Ausgabe 2/2020 · 8. Jahrgang · www.kuecheundarchitektur.de
Das Magazin für professionelles Einrichten
„Unsere Branche wird die Krise meistern“ · Stephen Grimm – mit Weitsicht und sozialer Verantwortung in die Zukunft Ausgebremst im vollen Lauf · Wichtig: Der Blick auf die Zeit danach MHK – 2019 ein herausragendes Jahr, 2020 ein herausforderndes Jahr · Herausforderung angenommen!
Nur, wer aus der Reihe tanzt, findet eigene Wege.
DER KÜCHENRING zählt aktuell annähernd 600 Gesellschafter. Unsere Aufgabe sehen wir vor allem darin, unsere Gesellschafter mit kreativen Ideen, erfolgsorientierten Konzepten und erstklassigen Konditionen auszustatten, die in ihrer Gesamtheit Maßstäbe setzen. Werden Sie Teil einer starken Gemeinschaft von zufriedenen und erfolgreichen Gesellschaftern von DER KÜCHENRING. Informieren Sie sich. Heute noch. Wir sind für Sie da.
DER KÜCHENRING GmbH & Co. KG Marie-Curie-Straße 6 · 53359 Rheinbach Telefon Herr Töpert: 02226-904-127 · www.kuechenring.de
Editorial
Nie war Unternehmertum gefragter …
C
orona-Krise 2020 – zahlreiche Handelsunternehmen mussten vorübergehend schließen. Der HDE schätzt, die Summe der täglich verlorenen Umsätze liege bei rund 1,15 Milliarden Euro. Wer seine Geschäftsräume sein eigen nennt, muss sich zumindest keine Sorgen machen, wie er die Gewerbemiete finanzieren soll. Inwieweit staatliche Liquiditätshilfen und Kurzarbeit Schlimmeres verhindern können, ist derzeit noch nicht absehbar. Betroffen ist nahezu jedes Gewerk, jedes Gewerbe. Auch Küchen- und Möbelhandel und das Sanitärhandwerk sind in Mitleidenschaft gezogen. Die Showrooms und Studios blieben in den meisten Bundesländern geschlossen. Jedoch durfte bereits gekaufte Ware unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen ausgeliefert und montiert werden. Nicht jeder Endverbraucher lässt diesen Service zu. Gerade ältere Menschen, so berichten uns Küchenund Badprofis, verschieben die Montage ihrer neuen Küche oder die Sanierung ihres Badezimmer auf „nach der Krise“. Eine genaue Definition für diesen Zeitraum gibt es nicht. Was der Liquidität der Fachbetriebe nicht gerade dienlich ist. Dennoch zeigen sich die Fachbetriebe, mit denen wir in der letzten Woche sprechen konnten, positiv der Zukunft zugewandt. Aufträge, die abgearbeitet werden können, werden ausgeführt. Kontakt zu seinen Kunden hält man via Mail und Telefon. Über die eigene Web-Site, Facebook und Instagram verweist man nicht nur auf seine Leistungsfähigkeit, sondern versendet Ostergrüße, angereichert mit Rezepten aus dem eigenen Repertoire und unterstreicht: „Wir sind weiter für Euch da!“ Die meisten unserer Gesprächspartner konnten im Übrigen auch während der Krise Aufträge generieren. Einige ihrer Kunden ziehen Investitionen ins eigenen Heim vor, weil sie eine Rezession befürchten. Andere nutzen die Zeit des Lockdown und setzen sich mit ihrer Einrichtung auseinander, um diese neu zu gestalten, so hören wir von unseren Gesprächs-
partnern. Und da wäre natürlich noch der Neubau. Laut statistischem Bundesamt wurden alleine im Januar in neu zu errichtenden Wohngebäuden rund 23 900 Wohnungen genehmigt. Dies waren 0,8 % oder knapp 200 Wohnungen mehr als im Vorjahresmonat. Aber wie berät man am besten, wenn das haptische und optische Prüfen und Erleben der Beschaffenheit von Materialien und Produkten gerade einmal nicht möglich ist? Bemustert wurde teilweise im Freien, unter Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands zwischen Berater und Kunden. Andere Küchenprofis sahen sich um 30 Jahre zurückversetzt, als man noch mit zwei, drei Musterfronten unter dem Arm zu den Kunden nach Hause fuhr. Alles abhängig davon, was an Kontaktmöglichkeit in dem entsprechenden Bundesland erlaubt ist. Ein Heizungs- und Sani tärunternehmen plant die neue Heizung seiner Kunden per Video-Chat, in dem er sich den Heizungskeller via Handy zeigen lässt. Ein Badspezialist berichtet, seine Beraterplätze bereits mit Plexiglaswänden ausgestattet zu haben, denn wenn es wieder losgeht, sollen sich seine Kunden bei ihm sicher fühlen. Allen Unternehmern ist klar, dass die CoronaKrise ein deutliches Umsatzminus mit sich bringt. Beziffert wird dies von den meisten mit zwischen 30 und 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch gewinnen wir während unserer Gespräche nicht den Eindruck einer tiefen Depression. Vielmehr treffen wir auf Unternehmen mit Umsicht, Weitblick und Zuversicht, gepaart mit dem Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und in die ihrer Industriepartner, die sie zur Zeit nicht nur durch ihre Lieferfähigkeit unterstützen. „Nie war Unternehmertum gefragter“, darin sind sich alle einig, ob Küchenspezialisten, Einrichter oder Badprofis. „Auch wenn wir jetzt mit wirtschaftlichen Einbußen rechnen müssen, glauben wir, dass die Menschen sich künftig wieder mehr auf ihr eigenes Zuhause besinnen werden und das sollte doch für jeden so schön und komfortabel wie möglich sein.“
Yvonne Davy Chefredakteurin
küche + architektur | 1
Foto: Samsung
Der Dual Cook Flex-Backofen von Samsung passt in die Zeit. Das smarte Multifunktions gerät verfügt über eine geteilte Tür, die es ermöglicht je nach Bedarf entweder den oberen oder den unteren Garraum oder den ganzen Backofen zu nutzen. Durch seine intelligente Technik ermöglicht der Dual Cook Flex das Garen von zwei Gerichten in zwei unterschiedlichen Modi, mit zwei unterschiedlichen Temperaturen zur selben Zeit oder auch zeitversetzt, ohne Geruch und Geschmack des jeweiligen Garguts aufeinander zu übertragen. Wird nur ein Teil des Garraums genutzt, reduziert sich der Energieverbrauch um bis zu 25%. Für Liebhaber intelligenter Gerätevernetzung lassen sich einige Modelle des Dual Cook Flex mit der Smart Things App auch via Smartphone und Tablet steuern. Mehr zu smarten Hausgeräten von Samsung auf den Seiten 39 und 46. www.samsung.com/de
2 | küche + architektur
1 Nie war Unternehmertum
22 „Wir haben unsere
gefragter
Hausaufgaben gemacht“
Editorial
Beko und Grundig
4 „Unsere Branche wird die Krise meistern“ Stephen Grimm – mit Weitsicht und sozialer Verantwortung in die Zukunft
8 Ausgebremst im vollen Lauf Wichtig: Der Blick auf die Zeit danach
10 Stay together Gemeinsam durch die Corona-Krise – Küchenmöbelindustrie als Partner des Handels
26 Gute Küche verändert das Leben Zu Gast im „Haus der Küchen“
30 „Service heißt, das ganze Geschäft mit den Augen des Kunden zu sehen.“ Rettig – das Fachgeschäft in Lautertal
32 Vielfalt für zielgruppen gerechte Ansprache Differenzierung am Puls der Zeit
14 Nobilia baut Marktführer
32 Pronorm
schaft weiter aus
33 Ballerina-Küchen
Weichen im 75. Jahr gestellt
34 ewe Küchen
18 MHK – 2019 ein heraus ragendes, 2020 ein heraus forderndes Jahr Herausforderung angenommen!
34 Kuhlmann 35 Neue Alno 35 Leicht 36 Nolte Küchen 37 Rational 38 Schüller
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Impressum
Edition 1:
Verlag: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-1 · Fax 0711/5206-300 www.fachschriften-verlag.de
Corona-Krise meistern – Nie war Unternehmertum gefragter
VERLAGSLEITUNG: Tilmann Münch Christian Schikora
Heidrun Brinkmeyer
Wolfram Fitz
Michael Kramp
geschäftsführende Gesellschafterin Ballerina-Küchen Heinz-Erwin Ellersiek GmbH Rödinghausen
geschäftsführender Gesellschafter Wohnfitz GmbH Walldürn
geschäftsführender Gesellschafter Ellerbrock „Bad und Küche“ GmbH Hamburg
Talkgäste berichten über den individuellen Umgang mit Krisensituationen – Herausforderung und Chance zugleich. Moderiert von: Yvonne Davy, Chefredakteurin küche+architektur
Redaktionsbüro: küche+architektur Weißheimerstraße 7 · 67549 Worms Herausgeberin und Chefredakteurin: Yvonne Davy Tel. 06241/979708-10 Fax 06241/979708-17 davy@fachschriften.de Social Media und Anzeigenverkauf: Angela Weber Tel. 06241/979708-12 weber@fachschriften.de
Inhalt 2/2020
Layout: Simone Steinbrech post@steinbrech-design.de Druck: ColorDruck Solutions GmbH Gutenbergstraße 4 · 69181 Leimen Preisliste für Anzeigen: zur Zeit Nr. 8, gültig seit 1. 1. 2020 Preis Einzelheft: 10,00 Euro (inkl. Versand und MwSt.)
39 Smart, smarter, Samsung Spannende Smart Home Geräte für die eigenen vier Wände
40 Unter Strom Elektrogerätehersteller setzen auf Exklusivität 40 Berbel 41 Neff 41 Bosch 42 Bauknecht 42 Küppersbusch 43 Gutmann 44 Miele 44 Oranier 45 Smeg
46 Smart Living im Real Life Samsung macht Connected Living erlebbar
48 Zuluft in Passivhäusern Compair® Bixo von Naber – Abluft- Mauerkasten passivhaustauglich
49 Keine Küche ohne Spüle Mehrwert durch Beratung
Preis Jahresabo: (6 Ausgaben inklusive ePaper) Inland: 53,00 Euro; Ausland: 62,00 Euro (Preise inkl. Versand und MwSt.)
49 Blanco 50 Systemceram 51 Schock 52 Franke 53 Hansgrohe 53 Villeroy & Boch
Abonnement-Service: Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG Abo-Service Höhenstraße 17 · 70736 Fellbach Tel. 0711/5206-306 Fax 0711/5206-307 abo@fachschriften.de
und Armatur
54 Strasser Steine dokumentiert die Einzigartigkeit des Steins
54 Grama Blend – Handwerklich veredelt
55 Die guten Adressen der Branche Visitenkarten
Bankkonten: HypoVereinsbank IBAN: DE72 670 201 900 025 059 506 BIC: HYVEDEMM489 Steuer-Nr.: 90492/10407 EG Ust.-Id.Nr.: DE 147321116 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags. Artikel oder Zuschriften mit Namen des Verfassers stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Der FachschriftenVerlag ist förderndes Mitglied im Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. (BDF), Bad Honnef, und im Deutschen Holzfertigbau-Verband e.V. (DHV), Stuttgart. Im Fachschriften-Verlag erscheinen außerdem: Althaus modernisieren, bauen!, Bauen & Renovieren, Effizienzhäuser, pro fertighaus, Schwimmbad+Sauna und weitere Sonderhefte für Bauherren und Modernisierer Fotonachweise: Seite 55: auremar / fotolia
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Architektur + Trend | Küchen
„Unsere Branche wird die Krise meistern“ Stephen Grimm – mit Weitsicht und sozialer Verantwortung in die Zukunft
Von Karlsdorf-Neuthard über Basel bis nach Waldshut-Tiengen ist Grimm Küchen bei Verbrauchern eine etablierte Marke, die für Kompetenz und Qualität steht. Die Filialen in Karlsdorf-Neuthard, Karlsruhe und Rastatt zielen auf den Markt in Nordbaden ab. Das Offenburger Haus richtet sich ebenso wie die Filiale in Breisach an Kunden der umliegenden Regionen in Deutschland und Frankreich. Mit der Filiale in Binzen bedient er Kunden in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Waldshut-Tiengen verbindet Baden mit der Schweiz und dem nahegelegenen Kanton Aargau. Nicht zu vergessen das Stammhaus in Freiburg, das sich an die Kunden aus der Badenmetropole und dem Umland richtet. Auch die Geschäftstätigkeit von Grimm Küchen mit seinem über einhundert-köpfigen Team beeinflusst das Corona-Virus grenzübergreifend. In einem Telefoninterview zieht der sympathische Geschäftsmann kurzfristig Bilanz.
Küchen | Architektur + Trend
„W
ir versuchen uns so zu organisieren, dass wir einen möglichst geringen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden davontragen. Und außerdem: Irgendwann ist es ja vorbei. Und dann muss es weitergehen.“ Stephen Grimm ist Realist. Seine Einschätzungen basieren auf Marktanalysen und Daten, die er, wie er betont, aus seriösen Quellen bezieht. Herr Grimm, Sie repräsentieren acht eigene Filialen. Können Sie denn im Moment die Küchen ausliefern? Stand heute können wir das weitestgehend. Man muss hier derzeit von Tag zu Tag denken und flexibel reagieren. Solange unsere Lieferantenpartner lieferfähig und unsere Monteure gesund bleiben, haben wir keine Probleme. Das gilt auch für den Fall, falls einer unserer Lieferanten – mit einem gewissen Vorlauf, so, dass wir noch Handlungsspielraum haben – einen temporären Lieferstillstand ankündigt. Was würden Sie in diesem Falle tun? Suchen Sie sich dann lieferfähige Fremdlieferanten? Als Küchenspezialist ist das gar nicht so einfach. Unsere Kunden suchen den ganz bestimmten Holzton, das ganz bestimmte Dekor der von uns geführten Lieferanten und lassen sich davon auch nicht so ohne Weiteres abbringen und einfach auf die Designs eines Alternativherstellers umlenken. Deshalb stehen wir in kontinuierlichem Austausch mit unseren Lieferanten, um uns über die Sachlage zu informieren. Diese wiederum berichten uns von ganz anderen Problemen: Sie haben u.a. mit Handelspartnern und Handelsstrukturen zu tun, die die Ware nicht abnehmen. Da viele von ihnen keine Warenlager mehr vorhalten, geht die Lieferung zurück an ihren Ursprungsort. Dieser Zustand könnte, wenn er lange dauert, dazu beitragen, dass auch wir nicht mehr beliefert werden können. Im Moment gehe ich aber nicht davon aus. Ich fühle mich mit unseren Herstellern in puncto Liefersicherheit gut aufgestellt und denke, dass sich mögliche Verzögerungen im Rahmen halten werden. Lediglich zwei Nischenanbieter, die in Österreich und Italien fertigen, haben im Moment Produktionsstopp. Das trifft keine 2% unseres Auftragsbestandes und hier sind wir mit unseren Kunden im permanenten Austausch. Was bestimmt Ihre Entscheidung für die Zusammenstellung Ihres Portfolios? Mir gefällt die Vielfalt der Branche, auch wenn wir uns überwiegend für die Zusammenarbeit mit großen Herstellern entschieden haben. Eine Entscheidung, die sich gerade in Krisenzeiten wie jetzt bestätigt. Dennoch wird der Möbelhersteller einer Küche oft überschätzt und zwar sowohl finanziell, wenn es um den Einkauf geht, als auch von der Kaufentscheidung her. Wir als Küchenspezialisten kombinieren oft sechs unterschiedliche Produktkategorien und damit auch Hersteller miteinander. Küchenmöbel, Geräte, die auch von unterschiedlichen Anbietern kommen können, Spüle, Armatur, Beleuchtung, wenn nicht vormontiert, und die Arbeitsplatten. Und nicht zu vergessen unsere Dienstleistung. All das zusammen macht letztendlich den individuellen Wert einer Küche aus.
So wie Ihre Lieferanten, müssen auch Sie als Küchenspezialist sich differenzieren … … und wenn Sie uns fragen, worin sich unser Unternehmen von anderen unterscheidet, so gelingt uns das überwiegend durch den Faktor Dienstleistung. Von der Beratung, über die Planung und Montage, den Aftersales-Service bis hin zur unkomplizierten Abhilfe bei Reklamationen, all das trägt entscheidend zur Zufriedenheit unserer Kunden und damit zur Weiterempfehlung unserer Häuser bei. Wir haben uns dem Thema Service verschrieben und hart an uns und an bestehenden Strukturen gearbeitet, so dass so mancher Kunde heute dazu bereit ist, für unsere Gesamtleistung etwas mehr zu zahlen. Unsere Kunden wissen, dass sie uns vertrauen können. Das kommt uns auch in Krisenzeiten zugute. Gerade in unsicheren Zeiten sucht man nach vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen. Wie handhaben Sie die zur Zeit angeordnete Schließung der Geschäfte, was Ihre Mitarbeiter und Ihre Kunden angeht? Sie können sich momentan als Arbeitgeber profilieren, oder aber auch genau das Gegenteil erreichen. Während wir nach der Ansprache von Frau Merkel für unsere Mitarbeiter und Kunden bereits auf Sicherheit gegangen sind, gab es immer noch regionale Marktbegleiter, die auf Facebook mit: „Wir haben noch für Sie geöffnet.“ warben. Hier geht es darum, noch den kleinsten Profit herauszuschlagen und das ohne Rücksicht darauf, einer Infizierung der Mitarbeiter und möglicher Kaufinteressenten Tür und Tor zu öffnen. Ein anderer Wettbewerber bietet offensiv Hausbesuche an. Unsere Mitarbeiter, mit denen ich mich regelmäßig austausche und die ich auch in grundlegende Entscheidungen dieser Art miteinbinde, möchten mit den Angestellten dieser Küchenspezialisten eher nicht tauschen und finden deren Vorgehensweise fragwürdig. Wir halten uns an die verordneten Regeln und lassen die Ladengeschäfte geschlossen, bis es eine Lockerung der Verordnungen gibt. Ein Teil unserer Mitarbeiter arbeitet hinter verschlossener Eingangstür weiter. Termine werden derzeit telefonisch oder per Email gemacht. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Einführung einer Software, bei der man mit Kamera und Mikrophon übers Internet gemeinsam auf den Bildschirm des Beraters schauen und eine komplette Beratung durchführen kann. Das muss nur so kundenfreundlich wie möglich gestaltet werden, deshalb brauchen wir wohl noch 2-3 Tage, bis es richtig losgeht. Und dann haben Videokameras momentan Lieferzeiküche + architektur | 5
Architektur + Trend | Küchen
ten von 2-3 Wochen. Wir müssen also schauen, was unsere Bestände machen. Es ist zurzeit auf allen Ebenen spannend. Wenn es dann um die Bemusterung geht, werden wir sehen, wie man hier vorgehen kann. Ich könnte mir auch vorstellen, unseren Kunden Muster einfach vor die Haustüre zu legen oder man trifft sich auf dem Parkplatz und schaut sich mit dem nötigen Abstand die Muster gemeinsam an … ich weiß es noch nicht. Sie beschäftigen doch auch Mitarbeiter, die in Frankreich wohnen? Mich hat es fast umgehauen, als unser Sozialministerium empfohlen hat, in Frankreich wohnende Mitarbeiter zuhause zu lassen. Wir haben 20 Mitarbeiter, die in Frankreich wohnen, davon einige Deutsche sehr grenznah in einer Art deutschen Enklave. Im Drei-Länder-Eck wohnen viele Menschen in Frankreich, da das Wohnen dort günstiger und die Steuern niedriger sind, arbeiten in der Schweiz oder Deutschland, wo sie übrigens auch einkaufen. In diesen Orten ist das CoronaVirus auch nicht so verbreitet. Der Hotspot liegt vielmehr im deutlich entfernten Mulhouse. Ich bin kein Mediziner, aber mein logisches Verständnis sagt mir, dass jemand, der direkt an der Grenze wohnt und in Deutschland arbeitet und seine Einkäufe erledigt, kein höheres Risiko hat infektiös zu sein, als ich, der in Freiburg lebt. Doch nach dem Appell des Sozialministers waren die in Frankreich Wohnenden gebrandmarkt. Wir hatten z.B. eine Reinigungskraft, die sich weigerte zu putzen, solange diese noch weiterarbeiteten. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, unsere Mitarbeiter aus Frankreich nicht komplett nachhause zu schicken. Ein Monteur kann nun mal kein Homeoffice machen. Wäre ich dem Aufruf gefolgt, hätte ich viele Montagen absagen müssen und Kunden hätten lange auf ihre Küche warten müssen. Gott sei Dank hat Frau Merkel das Ganze dann relativiert. Grundsätzlich stehe ich voll und ganz hinter den rechtsverbindlichen Maßnahmen der Regierung. Die Corona-Krise zeigt uns allen, dass auch unsere Wohlstandsinsel angreifbar ist, dass eben nichts im Leben selbstverständlich und für immer ist. Wie schätzen Sie die Weiterentwicklung unserer Branche ein? Ich bin davon überzeugt, dass die meisten unserer Kollegen im Handel sowie unsere Industriepartner die Krise so gut wie möglich meistern werden. Wie bei allen anderen ist der wirtschaftliche Einbruch, den wir verkraften müssen, nicht einschätzbar. Natürlich wird es Liquiditätsengpässe geben, Küchen werden wegen stillstehender Bauten 6 | küche + architektur
nicht eingebaut werden können usw., aber solange das Neubaugeschäft sich weiterhin positiv entwickelt und solange Menschen umziehen, glaube ich, dass unsere Branche und damit auch wir mit einem blauen Auge davonkommen werden. Um nur einmal eine Zahl zu nennen, schätze ich, dass das Minus beim Umsatz über einen gewissen Zeitraum sicher 30 Prozent betragen wird, aber nur solange das Neubaugeschäft beständig ist. Renovierungen werden natürlich verschoben. Diesen Rückgang werden wir hoffentlich nach Corona wieder aufholen können. Im Vergleich mit Messebauern oder Gastronomen, deren Verluste mit 100 Prozent zu beziffern sind und bei denen kaum etwas aufzuholen ist, geht es uns doch noch gut. Speziell bei den gerade aufgeführten Branchen wird es die Regierung nicht leicht haben, zu entscheiden: Wie viel Geld gebe ich wem. Ich glaube, dass es wesentlich einfacher ist, zu analysieren, wie viel Kapital für ein Großunternehmen notwendig ist, um die Arbeitsplätze zu erhalten, als die Bedarfe von zigtausenden kleinen Unternehmen zu ermitteln. Natürlich gibt es auch Branchen, denen es zur Zeit noch besser geht, wie z.B. der Versandhandel oder Logistikunternehmen. Sie erfreuen sich derzeit temporärer Konjunkturen. Glauben Sie, dass nach der Corona-Krise alles wieder wird, wie es war? Es wäre zu hoffen. Vielleicht führt das Ganze aber auch zu einem Umdenken. Unserer Gesellschaft ging es über eine lange Zeit sehr gut, man könnte fast schon sagen zu gut. Andere Länder wie Südkorea sind bereits krisenerprobt. Hier hält sich die Bevölkerung stringent an alle Vorgaben von Seiten der Regierung, weil sie verinnerlicht haben, dass es nicht nur um den Einzelnen, sondern um das große Ganze geht. Und zwar auch, was das Thema Datenschutz anbelangt. Bei uns ist dies alles etwas komplizierter. Ich denke z.B. an überlastete Lernplattformen im Internet, über die den Kindern während der Krise Lernstoff zur Verfügung gestellt werden soll. Wenn hier ein Privatmann und Vater Abhilfe schaffen will, indem er anbietet, ein Portal zu programmieren, das den Zugang zu den Daten problemlos möglich macht, haben einige sofort datenschutzrechtliche Bedenken. Grundsätzlich gilt: Solange wir unser Wirtschaftssystem und unseren Wohlstand – und damit meine ich nicht nur Deutschland – aufrecht erhalten wollen, wird es auch wieder nach vorne gehen. In welcher Geschwindigkeit und in welchem Ausmaß weiß niemand. Denn Sie sehen, hier sind viele Unbekannte im Spiel. Man kann zur Zeit als Unternehmer nur kurzfristig planen. Wir planen jetzt im vierWochen-Rhythmus und selbst damit sollte man flexibel bleiben. Ich rechne damit, dass das Corona-Virus mit Sicherheit ein halbes Jahr, wenn nicht sogar länger, unsere Geschäftstätigkeit beeinflussen wird. Für uns, wie für alle anderen Unternehmen gilt es, unsere Geschäftstätigkeit so gut es geht am Laufen zu halten und den wirtschaftlichen und vor allem auch volkswirtschaftlichen Schaden so gering wie mögwww.grimm-kuechen.de lich zu halten.
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Ausgebremst im vollen Lauf Wichtig: Der Blick auf die Zeit danach
Konnte Jan Kurth als Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie e.V. und der Verbände der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein-Westfalen e.V. im Februar 2020 für die Gesamtbranche im vergangenen Jahr noch von einer „Konsolidierung auf hohem Niveau“ berichten, ist momentan jede Prognose für das laufende Jahr wegen der unabsehbaren Auswirkungen der Corona-Krise auf die Konjunktur insgesamt und die Produktionsabläufe obsolet.
H
art getroffen ist auch die deutsche Küchenvom Verlauf und von der Dauer der Krise ab. Aber möbelindustrie, deren Konjunktur zur Staes wäre naiv zu glauben, dass hier keine Bremsspuren bilisierung der Lage der Möbelindustrie im bleiben werden. vergangenen Jahr erneut beigetragen habe, mit einem Anstieg der Erlöse in 2019 um 2,82 Prozent im VerDer Worstcase für viele Industrieunternehmen gleich zum Vorjahr. Dabei zeugte die Exportquote ist die temporäre Schließung des Unternehmens von überdurchschnittlichen 41,8 Prozent bei einem wegen der Infizierung einer oder mehrerer PerAnstieg der Exportumsätze um 6,2 Prozent auf 2,1 sonen durch das Virus: Welche Maßnahmen Mrd. Euro vom guten Ruf der Küchenmöbel Made in empfehlen Sie betroffenen Unternehmen? Germany. Jan Kurth: In dieser dramatischen Krise mit täglich Mit Blick auf das Jahr 2020 zeigten die Zahlen des inwechselnden Informationsständen konnten wir uns ternen Auftragspanels des Verbands der Deutschen bis vor kurzem als Worstcase-Szenario auch eine Küchenmöbelindustrie (VdDK e.V.), dass die Orders Jan Kurth, Geschäftsführer komplette Schließung des Möbelhandels nicht vornach den Herbstmessen spürbar anstiegen. Bis ein- des Verbands der Deutschen stellen. Dies ist mittlerweile eingetreten und dadurch schließlich Dezember lag der Auftragseingang wert- Möbelindustrie und der der Absatz unserer Produkte ausgebremst. Defacto mäßig um 5,11 Prozent über dem des Vorjahres. Das Herforder Möbelverbände kommt es in Folge dieses Stillstandes schon zu komAuftragsvolumen aus dem Ausland stieg dabei mit 6,3 pletten Produktionsstopps in den Unternehmen. Dies Prozent deutlicher als das im Inland mit 4,2 Prozent. kommt defacto einer Betriebsschließung gleich. Wir sprachen mit Jan Kurth über seine Einschätzung der Auswirkun- Hinzu kommen erschwerend die aufgrund der Maßnahmen zur Eingen der gegenwärtigen Situation auf die in den von ihm vertretenen dämmung des Virus unterbrochenen Lieferketten, die ebenso zu einer Verbänden organisierten Unternehmen mit ihren rund 84.400 Mitar- zeitweiligen Einstellung der Produktion führen können. beiterinnen und Mitarbeitern. Die unterbrochenen Lieferketten – anfänglich aus China und danach zunehmend aus Italien und Osteuropa – haben in den vergangenen Herr Kurth, als Geschäftsführer des VDM sowie der Verbän- Wochen die Produktion unserer Unternehmen erschwert. Unter den de Holz und Möbel NRW und damit auch des VdDK stehen Sie aktuellen Bedingungen und angesichts der Anpassungsmaßnahmen, mit Ihren Mitgliedsunternehmen sicherlich in regem Kontakt. die einige Unternehmen schon getroffen haben, scheint mir dies aktuWie beurteilen Sie die derzeitige Lage der von Ihnen repräsen- ell nicht mehr das gravierendste Problem zu sein. tierten Branchen und wie schätzen Sie die Auswirkungen der Pandemie für die von Ihnen repräsentierten Industrien mittel- Die Regierung hat in der Coronavirus-Krise milliardenschwere Liquiditätshilfen für Firmen angekündigt. Damit sollen Unterfristig ein? Jan Kurth: Die aktuelle Lage ist für die Möbelindustrie – wie in vie- nehmen und Arbeitsplätze geschützt werden. Inzwischen hat len anderen Wirtschaftsbereichen auch – tatsächlich sehr ernst. Dies das Parlament im Schnellverfahren und einstimmig die Erheißt nicht, dass wir Panik verbreiten müssen, jedoch bedeuten insbe- leichterung von Kurzarbeit für Unternehmen beschlossen, die sondere die landesweiten Schließungen des Möbelhandels einen ab- wegen der Corona-Krise gefährdet sind. Mit dem Gesetz werrupten Stopp unseres Hauptabsatzkanals. Dies ist umso gravierender, den befristet bis Ende 2021 die Hürden für Kurzarbeit gesenkt. als die meisten Unternehmen bis einschließlich der KW 11 noch ver- Inwieweit können diese Maßnahmen der produzierenden Ingleichsweise gute Auftragseingänge hatten und wir uns derzeit in der dustrie weiterhelfen? möbelstarken Phase des Jahres befinden. Wir bremsen also quasi von Jan Kurth: Die Maßnahmen der Regierung, die tatsächlich sehr schnell 80 oder 90 auf 0 herunter. Was die mittelfristigen Auswirkungen der auf den Weg gebracht worden sind, sind sicherlich eine gute HilfestelPandemie auf unsere Branche angeht, so kann man diese seriöserwei- lung in der Krise. Manche Instrumente haben sich ja bereits im Zuge se derzeit noch nicht wirklich einschätzen. Dies hängt entscheidend der Finanzkrise bewährt. Hierzu zählt auch die aktuelle Kurzarbei8 | küche + architektur
DATEN + fakten
Küchenmöbelindustrie 2019 Umsatzentwicklung lt. amtlicher Statistik zur Auftragseingangsstatistik des VdDK (Zeitversatz Panel -4 Wochen zur Zeitachse) %-Veränderungsrate zum Vorjahresmonat 25%
amtl. Statistik VdDK-Panel
20% 15% 10% 5% 0% -5% -10% -15%
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
terregelung. Was die Bürgschaften und die Liquiditätshilfen angeht, so stellen diese bislang im Wesentlichen Kreditprogramme dar, bei denen Geld an die Unternehmen gereicht wird, das später verzinst wieder zurückgezahlt werden muss. Den Unternehmen hilft dies nur zum Teil, da dadurch insgesamt die Finanzierungsbelastung steigt. Zur ersten Stufe der von Regierungsseite geplanten Liquiditätshilfe gehören bestehende Instrumente wie Bürgschaften und KfW-Kredite gegen kurzfristige Liquiditätsprobleme sowie Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld. Verschärfen sich die wirtschaftlichen Folgen des Virus könnten dann Kredite flexibler gestaltet und aufgestockt werden. Welche Auswirkungen könnte die Inanspruchnahme solcher Kredite mittelfristig für die Unternehmen und für die Branche mit sich bringen? Jan Kurth: Die mittelfristen Auswirkungen auf die Unternehmen, die solche Förderkredite in Anspruch genommen haben, lassen sich derzeit noch nicht klar absehen. Dies hängt entscheidend davon ab, wie schnell das „normale“ Geschäft wieder anläuft und wie weit der Rückzahlungszeitraum für die aufgenommenen Liquiditätshilfen und Förderkredite gestreckt werden kann. Selbstverständlich bleibt unter dem Strich eine erhöhte Belastung der Unternehmen, die sich ggf. negativ auf zukünftige Finanzierungsprojekte auswirken kann. Um dies zu vermeiden, melden einige Unternehmen Kurzarbeit an, um flexibler reagieren zu können. Wie beurteilen Sie die Sachlage? Jan Kurth: Die Entwicklung bei der Beantragung von Kurzarbeit in der Branche ist aktuell extrem dynamisch. Unsere Verbände erreichen täglich viele Anfragen zu diesem Thema und es sieht derzeit leider so aus, dass ab der KW 13 viele Betriebe tatsächlich in Kurzarbeit Null
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
gehen. Dieses Instrument wird also stark genutzt werden und wird die Folgen zumindest abfedern. Herr Kurth, in wie weit lassen sich die wirtschaftlichen Folgen der Krise überhaupt schon einschätzen, bzw. beziffern? Jan Kurth: Nein, die wirtschaftlichen Folgen lassen sich derzeit noch nicht realistisch beziffern. Dies hängt entscheidend davon ab, wie lange die Krise anhält und wie lange der Möbelhandel in Deutschland geschlossen bleibt. Zu befürchten ist allerdings, dass im Nachgang zu dieser Krise ein wirtschaftlicher Abschwung droht und sich dies ggf. negativ auf das Kaufverhalten der Bevölkerung auswirken wird. Ob und wie stark dies durchschlägt, kann man derzeit noch nicht belastbar beziffern. Aber richtig ist auch: Nach der Krise werden die Themen Wohnen und Einrichten und Made in Germany eher an Bedeutung gewinnen. Und was werden Sie in Ihrer Funktion tun, um die Lobby der von Ihnen repräsentierten Industrieunternehmen zu stärken und diese dabei zu unterstützen, die Krise zu bewältigen? Jan Kurth: So schlimm, wie die aktuelle Situation ist, so wichtig ist es jedoch, den Blick auch schon auf die Zeit nach der überstandenen Pandemie zu richten. Wie eben schon ausgeführt, ist hier ein wirtschaftlicher Abschwung und eine entsprechende Zurückhaltung der Verbraucher zu befürchten. Aus unserer Sicht ist deshalb ein schnelles und breit wirkendes Konjunkturprogramm seitens der öffentlichen Hand in die Wege zu leiten. Hier eignet sich aus unserer Sicht insbesondere eine schnelle und komplette Abschaffung des Solidaritätszuschlages, was nicht nur den Verbrauchern, sondern auch Personengesellschaften helfen würde. Herr Kurth, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Möbelindustrie
Corona-Beschlüsse unzureichend und unlogisch Zu den Beschlüssen vom 15.04.2020 der Bund-Länder-Schaltkonferenz zur schrittweisen Lockerung der Corona-Restriktionen erklärt Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM): „Die ergriffenen Maßnahmen zu einem schrittweisen Re-Start der Wirtschaft sind unzureichend und in sich nicht schlüssig. Während kleinere Einzelhandelsflächen bis 800 qm unter Auflagen öffnen dürfen, bleiben größere Häuser mit entsprechenden Abstandsflächen und tendenziell geringeren Frequenzen geschlossen. Gerade aber solche Häuser können Schutzmaßnahmen und Abstandsregelungen wesentlich besser umsetzen. Aus unserer Sicht darf eine Öffnung nicht von der Größe, sondern muss von einem überzeugenden Hygiene- und Zugangskonzept
abhängen. Ein Besucher pro 100 qm Verkaufsfläche ist aus unserer Sicht eine praktikable und flächenunabhängige Größe, um Ansteckungsgefahren im Handel zu minimieren. Wenn wir nicht den kompletten stationären Handel bedienen können, droht ein extremer wirtschaftlicher Schaden auch auf Seiten der Industrie. Da jetzt kleinere Läden und einzelne Branchen ohne ersichtlichen Grund privilegiert werden, droht die bislang große Unterstützung in Bevölkerung und Wirtschaft zu den politisch beschlossenen Corona-Maßnahmen zu schwinden. Wir bedauern es sehr, dass die flächenunabhängige Wiedereröffnung des Möbelhandels zwar in der Beschlussvorlage der gestrigen Schaltkonferenz noch enthalten war, dann aber im Zuge der Beratungen gestriWeitere Informationen unter www.moebelindustrie.de chen wurden.“ küche + architektur | 9
Branche aktuell
Stay together Gemeinsam durch die Corona-Krise – Küchenmöbelindustrie als Partner des Handels
Derzeit prägen behördliche Restriktionen auf Industrie- und Handelsseite gleichermaßen das Bild. Eine zum Teil angespannte Zuliefersituation, Einschränkung von Liefergebieten, Verweigerung der Warenannahme bei einigen Handelsunternehmen bestimmen den Alltag der Küchenmöbelindustrie. Der Fachhandel ist nicht minder betroffen: Geschlossene Showrooms, erschwerte Kundenbetreuung, verschobene Montageabwicklungen, Lieferverzögerungen von Seiten der Industriepartner, bis hin zu stornierten Aufträgen von Seiten der Konsumenten erschweren das Tagesgeschäft. Damit der Weg durch die Krise gemeinsam gestaltet werden kann, haben Unternehmen der küchenmöbelproduzierenden Industrie alles unternommen, um ihre Partner im Handel trotz erschwerter Rahmenbedingungen zu unterstützen und zeigen sich als Weggefährten in eine für beide Seiten erfolgreiche Zukunft.
Besonnen, flexibel und ganzheitlich durch die Krise Ob in Deutschland, in Europa oder weltweit: Bis heute sehen wir uns täglich mit neuen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie konfrontiert. Unsere Gewohnheiten ändern sich derzeit tiefgreifend, sowohl im beruflichen, als auch im privaten Umfeld. auf Warenverfügbarkeit und -reichweite, machten es uns „Uns als Küchenmöbelhersteller ist es ein zentrales bis dato möglich, stabil durch die Krise zu navigieren. Anliegen, die Gesundheit aller Mitarbeiter/-innen der Im Bewusstsein der momentanen Gegebenheiten geht Versorgungs- und Wertschöpfungskette, ob im Handel, unser Blick gleichwohl in die Zukunft. Die Produktentbei Vorlieferanten und Dienstleistern oder in unserem eigenen Werk, präventiv zu schützen. Unsere Haltung wicklung im Hause Schüller findet bekanntlich nach ist es, durch solidarisches Denken und Handeln einen Produktlinien differenziert statt. Im Premiumbereich bei größtmöglichen Beitrag zur Eindämmung der aktuellen next125 haben wir uns für einen zweijährigen Rhythmus, Pandemie und ihrer Folgen zu leisten. orientiert an der Mailänder Messe, entschieden. Aktuell Unser Handeln wird durch zahlreiche, von uns nicht immer werden die Neuheiten sowohl Handelspartnern als auch beeinflussbaren Faktoren – hierzu zählen zum Beispiel Markus schüller, Interessenten in Form von Print und verstärkt über digibehördliche Restriktionen, Einschränkungen von Liefer- CEO Sales/Marketing tale Medien präsentiert. Diese wertvollen Tools können ebenfalls in der Kommunikation zum Endkunden eingegebieten, die teilweise angespannte Zuliefersituation, eine Schüller Möbelwerk sich verändernde Warenannahme im Handel sowie eine setzt werden. konsequente Trennung von Produktionsschichten zum Bedachtes, pflichtbewusstes Handeln gilt es im Herbst 2020 Schutz unserer Mitarbeiter – bestimmt. Unter deren Berücksichtigung zur Küchenmeile A30 zu beweisen. Im Sinne des Handels wird es für wurde die Produktionskapazität bei Schüller-Küchen kontinuierlich und das Collectionsjahr 2021 eine, der Situation angepasste, Neuheitenstets im erforderlichen Umfang angepasst und verlangsamt. Dies ent- entwicklung innerhalb der schüller.C Collection geben. Im Fokus spricht unserem Ziel, die Lieferkette zum Handel aufrecht zu erhalten. steht ein Spektrum spannender Themen für die Mitte des Marktes. In den kritischen Wochen mussten Entscheidungen auf Sicht getrof- Die aktuelle Situation hat gezeigt, dass die heutige, international fen werden. Zu jedem Zeitpunkt war es uns ein Anliegen, die jeweils verzahnte Wirtschaft ein gegenseitiges und gleiches Verständnis der situationsbezogen und besonnen gefällten Beschlüsse offen, klar Sache erforderlich macht, um mittel- und langfristig erfolgreich zu und verbindlich dem Handel, den Verbänden und den Lieferanten zu sein. Das Miteinander schlägt hierbei das Einzelinteresse. Daher gilt unser Appell, bei der Bewältigung der Krise stets das gesamtgesellkommunizieren. Durch flexible Arbeitsmodelle ist es uns bisher gelungen, die Ge- schaftliche Leben im Blick zu behalten. Die derzeitigen Herausforsundheit aller Beteiligten zu schützen und dabei unseren Kunden zu derungen können nur gemeinsam gelöst werden. Dies zu erreichen jeder Zeit sowohl mit unseren Serviceleistungen als auch mit unse- ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die uns allen ein hohes Maß an Respekt, Disziplin und Kraft abverlangt. rem Produktspektrum vollumfänglich zur Verfügung zu stehen. Die Besonderheiten unserer Produktion, die hohe Eigenfertigungs- An oberster Stelle sollte jedoch der Schutz der Gesundheit aller Beteiligten stehen. Daher lautet unser ausdrücklicher Wunsch: quote, die aus der Serie kommissionsbezogene Fertigung sowie der sensibel-wachsame Blick unserer Prozessingenieure im Hinblick Bleiben Sie gesund!“ www.schueller.de
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Branche aktuell
„Aus Krisen erwachsen immer neue Kräfte!“ „Wir arbeiten aktuell zu 90 Prozent“, informiert Leicht-Vorstandsvorsitzender Stefan Waldenmaier Ende März. In der Fertigung wurden alle Vorkehrungen getroffen, um den Regelbetrieb aufrecht zu erhalten. Dazu zählt u.a. auch die Ausstattung der Mitarbeiter mit Atemschutzmasken in den Bereichen, in denen der Abstand nicht immer gewährleistet werden kann. „Wir haben hier eine größere Lieferung bestellt, die wir mit Pflegeheimen in der umliegenden Region teilen, denen wir Masken kostenlos zur Verfügung stellen.“ Gelebte Solidarität. Alle für die Produktion notwendigen Materialien seien vorhanden oder lieferbar. Die Materialbeschaffung und Produktionslogistik sind derzeit die wichtigsten Aufgaben. „Dank unserer hohen Fertigungstiefe und Eigenfertigung von Format- und Umfeldteilen können wir hier eventuelle Ausfälle kompensieren und den Lieferumfang fast vollständig aufrecht erhalten.“ Problematisch gestalten sich aktuell eher Auslieferungen. So könne
Frankreich derzeit nahezu nicht mehr angefahren werden, da der Lockdown auch die Schließung vieler Läger einbezieht. „Dies Stefan Waldenstellt die Logistik und die Produktionspla- maier, Vorstand nung immer wieder vor neue Herausforde- Leicht Küchen AG rungen. In der ersten Woche der Umstellung mussten wir Lieferungen teilweise wieder zurückholen.“ Für Leicht und die Handelspartner des Unternehmens stehen die Zeichen weiterhin auf Zukunft. „Wir unterstützen unsere Partner im Handel produktions- und liefertechnisch so gut es geht“, betont Stefan Waldenmaier. „Und natürlich treiben wir auch die Weiterentwicklung unseres Sortiments voran. Denn eines ist sicher: Die Zeit nach Corona wird kommen!“ www.leicht.com
Mit Weitblick in die Zukunft „Unsere Werke sind gerade auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus gut ausgelastet“, stellt Nobilia-Geschäftsführer Dr. Lars Bopf fest. Wie in den Jahren zuvor, seien innerhalb der Osterferien Vor dem Hintergrund der anhaltenden Maßnahmen im und der langfristig geplanten Urlaubsregelungen die WerMöbel- und Kücheneinzelhandel versuchen wir weiterke bzw. die Schichten wechselseitig tätig. „Dies entspricht hin unsere Partner bei Planung, Auslieferung und Mon– wie gesagt – der langjährigen Vorgehensweise.“ tage zu unterstützen“, beschreibt Dr. Lars Bopf die ZielPrimäres und wichtigstes Ziel müsse angesichts der richtung des Unternehmens. Situation natürlich die Erhaltung der Gesundheit der „Aufgrund unserer frühzeitig umgesetzten Maßnahmen Mitarbeiter und Kunden sein. „Die unternommenen präzur Sicherung der Lieferfähigkeit sind wir nach wie vor vollständig lieferfähig und können unseren Kunden die ventiven Maßnahmen scheinen bislang gut angeschlagewohnten Lieferzeiten anbieten. gen zu haben“, stellt der Manager fest. „Sämtliche Emp Wir stehen unseren Partnern im Handel auch in schwiefehlungen des RKI, des Gesundheitsamtes und Dr. Lars Bopf, schließlich auch des Betriebsarztes werden konsequent Nobilia-Geschäftsrigen Zeiten als zuverlässiger Lieferant zur Seite“, beund unaufgeregt befolgt.“ Natürlich gewähre auch die führer tont Dr. Lars Bopf. „So versuchen wir auch mit einem Befolgung und Einhaltung dieser Maßnahmen keine Außendienst im „Homeoffice“ den täglichen Kontakt vollständige Sicherheit, aber immerhin habe sich das zu unseren Händlern nicht abreißen zu lassen.“ Das Unternehmen als gut gerüstet und/oder flexibel reagierend gezeigt. Spektrum der gemeinsamen Maßnahmen reiche von Schulungen Auch wenn das Ausmaß dieser Krise sicherlich am Ende überrascht via Skype, über besondere e-Learning Aktivitäten bis hin zu einer habe, habe es doch eine gewisse „Vorwarnzeit“ gegeben. Nobilia habe Vielzahl von weiteren Unterstützungsmaßnahmen für die Nobiliasich zu einem sehr frühen Zeitpunkt neben etwaigen Einflüssen von Handelspartner. Produktionsausfällen auf seine Lieferketten auch mit der Gesamt Die Zukunft kann kommen: „Der Produkt- und Entwicklungszyklus situation befasst und beschlossen, die Sicherheitsbestände an den ist kein Saisonthema, sondern eine kontinuierliche Aufgabe, deren Werksstandorten deutlich zu erhöhen. In den heranrollenden Wellen Einzelprojekte und -themen teilweise sogar über mehrere Jahre der Krise war die Umsetzung dieser Planung durchaus schwierig und andauern. Insofern gingen diverse Entwicklungsthemen bereits in erforderte einen gesamtheitlich hohen Aufwand. „Darüber hinaus den letzten Wochen weiter. Einige unserer aktuellen Entwicklungen mussten die zusätzlich vereinnahmten Bestände gelagert und ver- sind über einen Zeitraum von drei Jahren angelegt, die dort bereits waltet werden, doch auch diesen zusätzlichen Aufwand waren/sind vor zwei Jahren getroffenen Entscheidungen werden auch in 2021 zu Veränderungen in unserem Produkt führen.“ wir bereit, als Preis der fortgesetzten Lieferfähigkeit zu entrichten. www.nobilia.de
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