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04 2017

anzeiger

Das Magazin für die österreichische Buchbranche

Schulbuch oder Tablet?

Reisen: analoge Entdecker

Keine Zwei-Staaten-Lösung

Oder beides? Wenn unsere Schulen tatsächlich digital werden, bedeutet das auch einen Wandel für die Buchbranche

Die besondere Rolle von gedruckten Reiseführern in Zeiten von Tripadvisor, Airbnb und Reiseblogs

Nir Baram, Shootingstar der israelischen Literaturszene, erzählt im Interview, wie ihn ein Buch politisch heimatlos machte

Ö s t e r r e i c h i s c h e P o s t A G M o n a t s z e i t u n g / M Z 0 2 Z 0 3 0 8 7 7 M / 1 5 2 . J a h r ga n g

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– 152. Jahrgang –

„Mein wichtigstes Anliegen am Beginn ist es, Sie, ja Sie, kennenzulernen“

SACHBUCH

MEHR RESPEKT BITTE DER GESELLSCHAFTSPHILOSOPH PETER SASSE GEHT DEM VERHÄLTNIS DES MENSCHEN ZUM TIER AUF

Gustav Soucek

DEN GRUND UND KOMMT ZU AUFRÜT TELNDEN ERGEBNISSEN.

P

reise! Mit dem neu geschaffenen Österreichischen Buchhandlungspreis, initiiert und organisiert vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und gestiftet vom Bundeskanzleramt, wurden erstmals jene Institutionen geehrt, die das Kulturgut Buch täglich unterstützen, aus dem Meer an Veröffentlichungen ihre Auswahl treffen, diese Titel an ihre KundInnen verkaufen und, nicht zuletzt, als Kulturstätte ihrer Umgebung fungieren: der Buchhandel. Bei der Jury-Auswahl ging es vor allem um innovative Konzepte, KundInnennähe und Engagement, denn das braucht es, um mit internationalen Handelsplattformen konkurrieren zu können. Das große Medieninteresse an den fünf ausgezeichneten Buchhandlungen freut uns und zeigt das Geschäfts-Potenzial dieser Initiative für den Handel – und die gesamte Branche (S. 15). Für Aufmerksamkeit sorgten auch die 15 schönsten Bücher Österreichs: Die Auszeichnung, bei der die gestalterische und herstellerische Qualität im Vordergrund steht, wurde diesmal so häufig ausgestellt wie noch nie. Nach dem designforum Wien und der Leipziger Buchmesse ist das Steiermärkische Landesmuseum in Graz im Designmonat Mai der next stop der „Schönsten Bücher“ (S. 15). Reise! Passend zum nahenden Sommer beschäftigt sich diese Ausgabe mit Reiseliteratur: Vorteile klassischer Reiseführer und Online-Ergänzungen beschreibt Reiseblogger Johannes Klaus in seinem Gastkommentar (S. 13), die Top-Reiseziele 2017 und aktuelle Bücher dazu finden Sie auf S. 14.

Tierversuche, Massentierhaltung und Tierquälerei etwa bei der Herstellung von Mozzarella: Unser Verhältnis zum Tier ist immer noch ein desaströs unempathisches, wie Peter Sasse in seinem bemerkenswerten Buch zeigt. Dabei sind Tiere oft einfühlsamer und selbstloser als wir; das belegt der Autor anhand von verhaltenspsychologischen Studien und vielen konkreten, oft anrührenden Beispielen, wie der Geschichte des sechsjährigen Shane und seines krebskranken irischen Wolfshundes. Auf der Suche nach Erklärungen streift Sasse Religion, Philosophie und Naturwissenschaft. Ein aufklärendes und aufrüttelndes Sachbuch mit der deutlichen Aufforderung, den Umgang mit Tieren gründlich zu hinterfragen.

Schule! In „Das flimmernde Klassenzimmer“ beschäftigt sich der anzeiger diesmal mit dem brisanten Thema der Digitalisierung im Schulbuchbereich und deren Auswirkungen auf die Schulbuchaktion (ab S. 16). Ob SchülerInnen künftig noch aus Büchern lernen werden, beantworten vier Stimmen aus der Branche in „Kurz gesagt“ (S. 7).

F O T O : PAU L L A N D L

Persönlich! Im April kommen die HVB-Mitglieder Markus Renk (Wagner’sche Buchhandlung), Annette Knoch (Literaturverlag Droschl), Michael Steinbach (Rare Books) und Verlagsvertreterin Helga Schuster ab S. 24 zu Wort. Und zum Abschuss noch eine persönliche Bitte: Ich darf seit 1. April 2017 als Geschäftsführer des HVB tätig sein. Mein wichtigstes Anliegen am Beginn ist es, Sie, ja Sie, kennenzulernen. Ihre Meinung zu hören, Ihr Stimmungsbild aufzunehmen, von Ihnen zu lernen. Sie erreichen mich gerne unter soucek@hvb.at, via Festnetz: 01 512 15 35-30 oder auch mobil: 0664 88 44 60 44. Ich freue mich auf Sie! TIERE SIND DIE BESSEREN MENSCHEN PETER SASSE MUSKETIERVERLAG 232 SEITEN, GEBUNDEN € 20,50 ISBN 978-3-946635-01-7

Gustav Soucek HVB-Geschäftsführer

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14.04.2017 12:35:47 Uhr


– Inhalt – HVB-MITGLIEDER IM PORTRÄT

24

Markus Renk

Der Buchhändler möchte die Wagner’sche in die Zukunft führen

25

Annette Knoch

Die Leiterin des Droschl Verlags will Sprache und Neugier erwecken

26

Michael Steinbach Der Antiquar aus Wien reist um die ganze Welt

thema

7

Helga Schuster

Kurz gesagt Vier Stimmen zur Zukunft der Schulbücher

16

Essenziell Was bedeutet die Digitalisierung der Schulen für die Buchbranche?

Die schönsten Bücher Österreichs werden in Graz ausgestellt

15

10

Selbstredend

28

Nir Baram Der isrealische Autor spricht über Zionismus, den Nahost-Konflikt und seine Familie

Ein Gedicht „Nyktinastie“ von Lydia Steinbacher, kommentiert von Erwin Uhrmann

Gutenberg-Galaxie Bob Dylan, Ivana Trump, Barack Obama und das Oxford Comma Wissenswert 25 Jahre lex liszt Buchpreise Lektorenwechsel bei Droschl Anthologie zum Welttag des Buches Rauris-Preisträger im Interview 200 Jahre Musikhaus Doblinger

13

Gastkommentar Welche Funktion haben gedruckte Reiseführer heute noch? Reiseführer Die Top-8-Reisedestinationen 2017

Helga Schuster reist für unab­ hängige Verlage durch Österreich

Der Verlagsvertreterin geht es beruf- lich wie privat um das Buch

wissenswert

8

27

lyrik

6

27

14

15

Wissenswert Der erste Österreichische Buch- handlungspreis wurde verliehen Die schönsten Bücher Österreichs sind in Graz zu sehen

28 Sein Buch machte den Schriftsteller

Nir Baram politisch heimatlos

klassiker

33

Eingezapft und verbolzt

Henry David Thoreaus „Walden oder Leben in den Wäldern“

Standards marktdaten monatsbestseller Titelschutz Impressum

9 22 34 34

F o t o s : k a t h a r i n a g o s s o w, p r i va t, HV b / P r e i s , c h r i s t o p h e r m a v r i c

Wie und womit werden Österreichs SchülerInnen künftig lernen?

16

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– Lyrik –

Ein Gedicht

Kommentar

Ausgewählt und kommentiert von Erwin Uhrmann Sprache und Landschaft Lydia Steinbacher, 1993 in Niederösterreich geboren, ist derzeit eine der eigenständigsten lyrischen Stimmen in Österreich. Mit kraftvoller Sprache und in langsamen Tempi begegnet sie den großen Themen: Liebe, Tod, Freiheit, Einsamkeit und der Umgang mit Erinnerung. Die Dramen in Steinbachers Gedichten spielen sich vor Naturszenerien ab. Sie beschreiben das unentwegte Sich-Gegenseitig-Missverstehen, das sich tief in die Psyche hineinfrisst und bisweilen zu zwischenmenschlichen Zerwürfnissen führt. Die Gegenwart ist dabei das Dilemma, in ihr ist der Mensch zerrissen und ausgesetzt: Sprachlosigkeit, das Hadern mit der Vergänglichkeit und das Verstummen. Die sprachliche Intensität, mit der Steinbacher diese Spannungsfelder dichtet, erinnert an die Lyrik Pasolinis und hat stets den Charakter der Auflehnung. Ihre Blickwinkel sind die der involvierten und empathischen Beobachterin, der genau Analysierenden, auch der Reisenden. So finden sich in den Gedichten nicht nur Verweise auf besuchte Orte, etwa Kasachstan, Schottland und Slowenien, sondern auch Worte aus verschiedenen Sprachen. Die Natur spielt eine große Rolle. Einmal ist sie Metapher, einmal Kulisse, einmal Thema. Auffallend ist Steinbachers Blick für Details, Abläufe in der Natur und die Eigenheiten von Landschaften. Das Wort „Nyktinastie“, nach dem ein Gedicht benannt ist, stammt aus der Botanik und beschreibt die Lageveränderung pflanzlicher Organe durch Licht- und Temperaturreize, etwa die Schlafbewegung von Kleeblättern. Steinbacher übersetzt diesen Vorgang in Sprachrhythmus und lässt ihn dadurch beim Lesen erfahrbar werden. Die Gedichte bewegen sich aus dem Rahmen des Urbanen und dringen tief in weite Landschaften. Was sagen Landschaften über die Menschen, die in ihnen leben, aus? Welche Erinnerungen sind in ihnen gespeichert? Kann man diesen eingeschriebenen Erinnerungen je entkommen?

Aus dem Gedichtband „Im Grunde sind wir sehr verschieden“ von Lydia Steinbacher Nyktinastie* wie der Klee nachts seine Blätter faltet kehrst du dich zögernd nach innen im feuchten Nadelwald in den die Nacht sich vertieft kann sich dein Leben neu erfinden? im scheinbaren Wind treibende Verse vermischt mit Monden und Krähen wo sich die Augen verirren auseinanderfallende Akkorde im pflanzlichen Organ der Stille du hältst sie fest mit dem letzten Willen mit jedem Finger auf die Tasten gelegt die Abgründe zwischen den ungebundenen Tönen wie das Schweigen zwischen den Worten unsagbar erdig ersterben die Wurzeln im Gefühl es geht etwas verloren du musst jetzt tiefer atmen der Nebel hängt zerrissen im Ast kalte Sonne regnet durchs Dickicht ausgelassener Himmelsteich die Bläue schmiegt sich unter deine Haut erkennst du sie wieder? im Schimmern die Adern schreiben sich fort in dir du wurdest rechtzeitig gefunden die Fiederblätter des Klees entfalten sich in deinen Augen der Brust und dem Mund sprießen zweikeimblättrige Gedanken leise sprichst du ein Einverständnis mit offenen Händen in die Ferne gewandt die verletzte Musik heilt sich im Licht im wahren Wind treiben deine Gezeiten du musst dich wieder entfalten du hast noch Schritte zu gehen du musst jetzt tiefer atmen

Bei Limbus ist soeben Lydia Steinbachers zweiter Lyrikband „Im Grunde sind wir sehr verschieden“ erschienen. Daraus stammt das Gedicht „Nyktinastie“.

*Nyktinastie: die meist durch Licht- und Temperatur­ reize hervorgerufene Lageveränderung pflanzlicher Organe, zum Beispiel die Schlafbewegungen der Blätter verschiedener Schmetterlings-blütler wie Klee

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– Kurz gesagt –

Relikt oder Zukunft? werden schüle­rinnen künftig noch aus büchern lernen?

F o t o s : M a g . T h o m a s r o t t, m e l o , K r a l V e r l a g , F o t o F a l ly

Flexible Lernumgebungen Schulbücher sind keine Lektüre, sondern Werkzeug für viele: SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern, LernhelferInnen. Sie sind „Content in Context“, strukturiert nach einem durchdachten Plan, um Lernfortschritte zu gewährleisten. Digitale Schulbücher können diese Aufgabe noch besser erfüllen – als flexible Lernumgebungen, die Inhalte mit Prozessunterstützung Thomas Rott, kombinieren und AnwenderInnen neue Manz Verlag Möglichkeiten der Partizipation bieten, sodass sie die Inhalte für ihre Bedürfnisse adaptieren, ändern und ergänzen können. Digitale Schulbücher werden keine Bücher sein. Ihre Zukunft hat gerade erst ­begonnen!

Alfred Schierer, öbv Verlag

Multimediales Programm Der öbv versteht sich als Bildungsverlag, denn unser Programm umfasst nicht nur Gedrucktes, sondern auch ein breites Spektrum an digitalen Zusatzangeboten. Digitalisierung ist ein gesellschaftliches Phänomen, das in den Klassenzimmern noch verstärkt einziehen wird müssen. Es wäre falsch, analog und digital als etwas Gegensätzliches zu definieren, unser Ziel ist es vielmehr, Lernen und Lehren bestmöglich zu unterstützen. Die Einführung von digitalen Hilfsmitteln in den Unterricht ist als Prozess zu sehen, den wir als Verlag mit den passenden Materialien begleiten wollen und können. Die Frage „Haben Schulbücher Zukunft?“ würde ich daher mit „Ja“ beantworten, doch sie werden anders aussehen und multimedial sein.

Wissensvermittlung seit 250 Jahren Selbstverständlich! Schulbücher gibt es seit mehr als 250 Jahren und solange noch kein „Wissens-Chip“ implantiert wird, werden wir dieses Lehrmittel zur Wissensvermittlung benötigen. Und hier nimmt das gedruckte Schulbuch (trotz „Digitalisierungs-Hype“) die zentrale Stellung ein. Kein anderes Medium kann derart autonom, preiswert, selbsterklärend und nachhaltig Wissen und Werte Franz Lintner, über Jahrzehnte vermitteln. Ohne QuerfinanMedienlogistik (MELO) zierung durch gedruckte Schulbücher sind digitale Medien für den Schulbetrieb derzeit nicht wirtschaftlich darstellbar.

„Solange noch kein ,Wissens-Chip‘ implantiert wird, werden wir dieses Lehrmittel benötigen“

Tablets in der Praxis Zukunft in einer beliebigen Schule: Lehrerin: Karli, wo ist dein Tablett ? Karli: Das wurde mir gestohlen. Hansi: Und mein’s lässt sich nicht starten, das Glumpert. Dabei ist es mir erst fünf Mal runtergefallen. Anni: Ich versuch’ schon zehn Mal, das Programm zu öffnen, aber das geht nicht. Können Sie mir helfen, Frau Lehrerin ? Robert Ivancich, Mursat: Ich hab’s zuhause vergessen. Ich hab’ Buchhandlung gestern noch gesurft, nur privat, und jetzt ist Zweymüller es zuhause liegen geblieben. Dragana: Mein’s geht zwar, aber das Laden funktioniert nicht. Ich hab’ bald keinen Strom mehr. Lehrerin: Ich werde noch wahnsinnig mit diesen … (folgende Worte haben in einer seriösen Zeitung nix verloren) Wie schön war doch die Zeit mit den guten alten Schulbüchern! Alle SchülerInnen: Und es war so einfach, aber das haben wir damals nicht geschätzt.

Mehr zum Thema Digitalisierung der Schulen auf Seite 16

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– Wissenswert –

POLARSTERN

Guerilla gegen Gorilla. Guess who’s back? Nach kurzem Urlaub meldet sich Barack Obama mit einem 60 Mio. Dollar schweren Buchdeal mit Penguin Random House zurück und mobilisiert intellektuell aus dem Untergrund gegen seinen Nachfolger.

PIONIER

Doch nicht in den Wind geblasen. How many words must a man write down before he gets a Nobel Prize? Jetzt hat der Nobelpreis endlich seinen Bob Dylan bekommen. Dass Lyrics nicht weit weg von Lyrik sind, haben die Herren in Stockholm somit endlich kapiert.

Aus der

GutenbergPIN-UP

Sein und sein. Tomas liebt Teresa, aber er liebt auch Aff ären. „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“: Ist es Zufall, dass „sein“ nicht nur ein Verb ist, sondern auch ein männliches Possessivpronomen? Besessen ist auch Tomas. Am Ende vor allem von schlechtem Gewissen.

PROSPEKT

Galaxie

Donald Trump, a president(,) and a clown. Der zweite Beistrich in diesem Satz veranschaulicht, welche Bedeutung das „Oxford Comma“ hat. Es wird bei dreiteiligen Aufzählungen verwendet und ist das meistdiskutierte Satzzeichen im Englischen. Denn über seine Notwendigkeit ist man sich nicht ganz einig. Ein Gericht in Maine gab nun einer Klage wegen eines fehlenden „Oxford Comma“ in einem Gesetzestext statt. Grammar for the win!

Lukas Schöppl

POWIDL

Raising the Tramp. Die Verlagsgruppe Simon und Schuster bekommt nicht genug von unheimlichen Büchern der dritten Art: Trump-Ex Ivana schreibt ein Buch namens „Raising Trump“. War sie jetzt seine Frau, oder ist sie doch seine Mutter? Und muss der Name gleich zweimal am Cover stehen?

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14.04.2017 11:24:34 Uhr


– Marktdaten –

Buchhandelspanel März 2017 Im Vergleich zum Vorjahresmonat schnitt der Buchhandel im März 2017 um 6,3 Prozent schlechter ab. Unter allen Editionsformen gab es Rückgänge, besonders bei den Hörbüchern und Audiobooks: Sie verloren 22,3 Prozent ihrer Umsätze. Bei den Taschenbüchern liegt das Minus bei 11,6 Prozent. Am stabilsten blieb der Verkauf von Hard- und Softcovern mit einer Veränderung von –4,7 Prozent. Bei der Deutung der Zahlen ist zu berücksichtigen, dass das Osterfest heuer erst Mitte April gefeiert wurde, 2016 fand es Ende März statt.

Umsatzveränderung

März 2017

Hardcover, Softcover –4,7 %

0

Belletristik –10,0 %

Ratgeber –5,8 %

-5

-10

Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft 5,4 %

Sachbuch 3,3 %

-20 -25

Sachbuch

In vier Warengruppen gab es im März ein Umsatzwachstum: Am stärksten konnte die Warengruppe Naturwissenschaften, Medizin, Informatik und Technik zulegen (6,5 Prozent). Die Umsätze bei Sachbüchern wuchsen um 3,3 Prozent, bei Büchern zu Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft waren es 5,4 Prozent und bei Reiseliteratur 0,4 Prozent. Umsätze einbüßen mussten die Warengruppe Geisteswissenschaften, Kunst, Musik (–2,7 Prozent) sowie die Ratgeber (–5,8 Prozent). Deutlich weniger gefragt als im Vorjahresmonat waren Kinder- und Jugendbücher (–17,6 Prozent) sowie Belletristik (–10 Prozent).

Naturwissenschaften, M Geisteswissenschaften, Ratgeber Reisen

-15 -20

Hardco

Sozialwissenschaften, R

Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik 6,5 %

-5

Tasche

-15

Geisteswissen­ schaften, Kunst, Musik –2,7 %

Reisen 0,4 %

Hörbu

−4,5%       Kumuliert (Jänner bis März 2017) −6,3 %       März 2017 zu März 2016 -10

10 März 2017 zu März 2016 Kinder- und Jugend­ bücher –17,6 %

Hörbuch/ Audiobook –22,3 %

0

Umsatzveränderung Nach Warengruppen

5

Taschenbuch –11,6 %

Kinder- und Jugendbüc

Umsatzverteilung

UmsatzveRteilung Nach WarengruppenBelletristik

März 2017

März 2017 Taschenbuch 18,0 %

Hardcover, Softcover 80,4 %

Hörbuch / Audiobook 1,6 %

Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft 4,0 % Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik 6,2 % Geisteswissenschaften, Kunst, Musik 6,0 %

Hö r b uch Tas /A c u h d en iob bu Ha oo ch r k d cov er, S o ftc ov er

Im Auftrag des HVB ermittelt das Marktforschungsinstitut GfK Entertainment monatlich die Umsatzveränderungen im Vergleich zum Vorjahresmonat für die Absatzwege Sortimentsbuchhandel und E-Commerce. Mit dem Buchhandelspanel werden 82 Prozent aller Barverkäufe in Österreich abgedeckt.

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Ratgeber 22,3 %

Sachbuch 11,5 %

Gegen

Belletristik 25,6 %

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Sachb

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issens

Naturw Geiste

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Reisen 8,5 %

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Kinder- und Jugendbücher 15,8 % R

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Reisen Kinde Belletr

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– Wissenswert –

Der Neue

Lex liszt liest

seit 25 Jahren

bei Droschl Beim Grazer Literaturverlag Droschl gab es einen Lektorenwechsel

Der Verlag edition lex liszt ist seit einem Vierteljahr­hundert ein fixer Bestandteil der burgenländischen Kulturszene Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der edition lex liszt hat der anzeiger Verlagsleiter Horst Horvath zum Word-Rap über die Vergangenheit, die Zukunft und das Burgenland gebeten.

lex liszt ist …

… burgenländisch.

lex liszt liest ...

Christopher Heil folgt auf Rainer Götz

… viele Manuskripte. Christopher Heil übernimmt fortan das Lektorat des Droschl Verlags. Sein Vorgänger Rainer Götz verabschiedet sich in den Ruhestand. Götz prägte seit der Verlagsgründung 1978 das Programm des Hauses maßgeblich mit. Während der letzten 29 Jahre entdeckte und begleitete er zahlreiche AutorInnen. Christopher Heil ist 31 Jahre alt und war nach Stationen in verschiedenen Verlagen und Redaktionen zuletzt als Lektor bei Anaconda in Köln tätig. „Wir haben ihn schon vor einigen Jahren kennengelernt, als er uns mit Rezensionen zu einigen DroschlBüchern sehr positiv auffiel“, so Annette Knoch, Leiterin des Droschl Verlags.

Vor 25 Jahren … … fing alles mit einem Buch über rumänische Flüchtlinge an, die nach der Ostöffnung nach Österreich kamen.

In 25 Jahren … … wird es uns immer noch geben.

Wenige wissen, dass … … wir seit Kurzem einen eigenen YouTube-Kanal haben.

Im Burgenland …

Horst Horvath leitet das Verlagshaus lex liszt in Oberwart

… gibt es viel literarisches/künstlerisches

Wir haben was

Potenzial, das sich zu entdecken lohnt.

zu verschenken

lex liszt schafft …

… für die burgenländische Literatur- und

Kulturszene eine Plattform und zuweilen

auch ein Sprungbrett.

Die Anthologie zum Welttag des Buches liegt nun in den Buchhandlungen auf

Hoffen auf die Shortlist Die Titel für den Deutschen und den Schweizer Buchpreises wurden ein­ge­­­­­reicht. Die Frist für den Österreichischen Buchpreis läuft bis 12. 5. Für den Deutschen Buchpreis 2017 wurden 174 Romane aus 106 Verlagen eingereicht. Darunter sind 20 Werke aus Österreich. Die ORF-Ressortleiterin für Literatur, Katja Gasser, ist die Sprecherin der Jury, die am 15. 8. die Longlist, und am 12. 9. die Shortlist verkünden wird. Kurz darauf, am 19. 9., werden auch die fünf nominierten Werke für den Schweizer Buchpreis feststehen. Für diesen gab es 78 Titelmeldungen aus 53 Verlagen, 4 davon aus Österreich. Bis 12. 5. haben Verlage auch noch die Chance, ihre aktuellen Titel für den Öster­reichischen Buchpreis sowie den Debütpreis anzumelden.

Am 23. April feierte die Welt das Buch. Mit Lesungen und Events wurde an diesem Tag auch in Österreich auf die Bedeutung des Lesens aufmerksam gemacht. Und der Welttag wirkt nach: Die Anthologie „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, herausgegeben von Brigitte Sinhuber-Harenberg, liegt nach wie vor gratis in vielen Buchhandlungen auf. Darin findet sich eine unterhaltsame Sammlung an Texten von Ephraim Kishon, Doris Knecht, Daniel Glattauer, Michael Niavarani, Ernst Jandl, Polly Adler, Otto Schenk oder Karl Kraus. Die Anthologie zum Welttag des Buches ist eine jährliche Initiative des HVB. Die Anthologie lädt zum Schmunzeln ein

F O T O S : C H R I S T I A N R I N G B A U E R , L I T E R AT U R V E R L A G D R O S C H L

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Trost via Facebook Bei den Rauriser Literaturtagen wurde auch dieses Jahr das beste deutschsprachige Prosadebüt ausgezeichnet. Mit seinem Roman „Vor der Zunahme der Zeichen“ (S. Fischer), das zwischen Lyrik und Prosa oszilliert, konnte der in Berlin lebende Senthuran Varatharajah die Jury überzeugen. In seinem Buch teilen Senthil aus Sri Lanka und Valmira aus dem Kosovo eine Vergangenheit der Migration und erzählen einander ihre Geschichte.

benutzt, das mich aber nicht begrenzen soll, sondern in einer Art auch die Stimmung des Romans ausdrückt. Ich verwende es so, dass es dem Roman und seiner Dramaturgie nutzt. Ich muss mich ihm nicht ganz hingeben. Was für eine Rolle spielt die Musik in dem Roman? Es gibt ja viele Referenzen. Varatharajah — Ich hab früher viel Musik gemacht. Schreiben ist für mich immer sehr nahe am Komponieren, also im besten Hegel’schen Sinne ,aufgehoben‘. Ein Satz, der geschrieben ist, erhält seine Gültigkeit durch das gesprochene, vorgelesene Wort. Wenn er dann den richtigen Rhythmus, die richtige Metrik hat, dann bleibt er. Ich höre immer viel Musik, wenn ich schreibe, und kann mir gar nicht vorstellen, zu schreiben ohne Musik zu hören.

Ihre Protagonisten kommunizieren über Facebook. Welche Möglichkeiten bietet diese Plattform als Kommunikationsort? Senthuran Varatharajah — Facebook hatte zweierlei Begründungen: die Einsamkeit der Protagonisten auch auf einer dramaturgischen Ebene verstärken zu können, weil sie ja keinen Raum teilen. Manchmal, wenn beide zeitgleich online sind, teilen sie die Zeit, aber auch das ist nicht immer gegeben. Zum anderen komme ich aus einer Generation, für die das Internet ein Raum war, um über Dinge reden zu können, die man dem privaten Umfeld nicht mitteilen konnte. Das Internet kann auch Trost bieten, das wollte ich in dem Buch aufnehmen.

Welche Bücher sind Ihnen wichtig?

Die Art der Kommunikation hat aber nicht viel mit einem Chatroom gemein. Varatharajah — Das Medium war für mich kein Rahmen, keine Begrenzung des Textes. Ich folge dem nicht sklavisch. Name und Uhrzeit stehen da, die Möglichkeit der Kursiv-Setzung gibt es auf Facebook aber nicht, ich benutze das. Ich habe Facebook als Setting

Varatharajah — Es gibt drei Bücher, die ich gelesen habe, bevor ich mit diesem Roman begonnen habe. „Arme Leute“ von Dostojewski, ein klassischer Briefroman, „Hiroshima, mon amour“ von Marguerite Duras und „Das obszöne Werk“ von Georges Bataille, hier vor allem die Geschichte des Auges. Wenn ich schreibe, dann liegen immer zwei Bücher neben meinem Computer: die „Phänomenologie des Geistes“ von Hegel und die Bibel in der Elberfelder Übersetzung. Und welches Buch lesen Sie jetzt gerade? Varatharajah — Im Moment lese ich von Claudia Rankine, einer amerikanisches Lyrikerin, zwei Bände: „Don’t let me be lonely“ und „Citizen: an American Lyric“.

200 Jahre Musikhaus Doblinger F O T O S : D A V I D S A I L E R I M A G E S 2 0 1 7, D O B L I N G E R

Geschäftsführer Peter Pany verrät, warum es das Musikaliengeschäft schon so lange gibt und noch so lange geben wird 1817: Ludwig van Beethoven empfängt einen „Wir haben ein umfangreiches Sortiment den mit Freundlichkeit und Respekt begegKompositionsauftrag, der zur Entstehung und hochausgebildete Fachkräfte zur Bera- nen“, sagt Geschäftsführer Peter Pany. Und der 9. Symphonie führen wird. Die Gesell- tung, die ihren Beruf lieben und ihren Kun- in 200 Jahren …? „Gibt es hoffentlich noch schaft der Musikfreunde Papier, auf das Noten legt mit einer Singschule gedruckt werden könden Grundstein zur heutinen. Wir werden jedengen Universität für Musik falls mit der Publikatiund darstellende Kunst. on von zeitgenössischer Und: Es beginnt die GeMusik weiterhin für die schichte der Musikalieninternationale Verbreihandlung Doblinger. tung österreichischer Doblinger steht für die Komponistinnen und ganze Welt der gedruckten Komponisten sorgen. Noten und Musikbücher Doblinger bedeutet Nach mehreren Umzügen zog das Geschäft 1873 in die Wiener Dorotheergasse 10 mitten in Wien. ALLE Noten!“

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Kaum ein medizinisches Thema polarisiert so heftig wie das Impfen. Jeder glaubt, die richtige Antwort auf die Frage zu kennen, ob Impfen sinnvoll sei oder nicht. Doch Glauben ist nicht Wissen. Impfen ist eine medizinische Disziplin, die ihren Ursprung in der Wissenschaft nimmt. Mit diesem Ratgeber vermittelt Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien, • Kenntnisse und Wissen über Impfungen auf wissenschaftlicher Basis. • Sie erzählt die Erfolgsstory der Impfungen, zeigt, welche Impfungen die wichtigsten sind, welche • empfohlen werden und wann der richtige Zeitpunkt für sie ist – aber auch, wann und unter welchen Umständen Vorsicht geboten ist. • Zugleich räumt ihr Ratgeber auch mit „Impf-Mythen“ auf und erklärt, wie das menschliche Immunsystem und Impfungen wirklich funktionieren. MANZ, 2016. 214 Seiten. Br. EUR 23,90 ISBN 978-3-214-08087-7

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Selbständigkeit erhalten, Gebrechlichkeit vorbeugen

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Experten der MedUni Wien erklären auf wissenschaftlicher Basis die Zusammenhänge aus Alterungsprozessen, Lebensstil und körperlichen Funktionen – und geben Rat, wie man möglichst gesund und mit möglichst guter Lebensqualität altern kann. Herzstück des Buches sind Vorschläge für gesunde Ernährung im Alter mit Kochrezepten sowie eine Trainingsanleitung für ältere Personen. MANZ, erscheint ca. im Juni 2017. Ca. 200 Seiten. Br. EUR 21,90 ISBN 978-3-214-08467-7

t Erschein 7! Juni 201

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Kautzky-Willer · Winhofer

Diabetes Vorsorgen, rechtzeitig erkennen und richtig behandeln MANZ, 2016. 174 Seiten. Br. EUR 21,90 ISBN 978-3-214-00991-5

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– Wissenswert – Gastkommentar

Reiselektüre für Entdecker Johannes Klaus Der Berliner Reiseblogger und Buchautor Johannes Klaus über die Rolle des Offline-Reiseführers

I L L U S T R AT I O N : G E O R G F E I E R F E I L , F O T O : M A R I A N N A H I L L M E R

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ein Smartphone ist immer dabei. Es zeigt mir, wo ich gut essen kann, welche Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind, ob sie offen haben und wie ich am schnellsten dorthin gelange. Die App Google Trips lädt mir automatisch und kostenlos einen kleinen, personalisierten Reiseführer aufs Mobiltelefon: Zu Orten, die sie aus meinen E-Mails ausgelesen hat, beispielsweise aus einer Flugbuchungsbestätigung. Schöne, intelligente neue Welt. Manchmal ein wenig zu intelligent für meinen Geschmack. So praktisch wie die Echtzeit-Tipps und schwarmkuratierten Empfehlungen sein mögen, so zeitsparend und hyperaktuell, verkommt durch sie das Erkunden eines Ortes zum gehorsamen Abhaken der sogenannten Highlights. Der gedruckte Reiseführer wirkt in der vernetzten Welt auf den ersten Blick wie ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Manche meinen, er würde mit der Generation sterben, die lieber ein Buch in die Hand nimmt als einen E-Book-Reader. Doch erstaunlicher-

weise gibt es diese Generation nicht. Jeder, den ich kenne, zieht ein schönes Buch dem Screen vor. Auf Reisen hat es noch dazu die fabelhafte Eigenschaft, ohne Stromzufuhr konsumierbar zu sein. Wird der Reiseführer also doch in der Internetepoche überleben? Man muss hier differenzieren. Blicken wir auf die digitale Sphäre: Es gibt die großen Player, die den Markt für Reisetipps generalstabsmäßig übernehmen. Google, Facebook und Tripadvisor bauen ganze Ökosysteme, in denen der oder die Reisende alles Notwendige findet. Die Macht dieser Unternehmen ist enorm. Daher wird diese Entwicklung weitergehen und immer mehr Bereiche des Reisealltags erfassen – weil es so wahnsinnig praktisch ist. Sie helfen mir bei allen Grundbedürfnissen: Wo bin ich, was ist beliebt, wo gehe ich essen und wo bekomme ich ein sauberes Zimmer zwischen 75 und 99 Euro die Nacht, mit Badewanne? All das wird mir schnell und aktuell auf mein Gerät geliefert. Und dann gibt es die alternative Welt der Blogs, in diesem Fall der Reiseblogs. Merk-

mal ist ein subjektiver Ansatz: Mir gefällt dies und das, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die LeserInnen vertrauen dem Blogger oder der Bloggerin, denn sie wissen, dass sie im Idealfall auf einer Wellenlänge sind. Wenn etwas dem Blogger oder der Bloggerin gefällt, wird es auch mir gefallen. Dies ist etwas, das keine Schwarmintelligenz leisten kann. Ein gedruckter Reiseführer soll ein riesiges Feld an Bedürfnissen erfüllen: die Top Ten in diesem Stadtviertel zum Abhaken. Eine Karte der U-Bahnlinien im Umschlag. Hotelempfehlungen. Vom praktischen Standpunkt aus kann so ein Buch nicht mit den Möglichkeiten mithalten, die Internetunternehmen immer weiter ausbauen. Klassische Reiseführer werden darunter leiden. Doch viele LeserInnen wollen mehr. Nach wie vor nehmen wir ein Buch in die Hand, wenn es um mehr als das Notwendige geht, wenn wir Hintergründe, Inspiration und Geschichten wollen. Wie ein Blog, der unserem Stil entspricht. Er weiß keine aktuellen Öffnungszeiten, aber die Straße, wo es dieses nette Café und die freundliche Gastgeberin gibt. Solche Bücher, die nicht alle bedienen wollen, sondern eine feine Nische versorgen – davon gibt es noch viel zu wenige. Wer den Blick vom Smartphone hebt und die Augen auf das richtet, was passiert, wer sich leiten lässt von Empfehlungen, denen man vertraut, wer sich gerne verirrt, der kann einen Ort mit persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen füllen – und das steht in keiner Must-See-Liste.

„Wir nehmen ein Buch in die Hand, wenn es um mehr als das Notwendige geht“

Johannes Klaus ist Reiseblogger und -autor aus Berlin. Er ist Gründer von www.reisedepeschen.de und www.travelepisodes.com. Von Letzterem sind gesammelte Reisereportagen in Buchform bei Piper erschienen.

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– Wissenswert – Reise

In Führung Text: Elisabeth Schepe

Reiseführer für diese Destinationen sind 2017 besonders gefragt

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Dänemark

s gibt die Dauerbrenner wie Italien, Spanien und Kroatien. Und es gibt Städte, Regionen und Länder, die 2017 besonderes Augenmerk verdienen. Welche das sind, ist vor allem für BuchhändlerInnen von Interesse. Die Warengruppe „Reisen“ machte 2016 immerhin 8,1 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche aus. Die Redaktion des anzeigers hat ihre persönlichen Top-8-Destinationen für 2017 ausgewählt.

Kopenhagen bleibt ein Liebling unter den Städtedestinationen. Ihre kleine Schwester Aarhus bietet als Kulturhauptstadt 2017 aber auch einen guten Grund, nach Dänemark zu kommen. Neu erschienen sind z. B. „Lesereise Dänemark“ von Barbara Denscher (Picus) und „Gebrauchsanweisung für Dänemark“ (Piper).

Kanada Der flächenmäßig zweitgrößte Staat der Welt feiert seinen 150. Geburtstag. Das und Justin Trudeau sind Gründe genug für Lonely Planet, Kanada den 1. Platz in seinem Länder-Ranking 2017 zu geben. Als aktuelle Lektüre bietet sich z.B. der neue KanadaReiseführer vom National Geographic Verlag an.

Slowenien Das Vorzeigeland in puncto Öko-Tourismus (Gewinner des angesehenen National Geographic World Legacy Awards in der Kategorie „Destination Leadership“ 2017) war der Culture & Convention Partner auf der Tourismusmesse ITB Berlin. Ljubljana wurde 2016 von der EU-Kommission zur „European Green Capital“ gekürt. Dieter Schulzes Reiseführer „Slowenien“ (Karl Baedeker) erhielt einen ITB Buch-Award. Im März ist im Michael Müller Verlag die Neuauflage des Slowenien-Reiseführers von Lore Marr-Bieger erschienen. DuMont bringt dieses Jahr „Slowenien und Istrien“ als Taschenbuch heraus.

Island Die Buchungsplattform booking.com hat weltweit „Top trending destinations“ für 2017 analysiert. Ganz oben auf der Liste: Reykjavik. Island entwickelt sich seit einigen Jahren zum Mekka von Outdoor-Touristen. Anfang des Jahres erschien die neue Auflage von „Top 10 Island“ (Dorling Kindersley), außerdem der Island-Reiseführer von Baedeker und „InselTrip Island“ (Reise Know-How).

Baltikum Litauen war das diesjährige Partnerland der Leipziger Buchmesse. Auch im Tourismus scheinen die drei baltischen Staaten ganz im Trend zu liegen. Im Frühjahrsprogramm des Wieser Verlags findet man neben Laimonas Briedis’ „Vilnius. Reisen in die ferne Nähe“ auch „Riga“ aus der Reihe „Europa Erlesen“. Neu sind auch der „Merian Live! Reiseführer Riga“ (Travel House Media) und die neu bearbeitete und komplett aktualisierte Auflage von „Baltikum: Litauen, Lettland, Estland“ (Reise Know-How).

Kuba

Kaukasus

2017 hat Dänemark die Kulturhauptstadt, Island die Vorreiterrolle in Sachen Gleichberechtigung und Vilnius die Aufmerksamkeit des Literaturbetriebs

Auf die Karibikinsel wollen jetzt alle, bevor es zu spät ist. Gleich zwei Kuba-Bücher haben bei der ITB einen Buch-Award erhalten: „Kuba. Von der Revolution der Armen, Havanna und Chevrolets, Amis und Zuckerrohr“ (Corso/Verlagshaus Römerweg) und der Bildband „Cuba expired“ (Frederking & Thaler). Im Juni erscheint „Merian Kuba“ (Travel House Media).

Auch der Kaukasus, insbesondere Georgien, wird langsam von europäischen TouristInnen entdeckt. Der Trescher Verlag bringt diesen Frühling jeweils neue Auflagen seiner Georgien- und Armenien-Reiseführer heraus.

Urlaub daheim Viele ÖsterreicherInnen verbringen ihren Sommerurlaub im eigenen Land. Laut Statistik Austria geht fast ein Drittel der Nächtigungen auf Inlandsgäste zurück. Dem kommt auch der Trend zum naturnahen Reisen entgegen. Wandern und Bergsteigen werden bei der jungen Generation immer beliebter. Wanderführer gibt es dementsprechend zuhauf. In Neuauflage erscheint demnächst z. B. die Wanderkarte „Arlberg – Lech – St. Anton am Arlberg – Verwallgruppe“ bei Freytag & Berndt. Und weil man nie auslernt, hat der Folio Verlag seinen Schmöker „Total alles über Österreich“ neu aufgelegt.

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– Wissenswert –

Preisgekrönt im Palais Alex Stelzer (Buchhandlung Alex)

Oliver und Petra Hartlieb (Hartliebs Bücher)

Rotraut Schöberl, Erwin Riedesser (Leporello)

Der erste Österreichische Buchhandlungspreis wurde verliehen Im Palais Dietrichstein des Bundeskanzleramts wurden am 5. April die fünf besten Buchhandlungen des Landes feierlich geehrt. Der HVB hat erstmals gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt den Österreichischen Buchhandlungspreis vergeben. Die Gewinner sind die Buchhandlung Alex (Linz), Hartliebs Bücher (Wien), die Buchhandlung Leporello (Wien), die Buchhandlung Plautz (Gleisdorf ) und Liber Wiederin (Innsbruck). Unter großem Jubel nahmen die PreisträgerInnen die Urkunden von HVB-Präsident Benedikt Föger und Robert Stocker, Abteilungsleiter der Sektion II: Kunst und Kultur, in  Vertretung für  Bundesminister Thomas Drozda, entgegen (siehe Fotos). Durch die Preisverleihung führte Jury-Mitglied und Journalist Norbert Mayer. Autorin Eva Rossmann hielt einen Festvortrag zum Thema „Meine liebsten VerführerInnen. Vom Handel mit den Bildern im Kopf“. Der mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Buchhandlungspreis wird fortan jährlich vergeben.

Claus Schwarz (Buchhandlung Plautz)

Thomas Wiederin (Liber Wiederin)

Schon schön

F O T O S : B K A / Va l e r i e A l w as i a h , H V B / P r e i s ( 1 )

Die schönsten Bücher Österreichs sind bald in Graz zu sehen Die Ausstellung „Schönste Bücher“ wandert vom designforum Wien nach Graz: Am 8. Mai eröffnet die Schau in der Steiermärkischen Landesbibliothek. Der HVB zeichnete wie jedes Jahr gemeinsam mit der Kunstsektion des Bundeskanzleramts die schönsten Bücher Österreichs aus und würdigte dabei Gestaltung, Druckhandwerk und Ausstattung. Bis 9. Juni sind die Preisträger sowie alle Exemplare der „longlist“ im Rahmen des Designmonat Graz zu bewundern. Gewonnen haben folgende 15 Publikationen: Asagan. Neue Geschichte(n) Eigenverlag Atelier am Stein, Wolfgang Hartl aufSÄTZE! Essays zur Poetik, Literatur und Kunst De Gruyter Die Antwort des Bildes FOTOHOF edition Eine andere Art von Schönheit Brandstätter

In der Ausstellung zählen ausnahmsweise die äußeren Werte

Filmlandschaft Niederösterreich Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Kunst und Kultur Frida Parmeggiani. Kostümabstraktionen SCHLEBRÜGGE.EDITOR In Paradisum Luftschacht Kunstraum I Schloss Buchberg am Kamp VfmK Verlag für moderne Kunst Oskar Leo Kaufmann. 69 Projekte 2012–1996 Park Books AG richtig streiten. keine Anleitung Eigenverlag Viktoria Mannsberger Sammlung Strasser. Ausgewählte Fossilien Eigenverlag Strasser SchwarzÖsterreich. Die Kinder afroamerikanischer Besatzungssoldaten Löcker The Toolbox is You Eigenverlag Osterloh, Verein für Achtsamkeit Topografie der Erinnerung Residenz Wie viel Erde braucht der Mensch? Lebensspuren eines Bergbauern Tyrolia

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– Essenziell – Digitalisierung der Schulen

Das flimmernde

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Die Digitalisierung verändert unsere Schulen grundlegend. Nur: wie? Und was wird dann eigentlich aus dem Schulbuch?

n zimmer

Text: Elisabeth Schepe Fotos: Katharina Gossow

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ina, 12, packt heute nicht ihre Schul- es bereits Tablet- oder Laptopschulen. Und tasche. Sie schnappt sich ihr Tablet, stets ist ein großer Player der Technologieauf dem alle Schulbücher und rele- branche mit im Spiel. Intel etwa sicherte sich vanten Inhalte gespeichert sind, und star- einen Deal mit Portugal und lieferte dort tet in den Schultag. Das Geschleppe gehört 500.000 „Classmate“-Laptops aus. Die ösglücklicherweise der Vergangenheit an.“ Mit terreichische Umsetzung soll laut Bildungsdiesem „kurzen Ausflug ins Jahr 2020“ wird ministerium (BMB) diesen Sommer stehen: in Christian Kerns „Plan A“ ein künftiger „Das BMB arbeitet aktuell Umsetzungs- und Schultag skizziert. Finanzierungsmodelle aus, die unter ande„Schule 4.0“ heißt die Strategie der Regie- rem auch mögliche Kooperationen mit der rung. Ihre Eckpunkte wurden im Frühjahr Industrie mitdenken.“ Und: „2020 wird weivon Bildungsministerin Sonja Hammer- terhin als anzustrebender Zeitraum für die schmid vorgestellt. In dieser „Schule 4.0“ sol- Ausrollung gesehen.“ len Kinder ab der Volksschule eine digitale In Brüssel stellen derweil BranchenGrundbildung erhalten. Außerdem planen riesen wie acer, Google, HP, Microsoft Bildungs- und Infrastrukturministerien eine oder Samsung ihre Hard- und Software „Breitbandoffensive“. Bis 2020 sollen alle zur Schau. Das digitale Lernlabor „Future Schulen am Netz hängen. Außerdem sollen Classroom Lab“ soll europäischen Pädago86.000 SchülerInnen in der fünften Schul- gInnen eine Vorstellung von den Schulen stufe mit Tablets sowie 84.000 SchülerInnen der Zukunft geben. Auch Familienministein der neunten Schulstufe mit Laptops aus- rin Sophie Karmasin ging in dem Labor auf gestattet werden. Zur Bündelung der digita- Ideensuche. An der Pädagogischen Hochschulen Lehrmaterialien dient ein Portal namens le Wien soll nun nach Brüsseler Vorbild ein „Eduthek“. Neu einsteigende LehrerInnen „Future Learning Lab“ eingerichtet werden. müssen verpflichtend digitale Kompetenzen nachweisen. Das Geschäft Soweit der Plan. Die Umsetzung wird an- mit dem Schulbuch gesichts der Kosten und der zahlreichen be- Während eine Branche auf den Bildungstroffenen Akteure etwas komplizierter sein. markt drängt, fürchtet eine andere um ihre Aber immerhin: Unsere Schulen werden di- Stellung. Betroffen sind nicht nur Bildungsgital. Was das heißen könnte, zeigt ein Blick verlage, sondern auch Schulbuchhandlunüber Österreichs Grenzen hinaus. gen und Auslieferer. In Österreich gibt es 535 Schulbuchhandlungen. Für viele sind die Erlöse aus den Bildungsmedien ein notwendiLernen mit ger Deckungsbeitrag. Wie hart das Geschäft Riesenkonzernen Die „Schule 4.0“ der Regierung liegt im inter- mit den Schulbüchern umkämpft ist, sah nationalen Trend. Die größte Bildungsfach- man zuletzt in Deutschland. Dort bot Amamesse der Welt, die „didacta“ in Stuttgart, zon Fördervereinen eine Umsatzprovision, stand im heurigen Februar ganz im Zeichen wenn sie ihre Schulbücher über den Onlineder Digitalisierung. Google war zum ersten Versandhändler bestellen. Der Börsenverein Mal mit einem eigenen Stand vertreten. „Wir klagte, Amazon ging erfolgreich in Berufung. waren auf Anhieb begeistert über die große Inzwischen sind Thalia und Bücher.de nachZahl der Besucher“, meint eine Vertreterin gezogen und versprechen ebenfalls Prämien des US-Konzerns. „Und über das vielfältige bzw. Rabatte für Schulbuchbestellungen. Robert Ivancich betreibt in NiederösInteresse an unseren Angeboten für Lehrkräfte und Schüler.“ In vielen Ländern, darunter terreich fünf Filialen der Buchhandlung Portugal, die Niederlande und Südkorea, gibt Zweymüller. Jedes Jahr beliefert er »

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– Essenziell – Digitalisierung der Schulen

» knapp hundert Schulen mit Büchern. „Ein kompletter Wegfall der Schulbücher wäre für uns sehr kritisch“, erklärt er. Grund für Panik sieht er jedoch keinen. „Wir haben schon viele Veränderungen durchgemacht. Die Margen sinken seit Jahren. Aber nichts im Leben wird so heiß gegessen wie gekocht.“ Ivancich ist nicht nur Schulbuchhändler, sondern auch Vater von sieben Kindern. Von Tabletklassen hält er auch aus privater Erfahrung wenig. „Einmal geht das Glumpert nicht. Dann haben sie das Wischbrettl vergessen. Dann wiederum spinnt irgendwas. Die Praktikabilität im Alltagsunterricht wird sehr zu wünschen übrig lassen.“ Jedes zweite Schulbuch in Österreich wird von Franz Lintners Medienlogistik (MELO) ausgeliefert. Das sind 4,5 Millionen Schulbücher oder rund 2.400 Tonnen jährlich. Bildungsmedien machen für ihn etwa 65 Prozent seines Umsatzes aus. Trotzdem hat Lintner vor den Digitalisierungsplänen keine Angst. „Auch wenn es kein physisches Produkt zu lagern und zu verpacken gibt,

Von den guten Bücherkilos

Dass Bücherkilos nicht nur eine Belastung sind, zeigt etwa das Projekt „(Ge)wichtiges Lesen“ der Volksschule Pannaschgasse in Wien Margareten. Einen Monat lang sammelte die Schule „Bücher-Kilos“. Jedes gelesene Kilo Buch entsprach dem Wert von einem Euro. Mit einem Lesefest wurde

brauchen E-Contents ein Bestellservice, eine Fakturierung und ein Inkasso. Diese Dienste werden umso mehr benötigt, je größer die Produkt- und Medienvielfalt ist.“ Für ihn kommt hinzu, dass Bildungsmedien längst nicht mehr nur über die staatlich finanzierte Schulbuchaktion ausgeliefert werden. „Um der sinkenden Schülerzahl entgegenzuwirken, wird das Bildungsthema zunehmend zum Ganzjahresgeschäft, auch mit privaten Bildungsunternehmen beziehungsweise gemeinnützigen Institutionen.“ Wenn sich sowohl ein Schulbuchhändler als auch ein Auslieferer optimistisch zeigen, liegt es auch daran, dass es wohl um kein

am 7. April der Projektabschluss gefeiert. In knapp fünf Wochen haben die rund 300 SchülerInnen gemeinsam 848 Kilo erlesen. Von einem Teil des Geldes, finanziert durch Sponsoren und den Verkauf von Lesezeichen, werden Bücher für die Schulbibliothek gekauft. Ein anderer Teil fließt in die Klassenkassen. Das Projekt wurde von Lehrerinnen der Schule entwickelt und bereits zweimal ausgezeichnet. Es ist nur einer von vielen österreichweiten

Entweder-oder geht. Kanzler Kern sah zwar in seinem Plan A das „Ende des Geschleppes“ voraus, aus dem BMB heißt es aber auf Anfrage: „Es geht hier nicht um ein EntwederOder, sondern um sinnvolle Kombinationen unterschiedlicher Medien, die den Lernprozess optimal unterstützen.“ Tablets im Unterricht und Brennpunktschulen Dies geschieht im oberösterreichischen Freistadt. Josef Hofer unterrichtet dort an der Neuen Mittelschule Marianum. Schon vor vier Jahren begannen auf seine Initiative hin zwei Tabletklassen. Hofer schwärmt in den höchsten Tönen von den Möglichkeiten der Geräte im Unterricht. Auf Bücher möchte er aber nicht verzichten. „Wir lesen und arbeiten sehr wohl noch in Büchern, aber wir fetten das zum Beispiel durch Animationen am Tablet auf.“ Auch in seiner Tabletklasse werden noch gedruckte Schulbücher bestellt. Nur auf den schweren Atlas wollen sie im nächsten Jahr vielleicht verzichten. Die Eltern der Kinder haben das Pilotprojekt am Marianum möglich gemacht. Sie

Versuchen, die Lesemotivation von SchülerInnen zu fördern. In der Pannaschgasse gehen auch Kinder aus sozioökonomisch schwachen Familien zur Schule und viele, die Deutsch nicht als Muttersprache haben. Umso wichtiger ist ein ambitioniertes

Die Symbolfotos zu diesem Artikel hat Katharina Gossow im GRG 1 Stubenbastei aufgenommen

Projekt, das sie für das Lesen begeistert.

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Kommentar Christian Swertz Univ. Prof. für Medienpädagogik, Uni Wien

Grundkenntnisse, den kritischen Umgang mit sozialen Netzwerken sowie die Ausbildung der PädagogInnen begrüßt sie. Aber: „Bleibt die Schulausstattung so, wird die Umsetzung der Ziele nicht möglich sein.“ Bis die Digitalisierung alle Schulen erfassen kann, werden ihrer Meinung nach noch Jahre vergehen.

Foto: M A RT I NA JA N I BA

erklärten sich nach einer Abstimmung bereit, die 420 Euro pro Gerät zu übernehmen. Nächstes Jahr wird wieder eine Tabletklasse starten. „Die Resonanz ist ungebrochen gut.“ Josef Hofer meint jedoch, dass das an anderen Schulen undenkbar wäre: „Das hat nur für meine Region Gültigkeit. Wir sind keine Brennpunktschule.“ „Brennpunktschule“ ist ein Stichwort für Andrea Walach. Sie leitet die NMS Gassergasse in Wien Margareten. Walach sorgte mit einem Kurier-Interview für Aufsehen. Darin sagte sie, ein Drittel ihrer SchülerInnen sei nicht vermittelbar. Ist die Schule 4.0 da nur ein Nebenschauplatz? „Jede Weiterentwicklung ist positiv zu bewerten“, erklärt sie. „Denn der Stillstand der letzten Jahrzehnte hat eine dramatische Bildungssituation für Österreich gebracht.“ Die Ziele der „Schule 4.0“ wie das Beherrschen der digitalen

E-Book und E-Book Plus in der Schule Die Realisierung ist nicht nur eine Frage der Ausstattung, sondern auch der Inhalte. Ohne Lernmaterialien sind Tablets und Laptops kein Schulbuchersatz. Das wissen auch die Verlage. Und haben mit dem Projekt „digi4school“ den ersten Schritt gesetzt. In diesem Schuljahr konnten LehrerInnen für die Sekundarstufe II erstmals E-Book-Versionen der gedruckten Schulbücher gratis mitbestellen. Für das kommende Schuljahr ist der Ausbau für die Sekundarstufe I sowie die Berufsschulen geplant. Das Projekt „digi4school“ ist in Kooperation mit dem Bildungsund Familienministerium entstanden. Als Projektleiter fungiert Andreas Gruber. Selbst Schulbuchhändler, sagt er darüber: „Das E-Book ist nur eine Ergänzung!“ Durch die Teilfinanzierung des Familienministeriums bekommt ein Verlag pro EBook aktuell ungefähr 30 Cent. Gruber ist sich bewusst, dass der Preis – noch – ein symbolischer ist: „Ein digitales Schulbuch zu erstellen, kostet ein paar hunderttausend Euro und nicht ein paar Cent.“ Warum machen die Verlage trotzdem mit? Sie wollen ihre Position als Lieferanten für Lehrmaterialien sichern und verteidigen. Auch die SchulbuchhändlerInnen wurden mit ins Boot geholt: Sie bringen das Etikett mit dem Code für den E-Book-Download auf den Schulbüchern an. An die 900.000 Codes wurden im vergangenen Jahr über digi4school bestellt. Allerdings versetzten die niedrigen Nutzerzahlen der Erwartung der Verlage einen Dämpfer. Nur zehn Prozent verwendeten die bestellten E-Books bisher tatsächlich. Woran liegt der holprige Start? Dem Tabletlehrer aus Freistadt, Josef Hofer, gehen die E-Books nicht weit »

„Bleibt die Schulausstattung so, wird die Umsetzung der Ziele nicht möglich sein“ Andrea Walach, Direktorin NMS Gassergasse

Ein Schnäppchen Die Schule 4.0 aus medien­ pädagogischer Sicht Computertechnologie ist als Kulturtechnik etabliert, für berufliche und allgemeine Bildung relevant und hat daher für die professionelle pädagogische Arbeit einen erheblichen Wert. Der mediendidaktische Wert liegt in interaktiven und kooperativen Hypertexten, die Möglichkeiten für die Auseinandersetzung mit Wissen bieten, die mit Büchern, Filmen oder Kopierern nicht realisiert werden können. Auch der Wert für die Medienkompetenzvermittlung ist offensichtlich: Computertechnologie dynamisiert das Verhältnis des Menschen zu sich selbst, zu anderen und zur Welt und ergänzt damit das Medien­­ensemble um relevante Facetten. Die Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung, die Computertechnologie nicht nur als Lehrmittel, sondern auch als Unterrichtsgegenstand im Blick auf die Medienkompetenzvermittlung begreift, ist daher aus pädagogischer Sicht zu begrüßen. Weil LehrerInnen Computer nicht nur für die Unterrichtsvorbereitung längst routinemäßig verwenden, wird die Digitalisierungsstrategie Folgen für den Bedarf an Lehrmitteln haben. Entsprechende Inhalts- und Geschäftsmodelle von Schulbuchverlagen sind allerdings rar. Es wird interessant sein zu beobachten, wie lange sich alter Wein in neuen Schläuchen noch verkaufen lässt – im Vergleich zu den 100 Millionen Euro für Schulbücher ist die Ausstattung mit Geräten, die den Zugang zu einer Eduthek ermöglichen, jedenfalls ein Schnäppchen.

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– Essenziell – Digitalisierung der Schulen

„Wir sind bereit, wir würden ja gerne, wir hätten auch die Technologie und den Content“ Iris Blatterer, Westermann-Gruppe Österreich

Wie funktioniert eigentlich die Schulbuchaktion? Seit: 1972 Zweck: unentgeltliche Ausstattung aller SchülerInnen mit den notwendigen Unterrichtsmitteln Finanzierung, Organisation, Ablauf: Bundesministerium für Familien und Jugend Pädagogische und didaktische Aspekte: Bundesministerium für Bildung Grundsatz: Chancengleichheit aller SchülerInnen und finanzielle Entlastung der Eltern SchülerInnen/Schuljahr: rund 1,2 Millionen an 6.000 Schulen Schulbücher/Schuljahr: 8 Millionen Jährliche Ausgaben: 105 Millionen Euro 535 SchulbuchhändlerInnen in Österreich Durchschnittlich 7,6 Schulbücher um ins-

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genug: „Die Verlage sind ambitioniert. Aber es gibt noch keine g’scheiten interaktiven Bücher.“ Auch Andreas Gruber und die VerlegerInnen wissen: Auf Dauer ist das E-Book zu wenig. Ab dem Schuljahr 2018/2019 wird es eine ähnliche Aktion mit dem „E-Book Plus“ geben, einer Art interaktivem E-Book. Laut BMB wurden 43 E-Book Plus eingereicht. Auch hier wird das Miteinander der Lehrmittel betont: „Die Lehrplanerfüllung erfolgt im Printprodukt, die Inhalte des E-Book Plus sind ergänzende Inhalte mit interaktiven Elementen.“ Für ein E-Book Plus werden die Verlage laut Iris Blatterer um die 4,50 Euro bekommen. Blatterer leitet das Österreich-Geschäft der Westermann Gruppe. Dazu gehören die Bildungsverlage Jugend & Volk und E. Dorner. Bei digi4school hat sie sich im laufenden Schuljahr mit allen großen Lehrwerken aus ihrem Haus beteiligt. Das will sie auch weiter tun, obwohl die Teilfinanzierung der E-Books im Schuljahr 2018/2019 ausläuft. Für das E-Book Plus wiederum wird nur im Schuljahr 2018/2019 gezahlt.

gesamt 90 Euro pro Schüler und Schülerin in einem Schuljahr Schulbuchselbstbehalt: seit 2011/12 abgeschafft Quelle: www.bmj.gv.at, WKO

„Der nächste wichtige Schritt ist das E-Book Plus. Wir versuchen, mit den überschaubaren budgetären Mitteln etwas anzubieten“, sagt auch Alfred Schierer. Er führt den Österreichischen Bundesverlag (öbv), Teil der deutschen Klett-Gruppe. Mit der Digitalisierung beschäftigt er sich schon seit einem Jahrzehnt. „Wir geben den Lehrern und Schülern das Material für einen guten Unterricht in die Hand. Uns ist es, salopp gesagt, ziemlich wurscht, ob das in gedruckter oder in digitaler Form ist.“ Dennoch: „Nur analog – nur digital: Man darf nicht in dieser Ausschließlichkeit denken. Es geht um ein multimediales Lehrwerk für die Zukunft und um die richtige Lernumgebung für die Schüler.“ Wie viel dürfen digitale Lehrinhalte kosten? E-Book, E-Book Plus – und was kommt dann? Der Bildungswissenschaftler Christian Swertz schreibt in seinem Kommentar (siehe S. 19) von „altem Wein in neuen Schläuchen“. Er meint alte Bildungsformate in neuen Medien. Tun die österreichischen Verlage wirklich zu wenig, um ihre Zukunft im Schulunterricht zu sichern? „Nein, sie dringen nur zu wenig durch.“ Iris Blatterer von der WestermannGruppe fühlt sich missverstanden. „Das lässt uns verzagen. Wir sind bereit, wir würden ja gerne, wir hätten auch die Technologie und den Content. Aber wir müssen Geld damit verdienen. So kommen wir in den Ruf von Verhinderern.“ Sie gibt zu bedenken: „Es ist ja nicht damit getan, ein Video zu drehen. Es muss lehrplankonform sein. Dann sind da die Schrift-, Text- und Bildrechte, die digitale Infrastruktur, das didaktische Konzept und die intellektuelle Leistung des Verlags.“ öbv-Geschäftsführer Alfred Schierer hat im ersten Jahr von „digi4school“ mehr als 200 E-Books angeboten. Er hofft, „dass es bald so weit ist, dass die Verlage auch Geld dafür verlangen können. Es muss Wege im Rahmen der Schulbuchaktion geben. Das kostet ganz einfach etwas.“ Das BMB verweist auf die Anfrage auf die erfolgten „Anschubfinanzierungen“ und auf die finanzielle Zuständigkeit des BMFJ. Mit der Gratis-Mentalität bei digitalen Inhalten haben nicht nur die Bildungsverlage zu kämpfen. Iris Blatterer sieht darin ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das bei Lehrwerken noch ausgeprägter ist: „Man akzeptiert vielleicht, dass ein Krimi als E-Book etwas kostet. Aber wenn man ein Schulbuch online nicht kostenlos bekommt, ist man sauer.“

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Und wer wird diese Lehrinhalte liefern? Kommen Tablets und Laptops tatsächlich flächendeckend, stellt sich vor allem die Frage: Werden Apple & Co auch die Bildungsinhalte liefern? Alfred Schierer vom öbv sieht keine Gefahr. „Bildung ist nach wie vor etwas Regionales. Es gibt einen österreichischen Lehrplan, der erfüllt werden muss. Da werden wir weiter ein guter und wichtiger Partner sein.“ Iris Blatterer stimmt zu: „Ich kann unsere Werke nicht einmal nach Deutschland ver- ten auch für digitale Inhalte", lässt das BMB kaufen, weil die Lehrpläne so unterschied- wissen. lich sind.“ Allerdings produzieren Software-UnterGegenwärtig durchläuft ein Lehrwerk ein nehmen bereits jetzt massenhaft Apps für komplexes Verfahren, bevor es auf die Liste den Bildungssektor – vom Kopfrechentraider Schulbuchaktion kommt. Die Schulbuch- ner bis zum Anatomie-Quiz. In Josef Hofers verlage werden über die Wirtschaftskam- Tablet-Klasse ermessen die LehrerInnen im mer vom „Verein Schulbuch“ vertreten. So Moment selbst, welche Programme einen können sie Werke im BMB einreichen. Dort Mehrwert für ihren Unterricht haben und überprüfen mehrere GutachterInnen, ob daher verwendet werden. Die Auswahl ersie lehrplankonform und qualitätsvoll sind. folgt somit subjektiv. „Wenn wirklich jedes Erst dann werden sie approbiert. Die Verlage Kind sein persönliches Tablet bekommt, müssen mit einer Vorlaufzeit von zwei Jah- braucht es ganz dringend den Inhalt und ren rechnen. „Die Einreichbedingungen gel- auch dessen Vermittlung durch die Lehrer“,

sagt Hofer. Einige LehrerInnen an seiner Schule erstellen die digitalen Inhalte im Moment selbst. Ein Austausch dieser Inhalte wäre laut Hofer sinnvoll, müsste aber vom Ministerium gesteuert werden. Kommt Zeit, kommt Digitalisierung Die Digitalisierung unserer Schulen ist ein logischer Schritt. Sie bringt nicht nur Veränderungen für Lehrende und SchülerInnen, sondern auch für Branchen, die im Bildungsbereich tätig sind. Digitale Lehrmittel bedeuten aber nicht gleichzeitig das Aus von gedruckten Schulbüchern. Der Tenor deutet auf ein zukünftiges Miteinander von Büchern und digitalen Tools hin. Und darauf, dass die Umsetzung der digitalen Schule noch länger dauern wird als angekündigt. Diese Aussicht ist zwar nicht sehr populistisch, aber auch nicht unbedingt schlecht: Der politische Prozess und alle Beteiligten brauchen Zeit, um Inhalte in hoher Qualität zu entwickeln, und vor allem Geld, um diese langfristig zu finanzieren. «

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AndrÉ Heller  Uhren gibt es nicht mehr Zsolnay  EUR 18,50  9783552058316 Martin Suter  Elefant Diogenes  EUR 24,70  9783257069709 Claudia Rossbacher  Steirerpakt Gmeiner-Verlag  EUR 15,50  9783839220443 Bernhard Aichner  Totenrausch btb  EUR 20,60  9783442756377

7 5

Elena Ferrante  Meine geniale Freundin Suhrkamp  EUR 22,70  9783518425534

8 neu

Carlos Ruiz ZafÛn  Das Labyrinth der Lichter S. Fischer  EUR 25,70  9783100022837

9 6 10 neu

11

9

12 7

Elena Ferrante  Die Geschichte eines neuen Namens Suhrkamp  EUR 25,70  9783518425749 Luca D’Andrea  Der Tod so kalt DVA  EUR 15,50  9783421047595

15 neu

Franz Schuh  Fortuna Zsolnay  EUR 22,70  9783552058200

16 4

Paul Auster  4 3 2 1 Rowohlt, Reinbek  EUR 30,80  9783498000974

18 12

19 neu

4 10

Yuval Noah Harari  Homo Deus C.H.Beck  EUR 25,70  9783406704017

5 3

Johannes Huber  Es existiert Edition A  EUR 21,90  9783990011683

6

Giulia Enders  Darm mit Charme! Ullstein HC  EUR 17,50  9783550080418

8

7 neu

Andreas Wetz, Franz Schabhüttl Brennpunkt Traiskirchen Edition A  EUR 21,90  9783990012178

8 7

Eckart von Hirschhausen  Wunder wirken Wunder Rowohlt, Reinbek  EUR 20,60  9783498091873

9 neu

Elisabeth Badinter  Maria Theresia Zsolnay  EUR 24,70  9783552058224

10 5

Michael KÖhlmeier, Konrad Paul Liessmann  Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Hanser  EUR 20,60  9783446252882

1 1

Bettina Börgerding, Wenka von Mikulicz Bibi & Tina – Tohuwabohu Total Egmont Schneiderbuch  EUR 12,40  9783505140044

17 neu

Hugo Portisch  Aufregend war es immer Ecowin Verlag  EUR 15,00  9783711001245

Jeff Kinney  Gregs Tagebuch 11 – Alles Käse! Baumhaus Medien  EUR 15,50  9783833936524

2

Ratgeber

Zsolnay  EUR 26,80  9783552058163

14 10

3

Hanya Yanagihara  Ein wenig Leben Hanser Berlin  EUR 28,80  9783446254718

13 11 Franzobel  Das Floß der Medusa

4

Julian Barnes  Der Lärm der Zeit Kiepenheuer & Witsch  EUR 20,60  9783462048889 Joanne K. Rowling / Jack Thorne / John Tiffany Harry Potter und das verwunschene Kind Carlsen  EUR 20,60  9783551559005

Kurt Palm  Strandbadrevolution Deuticke im Zsolnay Verlag EUR 20,60  9783552063372

20 WE.

AndrÉ Heller  Das Buch vom Süden Zsolnay  EUR 25,60  9783552057753

2

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4

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5 neu

6

4

Sophia Thiel  Einfach schlank und fit Riva  EUR 20,60  9783742301178 Tanja Braune, Anita Frauwallner Die Darm-Diät Kneipp Verlag  EUR 17,90  9783708806976 Barbara Stöckl  Was wirklich zählt Amalthea  EUR 20,00  9783990500774 Melanie Wolfers  Freunde fürs Leben Adeo  EUR 17,50  9783863341138 Ruediger Dahlke, Veit Lindau  Omega Arkana  EUR 20,60  9783442342136

Hesse/Schrader  Testtraining 2000plus + Active Stark  EUR 25,70  9783849020118

7 6

Gerald Hörhan  Der stille Raub Edition A  EUR 21,90  9783990012123

8 neu

9 neu

Inge und Matthias Steiner Das Steiner Prinzip – Dein 12-Wochen-Plan Südwest  EUR 20,60  9783517096063

Elisabeth Fischer  Bowls – Alles aus einer Schüssel Kneipp Verlag  EUR 18,90  9783708806952

10 5

Karl Ploberger  Der Gartenflüsterer BLV Buchverlag  EUR 20,60  9783835415454

Im Auftrag des HVB ermittelt das Markt­forschungs­unternehmen GfK E ­ ntertainment GmbH monatlich die Bestseller für Belle­tristik, Sachbücher­­und Ratgeber. Mit den Best­sellerlisten werden auf dem Absatz­weg Sortiments­buchhandel und E-Commerce 82 Prozent aller Bar­verkäufe in Österreich abgedeckt.

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Bestseller Taschenbuch März 2017 Belletristik

Sachbuch

1 1

Jojo Moyes  Im Schatten das Licht Rowohlt TB.  EUR 15,50  9783499267352

1 1

Robert Betz  Raus aus den alten Schuhen! Heyne  EUR 10,30  9783453703049

2 neu

Sebastian Fitzek  AchtNacht Knaur TB  EUR 13,40  9783426521083

2 2

John Strelecky  Das Café am Rande der Welt dtv Verlagsgesellschaft  EUR 8,20  9783423209694

3 2

Bernhard Aichner  Totenhaus btb  EUR 10,30  9783442714421

3 4

Bronnie Ware  Leben ohne Reue Goldmann  EUR 10,30  9783442159031

4

Bernhard Aichner  Totenfrau btb  EUR 10,30  9783442749263

3

5 neu Joachim Meyerhoff 

4 neu

5

3

Alexander Grimme Noch mehr Essen ohne Kohlenhydrate Goldmann  EUR 13,40  9783442176687

Bronnie Ware 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen Goldmann  EUR 10,30  9783442157525

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke Kiepenheuer & Witsch  EUR 11,30  9783462050349

6 neu

Mats Olsson  Demut btb   EUR 15,50  9783442714643

6 6

Marie Kondo  Magic Cleaning Rowohlt Tb.  EUR 10,30  9783499624810

7 neu

Elizabeth George  Bedenke, was du tust Goldmann  EUR 10,30  9783442484973

7 7

Bernhard Moestl  Shaolin Droemer/Knaur  EUR 10,30  9783426783986

Donna Leon  Endlich mein Diogenes  EUR 13,40  9783257243888

8 5

Clemens G. Arvay  Der Biophilia-Effekt Ullstein Tb  EUR 11,30  9783548376592

Hera Lind Drei Männer und kein Halleluja Diana  EUR 10,30  9783453358904

9 neu

Andreas Altmann Gebrauchsanweisung für das Leben Piper  EUR 15,50  9783492276863

E. L. James  Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe Goldmann  EUR 10,30  9783442485277

10 10

Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij Oje, ich wachse! Goldmann  EUR 11,30  9783442161447

8 neu

9 neu

10 4

Biodiversität

B i olo g isch e viel falt un d un ser Wo h l Bef in den .

Gut für dich und mich

Wie Biodiversität unsere Gesundheit fördert

Der Ratgeber erklärt die Zusammenhänge von biologischer Vielfalt und Gesundheit und bietet praktische Bespiele, um Kindern die Flora und Fauna spielerisch näher zu bringen. Er erklärt, was wir alle zum Erhalt von Biodiversität tun können: wie zum Beispiel die Vielfalt im eigenen Garten oder Balkon zu fördern. Damit in Österreich auch weiterhin 67.000 Pflanzen und Tierarten heimisch sind. ISBN 978-3-85439-602-4 112 Seiten, € 16,90

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FA LT E R V E R L A G

14.04.2017 12:27:57 11:05:51Uhr Uhr 14.04.2017


– HVB-Mitglieder im Porträt – Buchhändler / Wagner’sche, Innsbruck Porträts : Lukas Schöppl

F o t o : m a r t i n va n d o r y

„Jetzt freue ich mich, dass ich das Haus in die Zukunft führen darf“

I

Markus Renk

nnsbruck im Mai 2015: Markus Renk und Markus Hatzer kaufen die Wagner’sche Buchhandlung von Thalia zurück. Das geschichtsträchtige Geschäft wurde 1639 vom Buchdrucker der Claudia von Medici gegründet. Nun ist es wieder im Besitz von Tirolern. Für Markus Renk war der Zeitpunkt vor knapp zwei Jahren günstig. „Der Verkauf von Thalia stand im Raum. Thalia erkannte, dass ein Verkauf für die Mitarbeiter die bessere Entscheidung war. Für eine Buchhandlung wie die Wagner’sche ist die Verwurzelung im Ort wichtig. Eine Filialkette kann das nur schwer leisten.“ Wie Renk zum Buchhändler wurde, ist eine faszinierende Geschichte. Sie sprudelt förmlich aus ihm heraus. „Als Jugendlicher habe ich Bücher gemieden. Der Zwang, in der Schule ein Buch lesen zu müssen, half da wenig. Ich wollte eine Ausbildung zum Sportartikelverkäufer machen, wurde dann aber auf ein Inserat von Tyrolia aufmerksam. Ich ging zum Vorstellungsgespräch und wurde gefragt, ob ich denn gern lese. ,Natürlich lese ich gern!‘, war meine Antwort. Ich wollte den

Job schließlich haben. Und bekam ihn. Als mich der Geschäftsführer durch den Betrieb führte, stellte er mich zu Beginn noch als Papierhändlerlehrling vor, ein paar Stockwerke und Büros später war ich plötzlich Buchhandelslehrling. Dabei ist es geblieben. Ich hatte viel nachzuholen und las mich durch Werke von Shakespeare bis Grillparzer. Da hat sich für mich eine ganz neue Welt eröffnet.“ Markus Renk arbeitete sich in den 30 Jahren bei Tyrolia vom Lehrling bis zum Geschäftsführer hoch. Warum entschied er sich,

Wagner’sche Buchhandlung Museumstraße 4 6020 Innsbruck

einem sicheren Job den Rücken zu kehren und das Risiko einer Neuübernahme einzugehen? „Ich dachte mir, bei allem, was das Haus schon durchgemacht hat, ist eine Neuübernahme wohl eine Kleinigkeit. Jetzt freue ich mich, dass ich das Haus in die Zukunft führen darf.“ Nach der Eliminierung des gesamten Non-Book-Bereichs haben die Bücher mehr als 1.000 Quadratmeter zurückerobert. Mit dem Service „Wagner’sche bringt’s“ garantiert die Buchhandlung außerdem eine Zustellung der Bücher im Raum Innsbruck innerhalb von drei Stunden. Neben vielen Büchern bietet das hauseigene Restaurant den Kundinnen und Kunden mehr als Kaffee und Kuchen. Das Konzept der Wagner’schen geht auf. „Das Feedback ist gut, die steigende Anzahl der Follower auf den Social-Media-Seiten beweist das. Vor Kurzem wurden wir außerdem mit dem Top Company Award ausgezeichnet“, erzählt Renk mit Stolz. Kommt er bei so viel Arbeit überhaupt noch zum Lesen? „Natürlich. ,Selfies‘ von Jussi Adler-Olsen liegt bei mir daheim. Ich habe ihn in Leipzig auch zu einer Lesung in der Wagner’schen eingeladen, wir werden sehen, ob er kommt.“

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14.04.2017 11:32:08 Uhr


– HVB-Mitglieder im Porträt – Verlegerin / Literaturverlag Droschl, Graz

F o t o : C h r i s t o p h e r M Av r i c

Annette Knoch

„Es geht uns um Sprache und Neugier. Beides wollen wir erwecken“

W

ir sind Weltkulturerben.“ Der Verlag Droschl aus Graz belegt das Weiß auf Schwarz. Mit wechselnden Zitaten und Ausschnitten aus Büchern zieht die Website des Verlags einen in den Bann. „Die weiße Schrift auf schwarzem Grund soll neugierig machen“, sagt Annette Knoch. Diese Maxime gilt für alle von ihr verlegten Bücher. „Es geht uns um Sprache und Neugier. Beides wollen wir erwecken.“ Den Verlag hatte ihr Vater Maximilian Droschl im Jahr 1978 gegründet, vorher war er eine Galerie, die Droschl bis Ende der 1980er Jahre nebenbei führte. Annette Knoch erinnert sich noch gut: „Ich kuratierte einmal eine Designausstellung in unseren Räumlichkeiten.“ Knochs Studium der Germanistik und der Kunstgeschichte fand in

der Arbeit direkte Anwendung. Ist das einprägsame Design von Droschl-Büchern wie der Essay-Reihe das Resultat des Kunststudiums und der Galerievergangenheit? „Die Idee zur Essay-Reihe hatte mein Vater. Die Bücher sollten in die Sakko- oder Handtasche passen.“ So wie Reclam-Hefte? „Nein, kein so dünnes Papier und keine so winzige Schrift.“ Der Entschluss, die Nachfolge ihres Vaters anzutreten, war keine Entscheidung von heute auf morgen. Musste es auch gar nicht sein. „Mein Vater ließ mir viel Raum für freie Entscheidungen. Dadurch war die Zusammenarbeit mit ihm immer sehr gut. Das ist wohl der Grund dafür, dass ich zurückgekommen bin.“ Vor der Übernahme arbeitete Annette Knoch für drei Jahre im Literaturhaus Hamburg. Die kunstvoll gestalteten Bücher des Droschl Verlags könnten immer noch ausgestellt werden. Das Cover unterstützt dennoch nur die Kunst, die dahintersteckt. Der Literaturverlag Droschl setzt es sich zum Ziel, seinen LeserInnen neue und vielleicht noch weniger bekannte AutorInnen vorzustellen. Welche Risiken birgt ein Romandebüt? „Ein Verlegerkollege hat einmal gesagt: ‚Als Verleger muss man nicht ins Casino gehen.‘ Man kann noch so überzeugt von einem Buch und dessen AutorIn sein, doch man wird im Vorfeld nie wissen, ob es erfolgreich werden wird. Manchmal klappt es wie bei Friederike Gösweiner oder Gertraud Klemm, manchmal nicht. Die Qualität muss uns überzeugen. Alle Bücher, die wir verlegen, sind für uns inhaltlich besonders, egal ob sie sich nun gut verkaufen oder nicht.“ Annette Knoch verlegt keine Unterhaltungsliteratur, sondern Essays, Übersetzungen und neue literarische Werke. Wird in Anbetracht der Fülle an Neuerscheinungen zeitgenössischer Literatur den Klassikern weniger Relevanz eingeräumt? „Diesen Eindruck habe ich nicht. Wir leben in der Gegenwart und wollen diese auch literarisch erfassen. Wir lesen und leben im Jetzt. Unsere Aufgabe ist es, ein neues Erzählen und ein neues sprachliches Erschließen von der Welt zu finden.“

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– HVB-Mitglieder im Porträt – Antiquar / Rare Books, Wien

F o t o : c h r i s t o p h e r m av r i Č

Michael Steinbach

„Es lohnt sich auch für junge Menschen, sich mit alten Büchern zu beschäftigen und zu erfahren, was für ein Zauber ihnen anhaftet“

I

ch bin Antiquar in dritter Generation und mit Büchern aufgewachsen.“ Michael Steinbachs Großmutter hatte im 19. Bezirk eine Buchhandlung. Sein Vater eröffnete noch ein Antiquariat dazu. Perfekte Voraussetzungen für Sohn Michael, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und das Antiquariat zu übernehmen. Aber Steinbach zog es weg von der allzu vorhersehbaren Zukunft. Er wollte sich selbst erproben. Er ging nach München und arbeitete dort vier Jahre lang in einem Auktionshaus, bevor er sich 1972 schließlich selbstständig machte. „Vor acht Jahren zog es mich dann wieder nach Wien“, erzählt Steinbach. Heute ist er Vorsitzender des Verbands der Antiquare Österreichs und auch Mitglied

im deutschen Verband. „Im Antiquariat ist es wichtig, international orientiert zu sein. Der Markt in Österreich ist ja nicht so groß.“ Wenigen Antiquaren ist die Internationalisierung so gelungen wie Steinbach. 2011 gründete er mit dem Japaner Mitsuo Nitta den World Antiquarian Book Plaza in Tokio – eine Art internationales Antiquariat. Seit Nittas Tod 2015 setzt er alles daran, das Projekt aufrechtzuerhalten, und reist mehrmals im Jahr in die japanische Hauptstadt. Warum ausgerechnet Japan? „Weil der Markt vielversprechend ist. Bücher mit Wien-Bezug lassen sich dort gut verkaufen.“ Als Mitglied der Internationalen Liga antiquarischer BuchhändlerInnen (ILAB) stellt Steinbach auf Messen in den USA, Frankreich, Spanien und China aus. Zu Spaniens Literatur hat der Antiquar eine besondere Beziehung. „Ich hatte lange Zeit eine schöne Spanien-Sammlung, auf die ich sehr stolz war. Erst nach einem Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte, habe ich sie verkauft. Auch das Sammeln gehört für ihn zu seinem Beruf dazu: „Ein Antiquar muss zuerst einmal sammeln, was ihm am Herzen liegt, und dadurch das Interesse der Kunden gewinnen. In jedem Antiquar steckt also auch ein kleiner Sammler.“ Zurzeit liest Steinbach „Unschuld“ von Jonathan Franzen. „Ich lese sehr gern, aber bei der ganzen Lektüre von Fachliteratur und Katalogen kommt andere Literatur fast zu kurz.“ Und er möchte an eine Sache erinnern, die ihm am Herzen liegt: „Gedruckte Bücher gibt es seit mehr als 600 Jahren – und bestimmt auch noch 600 weitere. So lange hält kein technisches Gerät. Es lohnt sich also auch für junge Menschen, sich mit alten Büchern zu beschäftigen und zu erfahren, was für ein Zauber ihnen anhaftet.“

Rare Books Freyung 6/4/6 1010 Wien

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F o t o : c h r i s t o p h e r m av r i Č

– HVB-Mitglieder im Porträt – Verlagsvertreterin

Helga Schuster H

elga Schuster lebt schon lange in Wien, ist aber eigentlich Tirolerin. Vielleicht bestellt sie deshalb ein „Tirola Kola“. Auf einem Sofa, das so weich ist, dass es einen beinahe verschlingt, erzählt sie schwungvoll von ihrer Arbeit als Verlagsvertreterin. Vor ziemlich genau sieben Jahren bot ihr die Verlagsvertreterin Jutta Leitner an, ihre KundInnen zu übernehmen. Bei ihr selbst war eine Krebserkrankung festgestellt worden. Nicht nur Jutta Leitner, auch die Verlage gaben ihr einen enormen Vertrauensvorschuss: „Sie stellten mich auf Probe ein und haben mir von Anfang an die Möglichkeit zu lernen gegeben.“ Helga Schuster vertritt ausschließlich unabhängige Verlage aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Ihre ersten Schritte als Vertreterin sind ihr in Erinnerung geblieben: „Vor dem ersten Termin in einer Buchhandlung war ich nervös

wie ein Teenager vor dem ersten Date.“ Auf die Reise in Österreichs Buchhandlungen begibt sie sich nicht mit dem eigenen Auto, sondern mit dem Bus oder Zug. Die Fahrten sind für sie eine wichtige Vorbereitungszeit. „Dort kann ich die Zeit nutzen und mich individuell auf die KundInnen einstellen: Was kommt für die Buchhandlung in Frage? Wo liegen die Schwerpunkte?“ Anstelle einer Homepage betreut sie eine Facebook-Seite. Dort teilt sie Cover von Neuerscheinungen, Veranstaltungseinladungen und Medienbeiträge. Generell trennt sie Berufs- und Privatleben nicht allzu streng, denn: „Ob beruflich oder privat: Es geht um das Buch!“ Ihr treuer Begleiter ist das Smartphone. Erreichbar ist sie am besten ab 9 Uhr morgens, Morgenmensch ist sie keiner, erzählt sie mit

„Ob beruflich oder privat: Es geht um das Buch!“

einem Augenzwinkern. Die Bücher, die sie mit auf die Reise nimmt, werden gewissenhaft geprüft. Schuster nennt das LektüreSpeed-Dating: „Vor den Vertretersitzungen bekommt jedes Buch eine Stunde. Da hat es die Chance, mich auf seine Seiten zu ziehen. Bis zum Beginn der Reise versuche ich die Romane komplett zu lesen.“ Und was liest sie jetzt gerade? „Momentan lese ich ,Wir waren doch mal Feministinnen‘ von Andi Zeisler, erschienen bei Rotpunkt, in dem sich die Autorin mit viel Wissen und Humor über die Entwicklungen des Feminismus Gedanken macht. Aber ich lese auch fremd“, sagt sie und lacht. „Pro Jahr geht sich bei mir ein Tausendseiter aus. Für heuer ist ,Die unerhörte Geschichte meiner Familie‘ von Miljenko Jergović geplant.“

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– Selbstredend –

Ich wurde mit meinem Buch politisch heimatlos Der israelische autor nir baram über den nahostkonflikt, zionismus und seine familie

Interview: Erich Klein

Der Roman „Gute Leute“, Ihr erster Erfolg, spielt unter Hitler und Stalin, endet aber am Vorabend des Holocaust. Was hat Sie bewogen, in der Epoche der Zeitzeugen­literatur und der Non-Fiction einen traditionellen Roman über diese Zeit zu schreiben? Nir Baram — Es ist eine typisch israelische Sache. Wir lernen schon früh in der Schule alles über den Zweiten Weltkrieg. Es gibt die Tradition der Lagerliteratur. Und die Bücher über Opposition und Widerstand gegen die Nazis und den Krieg haben mich immer interessiert. Sobald es darin aber um Menschen geht, die mit dem Regime kollaborierten, wird alles sehr eindimensi-

onal und reduktionistisch. Die Figuren sind banale Bürokraten, sie werden dämonisiert und sind eigentlich langweilig. Die Banalität des Bösen soll langweilig sein? Baram — Die Banalität des Bösen wird normalen Figuren aufgesetzt. Mich interessieren nicht normale Menschen, sondern das, was man die kreative Klasse nennt. Die beiden Hauptfiguren in „Gute Leute“ sind exzellente Geschichtenerzähler. Weil sie talentiert sind, gehen sie mit dem Regime einen Deal ein. Ich wollte genau diese Frage in Romanform abhandeln. Meine Hauptfigur, Thomas Heiselberg, ist schwer einzu-

F O T O : p r i va t

N

ir Baram gilt als Shootingstar der gegenwärtigen israelischen Literatur. Drei Romane, Erzählungen und Reportagen für die renommierte Tageszeitung Haaretz hat der einundvierzigjährige Spross einer Jerusalemer Politikerfamilie bislang veröffentlicht. „Menschen zuzuhören heißt, ein komplexeres Weltbild zu riskieren“, schreibt er in seinen Reportagen „Im Land der Verzweiflung. Ein Israeli reist in die besetzten Gebiete“. Wir haben den Autor am Dizengoff-Square über den Dächern der „Weißen Stadt“ getroffen. Wie sagt Nir Baram: „Tel Aviv, das ist die größte Errungenschaft des Zionismus!“

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Relevanz ist. Er ist nicht die bloße Imitation einer bestimmten Epoche, sondern muss auch klarmachen, dass diese Zeit vergangen ist, die Fragen sich geändert haben. Es müssen Fragen unserer Gegenwart abgehandelt werden. Auch wenn das einigen anachronistisch erscheinen mag. Mit dieser Figur bereiten Sie uns dennoch Kopfschmerzen! Baram — Deutsche Kritiker meinten, Heiselberg sei ein verachtenswerter Opportunist. Wenn sie aber sagen, dass alle Kollaborateure verachtenswert waren, dann bezieht sich das auf fünfundneunzig Prozent aller Deutschen des Jahres 1938. Was beweisen oder zeigen sie damit? Nichts! Nebenbei ist auch die russische Protagonistin meines Bu-

„Für Brexit und Trump zu stimmen, hat etwas absolut Unpolitisches. Es geht nur noch darum, hier und jetzt alles zu zerstören“

tatsächlich wollte, würde ich einen anderen Plot erfinden. Mein Roman macht sich auch über den Roman selbst lustig. Worum geht es dann im Buch eigentlich? Baram — Wichtige Teile des Buches handeln von der Atmosphäre, die zu Brexit und Trump führte. Für Brexit und Trump zu stimmen, hat etwas absolut Unpolitisches. Es geht nicht um die Vision, morgen eine bessere Welt zu schaffen, sondern nur noch darum, hier und jetzt alles zu zerstören. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt – ich machte allerdings in Deutschland eine merkwürdige Erfahrung. In „Weltschatten“ gibt es einen israelischen Plot, vor allem geht es um Korruption. Die korruptesten Figuren im Buch sind Mitarbeiter der Politikberatungsagentur MSV – keine davon ist jüdisch. Aber man hat mir Antisemitismus vorgeworfen! Der Vorwurf mag absurd sein, aber die Obsession mit „jüdischen Themen“ in Deutschland oder Österreich ist doch historisch leicht nachvollziehbar. Baram — Ich verstehe eine gewisse Faszination bei den Deutschen, aber für einen israelischen Autor ist es frustrierend, immer nur in einem soziologischen, politischen oder historischen Zusammenhang gelesen zu werden. Über Israel oder über Literatur zu sprechen – das ist nicht ein und dasselbe.

Nir Baram

ches eine Killerin. Die Frage ist nicht: „Wie konnten diese Leute das tun?“ Natürlich konnten sie das tun– auch wir können es. Und natürlich kann all das wieder geschehen. Der Deal, der zwischen Individuum und Regime ausgehandelt wird, hat auch im Kapitalismus Bedeutung!

ordnen – er ist nicht wirklich ein Nazi, er ist „amerikanisch“, ein wenig Kapitalist. Ein nicht besonders sympathischer Karrierist. Baram — Manche Leute mögen ihn. Er ist kein Opportunist, sondern ziemlich kühn bei der Durchsetzung seiner Ziele. Eine solche Figur interessiert mich mehr als die sexuellen Perversionen, die etwa Jonathan Littell in „Die Wohlgesinnten“ darstellt. Ich glaube, man muss auf diese Art mit dem Zweiten Weltkrieg umgehen. Robert Musil hat einmal gesagt, ein historischer Roman ist nur interessant, wenn der Roman auch in der Zeit, in der er veröffentlicht wird, von

Was Sie als „kreative Klasse“ bezeichnen, steht im Mittelpunkt von „Weltschatten“: Der wilde Mix aus amerikanischen Politberatern, israelischen Geschäftsleuten und englischen Freaks, die zum Streik gegen den Kapitalismus aufrufen, ist ein ironisches Porträt unserer Zeit. Baram — Es ist kein Roman über Proteste. Die Aktionen am Ende des Buches sind total nihilistisch. Es geht der Gruppe nur noch um sich selbst, nicht um Protest oder Widerstand. Man kann als Autor ganz und gar ironisch sein, trotzdem werden manche Leute alles wörtlich nehmen. Allerdings war ich verwundert, bei einigen Rezensenten zu lesen, ich hätte ein Buch über den Sturz des Kapitalismus geschrieben. Wenn ich das

Sprechen wir trotzdem über Israel: Sie wurden nach den großen Kriegen geboren und sind in einer relativ friedlichen Zeit aufgewachsen. Waren Sie mit Ihrer Umgebung je zufrieden? Baram — Nein! (lacht verwundert) Wissen Sie, ich bin in einer marxistisch-zionistischen Familie aufgewachsen. Das ist an sich schon ein Widerspruch: Einerseits war alles sehr politisch, andererseits gab es da die Literatur, für die sich meine Mutter interessiert hat. Als ich sehr jung war, lasen wir gemeinsam Gogol und Turgenjew. Diese Mischung hat bei mir ein gewisses Misstrauen für alles und jedes bewirkt. Ein Misstrauen, das mich auch als Romancier nie verlässt. War es ein Glück für Sie, dass Ihr Vater und auch der Großvater Politiker waren? Baram — Man lernt sehr viel über die Welt, wenn man noch sehr jung ist. Aber es nimmt dir auch die Möglichkeit, Dinge selber zu entdecken. Ich habe die politischen Mechanismen der Welt – nicht die Politik überhaupt – kapiert, als ich noch sehr jung war. Ich war vielleicht elf Jahre alt, als mir ein Freund etwas über einen Mit»

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– Selbstredend –

schüler erzählte. Ich sagte darauf: „Der ist nicht aus unserem Lager, das sind nicht unser Leute!“ Mein Freund entgegnete: „Was meinst du damit?“ Er verstand nicht, dass es um „uns“ und „gegen sie“ geht. Ich kann mich nicht erinnern, andere Menschen je ganz naiv und unvoreingenommen wahrgenommen zu haben.

„Man hat mir erzählt, in Jerusalem ging damals nichts ohne meinen Großvater“ Nir Baram

Wer in Israel den Namen „Baram“ erwähnt, bekommt zur Antwort: „Ein guter Mann, nicht korrupt.“ Das bezieht sich auf Ihren Vater. Baram — Mein Vater ist in Israel tatsächlich bekannt dafür, dass er nie korrupt war und immer die Wahrheit sagte. Das ist etwas, was ich von ihm übernommen habe. Die Wahrheit zu sagen, gibt dir die Möglichkeit, nicht ständig kalkulieren zu müssen, was man jetzt sagen kann oder worüber man schweigen muss. Weil mein Vater immer ehrlich war, wurde er nebenbei nie zu einem bedeutenden Politiker. Er hatte keinen Killer-Instinkt. Was meinen Vater und meinen Großvater betrifft, so gibt es da noch ein wichtiges Moment. Er sagte immer: „Ich habe den Staat Israel aufgebaut.“ Bekommt man eine derartige Einstellung von seinem Großvater mitgeteilt, wird man irgendwie ständig überwältigt. Meine Generation kann mit diesen Leute nicht mithalten. Damit umzugehen, ist wohl nicht einfach. Baram — Es war die Umgebung, in der ich aufwuchs. Ich habe eine Zeitlang gebraucht, auch um ihre Fehler zu verstehen, es überwog aber immer das Gefühl: Was diese Leute gemacht haben, war großartig. Wir aber, mit unseren kindischen Ansichten in Sachen Politik, müssen darauf achten, nicht alles wieder kaputtzumachen. Sie räumen in „Weltschatten“ mit der CampusKultur und den intellektuellen Moden der Linken auf. Das Buch spielt zwischen den achtziger und den nuller Jahren, als die israelische Gesellschaft einen Wandel erfuhr. So wurde etwa das Kibbuz-System privatisiert … Baram — Nach Israel kamen damals Friede und die Globalisierung. In den Achtzigern wurden die Israelis erstmals der Weltwirtschaft ausgesetzt. Es entstand eine kapitalistisch und nordamerikanisch geprägte Gesellschaft. In den Siebzigern lebten wir in einem eher geschlossenen Markt. Das Buch ist Ausdruck einer Desillusionierung über die politischen Fähigkeiten meiner Generation, über die Spielchen, die ein Teil von uns spielte. Zuerst wurde von Friede und Gerechtigkeit gesprochen, dann begannen alle für amerikanische Unternehmen zu arbeiten.

Könnten sie ein Buch über die Gründergeneration des Staates Israel schreiben, der nächstes Jahr siebzig wird? Baram — Ja. Derzeit arbeite ich aber an einem Buch über meine Mutter. Es ist eine sehr persönliche Geschichte über ihren Tod. Sie starb, als ich neunzehn war. Was Literatur betrifft, so bin ich flexibel – mein erster Roman „Der Wiederträumer“ war ein gänzlich unpolitisches Buch, dann folgten die beiden politischen Romane. Drei Ihrer Großeltern kamen aus arabischen Ländern nach Palästina. Hatte Ihre Mutter russische Vorfahren? Baram — Mein Großvater, der Minister, kam aus einem Schtetl Namens Sdolbuniw in der Ukraine. Alle anderen kamen aus Syrien oder dem Jemen. Die Wurzeln meiner Mutter sind arabisch-jüdisch. Wie viele arabische Juden wollte sie ganz westlich sein. Als ich sehr klein war, sprach sie ständig von russischen und französischen Klassikern wie Balzac, Flaubert oder Camus. Wie wichtig diese Dinge für sie waren, verstand ich erst nach ihrem Tod. Sie hat sich für ihre Herkunft immer ein wenig geschämt. Sie hat nie eine Universität besucht und sich vollkommen autodidaktisch gebildet.

Familienfotos aus den Kindertagen von Nir Baram, am unteren Bild mit seinem Vater und seiner Mutter, die ihn küsst

Die Losung der Zeit war „Friede jetzt!“. Baram — Ich nenne das einfach die PeaceIndustrie der neunziger Jahre. Darin arbeitet jemand am Morgen eifrig für „Peace now“ und verkauft am Abend Waffen nach Ruanda. Das war durchaus typisch und normal. Der Mangel an politischer Bestimmtheit in meiner Generation mit Facebook und permanentem kulturellem Protest frustrierte mich zunehmend und kam mir schließlich nur mehr komisch vor. „Weltschatten“ war in Israel ein Bestseller. Ich bin aber nicht sicher, ob das Buch wirklich verstanden worden ist. Es zeigt tatsächlich bis zu einem gewissen Grad, wie man das System zerstört, aber vor allem zeigt es, dass wir nichts als politische Clowns sind.

Ihr Großvater ist genau zu jener Zeit nach Palästina ausgewandert, da Ihr Roman „Gute Leute“ abbricht. Galizien war damals noch polnisch, bevor es im Zuge des Hitler-StalinPaktes von den Sowjets annektiert wurde. Baram — Er ist schon in den zwanziger Jahren emigriert. Er ist nicht vor dem Holocaust geflohen, sondern weil er ein überzeugter Zionist war. Er war Sekretär der Histadrut, der Gewerkschaft, im Jerusalem der dreißiger und vierziger Jahre. Ich wuchs nicht mehr in dieser Atmosphäre auf, aber man hat mir erzählt, in Jerusalem ging damals nichts ohne meinen Großvater. Er war der, an den man sich wandte, wenn man einen Job oder Genehmigungen brauchte. Er war ein richtiger Arbeiterführer. Sie sind in Jerusalem geboren und aufgewachsen, später aber nach Tel Aviv übersiedelt. Baram — Ja, nach der Armee, wie viele meiner Freunde. Tel Aviv ist interessanter und es gibt viel mehr Arbeitsmöglichkeiten. Am Ende von „Weltschatten“ läuft Ihr Protagonist Gavriel durch Tel Aviv – es ist kein sehr anziehendes Stadtporträt, das Sie da zeichnen. Baram — Wenn der Protagonist eines Romans eine Geschichte erzählt, sollte man ihm nie trauen! Das Porträt der Stadt fällt

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Kramers Kinderstube Irmgard Kramer so aus, weil Gavriel nicht der Elite angehört, der er angehören möchte. Erinnern sie sich an Gatsby. Hat er kein Geld? Er hat Geld! Ist er smart? Er ist smart! Aber er ist nicht in die Elite hineingeboren – das ist Gavriels Problem im Roman. Er war immer ein Sepharde wie meine Mutter und trägt auch den Namen meiner Mutter: Manzur. Der Großvater im Buch ist auch ein Porträt meines Großvaters.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt war ich aber überzeugt, man könne den Juden, die hier leben, nicht die ganze Zeit erzählen, dass sie alles nur gestohlen haben. Es macht weder Sinn noch ist es produktiv. Will man unsere Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts verstehen, ist eines klar: Die Juden benötigten eine Heimstadt, wie Theodor Herzl das nannte. All jene, die das nicht kapieren, verstehe ich nicht mehr.

Es heißt einmal: „Wir imitieren immer die Tel Aviver. Und letztlich wussten wir nicht, wie wir leben sollen.“ Ist das die Identität Ihrer Hauptstadt? Baram — Nein! (lacht) Tel Aviv ist sehr modisch. Es ist die Stadt, die wir in den Westen exportieren, um zu zeigen, dass wir nicht weniger wichtig sind als Berlin oder New York. Der Rest von Israel ist Provinz. Tel Aviv gibt sich als westliche Stadt aus, obwohl wir uns hier geografisch nicht im Westen befinden. Es befindet sich im permanenten Wettbewerb mit Europa und muss fashionabler sein als New York. Ich habe ähnliche Komplexe in Osteuropa beobachtet. Auf jeden Fall ist Tel Aviv neben der Erfindung des modernen Hebräisch die größte Errungenschaft des Zionismus!

Das bedeutet für Sie Zionismus? Baram — Ja, ganz einfach. Der Platz, den die Juden in einem bestimmten historischen Moment benötigten. Wenn ich mir die Geschichte all meiner jüdischen Freunde mit ihren europäischen oder arabischen Großvätern und Großmüttern anschaue, sage ich mir: Waren sie alle wirklich nur Kolonialisten? Natürlich können Sie das behaupten und sich über den Applaus linker Idioten freuen. Meine Position ist es nicht. Und ja, ich glaube auch, der israelische Staat muss in Zukunft inklusiver werden, multikultureller und multiethnischer.

Eines Zionismus, der Ihnen heute wieder sehr nahesteht. Baram — Für mich waren linke Israelkritiker wie der Historiker Schlomo Sand sehr wichtig. Wir haben zusammengearbeitet.

Bücher von Nir Baram Seit der apokalyptischen Alltagsstudie „Der Wiederträumer“ (2009) (auf Deutsch bei Schöffling) zählt Nir Baram zu Israels BestsellerautorInnen. Die internationale Kritik überschlug sich auch bei allen folgenden Büchern mit Lob. In der historischen Fiktion „Gute Leute“ (2012) werden Hitler-Deutschland und Stalins Sowjetunion zusammengeführt. „Weltschatten“ (2016) probt als israelische Familiengeschichte den Aufstand gegen den Kapitalismus. Verzweiflung. Ein Israeli reist in die be­ setzten Gebiete“ (2016) wurde Nir Baram zu einer gewichtigen politischen Stimme seiner Generation. Die Bücher von Nir Baram erscheinen im Carl Hanser Verlag.

Sie haben für die Tageszeitung Haaretz eine Reihe von Reportagen über die besetzten Gebiete im Westjordanland geschrieben. Sehr viel Hoffnung, was Frieden zwischen Palästinensern und Juden betrifft, ist Ihrem Buch „Im Land der Verzweiflung“ nicht zu entnehmen. Baram — Es geht mir auch nicht um die Hoffnung. Ich wollte die Komplexität der Siedlerfrage aufzeigen. Autoren wie David Grossman und Amos Oz haben seinerzeit die orthodoxen Eliten der Siedler bekämpft, aber die machen insgesamt nur dreißig Prozent der Siedler aus. Was ist mit den anderen siebzig Prozent – mit den Mizrahim und den „Russen“, die nach dem Ende der Sowjetunion nach Israel kamen? Die wollen einfach in einem netten Häuschen wohnen. Ich beschreibe jenen Großteil der Siedler, die nicht politisch sind und deren Realität wir meist gar nicht kennen. David Grossman und Amos Oz haben einfache Forderungen wie sofortigen Siedlungsstopp und die Zwei-Staaten-Lösung erhoben. Ich fuhr in die besetzten Gebiete mit dem »

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Foto: darko tod orovic

Mit den Reportagen in „Im Land der

Erlauben Sie mir eine pathetische Frage: Worüber würden Sie weinen? Baram — Das ist eine gute Frage. (lange Pause) Über – nichts. Vielleicht über Dinge, die mit meiner Kindheit, mit Nachbarn oder meiner Familie zu tun haben. Sonst habe ich nichts, worüber ich weinen würde. Ich hab’ keine Erfahrung von den großen Kriegen 1967 und 1973.

Jugendbuchautorin

Eine Geschichte noch Die Autorin trifft Hermann Schulz und beginnt Tagebuch zu schreiben „In Afrika ist es für die Deutschen in die Hosen gegangen“, notierte Astrid Lindgren am 8. November 1942. Als der Krieg ausbrach, be­­­ gann sie, Tagebuch zu schreiben. Als am 9. November 2016 Donald Trump gewählt wurde, erwachte ich in einem Hotel in Bonn, und der Morgen graute mir. Ich war dort beim Lesefest „Käptn Book“. „Ein schwarzer Tag“, sagte ich beim Frühstück zu Hermann Schulz. 1938 in Afrika geboren, leitete er jahrelang den Peter Hammer Verlag und schreibt selbst Kinderbücher. Am Vorabend hatte er mir erzählt, wie es zum Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte“ gekommen war, wie er Illustratio­ nen auf einer Tabakpackung sah, wissen wollte, wer sie gemacht hat­ te, und so Wolf Erlbruch kennen­ lernte. „Darf ich Ihnen noch eine Geschichte erzählen?“, fragte mich Hermann Schulz. Der Kaffee erin­ nerte ihn an Kaffeehäuser in Wien und an Alfred Hrdlicka, den er we­ gen eines Marmorblocks kennenge­ lernt hatte. Hrdlicka hatte sein Ate­ lier in der Nähe des Praters. Beim Spaziergang kamen ihnen, Hand in Hand, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker entgegen. Hrdlicka lud alle in ein Kaffeehaus ein. Schulz erzählte noch viel mehr. Ich war so beseelt, dass ich beschloss, Trumps Präsidentschaft ebenfalls in einem Tagebuch festzuhalten. Der erste Eintrag lautet: „Als Donald Trump gewählt wurde, frühstückte ich mit Hermann Schulz.“

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Wissen, dass es diese Lösung nicht geben wird. Ich gestehe, ich war während der Arbeit eine Zeitlang selbst ziemlich irritiert und begann an mir zu zweifeln. Was die Palästinenser betrifft, so sprechen die nicht von 1967 und der damit verbundenen ZweiStaaten-Lösung, sondern vom Jahr 1948. Können Sie die Bedeutung von 1967 und 1948 kurz erklären? Baram — Bei der Gründung Israels 1948 war die Zwei-Staaten-Lösung vorgesehen. Dann begannen die Araber einen Krieg. Dabei wurden aus Israel siebenhunderttausend Palästinenser vertrieben und deportiert. Sie haben alles verloren: ihr Geld, ihre Häuser und Dörfer. Das ist das Trauma der Palästinenser. 1967, im Sechs-Tage-Krieg, kam es statt zu einer jordanischen Besetzung des Landes zu einer Okkupation durch Israel und zur Errichtung von Siedlungen. Nach 1967 haben nicht sehr viele Palästinenser ihr Eigentum verloren. Sie lebten ab diesem Zeitpunkt unter der Besatzung.

verstehen sich als von dort stammend, waren aber nie an diesen Orten. Es geht dabei immer um 1948. Die Palästinenser sprechen ständig davon, und wir hören ihnen nicht zu. Sie wollen Gerechtigkeit für 1948! Welche Bedeutung hat Ihre arabisch-jüdische Herkunft für Ihre politischen Ansichten? Baram — Das hat große Bedeutung. Ich habe viel von meinem Vater übernommen, der ein linker Zionist war, und wurde mit zwanzig noch sehr viel linker. Als ich in die Westbank und nach Ost-Jerusalem fuhr, um zu sehen, was dort eigentlich los ist, bemerkte ich, dass unser Linke davon längst keine Ahnung mehr hat. Ich war unvoreingenommen in Bezug auf die Zwei-Staaten-Lösung und stellte fest, wie groß der Widerstand dagegen auf beiden Seiten ist. In der Westbank

Baram — Als ich sechs Jahre alt war, sagte mir mein Vater: Eines Tages werden die Amerikaner und die Europäer kommen und eine Zwei-Staaten-Lösung durchsetzen. Das hat sich von 1982 bis 2004 unzählige Male wiederholt. Mir reicht es mittlerweile. Die Europäer hatten ihre Chance. Es ist nicht ganz unwichtig zu wissen, dass die Palästinenser heute mehr von den Europäern enttäuscht sind als wir. Die Situation in der Westbank ist viel zu verzwickt, um eine klare Lösung zu erreichen. Ich kann meine Freunde nicht mehr hören, die sagen, Europa werde uns boykottieren. All das sind säkulare messianische Hoffnungen. Meine Antwort: Niemand wird kommen, niemand wird sich um uns scheren. Mittlerweile ist das nur mehr ein lokaler Konflikt im Nahen Osten. Daneben gibt es viel brennendere

Warum ist eine Zwei-Staaten-Lösung nicht möglich? Baram — Ich sehe keine Möglichkeit, wie man sie herbeiführen könnte, ohne aus der Westbank hundertfünfzigtausend Siedler herauszunehmen. Das wird ganz sicher niemals passieren! Ich habe versucht, diese Problematik genau zu beschreiben. Aber die Israelis der liberalen Linken und die Europäer wollen von dieser offenkundigen Wahrheit nichts wissen. Ich wurde mit meinem Buch politisch heimatlos.

„Die Wurzeln des heutigen Konflikts liegen in der totalen Trennung der beiden Communities“ Nir Baram mit seinem verstorbenen Freund Uri

ist man rigoros dagegen. Die Palästinenser wollen die Grenzen von 1967 nicht mehr.

Probleme. Es liegt alles nur an uns und den Palästinensern.

Wie die Zukunft aussieht, weiß niemand? Baram — So ist es. Ich glaube, wir müssen gleiche Rechte für beide Gruppen schaffen. Es darf keine Bevorzugung der Juden mehr geben, wie es jetzt der Fall ist. Wie das zu erreichen ist, davon habe ich keine genaue Vorstellung. Ich weiß aber: Jeder Linke der sagt, er hätte eine Antwort, redet Unsinn.

Finden wir zu einem positiven Ende des Gesprächs: Was bedeutet Tel Aviv für Sie? Baram — Wie gesagt, es ist die größte Errungenschaft des Zionismus – sehr vielschichtig, multiethnisch, jung, dynamisch. Ich glaube, es gibt in Europa keine ähnlich kreative Stadt wie Tel Aviv. Es ist ein wenig hässlich, auf spezielle Art schmutzig. Aber hier lebe ich. Und wenn ich mir den blauen Himmel im November, Dezember und Jänner anschaue, weiß ich: Das ist mein Platz. «

Kann der sogenannte Westen dabei noch eine Rolle spielen?

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Eine der stärksten Episoden handelt von einer Begegnung mit einem palästinensischen Buben in Ramallah, der, mitten in Israel aufgewachsen, noch nie einen Juden gesehen hat. Baram — Mich hat das tatsächlich erstaunt! Ich wuchs in den achtziger Jahren in Jerusalem auf. Wir hatten immer mit den Palästinensern zu tun. Nicht in der Schule, da waren wir getrennt. Aber man sah sie beim Fußballspielen, in Geschäften, in der Diskothek. Damals kamen an jedem Samstag Tausende von Juden nach Ramallah. Dort einen Palästinenser zu treffen, der noch nie einen Juden gesehen hat, ist unglaublich! Die Wurzel des heutigen Konflikts liegt in der totalen Trennung der beiden Communities. Die jungen Palästinenser sehen Juden als Teufel und die Juden sehen die Palästinenser als Teufel. Ähnlich schockierend war die Begegnung mit Kindern in den diversen Lagern. Auf die Frage, woher sie kommen, antworten sie: aus Tel Aviv, aus Haifa. Sie

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– Klassiker – neu entdeckt

Frühling am Waldenteich Walden oder Leben in den Wäldern (1854) von Henry David Thoreau (1843–1916) Ende März 1845 borgte ich mir eine Axt und wanderte hinab in den Wald zum Waldenteich, in dessen unmittelbarer Nähe ich mein Haus bauen wollte. Ich fällte zunächst einige hohe, pfeilartige, noch junge Weißtannen, um Bauholz zu gewinnen. Anzufangen, ohne zu borgen, ist schwer. Und doch ist dies vielleicht noch der anständigste Weg, da man hierdurch seinen Mitmenschen erlaubt, sich für das Unternehmen eines anderen zu interessieren. Der Besitzer der Axt sagte, als er mir zeitweise sein Eigentumsrecht an derselben übertrug, sie sei sein Augapfel. Ich gab sie ihm aber schärfer zurück als ich sie empfing. Der Abhang des Hügels, auf dem ich arbeitete, war lieblich mit Nadelholz bewachsen, durch das man einen Ausblick auf den See und auf eine kleine Lichtung im Gehölz hatte, wo Fichten und weiße Wallnußbäume zu treiben begannen. Das Eis des Teiches war noch nicht geschmolzen, doch sah man einige offene Stellen. Das Eis zeigte überall eine

Weshalb wir das lesen sollen. anleitung von erich Klein. Henry David Thoreau (1817–1862) war Universalist. Nach seinem HarvardStudium (Altphilologie, moderne Sprachen, Mathematik, Biologie) arbeitete er als Lehrer in New York, kehrte aber bald in die väterliche Bleistiftmanufaktur in Concord, Massachusetts, zurück. Auf Anregung des Bostoner Pfarrers und Philosophen Ralph Waldo Emerson begann er ein Tagebuch zu führen, das bei seinem Tod im Alter von fünfundvierzig Jahren siebentausend Seiten umfasste: Die Reflexionen zu Kultur und Natur aus dem Geist des Transzendentalismus umkreisen die Frage nach der Freiheit. Thoreaus Hauptwerk „Walden oder Leben in den Wäldern“ (1854), ein Klassiker der amerikanischen Literatur, zur selben Zeit entstanden wie Herman Melvilles „Moby Dick“ oder Walt Whitmans

dunkle Farbe und war völlig mit Wasser durchsetzt. Während der Tage, die ich hier arbeitete, gab es einige leichte Schneegestöber. Meistens aber lag, wenn ich heimwärts ging, der Eisenbahndamm, leuchtend wie ein gelbes Band in dunstiger Luft, vor meinen Augen. Die Schienen glitzerten in der Frühlingssonne. Ich hörte die Lerche, den Piewieh, und andere Vögel, die schon angekommen waren, um ein weiteres Jahr mit uns zu verleben. Es waren angenehme Frühlingstage, Frühlingstage an denen der Winter unseres Mißvergnügens zugleich mit der Erde auftaute, an denen das bislang erstarrte Leben sich zu recken und zu strecken begann. Eines Tages – meine Axt hatte sich gelockert, ich hatte gerade den lebenden Zweig eines Wallnußbaumes zu einem Stiel zugeschnitten, ihn mit einem Stein hineingetrieben und die ganze Axt nahe am Teiche in ein Erdloch gesteckt, um das Holz quellen zu lassen – eines Tages sah ich eine gestreifte Schlange in das Wasser huschen. Dort lag sie auf dem Grunde, augenscheinlich ohne Unbehagen solange ich dort war, d.  h. länger als eine Viertelstunde, Vielleicht war ihr Erstarrungszustand noch nicht völlig gewichen. Es kommt mir so vor, als ob wegen einer ähnlichen Ursache die Menschheit in ihrem niedrigen primitiven Zustand verharrt. Denn, wenn sie den belebenden Einfluß des Frühlings aller Frühlinge spüren würden, so müßten sie notgedrungen sich zu einem höheren, mehr ätherischen Dasein er-

„Leaves of Gras“, ist die Probe aufs Exempel: Der zweijährige Rückzug aus der Gesellschaft setzt „zufällig“ (wie der Autor sagt) und symbolträchtig am 4. Juli 1845 ein; es ist der Feiertag der amerikanischen Unabhängigkeit. Weit ausholend bis zu den Antiken erfolgt ein Frontalangriff auf die Gesellschaft seiner Zeit: „Alte Dinge für die alten Leute und neue Dinge für die neuen!“ Thoreau rekapituliert seine bisherigen Schritte als Reporter und Landvermesser – scheinbar willkürlich springt sein Räsonnement weiter zu Kleidung und Sklaverei, zu Architektur und zur Verzweiflung im Denken. Im Zentrum der demokratischen Heiligenlegende steht die selbst errichtete Hütte am Waldenteich. Zehn Fuß lang, fünfzehn Fuß breit, spartanisch ausgestattet mit Bett, Tisch, drei Stühlen, einem Spiegel; dazu kommen eine Bratpfanne, zwei Bestecke, drei Teller, Krüge, eine Lampe. Das Selbstexperiment

heben. Ich hatte schon vorher, morgens früh an Frosttagen auf meinem Wege Schlangen beobachtet, deren Körper zum Teil noch starr und unbeweglich war. Sie warteten auf die Sonne, um aufzutauen. Am ersten April viel Regen und das Eis zerschmolz. Am frühen Morgen, wo dichter Nebel herrschte, hörte ich eine verirrte Gans, die schrie als ob sie den Weg verloren hätte und über das Eis tappte wie das Gespenst des Nebels. Ich fuhr mit meiner Arbeit einige Tage lang fort, fällte und bearbeitete mein Holz, die Eckpfeiler und die Dachsparren. Ich gebrauchte dazu nur meine schmale Axt, und hatte nicht gerade viel mitteilungswerte oder wissenschaftliche Gedanken. Ich sang so vor mich hin: »Das Menschlein spricht: Ich weiß von vielen Dingen. »Doch ach! schon entfalteten ihre Schwingen »Künste und Wissenschaften »Und tausend Machenschaften! »Der Wind weht – »Das ist alles, was der Mensch versteht.« Ausschnitt aus der Übersetzung: Wilhelm Nobbe, 1922. Henry David Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern, Diogenes Verlag, Zürich 2015

Tipp: Henry D. Thoreau: Ktaadn. Mit einem Essay von Ralph Waldo Emerson, Jung und Jung, Salzburg 2017

besteht in frühmorgendlicher Arbeit bis zum Mittag, danach folgt mußevolle Betrachtung von Geräuschen der Natur, Tieren und Pflanzen. Selbst die Arbeit am Bohnenfeld zur Eigenversorgung gerät zum mystischen Erlebnis: „Es waren keine Bohnen mehr, die ich hackte, und ich war es nicht mehr, der sie hackte.“ Was wie romantische Weltflucht aussieht, ist eine präzise Erkundung der Welt (inklusive Vermessung der umliegenden Teiche). Nur einmal wird die moderne Idylle gestört – Thoreau wird wegen Nichtbezahlung seiner Steuern kurzfristig eingesperrt. „Henry, warum sind Sie hier?“, soll sein Lehrer Emerson gefragt haben – darauf Thoreau: „Warum sind Sie nicht hier?“ Das Walden-Unternehmen wurde am 6. September 1847 abgebrochen; zwei Jahre später erschien Thoreaus Bibel des gewaltfreien Widerstandes „Civil Disobedience – Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“.

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Auf Entdeckungsreise ... Ulrich Metzner

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Thüringen

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Thüringen ist eine Schatzkammer voller Kostbarkeiten, Museen, Kirchen, Klöster, Burgen und 30 Residenzschlössern. Zum Welterbe der UNESCO zählen unter anderem die Wartburg, die Stätten des Bauhauses, die des klassischen Weimar, wie auch der große Buchen-Urwald im Nationalpark Hainich. Begeben Sie sich auf eine spannende Reise mit Friedenskaiser Barbarossa, der heiligen Elisabeth, Martin Luther, Johann Sebastian Bach, Friedrich von Schiller und vielen mehr.

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Der anzeiger ist seit 150 Jahren das Fachmagazin der österreichischen Buchbranche. Die Auseinandersetzung mit dem österreichischen Buchhande...

Anzeiger 4/17  

Der anzeiger ist seit 150 Jahren das Fachmagazin der österreichischen Buchbranche. Die Auseinandersetzung mit dem österreichischen Buchhande...

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