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SPECIAL

e n tg e ltlic h e Ve r la g s b e ila g e zu F al te r 4 3, 2 01 3

Foto: SEVENTH CHANNEL

d   F i l m & K i n o d

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Film- und Kinokultur in Wien

d  Drei für das Filmschaffen    Marijana Stoisits, Gerlinde Seitner und Sylvia Faßl-Vogler d  Vier glorreiche Kinos in Wien     Gartenbau, Stadtkino, Metrokino/Filmarchiv und Filmmuseum d  Eine Viennale und mehrere Preise    Wiens internationales Filmfestival d  Zahlreiche Filmfestivals und Sommerkinos     Ein Überblick über das Angebot


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Filmstadt Wien

Filmstadt Wien

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etztes Jahr stand ein junger Niki Lauda beim Looshaus. Es war der deutsche Schauspieler Daniel Brühl. Er drehte gerade eine Szene für den deutsch-englischen Film „Rush – Alles für den Sieg“, der nun in den Kinos angelaufen ist: Niki Lauda geht auf die Bank (Looshaus) oder Niki Lauda heiratet (im Justizpalast). „Regisseur Ron Howard wollte für die Hochzeitsszene etwas Prunkvolles, aber Wiener Standesämter sind eher schlicht“, erzählt Marijana Stoisits von der Vienna Film Commission. „Also haben wir ihm den Justizpalast gezeigt. Und er war begeistert.“

Die Frankfurter Bankenmeile auf der Donauplatte

Die Chefin der Vienna Film Commission war einen ganzen Tag mit dem US-amerikanischen Regisseur und zweifachen Oscar-Preisträger („Apollo 13“, „A Beautiful Mind“) durch Wien gefahren – als Location Scout und auf der Suche nach dem besten Blickwinkel für ein paar „establishing shots“. Das gehört zu ihren Kernaufgaben: nationalen und internationalen Film- und TVTeams bei der Motivsuche in Wien zu helfen. „Kopfsteinpflaster ist ein Muss für historische Filme“, berichtet Stoisits. „Das haben nicht mehr viele Städte aufzuweisen.“ Auch die Stadtpalais im ersten Bezirk dienen immer wieder als Interieurs für große Spielfilme. Die Hitliste der Wiener Drehorte führen Parkanlagen an, gefolgt von den Wiener Märkten, allen voran der Naschmarkt. Dritter auf dieser Hitliste sind die Wiener Krankenanstalten, gefolgt von Gemeindebauten. „Krankenanstalten deshalb, weil viele Krimiserien in Wien gedreht werden, und da gibt es meist Szenen

aus der Prosektur“, erklärt Stoisits. „,Soko Donau‘, ,Tatort‘, ,Schnell ermittelt‘‚ ,CopStories‘, ,Die Detektive‘ und ,Janus‘.“

Die Filmstadt Wien steht in  harter Konkurrenz

Auch immer mehr internationale Serien werden in Wien gedreht. Heuer zum Beispiel die US-GeheimdienstSerie „Covert Affairs“, von der zwei Folgen komplett in Wien spielen. Eigentlich sollte die zweite Folge in Frankfurt am Main gefilmt werden. „Aber die Produktionsfirma war so begeistert von unserem Serviceangebot und der Stadt Wien, dass sie die Frankfurter Bankenmeile auf der Donauplatte nachstellten.“ „Dass in Wien gedreht wird, ist wichtig für uns alle“, betont Stoisits. Die Vienna Film Commission wird deshalb gezielt auch von der Wirtschaftsagentur, der Wirtschaftskammer Wien und von Wien Tourismus finanziert. Denn ein vielköpfiges Filmteam lässt viel Geld in den Hotels und Gastronomiebetrieben der Stadt und verschafft der Wiener

„Junge Filmschaffen- de zeigen auch  neue Perspektiven  von Wien.“ Marijana Stoisits, Vienna Film Commission

Die meistgesehenen österreichischen Filme in österreichischen Kinos – Komödien sind in der Überzahl 1. Hinterholz 8.  1998, Dor Film /

6. Der Knochenmann.  2009,

Harald Sicheritz, 617.558 2. Poppitz.  2002 Dor Film / Harald Sicheritz, 441.017 3. Müllers Büro.  1986, Wega Film / Niki List, 441.000

Dor Film / Wolfgang Murnberger, 279.143

4. E  chte Wiener – Die Sackbauer-Saga.  2008,

Bonus Film / Kurt Ockermüller, 372.539 5. Schlafes Bruder.  1995, Dor Film / Joseph Vilsmaier, 307.276

7. MA 2412 – Die Staatsdiener. 

2003, MR Film / Harald Sicheritz, 272.849 8. Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott.  2010, Dor

Film / Andreas Prochaska, 233.280 9. Komm, süßer Tod.  2000,

Dor Film / Wolfgang Murnberger, 230.743 10. Indien.  1993, Dor Film / Paul Harather, 223.758

Filmbranche Arbeit mit Schnitt, Ton, Ausstattung, Postproduktion usw. Wenn ein indischer Bollywood-Film oder wie jüngst eine brasilianische Telenovela in Wien spielen, bedeutet dies für Wien Geld und internationales Renommee. Deshalb tourt die Chefin der Vienna Film Commission auch zu den Filmmärkten der großen Filmfestivals und zu Branchenveranstaltungen und präsentiert die Schätze sowie das filmische Serviceangebot der Stadt Wien internationalen Produktionsfirmen. „Ansuchen für Drehgenehmigungen im Zuständigkeitsbereich der Stadtverwaltung laufen auch über uns. Mit deutlich steigender Tendenz. Wir kooperieren sehr eng mit der MA 46, die für Straßen und Plätze zuständig ist.“ Stoisits ist voll des Lobes für die Wiener Magistratsabteilungen – insbesondere für die MA 46: „Denen ist Film ein Anliegen. Auch die Zusammenarbeit mit den Bezirksvorstehungen hat sich in den viereinhalb Jahren unserer Tätigkeit deutlich verbessert.“ Das muss sie auch. Denn Wien steht in harter Konkurrenz. Andere europäische Länder und Städte locken mit steuerlichen Anreizen, die der Filmbranche in Österreich von staatlicher Seite noch verweigert werden. Um in Österreich Fördergelder lukrieren zu können, müssen internationale Produktionen einen österreichischen Koproduzenten vorweisen können. „Das lohnt sich für große internationale Produktionen selten, deshalb gehen die dann lieber nach Frankreich, Deutschland oder Estland, wo es diese Auflagen nicht gibt und auch die Möglichkeit eines Tax-Refunds besteht“, sagt Marijana Stoisits. „Bei großen Filmproduktionen geht es – wie woanders auch

Foto: Katrin Bruder

Am Ruf Wiens als Filmstadt sind drei Institutionen und ihre Leiterinnen maßgeblich beteiligt: die Vienna Film Commission mit Marijana Stoisits, der Filmfonds Wien mit Gerlinde Seitner und die MA 7 mit Sylvia Faßl-Vogler


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Die Donau hat einer Sondereinheit von Filmkommissaren den Namen geliehen. Die Fernsehserie – immer und zuallererst ums Geld. Auch ­Tallin hat schöne historische Kulissen und Kopfsteinpflaster.“

Die Basis des „öster-

Foto: SATEL Film/St. Haring

reichischen Filmwunders“ Natürlich kämpfen auch die heimischen Filmschaffenden ums Geld. Hier setzt der Filmfonds Wien mit seinen Förderungen an. Pro Film können bis zu 700.000 Euro vergeben werden. Insgesamt stehen ihm jährlich 11,8 Millionen Euro für die Förderung des heimischen Films zur Verfügung – ein Budget, das eine nachhaltige regionale Förderpolitik ermöglicht. Ausnahme-Regisseur Michael Haneke etwa, dessen Meis-

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Filmstadt Wien

terwerk „Liebe“ zuletzt international reüssierte, begleitet die Wiener Filmförderung seit seinem Kinodebüt „Der siebente Kontinent“ im Jahr 1989. In etwa 30 Kinofilme werden Jahr für Jahr mitfinanziert – und

Soko Donau

wird hauptsächlich in Wien gedreht

etliche davon erhalten Preise auf renommierten internationalen Festivals. Vor allem die ­Oscar-Erfolge der letzten Jahre boten Anlass, ein „österreichisches Filmwunder“ auszurufen. Die deutsche Presse fragte nicht ohne Neid: „Was

internationale produktionen die zuletzt teilweise auch in Wien gedreht wurden Pillars of the Earth (Regie: Sergio

Mimica-Gezzan) 2009 A Dangerous Method (Regie: David Cronenberg) 2010 360 (Regie: Fernando Meirelles) 2011 The Best Offer (Regie: Giuseppe ­Tornatore) 2012

A Beautiful Affair (philippinische TV-Serie) 2012 Rush (Regie: Ron Howard) 2012 The Amazing Race (US-Serie) 2013 Covert Affairs (US-Serie) 2013 Paganini (Regie: Bernard Rose) 2013

haben die, was wir nicht haben?“ „Die Internationalisierung, die Ende der Neunzigerjahre einsetzte mit all ihren Auszeichnungen und Ehrungen, hat dazu beigetragen, den österreichischen Film international wettbewerbsfähig zu machen“, sagt Gerlinde Seitner, Geschäftsführerin des Filmfonds Wien. „Durch diesen Aufschwung konnten stabile und unabhängige Strukturen in der Filmwirtschaft aufgebaut werden. Wien und Umgebung ist mittlerweile ein Produktionsstandort, der mit qualifizierten Fachkräften und kreativen Köpfen aufwartet, mit etablierten

Fortsetzung Seite 4


Fortsetzung von Seite 3 ­ roduktionsfirmen und attraktiven P Originalschauplätzen. Vieles, was den österreichischen Film ausmacht, ist in Wien entstanden.“ Die Filmförderung unterstützt den österreichischen Film auch in der Verwertung – speziell bei Kinostarts und Festivals, sodass auch kleinere Produktionen ihr Publikum finden. Neue Verwertungskanäle, internationale Konkurrenz und technischer Wandel setzen dem heimischen Kino zu, eine Entwicklung, von der nahezu der gesamte europäische Film betroffen ist – und doch gibt es nach wie vor österreichische Kassenschlager. „Der Verwertungsbereich außerhalb der Kinos wird immer wichtiger“, so Gerlinde Seitner. Fernsehen, DVD und internationale Verkäufe bringen zusätzliche Einnahmemöglichkeiten in der Zweitverwertung. Die DVD-Edition „Der österreichische Film“ hat sich bisher weit über 1 Million Mal verkaufen können. Dank der Finanzierungspartner Österreichisches Filminstitut, Filmfonds Wien und BM:UKK präsentiert sich diese bald auch online und kann auf diversen Plattformen per Stream oder Download erworben werden.

Die Förderung eines

starken Filmnachwuchses Einen Schwerpunkt der Wiener Förderpolitik bildet der Nachwuchs: „Letztes Jahr förderten wir 14 Nachwuchsprojekte, was einem Anteil von 42 Prozent aller Projekte entspricht“, sagt Seitner. Eine Reihe dieser Filme lief bereits in den Kinos, etwa Andreas Schmieds „Die Werkstürmer“, Hüseyin Tabaks „Deine Schönheit ist nichts wert“ oder Marvin Krens Horrorfilm „Blutgletscher“. Weitere wie Johanna Moders „High Performance“ mit Manuel Rubey in der Hauptrolle befinden sich derzeit in der Postproduktion. Für 2014 erwartet der Filmfonds Wien für einige geförderte Produktionen Platzierungen auf den begehrten A-Filmfestivals: Jessica Hausners Kleist-Film „Amour Fou“ oder Ulrich Seidls Dokumentarfilm „Im Keller“ haben Chancen.

Filmstadt Wien Gerlinde Seitner verweist auf die Genrevielfalt, die den österreichischen Film auszeichnet: Vom Kinderfilm „Tom Turbo“ bis zur Agentenkomödie „Die Mamba“ und der

„Letztes Jahr förderten wir 14 Nachwuchs- projekte – ein Anteil  von 42 Prozent aller  Projekte.“ Gerlinde Seitner, Filmfonds Wien

Literaturverfilmung „Das finstere Tal“ sei alles dabei – in der Hoffnung, damit unterschiedliche Publikumsschichten im Kino zu erreichen. Dazu kommen hochwertige Dokumentationen und Produktionen fürs Fernsehen, die sich beispielweise mit dem 100. Jahrestag des Ausbruchs

des Ersten Weltkriegs befassen und im Frühjahr 2014 im Rahmen eines Themenschwerpunkts zur Ausstrahlung kommen. Dass Wien ein guter Standort für Film ist, dazu tragen die Filmförderung des Filmfonds Wien und eine vielschichtige Kinolandschaft bei, die nicht nur Blockbuster aus Hollywood zeigt, sondern auch anspruchsvolle Arthouse-Filme – und die immer besseren Ausbildungsmöglichkeiten für Filmschaffende. Die Filmakademie ist dank neuer Studioräume und dem neuen Masterstudiengang „Digital Art – Compositing“ gut aufgestellt. Der neue Studiengang „Film-, TV- und Medienproduktion“ an der Fachhochschule des bfi stellt Filmschaffenden auch das kaufmännischadministrative Handwerkszeug zur Verfügung.

Filmemacherin über Gemeindebauten in Rom schon eher.“ Denn das Leben im Gemeindebau ist ein Wiener Thema, auch wenn die Gebäude in Italien stehen. Wer einen Film mit Wien-­Bezug machen möchte, kann schon einmal auch mit noch unausgereiften Ideen zu Sylvia Faßl-Vogler kommen. So geschehen, als ein junger Mann aus Irland bei Sylvia FaßlVogler vorsprach: Er lebe als Student seit zwei Monaten in Wien und sei total begeistert von der hiesigen Undergroundmusikszene. Darüber

Für Filmschaffende:

die „Kunstfilmförderung“

Film wird in Wien noch von einer weiteren Stelle gefördert: Auch Sylvia Faßl-Vogler, Leiterin des Referats „Film und neue Medien“ in der Kulturabteilung der Stadt, empfängt in ihrem Büro Filmschaffende. Die Filmförderung der MA 7 unterstützt mit jeweils bis zu 5.000 Euro Kurzfilme, experimentelle Projekte und Dokumentationen, die irgendwie mit Wien zu tun haben. „Das Porträt einer Bäuerin aus dem Waldviertel liegt nicht in unserem Förderfokus“, erklärt sie. „Aber der Dokumentarfilm einer Wiener

„Wir können für die Projekte heimischer  Filmschaffender eine  Anschubfinanzie- rung ermöglichen.“ Sylvia Faßl-Vogler „Film und Neue Medien“, MA 7

Zitate bekannter Regisseure zum Filmen in Wien „Vienna was the perfect city to film in and the crew and the city were very supportive. It was great!“ (Richard Linklater, „Before Sunrise“)

„Freud is synonymous with Vienna and for us to shoot this movie and have scenes taking place in Vienna is for us absolute gold. To get the feel of an era you need locations like Café Sperl. „I’m in love with Vienna. You cannot beat a real location.“ Not only is it the most beautiful (D. Cronenberg, „A Dangerous Method“) city where I’ve ever shot but also quiet, easy to move around, „Videoclips, Werbefilme, Spielfilme – ich habe mein very film friendly and with Handwerk in Wien gelernt. Ich excellent crew. My hope is to werde weiter hier drehen. Nicht shoot another project here trotz, sondern wegen Wien.“ very soon.“ (Fernando Meirelles, „360“) (Stefan Ruzowitzky, „Die Fälscher“)

würde er gerne einen Dokumentarfilm drehen. Ein paar Tipps und Arbeitsschritte später überzeugte das entwickelte Drehkonzept auch den Fachbeirat und wurde positiv bewertet. „Vinyl – Tales from the Vienna Underground“ lief erfolgreich auf diversen Filmfestivals. Auch am aktuellen Überraschungshit „Talea“ ist die MA 7 beteiligt. „Die junge Regisseurin Katharina Mückstein hatte zuvor nur Kurzfilme gedreht – und kein Geld“, erinnert sich Faßl-Vogler. „Natürlich reichen auch unsere Fördergelder nicht aus, um solche Filme wirklich zu finanzieren. Aber wir können zu-

Fotos: Katrin Bruder

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Filmstadt Wien

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Spuren des Bösen: eine erfolgreiche und mehrfach ausgezeichnete österreichisch-deutsche TV-Krimireihe mit Sabrine Reiter und Heino Ferch

Foto: aifilm/Petro Domenigg

mindest eine Anschubfinanzierung beisteuern.“ Um den Rest kümmern sich die Filmemacher selbst. Da läuft viel über Solidarität und Begeisterung. So spielte Nina Proll in „Talea“ die Hauptrolle ohne Gage. „Das machen auch viele Burgschauspieler“, sagt Faßl-Vogler.

Das neue Bild von Wien

Wien. „Wien hat sich rasant verändert – und auch das Wienbild gerade im österreichischen Film. Während Filme aus den 1990er-Jahren noch

ein düsteres Wien präsentierten, bringen aktuelle Filme durchaus erfrischend andere Blickwinkel.“ ­Marijana Stoisits von der Vienna

Österreichische Oscar-Preisträger seit 2000 (neben einer Vielzahl an Nominierungen und Preisen bei bedeutenden Filmfestivals) 2008: Stefan Ruzowitzky

2013: Christoph Waltz

Die Fälscher

Django Unchained

im Film

(Bester fremdsprachiger Film) 2010: Christoph Waltz

(Bester Nebendarsteller) 2013: Michael Haneke

„Film ist immer Spiegelbild der Zeit und der gesellschaftlichen Lage“, sagt Gerlinde Seitner von Filmfonds

Inglourious Basterds

Liebe

(Bester Nebendarsteller)

(Bester fremdsprachiger Film)

Film Commission ergänzt: „Die imperiale Prachtarchitektur von Schönbrunn und Ringstraße steckt natürlich in den Köpfen gerade der internationalen Filmemacher – und sind mit ein Grund, warum sie bei uns in Wien drehen wollen. Aber junge Filmemacher – und nicht nur in Österreich – sehen Wien auch aus ganz anderen Perspektiven.“ Damit könnte Wien auch in der Selbstwahrnehmung an andere, selbstbewusste Filmstädte wie Paris, Berlin oder Rom anschließen. Die Voraussetzungen dafür sind da.  Thomas Askan Vierich


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Filmstadt Wien

Die glorreichen Vier

Wien verfügt über eine reiche Kinolandschaft. Einige Kinos stechen aus dem Angebot hervor, darunter Gartenbaukino, Stadtkino, Metrokino/Filmarchiv und Filmmuseum

er das Kino durch die großen Glastüren betritt, könnte meinen, in eine andere Zeit gestolpert zu sein. Der großzügige Eingangsbereich, die Fliesenwände, die Kassenhalle – alles verströmt SechzigerjahreSchick. Deckenbeleuchtung und Bar stammen aus den Achtzigerjahren. Beim Anblick der Sitzmöbel wird mancher Hipster neidisch. Die Tapete im Gang zum Kinosaal sieht aus wie bei Oma, der Boden darunter ist gewellt, die Jahre haben dem Linoleum sichtlich zugesetzt. Wir befinden uns im Gartenbaukino, einer Perle unter den Kinos der Stadt.

Das Kino, in dem auch die ­Viennale zu Gast ist:

Gartenbaukino

Der Schick der großen Lein- wand: das Gartenbaukino

Es ist das letzte große Einsaalkino in der Innenstadt, ein Ort vieler prunkvoller Premieren, dessen Glanz selbst dann wirkt, wenn gerade keine Vorführungen stattfinden. Geschäftsführer Norman S ­ hetler könnte stundenlang durch das Kino führen und von seiner Geschichte erzählen. Er öffnet eine der Türen zum Kinosaal, der seit 1960 kaum verändert wurde. Nur die Sitze wurden in den Achtzigerjahren erneuert und von 900 zunächst auf 760, dann auf 736 reduziert. Shetler deutet Richtung Decke. Ihr Sound-Design, in aufwendigen, dreidimensiona-

len Mustern arrangierte rot-orange Quadrate, erinnert an das Computerspiel „Tetris“. „Das ist unsere Space-Invaders-Decke“, sagt Shetler. „Wir haben hier zu achtzig Prozent Originalbestand.“ Mit der technischen Ausstattung des Kinos ist er sehr zufrieden. Das Gartenbaukino zeigt Filme in digitaler wie analoger Form. Auch das Abspielen von 70-mm-Filmen ist möglich, kostet aber viel und ist technisch anspruchsvoll. „Das ist seit Langem mein Herzensprojekt“, sagt Shetler. Auf diese Weise möchte er etwa Filme von Stanley Kubrick über die Leinwand flimmern lassen. „Ob es schon kom-

mendes Jahr sein wird oder erst in drei, weiß ich nicht, aber es wird passieren.“ Das Gartenbaukino ist das Premierenkino Wiens und spielt eine bedeutende Rolle nicht nur bei der Viennale, sondern auch bei anderen Filmfestivals. Am Ende geht es aber auch hier um das Tagesgeschäft. Der Slogan lautet nicht umsonst „Kino von Welt“: Gezeigt wird eine Mischung aus anspruchsvollem Mainstream, kleinen Filmentdeckungen und Eigenveranstaltungen. Die Premiere des Niki-Lauda-Films „Rush“ fand ebenso hier statt wie die Erstaufführung des Dramas „Talea“. Man sieht alte Klassiker wie ­„Lawrence

Foto: Robert Newald

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of Arabia“ und „The Shining“ sowie Neuheiten wie zuletzt etwa „Argo“ und „Paradies: Hoffnung“. Es gibt Werkschauen von Quentin Tarantino bis Woody Allen. Da das Gartenbaukino keinen Verleih hat, ist es unabhängig. Andererseits ergibt sich das Programm mitunter durch Zufall und sehr spontan: „Ich weiß oft nicht, was ich in vier Wochen spielen werde“, sagt Shetler. Auch Filme, die sonst nirgends gezeigt werden, bekommen hier eine Chance: „Ein bis zwei Mal im Jahr zeigen wir Filme, die keinen Verleih haben, von denen wir aber finden, dass sie auf die große Leinwand gehören.“ Das Konzept, diese Melange aus Alt und Neu, aus Mainstream, kleinen Produktionen und Experimentellem, scheint aufzugehen: „Wir haben seit fünf Jahren steigende Besucherzahlen. Dieses Jahr wird, wenn nichts schiefgeht, das erfolgreichste seit 15 Jahren.“ Dass bei manchen Vorführungen nicht einmal ein Bruchteil der Sitze besetzt ist, macht nichts: „Niemand schafft es, Kinos zu füllen. Das darf auch nicht das primäre Ziel sein.

Foto: Margherita Spiluttini, Siobhàn Geets, Heribert Corn

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Filmstadt Wien

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Das Stadtkino im Künstlerhaus lockt mit neuer Fassade, modernem Entree und ambitionierten Filmen

Gute Filme trotzdem zu spielen, ist ein Statement, das muss möglich sein.“ Shetler ist optimistisch. „Das Grundprinzip Kino wird sich nicht ändern“, sagt er. „Es geht darum, den Menschen gute Filme zu bieten und eine Atmosphäre, in der sie sich wohlfühlen“.

Das Missing Link der Filmszene: das Stadtkino

„Wir haben hier zu achtzig Prozent Originalbestand.“ Norman Shetler, Gartenbaukino

„Das Missing Link zwischen Filmen in japanischer Originalfassung und  Quentin Tarantino.“ Claus Philipp, Stadtkino

Im Gegensatz zum Gartenbau hat das Stadtkino seinen eigenen Verleih – und ein gänzlich anderes Konzept. „Wir veranstalten ein Gegenangebot zum Mainstream-Markt einerseits und dem Hardcore-Alternativfilm andererseits“, sagt Claus Philipp, der das Haus seit fünf Jahren leitet. Stichwort „Autorenkino“: „Es ist quasi das Missing Link zwischen Filmen in japanischer Originalfassung ohne Untertitel und Quentin Tarantino oder Woody Allen.“ Nach über dreißig Jahren Spielzeit ist das Stadtkino heuer vom Schwarzenbergplatz ins Künstler-

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Filmstadt Wien

Fortsetzung von Seite 7 haus am Karlsplatz umgezogen. Die angekündigte Neupositionierung erfolgt auf mehreren Ebenen: „Das Kino ist jetzt viel größer und wurde neu gestaltet“, sagt Philipp. „Es ist aber keine Neupositionierung im Sinne der Programmatik. Ich möchte keinen schnöden Kompromiss eingehen unter dem Motto: größeres Kino – fettere Produktionen.“ Seine Rolle als kommunales Kino will das „Stadtkino im Künstlerhaus“ beibehalten: „Der Punkt ist, eine exponierte Haltung zu zeigen, wie bei Filmen von Leos Carax oder Daniel Hoesl.“ Seit Kurzem veranstaltet Philipp auch Gesprächsmatineen im Stadtkino. Ende September präsentierte Christine Nöstlinger ihr neues Buch „Glück ist was für Augenblicke“, anschließend diskutierte sie mit Philipp. „Ich möchte einen Gesprächsraum schaffen für Themen aus Kultur, Alltag, Gesellschaft und Politik.“ Die Nöstlinger-Veranstaltung sei ein guter Auftakt gewesen, nun will Philipp die sonntäglichen Matineen fortsetzen – in loser Reihenfolge: „Alles, wo sich eine Institutionalisierung einschleicht, ist kontraproduktiv. Ich will Autoren, Künstler und Intellektuelle einladen, auch kurzfristig.“ Gesprächsmatineen und Filme, Kulturstätte und Autorenkino. Es ist schwer, eine Aussage über das Publikum im Wiener Stadtkino zu machen. An wen richtet sich das Programm? Auch Philipp kann es nicht sagen. Sicher ist, dass er ein breites Publikum für das finden möchte, was ihm selbst gefällt. „Erfolg oder Niederlage ergeben sich daraus, ob mir das gelingt“, sagt er. Die Auswahl treffe er so, dass sie alle etwas angeht, von gesellschaftlicher Relevanz ist. Als Beispiel nennt er „Omsch“, Edgar Honetschlägers Dokumentarfilm über eine Hundertjährige. „Die Fragen, die sich da stellen, sind für Senioren genauso interessant wie für junge Leute: Wie kann man ein erfolgreiches Leben führen, ohne den klassischen kapitalistischen Erfolgen zu entsprechen?“ Manchmal, sagt Philipp, „kommen nur die Falter-Leser.“ Doch bei Produktionen wie Ulrich Seidls

„Wir haben den  ehrgeizigen Plan, das  Kino zum Kultur- haus zu erweitern.“  Ernst Kieninger, Metro Kino/Filmarchiv Austria

„Paradies“-Trilogie, die allein 100.000 Besucher verzeichnete, „Anfang 80“ oder „Die verrückte Welt der Ute Bock“ habe man ein breites Publikum anlocken können. „Wir brauchen immer zwei bis vier große Filme im Jahr, daneben können wir uns die kleinen, herzerwärmenden Erfolge leisten.“ Schließlich ginge es auch um eine wesentliche Anreicherung des kulturellen Angebotes: „Die Förderung ermöglicht es, Risiken einzugehen. Täte ich das nicht, dann würde ich meinen Kulturauftrag verfehlen.“

Das Kino als Filmgedächtnis:  Metro Kino und Filmarchiv

Während das Stadtkino seine Neueröffnung bereits Ende September feierte, befindet sich das Metro Kino des österreichischen Filmarchivs noch in der Metamorphose. „Wir haben den ehrgeizigen Plan, das Kino zu einem Kulturhaus zu erweitern“, sagt Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger. Bekannt wurde das Kino durch seinen denkmalgeschützten Saal aus den Zwanzigerjahren: Mit rotem

Traditionelle Eleganz und moderne Bequemlichkeit im

Metro Kino

Samt überzogene Sitze, darunter der rote Teppich, darüber die Logen und Balkone. Der historische Saal bleibt auch mit der für das Frühjahr 2014 geplanten Neueröffnung erhalten. Zusätzlich soll es zwei weitere Geschoße mit insgesamt 600 Quadratmetern Fläche geben. „Neben dem historischen Saal mit seinen 175 Sitzplätzen haben wir dann einen Studiokinosaal für 60 bis 70 Zuseher und einen Ausstellungsplatz für Kino und Film“, erklärt Kieninger. Das Filmarchiv habe lange nach einem Ort für die hauseigene Objektsammlung gesucht und es schließlich im Metro Kino gefunden. „Wir wollen Geschichte und Gegenwart zusammenbringen“, sagt Kieninger. Einer der Schwerpunkte wird der österreichische Film sein, ein weiterer Fokus liegt auf internationalen Dokumentarfilmen und Filmemigration. „Das steht stark in Verbindung mit der österreichischen Geschichte. Wir haben Teilnachlässe, etwa von Walter Reisch.“ Geplant sind auch Ausstellungen über die Wahrnehmungsgeschichte des Kinos, eine Geschichte der bewegten Bilder. „Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie das Laufbild entstanden ist, welche Formen es annahm, etwa als Lebensräder, Wundertrommeln oder optische Illusionen.“ Die Ausstellung soll interaktiv sein: Besucher können die Kultur der bewegten Bilder praktisch nachvollziehen. Denkbar sei auch eine Ausstellung von Filmgeräten zu Themen mit Wienbezug. Ob es neben den wechselnden Ausstellungen auch eine fixe geben wird, ist allerdings noch unklar. Neben dem Kino und der Ausstellung verfügt das Filmarchiv über eine großzügig angelegte Sammlung von Filmen, Filmfotos, Filmprogrammen, Plakaten und technischen Geräten: „Wir sammeln originale Filmquellen mit Fokus auf österreichische Filmgeschichte“, sagt Kieninger. Oft sind das Zeitzeugen vom Ursprung des Films, etwa alte Nitrofilme aus der Stummfilmzeit – Originale, die nur ein Mal existieren. Kieninger und sein Team suchen weltweit nach österreichischen Filmen. Das sind nicht nur Spiel- und

Foto: Filmarchiv Austria

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Dokumentarfilme, sondern auch Industriefilme, Werbefilme und Lehrfilme. „Jetzt haben wir einen weiteren Schwerpunkt, den Amateurfilm“, sagt Kieninger. Bewohner des Burgenlandes und Niederösterreichs waren aufgerufen, ihre selbst gedrehten Laufbilder abzugeben. 50.000 sind es bisher, von den frühen Zwanzigerbis in die Neunzigerjahre. Kieninger nennt das „Österreichs privates Filmgedächtnis“: „Es ist ein gezieltes Statement des Filmarchiv, die Filmgeschichte nicht nur als Werk der Großen zu sehen, sondern auch als ein Stück Alltagskultur. Filme aus der NS-Zeit von Amateuren sind – abgesehen von Propaganda – oft das einzige Material aus diesen Jahren.“ Deshalb will Kieninger die Aktion in den kommenden Jahren auf ganz Österreich ausdehnen.

Filmstadt Wien

„Unser Haus bietet die wichtigsten  Markierungen der Filmgeschichte.“  Alexander Horwath, Österreichisches Filmmuseum

Das Kino als Bildungsein-

Foto: Ali Schafler, Herta Hurnaus

richtung: das Filmmuseum Während die Ausstellung im Filmarchiv von Objekten und Artefakten lebt, ist im Filmmuseum die Leinwand selbst die Ausstellungsfläche: Im „Unsichtbaren Kino“ ist alle Aufmerksamkeit dem bewegten Bild gewidmet. „Im Kunsthistorischen Museum stellt man ja auch nicht die Staffeleien und Farben aus, sondern die Werke selbst“, sagt Museumsleiter Alexander Horwath, der das Filmmuseum seit zwölf Jahren führt und weit über die Filmlandschaft Österreichs hinaus bekannt ist. Horwath ist einer der renommiertesten österreichischen Experten für Film und ein wandelndes Filmlexikon. Er könnte stundenlang von den schwierigen Anfängen des Archivs sprechen, von verschollenen und gestohlenen Filmen, die mitunter an den absurdesten Orten wieder auftauchen, von der österreichischen Förderpolitik und den aktuellen Erfolgen des heimischen Films. 1964 gegründet, ist das Filmmuseum eine von weltweit etwa hundert Institutionen der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF). „Der gemeinsame Konsens ist, dass das Medium Film ein ebenso wertvolles Zeugnis der Menschheits- und Kulturgeschichte ist wie

In der Albertina: das

andere Medien und daher bewahrt werden muss“, sagt Horwath. Das Filmmuseum veranstaltet Symposien und Vorträge, es publiziert Bücher und DVDs, hier wird geforscht und vermittelt. In seiner Zeit als Museumsleiter hat sich viel verändert: Das „Unsichtbare Kino“ wurde renoviert und technisch erweitert, die Bar kam dazu, es wurde mehr publiziert, die Zusammenarbeit mit Schulen, Unis und internationalen wissenschaftlichen Institutionen wurde ausgebaut. In seiner Sammelpolitik will sich Horwath nicht einschränken lassen: „In der Gegenwart kann man nie wissen, welche Fragen zukünftige Generationen an die Archivalien stellen werden. Um zu sehen, was eine Gesellschaft mit dem Medium gemacht hat, ist der Propagandaoder Lehrfilm genauso wichtig wie der großartigste Lars-von-TrierFilm.“ Manche Schwerpunkte haben sich aus historischen Umständen ergeben: „Österreich war ein neutrales Land in der Ära des Kalten Krieges, daher waren die Beziehun-

Österreichische Filmmuseum

9 gen zwischen Moskau und Wien vergleichsweise gut.“ So entstand eine wertvolle Sammlung sowjetischer Filmkunst, darunter ein Teilnachlass von Dziga Vertov. Der internationale Avantgarde-Film und der unabhängige österreichische Film sind weitere Schwerpunkte. Mit seinem Programm verfolgt Horwath ein sehr konkretes Ziel: „Unser Haus bietet die wichtigsten Markierungen der Filmgeschichte. Wir versuchen die einflussreichsten KünstlerInnen, Gattungen, Genres und Epochen auf lebendige Weise zu vermitteln, damit jene, die sich dafür interessieren, über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren eine dichte Grundbildung zum Medium erwerben können.“ Dabei versucht Horwath, frühere Filmgeschichte in eine lebendige Spannung mit aktuellen Produktionen zu setzen. So kann es vorkommen, dass ein Programm einem Filmemacher aus den Dreißigerjahren gewidmet ist und gleichzeitig Filme mit Will Ferrell gezeigt werden. „Der Monat steht nicht unter einem Thema, aber unter einer bestimmten Spannung“, sagt Horwath, „der Funke springt zwischen den Themen umher.“ Die Idee dahinter: Eins und eins ist drei: Jedes Thema für sich ist stark, aber durch ihre Zusammenführung entsteht ein neues, stärkeres Bild. „Das ergibt sich vor allem für Besucher, die oft ins Filmmuseum kommen. Menschen, die einmal im Monat kommen, können einen schönen Film sehen, ohne sich groß Gedanken über die Konzeption des Programms zu machen.“ Kommendes Jahr feiert das Filmmuseum sein 50-jähriges Bestehen. Dafür wird es ein Sonderbudget geben. Geplant ist etwa eine große Schau mit dem Museum of Modern Art in New York. Horwath spricht auch von einem dreibändigen Schuber, der sich mit der Geschichte des Museums befassen wird. „Wir planen auch Projekte außerhalb des Hauses. Es wird darum gehen, was Film und Museum in der digitalen Ära bedeuten.“ Dass Jack Nicholson am Stephansplatz ein Feuerwerk entzündet, sollte man aber nicht erwarten. „Obwohl ich das schon lustig fände.“ Siobhán Geets 


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Filmstadt Wien

Das Filmfestival für Neugierige

Das Festival Viennale läuft vom 24. Oktober bis 6. November und ist die Grande Dame unter den heimischen Filmfestivals. Direktor Hans Hurch und die kaufmännische Geschäftsführerin Eva Rotter über ihr Konzept

Der Direktor auf Programm- recherche unterwegs 

Hans Hurch, seit 1997 ViennaleDirektor, sind die unzähligen Arbeitsstunden am Programm anzusehen. Schließlich trifft er die letzte Entscheidung darüber, welche Filme bei der Viennale gezeigt werden. „Ich nehme lieber in Kauf, einen Fehler zu machen, als mich mit einem Gremium in der Mitte zu einigen“, sagt Hurch, der im Jahr 2004 für seine Verdienste vom Land Wien ausgezeichnet wurde. Insgesamt wurden heuer laut Eva Rotter, seit 1998 kaufmännische Geschäftsführerin der Viennale, 1.350 Filme eingereicht, wovon rund hundert Produktionen von österreichischen RegisseurInnen stammen. Vieles entdeckt Hurch bei seiner Recherche, die ihn meist schon ab Jänner zu verschiedenen Filmfestivals führt. Wenn dann wie heuer etwa im Genre Dokumentarfilm viele Filme aus und über die USA gezeigt werden, etwa „The Great Flood“ (2012) von Bill Morrison oder „Our Nixon“ (2013) von Penny Lane, ergibt sich das aus Hurchs Recherche. Läuft jemand wie er, der bereits seit Jahren im Geschäft ist, nicht Gefahr, stets im selben Teich zu fischen? „Nein. Denn Kino ist wie ein Fluss und stets in Bewegung. Ich ­versuche das festzumachen, was

„Ich versuche das  festzumachen, was über den Tag hinaus relevant ist.“ Hans Hurch, Viennale Direktor

„Die Viennale hat  sich in den letzten Jahren gewandelt  und ist gewachsen.“ Eva Rotter, kaufmännische Geschäftsführerin

über den Tag hinaus relevant ist“, sagt der Viennale-Direktor. Kino ist aber nicht nur in Bewegung. Es kann, wie es der britische Schauspieler Charlie Chaplin vorlebte, die Welt sogar auf den Kopf stellen. Darüber, was gute Komik ausmacht, gehen die Meinungen freilich auseinander. Ein paar ausgewählte englischsprachige Komödien wie „The Dirties“ (Kanada, 2013) von Matthew Johnson oder „Computer Chess“ (USA, 2013) von Andrew Bujalski haben es heuer ins Hauptprogramm der Viennale geschafft. In der Retrospektive widmet man sich dem Komiker Jerry Lewis und im „Tribute“ Will Ferrell.

Der Wiener Filmpreis für  großes Kino 

Dokumentarfilme – nicht zuletzt die heimischen – erleben seit einigen Jahren eine immer stärkere Aufwertung. Dass der Wiener Filmpreis seit 2009 in zwei Kategorien, nämlich „Spielfilm“ und „Dokumentarfilm“, an heimische FilmemacherInnen vergeben wird, trägt wesentlich dazu bei. Der Preis, von der Stadt Wien gestiftet, wird seit 1991 jährlich im Rahmen der Viennale verliehen. Heuer gehen laut der kaufmännischen Geschäftsführerin der ­Viennale Eva Rotter für beide Kategorien zusammen insgesamt 22 österreichische Produktionen ins Rennen. Die eingereichten Filme müssen entweder im Rahmen der letzten ­Viennale oder danach im Kino gezeigt worden sein. Eine fünfköpfige nationale Jury, die vom ViennaleVerein zusammengesetzt wird, bestimmt schließlich die Gewinner in den beiden Katgorien. Der Wiener Filmpreis ist mit 5.000 Euro pro

­ ategorie dotiert. Hinzu kommen K laut Rotter noch Sachwerte im Ausmaß von rund je 7.000 Euro. Der Vorjahressieger in der Kategorie „Dokumentarfilm“ war „Meine keine Familie“ von Paul-Julien Robert, der bereits für den Österreichischen Filmpreis 2014 eingereicht wurde. In der Kategorie Spielfilm konnte Michael Hanekes „Amour“ den Preis gewinnen. Wirft Rotter einen Blick zurück, so hat sich auch die Viennale in den letzten Jahren gewandelt und ist in vielerlei Hinsicht gewachsen. Eine wichtige Rolle spielt dabei, wie fast überall, das Geld. Langjährige Partner halten und neue Sponsoren gewinnen: Bereits am Tag nach der Viennale beginnen die für das Sponsoring zuständigen MitarbeiterInnen mit ihrer Arbeit. Für die Zukunft erhofft sich Rotter, dass das Filmfestival weiter wachse und ausreichend Budget vorhanden sei, damit das Festival in dieser Form weiterbestehen und auch seinen hohen Qualitätsanspruch etwa an die Filmauswahl beibehalten könne.

Das Filmfestival für 

Neues und Überraschendes Von ihrer Grundidee her will die Viennale für ihre Besucherinnen und Besucher – 96.900 waren es im Vorjahr – eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herstellen. Ein Beispiel dafür ist das filmische Porträt des aus Wien stammenden Rabbiners und Judenältesten von Theresienstadt Benjamin Murmelstein im Dokumentarfilm „Le dernier des injustes“ (F/A 2013) von Claude Lanzmann. „Der Film spricht extrem schwierige Aspekte des Holocaust an und behandelt

Foto: Alexander Tuma, Robert Newald

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chon ab Anfang der Siebzigerjahre verhalf ihr damaliger Direktor Edwin Zbonek dem damals noch recht jungen Filmfestival „Viennale“ zu mehr Internationalität. Die Viennale ist bis heute das einzige heimische Filmfestival, das bei der „Fédération Internationale des Associations de Producteurs de Films“ (FIAPF) akkreditiert ist.


Filmstadt Wien

SPECIAL

Foto: Alexander Tuma

Publikumsmagnet

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Viennale. Sie ist der alljährliche Höhepunkt der Filmkultur in Wien

grundlegende Fragen wie etwa die Rolle des Einzelnen in der Geschichte“, sagt Hurch. An diesem Film ist ihm die Qualität und nicht die Zahl der Besucher wichtig. Besucherzahlen sind für ihn ohnehin „nicht das allein ent-

Die Viennale will Vergangenheit,  Gegenwart und  Zukunft verbinden

scheidende Kriterium“. Gibt es einen „typischen“ Viennale-Besucher – immerhin kennt man die langen Warteschlangen bei den Vorverkaufsstellen? Ja, die Viennale hat, laut Rotter, ein starkes Stammpublikum. Dennoch hofft Hurch, dass

das Filmfestival auch neue Gäste neugierig macht und anspricht. Da kommt es dann eben auf die Programmgestaltung der Viennale an, um den Wienerinnen und Wienern Überraschendes und Neues Sonja Burger nahezubringen.


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Filmstadt Wien

So viel Film, so viel Fest

Die Vielfalt an Filmfestivals in Wien ist erstaunlich. Hier geben wir einen kleinen Überblick über das Programmangebot

ie 51. Ausgabe des größ­ten und bei Weitem bekanntesten Filmfestivals der Stadt, der V ­ iennale, findet heuer statt. Während zweier Wochen im Herbst werden einem kinohungrigen Publikum Produktionen aus dem In- und Ausland präsentiert. Das Festival legt auf ein facettenreiches Hauptprogramm Wert. Die Viennale genießt international einen ausgezeichneten Ruf, deshalb folgen jedes Jahr auch internationale Gäste der Einladung der Veranstalter. In mehreren Kinos der Stadt spielt das Programm und bringt verschiedene Themenschienen, Schwerpunkte, Retrospektiven und vor allem natürlich neue, in Wien noch nie gesehene Filme. www.viennale.at

Das Jüdische Filmfestival in Wien fand heuer zum 21. Mal statt. Die Filme des heurigen Festivals liefen unter dem Titel „Vergangenheit verstehen hilft Zukunft gestalten“. Das Festivalprogramm dreht sich stets um das filmische Schaffen jüdischer Künstler. Darüber hinaus liegt ein Augenmerk auf den Begleitveranstaltungen des Vereins peacecamp. Seit 2004 organisiert dieser Verein Begegnungsorte für jüdische und arabische Israelis sowie österreichische und ungarische Jugendliche. Bespielt werden Votivkino und De France. Das Filmfrühstück als besonderes Angebot ist eine unterhaltsame Möglichkeit für den Start in den Tag. www.jfw.at

Alle zwei Jahre in Wien zu sehen – internationales und heimisches Queer-Kino:

Seit 2008 legt das Filmfestival „this human world“ seinen speziellen Fokus auf den gesellschaftskritischen, unabhängigen Film. In vier verschiedenen Kinos wird ein Programm rund um das Thema Menschenrechte vorgestellt. 80 Spielfilme, Dokumentar- und Kurzfilme, sowie Publikumsgespräche und Workshops ermöglichen einen ganzheitlichen Annäherungsversuch. Im Rahmen des Festivals gibt es jährlich auch einen Schüler-Kurzfilmwettbewerb. Die Filme werden im Gartenbaukino, im Top Kino, im Schikaneder und im Filmcasino gezeigt und von einer Jury bewertet. Außerdem runden Partys das Programm ab. www.thishumanworld.com

Identities

Das Tricky Women Festival beschäftigt sich vom 13. bis 16. März 2014 mit Werken von Filmemacherinnen im Genre Animation. Neben dem Wettbewerb laufen die Schienen „Österreich Panorama“ und „Dokumentarische Animation“ im Programm. Spielort ist das Haydnkino. Außer dem internationalen Wettbewerb werden hier auch Masterclasses und Workshops für Einsteiger angeboten. www.trickywomen.at Fans des Kurzfilmgenres kommen beim Vienna Independent Shorts auf ihre Kosten. Vom 23. bis 29. Mai 2014 werden wieder ausgesuchte internationale Kurzfilme gezeigt. 2013 hat das VIS sein zehnjähriges Bestehen gefeiert und

Foto: Steffi Dittrich

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SPECIAL

Filmstadt Wien

Foto: Nikolaus Jantsch

Treffpunkt und Präsentationsmöglichkeit für Animationsfilmerinnen: das Festvial sich mittlerweile als größtes Kurzfilmfestival Österreichs etabliert. Es werden Preise verliehen, unter anderem auch vom Publikum, das in fünf Kategorien prämieren darf. Ambitionierten Kurzfilmemachern wird die Teilnahme wärmstens empfohlen – und dem Publikum auch. www.viennashorts.com Das Identities Film Festival ist zum Fixpunkt der heimischen Filmfestival-Szene geworden. Mit seinem Programm für Queer-Kino bietet es internationalen, aber auch heimischen Produktionen zum Thema eine Plattform – und ist darüber hinaus im Filmverleih für Kino abseits des Mainstreams tätig. Geehrt und ausgezeichnet werden Filme aus den Kategorien „Internationaler Film“, „Publikumsliebling“ und „Kurzfilm“. Gefeiert wird dann im Filmcasino, in der Schikaneder Bar und im Top Kino. www.identities.at Dass Kinder im Filmfestivalgeschehen nicht zu kurz kommen, dafür sorgt das Internationale Kinderfilmfestival im November. Mit seinem Fokus auf das junge Publikum von vier bis 14 Jahren feiert das Festival heuer sein 25-jähriges

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Tricky Women

Bestehen und zeigt wie immer hochwertige Kinderfilmproduktionen. Neben einem Publikumspreis und dem Preis für den besten Film wird auch der UNICEF-Preis verliehen. Moderate Eintrittspreise machen selbst großen Familien den Besuch möglich. Gespielt wird im Cine Center, in der Urania und im Votiv Kino. www.kinderfilmfestival.at Das Internationale Filmfestival für junge Leute – Gaffa findet im nächsten Jahr zum achten Mal statt. Der Schwerpunkt liegt auf Filmen für „junge Leute“. Das Programm in der Wiener Urania zeigt Produktionen aus dem In- und Ausland als österreichische Erstaufführungen. Eine Jugendjury kürt den besten Film, zudem gibt es einen Publikumspreis. www.gaffa-filmfestival.at Das Festival des fantastischen Films bietet jährlich im Herbst Filme zum Fürchten. Als slash/Festival zeigt es einen Querschnitt aus allen Grusel-Genres. Dank der wachsenden Fangemeinde wird es im Herbst 2014 zum fünften Mal im Filmcasino stattfinden. Werke der Großmeister des Horror-Genres werden

dabei ebenso zu bestaunen sein wie kleine, gemeine Slasher-Streifen. www.slashfilmfestival.com Bereits zum sechsten Mal findet vom 18. bis 26. November 2013 das

Mittelamerikanische Filmfestival (MAFF) statt. Das Augenmerk wird

auf die Kooperation mit unabhängigen Regisseuren und Produzenten aus Mittelamerika gelegt. Alle Spanisch Sprechenden können die Filme im Original genießen, für alle anderen laufen sie mit englischen oder deutschen Untertiteln. Ziel ist es laut den Veranstaltern, den Kinobesuchern „durch das Medium Film Einblicke in Zentralamerika zu präsentieren“. www.centroamerica.at Die Poolinale findet im kommenden Jahr vom 27. bis 30 März statt – und das auch schon zum vierten Mal. Als bewährte Festivalzentrale dient das Top Kino. Vor allem auch deshalb, weil es sich schnell in eine Party-Location umfunktionieren lässt. Im Fokus dieses Festivals stehen Musikfilmproduktionen aus aller Welt – jeweils zu einem thematischen Schwerpunkt. www.poolinale.at

Das Filmfestival der Filmakademie zeigt Arbeiten von Studieren-

den der Filmakademie ebenso wie von Filmschaffenden ihrer Partneruniversitäten. Preisverleihungen, Workshops, Lectures und Partys runden das jährlich im Frühjahr stattfindende Festival ab. www.filmfestivalwien.com Im 16. Jahr seines Bestehens bietet das Festival du film francophone vom 2. bis 10. April 2014 eine Auswahl an aktuellen Filmproduktionen aus dem frankophonen Raum. Filme aus allen Ländern, in denen Französisch gesprochen wird, bilden das Programm. Auch selten im europäischen Kino gezeigte Filme, etwa aus dem afro-karibischen Raum, sind bei diesem Festival zu sehen. www.fffwien.at Das Ethnographic and

­ ocumentary D Filmfest Vienna ist eine kultur- und sozialan-

thropologische Medienwerkschau. Die Filme werden mit Wissenschaftern und freien Filmschaffenden diskutiert und reflektiert. Pflichtprogramm für alle ­Soziologieoder Ethnologie-Interessierte. www.ethnocineca.at Elly Kiss


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Filmstadt Wien

So cineastisch ist der Sommer

Die Open-Air-Saison ist leider Vergangenheit – doch der nächste Sommer kommt ja bestimmt und mit ihm die Freiluftkinos in Wien. Ein Überblick zum Vorgustieren

iner der bekanntesten Plätze Wiens wird im Sommer zum Open-Air-Kino – der Karlsplatz. Im Juni und Juli stehen für das Kino unter Sternen Zelte im Resselpark und eine große Leinwand bereit. Das Programm bietet zwei Schwerpunkte: eine Auswahl aus dem aktuellen österreichischen Filmschaffen und Werke von Filmemachern im Exil. Vor Filmbeginn unterhalten geladene Regisseure, Musiker, Kabarettisten und Schauspieler das Publikum. Auf Decken lässt sich bei freiem Eintritt der Kinosommer bequem genießen, Standln mit Getränken kümmern sich um den Durst. http://kinountersternen.at Das Wanderkino VOLXkino lädt seit 1990 an verschiedene Orte Wiens zum Filmvergnügen ein. Das mobile Kino will an diesen Plätzen für eine sommerliche Belebung sorgen. An untypischen Orten für eine Kinovorstellung sind von Anfang Juni bis Ende September Perlen aus der Filmgeschichte bei freiem Eintritt zu bewundern. Bei Schlechtwetter informiert eine Hotline. http://volxkino.at

lockt jedes Jahr mehr Besucherinnen und Besucher an. Auch heuer wurde der Besucherrekord wieder gebrochen – mittlerweile gehört das Film Festival für Einheimische wie für Gäste zu den festen Kultureinrichtungen der Stadt. Von Juli bis August bietet es ein ProgrammPotpourri aus Oper, Ballett, Weltmusik und Jazz bei freiem Eintritt. 22 Kulinarik-Stände mit einem Angebot internationaler Küchen sorgen für zusätzlichen Publikumsandrang und zufriedene Gesichter. www.filmfestival-rathausplatz.at Das Open-Air-Kurzfilmfestival ­Espressofilm im Gartenpalais Schönborn in der Josefstadt präsentiert nach dem Motto „Kurzfilm ist der Espresso unter den Filmen. Die gleiche Dosis, nur weniger Wasser“ seit 2008 internationale Produktionen. In barocker Umgebung wird bei

Im Renaissanceschloss Neugebäude kann man gemütlich bei Tisch oder auf Sofas und Fauteuils das filmische Schaffen der letzten Jahre aus Hollywood genießen. Ein Buffet bietet Speisen und Getränke, außerdem gibt es eine Überdachung bei Schlechtwetter. Wohl eines der romantischsten Sommerkinos der Stadt. www.schlossneugebaeude.at Das frame{o}ut im MuseumsQuartier bietet im Juli und August eine Auswahl aus den Bereichen Animation, Motion Design und Motion Comics. Ganz im Sinn eines digitalen Kulturgenusses wird an verschiedenen Abenden Spielern die Leinwand für Open-Air-Gaming zur Verfügung gestellt. Das Ganze bei freiem Eintritt – und die Hochstimmung des Sommer-MQs gibt es umsonst dazu. www.frameout.at

Letzten Sommer lud das Kino am Dach Filmfans zum „Open-Air-Gazing“ über der Stadt ein. Zwei Monate lang werden Filme rund um einen thematischen Schwerpunkt auf dem Dach der Wiener Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz gezeigt. In den letzten Jahren gab es eine Filmauswahl zu Themen wie „City Lights“, „Liebe“ oder „Don’t Panic – alles wird gut“. Eine Bar steht durstigen Gästen zur Verfügung. Ein Filmerlebnis in urbaner Atmosphäre. http://volxkino.at/kino-am-dach Die 300-Quadratmeter-Leinwand des Film Festival am ­Rathausplatz

freiem Eintritt das Kurzfilmschaffen präsentiert und im Anschluss mit Diskussionen gewürdigt. http://espressofilm.at Im Sommer bietet die Arena bei Anbruch der Dunkelheit Lichtspielvorführungen. Ein breit angelegtes Programm zeigt Filme von leichter Hollywoodkost bis zum Dokumentarfilm mit politischem Anspruch. Auch auf Essen und Trinken muss man nicht verzichten – gesessen wird auf der Wiese vor der Leinwand. Für leicht frierende Gäste halten die Veranstalter Wolldecken bereit. http://arenavie.com

VOLXkino tourt durch die Bezirke

Das Stumm & Laut-Festival wurde bis 2011 am Laaberg veranstaltet, danach gab es einen Wechsel, und so liegt der neue Aufführungsort nun am Columbusplatz im 10. Bezirk. Liebhaber historischer Filme

kommen hier auf ihre Kosten – zu den Filmen wird eigens arrangierte Live-Musik gespielt. www.volxkino.at/stumm-laut Im Juni steht für eine Woche ­Science-Fiction im Bruno-KreiskyPark am Programm. Das unter der Schirmherrschaft der Margaretner Filmnächte laufende Festival S ­ cience Fiction im Park erfreut sein Publikum mit Skurrilitäten, aber auch mit Klassikern des Genres Science-Fiction. Nach dem Nervenkitzel kann man sich vor Ort in Hängematten entspannen. www.sciencefictionimpark.at Im Juni und August dürfen auch die Kleinsten ins Sommerkino. Das Cinemagic Ferienkino ist zwar ein Sommerkino, findet aber in der Urania statt. Gezeigt werden sorgfältig ausgewählte Kinderfilme aus den letzten Jahren. Alle dürfen rein, die bereits ihr drittes Lebensjahr erreicht haben – die Karten sind günstig und noch günstiger mit dem Ferienspiel-Pass der Stadt Wien. www.cinemagic.at Das Kino wie noch nie – Open Air am Augartenspitz wird jährlich im Juli und August gemeinsam von der Viennale mit dem Filmarchiv Austria veranstaltet. Dementsprechend hochkarätig ist auch die Programmauswahl. Schätze aus vielen Epochen des Kinos werden dem Publikum hier geboten. Österreich-Premieren und Themenspecials verraten die cineastischen Ambitionen der Veranstalter. In der einmaligen Atmosphäre des Augartens versorgt die Grünstern-Gartenküche mit Feinstem aus Österreich. Filmstart ist jeweils um 21.30 Uhr. Bei Schlechtwetter kann man in ein Kinozelt ausweichen. www.kinowienochnie.at Elly Kiss

Foto: VOLXkino

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Fotos: Stadt Wien Marketing, Markus Fr端hmann

SPECIAL

Im Sommer ist ganz Wien Kino:

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Filmstadt Wien

Film Festival am Rathausplatz sowie Kino unter Sternen

am Karlsplatz


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Filmstadt wien

Wiener Filmmusik Preis Die Stadt Wien leistet auch einen Beitrag zur Entwicklung der Filmmusikszene

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um vierten Mal lädt der Österreichische Komponistenbund junge KomponistInnen ein, ausgewählte Filmsequenzen neu zu vertonen und zum Wettbewerb um den Wiener Filmmusik Preis einzureichen. Die Ausschreibung für 2013 erfolgt Ende Oktober des Jahres. Gestiftet wird der Preis vom Filmfonds Wien, der dafür auch das Preisgeld

von 7.000 Euro bereitstellt. Die Aufgabe für die KomponistInnen besteht darin, vier Szenen aus aktuellen österreichischen Kino- und Fernsehproduktionen der Genres Spielfilm, Fernsehproduktion und Kriminalserie neu zu vertonen. Die Preisverleihung und Präsentation des Siegerbeitrages erfolgt bei einer Film Composers’ Lounge 2014.

Gewinner des Wiener Filmmusik Preises 2012

Michael Kurt Schäfer

Gewinner des Max-Steiner-Musikpreises 2013

James Horner

Eine STADT. Ein FILM. Eine von der Stadt Wien geförderte Aktion zur Unterstützung der Programmkinos und zur Verbreitung des österreichischen Films

Karl Markovics

ren von neuen Publikumsschichten. Und zu guter Letzt hilft es den österreichischen Filmschaffenden, wenn ihre Filme der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden. Die bisherigen Aktionsfilme „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ (2012 – Regie: ­Andreas Prochaska, Hauptrolle: Publikumsliebling Michael Ostrowski) sowie Karl Markovics‘ Regie-Erstling ­„ Atmen“ (2013) lockten mehrere tausend Zuseher in die Kinos.

Beim Dreh seines Films „Atmen“

Impressum: Medieninhaber: Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H., 1010 Wien, Marc-Aurel-Straße 9, T: 01/536 60-0, F: DW 935, E: wienzeit@falter.at, www.falter.at; Herstellung: Falter Verlags­gesellschaft m.b.H.; Redaktion: Fuchs & Partner; Gestaltung und Produktion: R. Hackl; Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau; DVR: 047 69 86. Diese Beilage ist eine entgeltliche Einschaltung und erscheint in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien.

Wiens Max-Steiner-Musikpreis Jedes Jahr wird im Rahmen des Festivals der Filmmusik Hollywood in Vienna der „Max Steiner Film Music Achievement Award“ an einen Komponisten vergeben

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ie bisherigen Preisträger waren Lalo Schifrin (2012), Alan Silvestri (2011), Howard Shore (2010) und John Barry (2009). Der Preis bezieht seinen Namen vom Wiener Komponisten Max Steiner. Er hat ab den Zwanzigerjahren wesentliche Techniken für die Filmvertonung erfunden und für „King Kong“ den ersten großorchestralen Soundtrack der Filmgeschichte geschrieben. Insgesamt komponierte er mehr als 300 Filmmusikwerke, darunter für „Vom Winde verweht“ und „Casablanca“. Er wurde mit

drei Oscars ausgezeichnet und gilt in Hollywood auch als „Vater der Filmmusik“. Heuer ging der Preis an James Horner, Sohn des Wiener Bühnenbildners Harald Horner. Harald emigrierte in den Dreißigerjahren mit Max Reinhardt in die USA, arbeitete dort als einer der bedeutendsten SetDesigner Hollywoods und wurde mit einem Oscar geehrt. Sein Sohn James Horner hat Musik für über 100 Filme geschrieben, darunter „Alien“, „Apollo 13“, „A Beautiful Mind“, „Avatar“ und „Titanic“.

Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abrufbar. Auf eine durchgängige gendergerechte Schreibweise wurde zugunsten der leichteren Lesbarkeit verzichtet. Substantive in dieser Beilage gelten immer für beide Geschlechter.

Fotos: epo film/Petro Domenigg, Viktor Brazdil, Hollywood in Vienna

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nalog zur Aktion „Eine Stadt, ein Buch“ wurde die Aktion „Eine Stadt. Ein Film“ ins Leben gerufen: Wiener Programmkinos zeigen einmal im Jahr bei freiem Eintritt einen von einer Fachjury ausgewählten österreichischen Kinofilm. Die noch junge Aktion bietet Vorteile für alle Beteiligten: Die Wienerinnen und Wiener werden eingeladen, kostenlos einen herausragenden österreichischen Film zu sehen. Die Programmkinos profitie-


Verlagsbeilage #66