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COLLANA LUOGHI VERTICALI

Jacky Godoffe

BLEAU À BLOC 1

Isatis Cuvier Cuisinière Apremont Salamandre Rocher Canon Rocher d’Avon Gorges du Houx Rocher Cassepot Rocher du Calvaire Rocher de Bouligny Rocher Saint Germain Rocher des Demoiselles Mont Ussy – Roche Hercule

EDIZIONI VERSANTE SUD


Erste Ausgabe: 2010 ISBN: 978-88-87890-64-8 Copyright © 2008 VERSANTE SUD Milano via Longhi, 10, tel. 027490163 www.versantesud.it Alle vorliegenden Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind vorbehalten. Dies gilt insbesondere auch für alle Verwertungsrechte wie die Vervielfältigung, die Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. Titelseite

Michael Wilhelm (N. Altmaier www.NicolasAltmaier.de)

Texte

Jacky Godoffe (bleauabloc@versantesud.it)

Deutsche Übersetzung

Jasmin Pichler

Deutsche Überarbeitung

Gerd Zimmermann

Karten

Chiara Benedetto

Layout

Chiara Benedetto

Symbole

Chiara Benedetto

Druck

Monotipia Cremonese snc (CR)

Hinweis Klettern ist ein potenziell gefährlicher Sport und geschieht immer auf eigene Gefahr. Alle Hinweise in diesem Führer beruhen auf Informationen, die zum Zeitpunkt der Drucklegung aktuell waren. Es wird empfohlen, sich vor der Begehung einer Route über den aktuellen Stand zu informieren.


Jacky Godoffe

BLEAU À BLOC Bouldern in Fontainebleau

EDIZIONI VERSANTE SUD


INHALTSANGABE und KARTE

4

Vorwort Technische Einführung Legende

6 8 12

1 - ROCHER DU CALVAIRE

14

2 - MONT USSY – ROCHE HERCULE

18

3 - ROCHER CASSEPOT

26

4 - ROCHER SAINT GERMAIN

32

5 - ROCHER CANON

44

CUVIER 6 - BAS CUVIER 7 - CUVIER BIVOUAC 8 - CUVIER REMPART 9 - CUVIER MERVEILLE 10 - CUVIER RECONNAISSANCE 11 - CUVIER MARE À PIAT

58 62 88 94 114 118 128

APREMONT 12 - APREMONT GORGES OUEST 13 - APREMONT GORGES CENTRE 14 - APREMONT GORGES EST 15 - APREMONT ENVERS 16 - VALLON DE LA SOLITUDE 17 - APREMONT SULLY 18 - APREMONT BIZONS

132 136 146 156 156 170 176 182

FRANCHARD ISATIS 19 - ISATIS CENTRE 20 - HAUTES PLAINES 21 - SABLONS 22 - VOLTANE CARRIERS

192 196 218 224 228

FRANCHARD CUISINIÈRE 23 - CUISINIÈRE CENTRE 24 - CUISINIÈRE SUD 25 - CUISINIÈRE ERMITAGE RAYMOND

232 236 256 272

GORGES DU HOUX 26 - GORGES DU HOUX 27 - PETIT PARADIS

280 284 294

28 - SALAMANDRE 29 - ROCHER DES DEMOISELLES

298

30 - ROCHER DE BOULIGNY

318

31 - ROCHER D’AVON

326

Übersichtstabelle

334

304


MELUN

PARIS-A6 MELUN D142

PARIS-A6

6-11

5

D606

D607

BARBIZON

12-18

3

4

MACHERIN

N

2 MILLY

23-25 19-22

D409

26-27 rond point de 28 l’Obélisque

D301

29

1

AVON

FONTAINEBLEAU

31D606 30

D58

D607

D152 URY

NEMOURS-A6

Pierre-Arnaud Chouvy, ANGLE BEN’S, 7a (P.-A. Chouvy - www.bleau-a-bloc.com)

5


VORWORT Der Gipfel des (Boulderer-)Glücks! Wer noch nie zum Bouldern in Bleau war oder gerade dabei ist, dieses Gebiet kennen zu lernen, kann sich auf ungewöhnliche Entdeckungen und große Emotionen gefasst machen! Schon beim Durchblättern der ersten Seiten wird deutlich, warum diese Sandsteinblöcke zu den berühmtesten Boulderfelsen der ganzen Welt gehören. Wer Bleau schon kennt, findet in diesem Führer einen zuverlässigen Begleiter, mit dem die Vorauswahl der Boulder durch Bilder, Zeichnungen und Erklärungen sehr erleichtert wird. Jeder Kletterer bevorzugt einen bestimmten Kletterstil. Wir haben versucht, durch die genauen Beschreibungen die Wahl der „passenden“ Linie zu erleichtern. Ich freue mich sehr, dass ihr mit diesem Führer jetzt auf einen Blick neue Ziele auswählen könnt. Schon immer war dieser Ort für mich wie ein wunderschöner Garten und gerne möchte meine Begeisterung mit euch teilen. Dieser erste Band beschäftigt sich mit den Sektoren rund um die Stadt Fontainebleau. Ein zweiter Band wird von den Gebieten in der Gegend von Milly la forêt handeln. Der dritte Teil befasst sich dann ausschließlich mit den angrenzenden Sektoren (Umgebung von Nemours und Ferté Alais), den noch ganz unbekannten Spots und den Traversen. Wegen der ungeheuren Ausdehnung des gesamten Wald- bzw. Bouldergebiets wäre eine sehr detaillierte Beschreibung der Blöcke eine absolute Sisyphusarbeit. Wir trafen deshalb bestimmte Entscheidungen: In diesem Führer findet ihr nun eine Auswahl an Bouldern mit einer durchschnittlichen Schwierigkeit um den 7. Grad. Ich möchte bei dieser Gelegenheit gerne daran erinnern, dass der Schwierigkeitsgrad nicht soviel zählt wie eine schöne Linie… Ein weiteres bestimmendes Auswahlkriterium war die Vielseitigkeit der Sektoren. Ihr findet in diesem Buch also nicht nur viel und gern besuchte Highlights, sondern auch ruhige und magische Fleckchen inmitten des großen Waldgebiets. Wenn ihr euch zu einem dieser etwas abgelegenen Sektoren aufmacht, dann solltet ihr eine kleine Bürste dabei haben. Es gibt viele schöne Linien, die es verdienen, vorsichtig freigebürstet zu werden. Dass Drahtbürsten, die die Felsstruktur zerstören, nicht benutzt werden sollen, ist im 8

Übrigen für uns eine Selbstverständlichkeit! Schon lange vor den ersten Kletterern war der Wald von Wanderern ausgekundschaftet worden. Sie erschlossen die unzähligen Wege und versahen sie mit blauen Markierungen. Diese Markierungen sowie die Buchstaben A bis Z helfen uns Boulderern heute bei der Orientierung zwischen den vielen Felsen. Trotz dieser Hilfen und eines Boulderführers ist es nicht ausgeschlossen, dass ihr die Blöcke nicht auf Anhieb findet. Aber Suchen gehört dazu, schließlich ist ein Wald keine Indoor-Halle, sondern ein großer, natürlicher Spielplatz, den man mit allen Sinnen entdecken und erforschen sollte! Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir die Natur und ihre Bewohner respektieren. Verlasst den Wald so, wie ihr ihn vorgefunden habt (auch Zigarettenstummel, Papier, Chalk usw. sollten nicht liegenbleiben). Darüber hinaus ist klar, dass keinesfalls Griffe manipuliert werden dürfen. Und es empfiehlt sich wirklich, die Kletterschuhe vor dem Einsteigen immer gut zu reinigen: Es wäre schade, wenn die legendäre Reibung der Felsen von Fontainebleau zerstört würde.


Martin Mayer, Bas Cuvier (N. Altmaier www.NicolasAltmaier.de)

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TECHNISCHE EINFÜHRUNG Einige praktische Informationen, bevor es los geht

an. Natürlich gibt es im weiteren Umkreis noch mehr Möglichkeiten.

EMPFOHLENER ZEITRAUM UND JAHRESZEIT Nützliche Webseiten und Adressen Es ist eigentlich nie richtig kalt hier, Hauptproblem ist eher die häufig hohe Luftfeuchtigkeit. Nach Regenfällen ist es ratsam, die Sektoren aufzusuchen, die sowohl Sonne als auch Wind ausgesetzt sind; leider sind solche Sektoren (wie z.B. Apremont und Cuvier Rempart) in Fontainebleau ziemlich selten. Frühling und Herbst sind die Jahreszeiten, in denen man sicherlich am Besten klettern kann. Zum einen der wunderschönen Waldfärbungen und der angenehmen Temperaturen wegen, zum anderen ist Fontainebleau in diesen Zeitabschnitten auch sehr familientauglich. Im Winter herrschen dank der Kälte ausgezeichnete Reibungsbedingungen, immer wieder wird aber auch in dieser Jahreszeit das Klettervergnügen durch eine unangenehm hohe Luftfeuchtigkeit getrübt. Vor allem im Januar oder Februar ist deshalb manchmal umso mehr Motivation nötig. Im Sommer ist es hier meist zu heiß und Bouldern deshalb eigentlich unmöglich. NÜTZLICHE LINKS Sektoren Zuverlässige und weiterführende Informationen für das Bouldermekka Bleau sind auf der website http://bleau.info zu finden. So werden hier z.B. zahlreiche Passagen beschrieben, die Anzahl der Wiederholungen aktualisiert oder Fotos und Videos bereitgestellt. Die Seite wurde von holländischen Kletterern erstellt. Aus ihrer Feder stammt außerdem der Boulderführer „7+8“, ein Muss! Wetter Über den folgenden Link erhält man Auskunft über die Wetterentwicklung in Fontainebleau. Vorhersagen von mehr als 3 Tagen sind (wie so oft) nicht sehr zuverlässig: http://france.meteofrance.com/france/ m e t e o ? P R E V I S I O N S _ P O R T L E T. path=previsionsville/771860 Übernachten In Melun, der größten Stadt des Départements Seine et Marne, findet ihr viele Hotels und auch einen Campingplatz. Darüber hinaus bieten viele Privatleute sowie Bauernhöfe Übernachtungsmöglichkeiten 10

www.gites-seine-et-marne.com www.gites-de-france-essonne.com www.resa77.fr Jugendherbergen (müssen reserviert werden): Base Régionale de Plein Air et de Loisirs de BOIS-le-ROI UCPA Rue de Tournezy 77 590 BOIS-le-ROI Tel. 01 64 84 33 00 oder Sylvie JEANMICHEL: 01 64 81 33 16 Web : http://boisleroi.ucpa.com E-mail : boisleroi.cial@ucpa.asso.fr Base Régionale de Plein Air et de Loisirs de BUTHIERS 73, rue des roches 77 760 BUTHIERS Tel. 01 64 24 12 87 Web: www.base-de-buthiers.com E-mail : bpa-buthiers@wanadoo.fr Le ROCHETON Centre International UCJG / YMCA 77 000 LA ROCHETTE Tel. 01 64 37 29 37 Web: www.rocheton.asso.fr LE BOIS du LYS Centre International de séjour 380 chemin du clocher 77 190 DAMMARIE-lès-LYS Tel. 01 64 37 15 27 Web : www.boisdulys.com E-mail : hebergement@boisdulys.com Freies Campen Die Nationale Forstdirektion hat zwei offizielle Plätze zur Verfügung gestellt: In Nähe der Forsthäuser von Bois-le-Roi und Bourron-Marlotte darf man kostenlos sein Zelt aufschlagen. Essen Eigentlich hat man nur die Qual der Wahl! Ausgehen: In der Stadt Fontainebleau ist abends ganz schön was los...


ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN

Die Härtesten Boulder in Fontainebleau

Logistische Hinweise Motorisiert muss man eigentlich sein, allein schon wegen des riesigen Ausmaßes des Waldes. Man kommt zwar auch mit der Bahn bis nach Fontainebleau, aber die Sektoren sind meistens einfach zu weit (voneinander) entfernt, um die Strecken zu Fuß zu bewältigen.

8c

Die Parcours Die ersten Parcours wurden in den 1940er Jahren angelegt, als die damaligen Kletterer in Fontainebleau für ihre alpinen Unternehmungen trainierten. Die Verkettung der verschiedenen Parcours ermöglichte ihnen, ähnliche Verhältnisse wie in den Bergen zu schaffen. Die letzten Parcours entstanden Ende der 70er Jahre, als der Schwierigkeitsgrad bei einzelnen Blöcken oder Bewegungen in den Vordergrund rückte. Dies war der Moment, ab dem sich das Schwierigkeitsniveau bedeutend weiterentwickeln konnte. Heute werden die beliebtesten Parcours regelmäßig und gut gepflegt und so kann sich jeder weiterhin an diesen historischen Passagen versuchen. Der Fels Der Sandstein in Fontainebleau ist ziemlich weich und nie aggressiv oder sogar scharfkantig. Einziges Manko dieser Gesteinsart ist, dass sie nur sehr langsam abtrocknet und nach Regenfällen auch brüchiger ist. Nach viel Regen muss man deshalb häufig auch mehr als zwei Tage warten, bevor man wieder klettern kann (vor allem, wenn die Felsblöcke nordseitig exponiert sind). Kletterstile Im Allgemeinen gibt es hier nur wenige Überhänge, der Großteil der Blöcke besteht aus vertikalen oder nur leicht überhängenden Platten. Dies führt zu einer sehr technischen Kletterei, mit reiner Kraft ist meist nicht viel zu holen. Gute Reibungskletterer haben hier einen großen Vorteil. Bei dieser Gelegenheit nochmals die Bitte, keine Drahtbürsten zu benutzen, da ihr damit die Felsstruktur zerstört. Nützlich sind außerdem ein kleiner Teppich und/oder ein kleines Tuch, mit dem man die Kletterschuhe von Sand reinigen kann. Wenn die Sohlen nicht sauber sind, leidet die Körnung des Gesteins und Tritte bzw. Griffe werden rutschig.

KHEOPS Sektor Cuvier rempart, die erste Begehung mit Sit-Start stammt von Antoine Vandeputte (8b bei Start im Stehen) LE DERNIER FLÉAU Sektor Cuvier rempart, Sébastien Frigault zu zuschreiben

8b+

LA FORCE DU DESTIN Sektor Franchard Cuisinière Ermitage, geht auf Kevin Lopata zurück GECKO Sektor Rocher de Bouligny, Sit-Start von Olivier Lebreton (8b bei Start im Stehen) DUNE Sektor Rocher de la Salamandre, mit SitStart von Sébastien Frigault

8b

LA PIERRE PHILOSOPHALE Sektor Apremont Envers, von Fred Nicole L’APPAREMMENT Sektor Apremont Envers, SitStart, von Olivier Lebreton L’INSOUTENABLE LÉGÈRETÉ DE L’ÊTRE Sektor Franchard Isatis, erste Begehung von Sébastien Frigault L’INSOUTENABLE LÉGÈRETÉ DE L’AUTRE Sektor Franchard Isatis, erste Begehung von Sébastien Frigault SIDEWAYS DAZE Sektor Cuvier Rempart, von Dave Graham

Bibliographie Escalade à Fontainebleau les plus beaux sites et blocs Jo Montchaussé, Françoise Montchaussé und Jacky Godoffe Editions Arthaud Escalade “hors pistes” à Fontainebleau 6 et + Jo Montchaussé, Françoise Montchaussé und Jacky Godoffe Editions Arthaud Bleau de grès six Dominique & Jean-Jacques Naëls Essential Fontainebleau Stone Country Fontainebleau Magique Jingo Wobbly Publishing 7 + 8: 1789 straight ups in Fontainebleau Bart Van Raaj 11


LEGENDE

HÖHENLAGE BESTE ZEIT SCHÖNHEIT

PARKMÖGLICHKEITEN

TROCKENTAGE

9 6

BOULDER FAMILIENINSGESAMT FREUNDLICH

3

100

3

SO UND SO

SCHWIERIG

KINDER

SCHÖN

MITTEL

NICHT FÜR KINDER

SEHR SCHÖN

GUT

WUNDERBAR

SEHR GUT

+ NIEDRIGE BLÖCKE

BOULDER GEKLETTERT

MITTELHOHE BLÖCKE

GEFÄHRLICHER BOULDER

HOHE BLÖCKE

GPSKOORDINATEN

SCHÖNHEIT DER MARKIERTE WEGDEFINIERTE WEGDEFINIERTER 2m LINIE GRIFF PASSAGE PARCOURS * ** *** **** *****

12

WEITERE INFOS

1 1 1 1


Javi Pec, DIVINE Dร‰CADENCE, 7b+ (A. Gonzรกlez)

13


58

Nicola Anzoni, CORTOMALTESE, 6c+ (M. Caminati)

CUVIER

BAS CUVIER - CUVIER BIVOUAC - CUVIER REMPART CUVIER RECONNAISSANCE - CUVIER MERVEILLE - CUVIER MARE À PIAT


Nirgendwo sonst findet man eine solch freundliche Atmosphäre, wo man problemlos mit lokalen Kletterern Tipps und Tricks austauschen kann. Einige klettern in diesem Sektor schon seit mehr als 30 Jahren. Man sollte also nicht überrascht sein, wenn irgendein “Opa” ein Boulderproblem löst, an dem man selbst nicht mal den Start schafft. Doch nicht nur die Blöcke selbst sind interessant, auch an den Zirkeln könnt ihr euch versuchen. In Bas Cuvier gibt es insgesamt fünf und ihre Verknüpfung ist eine der bekanntesten und anspruchsvollsten Aufgaben. Einige Guinness-verdächtige Zahlen: die 42 Blöcke des roten Zirkel wurden zum Beispiel bereits in weniger als 20 Minuten durchgeklettert: Unglaublich aber wahr! Der weiße Zirkel wurde mit grobstolligen Schuhen und einem mit Steinen angefüllten Rucksack geklettert (sicher, es gab es damals noch keine Boulder oberhalb des 7. Grades, aber das mindert diese Leistung keinesfalls!). Wenn man Bas Cuvier entlang der Route Mory verlässt oder dem blau gekennzeichneten Weg

Dennecourt folgt, erreicht man den Sektor Cuvier Rempart. Die Anzahl der Blöcke ist dort deutlich geringer, aber die vorhandenen zeichnen sich allesamt durch außergewöhnliche Linien aus. Verlasst am besten nicht die markierten Wege: In diesem riesigen Gebiet verliert man leicht die Orientierung. Zwischen Bas Cuvier und Cuvier Rempart trifft man auf einige verstreute Felsen des Sektors Cuvier Bivouac, welche wirklich einen Besuch verdienen. Die geduldige Suche der Blöcke macht sich definitiv mit ihrer Qualität bezahlt. Ein wenig weiter entfernt, entlang der Route Mory, findet sich der Sektor Merveille („Wunder“, Anm. d. Ü.): Wie schon der Name andeutet, ein richtiges Wunder der Natur mit beinahe mythischen Bouldern in unmittelbarer Reichweite. Einige hundert Meter nach Merveille erreicht man den Sektor Reconnaissance. Er bietet entspanntes Klettern auf mittlerem Niveau und etwas niedrigere Blöcke als im Durchschnitt. Folgt man der Route Mory noch tiefer in den Wald hinein, gelangt man zum Sektor Mare à Piat. Hier ist förmlich der Duft vom großen Abenteuer inmitten des Reiches der Blöcke noch zu riechen. Auf den Nenner gebracht: Der Sektor Cuvier verbirgt wahre Kletter-Schätze. Er war, ist und bleibt das Bouldermekka von Fontainebleau. Quasi ein Tempel, den es zu respektieren gilt und der uns für die Zukunft noch viele ungelöste Projekte bietet.

Tanja Wilz, LA NESCAFE, 6a (N. Altmaier www.NicolasAltmaier.de)

CUVIER

Schon für die ersten Kletterer, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts hierher kamen, war BAS CUVIER so etwas wie die „Geburtsstätte“ für die verschiedenartigsten Klettertechniken. Nach wie vor sind die Nähe zur Straße, die Menge der Blöcke und die Qualität des Sandsteins die bestimmenden Faktoren für die große Popularität diese Gebiets. Hier ist immer ganz schön viel los, denn viele der Boulder, die Bleau so berühmt machen, wurden hier eröffnet.

59


CUVIER

Parkplatz N 48° 26.7600’ E 2° 38.2458’

ZUGANG Auf der Nationalstraße N7 (D607) bis zur Carrefour (Kreuzung) de L’épine zwischen Barbizon und Fontainebleau. Es gibt zwei Parkplätze an der Straßenseite, einer in Richtung Paris und einer in Richtung Fontainebleau. Schon von den Parkplätzen sind die ersten Blöcke von Bas Cuvier zu sehen. MELUN

PARIS-A6 MELUN D142

PARIS-A6

D606 BARBIZON

D607

MACHERIN

N

AVON D409

MILLY

FONTAINEBLEAU

rond point de l’Obelisque

D606 D58 D607

D152 URY

60

NEMOURS-A6

Jose Carlos GM, LA CLE, 6c+ (J. Pec - www.javipec.blogspot.com)


BAS CUVIER N

CUVIER REMPART

CUVIER BIVOUAC

Paris-A6

sentier bleu n°5

tunnel route Mory aire de stationnement du Carrefour de l’Epine

RECONNAISSANCE

MERVEILLE

MARE À PIAT

route du Luxembourg route nationale 7 D607

Fontainebleau

Michele Caminati, KHEOPS, 8b (M. Caminati)

61


BAS CUVIER

6

10 4

Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts war Bas Cuvier eine der „Schmiedestätten“ der Boulderbewegung. Hier dachten sich die stärksten Kletterer jeder Epoche immer schwierigere Boulderprobleme aus und kletterten sie schließlich auch. Die große Anzahl der vorhandenen Blöcke kam ihnen dabei sicherlich sehr entgegen. Natürlich spielten auch die nahen Parkmöglichkeiten eine Rolle, vor allem aber trugen die Besonderheiten der Blöcke selbst zu dieser Popularität bei: Viele Aufleger, leichte Überhänge und ein Kletterstil, der ein umfangreiches technisches Können voraussetzte. Ihr werdet viele geschlagene Griffe finden: Dies war zwischen 1950 und 1960 gang und gäbe und ist auf die große Zahl der Kletterer bzw. deren Willen, sich zu verbessern, zurück zu führen. Heute gilt unter Boulderern jedoch die wichtige und anerkannte Regel, dass Griffe nicht künstlich verbessert werden dürfen. Für jede Epoche gibt es Referenzblöcke, die zum Symbol für den damaligen Kletterstil bzw. die Boulderer geworden sind: Passagen, die auch heute noch wiederholt werden sollten. In den 50er Jahren war MARIE ROSE zweifellos der meistgekletterte 6a-Boulder in Fontainebleau; in den 70ern gab es die erste 7a: L’ABATTOIR, auch heute noch eine große Herausforderung. In den 80er Jahren stellte der nötige physische Kraftaufwand für ABBÉ RÉSINA einen Umbruch dar, einen wahren Kontrapunkt im Vergleich zu dem, was bis dahin an Problemen geklettert werden konnte. Im Zuge dieses kraftaufwendigeren Kletterstils wurde LA BALANCE in den 90er Jahren zu einem absoluten Muss. Ab diesem Zeitpunkt

Höhe der Boulder: 3 bis 5 Meter

+

62

3

100

118

konnten fast alle Passagen befreit werden, beeindruckend ist aber auch die Tatsache, dass die Zahl der Boulderer stark anstieg und somit auch der Kletterstil unterschiedlicher wurde. Dadurch konnten einerseits staturbedingte Nachteile ausgeglichen werden, andererseits kristallisierten sich zwei sehr unterschiedliche Stile heraus: Pressige Kletterei an Auflegern, Vorsprüngen und Wulsten sowie fingerlastiges Klettern an Mikroleisten. Welche Art von Kletterei einem am meisten „taugt“, kann man also selbst herausfinden. Beispielhaft für diese Entwicklung sind folgende Linien: IMOTHEP mit der Kombination von Kompressions- und Sloperzügen in ungewöhnlich ausgesetzter Lage (der Block ist fast 5 Meter hoch) sowie RAIDEUR DIGESTE, eine Reibungsplatte mit Mikrogriffen, die wegen des erforderlichen Kraft- und Technikniveaus noch kaum wiederholt wurde. In diesem Sektor können nicht mehr viele neue Linien erschlossen werden. Alle bekannten Boulderprobleme zeichnen sich durch ein hohes Maß an Krafteinsatz und Technik aus. ZUGANG Auf der Nationalstraße N7 (D607) bis zur Carrefour (Kreuzung) de L’épine zwischen Barbizon und Fontainebleau. Es gibt zwei Parkplätze an der Straßenseite, einen in Richtung Paris und einen in Richtung Fontainebleau. Schon von den Parkplätzen sind die ersten Blöcke von Bas Cuvier zu sehen.

5 MARKIERTE PARCOURS 1

Orangefarben

Art der Kletterei: Aufleger Zugang: Fast nicht erwähnenswert…

1

Blau

1

Rot

Parkplatz N 48° 26.7600’, E 2° 38.2458’ IMOTHEP N 48° 26.9112’, E 2° 38.3428’

1

Schwarz

1

Weiss


FONTAINEBLEAU

vers Rempart sentier bleu n째 3 D607

35 34 36 33

44 32 30 3837

31

28

26 3

24

N

25

14 15 17 18

16

12 13

route de la solitude

2 4

11

23

20 21

45

39 40

27

m.

route du Sanglier

41

29

0 30

43

42

10

1 6

5

46 7 8

22

9

19

PARIS 63


6 BAS CUVIER

BLOCK 1 A - LA LILI 6c ** Sehr schöner und technischer Pfeiler, obwohl ein Griff links wegdefiniert ist B - LA POGNE 6a * Ein wenig schmerzhaft für die linke Hand

BLOCK 1 C - LA CROIX DE FER 7b * Häufig von Moos bedeckt, wenig geklettert

BLOCK 2 A - COUP DE BAMBOU 6c * Sitzstart, nicht sehr hoher Boulder

64

1

1


6 A - 6b * Dynamo an schöner, senkrechter Wand

BAS CUVIER

BLOCK 3

BLOCK 4 A - AERODYNAMITE 7c **** Referenzboulder für Dynamos, große Kletterer im Vorteil

22

B - AERODYNAMITE ASSIS 7c+ ** Sitzstart, Aufleger rechts wegdefiniert. Wenn der Einstiegsdynamo vermieden werden soll, sind echt schwierige Kombizüge nötig C - LE TROU DU SIMON 6a *** Wunderschöner Aufrichter D - L’EMPORTE PIECE 6a * Interessante Risspassage (eigentlich sollte man vermeiden, im Riss zu bleiben)

4

2

BLOCK 5 A - LA POIGNE 6c * Sehr technische Platte, kaum Trittmöglichkeiten

22

B - PLATINIUM 7a * Verlangt viel Fußarbeit

65


bleau à bloc