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NR. 2 | JULI 2016

Das Magazin der รถsterreichischen Handelsagenten

AUFBRUCH FIT FรœR DIE ZUKUNFT

WISSEN Steuertuning

BUNDESGREMIUM Weichen gestellt

KENNZAHLEN Kostenanalyse


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INHALT TITELTHEMA 4 Steuer-Tuning Teil 2 der Serie: Mit welchen Konsequenzen Sie als Unternehmer rechnen müssen, wenn Sie Ihren Pflichten nicht rechtzeitig nachkommen. LÄNDERFOKUS 10 Wien Im 21. Jahrhundert angekommen? 11 Burgenland Besuchsoffensive der WK Burgenland 11 Salzburg Handelsagentenrecht und Terminaviso 12 Steiermark Einladung zur Fachgruppentagung 12 Niederösterreich Verleihung der Großen Silbernen Ehrenmedaille 13 Tirol Handelsagenten übernehmen soziale Verantwortung 13 Vorarlberg Veranstaltungsrückblick

BUNDESGREMIUM 14 Frühjahrssitzung Die Weichen für die Zukunft sind gestellt INTERNATIONAL 16 IUCAB-Generalversammlung Im Zeichen der Amtsübergabe WIRTSCHAFT 19 Kennzahlen als Rüstzeug Teil 2 der Serie: Planvoll in die Zukunft PORTRÄT 22 Viktor Schupfer aus Oberösterreich Der Handelsagent, der malt 23 Timea Hipf aus Wien Werbeprofi mit Geschmack AKTUELL 24 Rechts.tipp Provisionsansprüche 26 Steuer.tipp Das Kraftfahrzeug im Betriebsvermögen

IMPRESSUM HERAUSGEBER: Bundesgremium der Handelsagenten in der WKÖ, Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien, www.handelsagenten.at, handelsagenten@wko.at || MEDIENINHABER: eco.nova corporate publishing, Senn & Partner KG, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, www.econova.at || AUFLAGE: 10.000 Stück || CHEFREDAKTION: Marina Kremser, Mag. Christian Rebernig || BEITRÄGE: Mag. Wolfgang Denkmair, Katharina Gangl, Komm.-Rat Walter Krammer, Dr. Andreas Paffhausen, Steuerberatungskanzlei Bollenberger, Landesgremien || FOTOS: iStockphoto, diverse Fotos vom Bundesgremium und den Landesgremien zur Verfügung gestellt || ANZEIGENVERKAUF: Mag. Sandra Nardin, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, nardin@econova.at || GRAFIK: Ines Weiland, eco.nova corporate publishing, Senn & Partner KG || DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH

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VORWORT LIEBE LESERINNEN UND LESER! In der jüngsten Vergangenheit hat sich hierzulande einiges getan. Ich freue mich, dass mit 1. Juli eine eigene Geschäftsstelle für unseren Berufstand in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) errichtet wurde. In diese Organisationsstruktur ist auch das Generalssekretariat der IUCAB (Internationally United Commercial Agents and Brokers) eingebunden.

B

esonders erfreulich für uns: Mag. Christian Rebernig wurde am 19. Mai zum Generalsekretär der IUCAB bestellt und er kann auf dieser internationalen Bühne all seine Erfahrungen für diese zusätzliche Aufgabe einbringen. Damit ist Österreichs Rolle innerhalb des Verbandes deutlich gestärkt. Die IUCAB ist die weltweit größte Dachorganisation von Handelsagentenverbänden und vertritt als gemeinsames Sprachrohr die Interessen von rund 750.000 Handelsagenturen. Seit 1953 befand sich ihr Hauptsitz permanent in Amsterdam, nun konnten wir diesen nach Wien holen, gleichzeitig steht ab sofort ein Österreicher an der Spitze, der sich voll und ganz für die Interessen unseres Berufsstandes einsetzen wird. Außerdem wurde Mag. Rebernig mit 1. Juli zum Geschäftsführer des Bundesgremiums ernannt. Unterstützung für diese neu geschaffenen Geschäftsstelle kam nicht nur von den Repräsentanten auf Bundesgremial- und IUCAB-Ebene, sondern auch vom WKÖ-Präsidenten Dr. Christoph Leitl sowie seinem Generalsekretariat und den Spitzenrepräsentanten der Bundessparte Handel. Nicht alle Tage ist es möglich einen internationalen Verband an die Wirtschaftskammer zu binden. Eines gleich vorweg: Für die österreichischen Handelsagenten bedeutet dies jedenfalls mehr Leistung, mehr Vernetzung und das bei gleichbleibenden Kosten. Im Zuge der Frühjahrssitzung des Bundesgremiums der Handelsagenten in Wien wurde zudem der neue Strategieprozess 2025 eingeleitet, der unter anderem dazu beitragen soll, dass der „Handelsagent“ ein modernes Berufsbild mit Zukunftschancen wird und für ebendiese bestens gerüstet ist. Wir werden auch künftig alles dafür tun, unseren Berufsstand voranzubringen und ihn bestmöglich zu unterstützen. Dafür haben wir auch in dieses Magazin wieder eine Fülle an Informationen gepackt. So führen wir unsere in der letzten Ausgabe begonnene Serie „Steuer-Tuning“ fort und rüsten damit Ihr Wissen auf. In diesem Zusammenhang spielt auch das Kraftfahrzeug im Betriebsvermögen eine entscheidende Rolle, ist doch das Auto eines der wichtigsten „Werkzeuge“ bei der Ausübung unseres Berufes. Auch die Serie „Kennzahlen“ findet in dieser Ausgabe ihre Fortsetzung. Nicht nur wir als Interessenvertretung müssen uns jährlich mit unseren Erfolgen aber auch Misserfolgen auseinandersetzen, auch jeder Einzelne von Ihnen tut gut daran, seine Leistungen in Vergleich zum Vorjahr zu setzen. Weniger improvisieren als vielmehr planvoll und zukunftsorientiert Handeln ist das Motto. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen können dafür wertvolle Auskünfte geben. Ich wünsche Ihnen einen herrlichen Sommer. Tanken Sie Kraft für das zweite Halbjahr.

Komm.-Rat Robert M. Hieger Obmann des Bundesgremiums der Handelsagenten

Ihr

Komm.-Rat Robert M. Hieger Obmann des Bundesgremiums der Handelsagenten 3


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SERIE STEUERTUNING TEIL 2

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STEUER-TUNING RÜSTEN SIE IHR WISSEN AUF

Mit welchen Konsequenzen müssen Sie als Unternehmer rechnen, wenn Sie nicht rechtzeitig Ihren Pflichten nachkommen? Text: Bollenberger & Bollenberger Beratungsgruppe

Abgabe der Steuererklärungen Sofern Sie der Abgabe Ihrer Steuererklärung nicht rechtzeitig – fristgerecht – nachkommen, kann ein Verspätungszuschlag bis zu 10 Prozent des vorgeschriebenen Abgabenbetrages verhängt werden.

(Besteuerungszeitraum) erhoben werden. Zum Beispiel • E  inkommensteuer Höhe: 0 bis 55 % vom Einkommen •  Körperschaftssteuer Höhe: 25 % vom Einkommen (Gewinn) Fälligkeit für beide: 15. Februar / 15. Mai / 15. August / 15. November

Fälligkeiten von Steuerzahlungen Nachstehend sind die wichtigsten Steuerarten, ihre Höhe und ihre Fälligkeit dargestellt. Selbstbemessungsabgaben Selbstbemessungsabgaben sind Abgaben, deren Höhe der Steuerpflichtige selbst berechnet und diese dem zuständigen Finanzamt in Form der Abgabenerklärung mitteilen muss. Die Abgabe gilt mit Einreichung der Abgabenerklärung/Steuererklärung (Umsatzsteuervoranmeldung – UVA) als festgesetzt. Die Abgabenerklärung ersetzt den Abgaben- bzw. Steuerbescheid. Wird keine Erklärung abgegeben oder ist die Erklärung unvollständig oder die Selbstbemessung unrichtig und dieser Mangel nicht binnen einer angemessenen Frist behoben, so setzt das Finanzamt die Abgaben durch einen Abgabenbescheid fest. Hierbei kann sie die Bemessungsgrundlage schätzen. Beispiele: •  Umsatzsteuer Höhe: 20 %, 10 % oder 13 % vom Entgelt (Nettobetrag), Fälligkeit: 15. des zweitfolgenden Monats • K  ammerumlage Höhe: 0, 3 % von der abziehbaren Vorsteuer Fälligkeit: 15. Februar / 15. Mai / 15. August / 15. November Ertrags-Gewinnsteuern Ertragssteuern sind Steuern, die auf das Einkommen für eine bestimmte Periode 4

Lohnabgaben • L  ohnsteuer Höhe: 0 bis 55 % der Lohnsteuerbemessungsgrundlage (Bruttobezug abzgl. Sozialversicherung und LSt-Freibeträge) • D  ienstgeberbeitrag (DB) Höhe: 4,5 % der Bruttolohnsumme • Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (DZ) Höhe: 0,36 bis 0,44 % der Bruttolohnsumme • K  ommunalsteuer Höhe: 3 % der Bemessungsgrundlage Fälligkeit für alle: jeweils am 15. des Folgemonats Sie zahlen nicht rechtzeitig. Was passiert? Wird die Abgabenschuld nicht spätestens an ihrem Fälligkeitstag entrichtet, so wird Ihnen der erste Säumniszuschlag vorgeschrieben. Gleichzeitig tritt die Vollstreckbarkeit dieser Abgabenschuld ein. Sofern innerhalb der nächsten drei Monate wieder nicht bezahlt wird, wird ein weiterer – der zweite Säumniszuschlag – verhängt. Ist nach drei Monaten, nachdem der zweite Säumniszuschlag verhängt wurde, die Abgabenschuld immer noch nicht beglichen, so fällt der dritte Säumniszuschlag an. Meist aber kommt es nicht so weit, da der Finanzbeamte dann bereits vor Ihrer Tür steht, um die Abgaben für den Staat abzusichern, das heißt, sie eintreibt oder Pfändungen vornimmt. Beachten Sie: Abgaben, die an einem Samstag, Sonntag oder Feiertag (wie auch

Karfreitag und 24. Dezember) fällig werden, sind erst am nächsten Werktag zu bezahlen. Wie hoch ist der Säumniszuschlag? Der erste Säumniszuschlag beträgt 2 Prozent des säumigen Betrages, der zweite und dritte jeweils 1 Prozent des säumigen Betrages. Beispiel: Eine verspätete Einzahlung von einer Woche bedeutet 2 Prozent „Zinsen“ für eine Woche, diese sind umgerechnet in einen Jahreszinssatz exorbitante 104 Prozent! TIPP: Beschaffen Sie sich rechtzeitig Liquidität. Verglichen mit den Kosten für Bankzinsen ist der Säumniszuschlag eine ungleich teure „Finanzierungsvariante“. Beachten Sie weiters, dass Säumniszuschläge, die für Privat- bzw. Personensteuern (Einkommen- oder Körperschaftsteuer) bezahlt werden, steuerlich nicht absetzbar sind. Auf „brutto“ hochgerechnet sind die verhängten Säumniszuschläge des Finanzamtes bei Zahlungsverzug wahre „Wucherzinsen“. Die wichtigsten Steuern für den Handelsagenten • Ertragsteuern: Einkommen- / Körperschaftsteuer • Umsatzsteuer • Steuern bzw. Abgaben, die für die Dienstnehmer abzuführen sind Körperschafts- vs. Einkommensteuer Wen betrifft nun die Einkommensteuer und wen die Körperschaftsteuer? Einkommensteuer zahlen nur natürliche Personen, die im Inland steuerpflichtig sind. Juristische Personen unterliegen der Körperschaftsteuer. Die Zuordnung ist somit von der Rechtsform des Unternehmens abhängig. In Österreich bestehen folgende Möglichkeiten, ein Unternehmen zu führen:


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Die Körperschaftsteuer ist linear. Sie beträgt unabhängig von der Höhe des Einkommens fix 25 Prozent, mindestens jedoch 5 Prozent vom Mindeststammkapital. Die Mindestkörperschaftsteuer bei GmbHs mit einem Stammkapital von 35.000 Euro beträgt somit 1.750 Euro pro Jahr. Nach dem 30. Juni 2013 gegründete GmbHs, die das steuerliche Gründungsprivileg in Anspruch nehmen, haben für die ersten fünf Kalenderjahre nach der Gründung 500 Euro und für die folgenden fünf Kalenderjahre 1.000 Euro zu entrichten.

RECHTSFORMEN DER UNTERNEHMEN IN ÖSTERREICH 

Einzelunternehmen protokolliert oder nicht protokolliert

Gesellschaftsunternehmen

(Privat) „Stiftung“

 GesbR

Genossenschaft

Verein

Welche Rechtsform ist „steueroptimal“? Aufgrund der Steuerreform 2015 haben sich die Entscheidungsparameter für die steueroptimale Rechtsformwahl gravierend geändert. Natürliche Personen können nach wie vor den Freibetrag für investierte Gewinne abhängig von der Bemessungsgrundlage in Höhe von 13 bis 4,5 Prozent in Anspruch nehmen, maximal jedoch 45.350 Euro.

Handelsgesellschaften

Personengesellschaften

Kapitalgesellschaften

OG

KG

GmbH & Co OG

Stille Ges. 

GmbH

AG

GmbH & Co KG

EWIV

Mit 1. Jänner 2007 wurde das österreichische Handelsgesetzbuch (HGB) in großem Umfang novelliert und dabei in Unternehmensgesetzbuch (UGB) umbenannt. Im UGB finden sich die gesetzlichen Grundlagen für Handelsgesellschaften. Die Personengesellschaften (OG – offene Gesellschaft und KG – Kommanditgesellschaft) selbst sind nicht ertragssteuerpflichtig, sondern immer ihre Gesellschafter mit ihrem Gewinnanteil. Sämtliche natürliche Personen, die ein Einzelunternehmen bzw. Einzelpersonenunternehmen (EPU) führen oder/

und Gesellschafter sind, sind mit ihrem Einkommen einkommensteuerpflichtig. Genossenschaften, Vereine, Privatstiftungen sowie die Kapitalgesellschaften selbst sind mit ihren Gewinnen körperschaftsteuerpflichtig. Wie hoch sind diese Ertragsteuern? Bei der Einkommensteuer handelt es sich um einen progressiven Steuertarif. Mit der Steuerreform 2015 wurden die Tarifstufen neu geregelt. Abhängig von der Höhe des Einkommens beträgt die Einkommenssteuer 0 bis 55 Prozent.

Was bleibt über? Wie hoch sind die Steuern für die GmbH und was bleibt dem Gesellschafter? Der Körperschaftsteuersatz beträgt derzeit 25 Prozent, die Gesamtsteuerbelastung einer Ausschüttung 45,625 Prozent. Das bedeutet, dass dem Gesellschafter netto 54,375 Prozent zur Verfügung stehen. GmbH

Steuerbelastung

Steuerpflichtiger Gewinn

100

Körperschaftsteuer

– 25

Gewinn nach KöSt (zur Gewinnausschüttung od. Thesaurierung ) 27,5 % KESt bei Ausschüttung

75 – 20,625

Gewinn nach Steuern bei Ausschüttung

54,375

Grenzsteuersatz

Gesamtsteuerbelastung bei Ausschüttung

45,63 %

-

0%

25,00 %

von 11.001 bis 18.000

(Einkommen – 11.000) x 1.750 7.000

25 %

Gesamtsteuerbelastung bei Thesaurierung *)

von 18.001 bis 31.000

(Einkommen – 18.000) x 4.550 13.000

+ 1.750

35 %

von 31.001 bis 60.000

(Einkommen – 31.000) x 12.180 29.000

+ 6.300

42 %

Welche Rechtsform ist die beste?

von 60.001 bis 90.000

(Einkommen – 60.000) x 14.400 30.000

+ 18.480

48 %

von 90.001 bis 1.000.000

(Einkommen – 90.000) x 455.000 910.000

+ 32.880

50 %

über 1.000.000

(Einkommen – 1.000.000) x 0,55

+ 487.880

55 %

Es gibt keine generell „bessere“ Rechtsform, nur eine individuell optimale. Vor der Rechtsformentscheidung sollten Sie sich überlegen, wie viel Gewinn Sie voraussichtlich entnehmen bzw. ausschütten wollen. Unter Berück-

Einkommen in Euro bis 11.000

Formel zur Berechnung der ESt

*) Der Begriff Thesaurierung bedeutet, dass die vom Unternehmen erwirtschafteten Gewinne nicht ausgegeben oder ausgeschüttet werden, sondern im Unternehmen selbst verbleiben.

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sichtigung Ihrer konkreten Entnahmeerfordernisse ist ein Vergleich zu errechnen, der Ihnen zeigt, welche Rechtsform für Sie die vorteilhaftere ist. Bei der optimalen Rechtsformwahl sind übrigens auch außersteuerliche Gründe wie Haftung, zivilrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Aspekte, betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten oder Auswirkungen auf die Unternehmensnachfolge zu beachten und somit ebenfalls maßgebliche Entscheidungskriterien. Ein weiteres Kriterium stellen die unterschiedlichen Gewinnermittlungsarten dar. Buchhaltung Um den Gewinn zu ermitteln, sind im Regelfall Ihre Geschäftsfälle (Einkäufe, erzielte Umsätze, die Zahlung der Miete …) in Form einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung („Einnahmen-Ausgaben-Rechner“) oder durch die „doppelte Buchhaltung“ („Bilanzierer“) zu erfassen. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch diverse Pauschalierungsmöglichkeiten in Anspruch genommen werden. Mit 1. Jänner 2007 trat – wie erwähnt – das Unternehmensgesetzbuch an Stelle des Handelsgesetzbuches. Im UGB wurden die Rechnungslegungspflichten bzw. Buchführungspflichten neu geregelt. Die Buchführungspflicht ist einerseits abhängig, in welchem Rechtskleid das Unternehmen geführt wird, und andererseits von dessen Umsatzgröße. Freiwillig kann ein Unternehmer allerdings immer die „doppelte Buchführung“ als Gewinnermittlungsart wählen. Das Wesen der doppelten Buchführung Jeder Geschäftsfall wird einerseits im Grundbuch ( Journal) und andererseits im Hauptbuch auf den Sachkonten jeweils im Soll und im Haben erfasst. Weiters wird der Gewinn zweifach ermittelt. • Gewinnermittlung durch Bestandsverrechnung. Unterschied des Reinvermögens am Anfang und des Reinvermögens am Ende der Geschäftsperiode unter Abzug der Privateinlagen und Hinzurechnung der Privatentnahmen (sogenannter Betriebsvermögenvergleich). Das Reinvermögen ergibt sich aus Vermögen abzüglich Schulden. Der Vermögensvergleich stellt die Vermögenslage zum Bilanzstichtag dar. • Gewinnermittlung durch Gewinn- und Verlustrechnung, der direkten Erfolgsermittlung (+ Erfolg = Gewinn, - Erfolg = Verlust). Die Gewinn- und Verlustrechnung (G.u.V) stellt die Ertragslage dar, die sich im Laufe des gesamten Geschäftsjahres entwickelt hat. 6

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Rechtsform

Umsatzgrenze

Art des Rechnungswesens

Einzelunternehmen und Personengesellschaften (Offene Gesellschaft – OG, Kommanditgesellschaft – KG)

bis 220.000 Euro Umsatz im Vorjahr

wahlweise Basispauschalierung, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder doppelte Buchführung (nach § 4 Abs. 1 EStG) möglich

bis 700.000 Euro Umsatz

wahlweise Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder doppelte Buchführung (nach § 4 Abs. 1 EStG) möglich

bei zweimaligem Überschreiten doppelte Buchführung nach der Umsatzgrenze von 700.000 Euro oder einmaligem Überschreiten von 900.000 Euro

doppelte Buchführung nach § 5 EStG verpflichtend

keine Umsatzgrenze

doppelte Buchführung (nach § 5 EStG, gilt für GmbH und AG auch bei nicht gewerblicher Tätigkeit) unabhängig vom Umsatz stets verpflichtend

Kapitalgesellschaften (GmbH, AG), ab 2008 auch GmbH & Co KG

Besonderheiten der doppelten Buchführung Kassabuchführung, Inventuraufnahme zum Bilanzierungsstichtag, Erfassung und Bewertung der Forderungen und Verbindlichkeiten, periodenreine Abgrenzung von Erträgen und Aufwendungen. Der Zeitpunkt der Leistungserbringung und nicht der Zahlungszeitpunkt ist für die zeitliche Zuordnung entscheidend! Der Unterschied der Gewinnermittlungsart der doppelten Buchführung gemäß § 4 Abs. 1 EstG und § 5 EstG besteht darin, dass nur der Gewinnermittler nach § 5 EstG • gewillkürtes Betriebsvermögen (d.s. Gegenstände, die weder notwendiges Betriebsvermögen noch notwendiges Privatvermögen darstellen, z.B. ein brachliegendes Grundstück) und • ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr haben kann.

Ausnahme von diesem Prinzip besteht bei der Abschreibung für Investitionen des Anlagevermögens sowie beim Ansatz der Steuerbegünstigung des Freibetrages für investierte Gewinne.

Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung Die Einnahmen/Ausgabenrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) ist ein vereinfachtes System. Man spricht demzufolge auch nicht von der Führung von Büchern, sondern von „Aufzeichnungen“. Die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben sind zeitfolgegemäß aufzuzeichnen, das heißt, die Eintragungen haben der Zeitfolge nach geordnet vorgenommen zu werden. Die Einnahmen und Ausgaben (und nicht wie bei der doppelten Buchführung die Erträge und Aufwendungen) sind zu erfassen. Nicht der Zeitpunkt der Leistungserbringung ist entscheidend, sondern grundsätzlich der Zahlungsein- bzw. -ausgang (Zufluss-/Abflussprinzip). Eine

Zeitpunkt der Erfassung Die Eintragungen sind dann zeitgerecht, wenn sie spätestens einen Monat und 15 Tage nach Ablauf des Kalendermonates, für den sie zu erfolgen haben, vorgenommen werden. Gilt aufgrund umsatzsteuerlicher Vorschriften das Kalendervierteljahr als Voranmeldungszeitraum, können die Eintragungen spätestens einen Monat und 15 Tage nach Ablauf des Kalendervierteljahres vorgenommen werden. Der Zeitpunkt der Eintragung ist jedoch zu unterscheiden von der Grundlagensicherung. Die Bareinnahmen und Barausgaben sind täglich in geeigneter Form festzuhalten. Dies bedeutet, dass die Grundlagensicherung zumindest einmal

Wie kann ich mein Rechnungswesen als Einnahmen-Ausgaben-Rechner organisieren? Einnahmen-Ausgaben-Rechner müssen folgende Aufzeichnungen führen: • Aufzeichnung der Betriebseinnahmen und -ausgaben • Wareneingangsbuch • Anlagenkartei • Lohnkonten In den Aufzeichnungen sind die Betriebseinnahmen und die Betriebsausgaben laufend, der Zeitfolge nach geordnet, zu erfassen (die bloße Sammlung von Belegen und die Aufstellung zum Jahresende genügen nicht).


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am Tag, spätestens jedoch zu Beginn des nächstfolgenden Arbeitstages, vorzunehmen ist. Es sind sämtliche Geschäftsfälle einzeln aufzuzeichnen. Folgende Formen der Einzelerfassung sind zulässig • Chronologische händische Aufzeichnungen auf Kassablock mit durchlaufender Nummerierung und Paragondurchschriften • Kassabucheinzelaufzeichnungen • ACHTUNG Neuerungen bei Barumsätzen: Ab dem 01.01.2016 besteht für Unternehmer mit einem Jahresumsatz über 15.000 Euro und Barumsätzen über 7.500 Euro die Verpflichtung zur Verwendung einer elektronischen Registrierkasse. Die Verpflichtung zur Verwendung beginnt im vierten Monat nach Überschreiten der Umsatzgrenzen (Gesamtumsatz UND Barumsatz). Ab 1. Jänner 2017 muss zusätzlich eine technische Sicherheitseinrichtung im Kassensystem vorhanden sein. Barumsätze sind Gegenleistungen mit Bargeld, Kreditoder Bankomatkarte sowie anderen vergleichbaren Zahlungsformen (z. B. PayLife Quick oder auch an Geldes statt angenommene Gutscheine oder Geschenkmünzen). Bezahlung mit Erlagschein oder E-Banking zählt nicht zu den Barumsätzen. Beachten Sie, dass es sich bei Verkauf auf fremdem Namen und auf fremde Rechnung vom Handelsagenten um eine Vermittlung zwischen Auftraggeber und

Kunden handelt. Er selbst erbringt keine Leistung und das von ihm bar kassierte Entgelt stellt für ihn keinen Barumsatz dar. Erst wenn eine Provision vom Auftraggeber in bar erhalten wird, handelt es sich um einen Barumsatz des Handelsagenten. Belegerteilungspflicht Seit 1. Jänner 2016 besteht unabhängig von der Registrierkassenpflicht die sogenannte Belegerteilungspflicht. Dieser Beleg ist vom Käufer auch entgegenzunehmen und bis außerhalb der Geschäftsräumlichkeiten für Zwecke der Kontrolle durch die Finanzverwaltung mitzunehmen. Notwendiger Inhalt des Beleges: • Name des Unternehmens • fortlaufende Nummer • Datum • Menge sowie handelsübliche Bezeichnung der Ware oder der Dienstleistung • Betrag Zusätzlicher notwendiger Inhalt bei Beleg aus Registrierkasse • Kassenidentifikationsnummer • Uhrzeit • Aufsplittung des Betrages nach Steuersätzen • QR-Code oder alphanumerischer Code • Bei Rechnungen unter Unternehmern (B2B) zusätzlich alle gesetzlichen Rechnungsmerkmale des Umsatzsteuergesetzes gem. § 11 UStG

Da beim Einnahmen-Ausgaben-Rechner das Zu- und Abflussprinzip, somit der Zahlungsfluss über den Zeitpunkt, wann eine Einnahme oder Ausgabe steuerlich anzusetzen ist, entscheidet, kann folgende Belegablage empfohlen werden. • Investitionen (Eingangsrechnungen) • Banken • Buchungsbelege und sonstige Dokumente • Einnahmen-Ausgaben-Buch Investitionen – Eingangsrechnungen (ER) Da Sie „Einnahmen-Ausgabenrechner“ sind, sind für Ihre laufende EA-Rechnung nur jene Eingangsrechnungen notwendig, die Ihre Investitionen im Anlagevermögen betreffen und nicht im gleichen Monat bezahlt werden. Ihre Eingangsrechnungen sollten Sie aufsteigend nach Datum ablegen. Wir empfehlen Ihnen, diese sofort bei Einlangen aufsteigend zu nummerieren. Das erleichtert das Auffinden der Belege erheblich. Auch eine Vollzähligkeitskontrolle der Eingangsrechnungen ist dadurch leichter möglich. Damit bei Zahlungen von Eingangsrechnungen die Zuordnung korrekt erfolgen kann, sollten Sie auf dem Zahlschein sowohl die externe als auch die interne Belegnummer, wenn gegeben, anführen. Wareneingangsbuch Dieses wird mit wenigen Ausnahmen – reine Dienstleistungsgewerbe bzw. reines 7


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Erhard Bollenberger

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Margit Bollenberger

Provisionsgeschäft ohne jeden Warenbzw. Materialeinsatz – immer zu führen sein; auch bei Anwendung der gesetzlichen Pauschalierung. Ins Wareneingangsbuch sind alle Waren (einschließlich Rohstoffe, Halbfertigerzeugnisse, Hilfsstoffe und Zutaten) einzutragen, die zur gewerblichen Weiterveräußerung, sei es in derselben Beschaffenheit oder nach vorheriger Be- oder Verarbeitung, erworben werden. Folgende Angaben müssen im Wareneingangsbuch enthalten sein: • fortlaufende Nummer der Eintragung • Tag des Wareneinganges oder der Rechnungsausstellung (wahlweise) • Name (Firma) und Anschrift des Lieferanten • Bezeichnung (branchenübliche Sammelbezeichnung genügt, z. B. Bücher, Kaffee); Preis •H  inweis auf die dazugehörigen Belege. Die Eintragungen sind in richtiger zeitlicher Reihenfolge vorzunehmen. Gleichzeitig mit der Eintragung ist auf dem Beleg die fortlaufende Nummer, unter der die Ware eingetragen ist, zu vermerken. Wahlweise kann der Tag der Lieferung oder der Tag der Rechnungslegung für die fortlaufende Erfassung gewählt werden. Einnahmen-Ausgaben-Buch Sie sind als Einnahmen-Ausgaben-Rechner nicht verpflichtet, ein sogenanntes vollständiges Kassabuch zu führen. Sie müssen nur die Aufzeichnungen der Betriebseinnahmen und der Betriebsausgaben, die Sie bar vereinnahmt bzw. ausgegeben haben, aufzeichnen. Wenn Sie jedoch freiwillig ein Kassabuch führen wollen, so müssen Sie dieses den steuerlichen Bestimmungen entsprechend tun. Sie sollten Ihre Belege nach Ein- bzw. Auszahlungsdatum aufsteigend sortiert ablegen und mit einer laufenden Nummer versehen. Im Einnahmen-Ausgaben-Buch sind lediglich die erfolgswirksamen Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben zu erfassen. Privateinlagen und Privateinnahmen sowie Bewegungen zwischen 8

Stefan Heißenberger

Ursula Kilzer

Bank und Kassa müssen nicht eingetragen werden. Auch muss der Kassastand nicht festgehalten werden. ACHTUNG: Wer freiwillig ein Kassabuch führt, muss alle Kassaführungsvorschriften exakt einhalten (laufender Kassastand!!). Ist die Verrechnung einer Bargeldbewegung nicht zeitfolgegemäß mit der betrieblichen Kassa möglich (z. B. bei Reisen), so ist es aus Vereinfachungsgründen gestattet, als Erfassungszeitpunkt den Zeitpunkt der Verrechnung mit der Kassa zu wählen. Bank Falls Sie mehrere Bankkonten haben, sollte für jedes einzelne Bankkonto eine eigene Untergliederung in Ihrem Belegordner vorhanden sein. Auch Ihre Bankauszüge und die dazugehörigen Belege werden nach Datum sortiert aufsteigend abgelegt. Die zu einem Auszug gehörigen Belege werden dabei jeweils unter dem Auszug abgelegt. Achten Sie bitte auf die Vollständigkeit der Bankbelege: • Überprüfen Sie anhand der von der Bank angegebenen Auszugnummer, ob alle Auszüge eines Monates durchgehend vorhanden sind. • Kontrollieren Sie bei jedem Auszug, den Sie erhalten, ob alle zu diesem Auszug gehörigen Belege vorhanden sind, ausgenommen natürlich jene Buchungen, die aufgrund eines Dauerbeleges zu buchen sind (z. B. Daueraufträge oder Einziehungsaufträge) oder solche Buchungen, die ohne Originalbeleg von der Bank gebucht werden. Eine Sammlung der Bankkontoauszüge samt den dazugehörigen Einzelbewegungen gilt als Aufzeichnung der Bankeinnahmen und Bankausgaben, wenn die Kontoauszüge lückenlos aufbewahrt werden. Bei gemischten Konten (diese enthalten sowohl betriebliche als auch private Bewegungen), gilt dies nur dann, wenn dem Finanzamt in alle Auszüge und die dazugehörigen Einzelbelege Einsicht gewährt wird. Die Führung eines eigenen Bankbuches ist somit nicht erforderlich.

Sonja Pöll-Kornfeld

Gerald Hatzl

UNSER TIPP: Führen sie getrennte Bankkonten für den Betrieb und für privat. Aufbewahrungsfrist Alle Belege, die für die Abgabenerhebung relevant sind, sind sieben Jahre aufzubewahren. Beispiel: Mit dem 31. Dezember 2015 endet die siebenjährige Aufbewahrungspflicht für Belege, Aufzeichnungen, Bücher, Geschäftspapiere des Jahres 2008. Ab dem 1. Jänner 2016 dürfen alle Unterlagen aus dem Zeitraum bis zum 31. Dezember 2008 vernichtet werden. ACHTUNG: Bedenken Sie aber, dass die Unterlagen dann weiter aufzubewahren sind, wenn sie in einem anhängigen Berufungsverfahren von Bedeutung sind. Weiters, dass Aufzeichnungen und Unterlagen, die Grundstücke betreffen, wegen allfälliger Vorsteuerrückverrechnungen 12 bis 22 Jahre aufbewahrungspflichtig sind. Auch ist gesetzlich vorgesehen, dass Unterlagen dann weiter aufzubewahren sind, wenn sie für ein anhängiges gerichtliches oder behördliches Verfahren, in dem Ihnen Parteistellung zukommt, von Bedeutung sind.

Teil 3 der Serie In der nächsten Ausgabe geben wir einen Überblick über die Betriebsausgaben und zeigen die Vorteile der Inanspruchnahme des Betriebsausgabenpauschales auf.

KONTAKT & INFOS

Margit Bollenberger und Mag. Ursula Kilzer Bollenberger & Bollenberger Beratungsgruppe office@bollenberger.com www.bollenberger.com


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LÄNDERFOKUS WIEN

IM 21. JAHRHUNDERT ANGEKOMMEN? Kommentar von Komm.-Rat Walter Krammer

Wenn der Toulouser Handwerksmeister Msr. Artisan zum Frühstück die Zeitung aufschlägt, genügen ihm ein paar Zeilen im Wirtschaftsteil und er würde am liebsten wieder ins Bett gehen und die Decke über den Kopf ziehen. Je nach Temperament haben seine Kollegen Grädle in Hessen oder Obernosterer in Radegund ähnliche Bedürfnisse. Wieder und wieder berichten die Gazetten, dass die weltweiten Unternehmen dort produzieren, wo 10

es für ihre qualitativ anspruchsvollen Erzeugnisse die besten Ingenieure gibt, wo sie das billige Massenzeug über Fließbänder laufen lassen, an denen die Leute mit den Hungerlöhnen stehen, und dass sie die Steuern in Ländern bezahlen, in denen es keine Steuern gibt. Wenn unsere drei Mittelständler das mit ihren eigenen Betrieben vergleichen, wechseln sie vom Frühstückskaffee zum Cognac. Neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. Schon 2004 erschien die erste Auflage des Buches „Die Welt ist flach“ vom Pulitzer-Preisträger Thomas L. Friedman, in dem dieser sich auf die Spur der globalen Datenströme und Wertschöpfungsketten setzte. Eine der Schlussfolgerungen war, dass letztendlich immer und überall die Möglichkeit ergriffen wird, die Abläufe – von der Förderung des Rohmaterials bis zum fertigen Endprodukt – zu zerlegen und wenigstens teilweise zu digitalisieren. Naturgemäß ist es noch einfacher, dieses Prinzip bei den Dienstleistungen zu verfolgen. Der staunende Leser erfuhr, dass mittelgroße amerikanische Steuerberatungskanzleien die Rou-

tinearbeit in Bangalore erledigen lassen, von einschlägig ausgebildeten Indern, die an einschlägig programmierten Computern sitzen und einen geringen Teil amerikanischer Gehälter verdienen. Für alle, die im Globalisierungsgeschäft tätig sind, lohnt es sich also, die als Voraussetzung dienende Logistik und Digitalisierung immer weiter voranzutreiben und zu verfeinern. In manchen Bereichen ist das, was 2004 gegolten hat, bereits Mittelalter. Die Produkte, die (relativ) lokal erzeugt werden, müssen – um sich zu halten – hohe Qualität haben oder sehr speziell sein, weil sie sonst von Erzeugnissen aus dem globalisierten System abgeschossen werden. Allerdings kann es Ihnen passieren, dass Sie den Termin bei Ihrer nächstgelegenen Kosmetikerin telefonisch von einem Callcenter der Kosmetikkette in Sindelfingen bekommen (oder in Bangalore) und es gar nicht merken. Wie sehr die Entwicklung greift, konnte ich bei unseren letzten Mitgliederfrühstücken feststellen: (Meist junge) Kollegen gaben uns Einblick in ihre Tätigkeiten, die die Runde in Erstaunen versetzten und nur mehr sehr teilweise dem guten alten Handelsagenten-Tun glichen. Es war deutlich zu erkennen, dass sich zur Zeit eine Parallelität in unserem Berufsstand anbahnt zwischen dem „Handelsagenten des 20. Jhdt.“ und dem „Handelsagenten des 21. Jhdt.“. Wobei die „neuen“ Märkte mit ihren vielen schwer kontrollierbaren Absatzkanälen auch auf juristischem Gebiet einiges aufzulösen geben werden. Es gibt keinen Grund zur Panik, aber unter die Decke zu kriechen, wie es Msr. Artisan gern täte, ist auch keine Lösung. Die unternehmerischen Aufgaben des Handelsagenten werden mehr, weil schon die Information darüber, was und wie sich etwas in der Branche abspielt und noch viel mehr die rasche und richtige Reaktion darauf, unter Umständen über die Existenz des eigenen Unternehmens entscheidet.


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BURGENLAND

BESUCHSOFFENSIVE Das Service kommt zu Ihnen Kennen Sie das Service- und Dienstleistungsangebot der Wirtschaftskammer und Ihrer Branchenvertretung? Wie sehen Sie Ihre wirtschaftliche Zukunft? Haben Sie als Unternehmer Probleme, Wünsche und Anregungen, die Sie schon immer mit Ihrem Branchenvertreter der Wirtschaftskammer diskutieren wollten? Das Landesgremium ist im Laufe der nächsten Monate in allen sieben burgenländischen Bezirken unterwegs, um Betriebe zu besuchen. Im Rahmen der Be-

Obmann Willibald Krajasich und Martina Rauchbauer (Geschäftsführerin des Landesgremiums) besuchten Michael Morre aus Illmitz

Obmann Willibald Krajasich mit Szakacs Istvan aus Frauenkirchen

suchsoffensive sprechen Sie persönlich mit Obmann Willibald Krajasich und Geschäftsführerin Martina Rauchbauer über das Service- und Dienstleistungsangebot

Ihrer Branchenvertretung. Ihre Wünsche und Anregungen nehmen wir gerne auf. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter der Telefonnummer 05 90907-3710.

TIPP ONLINE-AKADEMIE Ein Kurzlehrgang macht Sie bzw. Ihr Unternehmen online-fit: In nur drei Tagen werden Sie anhand konkreter und praxisnaher Handlungsempfehlungen die für Sie richtigen Werkzeuge im Onlinebereich identifizieren und können diese dann einsetzen. Suchmaschinenoptimierung und Social Media sind nur die bekanntesten Schlag-

worte, die in diesem Lehrgang erläutert werden. Darüber hinaus erhalten Sie auch wertvolles Wissen zu Webshops, barrierefreien Websites, rechtlichen Rahmenbedingungen der Onlinewelt und vielem mehr. Lehrgangsleiterin MMag. (FH) Barbara M. Thaler studierte Management & IT und ist seit 14 Jahren in den Bereichen eVoting,

eWorking, eMarketing, eTourismus, eCommerce und Social Media tätig.

Termin: 19. bis 21. Oktober 2016 Anmeldung: Tel.: 05 90907-2000, info@bgld.wifi.at Kosten: 890 Euro

SALZBURG

HANDELSAGENTENRECHT

TERMINAVISO

Anwalt Dr. Erich Schwarz war zu Gast bei den Salzburger Handelsagenten.

Fahrsicherheitstraining

„Handelsagenten treten gerade ihren Geschäftsherren gegenüber meist als Einzelkämpfer im unternehmerischen Alltag auf. Umso wichtiger ist es, genau über die rechtlichen Bestimmungen des Handelsagentenrechts Bescheid zu wissen.“ Mit diesen Worten begrüßte Obmann Komm.-

Rat Axel Sturmberger jene Salzburger Handelsagenten, die sich für den Vortrag angemeldet hatten, um ihre Kenntnisse im Handelsagentenrecht aufzufrischen. Dr. Erich Schwarz, Anwalt und gerichtlich beeideter Sachverständiger für die Berechnung des Ausgleichsanspruchs sowie national und international anerkannter Experte auf dem Gebiet des Handelsagentenrechts, berichtete über die Unterschiede des Handelsagentenrechts in den europäischen Ländern und der Schweiz. Er referierte außerdem über verschiedene Formen der Beendigung des Handelsagentenvertrages, Kündigungsfristen und Schadenersatz. In einer anschließenden Fragerunde konnten alle Anwesenden ihre Themen und ihre Fragen aus der Praxis einbringen.

Am 10. Oktober ist ein Fahrsicherheitstraining von 8:10 bis 15:50 Uhr im Fahrtechnik Zentrum Saalfelden/ Brandlhof geplant. Nähere Informationen folgen zeitgerecht. Bitte merken Sie sich den Termin bereits jetzt vor.

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STEIERMARK

EINLADUNG Das steirische Landesgremium lädt einen echten Netzwerkprofi zur Fachgruppentagung. Unternehmensberaterin Mag. Dr. Magda Bleckmann wird als Vortragende bei der Fachgruppentagung der steirischen Handelsagenten am 23. September 2016 in Eisenerz das Schwerpunktthema „Netzwerken unter Handelsagenten“ behandeln. „Das Ergebnis dieses Vortrages soll darin liegen, dass das Miteinander unter Handelsagenten wesentlich verstärkt wird. Branchenübergreifende Informationen innerhalb des Berufsstandes sollen wesentlich aktiviert werden“, begründet Obmann Komm.-Rat Johann Fürntratt die Auswahl der Referentin für die Tagung. Dr. Magda Bleckmann ist promovierte Betriebswirtin und hat über 15 Jahre Erfahrung

in der österreichischen Spitzenpolitik als Fraktionschefin, Nationalratsabgeordnete und Landesrätin. Heute ist sie erfolgreiche Unternehmerin, gefragte Vortragende, Spitzentrainerin, Businesscoach und Bestsellerautorin. Die Tagung beginnt um 11 Uhr mit einem Begrüßungsimbiss. Danach folgt der Branchenbericht von Obmann Komm.-Rat Johann Fürntratt, anschließend der Vortrag. Im Anschluss findet eine Besichtigung des Postmuseums Eisenerz mit der Ausstellung „Sisi – Das Leben der Kaiserin Elisabeth in Bildern und Texten“ und eine Haulyfahrt am Erzberg statt. Das Ende ist für ca. 17 Uhr vorgesehen.

NIEDERÖSTERREICH

AUSGEZEICHNET Große Silberne Ehrenmedaille der Wirtschaftskammer für Obmann Karl Gerstl.

Anlässlich seines 60. Geburtstages zeichnete die Wirtschaftskammer Niederösterreich Obmann Karl Gerstl am 1. April für seine Verdienste um die niederösterreichische Wirtschaft mit der Großen Silbernen Ehrenmedaille aus. Als gelernter Landwirt und Zimmermann ist er das Anpacken gewöhnt. So engagiert sich der Jubilar nicht nur als Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Wieselburg-Land, sondern stellt sich seit rund 25 Jahren auch seiner Berufsvertretung im Landesgremium der Handelsagenten zur Verfügung. 2010 hat er als Obmann des Landesgremiums die Verantwortung übernommen, um sich für wirtschaftlich sinnvolle Rahmenbedingungen für die Handelsagenten etwa bei der Besteuerung des Hauptar12

beitsgerätes der Handelsagenten, des PKW, einzusetzen. „Und wenn zwischendurch Zeit bleibt, dann besuche ich auch noch meine Kunden und versorge sie mit Produkten für die Landwirtschaft“, ergänzte der Jubilar mit einem Augenzwinkern. „Mit seiner bodenständigen und verlässlichen Art gelingt es Karl Gerstl, oft auch in verfahrenen Situationen Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten akzeptabel sind. Ich möchte mich namens der Wirtschaftskammer Niederösterreich für deinen Einsatz für die niederösterreichische Wirtschaft und die niederösterreichischen Handelsagenten bedanken, schätze dich aber auch persönlich als Gesprächspartner und Freund“, betonte Obmann-Stellvertreter Franz Eichleter in seiner Laudatio.

Obmann Karl Gerstl zeigt stolz seine Große Silberne Ehrenmedaille. Franz Eichletter (Obmann-Stv.) und Mag. Armin Klauser (Geschäftsführer der Handelsagenten, r.) gratulierten.


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TIROL

SOZIALE VERANTWORTUNG Die heimischen Handelsagenten leisten nicht nur einen wichtigen wirtschaftlichen Beitrag, sondern übernehmen immer wieder auch soziale Verantwortung. Vor diesem Hintergrund stellt das Landesgremium der Tiroler Handelsagenten mit seinen rund 1.200 Mitgliedern sämtliche Mittel, die mit der Auflösung des Hinterbliebenenfonds entstanden sind, karitativen Einrichtungen zur Verfügung. Im Rahmen des vierten Tiroler Handelsagententages im Innsbrucker Bierstindl konnten sich Klaus Springer vom Elisabethinum, Herbert Peer vom Netzwerk Tirol hilft und Elisabeth Zanon von der Tiroler Hospizgemeinschaft deshalb jeweils über einen Spendenscheck in Höhe von mehr als 12.000 Euro freuen. „Wir wollten gezielt Projekte unterstützen, die Menschen in verschiedenen Phasen ihres Lebens helfen. Es ist schön, dass

Foto: Die Fotografen

Tiroler Handelsagenten sind Vertriebsprofis, die auch soziale Verantwortung übernehmen!

v.l.n.r.: Martin Wetscher (Obmann Landessparte Handel), Karolina Holaus (Geschäftsführerin Landesgremium Handelsagenten Tirol), Herbert Peer (Netzwerk Tirol), Elisabeth Zanon (Tiroler Hospizgemeinschaft), Klaus Springer (Elisabethinum) und Robert M. Hieger (Obmann der Handelsagenten)

es gelungen ist, bei unserem alljährlichen Branchenevent nicht nur das Netzwerken und den Wissensaustausch, sondern auch

die gute Sache in den Mittelpunkt zu stellen“, freut sich Obmann Komm.-Rat Robert M. Hieger.

SEMINARHINWEIS Sieger trinken Champagner: Vertriebsprofi Dirk Kreuter zu Gast in Tirol Dem Tiroler Landesgremium ist es gelungen, einen Vertriebsprofi und mehrfach ausgezeichneten Trainer für ein Ganztagesseminar zu gewinnen. Am 21. Oktober 2016 wird Dirk Kreuter exklusiv zum Thema „Sieger trinken Champagner“

referieren und dabei besonders darauf eingehen, wie man Einwände souverän meistert. Ein besonderer Fokus wird auch auf das professionelle Führen von Preisgesprächen gelegt, um Mehrverkäufe zu generieren. 

VORARLBERG

AUFHÖREN ZU JAMMERN! „Übe Qigong!“ So lautet eines der Rezepte von Marc Gassert in seinem Vortrag, zu dem das Landesgremium der Handelsagenten lud. Handelsagent zu sein ist erfüllend, aber auch fordernd. Seine vitale Kraft und Energie – das „Qi“ – zu stärken und zu erhalten ist sinnvoll. Das gelingt über das „gong“ – die Fähigkeiten zu nützen und die Arbeit daran. Disziplin ist das Schlüsselwort. Allerdings nicht mit dem westlichen Beigeschmack von Zucht und Strafe, sondern mit dem fernöstlichen Ansatz, der Disziplin als konsequenten Weg zu langfristigem Erfolg und Glück vorzeichnet. Willenskraft und Disziplin sind wie Muskeln trainierbar –

man muss es halt tun. Dazu liefert er Anleitungen und prägnante Stützen: „Aufhören zu jammern!“ ... kostet Energie und bringt nichts. „Verzichte!“ Die kleinen scheinbaren Belohnungen („… das Bier habe ich mir wirklich verdient“) sind keine Motivation. Die Leistung, mit der man es sich „verdient“ hat, ist Ansporn. „Entdecke WU-Wei!“ Die harte Tour geht oft daneben. Es hilft

nicht am Gras zu ziehen, damit es schneller wächst. Oft ist es besser, den Dingen ihren Lauf zu lassen und sie zu unterstützen, sich zu entwickeln (hier gießen und düngen). „Übe dich im Wettkampf“ oder „Keine Angst vor Fehlern!“ ... sind weitere Strategien auf dem fernöstlichen Weg zu Aufstieg und Gewinn, der natürlich mit dem ersten Schritt beginnt, oder wie Hermann Hesse sagt: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ 13


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BUNDES.GREMIUM WEICHEN GESTELLT

Am 1. Juni 2016 traf sich der Ausschuss des Bundesgremiums der Handelsagenten zur Frühjahrssitzung in Wien. Text: Katharina Gangl

V.l.n.r.: Bundesobmann Komm.-Rat Robert M. Hieger flankiert von Mag. Kurt Lang, der die Geschicke des Bundesgremiums rund 15 Jahre leitete, und dem neuen Geschäftsführer des Bundesgremiums Mag. Christian Rebernig

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I

n seinem Bericht gab Bundesobmann Komm.-Rat Robert M. Hieger im Zuge der Frühjahrssitzung einen umfassenden Überblick über die Leistungen und Serviceangebote der Berufsvertretung. Schwerpunktthemen bildeten der bereits im Herbst eingeleitete Strategieprozess und die künftige Organisationsstruktur des Bundesgremiums der Handelsagenten als eigene Geschäftsstelle unter Einbindung des IUCAB-Generalsekretariats. Gemeinsame Strategie 2025 Eine sich ständig verändernde Wirtschaftswelt erfordert ein hohes Maß an Bereitschaft, sich an wechselnde Gegebenheiten anzupassen. Die starken Veränderungen in den Rahmenbedingungen geben Anlass, nicht nur über kommende Herausforderungen der Handelsagenten, sondern auch über das Selbstbild der Standesvertretung und deren Aufgaben nachzudenken. Digitalisierung und Industrie 4.0 sind nicht nur Schlagworte, sie eröffnen Unternehmen und damit den Auftraggebern der Handelsagenten im B2B-Geschäft auch neue Vertriebskanäle. Der eingeleitete Strategieprozess 2025 soll u. a. beitragen, dass der „Handelsagent“ ein modernes Berufsbild mit Zukunftschancen wird und die Fachorganisationen der Handelsagenten (auf Bundes- und Landesebene) ein gemeinsames Zielbild entwickeln, um sich für die Zukunft entsprechend zu rüsten. Positionierung In einer zweitägigen intensiven Klausurtagung im März wurde eine strategische Analyse der IST-Situation über den Berufsstand und die Interessenvertretung der Handelsagenten durchgeführt. Einerseits wurden die jeweiligen Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT-Analyse) festgehalten, andererseits eine gemeinsame Position in den drei Hauptgeschäftsfeldern „Interessenvertretung“, „Bildung“ und „Service“ erarbeitet. Die in der Folge im kleinen Kreis ausgearbeiteten Maßnahmen wurden im Rahmen der Sitzung vorgestellt und Verantwortlichen aus dem Ausschuss zur weiteren Behandlung und detaillierten Ausarbeitung übertragen. Selbstverständlich werden wir Sie über die weiteren Schritte des Strategieprozesses und die entwickelten Maßnahmen zur Ziele-Erreichung weiterhin auf dem Laufenden halten. IUCAB kommt nach Wien Das Bundesgremium der Handelsagen-

ten verfügt seit vielen Jahren über eine Mitgliedschaft im internationalen Dachverband der Handelsagenten IUCAB (Internationally United Commercial Agents and Brokers), der am 21. September 1953 gegründet wurde und in dem 19 Handelsagenten-Verbände aus Europa und den USA vertreten sind. Zuletzt wurde das IUCAB-Generalsekretariat mit Sitz in Amsterdam von Rechtsanwalt Paul Holtrop geleitet. Nun ist es gelungen, das Generalsekretariat der IUCAB nach Wien zu holen. Seit 1. Juli 2016 hat der Dachverband seinen Sitz in der WKÖ in Wien unter der Leitung von Mag. Christian Rebernig, der im Rahmen der IUCAB-Delegiertenversammlung am 19. Mai 2016 zum neuen Generalsekretär bestellt wurde. Für das Bundesgremium der Handelsagenten, das sich immer klar für eine internationale – weil wichtige – Zusammenarbeit ausgesprochen hat, ergeben sich durch diese Kooperation große Vorteile für die fachliche Interessenvertretung und eine Stärkung der österreichischen Standpunkte in der IUCAB. Eigene Geschäftsstelle Das Bundesgremium der Handelsagenten wurde bisher innerhalb der Bundessparte Handel in einer Geschäftsstelle gemeinsam mit drei weiteren Fachverbänden betreut. Mit 1. Juli 2016 wurde eine eigene Geschäftsstelle für das Bundesgremium der Handelsagenten unter Einbindung des IUCAB-Generalsekretariats errichtet. Neben dem Bundesgremium als Körperschaft öffentlichen Rechts wird der Dachverband IUCAB als Verein geführt. Gleichzeitig wurde Mag. Christian Rebernig zum neuen Geschäftsführer des Bundesgremiums der Handelsagenten bestellt und folgt Mag. Kurt Lang nach, der rund 15 Jahre die Geschicke des Bundesgremiums leitete. An dieser Stelle sei ihm ein großer Dank für die umsichtige und stets solide Führung der Gremialgeschäfte ausgesprochen. In der neuen Geschäftsstelle wird man sich ausschließlich um Handelsagenten-Themen kümmern. Das bedeutet eine einmalige Chance, die nationale Interessenvertretung des Berufsstandes zu intensivieren und Synergien zum Vorteil der Handelsagenten zu nützen. Durch die Eingliederung des IUCAB-Generalsekretariats können darüber hinaus Serviceleistungen bekannter Netzwerke der WK-Organisation – beispielsweise der ICC Austria, der Außenwirtschaftsorga-

nisation oder der EuroCommerce – verstärkt genützt werden. Leistungs- und Serviceangebot Die Bereitstellung aktueller Brancheninformationen sieht Bundesobmann Hieger als unerlässlich an. Die Mitgliedsbetriebe werden aktuelle Informationen weiterhin sowohl über den elektronischen Newsletter AgentenOnline als auch über das Branchenmagazin CONTACT: erhalten. CONTACT: erscheint in diesem Format seit nunmehr zwei Jahren und das positive Feedback zeigt, dass die Umstellung die richtige Entscheidung war. Die Ausschussmitglieder waren sich einig, dass versucht werden sollte, das Niveau des bisherigen Leistungsangebotes für den Berufsstand zu halten. Landesspezifische Angebote abholen Die Vertreter der einzelnen Bundesländer berichteten über ihre landesspezifischen Aktivitäten. Das Angebot umfasst eine reiche Palette von Veranstaltungen und Seminaren zu unterschiedlichen Themenbereichen. Die regionalen Veranstaltungen werden vielfach auch zum entspannten Netzwerken der Kollegen genützt. Die angebotene Unterstützung bei rechtlichen Anfragen – die von der Vertragsüberprüfung bis zur Berechnung des Ausgleichsanspruchs reichen – wird von den Mitgliedern nach wie vor gerne angenommen. Künftig erreichen Sie das Bundesgremium unter handelsagenten@wko.at

EIGENE GESCHÄFTSSTELLE DES BUNDESGREMIUMS GEMEINSAM MIT DER IUCAB Mehrwert für die österreichischen Handelsagenten: • Ein Büro (Geschäftsstelle) ausschließlich für den Berufsstand zuständig • intensivere Betreuung der Branchenanliegen • Imagesteigerung innerhalb und außerhalb der WKÖ • stärkere Stimme • Infovorsprung über internationale Themenstellungen und Entwicklungen • Synergieeffekte MEHR LEISTUNG ZU GLEICHEN KOSTEN!

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INTERNATIONAL

IM ZEICHEN DER AMTSÜBERGABE Am 19. Mai 2016 fand die Generalversammlung der IUCAB (Internationally United Commercial Agents and Brokers) unter Teilnahme von rund 50 Delegierten aus 16 Ländern in Malaga statt. Viel Raum wurde der künftigen Ausrichtung des internationalen Dachverbands der Handelsagenten gewidmet und die Entscheidungen hatten es in sich. Das IUCABGeneralsekretariat hat seinen Sitz künftig in Wien und untersteht dem frisch bestellten Generalsekretär Mag. Christian Rebernig vom Bundesgremium.

K

ürzlich hat die diesjährige Generalversammlung der IUCAB in Malaga getagt. Österreich war durch den Bundesobmann-Stellvertreter Komm.Rat Axel Sturmberger sowie Mag. Christian Rebernig vom Bundesgremium vertreten.

Der internationale Dachverband der Handelsagenten zu Gast in Spanien

Rund 50 Delegierte nahmen an der internationalen Tagung teil.

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IUCAB als Sprachrohr der Handelsagenten Die weltweit größte Dachorganisation von Handelsagentenverbänden wurde 1953 gegründet und vertritt die Interessen von rund 750.000 Handelsagenturen. Als Mit-


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glieder fungieren 19 Handelsagentenverbände aus Europa sowie Nordamerika. Für die Europäische Kommission ist die IUCAB die einzige maßgebliche Auskunftsstelle in Bezug auf Handelsagenten berührende Fragen. Das hat sich zuletzt auch in der Frage der Handelsagenten-Richtlinie gezeigt, die nach einer intensiven Überprüfung durch die Kommission unverändert belassen wurde. Viele andere Richtlinien wurden beispielsweise außer Kraft gesetzt. Wahlen brachten österreichische Hofübergabe Mag. Christian Rebernig wurde zum neuen Generalsekretär bestellt und tritt die Nachfolge von Paul Holtrop an. Er wurde auch damit beauftragt, das IUCAB-Generalsekretariat nach Wien zu holen. Dies ist bereits erfolgt und das Generalsekretariat hat auch schon die operative Tätigkeit aufgenommen. Umso bemerkenswerter ist diese Entscheidung im internationalen Dachverband, da seit Gründung im Jahr 1953 der Sitz der IUCAB ständig in Amsterdam war. Rebernig hat in den letzten acht Jahren die österreichischen Interessen und Standpunkte eingebracht. Mit seinem Engagement und seinen Erfahrungen konnte er sich bestens für diese zusätzliche Aufgabe auf dem internationalen Parkett qualifizieren. Der gebürtige Steirer mit italienischen Wurzeln ist seit rund 20 Jahren in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) tätig. Seit 2008 ist er federführend im Bundesgremium der Handelsagenten engagiert. Gemeinsam mit dem französischen IUCAB-Präsidenten Olivier Mazoyer und dem gesamten IUCAB-Vorstand, dem auch der Salzburger Axel Sturmberger als Vizepräsident angehört, sollen die Branchenanliegen stärker vorangetrieben werden.

Auch der Bürgermeister von Malaga (5.v. l. ) war gekommen und erwies dem IUCAB-Vorstand und den internationalen Delegierten seine Aufmerksamkeit.

IUCAB-Präsident Olivier Mazoyer (r.) beglückwünscht Christian Rebernig (l.) zur Bestellung als IUCAB-Generalsekretär.

Interessen Österreichs gewahrt Dem derzeitigen Exekutivkomitee der IUCAB, das für die strategische Ausrichtung verantwortlich ist, gehören neben dem Präsidenten Olivier Mazoyer (Frankreich) und dem österreichischen Vizepräsidenten Sturmberger fünf weitere Vizepräsidenten an: David Johnson (Großbritannien), Enrique Enrech (Spanien), Ralf Scholz (Deutschland), Ole Christian Bull (Norwegen) sowie Carlo Tabellini (Italien). Die österreichischen Interessen sind damit voll gewahrt. Serviceleistungen werden ausgebaut Die Online-Vertretungsplattform www. come-into-contact.com hat sich bis heute sehr bewährt, bereits elf Plattformen mit 17


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„Wir sind eine Export-Handelsagentur – das ist eher der Ausnahmefall – und verkaufen die Produkte unserer vertretenen Firmen in der ganzen Welt“, so der deutsche Walter Dittmann mit Gattin, der dieses Jahr die IUCAB-Auszeichnung für den internationalen Handelsagenten erhalten hat.

Der Franzose Olivier Mazoyer zog nach zweijähriger IUCAB-Präsidentschaft Bilanz und gibt die weiteren Takte vor.

Die Verbandsgeschäftsführer wurden von Mag. Christian Rebernig (3. v. r.) wieder über die wirtschaftlichen Entwicklungen und über laufende Aktivitäten des Bundesgremiums informiert.

Beim anschließenden Networking war Fachsimpeln, sich austauschen und Nägel mit Köpfen machen angesagt. Einige hatten bereits die nächste Vertretung in der Tasche.

rund 20 Ländern sind abrufbar. Handelsagenten können von Herstellern, Kunden und Interessenten weltweit gefunden und direkt kontaktiert werden. Neben der Vertretungsplattform können ab sofort auch Hotels zu Sonderkonditionen weltweit gebucht werden. Mit www.hotelius.com konnte ein Partner gefunden werden, der einen 15-prozentigen Nachlass gewährt. Dadurch sind Hotels in 6.400 Destinationen zu tollen Konditionen buchbar. Darüber hinaus können ebenfalls mit einem Preisnachlass von 15 Prozent Mietautos bei SIXT bestellt werden. Österreich spielt eine gewichtige Rolle Es zeigt sich immer mehr, dass Österreich, neben dem deutschen Schwesternverband CDH, nicht nur bei vielen Projekten die Führungsrolle innehat, sondern nun auch die Richtung in der IUCAB aktiv mitgestalten kann. Dies ist insbesondere auf 18

die umtriebigen Akteure aus Österreich zurückzuführen. Sturmberger steht der Expertengruppe Lobbying vor und kann seine Erfahrungen und Standpunkte auf der internationalen Ebene einbringen. Rebernig informiert ständig in der Arbeitsgruppe der Verbandsgeschäftsführer über die wirtschaftlichen Entwicklungen weltweit und über laufende Aktivitäten des Bundesgremiums. Er leitet auch die Expertengruppe Kommunikation und prüfte bis zuletzt die Finanzgebarung der IUCAB. Voneinander lernen Am Rande der Tagung bestand die Möglichkeit des gemeinsamen Gedankenaustausches. Ziel dieser Kontakte sind eine verbesserte Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch hinsichtlich all jener Maßnahmen, die dem einzelnen Mitglied in seiner Berufsausübung dienlich sein können. Ein Informationsaustausch der

Mitgliedsverbände der IUCAB fand überdies auch im Vorfeld der Delegiertenversammlung im Rahmen eines Treffens der jeweiligen Verbandsgeschäftsführer und der Vertrauensanwälte statt. Die nächste Generalversammlung wird voraussichtlich im Mai 2017 in St. Petersburg stattfinden.

Die Delegierten hörten den Vortragenden aufmerksam zu und brachten ihre Ansichten ein.


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VOM BLINDFLUG ZUM SICHTFLUG

TEIL 2 DER SERIE

KENNZAHLEN ALS RÜSTZEUG

Wo stehen wir heute mit unseren Leistungen im Vergleich zum Vorjahr? Wo liegen unsere Stärken, wo unsere Schwächen? Diese und weitere Fragen müssen sich Handelsagenten permanent stellen, wenn sie weniger improvisieren und mehr planvoll und zukunftsorientiert handeln wollen. Text: Dr. Andreas Paffhausen

B

etriebswirtschaftliche Kennzahlen können wertvolle Auskünfte geben. Im ersten Teil (siehe Ausgabe Nr. 1, März 2016) haben wir uns den Kennzahlen gewidmet, mit denen insbesondere die Leistungsseite einer Handelsagentur analysiert werden kann. Im Folgenden wird nun die Kostenseite näher betrachtet. Wie entwickeln sich die Kosten? Über den Gewinn einer Handelsagentur entscheiden einerseits die Provisionseinnahmen und sonstigen Einnahmen, andererseits die Kosten. Da bei den Kosten fast jährlich mit Steigerungen zu rechnen ist, sind sie besonders kritisch unter die Lupe zu nehmen. Möglichkeiten zur Verringerung der Kosten sind daher echte Gewinnbringer. Der erste Schritt zur Kostenbeeinflussung ist die laufende und lückenlose Kontrolle (= Entwicklung der Gesamtkosten in %). Der periodische Kostenvergleich ist zwar wichtig, sagt aber noch nicht viel darüber aus, ob die betrieblichen Aufwendungen in vertretbarem Rahmen liegen oder nicht. Daher erhält der Handelsagent eine interessante Information über die Entwicklung seiner Agentur, wenn er die Kosten zu den betrieblichen Leistungen in Beziehung setzt (= Kosten in % der Provisionseinnahmen pro Jahr / oder wenn zu den Provisionseinnahmen weitere Einnahmen – beispielsweise durch Serviceleistungen – hinzukommen: Kosten in % der Gesamteinnahmen pro Jahr). Auch können die in einer Handelsagentur vorhandenen größeren Kostenblöcke (Kostenarten wie Personal, Reisen, Lager) zu den Gesamt- oder Provisionseinnahmen in Beziehung gesetzt werden. Auch aus diesen Daten können wichtige Erkenntnisse gezogen werden. Die Kundenbesuche und die damit verbundenen Reisekosten belasten das Budget einer Handelsagentur nicht unerheblich. Daher sollte mit den Reiseki-

lometern wirtschaftlich umgegangen werden. Eine interessante Kennzahl ergibt sich daher, wenn die Zahl der in einer Betrachtungsperiode wie Monat, Quartal oder Jahr gefahrenen Reisekilometer mit der Anzahl der in dieser Zeit besuchten Kunden ins Verhältnis gesetzt wird (= Reiseaufwand pro Kunde). Zu hohe Kilometerzahlen können darauf hindeuten, dass zu lange Anfahrtstrecken zu den Kunden bestehen. Auch kann das Verkaufsgebiet zu groß sein oder der Standort der Agentur nicht optimal liegen. Sollten C-Kunden ihren Sitz möglicherweise zu weit entfernt haben, muss überlegt werden, ob die Besuchsfrequenz verringert werden sollte oder sich eine telefonische Betreuung eher rechnet. Um der Frage nach der optimalen Größe des Vertretungsgebietes nachzugehen, können auch Kennziffern wie Reiseaufwand pro Besuch oder Reiseaufwand pro Auftrag wichtige Erkenntnisse liefern. Hierbei ist es jedoch notwendig, Vergleichswerte von Kollegen hinzuzu-

ziehen. Solche zu erhalten, ist möglicherweise recht schwierig und bedarf der Gespräche mit der Verkaufsleitung der vertretenen Firmen. Was kostet ein Kundenbesuch? Den Ermittlungen der Kosten für einen Kundenbesuch kommt in einer Handelsagentur eine besondere Bedeutung zu. Diese Kennziffer zeigt, welche finanziellen Mittel aufgewendet werden müssen, um einen Auftrag zu erhalten. Werden die Kosten eines Kundenbesuches ins Verhältnis zu den durch den Auftrag erzielten Provisionseinnahmen gesetzt, kann auch der Wert eines Kunden ermittelt werden. Ferner kann diese Kennziffer dazu helfen, die Besuchshäufigkeit festzulegen. Nachstehende Beispielrechnung zeigt, wie die Kennziffer „Kosten pro Kunde“ errechnet werden kann. Zugrunde gelegt werden Provisionseinnahmen einer Handelsagentur in Höhe von 175.000 Euro und Gesamtkosten in Höhe von 165.000 Euro. Daraus ergeben sich: 19


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GESAMTKOSTEN 165.000 EURO

KOSTEN FÜR EINEN KUNDENBESUCH

KOSTEN FÜR EINEN ARBEITSTAG … WENN JÄHRLICH ZUR VERFÜGUNG STEHEN …

240 ARBEITSTAGE

687,50 EURO

229,17 EURO

137,50 EURO

220 ARBEITSTAGE

750 EURO

250 EURO

150 EURO

200 ARBEITSTAGE

825 EURO

275 EURO

165 EURO

Bei diesem Beispiel ist zu beachten, dass es sich um eine Vollkostenberechnung handelt, das heißt, dass alle Kosten einer Handelsagentur einschließlich des kalkulatorischen Unternehmerlohnes für die Arbeitsleistung des Handelsagenten einbezogen sind. Nicht berücksichtigt ist ein Gewinnzuschlag, der jedoch bei einer individuellen Berechnung unbedingt hinzukommen muss. Für jeden Handelsagenten ist es auch wichtig, davon Kenntnis zu haben, wie hoch die Einnahmen sein müssen, um diese Kosten decken zu können. Nehmen wir als Beispiel die Kosten eines Arbeitstages in Höhe von 750 Euro bei 220 möglichen Arbeitstagen pro Jahr. Um diese Agenturkosten decken zu können, muss ein Handelsagent im Durchschnitt pro Tag folgende Aufträge einholen: Provisionssatz

Höhe des Auftrages

(= vermittelte Warenumsätze)

3%

25.000 Euro

5%

15.000 Euro

7%

10.714,30 Euro

9%

8.333,30 Euro

Mit Hilfe dieser Daten kann auch die Kundenrentabilität ermittelt werden. Diese Kennziffer nimmt, vor allem angesichts der Forderung der Kunden nach zusätzlichen, meist ohne Kostenerstattung durchzuführenden Leistungen, eine immer größere Bedeutung ein. Dabei gilt es, zunächst alle 20

BEI 5 BESUCHEN PRO TAG

BEI 3 BESUCHEN PRO TAG

Kosten zu erfassen, die sich auf einen Kunden beziehen. Diese Kosten sind den Einnahmen, die die Handelsagentur für ihre Vermittlungstätigkeit und für eventuelle besondere Serviceleistungen erhält, gegenüberzustellen (= Kundenrentabilität in %). Errechnet werden können auch die Kosten eines Kundenbesuches für ein vertretenes Unternehmen. Diese Kostenaufstellung ist möglich, wenn man den Zeitaufwand, der bei einem Kundengespräch für den Verkauf der Produkte einer bestimmten Vertretung anfällt, exakt oder möglichst annäherungsweise festhält. Nimmt beispielsweise eine Vertretung 30 Prozent der Arbeitszeit in Anspruch, so kostet ein Kundenbesuch für eben diese Vertretung – angelehnt an die Beispielrechnung – 250 Euro (30 % von 750 Euro). Wenn nun ein Handelsagent fünf Kundenbesuche am Tag durchführt, kostet ein Kundenbesuch 150 Euro (750 Euro: 5). Bei dieser Berechnung wird nicht der genaue Zeitaufwand pro Besuch berücksichtigt, sondern ein Durchschnitt gebildet. Um diese Kosten decken zu können, müssen bei jedem Besuch im Durchschnitt folgende Aufträge eingeholt werden: Provisionssatz

Eine detailliertere Zuordnung der Kosten auf die einzelnen vertretenen Firmen ist möglich, wenn die Kosten für kleinere Zeiteinheiten (Arbeitsstunde oder -minute) errechnet werden. Anhand dieser Werte können die Kosten, die für die verschiedenen vertretenen Firmen beim Kundenbesuch entstanden sind, ermittelt werden. Diese Informationen sind in vieler Hinsicht wichtig, beispielsweise für einen Kosten-Nutzen-Vergleich oder für Provisionsverhandlungen. Hierzu ist es notwendig, über einen Zeitraum hinweg – beispielsweise für einen Monat oder ein Quartal – eine Zeitanalyse vorzunehmen. Sie könnte so aussehen: Produktive Arbeitszeit im Außendienst Zur Verfügung stehende Arbeitstage pro Jahr x Arbeitszeit pro Tag in Std.

3%

5.000 Euro

5%

3.000 Euro

7%

2.142,86 Euro

9%

1.666,66 Euro

8

= Arbeitsstunden pro Jahr

1.760 (100 %)

davon Innendienst (30 Tage x 8 Std.)

240 (13,6 %)

= Arbeitsstd. im Außendienst

1.520 (86,4 %)

50 km/Std.

700 (39,8 %)

davon Zeit für Warten, Parken, Pausen ... (1 Std./Tag)

190 (10,8 %)

effektive Verkaufs-/Beratungszeit in Std.

630 (35,8 %)

Höhe des Auftrages

(= vermittelte Warenumsätze)

220


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Bei Gesamtkosten einer Handelsagentur von 165.000 Euro pro Jahr ergeben sich: Kosten je Arbeitsstunde (Innen- und Außendienst: 165.000 Euro / 1.760 Stunden = 93,75 Euro

Kosten je Stunde im Außendienst 165.000 Euro / 1.520 Stunden = 108,55 Euro

Kosten je Minute im Außendienst 108,55 Euro / 60 = 1,81 Euro

Kosten je verkaufs-/ beratungsaktiver Stunde 165.000 Euro / 630 Stunden = 261,90 Euro

Kosten je verkaufs-/ beratungsaktiver Minute 261,90 Euro / 60 = 4,37 Euro

Anhand dieser Beispielrechnung können die Kosten für jeden Kundenbesuch wie folgt errechnet werden: (Fahrtzeit + Gesprächszeit) x 1,81 Euro oder Gesprächszeit x 4,37 Euro. Nehmen wir nun an, dass ein Handelsagent drei Firmen vertritt, zu einem Kunden fährt und dort Verkaufsgespräche führt, in denen über die Produkte aller drei Firmen verhandelt wird. Dann sieht dies an einem Beispiel kostenmäßig so aus:

Werden diese Kosten über eine bestimmte Periode den Provisionseinnahmen aus den einzelnen Vertretungen gegenübergestellt, so besitzt die Handelsagentur eine sehr informative Rentabilitätsanalyse für die einzelnen Kunden bzw. für die einzelnen vertretenen Firmen. Fazit Bei der Behandlung der verschiedenen Kennzahlen wurde deutlich, dass nicht jede Ziffer den gleichen Aussagewert hat

50 Minuten für Fahrtzeit und Rüstzeit zum Kundengespräch (x 1,81 Euro)

90,50 Euro

: 3 (Anzahl der vertretenden Firmen, auf die sich das Kundengespräch bezieht)

30,17 Euro

und von gleich großer Bedeutung ist. Meistens sind auch mehrere Kennzahlen zu bilden und gegenüber zu stellen, um Sachverhalte und das Leistungsbild einer Handelsagentur transparent zu machen. Für den Handelsagenten gilt es folglich, diejenigen Kennzahlen zu errechnen, die für seine Zwecke am aussagekräftigsten sind. Dabei spielt auch der Zeitaufwand für die Erhebung der Daten eine nicht unbedeutende Rolle. Welche Zahlen für die Steuerung und Kontrolle seiner Handelsagentur die hilfreichsten sind, muss jeder Handelsagent für sich selbst bestimmen. Klar muss sein, dass jedes noch so kleine Frühwarnsystem einen Beitrag zum Erfolg leistet.

= Kosten für Fahrtzeit und Rüstzeit je vertretene Firma zuzüglich anteilige Gesprächszeit für die einzelne Vertretung (x 4,37 Euro):

Vertretung A, 20 Minuten

87,40 Euro

Vertretung B, 15 Minuten

65,55 Euro

Vertretung C, 10 Minuten

43,70 Euro

Ergibt Gesamtkosten für

Vertretung A (30,17 + 87,40 Euro) von

117,57 Euro

Vertretung B (30,17 + 65,55 Euro) von

95,72 Euro

Vertretung C (30,17 + 43,70 Euro) von

73,87 Euro

Dr. Andreas PAFFHAUSEN berlinz consulting UG info@berlinz-consulting.de www.berlinz-consulting.de

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NR. 2 | JULI 2016

IM.PORTRÄT VIKTOR SCHUPFER

Er ist zweifellos ein Mann der Tat. Ein Macher mit Handschlagqualität. Das ist es auch, was Viktor Schupfer aus Oberösterreich an Maier Sports, das er vertritt, so mag. Dass man sich auf seinen Geschäftspartner verlassen kann.

F

ür die Bewohner seiner Heimatstadt Sierning, einem beschaulichen Dorf südlich von Linz, ist Viktor Schupfer „der Künstler“. Das stimmt auch so generell. Den Schupfer malt. Viele Maltechniken hat er sich autodidaktisch beigebracht, heute gibt er sogar Malereiseminare. Doch sein Beruf ist ein anderer. „Ich bin ein Handelsagent, der malt“, sagt er. Und nicht anders herum. Zitiert wurde er dabei in einem Magazin herausgegeben von Maier Sports im Herbst 2015, für eben die er mit seiner Sportagentur tätig ist. Was dort auch stand: „Letztlich ist es mit einer Kollektion wie mit einer Frau. Man muss sie kennen, verstehen und mögen. Kein Mann heiratet schließlich eine Frau, über die er sagt: Mei, sie kann gut kochen, sie kann gut reden, aber gefallen tut sie mir nicht.“ Das sagt schon sehr viel über Schupfers Arbeitsauffassung aus. Wenn man den Beitrag als Gesamtes liest, bekommt man ein ganz gutes Bild von Viktor Schupfer. Er ist ein Genussmensch, geradlinig, hemdsärmlig ... und sehr unterhaltsam. Dass dies ausgerechnet im Magazin eines Geschäftspartners erscheint, ist ein großes Kompliment. Schupfer scheint vieles richtig gemacht zu haben. Dabei war sein Weg bis hin zu Maier Sports kein unholpriger. Ins Berufsleben gestartet ist er nämlich mit einer Ausbildung zum Ingenieur für Tiefbau. Was ihm eher weniger gefiel. Schupfer wollte verkaufen und wagte den Schritt in die Selbständigkeit. Mit auch eher mäßigem Erfolg. Die Ausschreibung von Maier Sports war mehr oder weniger seine letzte Hoffnung, als Handelsagent selbstständig tätig zu sein. 27 Jahre später ist Viktor Schupfer quasi das Gesicht des Unternehmens und aus der Sportbranche nicht mehr wegzudenken. „Für mich ist Lebensqualität sehr wichtig. Ich stelle daher immer die Arbeit vorne an, um im Anschluss die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen.“ Kein unkluger Ansatz.

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„JEDER HAT DIE CHANCE VERDIENT, IN ZUMINDEST FÜNF SÄTZEN EINE MARKE UND IHRE STÄRKEN VORZUSTELLEN.“ Viktor Schupfer

Verlässlichkeit und Berechenbarkeit „Heutzutage wird viel zu viel besprochen, geplant und gerechnet. Früher hat man sich noch mehr auf sein Bauchgefühl verlassen und sich vor allem intensiver mit Themen auseinandergesetzt. Wenn’s jetzt um Inhalte geht, bleibt nur noch Zeit für die Highlights. Dieser Umgang mit Zeit gefällt mir nicht. Dabei ist Zeit das wertvollste Gut, das wir haben“, findet Schupfer. Doch gerade weil Zeit so knapp ist, braucht es im Verkauf gute Argumente. Was für ihn Maier Sports ausmacht? Verlässlichkeit von Produkt, Firma und Mitarbeitern, Treue und Ehrlichkeit, Konstanz und Berechenbarkeit. „Wir haben für

jeden Hintern die passende Hose“, drückt es Schupfer aus. Diese Berechenbarkeit ist es indes auch, warum er seinen Beruf so mag. Nicht nur, weil die Produkte richtig gut sind und es bei den Kollektionen weder böse Überraschungen noch Experimente gibt. Schupfer kennt sein Geschäft. Er weiß, wie es funktioniert und was er zu tun hat. Gleichzeitig wird es dabei nicht langweilig, weil man sich immer wieder auf neue Menschen einstellen und sich laufend weiterentwickeln muss. Hast ist jedoch Schupfers Sache nicht. Die Entwicklung folgt einem steten Tempo, keinem hastigen Aktionismus. Das ist es, was ihn ausmacht.


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IM.PORTRÄT TIMEA HIPF

Sie ist Handelsagentin mit Leib und Seele, bringt ihre Produkte – in erster Linie Biosnacks zum Knabbern – nicht nur zu den Kunden, sondern entwickelt diese in der Regel auch selbst. Ein Werbeprofi aus Wien mit Geschmack. Sie kommen aus der Werbung. Heute haben Sie unter anderem eine eigene Biomarke. Wie kam’s dazu? Timea Hipf: Ich habe früher neben meiner Fixanstellung und neben der Uni Werbeunterlagen für ungarische Firmen erstellt, die in den deutschsprachigen Raum eintreten wollten. Als ich vor zehn Jahren in Karenz ging, hat sich die Zusammenarbeit mit einem Produktionsunternehmen für Knabbersnacks intensiviert. Sie haben zwar leckere Snacks hergestellt, doch sie waren nicht besser als andere auf diesem Gebiet. Aus meinem eigenen Bedürfnis heraus – ich wollte auch knabbern, aber in Bio-Qualität – war ich überzeugt, dass Bio-Knabbersnacks gerade in Österreich sehr gut angenommen würden. Also habe ich den Inhabern vorgeschlagen, neue Wege zu gehen. Der Betrieb war schon immer auf glutenfreie Produkte spezialisiert. Diese Basis in Richtung „Bio“ weiterzuentwickeln, war der nächste logische Schritt. Es entstand die Idee der Bio-Hirsebällchen, da Hirse nicht nur glutenfrei, sondern auch sehr gut verträglich ist. Zu Beginn unserer Partnerschaft hatte der Betrieb 19 Mitarbeiter, heute sind es knapp 60. Seit drei Jahren ist meine eigene Biomarke „Natural Crunchy Snacks“ auf dem Markt. Unsere Produkte sind in fast allen großen Handelsketten in Österreich erhältlich. War die Selbständigkeit schon immer ein Thema für Sie? Nein. Ich machte Karriere in großen Konzernen, zuerst bei Rewe, dann in der Erste Bank. Als ich Mutter wurde, wollte ich meine Zeit frei einteilen. Am Anfang habe ich gearbeitet, wenn mein Baby geschlafen hat, und ich konnte es auch zu den Terminen in die Produktion mitnehmen. Das Wichtigste aber ist für mich, dass ich mitgestalten konnte und kann. Ich weiß, dass viele Handelsagenten kein Mitspra-

cherecht beim Produkt, in der Vermarktung oder im Marketing haben. Ich sehe das als Fehler. Ich konnte meine Partner davon überzeugen, dass ich am Markt vor Ort bin, die Bedürfnisse kenne, Messen besuche und ausstelle, also weiß, was Kunde und Markt wollen. Aufgrund meiner Werbeerfahrung weiß ich zudem, wie sich Produkte am besten verpacken und verkaufen lassen. Wo sehen Sie die Chancen und Herausforderungen in Ihrem Beruf?

Produktionsfirmen sollten sich mehr darauf konzentrieren, nicht nur ihr eigenes Süppchen zu kochen und Produkte zu lancieren, die teilweise – weil zu technisch – unbrauchbar sind und teilweise am Markt vorbeigehen. Sie sollten gezielt das Wissen der Handelsagenten mit einbeziehen. Natürlich gibt es Bereiche, wo es nicht möglich ist, aber ich denke, jedes Produktionsunternehmen ist gut beraten, wenn es auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Produktentwicklung und Vertrieb setzt.

ZUR PERSON: Geboren 1977 in Ungarn, direkt an der österreichischen Grenze in Hegyeshalom aufgewachsen. Gleich nach der Matura hat Timea Hipf ein Jahr in Deutschland, dann in Wien studiert. Schon während des Betriebswirtschaft-Studiums hat Hipf vier Jahre bei Rewe in diversen Positionen gearbeitet und ist dann zur Creditanstalt und schließlich in die Erste Bank gewechselt. In der Karenz schloss sie ihr Studium an der Uni Wien (Literaturwissenschaft) ab und gründete ihre eigene Handelsagentur. 2013 wurde die Biomarke „Natural Crunchy Snacks“ kreiert, die mittlerweile bereits in neun Ländern vertreten ist.

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RECHTS.TIPP PROVISIONSANSPRÜCHE

Das vom Handelsagenten vermittelte Geschäft wurde abgeschlossen, aber der Unternehmer weigert sich, die Provision auszubezahlen. Was tun? Text: Mag. Wolfgang Denkmair, Vertrauensanwalt der Handelsagenten in OÖ

W

ann entsteht eine Provision überhaupt? Wann ist die Provision auszubezahlen und unter welchen Voraussetzungen kann der Geschäftsherr die Provision zurückfordern? In der Beratungspraxis zeigt sich, dass der Unternehmer dem Handelsagenten immer wieder (einen Teil der) Provisionen nicht ausbezahlt oder (einen Teil) der bereits ausbezahlten Provision vom Handelsagenten zurückfordert. Dies obwohl der Handelsagent das Geschäft erfolgreich vermittelt und der Unternehmer das Geschäft mit dem Kunden auch abgeschlossen hat. Der Oberste Gerichtshof hat zu diesem Thema in seinen Entscheidungen wieder mehrfach Stellung genommen, sodass sich die Darstellung einer Übersicht der Vorausset-

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zungen für die Weigerung der Zahlung von Provisionen bzw. für die Rückforderungen der Provisionen lohnt. Einleitend sei auf die zwingende Rechtslage, die – sozusagen als Mindeststandard – nur zum Vorteil des Handelsagenten verändert werden kann (§ 9 Abs. 2 und 3 iVm § 27 Abs. 1 Handelsagentenrecht, HVertrG), verwiesen. Wann entsteht der Anspruch auf Provision? Der Anspruch auf Provision entsteht spätestens, wenn der Dritte seinen Teil des Geschäftes ausgeführt hat oder haben müsste, hätte der Unternehmer seinen Teil des Geschäftes ausgeführt (§ 9 Abs. 2 HVertrG). Das bedeutet auf ein übliches Waren-

geschäft (Kunde bestellt, Unternehmer bestätigt Bestellung und liefert aus, Kunde bezahlt) übersetzt: Die Provision des Handelsagenten entsteht zwingend nicht erst mit der Zahlung des Kunden, sondern bereits dann, wenn der Kunde hätte zahlen müssen, wenn der Unternehmer ordnungsgemäß geliefert hätte. Die tatsächliche Auslieferung der Ware durch den Unternehmer und der tatsächliche Eingang der Zahlung des Kunden beim Unternehmer sind somit nicht Voraussetzung für das Entstehen des Provisionsanspruches des Handelsagenten. Der bloße Verzug der Auslieferung durch den Unternehmer oder der bloße Verzug der Zahlung durch den Kunden berechtigt den Unternehmer grundsätzlich nicht, dem Handelsagenten


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die Auszahlung der Provision für dieses Geschäft zu verweigern. Eine zum Nachteil des Handelsagenten davon abweichende Regelung in der zwischen dem Unternehmer und dem Handelsagenten geschlossenen (schriftlichen) Vereinbarung ist nicht wirksam; zum Beispiel ist die Bindung des Entstehens des Provisionsanspruchs an den Ablauf einer Stornohaftungszeit rechtsunwirksam (vergl. OGH vom 24.03.2015; 8 ObA 19/15z). Wann ist die Provision fällig? Über Provisionsansprüche ist spätestens am letzten Tag des Monats, der auf das Quartal folgt, in dem der Provisionsanspruch entstanden ist, abzurechnen. … (§ 14 HVertrG). Der Anspruch auf Provision wird an jenem Tag fällig, an dem nach der getroffenen Vereinbarung oder nach dem Gesetz die Abrechnung stattfinden soll (§ 15 HVertrG). Eine zum Nachteil des Handelsagenten abweichende Regelung in der zwischen dem Unternehmer und dem Handelsagenten geschlossenen (schriftlichen) Vereinbarung ist wiederum nicht wirksam. Regelmäßig wird zwischen dem Unternehmer und dem Handelsagenten vereinbart, dass eine monatliche Abrechnung der Provision erfolgt. Dann ist diese für den Handelsagenten günstigere Regelung gültig, von welcher der Unternehmer auch nicht einseitig, das heißt nicht ohne Zustimmung des Handelsagenten, abgehen darf. Folgen der Nichtzahlung der Provision Ab dem Zeitpunkt der Fälligkeit der Provision fallen Zinsen an, die zwischen selbständigen Unternehmern – bei der Verzögerung der Zahlung, die vom Unternehmer zu verantworten ist – bis zu 9,2 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz betragen können (§ 456 UGB). Im Falle der unberechtigten Zurückbehaltung der Provision durch den Unternehmer kann der Handelsagent unter Wahrung seines allfälligen Ausgleichsanspruches das Handelsagentenverhältnis berechtigt aufkündigen oder sogar mit sofortiger Wirkung auflösen (§ 22 Abs. 3 lit a) HVertrG). Vor einem derartigen schwerwiegenden Schritt sollte der Handelsagent jedoch unbedingt Rechtsberatung einholen, um die Voraussetzungen im Einzelfall zu prüfen und um die richtigen Schritte zu setzen. Die nicht ausbezahlte Provision verjährt binnen drei Jahren, sofern zwischen Unternehmer und Handelsagent nicht eine kürzere Verjährungsfrist wirksam vereinbart wurde. Auch dazu sollte rechtzeitig Rechtsberatung

in Anspruch genommen werden, um die allfällige (drohende) Verjährung zu prüfen. Wann kann eine Provision zurückgefordert werden? Der Anspruch auf Provision entfällt, wenn und soweit feststeht, dass der Vertrag zwischen dem Dritten und dem Unternehmer nicht ausgeführt wird und dies nicht auf Umständen beruht, die vom Unternehmer zu vertreten sind. Bei Zahlungsverzug des Dritten hat aber der Unternehmer nachzuweisen, alle zumutbaren Schritte unternommen zu haben, um den Dritten zur Leistung zu veranlassen (§ 9 Abs. 2 HVertrG). Dies bedeutet für ein übliches Warengeschäft, dass der Handelsagent nur dann die Provision an den Unternehmer zurückzuzahlen hat, wenn der Unternehmer nicht für die Nichtausführung des Geschäftes „verantwortlich“ ist. Wenn der Kunde nicht bezahlt, obwohl dieser müsste, muss der Unternehmer beweisen, dass er alles ihm Zumutbare getan hat, die Forderung gegen den Kunden einzutreiben. In der Regel wird es zumutbar sein, dass der Unternehmer die Provision einklagt. Wenn die Provision einmal entstanden ist, hat der Unternehmer im Detail darzustellen, zu welchem Geschäft welche Zahlungen nicht erfolgt sind, und muss beweisen, dass die Nichtzahlung nicht von ihm zu vertreten ist. Der Handelsagent hat ein Recht darauf, vom Unternehmer zu erfahren, warum das vom ihm erfolgreich vermittelte Geschäft gescheitert sein soll. Nur dann kann der Handelsagent überprüfen, ob tatsächlich die Voraussetzungen dafür vorliegen, dass die Provision zurückbezahlt werden muss. Dieses Informationsrecht kann vom Handelsagenten im Streitfall auch gerichtlich durchgesetzt werden; zum Beispiel mittels Klage auf Auskunft oder auch auf Buchauszug. Die allgemein gehaltene Behauptung des Unternehmers, die Gründe für sämtliche

Rückbuchungen seien nicht in der Sphäre des Unternehmers gelegen und im Falle eines Zahlungsverzuges werde der jeweilige Kunde zur Zahlung gemahnt, ist nicht ausreichend (vergl. OGH vom 24.03.2015; 8 ObA 14/15i). Die Kündigung eines Vertrages durch den Kunden führt nicht zur Vermutung, dass die Umstände dafür nicht in der Sphäre des Unternehmers liegen (vergl. OGH vom 24.03.2015; 8 ObA 19/15z). Verhältnis Handelsagent zu Subagent Ist zwischen Produktgesellschaft und Handelsagent ein Handelsagent dazwischen geschalten, so trifft den Hauptagent die Behauptungsund Beweislast. Die Sphäre des Hauptagenten ist jener der Produktgesellschaft gleichgeschaltet (vergl. OGH vom 24.03.2015; 8 ObA 14/15i). Die allgemeine Behauptung, dass die Produktgesellschaft jeweils alle zumutbaren Schritte zur Einbringung der Prämien unternommen habe, genügt nicht (OGH vom 24.03.2015; 8 ObA 19/15z). Eine für den Handelsagenten günstigere Regelung – hier: Provisionsanspruch des Subagenten entsteht (spätestens), wenn der Hauptagent Provision erhält – bleibt bestehen (vergl. OGH vom 24.03.2015; 8 ObA 22/15s). Fazit Ist die Ausführung des vom Handelsagenten erfolgreich vermittelten Geschäftes unterblieben, muss der Unternehmer beweisen, dass die Nichtausführung nicht auf Umständen beruht, die vom Unternehmer zu vertreten sind. Ansonsten bleibt der Anspruch des Handelsagenten trotz Nichtausführung des Geschäftes aufrecht. Bei Zahlungsverzug des Kunden muss der Unternehmer beweisen, dass er alles ihm Zumutbare gemacht hat, um die Zahlung des Kunden einzutreiben. Das Einklagen der Zahlung ist in der Regel dem Unternehmer zumutbar.

Mag. Wolfgang DENKMAIR ist Rechtsanwalt und Partner bei der Denkmair Hutterer Hüttner Waldl Rechtsanwälte GmbH in Linz und Vertrauensanwalt des Landesgremiums der Handelsagenten in der WKOÖ office@h2wd.at www.h2wd.at

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STEUER.TIPP

DAS KRAFTFAHRZEUG IM BETRIEBSVERMÖGEN

Die meisten Unternehmer – und speziell auch Handelsagenten – benötigen ein Kraftfahrzeug (Kfz), um ihre berufliche Tätigkeit ausüben zu können. Welche Rolle spielt die Steuer dabei? Text: Bollenberger & Bollenberger Beratungsgruppe

Das Kfz in der Einkommensteuer Das Kfz unterliegt im Einkommensteuerrecht vielen Ausnahmeregelungen. Die ertragsteuerliche Behandlung hängt in erster Linie davon ab, in welchem prozentuellen Ausmaß die betriebliche Nutzung erfolgt. Um dieses Ausmaß feststellen zu können, ist die Führung eines Fahrtenbuches erforderlich. Anforderungen, die an ein Fahrtenbuch gestellt werden: • Aufzeichnung aller beruflichen und privaten Fahrten • f ortlaufende und übersichtliche Führung • zweifelsfreie und klare Angabe von Datum, Kilometerstand, Fahrtstrecke, 26

Ausgangs- und Zielpunkt sowie Zweck jeder einzelnen Fahrt Fahrtenbücher können grundsätzlich auch in elektronischer Form geführt werden. Dabei sind jedoch die Formvorschriften der BAO zu beachten: Die inhaltsgleiche, vollständige und geordnete Wiedergabe soll bis zum Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist jederzeit gewährleistet sein. Nachträgliche Abänderungen, Streichungen und Ergänzungen von zu einem früheren Zeitpunkt eingegebenen Daten müssen technisch ausgeschlossen sein oder müssen nachvollziehbar dokumentiert sein. Widrigenfalls sind die Aufzeichnungen formell nicht ordnungsgemäß und die Vermutung der Richtigkeit gem. § 163 BAO

kommt nicht zum Tragen. Allerdings ist es möglich, dass vom Abgabepflichtigen die inhaltliche Richtigkeit im Einzelfall nachgewiesen oder glaubhaft gemacht wird. Betriebliche Nutzung bis zu 50 % Wird das Kfz weniger als 50 Prozent der Jahreskilometerleistung für betriebliche Fahrten genutzt, so zählt es grundsätzlich zum Privatvermögen und muss daher nicht ins Anlagevermögen aufgenommen werden. Es besteht ein Wahlrecht, ob die auf die betriebliche Verwendung entfallenden Betriebskosten (Benzin, Diesel, Öl, laufende Service-, Reparatur- und Reinigungskosten, Steuern, Gebühren, Parkund Mautgebühren, Vignette, Versicherungen, Mitgliedsbeiträge zu Autofahrerclubs,


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Vergleich der unterschiedlichen Auswirkung der Luxustangente bei Neu- und Gebrauchtfahrzeugen mit Alter unter und über 5 Jahre mit Kaufpreisen von 65.000, 45.000 oder 35.000 Euro Alter

Neufahrzeug 0 Jahre

Gebrauchtfahrzeug < 5 Jahre

Gebrauchtfahrzeuge > 5 Jahre

Neupreis

65.000,00

65.000,00

65.000,00

65.000,00

65.000,00

Kaufpreis

65.000,00

45.000,00

35.000,00

45.000,00

35.000,00

Luxustangente

Neupreis

Neupreis

Neupreis

Kaufpreis

Kaufpreis

Luxustangente

38.46 %

38,46 %

38,46 %

11,11 %

0,00 %

angemessene Anschaffungskosten

40.000,00

27.692,31

21.538,46

40.000,00

35.000,00

steuerliche AfABemessungsgrundlage

40.000,00

27.692,31

21.538,46

40.000,00

35.000,00

5.000,00

3.461,54

2.692,31

5.000,00

4.375,00

Bemessungsgrundlage

Jahres - AfA

Garagierungskosten, und Absetzung für Abnutzung (sog. Afa) aliquot, also entsprechend der betrieblichen Nutzung, als Betriebsausgaben abgesetzt werden. Alternativ dazu kann der Steuerpflichtige das amtliche Kilometergeld als Betriebsausgabe geltend machen. Dieses beträgt 0,42 Euro pro Kilometer für maximal 30.000 Kilometer jährlich. Bei betrieblichen/beruflichen Fahrten von mehr als 30.000 Kilometern im Kalenderjahr kann für die übersteigenden Kilometer kein Kilometergeld in Anspruch genommen werden. Alternativ zum Kilometergeld können nur die auf die gesamt betrieblich gefahrenen Kilometer entfallenden tatsächlichen Kosten in Abzug gebracht werden. Beachten Sie: Da sich bei laufender Nutzung des Kfz von weniger als 50 Prozent der gefahrenen Kilometer dieses sich im Privatvermögen befindet, unterliegt ein Veräußerungsgewinn grundsätzlich nicht der Einkommensteuer! Betriebliche Nutzung mehr als 50 % Wird das Kfz zu mehr als 50 Prozent für betriebliche Zwecke verwendet, stellt es zur Gänze Betriebsvermögen dar. Die laufenden Aufwendungen sind dann im Ausmaß der betrieblichen Nutzung (also minus dem Privatanteil) als Betriebsausgaben abzugsfähig. Auch hier muss zum Nachweis der betrieblichen Nutzung ein Fahrtenbuch geführt werden. Als Anschaffungskosten gelten • Kaufpreis • Umsatzsteuer (bei PKWs, die nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind)

• Normverbrauchsabgabe (NoVA) • Anschaffungsnebenkosten, wie Anmeldegebühren, nicht selbständig bewertbare Sonderausstattungen (wie Klimaanlage, serienmäßig eingebaute Navigationssysteme, Autoradios etc.) Dieser Anschaffungswert muss bei PKWs und Elektrofahrzeuge auf acht Jahre abgeschrieben werden. Für vorsteuerabzugsberechtigte so genannte Fiskal-LKW und LKW kann die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (eher kürzer als 8 Jahre!) für die Abschreibung herangezogen werden! Sonderregelung: Luxustangente! Die Anschaffungskosten unterliegen einer Angemessenheitsprüfung. Unangemessen hohe Ausgaben, die auch die Lebensführung des Steuerpflichtigen berühren und nach Verkehrsauffassung unangemessen hoch sind, sind auf eine bestimmte Höhe zu kürzen. Steuerlich sind wertabhängige Ausgaben (wie Abschreibung und wertabhängige Kosten wie Kaskoversicherung, Kreditzinsen; nicht Treibstoffkosten) für ein Kfz mit einem Neuanschaffungswert (inkl. USt und NoVA) bis zu 40.000 Euro anerkannt. Diese Grenze gilt ausschließlich für PKW und Elektrofahrzeuge sowohl bei neuen, gebrauchten (bis zu 5 Jahre alten Gebrauchtfahrzeugen), geleasten, gemieteten oder gekauften. Beispiel: Kaufen Sie einen gebrauchten, mindestens fünf Jahre alten Luxus-PKW, zählt für die Angemessenheitsprüfung nicht der Listenpreis, sondern die tatsächlich geleisteten Anschaffungskosten.

Für Fiskal-LKWs gibt es keine Luxustangente zu beachten! Beachten Sie: Beim Verkauf eines zum Betriebsvermögen gehörenden KFZ ist unabhängig von der teilweisen Privatnutzung der gesamte Veräußerungsgewinn der Einkommensteuer zu unterziehen! Fahrzeuge, die steuerlich als PKW oder Kombi (auch als Elektrofahrzeuge!) eingestuft werden, unterliegen im Ertragssteuerrecht den steuerlichen Besonderheiten, wie Anwendung der Luxustangente und einer Abschreibungsdauer von acht Jahren. Da jedoch für Elektrofahrzeuge im Unterschied zu PKW/Kombis mit Benzin- oder Dieselantrieb gestaffelt nach Anschaffungskosten ab 1. Jänner 2016 ein Vorsteuerabzug zusteht, ist es interessant, eine Kaufentscheidung nach steuerlicher Vorteilhaftigkeit zu fällen. Einen Überblick über die Vorteile des Vorsteuerabzuges zeigen wir Ihnen in der nächsten Ausgabe.

KONTAKT & INFOS

Margit Bollenberger und Mag. Ursula Kilzer Bollenberger & Bollenberger Beratungsgruppe office@bollenberger.com www.bollenberger.com

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CONTACT: Juli 2016  

Das Magazin der österreichischen Handelsagenten.

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