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#44

Winter | Inviern 2012|2013

COVER

AM KÜCHENTISCH DER GROSSFAMILIE Hierbleiben muss man aushalten

DER SCHLOSSHERR SCHWÄRMT Tarasp als Lieblingsprojekt

SEIT 100 JAHREN FÄHRT DIE RHB BIS SCUOL Eine Bahn für grosse und kleine Fische

[ Generaziuns ]

Generationen

INHALT / CUNTGNU Editorial. Mehr als eine Familiensache.

5

«Hierbleiben muss man aushalten.» Diskussionen

6

am Küchentisch einer Grossfamilie.

«Tarasp ist mein Lieblingsprojekt.» Der Sanierer

10

von Schloss Tarasp über sein Engagement und seine Ideen – eine Fiktion aus dem Sommer 1912.

Zeitlauf am See. Die Künstlerin Gabriele Horndasch

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hat am frühen Morgen die Stimmungen am Lai Nair in Tarasp dokumentiert.

Strecke für grosse und kleine Fische. Seit genau

22

hundert Jahren fährt die RhB ins Unterengadin. Dazu ein Blick ins Bahnmuseum Albula.

Olympias Riesendefizite. Köbi Gantenbein über

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die Geschichte und die hinterlassenen Finanzlöcher der Grossveranstaltungen.

Dad ons grass e dad ons majers. Üna spassegiada

32

tras la ils ultims decennis da la culrua rumantsch ladina – mit einer deutschen Zusammenfassung.

Kindergärtnerin der Kindeskinder. Tina Puorger

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betreut bereits die Kleinen ihrer ersten Kindergärtler.

Engiadina narrais-cha. Extracts da las nardats dad

40

Alfons Clalüna e Caricaturas da Jürg Parli.

Warum Töchter die Eltern pflegen. Fast immer

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kümmern sich Töchter um ältere Familienangehörige.

Das Geschäft bleibt in der Familie. Obwohl es

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nicht immer einfach ist: Oft werden die gleichen Berufe gelernt und die Unternehmen weitergeführt.

Der Rollator neben dem Kinderwagen. Betagte

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und Kinder unter einem Dach, das kann funktionieren.

Die Zukunft der «Fränzlis» ist weiblich. Drei junge

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Frauen in den musikalischen Fussstapfen ihrer Väter.

Paradies der Worte und Gedanken. Die Biblioteca

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Engiadinaisa in Sils ist das Werk einer Stifterin.

Bücher. Neuerscheinungen aus der Region.

60

Pizzeria. Aktuelles aus Südbünden.

62

Vorschau. Impressum.

66

Titelbild Gabriele Horndasch, Bild rechts: pictore/istockphoto.com

www.intersportrent.ch

No. 1 worl dwid over 80

The rent experts

0 sho

ps

e

Mehr als eine Familiensache Liebe Leserinnen und Leser – chara lectura, char lectur

S

eit Generationen bebaut die Familie dieses Stück Land.» Wir verstehen den Satz sofort: Es geht um Väter, Grossmütter und Urgrossväter –

um eine Familienangelegenheit, um Traditionen.

D

aspö generaziuns cultivescha la famiglia quist toc terrain». Dalunga inclegiaina la frasa: I’s tratta da baps, da nonas e da tats – i’s tratta

d’üna fatschenda da famiglia, da tradiziun. Ma il pled

Doch der Begriff «Generationen» geht darüber hin-

«generaziuns» tendscha sur quai oura. In quist’ediziun

aus. Wir gehen in dieser Ausgabe zwar auch den tradi-

muossaina bainschi eir purtrets tradiziunals, ingio

tionellen Bildern nach, wo Grossfamilien über Gene-

cha famiglias grondas vivan insembel düront genera-

rationen zusammenleben und wo die Jugend in die

ziuns e generaziuns, ingio cha’ls giuvens surpiglian

Fussstapfen der Eltern und Grosseltern tritt und Ho-

l’hotel o l’affar dals genituors e da lur nonas e bazeg-

tels, Unternehmen oder die Musikgruppe der «Fränz-

ners, uschè sco ch’eir ils «Fränzlis» chüran e mainan

lis» weiterpflegen und weiterführen. Wir stellen Ih-

inavant lur tradiziun musicala. No As preschantain

nen eine Kindergärtnerin vor, die bereits die Kinder

üna muossadra chi accumpogna fingià als uffants da

EDITORIAL

ihrer ersten Kinder auf einem Stück Lebensweg beglei-

seis prüms scolarins sün ün toc da lur via ed i’s tratta

Urezza Famos

tet, und es geht um Töchter, die ihre Eltern pflegen.

implü da figlias chi pisseran per lur genituors.

Aber wir zeigen Ihnen auch, wie nichtfamiliäres Zu-

No As muossain però eir co chi funcziuna la convi-

sammenarbeiten und -leben über Generationen hin-

venza e la collavuraziun sur plüssas generaziuns tan-

weg funktioniert. Etwa im «Neugut» in Landquart, wo

ter persunas na paraintas. Quai es per exaimpel il cas

Alterszentrum und Kindergarten unter dem gemein-

i’l «Neugut» a Landquart, ingio ch’ün center d’attem-

samen Dach untergebracht sind – ein Modell, über das

pats ed üna scoulina as rechattan suot il listess tet – ün

man auch im Engadin intensiv nachdenkt.

model chi vain tut in consideraziun intensivamaing

Wir befassen uns mit dem Generationenwechsel in

eir per l’Engiadina.

der romanischen Literatur und blenden zurück in die

No ans occupain cun la müdada da generaziuns illa

hundertjährige Geschichte der Bahnverbindung ins

litteratura rumantscha e dain ün sguard inavo sün

Unterengadin und – provokativ im Hinblick auf die

100 ons istorgia da la viafier in Engiadina Bassa – e pro-

Bündner Abstimmung im März 2013 – in die Verände-

vochain ün sguard inavant sün las müdadas i’l circus

rungen im Olympia-Zirkus. Symbolträchtig zeigt die

olimpic chi han da gnir admissas illa votumaziun

Fotostrecke den Lauf der Zeit – auch ein Element des

chantunala in marz 2013. Las fotografias simbolise-

Generationenbegriffs. Wir laden Sie ausserdem ein zu

schan l’ir dal temp – ün ulteriur elemaint chi’d es col-

einem Ausflug in die Fiktion, wenn es darum geht, zu

lià cul term generaziuns. Dasper tuot quist As invi-

ergründen, was der Retter von Schloss Tarasp vor ge-

daina da far ün’excursiun fictiva e tadlar che cha

nau 100 Jahren gesagt hat – gesagt haben könnte!

l’iniziant restoratur dal Chastè da Tarasp ha dit precis

All diese Geschichten wollen Ihnen zeigen, dass über

avant 100 ons – o pudess avair dit!

die Generationen nicht nur Materielles weitergegeben

Tuot quistas istorgias muossan cha las generaziuns nu

wird, sondern auch soziale Kompetenz und kulturelle

dan inavant be mezs materials, mobain eir cumpeten-

Werte. Freuen Sie sich also wieder auf ein Heft voller

zas socialas e valuors culturalas. S’allegrai dimena da

überraschender Geschichten und abonnieren oder

leger darcheu ün magazin plain istorgias surprenden-

verschenken Sie piz: www.pizmagazin.ch

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piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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«Hierbleiben muss man aushalten» Was prägt eine Jugend im Engadin? Unterscheidet sie sich in globalisierten Zeiten überhaupt noch von einer in Basel oder Zürich? Wir versuchen die Frage am Küchentisch einer Grossfamilie in St. Moritz zu klären.

Text: Mathias Balzer Fotos: Flurin Bertschinger

D

as Haus an der Via Spelma in St. Moritz ist die

sind doch in etwa dieselben wie in grossen Agglome-

Antithese zur Behauptung, dass der Lebens-

rationen. Die elektronischen Netzwerke garantieren

raum für Einheimische im Oberengadin bald

wie anderswo die Teilhabe am globalen Informations-

so knapp wird wie für Bären. In der Gemeinschaftskü-

fluss. Persönliche Kontakte können dank Facebook,

che des hundertjährigen Hauses gehen drei Generati-

Twitter und schnellen Verkehrswegen auch über die

onen einer Grossfamilie ein und aus. Die Spaghetti

Berge hinweg intensiv gepflegt werden.

schmecken hervorragend und nach zwei Stunden Gespräch am grossen Tisch stellt sich so was wie Gebor-

Weg – und wieder zurück

genheit ein. Man fühlt: Das hier ist ein Zuhause.

«Es ist eben nicht so einfach, sich selbst zu finden, sei-

Am Tisch mit uns sitzen Marcella Maier, die 92-jährige

nen eigenen Weg zu beginnen in einem Tal, in dem es

Schriftstellerin, engagierte Journalistin und streit-

doch eng ist, wo alles schon vorgegeben ist, wo man

bare Politikerin, im Haus Nona genannt; ihre Tochter,

sofort auffällt, wenn man nur ein bisschen aus der

Corina Huber, und deren Tochter, Selina Huber. Drei

Reihe tanzt», sagt Selina, die jüngste der drei Frauen.

Frauen, drei Generationen St. Moritzerinnen, die ge-

Sie habe schon ab der sechsten Klasse gewusst: «Ich

meinsam Erfahrungen teilen, die beinah ein ganzes

muss hier weg.» Dank des weltoffenen Elternhauses

Jahrhundert umfassen. Sie empfangen uns stellvertre-

hat sie ihre Kontakte anderswo gesucht, gefunden und

tend für den gesamten Haushalt. Zwei weitere Töchter

gepflegt. Als sie nach der KV-Ausbildung nach Zürich

von Marcella Maier leben mit ihren Familien eben-

zog, erging es ihr aber doch ein wenig wie Johanna

falls unter demselben Dach, fünf Enkel und einige Un-

Spyris Heidi in Frankfurt: Die Menschenmassen, die

termieter gehen hier ein und aus. Eine Lebensgemein-

Vielzahl der Lebensentwürfe, die tägliche Hektik wa-

schaft, wie sie in unseren Breitengraden nur noch

ren ebenso erschlagend wie inspirierend. Ganz zu

selten anzutreffen ist.

Gibt es noch Unterschiede?

schweigen vom Ausgeh- und Kulturangebot, das die Angebote im Engadin doch etwas alt aussehen lasse. Und doch: Nachdem die Stadt «erobert», einige neuste

St. Moritz ist ein janusköpfiger Ort, Dorf und Mini-

Trends ausprobiert waren, verblasste der Reiz des Un-

stadt in einem. Die Mischung aus provinziellem Dorf-

bekannten. Und dann wurde auch Selina sachte von

leben und mondäner Weltläufigkeit bestimmt hier

der ältesten aller Engadiner Krankheiten gestreift,

den Lauf der Dinge und die Biografien derjenigen, die

vom Heimweh.

hier aufwachsen, ihre Jugend verbringen und viel-

«Der Drang, wegzugehen, die Welt zu sehen, keimt

Foto rechte Seite:

leicht auch bleiben. Obwohl das die wenigsten tun,

hier oben besonders gut», meint ihre Grossmutter.

Eine Grossfamilie über

wie Corina Huber sagt. Aus ihrer ehemaligen Schul-

Das kommt natürlich auch durch Begegnungen mit

drei Generationen lebt im

klasse sei es gerade mal eine Handvoll, die sich für ein

Gästen, die einem allein schon durch ihre Herkunft –

selben Haus. Drei Frauen

Leben im Engadin entschieden hätte. Die anderen ha-

sei es Hamburg, London oder São Paulo – ständig den

ben sich über die Berge davongemacht.

Duft der weiten Welt durch die Nase ziehen. «Ist man

diskutieren als Stellvertreterinnen: Marcella Maier (Mitte),

Davongemacht, weil hier oben etwas Entscheidendes

aber länger in der Stadt, beginnt man die Natur zu ver-

deren Tochter Corina Huber

fehlt für ein «erfülltes» Leben? Unterscheidet sich die

missen. Und dann auch wieder umgekehrt», erklärt

(rechts) und die Enkelin,

Kindheit und Jugend im Engadin überhaupt noch von

Selina, die vorläufig zurückgekommen ist in die WG

Selina Huber (links).

derjenigen im Unterland? Die Einkaufsmöglichkeiten

der Nona. Die Enkelin arbeitet bei einem Tourismus-

6

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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büro, weiss aber genau, dass sie es hier oben nicht

St. Moritz war damals ganz und gar nicht unberührt

allzu lange aushalten wird. Zu viel gebe es noch zu ent-

von den Kulturimpulsen, die aus San Francisco und

decken in dieser Welt. Indien und Nepal hat sie bereits

London über den grossen Teich wehten. So entschied

intensiv bereist. Weitere Ziele, als Ferien- oder als Ar-

sie sich, als nach einer neunmonatigen Indienreise

beitsort, stehen auf ihrer Wunschliste. Auch ihr

mit ihrem Mann die Familiengründung anstand, in

Freundeskreis wohne weit um den Piz Nair herum.

Andere Zeiten – andere Bedingungen

St. Moritz zu bleiben. «Mir ist das leicht gefallen», sagt sie heute. «Ich bin eben ein Naturkind.» So unterschiedlich die zeitlich bedingten Umstände

Für Marcella Maier, 1920 geboren, stand ein solch glo-

dieser drei Biografien sind, so klar wird beim Gespräch

baler Lebensentwurf vorerst nicht zur Disposition. In

hier in der Küche, dass es ohne einmal wegzugehen

den Dreissigerjahren verbrachte sie das damals auch

kein Hierbleiben gibt. Dass nur wenige zurückkom-

für Engadinerinnen obligate Welschlandjahr als Au-

men, liege vor allem an den Arbeitsmöglichkeiten,

pair-Mädchen bei einer kulturell engagierten Familie

meint Selina Huber. «Das Jobangebot ist sehr be-

in Genf. Nach einem darauf folgenden Italienaufent-

schränkt, etwas wirklich Interessantes zu finden, ist

halt war es aber bereits fertig mit der Entdeckung der

schwierig.» Demnach sind die Engadiner, wie zu Zei-

Welt. Die Jahre des Zweiten Weltkriegs verbrachte sie

ten der Zuckerbäcker, im Grunde immer noch Aus-

fast ausschliesslich in St. Moritz. «Wo hätte man auch

wanderer. Nur sind die Bodenpreise mittlerweile zu

hingehen sollen? Die Grenzen waren dicht. Am

hoch, um sich als Rückkehrer ein Sommerhaus zu

Abend wars im ganzen Land dunkel», erinnert sich die

bauen, wie es vorhergehende Generationen taten.

heute beinah erblindete Schriftstellerin. «Aber das war kein langweiliges Leben», sagt sie nachdrücklich.

Einheimische als Zaungäste

«Der Zusammenhalt im Dorf war gross. Man half sich

Für diejenigen, die hier bleiben, haben sich die Mög-

mit dem Nötigsten aus. Die Frauen nähten oder strick-

lichkeiten, mit dem globalen Dorf in Kontakt zu blei-

ten gemeinsam. Kulturell lief wenig. Die Hotels waren,

ben, durch die Mobilität und die Oberflächen der elek-

mit Ausnahme des ‹Palace›, geschlossen. Einige vom

tronischen Kommunikationsmittel erweitert. Vom

Krieg geflüchtete Musiker gaben ab und zu ein Kon-

realen Gast bekomme man heute aber weniger mit, als

zert. Dann ging man eben zu Fuss nach Silvaplana

früher, meint Selina und stellt ihrer Grossmutter die

und kehrte nach dem Konzert unter dem Sternenhim-

Frage, ob es denn früher nicht interessanter gewesen

mel nach Hause zurück.»

sei, als die Gäste nicht wie heute nur drei Tage, son-

Als es nach der Olympiade 1948 wieder aufwärtsging,

dern drei Wochen oder drei Monate geblieben seien.

in den Fünfzigern die Hollywoodstars wieder anreis-

Grossmutter und Mutter bestätigen, dass sich das Ver-

ten, war Marcella Maier bereits Mutter und hatte sich

hältnis zu den Gästen bestimmt verändert habe. Für

für ein engagiertes Leben im Engadin entschieden.

Selina hat der Tourismus im Spiegel der Erzählungen

Die Welt habe sie erst später bereist.

ihrer Grossmutter, die immerhin Persönlichkeiten

St. Moritz weiss, woher der Zeitgeist weht

wie Hermann Hesse oder Charlie Chaplin begegnet ist, an persönlichem Charme eingebüsst.

Corina Huber, heute Leiterin der Dokumentationsbi-

Die Nona lächelt: «Wir leben hier in einem Theater.

bliothek in St. Moritz, steht quasi in der Mitte der Er-

St. Moritz ist eine Bühne und die Einheimischen sind

fahrungen ihrer Mutter und derjenigen ihrer Tochter

dabei Zaungäste und Zudiener. Das ertragen nicht alle.

Selina. Sie widerspricht der Tochter, wenn diese das

Diese Rolle muss man schon aushalten, wenn man

hiesige Kulturangebot etwas belächelt. Es gebe mitt-

hier lebt.»

lerweile Anlässe, wie das Jazzfestival oder das Art Masters, die internationalen Wind ins Kulturleben brächten und den Vorteil hätten, dass man hier, im Dorf, den Künstlern auch persönlich begegnen könne. Ihr, die Ende der Sechzigerjahre zwanzig war, habe es hier oben auch in der Jugend nicht an Essentiellem gefehlt. Natürlich hätten auch sie oft Freunde in Zürich besucht und spätestens nach dem ersten Openair-Besuch in Wetzikon, an dem «Deep Purple» aufspielten, habe auch sie gewusst, woher der Zeitgeist weht. 8

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Hier noch das Bild der Frauen am Tisch, ganz klein?

vivanda

g ev ni vuai n nd a ae g ne gn i audi n i na a e n g i a d i n a

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«Tarasp ist mein Lieblingsprojekt» Tarasp verdankt den Wiederaufbau der Ruine zum Schloss vor hundert Jahren dem «Odol­könig» Karl August Lingner. Lingner-Biograf Walter A. Büchi hat den damaligen Schlossherrn zu einem Interview auf der Baustelle überreden können – eine Fiktion aus dem Sommer 1912.

Text: Walter A. Büchi Fotos: Susanna Fanzun

D

as ist er also, der Mann mit den vielen Millio-

tor (als Ehrendoktor der Medizin der Universität

nen, Fabrikant, Reklamegenie, Bazillenkrieger,

Bern)? Oder (da ich gehört hatte, er möge Schmeiche-

Aufsteiger aus einfachen Verhältnissen. Freun­-

leien nicht) einfach Herr Lingner? Ich versuche es:

de sagen: Ausnahmemensch.

Das «Teehaus» unterhalb des Schlosses ist unser Treff-

Exzellenz.

punkt. Ein flacher Holzbau, zwei Räume mit Telefon,

Lingner wehrt ab: Einfach Doktor, bitte.

wenige Möbel, ein Harmonium, alles rauchgeschwän-

Dann will er alles über mich erfahren, wer ich sei, wel-

gert. Lingner begrüsst mich freundlich-skeptisch. Er

che Ausbildung ich genossen habe, in wessen Dienst

trägt Bart, ist von blasser Gesichtsfarbe, etwas steif­

ich stehe und so weiter.

nackig, ausgesucht höflich im Umgang. Die warme Nacht lockt auf die Korbstühle im Freien. Das Heer der

Warum gerade Tarasp?

Grillen gibt den Ton an und die Fledermäuse stürzen

Endlich ergibt sich Gelegenheit für die erste Frage: Die

sich in ihre Jagdgründe.

Menschen möchten immer zuerst wissen, wieso Sie über-

Ich bin auf 22 Uhr bestellt worden. Bausekretär Vaja

haupt nach Tarasp gekommen sind.

hat mich hierhin begleitet, sich ein paar Bemerkun-

Oh, der Name Tarasp begegnete mir erstmals anläss-

gen zu Lingner gestattet, mir dann etwas von einer

lich eines wohltätigen Basars in Dresden, und zwar in

Staubsauganlage erzählt, die nun doch nicht einge-

Gestalt eines Aquarells, welches unsere damalige Kö-

richtet werde, den vielen elektrischen Steckdosen und

nigin Carola, eine grosse Frau, gemalt hatte. Sie besass

der Zentralheizung und dass der Chef immer das Mo-

in Tarasp ein Hausgrundstück, verbrachte gern den

dernste wolle. Ich hörte nur mit halbem Ohr zu.

Sommer hier oben, malte fleissig. Neugierig geworden,

Lingner kramt einen dünnen Karton aus seinem lei-

fuhr ich im Jahr 1900 hin, damals noch mit der Kut-

nenen Anzug und steckt ihn wieder ein – seine Agenda,

sche über den Pass. Natürlich lockten mich ebenso die

die er jeden Tag wegwerfen kann, er mag es nicht, das

arzneikräftigen Glaubersalz-Quellen, die grossartige

Erledigte verflossener Wochen mit sich herumzu-

Trinkhalle, das vorzügliche Alpenklima, die ganze

schleppen. Offenbar bin ich heute sein letzter Gast.

wilde Gebirgsnatur – Marienbad und Vichy erschei-

Ein smarter junger Mann füllt zwei Gläser mit franzö-

nen mir demgegenüber geradezu als langweilig.

sischem Rotwein, stellt etwas Gebäck dazu, sein Auftreten hat etwas Mondänes, steht in eigenartigem

Hatte denn eine Krankheit Sie geplagt?

Kontrast zur natürlichen Umgebung aus Wiese und al-

Nein, nein, ich war damals etwas überarbeitet, da

lerlei Buschwerk.

braucht man Gratifikation. Aber man geht ja auch aus

Lingner schaut mich prüfend an, setzt dann, gemes-

anderen Gründen in die Kurhäuser, trifft sich dort mit

sen und kunstvoll, eine Zigarre in Brand, nimmt ei-

interessanten Menschen.

nen Zug und betrachtet sichtbar entspannt, fast liebe-

10

voll das glühende Ende. Derweil mache ich mir über

Und dann haben Sie sich in Schloss Tarasp verguckt?

die korrekte Anrede Gedanken. Nach seiner Weltge-

Verguckt? Da ist nichts bloss gefühlsmässig. Es gibt lei-

sundheitsausstellung in Dresden vom letzten Jahr

der viele mittelalterliche Burgen in Deutschland und

wurde er mit Ehrungen aller Art überhäuft. Also Ex-

der Schweiz, die zerfallen oder, was fast noch schlim-

zellenz (der Wirkliche Geheime Rat)? Oder Herr Dok-

mer ist, die ungeschickt oder kitschig restauriert wer-

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Im «Teehaus» unterhalb des Schlosses unterhält sich Biograf und Interviewer Walter A. Büchi mit «Odolkönig» Karl August Lingner. Lingner liess die Ruine vor hundert Jahren wieder zum Schloss ausbauen.

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den. Mein Ziel ist klar: Das Alte erhalten, das Neue ge-

da irren sich die Leute. Wer allerdings findet, Schloss

stalten! Dabei vertraue ich mich ganz der Führung der

Tarasp sei mein Lieblingsprojekt, der irrt nicht.

Wissenschaft an. Ich will etwas Einmaliges hinstellen, eine mustergültige Rekonstruktion.

Und nun Ihr Ziel, Herr Doktor? Am Ende wird Schloss Tarasp als eine herrliche Baute

Also kein Neuschwanstein …

dastehen, verwandelt in ein Fest-, Kunst- und Gäste-

... ums Himmels willen! Eine mustergültige Rekonst-

haus, wo meine Freunde sich aufhalten und sich im

ruktion unter Mitwirkung der besten Herren vom

Tempel der Kunst ergehen können. Wo Männer der

Fach. Die Wiederherstellung deutscher Burgen ist üb-

Tat sich zum Gedankenaustausch treffen, Neues in die

rigens auch ein Herzensanliegen unseres Kaisers Wil-

Wege geleitet wird. Oberstes Gesetz wird das Wohl der

helm, einer seiner Burgenforscher war mehrfach hier.

Was möchten Sie mit dieser Burg?

Gäste sein, weshalb es auch einen Tennisplatz geben wird, Bootsfahrten auf dem Wildsee und anderes mehr. Auch der Tempel der Natur soll zu seinem Recht

Man arbeitet bereits sechs Jahre am Schloss – wann wird

kommen. Zurzeit wird grad über die Bepflanzung des

man fertig sein? Die Leute denken ja, Sie hätten beliebig

schrecklich kahlen Schlosshügels verhandelt, ich

Mittel zur Verfügung. Auch weiss niemand so recht, was ei-

denke an Ahorn, Esche, Vogelbeere, Birke, Silberpap-

gentlich Ihr Ziel ist. Werden Sie dereinst darin wohnen?

pel, Blautanne, Berberitze, Legföhre, Wildrebe, Aka-

Halt, halt. Sie sollten eine Frage nach der anderen stel-

zie, Holunder, Efeu und habe angeordnet, dass nur ge-

len, und jetzt sind es schon deren drei! Um die Über-

pflanzt wird, was auch tatsächlich hierher gehört.

sichtlichkeit zu wahren, nochmals von vorn. Die Bau-

Spätere Generationen können sich dann in Botanik

zeit: Ich suche bei all meinen Bestrebungen kristallene

üben! Lingner setzt seine «Romeo y Julieta» nochmals

Klarheit – was hier nicht gleichermassen möglich ist,

in Brand, schmunzelt dabei. Die Tarasper werden mit

weil es viele Überraschungen gibt und zu viele Ent-

Giessen alle Hände voll zu tun haben!

scheide aus der Situation heraus geschehen müssen. Die Beschaffung der Inneneinrichtung, der Möbel

12

Und die «schöne Gräfin», von der alle reden und für die im

und Kunstwerke, verläuft gut. Mit dem Aufrichtfest

Schloss ein Schlafzimmer reserviert sei?

rechne ich in spätestens zwei Jahren. Bitte bedenken

Einen Moment lang blicke ich in Lingners Abwehr-

Sie, dass wir im Winter nicht viel machen können!

maske, jene Mischung von Entrüstung und Arroganz,

Wir freuen uns jedenfalls, dass die Engadin-Bahn im-

welche in Dresden berüchtigt sei. Ich bitte Sie! Solche

mer näher kommt. Schon nächstes Jahr fährt sie bis

Fragen sind nicht verabredet! Und bis jetzt bestimme

Schuls – elektrisch!

immer noch ich, wer wo zu Bette geht!

Die Mittel?

Nach einigem Schweigen versuche ich es mit der

Gewiss ging eine intensive Planarbeit voraus! Einen

nächsten Frage: Nun haben wir vom Besten noch gar

Kostenvoranschlag festzusetzen, war nicht einfach.

nicht gesprochen: Es soll ein klingendes Schloss werden?

Denn die Burg fordert uns ständig heraus, die jewei-

Ein rascher Zug an der Zigarre. Lingner blickt mich er-

lige Sachlage befiehlt, was zu tun ist. Was meine Mit-

neut eindringlich an. Misstrauen flackert auf. Der

tel angeht, so sind diese selbstverständlich begrenzt,

Glutstängel ist jetzt bedrohlich auf mich gerichtet.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Wer hat dies austrompetet?

Ein Wirklicher Geheimer Rat, das bewohnbare Schloss,

Impressionen aus dem Schloss

Ich weiss nicht, was antworten. Jeder auf dem Hügel

Ihre Nachforschungen bei früheren adeligen Besitzern in

Tarasp und der Plan für

hat doch schon davon gehört. Und den Bausekretär

Österreich – könnte es sein, dass Sie mit Schloss Tarasp auf

Lingners «Schnellen Seekreuzer

will ich keinesfalls denunzieren: Er hat mir geflüstert,

die Übernahme eines Adelstitels hofften?

Tarasp».

gerade eben seien erste Pläne für den Einbau einer rie-

Die Frage gefällt ihm nicht. Energisch drückt er das

senhaften Orgel nach Dresden abgegangen, und die

Rauchzeug ins Gras. Und dann, nach einiger Zeit:

werde um die 20'000 Mark kosten – etwa gleich viel

Ach, dieses Geschwätz wegen der Rangerhöhung.

wie damals der Erwerb der ganzen Burgruine. Lingner

Sehen Sie, ganz Dresden hatte im vergangenen Jahr

sei ein verhinderter Künstler und begnadeter Organist.

erwartet, dass mich der sächsische König adeln würde.

Und ich brauche jetzt dringend eine begnadete Frage,

Diese Gnade wurde mir nicht zuteil. Ansonsten habe

um Lingners Goodwill zurückzugewinnen. Hatte

ich fast alle Ehrungen bekommen, die ein deutscher

man mich nicht gewarnt, der Krösus lasse seine Pläne

Bürger bekommen kann. Auch diejenige der Dresdner

nicht gern durchschauen und sei in solchen Dingen

Bürgerschaft, die – spät genug – einsah, dass ich Idea-

ziemlich zart besaitet?

list bin. All die Jahre blieb ich meiner Stadt treu, habe

So kommt Geld ins Dorf Ich habe bemerkt, dass die Tarasper Sie sehr schätzen, auch

nach besten Kräften dem Gemeinwohl gedient, Ideen eingebracht und Schenkungen gemacht. Aber eigentlich waren wir ja bei Schloss Tarasp.

am liebsten mit Ihnen persönlich verhandeln … … und ich mag halt die Tarasper ebenfalls gut leiden!

Sie fahren gern zur See, verfügen über eine 18-Meter-Luxus-

Nicht wenige können von uns profitieren. Dies soll

Yacht, welche den Namen «Tarasp» trägt …

auch für die Zukunft gelten – die wieder belebte Burg

… den exklusivsten Namen, den man sich denken

wird für die Aufgeschlossenen unter ihnen allerlei

kann! Sehen Sie, ich mag die Extreme, das tiefe Meer

Möglichkeiten bieten. So kommt etwas Geld ins Dorf.

und die hohen Berge. Für Letzteres … Der smarte junge

Tarasp soll aufblühen. Meinerseits biete ich gerne

Mann erscheint wieder, macht Lingner im Flüster-

Hand für Neuerungen, doch die Wasserversorgung ist

ton – beinahe ein bisschen sehr intim – darauf auf-

leider immer noch ungelöst. Ich habe dafür doch An-

merksam, die Geschäftsherren warteten im Hotel

gebote gemacht. Stattdessen erzählt man sich, ich

Waldhaus schon geraume Zeit auf die Exzellenz.

würde über den Inn eine Brücke bauen, was ich ins

Sind Sie beauftragt, mich hier abzuholen, und wenn

Land der Fabeln verweisen muss. Ich denke, die Ein-

ja: Wer glaubt mir Befehle erteilen zu müssen? Damit

heimischen sollten da und dort sich selber mehr rüh-

kann der junge Mann nicht dienen – er tat dies aus ei-

ren anstatt auf Hilfe von aussen zu warten.

genem Antrieb, um Lingner nützlich zu sein, vielleicht auch um eines Trinkgeldes willen. Barsch wird

Konflikte gibt es auch?

er weggewiesen. Und Lingner denkt nicht daran, un-

Wir haben das Baden im Wildsee einschränken müs-

ser Gespräch zu beenden.

sen. Dass unsere Arbeiter am Feierabend nackt in den See sprangen, war zwar einerseits unverschämt, ihnen

Sie wollten dereinst Musiker werden?

anderseits an den heissen Tagen zu gönnen. Aber die

Meine musikalische Leidenschaft geht bis in die Ju-

Empfindlichkeiten der Dorfbevölkerung gehen vor.

gendjahre zurück und fand lange keine Erfüllung.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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Kaufmann wurde ich wider Willen, was mir heute kei-

die Katz war. Es muss doch jemanden geben, der wie

ner mehr glaubt. Aber ohne Musik kann ich nicht sein,

ich Freude daran hat, Gastgeber zu sein und die schö-

sie ist mehr als wohltuend, sie ist heilend, heilsam, gibt

nen Künste zu fördern.

Kraft. Wenn ich schmutzig bin, nehme ich ein Bad,

Als wir uns verabschieden, äussert Lingner den

wenn ich mich seelisch reinigen will, spiele ich Orgel.

Wunsch, ins Manuskript Einblick zu nehmen, mur-

Das klingende Schloss

melt etwas von schlechten Erfahrungen. Ist er das Schosskind des Glücks, wie viele denken? Ich weiss

Dann wird Schloss Tarasp tatsächlich ein klingendes

nicht. Wie ich zum Teehaus zurückschaue, sehe ich

Schloss werden?

hinter dem Fensterglas ein Streichholz aufflammen.

Ja. Und was auch immer ein späterer Besitzer treibt, die Musik darf keinesfalls aus dem Schloss mehr ent-

Dem Publikum öffnen? Sicher!

weichen, man soll sie im ganzen Schloss vernehmen

Auf dem Weg ins Dorf komme ich am Wachthaus vor-

können, sie bringt Leben ins riesige Gehäuse wie

bei, wo noch Licht brennt. Sekretär Vaja öffnet das

nichts anderes sonst. Dafür steht die Orgel. Verschie-

Fenster, sein Arbeitstag ist nicht zu Ende, eine Kiste

dene weitere passende Anlässe sind denkbar – als Gast-

voller rostiger Türschlösser sei auszupacken, frühmor-

geber hier oben muss man die Zweieinigkeit von mu-

gens kämen die Fachleute.

sischer und kaufmännischer Begabung mitbringen.

Meine Frage, ob Lingner denn die fertige Burg wenigs-

Übrigens habe ich damit begonnen, alte Musikinstru-

tens zeitweise auch dem Publikum öffnen werde, be-

mente zu sammeln, um sie erforschen zu lassen und zu

antwortet er mit «sicher!» In der Tat: Lingners Unter-

vervollkommnen – auch diese könnten hierher passen.

nehmungsgeist hat immerfort Öffentlichkeit gesucht. Dementsprechend, mutmasse ich, wird er auch

Inzwischen geht es gegen Mitternacht. Es scheint zu

Schloss Tarasp nicht als verriegeltes Anwesen gedacht

stimmen, was ich sagen hörte: dass Lingner regelmäs-

haben, vielmehr soll es die Menschen anziehen und

sig die Nacht zum Tag mache. Eine persönliche Ar-

ihr Interesse an Geschichte, Musik und Kunst wecken.

beitszeiteinteilung sei ihm fremd. Ausgerüstet mit

Und während ich mutmasse, sagt Sekretär Vaja: «Ex-

enormem Erkenntnisdrang und einem phänomena-

zellenz Lingner war mit dem Gespräch offenbar zu-

len Gedächtnis sei er stets ganz bei der Sache, was im-

frieden – ganz zufrieden ist er nie! – und hat jedenfalls

mer es sei. Unter Freunden soll er geäussert haben, er

grad angerufen, ich solle Ihnen unbedingt die Denk-

habe wenig vom Leben, müsse immerfort grübeln

schrift mitgeben!»

und sinnen Nächte hindurch.

Vaja steckt mir ein Büchlein zu: «Denkschrift zur Errich-

Lingner lehnt sich zurück. Tja, es ist ein köstlicher Be-

legt von Dr. med. h. c. K. A. Lingner, Wirklicher Geheimer

sitz – genau so werde ich es ins Vermächtnis schreiben.

Rat, März 1912».

tung eines National-Hygiene-Museums in Dresden, darge-

Schloss Tarasp möchte ich gewissermassen dem Adel zurückschenken. Falls dies nicht gelingen sollte,

Was lädt sich dieser Mann noch alles auf?

müsste es wegen der hohen Kosten an einen reichen Mann verkauft werden. Dieser sollte keine Steuern dafür zahlen müssen. Aber: Trau, schau wem! Es darf nicht sein, dass Schloss Tarasp wieder in Untätigkeit und Zerfall gerät und meine ganze Arbeit hier oben für

PS: Der Interviewer macht darauf aufmerksam, dass Karl August Lingners Worte zum Teil nicht im wissenschaftlichen Sinn zitierbar sind. Gleichwohl beruhen die meisten Aussagen dieses fiktiven Textes zumindest sinngemäss auf Aussagen von Lingner selbst, einige von mit ihm Vertrauten.

Karl August Lingner besuchte die Tarasper Schlossbaustelle nicht nur 1912,

LITERATURHINWEIS: Walter A. Büchi: Karl August Linger: Das grosse Leben des Odolkönigs, Edition Sächsische Zeitung, 2006, Fr. 29.50

14

sondern auch in den darauf folgenden Sommern. 1914 gab es ein grandioses Aufrichtfest. Letztmals kam er 1915 nach Tarasp, bereits kränkelnd, doch immer in der Hoffnung, die Fertigstellung des Schlosses mitsamt der Orgel zu erleben. Es kam anders: Er starb am 5. Juni 1916 in einer Berliner Klinik – ohne Tarasp wieder gesehen zu haben. Das Schloss ging testamentarisch an den Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen. In neuester Zeit sind Bestrebungen im Gang, es in die Hand einer öffentlichen Stiftung zu überführen. Bereits in den 1990er Jahren hat eine Orgelstiftung das kostbare Instrument wieder zum Klingen gebracht.

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15

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Schwarzes Loch, 26.8.2012 / 12

Zeitlauf am See Im Sommer 2012 lief die Künstlerin Gabriele Horndasch jeden Morgen hinauf zum Lai Nair in Tarasp, um diesen im Morgenlicht zwischen 6 und 7 Uhr einmal zu umkreisen. Dabei hat sie eine Art Flügelpaar getragen, das neonrot leuchtet. Mit Video und Fotografie festgehaltene Bildsequenzen dokumentieren diese tägliche, meist publikumslose Performance, in der die Künstlerin das frühe Tageslicht mit dem Kunstlicht Zwiesprache halten lässt und auf diese Weise dem Betrachter den Lauf der Zeit vermittelt.

16

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Schwarzes Loch, 26.8.2012 / 24

GABRIELE HORNDASCH (*1969) lebt in Düsseldorf.

haben scheinen», schreibt Jürgen Kisters im Kölner

Nach ihrer Ausbildung in Bildhauerei und Film an der

Stadtanzeiger über die Künstlerin. Zuletzt hatte sie

Kunstakademie Düsseldorf widmet sie sich vor allem

mit einer beweglichen Neobuchstaben-Installation

«Dingen, die in Bewegung sind». Ihre Arbeiten zeigt

auf der Fassade des Japanischen Kulturinstituts in

sie an Gruppen- und Einzelausstellungen weit über

Köln immer wieder neue Sätze kreiert und so den Sinn

Deutschland hinaus. Nach verschiedenen Arbeitsauf-

der geschriebenen Sprache in Frage gestellt, denn da-

enthalten in Frankreich, Südkorea, Polen und den

bei ist Sinnloses und Paradoxes entstanden. Dabei

Niederlanden war sie im Sommer 2012 Stipendiatin

«verlieren wir nicht nur die Sicherheit der Orientie-

im Zentrum für Gegenwartskunst Nairs in Scuol.

rung, sondern unsere Fantasie wird zugleich mit aller-

Die Künstlerin bewegt sich zwischen den Disziplinen

hand Verrücktheiten beflügelt», schreibt Kisters – eine

von Bildhauerei, Film und Fotografie. Sie setzt dort an,

Wirkung, die die Künstlerin erklärtermassen erzielen

«wo wir unsere Alltagswirklichkeit, unser Denken und

will. Auch die den Lai Nair umkreisende rote Figur soll

Verhalten mit den Zeichen der Sprache fest im Griff zu

uns beflügeln.

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Fotos: Gabriele Horndasch

17

Schwarzes Loch, 26.8.2012 / 35

AUSSTELLUNGSTIPP Horndaschs Arbeit «Schwarzes Loch» (1-Kanal-Videoprojektion, HD, 9 Min., Farbe) wurde zur Jahresausstellung der Bündner Kunstschaffenden im Kunstmuseum Chur eingeladen und ist dort bis zum 20. Januar 2013 zu sehen.

Schwarzes Loch, 26.8.2012 / 50

Foto: H. J. Pfäffli

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SCUOL-TARASP AROSA

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ST. MORITZ

BEVER

Strecke für grosse und kleine Fische

PONTRESINA

POSCHIAVO

Text: Thomas Kaiser

Vor 100 Jahren wurde die Eisenbahn durchs Unterengadin eröffnet. Hier fuhren und fahren nicht nur berühmte Menschen mit, sondern auch lebende Fische. Und die Bahn verbindet über Generationen hinweg die Geschichte mit der Gegenwart.

D

ie Fahnen sind gehisst, die Kanonen in Stellung

eidgenössischen Oberforstinspektors vollzieht: Jo-

gebracht und die Rollen verteilt. Kinder und

hann Wilhelm Fortunat Coaz, bekannt als Erstbestei-

Jungfrauen werden den Ehrentrunk kredenzen,

ger der Bernina, nimmt an der Feier ebenso teil wie

die Männer singen und die hohen Herren halten Re-

sein Freund Jakob Christoph Heer, Verfasser des viel-

den. Noch hat im Unterengadin alles seine Ordnung,

verkauften Heimatromans «Der König der Bernina».

und von Bever bis Scuol wird das Glas erhoben und

Und die Dorfjugend trägt dessen Gedicht «Arven-

angestossen. Und man solle die Traditionen nicht ver-

weihe in Zuoz» vor.

gessen, heisst es, weder die vaterländische Gesinnung

100-JAHRE-JUBILAUM Am Wochenende vom 29. / 30. Juni 2013 wird im Unterengadin das 100-jährige Bestehen der Bahnstrecke Bever–Scuol-Tarasp gefeiert. Weitere Infos unter www.rhb.ch

22

noch die Vergangenheit noch das Rätoromanische –

Streckenführung mit Kometenschweif

auch nicht an einem Tag wie diesem.

Doch die Feier ist nur kurz, der Zug entschwindet bald

Es ist der Samstag, 28. Juni 1913. In Zuoz erwartet die

in Richtung S-chanf. Dort ist der Halt noch kürzer,

Festgemeinde den ersten Zug – und damit den Beginn

sehr zur Enttäuschung des Redaktors des «Fögl

der Zukunft. Dann donnern die Geschützsalven in

d’Engiadina», der eine Rede halten will, aber als einer

den klaren Morgen hinein und dem Zug entsteigen

der Ersten im Engadin wortwörtlich erfährt, was es

Bundes-, National- und Regierungsräte, Bundes- und

wirklich auf sich hat mit der Redewendung «der Zug

Kantonsrichter, Bezirks-, Kreis- und Gemeindepräsi-

ist abgefahren».

denten und einige wichtige Herren mehr. Blumen

Angekommen ist der erste Zug im Engadin allerdings

werden in die Luft geworfen. In den Reden wird auch

bereits vor einem Jahrzehnt. Ende Juni 1903 war «die

die Jugend gepriesen, sie sei die eigentliche Zukunft,

erste völkerverbindende Lokomotive unter dem Don-

die Trägerin des Fortschrittgedankens.

ner der Salutschüsse» in die Bahnhofshalle von Same-

Die Herren Bundesräte Schulthess, Calonder und

dan eingefahren, erinnert das illustrierte Fremden-

Hoffmann stehen Pate, als ein Jugendbaum gepflanzt

blatt «Engadin Express & Alpine Post» an die

wird, ein Vorgang, der sich unter dem sachverständi-

Einweihung der Albulastrecke. Seit dem 1. Juli 1903

gen Blick des ersten und damals bereits 91-jährigen

fuhr die Bahn von Thusis bis Celerina, seit dem 10. Juli

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

2

3

1904 bis St. Moritz. Aber erst jetzt, mit der Einweihung

4

«Waldhaus», Darbietungen der Engadiner Chöre mit

1, 3 Mit einem Festumzug

der Strecke bis «Schuls-Tarasp» wird Bever das «enga-

nahezu 800 Mitwirkenden und am Abend einen «Bal

wurde 1913 die Ankunft der

dinerische Olten», wie das Fremdenblatt urteilt.

Engiadinais» im «Viktoria». Offiziell nimmt die Bahn

Bahn in Scuol-Tarasp gefeiert.

Knapp 50 Kilometer misst die neue Strecke Bever–

am Dienstag, 1. Juli 1913, den Betrieb auf.

(Fotos: Archiv RhB)

Schuls-Tarasp mit ihren 18 Tunnels und den 29 Brücken und Viadukten. Den grössten Höhenunterschied

Mit dem «Rhätischen Krokodil» unterwegs

2,4 Eines der letzten «Rhäti-

meistert sie mittels einer grosse Schlaufe, die «wie ein

Genau 62 Jahre später, am 1. Juli 1975, tritt Alfons

schen Krokodile» steht vor dem

langer Kometenschweif nach Zernez hinunter» führt.

Ernst seine Stelle als Lokführer in Samedan an – bei

Bahmuseum Albula in Bergün.

«Ausserordentlich pittoresk», so das Fremdenblatt, sei

30  Zentimeter Neuschnee, wie er sich erinnert. Die

Auch den Führerstand gibts

dann die Strecke vor Scuol, wo sich Felsstürze und Ab-

Witterung beeindruckt ihn allerdings weniger als das

zu bestaunen.

gründe eröffneten, aber die Waldidylle von Vulpera

historische Datum – und die Bahn an sich. Alfons

(Fotos: Maurice Haas und

mit ihrer prachtvollen Hotelfront diesen starken Ein-

Ernst bleibt der RhB bis zur Pensionierung 2008 treu,

Gian Marco Castelberg)

druck doch gleich mildere.

30  Jahre führt er von Scuol aus Züge durchs Unter­ engadin, später durch ganz Graubünden, unter ande-

Die Hotels finanzieren den Bahnbau mit

rem mit dem «Rhätischen Krokodil». Und 1999 lenkt

Den touristischen Wert der Bahn schätzt man im

er auch den ersten Zug durch den Vereinatunnel, der

«Kurhaus» Tarasp» und im «Waldhaus» Vulpera hoch

die Reisezeit vom Unterland markant verkürzt.

ein. Beide Hotels zeichnen Aktien von je 117’000

Die Vereinalinie ist die erste Streckenerweiterung der

Franken. Insgesamt ist die Verbindung – samt Rollma-

RhB seit dem Ersten Weltkrieg. Ursprünglich sollte die

terial, Bahnhofbauten und Landkauf – mit 17 Millio-

Unterengadiner Linie ein Teilstück einer Bahnverbin-

nen Franken budgetiert. Bislang, so rechnet das

dung von Chiavenna nach Landeck werden und Mai-

«Fremdenblatt» vor, brauchte man von Chur nach

land mit München verbinden. Dieser grössere Kon-

Scuol «eine tüchtige Tagesreise, nun wird die Strecke

text sei «unmöglich zu verkennen», hatte schon der

mit den Schnellzügen in 4 ½ bis 5, mit den gewöhnli-

Bahningenieur Friedrich Hennings 1905 festgehalten.

chen Reisezügen in 5 ¾ Stunden zurückgelegt».

Aber der Weltkrieg, der «Zusammenbruch der vielge-

Am Eröffnungssamstag dauert die Reise allerdings ei-

rühmten Zivilisation des alten Europas», machte die

niges länger. In Lavin wird der Zug mit einer Chalanda­

Pläne zunichte und – zumindest kurzzeitig – musste

marz-Inszenierung begrüsst, in Ardez lässt der Män-

auch das «Illustrierte Fremdenblatt» sein Erscheinen

nerchor

einstellen.

den

«Bart

Guglielm»

aufleben,

den

Freiheitshelden des 15. Jahrhunderts. Dazwischen gibts weitere Ansprachen – und eine Ehrung der acht

Auf einen Schwatz oder einen Schnaps

Opfer, die der Zusammensturz des Baugerüstes des

«Den ersten Zug durch den Vereina zu führen, das war

Val-Mela-Viaduktes im August 1911 gefordert hatte.

schon eine grosse Ehre», sagt Alfons Ernst heute, aber

Das Fest dauert das ganze Wochenende. In Scuol ver-

er erinnert sich auch noch gut, wie sich damals die

anstaltet man einen Umzug zum Hotel «Belvédère».

Bauern gegen den Tunnel gewehrt haben, wie Schilder

wo «feurige Toasts» ausgebracht werden, am Abend

mit der Aufschrift «Verei – Na» die Wiesen geschmückt

lädt das «Kurhaus Tarasp» zum «Bierabend», am Sonn-

hatten. Die damaligen Vorbehalte kennen auch Si-

tag gibts einen Festgottesdient, ein Mittagsbankett im

mon Rohner, RhB-Verkaufsleiter im Unterengadin,

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

23

5

5 Gian Meyer (links) und Simon

und Gian Meyer, Leiter Betrieb Scuol / Zernez. Aber ob

6

Kurhaus Tarasp geliefert.» Heute ist der Güterum-

Rohner erinnern sich noch

die Unterengadiner Linie ohne Vereinatunnel heute

schlag an den kleinen Stationen eingestellt und der

gut an die RhB-Fischtransporte.

noch bestehen würde, ist für diese beiden Bähnler

Transport von Schweinen, Ziegen und Forellen durch

fraglich. Zumindest sei es zweifelhaft, ob man noch je

die Tierschutzvorschriften verboten.

6 Alfons Ernst fährt noch

über 20 Millionen in die Umbauten der Bahnhöfe von

einmal mit dem «Rhätischen

Scuol (2009) und Zernez (2011) investiert hätte – beide

Eine Bahn, die Generationen verbindet

Krokodil» – im

sind inzwischen erneuert. Jetzt ist die Zukunft der

Güter und Personen hat Alfons Ernst jede Menge

Simulator des Bahnmuseums.

Bahn gesichert und die bereits realisierten und noch

transportiert. Früher waren in Scuol nur zwei Lokfüh-

(Fotos: Thomas Kaiser)

geplanten Erneuerungen kosten rund 100 Millionen.

rer stationiert, erzählt er, einer für die Früh-, einer für

Nach der abgeschlossenen Sanierung des Tasnatun-

die Spätschicht, an den Wochenenden habe mal der

BAHNMUSEUM ALBULA, BERGUN / BRAVUOGN Die Linien der Rhätischen Bahn zwischen Thusis und Tirano sind seit 2008 Unesco-Welterbe. Das Bahnmuseum Albula in Bergün / Bravuogn liegt an der Albulalinie. Gezeigt werden dort aber auch andere RhBStrecken und das Museum richtet sich nicht nur an Bahn­ spezialisten. Neben Technik und Bahngeschichte werden auch kulturelle und soziale Aspekte in teils multimedial inszenierten Räumen, interaktive Installationen, in Klangräumen oder an Simulatoren gezeigt. Im Simulator sind Fahrten mit dem «Rhätischen Krokodil» möglich. Winter-Öffnungszeiten: Di-Fr 10-17 h, Sa, So 10-18 h www.bahnmuseum-albula.ch

24

nels 2009 wird von 2014 bis 2017 der Magnacun­

eine, mal der andere gearbeitet. Heute fahren die Lok-

tunnel saniert und verlängert.

führer durch ganz Graubünden. Mit der Eröffnung

Einige kleine Bahnhöfe sind aber heute nahezu ver-

des Vereinatunnels ergab sich eine eigentliche «Tour

waist. Simon Rohner und Gian Meyer erinnern sich

des Grisons»: Vom Unterengadin ins Prättigau, weiter

noch an andere Zeiten. «In Madulain, S-chanf, Gu-

nach Chur und über die Albulastrecke zurück ins En-

arda oder Cinuos-chel war der Bahnhofvorstand

gadin. Heute rollen die Zugskompositionen von Scuol-

gleichzeitig auch Pöstler», blendet Meyer zurück. Er

Tarasp durch den Vereina nach Landquart und weiter

selbst arbeitet schon seit 39 Jahren bei der RhB. Als

nach Chur bis Disentis-Mustèr und zurück.

früherer Bahnhofvorstand brachte er den Pensionier-

Und was war sein schönstes Bähnlererlebnis? Da muss

ten jeweils die AHV ins Haus. «Dann wurde man zu-

Alfons Ernst nicht lange überlegen: Eines Tages habe

weilen auf einen Schnaps eingeladen. Da durfte man

es bei ihm geklingelt und eine junge Frau und ein jun-

die Zeit nicht aus den Augen verlieren, denn ich

ger Mann aus Deutschland seien an der Türe gestan-

musste am Bahnhof auch die Weichen stellen.» Tempi

den. Vor 25 Jahren, so erklärten sie ihm, da habe ih-

passati. Heute werden die Weichen ferngesteuert ge-

nen ein gewisser Lokführer das «Rhätische Krokodil»

stellt, von Klosters oder Landquart aus.

gezeigt und alle Schalter erklärt, den Stromabnehmer,

Mit Geissböcken und Fischen unterwegs Simon Rohner, seit 21 Jahen bei der RhB, erinnert sich

den Motor … Das habe sie fürs Leben geprägt, sagten die beiden. Deswegen seien sie heute gekommen, um sich zu bedanken – das habe ihn doch sehr gerührt.

an besondere Transporte: «In den kleinen Bahnhöfen

Eines der letzten «Rhätischen Krokodile» steht nun

wurden nicht nur Koffer verladen, sondern auch

vor dem Bahnmuseum Albula in Bergün. Von 1922 bis

Schafe und Ziegen. Und wenn ein Bauer seinen Geiss-

1985 fuhr die 66 Tonnen schwere Lok über vier Milli-

bock brachte, dann hat man das manchmal noch Tage

onen Kilometer – auch Alfons Ernst lenkte sie. Und ein

später riechen können.» Bis vor 50 Jahren transpor-

paar virtuelle Kilometer kommen für ihn noch dazu.

tierte die RhB auch Fische, «und zwar nicht nur ‹gro-

Bei seinem Besuch im Bahnmuseum fährt er per Simu-

sse Fische› wie Politiker, sondern auch echte: «Im

lator Richtung Engadin. Wenn man ihm zuhört, be-

Oberengadin verdiente man sich mit der Fischerei da-

greift man, warum für so viele Kinder Lokomotivfüh-

mals ein Zubrot, die lebenden Forellen wurden in Bot-

rer der Traumberuf ist und warum so viele Bähnler

tichen im Zug nach Scuol gefahren und von hier ans

jahrzehntelang ihrem Beruf treu bleiben.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

K a r l A egert er Als er sich 1924 zur Erholung ins Bündnerland begeben musste, fand er in der grossen Bergnatur ein Ebenbild des Menschenschicksals. Hans Fürst, Basel, 1957

© Galerie Curtins, St. Moritz

In der Galerie Curtins in St. Moritz ist eine Werkschau dieses bedeutenden Schweizerkünstlers ausgestellt. Tel. 081 833 28 24 galerie-curtins.ch

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Milan Kunc: Goldbilder Winter 2012/2013

D

ie in St. Moritz und Zürich etablierte Galerie Andrea

der Nobilitierung der dargestellten Konsum-, Kultur- und Natur-

Caratsch eröffnet diesen Winter neue Räumlichkeiten

landschaften dient, aber auch auf eine tiefergehende Kritik an

an der Via Serlas 12, unterhalb des Kulm Hotels. Die

den Werten des heutigen Zeitgeists und des Kunstbetriebs ab-

moderne Architektur der neuen Galerie mit ihren grossflächigen

zielt. Dass sich Gegenstände und Lichtquellen der Umgebung

Fensterfronten lädt zu einem Kunstbesuch in drei Räume auf

sowie der Betrachter selbst, je nach Blickwinkel, im Goldhinter-

500 Quadratmetern ein. In diesem grosszügigen Volumen wer-

grund spiegeln, macht diese Kunstwerke wandelbar und betont

den Werke der klassischen Moderne und der zeitgenössischen

den immateriellen Wert ihrer selbst. Das Traumartige von Kunc'

Kunst dem Publikum präsentiert.

Visionen, das sich als roter Faden durch sein Werk zieht, findet damit auf feierlichem Goldgrund seinen Höhepunkt.

Am ursprünglichen Standort, an der Via Serlas 35-37, zeigt die Galerie Andrea Caratsch ab Dezember «Goldbilder» von Milan

Milan Kunc ist ein tschechischer Vertreter einer postmodernen

Kunc aus den Jahren 2005 bis 2012. Gross- und mittelformatige

Pop Art und Mitbegründer der «Gruppe Normal» in Düsseldorf.

Ölgemälde auf Goldgrund bespielen die Räume und werden

Sein Kunststudium hat er unter der Leitung von Joseph Beuys

zum ersten Mal als geschlossene Werkgruppe gezeigt. Mit

und Gerhard Richter an der Kunstakademie in Düsseldorf ab-

Blattgold hinterlegt der 1944 in Prag geborene Künstler seine

solviert.

surrealen Bildmotive und bringt mit der künstlerischen Verwendung von Gold nicht nur Materialwert und Lichtglanz des Edel-

Beide Galerien in St. Moritz sind in der Hauptsaison von Montag

metalls an sich ins Spiel, sondern auch seine lange Tradition in

bis Samstag von 14.00 bis 19.00 geöffnet.

der Kunstgeschichte hinsichtlich Lichtsymbolik, Sakralität und Spiritualität. Gold ist nicht aus der Malerei verschwunden, erlebt

Galerie Andrea Caratsch, www.galeriecaratsch.com

seit Yves Klein einen Neuaufschwung und präsentiert sich in

Via Serlas 35-37 und Via Serlas 12, 7500 St. Moritz

den «Goldbildern» von Milan Kunc als feierlicher Goldgrund, der

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Olympias Riesendefizite Im März 2013 wird im Kanton Graubünden über den Olympia-Kredit abgestimmt. Im Jahr 2022 wollen die Promotoren die Spiele nach St. Moritz und Davos holen. Köbi Gantenbein schildert die Geschichte und kommentiert Geld und Geist des gigantischen Sport-Events.

Text: Köbi Gantenbein *

D

as Heldenfähnlein aus Graubünden setzt stolz

hörte auch, dass edle Wilde in Form von verwegenen

die Zahl XXIV vor sein Vorhaben, im Jahr 2022

Berg- und Tundraburschen sich mit stiebenden Eisläu-

Olympische Spiele in St. Moritz und Davos zu

fen und tollkühnen Skifahrten mit den adeligen Müs­

veranstalten. Welch ein Bewusstsein von Ahnenfolge

siggängern massen und den Klassen- und Völkerfrie-

und Generationengeschichte! Zuerst waren die Pio-

den zelebrierten. 1932 fand die erste Generation der

niere des 19. Jahrhunderts. Auf sie folgten in der zwei-

Spiele ihr Ende in Lake Placid mitten in der Krise der

ten Generation die Machtmenschen. Sie haben der

Weltwirtschaft. Olympia war beinahe pleite.

dritten Generation den Weg geebnet: den Medienund Geschäftemachern. Diese regieren die Spiele bis

Garmisch und Berlin: die zweite Generation

heute mit fester Hand als weltumspannendes Milliar-

Die 1930er-Jahre hatten keine offenen Ohren für Völ-

dengeschäft. Und jetzt steht also die vierte Genera-

kerverständigung und edle Ritterspiele. Der Faschis-

tion am Horizont: Das Heldenfähnlein aus Graubün-

mus in Italien und vor allem in Deutschland ent-

den will «Weisse Spiele», klein und fein wie einst.

Athen und St. Moritz: die erste Generation Die Pionierzeit begann am 25. März 1896 mit olympi-

* Der Autor ist Chefredaktor von «Hochparterre». Er lebt und arbeitet in Fläsch und Zürich und kandidiert für einen Sitz im Comitée Internationale Olympique IOC.

28

deckte den Sport als Massen- und Propagandamedium und erfand den Sportler als Protagonisten des arischen Helden. Die Generation Macht und Anspruch löste den vornehmen und verarmten Adel ab. Nun galt

schen Spielen in Athen. Es waren Spiele des edlen

schiere Grösse der Spiele zur Darstellung von Macht

Menschen, der mit einem Fuss im schon lange unter-

und Herrlichkeit. Ein schöner, edler, und gestählter

gegangenen Griechenland stand und mit dem andern

Sportlerkörper als Zeichen von Überlegenheit, Wille

in der noch nicht so lange toten Romantik. Gegründet

und Disziplin, und das nicht mehr nur in der Arena,

von einem alternden Baron und gefördert vom grie-

sondern gefilmt und weltweit im Kino verbreitet.

chischen König Georg I. war Olympia der Reunions-

Eindrücklich hat die Regisseurin Leni Riefenstahl

platz ihresgleichen und der Parvenus des Geldes. Lau-

(1902–2003) diesen Generationenbruch angefeuert

fen, Speere werfen, Kugeln stossen; und ab 1924 in

und dokumentiert. Die ehrgeizige, künstlerisch und

Chamonix mit Skis durch Abhänge brausen, über

technisch versierte Bergfilmerin drehte reihenweise

Schanzen springen und mit Schlitten tollkühn durch

Streifen mit dem Adjektiv «weiss», von der Hölle über

Eiskanäle brettern – all das gehörte zum exquisiten Le-

den Rausch bis zum Paradies. Der Führer soll ein gros­

bensstil der oberen Klassen. Arbeiten mussten sie

ses Faible für die sportliche Schönheit gehabt haben,

nicht, deshalb war auch sonnenklar, dass Sport eine

er war ihr Schutzherr und Förderer, sie von 1932 bis

Freude des Amateurs zu sein hat – zwecklos schön, rit-

1945 seine «Reichsfilmregisseurin». Sie inszenierte

terlich und edel.

monumentale Parteitagsschwarten und filmte die

Die «Weissen Spiele» von 1928 in St. Moritz waren

Olympischen Spiele von Berlin 1936 und bekam dafür

kein Versprechen, sondern mühselige Realität. Denn

eine olympische Goldmedaille.

die Schneetechnik beschränkte sich aufs Schaufeln

Das adlige Antikenspiel, bereichert von Naturbur-

und Eisschleppen. Halbverrückte pröbelten an Berg-

schen, hatte der grossen und mächtigen politischen

bahnen und Skiliften. Die Pistenmaschinen und die

Inszenierung Platz gemacht, die die Bewegung der

Schneekanonen waren noch nicht einmal ein Thema

Massen feierte. Die zweite Generation ging 1945 unter

von Science-Fiction-Romanen. Zum Amusement ge-

und blieb dennoch am Leben. Die altersschwachen

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Diktatoren in Moskau widmeten ihr 1980 eine Renais-

Spiele ihre Ferien in Vancouver verbracht? Wer weiss,

sance, die chinesischen Kommunisten peitschten

wo auf der Landkarte Nagano liegt? Und wer wird

Machtspiele ebenso durch wie es der Autokrat Putin

künftig in Sotschi statt in Laax snowboarden?

2014 in Sotschi tun wird.

Tokio: die dritte Generation

St. Moritz und Davos: die vierte Generation Das kann so nicht weitergehen. Ein vierter Generatio-

Der Generationenbruch geschah in Tokio, wo sich ein

nenbruch ist fällig. Diesen wollen die Heldenfähn-

politisch und militärisch ruinierter Staat in neuem

leinträger aus Davos und St. Moritz mittels der Farben-

Licht zeigen konnte. Weltweit präsent, denn erstmals

lehre einfädeln. Das ist klug und symbolträchtig. Leo

wurden die Leistungen der Kugelstösser und Läuferin-

Trotzki erfand die «Rote Armee», die Palästinenser ter-

nen per Satellit bis ins Engadin geschickt. Gleichzeitig

rorisierten die Welt mit dem «Schwarzen September»,

wurde die Welt massenhaft mit TV-Apparaten aus Ja-

Jimmy Carter setzte auf die «Grüne Revolution» als

pan versorgt. Geld, Medien und Spiele waren wirksam

Friedensprojekt. Der Bündner Olympia-Promotor

und vielfältig profitabel verknüpft.

Gian Gilli will nun «Weis­se Spiele». Das ist ein ge-

Leni Riefenstahl überstand die Reinigung Deutsch-

schicktes Design, denn mit Weiss kann man vorab die

lands von den Nazis wundersam. Ihre Filme von den

romantischen, bodenständigen und vernünftigen

Olympischen Spielen wurden Wegbereiter für diese

Menschen begeistern: Die Skirennfahrerinnen sollen

nächste Generation Olympia. Ihre Ästhetik der

über weissen Schnee brettern, die Schlittschuhläufer

grossen Massen und der schönen Körper war nun das

über weisses Eis flitzen und die Biathlonisten durchs

Mass der Dinge.

weisse Schneegestöber schiessen. Weiss steht auch in

Die Spiele lernten schnell im neuen Massstab laufen.

der Tagespolitik hoch im Kurs. Bundesrätin Widmer-

Sie übernahmen aus der Zeit der faschistischen Herr-

Schlumpf ruft nach einer «Weissgeld-Strategie», da-

lichkeit die Logik, dass der Staat und die Allgemein-

mit das «Schwarze Geld» auf den Bahamas bleibe.

heit alles bezahlen, von Infrastrukturen bis zur Linde-

Die 60 Millionen schwere Designkampagne für die Be-

rung der Schäden und die Defizite, wogegen die

werbung der «Weissen Spiele» fordert auch zum Wi-

Privaten – von den Weltkonzernen bis zum Wirt vor

derspruch auf. Weiss soll die bunten, geldgierigen Vö-

Ort – den Profit kassieren. Diese unverfrorene Ökono-

gel im und ums IOK verscheuchen. Doch dort hält

mie beschleunigte das Wachstums rasant. Denn sie

man sich wohl vor Lachen die Bäuche ob dieser klei-

war und ist für die Waren- und Werbekonzerne und

nen Bündner Truppe mit ihrer weissen Fahne. Das

für den Gastwirt vor Ort ebenso wie für das IOC und

IOC wird seine fetten Pfründe kaum verlassen.

seine Klientel vollkommen ohne Risiko. Letzteres

Die «Weisse Spiele»-Truppe will die Kassenwarte der

bleibt bei den Gemeinde- und den Staatskassen.

Eidgenossenschaft und der Kantone dazu überreden,

Es gab seit 1896 in Athen keine Olympischen Spiele

im Fall der Fälle 4,3 Milliarden (bisher) herzugeben.

ohne mittleren oder grossen Kater für die öffentlichen

Hoffentlich sind die Politiker nicht chinesisch ange-

Haushalte: In Lillehammer stottern Stadt und Region

haucht. In China bedeutet Weiss nämlich hinterlistig.

die gigantischen Schulden von 1994 auch nach zwan-

Und das wollen die Fähnleinträger gewiss nicht sein,

zig Jahren noch ab, die Eishalle ist eine Ruine, die

obschon sie keck fordern, dass nicht sie und andere

Hälfte der Hotels gingen Pleite und die Skilifte koste-

Private, sondern die Steuerzahler im Land die unge-

ten umgerechnet einen Dollar, inklusive aller Sesseli.

deckten Checks von 1,3 Milliarden Franken (bisher)

In Nagano hinterliessen die Spiele von 1998 unge-

bezahlen sollen. Die unter Finanzlasten ächzenden

deckte Milliarden, die die Stadt noch lange Jahre ab-

Städte und Agglomerationen werden wohl in Weiss-

bezahlen muss. In Salt Lake City blieben 2002 unge-

glut geraten, wenn sie hunderte Millionen an Medien-

deckte Checks von 600 Millionen Dollar zurück. In

multis und IOC-Klienten überweisen müssen.

Turin musste der italienische Staat 2006 ein 4-Milliar-

Doch dazu kommt es kaum: Die Bündnerinnen und

den-Dollar-Defizit bezahlen. Wer will, kann dort

Bündner sind schon lange nicht mehr katholisch, wo

noch eine Bobbahn abholen, deren Abbruch aber

Weiss unschuldig und jungfräulich heisst. Sie wissen,

250  Millionen Dollar kostet. Und schliesslich Van-

dass Weiss in Tasmanien für Armut steht, im Budd­

couver. Hier ist seit 2010 der Schuldenberg eine Milli-

hismus Trauer und in afrikanischen Kulturen Tod be-

arde Dollar gross und für die «grünsten Spiele aller

deutet. Allein schon ihrer Kultiviertheit wegen wer-

Zeiten» mussten 100’000 Bäume gefällt werden. Wel-

den sie die «Weissen Spiele» im nächsten Frühling mit

che Bündner aber haben wegen der Olympischen

Karacho an der Urne versenken.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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Romanische Literatur Die ladinische Kultur hat in den letzten Jahrzehnten Höhen und Tiefen durchlebt. Autor Romedi Arquint geht im romanischen Text den Entwicklungen im Detail nach und kommt in seiner deutschen Zusammenfassung zum Schluss, dass heute die Zweisprachigkeit zur Normalität wird – so wie es die Jungen sagen: «Ebain, here we are.» Seite 35

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Dad ons grass e dad ons majers Üna spassegiada tras la ils ultims decennis da la culrua rumantsch ladina. Ons grass ed ons majers, fluraschun, normalità o resignaziun as dan il man. Nouvas spranzas a l'orizont ladin: I vain giovà cun las linguas, il patagon balla roc e'ls pleds fan nozzas culs purtrets.

L

as uniuns Patagonas vaivan invidà al cunt-

sta Murk). Il pegasus d’ün’otra Musa (Artur Caflisch)

text: Romedi Arquint

schaint professer Struz per cha quel detta impuls

galoppaiva cun penna fina e schluppet da fraud tras la

illustraziun: Gregor Gilg

e nouv schlantsch al movimaint Patagon. La sala

val, e gnanca la gronda lavina nun es statta buna da til

da l’Uors d’eira stachida plaina cur ch’el ha cumanzà

paschantar. Pac temp davo sun eu stat al bal da la Pata-

seis referat: «Sch’eu pens inavo a meis 7 ons ch’eu n’ha

gonia giuvna (inscunter da stà da la Ladinia) ed eu

pudü passantar pro Vus, il pövel Patagon, am vain adi-

n’ha realisà, cun quant entusiassem cha eir ils giuvens

maint il sömmi da Josef da las vachas grassas e da quel-

as ingaschaivan: Ün cun la festa pro Antonio (Clo Duri

las maigras chi seguan – set ons abundanza e davo ün

Bezzola), chi trattaiva l’integraziun, quella vouta das

temp da s-charsdà. Ed eu am dumond, scha quist

las famiglias talianas, tschel chantaiva dals tragliuns

sömmi nun es forsa eir üna sumaglia pels trends e las

e disegnaiva Comics Patagons (Paulin Nuotcla), in-

modas, forsa dafatta per las tambas-charias cha nus

tant cha’l Corv (periodic studentic) cratschlaiva sü da

nomnain istorgia mundiala».

l’Öli (ustaria da Gottfried Keller a Turich) e cha’l Char-

Davo quista introducziun filosofica fixa el il public:

dun (periodic ladin) pizchaiva, i daiva apa-raintama-

«Sco cha savais – quai d’eira avant 50 ons – am vaiva ün

ning ün erbari critic in poesia e prosa (Armon Planta),

stipendi dat la pussibiltà da stübgiar lingua e cultura

perfin il diavel pizzaiva sü da l’infiern cul piz da la

dals Patagons culla spranza cha quellas experienzas

corna tschanca (Jon Demarmels).

possan eir gnir trattas a nüz dad oters pövelets. Apaina

Casü illas nüvlas liricas tscherchaiva la randulina La

rivà «sü ot illas muntagnas blovas d’ingiuonder ve-

terra impromissa (Andri Peer), intant cha suot il sulai

gnan gio als ovas» (Selina Könz) sun eu gnü invidà ad

d’avuost battaiva il cour da la liunessa plü plan (Luisa

üna rapreschantaziun da teater. «Nus d’eiran adüsats

Famos). Aint il «Fögl» (Fögl Ladin) as dispittaivan

a teaters populars illa lingua da noss chantunais, dra-

quels chi van e quels chi stan (Cla Biert e Duri Gau-

mas tanter guardgiachatscha, frodulader e’ls duos

denz); Laina verda annunzchaivan l’entrada dal sex

amants tanteraint ed otras cumedgias cun ün nivo so-

illa litteratura Patagona; ma la vaira sensaziun dasper

lalà…, ed uschè vaina cumanzà a scriver agens tocs, ra-

tuot quista richezza: I d’eira güst cumparü il prüm ro-

gischats ill’istorgia da nossa val e chi a listess temp

man patagon! Propcha üna Müdada! (Cla Biert). A nos

trattaivan dumondas existenzialas da la vita.

referent glüschivan ils ögls, sco schi’s vess averta üna

Il temp dal fain grass

aint il public a Jonni: «Be plan, uossa am para’l dad es-

Be la lingua patagona es buna da tocker las ragischs

ser sfuondrà bel e bain in sömmis nostalgics – tuorna

chafuollas da nos pövelet. Ma, na be quai», manzuna

darcheu sün terra, sar professer!»

l’autur chi, insembel cun sia duonna, faiva eir la re­

sfalizcha dal paradis, intant cha Gisep scuttaiva cagio

dschia, «avant ün pêr ons ans vaina miss insembel ca-

Ils set ons majers

gio ill’ustaria e vain scrit e lura eir inscenà ün cabaret,

«Eu sun hoz amo cha’m dumond, co ch’üna tala dina-

ingio cha vain fat ir dür e tender tras la Panaglia (Men

mica es insomma statta pussibla pro ün pövelet sco chi

Rauch, Jon e Menhia Semadeni, Cla Biert)». Davo la ra-

sun ils Patagons! In mincha cas nu m’esa stat pussibel

preschantaziun n’haja fat la cugnuschentscha da quel

dad impizzar in mia patria ün tal fö litterar. Ok, tuor-

da las Neglas cotschnas da Müstair, ün homet viscul

naina a la realtà dad hoz. L’on passà sun eu dimena

chi giraiva cul microfen per la Patagonia intuorn (Ti-

tuornà davo bod 50 ans per la prüma vouta darcheu

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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illa Patagonia. Che scuvertas n’haja fat? Ün cuntschaint,

morts. Ils Patagons paran d’as fixar sül passà. Eu pre-

mort massa bod, am vaiva tradi il misteri: «Als Pata-

sum chi darà amo oters morts ch’els fan reviver. Min-

gons mauncha ün Homer u ün Dante, be ün’ouvra da

chatant vez eu la Patagonia sco ün grond desert, raras

reputaziun mundiela pudess der nouv fö a quist tröpet

las oasas cun aua frais-cha chi sadaja. «Nus eschan

spers (Giuliano Pedretti).» Talas vuschs sun suspettu-

bain amo qua, pels Patagons daja amo ün avegnir», pa-

sas e cur ch’el am muossa publicaziuns rezaintas – in

ran ils Patagons da clomar sur il mür dal sunteri oura,

custüms exteriurs chi fan parada – crescha il suspet. E

dond aua da prümavaira a las fluors e suogliond d’u-

pelvaira: Che müdada incredibla. I cumparan bainschi

tuon las fossas cun dascha.

amo adüna ils chalenders e’ls periodics in parada moderna, tas-chabels ed in culur, reminiscenzas biografi-

Here we are!

cas schloppan sco Ovas da savun, intant cha gio da Fex

«Avuonda cul lamentöz!» interrumpa qua ün da quels

boffan Ventins e ventatschs ed otras publicaziuns bio-

intellectuals our dal public: «Eir ils Patagons sun cuol-

graficas (Martin Rascher / Attilio Bivetti); i dà amo

pits da mega-trends globals, da sdarlossadas chi toc-

adüna Vardats e nardats (GionTscharner) e Roba da

can la fundamainta da la società. Nun esa logic, cha’l

tschel muond (Dumenic Andri).

pled scrit perda da valur in vista als mezs electronics

Ün pêr instancabels ramassan Raschladüras (Göri

ed a la surabundanza da purtrets? Eir noss vaschins as

Klainguti), publicheschan Bras-chers, Pennarias e ca-

lamaintan, cha la cugnuschentscha da la lingua giaja

ricaturas (Jacques Guidon), il pavel cuort es qua,

almain, chi nu vegna plü discurri, ed amo damain

sainza dubi, quel pavel züjus ed indispensabel per

scrit correctamaing; co vessan ils Patagons dad esser

l’orma patagona. I dà dafatta eir trats squisits illa Cha-

ün’excepziun?» «Hei, intant cha da plü bod i d’eiran ils

dafö gio Giarsun (Leta Semadeni) e prosa fina sü Ftan

homens, magisters e ravarendas chi portaivan l’ierta

(Rut Plouda); gio’l fuond da la val as doda La rumur da

patagona, sun quels hozindi svanits davo computers

l’En (Oscar Peer). Üna fluraschun ha la lavur scienti-

ed oters mobels moderns. Sport ed economia domine-

fica; uschè es cumparü – i vaivan lönch spettà –

schan, intant cha lingua e litteratura sun dvantats

ün’ouvra remarchabla da la vita e lavur dad ün dals

chomps d’occupaziun per pensiunats.» Ed uossa esa

monumaints Patagons (Peider Lansel da Rico Valär), la

gnü ad ün’ erupziun, cha’l moderatur ha gnü fadia da

distanza dal temp dà lapro eir l’ocasiun da tillas lovar

tgnair in frain. Eu vögl finir meis rapport cun trais ci-

aint il context sozial e politic da seis temp. Stut suna

tats da quella discussiun animada.

stat dal resun litterar dal Patagon Grischun; lapro

Il prüm quel d’ün patagon chi viva a «Pürich»: «Nun

vaiva Flurin Spescha lantschà la nouva scripziun cul

esa remarchabel co cha la bilinguità vivüda dals Pata-

prüm crimi rumantsch. L’inspecter Linard Lum (Göri

gons driva las portas per publicaziuns da texts in dif-

Klainguti) chargia pero inavaunt sia püppa cun s-chet

ferentas linguas, e nun esa remarchabel cun quanta

tabac patagon. E lstess, eu nun ha plü chattà quel fluid

bainvuglientscha, cha quels vegnan acceptats da la

vital, quella dinamica chi’m vaiva impreschiunà pro

critica litterara naziunala.» Üna duonna plü veglia:«Il

mia prüm visita. Per resümar: In congual cun mia

Patagon es plü preschaint co quai ch’el d’eira, cur

prüma visita pasculeschan hoz vachas maigras süls

ch’eu d’eira giuvna. Eu passaint meis dis suletta in

rars clerais Patagons.

Inscunter sül sunteri patagon

34

stüva, e dürant di e not m’accumpognan il radio patagon e la televisiun patagona. Eu nun ha mai vivü in ün muond uschè patagon sco hoz!». Ün’otra vusch, quista

Da pensar am dà alch oter; eu sun schmort da la pre-

vouta d’ün giuven: «Quist cuntinuant marmuognöz

mura cha’ls Patagons as dan per cultivar las fossas sül

es tipic per vus vegliets, vus tuots in età avanzada. Da

sunteri patagon. Ünguott’incunter il cult dals morts,

tschella vart, da tschella vart, «Bibi vaplan» (Bianca

quel ha tradiziun e seis lö pro’ls Patagons. El es segn

Mayer), hei quai nu resguardais vus sco cultura. Per

d’ün respet e d’üna valütaziun da las prestaziuns dals

nus es il patagon dvantà ün hit! Bod in mincha chan-

antenats, po però eir servir per suogliar il vöd, pü mal

tun da la Patagonia sunaina, registraina e prodüaina

füssa sch’el impediss la cultivaziun dals vivs. La Pata-

songs in rap o roc cun nossas bands. Nus scrivain da-

gonia es plaina da reediziuns da cudeschs chi per part

fatta svess ils texts patagons. Giuvnas artistas ed ar-

d’eiran güst cumparüts pro mia prüma visita, dad edi-

tists actuali­seschan cun musica, texts bilings e sot

ziuns, reediziuns e nouvas da reediziuns bilinguas. I

l’jerta culturala da noss babuns! In voss discuors da

dà eir in ögl cun che verva e fantasia chi vegnan festa-

dumengias dschais vus adüna, cha la giuventüna saja

giats rituals commemorativs da Patagons e Patagonas

l’avegnir. «Ebain, here we are!»

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

«Here we are» Ein Spaziergang durch die letzten Jahrzehnte der ladinischen Kultur zeigt einen kuriosen Ahnenkult, aber er zeigt auch, dass die Zweisprachigkeit neue Chancen birgt.

A

ls ich vor einigen Jahren mit dem in-

Klassiker boomen, oft genügt ein entfernter

Werke von Leta Semadeni oder Ruth Plouda.

zwischen verstorbenen Giuliano Pe­

Bezug zum Engadin. Dies mag nach aus­sen

Sie machen deutlich, wie sehr die Zweispra-

dretti bei einem Glas Wein zusam-

als Zeichen von Vitalität empfunden wer-

chigkeit heute zur Normalität der Rätoro-

mensass, bemerkte er: «Es müsste ein Dante

den. Doch selbst die ausserordentlich gefäl-

manen geworden ist. Man mag dies als ei-

oder ein Homer her. Nur eine ausserge-

lige Ausstattung der Neuerscheinungen

nen weiteren Salamischnitt zum Untergang

wöhnliche literarische Kapazität könnte es

lässt einen leicht müffelnden, resignativen

des Romanischen bedauern oder aber als

schaffen, dem Romanischen Auftrieb und

Geruch zurück.

Ausdruck eines bewussten und selbstver-

Zukunft zu geben.» Ich meinte, aus seinen

ständlichen Umganges mit der Sprache und

Worten eine leise Resignation herauszuhö-

Hochblüte und Zweisprachigkeit

ren. Tatsächlich bewegt sich die literarische

Zugegeben, einem ergrauten Romanen

Im Vergleich zu den «fetten» Jahren der

Debatte in einer Kleinsprache ständig zwi-

kann nostalgische Träumerei vorgeworfen

Hochblüte leben wir heute in literarisch

schen (zu) hohem Anspruch und einer un-

werden, wenn er sich bei der Betrachtung

mageren Zeiten. Der Ruf nach dem erlösen-

kritischen Beliebig­ keit. Diese Bandbreite

des zeitgenössischen literarischen Betriebes

den Ausnahmewerk oder die inflationäre

aus­ zuloten und das eigene literarische

von seinen Jugenderfahrungen leiten lässt.

Pflege «dal sunteri rumantsch» (des «Fried-

Schaffen mit einer kritischen Brille zu ana-

Tatsächlich lässt sich die Gegenwart nicht

hofes der Rätoromanen») könnten dies be-

lysieren, fällt den Rätoromanen schwer,

mit der Hochblüte des ladinischen Kultur-

stätigen. Vielleicht sind magere Jahre aber

treffen wir doch in der Kleinräumigkeit auf

schaffens der ersten Jahrzehnte nach dem

einfach der normale Alltag einer Kleinspra-

personelle Verflechtungen, Rücksichtnah-

Zweiten Weltkrieg vergleichen. Damals

che, wobei sich diese Normalität der litera-

men und Sensibilitäten. Kommt dazu, dass

wurden dem deutschsprachigen Volksthea-

rischen Produktion im Vergleich mit

nur schon der Einsatz für die Erhaltung ei-

ter romanische Stücke entgegengesetzt, die

deutschsprachigen Bündner Talschaften

ner bedrohten Sprache Lob verdient; die lei-

die historischen Wurzeln der Engadiner

immer noch auf einem hohen Niveau bewegt. Selbst grosse Kulturräume beklagen,

den Sprachen deuten.

seste Kritik wird in diesen Kreisen im besten

mit Lebensfragen konfrontierten, die sich

Fall als nicht qualifiziert, normalerweise je-

die französischen Existenzialisten stellten.

die schriftliche Sprache werde immer

doch als Nestbeschmutzung ausgelegt.

In der Zeitung «Fögl Ladin» duellierten sich

schlechter beherrscht, und weitherum ist

«quels chi van e quels chi stan»: Jene, die ge-

eine Abnahme des Leseverhaltens festzu-

hen, und jene, die bleiben, und es fanden

stellen. Das traditionelle Buch hat mit der

Ein Überblick über das ladinische Kultur-

sich hier auch ironische und kämpferische

medialen

schaffen der letzten Jahre zeigt einen leicht

Kommentare. Die Studenten liessen den

schwemmung mächtige Konkurrenz erhal-

kuriosen Trend zum Ahnenkult. Nichts ge-

«Corv» («Rabe») krähen und schossen sich

ten und hat einen schweren Stand.

gen die Achtung und Verehrung der Toten,

auf das Establishment ein. Das Integrati-

Kurioser Trend zum Ahnenkult

und

elektronischen

Über-

Die Jugend machts vor

eine lebendige Erinnerungskultur ist im-

onsproblem wurde in Form einer romani-

mer auch Nährboden für die Bewältigung

schen Adaption eines Stücks des bekannten

Die positive Seite der Medaille: Noch nie

der Gegenwart – dies wird manchmal ver-

Berliner Grips-Theaters thematisiert.

war die Präsenz des Romanischen in Radio

gessen. Gegenwärtig scheint das Pendel

Solche Zeiten lassen sich nicht wiederholen.

und Fernsehen derart breit und qualitativ

aber eher in die andere Richtung auszu-

Obwohl die Entwicklung der Standardspra-

ansprechend wie heute. Und in beinahe je-

schlagen. Bücher, die vor weniger als fünf-

che Rumantsch Grischun vor allem bei der

dem Luftschutzkeller der Rumantschia pro-

zig Jahren zum ersten Mal herausgegeben

studentischen Jugend auf euphorische Be-

ben Jugendbands und schreiben Songs,

wurden, werden neu aufgelegt. Es erschei-

geisterung gestossen ist, gibt es bisher kaum

die  – zur grossen Überraschung  – auf Ro-

nen kommentierte Neuausgaben. Andere

Literatur im noch jungen Idiom. Doch es

manisch von Liebe und Alltag erzählen. Die

werden, obwohl zweisprachig schon vor-

gibt auch Erfreuliches zu berichten: In letz-

Jungen entwickeln  – zweisprachig  – mit

handen, neu übersetzt und die alt-neuen

ter Zeit sind vermehrt bilinguale – zum Teil

Mu­sik, Wort und Tanz Neues. «Ihr Alten be-

Bände werden gerne öffentlich präsentiert.

von den Autorinnen und Autoren selber

schwört bei jeder Gelegenheit, die Zukunft

Gedenkveranstaltungen für tote ladinische

übersetzte  – Bücher erschienen, etwa die

gehöre der Jugend; here we are!» RA

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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Foto by Robert Bösch

COME SKI WITH US

Magisches Oberengadin

Wandern einmal anders: Nicht in die luftigen Bergeshöhen geht die Reise, sondern dorthin, wo gebaut wird, wo bemerkenswerte zeitgenössische Architektur entstanden ist und wo auch die alten Baudenkmäler stehen. Die 3. Auflage ist fast 70 Seiten dicker geworden und umfasst jetzt auch Orte und Regionen, die bisher ausgespart waren: Flims, die Ruinaulta, Ilanz, Valendas, Safien, Surses und Avers.

»Dem Süden verschwistert«, schrieb Annemarie Schwarzenbach über das Oberengadin und machte es zu ihrer zweiten Heimat. Seit 150 Jahren ist das Hochtal magischer Anziehungspunkt für Schriftsteller und Intellektuelle, Freigeister und literarische Aristokraten. Der Autor führt uns auf Sommer- und Winterwanderungen an Orte, die von Bekannten aus Literatur- und Kulturgeschichte besungen, beschrieben oder verflucht wurden.

Köbi Gantenbein, Marco Guetg, Ralph Feiner (Hrsg.) Himmelsleiter und Felsentherme. Architekturwandern in Graubünden Mit Farbfotos, Bauplänen, Routenskizzen und Serviceteil, 536 Seiten, Klappenbroschur, 3., akt. und erw. Auflage 2013, isbn 978-3-85869-465-2, Fr. 49.–

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Dem Süden verschwistert. Literarische Wanderungen im Oberengadin Mit Farbfotos von Thomas Burla. Routenskizzen und Serviceteil, 328 Seiten, Klappenbroschur, 2. Auflage 2013, isbn 978-3-85869-464-5, Fr. 38.–

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Kindergärtnerin für Kindeskinder Seit Mitte der Siebzigerjahre engagiert sie sich als Kindergärtnerin in Sent, als Mutter und als Künstlerin mit Herzblut: Tina Puorger-Zanetti. Generationen von Kindern begleitet sie seit bald vierzig Jahren auf dem Entwicklungsweg Richtung Schule.

Text: Esther Scheidegger Fotos: Susanna Fanzun

T

alina, Scoulina Sent, so meldet ein helles Mäd-

schrieben, eine inspirierende Wörterspielerei: Kopf-

chenstimmchen. Ich frage förmlich nach der

nuss / Nusstorte / Tortenguss / Gusseisen / Eisenkraut /

Kindergärtnerin. Und höre, wie Talina fröhlich

Krautstiel. Vor der Balkontüre sitzt dekorativ die Katze

und unbefangen nach Tina ruft. Tina! Tina! Nicht

Dolly. Auf dem Tisch stehen frisches Brot und eine Fla-

etwa duonna Puorger oder tanta Tina, wie es früher

sche Wasser.

wohl geheissen hätte. Aber damals hatte der Kinder-

38

garten noch kein eigenes Telefon. Bis 1997 war die

Jedem Kind sein «Ämtli»

Scoulina im Schulhaus einquartiert gewesen, dann

«Die Telefonansage haben wir in der Klasse richtig ge-

erst bekam sie ihr jetziges, grosszügigeres Quartier,

übt», erzählt Tina. Ihre derzeit 18 Senter Buben und

das ehemalige Gemeindehaus in Schigliana – wie im

Mädchen teilen sich nämlich im Wochenrhythmus in

Paradies. Daraus wird man unweigerlich vertrieben,

verschiedene Ämtchen, eines ist der Telefondienst.

wenn man erst einmal in die richtige Schule muss. Die

Oder dem behinderten Gspänli beim Schuhebinden

Kinder haben ihre Tina sehr gern.

und in den Rollstuhl helfen. Die Marenda-Täschli ver-

Angefangen als Kindergärtnerin hat Tina 1975/76,

teilen – den Zvieri essen die Kinder gemeinsam.

nach dem Seminar in Chur. In Sent mit seinen heute

Wer was zu tun hat, ist auf einem farbigen Plan ver-

knapp 900 Einwohnern ist sie aufgewachsen, hat ge-

merkt, der an der Wand hängt. Jedes Kind hat am ers-

heiratet und hier arbeitet sie seit 25 Dienstjahren, die

ten Schultag ein Symbol für sich auswählen können,

Familienpause mit reduzierten Pensen nicht mitge-

weil Fünfjährige ja noch kaum lesen und schreiben

rechnet. Die drei Töchter sind erwachsen, alle künst-

können. Das Emblem von Talina ist ein Mäuschen,

lerisch «erblich belastet», wie die Mutter sagt, und

üna mürina. Nein, keine Computermaus. Auch Han-

nach Zürich ausgeflogen. Aber an den Wochenenden

dys haben im Chindsgi noch nicht Einzug gehalten.

kommen sie immer noch gern nach Hause, in die

Vor bald vierzig Jahren übernahm Tina für ihre erste

wohnliche Familienküche, in der wir nun sitzen, am

Klasse 32 Schülerinnen und Schüler, «happig» sei das

schulfreien Samstagmorgen. An der Wand, handge-

schon gewesen, erinnert sie sich. Aber sie habe bald

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

gelernt, was es heisst, in der Praxis aufmerksam, liebe-

dergärtnerinnen, und natürlich von den Kindern seit

voll und konsequent zu sein, nicht nur in der Theorie.

rund zehn Jahren mit viel Engagement und Herzblut

dem Kindergarten, von Sent, wo

Die Kinder sollen spielend lernen, altersgemäss. Ihre

bearbeitet. Kindergarten ist heute aber auch lernen.

Tina Puorger seit vierzig Jahren

«Defizite» müsse man checken, und man könne auf

Fünf Mädchen und Buben haben zweimal wöchent-

mit Generationen von Kindern

ihre natürliche Neugier bauen. Zuhören muss man

lich eine halbe Stunde Romanischunterricht, denn

spielt, bastelt, singt und lernt.

lernen, auch einmal stillsitzen, sich konzentrieren,

die Umgangssprache in der Scoulina ist Vallader, das

mit verschiedenen Materialien experimentieren und

die Kleinen bald wie im Schlaf beherrschen werden.

spielen. Auch Langeweile darf einmal sein, dann kön-

Mehr als fünf Ausländerkinder gab es in Sent übrigens

nen neue Ideen kommen. Auf Technik will Tina ihre

(noch) nie.

Schützlinge nicht trimmen. Aber demnächst wird sie ihren Fünfjährigen beibringen, wie man ein Blatt Pa-

Erholung mit der Kunst

pier zu Konfetti zerreisst. Und später wird auch der

Ihre Lust am Kindergartengeben sei nach so vielen

Umgang mit einer Schere geübt.

Jahren gottlob ungebrochen, sagt Tina Puorger. Aber

Auch in den Bergen sind Kinder gestresster

Impressionen aus der Scoulina,

sie weiss auch, wie sie auftanken kann. Im Integrativen Ausbildungszentrum Zürich IAC hat sie sich be-

Kinder fordern heute anders heraus als früher, sagt

rufsbegleitend zur Gestaltungspädagogin ausbilden

Tina, ohne moralisierenden oder anklagenden Unter-

lassen, und seither erschafft sie kunstvolle schwe-

ton. Auch in Sent sind sie gestresster als in den fernen

bende, federleichte Figuren aus Draht und Papierma-

1970er-Jahren, ihre Freizeit ist häufig heftig verplant

ché, aus Schwemmholz und den Trouvaillen, die sie

mit Turnen, Fussball, Hockey, Tennis und einigem

auf ihren Spaziergängen unten am Inn sammelt. Ihre

mehr. Die meisten Eltern wollen ihre Sprösslinge nach

beseelten Frauen und Engel hat sie schon mehrfach

Kräften fördern. «Ja, auch die Elternarbeit ist anders,

ausstellen können, mit Erfolg, um den sie sich aber

ist anspruchsvoller geworden», das bestreitet Tina

nicht reisst. Schade findet sie in diesem Zusammen-

nicht. Heutige Eltern nehmen den Kindergarten nicht

hang, dass es in Sent die Grotta da Cultura nicht mehr

auf die leichte Schulter, er ist nicht einfach nur ein Ort,

gibt. Hier hatte sie auch eine Ausstellung mit Kinder-

wo man seinen Nachwuchs vertrauensvoll parkieren

zeichnungen organisiert. Doch die Gewölberäume ge-

kann, Eltern wollen einbezogen werden, helfen gerne

hören nun zum neuen Kunsthotel.

mit, wenn es sich ergibt.

Doch zurück in die heimelige Küche. Tina sagt:

Tina Puorger versteht sich nicht als Animatorin, ob-

«Quista lavur nun es amo lönch na a fin, ne in quai chi re-

wohl sie mit ihrer Klasse bald Bauchtanz übt und vor

guarda il tema, ne il material.» Die Arbeit sei noch längst

Weihnachten mit Gewürzen kocht und backt. Weil

nicht fertig, weder aus thematischer Sicht, noch was

das gemeinsame Jahresprogramm der drei Kindergär-

die Materialien im Kindergarten betrifft. Sie spricht

ten in Sent und in Scuol diesmal der Orient ist, mit ei-

zwar explizit über ihre Figuren – es könnte aber ebenso

nem gemeinsam inszenierten Musical im Frühling als

gut ihre Arbeit in der Scoulina gemeint sein. Denn was

krönendem Abschluss. Solche wechselnden fächer-

sie sich niemals vorstellen könnte: Alle paar Jahre die

und klassenübergreifenden Jahresthemen – «Zirkus»

immer gleichen alten Vorbereitungen aus der Mappe

zum Beispiel oder «Wasser» und nun eben «Orient» –

zu ziehen und nochmals anzubieten, weil das Leben

werden von den verschiedenen muossadras, den Kin-

doch weitergeht!

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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A d'eir'a Segl ün signur, na grand amih d'la lavur. Ma'l faiva affers in Taiwan Per na murir da la fam.

I d'eir'a Sent üna matta, tant jent mangiaiv'la salata, garnida cun verms e lindornas. Ün di as sdruagl'la cun cornas.

A d'eir'a Puntraschigna 'na giuva taunt bella e fina, vivaiva be da salata, numneda «miss secha» dafatta.

I d'eir'aint a Samignun be'n moppel, mo ün grond furbun. Quel inventà ha 'na maschina chi our da naiv sa far benzina.

I d'eir'a Brail ün barbet chi spettaiva l'uors cul schluppet. Dal campel s'ho quel culozzo ed el nu s'ho mê pü musso!

Engiadina narrais-cha Zeichner Jürg Parli und Autor Alfons Clalüna haben einen kleinen Band mit Karikaturen und witzigen kleinen Gedichten in den romanischen Idiomen Puter und Vallader über fiktive Personen aus den Engadiner Dörfern veröffentlicht . Erhältlich in den Buchhandlungen im Engadin oder bei der Uniun dals Grischs. www.udg.ch

40

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

piz : Publireportage

1

2

1 - Bestens ausgerüstet auf die Piste: Kevin Weiner in seinem Element. 2 - In den letzten 40 Jahren nicht weniger als sechs Mal geklaut: die Amerika-Flagge vor dem La Fainera-Hauptgeschäft. 3 - Richard Weiner als Segellehrer in den 1970er-Jahren.

40 Jahre La Fainera Sport An den XI. Olympischen Winterspielen von Sapporo sorgten Marie-Theres «Maite» Nadig und Bernhard Russi für Schweizer Triumphe, im deutschen Fernsehen wurde die erste Folge von «Raumschiff Enterprise» ausgestrahlt und in Schweden nahmen vier junge Leute namens Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid ihre erste Single auf – Abba startete die Erfolgskarriere. Und es gab noch ein wichtiges Ereignis im Jahr 1972: Am 18. Dezember öffnete in Sils-Maria das Sport- und Modegeschäft La Fainera seine Türen. Ein Amerikaner im Engadin

Im Sommer und im Winter eine Top-Adresse

Als der junge, sportbegeisterte Amerikaner Richard Weiner im

In der Silser Sportscheune haben mittlerweile Sohn Kevin Wei-

Jahr 1970 das erste Mal das Engadin besuchte, verguckte er

ner und seine Frau Francesca das Zepter übernommen. Sie sind

sich nicht nur in die Landschaft, sondern auch in Arlette Moeckli

mit der gleichen Begeisterung für ihre Kundinnen und Kunden

aus Sils-Maria. Das Paar heiratete und gründete 1972 in einem

da wie die Eltern in den letzten 40 Jahren. La Fainera gilt heute

alten Stall am Dorfrand sein gemeinsames Sport- und Mode-

als Top-Adresse im Engadin für Sport und Sportmode. Ob

Fachgeschäft La Fainera. Richard kümmerte sich um alles

Langlauf, Alpinski, Snowboard oder Schneeschuhwandern im

Sportliche. Arlette, die bei einem Sprachaufenthalt in London ihr

Winter sowie Biken, Wandern oder Golf im Sommer – La Fainera

Faible für Boutiquen und trendige Fashion-Labels entdeckt

garantiert für kompetente Beratung, ein umfassendes Sortiment

hatte, war für die Mode zuständig. Die Kombination von Sport-

an Top-Marken und einen perfekten Service, zu dem auch ein

artikeln und modischem Chic war ein Novum in dieser Zeit, kam

grosses Mietangebot im Rahmen des Intersport-Rent-Network

jedoch von Beginn weg hervorragend bei den Kundinnen und

Engadin gehört.

Kunden an. Segelschulpionier der ersten Stunde Parallel zur Tätigkeit im Sportgeschäft brachte Richard Weiner als Gründer einer Segelschule am Silsersee und mit einer Surfschule am oberen Ende des Silvaplanersees kräftig Wind in den Engadiner Sommer-Tourismus. 1992 wurde La Fainera umgebaut und mit einem Mountainbike-Kompetenzzentrum erweitert. Ein weiterer Meilenstein bildete die Eröffnung des zweiten La Fainerageschäfts mit Fokus Fashion im Zentrum von Sils-Maria

2 x in Sils-Maria:

Engadin – St. Moritz

im Jahr 2008. In diesem gibt auch heute noch Arlette Weiner-

Für Sport am Dorfeingang, Casual-Mode im Zentrum.

Moeckli modisch den Ton an.

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3

Warum Töchter die Eltern pflegen Im gewohnten Umfeld alt werden und zu Hause sterben dürfen, wer will das nicht? Umsetzbar ist der Wunsch nur, wenn genügend gute Seelen da sind, die bei Haushalt und Pflege zur Hand gehen. Fast immer sind das Frauen, Töchter und Schwiegertöchter. Warum eigentlich?

Text: Daniela Schwegler Fotos: Spitex Verband Schweiz, Alan Meier

M

eine Mutter ist eine Rosinenpickerin», sagt Ur-

unpersönlich. Die Mutter geniesst zu Hause eine auf

sina *, die ihre Mutter pflegt und anonym blei-

sie zugeschnittene individuelle Rundum-Betreuung

ben möchte. Die Tochter, um die sechzig, ist

durch ihre Tochter. Und als sie im vergangenen Win-

ins Bergdorf zurückgekehrt, um sich um ihre über

ter wegen sehr starker Rückenschmerzen eine Zeit

90-jährige pflegebedürftige Mutter zu kümmern. Der

lang ganz bettlägerig war, organisierte die Tochter ei-

Vater wohnt unterm selben Dach des stattlichen Enga-

nige Tage zur eigenen Entlastung den Mahlzeiten-

diner Hauses. Für ihn allein wäre das alles zu viel ge-

dienst der Spitex. Doch die Mutter mochte das Essen

worden. Und da bei Ursina privat nicht alles so lief,

nicht: «Das Fleisch war nicht gar genug.» Die Tochter

wie sie sich das gewünscht hatte, stand einer Rückkehr

steht nun wieder selber am Herd: «Meine Mutter ist

ins Elternhaus nichts mehr im Weg. Sie schickt sich in

halt verwöhnt.»

ihr neues Leben als Privatpflegerin ihrer Mutter.

* Name geändert

42

Rund um die Uhr ist sie für die alte Frau da und küm-

Grosse Erwartungen

mert sich auch um Haushalt und Garten. Ein Vollzeit-

Das Modell der pflegenden Tochter entspricht auch

job. Der Vater geht zur Hand, wo er kann. Manchmal

dem Altersleitbild der Bündner Regierung. Nach den

kommt auch die Schwägerin vorbei. Ursina steht auf,

im Februar 2012 verabschiedeten Richtlinien sollen

wenn die Schmerzen der rheumageplagten Seniorin

ältere Menschen so lange wie möglich zu Hause blei-

zu gross werden. Und sie schildert jenen Sonntag-

ben können und erst ins Heim müssen, wenn es gar

abend, als die Mutter notfallmässig ins Spital über-

nicht mehr anders geht. Damit das möglich ist, müs-

führt werden musste. «Das Schwierigste ist, jeden Tag

sen die ambulanten Dienste der häuslichen Pflege und

präsent zu sein», räumt die Tochter ein. Aber weil es

Betreuung gestärkt und ausgebaut werden. Was aber

ihre Mutter ist, «macht man das». Mehr ist ihr über die

die Spitex oder eine privat angestellte Pflegeperson

aufopfernde Pflege nicht zu entlocken: «Ich an ihrer

nicht leistet, müssen die Angehörigen übernehmen.

Stelle wäre auch froh.» Die Mutter ins Pflegeheim zu

In der überwiegenden Mehrheit sind es die Töchter

geben, kommt für Ursina nicht in Frage. Zu teuer, zu

und Schwiegertöchter.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Ob immer aus freien Stücken, ist eine andere Frage. In

schäftsleiterin der Spitex Valposchiavo. Das schlechte

Wenn die Töchter und Schwie-

der kürzlich im rätoromanischen Fernsehen ausge-

Gewissen stehe ihnen im Weg, und sie denken, sie

gertöchter Entlastung von

strahlten Dokumentation «Vegl e cuntent – alt und zu-

könnten das doch selber. Das Umdenken, sich auch

der Pflege ihrer Angehörigen

frieden» hat Filmemacherin Susanna Fanzun fürs In-

mal einen Tag frei zu nehmen, brauche Zeit. Genauso

brauchen, springt die Spitex ein.

terreg-Projekt «Insieme sano – gemeinsam gesund»

wie die Tatsache, dass in der Pflege auch Männer tätig

alte Menschen im Südtirol und in Südbünden besucht.

sind. Zwei ältere Damen im Tal beharrten beispiels-

Darunter Anna Pezzei im Südtiroler Gadertal, die dort

weise strikte darauf, dass eine Frau von der Spitex

ihre 90-jährige Mutter pflegt. «Die Frauen überneh-

kommen müsse. Obwohl zum vierzigköpfigen Spitex-

men die pflegerische Aufgabe nicht immer ganz frei-

Team im Puschlav auch zwei Männer gehören.

willig», stellt diese Tochter fest: «Der gesellschaftliche Druck und die Erwartungen sind sehr hoch.» Im ka-

Warum fast immer die Frauen?

tholisch-konservativen Südtirol sicher noch höher als

Frauen sind nicht nur in der privaten, sondern auch in

in den Bündner Südtälern, wie Susanna Fanzun beob-

der professionellen Pflege stärker gefragt. Woran liegt

achtet hat: «Bei uns ist der Druck nicht mehr so hoch.»

das? Sind Frauen die besseren Pflegerinnen? Können

Ambulante Dienste bringen Entlastung

Männer das nicht auch? Schliesslich sind auch heute noch die meisten Ärzte Männer. In der Arztpraxis darf

Dennoch: Die Erwartungen an die Töchter und

ein Mann einem also an den Leib, aber zu Hause

Schwiegertöchter sind noch immer massiv. Ein de-

nicht? Warum? Mit dieser Frage beschäftigte sich

menter Vater, der von der Schwiegertochter gepflegt

Frank Spreeuwers, stellvertretender Geschäftsleiter

wird und sie ständig fertig macht, kann zur Belastung

der Spitex Oberengadin, in seiner Abschlussarbeit zur

werden. Oft opfern sich die Frauen so lange auf, bis sie

Kaderausbildung in der Pflege. «Pflegen wird mit

selber krank werden, bis der Rücken schmerzt oder sie

Frauen assoziiert, auch heute noch, trotz Genderdis-

mit den Nerven am Ende sind. Dann erst verwerfen sie

kussion», stellt er fest. Frauen hätten heute zwar die-

die Hände, halten es nicht mehr aus, schlagen Alarm.

selben Rechte, aber nicht dieselben Chancen. Sprich:

«Zum Glück werden solche Konstellationen immer

Die Eltern haben bezüglich Hilfe und Pflege im Alter

seltener. Die Leute nutzen Entlastungsangebote deut-

höhere Erwartungen an die Töchter als an die Söhne.

lich schneller als früher», beobachtet Ursla Pedotti,

«Die Frauen erfüllen diese Erwartungen und überneh-

Sozialberaterin der Pro Senectute Südbünden. «Frü-

men zu 80 Prozent die Pflege», schätzt Frank Spreeu-

her hatte man mehr Hemmungen. Wegen des biss-

wers. Wenn ein Mann am Pflegebett stehe, dann sei es

chen Waschens, Anziehens und Pflegens wollte man

oft der Ehemann oder Partner, der sich um seine Frau

nicht gleich Unterstützung holen.» Dank des heute

kümmere. Söhne seien viel weniger eingebunden.

gut ausgebauten Entlastungsnetzes sei der Druck auf

«Sie verstecken sich hinter dem Argument, sie müss-

Angehörige deutlich geringer, so Ursla Pedotti.

ten arbeiten. Aber viele haben auch schlicht keinen

Die Angebote müssen allerdings auch genutzt werden.

Zugang zur Pflege.»

FILM-TIPP

Noch in den Startlöchern steckt das Tageszentrum «la

Frank Spreeuwers selber hat den Draht, steht er doch –

girandola» in Poschiavo. «Die Töchter und Schwieger-

wenn auch seltener  – an Krankenbetten. Dass die

töchter haben Mühe, ihre dementen Angehörigen ei-

Pflege in Frauenhand ist, zeigt sich auch bei der Ober-

nen Tag zu uns zu bringen», sagt Pia Mathiuet, Ge-

engadiner Spitex. Hier ist er der einzige Mann unter

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Den Film «vegl e cuntent – alt und zufrieden» gibt es auf DVD. Bestelladresse: Gesundheitsamt Graubünden, Gesundheitsförderung & Prävention, Tittwiesenstr. 27, 7000 Chur

43

ENTLASTUNGSANGEBOTE Angebote für Angehörige, um sich bei der Pflege zu entlasten, gibt es viele: Für demente oder psychisch kranke Senioren zum Beispiel die Tagesstrukturen des Pflegeheims Promulins in Samedan, der Chasa Puntota in Scuol, der Girandola in Poschiavo oder der Tagesklinik in St. Moritz. Dazu existieren Ferienangebote für alte Menschen mit pflegerischer Betreuung, Mahlzeitendienste, Weiterbildungsabende für Angehörige.

45  Angestellten. «Wenn ein Mann im Pflegebereich

«Den alten Menschen daheim helfen zu können, und

arbeitet, rutscht er häufig und rasch in Kaderpositio-

ihnen geduldig eine herzliche, empathische und pro-

nen – wie ich selber auch», stellt er fest. Dass der Pfle-

fessionelle Pflege zu bieten: Das ist der schönste Job

geberuf für Männer wenig attraktiv sei, hänge auch

der Welt!» Und Männer könnten das wohl ebenso gut,

mit den tiefen Löhnen zusammen. Die Rollenteilung

wenn sie wollten.

sei aber auch schon in der Erziehung angelegt, denn

Marina Giacometti, Einsatzleiterin der Spitex im Ber-

Kinder werden normalerweise von Müttern grossge-

gell, beschäftigt ausschliesslich Frauen. Aber auch sie

zogen und lernen dabei, dass es Frauensache sei, für

sieht, dass die Rollenverteilung zwischen Männern

die anderen zu sorgen.

und Frauen nicht mehr so starr ist. In einigen Jahren

«Männer haben Mühe damit, zu Hause den dienenden

werde es auch im Bergell ganz normal sein, dass Män-

Part zu erledigen», stellt Spreeuwers fest und fügt halb

ner in der Pflege arbeiten. «Es würde mich allerdings

im Ernst und halb schelmisch hinzu: «Wir möchten

sehr erstaunen, wenn ich das noch selber erlebe», sagt

herrschen, nicht dienen. Die Frauen zwar auch, aber

sie augenzwinkernd.

sie geben es weniger zu.»

Professionalisierung nimmt zu

Pro Senectute berät

Samantha Ieronimo, Einsatzleiterin der Spitex im Un-

Beratung rund um die Pflege und Entlastungsmög-

terengadin, zeichnet allerdings ein anderes Bild.

lichkeiten gibt es auch bei Pro Senectute. Im Engadin

Heute seien auch in den Bergregionen die meisten

bricht bei dieser Organisation eine neue Ära an: Ursla

Frauen berufstätig. Immer weniger Töchter können

und Reto Pedotti werden nach 25 Jahren pensioniert.

deshalb die Pflege der Angehörigen übernehmen. Und

Neu im Team sind Hermann Thom und Anna Bisaz

viele aus den nachfolgenden Generation wollen diese

und sie beziehen neue Büros in Bahnhofsnähe in Sa-

Verantwortung auch nicht. Dafür hat sie volles Ver-

medan. Anna Bisaz ist im Oberengadin aufgewachsen

ständnis: «Dass sich jemand heute 24 Stunden um

und mit ihrer Familie zurückgekehrt. Sie wagt einen

seine Eltern kümmert, kann man nicht mehr erwar-

Wiedereinstieg in die professionelle Sozialberatung.

ten. Jeder hat sein eigenes Leben, seine eigene Fami-

Hermann Thom stammt aus dem Unterengadin, hat

lie.» Und immer mehr Kinder ziehen auch weg. Dann

Sozialarbeit studiert und steigt nach vielen Jahren der

bleiben viele Leute allein in ihrem grossen Haus.

journalistischen Tätigkeit bei Pro Senectute ein.

Für die Spitex-Krankenschwester Gaby Schmid aus La-

Pro Senectute Beratungsstelle Südbünden

vin ist es «ein grosses Glück, für solche Leute da sein

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zu dürfen. Ich bin geboren für die Pflege», sagt sie.

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01.11.12 08:02

Das Geschäft bleibt in der Familie Es hat viel mit Tradition zu tun und irgendwie auch mit einer nostalgisch-heilen Wirtschaftswelt: Irgendwann übergibt der Firmengründer sein Geschäft an den Nachfolger aus der eigenen Familie und der führt das Unternehmen weiter. Doch dieser Weg ist nicht hindernisfrei.

Text: Andreas Kneubühler Fotos: Mayk Wendt

D

as Ideal ist bekannt: Die Chefin oder der Patron

Erb- und Eherecht spielen eine wichtige Rolle. Nicht

bleiben als Berater oder als Verwaltungsräte im

zuletzt muss neben der Altersvorsorge der abtreten-

Hintergrund, geben hin und wieder einen Tipp,

den Generation auch geklärt werden, womit sie sich

lassen die Jungen aber machen. Gerade in wirtschaft-

künftig beschäftigen, wenn das Unternehmen immer

lich eher klein strukturierten Regionen wie in Südbün-

der Lebensinhalt war.

den gilt dieser Weg als ideales Modell. Es gehen ihn

Anspruchsvoll sind auch die Fragen, die sich die Nach-

aber nicht nur Klein- und Mittelbetriebe. Auch be-

folgerinnen und Nachfolger stellen müssen. Wollen

kannte Konzerne sind im Familienbesitz: Denner

sie in die Fussstapfen der Älteren treten oder lieber et-

wurde vor dem Weiterverkauf an Migros vom Enkel

was Eigenes aufbauen? Vielleicht ziehen sie es vor, zu-

übernommen, Swatch vom Sohn, die EMS-Chemie

erst Erfahrungen in anderen Bereichen zu sammeln

ging an die Tochter. Unter den Grossbetrieben sind das

und erst dann zu entscheiden. Ist die ältere Genera-

zwar die Ausnahmen, aber schweizweit bleiben nach

tion überhaupt bereit, die Verantwortung auch tat-

wie vor 40 Prozent der Firmen in den Familien und

sächlich abzugeben – oder muss man sich ständige

werden von einer Generation an die nächste überge-

Kritik oder Einmischungen gefallen lassen? Nicht sel-

ben. Bei der grossen Bedeutung, die diese Nachfolge

ten führen solche Überlegungen zum Schluss, dass es

weiterhin hat, geht gerne vergessen, wie komplex und

für alle Beteiligten besser ist, eine Geschäftsführung

anspruchsvoll solche Entscheidungen sind – und zwar

ausserhalb der Familie zu suchen und bloss noch im

für alle Beteiligten. Das beginnt bei der Besitzerin oder

Verwaltungsrat mitzubestimmen oder das Unterneh-

dem Patron, die sich möglichst rechtzeitig Gedanken

men ganz zu verkaufen.

über die Nachfolge machen müssten. Das Kunststück dabei: Die Planung sollte beginnen, wenn sich die äl-

Viele Beratungsangebote

tere Generation noch voll im Saft fühlt und nicht erst,

Bei der Komplexität solcher Nachfolgeregelungen ist

wenn gesundheitliche Probleme auftreten.

es kein Wunder, dass es dafür zahlreiche spezialisierte

Auf die lange Bank geschoben

46

Beratungsangebote gibt. Die meisten grösseren Banken preisen sich als Spezialisten und organisieren re-

Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass das Thema

gelmässig Informationsveranstaltungen zu diesem

gerne auf die lange Bank geschoben wird. Zum einen,

Thema. Es gibt diverse Unternehmensberatungen, die

weil sich vor allem charismatische Unternehmerin-

sich spezialisiert darauf haben, oder auch Steuerex-

nen und Unternehmer gerne für unersetzlich halten,

perten, die sich um Lösungen kümmern. Mediatorin-

zum anderen, weil das Tagesgeschäft in einer Firma

nen und Coaches helfen mit, bei familiären Streitig-

anspruchsvoll ist und kaum Raum für längerfristige

keiten zu schlichten und eine Lösung zu finden.

Nachfolgeplanungen lässt. Fällt schliesslich der Ent-

Bei all den schwierigen und heiklen Fragen, die es zu

scheid, sich damit auseinanderzusetzen, geht es zu-

besprechen gilt, ist es nicht selbstverständlich, wenn

erst um die Frage, wer überhaupt für die Nachfolge in

eine Nachfolge im Einvernehmen mit allen Beteilig-

Betracht kommt: Sind Sohn oder Tochter fähig? Wol-

ten gelöst wird. Wenn es gestandene Familienbetriebe

len sie überhaupt? Und wann? Falls ein Nachkomme

gibt, die gar von mehreren Generationen gemeinsam

für die Nachfolge ausgewählt wird, müssen die An-

geleitet werden, dann darf das fast schon als Kunst-

sprüche der anderen Erben gelöst werden. Steuern,

stück bezeichnet werden.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

DEM EDELSTEN LEBENSMITTEL VERSCHRIEBEN. «Wir sind drei Brüder und jeder hätte gerne die Metzgerei übernommen, die schon unser Grossvater vor rund 100 Jahren aufgebaut hat», sagt Ludwig Hatecke (Mitte). Als Ältester der drei hatte er ebenfalls Metzger ge-

Sohn David (links) quer durch den Laden: «Er hat mich hier hinein-

lernt und hat den Betrieb von seinem Vater Anton (rechts) übernom-

geprügelt.» Dass das nicht stimmen kann, merkt man sofort an der

men, «aber meine Brüder würden das sicher mindestens so gut ma-

selbstverständlichen Zusammenarbeit der Generationen. Vater Lud-

chen.» In der Familie leben die Väter den Söhnen die Qualitätsarbeit

wig und Sohn David waren diesen Herbst zusammen in Paris, «um

vor: Fleisch als edelstes Lebensmittel hat grösste Sorgfalt verdient.

uns schlau zu machen, was auf uns zukommt». Denn sie sind über-

Entsprechend präsentieren sich auch die Geschäfte: Auf das eher

zeugt, dass das, was sie dort entdecken, bald auch ins Engadin kom-

grobschlächtige einer Metzgerei trifft man hier nicht. – Und was hält

men wird. Dass Sohn David, der gelernte Koch, der zwischen zwei

die vierte Generation davon? «Eigentlich arbeite ich ja hier für mich

Jobs und dem Militär ganz routiniert in Scuol in der Metzgerei steht,

und meine Generation, aber wenn die Jungen weitermachen, dann

den Familienbetrieb weiterführen wird, zeichne sich ab, sagt der Va-

freut einen das natürlich», sagt Ludwig Hatecke, und lachend ruft

ter – und der Sohn dementiert das nicht. Foto: Bernadette Steiner

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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WAS IMMER DU MACHST, MACH ES GUT. «Zwang gab es nie in der Familie», sagt Thomas Walther (sitzend, 2. v.r.) vom gleichnamigen Hotel in Pontresina. Die Urgrosseltern mit ihrem Betrieb in Films mitgezählt, gehört er zur vierten Generation Hoteliers – seit drei Generationen in Pontresina. Als Bub habe er allerdings noch die übli-

triebsführung zusammen mit Thomas’ Frau Anne-Rose (sitzend

chen Berufswünsche gehabt, erinnert er sich: Lokführer oder Pilot.

rechts) verlief dann sehr harmonisch. Drei Generationen Walther –

Aber dann kam es doch zur klassischen Karriere: Kochlehre im «Pa-

mit den Kindern Valeria, Janick und Annina (stehend v.l.n.r.) – tref-

lace» in St. Moritz und später Hotelier. Zehn Jahre war Thomas Wal-

fen sich jeden Tag gemeinsam am Familientisch. So wie er es mit sei-

ther weg und nie hatten die Eltern Barbara und Christian (sitzend, 1.

nen Eltern erlebt habe, so hält es Thomas Walther auch mit seinen

und 2. v.l.) gedrängt, sondern immer nur eines geraten: «Wenn du et-

Kindern. Wenn im Hotel ein Anlass stattfindet, sagt er zu ihnen:

was machst, mach es richtig.» – Lange vor der Rückkehr in den Fa-

«Kommt, wenn ihr mögt.» Das Rezept funktioniert: Valeria hat sich –

milienbetrieb wurde über die Generationen hinweg diskutiert. Über

ganz von sich aus – für eine kaufmännische Lehre in einem Hotel

die Ziele war und ist man sich immer einig. Der Wechsel in der Be-

entschieden. Foto: Mayk Wendt

48

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

DIE GRENZWÄCHTER-TRADITION IST ZU ENDE. Seit drei Gene­ra­ tionen waren und sind die Rietmanns «Zöllner», Grenzwächter. Jacques (links) und schon dessen Vater Robert (auf dem Foto). Sohn Robert (mit schwarzer Jacke) arbeitet sei den frühen Achtzigerjahren beim Zoll, doch Sohn Patrick (rechts) hat die Tradition unterbrochen. Zwar liebäugelte auch er mit dem Beruf seiner Vorfahren, aber

Job von Grossvater und Vater her gekannt.» Heute geniesst Robert

als er die Ausbildung als Elektromonteur beendet hatte, war die Struk-

Rietmann die Berge in der Freizeit und fliegt nur gelegentlich mit

turanpassung bei der Grenzwacht im Gange und eine Berufskarri-

den Heli-Kontrollen mit. Schmuggel zu Fuss über die Berge gibt es

ere alles andere als sicher – jetzt arbeitet er bei der Kraftwerksgesell-

nicht mehr. Heute geht es um grosse Mengen Schmugglerware, und

schaft. Der Vater hat dafür Verständnis, denn der Beruf habe sich

die kommt mit den Lastwagen. Und der Computer hat Einzug gehal-

stark gewandelt. «Früher waren wir noch auf zweitägigen Kontroll-

ten. Seit Robert vor rund dreissig Jahren bei der Grenzwache begann,

touren in den Bergen unterwegs», das sei damals eine wichtige Mo-

ist der Personalbestand halbiert worden. Mit ein Grund, dass der Ju-

tivation für die Berufswahl gewesen, «und natürlich habe ich den

nior, Patrick, eine andere Karriere gewählt hat. Foto: Mayk Wendt

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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Der Rollator neben dem Kinderwagen Altersheime mit integrierten Kindertagesstätten. Firmenkantinen und Hotels, die Mittagstische anbieten. Was sich in der Theorie als vorbildliche Vermischung der Generationen anhört, erweist sich in der Praxis – mit Ausnahmen – als eher unspektakulär.

Text: Franco Brunner Fotos: Gabriele Horndasch

E

ine Gruppe Kinder rennt durch einen Gang. Es

die Kinder den natürlichen Umgang mit der älteren

wird gelacht und gespielt. Ein Junge hat ein we-

Generation lernen und treffen manchmal auch auf

nig den Anschluss verloren und springt deshalb

die gesundheitlich handicapierte Generation», er-

gleich noch ein wenig schneller, um seine Kollegen

gänzt Rosmarie Holzknecht, die stellvertretende Lei-

wieder einzuholen. Zu schnell. Er stolpert über die ei-

terin der Kindertagesstätte.

genen Füsse und fällt. Die ersten Tränen lassen nicht

50

lange auf sich warten. Die erste Hilfe aber auch nicht.

Bisher einziges Beispiel

Ein älterer Herr mit einer – nicht qualmenden – Bris-

Im «Neugut» gilt das Prinzip «alles kann, nichts muss».

sago im Mund hat das fröhliche Kindertreiben amü-

Spontane Begegnungen zwischen Jung und Alt sind

siert mitverfolgt und ist sogleich zur Stelle. Kurzer-

jederzeit möglich, im Gang, in der Kantine beim Essen-

hand legt er seinen Gehstock zur Seite und hilft dem

holen, auf den Stationen, im Garten, im Saal, auf dem

Jungen wieder auf die Beine. Das Weinen hat aufge-

angegliederten Bauernhof oder in der Cafeteria. Aber

hört. Der Junge und der Mann stehen sich gegenüber

es gibt auch geplante Begegnungen. Zweimal im Mo-

und lachen einander an.

nat findet «Turnen im Heim» statt, einmal im Monat

Es ist keine Szene aus einem kitschigen Familienfilm,

«offenes Spielen». Und vor Weihnachten werden ge-

sondern aus dem «Neugut» in Landquart. Das «Neu-

meinsam Guetzli gebacken, es gibt den Samichlaustag

gut» ist der Inbegriff eines generationenübergreifen-

und einiges mehr.

den Projektes: eine Alterssiedlung mit integrierter

Das Landquarter Beispiel zeigt eindrücklich, dass Pro-

Kindertagesstätte. Und entscheidend: Im «Neugut»

jekte

wird tatsächlich mit- und nicht nebeneinander gelebt.

tischen und Kinderbetreuungen nicht nur funktio-

von

generationenübergreifenden

Mittags­

«Der Austausch zwischen Jung und Alt soll auf eine

nieren, sondern für alle Beteiligten auch ein Gewinn

möglichst ungezwungene Art und Weise stattfinden»,

sind. Umso erstaunlicher, dass das Beispiel im Kanton

sagt Marica Juric, langjährige Pflegefachfrau und

Graubünden noch immer eine Ausnahme ist. Ähnli-

Qualitätsverantwortliche des Betriebs. «So können

che Ansätze gibt es immerhin in der Alterssiedlung

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

5

Bodmer in Chur. Dort gibt es einen Mittagstisch für

wäre. Derzeit benötige in Bever nur eine Familie ein

die Seminaristinnen und Seminaristen. Zum eigentli-

Mittagstischangebot. Das betreffende Mädchen kann

chen Generationenaustausch kommt es dort aber

bei der Familie eines ihrer Schulkollegen essen.

nicht. «Es ist mehr ein animiertes Nebeneinander», sagt der Leiter der Alterssiedlung, Andrea Menn. Trotz-

Scuol sucht nach einer Lösung

dem habe sich das Angebot seit mittlerweile sieben

In Scuol diskutiert man schon länger über einen Schü-

Jahren bewährt. «Der Schüler-Mittagstisch belebt den

ler-Mittagstisch im Altersheim Chasa Puntota. Noch

Betrieb und fördert den Kontakt und das Verständnis

bleibt es bei der Idee und die involvierten Stellen  –

unter den Generationen», so Menn. Auch im Senesca

Schule, Gemeinde, Altersheim und Eltern  – warten

Alterszentrum in Maienfeld holen die Primarschüler

auf einen ersten Schritt der jeweils anderen. Doch mit

ihr Essen am gleichen Ort wie die Seniorinnen und Se-

dem neuen Schulgesetz können Gemeinden ab dem

nioren. Gegessen wird jedoch in separaten Räumen. In

nächsten Schuljahr zu Tagesstrukturen respektive

Laax ist ein Projekt, das sich Landquart als Vorbild ge-

Mittagstischen verpflichtet werden, weiss Anna Ma-

nommen hatte, vor zwei Jahren abgelehnt worden,

this, Schulratspräsidentin in Scuol: «Die Blockzeiten

noch bevor es konkret geplant werden konnte.

Essen im Hotel oder in der Kantine

die mit dem neuen Schulgesetz eingeführt werden, und die stetig steigenden Schülerzahlen geben die Richtung vor.» Anna Mathis ist klar, dass ein generati-

Auch im Engadin haben sich die Mittagstische noch

onenübergreifender Mittagstisch eine ideale Lösung

nicht durchgesetzt, weder im eher urbanen Ober-

wäre. «Die Idee steht bei uns ganz klar an erster Stelle»,

noch im eher ländlichen Unterengadin.

doch das Projekt stecke noch in den Kinderschuhen.

Beispiel S-chanf: Die Primarschule bietet einen Mit-

Immerhin seien alle Beteiligten positiv eingestellt.

tagstisch im Hotel Scaletta an. Da die Kinder mit den

Doch generationenübergreifende Angebote können

Lehrpersonen jeweils erst um 12.15 Uhr im Hotel er-

auch zu Problemen führen. In der Montalin-Schule in

scheinen und es schon vor 13 Uhr wieder verlassen,

Chur wurde das gemeinsame Essen im nahen Alters-

würden sich nur selten Kontakte mit den Hotelgästen

heim nach kurzer Zeit wieder aufgegeben, denn die

ergeben. «Von generationenübergreifenden Kontak-

Heimbewohner fühlten sich vom Lärm und dem Trei-

ten und Begegnungen zu sprechen, wäre übertrieben»,

ben der Kinder überfordert. Heute gibt es dort eine (ge-

sagt Eva Pünchera von der Primarschule S-chanf. Das

nerationen-)gestaffelte Essensabgabe. – In Landquart

Angebot werde aber rege genutzt: «Wir haben seit

kennt man solche Probleme nicht. Wohl auch, weil

sechs Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht.»

dort nicht gemeinsam gegessen wird und es – für beide

Beispiel Bever: Dort steht die Kantine der Baufirma Le-

Seiten – immer Rückzugsmöglichkeiten gibt. «Das Ge-

natti als Mittagstisch für die Schulkinder bereit. Doch

meinschaftsprojekt hat sich bei uns bewährt», zieht

die Nachfrage ist derzeit zu klein und das Projekt ist

Rosmarie Holzknecht Bilanz. Bei den gemeinsamen

bis auf weiteres auf Eis gelegt, wie Schulleiterin Tania

Unternehmungen sei jeweils rundum Freude zu spü-

Badel erklärt: «Wir sind eine sehr kleine Gemeinde, in

ren, die sie nicht mehr missen möchte. Muss sie auch

der das soziale Umfeld noch intakt ist.» Trotzdem

nicht, denn der nächste Fasnachtsumzug durch das

könne und würde man das Angebot von heute auf

Betagtenheim samt Rollator-Mitfahrgelegenheit für

morgen wieder aktivieren, wenn Bedarf vorhanden

die Kleinen folgt bestimmt.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Informationen über das Zentrum für Betagte und Kinder Neugut, Landquart: www.neugut-landquart.ch

51

Die Zukunft der Fränzlis ist weiblich Sie sind keine Volksmusik-Quotenfrauen. Das haben ihre in die besten Jahre gekommenen Väter, «Ils Fränzlis da Tschlin», fürwahr nicht nötig. Und ihre musikalischen Töchter Madlaina, Cristina und Anna Staschia Janett sowieso nicht.

Text: Esther Scheidegger Fotos: Maurice Grünig

S

tubete am See 2012: Im romantischen Sommer-

Madlaina kontrastiert die alten Lieder unbefangen

garten «Bauschänzli» mitten in Zürich singen

mit heutigen Sichtweisen einer modernen Frau. Wer

drei bildhübsche junge Frauen glockenhell und

sie in dieser Rolle erlebt, ist nicht nur begeistert, son-

inbrünstig «s’ Landidörfli», jene überschwängliche,

dern auch beruhigt: «Ils Fränzlis da Tschlin» bleiben

walzerselige Liebeserklärung an die Landesausstel-

unermüdlich spielfreudig und «in viadi», sie sind

lung 1939, die für Generationen eine Art sentimentale

auch in Zukunft unterwegs. Sie bleiben die Profis des

Nationalhymne war. Es sind Madlaina (27), Cristina

melodischen «Increschantüm», des Heimwehs, das

(25) und Anna Staschia (18), Töchter der Musiker von

die Engadinerinnen und Engadiner auch dann plagt,

den «Fränzlis da Tschlin» (siehe piz 36, Winter

wenn sie zuhause sind – wo auch immer.

2008/2009). Sie singen kapriziös, herzerweichend, eine Augen- und Ohrenweide, ständig in Bewegung,

Eine musikalische Bergtour

wippend, tänzelnd. Alle drei musizieren konzertreif.

Zusammen mit der Historikerin Dorothea Zimmer-

Ihr Liedchen ist ein Highlight im Programm «Zürich

mann (sie lernten sich beim Jobben im Service ken-

wackelt», mit dem die Engadiner Musikerfamilie Ja-

nen) hat Madlaina aufgrund ihrer Masterarbeit an der

nett Zürich als Ländlerstadt rehabilitieren, wenn

Zürcher Hochschule der Künste («Projekt für eine

nicht gar reaktivieren, will. Denn das war Zürich tat-

Stadtintervention») zum Thema Volksmusik eine

sächlich einmal, eine Ländlerstadt, in den 1920er-

«vergnügliche Bergtour durch die Zürcher Innenstadt»

und 1930er-Jahren.

als Stadtführung konzipiert. «Es ist nicht immer überall Land drin, wo Ländler draufsteht», provoziert die

Widerborstige Moderationen

Foto rechte Seite: Die Frauen der jüngsten Generation der Grossfamilie

Heimwehbündnerin Madlaina vergnügt: «In Zürich

Madlaina Janett ist diplomierte Grafikerin und Illust-

hat vor nicht allzu langer Zeit einiges begonnen, was

ratorin. Sie spielt aber auch Bratsche, und dies mehr

wir heute als uralte, bäuerlich-ländlich geprägte

als nur hobbymässig. Mit Musik, vielen romanischen

Volkskultur wahrnehmen. So hat etwa die Trachten-

Kinderliedern und Flötenunterricht aufgewachsen,

bewegung von Zürich aus ihren Siegeszug ins Land hi-

wollte sie aber nie Musik studieren. Obwohl ein Leben

naus begonnen.» Und sie zitiert genüsslich die heute

ohne Musik für sie nicht auszuhalten wäre. Sie gestal-

unerhört pathetische Prosa eines Landi-Journalisten,

tet die Drucksachen und Flyer für die Konzerte. Auch

der damals einen Umzug beschrieb: «In diesem Trach-

das witzige Cover der jüngsten CD «Fränzli live! Da la

tenvolk, das in seiner Herrlichkeit vor uns Städtern vo-

Turnhalla a la Tonhalla», trägt ihre Handschrift. Sie

rüberzog, erkannten wir uns plötzlich selber in den

moderiert auch «Giodim», den rumantschen Lieder-

besten Zügen unseres eigenen Wesens. Wir spürten

abend mit tieftraurigen Balladen, bösen Spottliedern

alle leise in uns das Bauernblut rollen, das immer wie-

und lüpfigen Tänzen. Sie ist dabei der verschworen

der die Bevölkerung der Städte mit neuen Säften

eingespielten, schwarz gekleideten «Fränzli»-Män-

durchsetzt», die Passage findet sich im Goldenen Buch

nerrunde spürbar zugeneigt und sie über­ setzt die

der Landi, 1939.

volkstümlichen

Mit von der Partie an dieser unvergesslichen Stadtfüh-

Herzschmerztexte

brillant

und

Janett spielen auf:

manchmal widerborstig aus dem Romanischen:

rung war auch der Klarinettist, Saxophonist und Kom-

Madlaina, Cristina und

«Wieso meinen diese Mädchen bloss immer alle, hei-

ponist Domenic Janett (63), das musikalische Gewis-

raten sei das Wichtigste überhaupt?»

sen der Grossfamilie. Ihr Star, ihr Primus inter

Anna Staschia (v.l.n.r.)

52

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Der Fototermin am Zürcher

Pares – ohne ihn geht eigentlich nichts! Madlaina, die

Stadthausquai wird zum

Älteste der nachfolgenden Janett-Generation, ist in

durchs Land tourt. Als sie ihr Vater damals fragte, ob

spontanen Konzert mit begeis-

Sulgen im Thurgau aufgewachsen. Die Mutter, Kin-

sie mitmachen wolle, erinnert sich Madlaina, sei sie

terten Touristen als Zuhörer:

dergärtnerin, hat ihren Vollblutmusiker-Ehemann

perplex gewesen: «Machsch en Witz?»

Madlaina, Cristina und

Curdin (59)  – wie im Bilderbuch  – schon als Mäd-

Anna Staschia Janett (v.l.n.r.)

CD-TIPP Fränzlis live. Da la Turnhalla a la Tonhalla. Zytglogge Verlag, 2009. CHF 28.50

54

heute wieder als Multiinstrumentalist und Kabarettist

chen in Tschlin kennengelernt, wo sie oft in den Fe-

Schwester und Cousine

rien war. Tochter Madlaina war noch nicht einmal auf

Neu ist nun auch ihre Schwester Cristina mit dabei,

der Welt, als ihr Vater und seine Brüder Domenic (Kla-

die klassische Konzertcellistin und Cellolehrerin. An

rinette) und Duri (Kornett) zusammen mit Men Stei-

der Hochschule der Künste in Bern hat sie mit einem

ner (Violine) und Flurin Caviezel (Bratsche) «Ils Fränz-

Master in Musikpädagogik abgeschlossen. In Zürich

lis da Tschlin» gründeten. Der «Urfränzli», der Erfinder

absolvierte sie den Studiengang Master Perfomance.

der eigenwilligen, auch manchmal schrägen Volks-

Cristina war Mitglied des Schweizer Jugend-Sinfonie-

musik, war der blinde Geiger und Klarinettist Franz-

Orchesters. Heute spielt sie in verschiedenen Kam-

Josef «Fränzli» Waser (1858–1895).

mermusik-Ensembles und auch in der Formation für

«L’amur nun es pulenta». Für die «Fränzlis» ist – wie

neue Schweizer Volksmusik namens «C’est si B.O.N.».

im romanischen Sprichwort – die Volksmusik wie die

Zusammen mit Barbara Gisler, ebenfalls eine bravou-

Liebe keine gewöhnliche Polenta, keine Alltagskost.

röse klassische Cellistin und früher einmal Nachbars-

Musiziert haben sie alle von Kindsbeinen an. Wie

kind, mit Madlaina, mit Bruder Niculin (22), dem

schon ihre Onkel, baba Clà und baba Giovanin, die

Jazz-Saxophonisten, und mit Curdin Janett. Die Beat-

zuhause im Unterengadin im legendären (ehemali-

les werden auf Romanisch übersetzt, Streicher jo-

gen) Hotel Muttler für ihr Dorf und bei Hochzeitsfes-

deln – es bleibt kein Auge trocken.

ten, aber auch bei Beerdigungen lüpfig aufspielten. Ihr

Zur jüngsten Janett-Generation gehört auch Anna Sta-

Grossvater Men Janett war langjähriger Dirigent der

schia, die Tochter von Domenic und seiner indisch-

Tschliner Dorfmusik und des gemischten Chors.

schweizerischen Frau Rupali. Sie leben in Stugl im Al-

«Machsch en Witz?»

Ärztin möchte sie vielleicht werden. Oder doch lieber

Die lavuratori (Musikwerkstatt) der «Fränzlis», die je-

Berufsmusikerin? Zur Geigenstunde fährt sie nach

den Sommer in Tschlin stattfindet, hat mittlerweile

Davos. Auch bei ihrem Onkel Jachen Janett hat sie Un-

Kultstatus und wachsenden Zulauf, mit täglichen

terricht. Bei ihren anderen Onkeln und Cousinen

Platzkonzerten und einem Abschlussfest. Ihr 30-Jahr-

spielt sie mit, wann immer es möglich ist. Sie schlingt

bulatal. Ins Gymi geht Anna Staschia nach Samedan,

Jubiläum feiert die Formation mit dem neuen Pro-

eine Schärpe um die Taille, trägt auch einmal den Uni-

gramm «3 x 7 = 21 + 9 = 30, nimm den Löffel und iss

formhut mit Federbusch aus dem Fundus der Vorfah-

die Polenta». Den geradezu dadaistischen Titel ver-

ren – und sie spielt virtuos!

danken sie einem Kollegen, dem er vor 150 Jahren zu

Die Grossfamilie Janett spielt traditionelle und neue

einem alten Engadiner Schottisch einfiel.

Volksmusik, sie bewegt sich lustvoll auch in anderen

Madlaina ist seit 2002 eine «Fränzli», sie übernahm

Stilen, selbst Klassik ist nicht tabu: Weltmusik mit

den Part von Flurin Caviezel, der fünf Jahre lang das

Tschliner Wurzeln. Der Applaus ist nicht enden wol-

Amt für Kultur des Kantons Graubünden leitete und

lend – auch im Unterland.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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Paradies der Worte und Gedanken Die Biblioteca Engiadinaisa in Sils ist ein spezieller Ort – ein ruhiges Paradies der Worte und Gedanken, mehr stilvolles privates Wohnhaus denn öffentlicher Raum. Die Bibliothek geht zurück auf eine grosszügige und vorausschauende Stifterin: Louise Silverberg.

Text: Marina U. Fuchs Fotos: Biblioteca Engiadinaisa

A

ls Luise Silverberg am 26. November 1905 in

beschwerte Zeit zu Ende. Der Vater musste an die

dass ihr – später französisch geschriebener

Front, die Mutter eröffnete zu Hause eine Pflegesta-

Name «Louise» – im Engadin lange über ihren Tod hi-

tion. 1917 wurde die Ehe der Silverbergs geschieden,

naus ein Synonym für Grosszügigkeit und Weitblick

für die Tochter ein existentieller Schock. Die Mutter

sein würde. Louises Vater, Paul, war der einzige Sohn

hatte sich neu verliebt und Louise kämpfte zeitlebens

von vier Kindern, wurde Rechtsanwalt und trat nach

mit Schuldgefühlen, da sie sich als Vermittlerin der

dem plötzlichen Tod seines Vaters 1903 in die Fami­

Bekanntschaft mit dem neuen Mann, den die Mutter

lienunternehmungen ein. Er war jüdischer Herkunft

1920 heiratete, verantwortlich fühlte.

und trat mit neunzehn Jahren zum protestantischen

Quelle: u.a. Louise Silverberg, Stationen ihres Lebens, Zur Erinnerung an die Gründerin der Stiftung Biblioteca Engiadinaisa, Sils/Segl, 2001

56

Ausbruch des Ersten Weltkriegs, 1914, ging diese un-

Köln geboren wurde, hätte niemand gedacht,

Glauben über, baute ein Wirtschaftsimperium auf,

Der Vater emigriert 1933 in die Schweiz …

das zu den bedeutendsten der Weimarer Republik ge-

Die späteren schulischen Leistungen waren schlecht

hörte. Er hatte über fünfzig Vorstands- und Aufsichts-

und Louise verliess das Berliner Lyceum. Sie zog zum

ratsmandate inne, engagierte sich politisch, sozial

Vater nach Köln, besuchte dort eine Landwirtschafts-

und kulturell. 1905 heiratete er die katholische Jo-

schule, absolvierte ein Haushaltsjahr und arbeitete

hanna Stieger und Tochter Louise wurde katholisch

auf dem Gut des Vaters. Dieser entschloss sich 1933,

getauft, war aber nach dem Verständnis der National-

nach der Machtübernahme Hitlers, in die Schweiz ins

sozialisten trotzdem Halbjüdin. Louise wuchs behü-

Exil zu gehen. Er verkaufte den Hof, das Geld floss an

tet in Köln auf und verbrachte die Sommerferien am

Louise, da es bereits nicht mehr aus Deutschland her-

Starnberger See, bei der Grossmutter väterlicherseits

austransferiert werden konnte.

in Bozen und wohl auch schon im Engadin.

Die junge Frau zog es nach München, wo sie schnell ei-

Aus ihrer Kindheit rührt ihre Liebe zu Hunden und

nen grossen Bekanntenkreis hatte und sportlich sehr

Katzen, zur Bergwelt und der Natur. Sie wurde zu

aktiv war. Die Urlaube verbrachte sie mit dem Vater im

Hause von Privatlehrern unterrichtet. Doch mit dem

Hotel «Waldhaus» in Sils oder im «Suvretta House» in

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

St. Moritz. Dort lernte sie die verwitwete Gertrud

gen. Die wichtigste und bekannteste ist die Biblioteca

Louise Silverberg (links) hat die

Thyssen kennen und es entstand eine enge Beziehung

Engiadinaisa in Erinnerung an ihren Vater und des-

Biblioteca Engiadinaisa in Sils-

mit vielen gemeinsamen abenteuerlichen Reisen.

sen Liebe zum Engadin. Zum Erbe Paul Silverbergs ge-

Baselgia gegründet. Heute ist

Der Verfolgung durch die Nazis entging Louise Silver-

hörte auch eine umfangreiche Bibliothek. 2600 Bü-

daraus eine moderne Freihand-

berg auch deshalb, weil ihre Freundin sie immer wie-

cher aus den Bereichen Geschichte und Belletristik

bibliothek geworden, in einzel-

der versteckte und ihr Vater Aktien an die Nationalso-

sollten zum Grundstock einer Bibliothek werden, wie

nen Räumen mit dem Charme

zialisten abtrat. Diese hatten gedroht, im Falle einer

es sie im Engadin noch nicht gab. Ihr schwebte eine

der Gründungszeit.

Weigerung gegen die Tochter vorzugehen. Nach den

Freihandbibliothek vor, in der Einheimische und

ersten Bombenangriffen auf München 1944 brachten

Ferien­gäste kostenlos Bücher ausleihen und in schö-

sich die beiden Frauen auf dem Land in Sicherheit.

nem Ambiente vor Ort lesen können. Ihre Freundin

Dort entstand ihr Plan, ein Geburts- und Wohnheim

Anita Forrer bot ihr Bauland in Sils-Baselgia an, an ei-

für Mütter und Kinder zu gründen, dazu später noch

nem Ort, den Louise besonders schätzte, weil er fernab

ein Kinderheim. In Wartaweil, westlich von Mün-

von Glamour und Partys lag. Vom ererbten Vermögen

chen, fanden sie ein passendes Anwesen. Gertrud

werden aber auch zahlreiche kulturelle Projekte im

Thyssen, eine gelernte Hebamme, übernahm die Lei-

Engadin und in den Südtälern unterstützt.

tung, Louise Silverberg kümmerte sich um Verwaltung und Küche. Doch ob all der Arbeit lebten sich die

Treffpunkt der Generationen

Freundinnen auseinander.

Am 5. Juni 1962 wurde die Bibliothek mit einem Fest-

… die Tochter folgt dem Vater 1957

akt eröffnet. In ihrer Ansprache betonte die Stifterin die Dankbarkeit ihres Vaters gegenüber der Schweiz,

Louise Silverberg verliess Bayern 1957, begleitet von

die ihm 1933 eine Heimat bot und die er bis zu seinem

ihrer Sekretärin Marianne Hauer. Die Entscheidung

Tode nie mehr verlassen hatte. Und sie verwies auch

für das Engadin fiel nicht nur, weil sie dort als Kind

auf ihre eigene Liebe zum Engadin. Schnell etablierte

und Jugendliche glückliche Zeiten verbrachte, son-

sich die Bibliothek. Anita Forrer, die im Obergeschoss

TAUSENDE BUCHER

dern auch, weil sich die starke Raucherin von der Hö-

auf Lebzeiten Wohnrecht hatte, berichtete beim fünf-

In der Biblioteca Engiadinaisa stehen 18’000 Bücher. Eine umfangreiche Sammlung über das Engadin, aber auch Klassiker, aktuelle Bestseller, Sachbücher, Zeitschriften und Kinderbücher, dazu fast 2’000 Kassetten und CDs sowie mehr als 600 DVDs. In den fünfzig Jahren des Bestehens der Biblioteca wurden die Bestände gut 350’000-mal ausgeliehen.

henlage Besserung für ihre angegriffene Gesundheit

jährigen Jubiläum von bis zu fünfzig Besuchern täg-

versprach. Zunächst bewohnten die beiden Frauen Sil-

lich. Trotzdem wurden Erweiterungspläne verworfen,

verbergs Ferienwohnung in der «Chesa Serlas» in

um den intimen Charakter nicht zu zerstören.

St. Moritz, zogen aber schon bald mit den Hunden

Louise Silverberg starb am Weihnachtstag 1969, und

und Katzen in die neu erbaute Villa «Peter und Paul»

nach dem Tod von Anita Forrer wurde auch das Ober-

an die Via Anemona im Suvrettagebiet. Louise Silver-

geschoss zur Bibliothek. Der grösste Anziehungs-

berg lebte dort sehr zurückgezogen, widmete sich der

punkt ist die ständig wachsende Sammlung an Bü-

Literatur, der Musik und der Naturfotografie und be-

chern, die sich mit dem Engadin und der romanischen

suchte oft ihren Vater, der inzwischen in Lugano lebte

Sprache befassen, sowie die Bände heimischer Auto-

und Bürger von Liechtenstein geworden war. 1959

rinnen und Autoren. – Am grossen Holztisch, mit

starben sowohl Vater Paul wie Mutter Johanna.

Blick in die faszinierende Natur, treffen sich regelmäs-

Selbst gesundheitlich sehr angeschlagen, gründete

sig die Generationen, denn Kinder und Senioren sind

Louise mit dem ererbten Vermögen mehrere Stiftun-

die intensivsten Nutzer der Biblioteca.

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Biblioteca Engiadinaisa Via da Baselgia 46 7515 Sils/Segl-Baselgia www.bibliotecasegl.ch Öffnungszeiten: Mo–Fr 10–11.30 und 15–18 h Do bis 21 h

57

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BUCHER Bewegte «Schwarze Geschichte»

Eine persönliche Reise

Kindheitserinnerungen

Scuol dokumentiert

Patrick A. Wild: «Die Buchdruckerkunst im

Angelika Overath: «Fliessendes Land»,

Martin Raschèr: «Ova da Savun – Seifen-

Paul Eugen Grimm: «Scuol, Landschaft –

Engadin», Verlag Casanova, 2012, Fr. 37.–

Luchterhand, 2012, Fr. 24.50

wasser». Chasa editura rumantscha, Ru-

Geschichte – Menschen», Druckerei Gamme-

mantsch puter / deutsch. 2012, Fr. 29.–

ter, St. Moritz, 2012, Fr. 79.–

Romanisch war lange

«Fliessendes Land» ist

«Die Zeit, die ich auf der

Ein 600 Seiten dickes

eine gesprochene

vielleicht das persön-

Stallbank neben dem

und schweres Buch

Sprache. Mit der Refor-

lichste Buch der in Sent

Grossvater verbrachte,

hat der Historiker

mation im 16. Jahr-

wohnhaften Schriftstel-

ist unvergesslich.

Paul Eugen Grimm

hundert nahm das

lerin Angelika Overath:

Manchmal denke ich,

zur Geschichte von

(religiöse) Lesebedürf-

eine Reise in die eigene

dass ich auf dieser Bank,

Scuol verfasst. Er be-

nis vielerorts zu. Im Sommer 1659

Vergangenheit, in andere Länder und

wenn nicht mehr, so doch ebenso

schreibt darin alle Facetten: Land-

bekamen die beiden reformierten

Kulturen, in die Welt des Schreibens.

Wichtiges gelernt habe wie auf den

schaft, Geschichte und Menschen.

Pfarrer Joan Pitschen Salutz und Ja-

Ihre Geschichten erzählen von der

unzähligen Schulbänken, die ich in

Das wissenschaftliche Werk ist aber

chen Andri Dorta die Erlaubnis, in

Begegnung mit ungewöhnlichen

meinem Leben habe drücken müs-

keineswegs trocken, sondern schil-

«Schultz» (Scuol) eine Druckerei zu

Menschen und geben uns Einblick in

sen.» In «Ova da savun / Seifenwas-

dert auch zahlreiche amüsante Anek-

eröffnen. Sie fuhren nach Poschiavo,

ihre Werkstatt. Sie kehrt zurück ins

ser» beschreibt der heute 91-jährige

doten. Der Band ist reich illustriert

machten sich in der dort schon 1548

verlorene Atlantis der Kindheit und

Autor Martin Raschèr in 35 Episoden

und man entdeckt hier auch die ers-

gegründeten Offizin Dolfino Lan-

der Jugend. Sie erzählt von Verheis­

und Erinnerungen seine Kindheit

ten Fotos, die von Scuol gemacht

dolfi kundig und veröffentlichten

sung und Scham, von väterlichen

und sein Leben. Er hatte die Ge-

wurden. Autor Paul Eugen Grimm

1679 die erste romanische Bibel. In

Fussballritualen, von den Irritatio-

schichten zuerst auf Deutsch für

war bis vor kurzem Lehrer am Hoch-

Chur war ab 1672 der aus Vorarlberg

nen erster Sexualität unter Kirsch-

seine Familie niedergeschrieben.

alpinen Institut Ftan und er hat auch

stammende Drucker Johann Georg

bäumen und den scheuen Gesten er-

Die Puter-Fassungen sind speziell für

bereits eine Chronik von Ftan ver-

Barbisch tätig, der sich als Wander-

hoffter Freundschaft. Sie fragt immer

das Buch entstanden. Eine der Ge-

fasst. Scuols Geschichte schildert er

drucker etablierte. All das erfahren

wieder, was Wirklichkeit ausmacht

schichten erzählt vom milchig-

immer in grösseren Zusammenhän-

wir im leidenschaftlich recherchier-

und wie die Grenzen zwischen geleb-

blauen Seifenwasser, mit welchem

gen. Der Blick geht über die Nachbar-

ten neuen Buch über die Buchdru-

tem Augenblick und Traum, Glücks-

sich die Kinder wuschen – es gab

gemeinden hinaus bis nach Chur,

ckerkunst im Engadin. (es)

erfahrung und Angst verlaufen.

dem Buch den Titel.

Bern oder Innsbruck.

Bergeller Architektur

Aus dem Dunkeln leuchten

Neu aufgelegt: Hotelgeschichte

Von Jägern und Hirten

Bündner Heimatschutz Sektion Engadin

Ulrich Wismer, Hrsg.: «Glasmaler Gian

Isabelle Rucki: «Das Hotel in den Alpen. Die

Thomas Reitmaier (Hrsg.): «Letzte Jäger,

und Südtäler: «Bergell – Architekturrundgänge

Casty – Aus dem Dunkeln leuchten», Verlag

Geschichte der Oberengadiner Hotelarchitektur

erste Hirten, hochalpine Archäologie in der

in Graubünden», Verlag Desertina, 2012,

Wälchli, Aarwangen, 2012, Fr. 62.–

ab 1860». Fotos: Heinrich Helfenstein.

Silvretta», Amt für Kultur Graubünden /

Fr. 12.– (auch als italienische Ausgabe)

Bestelladresse: bwf@bluewin.ch

Verlag hier + jetzt, 2012, Fr. 69.–

Südostschweiz Buchverlag, 2012, Fr. 32.–

Der erste Architektur-

Gian Casty (1914–

Vor über 20 Jahren

Seit Jahrtausenden rin-

führer des Heimat-

1979) stammte aus

war das Buch zum

gen Menschen auch in

schutzes erschien

Zuoz und arbeitete

ersten Mal erschie-

den Alpen der Natur

2003 zu Poschiavo.

als Glasmaler in

nen, aber seit Jahren

ihr tägliches Brot ab.

Jetzt ist der zweite

Basel. Seiner Heimat

vergriffen. Die Auto-

Wenig scheint dabei so

Band dem Bergell ge-

Oberengadin aber

rin, Isabelle Rucki,

selbstverständlich wie

widmet. Er führt zu 25 Stationen der

blieb er immer verbunden. In den

die kurz vor der Fertigstellung des Bu-

die sommerliche Nutzung der rei-

Baukultur zwischen Maloja und Cas-

1970er-Jahren wurden seine Werke

ches starb, hat ihre Forschungen wei-

chen Hochweiden. Die Ursprünge der

tasegna. Der Führer wurde von der

im selben Atemzug genannt wie jene

tergetrieben und sie verfolgte die En-

Alpwirtschaft sind bislang unbe-

Kunsthistorikerin Ludmila Seifert-

von Marc Chagall. Seine Arbeiten

gadiner Hotelgeschichte bis in die

kannt. Seit 2007 untersucht ein breit

Uherkovich verfasst und ist mit Auf-

sind weitgehend vergessen, obwohl

Gegenwart. Sie konnte die Neuauf-

angelegtes Forschungsprojekt die Sil-

nahmen des Fotografen Ralph Feiner

sie bis heute zu bewundern sind,

lage noch bis fast zum Schluss beglei-

vrettagruppe zwischen dem Unter-

illustriert. Es gibt ihn in Deutsch und

etwa in den Kirchen in St. Moritz-

ten. Neue Schwerpunkte sind das Ho-

engadin, Paznaun und Montafon.

Italienisch.

Bad, in Madulain und Zuoz oder am

telbauverbot von 1915, die klassische

Die reich bebilderte Publikation gibt

grossen Fenster mit den dreizehn

Moderne und deren weitgehendes

Einblick in die vielseitigen Methoden

Lämmern in der reformierten Kirche

Fehlen im Engadiner Hotelbau. Auch

der Archäologie im Hochgebirge.

in Scuol. Castys Werke findet man

die in den 1940er-Jahren angestrebte

17 Beiträge informieren über den ak-

aber in der ganzen Schweiz. Der

«Sanierung» ist ein grosses Thema.

tuellen Stand des Projektes: Von der

Künstler stellte seine Glasfenster sel-

Der Band ist mit aktuellen Aufnah-

Entdeckung der ältesten Schweizer

ber her und entwickelte neue Techni-

men des Architekturfotografen

Alphütte im Fimbertal bis zum wie-

ken. Er legte grossen Wert auf die

Heinrich Helfenstein grossformatig

der aufgetauchten «Veltliner Hüsli»

Wirkung des Lichtes.

illustriert.

im Silvrettasee.

Buchhandlung · Papeterie ST. MORITZ

60

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

Ausflugstipps Engadin / Valposchiavo Bernina Express

Panoramawagen

Von den Gletschern zu den Palmen

Auf der Albulalinie

Erleben Sie eine der spektakulärsten Alpenüberquerungen: Die Berninastrecke der Rhätischen Bahn von St. Moritz oder Pontresina nach Poschiavo und bis ins südliche Tirano. Sie verbindet ohne Zahnrad den Norden und den Süden Europas. Ein besonderer Hochgenuss ist die Panoramafahrt im Bernina Express – vorbei an Gletschern, hinunter zu den Palmen. Steigungen von bis zu 70 Promille meistert der Zug mit Leichtigkeit. Auf 2 253 Metern über Meer thront das Dach der RhB, Ospizio Bernina.

In allen Zügen zwischen St. Moritz und Chur oder umgekehrt bieten wir Ihnen den gesamten Winter durch Panoramawagen 1. und 2. Klasse an. Reservieren Sie Ihren Sitzplatz frühzeitig. Die Reservationsgebühr beträgt CHF 5.00 pro Person und Weg.

Vollmondfahrt Alp Grüm Erleben Sie bei Vollmond die Berninastrecke in einem Panoramawagen der Rhätischen Bahn. Bahnfahrt von St. Moritz / Pontresina im Extrazug nach Alp Grüm. Nach dem Aperitiv auf der Terrasse geniessen Sie einen Gletscherfondue-Plausch im Ristorante Alp Grüm. Anschliessend Rückfahrt durch die grandiose Bergwelt.

täglich 15.12.2012 — 10.03.2013

Bahnmuseum Zeitreise in Bergün In Bergün, unmittelbar an der Albulalinie der RhB, steht das neue Bahnmuseum Albula. Ein Ort für Familien und Bahnliebhaber. Profitieren Sie mit einem Kombiangebot. Dienstag bis Sonntag geöffnet

Januar 2013: 26. / 27. / 28. – Februar 2013: 24. / 25. / 26. März 2013: 26. / 27. / 28.

Schlittelwelt Preda — Bergün

100 Jahre Bever-Scuol

Auf weltberühmten Schienen zum einzigartigen Vergnügen auf Kufen. Das Schlittelabenteuer Preda/Darlux — Bergün der RhB. Von 1800 m ü. M. in Preda geht es bergab: sechs Kilometer Schlittenfahren vom Feinsten nach Bergün. Die Schlittelbahn ist nachts beleuchtet (Di – So).

Am 29. und 30. Juni 2013 feiert die RhB ihre Jubiläumslinie entlang der Strecke Bever – Scuol-Tarasp. Reservieren Sie sich das Datum. Detailinformationen unter:

täglich ab 14.12.2012

www.rhb.ch/bever-scuol

Beratung / Reservation / Verkauf An jedem bedienten RhB-Bahnhof oder direkt am Bahnhof St. Moritz, Tel +41 (0)81 288 56 40, stmoritz@rhb.ch www.rhb.ch

PIZZERIA Kulturagenda Hotel Laudinella, Winterprogramm 2012/2013 Details: www.laudinella.ch; Die Abendveranstaltungen beginnen, wo nicht anders vermerkt, um 20.30 Uhr. 26.12.

Sauna erneuert

28.12.

Das Bogn Engiadina in Scuol präsentiert nun auch

5.1.

seine Saunalandschaft aufgefrischt und vergrös­

7.1.

sert. Gestaltet wurde sie von Innenarchitekt Cord Glantz und seinem Team aus Stuttgart. Grosszügige Fenster gewähren Aus­ blick auf das Bergpanorama. Die Duschen sind gross­ zügiger und ein Tauchbecken und ein Eisbrunnen er­ gänzen die Anlage. Schon im vergangenen Jahr wurde die Bäderlandschaft reno­ viert. Das Gesamtprojekt hat 6,6 Mio. Franken gekostet.

Hotel Holz-Ellipse In Form einer fünfzig Meter langen, mit unregelmässigen Holzbrettern verschalten Ellipse präsentiert sich der Neu­ bau des Hotels Arnica in Scuol. Der aussergewöhnliche Bau wurde vom bekannten Scuoler Architekten Teodor Biert entworfen. Er hat Engadiner Tradition innovativ und frech inszeniert. Auf der Fassade hat er die sich verjüngenden Holzlatten gegeneinander verdreht montieren lassen, so dass ein lebendiges Bild entsteht. Der grosszügige, offene Frühstücksraum besticht durch frische Farben. Aus der Lounge mit Cheminée und den bis zum Boden verglasten Zimmerfenstern geniesst man die Aussicht auf die Un­ terengadiner Bergwelt und das wilde Flusstal des Inn. Im Neubau sind 12 Zimmer, eine Suite und der Wellnessbe­ reich sowie die Tiefgarage untergebracht. In den Zimmern stehen die Badewannen frei im Raum. Die Arvenholz­ Betten stehen auf einem erhöhten Podest und wurden von einer Schreinerei speziell für das Hotel produziert. Mit dem Neubau gibt es in Scuol im oberen 3­Sterne­Hotelsegment ein neues Haus mit zeitgenössischem Design.

Büvetta retten Anlässlich des UNO­Weltwassertages 2012 wurde im Früh­ ling der Verein zur Rettung der Trinkhalle Büvetta in Nairs gegründet. Die wegen Felssturzgefahr nicht mehr zugäng­ liche Trinkhalle Tarasp am Ufer des Inn war ein Bijou der Bädertradition und sie ist die letzte erhaltene Trinkhalle der Schweiz. Geplant wurde sie vom Architekten Bernhard Simon, dem «Erfinder» von Bad­Ragaz. Rund siebzig Perso­ nen waren zur Gründung des Vereins Pro Büvetta Tarasp gekommen. Präsidiert wird der Verein von Architekt Werner Reichle aus Uster. In früheren Jahren hatte sich der ehemalige Hotelier Rolf Zollinger für die Erhaltung der Trinkhalle eingesetzt, doch aus den verschiedenen Plänen und Studien ist bisher nichts geworden. Wichtig sind als erste Schritte die Sicherung des Hanges oberhalb des historischen Gebäudes und erste Reparatu­ ren an der Bausubstanz. Dafür sind rund sieben Millionen Franken nötig. Der Verein will danach ein Nutzungskon­ zept für den historischen Bau erarbeiten. Das bedrohte Gebäude steht auf der «Roten Liste» des Schweizer Hei­ matschutzes. 62

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

13.1. 17.1. 21.1. 4.2.

5.2. 6.2. 12.2. 16.2. 22.2. 23.2. 4.3.

14.3. 17.3. 22.3. 27.3.

31.3. 6.4. 14.4. 1.5.

Weihnachtskonzert: Familie Saitkoulov Oppert spielt Bach, Mozart, Rachmaninov, Grieg. Kasperlitheater: «Rotkäppchen». Für Kinder ab 4 Jahren. Eintritt 12.– / 10.–, 17 Uhr. Konstantin Scherbakov: Russische Werke für solo Klavier. Eintritt 45.– Laura de Weck liest aus ihren Stücken und Kolumnen. Sushi­Zubereitungskurs. Gebühr 120.–, 15 Uhr. Vom Essen in der Literatur. Vortrag von Mirella Carbone und Joachim Jung. Menschen erzählen ihre persönliche Geschich­ te: Marco Mehli, Rega­Pilot und Bergführer. Vortrag von Chasper Pult: Romanisch und Deutsch geben Rätsel auf. Sind Morteratsch, Corvatsch und Rosatsch verwandt? Highheels, oder wie Schuhe mit hohen Absätzen zum Vergnügen werden. Kursgebühr 150.– Saxophonquartett Signum. Annette Postel erzählt aus dem Opern­Nähkäst­ chen und präsentiert Opernparodien. Jahreskonzert der Musikgesellschaft St. Moritz. Giuliano Pedretti – Filmporträt. Neues Zürcher Orchester. Menschen erzählen ihre persönliche Geschich­ te: Diana Segantini, Urenkelin von Giovanni Segantini, und ihre Mutter Ragnhild. Friedrich Nietzsche: Die Kunst der Gesundheit. Vortrag von Mirella Carbone und Joachim Jung. Thai­Kochkurs, Teilnahmegebühr 120.–, 15 Uhr. Handtaschenmonolog. Theaterstück von und mit Eliane Barth Poltera. Eingemacht – Dramödie von Crusius & Deutsch und Matthias Fankhauser, mit Songs von Roman Riklin. Musik: Marc Bänteli. Osterkonzert: The Zurich Ensemble. Werkstattkonzert des Blockflöten­Seminars. Hochzeitstorte selbst gemacht, 15 Uhr. Schweizer Jugend­Sinfonie­Orchester: öffentli­ che Generalprobe, 19.30 Uhr.

Der Verein Pro Büvetta will die Trinkhalle von Tarasp retten.

PIZZERIA Sportanlage Promulins, Samedan Ein auffälliger Bau des örtlichen Architekturbüros Mierta und Kurt Lazzarini ist das Herz der erweiterten Sportanlage Promulins in Samedan. Ins Auge sticht der Bau wegen seiner Rundungen. Die Terrasse des multifunktional nutzbaren Hauses ist gleichzeitig Tribüne für den Sportplatz. Promu­ lins verfügt nun im Sommer über ein Kunstrasenfussball­ feld und einen Hartplatz, im Winter über eine Kunst­ und Natureisbahn. Dazu gibt es eine Kletterwand, Tennisplätze und ein Fitnesszentrum und vieles mehr. Die Arena dient dem Breiten­ wie dem Spitzensport. Die neue Sportanlage hat 15 Millionen gekostet. www.promulins-arena.ch Wer sich für die in Samedan zahlreich anzutreffende zeitge­ nössische Architektur interessiert, dem sei die Gratis­iApp «Samedan baut» von Hochparterre empfohlen. www.hochparterre.ch oder im iTunes Store.

Der Neubau der Sportanlage Promulins, Samedan. © Mierta & Kurt Lazzarini Architekten

Programm Hotel Piz Tschütta, Vnà:

>> Romanischkurse Ab dem 14. Januar bis Ostern bietet das Hotel Piz Tschütta, Vnà, wöchentlich einen Romanischkurs an: Morgens Romanisch lernen und die Geschichte der Sprache er­ fahren. Nach dem Mittagessen die Kulturlandschaft des Unterengadins erwandern (einfache Wanderungen bis zu drei Stunden). Der pensionierte Lehrer Mario Oswald aus Ramosch begleitet Sie und führt Sie zu Orten in der Kultur­ landschaft, die Sie neu entdecken werden. Jeweils Dienstag ab 8.30 Uhr bis Donnerstag 18.30 Uhr. Teilnehmerzahl: minimal 6, maximal 10 Personen, Kurskosten: CHF 180.– p.P. Kost und Logis individuell. >> Engadiner Gesangs- und Kulinarik-Abend Jeden Dienstag ab 18 Uhr wird Ihnen im Hotel Piz Tschütta eine Engadiner Spezialität serviert. Zur Auswahl gehören: Ofenfrische Plain in pigna (Kartoffeln mit Speck im Ofen gebraten), Pizzocels cun verdüra, Costinas e ravitscha, Rippli und Sauerkraut mit pizzocels, Capuns (gefüllte Mangoldtaschen), Canedels (Knödel nach Grossmutter­ art), Micluns cun compott e chaschöl (Kartoffelriebel mit Kompott und Käse). Anschliessend, ab 20 Uhr, lernen und singen wir beim fröhlichen Beisammensein gemeinsam Engadiner Lieder.

Jeden Dienstag kommt im Hotel Piz Tschütta eine Engadiner Spezialität auf den Tisch, zum Beispiel Capuns.

PUBLITEXT

INTERSPORT Rent-Network Engadin

Rent-Shop: Dienstleistungen aus einer Hand Möglichst schnell, möglichst bequem, möglichst flexibel: Nach diesen Grundsätzen arbeitet das neue

Weitere Infos: Tel. +41 81 838 73 37

Intersport Rent­Network Engadin­St. Moritz. Praktisch und schnell ist auch das Konzept im neuen Rent­Shop.

www.rentnetwork-engadin.ch

Dieser befindet sich direkt in der Talstation der Berg­ bahn Corvatsch. Material abholen und ab auf die Bahn und die Piste. Und nach dem Skivergnügen können Sie Ihre Ausrüstung im praktischen Depot einstellen –

Engadin – St. Moritz

bequemer geht es nicht! Durch die Vernetzung mit den Intersport­Standorten in St. Moritz, Sils­Maria, Pontresina und Zuoz sind wir als Rent­Experten im

Aus dem neuen Rent-Shop in der Talstation gehts direkt auf die Corvatschbahn.

Engadin für Sie da! Seit Frühling 2012 besteht das Intersport Rent-Network Engadin-St.Moritz mit seinen sechs Partnern: · INTERSPORT Schweiz, Ostermundigen · Corvatsch Bergbahnen, Silvaplana · Ender Sport Trend Fashion, St. Moritz · Willy Sport, Zuoz · La Fainera Sport und Mode, Sils/Segl­Maria · Gruber Sport, Pontresina

piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

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PIZZERIA Theaterförderverein Der Theaterförderverein Zuoz Globe fördert eine hohe künstlerische Kompe­ tenz sowie Engagement und Begeisterung für das Theater. Er unterstützt die Engadiner und damit auch die romanisch­ sprachige Theatertradition und ist gut in der Region verankert. Der Verein fördert insbesondere das Kinder­ und Jugendtheater im Ober­ engadin und den Aufbau einer Theatergruppe für die Jüngsten.

Das Zuoz Globe Theater Das Zuoz Globe führt die Theatertradition des Engadiner Dorfs Zuoz und des Lyceum Alpinum Zuoz weiter. Mit seinem spektakulären Vordach, das kühn in die Engadiner Bergwelt hinausragt und die Besucher empfängt, dem grosszügigen Foyer und dem Theaterraum mit seiner besonderen Atmosphäre ist der Bau eine architektonische Perle des Zürcher Architekturbüros Gasser Derungs. Das neue Theater fügt sich sehr selbstverständlich in die älteste Substanz und das ehemalige Schwimmbad des Lyceum Alpinum ein. Es verfügt über eine zentrale Bühne von 30 Quadratmetern mit Sitzplätzen für 99 Zuschauer auf drei Seiten. Schauspieler können auch die halboffenen Gänge hinter den obersten Zuschauerrängen sowie die Fensternischen bespielen. Im Zuoz Globe findet nicht nur Theater statt. Der Raum eignet sich für Anlässe aller Art: Konzerte, Vorträge, Lesun­ gen, aber auch Workshops und Weiterbildungsveranstal­ tungen. Die Infrastruktur umfasst eine komplette Licht­, Audio­ und Videoanlage, Leinwand, Beamer, WLAN und Rednerpult mit entsprechendem technischem Support.

Kulturarchiv Unterengadin

Community Skiing Eine weitere neue und angesagte Art des Skifahrens ist das Community Skiing

Das Kulturarchiv Unterengadin (Archiv cultural Engiadina bassa, ACEB) ist nach der Startphase nun in Betrieb. Es sammelt, erschliesst, archiviert und macht Informations­ material zugänglich. Das Archiv möchte so das kulturelle Wissen über die Region fördern. Gesammelt werden Mate­ rialien hauptsächlich aus den Gebieten Kunst, Architektur, Archäologie, Geschichte, Fotografie, Literatur, Musik und Naturwissenschaften. ACEB übernimmt Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Fotos, Zeichnungen, Ton­ und Filmaufnahmen, Postkarten, Pläne, Urkunden, Karten, Notenblätter usw. Das Quellmaterial muss in Verbindung mit dem Unterengadin (Martina bis Brail) stehen. Private und Firmen, die solche Materialien besitzen, sind aufgeru­ fen, sich mit dem Archiv in Verbindung zu setzen. – Die Diskussionen um die Gründung des Archivs gehen Jahre

Der Restaurationsbetrieb des Lyceum Alpinum übernimmt auf Wunsch das Catering für Apéros und Stehlunches. Am Lyceum Alpinum Zuoz widmet sich die Shakespeare Company unter Theaterleiter Giovanni Netzer konsequent und engagiert dem Werk Shakespeares. Diese wertvolle Bühnenerfahrung lehrt Empathie und Teamgeist, Geduld und Mut und schult für das Leben. Dieses Jahr zeigt die Shakespeare Company die Verwechslungskomödie «Was ihr wollt». Die letzten Vorstellungen finden am 15. und 16. Februar statt. Ticketverkauf unter: zuozglobe@lyceum-alpinum.ch oder Tel. +41 (0)81 851 30 00.

zurück. Vor gut zehn Jahren drängten Privatpersonen den Regionalverband Pro Engiadina Bassa (PEB), vorwärtszu­ machen. Zuerst wurden provisorische Räume in Vulpera bezogen, dann finanzierte PEB eine Halbtagsstelle. Einer der Grundbestände des Archivs sind Dokumente aus der Sammlung des früheren Hoteliers Rolf Zollinger. Er über­ gab Materialien des abgebrannten Hotel Waldhaus in Vul­ pera. Inzwischen ist das Archiv ins ehemalige Schulhaus S­chadatsch in Strada eingezogen. www.archivcultural.ch (romanisch) und www.archivcultural-de.ch (deutsch)

in der Gruppe. Es geht um die gemeinsame Aktion und

«Internetskifahren» zur Begegnung und der gemein­ samen Liebe zum Schnee­ sport und zur Natur, gepaart mit angesagtem Lifestyle. Bei der Suvretta Snowsports School kann Community Skiing per Telefon oder

Yoga auf der Piste.

Auf der «Paradiso­Piste» in

St. Moritz wird erstmals eine Yogapiste eingerichtet. An vier fixen Stationen kann Yoga unter fachkundiger Leitung praktiziert werden. Die Orte sind speziell ge­ wählt und passen zum jeweiligen Yogathema. Damit

Fotos: Luca Crivelli

Interaktion auf der Piste und danach. Der Link vom

wird die Piste auf eine andere Art «befahren». Es ändern sich der Rhythmus und die Sichtweise des Skifahrens. Eingerichtet wurde die neue Piste von Sabrina und Nick Nussbaum­Berger, die bereits im Frühling 2012

E­Mail reserviert werden.

den weltweit ersten Yogawanderweg im Tessin eröffnet

Auf der Facebook­Seite «Suv­

haben. – Sabrina Nussbaum arbeitet seit 27 Jahren bei

Samstags, 10–13 Uhr: Yoga on Snow

retta Snowsports» kann man

Suvretta Snowsports und ist ausgebildete Yogalehrerin.

Samstags, 17–18.30 Uhr: Yoga Indoor

neue Schneesportfreunde

Die Suvretta Snowsports School bietet begleitete Fahr­

Sonntags, 10–16 Uhr: individuelles Training

kennenlernen. Skiprofis

ten an, sie sind individuell oder in der Gruppe buchbar:

www.b-yoga.ch

begleiten die Gruppen.

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piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

PIZZERIA Engadin WinterFestival

Hotel Waldhaus, Sils-Maria, Winterprogramm 2012 / 2013 Details und Ergänzungen: www.waldhaus.ch

31.12. 5.1. 7.1. 9.1.

11.1.

14.1. 15.1.

16.1. 21.1.

24.1. 30.1.

1.2. 4.2.

«Scheherazade» ist das Thema des Silvesterballs. In der Bar spielt Clau Maissens «Clamür». «TastenTanz». Video und Klavier mit Werken von Tschaikowsky bis Prokofiew. «Love Letters» von A. R. Gurney. Szenische Lesung (Deutsch). Klavierquintette mit Solisten des Sinfonieorches­ ter Engadin und der koreanischen Pianistin Wonmi Kim. Werke von Mozart und Dvorak. Theater: «Doledo da Silva». Clo Bisaz als Concierge «Giacometti» und Philippe Kuhn als Barpianist «Jeremy» spielen Hotelgeschichten. Autorenlesung: Brigitte Kronauer. «Tafelrunde. Schriftsteller kochen für Freunde». Angelika und Silvia Overath und Manfred Koch haben Lieblingsrezepte und Geschichten zusammengetragen. Mit Abendessen. Autorenlesung: Hans Magnus Enzensberger. «Bruno, Chef de Police.» Martin Walker liest auf Englisch aus «Delikatessen». Mit deutscher Moderation. Film: Porträt über Jacques Guidon, «Persona non grata». Kammerkonzert mit Maja Weber (Violoncello) und Per Lundberg (Klavier): Beethoven, Rachmaninow und De Fallas. Swing und Jazz in der Bar mit der Swiss Ramblers Dixieland Band. Autorenlesung: Maja Wicki­Vogt über «Kreative

9.2. 11.2. 13.2. 18.2. 18.2.

23.2. 25.2. 1.3. 4.3. 8.3. 11.3. 16.3. 25.3. 5.4. 6.4.

Vernunft: Mut und Tragik von Denkerinnen der Moderne». Chansonabend mit Olivia Stahn und dem Pianisten Bari Büyükyildirim. Ziegenhirtin Pia Solèr im Gespräch mit Chasper Pult über ihren Erlebnisbericht «Weite fühlen». «Hanneli­Musig», 10­Jahres­Jubiläumstournee. Vergessene Melodien, quicklebendig und flott. «Der kleine Stern auf Erden». Schattenfiguren­ theater für Kinder. «Rose. Vom Schtetl nach Miami Beach. Unruhige Fahrt» von Martin Sherman. Mit Graziella Rossi. Boogie Woogie und Blues in der Bar mit Silvan Zingg, Nuno Alexandre und Valerio Felice. Theater: «I tre secondi» zeigen «I Doganieri – Die Zöllner». Komödie. Lukas Hartmann im Gespräch mit Chasper Pult über «Räuberleben». Klaus Henner Russius liest aus «Der Kurgast» von Hermann Hesse. Jazz in der Halle mit Walter Weber und Band. «Der Elegant». Tierische Verse von Peter Zeindler. Film: «Unter Bauern». «Die Grossherzogin von Gerolstein» Operette. Autorenlesung: «Über Bord» von Ingrid Noll. Musik: Der St. Moritzer A­Cappella­Chor Las Lodolas.

Nach dem Erfolg des BSI Engadin Musikfestivals im vergangenen Sommer findet nun auch im Winter eine solche Konzertreihe statt. An jedem Samstag im Februar und März werden bekannte Künstle­ rinnen und Künstler auftreten. Folgende Konzerte sind geplant: 2.2.: Renaud Capuçon, David Kadouch 16.2.: Sergei Nakariakov, Russische Kammerphil­ harmonie St. Petersburg 23.2.: Winterreise 2.3.: Gabriela Montero 9.3.: Giora Feidman, Gershwin Quartett 16.3.: Patricia Kopatchinskaja www.engadinfestival.ch

Gore Vidal (1925–2012)

Endstation Scuol-Tarasp Mit dem neuen Prioritätenplan der Bündner Regierung zum Bahnausbau bleibt Scuol­Tarasp wohl auf Jahrzehnte hinaus weiter Endstation für den Zug. Die Regierung hat sowohl die Weiterführung der Bahn Richtung Landeck zurückgestellt als auch dem Traum von einem Tunnel in den Vinschgau eine Absage erteilt. Für die Verbindung Unterengadin­Mals kommen auch aus Südtirol wenig ermunternde Signale: Landeshauptmann Luis Durnwalder hatte im Frühling 2012 bei einem Besuch in Chur eingeräumt, kein Geld für ein sol­ ches Bahnprojekt zu haben. Die EU müsste hier mitzahlen, doch das sei zurzeit so illusorisch, wie für dieses Bahnprojekt private Investoren zu finden.

Ende Juli ist der amerikanische Schriftsteller und Gesell­ schaftskritiker Gore Vidal gestorben. Berühmt wurde er mit seinen Büchern und mit seiner teils harschen Kritik an der Politik der USA. Bekannt war er aber auch im Unterengadin, das er zuletzt 2006 besuchte. Im ersten Teil seiner 1995 erschienenen Autobiografie «Palimpsest» erzählte er bereits, was er über seine Vorfahren wusste: Sein Urgrossvater war aus Feldkirch in die USA ausgewandert, ein anderer Teil der Familie wohnte auf Schloss Heidegg im Luzerner Seetal. Dass seine Familie mit den Vitals, dem ältesten Geschlecht von Sent, verwandt sein könnte, war ihm immer bewusst. Gore Vidal und der Künstler Not Vital aus Sent waren mit­ einander bekannt. In der Fundaziun Not Vital sind in einer kleinen Publikation Teile aus Gore Vidals Autobiografie auf Romanisch übersetzt. Dort wird auch der möglichen Ver­ wandtschaft der Vidals / Vitals nachgespürt. Ausserdem ist die Geschichte des Alesch d'Uina romanisch und englisch nacherzählt. Als Gore Vidal in Sent zu Besuch war, gewähr­ te er dem «Tages­Anzeiger» ein Interview und sagte zur Schweiz: «Ich glaube, die Schweizer haben einen grossen Akt des Gleichgewichts vollbracht: Sie sind auf einem Hochseil, von dem sie nicht herunterfallen.» piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

PUBLIkaTIon Gore Vidal, Los Angeles – Sent, als 27 gün 2006, Fundaziun Not Vital, 2006, www.fundaziun.notvital.com

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VORSCHAU / PREVISTA

IMPRESSUM

Wandel | Müdamaint Die nächste Ausgabe wird piz-Magazin dem Wandel widmen. Das Thema hat es in der rätoromanischen Literatur zum bekannten Schlagwort gebracht. Cla Biert (1920–1981) hat sich in seinem 1962 erschienenen Buch «la müdada» damit befasst. Inzwischen sind weitere fünfzig Jahre vergangen und die Veränderungen haben sich massiv beschleunigt. piz wird diesem «Müdamaint» nachgehen. Wir werden Ihnen wieder Menschen vorstellen, die diese Veränderungen hautnah miterlebt haben, und wir fragen nach, ob sich das Leben in den Bergtälern Südbündens langsamer wandelt als in den Städten oder ob die Tourismusregionen sich mitten im Strudel des Wandels befinden. Was passiert dabei in der Gesellschaft, in der Wirtschaft, im kulturellen Umfeld und im Privaten? Wo sind die Veränderungen am grössten? Was bewerten wir als gut, was als negativ – und wieso? Und welche Herausforderungen für die Zukunft ergeben sich daraus? Freuen Sie sich also auf piz im Sommer 2013.

Herausgeberin | editura Edition piz, Urezza Famos, Schigliana 183, 7554 Sent Tel. +41 (0)79 610 48 04, info@pizmagazin.ch, www.pizmagazin.ch Redaktion | redacziun Urezza Famos, René Hornung (rhg), redaktion@pizmagazin.ch Anzeigenverkauf | inserats E. Deck Marketing Solutions, Edmund Deck, Via Giovanni Segantini 22, 7500 St. Moritz, Tel. +41 (0)81 832 12 93, e.deck@bluewin.ch Produktion | producziun René Hornung, Eva Lobenwein Artdirektion, Grafik | grafica Eva Lobenwein, Innsbruck, www.dieeva.com Bildredaktion | redacziun da las illustraziuns Urezza Famos Bildbearbeitung | elavuraziun grafica TIP – Tipografia Isepponi, Poschiavo Korrektorat | correctorat tudais-ch Helen Gysin, Uster Copyright Edition piz, Scuol Druck | stampa AVD, Goldach (SG) Autorinnen und Autoren, Fotos | auturas ed auturs, fotografias Romedi Arquint, *1943, ist Theologe, Pfarrer, Kulturförderer und Ex-Politiker. Er lebt in Chapella / Cinuos-chel.

Foto: Edition piz

Mathias Balzer, *1967, aufgewachsen in St. Moritz. Kulturredaktor «Südostschweiz», Theaterproduzent und Dramaturg. www.mathiasbalzer.ch Flurin Bertschinger, *1981, ist in Sent im Unterengadin aufgewachsen und arbeitet als freiberuflicher Fotograf in Zürich. www.flurinbertschinger.com Franco Brunner, *1997, freier Journalist in Chur. www.francobrunner.ch

Magazin für das Engadin und die Bündner Südtäler Magazin per l'Engiadina ed il Grischun dal süd

Walter A. Büchi, *1945, Historiker, Publizist und Erwachsenenbildner. Lebt in St. Gallen. Susanna Fanzun, *1963, Redaktorin bei der Televisiun Rumantscha. Arbeitet und lebt in Scuol. Marina U. Fuchs, *1953, freie Kulturjournalistin, Kulturvermittlerin und -beraterin, Juristin. Lebt und arbeitet in Celerina. www.marinafuchs.ch

www.pizmagazin.ch Erscheint zweimal jährlich. Auflage: 30’000 Ex.

Köbi Gantenbein, *1956, Chefredaktor von «Hochparterre», der Zeitschrift für Architektur und Design, Zürich, lebt in Zürich und Fläsch.

Abonnemente:

Gregor Gilg, *1964, visueller Gestalter und Comic-Zeichner in Bern. www.malepiwo.ch

Nr. 44, Winter | Inviern 2012 / 2013.

Edition piz, Schigliana 183, CH-7554 Sent. Zweijahresabonnement: Fr. 35.– (exkl. Versandkosten und Mehrwertsteuer). Das Abonnement ist mit einer Frist von zwei Mo­na­ten vor Ablauf kündbar. Ohne schriftliche Kündigung erneuert es sich

Maurice K. Grünig, 1964, ist freischaffende Fotografin in Zürich, www.mauricegruenig.ch Gabriele Horndasch, *1969, ist Bildhauerin und arbeitet mit Video und Fotografie. Sie lebt in Düsseldorf. www.gabriele-horndasch.de

automatisch um zwei Jahre. info@pizmagazin.ch

Thomas Kaiser, *1979, betreibt in Chur die Denk- und Schreibwerkstatt. www. wortwert.ch

Nächste Ausgabe: Juni 2013

Andreas Kneubühler, *1963, freier Jour­nalist im «Pressebüro St. Gallen»

Für unverlangt einge­sandtes Text-, Bild- und Tonmaterial über-

Esther Scheidegger, *1946, freie Journalistin in Zürich.

nimmt der Verlag keine Haftung. – Nachdruck, auch auszugs-

Daniela Schwegler, *1970, freie Journalistin in Wald (ZH).

weise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion.

Mayk Wendt, *1982, ist in Ostdeutschland aufgewachsen und lebt als Fotograf im Engadin. www.maykwendt.com

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piz 44 : Winter | Inviern 2012/2013

SAMEDAN – die letzten exklusiven Eigentumswohnungen zu verkaufen.

In der schönsten Ferienregion der Schweiz erwartet Sie eine einmalige Wohnsituation auf höchstem Niveau: exklusive Eigentumswohnungen (2.5, 4.5 und 5.5 Zimmer) an sonniger, unverbaubarer Lage mit Blick in die imposante Bergwelt des Oberengadins. Der malerische Dorfkern von Samedan mit seinen Sehenswürdigkeiten, dem abwechslungsreichen Tourismusangebot und einer Vielzahl hochstehender Gastronomiebetriebe ist in wenigen Gehminuten erreichbar.

DIE HIGHLIGHTS Z Moderne Architektur und ausgesuchte, exklusive Materialien Z Höchste Wohnqualität mit einer funktionalen aber dennoch flexiblen Raumaufteilung Z Viel Licht dank grosszügigen Fensterflächen Z Verkehrsgünstige Lage (gute Strassen- und Bahnverbindung, Flugplatz in der Nähe) Z Vielfältiges Freizeitangebot vor der Haustüre (3 Golfplätze, Schnee- und Bergsport)

BERATUNG/VERKAUF Markstein AG, Bellerivestrasse 55, CH-8034 Zürich, Telefon +41 43 810 90 10 , zuerich@markstein.ch, www.markstein.ch

www.park-quadratscha.ch

Die Kunst, Werte zu schaffen. Wir verbinden Kompetenz mit Konstanz. International bedeutende Künstler wie Alberto Giacometti liessen sich in und von Graubünden inspirieren. Auch unsere Arbeit ist geprägt von Weitsicht und fortwährender Innovation. Private Banking ist für uns keine Frage des Vermögens, sondern Ihrer Bedürfnisse. Nutzen Sie unser Wissen und unsere Erfahrung für Ihren finanziellen Erfolg. www.gkb.ch/privatebanking


piz Magazin No. 44