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Studieren im Ausland

Trau dich!

Österreich

Hochschulsystem und Studium Das österreichische Hochschulsystem unterscheidet sich kaum vom deutschen. Es gibt 22 staatliche Unis, 4 Medizinische Universitäten, 13 Universitäten der Wissenschaft, 6 Universitäten der Künste, 21 Fachhochschulen sowie 12 Privatuniversitäten. Im Zuge des Bologna-Prozesses wurden auch in Österreich die Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt. Genau wie in Deutschland ist das Diplomstudium mit Ausnahme von Medizin und Zahnmedizin in Österreich abgeschafft. Alle Abschlüsse, die du in Österreich machst, werden in Deutschland anerkannt.

Die Zulassung Generell ist das Zulassungsverfahren im Alpenland simpel. Die Schulabschlusszeugnisse der EU sind der österreichischen Matura gleichgestellt. Also: Einschreiben in das Fach deiner Wahl - und schon bist du aufgenommen. Die meisten Studiengänge sind zulassungsfrei. Bei Studiengängen mit hoher Bewerberzahl (Psychologie, Architektur oder Biologie) sind Zusatz- oder Ergänzungsprüfungen möglich. An den Kunst- und Fachhochschulen gelten besondere Aufnahmeverfahren. Anders als an den Universitäten gibt es hier je nach Fach sogar einen NC. Denke bei der Einschreibung unbedingt daran, die Fristen einzuhalten: Je nach Hochschule reichen sie von Anfang Juli bis Anfang September.

Die Kosten Studierende einer Uni oder Pädagogischen Hochschule, die aus Österreich oder der EU kommen und in der Regelstudienzeit plus zwei Semester darüber studieren, sind von den Studiengebühren befreit. Alle anderen müssen zahlen. Eine Ausnahme bilden die Privathochschulen, an denen die Kosten variieren. Auch an einigen Fachhochschulen werden Studiengebühren von bis zu 370 Euro pro Semester erhoben. Sich vorher schlau zu machen, ist in jedem Falle ratsam.

Das Medizinstudium Für das Medizinstudium in Österreich brauchst du anders als in Deutschland keinen NC. Auch Studiengebühren werden nicht erhoben. Allerdings gibt es die sogenannte „Österreicherquote“, die die Vergabe der Studienplätze regelt: 75 Prozent der Plätze gehen an Österreicher, 20 Prozent an EU-Bürger und 5 Prozent an Nicht-EU-Bürger. An den vier medizinischen Hochschulen werden die Studienplätze durch einen Aufnahmetest vergeben. Da die Tests an allen Medizinfakultäten gleichzeitig stattfinden und landesweit einheitlich sind, musst du dich für eine Uni entscheiden und rechtzeitig bewerben.

Schweiz

Hochschulsystem und Studium In der Schweiz gibt es 12 anerkannte universitäre Hochschulen, 8 Fachhochschulen, 20 pädagogische Hochschulen sowie zwei Eidgenössische Technische Hochschulen und vier Forschungsanstalten. Das Studiensystem ist mit dem deutschen vergleichbar: Es gibt dreijährige Bachelor- und zweijährige Masterstudiengänge. Unterteilt ist das Studienjahr wie bei uns in zwei Semester - allerdings sprechen die Schweizer von einem Herbst- und Frühlingssemester.

Die Zulassung Für ein Studium an den Universitäten und den Eidgenössischen Technischen Hochschulen brauchst du wie bei uns die Allgemeine Hochschulreife. Fachhochschulen verlangen die Fachhochschulreife. Grundsätzlich entscheidet jede Hochschule über die Zulassungsbedingungen und den Bewerbungsablauf. In Fächern mit knappen Aufnahmekapazitäten bzw. hoher Nachfrage steht es den Universitäten frei, die Zulassung für ausländische Studenten zu beschränken. In medizinischen Fächern ist die Zulassung ausländischer Studenten gesondert geregelt. Du solltest dich also rechtzeitig an deiner Wunsch-Uni über die individuellen Voraussetzungen informieren.

Die Kosten Die Schweizer Hochschulen erheben Studiengebühren, die zwischen 450 Euro und 3.700 Euro pro Semester liegen. Einige verlangen zudem zusätzliche Gebühren von ausländischen Studenten. Das Studium in der Schweiz ist also nicht gerade billig. Wenn du die Kosten nicht alleine tragen kannst, solltest du dich über Möglichkeiten der Studienfinanzierung informieren. An den Hochschulen gibt es entsprechende Beratungsstellen. Zwar gibt es so genannte kantonale Stipendien, diese dürfen von ausländischen Studenten aber in der Regel nicht beansprucht werden. Es lohnt sich dennoch in der Stipendiendatenbank des DAAD nach Möglichkeiten zu forschen: www.daad.de

Die Sprache In der Schweiz gibt es vier Landessprachen: Schweizerdeutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Je nachdem, in welchem Teil der Schweiz du studierst, musst du auch entsprechende Sprachkenntnisse mitbringen. Für einen Studienaufenthalt im französischsprachigen Teil der Schweiz beispielsweise müssen deine Sprachkenntnisse vor Beginn des Studiums so gut sein, dass du problemlos an den Lehrveranstaltungen teilnehmen kannst. Je nach Hochschule musst du vor der Einschreibung eine entsprechende Sprachprüfung bestehen.

Pro Jahr sind rund 80.000 Deutsche an ausländischen Hochschulen eingeschrieben, viele davon in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Wir haben die wichtigsten Infos über Leben und Studium in den drei Ländern gesammelt.

Niederlande

Hochschulsystem und Studium Grundsätzlich ähnelt das niederländische Hochschulsystem dem deutschen: Während an den Universiteiten wissenschaftliches Arbeiten im Vordergrund steht, sind die Hogescholen praxis- und anwendungsorientiert ausgerichtet. Einen wesentlichen Unterschied zum Studium in Deutschland gibt es aber in den Lernmethoden. Das Studium in den Niederlanden zeichnet sich durch den sogenannten problemgesteuerten Unterricht aus. Bei dieser besonders praxisnahen Lernmethode werden kleine Gruppen aus ca. 10 bis 15 Studenten mit einem konkreten Problem und verschiedenen dazugehörigen Fragestellungen konfrontiert. Gemeinsam müssen sie innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens versuchen, selbstständig und mit dem Wissen aus verschiedenen Disziplinen eine passende Lösung zu finden. Ein Professor oder Tutor überwacht den Prozess und gibt bei Bedarf Hilfestellungen.

Die Zulassung Die deutsche Hochschulreife ermöglicht dir ein Studium an Universiteiten, für die Hogescholen genügt die Fachhochschulreife. Großer Pluspunkt: Für die meisten Studienfächer gibt es keine Zulassungsbeschränkungen, und sollte es in beliebten Fächern wie Medizin, Psychologie oder Jura doch mehr Bewerber als Studienplätze geben, kommt in den Niederlanden der sogenannte Numerus fixus zum Zug: Das heißt nichts anderes, als dass eine feste Anzahl von Studienplätzen durch ein notenunabhängiges Losverfahren verteilt wird.

Die Kosten Anders als in Deutschland, wo die Studiengebühren mittlerweile bundesweit abgeschafft sind, musst du für ein Studium in den Niederlanden zahlen: Momentan fallen Studiengebühren in Höhe von 2.600 Euro pro Jahr an. Wer sich das nicht leisten kann, erhält Schützenhilfe von der niederländischen Regierung: Der sogenannte Collegegeldkrediet wird unabhängig vom eigenen oder elterlichen Einkommen gewährt und muss erst nach Beendigung des Studiums in einkommensabhängigen Raten abbezahlt werden.

Die Sprache Du sprichst (noch) kein Niederländisch? Das muss dich von einem Studium im Nachbarland nicht abhalten. Zum einen bieten viele Hochschulen englischsprachige und im deutschholländischen Grenzgebiet sogar einige deutschsprachige Studiengänge an. Und in den meisten Fällen ist zwar Niederländisch die Unterrichtssprache – doch die Hochschulen tun viel, um dir die Sprache näherzubringen und bieten in der Regel vor Studienbeginn Intensivsprachkurse für künftige Erstsemester an. Um an Universiteiten zu studieren, musst du übrigens das Sprachexamen „NT2“ nachweisen, für die ersten Semester an den Hogescholen reichen dagegen erst mal grundlegende Sprachkenntnisse.

Die Freie Universität Bozen ist eine international ausgerichtete, mehrsprachige Universität. Wirtschaft, Design, Kommunikationswissenschaften, Informatik oder auch Ingenieurwesen werden in drei Sprachen – Deutsch, Italienisch und Englisch – gelehrt. Sie befindet sich an der Schnittstelle zwischen dem italienischen und dem deutschen Kulturraum und bietet ein ideales Studienumfeld in einer mehrsprachigen Region mit hervorragender Studierendenbetreuung und hohem Freizeitwert.

Studienangebot für Abiturienten

Zu den dreisprachigen Bachelorstudiengängen der Freien Universität Bozen können Bewerber*innen zugelassen werden, die mindestens zwei der drei Unterrichtssprachen auf einem gehobenen mittleren Niveau (B2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen) nachweisen können. Die Zulassungsbedingungen sind von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich. Sie sind auf der Webseite des jeweiligen Studienganges aufgeführt.

Die folgenden Bachelorstudiengänge werden angeboten: Wirtschaftswissenschaften und Betriebsführung (BWL); Ökonomie und Sozialwissenschaften (PPE); Tourismus-, Sport- und Eventmanagement; Informatik; Wirtschafts-

informatik; Agrar-, Lebensmittel- und Bergumweltwissenschaften; Industrie- und Maschineningenieurwesen; Holzingenieurwesen; Kommunikations- und Kulturwissenschaften; Sozialarbeit; Sozialpädagogik; Design; Kunst.

Was es bedeutet, dreisprachig zu studieren

Das wesentliche Merkmal der Freien Universität Bozen ist die Dreisprachigkeit. Das bedeutet zum Beispiel, am Morgen eine Vorlesung in Volkswirtschaftslehre zu hören, anschließend zu einem Seminar über „Linguaggio e scrittura accademica“ zu gehen und sich am Nachmittag mit dem Erasmus+-Tutor auf Englisch über ein anstehendes Auslandssemester zu unterhalten. Studierende der unibz wechseln spielend von einer in die andere Sprache.

Die Universität ist somit die ideale Umgebung, um kommunikative Kompetenzen zu erwerben, die in der heutigen Lebens- und Arbeitswelt unentbehrlich sind. Das Sprachenzentrum begleitet Studierende auf ihrem persönlichen Lernweg mit kostenlosen Sprachkursen, damit sie in möglichst kurzer Zeit das Sprachniveau erreichen, das es ihnen ermöglicht, gewinnbringend an den Lehrveranstaltungen teilzunehmen: Italienisch, Deutsch oder Englisch in etwas mehr als drei Semester von Null auf B2 zu lernen, ist an der unibz ganz normal.

Weiterführende Studienprogramme

Die unibz bietet derzeit 16 Masterstudiengänge an, von denen sieben dreisprachig und neun ausschließlich auf Englisch unterrichtet werden: Verwaltung und Politik öffentlicher Institutionen; Unternehmensführung und Innovation; Accounting und Finanzwirtschaft; Innovation in Forschung und Praxis der sozialen Arbeit; Musikologie; angewandte Linguistik; Bildungswissenschaften für den Primarbereich (fünf Jahre); Eco-social Design; Computational Data Science; Software Engineering; Environmental Management of Mountain Areas; Energy Engineering; Industrial Mechanical Engineering; Food Sciences for Innovation and Authenticity; Horticultural Science; Viticulture, Enology and Wine Marketing. Johanna Roth Wirtschaftswissenschaften und Betriebsführung (Bachelor)

Warum hast du dich für deinen Studiengang entschieden?

BWL ist ein sehr beliebter Studiengang in Deutschland und an fast jeder Universität vertreten. Als ich herausgefunden habe, dass man Wirtschaftswissenschaften und Betriebsführung auch in Bozen, noch dazu in drei Sprachen und an einer kleinen, persönlichen Uni studieren kann, war mir schnell klar, dass dieser Studiengang die richtige Wahl für mich war.

Haben sich deine Erwartungen erfüllt?

Ja, voll und ganz. Das Studium in drei Sprachen ist zwar anspruchsvoll, aber auch ein Alleinstellungsmerkmal. Die Vorlesungen in kleinen Gruppen erlauben einen regen Austausch mit den Professor*innen, die einem bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mit Wahlkursen kann man dann noch seine persönlichen Interessen weiter vertiefen, und die internationale Ausrichtung der Universität bereitet Studierende perfekt auf das Berufsleben vor.

Wem würdest du das Studium empfehlen?

Allen, die sich für Betriebswirtschaftslehre interessieren, aber vielleicht noch nicht ganz genau wissen, in welche Richtung sie später gehen möchten. Hier lernt man die notwendigen Grundlagen und kann aus jedem Bereich etwas mitnehmen, aber auch bevorzugte Richtungen vertiefen. Wer auf der Suche nach einer Kombination aus Zusammenarbeit und Individualität ist, der ist in Bozen genau richtig. Außerdem sollte man sich nicht von der Tatsache abschrecken lassen, eine neue Sprache zu lernen, da dies in einer dreisprachigen Region wie Südtirol mit sehr viel Spaß verbunden werden kann und vor allem im späteren Berufsleben von großem Vorteil ist. Wer noch dazu eine große Universitätsgemeinschaft, viel Sonne und hohe Berge zum Wandern und Skifahren schätzt, der kann wirklich nicht mehr viel falsch machen! ∙

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