrektheit“ kann leicht auch zu Selbstzensur, Denkverboten und damit zu Tabu-Themen führen, über die wir nicht gerne schreiben, weil es uns inhaltlich punzieren könnte. Und so gibt es immer wieder Inhalte, mit denen wir uns lieber nicht im Klartext auseinandersetzen. So werden Sie etwa im Fazit-Investor keinen Artikel finden, der ihnen davon abrät, in Gegenden mit überproportionalem Migrantenanteil eine Immobilie zu erwerben. Stattdessen wer-

Der tägliche kleine Kampf um Unabhängigkeit und Pressefreiheit

82 /// Fazit Oktober 2013

den Sie in einer abgeschwächten Variante lesen, dass sie beim Immobilienkauf besonders auf die Lage achtgeben müssen, weil diese wie ein Turbo oder wie eine Bremse auf die künftige Wertentwicklung wirken kann. Natürlich rufen uns immer wieder Werbekunden an, um sich über den einen oder anderen Artikel oder Kommentar aufzuregen. Auch das kann unsere Unabhängigkeit in Bedrängnis bringen, doch meist sind wir stark genug, um uns solchen Argumenten zu widersetzen. Die Anrufer lassen sich ohnehin meist mit dem Hinweis beruhigen, dass sie froh darüber sein sollen, dass ihre Werbung in einem polarisierenden Umfeld erscheint, weil das eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sie wahrgenommen wird. Denn für uns gibt es nur Leser und Nichtleser. Sogenannte Querleser gibt es nicht. Die sind eine reine Marketing-Erfindung. Auch die Tatsache, dass wir in Zeiten eines schrumpfenden Printmarktes ständig auf der Suche nach neuen Erlösquellen sind, macht die Sache mit der Pressefreiheit und der Unabhängigkeit nicht einfacher. Zu welchen Grenzüberschreitungen dürfen wir uns in Zusammenhang mit Advertorials unserer Schaltkunden gerade noch hinreißen lassen? Und was ist mit unserer Unabhängigkeit und Unparteilichkeit tatsächlich nicht mehr vereinbar? So verzichten wir regelmäßig auf gutes Geld, weil wir uns weigern, die Titelseite zu verkaufen. Und selbstverständlich sind auch alle anderen nicht als Werbung gekennzeichneten Inhalte von der Redaktion und nicht vom Verkauf bestimmt. Guter Journalismus muss wahrhaftig sein. Wer regelmäßig publiziert, kennt das Dilemma. Wie undramatisch darf das, worüber wir berichten, sein? Und so sind wir alle in gewissem Maße durch einen »Alarmismus« geprägt, der zumindest Leser verspricht. Den Euro gibt es trotz zahlreicher Warnungen immer noch und auch der Klimawandel hat es doch nicht ganz so eilig, wie wir mitunter behaupten. Und dann gibt es noch einen ganz anderen Bereich, der unsere Unabhängigkeit und damit die Pressefreiheit gefährdet. Alles, was von den Banken- oder Industrielob-

bys kommt, ist automatisch des Teufels und damit besonders hinterfragbar. Wir begrüßen diese kritische Distanz, sind jedoch stolz darauf, im Gegenzug zu den meisten Kollegen auch jene Dinge kritisch zu analysieren, die von den Lobbys und Nichtregierungsorganisationen aus dem Sozial- und Umweltbereich an uns herangetragen werden. Als Wirtschaftsmagazin haben wir es Gott sei Dank etwas einfacher, uns gegen die Indoktrinierungen von Gewerkschaften, Armutskonferenzen, Umwelt- und Sozialverbänden etc. zur Wehr zu setzen. Aber grundsätzlich machen wir uns schon sehr verdächtig mit unserer Meinung, dass die Einkommen doch nicht so ungleich verteilt sind, wie alle sagen, oder dass faire Bildung noch lange nichts mit guter Bildung zu tun haben muss. Die redaktionelle Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, das täglich verteidigt werden muss. Sie hängt untrennbar mit Pressefreiheit, Wahrhaftigkeit und Auflehnung gegen jegliche Art von Konformismus zusammen. Und weil wir uns nicht nur der politischen Korrektheit, sondern auch unserer eigenen Unabhängigkeit verpflichtet fühlen, wird etwa das »Binnen-I« im Fazit auch in Zukunft nur in bezahlten Advertorials vorkommen. Und auch auf das Recht gegen jeglichen Gesinnungsdruck anzuschreiben, werden wir nicht verzichten.

Sie erreichen die Autoren unter christian.klepej@wmedia.at johannes.tandl@wmedia.at Wir lesen uns wieder am 23. Oktober 2013!


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