SPECIAL
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GRÜNDEN IN WIEN
gelcamp Wien ihrem ,Entrepreneurs in Residence‘Programm ja bereits vor. Wo sehen Sie das größte Potenzial für die Wiener Start-up-Szene? Kinsky: Noch hat Wien nicht die Relevanz von Berlin oder London in der internationalen Start-up-Szene – Betonung auf noch. Wien hat eine ungeheure Lebensqualität, die zieht bei GründerInnen. Wenn wir es schaffen, internationale InvestorInnen nach Wien zu holen – wobei hier aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen die Politik gefordert ist –, und es GründerInnen rechtlich und steuerlich noch leichter machen, steht einer neuen Gründermetropole nichts mehr im Wege.
Illustration: Friederike Hofmann
Herr Bittner, wie funktioniert das Cisco-Programm EIR? Martin Bittner: Entrepreneurs in Residence ist eine wichtige Säule in unserem Innovations-Framework, das aus eigener Forschung, Unternehmenskäufen und vielen Arten von Partnerschaften besteht. Wir scouten mit EIR in ganz Europa die besten Start-ups zu Themen, die wir für besonders zukunftsträchtig
Philipp Kinsky, Rechtsanwalt und Business Angel
halten, und selektieren fünf Unternehmen. Diese Teams arbeiten dann mit uns die nächsten sechs Monate mit dem Ziel, die optimalen Synergien mit unseren etablierten Produkten und Lösungen zu finden. Perfekt läuft es, wenn das Start-up auf unserer Preisliste landet und so weltweit verkauft wird. Warum wurde für die Europapremiere ausgerechnet Wien gewählt? Bittner: Cisco hat Initiativen in vielen Regionen weltweit. Für Wien als Startpunkt spricht jedenfalls der Zugang zum enormen Talentpool der CEE Region. Was meistens fehlt, ist die Fähigkeit, sich auf dem internationalen Parkett zu behaupten – und genau das können wir ergänzen. Auch hat uns die Wirtschaftsagentur Wien angeboten, die Innovationen
unserer EIR-Unternehmen aktiv bei den Unternehmen der Stadt vorzustellen. Welche internationalen Start-ups sind beim ersten EIR-Programm von Cisco in Wien dabei?
Martin Bittner, Direktor Business Development bei Cisco
Aus England haben wir Mentat Innovations dabei, die Anomalien in Daten erkennen können, ohne sie zu speichern. Graphmasters aus Lausanne und Hannover kombinieren Verkehrsnavigation mit Logistiklösungen in Echtzeit. Dadurch können unter anderem Staus vermieden und CO2 eingespart werden.. ICE Gateway aus Berlin bringt beim Austausch von stromsparenden LEDStraßenlampen auch eine intelligente Box in den Lichtmast, die WLAN, Verkehrssteuerung, Parkmanagement und Sicherheitslösungen ermöglicht. MammouthDB aus Sofia haben eine superschnelle Datenbank und gerade eine Investitionsrunde über 1,6 Millionen Euro mit 3TS abgeschlossen. Aus Wien sind Flatout Technologies im Programm, als Experten für ‚Smart Home‘ – also virtuelle Steuerung. Sie haben hier Pionierarbeit geleistet. Wie sehen die Ergebnisse aus?
Bittner: Wir sind wirklich stolz, dass
wir für alle fünf Firmen klare Anwendungsfälle gefunden haben. Es ist der erste Durchgang gewesen, ein Innovations-Dschungelcamp, quasi! Wird es künftig weitere Programme geben? Auch in Wien? Bittner: Ja, wir haben nach dem Erfolg des ersten Programms die Neuauflage ‚Entrepreneurs in Residence‘ gestartet und durch die Hilfe von PIONEERS überwältigende 750 Anmeldungen bekommen – wow! Wien wird wieder das ‚Launch-Pad‘ sein. Wir werden jeden Monat in eine andere Stadt ziehen: Barcelona, London, Tel Aviv, Paris und Berlin.
Interviews: Christian Zillner