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küche + architektur 6-2023

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Ausgabe 6/2023 · 11. Jahrgang · www.kuecheundarchitektur.de

Das Magazin für professionelles Einrichten

Weltwirtschaft Rückblick / Ausblick

Innovative Partnerschaft · Eggersmann und Hettich vereinen hochwertiges Design mit funktionaler Technologie KüchenDesk · Wettbewerbsfähig durch automatisierte Geschäftsprozesse Schüco Interior Systems KG trotzt Herausforderungen


Editorial

Als Gespann durch turbulente Zeiten

E

s war einmal in der skurrilen Welt des Nordpols, wo Santa Claus, seine leicht überarbeiteten Rentiere und die allmählich immer grummeliger werdenden Elfen versuchten, sich in einem wirtschaftlichen Schneegestöber zurechtzufinden. Das Jahr 2023, mit seinem ganz eigenen Charme, neigte sich langsam dem Ende zu. Es hatte alle über ihre Grenzen hinaus gefordert. Der Krieg in der Ukraine und die hohe Inflation hatten die Planungen von Santa für seinen weltweiten Geschenkeversand gehörig durcheinandergebracht. Die Rentiere schüttelten ratlos ihre Geweihe, während die Elfen versuchten, ihre Stimmung mit einer extra Portion Sarkasmus aufzuhellen. Dann kam die Debatte um das Heizungsgesetz in Deutschland, eine Geschichte so undurchsichtig wie die Geschenkverpackungen der Elfen. „Das Gesetz ist ein Rätsel“, murmelte Santa, „niemand versteht es wirklich. Als ob die Menschen nicht schon genug um die Ohren hätten!“ Hohe Energiepreise sorgten für zusätzliche Verunsicherung. Die Rentiere dachten schon daran, ihre Schlittenführerscheine zu aktualisieren, falls sie auf Elektroantrieb umsteigen müssten. Die Elfen hatten derweil mit einem Ausstand gedroht, sollte ihre Werkstatt nicht besser beheizt werden. Sie berieten heimlich, ob sie nicht besser das Rentiergespann putzen sollten, um auf mögliche Karrieren bei Schlitten-Uber, der Plattform des weltweit ersten On-Demand Rentier-Schlittenservices vorbereitet zu sein. Aber das hätte eine entsprechende Ausbildung vorausgesetzt. Und Fachkräfte waren in vielen Branchen derzeit Mangelware. „Vielleicht sollten wir die Rentiere vielseitiger ausbilden“, scherzte Santa. Die Rentiere jedoch protestierten energisch und drohten mit einer gewerkschaftlichen Intervention. Und dann kam der Krieg in Israel dazu – als wäre die Situation nicht schon chaotisch genug gewesen. Die multiplen Krisen führten zu einer allgemeinen Kaufzurückhaltung. „Als ob wir nicht schon genug Sorgen hätten“, seufzte Santa und zählte die Tage bis zu seiner Rente. Die Politik in Deutschland, so stellte Santa fest, ließ bislang leider die richtigen Impulse für einen Turnaround vermissen. „Wir befinden uns in einem stürmischen Umfeld – von wegen besinnliche Weihnachten“, murrte er und versuchte, im Rentierschlitten die Balance zu halten. Der Ausblick auf das kommende Jahr war ebenso ungewiss wie ein Wetterwechsel. „Vieles wird davon abhängen, wie schnell die Kriege beendet werden können und ob die Verunsicherung die Konsumenten nicht schon vorher in einen grinchähnlichen Zustand versetzen wird“, kommentierte Santa, während er sich noch einen Punsch genehmigte. Er und seine Elfen konnten die Augen nicht verschließen vor den vielen

Menschen, die ein Zuhause suchten. Hohe Preise und Zinsraten führten dazu, dass sich kaum noch jemand ein Eigenheim leisten konnte. Die Wohnraumkrise hatte sich nicht nur in Deutschland immer weiter zugespitzt. Kamen die Kaufpreise ins Rutschen, weil immer weniger Menschen kaufen konnten, stiegen die Mieten immer weiter. Auch für das kommende Jahr war demnach keine Besserung abzusehen. Santa zweifelte an der Fähigkeit der Politik, an dieser Misere etwas zu ändern. „Wenn die Politik so weitermacht, werden viele Menschen bald ihre Geschenke auf Parkplätzen auspacken müssen. Dabei“, so Santa bei sich, „ist ein Zuhause mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist ein Ort des Glücks, der Liebe und der Gemeinschaft. Jeder verdient einen solchen Ort.“ Immer wieder jedoch kamen er und seine Rentiere auf ihren Touren in Gegenden, wo Menschen sich umarmten, gemeinsam Mahlzeiten teilten, einander achteten und halfen. Hier wurde deutlich, dass die Bedeutung eines Zuhauses nicht nur darin lag, einen Raum zu haben, sondern vor allem darin, Teil einer zusammenhaltenden Gemeinschaft zu sein. Die Zukunft blieb auch für Santa unsicher, und doch setzte er, der so viele Wirtschaftskrisen durchlebt hatte, auf die Hoffnung: „Wisst ihr, meine Freunde, in jeder Krise steckt auch eine Chance, die man oft nur gemeinschaftlich nutzen kann. Unser Gespann“, und damit meinte er nicht nur seine Rentiere, sondern auch seine quirligen Elfen, „macht es seit hunderten von Jahren vor.“ Und so, mit einem Hauch von Zuversicht, begann Santa, die Geschenke für die Kinder dieser Welt vorzubereiten. Denn selbst in Zeiten der Unsicherheit und Wirtschaftsturbulenzen konnte der Zauber von Weihnachten die Herzen erwärmen und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft erhalten. Und so endet unser Weihnachtsmärchen in einer Welt, in der die Rentiere rebellierten, die Elfen sarkastisch wurden, die Politik verwirrte, die Menschen hofften und Santa Claus mit einem Hauch von Ironie durch den Wirtschaftsschnee navigierte.

Wir wünschen Ihnen Frohe Weihnachten und einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2024. Ihr Redaktionsteam küche + architektur | 1


Foto: Rotpunkt

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01 Als Gespann durch turbulente Zeiten Editorial

05 Innovative Partnerschaft Eggersmann und Hettich vereinen hochwertiges Design mit funktionaler Technologie

10 Weltwirtschaft Konjunktur bleibt herausfordernd – Das Rad der Welt dreht sich langsam

16 KüchenDesk Wettbewerbsfähig durch automatisierte Geschäftsprozesse

19 Wohnraum in Deutschland … … zu wenig und zu teuer

20 Küchenmöbel – Außenhandel (Export) 21 Alu Tec – Ein zeitloses Meisterwerk 22 Hohe Qualität schont Ressourcen Nolte Küchen steht zur Nachhaltigkeit

23 Küchenmöbelindustrie

Küchenmöbelhersteller

30 Küchenmöbelumsatz 2023 32 Nobilia – ­Kochfeldabzug Xtra Hob mit dem German Design Award ausgezeichnet

33 Oranier – Wenn Haube und Kochfeld verschmelzen

34 Mit ausgereiften Produkten zu einer guten Marge Küppersbusch – die Alternative

37 Hausgeräteindustrie – etwas Licht am Ende des Tunnels 38 V-Zug 39 Whirlpool 39 Beko/Grundig 40 Oranier 41 Samsung 42 AEG 43 Miele

zeigt sich verhalten optimistisch

44 BSH

24 Nobilia

46 Gaggenau und Neff

25 Baumann Group

47 V-Zug

26 Nolte Küchen/Express Küchen 27 Rotpunkt Küchen 27 Ballerina-Küchen 28 Leicht 28 Rempp 30 Pronorm 2 | küche + architektur

25 Deutschlands größte

48 Cleveres Komplettsystem Noch mehr Planungsfreiheit mit Blanco Multi Frame II


Impressum Verlag: Bauhelden Media GmbH & Co. KG Welfenstraße 19 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 · Fax 0711/5206-300 www.bauhelden.media VERLAGSLEITUNG: Tilmann Münch Christian Schikora Redaktionsbüro: küche+architektur Weißheimerstraße 7 · 67549 Worms

Inhalt 6/2023

Herausgeberin und Chefredakteurin: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@bauhelden.media Social Media: Tel. 06241/979708-12 Layout: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de Druck: ColorDruck Solutions Gutenbergstraße 4 · 69181 Leimen Preisliste für Anzeigen: zur Zeit Nr. 11, gültig seit 1. 1. 2023

49 Spülenindustrie setzt auf Qualität, Innovation und Kundenorientierung 50 Franke 50 Blanco 51 Villeroy & Boch 52 Naber 52 Systemceram

54 Innovationskraft im Interior-Bereich Schüco Interior Systems KG trotzt Herausforderungen

58 Funktionalität, die Stimmung macht Lumica Lichttechnik von Naber – ­effektvolle Praktikabilität

59 Beschlagindustrie setzt auf Inno­ vation und Prozessoptimierung 60 Hettich

Who is who – Firmeneinträge 29, 31 Küchenmöbel, Outdoorküchen

40, 43, 45 Einbaugeräte

53 Spülen und Armaturen

63 Beschläge, Möbelinnenausstattung

61 Grass 62 Blum

64 Verbände setzen auf individuelle ­Marketingoffensiven 65 Der Küchenring 65 EMV 66 Der Kreis 67 KüchenTreff 68 Garant/Küchen Areal 70 MHK

69, 71 Organisationen

Preis Einzelheft: 10,00 Euro (inkl. Versand und MwSt.) Preis Jahresabo: (6 Ausgaben inklusive ePaper) Inland: 53,00 Euro; Ausland: 62,00 Euro (Preise inkl. Versand und MwSt.) Abonnement-Service: Bauhelden Media GmbH & Co. KG Abo-Service Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-306 Fax 0711/5206-307 abo@fachschriften.de Bankkonten: HypoVereinsbank IBAN: DE72 670 201 900 025 059 506 BIC: HYVEDEMM489 Steuer-Nr.: 90492/10407 EG Ust.-Id.Nr.: DE 147321116 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Der FachschriftenVerlag ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Fachschriften-Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, HausbauHelden, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer

72 Die guten Adressen der Branche Visitenkarten

Fotonachweise: Seite 01: Jess rodriguez / stock.adobe.com Seite 10: Funtap / stock.adobe.com küche + architektur | 3 Seite 72: © auremar / fotolia


Fotos: Eggersmann / Hettich

design + komfort

FurnSpin bringt elegante Dynamik ins HochwertMöbeldesign. Mit einer Hand­ bewegung lässt sich der Korpus von der geschlossenen in die geöffnete Position drehen.

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design + komfort

Innovative Partnerschaft Eggersmann und Hettich vereinen hochwertiges Design mit funktionaler Technologie

Insbesondere im Premium-Bereich der Küchenmöbelhersteller ist das Beste gerade gut genug. Auf Basis hochwertiger Materialien und Oberflächen sowie funktionaler Beschlagtechnik werden hier Designs entwi­ ckelt, die begeistern. Um das zu gewährleisten, haben der Premium Küchen-Hersteller Eggersmann und der Beschlaghersteller Hettich sich zu einer projektbezogenen Zusammenarbeit entschlossen, deren Ergebnis sich für die beiden Industriepartner und letztendlich auch für Küchenspezialisten und Planer sowie für deren Kunden, die Konsumenten, bezahlt macht.

D

iese synergetische Zusammenarbeit resultiert in Möbelkompositionen, die individuelles Design und herausragenden Komfort auszeichnen. Durch die gezielte Integration hochwertiger Beschläge wird nicht nur ästhetische Finesse erreicht, sondern auch ein spürbarer Mehrwert für den Verbraucher geschaffen. Die Symbiose aus kreativem Möbeldesign und innovativer Beschlagtechnologie schafft eine neue Dimension des Wohnkomforts und setzt Maßstäbe für die Zukunft der Möbelindustrie. Wir sprachen mit Michael Wunram, geschäftsführender Gesellschafter Eggersmann Küchen, und Uwe Kreidel, Geschäftsführer in der Hettich-Gruppe: „Ich finde es toll, dass wir gemeinsam mit Hettich ein solMichael Wunram ches Projekt stemmen konnten!“, freut sich Managing Partner Michael Wunram, „... und das“, so Uwe Eggersmann Küchen Kreidel, „obwohl es von Ihrer Seite zuerst Vorbehalte gab, ob Hettich überhaupt gewillt sein würde, ein solches Projekt mit einem Unternehmen in der Größenordnung einer Industriemanu­ faktur wie Eggersmann umzusetzen. Wir sind froh, dass wir das ­Eggersmann-Team überzeugen konnten!“ Beide Kooperationspartner zeigen sich mehr als zufrieden. Was auf den ersten Blick begeistert, ist das Ergebnis einer zweijährigen intensiven Zusammenarbeit, bei der es auch die eine oder andere Hürde zu nehmen galt: Uwe Kreidel: Wie für unsere Kunden in der Möbelindustrie, so haben Megatrends wie Individualisierung, New Work, Urbanisierung, Nachhaltigkeit, Silver Society auch für uns als Beschlaghersteller höchste Priorität. Deshalb müssen wir unsere Fertigungsplattformen so intelligent gestalten, dass wir individuelle und auch multifunktionale Lösungen anbieten können, ohne dass sie den Produktionsprozess bei uns als auch bei unseren Kunden negativ beeinflussen bzw. verkomplizieren. Nur so können wir diesen Megatrends gemeinsam mit unseren Partnern der Möbelindustrie gerecht werden. Die Kooperation mit Eggersmann hat uns hier ein großes Stück weitergebracht. Und es hat sehr viel Spaß gemacht, gemeinsam etwas Neues zu gestalten.

Michael Wunram: Die Produktentwicklung ist ein nie endender, kontinuierlicher Prozess, der oft kleinen Schritte. Gerade als PremiumAnbieter suchen wir das Besondere und müssen uns anders darstellen als unsere großen, mengenorientierten Marktbegleiter. Für uns heißt es, Produkte bis ins kleinste Detail zu durchdenken, so dass sie nicht nur unseren, sondern vor allem auch den Anforderungen unserer Kunden gerecht werden. Umso mehr bewährt sich unsere vor zwölf Jahren getroffene Entscheidung, unseren Entwicklungszyklus auf zwei Jahre festzulegen. So konnten wir in diesem Jahr eine völlig neue Produktgeneration lancieren, welche durch ein komplett neues Schubkastenund Auszugssystem einen vollkommen UWE KREIDEL, neuen „Herzbeschlag“ bekommen hat. Geschäftsführer Ein solch aufwändiges Projekt geht man Hettich Gruppe glücklicherweise nicht allzu oft an. Allein die Vorgespräche dafür liegen zwei Jahre zurück. Und wir können von Glück sagen, dass unser zweijähriger Entwicklungszyklus uns ausreichend Zeit gab, das Ganze mit unserem kleinen Team rechtzeitig zur Hausmesse 2023 umsetzen zu können. Mit der Realisierung unseres neuen EBX-Schubkastensystems einher gingen zig Meetings zwischen unseren Technikern und Produktentwicklern mit den Spezialisten von Hettich. Ihr Schubkastensystem basiert auf einem AvanTech YouSchubkasten, der eigentlich mengenkonform ist. Dennoch sprechen Sie bei Ihrer Ausführung von Exklusivität? Michael Wunram: Natürlich müssen wir als Hersteller uns der Produkte bedienen, die am Markt verfügbar sind. Dennoch haben wir selbstverständlich in großes Interesse daran, unsere eigene Handschrift mit einzubringen. Bei EBX setzen wir die industriell perfekte Variante aus dem Hause Hettich ein, die wir unter Zugrundelegung derselben Plattform um unsere eigene Manufaktur-Variante ergänzen. Die von uns gewählte 13mm-Zarge verfügt über ein neues, puristisches Stahlcape in Stahl onyx, das exklusiv Eggersmann vorbehalten

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design + komfort

ist. Weitere Unterschiede liegen in der Frontverstellung. Die Industrie-Variante von Hettich ist in puncto Montagefreundlichkeit nicht zu überbieten und damit absolut genial. Die Verstellmöglichkeiten sind in die Zarge integriert und können von oben erfolgen. Sichtbare Abdeckkappen oder Schrauben gibt es nicht, alles wirkt vollkommen fugenlos. Uns als Eggersmann ging es darum, uns hinsichtlich der Materialität stärker von der Standardlösung abzuheben. Das ist uns mit der Manufakturzarge sehr gut gelungen. Allerdings erfolgt bei dieser Variante die Feinjustierung unterhalb des Bodens. Für die Monteure unserer Kunden ist das aber gelebte Praxis, da das Vorgängersystem ebenfalls von unten justiert wurde. Uwe Kreidel: Alles basiert auf der gleichen Führungs-Plattform von Hettich, die so konzipiert wurde, dass Schubkästen aus unterschiedlichen Werkstoffen wie z.B. Holz, Glas, Metall etc. aufgesetzt werden können, ohne die Plattform verändern zu müssen. Michael Wunram: Diese intelligente wie auch nachhaltige Lösung hat uns vollkommen überzeugt. Herr Kreidel, als Globalplayer, der Küchenmöbel- und Möbelhersteller auf der ganzen Welt bedient, stehen Sie immer zwischen Pflicht und Kür, bzw. zwischen Mainstream und Exklusivität. Ein schwieriges Unterfangen. Uwe Kreidel: Natürlich ist das herausfordernd. Aber letztendlich benötigen wir beides. Das setzt voraus, dass Innovationen von Anfang an mit den richtigen Partnern lanciert werden müssen. Nur dann werden sie auch als solche ernst- und wahrgenommen. So verhält es sich etwa auch mit dem FurnSpin. Dieses innovative Beschlagsystem basiert im Grunde genommen auf der Weiterentwicklung unseres Pflänzchens ComfortSpin. Wir haben die translatorische Rotationsbewegung dieses Beschlags weiterentwickelt, woraus ein vollkommen neues Möbel

Bei EBX setzt Eggersmann auf die industriell perfekte Variante AvanTech YOU aus dem Hause Hettich, die das Unternehmen unter Zugrundelegung derselben Plattform um eine eigene Manufaktur-Variante ergänzt. Die gewählte 13mm-Zarge verfügt über ein neues, puris­ tisches Stahlcape in Stahl onyx, das exklusiv Eggersmann vorbehalten ist.

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entstanden ist. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Markteinführung neuentwickelter Produkte vor allem im Premiumbereich mit Herstellern erfolgen sollte, die sich diesem Segment verschrieben haben und ihr Produkt besonders kreativ und gleichzeitig zukunftsorientiert und nachhaltig ausrichten wollen. Die konstruktiven Gespräche mit diesen Herstellern fordern und fördern uns gleichermaßen. Auch dann, wenn es zu keiner Zusammenarbeit kommt, lernen wir von deren Analyse unserer Produkte, bei der sowohl die technischen und fertigungstechnischen als auch die ästhetischen Aspekte mit einfließen: Passen die Radien zueinander? Ist die Bewegung harmonisch? Wir greifen all diese Anregungen auf und versuchen, sie bei der Optimierung der Produkte zu berücksichtigen. Und nach einigen Jahren können auf diese Weise auch Beschlaglösungen entstehen, die sich in der einen oder anderen Art demokratisieren lassen. Herr Wunram, wie sehen Sie als Partner die Verwandlung eines Premium-Produkts zu einem Mainstreamprodukt? Michael Wunram: Grundsätzlich müssen sich Investitionen in neue, innovative Produkte auch für die Zulieferindustrie immer innerhalb eines gewissen Zeitraumes amortisieren. Kleinere Hersteller wie wir, die den Pioniergeist haben, solche Produkte mit- und weiterzuentwickeln, wissen das, genießen aber ebenso wie unsere Partner im Handel einen gewissen Vorlauf. Technologien tragen dazu bei, eine Welt zu schaffen, in der Menschen entlastet und ihnen ein komfortableres, kreativeres Leben ermöglicht wird. Demokratische Technologien, zu denen eine höhere Anzahl von Menschen als jemals zuvor Zugang hat, verbessern mittel- oder langfristig das Leben aller. Dennoch ist die Differenzierung gegenüber Marktbegleitern ein wichtiger Faktor, um sich am Markt zu positionieren? Michael Wunram: Ja, und als Entwicklungspioniere können wir das. Zudem verfolgt jedes Unternehmen seine eigene Mission, um sich zu differenzieren und sich zu positionieren: Einzigartige Produkte, wie unser neues Modell Nami, sind bestimmt keine Bandfüller, aber es wirkt fast skulptural, trägt die Handschrift namhafter Designer, es polarisiert und ermöglicht ein Storytelling, das unsere Marke markanter macht. Solange es Menschen gibt, die Gefallen an Produkten dieser Art finden, haben wir als mittelständischer Hersteller, der sich dem Premium-Bereich verschrieben hat, gute Chancen. Welche Bedeutung hat Beschlagtechnik für Sie? Michael Wunram: Bei der Skulptur der Nami Insel ist die Beschlagtechnik funktional, aber nicht spektakulär. Allerdings gibt es hierzu noch einen Depotschrank, den wir gemeinsam mit einem Schweizer Beschlaghersteller entwickelt haben. Intelligente Beschläge sind in allen Bereichen der Möbelentwicklung mit innenarchitektonischem Anspruch nicht nur wünschenswert, sondern erforderlich. Herr Kreidel: Der von Herrn Wunram gerade erwähnte innenarchitektonische Anspruch hat viele Gesichter und treibt sicherlich auch das Entwicklungsteam von Hettich voran? Uwe Kreidel: Ja, die Innenarchitektur von heute zeigt sich vielfältig, was dazu führt, dass wir als Beschlagspezialist gefordert sind, diesen Bereich aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Eggersmann z.B., steht für mich für individuelle Innenarchitektur. In ihrem


Fotos: Eggersmann

design + komfort

Die neue Planungsvariante SKYWALK® bricht den monolithischen Charakter klassischer Kücheninseln auf.

Showroom präsentieren Michael Wunram und sein Team Einrichtungsszenarien, die Installationen gleichkommen. Szenarien, die hinsichtlich ihrer Materialität, ihrer Formation und ihrer Funktion täglich aufs Neue begeistern. Viele dieser Exponate brauchen Raum, um ihre Wirkung vollends zu entfalten. Wenn es uns als Beschlaghersteller hier gelingt, einen produkttechnischen Beitrag zu leisten, der nicht nur funktional, sondern – wie unser FurnSpin – sogar emotional begeistert, dann sind wir darauf natürlich besonders stolz. Andererseits müssen wir uns auch mit dem Thema Tiny Houses auseinandersetzen. Die optimale Nutzung kleiner Räume hat hier erste Priorität. Wieviel Stauraum lässt sich auf 18 Quadratmetern generieren? Auch hier arbeiten wir mit spezialisierten Partnern zusammen, deren Input wir in die Entwicklung unserer Produkte mit einfließen lassen. Die daraus resultierenden Ergebnisse lassen sich im Übrigen nicht nur national, sondern auch international, wie z.B. in Japan, anwenden. Eine japanische Küche ist in Tokio in der Regel nicht größer als 2,5 Quadratmeter. Hier bedarf es pfiffiger Lösungen, die dem Konsumenten den Stauraum so zugänglich machen, dass er davon begeistert ist. Auch die Geschirrspül-Schublade von Fisher & Paykel, ebenfalls einer unserer Partner, wurde entwickelt, um Haushalte mit einem Geschirrspüler ausstatten zu können, in denen kein Platz für eines der Standardgeräte verfügbar ist. Herr Wunram, Sie gehören zu den Herstellern, die bei der Gestaltung ihrer Produkte gerne einmal mit neuen Materialien experimentiert. Und sicher gibt es hier nicht immer die passenden Beschläge? Michael Wunram: Das ist richtig! Ein Beispiel dafür ist unsere UniqueKollektion, bei der wir in 2008 damit begannen, Stein auch als Frontmaterial für uns zu entdecken. In diesem Fall kann man wahrhaftig vom Experimentieren sprechen. Zu Beginn mussten wir uns selbst behelfen. Denn ein Schubkastenfrontadapter lässt sich nicht so ohne Weiteres in eine 13 mm dünne Steinfront integrieren. Wir arbeiteten damals mit aufgesetztem Aluminiumrahmen, was die Küche von innen jedoch nicht unbedingt schöner machte. Also blieb uns nichts

anderes übrig, als uns gemeinsam mit spezialisierten Unternehmen sukzessive an eine neue Verbindungstechnik heranzutasten, die die direkte Anbindung der Steinfronten an den Schubkasten zuließ. Mit wie vielen Beschlagherstellern arbeiten Sie zusammen? Michael Wunram: Unsere Devise lautet: Für unsere Kunden und deren Kunden nur das Beste. Das gilt auch für die von uns eingesetzte Beschlagtechnologie. Und die kaufen wir dort zu, wo uns die Produkte überzeugen. Die Auszüge kommen von Hettich, die Schiebetüren von einem anderen Hersteller und die Scharniere wieder von einem anderen Beschlagunternehmen. Ich glaube, wir gehören bei jedem einzelnen Beschlaghersteller zu dessen kleinsten Industriekunden. Allerdings ist die Auszugtechnik die größte Warengruppe in der Küche und hier haben wir uns durch die Kooperation mit Hettich deutlich verbessert. Die gemeinsame Entwicklung hat uns großen Spaß gemacht und vor allen Dingen fühlten wir uns bei Hettich trotz der Größe des Unternehmens ernst genommen. Ich kann nur sagen: Mission gelungen! Uwe Kreidel: Das kann ich nur bestätigen. Unsere Teams sind bei der Umsetzung des gemeinsamen Ziels zusammengewachsen. Und wenn das Eggersmann-Team auch noch nach drei Jahren sagen kann: „Alles richtig gemacht!“, und auch die Menschen, die eine Eggersmann Küche kaufen von deren Design, Materialität, Funktionalität und Komfort begeistert sind, dann haben wir wirklich einen guten Job gemacht und gezeigt, dass David und Goliath durchaus partnerschaftlich harmonieren können. Michael Wunram: Ich denke, das hat sich bereits bewahrheitet. Wir haben selten eine Hausmesse wie jetzt 2023 erlebt, auf der wir so viel Lob erhielten. Ich möchte noch einmal auf FurnSpin zurückkommen, mit dem Hettich meines Erachtens ein großer Wurf gelungen ist. Auch hier haben wir gemeinsam eine Lösung gefunden, den Beschlag für uns speziell noch weiter zu individualisieren und auf diese technisch ausgereifte Basis designtechnisch noch das i-Tüpfelchen obendrauf zu setzen, das die Exklusivität von Eggersmann unterstreicht.

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Herr Kreidel, Sie haben doch sicher bereits Anfragen von Großabnehmern für diese Beschlaglösung? Uwe Kreidel: Ja, durchaus. Alle, die den FurnSpin auf der Interzum oder auch jetzt während der Küchenmeile gesehen haben, waren völlig begeistert. Dennoch, der FurnSpin ist ein Projekt, das noch nicht automatisiert hergestellt wird und damit noch nicht mengenfähig ist. Aber er ist sicher in der Herstellung von Kleinserien und damit ideal für Kunden wie Eggersmann, die sich dem Premium-Segment verschrieben haben. Kunden, die willens sind in die Möbelkonstruktion einzusteigen, um gemeinsam mit uns Überlegungen anzustellen, wie man dem Beschlag eine zusätzliche, individuell auf sie zugeschnittene Exklusivität verleihen kann. Eine solche Kooperation ist eine Projektarbeit, bei der Ingenieure und Designer eng miteinander zusammenarbeiten müssen. Es ist eine Verzahnung von Construction, Point of Installation, Point of use. Hier geht es nicht einfach darum, einen Großkorpus mit einem Beschlag zu bestücken. Hier ist viel mehr Gehirnschmalz erforderlich. Nehmen Sie zum Beispiel die XL-Version des Beschlags. Sie muss bis zu 100 Kilogramm belastbar sein. Um Möbel individualisieren zu können, muss auch der Einsatz unterschiedlicher Materialien gewährleistet sein. Diese wiederum erfordern eine gewisse Tragkraft, die wie auch die Funktion über viele Jahre hinweg gewährleistet sein muss. Zudem muss ein Beschlagsystem in den Fertigungsprozess eines Unternehmens implementiert werden können. Das funktioniert nicht einfach so auf Fingerschnipp. Michael Wunram: Nein, jede Umstellung ist mit maschinellen Folgekosten verbunden. Abhängig davon, ob man eine Maschine austauscht oder umbaut, ein gerütteltes Maß an Flexibilität und Kooperation ist erforderlich, gibt uns jedoch auch einen gewissen Vorlauf. Denn bei den meisten großen Unternehmen ist dieser Aufwand oft zu hoch oder er passt nicht in deren Produktionsphilosophie. Zudem ­haben neue Maschinen oft eine Lieferzeit von zwei bis drei Jahren, so dass es eine gewisse Zeit braucht, bis entsprechend gefertigt werden kann. Uwe Kreidel: Auch den Preispunkt, der sich aus einer solchen Innovation ergibt, muss ein Hersteller dann auch platzieren können. Aus all diesen Gründen möchten wir zuerst einmal die Projekte mit den Premium-Herstellern durchführen, die wir bereits für den FurnSpin gewinnen konnten. Im zweiten Step könnten wir uns dann auch die Zusammenarbeit mit hochwertigen Innenausbauern vorstellen. Gemeinsam mit unseren Kunden wollen wir deren Kunden begeistern. Perfektion hat dabei erste Priorität. Die verkaufte Menge ist bei Premium-Produkten dieser Art zuerst einmal sekundär.

Um den FurnSpin zu demokratisieren, d. h. in großen Mengen zu fertigen, müssen auch wir in unsere Fertigung investieren. Und um diese Investition zu tätigen, müssen wiederum gewisse Abnahmemengen gewährleistet sein. Meine Herren, wohin entwickelt sich Ihrer Meinung nach die Beschlag- und Auzugstechnik in der Zukunft? Michael Wunram: Die Beschläge werden kleiner, filigraner, ja fast unsichtbar. Dennoch müssen sie ihre Leistung erbringen und zum Teil große Gewichte bewegen. Uwe Kreidel: Ein Scharnier ist nur Mittel zum Zweck. Eigentlich möchte man es nicht sehen. Früher waren es die Klavierbänder, die sich deutlich unauffälliger gestalteten als die Topfscharniere von heute, die es jedoch in unterschiedlichen Oberflächenausführungen gibt. Auch bei unserem neuen Scharnier Novisys sind wir diesem Trend gefolgt. Während unser Sensys-Scharnier zwar über die beste Funktionstechnik am Markt verfügt, im Hebelarm aber etwas „fülliger“ daherkommt, erweist sich Novisys bereits deutlich schlanker. Übrigens, auch bei FurnSpin sehen Sie den Beschlag nicht. Während der Entwicklungsphase dieses Produkts war das ein besonderer Ansatzpunkt, die Technik optisch im Hintergrund zu halten. Ähnliches gilt auch für moderne Schubkastensysteme. Auch hier wird es immer schlanker, wie unser AvanTech You beweist. Michael Wunram: Es gibt den Trend, immer dünnere und schwerere Materialien zu verarbeiten. Dazu gehören Stein-, Beton- oder Keramikfronten unterschiedlicher Stärken, die appliziert werden. Trotzdem wollen wir mit filigranen technischen Lösungen arbeiten. Uwe Kreidel: Bis zu einem gewissen Maß ist das auch möglich, aber eben nur bis zu einem gewissen Maß. Denn wir wollen auch, dass sich ein Schubkasten mit voller Beladung mehrere 10 000-mal problemlos öffnen und sanft schließen lässt und das mit sauber funktionierender Dämpfung. Als Beschlaghersteller müssen wir uns regelmäßig mit aufkommenden Material- und Design- und Einrichtungstrends auseinandersetzen. Der kontinuierliche Austausch mit unseren Kunden ist dabei unerlässlich. Gemeinsam müssen wir gewährleisten, ästhetisches Design mit einer hochwertigen, sicheren Technik zu einem langlebigen, nachhaltigen Möbel zu verbinden. Michael Wuram: Der Schwerpunkt liegt auf „gemeinsam“: Unsere Partnerschaft zeichnet sich durch eine synergetische Beziehung aus, in der beide Seiten, also Möbelhersteller und Beschlaghersteller vonwww.hettich.com · www.eggersmann.com einander profitieren.

Inspiriert aus Kunst und der Wandlungsfähigkeit einer Welle, ist die skulpturale nami Insel eine brillante Mischung aus hochwertiger Verarbeitung, deutscher Ingenieurskunst und einem gewissen japanischen Designeinfluss. Ein Entwurf von Yabu Pushelberg für eggersmann.

Foto: Eggersmann

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Daten + fakten

Weltwirtschaft Konjunktur bleibt herausfordernd – Das Rad der Welt dreht sich langsam

Für 2024 rechnet die OECD mit einer Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums auf 2,7 Prozent. Der Sachverständigenrat geht sogar von einem noch geringeren Wachstum von 2,2 Prozent aus. Eine entscheidende Rolle kommt dabei der Entwicklung in den USA und in China zu. Aber auch Europa kann nicht wesentlich zu einem Wachstum beitragen.

D

ie hohen Inflationsraten und die geldpolitische Straffung belasten die Weltkonjunktur. Zwar weisen die USA bis zuletzt ein robustes Wachstum auf, getrieben durch die privaten Konsumausgaben und zuletzt auch die Unternehmensinvestitionen. In China hingegen blieb das Wachstum trotz der Abkehr von der Null-Covid-Politik im vergangenen Winter hinter den Erwartungen zurück. Die Konjunktur in den anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften und in den Schwellenländern ist zwar heterogen, aber insgesamt ebenfalls gedämpft. Für die US-Wirtschaft prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein Wachstum von nur 1,5 Prozent 2024, gegenüber 2,4 Prozent im laufenden Jahr. Begründet liegt diese Prognose in den Zinserhöhungen der US-Notenbank, die das Wachstum weiterhin bremsen werden. Die chinesische Wirtschaft leidet an einer Immobilienkrise, steigender Arbeitslosigkeit und sich verlangsamenden Exporten und wird 2024 voraussichtlich um 4,7 Prozent wachsen, gegenüber 5,2 Prozent in 2023. Gestiegene Zinssätze und der sprunghafte Anstieg der Energiepreise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine tragen dazu bei, dass voraussichtlich auch die 20 Länder der Eurozone zu einer globalen Verlangsamung des Wachstums beitragen. Die OECD geht davon aus, dass das kollektive Wachstum der Eurozone im kommenden Jahr 0,9 Prozent betragen wird. Hier zeigt sich der Sachverständigenrat mit einer Erwartung von 1,1 Prozent etwas positiver gestimmt. Die Weltwirtschaft droht, so die Spezialisten der Hessischen Landesbank, in zwei Techno-

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logie-und Handelsblöcke zu zerfallen. In den Industrieländern gewinnen Protektionismus und eine aktive Industriepolitik Popularität. Unter anderem dürfte der Wahlkampf in den USA dafür sorgen, dass diese Themen 2024 in den Schlagzeilen bleiben. Vor allem die andauernde Debatte über das künftige Verhältnis zu China wird, so die Prognose der Helaba, eine diplomatische sowie eine solide und möglichst gut abgestimmte Taktik erfordern. Dabei sorgt in den Industriestaaten für Überraschung, wie viele der

„Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.“ Kurt Tucholsky ärmeren Länder sich geopolitisch eher auf der Seite Russlands oder Chinas positionieren. Bestrebungen zum Aufbau alternativer globaler Strukturen ohne Institutionen, die „vom Westen“ dominiert werden, haben, so beobachten die Wirtschaftsexperten der Helaba, klar zugenommen. In diesem Umfeld stehen auch sie den Erwartungen an den Welthandel verhalten gegenüber. Die globalen Konjunkturaussichten haben sich seit dem Jahresgutachten 2022, so bestätigt der Sachverständigenrat, leicht verbessert, hauptsächlich aufgrund gesunkener Großhandelspreise für Energie und der Abkehr Chinas von der Null-Covid-Politik. Obwohl dies den erwarteten Rückgang des Wirtschaftswachstums in Deutschland und der

Eurozone mildert, bleibt die hohe Inflation bis weit ins Jahr 2024 eine Dämpfung. Die Inflation geht seit Herbst 2022 insbesondere in fortgeschrittenen Volkswirtschaften zurück, jedoch langsam und uneinheitlich. Die Verbraucherpreise für Energie im EuroRaum sind leicht gesunken, während die Inflation bei anderen Gütern und Dienstleistungen nur langsam abnimmt. Der Sachverständigenrat erwartet für Deutschland einen Anstieg der Verbraucherpreise (VPI) um 3,0 % in 2024. Im Euro-Raum wird die Inflationsrate (HVPI) voraussichtlich mit 2,9 % in 2024 weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der EZB von 2 % liegen. Deutschland – moderates Wachstum erwartet Nicht zuletzt in Deutschland überwogen immer mehr die Nachteile der ausufernden staatlichen Eingriffe, insbesondere in Form einer überzogenen Regulierung. Durch das Drehen an vielen Stellschrauben gleichzeitig belasteten die Regierungen die Wirtschaftsakteure nicht nur unmittelbar, sondern auch, indem sie zusätzliche Verunsicherung schürten. Deutschland verzeichnet seit sechs Quartalen keine Wachstumssteigerung der Wirtschaft. Im Vergleich dazu wuchs die Eurozone im Jahr 2023 um etwa 0,5 %. Globale Erholung im verarbeitenden Gewerbe dürfte jedoch Deutschland mit seinem überdurchschnittlichen Industrieanteil zugutekommen, was voraussichtlich zu einem Wirtschaftswachstum von 1,3 % im Jahr 2024 führt, immerhin im Durchschnitt des Währungsraums, so die Prognose der Helaba. Strukturelle Probleme, wie höhere Gaspreise,


Teuerung aller Güter ohne Energie und Nahrungsmittel, betrug im September 2023 4,5 % und ist inzwischen zum Haupttreiber der Teuerung geworden. Die Gesamtrate dürfte im Jahr 2023 6,1 % betragen und im kommenden

daten + fakten

 ABBILDUNG 1

Konjunktureller Ausblick für Deutschland und Europa BIP in Deutschland und im Euro-Raum 8

Wirtschaftliche Eckdaten (in %)

Veränderung zum Vorjahr in %

1

2023

2024

1,8

– 0,4

0,7

6,9

6,1

2,6

5,3

5,6

5,5

Deutschland

6

4

4

BIP-Wachstum

2

Inflationsrate

0

Arbeitslosenquote

-2

5

Lohnwachstum6

-4

Prognosezeitraum¹

-6 -8

2022

1

2018

19

20

21

22

23

2024

Deutschland: Reales Prognose BIP JG 2022

Prognose März 2023

Prognose JG 2023

Euro-Raum2,3: Reales Prognose BIP JG 2022

Prognose März 2023

Prognose JG 2023

Finanzierungssaldo

7

4,3

5,9

5,1

– 2,5

– 2,2

– 1,5

3,5

0,6

1,1

8,4

5,6

2,9

2,9

2,7

2,2

7,7

5,3

3,8

Euro-Raum BIP-Wachstum Inflationsrate

2,4

8

Weltwirtschaft BIP-Wachstum Inflationsrate

2,4

1 – Prognose des Sachverständigenrates. 2 – Werte basieren auf saison- und kalenderbereinigten Quartalswerten. 3 – Prognose JG 2022 ohne Kroatien. 4 – Preisbereinigt. 5 – Registriert Arbeitslose in Relation zu allen zivilen Erwerbspersonen. 6 – Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter (Inlandskonzept) je Arbeitnehmerstunde. 7 – In Relation zum nominalen BIP; Gebietskörperschaften und Sozialversicherung in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. 8 – Veränderung des Harmonisierten Verbraucherpreisindex. Quellen: Eurostat, nationale Statistikämter, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen © Sachverständigenrat | 23-050-03

16

Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2023/24

teurer Strom, hohe Steuern, Bürokratie und schwache Produktivitätsentwicklung, bremsen das Wachstum. Die Verbraucherpreise stiegen seit Sommer 2021 stark an, was die Reallöhne beeinträchtigte. 2023 sanken die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, und die privaten Konsumausgaben fielen um etwa 0,7 %. Eine Besserung ist für 2024 absehbar, da die Inflationsrate auf etwa 3 % zurückgehen soll. Die Beschäftigung in Deutschland steigt trotz schwacher Konjunktur kontinuierlich, was zu einem Anstieg der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte um rund 4 ¼ % führen dürfte. Nettolöhne und -gehälter steigen deutlich durch kräftige Lohnerhöhungen, angepasste Tarifeckwerte der Einkommensteuer und abgabenfreie Inflationsausgleichprämien bis 2024. Höhere Renten, Anhebung der Grundsicherung und gestiegene Migrantenzahlen führen zu einem Anstieg der monetären Sozialleistungen. Unternehmens- und Vermögenseinkommen hingegen dürften kaum wachsen. Insgesamt dürften die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte um rund 4 ¼ % zulegen. Der Sachverständigenrat rechnet mit einem weiteren Anstieg der Effektivlöhne um 4,5 % im Jahr 2024. Die hohen Inflationserwartungen und die zuletzt vergleichsweise hohen Tarifabschlüsse – etwa in der Metall- und Elektroindustrie von 5,2 % in 2024 – dürften die Lohnforderungen der Beschäftigten im kommenden Jahr wei-

terhin prägen. Die nominalen Lohnstückkosten dürften im Jahr 2024 um 4,1 % ansteigen, während die realen Lohnstückkosten im kommenden Jahr ansteigen dürften (+1,1 %). Im Jahr 2024 zeigen Prognosen für die deutsche Wirtschaft ein moderates Wachstum von 1,3 %. Eine erwartete Zunahme der privaten Konsumausgaben um 1,3 %, angetrieben durch nahezu unveränderte Sparquoten, wird erwartet. Die privaten Konsumausgaben sollen um 1,3 % steigen, während der Staatskonsum, durch den Wegfall der Ausgaben zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, wieder expandieren dürfte. Uneinheitliche Investitionsentwicklung wird erwartet, wobei Ausrüstungen robust bleiben, während der Rückgang der Bautätigkeit sich fortsetzt. Die deutschen Exporte stagnierten 2023, könnten aber mit der günstigeren Weltkonjunktur im Jahr 2024 wieder steigen, wobei die Importe aufgrund des lebhafteren Konsums ebenfalls zunehmen. Der deutsche Wohnungsmarkt, … … so die Wirtschaftsexperten der Helaba, zeigt bisher durchschnittliche Preisrückgänge von etwa 5 % (vdp-Index) bis 10 % (Statistisches Bundesamt) mit einer verlangsamten Abwärts­ tendenz. Besonders betroffen sind Gebäude, die nicht den steigenden energetischen Anforderungen entsprechen. Es gibt Anzeichen dafür, dass der Preisrückgang in den kommenden Quartalen allmählich ausläuft und

im neuen Jahr zumindest ein moderater Anstieg der Hauspreise wahrscheinlich ist. Ein Großteil des vorherigen Preisanstiegs war fundamental gerechtfertigt, da das knappe Angebot auf dem Wohnungsmarkt auf eine steigende Nachfrage durch hohe Zuwanderung trifft. Die Wohnungsfertigstellungen liegen deutlich unter dem geschätzten Bedarf von rund 400.000 Einheiten pro Jahr, und die Baugenehmigungen sowie Auftragseingänge sind rückläufig. In Bezug auf die Erschwinglichkeit von Wohneigentum zeigt sich für das neue Jahr zumindest eine leichte Besserung. Die Kapitalmarktzinsen haben ihren Höhepunkt erreicht, und eine gewisse Erleichterung bei den Hypothekenzinsen wird erwartet. Reallöhne dürften steigen, und staatliche Unterstützung für den Wohnungsmarkt, wie eine degressive Abschreibung für neue Wohngebäude und die Aussetzung des Energiesparstandards EH40, wird erwartet. Trotz einer möglichen Trendwende bei den Hauspreisen für 2024 bleiben die Risiken für Immobilienentwickler und Bauunternehmen hoch. Die Erholung wird voraussichtlich länger dauern, und die Zahl der Insolvenzen könnte hoch bleiben, insbesondere angesichts höherer Zinsen im Vergleich zur ursprünglichen Finanzierung. Verhaltener Optimismus Die deutsche Exportwirtschaft könnte sich 2024 mit einer günstigeren Weltkonjunktur leicht erholen. Steigende Importe könnten den Wachstumsbeitrag vom Außenhandel jedoch begrenzen. Die Industrie und die Bauwirtschaft zehren zwar noch von einem erhöhten Bestand an Aufträgen, allerdings gehen diese und auch die Neuaufträge deutlich zurück. Hinzu kommen Engpässe aufgrund fehlender Arbeitskräfte. Der Sachverständigenrat erwartet, dass die deutsche Volkswirtschaft sich erst im Verlauf des Jahres 2024 allmählich wieder erholt. Das außenwirtschaftliche Umfeld dürfte sich nur langsam verbessern und die Geldpolitik die Kreditvergabe weiterhin bremsen. Der Rückgang der Inflation in Kombination mit den hohen Lohnabschlüssen dürfte aber zu Realeinkommenssteigerungen führen. Hierdurch dürfte sich der private Konsum beleben. Der Sachverständigenrat erwartet für die Jahre 2023 und 2024 eine Veränderung des deutschen BIP von -0,4 % bzw. 0,7 %.

küche + architektur | 11


Daten + fakten Kapitel 1 – Konjunkturerholung verzögert sich

 TABELLE 1

Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise ausgewählter Länder Gewicht

Land/Ländergruppe

in %1

Europa

Bruttoinlandsprodukt

2

Verbraucherpreise

Veränderung zum Vorjahr in % 2022

3

2023

20243

2022

3

2023

20243

27,7

3,2

0,8

1,1

11,4

7,8

4,7

Euro-Raum

16,0

3,5

0,6

1,1

8,4

5,6

2,9

Vereinigtes Königreich

3,5

4,3

0,5

0,5

9,1

7,4

3,0

Russland

2,6

– 1,3

1,6

1,2

13,7

5,4

5,3

1,8

4,6

0,3

2,5

13,5

11,5

5,0

1,0

5,3

4,0

1,9

72,4

52,3

43,4

2,7

2,9

0,7

1,0

5,8

4,1

2,3

Amerika

36,7

2,3

2,3

1,5

9,3

6,6

4,3

USA

28,9

1,9

2,4

1,6

8,0

4,1

2,5

Mittel- und Osteuropa

4

Türkei Andere Länder

Lateinamerika

5

6

3,1

4,4

1,3

1,4

23,4

32,9

22,5

Kanada

2,4

3,4

1,1

0,7

6,8

3,9

2,6

Brasilien

2,2

3,0

3,0

1,5

9,3

4,7

3,9

35,7

3,2

4,5

3,8

3,0

2,0

2,5

20,3

3,0

5,4

4,3

2,0

0,5

2,2

Asien China Japan

4,8

1,0

1,8

0,8

2,5

3,2

2,1

Asiatische Industrieländer7

3,7

2,0

1,2

2,3

4,4

3,3

2,4

Indien

3,9

6,6

7,0

6,2

6,7

6,1

5,3

3,0

2,4

Südostasiatische Schwellenländer8

5,7

3,8

3,9

4,7

3,4

100

2,9

2,7

2,2

7,7

5,3

3,8

64,0

2,6

1,5

1,4

7,6

4,7

2,6

36,0

3,5

4,7

3,7

7,8

6,2

5,8

11

100

3,6

1,4

1,7

.

.

.

nach dem Messkonzept des IWF12

100

3,4

3,1

2,7

.

.

.

3,2

– 1,4

1,5

.

.

.

Insgesamt Fortgeschrittene Volkswirtschaften Schwellenländer10

9

nachrichtlich: exportgewichtet Welthandel13

1 – Anteil des BIP des Jahres 2022 in US-Dollar der aufgeführten Länder oder Ländergruppen am BIP aller aufgeführten Länder beziehungsweise Ländergruppen, die US-Dollar-gewichtet 88 % und gewichtet nach Kaufkraftparitäten 84 % des IWF-Länderkreises entsprechen. 2 – Preisbereinigt. Werte basieren auf saison- und kalenderbereinigten Quartalswerten. 3 – Prognose des Sachverständigenrates. 4 – Bulgarien, Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn. 5 – Dänemark, Norwegen, Schweden und Schweiz. 6 – Argentinien, Chile, Kolumbien und Mexiko. 7 – Hongkong, Republik Korea, Singapur und Taiwan. 8 – Indonesien, Malaysia, Philippinen und Thailand. 9 – Asiatische Industrieländer, Euro-Raum, Mittel- und Osteuropa, Dänemark, Japan, Kanada, Norwegen, Schweden, Schweiz, Vereinigtes Königreich und USA. 10 – Lateinamerika, südostasiatische Schwellenländer, Brasilien, China, Indien, Russland und Türkei. 11 – Summe der aufgeführten Länder, gewichtet mit den Anteilen an der deutschen Ausfuhr im Jahr 2022. 12 – Gewichte nach Kaufkraftparitäten und hochgerechnet auf den Länderkreis des IWF. 13 – Nach dem Messkonzept des niederländischen Centraal Planbureau (CPB). Quellen: CPB, Eurostat, IWF, nationale Statistikämter, OECD, eigene Berechnungen © Sachverständigenrat | 23-028-02

22

Allerdings ist diese Prognose mit erheblichen Abwärtsrisiken behaftet. So könnten eine ausbleibende Erholung in China, eine Verschärfung der weltpolitischen Lage, ein erneuter Anstieg der Energiepreise, eine stärkere Dämpfung der Nachfrage durch die Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2023/24 Geldpolitik als erwartet oder ein zurückhaltendes Ausgabeverhalten der Verbraucher das Wachstum bremsen. Frankreich – Deutschland ­wichtigster Handelspartner Frankreich wird, so die Spezialisten der Helaba, in 2024 voraussichtlich um 1,5 % wachsen. Die Reformen unter der Regierung von Em-

12 | küche + architektur

manuel Macron seit 2017 haben die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, wobei das Land trotz der Auswirkungen hoher Inflation, schwachem Welthandel und rückläufiger Industrieproduk­ tion im Vergleich zu Deutschland weniger ge­ litten hat. Die seit 2017 eingeleiteten Reformen, inspiriert von den deutschen Hartz-Reformen, umfassen flexible Arbeitsmarktmaßnahmen, verkürzte Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes und verbesserte berufliche Ausbildung. Die Senkung von Unternehmenssteuern und die umstrittene Rentenreform sind Teil der angebotsorientierten Maßnahmen. Frankreich verfolgt eine industriepolitische Strategie zur Reindustrialisierung mit dem 50

Mrd. Euro schweren Investitionsplan „France 2030“. Die im Jahr 2023 um etwa 4 Prozent gestiegenen Ausrüstungsinvestitionen werden, so die Helaba, in 2024 voraussichtlich moderater wachsen. Die Bauaktivitäten waren bereits in 2023 rückläufig und auch im kommenden Jahr dürfte die Baukonjunktur aufgrund gestiegener Kapitalmarktzinsen und hoher Baukosten weiterhin gebremst werden. Der Konsum in Frankreich wird aktuell durch zurückhaltende private Haushalte gebremst. Die Deckelung der Gas- und Stromtarife stabilisierte vorübergehend die Konsumausgaben. Die Inflationsrate wird in 2024 bei etwa 3 % liegen. Löhne und Gehälter sollen, so die Schätzung der Hessischen Landesbank, in 2024 um etwa 4 ½ % steigen, was zusammen mit der niedrigeren Inflation und steigender Beschäftigung zu einem geschätzten Konsumwachstum von etwa 1,5 % führen wird. Der Außenhandel trug 2023 zum Wachstum bei, wobei Deutschland weiterhin der wichtigste Handelspartner bleibt. Mit der günstigeren Weltkonjunktur sollten die Ausfuhren 2024 stärker zunehmen. Gleichzeitig dürfte der sich erholende französische Konsum aber auch die Einfuhren stimulieren.

Italien – Wachstum hängt von Hilfen ab, nicht von Reformen Trotz erheblicher Unterstützung aus Brüssel wird das Wachstum Italiens im Jahr 2024 mit 1,1 % voraussichtlich schwächer ausfallen als im gesamten Euro-Währungsraum. Langfristig könnte nur durch Reformen dieser Umstand geändert werden. Die Wirtschaftsdynamik Italiens war seit 2021 stärker als die der Eurozone, bedingt durch einen ausgeprägteren Einbruch während der Pandemie und EU-Transfers von rund 70 Mrd. Euro sowie zinsvergünstigte Kredite. Dennoch wird das Wachstum 2024 mit 1,1 % voraussichtlich geringer sein als im Euro-Währungsraum insgesamt. Trotz Schwierigkeiten bei der Planung und Genehmigung von Investitionsprojekten sind die Investitionen in Italien deutlich gestiegen, besonders die Ausrüstungsinvestitionen um rund 5 % im Jahr 2023. Diese Dynamik hat jedoch zuletzt nachgelassen, obwohl für 2024 ein weiterer kleiner Zuwachs erwartet wird. Die großzügige Sanierungsförderung „Superbonus 110“ hat zu überhöhten Bauinvestitio-


daten + fakten

nen geführt, belastet jedoch den Haushalt erheblich. Trotz Einschränkungen der Förderung wird das Staatsdefizit 2024 voraussichtlich bei 4 % liegen. Die Bauinvestitionen sind 2023 um etwa 2 ½ % gesunken, und die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau bleiben herausfordernd. Die Konsumausgaben sind 2023 um schätzungsweise 1 ¼ % gestiegen, und 2024 wird ein ähnlicher Zuwachs erwartet. Eine erneute Senkung der Sparquote ist nicht zu erwarten, da sie mittlerweile sogar unter das Vor-Corona-Niveau gefallen ist. Sinkende Inflationsraten und moderat steigende Löhne dürften den italienischen Konsumenten Entlastung bieten. Der Außenhandel hat 2023 das Wachstum erneut gebremst, aber mit der verbesserten Konjunktur 2024 wird sich dies voraussichtlich ändern. Trotz stärkerer Importe dürfte der Außenhandel zumindest keinen negativen Wachstumsbeitrag leisten. Um das Wachstum zu stimulieren, muss die Regierung Meloni stärker auf Reformen setzen, insbesondere in den Bereichen Verwaltung, Justiz und Bildung. Das kostenintensive Rentensystem und das Ziel der EU zur Klimaneutralität bis 2050 stellen weitere Herausforderungen für die italienische Wirtschaft dar, trotz der Unterstützung durch europäische Mittel. Spanien – Wirtschaftswachstum über dem Euroraum Spanien verzeichnete 2023 ein robustes Wirtschaftswachstum von 2,4 %, über dem Euroraumdurchschnitt (0,5 %). In 2024 sollte diese Dynamik etwas nachlassen, so die Spezialisten der Helaba. Das auf 2 Prozent geschätzte Wirtschaftswachstum würde jedoch dennoch über dem Euroraum (1,3 %) liegen. Die hohe Staatsverschuldung macht Spanien anfällig, analysieren die Spezialisten der Helba. Reformen, insbesondere in der Rentenversicherung, sind erforderlich. Die Produktivität gilt als niedrig, was zusätzliche Herausforderungen darstellt. Der Konsum wird, so die Prognose, in 2024 voraussichtlich mit 2,5 % stärker zulegen. Die Inflationsrate ist mit 3,5 % niedriger als im Euroraum. Spanien hat Anspruch auf EUTransfers von rund 80 Mrd. Euro, jedoch behindert politische Unsicherheit die Genehmigung und Finanzierung von Projekten. Trotz 38

Schweden-Krone wird wohl auf kurze Sicht anfällig bleiben, dennoch überwiegen die Chancen. Denn sowohl Zinsdifferenzen als auch Kaufkraftparitäten deuten auf eine Unterbewertung der Währung hin. Der EuroKrone-Kurs dürfte 2024 wieder in Richtung 11 sinken. Die Stabilität bis zum Ende der LegislaturpeSchweden – überwindet Kapitel 1 – Konjunkturerholung verzögert sich riode im Herbst 2026 ist angesichts des brei­Konjunkturtief Schweden überwindet langsam das Konjunk- ten Parteienspektrums und der knappen 32. die Erst im nächsten Jahr ist mit einer wirtschaftlichen Erholung im EuroMehrheit fraglich. Um die Themen Konjunkturtief, wobei Riksbank nach einer AnheRaum Zunächst noch die negativen Auswirkungen der tur, zwar Wohnungsmarkt, Migration und innere bung der Zinsen auf 4zu % rechnen. eine vorsichtige Er-dürften geldpolitischen Straffung auf die Binnennachfrage und die vergleichsweise holung erwartet. Die restriktive Geldpolitik Sicherheit wird intensiv gerungen werden. schwächere Exportentwicklung erwartenden ReallohnerhöMit der vonDie derzuTürkei zugesagten Ratifiziewird voraussichtlich gelockert, und die Ver- überwiegen. hungen infolge steigender Nominallöhne und einer weiter zurückgehenden Inflabraucherpreise dürften 2024 mit rund 3 ½ % rung des schwedischen Beitritts zur NATO tion dürften in den kommenden Quartalen aber zunehmend stützend wirken. Im konnte ein wichtiger, politischer Erfolg verlangsamer steigen. Zuge der damit einhergehenden Erholung der realen Kaufkraft und des Konsubucht werden. Die unsichere weltpolitische Hohe Lohnabschlüsse unterstützen den Konmentenvertrauens dürfte es dann auch zu positiven Impulsen der privaten Konsum im Jahr 2024, während kommen. der Anstieg der Lage und die schwache Konjunktur bewirken sumausgaben Arbeitslosenquote moderat bleibt. Investitio- offenbar, dass sich die Einstellung der SchweInsgesamt und erwartet derVerteiSachverständigenrat fürBündnissen das Jahr ändert. 2023 im Euroden gegenüber nen in den33. Klimawandel erhöhte  TABELLE 2 wobei der statistische ÜberRaum ein BIP-Wachstum von 0,6 %, digungsausgaben aufgrund globaler Unsi- Dies gilt auch im Hinblick auf die Eurozone: hang des Vorjahres  GLOSSAR 0,4 % Prozentpunkte dazu beitragen dürfte. Im Jahr Bei der jüngsten Umfrage zum Eurobaromecherheit tragen zu positiven Impulsen bei. 2024 dürfte sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum im Euro-Raum etwas beEine Gegenbewegung bei den Hauspreisen ter zeichnete sich in Schweden ein kräftiger schleunigen und im Jahresdurchschnitt 1,1 % betragen. Volkswirtschaften wird 2024 erwartet, begünstigt durch anhal- Sprung bei den Befürwortern der Eurozone mit einem hohen Wertschöpfungsanteil der Industrie wie Deutschland und der gemeinsamen Währung Ob der tende Knappheit auf dem Wohnungsmarkt. oder anderer zinssensitiver Wirtschaftsbereiche wie beispielsweise desab. BaugewerTrend bei da wieder anziehender Konjunktur Die Hauspreisebes könnten nachlassendem dürftenbei langsamer wachsen als andere, sie von den Nachwirkungen der hat, bleibt abzuwarten. Zinsdruck um Energiekrise 2 bis 3 Prozent steigen. Die Bestand und den Auswirkungen der geldpolitischen Straffung stärker betrofin 2023 leicht gesunkener Ausrüstungsinvesti­ tionen wird für 2024 insbesondere im Bausektor eine Erholung erwartet. Für 2024 werden, bedingt durch höhere Einfuhren aufgrund des lebhafteren Konsums, geringere Wachstumsimpulse im Außenhandel erwartet.

fen sind.  ZIFFER 28  KASTEN 4  TABELLE 2

Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreise und Erwerbslosenquote im Euro-Raum Bruttoinlandsprodukt Land/Ländergruppe

(kalenderbereinigt)2

Gewicht

Verbraucherpreise (HVPI)3

Erwerbslosenquote4

Veränderung zum Vorjahr in %

in %1

% 5

2022

2023

5

20245

2022

2023

5

20245

2022

2023

5

2024

100

3,5

0,6

1,1

8,4

5,6

2,9

6,7

6,5

6,5

Deutschland

28,8

1,9

– 0,2

0,7

8,7

6,1

2,6

3,1

3,1

3,1

Frankreich

19,6

2,5

0,9

1,1

5,9

5,8

2,7

7,3

7,3

7,4

Euro-Raum

6

darunter:

Italien

14,2

3,9

0,6

0,7

8,7

6,2

2,5

8,1

7,6

7,8

Spanien

10,0

5,8

2,4

1,7

8,3

3,6

3,7

12,9

11,9

11,3

Niederlande

7,1

4,4

0,5

0,9

11,6

4,4

3,0

3,5

3,6

3,8

Belgien

4,1

3,0

1,3

1,0

10,3

2,6

3,4

5,6

5,6

5,6

Irland

3,8

9,5

– 1,5

3,9

8,1

5,3

3,0

4,5

4,2

4,3

Österreich

3,3

4,8

– 0,4

0,5

8,6

7,7

3,5

4,8

5,1

5,2

Finnland

2,0

1,6

0,1

0,5

7,2

4,4

1,3

6,8

7,2

7,5

Portugal

1,8

6,8

2,3

1,4

8,1

5,6

3,4

6,0

6,4

6,3

Griechenland

1,5

5,9

2,3

2,2

9,3

4,4

2,8

12,5

11,1

10,4

nachrichtlich: Euro-Raum ohne Deutschland

71,2

4,1

0,9

1,3

8,4

5,3

3,0

8,0

7,7

7,7

1 – Anteil des BIP des Jahres 2022 am BIP des Euro-Raums. 2 – Preisbereinigt. Werte basieren auf saison- und kalenderbereinigten Quartalswerten. 3 – Harmonisierter Verbraucherpreisindex. 4 – Nach dem Messkonzept der International Labour Organization (ILO). Für den gesamten Euro-Raum und den Euro-Raum ohne Deutschland gewichtet mit der Anzahl der Erwerbspersonen des Jahres 2022. 5 – Prognose des Sachverständigenrates. 6 – Gewichteter Durchschnitt der 20 Mitgliedstaaten des Euro-Raums. Quellen: Eurostat, eigene Berechnungen © Sachverständigenrat | 23-029-02

Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2023/24

küche + architektur | 13


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