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NOVEMBER Graffiti

# 0008

JEROO

Monatszeitung & Online Magazin

Interview

OZ

Wer war OZ?


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INHALT - Impressum

HERAUSGEBER

Worum geht's Es handelt sich hierbei um ein Zeitungsblatt, das aktuelle Ausschnitte aus der Wiener Graffiti-Szene sammelt und dokumentiert. Dokumentiert werden legale sowie illegale Werke, wobei keineswegs dazu aufgefordert werden soll, Straftaten jeglicher Form zu begehen. Die Inhalte sind gesammeltes Material von der Straße und sollen einen künstlerischen Zugang zum Thema Graffiti ermöglichen. Daher sind sie aus künstlerischer Sicht zu betrachten. Der Herausgeber ist nicht der Künstler und hat mit den Werken nichts zu tun. Für eingesendete Bilder wird keine Haftung übernommen.

Alpar Daniel 1210 Wien dirmiregal@gmail.com

Meine Bilder haben hier nichts verloren Wenn Kunstwerke von dir in Zukunft nicht mehr in der Zeitschrift erscheinen sollen, sende bitte eine Nachricht mit deinem Künstlernamen an die folgende Adresse: dirmiregal@gmail.com, oder du gibst über facebook bescheid.


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OZ - * 1950 in Heidelberg; † 25. September 2014 in Hamburg

OZ Am 25. September 2014 ist es passiert. Walter Josef F., besser bekannt als OZ, wurde, während er seinen Tag auf eine Stromschienenabdeckung setzte, von der S-Bahn erfasst und tödlich verletzt. Die Polizei beschrieb den Vorfall als tragisches Ereignis. Die Medien berichteten über die harten Fakten. Allerdings versteckt sich hinter seiner Person mehr. Wer war die Legende aus Hamburg? Sein Assistent, Thomas Meier, erzählt über den Meister.

OZ war definitiv der dienstälteste Sprayer der Welt, hatte mehrere hundert bis vielleicht tausend verschiedene Tags, von denen er manche wie das OZ millionenmal, andere nur ein einziges mal benutzt hat. Er hatte für bestimmte Stellen, frisch gestrichene Wände ("geschiSSen" nannte er das) individuelle Kürzel, die nicht auf ihn zurückführbar sein sollten. OZ hat in seinem Leben über 12.000qm Fläche bemalt, (eine niedrig angesetzte Schätzung) manche seiner Bilder waren über dreihundert Meter lang. Neunzig Prozent seines malerischen Werks ist heute zerstört, teils durch Buff, teilweise auch durch andere Maler, die ihn trotz seines Status und seines Freestyles crossen. Seine Tags dominieren Hamburg. Er hat auf Dächern und in Tunneln gemalt. Er hat abertausende von Aufklebern verklebt. Er hat die Scheiben nahezu aller S- und UBahnen gescratcht. Er hat tagsüber seine Kringel getaggt, einfach, indem er seinen Rucksack vor die rechte Hand gehalten hat, so dass man nicht sehen konnte, was er tut. Er hat Müll gesammelt und bei Werbetafeln abgelegt. Er hat Parks angelegt, Wände freigelegt, Äste gestutzt, er kannte alle seine Bilder und Tags und hat sie regelmässig inspiziert. Nachts ist er taggen gegangen, immer mit dem Fahrrad, er hat es an Mauern und Strassenlaternen angelehnt, ist auf die Stange gestiegen und hat so die höchsten Stellen erreicht. Er ist All City, hat auch in Neumünster, Kiel, Flensburg, Stuttgart, Mannheim, Frankfurt, Karlsruhe und sogar in Singapur getaggt. Er hat Asien bereist, war ein Vogelfreund, Naturliebhaber, Kapitalismuskritiker, Bullenhasser, Haarfetischist. Er hat auf extreme Kurzhaarfrisuren bei Frauen gestanden. Single, alleinstehend, keine bekannte Verwandschaft. Alle Ausstellungen waren von seinem Anwalt erzwungen und erpresst, er selbst hat von den Verkäufen seiner

Bilder nie einen Cent gesehen. Die Gemeinschaftsarbeiten der letzten Ausstellung sind gegen seinen Willen entstanden. In der "Vicious Gallery" Hamburg wurden etwa achtzig Prozent gefälschte Bilder gezeigt, viele davon später auch in der "Urban Art Info" in Berlin. Sein Anwalt hatte nie Interesse, diesen Skandal publik zu machen. Es war, die letzten Monate, ein extremes Gezerre um OZ. Ich als sein Vertrauter und Assistent wurde von seinem Anwalt und seinem Galeristen, die gemeinsame Sache machen, aus dem inneren Kreis verstossen. OZ hat sehr darunter gelitten. Er wurde als weltfremder Künstler, der er in meinen Augen war, von diesen Leuten fremdbestimmt und ausgenutzt. Er konnte Geld verdienen, viel Geld, die Versteigerung bei lauritz.com, über 13.000,-€ an einem Vormittag, hat es bewiesen. OZ war ein Ungeheuer an Ausdauer und Fleiss. Er war die "Ameise der Kunst", von der Jonathan Meese spricht. Er hat sich mit selbstlosester Konsequenz der Kunst und damit der Menschheit verschrieben. Dass OZ so stark polarisiert, ist ein Beweis für die Richtig- und Wichtigkeit seiner Botschaft, er war ein Kämpfer für Freiheit und Schönheit. Wir Hinterbliebenen haben die Aufgabe, diese Botschaft in die Welt zu tragen, sein Werk fortzuführen und es denen zu erklären, die es nicht verstehen. RIP Jozef, mein Meister! Smiley-Power! "Morgen ist auch noch ein Tag" - (OZ)

facebook: https://www.facebook.com/pages/OZOriginal/410121265775868?ref=hl Interview: https://www.youtube.com/watch?v=ayHEjhquepE

Insgesamt hat er acht Jahre seines Lebens wegen seiner Kunst im Gefängnis verbracht.

Hier sieht man den Kringel, den er millionenfach gemalt hat. Jeder Kringel symbolisiert ein Opfer des Faschismus.


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SPEAKER - INTERVIEW

Donaukanal


Roßauerbrücke

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Donaukanal // Flex


RoĂ&#x;auerlände // Heiligenstadt

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Heiligenstadt


Nordbr端cke

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DONAUKANAL

Nordbr端cke // Stadlau // Arne Carlson Park


Arne Carlson Park // Yppenplatz

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JEROO

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Stell dich bitte kurz vor.

JEROO C

hristoph Ganter alias Jeroo ist einer der bekanntesten deutschen Graffitikünstler. Diesen November ist er zu Gast im Rabbiteyemovent Artspace. Seine Soloshow, die den Titel „New Frontiers“

trägt, bezieht sich auf den künstlerischen Weg von Jeroo. Als Autodidakt hat er im Laufe seines Schaffens, sich alles selbst beigebracht. Charakteristisch für seinen Stil, sind Motive der Natur, die geometrischen Formen und ein faible für Details.

Mein Name ist Chris "Jeroo" Ganter, ich male seit 1993 Graffiti und komme aus Stuttgart. Hauptberuflich bin ich Lehrer an einem Stuttgarter Gymnasium - zumindest mit einer halben Stelle, so dass mir noch genug Zeit für die Kunst bleibt. In den letzten Jahren male ich auch vermehrt Leinwände. Was bedeutet JEROO? Der Name Jeroo hat keine besondere Bedeutung. Ursprünglich war es eine Anlehnung an den New Yorker Rapper "Jeru da Damaja" gedacht, doch hat recht schnell diese Bedeutung verloren, zumal ich vor langer Zeit das

´u´ am Ende gegen das ausdrucksstärkere ´oo´ getauscht habe. Eigentlich aber, das habe ich erst später herausgefunden, ist es ein indischer Frauenname. Worum geht es bei der Ausstellung? Die Ausstellung im Rabbiteyemovement Artspace in Wien kam durch meine langjährige Freundschaft mit Nychos zustande. Während meinen zahlreichen Graffititrips habe ich viele Leute kennengelernt und ab und zu ergeben sich eben solche Gelegenheiten, die ich dann auch gerne wahrnehme, zumal ich bisher noch nicht in Wien ausgestellt habe.


INTERVIEW

Der Titel "New Frontiers" bezieht sich auf meinen künstlerischen Weg. Ich habe keinerlei künstlerische Ausbildung, sondern habe mir als Autodidakt alles selbst über das Medium Graffiti angeeignet. Ich habe innerhalb meiner Kunstgattung (Graffiti Art) keine Vorbilder, wohl aber im Jugendstil (Mucha), Comic Art (Moebius) oder Design ( Olschinsky aus Wien). Ich versuche diese Einflüsse auf eine neue Art zu verbinden und genau so wie ich es im Graffiti versucht habe, durch Können und Kreativität etwas Eigenes und Neues zu schaffen.

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Du hast ein Lehrbuch über Graffiti herausgegeben? Die Idee zu meinem Buch "Graffiti School" entstand während meiner Lehrerausbildung. Wir lernten ein Thema didaktisch aufzubereiten d.h. aufeinander aufbauende Übungen mit einem bestimmten Lernziel zu entwerfen. Als ich feststellte, dass es so etwas noch nicht wirklich für Graffiti gab, machte ich mich ans Werk. Ich selber hatte nie einen Mentor, was auf der einen Seite gut ist, da man sich frei entwickeln kann, aber es kostet unglaublich viel Zeit. Mit diesem Buch kann man die Ba-

sics schnell erlernen und sich auf die eigentliche künstlerische Dimension von Graffiti Art konzentrieren und am eigenen Stil feilen.Es gab natürlich auch vereinzelt Kritik an einem Graffiti-Lehrbuch, doch die Zeiten in denen Graffiti exklusiv und geheimnisvoll ist, sind seit dem Internet vorbei und es ist ja im Interesse von uns allen, lieber gekonnte Bilder als Toygurken zu sehen. Gibt es weitere Projekte in Aussicht? Ich will mich in Zukunft eher auf meine eigene künstlerische Entwicklung

konzentrieren und neben meinen Leinwänden schöne große Wandproduktionen malen. Welche Worte würdest du der Jugend mitgeben die dir damals weitergeholfen hätten? Für die Graffitijugend heutzutage habe ich folgenden Ratschlag: Respektiert Euch gegenseitig und überschätzt Euch nicht. Sketcht viel und malt lieber weniger aber versucht mit jedem Piece besser zu werden. Auch wenn ihr denkt, dass es in Eurer Styleentwicklung nicht mehr weitergeht, sketcht

weiter und probiert neue Proportionen, Verbindungen und Techniken aus. Mit Skills, Geduld und Durchhaltevermögen kommt man weiter als mit Angeberei und Beef.

facebook: www.facebook.com/jerooone webseite: www.jeroo.de


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H端tteldorf // STreet


NASCHMARKT // SCHOTTENTOR

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Urban Space Market 2014 Der Urban Space Market findet heuer an folgenden Terminen in der Geigergasse 5-9 statt:

04.-07.12. 11.-14.12.

R FREIE T IT EINTR

18.-21.12. Der erste Termin (04.-07.12.) wird einer großen Ausstellung von nationalen und internationalen Künstlern gewidmet. Neben der Ausstellung wird es auch Live-Graffiti im Hof geben. Die Initiative „Urban Space“ sieht sich als Schnittstelle und Vermittler zwischen KünstlerInnen und der Öffentlichkeit. Es werden Kunstprojekte realisiert und Ausstellungsmöglichkeiten geboten. Die zentrale Aufgabe ist die Schaffung von temporären und dauerhaften Einrichtungen & Raum für Kreativität, sowie eine Plattform für Kunstschaffende und Kunstinteressierte. Die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen soll die zeitgenössische und urbane Kunst fördern. Ziel ist es, ein offenes, soziales, kulturelles und künstlerisches Zentrum zu schaffen. Schaffung von selbstverwalteten Räumen und Freiflächen für künstlerisches Arbeiten, Ausstellen und für kulturellen Austausch. Mehr Informationen zum Programm des Urban Space Markets 2014 unter: urbanspace.at.


ERHÄLTLICH BEI DEN PARTNERN SOWIE IM HANDEL

SOMOGYI Burggasse 62, 1070 Wien Öffnungszeiten MO - FR: 09:00 - 18:00 SA: 09:00 - 17:00 TELEFON: +43 664 125 13 67 EMAIL: roman@somogyi.at

RABBITEYEMOVEMENT Art Space Gumpendorferstraße 91, 1060 Wien Öffnungszeiten DI - FR: 12:00 - 19:00 SA: 12:00 - 17:00 EMAIL: office@rabbiteyemovement.at

SprayChilled Große Schiffgasse 5, 1020 Wien

Kirchengasse 40/1, 1070 Wien

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten

Di-Sa 10:00 - 19:00

Mo-Fr 12:00 - 18:30

TELEFON: +43 660 4843366

SA 12:00 - 18:00 TELEFON: +43 1 2931686

IOnArt - Have an eye on Art

Burggasse 98

Schönbrunnerstr. 149, 1050 Wien

Burggasse 98, 1070 Wien

EMAIL: contact@ionart.at

EMAIL: info@burggasse98.com

WEB: www.ionart.at

http://www.flickr.com/photos/egal-erie

https://www.facebook.com/egalegalegal

Falls ihr eure Sachen veröffentlichen möchtet, schickt sie an hello@graffitinewspaper.com, per flickrmail oder facebook.

#8 - Jeroo & OZ Report  

Content of this issue: Vienna graffitis, November 2014. Jeroo Interview: Christoph Ganter alias Jeroo is one of Germany's most famous graffi...

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