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LAST VOICES Wir sagen Dankeschรถn und auf Wiedersehen!

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Hoffnungslos weicht der Mensch der Götterstärke, müßig sieht er seine Werke und bewundernd untergehen. Friedrich von Schiller, dt. Dichter und Philosoph (1759 - 1805)

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Die letzte nummer Liebe L‘s und V‘s, nach nun etwas mehr als fünfeinhalb Jahren geht die LV in den Ruhestand. Noch einmal betreten die Künstler des Untergrunds die Bühne und feiern das Wort. Langsam gehen dann später die Lichter an, der Raum leert sich und was bleibt, ist der Geruch von zahlreichen gelöschten Feuern und Tropfen von Hoffnung in den brüchigen Gläsern auf noch brüchigeren Tischen. Wir haben getan, was wir tun konnten, nun müssen neue Wege gegangen werden.

Stories / Essays / Poetry Penny Weiss Ivar Bahn Andreas Schumacher Susanne Haupt Maik Gerecke Benedikt Maria Kramer Jörg Herbig Urs Böke Andreas Balck Arnd Dünnebacke Marcus Mohr Johannes Fightestörk

Open Ending Kein Zurück Reiner Kleidermann Zwischen den Zeilen Ein Schlag ins Gesicht Dein Garten Gewalt beherrscht die Köpfe Atemnot Sex Bomb Eins für das süße Luder, das mir den Tag rettete 360° Törn Das Ende der verlorenen Stimmen

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Genießt den letzten Stoß ins Herz und vergesst nicht zu Schreiben!

Rainer Moritz

Besten Dank und festen Gruß,

Al Empfiehlt

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LV‘s

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MM (Herausgeber)

Auszug aus „Der fatale Glaube an das Glück“

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Coverphoto „Next Time Try The Train“ & last page photo „The Road West“ by Dorothea Lange

Alle Rechte der hier aufgeführten Werke liegen bei den jeweiligen Autoren, Fotografen/ Künstlern. All stories, poems and pictures in this magazine are owned by the writers and artist named in this issue.

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Fotos (Seite 6 & 13) von Takashi Ueki Herausgeber: Marc Mrosk, Kontakt: ElVau@gmx.de

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alle Ausgaben online unter www.issuu.com/elvau


OPEN ENDING von Penny Weiss Der Verkehrslärm von Hollywood dröhnt durch die geschlossenen Fenster herein, doch Clarice stört sich nicht daran. Sie schläft den Lärm einfach weg. Ich habe sie nach der Sängerinnen Clarice Vance benannt. Ich lasse ganz leise „I'm Afraid To Come Home in the Dark” laufen und sitze neben ihrem Bett. Der Mond wacht über uns und ich spüre immer noch diese Angst in mir. Angst, dass sie so aufwachsen könnte, wie ich es tat. Ihr Vater ging vor einem Monat nach Las Vegas, um dort nach Arbeit zu suchen. Er sagte, dass wir dort bessere Chancen hätten einen Fuß auf den Boden zu bekommen, doch ich habe seitdem nichts mehr von ihm gehört. Ich rede mir immer ein, dass er bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, doch wir beide wissen, dass das nicht stimmt. Manche einsamen Nächte fallen mir schwer. Ich komme von der Spätschicht nach Hause und Claire schläft dann immer schon. Ich gebe ihr einen letzten Kuss und sage ihr, dass morgen unser Tag werden würde. Eine Nachbarin, ihr Name ist Madison, passt auf Clarice auf wenn ich am arbeiten bin. Vor ein paar Tagen bin ich schon früher aufgebrochen, besorgte mir zwei Flaschen billigen Wein und fuhr runter zum Strand. Ich blickte über den Ozean und fing an zu trinken. Ich sah mich in den Wellen kämpfen und dann wenige Minuten später dahinsinken wie ein Stein. Aber ich trank nicht beide Flaschen leer und ich ging auch nichts ins Wasser. Ich rauchte eine Zigarette, legte mich zum Entspannen auf den Sand und ging dann zur Arbeit. Mein Chef roch meine Alkoholfahne und stellte mich zur Rede. Ich kam mir ziemlich bescheuert vor. Ich aß einen Kaugummi und servierte weiter. Ich sagte ihm, ich hätte zum Geburtstag meiner Nachbarin ein Gläschen getrunken. Er beließ es bei einer Verwarnung. Später rauchte ich mit Esmeralda draußen eine Zigarette und trank einen Milkshake. „Bald bin ich hier weg“, tönte sie. Manchmal meinte sie mit „hier“ nur das Restaurant und manchmal die ganze Stadt. Ich dachte viel über das Leben nach. Ich möchte an den Abenden mit Clarice am Esstisch in der Küche sitzen und dann würden wir über Gott und die Welt reden, sie mit ihrer kindlichen Naivität und ich mit meinem halberwachsenen Sarkasmus und beide hätten wir unseren Spaß daran. Seit Clarice bei mir ist, sehe ich die Zukunft mit anderen Augen. Es ist ein Monster, dass wir besiegen müssen, komme was da wolle. Ich lese ihr ganz oft Gedichte von Emily Dickinson vor und das, was ich besonders mag geht so: If I can stop one heart from breaking, I shall not live in vain; If I can ease one life the aching, Or cool one pain, Or help one fainting robin Unto his nest again, I shall not live in vain. Oh Baby, wehe ich sehe dich irgendwann mit zwei Flaschen Wein am Strand stehen. (Der letzte Satz ist von mir!)

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KEIN ZURÜCK von Ivar Bahn Als er, Johann - der immer gern „John“ gewesen wäre, sich jedoch mit „Jo“ begnügen musste, aus dem später „YoYo“ geworden ist, bevor er für niemanden gar nichts mehr war - seine Knochen mit diversen Jobs ruiniert hatte, konnte er sich noch eine Weile mit Samenspenden über Wasser halten, und er hat bei reichen, älteren Damen nackt geputzt. Na, und manchmal nicht nur das. Ehrlich gesagt, ganz schön oft nicht nur das. Apropos, schade, dass es nie zu jüngeren Reichen gereicht hat. Oder überhaupt zu Jüngeren. Jedenfalls waren die nicht knausrig gewesen. Aber er hat sich kein Stammpublikum erarbeiten können. Einige sind weggestorben, und es sind keine hinzu gekommen. Was an seiner mangelhaften Öffentlichkeitsarbeit lag. Wenn etwas nicht ein bisschen von allein ging, ließ er es schnell sein und wartete auf eine nächste Gelegenheit. Er fing viel an, doch er wurde dann träger, hockte mehr und mehr zu Hause herum, nahm an Gewicht zu und erschlaffte. Dabei hatte er bis zu seinem Fünfunddreißigsten nicht nur überschüssiges Sperma verkauft, er war auch ein ziemlich guter Ringer gewesen; Vizemeister. Auf Kreisebene. Aber Löffel wie ein Profi; knorpellos. Im Fernsehen entdeckte er das Pokern. Das gefiel ihm, herum sitzen und Geld damit Anzeige machen können. Er probierte es, gewann anfangs gleich ein Riesending und paar kleinere Sachen, hob gleich kräftig ab, wurde dann aber bald nach unten durchgereicht. Machte nur noch Miese. Viel zu lange, weil er meinte, der nächste große Wurf kommt demnächst. Doch der kam nicht, jedenfalls nicht in der Zeit, in der er hätte kommen müssen. Und er fand, auch die war gegen ihn. Inzwischen. Du musst die Technik verfeinern, riet ihm der noch verbliebene Kumpel, nicht immer gleich das Revier wechseln. Doch das prallte an „YoYo“ ab. Er stieg aufs Pferdewetten um, aber das war wirkliche Arbeit. Sich ständig hinter den Kulissen herumzutreiben, Formkurven von Jockeys und Gäulen zu studieren, einschlägige Fachjournale zu wälzen, das war nicht sein Ding. So versuchte er es mit Lotto. Zwei Mal die Woche hing er deswegen vor der Glotze und fieberte ehrlich mit bei der „Ziehung der Gewinnzahlen“. Er wichste jetzt schon, wenn er nur einen Dreier hatte, was nicht hieß, dass er das sonst nicht tat. Irgend ein Arsch wackelte nämlich immer auf irgend einem Kanal. Und jedes Jahr kamen welche hinzu. Kanäle. Und Ärsche. „YoYo“, jetzt nur noch „Yo“ (nein, nicht „Jo“, „Yo“-alles klar?) wechselte die Zahlen nicht. Es waren welche, die mit seinen Daten zu tun hatten. Doch bald langweilten ihn diese kleinen Gewinne, die nicht mal einen Bruchteil der Ausgaben reinholten. Aber zum Glück zog sich grad eine aus da in der Röhre und er zog mit. Er fing an zu trinken. Zuerst auch nur Kleine. Er besorgte sie sich anfangs in verschiedenen Läden; kleine Flachmänner, was es zwar teurer machte, aber auch unauffälliger. Doch je mehr er sich gehen ließ, desto weniger kümmerte er sich um das Verwischen der Spuren. Irgendwann ließ er sich das Zeug von dem vitalen Rentner, der auch auf der Etage wohnte, mitbringen. 5 Er fand seinen Rhythmus, Viervierteltakt. Er grub ihn sozusagen wieder aus; A-wopbop-a-loo-lop a-lop-bam-boo Tutti Frutti. Drei Tage trinken, am vierten mal schauen,


was der Kerl noch so hergibt. Und dann von vorn das Ganze. Was früher anders herum gelaufen war. Er pegelte sich also aufs Trinkwichsen ein, seine Wortschöpfung übrigens, die jenes Wichstrinken, auch von ihm, ablöste. Kreativer Junge, nicht? Er wurde richtig fett, und ihm tat schon vom Sitzen alles weh, so dass er tagsüber auch schon mal ein paar Stündchen lag, den Fernseher im Anschlag. Er erholte sich nicht mehr beim Schlafen. Träume hatte er zuletzt als Kind gehabt. Sogar schöne. Aber auch schlimme. Jetzt kamen sie wieder. Nur die schlimmen. Er musste nachts aufstehen und herumgehen, lange gehen, um dann hoffen zu können, dass sie nicht wieder kamen. Aber sie kamen wieder. Ganz regelmäßig. Bei einem seiner selten gewordenen Gänge nach draußen, wo ihm schon im Treppenhaus, beim Runtergehen also, die Atmung Schwierigkeiten machte, sah er auf der anderen Seite der Straße eine, die er kannte. Er überlegte lange. Selbst als er schon in diesem Lottoladen fertig war mit dem Ausfüllen des Scheines, überlegte er noch, wer das gewesen sein könnte. Es fiel ihm nicht ein. Und jeder konnte zusehen, welche Schwerstarbeit sein Kopf dabei leistete. Zu Hause dann, beim Hand anlegen, Viertel vor also, dämmerte es ihm. Als Sechzehnjähriger hatte er wegen ihr damit angefangen. Und es gleich ganz schön übertrieben. Richtig wund war er manchmal geworden davon. Damals hatte es nur etwas gerochen, danach. Heute stank er wie ein alter Bock, vorher schon. Und als er fertig war damit und sie dabei als junges Ding von einst vor Augen gehabt hatte, und er gleich noch mit dem zweiten Mal anfing, stellte er fest, das es das einzige Gebiet geblieben ist – neben seiner noch feuchteren Dreiviertelvorliebe –, auf dem er sich Kontinuität nachsagen lassen konnte. Blieb nur die Frage, von wem?

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REINER KLEIDERMANN von Andreas Schumacher Ein Milieuroman in zehn Kapiteln 1 Reiner brockt sich eine Suppe ein «Beikoch in einer Gulaschküche?», fragte Frau Pelzig Herrn Reiner Kleidermann, der sich vollkommen betrunken im Stuhl des Beratungszimmers fläzte. «Äh, nöö, nöö», druckste dieser herum, «äh, viel zu warm.» «Hm, schön», sagte Frau Pelzig, «Wie Sie wollen, kein Problem. Ich hätte da auch was in einer Eisdiele.» «Nee, nee, nee», stotterte Reiner, «viel zu, äh … kalt.» Mein Gott, war das heute wieder simpel! «Sie sind mir einer!», antwortete die Sachbearbeiterin. «Aber Sie haben Glück. Hier, hören Sie mal: „Testperson für Klimaanlagen-Entwicklung gesucht. Anlagen praktisch fertig, keine Erkältungsgefahr, angenehmes Arbeitsklima“ Da passt alles! Ein solches Angebot können Sie unmöglich ausschlagen.» Reiner begann zu schwitzen. «Ich aa ... bin aa ... -llergisch gegen aa ... -Klimaanlagen!» Herr im Himmel, was faselte er da! «Schön, schön – man lernt doch immer wieder neues über Sie. Dann bringen Sie mir bitte ein ärztliches Attest», antwortete Pelzig völlig cool. «Ich empfehle Ihnen Herrn Dr. Neumann.» Da hatte sich Kleidermann aber ganz schön die Finger verbrannt. Ein ATTEST! Eiskalt lief’s ihm den Rücken runter ... 2 Reiner und das Attest «Sie wollten mir heute ein Attest vorlegen, Herr Kleidermann», konstatierte Frau Pelzig leicht gereizt. «Wass?», fragte Reiner Kleidermann, der aus Angst vor dem heutigen Termin die ganze Nacht durchgesoffen hatte, gespielt überrascht. «Ihre Allergie gegen Klimaanlagen», erklärte Pelzig. «Es wären noch immer einige Stellen als Klimaanlagen-Proband frei.» «Aha, okay, jaja, soso», schwadronierte Reiner, «ich äää erinner’ mich, nun gut’äää, dieses Attest ä ja, es war mir lei’r nich’ möglich, es äa einzuholn, jawoll ja.» Mann, da hatte er aber einen Sack Kohlen im Feuer! «Wieso das denn? Sie hatten doch wahrhaftig vier Wochen Zeit, einen Allergologen aufzusuchen!» «Habbich, habbich, Frau Pelzich. Der ää Allergellogge hatte aba zufälligaweise einä Klimaanlage im Wartezimmer. Ich bin äh während des Wartens äh – umgekippt. War glatt bewusstlos. Da konn’ ich kein’ä Nachweis holen.» «Sie Armer!» frotzelte Pelzig, «Ich bräuchte dann allerdings eine schriftliche Benachrichtigung des Herrn Allergologen oder sonst eines Arztes, der mir diese ihre kleine Geschichte bestätigt.» 3 Reiner hat Glück mit dem Attest 7 «Eine wahre Tragödie, das mit Dr. Neumann», sagte Frau Pelzig, Reiners Sachbearbeiterin, mit brüchiger Stimme, als sie ihm, der gerade einen alten Freund zu


einem Beratungstermin begleitete, zufällig auf dem Flur der Arbeitsagentur begegnete. Reiner starrte sie aus flackernden Augen an. «Sein Tod kam für uns alle überraschend», fuhr Frau Pelzig seufzend fort. «Er war ohne jeden Zweifel der renommierteste Allergologe weit und breit. Nächstes Jahr hätte er den Ruhestand erreicht.» Ogottogott – das Attest von diesem Allergologiker, daran hatte er überhaupt gar nicht mehr gedacht, seit er vor einigen Tagen aus seinem zweiundzwanzigstündigen Entgiftungsschlaf erwacht war. «Wenigstens brauchen Sie nun nicht zu einem anderen Allergologen gehen, die Sache mit den Klimaanlagentests hat sich ohnehin erledigt, ihr Klimaanlagenallergienachweis damit auch.» Die Klimaanlagenfabrik war abgebrannt. 4 Reiner, caught in the act Reiner betrat das Arbeitsamt, und steuerte schnurstracks auf den Toilettenbereich zu. In einer Kabine zog er den Flachmann aus seiner Brusttasche, drehte den Verschluss auf, und sah auf seine Armbanduhr. Er zählte die Sekunden herunter. So ... ja ... gleich ... zack: Punkt Elf, die Verspätung war geschafft! Darauf einen Schluck! «Herrgott Sakrament!», fluchte Reiner, und knallte den leer gelaufenen Flachmann gegen die Wand, dass er zerbrach. Der gute Weinbrand auf den Kacheln des Toilettenbodens, kein rettender Strohhalm in Reichweite, und nicht einen lausigen Cent als Notgroschen in der Tasche, jetzt war guter Rat wahrlich teuer! «Warum denn „ausgeschlossen“, als zweiter Ladendetektiv bei Penny, gleich hier um die Ecke, das wär doch was, Sie kennen sich aus in der Szene!», beharrte Frau Pelzig, als Reiner gegen halb zwölf Uhr in ihrem Büro saß, und den Kopf schüttelte. «Hättichwirklichgern’emacht», lallte Reiner. «Genau da’ab’ich’abba’Hausväbot seit paar Minuten.» «Was für ein dummer Zufall», sagte Frau Pelzig, die ihm diese Geschichte glatt abnahm. «Was für ein Glücksgriff», dachte Reiner, und tätschelte das leere Fläschchen an seiner Brust, das er, unter den wachsamen Augen seines beinahigen Neu-Kollegen, sich mitten im Laden, vielmehr dort sich heimlich in ein Eck drückend, einverleibt hatte, und das er dann, nach einem im Schnellverfahren schriftlich fixierten Vollgeständnis, dank des überaus liebenswürdigen Herrn von der Polizei als Andenken an den vermeintlichen Fehltritt hatte behalten dürfen. 5 Reiner in der Unterwelt «Schon mal als Leichenwäscher gearbeitet?», fragte Frau Pelzig, während Reiner, dessen Gedärme noch immer schwer mit der halben Flasche Magenbitter kämpften, sich in ein löchriges Papiertaschentuch schnäuzte. «Wiessu Wäscher? Sie kenn’ doch mein’Leben’slauf», lallte Reiner herausfordernd, ehe draußen im Gang irgendeine Wahnsinnige «Geld-re-GIER-t-die-Welt!» herausbrüllte. «Hätte ja sein können, schwarz oder so, rein theoretisch ...» Frau Pelzig durchforstete ihre Akten. Reiner war speiübel. Alles drehte sich im Kreis.

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Schwarz?un’Geld’un’Welt’un’Wäscher? Ah ja, jetzt hatte er verstanden: Schwarzgeldwäscher in der Unterwelt! «Äh nöö, kein’In’tresse», stotterte Reiner, der sich weniger über diese neue ABMaßnahme wunderte als über das düstere Bild, das Frau Pelzig wieder einmal von ihm malte. 6 Reiner, Wiederholungstäter «Könn’ Sie mia nich’ einfach irg’n’ein’n Job in eina Schnabbsbrennarei besorgen?», fragte Reiner mit aufrichtigem Interesse. «Herr Kleidermann, Sie wissen ganz genau, dass wir Sie schon vor langer Zeit sowohl an eine Schnapsbrennerei als auch an eine Bierbrauerei vermittelt haben ...» «Wass?», rief Reiner entgeistert. «Daran kann’ich’mich gar nich’m’errinern! Weswegen sit’zich dann hia, und bin arbeisslos?» «Weil man Ihnen nach einem Tag – oder, soweit ich informiert bin – nach einer halben Stunde gekündigt hat.» «Wie? Hab’ich’denn’nich alles gegeben, oda wass?» Frau Pelzig lachte laut auf. «Oh doch, Herr Kleidermann, Sie haben alles gegeben, wahrhaftig, siebzehn Kisten Bier, beziehungsweise fünfzig Flaschen Schnaps, durchs Kantinenfenster, an Ihre Trinkerfreunde, die Ihnen im Schlepptau gefolgt waren ...» 7 Reiner nimmt an «Heute habe ich ein Angebot, das Sie auf gar keinen Fall ablehnen können, Herr Kleidermann», sagte Frau Pelzig, die Sachbearbeiterin, während Reiner gerade darüber nachdachte, ob er die ihm verbliebenen 5,08 Euro in einen Liter Billig-Whisky oder in einen Kasten Billig-Bier investieren sollte. «Wass?», fragte er geistesabwesend. «Ein sehr seriöser Autorenfilmer möchte einen Dokumentarfilm über einen arbeitswilligen Langzeitarbeitslosen drehen», erklärte Frau Pelzig begeistert. «Für die 1-2 Jahre Drehdauer wären Sie offiziell als Kleinkünstler/Schauspieler gemeldet, und bekämen ein richtiges Aufstockergehalt.» «Is’ nix für mich», lallte Reiner entschieden. «Sie würden bei dem Projekt sogar 500 Euro Vorschuss bekommen.» «Bin dabei!», rief Reiner, der längst vergessen hatte, worum es bei diesem Projekt eigentlich ging. «Vorschuss heißt Schampus», dachte Reiner, und lächelte. 8 Reiner und der Schampus «Jetzt erklären Sie mir aber mal, warum genau die Sache mit dem Dokumentarfilm nicht funktioniert hat, Herr Kleidermann», sagte Frau Pelzig, die Sachbearbeiterin, während Reiner, ihr langjähriger Klient, mit einem hartnäckig wiederkehrenden sauren Aufstoßen rang. «Mittlerweile», ergänzte sie verbittert, «hat der Filmemacher einen anderen Arbeitslosen unter Vertrag genommen», «Ich äh», begann Reiner, der sich sehr genau an jenen Tag erinnerte, an dem ihm die Sekretärin des Filmemachers 500 Euro ausgehändigt hatte, «habbe den Vorschuss 9 erst mal komplett in Schampus angelegt.»


«Sie sind doch wahnsinnig! Und dann?», fragte Frau Pelzig. «Was dann? Die tüppesche Hollywuttkarrieren’Endsta’tsjon natürlich, daa’Aaalk – in Form von hunnat Flaschen Schampus. Ich ääh vertragge abba keinä hunnat Flaschen Scham’pus, und also musste ich das Pro’jekt an Tag 1 lei’r abb’rechn.» «Okay, das klingt authentisch», stöhnte Frau Pelzig. 9 Reiner von der starken Seite «Herr Kleidermann, wenn ich mich recht erinnere, haben Sie mir vor einiger Zeit auf mehrfache Nachfrage hin ein Attest vorgelegt, das besagte, Sie seien nicht im Stande, Gegenstände mit einem Gewicht von fünf oder mehr Kilogramm zu lupfen.» Frau Pelzig liebte ihren Job als Sachbearbeiterin beim Arbeitsamt. Reiner, der Trinker, nickte wortlos. «Zufälligerweise», fuhr Frau Pelzig fort, «habe ich gestern Vormittag gegen 11:45 Uhr von meinem Bürofenster aus beobachtet, wie Sie einen Kasten – einen vollen Kasten – Bier höchstwahrscheinlich vom nebenan liegenden Spar-Markt in Richtung Stadtpark schleppten. Ein solcher Kasten wiegt mindestens fünfzehn Kilo, und Sie schienen dabei nicht einmal ansatzweise zu schwitzen. Wie erklären Sie sich diesen mysteriösen Sachverhalt?» «Ja, äh, freilich», stammelte Reiner, «abba’das geht nur – NUR – mit BIERKÄSTEN! Der Anblick, äh das Berühren eines Bierkastens verleiht mir äh bierische Kräfte ...» 10 Reiner kommt ins Paradies Reiner traute seinen Augen nicht. Stand da wirklich eine volle Flasche Sekt auf dem Schreibtisch von Frau Pelzig, seiner Sachbearbeiterin? «Ja, lächeln Sie ruhig, Herr Kleidermann», sagte Frau Pelzig strahlend, «denn heute werde ich Sie nach sieben langen Jahren endlich und endgültig in ein geregeltes Beschäftigungsverhältnis hinein vermitteln. Wir werden gleich eine Flasche Sekt aufmachen, und darauf anstoßen.» Reiner wusste zwar nicht, worauf sie hinauswollte, lächelte aber bei Frau Pelzigs letzten Worten. «Es handelt sich», erklärte Frau Pelzig euphorisiert, «um eine Stelle als Qualitätsprüfer bei einem großen, renommierten Spirituosenvertrieb. Das Unternehmen testet derzeit», sie sah in ihrem Ordner nach, «etwa 127500 verschiedene Alkoholika, vom billigsten Billig-Bier bis zum edelsten Edel-Whisky.» Reiner kippte bewusstlos vom Stuhl. Da nahm die Zeit der Kleidermannschen Arbeitslosigkeit in der Tat ein Ende, die Akte Reiner Kleidermann wurde geschlossen, und dieser lebte noch lange glücklich und zufrieden (bis er von einem alkoholisierten 14-jährigen Schwarzfahrer mit einem Großraum-Van über den Haufen gerast wurde) als ein von Kollegen und Vorgesetzten allseits geschätzter und anerkannter Qualitätsprüfer in einem renommierten Spirituosenvertrieb.

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ZWISCHEN DEN ZEILEN von Susanne Haupt Als ich etwa zehn Jahre alt war fand ich im Bücherschrank meines Vater „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ von Gabriel García Márquez. Ich verstand es natürlich nicht, dennoch faszinierten mich all die vielen Wörter, die mir den Weg in eine fremde Welt aufzeigten und einfach so ganz anders waren als das, was ich bisher in meinem jungen Leben gelesen hatte. Genauso wie Isabel Allendes „Geisterhaus“, welches ich kurze Zeit später las. Ich erinnere mich bis heute an die detaillierte Beschreibung der Einbalsamierung der jungen Rosa und mir lief ein kalter Schauer den Rücken herunter. Noch heute, wenn ich südamerikanische Schriftsteller lese (egal ob Márquez oder Vargas Llosa) färbt sich in mir alles dunkelgrün. Wenn ich tief in mich hineinblicke sehe ich Wälder voller dunkelgrüner Blätter und Farnen. Vielleicht liegt es an der damaligen Ausgabe von „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ aus den 1980ern auf deren Cover die Farbe Grün – wenn auch wesentlich heller als in mir – dominiert und auch ein Blattwerk abbildet. Nach diesen ersten beiden glücklichen Griffen in den väterlichen Bücherschrank widmete ich mich einem weiteren Autoren daraus: Ernest Hemingway. Harter Stoff für eine 11-Jährige, aber genauso wie der Einband der „Wem die Stunde schlägt“-Ausgabe meines Vaters färbt sich auch meine Seele bei der Lektüre von Hemingway stets in ein warmes und starkes Lederbraun gepaart mit sandigen Tönen. Noch heute, wenn ich dieses Buch in den Händen halte, spüre ich den Sand zwischen meinen Fingern hindurchrieseln. Hemingway war auf jeden Fall der Grund warum ich eine leichte Leidenschaft für Kriegsromane entwickelte. Im Alter von etwa 14 las ich deswegen auf den Rat meines Vaters unter anderem Remarques „Drei Kameraden“. Als ich fast zwölf Jahre alt war verbrachte ich den Sommer einmal mehr im südfranzösischen Saint-Raphaël . Da die wirklich guten Bücher aus der familiären Literatur-Reisekiste schon vergriffen war stürzte ich mich auf die B-Liste: erst „Die Firma“ von John Grisham (ich beschloss niemals Anwältin zu werden) und anschließend eine Leseprobe von Rosamunde Pilchers Roman „Im Wechselspiel der Liebe“. Zwar sprach mich Pilcher mit ihrer Geschichte rund um Rosa und Flora nicht an, allerdings empfand ich ihre Beschreibungen der Umgebung von Cornwall als sehr ansprechend. Seit ihren Umschreibungen färbe ich mich stets hellblau und blassgrün mit massiven Stein wenn ich Romane mit britischen Schauplätzen lese. Außer bei Sherlock Holmes, da ist alles dunkelbraun und asphaltgrau und fühlt sich an wie Holzkohle. Aber selbst bei Julian Barnes Roman „Sense of an Ending“ zerfloss meine Seele in Pilcher-Farben, wenn auch nicht ganz so pastell wie damals mit elf Jahren, aber diese Lektüre prägt mich bis heute. Als ich die Mittelstufe erreichte – ich war nun stolze 12 – bekamen wir ein Lesebuch in dem wir allerdings nur sehr wenig lasen und uns auch keinerlei Gedichte vornahmen. Dennoch stöberte ich in diesem Buch herum und fand zwei für mich bedeutende lyrische Werke, deren Zeilen und Autoren bis heute eine Heimat in meinem Gedächtnis haben. Zum einen „Augen in der Großstadt“ von Kurt Tucholsky und „My own Song“ von Ernst Jandl. Tucholsky durchbrach mit seinem Gedicht ein Stück weit die Isolation in der ich mich gefangen fühlte. Ernst Jandl hingegen fing mit seinem Gedicht perfekt meinem pubertären Trotz auf. Beide Gedichte schrieb ich damals in meinen Schüler- 11 kalender hinein, den ich bis heute aufgehoben habe. Mit etwa 16 Jahren – nachdem alle Versuche meine Deutschlehrerin zum wirklichen


Literaturunterricht zu bewegen scheiterten – las ich Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. Auf der Toilette sitzend und ich kann nur sagen, dass ich in meinem ganzen Leben nie wieder solange auf der Toilette saß denn ich kam erst herunter, als ich das Stück zu Ende gelesen hatte. Max Frischs Werke haben stets einen blauen oder schwarzen Einband und das Blau symbolisiert für mich Frischs klare Sprache in der er seine Werke verfasste. Kurze Zeit später schenkte mir mein Vater seine Schul-Ausgabe von „Homo Faber“ und noch heute streiche ich sanft über die kleinen Bleistiftmarkierungen an den Seitenrändern. Wenig später folgten sämtliche noch vorhandenen Reclam-Hefte von ihm und meinem Großvater und zum 18 Geburtstag schenkte er mir einen Band mit den beliebtesten Gedichten der deutschen Literaturgeschichte mit dem Hinweis darauf, dass er hoffe, dass mir das ein oder andere seinen Dienst erweisen könne. Dieses kleine Büchlein hat seitdem einen ganz besonderen Platz, denn nie zuvor erhielt ich ein so persönliches und gleichzeitig intimes Geschenk von ihm. Etwa zur gleichen Zeit als ich Max Frisch für mich entdeckte trat auch Franz Kafka in mein Leben. Wenn ich Kafka lese ist alles schwarz-weiß, aber nicht, weil ich ihn so fürchterlich deprimierend finde, sondern einfach, weil ich mir die Welt von Kafka nicht farbig vorstellen kann. Kafka holte aus mir auch den Sammler hervor und meine Lust mich noch intensiver mit der Analyse von Literatur zu beschäftigen. Ich schrieb Abhandlungen über den Unterschied von Sophokles Antigone zu Anouilhs Antigone. Ich las die Odyssee von Homer und Ulysses von James Joyce und profitierte vom Wissen meines Vaters über diverse Mythologien. Ich las alles von Büchner und schaute mir auch die Verfilmung von „Woyczek“ mit Kinski an. Medea – das nicht gerade zu einer meiner Lieblingsstücke zählt – las ich sowohl in der Version von Euripides und auch die Roman-Fassung von Christa Wolf. Ich gab Ovid und Seneca ihren Platz und belegte Latein um auch mit den ursprünglichen Texten arbeiten zu können. Ich las Schiller und Goethe, Nietzsche, Brecht und Döblin. Ich suchte nach neuen geistigen Spielplätzen und lies mir „On the road“ von Kerouac und „The Electric Kool-Aid Acid Test“ von Wolfe in die Hände fallen. Ich ging über Ginsberg und William S. Burroughs bis hin zu Diana di Prima und mein Vater lieh mir passend dazu seine Jazz-Platten aus. Ich las Charles Bukowski und wollte Postbotin werden. Ich verkroch mich in die Ecke mit John Niven und Frederic Beigbeder. Ich las Sartre zu spät und Hesse ebenso. Und auch für „The Catcher in the Rye“ war ich ein paar Jahre zu spät dran sodass ich es zwar mochte, es mich jedoch nicht mehr so berührte wie manch anderen mit vielleicht 15 oder 16 Jahren. Ich verliebte mich in die rauen und desillusionierten Töne von Willy Vlautin und lag einen ganzen Tag auf einer Wiese um Barnes zu lesen. Mancher Roman von amerikanischen Schriftstellern löst neonfarbene Leuchtreklame in mir aus, manch anderer – wie beispielsweise „Open City“ von Teju Cole – läuft wie ein Film im Stil einer Graphik Novel in mir ab. Ich spüre die Palmen im Wind wehen wenn ich Don Winslow lese und jeder französische Roman ist entweder kirschrot oder lavendelfarben, sie alle riechen nach frischen Kaffee. Belgische sind immer im zarten Rosa gefasst, wie die von Madeleine Bourdouxhe. Ich verbrachte mit J.S.F's „Extremely loud and incredibly close“ einen ganzen Tag auf dem Bett und weinte durchsichtig. Ich schrieb auf meine Seite im Abi-Jahrbuch das Zitat von Charles Baudelaire: „Jeder gesunde Mensch kann zwei Tage lang auf Essen verzichten, aber niemals auf Poesie“. Ein Tag ohne die geliebte Literatur ist für mich undenkbar geworden und in so manchen Situationen war sie mein letztes 12 Rettungsseil. Wie an jenem trüben und traurigen Novembertag als ich allein am großen Friedhofstor stand und daran dachte wie mein Vater einst mit einem Glas Rum in der Hand über die Kreuzsymbolik in Homo Faber sprach.


EIN SCHLAG INS GESICHT von Maik Gerecke Er wollte Ärger. Wollte Stress. Keine Frage. »Hast du Hurensohn gesagt? Ich schwöre, er hat Hurensohn gesagt.« Die Zeit gefror in dem Moment, da ich wusste: es gibt kein Zurück mehr. Die Welt wurde zu einem großen Jetzt. Randvoll mit Angst. Ich bin 16 und bis heute immer gut davongekommen. Was hatte ich immer Angst vor diesen umherstreifenden urbanen Rudeln. In dieser abartigen Gegend voller unverstandenem Elend. Und jetzt hat mich eines von ihnen erwählt. Zur Beute gemacht. Gleich, denke ich, gleich erfährst du einen Schmerz, der größer ist, als alles, was du je gespürt hast. Seine Augen leuchten vor Freude. Seine Freunde halten sich zurück, lassen ihm den Vortritt. Er kommt auf mich zu, sagt: »Ob du Hurensohn gesagt hast!« und ich hebe schlichtend die Hände, schüttele den Kopf. Verneine. Nein, nein, hab ich nicht. Bitte! Aber nichts zu machen. Er ist ein langer, schlaksiger Kerl. Stadtbekannt. Mit jedem Schritt, den er auf mich zu macht, schießt mehr und mehr Adrenalin durch mich hindurch. Verändert die Welt um mich herum. Und als er dann direkt vor mir steht, hebt er die Faust, holt aus und ich nehme sie nur noch in Zeitlupe wahr. Unsere Körper berühren sich! Seine Faust auf meiner weichen Wange. Für Sekundenbruchteile schweigt die Welt und ich spüre, wie sie durch mein Gesicht fährt, seine Faust, und – komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Denn es hat nicht wehgetan!

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Völlig verdutzt stehe ich da. Sehe ihn an. Begreife nicht und frage mich: Warum? Warum tut es nicht weh? Er sieht mich an, wartet auf meine Reaktion, aber ich gaffe nur. Sehe Jahre alte Illusionen sterben. Elendig verrecken. Und auf ihren Leichen erblüht, wie auf Kompost, das zarte Pflänzchen der Neugier. Er wartet. Und als könne er mir meinen Sinneswandel von den Augen ablesen, verändert sich der Ausdruck in seinem Gesicht. Das Lächeln verschwindet. Und seine Rückversicherung, seine Freunde, Allheilmittel gegen die Feigheit, beobachten mich. Keine Frage – wenn ich mich wehre, dann wird das hier ein Drei-Gegen-Einen. Aber wie gerne würde ich diesen Weg jetzt weiter beschreiten. Nur wir zwei. Komm, lass uns gemeinsam Nähe erleben! In diesem Bewusstseinszustand gleicht jeder Schlag einer zärtlichen Berührung. Und Nähe – das weißt du genau so gut, wie ich – ist in dieser Gegend doch so selten. Also? Was jetzt? Aber er – winkt einfach ab! Dreht sich um. Geht. Seine Freunde folgen ihm. Und er lässt mich da stehen. Mit meiner neuen Erkenntnis. Dem Samen, den er in mir gesät hat. Verlässt mich. Lässt mich einfach allein. Und während er geht kehrt die Zeit zu mir zurück. Ganz langsam. Holt mich zurück in die grauenvolle Welt, die in ihr ist, war und sein wird. Anzeige

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DEIN GARTEN (Benedikt Maria Kramer) Du hattest einen Garten und ein Gemüsebeet Die Hecke war gerade der Rasen war gemäht Im Frühling gabs Radieschen im Sommer grünen Klee Im Herbst fielen die Äpfel und im Winter fiel viel Schnee Der Boden war sehr fruchtbar Gott gab ihm seinen Segen Tomaten, Kohl und Knoblauch ein wahrer Garten Eden Auch du kamst aus der Erde doch nun kehrst du zurück Infarkt mit 58 du hattest wohl kein Glück Du liegst in deiner Grube geschminkt wie geile Tunten im Frühling gibts Radieschen du siehst sie von unten Wer pflegt jetzt das Beet und wer recht jetzt das Laub dein Garten geht zugrunde und du zerfällst zu Staub (Vertont von Das Ding & Alfredo Garcia, Dezember 2010)

GEWALT BEHERRSCHT DIE KÖPFE (Jörg Herbig) So friedlich der Sitznachbar im Bus auch scheinen mag, so bestialisch sind möglicherweise seine Folter-, Vergewaltigungsund Mordphantasien, die ihm genau in diesem Moment durch den Kopf gehen. Das unbewusste Zucken seiner Mundwinkel könnte ein Lächeln sein; wer weiß, was er sich gerade vorstellt: Vielleicht stopft er einem lesenden Fahrgast soeben dessen Bild-Zeitung bis tief in den Rachen, nur weil er selbst die Bild-Zeitung hasst. Oder er schneidet einer Frau, die ihn an seine Ex-Freundin erinnert, mit einem Teppich-Messer die Nase ab. Keiner bleibt verschont: Mindestens ein Mensch hat auch Ihnen schon einmal insgeheim den Tod gewünscht. Frust, Wut, Langeweile münden nicht selten im Wunsch nach Zerstörung, Quälerei, Exekution. Selbst eine Verwaltungsangestellte, die für ihre fröhliche Art bekannt ist, träumt nicht nur in Rosarot, auch sie hat gelegentlich blutgetränkte Tagträume, wie beispielsweise den vom silbernen Brieföffner, den sie bis zum Anschlag ins schielende Auge ihres Vorgesetzten rammt…

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ATEMNOT (Urs Böke) Die Luft ist nicht zum Atmen hier im Norden der Stadt grenzen Bottrop und Oberhausen wie Spinnweben an meinen Körper die Kneipen heißen Donnerwetter und werden nur noch von Junkies und Rechtsnationalen frequentiert dieser Himmel hier im Norden gebiert keine Farben hier ist Grau die einzige Entdeckung der Sinne Das Bier macht dich nicht glücklich (aber besoffen) alle Menschen die du seit Jahren vermißt sind bereits tot oder lümmeln verkorkst am Hauptbahnhof das Bier macht dich nicht glücklich (aber besoffen) jeden Tag ab 13 Uhr

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Gibt es die Alpträume die du so magst kranke Geschichten von Liebe und Haß auf die Menschheit auf alles was sich auf zwei Beinen bewegt zwei Beine die du nicht mehr auslöschen kannst aus deinem Lückengedächtnis zwei Beine die ihre sind für die du sterben würdest aber (vom Bier bist du besoffen) sie lassen dich nicht Die Luft ist nicht zum Atmen gestern der Anruf wiederholte sich heute ich werde nicht für die Antifa lesen ich hasse Benefiz wer sammelt für mich und meine ausgesetzten Traumphantasien? Das Klo ist verstopft seitdem du zu Besuch warst ich pisse in PunicaFlaschen und denke nach darüber wo ich meine Scheiße lassen soll die Luft ist nicht zum Atmen was steckt noch in mir drin kein Bier das tatsächlich noch schmeckt (es ist Routine) was sollte ich sonst tun mit meiner 16 Torschlußpanik die Luft hier im Norden ist nicht zum Atmen ich ersticke daran.


SEX BOMB (Andreas Balck) Krieg ist schrecklich. All das sinnlose Morden und Schlachten. Verstümmelte Soldaten die nach der Mama schreien und später die Sozialkassen belasten. Völlig sinnlos auch für die Volkswirtschaft. Humane Wissenschaftler durchschauten das Problem. 1994 forschten sie an der ultimativen Waffe, genannt SEX BOMB.*

Die eigenen Truppen wälzten sich grölend am Boden und starben vor Lachen während des Angriffs. Ein Desaster.

Feindliche Soldaten in sexuelle Ekstase versetzt sollten einander mit blinder Wollust überfallen bis sie vor lauter Fickerei die Flinte nicht mehr hochkriegen. Gute Idee. Sehr menschlich. Beim abschließenden Bomben-Test ging alles schief:

Doch es kam noch schlimmer: die Überlebenden beider Seiten warfen erschöpft die Gewehre weg gingen dann mit brennender Rosette verkrampften Lachmuskeln gemeinsam einen trinken und wurden alle Pazifisten.

die Feinde tanzten im rosa Tutu und grell geschminkt durch die Schützengräben; vernaschten Offiziere Generäle samt Stab und auch die Wissenschaftler waren auf der Flucht.

------------------------------* Im Jahr 1994 schlugen Wissenschaftler des Wright Laboratory auf dem Gelände der Patterson Air Force Base in Ohio verschiedene Konzepte für nicht-tödliche Chemiewaffen vor. Eine dieser Waffen sollte die Sex Bomb sein, die auch Gay Bomb genannt wurde.

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EINS FÜR DAS SÜßE LUDER, DAS MIR DEN TAG RETTETE (Arnd Dünnebacke) Papier ist geduldig, das weiß jedes Kind, und weil es das ist, überkommt mich die nackte Panik. Auf dem Tisch liegen ausgebreitet: Mahnungen, Kontoauszüge, die Jahresabrechnung der Stadtwerke, ein negativer Versicherungsbescheid, der Bericht vom Arzt, ihr letzter Brief. Zwei Eier brutzeln in der Pfanne, und das Fett knistert wie Termiten in meinem Hirn, ich trinke mehr als ich sollte und erwäge die Möglichkeiten eines schnellen Endes. Aber weil mir selbst das viel zu anstrengend erscheint, fege ich den ganzen Wahnsinn

mit einer einzigen Handbewegung vom Tisch, greife nach Hamsuns Hunger, den ich mir heut Nachmittag besorgt habe, und erinnere mich an den Fetzen einer Unterhaltung, als diese zwei Mädels um die Ecke der Buchhandlung bogen: »Manchmal«, sagte die eine, »hab ich auch einfach keine Lust zu frier’n – dann lass ich es eben sein.«

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NEUERSCHEINUNG PULP 33 Garry Disher Dirty Old Town EUR 13,80, ISBN 978-3-927734-46-2

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360° °TÖRN (Marcus Mohr) Dein kirschrotes Mäulchen spricht Tacheles: Ändere was! Ändere was oder ich ändere was! Alles fällt darauf zurück, wo es begonnen hat: im Suff 1980 bestieg mein Vater meine Mutter und pustete ihr eine Gallone Rotze in den Unterleib. Bevor der erste Spross Drahthaar an den Eiern hing, war die Pulle Bier Ersatz für Mamas Brust. Warum nicht? schrie mein Vater meine Mutter an, die darauf zurück schrie: Ändere was! Ändere was oder ich ändere was! Weder sie noch sie hatten und haben jemals eine Chance.

DAS ENDE DER VERLORENEN STIMMEN (Johannes Fightestörk) In Waldbächen gebadet finde ich mich langsam im Leben wieder den Edelschimmel aus den Ganglien gewaschen Ich möchte unter einem Moskitonetz liegen im Uterus mit einer Nachttischlampe Ich möchte Koks, gut genug um mein Gehirn zu gentrifizieren schlecht genug um mich nicht zu fesseln Der Inauguraltraum unter meinem Netz handelt von flachen Holzdächern und Freudenschweiß, der das Kranksein aus der Haut drängt Die brühende Stirn folgt sich selbst schließlich in die Epilepsie: Deine Fingernägel, die unter die halbdurchsichtigen Ornamente von enganliegender Unterwäsche fahren, von Kojotenpelzen, Atemmasken, verlassenen Städten mit dichten Wäldern in den Straßen, verchromten Flaschenhälsen und von verschütteter Farbe perlend aus dem Bach gestiegen Wer sagt er könnte die Träume kennen wie er sich im Selbstsein kennt, selbst der, lügt

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LESEPROBE Kapitel 5 aus „Der fatale Glaube an das Glück“ Ein Schriftsteller werden / von Rainer Moritz Der Krieg war vorbei. Yates und seine Kameraden feierten sein Ende mit reichlich Alkohol. Eine Zeit lang blieb er mit seiner Einheit in Deutschland, ehe diese ins französische Reims verlegt wurde. Es folgten Wochen in London, wo Yates bei einer Zeitung als Jungreporter hospitierte. Im Januar 1946 schließlich wurde er aus der Armee entlassen; anders als die meisten seiner Avon-Old-Farms-Freunde, die es eilig hatten, in die USA zurückzukehren, an ihren Karrieren zu arbeiten und in den Hafen der Ehe einzulaufen, blieb Yates einige Monate in Frankreich. Erst im Juni 1946 kehrte er nach New York City zurück, wo ihn seine Mutter und seine inzwischen verheiratete Schwester Ruth erwarteten. Und vielleicht kann man sich die Heimkehr so vorstellen, wie sie Yates im Roman Eine besondere Vorsehung beschrieb: »›Oh, Bobby‹, sagte sie. Ihr gekräuseltes graues Haar reichte ihm kaum bis zu den Klappen Seiner Brusttaschen, und sie war so zerbrechlich wie ein Spatz, doch die Kraft ihrer Liebe war so groß,dass er sich wie ein Boxer wappnen musste, um ihre Wucht abzufangen. ›Du siehst wunderbar aus‹, sagte sie. ›Lass dich ansehen.‹ Und er ließ unangenehm berührt zu, dass sie ihn auf Armeslänge von sich weg hielt und betrachtete. ›Mein Soldat‹, sagte sie. ›Mein großer wunderbarer Soldat.‹« An der Lebenssituation seiner kränkelnden Mutter hatte sich in der Zwischenzeit nichts Entscheidendes geändert. Sie träumte weiterhin davon, als Bildhauerin entdeckt zu werden, schlug sich mit kleineren Jobs in Künstlervereinigungen durch und trank zu viel. Ihr gut aussehender, sexuell unerfahrener Sohn hatte diese Muster gehörig satt, doch es mangelte ihm vor allem an konkreten Perspektiven, obschon er bereits als Schüler sein Berufsziel klar vor Augen hatte – in den Worten eines Mitschülers: »Er war vermutlich der Einzige von uns, der genau wusste, was er mit seinem Leben anfangen wollte: ein Schriftsteller werden.« Die frühen Nachkriegsjahre griff Yates vor allem in zwei Kurzgeschichten auf, in Grüße zu Hause und in Baumeister, die mit offenem autobiografischen Visier kämpfen und in gewisser Weise literarisch die Loslösung von der Mutter vorantreiben. Yates, der zu dieser Zeit Schreibkurse an der Columbia University besuchte, konnte sich nicht dazu entschließen, ein Studium aufzunehmen – mit Argumenten, die Bill Grove (in Grüße zu Hause) im Gespräch mit einem Freund formuliert: »›Und wo haben Sie studiert, Bill?‹, fragte er, und das war immer eine unangenehme Frage. Ich war aus der Armee entlassen worden und alle Möglichkeiten der G. I. Bill of Rights standen mir zur Verfügung, aber ich hatte sie nicht genutzt – und ich werde nie wirklich 20 verstehen, warum nicht. Zum einen war es Angst; in der Highschool war ich schlecht gewesen, die Armee hatte meinen IQ mit 109 bestimmt, und ich wollte nicht noch einmal scheitern. Zum


anderen war es Arroganz: Ich wollte so schnell wie möglich professioneller Schriftsteller werden, und da schienen vier Jahre College ein verschwenderischer Aufschub.« So zielgerichtet das wirkte – Richard Yates empfand es zeitlebens als Mangel, nicht wie viele seiner Kollegen einen Universitätsabschluss vorweisen zu können, und sobald einer seiner späteren Studenten den Wunsch äußerte, das College abzubrechen, waren ihm der Zorn und das Unverständnis seines Lehrers sicher. Yates begann sich durchzuschlagen, zuerst darum bemüht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wie es Baumeister getreulich nacherzählt, nahm er bei United Press eine »trostlose Arbeit in der Wirtschaftsredaktion« an, ohne über die Sachverhalte, die er zu kommentieren hatte, wirklich Bescheid zu wissen: »Das Wichtige war, und ich wusste, Hemingway hätte dem als erster zugestimmt, dass ein Schriftsteller irgendwo anfangen muss. ›Amerikanische Aktien verzeichneten heute trotz des bescheidenen Handels ungewöhnliche Kurssteigerungen …‹ Das war die Prosa, die ich den ganzen Tag für UP schrieb, und ›Steigende Ölaktien notierten nachbörslich lebhaft‹ und ›Die Geschäftsführung von Timken-Rollenlager erklärte heute …‹ – Aberhunderte von Wörtern, die ich nicht wirklich verstand (Was um Gottes willen sind Stellagegeschäfte und was sind sinkende Effektenvorzugsscheine? Ich will noch immer verdammt sein, wenn ich es wüsste), während die Fernschreiber tuckerten und klapperten und die Wall-Street-Ticker tickten und alle um mich herum über Baseball diskutierten, bis es gnädigerweise an der Zeit war, nach Hause zu gehen.« Joan heißt Robert Prentice’ Frau in der Fiktion, und Sheila Bryant hieß die Frau, die Richard Yates 1947 auf einer Party kennenlernte und ein Jahr später, im Juni 1948, in einer kleinen Kirche an der Park Avenue heiratete. Ein sehr junges Paar fand da zusammen – Richard war zweiundzwanzig, Sheila zwanzig –, und für den Bräutigam lag nicht der unwichtigste Impuls, den vermeintlichen Bund fürs Leben zu schließen, darin, durch diesen Schritt seiner ihn wie eh und je vereinnahmenden Mutter zu entkommen. Dookie und Sheila teilten eine herzliche Abneigung gegeneinander, sodass man geneigt ist, Passagen aus Grüße zu Hause für bare autobiografische Münze zu nehmen: »Eileen wollte meine Mutter kennenlernen, und ich wusste, dass es ein Fehler sein würde, fand jedoch keinen vertretbaren Grund, um nein zu sagen. Und wie erwartet mochte meine Mutter sie nicht. ›Also, sie ist ein nettes Mädchen, Lieber‹, sagte sie später, ›aber ich verstehe nicht, wieso du sie so attraktiv findest.‹« Dem Paar gelang es, Dookies Fittichen zu entkommen, und Yates versuchte – wie in Baumeister berichtet –, den ungeliebten Job bei United Press mit dem Schreiben erster Prosa zu verknüpfen, freilich ohne großen Erfolg. 1949 änderten sich die ökonomischen Vorzeichen: Yates arbeitete fortan für den Computerhersteller Remington Rand, der kurz darauf den ersten Computer, den Univac, präsentierte, und schrieb für dessen Monatszeitschrift – eine gut bezahlte, aber öde Tätigkeit. Unschwer erkennt man Yates’ mit seinen Idealen schwer zu vereinenden Arbeitsalltag wieder, wenn man in Zeiten des Aufruhrs Frank Wheeler dabei zusieht, wie er morgens die Kleinfamilienidylle in der Revolutionary Road verlässt und stumpfsinnig die Stunden bei Knox Business Machines (für die auch sein Vater Earl arbeitete) absitzt:

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»Heute Morgen wartete ein Stoß Schriftstücke im Korb für den Posteingang auf ihn, obenauf die vom vergangenen Freitag, und seine erste Handlung bestand darin, dass er den ganzen Stapel umgedreht auf den Schreibtisch legte und von unten begann. Wie an jedem Tag gab viele Tage, an denen er ihn unbeachtet ließ) versuchte er zunächst festzustellen, wie viele Schriftstücke er, ohne sie eigens durchlesen zu müssen, loswerden konnte. Manche wanderten gleich in den Papierkorb, andere wiederum ließen sich fast ebenso rasch mit dem hinge kritzelten Randvermerk ›Was ist damit?‹, der Unterschrift und der Weitergabe an Bandy erledigen oder damit, dass er sie mit der Frage ›Weiß da jemand Bescheid?‹ beschriftete und sie zum Beispiel nach nebenan, an Ed Small weiterreichte; allerdings bestand die Gefahr, dass die gleichen Unterlagen ein paar Tage später mit dem Vermerk ›Erledigen‹ von Bandy oder ›Nein‹ von Small wieder zu ihm zurückkehrten. Der sicherere Weg war, die Schriftstücke mit dem Vermerk ›Ablage‹ Mrs. Jorgensen und den Mädchen zu überlassen, sobald sich nach einem möglichst kurzen Blick herausstellte, dass es sich nicht um eine wirklich dringende Sache handelte; war dies der Fall, so schrieb er ›Ablage & Erledigen ! Wo.‹ auf das Dokument oder er legte es beiseite und widmete sich dem nächsten. Dem auf diese Weise entstandenen, stetig anwachsenden Stapel wandte er sich zu, sobald er mit dem Posteingang fertig oder seiner überdrüssig war.« So monoton vergehen Frank Wheelers Tage, und so monoton dürften auch Richard Yates’ Tage vergangen sein. In der verbleibenden freien Zeit schrieb er Erzählungen, die Sheila für ihn abtippte, und machte neue literarische Entdeckungen, darunter J. D. Salinger, der zu Yates’ Begeisterung 1949 im New Yorker die berühmt gewordene Geschichte Ein idealer Tag für Bananen!sche veröffentlichte. Wieder und wieder las Yates Salingers 1953 in Buchform erschienene Nine Stories (Neun Erzählungen), von denen er Onkel Wiggily in Connecticut am liebsten mochte. Und in der Tat: Wer diese zigaretten- und cocktailgeschwängerte Geschichte zweier junger Frauen, die sich an ihre Collegezeit erinnern, liest, hätte keine Probleme, sich die beiden in einer desaströs verlaufenden Richard-Yates-Erzählung vorzustellen. Auch Sheila unternahm Anstrengungen, ihrem unbefriedigenden Job als Sekretärin zu entkommen, und schloss sich einer Theatergruppe an – ein kurzes Intermezzo, das in der Auftaktszene von Zeiten des Aufruhrs, als April Wheeler einen verheerenden Auftritt bei den Laurel Players hat, ihren Niederschlag fand. Schon nach kurzer Zeit mehrten sich die Ehedispute, und Sheila zog die Scheidung in Erwägung. Die Geburt von Tochter Sharon im März 1950 und ein langer Auslandsaufenthalt schoben die endgültige Trennung hinaus. Als Folge der Lungenschädigung, die ihm die Armeezeit eingetragen hatte, verschlechterte sich Yates’ Gesundheitszustand, und nachdem eine fortgeschrittene Tuberkulose diagnostiziert worden war, verbrachte er mehrere Wochen in einem Sanatorium auf Staten Island. Nach seiner Entlassung änderten sich die Dinge, nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht, und Sheila und Dick Yates taten, was April und Frank Wheeler verwehrt bleiben sollte… Rainer Moritz, Der fatale Glaube an das Glück – Richard Yates – sein Leben, sein Werk DVA Verlag, ISBN: 978-3-421-04452-5 208 Seiten, 19,99 Euro

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Mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Verlags Anstalt.


noch einmal hat sich unser Meisterrezensent Al ausgiebig auf dem Büchermarkt umgeschaut und legt sich noch einmal so richtig ins Zeug….

Schon seit „Winters Knochen“ ist US-Autor Daniel Woodrell schon lange mehr als ein Geheimtipp bei uns. Vor seinem neuesten Buch kann ich mich nur verneigen. Ein Meisterwerk mit einem genialen Gespür für Charaktere und deren Sehnsüchte. Wer gute Bücher liebt, der wird an Daniel Woodrell und an seinem „Sweet Mister“ nicht vorbeikommen. Daniel Woodrell, Der Tod von Sweet Mister Liebeskind Verlag, ISBN 978-3935890953, 192 Seiten, 16,90 Euro

Ein großartiges Buch, das man nur sehr schwer aus der Hand legen kann. Große Figuren, große Kulisse. Kein Zweifel, Richard Ford gehört zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern und dieser Roman gehört zu den besten Titeln der vergangenen Jahre. Tut euch selbst einen Gefallen und lest dieses Buch! Richard Ford, Kanada Carl Hanser Verlag, ISBN 978-3446240261, 464 Seiten, 24,90 Euro So viel Vergnügen haben mir Essays selten bereitet. Hier kommt John J. Sullivan, der es versteht mit der Sprache umzugehen. Anekdoten aus dem Land der vernebelten Träume. Nicht so subversiv wie Chomsky, weniger durchgeknallt wie Hunter S. Thompson, dennoch, „Pulphead“ ist voller Poesie und beeindruckender Beobachtungsgabe. Ein Buch, das einem das Herz öffnet. Pulphead, John Jeremiah Sullivan Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3518068908, 298 Seiten, 20,00 Euro Das ist eine Geschichte, wie ich sie liebe. Tony O’Neill führt uns hinab ins Reich der Dealer, Süchtigen, Verlierer, Nutten und sonstigen abgefuckten Individuen, um es mal so richtig krachen zu lassen. Nach „Sick City“ nun „Black Neon“, eine schöne stinkende Story, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Absolut genial! 23 Tony O‘ Neill, Black Neon WALDE+GRAF bei Metrolit, ISBN 978-3849300029, 380 Seiten, 24,95 Euro


Im Oktober 2007 schickt Levé das Manuskript an seinen Verleger, der sich, beeindruckt von dem Text, demnächst mit ihm treffen möchte. Wenige Tage später erhängt sich Levé im Alter von 42 Jahren in seiner Pariser Wohnung. „Selbstmord“ spiegelt die unglaubliche Trostlosigkeit eines Menschen wieder, der abgeschlossen hat. Der Autor beschreibt das Leben des 25jährigen Protagonisten, der sich schließlich in den Mund schießt und ein aufgeschlagenes Comicbuch zurücklässt. Ein poetisches Vermächtnis voller Melancholie und Sprachgewalt. Édouard Levé, Selbstmord Matthes & Seitz Berlin, ISBN 978-3882215915, 128 Seiten, 17,90 Euro Der Zusammenfall eines Kartenhauses in einer minutiös fein gestrickten Erzählung. Auf jeder Seite bahnt sich eine Explosion an, eine Spannung, die einen erwartungsvoll bis ans Ende trägt, um nachdenklich zu stimmen und sich zu fragen: ab wann gab es kein zurück mehr und welcher private Krieg im eigenen Leben wäre vermeidbar gewesen? Großartiger Stoff, der nachwirkt! Dirk Kurbjuweit, Angst Rowohlt Verlag, ISBN 978-3871347290, 256 Seiten, 18,95 Euro Begleiten Sie meinen Freund Mr. Moonbloom durch die zahlreichen Privatleben der Gebrochenen und Suchenden von Manhattan. Der Mieteintreiber und Anti-Held Norman Moonbloom erfindet die Einsamkeit neu. Eine sehr akribisch erzählte Geschichte über faszinierende Momentaufnahmen und großartig gezeichnete Figuren. Wallants größter Schatz! Edward Lewis Wallant, Mr. Moonbloom Berlin Verlag, ISBN 978-3827009746 , 288Seiten, 22,99 Euro „Mein Vater sagt, dass die meisten Menschen die Welt nicht sähen.“ Bengtsson schreibt eine Vater-Sohn Geschichte, die von der ersten Seite an mit keinem Wort zu viel erzählt wird und in seiner einfachen präzisen Sprache Eindruck hinterlässt. Am Rande der Gesellschaft lebend, mit stets wachem Blick auf das Wesentliche. Verdammt gut. Jonas T. Bengtsson, Wie keiner sonst Kein&Aber Verlag, ISBN 978-3036956688, 448 Seiten, 22,90 Euro Verstörend wie ein brennender Mann, der nachts vor deiner Tür auftaucht und nach einem Schluck Wasser fragt. M.S. Bell hat mal so richtig Lust aufs Schreiben bekommen. Ein Trailerpark in der Wüste von Nevada: nachdem Mae eine alte Mitstreiterin aus mordenden Hippie- Zeiten inmitten der Trümmer von 9/11 im TV sieht, begibt sie sich auf die Suche nach ihr. Ein genialböses Buch! 24 Madison Smartt Bell, Die Farbe der Nacht Liebeskind Verlag, ISBN 978-3954380053, 237 Seiten, 18,90 Euro


Der, der mit mir in den einsamen Stunden ein Glas zusammen trinkt. Der, der mich anschließend ins Bett bringt und eine Geschichte vorliest. Der, der dem ganzen Mist, der einem manchmal begegnet irgendwie einen Sinn gibt. Der, dessen Schreibanfänge in diesem Band aufgezeigt werden und dessen großes Talent schon in jenen Jahren leuchtet. Fischer Klassik widmet sich Bukowski und das finde ich sehr vernünftig. Großartiges Buch! Was sonst? Charles Bukowski, Das weingetränkte Notizbuch (Stories und Essays 1944 – 1990) Fischer Verlag, ISBN 978-3596950003 , 352 Seiten, 19,99 Euro Von der ersten Seite an geht’s richtig ab. Sex & Drugs und jede Menge Action. In Kombination mit Joint und Cocktail am Strand könnte es wahrscheinlich der Trip des Sommers werden. Mit großem Sprachgefühl und hohem Tempo bleibt Winslow seiner Linie treu. Don Winslow, Kings of Cool Suhrkamp Verlag, ISBN 978-3518464007, 351 Seiten, 19,95 Euro Kein Ratgeber und kein Fingerzeig. Wenn auch Borowkas Leben mit Sicherheit nicht zum Nachmachen geeignet ist, verspricht seine Lebensgeschichte als Fußballprofi und Alkoholiker eine frische Abwechslung in der heutigen mediengeschulten, eher langweiligen Boyband- Kicker Welt. Ehrliche Geschichte, ehrlicher Typ. Uli Borowka (mit Alex Raack), Volle Pulle Edel Verlag, ISBN 978-3841901798 , 304 Seiten, 19,95 Euro Mord(s)geschichten aus dem wirklichen Leben gegriffen. Körber nennt die Kinder bzw. Täter beim Namen, schmückt nicht viel aus und kommt schnell zur Sache. Mord und Totschlag und die dafür Verantwortlichen mit all ihren Leiden und Motiven in ein Buch verpackt, das zum Nachdenken anregt bis es einen ankotzt. Böses tut böses gut. Schnörkellose Aufarbeitung zahlreicher Kriminalfälle. Hans Ludwig Körber, Mord - Geschichten aus der Wirklichkeit Rowohlt Verlag, ISBN 978-3498035631, 256 Seiten, 18,95 Euro Zwei bedrückende Erlebnisse in einem gradlinig sehr gut erzählten Roman vom neuseeländischen Autor Carl Nixon. Ein Mord an einem jungen Mädchen, sowie soziale Ungerechtigkeit in den noch unruhigen Anfängen eines Jahrzehnts zwanzig Jahre vor der Jahrtausendwende. Mit viel Geschick und Gespür für Atmosphäre und Charaktere macht Nixon in Deutschland auf sich aufmerksam. Ein wunderbarer Roman. Carl Nixon, Rocking Horse Road 25 Weidle Verlag, ISBN 978-3938803509 , 240 Seiten, 19,90 Euro


Seit Charlie Chaplin hat sich niemand mehr so originell und unterhaltsam mit dem „Mein Kampf“ Autoren beschäftigt und benutzt diesen in dem richtigen Kontrast: als Mahnmal und als Witzfigur. Timur Vermes macht das ausgezeichnet und liefert mit „Er ist wieder da“ ein feines Debüt. Timur Vermes, Er ist wieder da Eichborn Verlag, ISBN 978-3847905172, 400 Seiten, 19,33 Euro Interessante Studie mit vielen Hintergründen, Zahlen und Fakten. Von den Anfängen in den USA bis heute wird so ziemlich jeder Aspekt des Motorradclubs abgedeckt. Für Bikerinteressierte und Kriminalistikbegeisterte ein sehr zu empfehlender Titel. Stefan Schubert, Wie die Hells Angels Deutschlands Unterwelt eroberten Riva Verlag, ISBN 978-3868832488, 352Seiten, 19,99 Euro Da hat der Metrolit Verlag aber mal eine wahre Perle aus dem tiefen Krimiozean gefischt. Nach der ersten Seite ist man schon total drauf. Cains Noirthriller „Abserviert“ gehört zu den ganz großen Titeln des Genres. Dieses Buch gehört schon jetzt zu meinen besten Fundstücken im Jahr 2013. Unbedingt lesen, Leute!!! James M. Cain, Abserviert Metrolit Verlag, ISBN 978-3849300623, 352Seiten, 22,99 Euro Lawsons eigenartig-komische Familie bietet den Grundstein für ein Leben voller Skurrilitäten, die Jenny Lawson ganz unverblümt und wagemutig zum Besten gibt. Eine femme-terrible mit hohem Freakfaktor, die auch noch ganz nebenbei verdammt unterhaltsam schreiben kann. Die Frau hat Feuer, sag ich euch. Jenny Lawson, Das ist nicht wahr, oder? Metrolit Verlag, ISBN 978-3849300500, 368 Seiten, 19,99 Euro Danielewskis Buch „Das Haus“ (das zuerst in Deutschland erschienen ist) wartete mit mehr Horror auf, nun kommt eine Liebesgeschichte mit den beiden 16jährigen Sam und Hailey. Man muss sich vollends auf die Story einlassen und sich von dem unkonventionellen Stil mitreißen lassen, sonst verkümmert man auf halber Strecke. Findet euren Rhythmus und habt euren Spaß! Mark Danielewski, Only Revolutions Tropen/Klett-Cotta, ISBN 978-3608501230, 365 Seiten, 24,95 Euro Was kann man zu dem „Boss“ noch großartig sagen? Wer seine Musik nicht mag, den muss es nicht interessieren. Alle anderen sollten sich schleunigst diese Biografie beschaffen. Fantastisches 26 Werk über einen der besten Sänger/Songwriter unserer Zeit. Peter Ames Carlin, Bruce Edel Verlag, ISBN 978-3841901910, 604 Seiten, 24,95 Euro


LV‘s am 4. Juli ´80 in Iowa geboren. Zieht herum, schreibt Geschichten. geboren 1964 in Kleinmachnow, Veröffentlichungen in versch. Anthologien, Zeitungen und Literaturzeitschriften, zuletzt erschienen: LIEB REIZ (Gedichte), WELTEN (Gedichte) 2010, ELBE BLUES (Stories) 2012 *1981 in Bietigheim-Bissingen, lebt in Walheim und schreibt Gedichte und Geschichten. www.andreasschumacherinfo.de Jg. 1985, "Some people never go crazy. What truly horrible lives they must lead" (Charles Bukowski) (*1979 in Dachau) hielt und hält sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Mehrere Studiengänge – alle abgebrochen. Veröffentlichungen in Literaturmagazinen. Seit 2009 steht er zusammen mit Florian Schanz als „Das Ding & Alfredo Garcia“ auf der Bühne. Herausgeber des Literaturmags SuperBastard www.superbastard.de

Penny Weiss

Ivar Bahn

Andreas Schumacher Susanne Haupt

Benedikt Maria Kramer

geboren und aufgewachsen in Offenbach/ Main, mittlerweile wohnhaft in Neu-Isenburg (Hessen). Erste Geschichten, Gedichte und Hörspiele im Grundschulalter geschrieben. Aktuell besonders aktiv für sein Horror- und Phantastik-Zine FLEDERMAUS und für seinen Literaturkanal „Die Knutimbauch-Anthologie“ auf YouTube.

Jörg Herbig

lebt in essen. seit 1992 kontinuierlich veröffentlichungen von hauptsächlich lyrik in fanzines, zeitschriften, anthologien, tagespresse. mehrere einzelbände, u.a. DAS LAND GEFÄHRDEN sowie STÖRUNG MENSCH. von 1995 - 2006 hrsg. der zeitschrift ratriot sowie der einzeltitelreihe ratriot-medien. laut seinem verleger "der einzige richtige ruhrpott-rimbaud."

Urs Böke

Baujahr 81, Mitherausgeber des Straßenfeger. Keine Bestseller, keine Preise, kein Intellektueller geboren 1967, lebe in Hamburg, wovon? - weiß ich nicht

Marcus Mohr Andreas Balck

Geboren 1976 im Sauerland. Im Okt. 2012 Veröffentlichung seines Gedichtbands "Glück ist ein brennendes Flugzeug" im Acheron Verlag, Leipzig. Im Frühjahr/Sommer 2013 der Nachfolger “Gehobene Wohnlage”

Arnd Dünnebacke

Jahrgang '83, in Hannover-Misbrooklyn geboren, aufgewachsen und abgestürzt. Nach der Hauptschule Abitur in Linden-Nord Gangsterort, jetzt gerade auf dem Weg zum Master der Philosophie im prätentiösen Berlin. Macht seit 2010 einen auf Schriftsteller und es soll sogar welche geben, die das gerne lesen.

Maik Gerecke

Toxikophiler. Bedroht Leute mit Waffenzeitschriften und stochert seine Beine in die Welt, bis ihm die Sohlen platzen. Lebt am rotäugigen Abgrund und fährt meistens zu schnell. Träumt tagsüber von Sintfluten, nachts trinkt er. sneakblog.de

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LOST VOICES BEDANKT SICH BEI Adam Schwarz, Alex Dreppec, Alexander Verlag Berlin, Alfred Zoppelt, Alisa Minyukova, Ana Marija Muhi, Anastasia Weimer, André Pilz, Andreas Balck, Andreas Hutt, Andreas Lehmann, Andreas Schumacher, Andreas Winterer, Anna Catharina von Rosenthal, Annika Senger, Anton Marrast, Arche Verlag, Arnd Dünnebacke, Arthur Nersesian, Asphalt & Anders Verlag, Benedikt Maria Kramer, Berlin Verlag, Blaulicht Verlag, Boeka Tonstudio, Breece D’J Pancake, Bumbier, Calin Kruse, Carl Weissner, Carmen Herrmann, Carsten Moll, Chaotic Revelry, City Lights Publisher & Bookstore, Claus Will, Clemens Schittko, Compact Magazin, Cowboy Junkies, Dan23, DBC Pierre, Dennis Lehane, Der Aponaut, Der Maulkorb, Deutsche Verlags Anstalt, Donald Ray Pollock, Doris Doppler, Dorothea Lange, Dumont Buchverlag, Edel Verlag, Eichborn Verlag, Enno Ahrens, Eva-Maria Krusche, Fischer Verlag, Florian Günther, Frank Nowatzki, Galiani Verlag, Gesine Loth, Gigi Sommer, GOP Hannover, Gregory Crewdson, Hanser Verlag, Harald Schiel, Haymon Verlag, Helge Streit, Henning Chadde, Heyne Hardcore, Heyne Verlag, Hilmar Reusch, Holger Dauer, Ivar Bahn, Ivo Theele, James Frey, Jean-Marc Laroche, Jennifer Toth, Jens Hagenschneider, Jerk Götterwind, Jim Nisbet, Joachim Allgaier, Johannes Fightestörk, Johannes Witek, John Rector, Jörg Fauser, Jörg Herbig, Jupiter Jones, Jürgen Landt, Kai Kraus, Kein&Aber Verlag, Kim Vanessa Heywinkel, KingKing Shop, Klaus Roth, Klett-Cotta Verlag, Koren Zailckas, Kulter&Gespenster, Kunstmann Verlag, Lange Leine, Liebeskind Verlag, Lindbergh, List Verlag, Louisa Söllner, Maik Gerecke, Manfred Kern, Marco Meng, Marcus Mohr, Mark Heywinkel, Mark Jenkins, Markus Ebersbach, MaroVerlag, Martin Beyer, Martin Sieber, Matthes & Seitz Berlin, Matthew Stokoe, Max Lüthke, Metrolit Verlag, Michael Bresser, Michael Helming, Michael Zoch, Mika Novikov, Milena Verlag, Miron Zownir, Nick Flynn,Nina Neugebauer, Ninia LaGrande, Nora Burgard, Oliver Unkel, Patrick Lipke, Patrick Schmitz, Patrick Steiner, Pedro Matos, Penny Weiss, Piper Verlag, Pulp Master, Rainer Moritz, Ralf Benkard, Reebosound, Renegald Gruwe, Riva Verlag, Robert Malvasio, Roger Alan Wade, Rowohlt Verlag, Rüdiger Saß, Sandow Birk, Sascha Sand, Sebastian Schwark, Sebastian Wippermann, Selim Özdogan, Shawn C. Baker, Silke Gersdorf, Silvia Grimmsmann, Silvio Colditz, Simone Haverland, Spencer Hill Magic Band, Stefanie Kißling, Steve-O, Straßenfeger Literaturzine, Stuart Whitton, Suhrkamp Verlag, Susann Klossek, Susanne Haupt, Sven Regener, Takashi Ueki, Textem Verlag, The Punchliner, Thomas Laessing, Tobias Kunze, Tobias Sommer, Tropen bei Klett Cotta Verlag, Ullstein Verlag, Ulrich Kersten, Urs Böke, Verbrecher Verlag, Verlag Andreas Reiffer, Vincent E. Noel, Volker Frick,Volker Niemela, Walde+Graf bei Metrolit, Weidle Verlag, Weissbooks Verlag, Willy Vlautin, Xenija Wagner, Zarathustras miese Kaschemme & allen Leserinnen und Lesern!

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LAST VOICES - LV#14  

The latest and last issue of Lost Voices with a great selection of poetry and short stories and book reviews of some really good reads. Enjo...

LAST VOICES - LV#14  

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