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11. Mai 2011 13

zum stiftungstag: die zehn goldenen Regeln f端r B端rgerstifter


Enter verlost Gewinnen sie eines von zwei Stiftungshandbüchern im Wert von 140 Euro! Und so könne Sie teilnehmen: E-Mail: Senden Sie eine Nachricht mit dem Betreff „Stiftung“ an redaktion@ entermagazin.de. Facebook: Liken Sie unsere Facebook-Seite http://www.facebook.com/entermagazin und hinterlassen Sie einen Kommentar mit dem Begriff „Stiftungen“. Twitter: Posten Sie einen Tweet mit den Elementen „#stiftungen“ und „@entermagazin“. Unter allen Einsendern verlosen wir am 27. Mai die beiden Handbücher. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Weitersagen!

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Rechtshandbuch für Stiftungen Herausgeber: Prof. Dr. Barbara Weitz und Jörg Martin Stand: April 2011, 2 Bde.; ca. 1.400 S. Ein Team von renommierten Experten aus der Stiftungsszene schreibt kompakte Fachbeiträge u.a. zu: • Aktuelles und Trends • Erläuterung von Urteilen • Finanz und Vermögensverwaltung Besonderen Stiftungsformen und ihren rechtlichen Grundlagen • Organisation von Stiftungen • Kommunikation und Fundraising etc. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit unter www.stiftungsrecht-aktuell.de


Foto: FilmMagic

Helden

Ist es nun ein Marketing-Gag, unberechenbarer Irrsinn oder tatsächliches Engagement? Charlie Sheen hat gerade die Sheen’s Korner Foundation gegründet. Erste Amtshandlung der Stiftung wird es sein, ein Gewaltopfer in San Francisco zu unterstützen, wo Sheen mit seiner aktuellen Show gastiert. Der amerikanische Schauspieler hat wegen privater Eskapaden gerade seinen Job in der Serie „Two and a Half Man“ verloren. 5


Ideen

Weltbeweger

Zahl

385 .000 So viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben 2010 die Bürgerstifter geleistet (Quelle: Initiative Bürgerstiftungen, bezieht sich auf Bürgerstiftungen mit Gütesiegel)

Wussten Sie das? Zwar haben sich viele Stiftungen der Förderung von Bürgerengagement verschrieben – aber jede macht es für sich. Eine Studie der Körber Stiftung und des Bundesverbandes deutscher Stiftungen hat dies in einer Studie nachgewiesen. Die Untersuchung ist gleichzeitig der Aufruf, künftig Synergien besser zu nutzen. http://www.stiftungen.org/uploads/ tx_ttproducts/datasheet/Engagementstudie_2010_online.pdf

Cartoon der Woche Wulffmorgenthaler

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Ideen

Weltbeweger

Kolumne

Foto: Stiftung Bürgermut

P r i v a t m a c h t S t a a t Deutscher kann eine Argumentation nicht sein: „Dürfen reiche Menschen einen Teil ihres Vermögens steuerbegünstigt stiften, um damit einen von ihnen selbst gewählten Bereich des Gemeinwohls zu fördern? Die hat doch keiner gewählt!“ Die Diskussion über die demokratische Legitimation des Stiftungswesens ist nicht neu. Durch die Mega-Stiftungen US-amerikanischer Milliardäre hat sie im ver-

gangenen Jahr Fahrt aufgenommen. Erstaunlich: Wir misstrauen Politik und Verwaltung abgrundtief. Doch wenn Unternehmer mit ihrem Geld und ihren Methoden Staat machen, ist uns das mindestens genauso suspekt. Natürlich darf und muss die Frage gestellt werden, wer an welcher Stelle und mit welchen Mitteln das Gemeinwohl fördert. Und nicht jede Stiftung bekleckert sich mit Ruhm, wenn es um Transparenz geht. Aber, ganz ehrlich: Ist der demokratisch legitimierte Staat in dieser Hinsicht besser? Durchschauen die Bürger, wofür Bund, Länder und Kommunen ihre Fördermittel sprudeln lassen? Lassen wir die Kirche im Dorf. Die über 18.000 deutschen Stiftungen sind in der Mehrzahl kleine, rein ehrenamtlich geführte Initiativen mit minimalem Kapital. Mehr als drei Viertel haben keinen einzigen bezahlten Mitarbeiter. Damit lässt sich nicht viel Schaden an der Demokratie anrichten. Der Gewinn ist weitaus größer: mehr Vielfalt im Bürgerengagement. Uwe Amrhein ist Herausgeber von ENTER.

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Weltbeweger

Ideen

Mit-macher Junge Talente Als Talentscout betätigt sich die Bürgerstiftung Neukölln. In einem der schwierigsten Bezirke Berlins bringt das Projekt „Neuköllner Talente“ Kinder mit erwachsenen Paten zusammen. Kinder, die Zuhause und in der Schule nicht die nötige Unterstützung erfahren, bekommen hier die Chance herauszufinden, was sie gerne tun, sich wünschen, besonders gut können. Das kann man bei einem Schwimmbadbesuch herausfinden, beim gemeinsamen Malen oder im Zoo. Für Projektleiterin Idil Efe beweist es sich jeden Tag aufs Neue: „Jedes Neuköllner Kind ist ein Neuköllner Talent!“

http://neukoellner-talente.de

Online-Projekt hilfe für Schuldner

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www.deutschland-im-plus.de

Fotos: Neuköllner Talente / Stiftung für private Überschuldungsprävention

Für Schuldner ist es nicht immer einfach, persönlich eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Die Hürden sind oft hoch, die Scham über die eigene Situation groß. Die Stiftung für private Überschuldungs-

prävention geht deswegen mit einer Online-Beratung einen anderen Weg. Diskret stehen Experten mit Rat und Tat verschuldeten Menschen im Netz zur Seite. Anonymisiert werden dann die Fragen und Antworten in einem Wissensportal veröffentlicht und erreichen so weitere Betroffene. Daneben vermittelt die Stiftung Schuldner aber auch klassische Beratungseinrichtungen. Um Jugendliche vor Überschuldung zu schützen, steht ein Handy-Budget-Planer zum Download bereit.


Ideen

Weltbeweger

Enter hilft! fundraising-wiki Veronika Mercks sucht Mitmacher für die Studenteninitiative weitblick Berlin e.V Das Problem: ungleiche Bildungschancen Das Ziel: sich gemeinsam für weltweit gerechte Bildungschancen einsetzen.

Ich brauche: Kreative, Anpacker, Kommunikative, Überzeuger, Nachdenker, Innovative, die ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten einbringen. Der Lohn für’s Mitmachen: Kennenlernen von vielen interessanten, netten und motivierten jungen Menschen; Möglichkeit, etwas zu bewegen.

Foto: privat

Warum das wichtig ist: Wir haben das Privileg, Bildung zu erhalten und wollen

dieses an junge Menschen auf der ganzen Welt weitergeben.

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Foto: B端rgerstiftung Osnabr端ck

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Ideen Weltbeweger


Ideen

Weltbeweger

Projekt der woche Stiftung für Migranten Für die Hamburger Stiftung für Migranten haben sich gleich zwei Dutzend Unternehmer mit ausländischen Wurzeln zusammengetan. Gemeinsam helfen sie ganz praktisch dabei, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund einen Einstieg ins Berufsleben finden. Die Stiftung vermittelt Praktikumsplätze oder Bildungspaten und vergibt Ausbildungsstipendien. Gerade wurden die neuen Stipendiaten ausgewählt: vier Berufsschüler, die nun ein intensives Coaching bekommen und sich ganz auf das Lernen konzentrieren können. www.stiftung-für-migranten.de

Foto: cicoria, © Hamburger Stiftung für Migranten

Buch-Tipp Göring, unternehmen stiftung Das Wesentliche auf 200 Seiten. Hier wird fündig, wer eine Stiftung gründen oder sich in einer Stiftung engagieren will und mehr darüber erfahren möchte, wie eine solche funktioniert. Stiftungen werden hier als Organisationen vorgestellt, die wie ein Unternehmen arbeiten. Ein Kapitel befasst sich speziell mit Bürgerstiftungen. Für den ersten Einstieg eine gute Wahl. Michael Göring, Unternehmen Stiftung, 205 Seiten, 24,90 Euro, Hanser Wirtschaft

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Titel

Goldene

zehn goldene Ratschl채ge f체r b체rgerStifter

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Ratschläge

Wer stiften will, braucht keine Reichtümer. Bei Bürgerstiftungen geht es um andere Werte. Bürgerinnen und Bürger sammeln gemeinsam Kapital, um eine stabile und dauerhafte Basis für ihr lokales Engagement zu schaffen. Bürgerstiftungen boomen. 1.400 sind es weltweit, zwischen 200 und 300 in Deutschland. Zwei Organisationen kümmern sich um die Vernetzung und Beratung von Bürgerstiftungen:

Titel

Die Initiative Bürgerstiftungen beim Bundesverband Deutscher Stiftungen und der Verein Aktive Bürgerschaft. Auch wer etwas Großes beginnen will, muss klein anfangen. Eine Stiftung zu gründen ist ein Projekt, bei dem viel schief gehen kann. Wir haben zehn erfolgreiche Stifter gefragt, welche guten Tipps sie geben können, um Fehler zu vermeiden. Die zehn wichtigsten Ratschläge lesen Sie auf den folgenden Seiten.

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Goldene

Titel

die richtige form finden „Die Entscheidung, eine Stiftung zu gründen, hat sich bei uns fast organisch entwickelt. Am Anfang stand das Netzwerk „Tolerantes Eberswalde“, eine Initiative gegen Rechtsextremismus. Da ging es vor allem um Aktionswochen oder Demos. Diese lose Struktur trug dann nicht mehr, wir wollten etwas Neues aufbauen und so für eine demokratische Gesellschaft vor Ort arbeiten. Das passierte dann in Form einer Lokale-Agenda-21-Gruppe, die als Verein organisiert war. Die Entscheidung, eine Stiftung zu gründen, hatte viel mit einer Dissertation zu tun, die in der Region Eberswalde ein großes bürgerschaftliches Potenzial nachgewiesen hat. Wir wollten dieses erschließen und uns thematisch breiter aufstellen. Dann kam eins zum anderen: Einige Mitglieder des Vereins waren bereit, Gründungsstifter zu werden, und die Amadeu-AntonioStiftung nahm uns unter ihre Fittiche und hat uns intensiv beraten. Durch die kontinuierliche Arbeit in der Stiftung waren wir dann zum ersten Mal in 14

der Lage, aktiv Themen anzugehen, die wichtig für uns sind. Dass der damalige Oberbürgermeister zuerst die Befürchtung hatte, unsere Stiftung sei angetreten, um ihn zu stürzen, ist eine andere Geschichte...“

Helga Thomé, Vorstand Bürgerstiftung Barnim-Uckermark www.barnim-uckermark-stiftung.de


Ratschläge

Titel

A k t i o n s r a d i u s definieren „Bei der Gründung unserer Stiftung hatten wir zuerst nur die Stadt Landshut im Blick – eine Stadt mit 62.000 Einwohnern. Wir waren uns damals sicher, dass hier ausreichend Potenzial an Engagierten, Spendern und Stiftern vorhanden sein würde. Dies hat sich auch bestätigt. Wir haben dann aber in der konkreten Projektarbeit gemerkt, dass es keinen Sinn macht, zwischen Stadt und Umland zu unterscheiden. Wir konnten da nicht einfach Menschen von Förderungen ausschließen, nur weil

sie jenseits der Stadtgrenze wohnten. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass aus dem Umland auch viel Unterstützung kommt. Das Projekt „Bürgerhaus“ etwa wird zu einem Großteil von Familienbetrieben aus dem Landkreis getragen. Deshalb haben wir unseren Aktionsradius inzwischen ganz deutlich erweitert und verstehen uns jetzt als Bürgerstiftung der Region Landshut – damit decken wir einen Einzugsbereich mit 210.000 Einwohnern ab. Anderen Bürgerstiftungen, die wir in der Aufbauphase unterstützen, raten wir deshalb ganz klar, nicht zu bescheiden mit dem Zuschnitt ihrer Stiftung zu sein.“

Anke Humpeneder-Graf, Vorstandsvorsitzende Bürgerstiftung Landshut www.buergerstiftung-landshut.de

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Goldene

Titel

u n a b h ä n gigbleiben

„Das vielleicht Wichtigste bei der Gründung einer Stiftung ist es nach unserer Erfahrung, unabhängig von Politik und Verwaltung zu bleiben. Unser erster Versuch, eine Stiftung anzuschieben, ist daran gescheitert, dass wir diese Unabhängigkeit nicht gewahrt hatten. Damals hatten sich einige Bürgerinnen und Bürger unter Federführung des Landratssamts zum Ziel gesetzt, eine Bürgerstiftung zu gründen. Was, wie wir heute wissen, schon im Ansatz nicht funktionieren konnte. Eine Bürgerstiftung muss selbstbestimmt sein, die stiftenden Bürger müssen die Entscheidungen treffen können – das kann keine politische Institution übernehmen. Sie kann anschieben, sollte sich danach aber zurückziehen. Beim zweiten Anlauf haben wir strikt auf politische Neutrali16

tät geachtet und darauf, dass keine Interessen Dritter zum Zuge kommen. Interessanterweise wurde dadurch unser Stiftungsprojekt auch für die freie Wirtschaft sehr viel attraktiver. Als jemand, die andere Stiftungen in Bayern berät, merke ich immer wieder: Wann immer sich offizielle Stellen einmischen, kommt es zu Problemen. Bürgerinteressen und Verwaltungsinteressen sind nun einmal nicht immer deckungsgleich. Es gibt immer wieder Städte oder Gemeinden, die sagen: ‚Unsere Kassen sind leer, also gründen wir eine Stiftung!‘ Der Ansatz könnte nicht falscher sein. In Neumarkt verstehen wir uns übrigens sehr gut mit Landrat und Oberbürgermeister. Die wissen, was sie an unserer Arbeit haben und unterstützen daher gerne unsere Stiftungsaktivitäten.“

Vera Finn, Vorstand Bürgerstiftung Region Neumarkt www.buergerstiftung-region-neumarkt. de


Ratschläge

Titel

I m team s p i e l e n „Wir waren in der Startphase zu viert. Im Kernteam haben wir das Gros der Vorarbeiten zur Stiftungsgründung geleistet. Wir wollten erst mit dem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit gehen, wenn wir schon genügend Leute und Geld im Rücken haben. Ein Jahr haben wir uns dafür Zeit gegeben. Diese klare Frist zu setzen, war für die Motivation der Gruppe wichtig. Das Kernteam hat die Satzung vorbereitet und an der Ausrichtung gearbeitet. Zur Unterstützung haben wir dann neun weitere Mitstreiter dazugewonnen, die aus verschiedenen Feldern kamen: einen Grafiker, Fotografen, Steuerberater, Juristen, jemanden aus der Kirche. Das waren unsere Multiplikatoren, die in der Stadt bekannt waren und die früh ihr Gesicht für die Stiftung gezeigt haben. Mit ihrem Fachwissen haben sie uns ganz konkret in der Gründungsphase unterstützt. Das Kernteam hat auch insofern eine wichtige Rolle gespielt, als wir selbst Gründungsstifter waren. Alle Mitglieder des Kernteams sind dann auch in den Vor-

stand oder ins Kuratorium gegangen. Inzwischen gab es schon einige personelle Wechsel. Uns Gründern ist es aber gut gelungen, das Staffelholz so zu übergeben, dass für Kontinuität gesorgt ist.“

Dorothee Fischer, Vorstand Bürgerstiftung Halle und Leiterin der Villa Jühling www.buergerstiftung-halle.de 17


Goldene

Titel

C l e v e r G e l d s a m m e l n „Für die Vorbereitung der Stiftungsgründung haben meine Mitstreiter und ich zunächst einen Verein gegründet und auch schon mit der konkreten Projektarbeit begonnen. Der nächste Schritt, um Gründungsstifter zu gewinnen, waren dann öffentliche Informationsveranstaltungen. Dort haben wir erst einmal erklärt, was eine Bürgerstiftung überhaupt ist – vor zehn Jahren war das noch etwas Exotisches, ein unkonventioneller Weg. Nach jeder dieser Veranstaltungen ist dann ein Besucher auf mich zugekommen und wollte als Stifter mitmachen. Außerdem haben wir ganz klassisch Pressearbeit gemacht. Man merkte schon damals, dass das Interesse an dem Thema groß war. Auf diese Weise hat es nur ein paar Monate gedauert, bis wir neun Gründungsstifter zusammen hatten und ein Startkapital von 55.000 Euro. Meine Empfehlung nach zehn Jahren Arbeit in der Bürgerstiftung: Man sollte die Gründung nicht zu hektisch angehen und zusehen, dass das Gründungskapital möglichst hoch ist. Diese Anfangsfaszination nimmt viel 18

mehr Leute mit als ein nachträgliches Zustiften – das ist einfach nicht besonders sexy. Hat das Stiftungskapital zu Beginn schon eine relevante Größe, wird man anders wahrgenommen und auch mit dem Einwerben von Zustiftungen wird es dann einfacher. Der wichtigste Tipp aber: mit anderen Bürgerstiftungen sprechen und von deren Erfahrungen lernen.“ Dr. Michael Eckstein, Vorstand Bürgerstiftung Region Ahrensburg www.buergerstiftung-region-ahrensburg.de


Ratschläge

Titel

P r o f e ssionelle e v e n t s

„Unsere Auftaktveranstaltung war ganz bewusst groß angelegt. Ziel war es, mit dem ‚Kick-off‘ Spender und Stifter zu erreichen und uns der Öffentlichkeit vorzustellen. Wir konnten Prof. Dr. Christian Pfeiffer für einen Vortrag gewinnen, und die Sparkasse stellte die Räume zu Verfügung. Der Saal hatte kaum gereicht, es wurde engagiert diskutiert, und am Ende konnten wir an diesem Abend weiteres Gründungskapital für die Stiftung einwerben. Wir standen dabei vor der Herausforderung, dass wir zwar in einer Stadt mit vielen vermögenden Bürgern arbeiten, diese aber sehr abgeschottet leben, zum Teil eigene

Stiftungen gegründet haben. Die Gründungsveranstaltung war der erste große Schritt, uns ein Profil zu geben und in diesem schwierigen Umfeld zu positionieren. Von Anfang an haben wir regelmäßig einen Neujahrsempfang gegeben und eine sehr erfolgreiche Gesprächsreihe zu aktuellen regionalen Themen initiiert. Für den Neujahrsempfang konnten wir ein großes Hotel gewinnen, das uns kostenlos Räume zur Verfügung stellt. Für das Catering können wir regelmäßig Baden-Badener Unternehmer als Sponsoren gewinnen. Zum Empfang laden wir persönlich ein, potenzielle Spender werden eng begleitet. Förderprojekte wie Jugendtheater oder Musikgruppen gestalten das Programm mit und können sich in einem schönen Rahmen präsentieren. In Sachen Spenderbindung und Öffentlichkeitsarbeit ist das unser wichtigstes Veranstaltungsformat.“ Susanne Pfleiderer, Vorstand Bürgerstiftung Baden-Baden www.buergerstiftung-baden-baden.de 19


Goldene

Titel

Für die I d e e begeistern „Ziel unseres Marktplatzes ist es, gemeinnützige Organisationen mit Unternehmen zusammenzubringen, um, ganz ohne Geld, Ideen, Knowhow oder Leistungen auszutauschen. Es geht darum, Kontakte zu Netzwerken zu knüpfen und ganz konkrete Kooperationen einzugehen. Es sind kleine Vereinbarungen, aus denen aber oft eine langfristige Zusammenarbeit entsteht. Beim letzten Marktplatz im März kamen 189 Vereinbarungen zustande – das war Rekord. Das Sozialkaufhaus hat jetzt neues Material für die Schaufensterdeko und das Seniorenheim bekommt vom GartenZentrum eine neue Grünfläche. Im Grunde ist der Marktplatz eine große Kontaktbörse – das Tauschgeschäft ist der Aufhänger. Gerade wir als Veran20

stalter wissen inzwischen ganz genau, wen wir ansprechen können, wenn wir etwas Bestimmtes brauchen. Wir haben über den Marktplatz Zugänge bekommen, die uns sonst nicht so leicht offengestanden hätten. Die Bürgerstiftung Weimar hat auf diesem Weg sogar Zustifter gewonnen. Die besondere Herausforderung bei der Organisation einer solchen Veranstaltung ist es, Unternehmen für die Idee zu gewinnen. Das funktioniert nur über persönliche Ansprache der Unternehmen durch die Lenkungsgruppe, die möglichst mit gut vernetzen Unternehmerpersönlichkeiten besetzt werden sollte.

Stefanie Lachmann arbeitet für die Ehrennamtsagentur, einer Einrichtung der Bürgerstiftung Weimar. www.buergerstiftung-weimar.de


Ratschläge

Titel

Projekte effektiv managen „Was ist wichtiger in der Anfangsphase: mit viel Kapital starten oder viel Projektaktivitäten? Wir haben uns ganz klar dafür entschieden, erst einmal auf die Projekte zu setzen und dann aus dieser Arbeit heraus unsere Bekanntheit zu steigern, ein Profil zu bilden. Das war eine strategische Entscheidung. Will man sich von vornherein Spielraum über Kapitalerlöse verschaffen, sprechen wir von Größenordnungen im Bereich von Millionen von Euro. Uns war am Anfang zudem der partizipative Aspekt wichtiger als die Kapitalausstattung. Gerade in einer Stadt wie Köln, in der die Leute sich sehr stark mit ihrem Viertel identifizieren. Da ist es lebenswichtig, Leute aus allen Teilen der Stadt mit im Boot zu haben. Mit 50 Stiftern sind wir sehr breit aufgestellt gestartet. Derzeit versuchen wir, parallel zur Projektarbeit Treuhandstiftungen einzuwerben. Da wir nur mit ehrenamtlichen Mitgliedern arbeiten, ist das natürlich nicht ganz einfach. Meine Empfehlung: Jede Stiftung sollte schon am Anfang ein klares Profil entwickeln.

Hat eine Stiftung wenig Kapital, kann sie mit guter Vernetzung sehr viel ausgleichen.“ Michael Aubermann, Vorstand Bürgerstiftung Köln www.buergerstiftung-koeln.de

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M itsti f te r f i n d e n „Die Bürgerstiftung Kassel geht einen vielleicht etwas ungewöhnlichen, aber höchst erfolgreichen Weg. Sie ist vergleichbar mit einer Holding, unter der sich andere Stiftungen versammeln. Die einzelnen Stiftungen schließen Vereinbarungen mit dem Vorstand der Bürgerstiftung ab, mit der alles geregelt wird: vom Namen über den Zweck bis hin zur Verwendung der Erträge. Wir nehmen den Stiftern den Verwaltungsaufwand ab, ebenso die Bilanzierung und sogar die Pressearbeit. Mit diesem Modell haben wir inzwischen 25 neue Stifter gewonnen, von denen nur einer weniger als 50.000 Euro eingebracht hat. Dass wir so viele neue Stifter gefunden haben, liegt sicher auch an der Reputation der Sparkasse, die 1999 die Bürgerstiftung gegründet hat. Zu unserem Programm gehören regelmäßig Veranstaltungen, zu denen 22

wir Multiplikatoren wie Anwälte und Steuerberater einladen. Vor allem aber versuchen wir, das Stiften so einfach wie möglich zu machen. Mein Tipp für andere Bürgerstiftungen: Geben Sie Zustiftern die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was mit ihrem Geld passiert. Stifter entscheiden sich emotional und wünschen besonders anfangs eine enge persönliche Beratung und Unterstützung. Gerade Menschen, die etwas vererben wollen, sorgen sich um ganz praktische Dinge wie die Haushaltsauflösung oder die Bestattung. Hier können Bürgerstiftungen mit ‚Rundum-Paketen‘ punkten. Greenpeace & Co machen es vor.“ Alexander

Schmidt,

Geschäftsführer Bürgerstiftung für die Stadt Kassel und den Landkreis Kassel www.buergerstiftung-kassel.de


Ratschläge

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Den grossen f i s c h f a n g e n „Zentral für die Außenwirkung ist es, gute Arbeit in den Projekten zu leisten. Öffentlichkeitsarbeit muss dies nach außen kommunizieren. Das ist die Basis, um das Vertrauen zu gewinnen, das Spender und Stifter brauchen. Bei uns wissen die Leute, dass ihr Geld gut angelegt ist, und wir bemühen uns, individuellen Wünschen nachzukommen. Unsere hauptamtliche Fundraiserin ist vor allem mit dem Thema Spendergewinnung und -bindung beschäftigt, potenzielle Großzustifter werden vielfach direkt vom Vorstand betreut. Wir besprechen ganz individuell, was Interessenten mit ihrem Geld bewegen können. Zwei Mal im Jahr veranstalten wir einen „Abend der BürgerStiftung Hamburg“, zu dem wir potenzielle große Zustifter einladen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Außerdem pflegen wir vielfache Kontakte zu Notaren, Steuerberatern und Banken, die zu vielen potenziellen Stiftern Zugang haben und auf uns verweisen können. Ein weiterer wichtiger Punkt: In unserem Stiftungsrat sit-

zen viele bekannte Hamburger, die über interessante Kontakte verfügen. Zudem garantieren wir Großspendern, die dies wünschen, absolute Vertraulichkeit, wie zum Beispiel bei der Großstiftung im vergangenen Jahr.“ Reimar Tietjen, Vorstand BürgerStiftung Hamburg www.buergerstiftung-hamburg.de 23


Titel

Er ist alt, reich, eitel. Und, ja: er ist immer ein Er. Der Stifter. Er hat sein Geld als Unternehmer gemacht. Entweder als hanseatischer Kaufmann oder als schwäbischer Fabrikant. Manchmal hat er geerbt und ein schlechtes Gewissen wegen seines unverschuldeten Reichtums. Aber das ist seltener. In den meisten Fällen ist er Selfmade-Millionär und ein harter Arbeiter. Das hat ihn konservativ werden lassen. Kohls CDU war ihm lieber als die unter Merkel. Die Nachkriegszeit hat er als Kind oder Jugendlicher bewusst erlebt. Er weiß, was Aufbau heißt. Er vertraut Gott und sich selbst. Er gibt gerne. Aber vor allem gibt er aus preußischem Verantwortungsgefühl. Dafür wird er nicht geliebt, aber geachtet. Der Stifter ist alt, reich und eitel. Und ein bisschen langweilig. Ach, ja? Dann lesen Sie mal. 24

Goldene

Text: Uwe Amrhein/Henrik Flor


Ratschläge

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zum Vollzeit-Stifter und Sozialunternehmen geworden. Sein ehrgeiziges Ziel: bis zum Jahr 2014 sollen 3 Millionen Kinder erreicht werden. www.buecherbruecke.org

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Carsten Rübsaamen

Wenn ein promovierter Innovationsmanager eine Stiftung gründet, darf man ein besonders cleveres Konzept erwarten. Und tatsächlich ist die Bücherbrücke als kombinierte Stiftung und Social Business ein ungewöhnlicher und ungewöhnlich gut funktionierender Hybrid. Auf einer Pfadfinder-Exkursion in die Mongolei ist Carsten Rübsaamen auf die Idee gekommen, zum Bildungsexporteur zu werden. Und so funktioniert es: Die Stiftung sammelt englischsprachige Bücher ein, die von Verlagen oder engagierten „Bücherhelden“ zur Verfügung gestellt werden und schickt sie in selbst errichtete Bildungszentren in der Mongolei. Dort werden dann auch noch die Lehrer vor Ort gecoacht. Die Arbeit der Stiftung wird komplett vom Social Business, der Bookbridge GmbH, finanziert. Der besondere Clou: Die GmbH verdient damit Geld, indem sie Führungskräfte-Programme durchführt, in deren Rahmen u. a. Nachwuchs-Manager Bookbridge-Bildungsprojekte aufbauen und dabei jede Menge lernen. Carsten Rübsaamen ist unversehens

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Jennifer Klein

Stifter müssen alt und reich sein? Das war einmal. Jennifer Klein war gerade einmal 16 Jahre alt, als sie mit der Stiftung „Girls for Plan“ an den Start ging. Zusammen mit einer Handvoll Mitschülerinnen wollte sie etwas gegen die Beschneidung von Frauen in Afrika unternehmen. Ein Schuljahr lang dauerte es, bis durch Aktionen wie einer Modenschau, einem Weihnachtskonzert oder Kuchenverkäufen 10.000 Euro zusammenkamen - das Startkapital, um unter dem Dach von „Plan International“ eine eigene Stiftung zu gründen. Die zwölf Mädchen leisten nicht nur wichtige Aufklärungsarbeit in Afrika und Europa, sie lernen auch, wie modernes Engagement aussieht und wie man früh Verantwortung übernimmt. www.girlsforplan.de 25


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Ratschläge

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D i e S t u d e n t e n Elemente der Begeisterung

„Elemente der Begeisterung“, das ist die erste und bislang einzige nur von Studierenden getragene rechtsfähige Stiftung. Oliver Janke und vier Mitstreiter aus Leipzig waren schon vorher in diversen Hochschulprojekten engagiert und wollten sich endlich von der Förderung und Vorgaben der alma mater unabhängig machen. Seit drei Jahren beweisen sie inzwischen, dass Engagement am besten in Eigenregie funktioniert. Dafür steht zum Beispiel das musikalische Sommercamp in Dessau, bei dem Musiker aus Tunesien, Frankreich und Deutschland zusammenkamen, sich kennenlernen konnten und Konzerte

gaben. Neben der konkreten Projektarbeit ist das studentische Team aber auch zum Stiftungs-Consultant geworden. Mit dem Programm „Jugend stiftet!“ werden junge Engagierte bei der Stiftungsgründung beraten. Die neueste Initiative: Auf der Facebook-Seite „Junge Menschen in Stiftungen“ können sich werdende Stifter und Stiftungsmitarbeiter vernetzen, austauschen, beraten. www.edb-stiftung.de

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Bernard Eßmann

Es gibt Stifter, die sich selbst ein Denkmal setzen wollen, mit dem ganz praktischen Engagement aber nicht viel zu tun haben wollen. Bernard Eßmann hat es anders gemacht als die ScheckheftPhilanthropen. Er war Unternehmensberater und mit einer eigenen PrivateEquity-Firma zu Geld gekommen. 2003 gründete er mit seiner Frau Julia die Peppercorn Foundation. Als beide gemeinsam nach Afrika reisten, um dort Hilfsprojekte der Organisation Hands@Work für Aids-Waisen zu besuchen, wurde ihnen klar, dass sie eine neue Aufgabe gefunden hatten. Bernard Eßmann gab die Geschäftsführung seiner Firma ab, und ging mit Frau und drei Kindern für ein Jahr nach Afrika, um vor Ort in einem der Waisenprojekte mitzuarbeiten. Zurück in Deutschland hieß es nicht business as usual. Bernard Eßmann wurde zum Vollzeit-Stifter, organisiert Freiwillige für die drei Waisenprojekte, die die Stiftung unterhält, und sammelt Geld ein, damit aus der Familienstiftung eine breit aufgestellte Hilfsorganisation wird. www.peppercorn-stiftung.de 27


„GroSS denken“ Titel

Die Initiative Bürgerstiftungen des Bundesverbands Deutscher Stiftungen versteht sich als Motor der Bürgerstiftungen in Deutschland. Sie berät Gründungsinitiativen und Bürgerstiftungen, veranstaltet Fortbildungen und verleiht ein eigenes Gütesiegel. Enter sprach mit Dr. Burkhard Küstermann, Leiter der Initiative Bürgerstiftungen, über gefährliche Einflussnahme von Politik und Verwaltung, den Spagat zwischen Projektarbeit und Vermögensbildung und falsch verstandene Bescheidenheit. Was motiviert Menschen dazu, eine Bürgerstiftung auf die Beine zu stellen? Das kann die Dankbarkeit sein für ein erfolgreiches Berufsleben, die Verantwortung für das Gemeinwesen, das kann aber auch der Ärger über die 28

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städtische Politik sein und der Wunsch, selbst vor Ort etwas zu bewegen. Die Bürgerstiftung ist eine von vielen Formen, um Engagement vor Ort zu organisieren. Wann ist es das Mittel der Wahl? Man sollte zu Beginn gut überlegen, für welche Form bürgerschaftlichen Engagements man sich entscheidet und wo man den Schwerpunkt seiner Arbeit sieht. Wenn man viele Menschen projektweise aktiv einbinden will, kann im Einzelfall auch der Verein eine geeignete Rechtsform sein. Die Stiftung zeichnet sich dadurch aus, dass sie langfristig Kapital aufbaut. Wenn man dazu aufruft, sich nachhaltig für die Stadt oder die Kommune zu engagieren, kann das sehr attraktiv für potenzielle Geldgeber sein. Die große Herausforderung ist der Aufbau des Stiftungsvermögens, das die eigentliche Projektarbeit finanziert. Wo hakt es da am Häufigsten?


Ratschläge

Titel

Wichtig bei einem langfristigen Projekt wie der Bürgerstiftung ist es vor allem, einen langen Atem zu haben. Wie bindet man Stifter in die Arbeit ein? Wie wird man interessant für Zustifter? Man muss lernen, Danke zu sagen, immer wieder auf Stifter zugehen – das alles erfordert Ausdauer. Und man muss begeistert sein – zeigen, dass man seine Arbeit gut macht. Transparenz ist ganz wichtig.

niemand Geld geben.‘ Ein anderes Beispiel: Der Vertreter eines Kreditinstituts erzählte von der Bürgerstiftung, die von seiner Bank auf den Weg gebracht wurde und seit zehn Jahren nicht in Schwung kommt. Seine Bank zog sich dann ganz aus der Stiftung zurück, damit die Bürger endlich selbst die Verantwortung für ihre Stiftung übernehmen konnten. Jetzt funktioniert es.

Stichwort Transparenz: Gerade im kommunalen Bereich drängen immer auch lokale Schwergewichte – vom Bürgermeister bis zum Sparkassenchef – in die Stiftungsgremien. Fehlt da einigen Bürgerstiftungen das Problembewusstsein? Es ist unglaublich wichtig, dass Bürgerstiftungen unabhängig bleiben. Unabhängigkeit ist eines der „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“, die von den Bürgerstiftungen selbst definiert wurden und die die Grundlage der Arbeit der Initiative Bürgerstiftungen bilden. Das bedeutet Unabhängigkeit von der Gemeinde, von Banken, von Kirchen. Je unabhängiger eine Bürgerstiftung arbeitet und je mehr Bürgerinnen und Bürger sie einbindet, desto erfolgreicher ist sie. Ein Bürgermeister sagte mir einmal: ‚Ich stoße gerne eine Bürgerstiftung an, aber wenn ich dort einen Posten übernehmen würde, hätten die Bürger den Eindruck, ich werbe hier zusätzliche Steuermittel über den Umweg der Stiftung ein. Dann würde doch

Hat das Fehlen solcher Standards die Initiative Bürgerstiftungen auf die Idee gebracht, ein Gütesiegel für Bürgerstiftungen einzuführen? Ausgangspunkt für das Gütesiegel war, dass der Begriff „Bürgerstiftung“ gesetzlich nicht definiert ist. Als Bundesverband Deutschen Stiftungen haben wir es als unsere Aufgabe angesehen, die Bewegung der Bürgerstiftungen nicht nur zu unterstützen, sondern auch zu prägen. Die Bürgerstiftung in Ratzeburg sollte das gleiche Grundverständnis wie die in München oder Zittau haben. Es geht darum zu zeigen: „Wir sind eine starke Bürgerstiftungsbewegung.“ Es gibt auch Bürgerstiftungen, die diesen Kriterien nicht entsprechen. D. h. nicht, dass diese dann schlechte Arbeit machen. Aber es zeigt, dass wir nicht das gleiche Verständnis von dem Begriff „Bürgerstiftung“ haben. Aus unserer Sicht handelt es sich dann eher um eine „Gemeinschaftsstiftung“.

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Daraus ergeben sich auch die unterschiedlichen Zahlen von Bürgerstiftungen, die von der Initiative Bürgerstiftungen und von Aktive Bürgerschaft veröffentlicht werden? Ja, das hängt mit der unterschiedlichen Auslegung zusammen, wie diese Kriterien anzuwenden sind. Es zeigt aber auch, dass der Standard der „10 Merkmale“ unbestritten ist. Bürgerstiftungen müssen parallel konkrete Projektarbeit leisten und sich um die Verbreiterung des Stiftungsvermögens kümmern. Wie gelingt das? Das ist tatsächlich eine ganz große Herausforderung. Man darf sich zu Anfang nicht in der Projektarbeit verzetteln. Langfristig will man genau diese ja aus einem Vermögen bestreiten, das es noch weiter aufzubauen gilt. Es ist ein Spagat, für dessen Gelingen es kein Patentrezept gibt. Die Bürgerstiftung wird immer als Erfolgsmodell beschrieben – gibt es auch welche, die gescheitert sind? Wenn ja, woran? Ein wirkliches Scheitern einer Bürgerstiftung gibt es bislang nicht. Aber es gibt Herausforderungen: Wenn sich beispielsweise Stiftungen zu eng an eine Institution binden und die eigene Unabhängigkeit gefährden, dann kann es schwierig werden. Ein ganz anderes Problem ergibt sich, wenn Stiftungen ein zu kleines räumliches Gebiet abdecken. Dann klappt es vielleicht nicht, das nötige Kapital 30

einzuwerben. Wir empfehlen deshalb ein Einzugsgebiet mit mindestens 100.000 Einwohnern. Dann ist in der Regel ausreichend Potenzial da, um erfolgreich zu arbeiten. Die Überlegung muss sein: Wo wollen wir in zehn Jahren stehen? Gibt der regionale Zuschnitt das her? ‚Denkt möglichst groß!‘, ist daher unsere Empfehlung an alle Bürgerstifter. www.die-deutschen-buergerstiftungen.de Die Fragen stellte Henrik Flor.


MARKETING FÜR KLEINE PROJEKTE

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Marketing für kleine Projekte – mit wenig viel erreichen

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MARKETING FÜR KLEINE PROJEKTE

So unterschiedlich gemeinnützige Projekte, Initiativen und Verbände auch sind – eines haben sie in der Regel gemeinsam: Der Enthusiasmus ist groß, aber das Budget klein. Wie gelingt es, mit wenig Geld Unterstützer zu mobilisieren, Spenden zu sammeln und die konkrete Projektarbeit zu leisten? Gemeinnützige Organisationen sollten sich nicht davor scheuen, von dem Wissen zu profitieren, mit dem bereits viele Unternehmen erfolgreich arbeiten. Was bei der Bindung von Kunden funktioniert, lässt sich hervorragend übertragen auf die Kommunikation mit Unterstützern von gemeinnützigen Projekten. Die Enter-Akademie macht vor, wie es geht: Schritt für Schritt in den kommenden zwölf Ausgaben. 32


MARKETING FÜR KLEINE PROJEKTE

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Virales Marketing Durch virales Marketing verbreiten sich Projektideen, Spendenaufrufe oder die Mobilisierung von Unterstützern wie ein Virus. Dieser Virus muss einmal in die Welt gesetzt werden und soll sich dann wie von selbst verbreiten. Virales Marketing hat viele Synonyme wie Guerilla-Marketing oder ... Auf den ersten Blick sieht das Konzept wie die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda aus – es geht aber darüber hinaus. Die Aktion muss strategisch klug geplant sein, die Erstansprache muss gut durchdacht sein, wenn tatsächlich ein viraler Effekt angestoßen werden soll. Der bestechende Vorteil dieser Methode: Sie kann mit geringem Einsatz von finanziellen Ressourcen sehr erfolgreich durchgeführt werden - besonders über neue Medien können sich Inhalte sehr effizient verbreiten. Das klassische Beispiel ist das Online-Spiel „Moorhuhn“, das - von Johnnie Walker lanciert - in kürzester Zeit weltweit Millionen von Spielern gefunden hatte. Hier ein paar virale Ideen für den gemeinnützigen Bereich:

Video Kaum ein Format verbreitet sich so rasant wie ein beliebtes Video. Voraussetzung ist, dass der Clip besonders originell ist, einen bestimmten Dreh hat. Als Gemeinwohlorganisation hat man gute Chancen, eine Botschaft viral zu streuen, indem man bekannte Werbespots persifliert. Will man etwas gegen Atomkraft bewegen, könnte man einen Vattenfall-Werbefilm parodieren und auf der Plattform Youtube einstellen. Besonders clever hat es die Aktion www.10rappen.ch gemacht. Ziel der Initiatoren war es, Bekleidungsherstellern zum Zahlen eines fairen Mindestlohns an ihre Näherinnen zu bewegen. Einen vorproduzierten Clip konnte man mit eigenen Botschaften individuell konfektionieren und dann an eine von rund 30 aufgelisteten Firmen schicken. Oder man lässt die Unterstützer gleich den ganzen Clip machen. Dazu schreibt man einen Wettbewerb aus, lobt Ruhm oder einen Geldpreis aus und präsentiert die besten Ergebnisse online. Am besten man lässt dann die Besucher der Seite ihren Favoriten wählen.

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Ein besonders originelles Beispiel für einen viralen Youtube-Clip kommt übrigens von der niederländischen Initiative Nobelematch: http://www.youtube.com/watch?v=RKcMfQrqC7I&feature=related

Inhalte Die Reichweite Ihrer Website oder einer konkreten Aktion können Sie auch dadurch um ein Vielfaches steigern, imdem Sie interessante Inhalten verschenken! Konkret heißt das: Haben Sie zu einem aktuellen Thema oder zu einem Bereich, für den sich eine spezielle Zielgruppe interessiert, spannende Inhalte, so belassen Sie diese nicht allein auf Ihrer Homepage. Stellen Sie sie anderen Multiplikatoren kostenlos zur Verfügung. Bedingung sollte sein, dass Ihr Copyright enthalten ist und ein Link auf Ihre Website führt. So können Sie beispielsweise im Rahmen eines Artenschutzprogramms einen gut recherchierten Artikel über Wölfe in Ostdeutschland an themenverwandte Websites weitergeben. Ihre Website wird davon deutlich profitieren.

Gimmicks Manchmal sind es die netten kleinen Zugaben, die sich im Netz besonders schnell verbreiten. Diese haben nicht unbedingt einen direkten Mehrwert, machen aber Spaß und zirkulieren entsprechend schnell. Einige solcher Beispiele hat man während des letzen Wahlkampfs von Barack Obama gesehen. Die findige Paste Media Group hat dazu eingeladen, ein Porträt von sich hochzuladen, das dann im Stil des bekannten Obama-Plakats vom Graffiti-Künstler Shepard Fairey verfremdet wurde. Ein Riesenerfolg! Beliebt sind auch „Twibbons“. Hier legt man über sein Profilbild bei Facebook oder Twitter ein Symbol, das die Unterstützung für eine Sache demonstrativ zeigen soll. Das kann eine Veranstaltung sein genauso wie ein Statement gegen Atomkraft oder Fremdenfeindlichkeit. http://obamiconme.pastemagazine.com

GruSSkarten Fast jeder weiß, was eine E-Card ist. Der Hybrid aus konventioneller Postkarte und E-Mail wird vor allem von großen Online-Anbietern vertrieben. Man wählt ein Bildmotiv aus, kann dann einen Text dazu formulieren und an eine E-MailAdresse seiner Wahl schicken. Solche E-Cards werden immer dann häufig verschickt, wenn sie mit Witz gemacht sind und/oder für ein besonders wichtiges

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Anliegen sensibilisieren. E-Cards können mit sehr überschaubarem Aufwand programmiert und auf einer Website eingebunden werden. Die größte Herausforderung ist tatsächlich, den einen Einfall zu haben, der viele Menschen begeistert. Wenn das E-Card-System einmal steht, kann es immer wieder für neue Aktionen aktiviert werden. Eine spannende Möglichkeit auch für kleinere Gemeinwohlorganisationen.

Computerspiele Im Non-Profit-Bereich eher selten zur Anwendung kommt das Format Computerspiel. Werber und Marketingexperten erinnern sich noch immer wehmütig an den Hype, der um das Online-Spiel Moorhuhn entstand. Inhalt des Spieles ist eine 1 ½ minütige Jagd auf wehrlose Moorhühner. Das schlichte Spiel soll seit 1999 für einen nicht unerheblichen volkswirtschaftlichen Schaden verantwortlich sein, da viele Leute während der Arbeit auf Moorhuhnjagd gingen. Der Auftraggeber Johnnie Walker konnte sich über diese Publicity nur freuen. Weniger erfreut war hingegen der Deutsche Naturschutzbund, der das weitgehend sinnfreie Abschießen von Vögeln kritisierte. Die Konzeption und Realisierung eines solchen Spiels erfordert größere Ressourcen und ist nur für wirkliche Großorganisationen überhaupt realistisch. Ob Aufwand und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis stehen, sollte genau geprüft werden. http://www.moorhuhn.de

In der nächsten Ausgabe: Online- und Offline-Aktionen clever verbinden

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Bürgerstiftungen

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Im Themenheft Stiftungen will Enter den vielen Bürgerstiftungen ein Gesicht geben. Nach einem Aufruf an alle deutschen Bürgerstiftungen haben uns diese Bilder erreicht. Sie stehen für eine kreative, vielfältige Bürgerstiftungsbewegung, die wächst und wächst.

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1) Elke Stickel, Bürgerstiftung Remseck. 2) Dietmar Fütterer, Bürgerstiftung Heilbronn. 3) Klaus von Bock, Hohenstaufenstiftung. 4) Klara Unger, Hohenstaufenstiftung. 5) Leonhard Fromm, Hohenstaufenstiftung. 6) Joachim Mezger, Hohenstaufenstiftung. 7) Ulf-Arne von Trotha, Anke Humpeneder-Graf, Prof. Dr. Thomas Küffner, Bürgerstiftung Landshut. 8) Klaus Riegert, Hohenstaufenstiftung. 9) Klaus Fella, Ute Hirschfelder, Martin Böller, Bürgerstiftung Erlangen (©Bernd Böhner). 10) Christian Muellner, Bürgerstiftung Landkreis Starnberg. 11) Josef Dunkes, Vera Finn, Dr. Heinz Sperber, Bürgerstiftung Region Neumarkt. 12) Dr. Horst Baier, Bürgerstiftung Osnabrück. 13) Dr. Christian Weiser, Mathias Bauer, Joachim Weil, Ute Jürges, Peter Reus, Gertrud Löns, Jürgen Löns Bürgerstiftung Eppstein (©Eppsteiner Zeitung). 14) Stefanie Schindhelm, Bürgerstiftung Osnabrück. 15) Dr. Martin Engelhard, Bürgerstiftung Osnabrück. 16) Jens Schilling, Bürgerstiftung Köln. 17) Dr. Klaus Lang, Bürgerstiftung Osnabrück. 18) Inge Meier, Bürgerstiftung Region Neumarkt. 19) Vera Goebel, Bürgerstiftung Osnabrück. 20) Stefan Huskobla, Bürgerstiftung Osnabrück. 21) Karin Kaufmann, Hohenstaufenstiftung. 22) Justus Kindermann, Bürgerstiftung Baden-Baden. 23) Dirk Oelkers, Rüdiger Reyhn, Matthias Leonhardt, Elke Lahmann, Dr. Rainer Kallmann, Heinz Weitemeyer, Bürgerstiftung Göttingen. 24) Markus Prehn, Frank Lehmann, Margot Erbslöh, Dr. Gero Hattstein, Jörg Basfeld, Bürgerstiftung Krefeld. 25) Dr. Dietrich Birk, Hohenstaufenstiftung. 26) Nicole Razavi, Hohenstaufenstiftung. 27) Dr. Ludwig Arentz, Bürgerstiftung Köln. 28) Petra Krauter, Hohenstaufenstiftung. 29) Teil des Stiftungsrats, Bürgerstiftung Aichach. 41


Agenda

Tipps & Termine

11. Mai - 1. Juni

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Mit dem KOMPASS zeichnet der Bundesverband Deutscher Stiftungen herausragende Kommunikationsarbeit von Stiftungen aus. Noch bis zum 22. August können sich Kandidaten selbst bewerben oder vorgeschlagen werden. w w w . s t i f t u n g e n . o r g / k o m p a s s

E ngagementpreis Der Deutsche Engagementpreis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen im Gemeinwohlsektor. Noch bis zum 31. Juli kann jeder seine persönlichen Helden in verschiedenen Kategorien nominieren – seien es Persönlichkeiten, Projekte, Initiativen oder Institutionen. Der Publikumspreis ist mit 10.000 Euro dotiert. www.deutscher-engagementpreis.de

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Am 9. Juni 2011 sind Deutschlands GütesiegelBürgerstiftungen aufgerufen, sich und eines ihrer Projekte zu präsentieren. Das Ganze passiert nicht zentral, sondern dort, wo sich die Stiftung engagiert. Text und Fotos werden auf der Website der Initiative Bürgerstiftungen gezeigt. www.die-deutschen-buergerstiftungen.de

Am 17. Mai können gemeinnützige Projekte in München lernen, wie man Förderstiftungen erfolgreich anspricht, Kooperationen anstößt, Anträge formuliert oder sogar selbst eine Stiftung gründet. w w w . i b p r o . d e

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Impressum

www.entermagazin.de Die nächste Ausgabe erscheint am 2. Juni 2011.

Impressum Herausgeber: Uwe Amrhein Redaktion: Henrik Flor, Sebastian Esser Design: Markus Nowak, Supermarkt Studio Propststraße 1 10178 Berlin Telefon +49 / 30 24 08 31 53 Telefax +49 / 30 88 16 70 redaktion@entermagazin.de www.entermagazin.de ENTER erscheint in Kooperation mit der Stiftung Bürgermut.


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