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Hörer
Fotos: Georg Lemberg, Cl ar a Zal an, Manu Theobald, Privat (2), K atja Mayer
Christian Scheib, was wird das denn werden? „ Ich habe versucht, immer wieder Projekte des RSO zu erfinden, die nicht dem Typus entsprechen, für den man das Orchester zu kennen glaubt. Das Orchester liebt solche seltsamen Dinge. Wir haben ja schon einmal in Kooperation mit Paul Weninger und anderen Choreografen einen getanzten Abend mit den ‚Orchester-Miniaturen‘ veranstaltet, man denkt auch nicht als Erstes daran, dass wir mit FM4 und einer Band aus Kalifornien etwas unternahmen. Wir hatten einmal schon die verrückte Idee geboren, so etwas wie einen RSOBall zu machen, aber wir haben mit unseren Ressourcen nicht die Mittel, einen Ball zu organisieren. Als Matthias Lošek sagte, er hätte gern einen Schwerpunkt Tanz, sagte ich ihm, da machen wir jetzt Ernst. Wir machen nicht nur irgendeine Reflexion über Tanz und auch nicht vorgeführten Tanz einer Tanzgruppe, sondern wir machen sozusagen eine Hommage an das, was ein Ball ist. Wir tun auch nicht so, als ob es nicht die Wiener Erwartungshaltung dazu gäbe. Im Parterre des Großen Saals wird es keine Sessel geben, höchstens ein paar Tische, bei denen man stehen kann. Man kann herumgehen, man soll tanzen. Vor der Bühne wird eine Tanzfläche sein. An die Kom-
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Von oben: Cornelius Meister, der Dirigent des RSO, und die Komponisten der Tanznacht (nicht im Bild: Johann Strauß): Arturo Fuentes, Johanna Doderer, Gerald Resch, Franz Hautzinger, Zeynep Gedizlioğlu, Gerhard E. Winkler, Patrick Pulsinger, Reinhard Fuchs
Konzerthaus-Saals aus „Wien Modern bittet zum Tanz“
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ponisten haben wir geschrieben: Nur, wenn das Publikum als tanzendes auf der Tanzfläche bleibt, ist das Stück gut.“ Hier wird das „Betriebsgeheimnis“ gelüftet, wie es als schriftliche Aufforderung in den Aufträgen an die Komponisten erging: „Tanzmusik. Also wirklich Musik zum Tanzen. Komponiert von zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten für das RSO Wien und Wien Modern. Mit dem Publikum auf dem Tanzparkett statt in Sesselreihen. Das ist die Herausforderung dieses Abends für das Publikum, für das Orchester und für die Komponist/-innen. Tanzmusik für Fortgeschrittene, aufbereitet im tanzbaren Format von plus/minus drei Minuten, am Abend dramaturgisch fein durchmischt mit manch orchestraler Preziose aus der Tanzhistorie.“
„Alles Walzer!“ Die Prämisse aller folgenden Uraufführungen: Das Parkett bleibt gefüllt. Nur tanzende Hörer sind gute Hörer. Vor Beginn des Tanzens, den die Sektkellerei Szigeti mit einem Glas Sekt für alle Gäste zur Eröffnung sponsert, spielt das RSO zum „Aufwärmen“ eine Hommage an die Wiener Tradition, nämlich die „Straussiana“ von Erich Wolfgang Korngold. Anfangen wird es dann wahrscheinlich mit einem Stück von Johan-
na Doderer, das den simplen Titel „Ein Walzer“ trägt. Damit klar wird: „Bühne frei, alles Walzer!“. Bei der Auswahl der Komponisten ging es um eine heterogene Mischung „zwischen denen, die wir auch sonst in den Konzerten spielen“, und Leuten wie Franz Hautzinger oder Hannes Löschel. Diese Uraufführungen werden im Laufe des Abends unter Stücke von Kurt Schwertsik, HK Gruber und Friedrich Cerha gemischt, von Schwertsik gibt es eine ganze Menge, etwa eine „Wien 1848“-Polka-Reminiszenz, von Cerha einen Galopp plus dessen „Kleine Pizzicato-Polka“. Wolfgang Rihm hat einen Sehnsuchtswalzer geschrieben, und HK Gruber steuert von jenseits des Atlantiks einen „Manhattan Broadcasts“-Foxtrott bei. Neben dem Walzer von Johanna Doderer liefert Reinhard Fuchs einen „wake-up call“, Gerald Resch eine Bossa Nova, Gerhard Winkler eine Polka, auf einen Mambo von Arturo Fuentes folgt ein „Tango für Orchester“ von Astor Piazzolla. Nicht zu vergessen eine neue „Monadologie XXIII“ von Bernhard Lang, Beiträge von Franz Hautzinger und Patrick Pulsinger, „Moderne Zeiten à la Charlie Chaplin“ von Hannes Löschel, es bleiben als Zugaben natürlich auch Johann Strauß’ Donauwalzer und dessen „Delirienwalzer“. F