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13. 06. 2013 #29

DIE FLUTBÜRGER


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Editorial

MEHR MACHEN LASSEN

­ infach mal loslegen... das ist leichter E gesagt als getan. Nicht immer findet sich eine so genannte Trägerorganisation, an die Aktive mit einer Idee vor Ort andocken und einfach mal etwas ausprobieren können. Ohne eigenen Briefkopf, eigenes Bankkonto und ­Eintrag ins Vereinsregister. An manchen Orten übernehmen Bürgerstiftungen diese Rolle, aber das ist die Ausnahme. Es braucht offenbar Katastrophen, um diese Mechanismen auszuschalten. Notstand ermöglicht Engagement in Selbstorganisation, was schlicht und einfach daran liegt, dass sich die Frage „Dürfen die das überhaupt?“ verbietet, wenn es um die nackte Existenz von Menschen geht. Das hat die Flut der

vergangenen Tage wieder gezeigt, und wir beleuchten das Phänomen in diesem Heft, unter anderem mit einem eindrucksvollen Beispiel. Für die fünf Frauen und ihr völlig undramatisches Generationenfrühstück in der Provinz gibt es derzeit noch keine Lösung. Keinen sicheren Hafen wie beispielsweise einen Universal­ verein, der als lokales Engagement­ labor funktioniert. Vielleicht lassen sie es am Ende einfach bleiben, was ganz sicher keine Katastrophe wäre. Verschenktes Engagement wäre es ­allemal. Uwe Amrhein ist Herausgeber von Enter. Diesen Beitrag kommentieren 1

Titelfoto: fotolia

In einer 15.000-Einwohner-Gemeinde organisiert eine Handvoll engagierter Frauen einen generationenüber­ greifenden Frühstückstreff. Sie sind kein Verein. Sie wollen für dieses ­Experiment auch keinen gründen, ­sondern einfach mal loslegen. Bloß: Über wessen Konto und vor allem über wessen Steuererklärung laufen Einnahmen und Ausgaben? Wer schließt eine Versicherung ab? Und überhaupt: Wer haftet, wenn etwas passiert?


Weltbeweger

„Hände für Hamburg“ ist das Motto des Projekts ­„tatkräftig“, das Freiwillige und Vereine zusammenbringt, um gemeinsam in kurzer Zeit viel zu bewegen. Die Idee dahinter: Mindestens drei Freiwillige kommen auf „tatkräftig“ zu und sagen, womit sie andere Menschen einen Tag lang tatkräftig unterstützen können. Findet sich eine soziale Einrichtung, die genau diese Hilfe benötigt, wird losgelegt. http://www.weltbeweger.de/toro/ resource/html#!entity.1502

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WELTBEWEGER

Foto: tatkr채ftig

Weltbeweger


News

NEWS

Foto: starsocial

PREISWÜRDIG

Drei Monate wurden die „Freunde fürs Leben“ von startsocial-Coach Petra Borrmann begleitet. Neben dem Beratungsstipendium gab es jetzt auch noch einen der sieben Bundespreise und 5.000 Euro. Diana Doko und Laura Werling (v.l.n.r.) und das restliche Team betreiben einen Videokanal im Internet, der über Suizid und Depression aufklärt, Beratungsangebote aufzeigt – das alles multimedial, niedrigschwellig und mit der Unterstützung zahlloser Prominenter. www.frnd.de https://www.startsocial.de

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SIEBENTAUSENDEINHUNDERTSECHSUNDZWANZIG

7.126

ZAHL DER WOCHE

7.126 fair produzierte Handys wurden bislang vorbestellt, 2.126 mehr als für den Startschuss nötig waren. 325 Euro kostet das Gerät der niederländischen Initiative Fairphone, das keine Rohstoffe aus Konfliktregionen verwendet, auf menschliche Arbeitsbedingungen bei der Produktion achtet und die Entsorgung schon mitdenkt. Das Projekt beweist, dass auch komplexeste Produktionsprozesse fair gestaltet werden können. www.fairphone.com Diesen Beitrag kommentieren

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News

JUNGE TALENTE

Ein projektorientiertes kreatives Engagement ist die Vision von Youvo, das eine Handvoll UdK-Studierende aus Berlin als Abschlussarbeit aufgesetzt haben und das nun durchstartet. Youvo will junge Kreative, die sich im Studium oder in der Ausbildung befinden, mit sozialen Organisationen, die Unterstützung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit benötigen, zusammenbringen. Das soll allen etwas bringen. Den jungen Kreativen wird die Möglichkeit gegeben, in der Praxis erste Berufserfahrungen zu sammeln. Sie arbeiten projektbezogen für die sozialen Organisationen und geben Hilfestellung bei allen Aufgaben und Fragen im Bereich der Medienproduktion, Kommunikation und Gestaltung. http://youvo.org/

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G PROMIFAKTOR

www.bringchange2mind.org Diesen Beitrag kommentieren 5

Foto: Getty Images

Die Organisation „Bring Change 2 Mind“ will Schluss machen mit der Stigmatisierung von psychisch kranken Menschen. Die Schauspielerin Glenn Close macht sich regelmäßig für die NGO stark, gerade auf dem Social Innovation Summit am 30. Mai in New York – dem Stelldichein globaler Vordenker.


WASSER? Titel

DER PASSAUER MARKUS STRIEDL MENT-MOBILISIERER

Markus Striedl ist kein Computer-Ner

22-Jährige auf Facebook tausende Freiw

Markus Striedl, 22, Mitgründer von „Hochwasserhilfe Passau“

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MARSCH! Titel

L STEHT FĂœR DIE NEUEN ENGAGE-

rd und auch kein Social-Media-Experte. Doch als das Hochwasser einen GroĂ&#x;teil Passaus flutete, hat der

Bianca Haidl, 20,

Bianca Teumer, 37,

Co-Admin der

hatte die Idee zur

Facebookseite

Online-Kampagne

Foto: privat

willige koordiniert und etliche Tonnen Sachspenden dirigiert. Ein Bericht aus einer Stadt im Ausnahmezustand.

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Titel

3. Juni 2013: Markus Striedl ist gerade auf Facebook unter wegs. Morgen beginnt die nächste Schicht bei der Freiwilligen Feuerwehr Passau-Heining. Für seinen Einsatz ist der Konstruktionsmechaniker von seinem Arbeitgeber freigestellt worden. Er stößt auf die FacebookSeite „Hochwasserhilfe Passau“, die wenige Stunden vorher gegründet wurde und schon mehrere hundert Fans hat.

Im aktuellen Post wird dringend eine Lagerfläche für Sachspenden gesucht. Markus Striedl meldet sich bei der Gründerin der Seite und bietet seine Garage an. Als er seine Adresse durchgibt, stellt sich heraus: Er wohnt direkt neben Bianca Teumer, der Betreiberin der Fanpage „Hochwasserhilfe Passau“. Schnell wird klar, dass es nicht nur an Lagerraum fehlt, sondern auch an personellen Kapazitäten, um die Facebook-Seite zu b e t r e uen, die s t än dig n e ue Fans bekommt, und mit Anfragen bombardiert wird, wo man mit anpacken oder wo man Sachspenden hinbringen könne. Eigentlich hat die selbstständige Gebäudereinigerin die Seite eröffnet, um die eigenen Freunde zu informieren und deren Hilfsbereitschaft zu kanalisieren. Dass in Rekordzeit Tausende Fans hinzukamen, war nicht geplant. Striedl ist sofort bereit zu helfen und wird als Administrator freigeschaltet. Wenig später kommt seine Freundin, Bianca Haidl, hinzu. 8

Das zusammengewürfelte Team funktioniert sofort. Die Absprachen, wer aktuell für die Beantwortung von Anfragen und Postings zuständig ist, wird spontan per Telefon oder SMS getroffen. Striedl: „Wenn ich für die Feuerwehr im Einsatz bin, dann sehen wir zu, dass meine Nachbarin am Computer ist und überwacht, was dort passiert, und postet.“ Dabei wird nicht nur vom Rechner aus gepostet, sondern auch von vor Ort. Wenn Striedl beim Einsatz für die Feuerwehr eine wichtige Neuigkeit begegnet, wird es per iPhone gepostet. Das kann ein Motivationsfoto sein, wenn eine Menschenkette über 250 Meter Sandsäcke anreicht. Die meiste Arbeit ensteht beim Weitervermitteln von Helfern, die sich auf Facebook melden, an die Koordinierungsstellen oder Einsatzorte, die privat ausgeschrieben werden. Das Engagement für die Facebook-Seite heißt für Striedl konkret: Wenn seine 12-Stunden-Schicht bei der Feuerwehr zu Ende ist, er Sandsäcke gestapelt und Anwohner in Sicherheit gebracht hat, kommt er nach Hause, wirft die Uniform in die Ecke und verbringt noch 4-5 Stunden am Rechner. Wenn er die gleiche Zeit im Bett verbringen könnte, wäre er froh. Ausnahmezustand online und offline.

Kooperation statt Konkurrenz Facebook-Gruppen in anderen Städten haben teilweise heftige Kritik der offiziellen Krisenstäbe einstecken müssen. Da wurden Freiwillige an Orte geschickt, wo sie nur im Weg standen, andernorts fehlte wichtige Hilfe. Die Passauer machen es anders. Obwohl das Team immer am


Rande der Leistungsfähigkeit arbeitet, wird jede Nachricht, jeder Aufruf gegengecheckt, bevor er online geht: mit dem Bürgerbüro, der Feuerwehr, der Caritas, der Stadt Passau oder den anderen wichtigen Anlaufstellen im Bereich Katastrophenhilfe. Markus Striedl telefoniert mehrmals am Tag mit allen wichtigen Playern, klärt ganz genau, wo wann wie viele freiwillige Helfer gebraucht werden, was sie an Schaufeln oder Putzmitteln mitbringen sollen. Und wenn jemand zwei Bleche Kuchen für die Helfer hat, wissen die Facebook-Aktivisten ganz genau, wo die gebraucht werden. Sind genügend Freiwillige an einem Einsatzort zusammen, wird umgehend gepostet, dass keine weiteren Helfer benötigt werden.

Die enge Verzahnung mit der professionellen Katastrophenhilfe funktioniert – das Feedback von den Krisenprofis ist durchweg positiv.So wie das Team der „Hochwasserhilfe Passau“ mit den professionellen Katastrophenhelfern eng kooperierte, so gibt es auch einen engen Austausch mit den anderen FacebookAktivisten. „Egal ob ‚Mamas helfen‘ oder später ‚Passau räumt auf‘ – wir sind in Kontakt, stimmen uns ab, telefonieren regelmäßig, schicken uns gegenseitig Helfer vorbei und teilen gegenseitig wichtige Posts. Ohne diesen Austausch wäre das alles nicht möglich gewe sen“, is t sich Striedl sicher. D ie Fa c e b o o k-M o b il isie r e r machen vor, wie ein neues, gänzlich uneitles Miteinander funktioniert. Hier gibt es keine Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Spenden, wie sie auch der Nonprofit-Sektor kennt. Das Sharing-Prinzip, das sich gerade im Netz rasant verbreitet, findet in der Katastrophenhilfe ganz konkrete Anwendung. Synergien sind gefragt, nicht das Posen mit Fan-Zahlen und Reichweiten.


Titel

Von wegen Clicktivismus Was die Hochwasser-FacebookSeiten noch von reinen Kampagnenseiten unterscheidet: Hier geht es nicht um möglichst viele „likes“ oder das Zeichnen einer Petition. Es geht um die Vermittlung ganz konkreter Hilfe, die eine Stunde später vor Ort ist und mit anpackt. Die Manager der Passauer Fanpage stehen selbst als Freiwillige an den Brennpunkten und helfen ganz konkret. Das Motivieren und Koordinieren weiterer Freiwilliger und Sachspenden kommt „on top“. Die Facebook-Aktivisten bauten in der überfluteten Stadt Brücken und schafften ein Gemeinschaftsgefühl, das es vorher nicht gab. Noch vor dem Hochwasser hatten sich die Alteingesessenen regelmäßig über die lauten und feierwütigen Studierenden beschwert. Also über die Leute, die nun – als die Universität ohnehin pausierte – geschlossen als Helfer in der Altstadt unterwegs waren, und bei fremden Menschen überschwemmte Keller entrümpelten und säuberten. Menschen lernen sich kennen, die vorher nur übereinander geredet haben, nicht miteinander und sich oft genug missverstanden haben. Von Clicktivismus, dem schnellen „gefällt mir“Drücken ohne irgendeine soziale Wirkung, keine Spur. Konkreter und praktischer kann bürgerschaftliches Engagement kaum aussehen.

Nach dem Wasser In Passau hat sich die Lage inzwischen deutlich entspannt. Das Wasser ist zurückgegangen, und die Altstadt ist weitgehend vom Schlamm gesäubert.

Helfer werden nur noch punk tuell gebraucht, Feuerwehr, THW und Bundeswehr haben wieder allein den Hut auf. Striedl: „Wir haben mit dem Helferbüro gesprochen und mit ‚Passau räumt auf‘ und uns erkundigt, ob noch jemand gebraucht wird. Ab heute werden definitiv keine Helfer mehr benötigt.“ Für die „Hochwasserhilfe Passau“ ändert sich damit auch der Fokus ihrer Arbeit. Freiwillige müssen nicht mehr vermittelt werden, dafür geht es jetzt um Möbel oder Baumaterial für die Geschädigten, so wie das Altstadt Hotel, das dringend Möbel braucht. Wer auf der FacebookSeite den Aufruf liest, schickt seine Telefonnummer, die dann an das Hotel zur direkten Absprache weitergereicht wird. Inzwischen wurde auch ein zentrales Lager eingerichtet, in das das Team um Markus Striedl Sachspenden kommen lässt, die von Flut Betroffenen abgeholt werden können. Auch ein Flohmarkt mit kostenlosen Sachspenden ist in Planung. Markus Striedl und seinen Mitstreiterinnen ist noch ein weiterer Coup gelungen. Sie sind zum örtlichen Mediamarkt gefahren, um einen Rabatt für Flutopfer auszuhandeln, jetzt wo viele Passauer neue Waschmaschinen, Kühltruhen und


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Elektrogeräte brauchen. Auch wenn Mediamarkt selbst keine Prozente einräumt, haben sich viele Hersteller wie Liebherr, Bosch oder AEG bereit erklärt, 10 Prozent weniger zu nehmen. Bei lediglich 1.500 Euro, die Privathaushalte als Entschädigung erhalten, immerhin ein Zeichen. Der Verhandlungserfolg wurde sofort über Facebook mitgeteilt. Viele andere Unternehmen zogen nach, inzwischen werden alle Vergünstigungen auf einer eigenen Website zusammengeführt.

halts. „Dass alle Spuren innerhalb von einer Woche von den Straßen entfernt wurden, ist große Klasse. Aber guckt man in die offenen Türen hinein, sieht man das Ausmaß an Zerstörung“, erzählt Striedl. So bleiben neben der Freude auch die Eindrücke von den großen Herausforderungen, vor denen viele Passauer nun stehen.

Was bleibt Nach einer Woche Ausnahmezustand sind nun auch bei Markus S triedl die Reser ven aufgebraucht. Sein Feuerwehreinsatz ist beendet. Eigentlich müsste er jetzt wieder zur Arbeit bei einem ortsansässigen Anlagen- und Maschinenbauer. Der hat aber auch mitbekommen, was der Kollege alles auf die Beine gestellt hat und hat noch ein paar Tage Sonderurlaub draufgelegt. Für die Facebook-Freunde bleiben gemischte Gefühle. Da ist immer noch die Euphorie angesichts der großen Hilfsbereitschaft und des Zusammen-

So wie die 71-jährige Frau, die Striedl gerade noch besucht hat. Ihre Wohnung ist komplett unbewohnbar geworden – jetzt wird eine Ersatzwohnung gesucht – natürlich über Facebook. Text: Henrik Flor Spenden für die Flutopfer kann man hier: www.flutspenden.de Fluthilfe Passau auf Facebook: https://www.facebook.com/ HochwasserhilfePassau Diesen Beitrag kommentieren 11


Titel

DRINGEND GESU EIN NEUER KATASTROPHENS

Der Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Serge Embacher ist für das Projekt INKA tä freiwilligen Helfern in Krisenmanagement und Katastrophenschutz untersucht. Er erk Chefsache ist und wie ein Katastrophenschutz aussehen kann, der Bürger-Engagement einb

Enter: Was halten Sie von den Hochwasserinitiativen auf Facebook? Ist das eine sinnvolle Mobilisierung von Helfern oder eine Parallelstruktur, die den professionellen Helfern das Leben schwer macht? Embacher: Grundsätzlich halte ich alles für sinnvoll, was den Opfern der Flutkatastrophe hilft. Und wenn die Hilfe sich durch den Einsatz von Social Media potenziert – umso besser! Früher ist doch kaum jemand auf die Idee gekommen, zum Telefonbuch zu greifen, die Nummer des THW oder DRK herauszusuchen und sich mit der zuständigen Person verbinden zu lassen, um seine Hilfe anzubieten. Social Media können die „Hemmschwellen“ für bürgerschaftliches Engagement senken helfen, das zeigt der Fall eindeutig. Die Koordination des Engagements ist dann die nächste Frage.

Enter: Haben die Großorganisationen den Bereich Social Media nicht ausreichend bespielt? Embacher: Großorganisationen des Dritten Sektors können lernen, dass man heute ohne eine professionell entwickelte Social-Media-Strategie nicht mehr auskommt. Wer die in großem Maße vorhandene Engagementbereitschaft außerhalb der klassischen Strukturen „abholen“ will, der kommt nicht um eine strategische Herangehensweise an neue Kommunikationsformen herum. Hier gibt es zahlreiche Ansätze, aber vieles liegt noch im Argen. Solange das Thema Social Media nicht „Chefsache“ wird, wird es hier keinen Einstellungswechsel geben. Enter: Wie könnte ein Zusammenspiel zwischen den professionellen Einsatz-


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SCHUTZ

kräften und spontanen freiwilligen Helfern idealerweise aussehen? Embacher: Das ist eine spannende Frage, die wir beim Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement derzeit in einem Verbundprojekt mit dem DRK und anderen Organisationen bearbeiten. Generell muss man unterscheiden zwischen langjährig engagierten Freiwilligen und den im Katastrophenfall immer „auftauchenden“ Ad-hoc-Helfenden. Während Erstere darin geschult sind, mit hauptamtlichen Rettungskräften zu kooperieren (z. B. bei der Feuerwehr oder dem THW), können Letztere nicht überall eingesetzt werden und bedürfen besonderer Führung, damit der gut gemeinte Einsatzwille am Ende nicht zur zusätzlichen Last für die Krisen- und Einsatzstäbe wird.

Um dieses Zusammenspiel in Zukunft besser zu gestalten, muss man die Funktion von Infrastruktureinrichtungen für bürgerschaftliches Engagement, also Freiwilligenagenturen, kommunale Anlaufstellen, Nachbarschaftsheime, Senioren- und Selbsthilfevereinigungen usw. viel stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Wir haben dafür zunächst den Begriff „gemeinwesenorientierter Katastrophenschutz“ reserviert. Statt also das Rad neu zu erfinden, bietet es sich an, die bewährten Strukturen auf den Katastrophenfall zu übertragen. Diesen Beitrag kommentieren

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Foto: Körber-Stiftung / David Ausserhofer  

ätig, das Möglichkeiten der Integration von klärt, warum Social Media noch lange nicht bezieht.


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DAS NETZWERK

Jona Hölderle ist Freiberufler im Bereich Social-Media-Marketing und Online-Fundraising un Pluragraph, die die Social-Media-Aktivitäten des Nonprofit-Sektors beobachtet. Mit Enter sp visten von Großorganisationen unterscheidet und wie ein Katastrophenfall zu einmaligen Ge

Enter: Welche Vorteile bieten soziale Netzwerke in Ausnahmesituationen wie dem Hochwasser? Hölderle: In Ad-hoc-Situationen muss mit sozialen Netzwerken keine komplett neue Struktur aufgebaut werden. Die Netzwerke existieren sowohl technisch, als auch in sozialen Zusammenhängen bereits und können sofort genutzt werden. Über die persönlichen Verbindungen lässt sich dann schnell eine hohe Reichweite erzeugen. Enter: Warum hatten die privaten Facebook-Initiativen solchen Zulauf? Sind die Großorganisationen hier nicht gut aufgestellt?

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Hölderle: Aus meiner Sicht nehmen die Organisationen und die privaten Initiativen hier unterschiedliche Aufgaben wahr. Das Technische Hilfswerk und die großen Hilfsorganisationen haben auf Facebook auch sehr aktiv kommuniziert und viele Menschen erreicht. Die meisten Initiativen können besonders schnell lokal wirken. Sie geben Menschen die Möglichkeit, auch direkt selber aktiv zu werden. Da geht es um Nachbarschaftshilfe im besten Sinne: vom Brötchen Vorbeibringen über Umzugshilfe bis zum Sandsäcke Stapeln. Die Großorganisationen greifen hierfür lieber und vielleicht auch effektiver auf eigene Strukturen zurück. Im


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ZÄHLT

nd betreibt unter anderem die Plattform pricht er darüber, was Facebook-Aktiemeinschaftserlebnissen führen kann.

Enter: Können große Organisationen in Sachen Social Media noch etwas lernen von den spontanen Gruppen? Hölderle: Klar, ich bin mir aber nicht sicher, ob das gewünscht ist. Die wichtigste Erkenntnis ist immer wieder, wie wichtig Gemeinschaft ist und wie sehr es hier um den Zusammenhalt der Menschen vor Ort geht. Organisationen müssen die Möglichkeit geben, selber mitzu-

machen, selber zu helfen und nicht nur als Zaungast dabei zu stehen. Es kann aber sein, dass dies nicht immer der effektivste Weg zu helfen ist. Eine zweite Erkenntnis ist die Stärke des lokalen Zusammenhaltes. Das lässt sich so nicht von Organisationen nachbilden. Aber Organisationen könnten hierfür eine Infrastruktur bereitstellen, lokale Initiativen fördern und mit ihnen zusammenarbeiten. Die Plattform ushahidi. com hat beispielsweise nach dem Erdbeben in Haiti gezeigt, wie fruchtbar eine solche Kooperation sein kann. https://pluragraph.de/categories/ katastrophenschutz

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Foto: Jona Hölderle

Optimalfall ergänzen sich beide Ansätze, und vielleicht steht auch mal jemand unnötig im Weg. In jedem Fall führen die vielen privaten Initiativen zu einem enormen Gemeinschaftserlebnis, was eine große Hilfe in der Krise ist.


openTransfer CAMP Köln

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Rückblick


Rückblick

openTransfer CAMP Köln

Das zweite openTransfer CAMP fand am 7. Juni in der Alten Feuerwache in Köln statt. Rund 100 Transfer-Praktiker, Förderer und Engagierte stellten auf der „Unkonferenz“ 24 Sessions auf die Beine. Die Themen reichten von Online-Kampagnen über Fundraising bis zu Förderpolitik. Hier ein paar Eindrücke. Das nächste Barcamp findet am 12. Oktober in München statt. Die Anmeldung ist bereits möglich. http://opentransfer-camp.mixxt.de/networks/events/show_event.78827

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openTransfer CAMP Köln

Herzstück eines BarCamps: der Sessionplan. Die Agenda legen die Teilnehmer gemeinsam fest, nicht der Veranstalter

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Rückblick


Rückblick

openTransfer CAMP Köln

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openTransfer CAMP Köln

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Rückblick


RĂźckblick

openTransfer CAMP KĂśln

Jeder Teilnehmer kann eine Session anbieten - wie Sunniva Engelbrecht von startsocial (am Mikrofon)

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openTransfer CAMP Köln

Check-in am Morgen. Rund 100 Projektmacher, Förderer und Engagierte trafen sich in der Alten Feuerwache in Köln

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Rückblick


Rückblick

openTransfer CAMP Köln

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openTransfer CAMP Köln

Rückblick

Für manche wertvoller als die Sessions: der Austausch und das Netzwerken in den Pausen 24


Rückblick

openTransfer CAMP Köln

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openTransfer CAMP Köln

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Rückblick


R端ckblick

openTransfer CAMP K旦ln

Eine von 24 Sessions: Sebastian Volberg (rechts) diskutiert u. a. mit Karim El-Helaifi (Sch端lerpaten Deutschland) 端ber Hindernisse beim Teilen von Wissen und Projekten

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openTransfer CAMP Köln

Nach dem Warm-up ging es direkt in den Austausch über diverse Transfer-Themen

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Agenda

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„Scaling Social Innovation“ ist der Titel der Sommerakademie an der WWU in Münster, die vom 27.-29. September stattfindet. Master- und Weiterbildungsstudierende aus Nonprofit-Management oder Public Affairs erfahren in Vorträgen und Workshops, wie soziale Innovationen effektiv verbreitet werden. http://weiterbildung.uni-muenster.de/ weiterbildungsangebote/masterstudiengangnonprofit-management-governance/sommerakademie.html

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Ein hochkarätig besetztes Podium diskutiert am 19. Juni in Berlin darüber, welche Rolle die Engagementpolitik nach der Bundestagswahl spielen wird. U. a. mit Andrea Nahles, Alexander Dobrindt, Patrick Döring und Steffi Lemke. www.koerber-stiftung.de/index.php?id=6133&no_ cache=1&tx_seminars_pi1[showUid]=781&cHash=9d37ed 72ba4ac59f66f041d386ac38f7

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„Offene Daten – Berlin – Deutschland – Europa“ lautet das Motto des Berlin Open Data Day 2013. In zahlreichen Workshops und Vorträgen geht es u. a. um Verkehrs- und Geodaten. Für Fortgeschrittene geeignet. http://berlin.opendataday.de

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Bis zum 30.6. läuft die Frist des Deutschen Bürgerpreises. Engagierte Bürger können sich um Auszeichnungen in den Kategorien „U21“, „Alltagshelden“, „Engagierte Unternehmer“ und „Lebenswerk“ bewerben. Insgesamt geht es um 41.000 Euro. www.deutscher-buergerpreis.de


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IMPRESSUM Herausgeber: Uwe Amrhein Redaktion: Henrik Flor Gestaltung: Simone Schubert, www.derzweiteblick.org PropststraĂ&#x;e 1 10178 Berlin Telefon +49 / 30 - 30 88 16 66 Telefax +49 / 30 - 30 88 16 70 redaktion@entermagazin.de www.entermagazin.de Enter erscheint in Kooperation mit der Stiftung BĂźrgermut und dem Engagement-Netzwerk www.weltbeweger.de.


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