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Für Ihr Vermögen.

Anlagekommentar Februar 2018

Strategie in Kürze Ein nachhaltiges und global synchrones Wachstum sowie die tiefen Realren-

«Support für die Aktienmärkte ist

diten dürften die Aktienmärkte auch in den kommenden Monaten stützen.

weiterhin gegeben.»

Der in den Vereinigten Staaten schon weit fortgeschrittene Konjunkturzyklus wird 2018 durch eine höhere Investitionsneigung zusätzliche Impulse erhalten. Anzeichen einer Wachstumsabschwächung sind auch in Europa nicht auszumachen. Die moderat steigenden Inflationsraten und die weniger expansive US-Geldpolitik werden die Anleiherenditen vor allem im Dollarraum nach oben drücken, während in Europa der Renditeanstieg moderater ausfallen wird. Verantwortlich für den jüngsten Renditeanstieg waren in erster Linie die leicht erhöhten Inflationserwartungen, die weltweit tiefen Realrenditen stehen aber nach wie vor im Kontrast zu den starken Konjunkturdaten. Auf der politischen Ebene sorgt die «America-First-Politik» immer wieder für

«America-First ist in aller Munde.»

Unwägbarkeiten, wobei derzeit die weiteren Verhandlungen über das NAFTA-Abkommen einen wesentlich höheren Stellenwert haben als die Importzölle auf Solarpanels und Waschmaschinen, die Präsident Trump im Januar ausgesprochen hat. Wie an dieser Stelle schon mehrfach erwähnt haben die Aktienmärkte die

«Absicherung unserer verwalteten

letzten Monate eine fulminante Kursrallye hingelegt. Seit dem 20. Januar

Portfolios mittels eines geeigneten

2017, also seit dem Amtsantritt von Präsident Trump, ist der Wert der US-Ak-

Instruments gegen unvorherseh-

tien um fast sieben Billionen Dollar (7‘000 Mia.) gestiegen. Der Dow Jones

bare Ereignisse.»

übersprang Ende Januar die 26‘000-Punkte-Marke. Dies bedeutet die achte 1‘000er-Marke seit den US-Wahlen. Wieviel der 45. Präsident der Vereinigten Staaten damit zu tun hat, ist momentan schwer abzuschätzen. An der Börse wird jedoch nicht das gehandelt, was passiert ist, sondern was die Investoren glauben, dass passieren wird. Unter dem Aspekt, dass unsere verwalteten Mandate hervorragend ins Anlagejahr 2018 gestartet sind, die Märkte teils stark überkauft sind – siehe auch die folgende Grafik des S&P 500 über die letzten zehn Jahre – haben wir uns Ende Januar dazu entschlossen, unsere FACTUM AG

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Portfolios mittels eines geeigneten Instruments teilweise abzusichern. Die Absicherung war aufgrund der im historischen Kontext gesehen tiefen Volatilität attraktiv.

S&P 500 Index 3000

2600

2200

Quelle: Bloomberg

1800

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600 Jan-08

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Im Juni 2017 haben wir eine Position im Energiebereich (Ölfirmen) mittels ei-

«Verkauf des Lock-In-Ölzertifikats

nes Lock-In Zertifikats aufgebaut, da uns dies als opportun erschien. Die

mit einem Gewinn von leicht über

Wertentwicklung 2017 war aber auch in der zweiten Jahreshälfte enttäu-

10%.»

schend. Während der MSCI Welt im letzten Jahr 20% zulegte, gehörten Energiefirmen wie BP, Chevron, Exxon, Total oder Royal Dutch – relativ gesehen – zu den grössten Verlierern. Dies trotz eines sich markant erholten Ölpreises und einer anziehenden globalen Konjunktur. Das Blatt hat sich jedoch im vergangenen Monat gewendet und wir haben die Position mit einem Gewinn von leicht über 10% verkauft. Die frei gewordene Liquidität von 2% belassen wir momentan auf dem Konto

«Wir haben die Aktienquote im ab-

zum Schutz der Kapitalbasis respektive zum Ausnutzen allfälliger Investmen-

gelaufenen Monat auf neutral redu-

topportunitäten. Gepaart mit der eingangs erwähnten Absicherung fahren

ziert.»

wir somit neu eine neutrale Aktienquote. Wir sehen Aktien weiterhin als attraktivste Anlageklasse, erachten es aber als sinnvoll den markanten Kursanstieg zum Anlass zu nehmen, Gewinne zu realisieren und Risiken im Portfoliokontext abzubauen und folglich die Aktienquote herunterzufahren. Politik Mit dem «Government Shutdown» (Stilllegung der Regierung in den USA)

«Was ist überhaupt ein Government

wird in den Vereinigten Staaten die Lage bezeichnet, in der die Behörden der

Shutdown?»

Bundesregierung ihre Tätigkeit zu grossen Teilen einstellen und nur noch die FACTUM AG

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als unerlässlich angesehenen Aufgaben erledigen. Der Regierungsapparat fährt bei einem solchen «Shutdown» herunter, wenn die bisherige rechtliche Grundlage für die Bewilligung von Haushaltsmitteln ausläuft und sich Senat, Repräsentantenhaus und Präsident nicht rechtzeitig über weitere Haushaltsmittel einigen, indem sie ein entsprechendes Gesetz beschliessen. Aus unserer Sicht war der jüngste «Shutdown» nur eine Frage der Zeit. Seit

«Kollektives Versagen führt zum

1977 ist dies bereits der achtzehnte Stillstand. Das letzte Mal, dass der ame-

Shutdown in den USA.»

rikanische Kongress rechtzeitig und ohne temporäre Beschlüsse ein volles Haushaltsjahr finanzierte, war 1997. Die Politiker helfen sich seither zunehmend mit kurzfristigen Massnahmen, um die Bundesverwaltung zu finanzieren. Die Notwendigkeit, alle paar Wochen einen neuen Finanzierungsbeschluss zu verabschieden, verleitet dazu, sachfremde, nicht selten explosive Anliegen damit zu verknüpfen und so die Gegenseite zu erpressen. Der reguläre Staatsbetreib gerät so in Geiselhaft. Oft wird auch die Schuldenobergrenze auf ähnliche Weise als politische Waffe eingesetzt. Das kann als legislative Brandstiftung betitelt werden. Die Demokraten haben seit 2008 bei Wahlen stetig an Terrain eingebüsst.

«Mit der demokratischen Partei geht

Erst verloren sie das Repräsentantenhaus, dann den Senat und schliesslich

es seit 2008 abwärts.»

das Weisse Haus. Das hat Auswirkungen und ihre Rolle ist geschwächt. Sie können im Senat mit ihrer Sperrminorität zwar Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren nehmen, doch dieser ist beschränkt. Um was ging es nun im jüngsten «Shutdown»? Vordergründig ging es um das

«Was sind die Gründe für den jüngs-

Schicksal der rund 700‘000 jungen Papierlosen, die als Kinder nach Amerika

ten Shutdown?»

kamen und sich hier zu Hause fühlen («Dreamers»). Ihnen helfen zu wollen, ist eine löbliche humanitäre Geste, doch das löscht die Tatsache nicht aus, dass sie ohne Aufenthaltsbewilligung in den Vereinigten Staaten leben. Dass dies einem Teil der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes ein Dorn im Auge ist, muss respektiert werden. Das würde einen behutsamen Umgang mit dem Thema nahelegen, denn ein Anspruch irgendwelcher Art auf eine Legalisierung der «Dreamers» besteht nicht. Nach der Niederlage der gemässigten Hillary Clinton ist in der Demokrati-

«Die Demokraten irren sich funda-

schen Partei der Appetit auf extreme Positionen gewachsen. Doch die An-

mental, was ihre Wahlchancen im

nahme, dass es den «Dreamers» helfen könnte, wenn man den Staat und

Herbst nicht erhöhen dürfte.»

seine Angestellten als Geisel nimmt, ist ein fundamentaler Irrtum der Demokraten. An den Zweifeln, dass die beiden Kammern des Kongresses rechtzeitig bis im März eine Legalisierung zustande bringen, hat sich denn auch nichts geändert. Nicht weil der Erpressungsversuch mit dem «Shutdown» FACTUM AG

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scheiterte, sondern weil die Demokraten – auch und gerade wegen ihrer arroganten Haltung in der Frage der Zuwanderung – die letzten Wahlen allesamt verloren. Der amerikanische Präsident, Donald Trump, will mit Sonderermittler Robert

«Der US-Präsident wird unter Eid

Mueller über die Russland-Affäre sprechen – auch unter Eid. Der frühere FBI-

aussagen.»

Chef Mueller ermittelt, ob sich Russland zugunsten von Trump in den amerikanischen Wahlkampf eingemischt hatte. Dieses Vorgehen ist zu begrüssen, hängt doch die Russland-Affäre wie ein Damoklesschwert über der Präsidentschaft von Donald Trump. Dass Russland nicht gerade ein Paradebeispiel einer Demokratie ist, zeigte

«Enormer Zulauf für Nawalnys Pro-

der 28. Januar. «Streik der Wähler» nennt sich die Bewegung des Oppositi-

test – Russland gilt nicht gerade als

onspolitikers Alexei Nawalny, die an jenem Sonntag in Russland in diversen

Paradebeispiel einer Demokratie.»

Grossstädten demonstrierten. Protestiert wurde gegen die kommende Präsidentschaftswahl vom 18. März, in der Nawalny aus fadenscheinigen Gründen die Teilnahme verwehrt wird und in der es keine echte Konkurrenz für den Amtsinhaber Wladimir Putin gibt. In Europa rücken die italienischen Parlamentswahlen von Anfang März in den

«Droht in Italien bei den Parlaments-

Fokus. Das rechte Lager, bestehend aus Forza Italia, der Lega und der patri-

wahlen Anfang März neues Unge-

otischen Fratelli d’Italia hatten im vergangenen November nach ihrem Wahl-

mach?»

sieg in Sizilien vereinbart, auch auf nationaler Ebene zusammenzuspannen. In Sizilien erhielten sie zusammen 40% der Stimmen gefolgt von Beppe Grillo’s MoVimento 5 Stelle (35%). Das Mitte-Links-Wahlbündnis mit Renzis PD im Zentrum kam nicht einmal auf 20%. Umfragen für ganz Italien sagen ähnliche Ergebnisse voraus. Die momentane Diskussion dreht sich um das Thema Immigration und Steuergeschenke, die sich Italien trotz des zurückgekehrten Wachstums nicht leisten kann. Die Europafrage ist momentan nicht zentral. Die Situation dürfte in Italien auch nach den Wahlen unübersichtlich bleiben, da die Koalitionsabsichten unklar sind. Eine negative Beeinflussung der Märkte erachten wir zum momentanen Zeitpunkt als gering. Konjunktur Der provisorische PMI Composite in der Eurozone, der die Umfrageresultate

«Weiterhin ausgezeichnete Konjunk-

aus dem Industrie- und Dienstleistungssektor kombiniert, stieg entgegen

turindikatoren im Euroraum.»

den Erwartungen von 58.1 auf 58.6 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit knapp zwölf Jahren. Ein ausgesprochen optimistisches Bild zeichnet auch der deutsche Ifo-Index, der gemeinhin als bester Vorlaufindikator für die deutsche Wirtschaft gilt. Er FACTUM AG

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«Ifo-Index auf Rekordstand.»


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ist zum Jahresauftakt überraschend gestiegen und mit 117.6 Punkten wieder auf den Rekordstand vom vergangenen November zurückgekehrt. Die US-Wirtschaft hat im Schlussquartal 2017 ihr hohes Wachstumstempo

«US-Wirtschaft mit weniger Drive

nicht ganz halten können und ist gegenüber dem Vorquartal lediglich um

unterwegs als erwartet.»

2.6% gewachsen, während die Erwartungen bei 3% lagen. Das gegenüber dem dritten Quartal (3.2%) und zweiten Quartal (3.1%) abgeschwächte Wachstum ist aber kein Grund zur Besorgnis und lässt sich mit zwei Faktoren erklären. Der Aussenhandel und die rückläufige Lagerhaltung kosteten zusammengezählt 1.8% an Wachstum. Die Aussichten für 2018 sind weiterhin ausgezeichnet. Dies belegen auch die

«Leading Indicators in den Vereinig-

kürzlich publizierten «Leading Indicators». Der aus zehn Einzelindikatoren be-

ten Staaten können zulegen.»

stehende Frühindikatorenindex legte vis-à-vis dem Vormonat um 0.6% zu. Die Frühindikatoren deuten damit auf ein anziehendes Konjunkturmomentum in den USA hin. Erfreulich präsentieren sich auch die Erstanträge auf Arbeitslosengeld: Diese fielen Ende Januar auf den tiefsten Stand seit 45 Jahren. Der US-Senat hat Jerome Powell als Vorsitzenden der US-Zentralbank bestä-

«Powell als neuer Fed-Vorsitzender

tigt. Die Senatoren stimmten mit 85 zu 12 Stimmen für Powell. Dieser galt als

vom Senat bestätigt.»

Wunschkandidat von Präsident Donald Trump. Er wird Janet Yellen nachfolgen, deren Amtszeit am 3. Februar abläuft. Trump hatte sich dagegen entschieden, Yellen eine zweite Amtszeit anzubieten – eine Entscheidung, die es so in den USA seit vier Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Mr. Powell ist bereits seit fünfeinhalb Jahren im Vorstand der US Notenbank Fed und es wird erwartet, dass er am geldpolitischen Kurs der Fed wenig ändern wird. Aktienmärkte An den internationalen Aktienmärkten verlief die Entwicklung im Januar sehr

«Verwerfungen an der Währungs-

heterogen. Europa konnte rund 3% an Wert zulegen während die Schweiz

front führen zu grossen Unterschie-

leicht im Minus notiert. Dies ist den beiden Indexschwergewichten Nestlé

den in der Entwicklung der Aktien-

und Roche zuzuweisen, die 3 respektive 6% an Wert einbüssten. Auf der an-

märkte.»

deren Seite erklommen die US-Aktienmärkte neue Rekordmarken – der S&P 500 notiert 6% höher und der Nasdaq 7.5%. Auch die Schwellenländer – gemessen am MSCI Emerging Markets mit +8% - legten einen fulminanten Jahresstart hin. Einer der Hauptgründe ist sicherlich die deutliche Verschiebung in den Wechselkursrelationen. So hat die Aufwertung des Frankens, des britischen Pfunds, des Euros und des japanischen Yens zum US-Dollar diesen Aktienmärkten geschadet, während die Dollar-Schwäche dem US-Markt und den Schwellenländern geholfen hat. Die Dollar-Schwäche dürfte den grossen FACTUM AG

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multinationalen US-Unternehmen zusätzliches Gewinnmomentum bescheren. Am Freitag 5. Januar hat der Swisx-Market-Index (SMI) nach mehr als zehn

«Nun erreichte auch der SMI sein

Jahren ein Rekordhoch erreicht. Im Verlaufe des Handelstages stieg der In-

Rekordhoch.»

dex auf bis zu 9‘558 Punkte. Der SMI wirkt jedoch wie ein Nachzügler. So haben US-Leitindizes wie der S&P 500 oder Dow Jones Industrial Average die Niveaus von 2007 bereits vor Jahren übertroffen und jagen von Rekordhoch zu Rekordhoch. Auch der deutsche Dax hat bereits 2013 seinen Höchststand aus dem Jahr 2007 erreicht. Die Frage lautet nun, weshalb der SMI so viel länger gebraucht hat, um sein

«Das Hinterherhinken des SMI hat

Rekordhoch aus 2007 zu übertreffen. Der SMI ist ein Preisindex, folglich sind

gute Gründe.»

bei seiner Entwicklung die Dividendenzahlungen von Unternehmen nicht eingerechnet. Dies hingegen ist bei Performance-Indizes wie dem DAX der Fall. Werden die Ausschüttungen in der Indexentwicklung berücksichtigt, zeigt sich über die Jahre hinweg ein massiv positiver Effekt. So hat beispielsweise auch der breite Swiss-Performance-Index (SPI), der Dividenden berücksichtigt, seinen Höchststand aus dem Jahre 2007 bereits 2013 erreicht. Ein weiterer Faktor für die relativ zurückhaltende Entwicklung ist seine Zu-

«Der SMI hat aufgrund seiner Zu-

sammensetzung. Wegen der starken Gewichtung der beiden Pharmatitel

sammensetzung einen defensiven

Novartis und Roche sowie des Nahrungsmittelherstellers Nestlé ist der Index

Charakter.»

defensiv ausgerichtet. Seit September 2017 ist im SMI nur noch ein maximales Gewicht von 18% pro Titel erlaubt wodurch und die Schwergewichte etwas zurückgestutzt wurden. Obligationenmärkte Die mit Spannung erwartete Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat uns darin bestätigt, dass es die Notenbank weiterhin nicht eilig hat, ihre ultra-lockere Gelpolitik rasch zu beenden. Darüber hinaus tastete die EZB trotz Spekulationen im Vorfeld auch ihre Forward Guidance nicht an. EZB-Präsident Draghi stellte klar, dass Bemerkungen im jüngsten EZB-Protokoll, die solche Spekulationen auslösten, falsch interpretiert worden seien. Die Anleihekäufe im Umfang von EUR 30 Mia. pro Monat sollen bis mindestens September 2018 fortgeführt werden. Die EZB bekräftigte zudem ihre bisherige Linie, wonach die Ankäufe falls nötig über diesen Zeitpunkt hinaus verlängert und sogar erhöht werden könnten, dies so lange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht. Wie an dieser Stelle schon mehrfach erwähnt, rechnen wir nicht vor Mitte 2019 mit einer Leitzinserhöhung in Europa. FACTUM AG

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«EZB lässt Eile mit Weile walten.»


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Auch die japanische Notenbank (BoJ) hält an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik un-

«Bank of Japan hält an lockerer

verändert fest. Unverändert peilt die Notenbank Käufe von Staatsanleihen in der

Geldpolitik fest.»

Höhe von jährlich Yen 80 Bio. an. Angesichts der sehr niedrigen Inflation – die Kernrate verharrte im Dezember bei 0.3% - gehen wir davon aus, dass die Bank of Japan noch längere Zeit unverändert an ihrer aktuellen Geldpolitik festhalten und erst im Laufe des nächsten Jahres Änderungen ins Auge fassen wird. Die Wachstumsaussichten wirken sich erstmals seit längerer Zeit auch auf das

«Das US-Zinsniveau ist im Januar

Zinsniveau aus. So ist die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe seit Anfang

angestiegen.»

Jahr immerhin um 30 Basispunkte auf 2.71% gestiegen und kletterte damit auf das höchste Niveau seit September 2014. Massgebend dürfte in diesem Zusammenhang die Frage sein, ab wann die steigenden Renditen zu einer Belastung für die Aktienmärkte werden. Entscheidend wird auch sein, ob die Renditen aufgrund eines starken Wachstums oder aufgrund höherer Inflationserwartungen ansteigen. Letzteres würde für die Aktien ein gewisses Ungemach bedeuten. Ein Anstieg der US-Rendite deutlich über 3% könnte kritisch für die Aktienmärkte werden.

Rohstoffe Der allgemeine Wirtschafts- und Konjunkturoptimismus macht sich auch an den

«Die Nachfrage treibt den Erdöl-

Rohwarenmärkten bemerkbar. Dort sind in den vergangenen zwölf Monaten

preis.»

nicht nur die Dollarpreise von Kobalt, Palladium, Zink, Aluminium, Blei und Kupfer um zwischen 25 und 130% gestiegen, sondern auch Erdöl der Nordseesorte Brent ist um etwa 20% teurer geworden. Auf Sicht von zwei Jahren ist der Preis sogar um gut 130% auf zuletzt USD 67.70 gestiegen. So notiert der Ölpreis seit kurzem auch wieder über dem 20-Jahre-Durchschnitt, siehe auch folgende Grafik.

Erdölpreis - über dem 20-Jahre-Durchschnitt 160 140 120 100

Quelle: Bloomberg

80 60 40 20 0 Jan-08

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Gemäss jüngsten Schätzungen der International Energy Agency (IEA) hat die globale Nachfrage nach Erdöl oder Erdöl-ähnlichen Energieprodukten im vergangenen Jahr im Vergleich mit 2016 um 1.5 Mio. Fass täglich zugenommen, während das weltweite Angebot trotz zunehmender Produktion in den Schieferölfeldern der USA um 1.1 Mio. Fass auf knapp 98 Mio. Fass gesunken ist. Tatsächlich scheint die Disziplin innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in jüngster Zeit zugenommen zu haben, sich an die selbstauferlegten und bis Ende 2018 verhängten Förderbeschränkungen zu halten. Sie hatten sich dazu durchgerungen, nachdem der Erdölpreis in den Jahren 2014 und 2015 dramatisch gefallen war, weil billiges Geld und technologische Neuerungen in Nordamerika zu einem Revival der Erdölindustrie und zu einem Produktionsboom geführt haben. Einen glänzenden Jahresstart hat auch Gold zu verzeichnen. Der Preis verteuerte

«Ist der jüngste Goldpreisanstieg

sich im Januar um rund 3%. Einer der Gründe dürfte sicherlich die Verbilligung

der Start einer Kursrallye?»

der US-Valuta sein. Ein weiterer mittelfristiger Treiber könnte aus unserer Sicht die Fed darstellen. Falls diese ein Regimewechsel vornimmt und eine höhere Inflationsrate zulässt - momentan liegt das Inflationsziel bei 2% - würde das dem Goldpreis zusätzlichen Support liefern, da Gold als klassischer Inflationshedge gilt.

Währungen Der Euro ist bei den Anlegern augenblicklich gefragt und notiert auf dem höchs-

«Euro notiert zum US-Dollar auf dem

ten Stand der letzten drei Jahre. Seit Anfang 2017 ist er zum «Greenback» um

höchsten Stand der letzten drei

rund 20% gestiegen. Das mag auf den ersten Blick als viel und das erreichte

Jahre.»

Kursniveau inzwischen als hoch erscheinen, allerdings hat der Euro 2014 und 2015 – siehe folgende Grafik EUR/USD – in vergleichbarer Zeit mehr verloren.

EUR/USD 1.4 1.35 1.3

Quelle: Bloomberg

1.25 1.2 1.15 1.1 1.05 1 Jan-13

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Die Schwäche des USD-Dollars gibt folglich Anlass zu Diskussionen. Ein mögliches Antizipieren der Märkte bezüglich einer Änderung des Zusammenspiels von Finanz- und Geldpolitik in Amerika erscheint uns als realistisches Szenario. Die US-Währung weist seit Anfang des vergangenen Jahres einen sinkenden Trend auf. Gemessen an dem von der US-Notenbank geführten, handelsgewichteten Währungskorb beträgt der Wertverlust ungefähr 10%. Allerdings hat er in den vorangegangenen Jahren, siehe obige Grafik, über einen Drittel an Wert gewonnen. Verglichen mit früheren Schwächephasen erscheint der gegenwärtige Trend zumindest vorerst eine Korrektur. Befeuert wurde die Schwäche der US-Valuta am WEF in Davos. US-Finanzminis-

«Unklare Politik der Vereinigten

ter Steven Mnuchin gab zu Protokoll, dass er sich keine Sorgen über das kurzfris-

Staaten.»

tige Geschehen mache. Der nicht sehr präzis formulierte Zusatz, dass ein schwächerer US-Dollar von Vorteil in Bezug auf Handel sei, würde dazu führen, dass amerikanische Exporte im Ausland wettbewerbsfähiger wären und bei international tätigen Firmen höhere Gewinne zustande kämen. Zur Erklärung der Dollarschwäche greifen die gängigen Hinweise auf Wechsel-

«Gründe für die gegenwärtige

kursentwicklungen nicht so richtig. Die Fed schrumpft ihre Bilanz, während die

Schwäche der US-Valuta sind auf

Zentralbanken der Eurozone und Japan ihre Bilanzen noch immer ausweiten. Da-

den ersten Blick schwierig zu erör-

mit stehen weniger Dollar, mehr Euro und Yen gegenüber. Dass liesse eigentlich

tern.»

steigende statt fallende Dollarkurse erwarten. Auch die ökonomische Theorie – Mundell-Fleming-Modell – deutet bei dem derzeitigen Politikmix, finanzpolitische Lockerung kombiniert mit monetärer Straffung, auf einen stärkeren Dollar hin. Momentan ignoriert der Devisenmarkt auch die in den USA rascher als anderswo steigenden nominalen und realen Zinsen. Ein möglicher Grund für die Dollarschwäche könnte ein wirtschaftspolitischer Re-

«Ist ein möglicher Regimewechsel

gimewechsel der Federal Reserve sein. Folglich könnte das Treasury planen, die

der Federal Reserve der mögliche

Ausgabenerhöhungen und Steuersenkungen vor allem mit kurz- bis mittelfristi-

Grund?»

gen Staatsanleihen zu finanzieren, was zu einer weiteren Abflachung der Zinskurve führen würde. Gleichzeitig würde in der Notenbank intensiv darüber diskutiert, ob die Inflationspolitik zu ändern und längerfristig eine das Ziel von 2% übersteigende Inflation zu dulden sei. Die Kombination von gelockerter Finanzpolitik und weniger gestraffter Geldpolitik würde zusammen mit gesteigerten Inflationserwartungen den schwächeren US-Dollar erklären.

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Marktübersicht 31.01.2018 Aktienindizes

Aktuell

1 Mt (%)

YtD (%)

SMI

9‘335.40

-0.50

-0.50

SPI

10’737.45

-0.13

-0.13

3’609.29

3.11

3.11

26’149.39

5.88

5.88

S&P 500

2’823.81

5.72

5.72

Nasdaq

7’411.48

7.40

7.40

23’098.29

1.47

1.47

1’254.59

8.32

8.32

1‘345.14

3.25

3.25

64.73

7.13

7.13

US Treasury Bonds 10J (USD)

2.71

0.30

0.30

Schweizer Eidgenossen 10J (CHF)

0.11

0.26

0.26

Deutsche Bundesanleihen 10J (EUR)

0.70

0.27

0.27

EUR/CHF

1.16

-1.22

-1.22

USD/CHF

0.93

-4.41

-4.41

EUR/USD

1.24

3.41

3.41

GBP/CHF

1.32

0.37

0.37

JPY/CHF JPY/USD

0.85

-1.34

-1.34

0.01

3.21

3.21

Euro Stoxx 50 Dow Jones

Nikkei 225 MSCI Schwellenländer Aktienindizes Rohstoffe Gold (USD/Feinunze) WTI-Öl (USD/Barrel) Obligationenmärkte

Währungen

Autor: Christof Wille, Dipl. Private-Banking-Experte NDS Redaktionsschluss: 31. Januar 2018 Zur Beantwortung allfälliger Fragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung. Die Factum AG Vermögensverwaltung ist eine der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein unterstellte und lizenzierte unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft. Diese Publikation dient ausschliesslich der Information und ist weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder zur Vornahme anderweitiger Anlageentscheidungen. Sie stellt damit auch keine Finanzanalyse im Sinne des Marktmissbrauchsgesetzes dar. Die in dieser Publikation enthaltenen Informationen und Meinungen stammen aus zuverlässigen Quellen und werden unter grösster Sorgfalt erstellt. Trotzdem schliessen wir jede Haftung für die Korrektheit, Vollständigkeit und Aktualität aus. Sämtliche enthaltenen Informationen sowie angegebenen Preise können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Der Wert von Finanzinstrumenten kann steigen oder fallen. Die zukünftige Performance kann nicht aus der vergangenen Kursentwicklung abgeleitet werden. Unter besonderen marktbezogenen oder titelspezifischen Umständen kann die Veräusserung von Finanzinstrumenten nur unter Zeitverzug und mit einer Preiseinbusse erfolgen. Daher ist es grundsätzlich schwierig, den Wert einer Anlage und die Risiken, denen diese unterliegt, zu quantifizieren. Wir weisen darauf hin, dass es der Factum AG Vermögensverwaltung und deren Mitarbeitern grundsätzlich gestattet ist, die in diesem Dokument erwähnten Finanzinstrumente zu halten, zu kaufen oder zu verkaufen, ohne dabei aber die Kunden in irgend einer Form zu benachteiligen. Diese Publikation sowie die in ihr enthaltenen Informationen unterstehen dem liechtensteinischen Recht. Bei allfälligen Streitigkeiten hieraus sind ausschliesslich die liechtensteinischen Gerichte am Gerichtsstand Vaduz zuständig. FACTUM AG

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