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SPECIAL

Gruenden in Wien Cover-RZ.pdf

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17.05.15

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e n t g e l t l i c h e Ve r l a g s b e i l a g e z u F a l t e r 2 3 , 2 0 1 5

Illustration: Friederike Hofmann

• Gründen in Wien •

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12. Juni 2015: Wiener Start-up Tag • • • • • • •

G u t e G r ü n d e f ü r G r ü n d e n i n W i e n Junge Unternehmen geben Einblicke Vo n d e r U n i i n d i e S e l b s t s t ä n d i g k e i t Tipps für gründende Studierende W o s t e h t d i e W i e n e r S t a r t - u p - S z e n e ? Die Sicht von Investoren und Unterstützern E i n e G a s s e v o l l e r G r ü n d u n g s - S p i r i t Die Reindorfgasse im 15. Bezirk W i e m a n s e i n e I d e e r i c h t i g v e r k a u f t Über das Phänomen Pitching W i e n e r W e r k r ä u m e Lokalaugenschein in verschiedenen Co-Working-Spaces S o c i a l E n t r e p r e n e u r s h i p Die Wiener Szene sozialer Unternehmen


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Gründen in Wien

Warum „Gründen in Wien“?

Was Start-ups nach Wien zieht und warum es einen eigenen Tag für sie gibt

icht nur Wiens zentrale Lage in Europa, auch seine hohe Lebensqualität, soziale Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität sind Gründe, warum sich hier immer mehr innovative Unternehmen ansiedeln. Laut den Ergebnissen der Studie „Start-up Location Vienna“, die 2014 PGM research consulting im Auftrag der Wirtschaftsagentur Wien und Wirtschaftskammer durchgeführt hat, steigt die Zahl an Start-up-Gründungen in Wien von Jahr zu Jahr rasant an. Waren es 2010 5,2 Prozent aller Neugründungen, lag der Anteil 2013 bei 7,6 Prozent. „Wien hat mit den Bundes- und Landesförderungen eine sehr gut ausgebaute Förderlandschaft, die auch im internationalen Vergleich höchst attraktiv ist“, sagt Gabriele Tatzberger. „Hervorzuheben sind auch unsere Angebote für GründerInnen. Bei uns gibt es von Beratungen und Workshops über finanzielle Förderungen bis hin zu Immobilien alles rund ums Gründen. In anderen Städten durchaus keine Selbstverständlichkeit.“ In den letzten sieben Jahren hat sich das Netzwerk an AkteurInnen

Gabriele Tatzberger:

sehr dynamisch entwickelt. CoWorking-Spaces entstehen überall in der Stadt. Hier findet man schnell Anschluss oder MentorInnen und knüpft leicht Kontakte. Viele Startups wählen Wien als Standort, um unkompliziert und kostengünstig ihre Ideen umsetzen zu können. Auch können sie diese auf dem überschaubaren österreichischen Markt einfacher testen. Außerdem schätzen sie nützliche Veranstaltungen, Branchentreffs, Networking und Events wie den „Gründen in Wien“Tag der Wirtschaftsagentur. „Wir freuen uns sehr“, sagt Tatzberger, „dass wir zusammen mit Stakeholdern, Initiativen und Unternehmen bei diesem gemeinsamen Tag der offenen Tür die Vielfalt der Start-upSzene in Wien zeigen können!“ Hier stellen wir drei erfolgreiche Wiener Start-ups vor. Im Heft folgen dann weitere – und noch mehr kann man beim Tag der offenen Tür kennenlernen.

„Gründen in Wien“, Tag der Wiener Start-up-Szene: 12. Juni 2015 www.wirtschaftsagentur.at www.gruendeninwien.at

„Wir fördern die Vielfalt der Start-up-Szene“

Pure Living Bakery:

die zweite Location in Wien in der Burggasse im siebten

Flugbegleiterin startet

Mit den Cafés der Pure Living Bakery will Kirsten Pevny

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enn man sich selbstständig machen möchte, ist es am besten, sich mit jemanden zusammenzusetzen, der ein ähnliches Unternehmen umgesetzt hat“, meint Kirsten Pevny. Ihre Firma Pure L ­ iving Bakery gründete die Hotelfachschulabbrecherin aus Hietzing 2007 in Wien. Sie verließ Österreich mit achtzehn, arbeitete als Flugbegleiterin bei Lufthansa, bereiste die halbe Welt – und entdeckte dabei viele tolle Kaffeehäuser. „Besonders die Cafés in Kalifornien und Kapstadt

haben mich fasziniert“, sagt Kirsten Pevny. „Die freundliche, helle Atmosphäre, die Leichtigkeit.“ Ihr erstes Geschäftslokal „Bakery ­Village“ eröffnete Pevny in Hietzing. Auf 50 Quadratmetern bot sie Kaffee, selbst gebackenen Kuchen und ­Möbel an. An ihren freien Tagen. Denn nebenher flog sie noch weitere fünf Jahre für Lufthansa. „Downtown“, die zweite „Bakery“, eröffnete sie vor zwei Jahren im 7. Bezirk. Die Fotos auf den Wänden stammen von ihren Reisen, die Rahmen aus Südafrika und die Möbel, die hat sie selbst

Fotos: Karin Wasner, Pure Living Bakery

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Gründen in Wien

SPECIAL

Accessoires für IT-Gadgets

Was die Modeindustrie übersehen hatte, öffnete den GründerInnen von Urban Tool den Weg zum Erfolg

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Bezirk. Die Bilder an den Wänden hat Pevny von ihren Reisen mitgebracht

mit Bakery durch

ein Mann Kurt kaufte sich Ende der neunziger Jahre einen Nokia-Communicator. Ein riesiges Ding! Damit er es bei sich tragen konnte, schneiderte ich ihm einen Holster dafür.“ Dass daraus ein Erfolgsprodukt werden würde, ahnte Sabrina Tanner damals nicht. Doch viele Freunde und Bekannte fanden die Tragtasche praktisch. Der Zuspruch war die Initialzündung für die Industriedesigner Antja Herwig, Sabrina und Kurt Tanner, daraus ein neues Produkt zu entwickeln. Sie sollten damit tatsächlich eine Marktlücke füllen. Als nämlich der Gebrauch von Mobilgeräten im Alltag mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit wurde, erkannte die Modeindustrie den Trend nicht rechtzeitig. „Wir haben überlegt, wie man die Geräte am sinnvollsten in der Bekleidung unterbringen kann“, erklärt Sabrina Tanner. „Dabei haben wir unterschiedliche Menschenty-

pen, Gerätegrößen und Situationen berücksichtigt.“ Das Designer-Team entwickelt auch einen Mechanismus, mit dem es möglich ist, die Tasche, „sportHolster“ genannt, nur mit einer Hand zu bedienen. Eine dehnbare Überlappung erlaubt es, das Gerät schnell zu verstauen oder herauszunehmen. Für den sportHolster erhielten sie 2004 bei der internationalen Sportmesse ISPO den Hauptpreis für Sport-Accessoires: einen Messestand. Die Jury-Begründung: Die perfekte Antwort auf den derzeitigen Trend der Verbindung von Street Wear und Technologie. Und ein ideales Accessoire für den Outdoor-Sport. „Wir dachten uns: Wird das Feedback auf der Messe gut, gründen wir eine Firma“, lacht Tanner. Und so gibt es jetzt Urban Tool.

www.urbantool.com

das Flair der weiten Welt nach Wien bringen

ausgewählt und abgeschliffen. „Wir haben uns auf Kaffee und Kuchen spezialisiert und bilden auch selber Barister aus.“ Und die Auswahl an Kuchen ist groß: An Wochenenden gibt es 24 verschiedene!

Bakery Village, 13., Altgasse 12, Do bis Fr 7–19 Uhr, Sa, So, Fei 10–19 Uhr Downtown, 7., Burggasse 68, Mo bis Fr 9.30–19 Uhr, Sa, So, Fei 10–19 Uhr www.purelivingbakery.com

Programmpunkt Programmpunkt

Gründen in Wien: 12. Juni 2015

Foto: Eva Blsakova

Der Verein Wirtschaft für Integration lädt vom 11 bis 13 Uhr zu einer ­Diversity-Tour durch den 7. Bezirk ein. Stationen: Ausgangspunkt in der

Theobaldgasse ist Anzüglich organic and fair (Mode); We Bandits (Mode, Schuhe und Accessoires); Biber Verlag; Pure Living Bakery (Café); The Vienna Globe (Reflexionsraum und Ideenwerkstatt). www.gruendeninwien.at

Kurt Tanner

im Urban-Tool-Geschäft am Margaretenplatz im 5. Bezirk


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GRÜNDEN IN WIEN

Die Shopping-App Meinkauf macht Werbemittel des Einzelhandels am Handy zugänglich

Markus Prinz: „Eine Shopping App kreieren und die Werbemittel digital zugänglich machen“

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ür uns hat sich Wien als idealer Standort bewährt. Hier fanden wir wichtige Arbeitsressourcen und Menschen, die Sprachen sprechen,

die wir für unser Unternehmen benötigen“, so die Meinkauf-Gründer Markus Pichler und Markus Prinz. Die beiden Betriebswirte haben sich bei Daily Deal, einem CouponingPortal, den Markus Pichler mitbegründet und mitaufgebaut hat, kennengelernt. Nach dem Verkauf an Google 2011 stiegen Pichler und Prinz aus dem Unternehmen aus. Auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee sahen sie sich auf dem internationalen Markt um und entdeckten eine Branche, „die es noch nicht in das digitale Zeitalter geschafft hat“: das Einzelhandel- und Retail Marketing. „Diese Branche hatte in den letzten Jahren wenig Veränderung erfahren. Ihre Werbung war noch immer sehr printlastig. So entstand die Idee, eine Shopping App zu kreieren und die Werbeprospekte und Flugblätter den Benützern von Smartphones und Laptops in digitaler Form zugänglich zu machen.“ Anfangs diente den zwei das Wohnzimmer als Office, später die Wohnung eines Freundes, dann ein Share-Office-Space. Mittlerweile beschäftigt das Start-up-Unternehmen sechsundzwanzig Mitarbeiter und hat ihren Sitz in Wien, der Türkei und Ungarn. Und seit dem Vorjahr wird fleißig an der Umsetzung von Cashback-Couponing gearbeitet, einem ihrer weiteren Leistungspakete.

www.meinkauf.at

PROGRAMMPUNKT Gründen in Wien: 12. Juni 2015

Clusterhaus: lädt in die Siebenbrunnengasse 17, 1050 Wien.

12–13 Uhr Workshop „Content is King“. 13–14 Uhr Talk „Warum glühe ich für Start-ups“. 15–15.30 Uhr Networking – „Innovatoras stellt sich vor“. www.gruendeninwien.at

Von der Uni in

Nur drei Prozent der Studierenden gründen ein eigenes

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ie Freiheit etwas auszuprobieren ist einfach größer. Es gibt vermutlich noch keine feste Anstellung und kein fixes Gehalt. Das bewusst aufzugeben, fällt später oft nicht leicht“, sagt Ingeborg Sickinger. Sie ist Geschäftsführerin des Alumni-Verbands der Uni Wien. Die Phase um das Ende des Studiums biete sich daher besonders für eine Unternehmensgründung an. Als günstig dafür erweisen sich die niedrigen Lebenshaltungskosten, meint Rudolf Dömötör, Direktor des Entrepreneurship Center Network (ECN) an der WU Wien. „So lassen sich die ersten Phasen, in denen das neu gegründete Unternehmen noch nicht so viel bzw. kein Geld abwirft, besser aushalten.“

Die Universitäten bieten

AnfängerInnen Startvorteile „Selbstständigkeit ist kein NineTo-Five Job, sondern ein 24/7-Programm“, sagt Birgit Hofreiter, Direktorin des Informatics Innovation Center der TU Wien. Neben einer Menge Energie und Einsatzbereitschaft braucht es auch entsprechende Vorbereitung. Ingeborg Sickinger: „Der Schritt in die Selbstständigkeit sollte nicht unvorbereitet geschehen. Das Entwickeln der Geschäftsidee, eine realistische Businessplanung und die Unterstützung durch Netzwerke sind wichtig.“ Studierende und AbsolventInnen können auf das Netzwerk Universität zugreifen. Wie die Geschichte von Facebook oder anderen Start-ups zeigt, lassen sich dort potenzielle MitgründerInnen finden. Die Universität bietet auch Zugang zu neuem Wissen und erleichtere den Transfer von „frischem“ Know-how aus der Uni auf den Markt, so Dömötör.

Auch bieten immer mehr Universitäten Entrepreneurship-Programme. Samt Expertise erfahrener GründerInnen aus dem Alumni-Netzwerk. „Verglichen mit anderen Bildungswegen, erfordert ein Universitätsstudium ein hohes Maß an Selbstorganisation, Eigenmotivation und Selbstständigkeit. Das sind Eigenschaften, die gerade beim Weg in die Selbstständigkeit von Vorteil sind“, sagt Ingeborg Sickinger. „Dass an den Universitäten nicht nur fachspezifisches Wissen vermittelt, sondern auch die Befähigung zu abstraktem Denken gefördert werde, sei zukünftigem Unternehmertum ebenfalls zuträglich“, ergänzt Hofreiter. Business-Angels – das sind Investoren, die Start-ups mit Knowhow und Kontakten unterstützen – würden darüber hinaus gern mit jungen, lernfähigen Teams zusammenarbeiten.

Typische Fehler von AnfängerInnen

Selten läuft eine Unternehmensgründung vollkommen reibungslos. Häufig ist die Planung unrealistisch oder die Geschäftsidee noch nicht klar genug definiert. „GründerInnen stehen häufig unter dem Eindruck, alles selber machen zu

Foto: Jan Grombirik; Illustration: Friederike Hofmann

Shopping im digitalen Zeitalter


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Gründen in wien

SPECIAL

die Selbstständigkeit

Unternehmen. Dabei gibt es viele gute Gründe, den Schritt zum/zur UnternehmerIn zu wagen

müssen, statt ProfessionalistInnen für spezifischen Aufgaben – Buchhaltung, Webdesign oder Marketing – zu engagieren“, erklärt Sickinger. Die mangelnde Erfahrung zeigt sich oft auch in einem zu produktorientierten Handeln, das die KundInnen-Seite zu wenig berücksichtigt. Auch fehlen Erfahrungswerte bei der Preisgestaltung: Was muss ich verlangen? Wie groß ist mein Spielraum? Und im Umgang mit potenziellen PartnerInnen gibt es häufig Lernbedarf: Nicht selten scheitert eine ausgeklügelte Geschäftsidee an einer schlechten Präsentation. Der beste Rat an Start-ups ist, systematisch vorzugehen und sich Expertise ins Boot zu holen, über die man selbst nicht verfügt. Im ersten Schritt sollten die eigenen Defizite festgestellt werden. Dann muss man sich überlegen, wie man sich das nötige Know-how am besten sichert. „Etwa über qualifizierte Co-GründerInnen. Auch Mentoren und Advisors sind ein wichtiger Bestandteil eines solchen Gründungs-Teams“, sagt Hofreiter. Die Netzwerkaktivitäten der Startup-Community ermöglichen es, von den Erfahrungen anderer JunggründerInnen zu profitieren.

Beratung ist die beste Basis

„In Wien gibt es für jede Phase der Gründung, von der Ideenfindung, Ausarbeitung bis hin zu Förderung und Finanzierung, ein reichhaltiges Angebot an Beratung, Workshops und Programmen“, sagt Rudolf Dömötör. Die ersten Schritte leiten die Universitäten häufig mit eigenen Start-up-Angeboten in die Wege: etwa „u:start“ der Universität Wien, mit der „i2c“ StartAcademy der TU Wien oder dem Kurs „Garage“, der vom Institut für Entrepreneurship und Innovation der WU Wien gemeinsam mit der BOKU Wien und der TU Wien angeboten wird.

Weiterführende Partner sind die Wirtschaftsagentur Wien, die Wirtschaftskammer, ECN oder INiTS, der universitäre Inkubator in Wien. Er bietet neben Trainings, Förderungsmöglichkeiten und Netzwerkaktivitäten auch Office-Infrastruktur zu günstigen Konditionen. Eine Übersicht über Finanzierungsmöglichkeiten ist auf dem Portal von AustrianStartups zu finden. Da alle UnternehmensgründerInnen über basale betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen sollten, gibt es eine breite Palette an Workshops und Bootcamps. Betriebswirtschaftliches ExpertInnenwissen sollte bei jeder Gründung mit an Bord sein. Kooperationen zwischen Studierenden mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten sind daher sinnvoll.

Und wenn es doch 

einmal schiefgeht? „In Österreich ist die Kultur des Scheiterns noch nicht etabliert. Es gibt aber einen gewissen ,Welpenschutz‘“, erklärt Birgit ­Hofreiter. „Sollte ein Start-up scheitern, dann richtet das im Lebenslauf am

e­ hesten direkt nach dem Studium den geringsten Schaden an.“ Rudolf Dömötör rückt einen anderen Aspekt in den Vordergrund: „Selbst wenn es mit der Gründung nicht klappt, können die unternehmerischen Erfahrungen sehr wertvoll sein. Entweder für das nächste Gründungsprojekt oder als MitarbeiterIn in einem anderen Unternehmen. Unternehmerisch denkende Personen sind am Arbeitsmarkt immer gefragt.“ Für eine frühe Unternehmungsgründung sprechen aber nicht nur der verhältnismäßig geringe Preis des Scheiterns, sondern vor allem die positiven Rahmenbedingungen, die Start-ups in Wien vorfinden.  Text: Werner Sturmberger

Programmpunkte

Illustrationen: Friederike Hofmann

Gründen in Wien: 12. Juni 2015

INiTS ist ein universitäres Gründerservice. Der BusinessInkubator hat das Ziel, die Erfolgswahrscheinlichkeit von innovativen Start-ups zu erhöhen. In seinem Inkubationsprogramm stellt er Start-ups Hands-on-Unterstützung, Zugang zum INiTS Netzwerk und Büroräumlichkeiten zur Verfügung. 9.30–11 Uhr in der Graumanngasse 7/

Stiege B/5. Stock der Workshop „How to start a Start-up“. 11–12.30 Uhr Pitching Session „Meet the Entrepreneurs“.

9–14 Uhr am Welthandelsplatz 1 Programm zu „Think Outside the Box“ und „Meet the Experts“. 15.30–17 Uhr Pitching Session im MQ.

Entrepreneurship Center Network (ECN) ist eine Plattform zur fächerübergreifenden Vernetzung und Förderung von Unternehmertum im universitären Bereich. Sie vernetzt Studierende verschiedener Fachdisziplinen und Universitäten.

Informatics Innovation Center (i²c) der Fakultät für Informatik der TU Wien schließt die Lücke zwischen universitärer Forschung und den Inkubatoren bzw. Förderstellen der Stadt Wien/ Österreichs sowie potenziellen Investo-

ren. Die i²c StartAcademy ist ein Startup-Bootcamp für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Center organisiert ein dreisemestriges Ergänzungscurriculum im Ausmaß von 30 ECTS zum Thema Innovation und Entrepreneurship im Master-Studium. 14–17 Uhr Pitching Session beim Infopoint am Karlsplatz. www.gruendeninwien.at


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Gründen in Wien

Innovations-Dschun Der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien Gerhard Hirczi, der Rechtsanwalt und Business Angel Philipp Kinsky und der Direktor von Business Development bei Cisco Martin Bittner im Gespräch über die Entwicklung der Wiener Start-up-Szene

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Wie viele Start-ups werden in Wien gegründet? Hirczi: Diese Frage haben wir uns auch gestellt, nirgendwo Antworten gefunden und daher selbst die erste Studie zu dem Thema beauftragt. Wir wissen jetzt, dass in Wien seit 2010 mehr als 2.000 Start-ups gegründet wurden, Tendenz steigend. Wir wissen auch, dass Start-ups mehr Arbeitsplätze schaffen als ,klassische‘ Gründungen. So beschäftigt ein Drittel der Start-ups bereits bei der Gründung MitarbeiterInnen.   Gibt es vermehrt auch internationale Investoren? Hirczi: Wien ist keine klassische Investorenhochburg. Aber die Qualität der Start-ups und zusätzliche Standortaktivitäten setzen immer deutlichere Duftmarken, die für Anziehung sorgen. Projekte wie das EIR Programm von Cisco oder das Pioneers Festival tragen natürlich auch dazu bei. Bürgermeister Häupl möchte Wien

­­­ www.­ hkincube.at – haben wir unserer Start-up-Beratungspraxis nun einen eigenen Namen gegeben. Was machen Sie als Mitglied der

AAIA, der Austrian Angel Investors

Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien

Im Rahmen des Cisco-Programms  EIR arbeiteten fünf  internationale  Start-ups in Wien

zum Science Hub machen. Welche Rolle spielen die Start-ups dabei? Hirczi: Start-ups spielen im Innovations- und Wissenschaftsgeschehen eine immer größere Rolle. Die Zahl der forschenden Unternehmen am Standort Wien hat sich seit der Jahrtausendwende verdreifacht, viele davon sind Start-ups. Was erwarten Sie sich vom kommenden Tag der offenen Tür der Startups? Hirczi: Ich freue mich darauf, dass der positive Spirit der Start-up-Szene in die Stadt hinausgetragen wird, und hoffe, dass sich dieser Geist weiterverbreitet. Davon profitiert die Wirtschaft, aber auch die Stimmung in der Stadt.   Herr Kinsky, was hat eine Rechtsanwaltskanzlei mit Wiener Start-ups zu tun? Philipp Kinsky: Mit über 200 betreuten Start-up-Projekten in den letzten zehn Jahren sind wir Herbst Kinsky Rechtsanwälte heute einer der führenden Start-up-Rechtsberater in Österreich. Mit dem rechtlichen ­Inkubator HK Incube –

Association? Kinsky: Die AAIA ist die nationale Interessenvertretung von Business Angels und Angel Investors in Österreich. Sie fördert das Bewusstsein für Angel Investments in Österreich und vernetzt erfahrene Business Angels mit Menschen, die es werden wollen. Wie entwickelt sich die Start-upSzene? Kinsky: Auffällig ist, dass das Thema nun auch politisch stärker wahrgenommen wird. Hier sind Stichworte wie ,Gründerland-Strategie‘, Mittelstandsfinanzierung und Crowdfunding-Gesetz zu nennen. Ich hoffe, dass unser Finanzminister endlich aufspringt und die entsprechenden steuerlichen Rahmenbedingungen schafft. Seit 2013 ist ein deutlicher Boom bei Höhe und Anzahl der Investments in Wiener Start-ups sichtbar. Warum sollte jemand in die Wiener Start-up-Szene investieren? Kinsky: Weil diese Szene stark wächst und die Rahmenbedingungen in Wien für solche Investitionen immer besser werden. Dynamische GründerInnen gab es schon immer, nur können die Start-ups ihre Ideen aufgrund des derzeitigen Investmentangebots, der wachsenden Szene und dem daraus resultierenden Knowhow-Transfer nun auch vermehrt umsetzen. Diesen Trend sollten auch Industrieunternehmen keinesfalls verpassen. Cisco macht es mit

Fotos: Karin Wasner, Privat, Nora Friedel

err Hirczi, der erste Tag der offenen Tür für Start-ups der Wirtschaftsagentur fand letztes Jahr statt. Was ist Ihnen als besonders in Erinnerung geblieben? Gerhard Hirczi: Wirklich beeindruckt hat uns die extrem positive Resonanz aus der Community selbst – proaktiv, kooperativ, optimistisch. Wir hatten über 3.000 Teilnehmende. Es war also schnell klar, dass wir weitermachen. Veränderung und Weiterentwicklung sind Teil der DNA dieser Szene. Es tut sich enorm viel, vor allem im internationalen Bereich. Wir spüren das deutlich bei unseren Ansiedlungsprojekten. Wien zieht immer mehr Start-ups an.


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GRÜNDEN IN WIEN

gelcamp Wien ihrem ,Entrepreneurs in Residence‘Programm ja bereits vor. Wo sehen Sie das größte Potenzial für die Wiener Start-up-Szene? Kinsky: Noch hat Wien nicht die Relevanz von Berlin oder London in der internationalen Start-up-Szene – Betonung auf noch. Wien hat eine ungeheure Lebensqualität, die zieht bei GründerInnen. Wenn wir es schaffen, internationale InvestorInnen nach Wien zu holen – wobei hier aufgrund der fehlenden Rahmenbedingungen die Politik gefordert ist –, und es GründerInnen rechtlich und steuerlich noch leichter machen, steht einer neuen Gründermetropole nichts mehr im Wege.

Illustration: Friederike Hofmann

Herr Bittner, wie funktioniert das Cisco-Programm EIR? Martin Bittner: Entrepreneurs in Residence ist eine wichtige Säule in unserem Innovations-Framework, das aus eigener Forschung, Unternehmenskäufen und vielen Arten von Partnerschaften besteht. Wir scouten mit EIR in ganz Europa die besten Start-ups zu Themen, die wir für besonders zukunftsträchtig

Philipp Kinsky, Rechtsanwalt und Business Angel

halten, und selektieren fünf Unternehmen. Diese Teams arbeiten dann mit uns die nächsten sechs Monate mit dem Ziel, die optimalen Synergien mit unseren etablierten Produkten und Lösungen zu finden. Perfekt läuft es, wenn das Start-up auf unserer Preisliste landet und so weltweit verkauft wird. Warum wurde für die Europapremiere ausgerechnet Wien gewählt? Bittner: Cisco hat Initiativen in vielen Regionen weltweit. Für Wien als Startpunkt spricht jedenfalls der Zugang zum enormen Talentpool der CEE Region. Was meistens fehlt, ist die Fähigkeit, sich auf dem internationalen Parkett zu behaupten – und genau das können wir ergänzen. Auch hat uns die Wirtschaftsagentur Wien angeboten, die Innovationen

unserer EIR-Unternehmen aktiv bei den Unternehmen der Stadt vorzustellen. Welche internationalen Start-ups sind beim ersten EIR-Programm von Cisco in Wien dabei?

Martin Bittner, Direktor Business Development bei Cisco

Aus England haben wir Mentat Innovations dabei, die Anomalien in Daten erkennen können, ohne sie zu speichern. Graphmasters aus Lausanne und Hannover kombinieren Verkehrsnavigation mit Logistiklösungen in Echtzeit. Dadurch können unter anderem Staus vermieden und CO2 eingespart werden.. ICE Gateway aus Berlin bringt beim Austausch von stromsparenden LEDStraßenlampen auch eine intelligente Box in den Lichtmast, die WLAN, Verkehrssteuerung, Parkmanagement und Sicherheitslösungen ermöglicht. MammouthDB aus Sofia haben eine superschnelle Datenbank und gerade eine Investitionsrunde über 1,6 Millionen Euro mit 3TS abgeschlossen. Aus Wien sind Flatout Technologies im Programm, als Experten für ‚Smart Home‘ – also virtuelle Steuerung. Sie haben hier Pionierarbeit geleistet. Wie sehen die Ergebnisse aus?

Bittner: Wir sind wirklich stolz, dass

wir für alle fünf Firmen klare Anwendungsfälle gefunden haben. Es ist der erste Durchgang gewesen, ein Innovations-Dschungelcamp, quasi! Wird es künftig weitere Programme geben? Auch in Wien? Bittner: Ja, wir haben nach dem Erfolg des ersten Programms die Neuauflage ‚Entrepreneurs in Residence‘ gestartet und durch die Hilfe von PIONEERS überwältigende 750 Anmeldungen bekommen – wow! Wien wird wieder das ‚Launch-Pad‘ sein. Wir werden jeden Monat in eine andere Stadt ziehen: Barcelona, London, Tel Aviv, Paris und Berlin.

Interviews: Christian Zillner


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Gründen in Wien

Die Gasse!

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Nerds, Geeks, Teckies und Hashtaglovers finden in Katja ­Krügers Laden passende Geschenke – und sich zu regelmäßigen Retrogame-Partys ein

ie Reindorfgasse ist so etwas wie das Herz des 15. Be­ zirks. Zumindest des Teils südlich der Westbahn. Ziemlich genau in ihrer Mitte befindet sich die Pfarre Reindorf, ihr Pfarrplatz und direkt daran anschließend das „Quell“, ein g’standenes Wirtshaus. Ein Dorf­ idyll. Nur ein paar Ecken weiter ent­ wickelt sich neues, urbanes Flair in der Reindorfgasse. Eine Gemeinschaft aus Ge­ schäftsleuten, Kunst- und Kultur­ einrichtungen, unterschiedlichsten Initiativen und motivierten Anrai­ nerInnen setzt als Initiative „einfach 15“ neue Akzente im Bezirk. Getreu dem Motto: „Wir leben Vielfalt.“ Von ihr kann man sich am 12. Juni überzeugen. Da lädt die Initia­ tive zu ihrem „einfach 15 Walk“ ein, einer geführten Tour durch die Reindorfgasse mit einfach 15-Initia­ tor Kurt Tanner. Er, der die Gegend und ihre Neuankömmlinge wie kein Zweiter kennt, stellt uns schon jetzt die einzelnen Stationen vor. „Los geht’s um 16 Uhr bei Meta­ ware“, sagt Tanner. Der Laden, nur einige Schritte von der Äußeren Mariahilfer Straße entfernt, bietet

ausgesuchte Geschenke für „Nerds, Geeks, Teckies und Hashtaglovers“: viel Selbstgemachtes und Homma­ gen an die Retro-Videospielkultur. „Auf der Suche nach der ultimativen Begeisterung habe ich all meine Lei­

Programmpunkt Gründen in Wien: 12. Juni 2015

einfach 15 Walk  von der Reindorfgasse zum Sparkassaplatz: 16 Uhr #Metaware (Geschenkwaren), Agentur Pyrker (Medienagentur); 16.30 Uhr Block 44 (Concept Store mit Fashion, Fahrrad und Café); 17 Uhr URBAN TOOL (Accessoires); 17.30 Uhr F®ES©H ( Filmproduktion); 18 Uhr PaperPhine (Papierschnüre und -garne); 18.30 Uhr Mitunter Bunter (Kreativwerkstatt); 19 Uhr Crossfit ACE (Fitness-Training); 19.30 Uhr Irrlicht (Beisl als experimenteller Spielraum). Weitere Walks finden Sie auf www.gruendeninwien.at

denschaften zu meinem eigenen Ge­ schäft gemacht“, sagt Katja ­Krüger über ihren Laden, in dem nicht nur gekauft, sondern bei regelmäßigen Retrogame-Partys auch gespielt werden kann.

Concept Store „Block 44“ und Filmschaffende im Fünften

Direkt gegenüber liegt der Dreiin-einem-Concept-Store Block44: Fashion-Fahrrad-Kaffee. „Bei uns finden Modeinteressierte die Krea­ tionen von ,amateur – la boutique‘. Fahrradliebhaber können ih­ rem ästhetischen Empfinden in der ,FixDich – track bike boutique‘ folgen und eine genussvolle Zeit im angenehmen Ambiente des Cafés ,setz dich‘ verbringen“, sagt Daniel ­Müller. Gemeinsam mit Birgit Ram­ pula und Michael Semann betreibt er den Store. Tanner meint dazu: „Die drei Individualisten bringen ein Stück hippes Berlin nach Wien.“ Die nächste Station ist Urban Tool. Das Unternehmen hat sich in­ novativen Taschen und Accessoires verschrieben. Es ist eine Gründung von Tanner, Anja Herwig sowie

­ abrina Tanner und wird auf Seite S 3 näher erläutert. Hier spricht Kurt Tanner über F®ES©H: „Zwei jung gebliebene Kre­ ative beweisen, dass Jungunterneh­ mertum nichts mit den Lebensjah­ ren zu tun hat. Herzblut und Hirn, das ist ihr Rezept.“ Im Gassenbüro gegenüber vom Kirchenplatz haben sich Babara Weissenbeck mit der Filmwerkstatt und Gerald Benesch als Rechercheur ein kreatives Refugium geschaffen. „Wir arbeiten an Dokumentarfil­ men, bieten aber auch Film- und Schnittseminare für Kinder und Erwachsene. Gerald feilt hier auch gerade an seinem neuen Album“, verrät Weissenbeck.

„Mitunter Bunter“

für kreativ tätige Menschen

„Mein Kreativstudio ist ein Ort für alle Menschen, die sich für Kreativi­ tät interessieren und sich diesbezüg­ lich mehr erlebnis- denn ergebnis­ orientiert weiterentwickeln wollen“, sagt Katharina Morawitzky über ihr Mitunter Bunter. Zu ihrem Angebot zählen Malstunden für Kleinkinder

Foto: Raimund Appel

Metaware.

Auf der Reindorfgasse sind mittlerweile eine ganze Reihe interessanter junger Unternehmen zu entdecken


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Paperphine.

Fotos: Joham, Barbara Weissenbeck, Crossfit, Paperphine, Block 44

Hier wickelt ­Linda Thalham die Welt um den Finger

Filmwerkstatt. Barbara Weissenbeck arbeitet an Dokus

Irrlicht ist ein gemütlliches Beisl ebenso wie ein Raum für künstlerische ­Experimente. Betrieben wird es von Lino Kleingarn und Christina Berzaczy

und Frauenmalgruppen genauso wie das Upcycling Nähcafé. „Katharina bringt Menschen jeden Alters wieder in engeren Kontakt zu ihrer ureigenen Kreativität. Sie inspiriert und ermutigt sie, sich schöpferisch zu betätigen“, ergänzt „Reiseführer“ Kurt Tanner. „Mit Papierschnüren und -garnen wickelt PaperPhine die Welt um den kleinen Finger.“ So beschreibt Linda Thalham ihre Kreationen. Ihre Papierschnüre und Papiergarne verschickt sie in ganz Europa an begeisterte HandwerkerInnen und BastlerInnen. Sie fertigt aber auch filigrane Schmuckstücke wie Gestricktes aus Papier und atemberaubende Papierblumen für KundInnen, die diese speziellen Stücke in ihrem Onlineshop zu schätzen wissen. „Anlässlich unseres Rundgangs werden wir Lindas Kreationen in unserem Pop-up-Raum in der Kellinggasse präsentieren“, sagt Tanner. Über die nächste Station, die er selbst viermal pro Woche aufsucht, verrät er: „Jo und Paloma macht es großen Spaß, ihr Wissen über Training, Ernährung und Fitness

anderen weiterzugeben und sie im CrossFit ACE mit der Begeisterung für Sport und Bewegung anzustecken.“ CrossFit ist ein extrem effektives Fitnesstraining, das in kürzester Zeit fit macht. „Ein motivierendes Bewegungszentrum hat der sichtlich aufblühenden Gegend noch gefehlt, weshalb wir uns schnell für diesen großzügigen Standort gleich beim Sparkassaplatz entschieden haben“, sagt Inhaber ­Johannes Neusser. Auch wenn die Bar in einem ehemaligen Bordell „Irrlicht“ heißt, ist sie für Tanner doch ein „Lichtblick“, der die Menschen hier zusammenbringt. „Wir haben das eröffnet, was wir in Wien gesucht, aber nicht gefunden haben. Eine Mischung aus gemütlichem Beisl, Theaterbar und experimentellem Spielraum“, sagen die BetreiberInnen Christina Berzaczy und Lino Kleingarn über ihre interaktive Bar mit Musik, Performance und Spielen. Einem entspannten Ausklang des Rundgangs steht nun nichts mehr im Weg. Werner Sturmberger

Crossfit. „Ein motivierendes Bewegungszentrum“ nennt Inhaber Johannes Neusser seine Räume für ein extrem effektives Fitnesstraining

Block 44.

Hier betreiben Birgit Rampula, Daniel Müller und Michael Semann eine Modeboutique, eine Fahrradboutique und ein Café


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Gründen in wien

Tritt forsch auf, hör bald auf!

Richtiges Pitchen vor InvestorInnen. Daniel Cronin, Co-Founder und Vorstandsmitglied von Austrian­Startups sowie Moderator der ersten Staffel der PULS 4 Start-up-Show, erklärt, wie es geht

ie ersten Leute im Publikum sind schon eingeschlafen, doch der Redner schwelgt ungerührt weiter. Dabei wusste schon Martin Luther, wie es besser geht. Als der Reformator die Empfehlung „Tritt forsch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf!“ abgab, dachte er wohl an Predigten, unter denen er selbst als Zuhörer gelitten hatte. Ob bei Gesprächen mit der Bank, vor Kunden oder potenziellen Investoren, ist einerlei. Kurz und bündig sollte es sein. Ein Pitch (Kurzpräsentation) darf keinesfalls einem Business-Plan gleichen, darin sind sich die beiden Experten im „Pitching“ Adis Pezerovic von PULS 4 und Daniel Cronin von AustrianStartups einig. Hier gehe es darum, dem Gegenüber (Jury oder Publikum) die eigene Idee mit einfachen, plakativen Worten schmackhaft zu machen und Interesse zu wecken. In einer anschließenden Fragerunde besteht dann die Möglichkeit, ins Detail zu gehen. Noch kürzer sollte man sich beim sogenannten „Elevator Pitch“ (30 bis 60 Sekunden) halten. Dieser stammt aus Amerika, wenn der Chef bei einer Liftfahrt gerade einmal für ein paar Sekunden ein offenes Ohr für Ideen hat. Als einen der allerwichtigsten Faktoren erachten die beiden Experten jedoch das Team, das hinter dem Projekt steht.

Herr Cronin, was sind denn für Sie die drei wichtigsten Dinge, die einen guten Pitch ausmachen? Daniel Cronin: Sei einfach! Sei vorbereitet! Und übe! Es liegt in der Einfachheit und Kürze. Man muss lernen, seine eigene Unternehmung möglichst prägnant und einfach zu erklären. Und das möglichst in unter 20 Sekunden. Ziel ist, dass die andere Person nicht nur die Idee begreift,

sondern idealerweise auch anderen davon berichten kann. Hat der Spruch Martin Luthers nach wie vor Gültigkeit? Cronin: Luther hat recht gehabt. Wir Mitteleuropäer sind in diesen Dingen nur leider zu zaghaft und bescheiden. Ganz im Gegensatz zu den Amerikanern. Was aber nicht heißen soll, dass wir diese kopieren sollten! Was sind die häufigsten Fehler von Bewerbern? Cronin: Sie geben sich zu kompliziert, haben das eigentliche Ziel nicht klar vor Augen und arbeiten so nicht auf den wesentlichen Punkt

hin. Dem Boxer vor einem Kampf ist klar, was er erreichen möchte – einen Sieg. Nichts anderes. Ähnlich klar sollte auch die Zielsetzung vor einem Pitch sein.

Die ersten 10 bis 15 Sekunden eines Pitches sind entscheidend! Auch ist die freie Rede unerlässlich. Heruntergelesenes kommt einfach nie an. Unbedingt vermeiden!

Wie kann man Nervosität und Lampenfieber begegnen? Cronin: Indem man diese für seine Zwecke positiv einsetzt und aus der inneren Spannung seine Überzeugungskraft schöpft. Wenn du selbst von deiner Idee überzeugt bist, sollte es dir auch gelingen, andere zu überzeugen.

Wie sollte die Vorbereitung für einen Pitch aussehen? Cronin: Man muss wissen, wer sein Gegenüber ist. Welchen Bedarf hat diese Person? Wie kann ich entsprechend meine Wortwahl und Präsentation darauf ausrichten? Welche Fragen könnten kommen? Hier gibt es etwa 10 bis 15 Standardfragen, auf die man unbedingt vorbereitet sein muss.

Jungunternehmer sind selten Show-Talente … Cronin: Es geht nicht um Show, sondern einzig darum, sein Unternehmen prägnant zu präsentieren. Viele machen den Fehler, bei ihren Präsentationen allzu hastig aufs Rednerpult zu stürzen, statt sich Zeit zu lassen und einmal kräftig durchzuatmen.

Daniel Cronin: „Wenn du von deiner Idee überzeugt bist, solltest du auch andere überzeugen können“

Programmpunkte Gründen in Wien: 12. Juni 2015

Pitching Sessions  Start-ups präsentieren ihre Projekte vor Jury oder Publikum an verschiedenen Locations und Pitching Corners. 9–12 Uhr „The crowd is yours!“, CONDA. 11–12.30 Uhr „Meet the Entrepreneurs“, INiTS. 14–15 Uhr „Aspire Academy“, Aspire. 14–16 Uhr „2 Minuten 2 Millionen“, Puls 4.

14–17 Uhr „Final Pitchings i²c Class 2014“, Infopoint Karlsplatz. 15.30–17 Uhr „Garage Pitch Contest“, ECN im Pitching Corner beim ­Infopoint MQ. 17–19 Uhr „Pitching Corner im ­Resselpark“, Wirtschaftsagentur Wien & austrianstartups. 19–21 Uhr „Ignite Vienna #2“, Paradox/PACKHAUS www.gruendeninwien.at

Und das alles soll nach außen einfach wirken? Cronin: Wenn es bei anderen einfach aussieht, steckt garantiert enorm viel Übung dahinter! Geübte Speaker gehen immer vorher nochmals ihre Präsentationen durch, auch wenn sie diese schon Dutzende Male gehalten haben. Sie testen die Beamer, probieren Videos aus, um alle Eventualitäten auszuschließen. Und ganz wichtig: Immer einen Plan B bereithalten! Denn wenn es einmal nicht so funktioniert wie geplant, sollte man auch ohne Powerpoint oder sonstige Hilfen gut präsentieren können. Alle diese Dinge sind bloß Unterstützung! Was zählt mehr: Projektqualität oder Überzeugungskraft? Cronin: Ich würde sagen, die Wahrheit liegt dazwischen: Es zählt die beste Idee nichts, wenn sie schlecht vorgetragen wird. Andererseits kann eine eher schwache Idee auch durch noch so perfekte Präsentation nicht überdeckt werden. Denn auch beim Pitchen gilt: Lügen haben kurze Beine.  Interview: Dieter Hönig

Foto: AustrianStartups

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Gründen in wien

SPECIAL

Puls 4 bei Gründen in Wien

pitch-Tipps Adis Pezerovic, PULS 4: Guideline to the perfect Pitch

1. Nutzen: Welche konkreten Vorteile bringt meine innovative Idee? Die Jury der Start-up-Show 2. Markt: Wie groß ist der Markt für meine Idee? Zielgruppe, Marktpotenzial, Mitbewerber 3. Geschäftsmodell: Am Ende geht es immer darum, wie man Geld verdient. Es ist ratsam, stets 1 bis 2 zusätzliche Businessmodelle parat zu haben 4. Marketingstrategie: Wie plane ich, mein Produkt/Idee zu vermarkten? Was ist die Go2Market-Strategie? 5. Zukunftsvision: Wohin möchte ich mich mit meiner Idee in Zukunft entwickeln? (Hier darf man ruhig etwas nach den Sternen greifen)

Fotos: Puls4 ProSiebenSat.1, PULS 4, Gerry Frank

6. Cash: Was habe ich bisher an Umsätzen generieren können? Was sind die Prognosen für die Zukunft (realistisch bleiben)? Wie viel Geld benötige ich von Investoren und was bin ich dafür bereit, von meinem Unternehmen herzugeben? (Wie hoch wird mein Unternehmen bewertet?)

Show für Start-ups 2,5 Millionen Euro wurden durch die PULS 4-Show „2 Minuten 2 Millionen“ in die heimische Start-up-Szene gepumpt. In der finalen Show der zweiten Staffel kamen weitere 250.000 Euro hinzu. In der Jury: die InvestorInnen Hans Peter Haselsteiner, Marie-Helene Ametsreiter, Leo Hillinger, Michael Altrichter, Heinrich Prokop und Daniel Zech. Sie blicken optimistisch in die unternehmerische Zukunft von Österreichs Start-upSzene.

Die großen Abräumer

In der Show holte der Anti-HangoverDrink Kaahée von Julian Juen das ­höchste Cashinvestment, nämlich 250.000 Euro. Somit steht seiner Marktexpansion in der Schweiz nichts mehr im Weg. Christoph Schantl erhielt die höchste Investmentsumme vom Media­investor SevenVentures Austria: 400.000 Euro für TV-Media-Volumen. So kann er seine Firma „Partyboxes“ auf allen Sendern der ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe bewerben. Mittlerweile konnte Partyboxes den Umsatz verdreifachen. Das oberösterreichische Unternehmen „Scoot & Ride“ war gleich in zwei Sendungen dabei. Christoph Lechner überzeugte in der dritten Sendung durch Coolness, Verhandlungsgeschick und Hartnäckigkeit. Bei der vierten Show räumte er mit seiner Idee des LaufradScooters 350.000 Euro ab.

„Das Schöne an der Mitwirkung bei ,2 Minuten 2 Millionen‘ war die Möglichkeit, überwiegend junge, aber ausnahmslos für eine Idee brennende Menschen kennenzulernen“, freut sich der Juror Hans Peter Haselsteiner. „Ihnen wünsche ich viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Ideen.“ Er hofft, dass die Politik das Potenzial erkennt, das in der Start-up-Szene steckt. Dann würden sich die Rahmenbedingungen verbessern und österreichische JungunternehmerInnen ihren Platz in der globalisierten Wirtschaft finden. „Die Sendung zeigt, dass gute ­Ideen, Kreativität und Engagement auch belohnt werden“, meint Marie-Helene Ametsreiter. Wenn schon nicht immer direkt in der Sendung, so werden doch potenzielle Investoren, Kunden und mögliche Partner durch die Publicity der Sendung aufmerksam. Auch sie appelliert eindringlich an die Politik, Steuererleichterungen für Investitionen im Venture-Capital-Bereich umzusetzen.

The Show must go on

Im Verlauf der vergangenen sieben Sendungen konnte „2 Minuten 2 Millionen“ eine breite Fangemeinde gewinnen. Insgesamt haben bisher 1,52 Millionen

Tipp Bewerbungen für Staffel 3 von „2 Minuten 2 Millionen“ ab sofort unter puls4. com/2-minuten-2-millionen möglich

ÖsterreicherInnen zumindest eine Folge kurz gesehen. „Wir fördern mit der Show nachhaltig den Gründerspirit, indem wir den JungunternehmerInnen mit einer guten Idee die Möglichkeit eines Investments und Öffentlichkeit bieten. Eine breite Fangemeinde schaut zu. Darüber freuen wir uns und daher machen wir auch weiter“, sagt PULS 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker.

Gründen in Wien

Nach Vorbild von „2 Minuten 2 Millionen“ werden im Rahmen von „Gründen in Wien“ am 12. Juni zwischen 14 und 16 Uhr an die zehn UnternehmerInnen im PULS 4-Studio vor einer ausgewählten Jury pitchen. Die Pitches werden aufgezeichnet und online gestellt. Auch hier soll die Jury konstruktives Feedback geben. Weiters besteht für die jungen Unternehmen eine Chance auf eine Zusammenarbeit mit der ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe bzw. mit SevenVentures Austria. Auf das Gewinnerteam warten bei der Gruppe ein Co-Working Space für sechs Monate und laufendes Mentoring. Willkommen sind alle, die am Gründen interessiert sind: UnternehmerInnen, die sich Inputs für eigene Pitches oder eben Inputs von einer erfahrenen Jury erwarten. Für Interessierte eine Möglichkeit, das Treiben in einem PULS 4-Studio mitzuerleben.  Dieter Hönig


Ich will. Ich kann., Ich mach s.

wer ist wo

Sehen Sie hier die verschiedenen Stationen des Tages der offenen Tür. Die angeführten Adressen entsprechen nicht immer dem jeweiligen Unternehmenssitz. Die genauen Informationen zum Programm finden Sie auf gruendeninwien.at

Locations 1

adhocPAD

2

aws

3

Clusterhaus / Innovatoras

4

COSPACE Café

5 6

Kienmayergasse 22, 1140 Walcherstraße 11A, 1020 Siebenbrunnengasse 17, 1050 CoSpace Gumpendorf Gumpendorfer Str 65, 1060

COSPACE Theatre

Gumpendorfer Str 68, 1060

COSPACE DIY CoSpace DIY - Schmalzhofgasse 8, 1060 Graben 21, 1010

8

i2b - ideas to business / Starte dein Projekt

10

Erste Bank Filiale Lerchenfeld, Lerchenfelderstraße 120 , 1080

Impact Hub Vienna INiTS Universitäres Gründerservice

14

17 18 19 20 21 22 23

Schottenfeldgasse 85, 1070 Marxergasse 24, 1030

schnittBogen U-Bahnbogen Gürtellinie 3-4, 1060

Sektor 5 Siebenbrunnengasse 44, 1050

Spengergasse Spengergasse 37-39, 1050

STARTUS Mariahilfer Str. 136/1.01, 1150

Stockwerk & wemakeit Pater-Schwartz-Gasse 11A, 1150

Vienna Biocenter Neu Marx, Dr. Bohr-Gasse 7, 1030

Webster Vienna Private University Palais Wenkheim, Praterstr. 23, 1020

Wirtschaftsagentur Wien

24

Expat Center Vienna, Schmerlingplatz 3, 1010

25

Kleine Dachterrasse | Gewerbehaus der WK Wien, Rudolf-Sallinger Platz 1, 1030

Wirtschaftskammer Wien

Wirtschaftskammer Wien

Coworking Space, Universitätsstraße 4, 1090

Paradocks

13

Rochus Park

Graumanngasse 7/Stiege B/ 5. Stock, 1150

LOFFICE Services OG

12

16

Erdbergstraße 10, 1030

Lindengasse 56 / Top 18-19, 1070

Laber's Lab / whatAventure

11

Neu Marx, Media Quarter Marx 3.1., Maria Jacobi-Gasse 1, 1030

Erste Bank

7

9

15

Stubenring 8-10, 1010

26

Wirtschaftsagentur Wien Neu Marx, Maria Jacobi-Gasse 1, 1030

27

Pioneers & Speedinvest Eschenbachgasse 11/3. Stock, 1010

Seven Ventures Austria

walks 28

departure Walk

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Start-up Walk im 5./6. Bezirk

30 31

Treffpunkt: supersense, Praterstraße 70 Treffpunkt: mySugr, Hofmühlgasse 17

The gap Walk im 14. Bezirk Treffpunkt: Wirtschaftspark Breitensee

Start-up Walk im 7. Bezirk

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Diversity Walk im 7. Bezirk

33

Start-up Walk im 16./17. Bezirk

34

Einfach 15 Walk

Treffpunkt: Infopoint Neubaugasse Ecke Mariahilferstraße Treffpunkt: Kalvariengasse 8 Treffpunkt: Reindorfgasse 31

Treffpunkt: Museumsquartier

infopoints und pitching-corners

i

Infopoint & Pitching-Corner Museumsquartier Aspire. Manufactory of change / Conda / ECN

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Infopoint & Pitching-Corner Karlsplatz Austrianstartups / Informatics Innovation Center (i2c) / Happylab (mit mobilem FAB LAB)

i

Infopoint Mariahilferstraße / Ecke Neubaugasse


Š Freytag-Berndt und Artaria KG, Wien, Austria, Europe


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Gründen in Wien

AdhocPAD

Wiener Werkräume

Biotope für Start-ups: die Co-Working-Spaces in Wien. Hier zeigen wir einige bemerkenswerte Beispiele

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Rochuspark

Fotos: Lilo Krebernik, Manuela Larissegger

n Wien boomen die Co­Working-Spaces. Einige davon zeigen wir beispielhaft auf diesen Seiten. Zu den Pionieren dieser Arbeitsform gehört Michael Pöll. „2002 haben mein Partner und ich ein Büro gesucht. Wir wollten etwas Größeres, das wir uns teilen könnten“, erzählt er. „Bald haben wir viele andere Menschen kennengelernt, die etwas Ähnliches erwartet haben wie wir“. So entstanden drei Co-WorkingSpaces: Schraubenfabrik, Hutfabrik und Rochuspark. Für diesen ist nun Michael Pöll zuständig. „Der Benefit für alle, die hier arbeiten, ist das Netzwerk und die Kooperation. Wenn beispielsweise ein Webdesigner einen Auftrag bekommt, braucht er Texter, Fotografen – und die findet er im Haus“. Im Rochuspark wird nicht nur gearbeitet. „Es ist eine Mischung aus Arbeiten und Leben!“


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Gründen in Wien

SPECIAL

Paradocks/PACKHAUS

Sektor 5 Programmpunkte Gründen in Wien: 12. Juni 2015

Fotos: iMarija Jociute, Christine Wurnig, linse2.at, Wirtschaftsagentur / Bohmann

CO SPACE

Co-Working-Space Rochuspark, 3., Erdbergstraße 10, rochuspark.at. 10–12 Uhr Workshop „Gründen und Förderungen“. 12–14 Uhr „Crowd Cooking – Gemeinsames Kochen und Mittagessen“. 14–16 Uhr Workshop „Ruby on Rails“. adhocPAD 14., Kienmayergasse 22, www.adhocpad.com. 12–18 Uhr Open House. Ab 18 Uhr Feier Abend Bier.

Stockwerk

Locations CO SPACE, 6., Gumpendorfer Straße 65 und Schmalzhofgasse 8, co-space.net. 9–13 Uhr Open House @ CoSpace Café. 10–20 Uhr Pop-up-Projekt. 12–18 Uhr Do-It-Youself-Textil­Workshop.

13–14 Uhr Crashkurs: Pop-up for ­Dummies mit „Meet the Experts“. 18 bis 21 Uhr prepare4impact Meetup.

Think- und Do-Tank ­Paradocks/PACKHAUS, 3., Marxer­gasse 24, paradocks.at. 19–21 Uhr Pitchings Session IGNITE VIENNA #2. Co-Working-Space Sektor5, 5., Siebenbrunnengasse 44, sektor5.at. 8.30–10 Uhr Coffee-Kick-Start @ ­sektor5 (Networking). Co-Working-Space Stockwerk & Crowdfundig-Plattform wemkeit.at, 15., Peter-Schwartz-Gasse 11A, ­stockwerk.co.at, wemakeit.at. 15–17 Uhr „Reward-based Crowdfunding für Start-ups – Was bringt’s?“ www.gruendeninwien.at


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Gründen in wien Zwei Beispiele für Social Entrepreneurship in Wien: Magdas Hotel und der Brot-Automat der Bäckerei Felzl

Magdas Hotel: Hier arbeiten 26 Menschen aus 14 verschiedenen ­Ländern. Sie alle mussten ihre ursprüngliche Heimat unfreiwillig verlassen

Unternehmertum – und auch sozial Immer mehr Menschen wollen mit ihrer Arbeit nicht nur Geld verdienen, sondern einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Auch in Wien erfährt Social Entrepreneurship immer größeren Zuspruch

„Wir wollen helfen,  junge soziale Unter- nehmen auf solide Beine zu stellen“ 

Christian Bartik Wirtschaftsagentur Wien

­ nternehmen, die nicht einzig und U allein nach Grundsätzen arbeiten, die der Profitmaximierung geschuldet sind“, sagt Bartik. In den Pausen Fair-Trade-Kaffee schlürfen und ein Bio-Weckerl verdrücken, reicht nicht. Das Unternehmen muss versuchen, soziale Herausforderungen nachhaltig und innovativ zu lösen. Trotz sozialem Engagement folgen Social Entrepreneurs einem Geschäftsplan und treten dabei auf denselben Märkten an wie herkömmliche Unternehmen. Das unterscheidet sie von Non-Profit-Organisationen, selbst wenn sie häufig ähnliche Ziele verfolgen. Am Ende einer solchen Idee stehen im Idealfall Produkte oder Dienstleistungen, die dabei helfen, soziale Probleme zu lösen. Das kann bedeuten, Menschen können ein selbstbestimmteres Leben führen, die Inklusion benachteiligter Gruppen oder die Förderung der Ausein-

andersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen. Der bewusste Umgang mit sozialer Verantwortung sollte sich auch im unternehmerischen Alltag widerspiegeln. Dazu zählt die Verwendung nachhaltiger Ressourcen genauso wie die Etablierung demokratischer Entscheidungsstrukturen und Umsetzung gerechter Entlohnungsmodelle im Unternehmen selbst.

Social Entrepreneurship 

in der Praxis

Wie das Ergebnis von Social Entrepreneurship aussehen kann, lässt sich in der Schottenfeldgasse 88, in einem Nischeneingang der Bäckerei Felzl, bewundern. Brot vom Vortag landet nun nicht mehr im Müll, sondern im „I love Brot“-Automaten. Dieser versorgt späte Kundschaft zu einem reduzierten Preis mit Backwaren. Entwickelt wurde

Foto: Karin Wasner, Stefan Joham, Lisa M. Leutner, MagDas

E

s ist schwierig, die Zahl der Social Entrepreneurs und ihre Wirtschaftsleistung zu beziffern. Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie man diese Kategorie definiert“, erklärt Christian Bartik, Leiter der Förderabteilung der Wirtschaftsagentur Wien, und weist auf die „Landkarte der Changemaker“ hin. Diese wurde im letzten Jahr von der Social-Entrepreneurship-Interessensorganisation Ashoka präsentiert. Sie listet über 1.200 Menschen, die in Österreich in diesem Sektor tätig sind. Thematisch sind die meisten in den Bereichen Ökologie, Bildung, Migration, Inklusion und Gesundheit angesiedelt. So unterschiedlich diese Themen klingen mögen, zeichnen sie sich alle durch ihre große Aktualität und gesellschaftliche Relevanz aus. „Unter Social Entrepreneurs versteht man


SPECIAL

Gründen in wien

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Fotos: Gianmaria Gava

Felzolini: Statt überschüssiges Brot in den Müll zu werfen, kann man es in der Bäckerei Felzl dem Brot-Automaten übergeben. Daraus entstehen Felzolini

das Projekt von Katharina Dankl und ihrem Team Neuland gemeinsam mit der Bäckerei. Resultat der Auseinandersetzung mit Lebensmittelverschwendung – in Wien wird so viel Brot weggeworfen, dass man Graz damit versorgen könnte – ist eine simple und wirtschaftlich interessante Lösung. Damit nicht genug: In einer Kooperation mit der BOKU entstanden die „Felzolini“ – aus Retourware veredelte Brotchips. Auch auf der anderen Seite der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Prater, ist man mit dem leiblichen Wohlergehen befasst. In der Laufberggasse 12 heißen seit Februar Menschen, die ihre Heimat nicht freiwillig verlassen haben, andere aus aller Welt willkommen. Im Magdas Hotel, einem ehemaligen SeniorInnen-Heim, arbeiten 26 Menschen aus 14 Ländern, die insgesamt 24 Sprachen sprechen.

Das von der Caritas betriebene Projekt bietet Flüchtlingen, denen selbst nach der Anerkennung ihres Aufenthaltstitels oft der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt bleibt, eine neue Perspektive. Nebenbei zeigt es, wie sich Social Entrepreneurship auch im Dienstleistungsbereich umsetzen lässt.

Social Entrepreneurship  in Wien fördern

„In den letzten Jahren konnten wir beobachten, dass es immer mehr Unternehmen gibt, die in diesem Bereich aktiv sind“, so Bartik. Die Initiativen der Wirtschaftsagentur wollen dieser Entwicklung noch zusätzlichen Schub verleihen. Das gerade erschienene Whitepaper von departure, dem Kreativzentrum der Wirtschaftsagentur Wien, unternimmt den Versuch, das Thema Social Entrepreneurship von unterschiedlichen Seiten aufzurollen.

Förderwettbewerb ­ Social Entrepreneurship: www.wirtschaftsagentur.at „I love Brot“: felzl.at/abseits-der-backstube /brotautomat Magdas Hotel: www.magdas-hotel.at

Die Wirtschaftsagentur Wien hat ihre Fördertätigkeit entsprechend ausgeweitet. „Wir haben für den Förderwettbewerb „Call Social Entrepreneurship, der sich an Social Entrepreneurs aus der Kreativwirtschaft richtet, 1 Million Euro bereitgestellt. Die maximale Fördersumme beträgt 200.000 Euro bzw. 60 Prozent der Projektkosten. Auch mit anderen Förderangboten sprechen wir explizit Social Entrepreneurs an. Im Rahmen des jährlichen Start-up-Awards wird erstmals ein Preis für soziales und nachhaltiges Unternehmertum verliehen“, sagt Bartik. „Wir wollen damit helfen, junge Unternehmen auf solide Beine zu stellen. Klar ist mit herkömmlichen Unternehmen mehr Geld zu machen, doch auch Social Entrepreneurs sollten so gut verdienen, dass sie nicht am Hungertuch nagen Werner Sturmberger müssen.“


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s riecht nach frischer Farbe. Die weiten, hellen Räume in der Lindengasse wirken auf den ersten Blick wie ein Szenelokal, das den Spagat zwischen topgestylt und gemütlich perfekt hingekriegt hat. In Eingangsnähe stehen Fauteuils und Sofas der „Vollpension“, hervorgegangen aus dem Pop-up-Café der Gebrüder Stitch, in dem PensionistInnen deren Ökojeans-KundInnen Kaffee und Kuchen kredenzten. Ab September hat sie hier eine fixe Dependance. Vor den Frauen und Männern an den verschiedenen Tischen sind allerdings überproportional viele Notebooks auszumachen und ins Gespräch vertiefte Grüppchen wirken auffallend konzentriert. Schnell wird klar: Hier wird gearbeitet. Und mehr als das: An diesem Ort werden tagein, tagaus neue Ideen gewälzt, um gesellschaftliche und soziale Probleme zu lösen. So lange, bis aus der Idee ein Projekt und aus dem Projekt ein Unternehmen geworden ist. Der Impact Hub ist Nährboden und Homebase von Leuten, die sich mit Dingen wie Armutsbekämpfung, nachhaltigen Energielösungen oder ökologischem Design beschäftigen. Und die damit Erfolg haben wollen. Inzwischen haben sich so viele soziale Start-ups, Freiberufler und Kreative im Hub versammelt, dass man ihn erweitern musste. „Von 400 auf 1.200 Quadratmeter“, präzisiert Matthias Reisinger. Sichtlich stolz führt der Geschäftsführer und Mitgründer durch die Räume, die seit der Neueröffnung im Mai zwei Etagen einnehmen. Vor fünf Jahren hat er den Impact Hub Vienna zusammen mit drei anderen WU-Absolventen und -Absolventinnen aufgezogen. „Wir wollten etwas Sinnvolles machen und sind im Bekanntenkreis auf das internationale Netzwerk für soziale Entrepreneure gestoßen“, erzählt er. Sie fanden sofort: „So was muss es in Wien auch geben.“

Gründen in Wien

Raum für kreative Impact Hub Vienna, Co-Working-Space und Netzwerk für soziale Entrepreneure.

Foto: Jan Grombirik

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Gründen in Wien

SPECIAL

Weltveränderung Das Hub wächst rasant: Im Mai eröffnete Wiens größtes Innovation Lab

Impact Hub: 

das internationale Netzwerk

Matthias Reisinger Gründer des­­Impact Hub Vienna, und Stefan Theißbacher,

F­ ragNebenan: „Wir wollten etwas Sinnvolles ­machen und sind im Bekanntenkreis auf das internationale ­Netzwerk für soziale Entrepreneure gestoßen. Da fanden wir, das müsste es in Wien auch geben.“

Der erste Impact Hub wurde 2005 vom Anthropologen Jonathan Robinson in London gegründet, heute verteilen sich 11.000 Mitglieder an 65 Standorten über den ganzen Globus. Das ist auch einer der großen Pluspunkte. So können die 400 Wiener Mitglieder nicht nur die Location in der Lindengasse, sondern auch jene in anderen Städten nutzen. Und die Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten mit der weltweiten Community. ThreeCoins etwa, ein mehrfach preisgekröntes Start-up, hat sich inzwischen auch in Zürich etabliert und unterhält sowohl im Wiener als auch im Zürcher Hub Büros. Die drei Gründerinnen, die 2011 beschlossen, Armut durch Finanzkompetenztraining für Jugendliche an ihren Wurzeln zu packen, führen heute ein sattelfestes Unternehmen mit acht MitarbeiterInnen. Den Anspruch, ihre Zielgruppe in ihrer eigenen Sprache und Medienwelt zu erreichen, konnten sie u. a. mit dem Smartphone-Game „CURE Runners“ effektiv umsetzen. „Die Teams sind gewachsen und wir mit ihnen“, so Reisinger. „Durch die Erweiterung können wir nun auch feste Büros für Kleingruppen und einzelne fixe Schreibtische anbieten.“ Die meisten Arbeitsplätze im Hub nutzen die JungunternehmerInnen aber flexibel und mieten einfach die Zeit vor Ort. Das ist je nach Paket eine Investition von 20 bis 300 Euro monatlich.

Vernetzung der 

Fotos: Jan Grombirik

Wiener Nachbarschaft Als Stefan Theißbacher vor zwei Jahren in den Hub kam, hatte er nur ein A4-Blatt mit einer Idee dabei. „Mir ist im Home-Office die Decke auf

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Gründen in Wien

den Kopf gefallen“, erzählt der junge Betriebswirt. „Schnell hab’ ich aber gemerkt, dass der Hub mehr ist als nur ein lässiger Arbeitsplatz.“ Bis dahin hatte er zwar darüber nachgedacht, wie er das Potenzial urbaner Nachbarschaften heben könnte, bis zum tragfähigen Geschäftsmodell musste er aber noch ein paar Etappen zurücklegen. Der Hub fungierte dabei als Türöffner: Theißbacher fand hier nicht nur ein inspirierendes Umfeld, sondern auch seine heutigen MitstreiterInnen. Zu viert vernetzen sie nun Wiener NachbarInnen über die Plattform fragnebenan.com. Bezirk für Bezirk ging sie ab Mai 2014 online, seit Jänner ist sie in der ganzen Stadt verfügbar. „Wir haben schon 9.000 registrierte NutzerInnen, laufend kommen neue dazu.“ Diese können über das Portal Kontakt miteinander aufnehmen, sich gegenseitig Dinge borgen, ÄrztInnen und HandwerkerInnen empfehlen oder im Urlaub die Blumen gießen. Denn – so die Idee – gute NachbarInnen in Gehweite erleichtern den Alltag. „Die Privatsphäre im Forum bleibt aber gewahrt“, versichert Theißbacher. „Datenschutz nehmen wir sehr ernst.“ Zurzeit arbeitet FragNebenan an einem Finanzierungsmodell, das die Plattform nach dem Einsatz eigener Mittel und einer aws-Förderung ab Herbst erhalten soll. „Nicht durch klassische Werbung, sondern das Einbeziehen von noch mehr AkteurInnen des Ökosystems Nachbarschaft“, so der Kärntner. „Etwa Hausverwaltungen, für die ein informeller Kommunikationskanal attraktiv sein könnte, oder lokale UnternehmerInnen, die über uns Mengen- und AnrainerInnenrabatte anbieten.“

Mehr als ein 

Co-Working-Space So weit gediehen ist Theißbachers Idee nicht zuletzt durch seine Teilnahme an Hub-Unterstützungsprogrammen. Neben umfangreicher Infrastruktur wie Event-Saal, Workshop-Räumlichkeiten und ausgefeilter Technik bietet dieser nämlich auch Gründerberatung und Coaching.

Programmpunkte Gründen in Wien: 12. Juni 2015

Impact Hub Vienna ist eine Plattform für unternehmerisch denkende Menschen, die mit innovativen Ideen gesellschaftliche Herausforderungen lösen. Mehr als 350 Mitglieder finden in der Lindengasse im 7. Bezirk einen Platz zum Arbeiten. Gleichzeitig haben sie Zugriff auf ein Netzwerk von über 10.000 Mitgliedern weltweit. 7., Lindengasse 56/Top 18–19, vienna.impacthub.net 14–15.30 Uhr „Neue Start-up-Kultur – Diversität als Erfolgsrezept!“ 15.30– 17.30 Uhr „ruff it up!“ Networking. www.gruendeninwien.at

Impressum: Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlags­gesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: Reini Hackl, Raphael Moser; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist eine entgeltliche Einschaltung und erscheint in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar

„Zuerst geht es ums Konkretisieren einer Idee“, erklärt Reisinger. „Später um ein nachhaltiges wirtschaftliches Modell, die Finanzierung oder internationales Wachstum. Für jedes dieser Stadien haben wir ein eigenes Programm entwickelt und arbeiten dabei eng mit einem Netzwerk an ExpertInnen und InvestorInnen zusammen.“ Bei „Social Impact Start“, einem Mentoringprogramm in Kooperation mit dem Softwareunternehmen SAP, hatte Theißbacher sein zweites Aha-Erlebnis. „Zuerst hab’ ich mich nur gefreut, den Hub dabei gratis nutzen zu dürfen“, berichtet er. „Dann hab’ ich erkannt, dass der wahre Wert die Beratung ist.“ Das Programm „Investment Ready“ bot ihm schließlich die Gelegenheit, sein Projekt schon in einem frühen Stadium potenziellen Investoren vorzustellen. „Eine tolle Chance.“ „Wir haben auch ein neues Scaling-Programm, das ein Sprungbrett für junge Unternehmen sein soll, international zu wachsen“, ergänzt Kai Wichmann, Kommunikationsmanager im Hub. Als FragNebenanMitglied hat er sein halbes Wohnhaus für Theißbachers Plattform begeistert. Wie sich überhaupt ein reges gegenseitiges Befruchten der Initiativen entwickelt hat. Der Stromanbieter aWATTar etwa, der Tarife stündlich ans Wetter anpasst und so zum Energieverbrauch in günstigen, sprich grünen Phasen motiviert, versorgt auch den Hub. Kreativagentur zimtfilm, die soziale Unternehmen sichtbar machen will, zeichnet für ein ThreeCoins-Video verantwortlich. Und in der Bibliothek, Rückzugsort für konzentriertes Arbeiten, hat Designer Alex Riegler 1.200 Bücher an die Wand geschraubt, von denen er einen Gutteil über FragNebenan fand. „Wir glauben an UnternehmerInnentum und idealistische Ideen“, sagt Matthias Reisinger. Zum Glück würden stets mehr InvestorInnen die Innovationskraft solcher Startups erkennen. „Hierzulande sehen viele die Probleme, aber wenige suchen Lösungen. Gerade diejenigen wollen wir aber unterstützen, denn sie sind es, die etwas bewegen.“ Uschi Sorz

Foto: Impact Hub Vienna

Fortsetzung von Seite 19


Wien fördert kreatives Schaffen mit 5 Mio €. Die vielfältige Kreativlandschaft ist ein Aushängeschild Wiens. Deshalb fördert die Wirtschaftsagentur Wien kreatives Unternehmertum – von Design über Musik bis hin zu Architektur. Beantragen Sie jetzt Ihre Förderung auf wirtschaftsagentur.at Wien fördert Wirtschaft.

Jetzt einreichen! Social Entrepreneurship


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Gründen in Wien

Der Start-upAward für ­i nnovatives Unter­ nehmertum Für gute Geschäftsideen vergibt die Wirtschaftsagentur Wien den Start-up-Award

Gründerin

b eine Geschäftsidee, das Schließen einer Marktlücke mit einem innovativen Produkt oder die Lösung eines Problems durch eine andere Herangehensweise zur Unternehmensgründung geführt hat: Mit dem Start-up-Award zeichnet die Wirtschaftsagentur Wiener Unternehmen aus und bietet eine Bühne für ­innovative, erfolgreiche Unternehmensgründungen. In folgenden Kategorien war eine Einreichung möglich: Innovatives Produkt- und Leistungsangebot; Rising Star; Soziales und nachhaltiges Unternehmertum; Start-up Pitch. 2015 gab es 180 Einreichungen zum Award. Im Juni wurden die besten Ideen prämiert. Hier drei der Projekte, die in der Kategorie „Social EntreTexte: Uschi Sorz preneurships“ eingereicht haben.

Mode mit Perspektive

Joadre ist nicht nur fesche Mode, sondern beweist auch einen sozialen Anspruch

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ode macht Spaß. Natürlich auch Joana Adesuwa Reiterer, die in den Kreationen ihres neuen Labels Joadre toll aussieht. Doch die Menschenrechtsaktivistin möchte mit dem Social-Fashion-Unternehmen nicht nur einen originellen Look und Lebenfreude verbreiten, sondern auch von Menschenhandel gefährdeten Frauen in ihrer Heimat Nigeria helfen. „Ihre Situation ist in der Öffentlichkeit kaum ein Thema“, so Reiterer, die mit ihrem Verein EXIT seit Jahren gegen Menschenhandel kämpft. Dabei brachte sie eine Marktlücke auf eine Idee. „Mir fiel auf, dass man hier kaum afrikanisch inspirierte Mode im Handel findet“, erzählt sie. Diese bietet Joadre nun im On-

lineshop (www.joadre.com) und in ausgewählten Geschäften. Mit dem Erlös werden in Nigeria Arbeitsplätze für Frauen in gefährdeten Situa­ tionen geschaffen. „Die soziale Zielsetzung ist meine Motivation“, so die Gründerin, die sich schon in der Aufbauphase über erste Erfolge freuen kann. „Dank Business-Angel Michael Altrichter und einer Crowdfunding-Initiative konnten wir in Lagos eine Produktionsstätte aufbauen.“ Nun lädt sie KundInnen dazu ein, sich durch das Veranstalten einer Joadre-Party am sozialen Netzwerk zu beteiligen. „Ich liebe das UnternehmerInnentum“, lächelt Reiterer. „Jeden Tag entdecke ich aufs Neue, wie viel Kreativität in mir steckt.“

Foto: Joadre

O

Joana Adesuwa Reiterer mit sozialem Draht nach Nigeria


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Gründen in Wien

SPECIAL

Sprungbrett zum Wiedereinstieg

Ruffboards waren einmal Snowboards – doch nun kommen sie als Longboards auf die Straßen

I

n ihrem vorigen Leben waren die „fesche Sopherl“, der „Berti“ und die „Pummerin“ Snowboards. Bis sie ausrangiert wurden. Zum Glück sind sie jetzt aber sehr coole Longboards, genauer gesagt RUFFBOARDS, umgebaut nach den Vorstellungen von Melanie Ruff und Nikolaus Hutter sowie Simone Melda. Besonderes Kennzeichen: nachhaltiges Upcycling, umweltfreundliche Produktionsweise und die Beschäftigung von Exhäftlingen. „Ihnen bieten wir damit eine Chance zum Wiedereinstieg ins Arbeitsleben“, so Gründerin Melanie Ruff. Zum einjährigen Geburtstag im Jänner hat die RUFFBOARDS Sportartikel GmbH – passenderweise in den ehemaligen Räumlichkeiten

eines Snowboard-Herstellers – eine Manufaktur in Wien-Währing eröffnet (www.ruffboards.com). Initialzündung für Ruff war ihre Leidenschaft fürs Skaten. „Ich skate seit gut 20 Jahren und wollte ein perfektes Longboard haben“, sagt die 33-jährige Neo-Geschäftsführerin und blickt zufrieden auf das Resultat: „RUFFBOARDS sind Unikate.“ Mit den sozial, fair und umweltfreundlich hergestellten Stücken möchte sie den internationalen Markt erobern. Und nebenbei die Welt ein Stück besser machen. „Unternehmerin zu sein bedeutet für mich ein zu 100 Prozent selbstbestimmtes Leben, Verantwortung und die Möglichkeit, unsere Gesellschaft mitzugestalten.“

Bettina Steinbrugger

bringt Bio ins Frauenhygienesortiment

In der Regel alles bio

Erdbeerwoche nennt sich ein Unternehmen für ­Frauenhygieneartikel, die biologisch hergestellt werden

Fotos: Carolina Frank, Vincent Sufiyan

V

Melanie Ruff

baut mit Exhäftlingen Longboards aus Snowboards

om Bioapfel bis zum Bio-TShirt gibt es ja fast für alles eine nachhaltige Alternative“, sagt Bettina Steinbrugger. „Aber wer denkt schon an die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen von Frauenhygieneprodukten?“ Wie den riesigen Müllberg aus Zellulose und Plastik, den jede Frau mit etwa 10.000 bis 17.000 Tampons oder Binden im Lauf ihres Lebens verursacht. Oder die Chemikalien und Pestizide, die darin gefunden werden. „Wegen des Kunststoffanteils in vielen herkömmlichen Tampons brauchen diese bis zu 500 Jahre, um zu verrotten“, so die 31-Jährige. Es waren harte Fakten, die sie veranlassten, zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Annemarie

Harant eine neue Generation der Frauenhygiene zu gründen. 2011 wurde die Erdbeerwoche geboren, ein Unternehmen, das Biotampons, -binden, -unterwäsche und innovative Menstruationskappen vertreibt, seit zwei Jahren auch im Onlineshop (www.erdbeerwoche.com). Das norddeutsche Wort für Menstruation wurde, da humorvoll und positiv besetzt, bewusst gewählt. „Frauen sollten die Regel nicht als Übel sehen“, findet Steinbrugger, die nun nach Jahren Nachhaltigkeitsarbeit in etablierten Organisationen ihren Wunsch verwirklicht, selbst ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen. Und die Erdbeerwoche läuft gut. „Heuer wollen wir expandieren und internationalisieren.“


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12.6.2015

Verlagsbeilage #75  
Verlagsbeilage #75