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Welche Zukunft

DEUTSCHES THEATER BERLIN


DEUTSCHES THEATER BERLIN


Welche Zukunft

Spielzeit 17 / 18


Ulrich Khuon im Gespräch

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Die Zukunft des Zusammenlebens von Bini Adamczak

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Die Zukunft der Technik von Armen Avanessian

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Die Zukunft des Körpers von Karin Harrasser

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Ensemble

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Premierenübersicht und Repertoire

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Die Premieren und Texte von Nikita Dhawan, ­ Sonja Eismann, Mads Pankow, Barbara Vinken, Björn Quiring, Ingolfur Blühdorn, Isabell Lorey September Oktober November Dezember Januar Februar März April Mai Junges DT Mitarbeiter_innen

Service

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„Wir müssen die Begriffe Gegenwart und Zukunft neu denken“ Ulrich Khuon im Gespräch Welche Zukunft lautet das Motto der neuen Spielzeit – stellt das Deutsche Theater die Zukunft in Frage? Wenn Sie so wollen, dann stellen wir aus der Gegenwart heraus, die ja wiederum von der Vergangenheit durchdrungen ist, Fragen, verhandeln Perspektiven: Wie können wir welche Zukunft gestalten? Wie könnte eine Zukunft aussehen, oder welche Zukunft wollen wir? Das Motto Welche Zukunft haben wir im Kontext der beiden vorhergehenden Spielzeiten gewählt, es ist eine Art Dreischritt. Der leere Himmel war ein Fragen nach Horizonten, auch nach Sinn-Horizonten, die möglicherweise verloren gegangen sind. Keine Angst vor nie­ mand war dann ein zweiter Schritt, mit dem wir auch sagten: keine Angst vor der Leere, keine Angst vor der Orientierungslosigkeit. Und Welche ­Zukunft ist jetzt ein weiterer, ein dritter Schritt: Was heißt das nun für die Zukunft? Wie könnte die aussehen? Die Gegenwart beschäftigt uns doch schon ziemlich – warum ist es dennoch wichtig, die Zukunft zu untersuchen? Ich glaube, wir müssen in einer von Migration und Veränderungen bestimmten Welt die Begriffe Gegenwart und Zukunft neu ­denken. Es funktioniert nicht mehr, Zeit und auch Biographien vor ­allem linear zu verstehen. Derzeit sind Hunderttausende Menschen ­gezwungen, an einem fremden Ort ein neues Leben anzufangen. Wir denken gern „Naja, da integriert man sich halt, gewöhnt sich an die neue Umgebung, findet Arbeit und dann geht es weiter“, wir denken also linear: Aus einer Vergangenheit geht es plötzlich hinüber in eine Gegenwart, aus der heraus dann eine Zukunft entsteht. So einfach ist es aber nicht, die Entwurzelung ist oft viel radikaler. So entdecken

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Menschen, die in dritter Generation in Deutschland leben, auf einmal die Religion oder Heimat ihrer Eltern und Großeltern neu. Das macht deutlich, dass wir Erfahrungen vorheriger Generationen unbewusst mit uns tragen. Und es macht auch deutlich, dass wir, wenn wir unsere vertrauten Lebenswelten verlassen, also irgendwo neu anfangen, auch einen Teil unserer Identität verlieren. Das sind, bei noch so viel Lust auf Integration und Nähe und neue Heimat, gewaltige Brüche. Das heißt für uns am Theater, dass wir durch lokale, europäische und globale Geschichten auch gemeinsame Erfahrungen erzählen können, die elementare Themen wie Nähe, Vertrauen, Heimat, aber auch Verlust und Fremde zwischen den Kulturen noch einmal anders vermitteln. Viele Gewissheiten der vergangenen Jahrzehnte sind ins Wanken geraten – Europa, Demokratie, Frieden, Arbeitsstrukturen, persönliche Beziehungen – inwiefern hilft eine künstlerische Auseinandersetzung, uns wieder unserer selbst zu versichern? Wenn ich zurückblicke, kommt es mir manchmal so vor, als ­hätten wir in den 1980er, 1990er Jahren den Himmel auf Erden g ­ ehabt. Aus heutiger Sicht war der unbedingte Glaube an die eigene Gestaltungskraft, an die Fähigkeit, Probleme mithilfe von Fortschritt und Technik auch lösen zu können, eine Art Größenwahn. Längst hat er einer diffusen Angst und Überforderung Platz gemacht. Wer heute die Probleme auf der Welt ernst nimmt, als Einzelner oder als Gesellschaft, ist ständig überfordert: Was alles müssen wir denn noch tun? Dieses Gefühl kann man nur gemeinsam bewältigen, und Orte, ­Möglichkeiten dafür sind das Theater, die Künste. Der Satz von ­Fernando Pessoa, dass man den Schmerz benennen muss und dass das schon ein erster Schritt zu seiner Linderung ist, heißt ja, dass man auf die Angst zugehen muss, die Augen nicht verschließen darf. ­Solche Panik­räume erfasst Kunst grandios. Indem sie den Schrecken beschreibt, ermöglicht sie seine Erfahrbarkeit und damit die Chance, das Problem zu bearbeiten. Und gleichzeitig ist die Kunst, das vergessen wir oft, auch ein Schönheitsraum. Sie stellt selbst eine Utopie­ dar, durch eine verdichtete Sprache, einen verdichteten Ausdruck. Sie kann das Schlimme in einer Weise fassen, dass Schönheit ­durchscheint.

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Zugleich muss sich das Theater noch mehr als gesellschaftliches Projekt verstehen. Wir sind natürlich keine Antwortgeber oder ­Bescheidwisser, aber das Theater ist ein Ort, an dem man zwar nicht voraussetzungslos, aber doch sehr offen Themen, Fragen und Ängste verhandeln kann. Und ohne für Antworten zuständig zu sein, können wir doch Antworthorizonte abstecken. Durch die Privatisierungen und den Verlust anderer gesellschaftlicher Räume, auch religiöser Diskursräume, ist vieles an Debatte, Austausch und Begegnung verloren ­gegangen. Die gesellschaftliche Aufgabe der Künste ist deshalb ­gewachsen, aber wir müssen diese Aufgabe auch ernst nehmen. Dennoch: Eine schlechte Nachricht jagt die nächste. Terror, Klima, Hunger, Kriege, politische Despoten – viele haben den Eindruck, dass die Kette der Hiobsbotschaften gar nicht mehr abreißt. Was kann das Theater dem entgegensetzen? Das Theater kann dieses Gefühl einer nicht abreißen wollenden Kette zumindest unterbrechen. Peter Handke hat einmal gesagt, ein Schriftsteller sei nicht das Kind seiner Zeit, sondern als Schriftsteller sei man immer das Kind einer anderen Zeit. Ich finde, dieses Zitat ­beschreibt gut, dass die Künste es einem erlauben, Umwege zu ­machen. Sie bieten, im besten Sinne, ein Innehalten, ein Unter­ brechen an. Wenn ich zwei, drei, vier Stunden im Theater sitze, schaffe ich auch eine Distanz zu dem, was täglich über mich an schlechten Nachrichten hereinbricht, und vielleicht verschafft mir dieser Abstand wieder Klarheit, macht mich handlungsfähiger. Welcher Blick auf die Zukunft verbindet unsere Gesellschaft? Der Blick ist zum einen geprägt von einer Abstiegsangst, die viele verbindet, diese Frage „Kann das lange gut gehen in dieser ­globalen Welt, bricht uns jeder Zusammenhang irgendwann weg?“ Auf der anderen Seite gibt es diese merkwürdige deutschtümelnde Begeisterung im Sinne von „Wir sind das Land der Wissenschaftler, wir basteln auch die besten Schrauben, die besten Autos, wir sind zu­ verlässig, wir sind pünktlich, da kann uns doch nichts passieren.“ ­Letzteres ist das Gegenprogramm zur Abstiegsangst.

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Außerdem haben wir die unfassbar großen Entwicklungen in der digitalen Welt bisher weder gesellschaftlich noch als Einzelne ver­ arbeitet. Man kann nicht behaupten, dass das Individuum im digi­talen Zeit­alter die permanente Anwesenheit von Allen und Allem halbwegs bewältigt hätte. Oder dass die Macht der Konzerne, die virtuelle und ­digitale Welten verwalten, in irgendeiner Weise diszipliniert wäre. Viele treibt die Angst um, dass uns dieser unglaubliche Fortschrittssprung überfordern könnte. Es ist schwer, etwas dagegen zu setzen. Und da wiederum greifen die Rechten ein, indem sie sich als handelnde Identität darstellen, die entweder Deutschland oder Niederlande oder Ungarn heißt. Damit schaffen sie einen Mythos: Egal, was morgen kommt, ich als Deutscher, Niederländer oder Ungar bin Teil einer Entwicklung, einer Erzählung, einer Gemeinschaft, ich gehöre dazu. Wenn die Zukunft vielen Menschen eher Angst macht, geht es dann jetzt darum, Mut zu machen für das, was uns erwarten könnte? Mut machen ja, indem wir sagen: Die Antwort auf diese Ängste ist die offene Gesellschaft, oder die Antwort ist die Demokratie, die sich sehr bewährt hat. Eine Antwort ist auch unsere Verfassung, die sich bisher fast 70 Jahre lang als offen und gleichzeitig verlässlich ­erwiesen hat. Das ist ein Narrativ, auf das wir uns so langsam wieder beziehen sollten. Gleichzeitig hilft die konkrete Auseinandersetzung: Zum Auftakt der Spielzeit laden wir gemeinsam mit dem Regisseur Andres Veiel zu einer Art öffentlichem Labor ein, das Welche Zukunft?! heißt. In Workshops und Diskussionen wollen wir gemeinsam mit ­Experten aus der Wissenschaft sowie dem Publikum die Zukunft untersuchen. Dafür beamen wir uns gedanklich zehn Jahre voraus und fragen, wie sich unsere Welt, unsere Gesellschaft bis dahin entwickelt haben könnte. Die Erkenntnisse aus diesem Labor und die Recherchen von Andres Veiel und seinem Team bilden dann die Grundlage für ein Theaterstück, das ein Jahr später am DT zu sehen sein wird. Darin wollen wir aus der Zukunft auf die Gegenwart blicken. Das Stück wird im Jahr 2028 spielen: Ein Untersuchungsausschuss soll herausfinden, was die Gründe für den, natürlich fiktiven, Zusammenbruch der Weltwirtschaft waren und wie dessen Folgen zu bewältigen sind.

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Die neue Spielzeit bringt Premieren und Uraufführungen etwa von Sinclair Lewis und Valerie Solanas – welche Zukunftsgedanken oder Visionen gibt es da? Mit Sinclair Lewis´ It can´t happen here, das Christopher Rüping in den Kammerspielen inszeniert, nehmen wir einen Stoff auf, der in den 1930er Jahren in den USA spielt. Es geht darum, dass die Amerikaner damals der Meinung waren, dass eine Entwicklung wie in ­Nazideutschland in den Vereinigten Staaten undenkbar wäre. Umgekehrt behaupten derzeit wir Deutschen, dass so jemand wie Trump hierzulande unvorstellbar wäre. Sind solche Annahmen ein Irrtum? Es lohnt sich, darüber nachzudenken, denn dahinter steckt auch eine Frage nach der Zukunft. Ich glaube zwar, dass wir als Deutsche aufgrund der beiden großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, für die wir verantwortlich sind, ein bisschen sensibler für diktatorische Fehlleistungen sind. Aber sicher können wir nicht sein, insofern sind solche direkt ­politisch fragenden Geschichten wichtig. Ein anderer Stoff ist Rom, nach den Shakespeare-Stücken ­Coriolan, Julius Caesar und Antonius und Cleopatra, den Karin Henkel im Deutschen Theater inszeniert. Rom erzählt eine Verfallsgeschichte der Demokratie, die uns vielleicht gerade aufgrund ihrer historischen Entfernung als Spiegel dienen kann, oder, vielleicht besser, als ein zwar vergangener und zugleich befürchteter zukünftiger Ort, von dem aus sich die Gegenwart auf ihre Entwicklungen hin befragen lässt. In Valerie Solanas´ Scum Manifesto, das Tom Kühnel und Jürgen Kuttner in den Kammerspielen inszenieren, wird dagegen ein M ­ anifest verkündet: Die Männer müssen zerstört werden. Das ist selbstverständlich eine Provokation, aber eine, die man untersuchen muss. Denn was hat sich in dieser von Männern über Jahrtausende hinweg geprägten Gesellschaft eigentlich bewährt? Der Schlamassel, in dem wir sitzen, ist schließlich Ergebnis einer männlich geprägten Politik samt ihrer Neigung zur Gewalt. Für das Junge DT wird Kristo Šagor den Roman Klassenbuch von John von Düffel inszenieren. Darin werden die Biografien von neun Jugendlichen erzählt, die sehr unterschiedliche Wege gehen. Diese Texte beschreiben Angsträume, Zukunftsräume und Identitätsräume und wie sie verloren gehen. Gespräch: Katharina Wenzel

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Die Zukunft des Zusammenlebens von Bini Adamczak Die Gegenwart unseres Zusammenlebens wird von einem tiefen ­Widerspruch zerfurcht. Wir sind in einem weltgeschichtlich nie zuvor dagewesenen Maße voneinander abhängig. Um die Bedürfnisse an einem einzigen unserer Tage zu befriedigen, sind vermutlich mehr Menschen beschäftigt als wir in einem ganzen Leben kennenlernen. Von Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Pflegekraft über Wasserversorgung, Elektrizität und Schienennetz bis zu Smartphone, Mailserver und Onlinedienst. Die globalen Produktions- und Distributionsketten beziehen durch Infrastruktur und Reproduktion, durch Rohstoffabbau und Maschinenbau, durch Verarbeitung, Verpackung und Versand weltweit die Arbeiten von Milliarden von Menschen aufeinander. Wer arbeitet, arbeitet für andere, für die Befriedigung der Wünsche anderer. Wer arbeitet, arbeitet, um zu wärmen, zu sättigen, zu bilden, zu heilen, zu unterhalten. In unserer Bedürftigkeit sind wir einander ­verbunden. Das ist die Gebrauchswertseite der globalen Ökonomie. Gleichzeitig ist die Form unseres gegenwärtigen Zusammen­ lebens darauf ausgerichtet, genau unsere Abhängigkeit voneinander zu verschleiern und verleugnen. Das ist die Tauschwertseite der Ökonomie. Wer arbeitet, arbeitet, sofern sie nicht unentlohnt arbeitet, etwa im Haushalt, nicht selbstlos für andere, sondern fürs Geld. Nicht von denen, die uns den Magen füllen, die uns Sonden legen und unsere Kondome verpacken, scheinen wir abhängig zu sein, sondern von jenem seltsam sozialen Ding, auf das sich alle Aufmerksamkeit richtet. Jenem Geld, das als allgemeines Äquivalent in alle Waren ­getauscht werden kann, das als Anweisung auf die Arbeitskraft aller anderen fungiert, das also alle unsere Bedürfnisse zu befriedigen ­verspricht – so lange nur genug davon da ist. Wer es hat, braucht sonst nichts mehr – und niemanden. Das dürfte der Grund dafür sein,

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dass richtig reiche Menschen Schwierigkeiten haben, die Mienen ­ nderer Menschen zu lesen. Wie experimentelle Psychologinnen der a University of California herausfanden, fällt es wirklich Wohlhabenden schwer von Gesichtsausdrücken auf Gefühle zu schließen. Offenkundig handelt es sich hierbei um eine Fähigkeit, die nicht auszubilden braucht, wer es sich leisten kann, auf die unbezahlte Unterstützung anderer zu verzichten. Das Prinzip der Autonomie, mit der der Tauschwert die allseitige Abhängigkeit aller zerschneidet, wird so ergänzt durch das Prinzip der Hierarchie. Nicht alle brauchen im gleichen Maße, nicht alle werden im gleichen Maße gebraucht. Je höher der soziale Status, umso größer die Unabhängigkeit. Manche müssen nicht arbeiten, andere dürfen nicht. Unser Zusammenleben existiert so nicht wirklich, schon gar nicht ist es „unseres“. Gerade das Soziale, das uns miteinander verbindet, ist uns enteignet. Als verdinglichtes tritt es uns gegenüber und setzt uns in ein Verhältnis von Indifferenz und Konkurrenz. Es gäbe genug Essen für alle, aber niemals genug Geld. Unsere Abhängigkeit voneinander leugnend, leben wir getrennt und vereinzelt, aufgespalten in Nationen, Familien und Singlehaushalte, verschanzt hinter tödlichen Grenzen, Sicherheitsschlössern und zwölfstelligen Passwörtern. Die kapitalistische Krise, die seit beinahe zehn Jahren die Weltökonomie und zunehmend ihre Politik prägt, verschärft den Widerspruch im Zusammenleben der Gegenwart. Sie vertieft die Spaltung zwischen Miteinander oder Gegeneinander, zwischen Rivalität oder Solidarität. Einerseits weckten der Arabische Frühling und die ihm weltweit folgenden Revolten und Bewegungen neue Hoffnungen auf demokratische Aneignung der Gesellschaft und eröffneten so die Aussicht auf eine zusammen gelebte Zukunft. Andererseits setzten sich die hoffnungsvollen Aufbrüche der letzten Jahre in den alten Mili­ tärdiktaturen (Ägypten), in islamistischen Regierungen (Tunesien), grässlichen Bürgerkriegen (Syrien) oder weitgehenden politischen ­Kapitulationen (Griechenland) fort, während die internationale Rechte, sei es in islamistischer oder faschistischer bis rechtsnationalistischer Gestalt, weiter erstarkt. Von Erdogan und AfD zu Le Pen und Trump verkörpert sie die Leugnung jener allseitigen Abhängigkeit, in der­­ wir zueinander stehen. Ihre Politik der Spaltung fordert die Verstärkung ohnehin existierender Grenzen, zwischen Geschlechtern oder

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Religionen, Herkünften oder Nationen. Ihre Abwehr gilt der Wirklichkeit unserer sozialen Verletzlichkeit, sie gilt der Gleichheit unserer ­Bedürftigkeit. Dagegen wird weder der Rückzug ins Private noch die Vertei­ digung der bestehenden Ordnung helfen. Während Privatisierung­ die beschriebenen Probleme lediglich reproduziert, ist es genau die kriselnde Ordnung, deren Widerspruch immer wieder die reaktio­ nären Gespenster der Spaltung gebiert. Kapitalismus verbindet ­Menschen einzig, indem er sie trennt. Über den Modus der Indifferenz und der Konkurrenz. „Man“ ist einander egal oder steht miteinander im Wettbewerb – an Arbeitsplatz, Nationalgrenze und Gartenzaun. Dagegen lautet die Nachricht der Assembleas, die in allen Bewegungen der letzten Jahre entstanden: Lass uns draußen treffen. Die ­Zusammenkunft ist nicht nur ein Dagegen, sondern bereits ein Dafür. Ob sich eine Hausgemeinschaft gegen eine energetische Moder­ nisierung konstituiert, ein Stadtteil sich gegen Gentrifizierung orga­ nisiert oder Menschen sich über ihre je unmittelbaren Interessen ­hinaus zusammenschließen, um einander zu unterstützen – die Vereinzelung wird überwunden und das gesellschaftliche Leben als ­gesellschaftliches erfahrbar. Wir verwenden unsere Zeit, um einander anders kennen zu lernen, um Zeit und Raum zu teilen, um zusammen zu sein. Solidarität ist nicht nur Mittel, sondern selbst bereits Zweck. Aus unserer Abhängigkeit lässt sich nicht fliehen, sie lässt sich nur anders gestalten. Unter den Superreichen, insbesondere denen in den USA, hat in den letzten Jahren ein neuer Trend Fuß gefasst, der „Eskapismus“. Diejenigen, die nicht fürchten müssen, dass ihr Geld ­jemals ausgehen könnte, widmen sich in ihren Angstphantasien einer nahen Zukunft, die deutliche Ähnlichkeit mit den postapokalyptischen Szenarien aktueller Film- und Serienproduktionen hat. Für den Fall, dass die Klimakatastrophe oder die Trump-Administration soziale ­Verwerfungen hervorbringt, gegen die auch die Mauern der gated community keinen Schutz mehr versprechen, planen diejenigen, deren Macht nur von Revolten oder Revolutionen gefährdet werden kann, ihre Flucht. Sie kaufen sich fern abgelegene Landstücke mit Bunkern oder gleich Inseln, die sie vor den Armen schützen sollen. Manche leisten es sich, einen Helikopter oder ein Flugzeug immer startklar zu halten. Aber was geschieht mit dem Personal, an das man

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sich so gewöhnt hat, was mit der Pilotin, ohne deren Hilfe man nicht fliehen kann und deren Familie notgedrungen mit gerettet werden muss? Die Flucht aus der Gesellschaft ist eine Phantasie, die sich selbst für die Superreichen, die sie sich leisten können, nicht reali­ sieren lässt. Ohne einander können wir ohnehin nicht. Warum versuchen wir es – zur Abwechslung – nicht mal miteinander? Die Zukunft des ­Zusammenlebens bestünde darin, dem Zusammenleben selbst eine Zukunft zu geben – und eine Ankunft.

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Die Zukunft der Technik von Armen Avanessian Technologie ist, nicht anders als Kapital, immer ein soziales Ver­hältnis (nur eben zwischen Menschen und Nicht-Menschen) und trans­formiert mitunter sprunghaft die Vorstellung dessen, was Gut und Böse ist. Entscheidend ist somit, wer ihr welche Bestimmungen oder Ziele zu geben vermag. Wie und auf welche Weise wir unser Leben mit Technologien vermischen und in welcher Gesellschaft wir leben. Vielleicht muss man dieses Thema von der Frage der Subjektivierung aus angehen. Denn selbstverständlich spielen unterschiedliche Technologien auch jeweils eine Rolle bei der Produktion von Subjektivität. Es geht also um die zeitgenössische Veränderung des Verhältnisses zwischen Produktion, Technik und Subjektivität. Immer öfter sind Technologien nicht mehr (nur) dazu da, Form und Inhalt­ von Produkten zu steuern, die dann von Menschen konsumiert werden. Stattdessen sind wir Zeitgenossen einer paradigmatischen Ver­schiebung. Wie viele Medien- und Technikphilosophen (in der Nachfolge Heideggers und Simondons) der letzten Jahre meinen, überspringen Technologien zunehmend den Umweg über die Produktion und ­wenden sich direkt an den Menschen. Immer wichtiger wird (in ­Zukunft) die direkte Schnittstelle von Körper und Technik, Maschine und Mensch, oder um einen Ausdruck von Tiziana Terranova zu ­gebrauchen: BioHypermedia. An dieser Schnittstelle tritt ein be­ ängstigender Überschuss an Sinn, ein neuer Möglichkeitshorizont auf, den wir einstweilen nicht einmal ansatzweise bewältigen können. An diesen Übergängen befindet sich dann auch die B ­ rücke zu einer Transformation der Kategorie Arbeit in unserem postkapitalistischen Kapitalismus. Denn die zeitgenössische Tendenz der Technik deutet eher auf einen zunehmenden Rückgang von „Arbeit als Produktion“ hin. Das würde eine fundamentale Transformation nicht nur unseres Verhältnisses zu einzelnen Technologien, sondern sowohl von Arbeit 16


als auch von Technik selbst bedeuten. Die „traditionelle“– für eine an Fabrikarbeit orientierte Arbeitswertlehre noch plausible, in einer Dienstleistungsgesellschaft mit zunehmender Digitalisierung aber ­immer weniger glaubhafte – Matrix von Produktivität, Arbeit und Technik ist aus den Fugen geraten. Deswegen macht es immer weniger Sinn, wenn wir uns über unsere Arbeit definieren, wie es uns die von Marx her kommende linke Tradition gelehrt hat. Für all diese Entwicklungen gilt in höchstem Maße, dass sie ­zugleich in vollem Gang sind und wir gleichzeitig größte Schwierigkeiten haben, ihre Zeitgenossen zu sein. Wie verstehen wir zum Beispiel den Zusammenhang zwischen den Beschäftigungs- oder (Post-)Arbeitsformen und den Produktionsbedingungen (und Konsumverhalten) in technologisch komplexen Gesellschaften? Hier haben wir es mit zwei Tendenzen zu tun, die sich nur auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen: einerseits die ­Produktion einer Überfluss-Population, andererseits die zunehmende Präokkupation der Werktätigen mit ihrer Arbeit(slosigkeit). Die zwar trügerische, aber für die wohlhabenden Zentren unseres Wirtschaftssystems gleichwohl gültige Entmaterialisierung von „Arbeit“ oder „immaterieller Arbeit“ bringt noch eine weitere Auflösung mit sich: Diejenige der Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit. Je weniger wir in unserer flexiblen Ökonomie über feste Arbeitszeiten verfügen, desto mehr diffundiert die Lohnarbeit bekanntlich in alle „anderen“ Arbeitsbereiche. Arbeit ist Nicht-Arbeit ist Arbeit ist Non-­ Arbeit. Die Schwierigkeiten, die gegenwärtigen Veränderungen zu ­verstehen, kommen vielleicht auch daher, dass die meisten linken Theoretiker mit den sicherlich nicht falschen, aber mittlerweile einseitigen Slogans von der Ausbeutung durch das Kapital aufgewachsen sind. Heute dagegen wird Ausbeutung verstärkt auch durch die ­Kontrolle noch unserer privatesten Kommunikation und die monopol­ artige Aneignung unserer kreativen Produktivität ermöglicht. Die ökonomische und wohl auch politische Macht liegt in den Händen ­einer neuen vektorialistischen Klasse, wie McKenzie Wark sie in ­seinem Ha­ cker Manifesto genannt hat. Hacking ist demgegenüber und dagegen eine der wenigen ­tatsächlich wirkmächtigen Taktiken und nicht zufällig ein poetisches 17


Verfahren (poiesis verstanden als eine Praxis des Welt-Eröffnens). Es geht um das Schaffen, das Herstellen neuer Möglichkeiten dadurch, dass Wissen und Handeln nicht als Gegensätze behandelt werden, auch mit Blick auf den menschlichen Körper selbst. Bio-Hacking lautet das neue Zauberwort für poetisches Leben im 21. Jahrhundert. Das Spektrum reicht dabei von Experimenten mit unserer soge­ nannten Wetware bis zu den bereits im Mainstream angekommenen chemischen (Re-)Organisationen unserer Psyche. Die chemische, hormonelle, medizinische Selbstmanipulation ist zur Normalität ­ ­geworden, egal ob bei sexueller Leistungssteigerung, Schwangerschaftsvorbeugung oder Behandlung einer ganzen Schar neuer oder neu erfundener Psychopathologien: ADHS, Borderline oder neuerdings Binge Eating. Die direkten Attacken auf das biologische Material und schon bald auf unsere DNA selbst nehmen immer mehr zu. Egal, ob aus technikgläubigem Unsterblichkeitswahn, Fitnessfanatismus oder wegen einer ernsthaften Krankheit, das technohumanistische Experimentieren im eigenen Körper liegt sowohl kulturell als auch technologisch voll im Trend. Kulturell, weil der ständige Zwang zur Selbstoptimierung naturgemäß nicht nur einem psychologischen Imperativ ­gehorcht, sondern auch die physiologische Grenze in den Körper ­hinein überschreitet. Und auch die technikgeschichtliche Entwicklung, quasi der technikkulturelle Vektor, verweist auf bzw. in den Körper. Letztlich wird das immer mehr zum Einpflanzen neuer Technologien, Chips, Sensoren etc. führen, die uns nicht mehr oder weniger zu Cyborgs machen als Herzschrittmacher oder Beinprothesen. Denn warum auf den Eintritt irgendeiner Krankheit warten und nicht jetzt schon eingreifen, also in die Zukunft vorgreifen, oder genauer: von der Zukunft auf die Gegenwart zurückgreifen? Es handelt sich hier um neue Formen präemptiver oder proaktiver Medizin. Es bringt einfach nichts, diesen Entwicklungen mit einer kulturpessimistischen oder apokalyptischen Haltung zu begegnen. Das ­Problem oder die Probleme mit den sogenannten Transhumanisten ist eher, dass sie zu kurz greifen und zugleich zu hoch. Was fehlt, ist eine weitergehende auch politische Perspektive, die sich zugleich unterscheiden muss von größenwahnsinnigen Unsterblichkeits­ ­ phantasien. Statt Trans-Humanismus ist vielleicht der von einigen 18


­ kzelerationisten propagierte Begriff des In-Humanismus vorzuziehen, A also die ­Annahme, dass es „den Menschen“ und somit auch ein in der Vergangenheit liegendes menschliches Ideal nie gegeben haben wird. Schon Marx wusste, dass die menschliche Geschichte stets die Geschichte der Veränderung der menschlichen Natur gewesen ist. Was uns immer wieder und immer weiter über uns hinaustreibt, sind stets auch technologische Veränderungen, d.h. Resultate unserer ­rationalen Tätigkeit. Dieser drive über uns selbst hinaus bedeutet oder verlangt auch eine soziale Komponente, also mehr als Selbstoptimierung einzelner Privilegierter. Transhumanismus ist daher das falsche Konzept. Wenn schon, dann ist ein Transindividualismus anzustreben. Die entscheidende Frage lautet, ob neue Technologien zu sozialen und politischen Verbesserungen führen, die über einzelne Individuen hinausgehen und zugleich alle betreffen. Die Zukunft der Technik ist ein leicht veränderter Auszug aus Miamification. Berlin: Merve, 2017.

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Die Zukunft des Körpers von Karin Harrasser Die Zukunft „des Körpers“, also der Leiblichkeit des Gattungswesens Mensch, ist ebenso ungewiss wie die Zukunft eines individuellen ­Körpers. So unvorhersehbar der Zeitpunkt des Todes ist, so wenig können wir vorausahnen, was wir uns noch bis dahin in technischer Hinsicht für unseren Körper wünschen werden. Will ich durch eine Maschine am Leben erhalten werden, wenn es ohne nicht mehr geht? Würde ich strukturverändernde pharmakologische oder m ­ aschinische Interventionen zulassen, um meine kognitive Leistungsfähigkeit zu ­bewahren? Solche Fragen sind im Vorhinein nicht zu beantworten: Erst in der Situation, die Möglichkeiten des Eingriffs am Horizont erscheinen lässt, werde ich gewusst haben, was denkbar und für mich machbar ist. Insofern ist die Rede von einer Zukunft „des Körpers“, häufig ist diese Zukunft technisch gedacht, hoch­gradig von Vorannahmen geprägt, die man nicht teilen muss. Was ist eigentlich der Kontext ­dafür, dass das Mensch-Maschine-Verhältnis teleologisch justierbar wird? Die fortgesetzte Vermischung von K ­ örpern und Maschinen ist kein Schicksal im Sinne einer evolutio­nä­ren Fortschrittslogik, die auf eine restlose Vertilgung des Bio­logischen hinausläuft, aber Technik ist auch nicht neutral. Mit Bruno Latour ­gesprochen: Die Vermischung von Menschen mit nicht-menschlichen Wesen hat längst stattgefunden. Bakterien, Tektoniken, Weltraumstrahlung, Fahrräder, Straßen, Schreibutensilien – all das modifiziert entscheidend, was wir tun und denken können. Dass die Technisierung des Körpers Effizienzsteigerung bedeuten muss, ist durch nichts ausgemacht . Der Fall Oscar Pistorius, das Begehren eines Ohnbeiners, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, verdeutlicht, wie brüchig der Untergrund geworden ist, auf dem die Diskussion um eine technische Zukunft des Körpers mittlerweile stattfindet. Pistorius bewarb sich 2008 um die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking. Diese wurde ihm jedoch zunächst durch die Anti-Doping-Kommission 20


­verwehrt, mit der Begründung, seine Prothesen seien als leistungssteigernd anzusehen. Pistorius ging in Revision. Ein Gegengutachten wurde erstellt und er bekam Recht. Seine Teilnahme an den Spielen wurde erlaubt, allerdings nicht ohne eine Klausel, die festhielt, dass seine Teilnahme eine Ausnahme bleiben solle. In der Debatte wurden Befürchtungen geäußert, dass die Zulassung von Prothesen jeglichen körperlichen Modifikationen seitens ehrgeiziger Athletinnen und ­Athleten Tür und Tor öffnen würden. Ein weiteres Beispiel stellt die Kampagne Meet the Superhumans dar, die anlässlich der Paralympics 2012 vom Channel 4 produziert worden ist. Die Bezeichnung „Superhumans“ basiert auf der Idee, dass es gerade ihr „Mangel“ ist, der die Behinderten besonders anschlussfähig für neueste Technologien macht und damit zu besonders zukunftsfähigen, zu Menschen 2.0, wie ihn die gleichnamige Konferenz am MIT im Jahr 2007 entwarf. Dezidiert wurden hier Hightech und angebliche Mangelhaftigkeit des ­Körpers in einer Programmatik der Überschreitung des Menschenwie-wir-ihn-kennen zusammengeführt. Damit haben wir uns dem vielleicht beunruhigendsten Moment technischer Zukunftsphantasien angenähert: Die Rahmenerzählung körperlicher (Selbst)Verbesserung ist die einer quasi-evolutionären ­Teleologie von Leistungssteigerung, die gleichzeitig eine Tendenz zur Normalisierung in sich trägt. Die angebliche Unvermeidbarkeit der Verbesserung durch immer weitergehende Verschränkung von Organischem und Technischem ist damit eine veritable TINA-Hypothese – There is no alternative – zur Selbstverbesserung. Das Szenario kann nanotechnisch, bionisch, pharmazeutisch, robotisch ausgestaltet sein, die Kerngeschichte bleibt gleich: Der Mensch ist wahlweise dazu ­eingeladen, befreit, verdammt, mittels Technologien die Evolution fortzusetzen. Aber in welcher politischen, ökonomischen und kulturellen Situation wird die Rede von der Unvermeidbarkeit technischer Überarbeitungen des Leibes überhaupt plausibel? Einen Knotenpunkt ­bildet hier der Begriff der „Fitness“ mit seinen schillernden Bedeu­ tungen zwischen Gattungserhaltung, sozialer Anpassung und Über­ legenheitsphantasien. Demgegenüber stand in den 1980er und 1990er Jahren eine feministische Vision der Cyborgs im Raum, die derzeit neue Aufmerksamkeit erfährt. Donna Haraway entwarf einen Technokörper, der 21


nicht weiß, was oder wer er/sie/es ist, der/die/das zu überraschenden und neuen Verbindungen fähig ist, der/die/das sich aus konkurrenzbetonten und ödipalen Erzählungen gelöst hat. Technologien in ­diesem Verständnis sind weder Dominanz- und Mehrwertmaschinen des kognitiven Kapitalismus noch die materielle Basis eines endlos ­rekonfigurierbaren Zukunftsversprechens. Sie sind vielmehr Verkör­ perungen vergangener und aktueller Beziehungen, und sie sind weltgenerierende Milieus. Technologien sind Artefakte, die Einbildungskräfte anregen und den Körper dabei verwandeln. Die Cyborg ist aber nicht als naiv-optimistische Figur zu haben, sondern nur als eine, die zuallererst ein Problembewusstsein verkörpert, indem er ihn in seiner Gemachtheit ausstellt und dabei seinen gebastelten Charakter betont. Wenn unsere Technokörper eine Erbschaft der modernen Wissenschaften und der kapitalistischen Wertschöpfung sind, wenn sie also Realabstraktionen sind, gilt es, sich in diese Abstraktion hineinzu­ begeben und sie von innen zu bearbeiten. Ein Ja zu Technologien muss aber nicht zwingend ein Ja zur Unvermeidbarkeitshypothese der Selbststeigerung sein. Wir sollten den Körper im Modus des Futur II begreifen – als einen, von dem wir immer erst hinterher gewusst haben werden, wozu er fähig gewesen ist. Es gilt, ihn nicht fahrlässig in die Zukunft seiner Perfektionierung zu projizieren und damit die gegenwärtigen, konkreten Körper dem Druck der andauernden ­ Selbstverbesserung auszuliefern. Es geht vielmehr darum, in Technokörpern der Vergangenheit und der Gegenwart jene Momente ­ausfindig zu machen, die nicht von Zurichtungen und Zumutungen ­erzählen, sondern vom Wunsch, „nicht so, nicht dermaßen, nicht um diesen Preis regiert zu werden“, entsprechend dem politischen Minimalprogramm Michel Foucaults. Es ist so gesehen eine Lesart der Popularität der Paralympics denkbar, die Thomas Macho „inklusiven Humanismus“ nennt. Es wäre ein Weg, der den Humanismus – denjenigen der Selbstzivilisierung wie denjenigen der Menschenrechte – zuallererst als einen historisch spezifischen Weg bestimmt. Denn sowohl der Diskurs der Selbstzivilisierung als auch die Geschichte der Menschenrechte machen deutlich, dass der Humanismus auf einer spezifisch abendländischen ­Definition des Menschen aufsetzt, die als solche problematisch ist. Der Humanismus der Aufklärung als „regulative Idee“ (Immanuel 22


Kant) ging implizit vom Menschen als einem rational entscheidenden, über sich selbst und seinen Körper verfügenden Individuum aus. Mit der Zeit konnten sich Sklaven, Frauen und Anderskörperliche ebenfalls Zugang zu den Rechten für Menschen verschaffen, indem sie ihre Rationalität, Nützlichkeit und Selbstbeherrschung unter Beweis stellten. Mit Macho und Haraway geht es mir darum, die Population der politisch Handelnden und dabei den Humanismus selbst zu erweitern. Das wäre ein Humanismus, der nicht von einer Definition des Menschen ausgeht, nicht von Mensch-sein als einer unveränderbaren Qualität, sondern vom Humanismus als einem Horizont, in den potentiell viele eingeschlossen sein können, die gemeinhin nicht als Menschen gelten. In Erweiterung des spinozistischen Diktums, dass wir nicht wissen können, was ein Körper alles kann, können wir auch nicht wissen, wer oder was ein Mensch ist/tun kann. Damit ist eine Arena des Handelns anvisiert, die teilsouveränen Akteuren – die wir letztlich alle sind – Raum gibt. Damit ist zuallererst gemeint, dass unsere Leben immer und in jedem Moment selbst­- und fremdbestimmt gleichzeitig sind. Technisches Handeln ist vielleicht nur der Paradefall einer solchen Choreografie aus Eigen- und Fremdanteilen im Tun. Es ist damit aber auch die Idee einer ­politischen Arena anvisiert, in der möglichst zahlreichen Akteuren A ­ rtiku­­la­tionsfähigkeit zugetraut wird und nicht nur denjenigen, die sich vernünftig äußern und souverän agieren. Ein zentrales Momentum dafür ist, wer überhaupt gehört wird und ob Widerspruch möglich ist. ­Haraway verwendet dafür das Wort „response-ability“. In jeder ­Situation muss es das zentrale Anliegen sein, möglichst vielen und möglichst vielem die Möglichkeit einer Erwiderung, eines Widerspruchs zu geben. Besser als der Begriff „posthuman“ scheint mir ­derjenige einer „Kohumanität“ geeignet zu sein, der in den Blick nimmt, was mit Menschen koexistiert. Vielleicht wäre aber eben noch passender: „parahuman“, ein Begriff, der weniger an eine friedliche Koexistenz als ein wildes Neben- und Durcheinander von unterschiedlichen Existenzformen denken lässt. In all dem ist der Aspekt der Zeitlichkeit zentral: Wir alle sind endlich, verletzbar und leidensfähig; und deshalb macht es einen sehr großen Unterschied, ob man/frau sich temporär oder dauerhaft mit Maschinen verbindet, ob der Körper auf Maschinen angewiesen ist 23


oder nicht. Deshalb reicht es einfach nicht aus, sich metaphorisch mit der Zukunft des Körpers zu beschäftigen, oder – wie Jillian Weise, ­Aktivistin und Schriftstellerin, es nennt – ein Tryborg zu sein: The tryborg may be an early adopter, a pro gamer, a TED Talker, a content creator or a follower. The tryborg may be an expert who writes about cyborgs for screenplays, lab reports or academic journals. Whatever the case: Tryborgs can only imagine what life is like for us. The tryborg is always distanced by metaphor, guesswork and desire. When my leg suddenly beeps and buzzes and goes into „dead mode” – the knee stiffens; I walk like a penguin – the tryborg is alive without batteries. Gewiss, in unserem Alltag sind wir alle dauerhaft mit Techno­ logien verschaltet und keine Tryborgs. Ebenso gewiss ist, dass diese Technologien das Zusammenleben, die Körper und die Subjektivität tiefgehend umgestalten. Was für ein Glück, dass zumindest die Technikentwicklung ungewiss ist; nämlich von Volten, Widerständen und heterogenen Nutzungen kontinuierlich irritiert wird. Die Zukunft des technisierten Körpers ist offen.

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Vorname Lisa Nachname Hrdina


Vorname Nachname Christoph Franken


Benjamin Lillie


Kathleen Morgeneyer


Jรถrg Pose


Judith Hofmann


Thorsten Hierse


Katrin Wichmann


Gabriele Heinz


Elias Arens


Timo Weisschnur


Maren Eggert


Harald Baumgartner


Linda Pรถppel


BoĹžidar Kocevski


Linn Reusse


Alexander Khuon


Markwart MĂźller-Elmau


Birgit Unterweger


Ulrich Matthes


Manuel Harder


Edgar Eckert


Almut Zilcher


Bernd Stempel


Anja Schneider


Regine Zimmermann


Maike Knirsch


Marcel Kohler


Michael Goldberg


Franziska Machens


Felix Goeser


Simone von Zglinicki


Daniel Hoevels


Barbara Schnitzler


Caner Sunar


Bernd Moss


Natali Seelig


Katrin Klein


Wiebke Mollenhauer


Camill Jammal


Jeremy Mockridge


Helmut Mooshammer


Das Ensemble des Deutschen Theaters wurde für die Spielzeit 2017/18 von Klaus Dyba fotografiert. Der Kölner Fotograf hat zunächst Grafik­ design in Düsseldorf studiert, war Gründer und Artdirector der We make things GmbH und studierte dann Fotografie in Köln. Seine A ­ r­beiten sind mehrfach ausgezeichnet und ausgestellt worden. Seine Porträts der Ensemblemitglieder des Deutschen Theaters Berlin sind Momentaufnahmen, die die Schauspieler jenseits der Bühne, des Spiels, der Inszenierung zeigen. Die Porträtserie ist auf den Probe­ bühnen des Deutschen Theaters entstanden. In ihr zeigt Klaus Dyba jenen besonderen Moment, jene besondere Stimmung, die dann entsteht, wenn sich Schauspieler und Fotograf begegnen und sich in eine eigene Welt der Nähe und des Austauschs begeben.


Ensemble


* Feste Gäste

Elias Arens Harald Baumgartner Margit Bendokat * Edgar Eckert Maren Eggert Samuel Finzi * Christoph Franken Michael Gerber * Felix Goeser Michael Goldberg Christian Grashof * Moritz Grove * Manuel Harder Corinna Harfouch * Gabriele Heinz Thorsten Hierse Daniel Hoevels Judith Hofmann Lisa Hrdina Jürgen Huth * Camill Jammal Alexander Khuon Katrin Klein Maike Knirsch Božidar Kocevski Wolfram Koch * Marcel Kohler Ole Lagerpusch *

Benjamin Lillie Franziska Machens Dagmar Manzel * Ulrich Matthes Katharina Matz * Jeremy Mockridge Wiebke Mollenhauer Helmut Mooshammer Kathleen Morgeneyer Bernd Moss Markwart Müller-Elmau Linda Pöppel Jörg Pose Linn Reusse Anja Schneider Barbara Schnitzler Michael Schweighöfer * Natali Seelig Bernd Stempel Caner Sunar Birgit Unterweger Anita Vulesica * Timo Weisschnur Katrin Wichmann Simone von Zglinicki Almut Zilcher Regine Zimmermann


Gäste


Thalfakar Ali Adrienn Bazsó Constanze Becker Natalia Belitski Antonia Bill Linda Blümchen Roland Bonjour Rahul Chakraborty Ruby Commey Leonhard Dering Andreas Döhler Meike Droste Aylin Esener Alexandra Finder Tabitha Frehner Sven Fricke Laura Goldfarb Olivia Gräser Markus Graf Olivia Grigolli Sebastian Grünewald Nina Gummich Fritzi Haberlandt Jens Harzer Barbara Heynen Nina Hoss Lorna Ishema Peter Jordan Anne Kulbatzki Jürgen Kuttner Hans Löw Wolfgang Menardi Mark Harvey Mühlemann Julia Nachtmann

Matthias Neukirch Thomas Neumann Martin Otting Peter Pagel ­ Heidrun Perdelwitz Milan Peschel Elke Petri Andreas Pietschmann Daniele Pintaudi Wolfgang Pregler Lisa Quarg Benjamin Radjaipour Alexander Rohde Nele Rosetz Jens Schäfer Steven Scharf Katharina Schenk Elena Schmidt Mascha Schneider Christine Schorn Frank Seppeler Holger Stockhaus Oliver Stokowski Valery Tscheplanowa Jonas Vietzke Henning Vogt Sabine Waibel Susanne Wolff Marof Yaghoubi Kotti Yun Jirka Zett sowie Studierende der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch”, Berlin und der Universität der Künste, Berlin


Premieren 17 / 18

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WELCHE ZUKUNFT?!

von Andres Veiel und Jutta Doberstein Workshops, 16. September 2017

IT CAN’T HAPPEN HERE

nach dem Roman von Sinclair Lewis Regie: Christopher Rüping Premiere: 20. September 2017, Kammerspiele

AMERIKA

nach dem Roman Der Verschollene von Franz Kafka Regie: Dušan David Pařízek Premiere: 27. September 2017, Deutsches Theater

BETWEEN THE LINES. BRIEFE AUS BISSAU

von Auftrag : Lorey und Kolja Kunt Regie: Bjoern Auftrag, Stefanie Lorey Uraufführung: 30. September 2017, Box

HOCHZEIT

von Elias Canetti Regie: Andreas Kriegenburg Berlin-Premiere: 11. Oktober 2017, Deutsches Theater Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

FEMINISTA, BABY!

nach dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas Regie: Tom Kühnel und Jürgen Kuttner Premiere: 20. Oktober 2017, Kammerspiele

DAS MÄDCHEN MIT DEM FINGERHUT von Michael Köhlmeier Regie: Alexander Riemenschneider Berlin-Premiere: 26. Oktober 2017, Box

Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

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VATER

von Dietrich Brüggemann Regie: Dietrich Brüggemann Uraufführung: 11. November 2017, Box

VERSETZUNG

von Thomas Melle Regie: Brit Bartkowiak Uraufführung: 17. November 2017, Kammerspiele

DIE ZOFEN

von Jean Genet Regie: Ivan Panteleev Premiere: 2. Dezember 2017, Deutsches Theater

DAS MISSVERSTÄNDNIS

von Albert Camus Regie: Jürgen Kruse Premiere: 3. Dezember 2017, Kammerspiele

GERTRUD

von Einar Schleef Regie: Jakob Fedler Premiere: 15. Dezember 2017, Kammerspiele Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum

DER HAUPTMANN VON KÖPENICK

von Carl Zuckmayer in einer Bearbeitung von Armin Petras Regie: Jan Bosse Premiere: 21. Dezember 2017, Deutsches Theater

TIGERMILCH

nach dem Roman von Stefanie de Velasco Eine Inszenierung des Jungen DT Regie: Wojtek Klemm Premiere: 10. Januar 2018, Box

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DER TAG, ALS ICH NICHT ICH MEHR WAR

von Roland Schimmelpfennig Regie: Anne Lenk Uraufführung: 12. Januar 2018, Kammerspiele

ULYSSES

nach James Joyce Regie: Sebastian Hartmann Premiere: 19. Januar 2018, Deutsches Theater

JEDER IDIOT HAT EINE OMA, NUR ICH NICHT von Rosa von Praunheim Regie: Rosa von Praunheim Uraufführung: 21. Januar 2018, Kammerspiele

KLASSENBUCH

nach dem Roman von John von Düffel Eine Inszenierung des Jungen DT Regie: Kristo Šagor Uraufführung: 12. Februar 2018, Kammerspiele

SOMMERGÄSTE

von Maxim Gorki Regie: Daniela Löffner Premiere: 23. Februar 2018, Deutsches Theater

ROM

nach Coriolan, Julius Caesar und Antonius und Cleopatra von William Shakespeare Regie: Karin Henkel Premiere: 16. März 2018, Deutsches Theater

MEDEA. STIMMEN

von Christa Wolf Regie: Tilmann Köhler Premiere: 23. März 2018, Kammerspiele

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ALL ADVENTUROUS WOMEN DO

von Tanja Šljivar Eine Inszenierung des Jungen DT Regie: Salome Dastmalchi Deutsche Erstaufführung: 15. April 2018, Box

AM KÖNIGSWEG

von Elfriede Jelinek Regie: Stephan Kimmig Premiere: 28. April 2018, Deutsches Theater

GALA GLOBAL

Eine Weltbürger-Suche von Turbo Pascal Regie: Turbo Pascal Uraufführung: 5. Mai 2018, Theatervorplatz

DECAMERONE

nach Giovanni Boccaccio Regie: Kirill Serebrennikov Premiere: 25. Mai 2018, Deutsches Theater

AUTORENTHEATERTAGE

Juni 2018, Deutsches Theater, Kammerspiele, Box + Bar Außerdem Inszenierungen von András Dömötör, ­Gernot Grünewald, Sebastian Hartmann und Jette Steckel

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Repertoire 17 / 18


Deutsches Theater An der Arche um acht (Saal) Ein Kinderstück von Ulrich Hub Berlin Alexanderplatz nach dem R ­ oman von Alfred Döblin Das Spiel ist aus von Jean-Paul Sartre Demokratie von Michael Frayn Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt Der Mensch erscheint im Holozän nach der gleichnamigen ­Erzäh­lung von Max Frisch Die Glasmenagerie von Tennessee Williams Die Möwe von Anton Tschechow Diebe von Dea Loher Ein Käfig ging einen Vogel suchen von Franz Kafka Gespenster nach August Strindberg / Henrik Ibsen / Heinrich Heine Gift von Lot Vekemans Glückliche Tage von Samuel Beckett Herbstsonate nach dem Film von Ingmar Bergman Kleist. Geschichte einer Seele Szenische Lesung Krankenzimmer Nr. 6 von Anton Tschechow Marat / Sade von Peter Weiss Nathan der Weise ­von Gotthold Ephraim Lessing Onkel Wanja von Anton Tschechow Phädra von Jean ­Racine Schiller-­Balladen Szenische Lesung Terror von Ferdinand von Schirach ­Tod eines Handlungsreisenden von Arthur Miller ­Unterwerfung nach dem Roman von Michel Houellebecq Warten auf Godot von Samuel Beckett

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Kammerspiele 100 Sekunden (wofür leben) Eine Versuchsanordnung Auerhaus nach dem Roman von Bov Bjerg Biografie: Ein Spiel von Max Frisch Das Fest von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov Das Feuerschiff nach der Erzählung von Siegfried Lenz Der Geizige von ­Molière Eisler on the Beach Eine kommunistische Familienaufstellung mit Musik Endspiel von Samuel Beckett Gespräch wegen der Kürbisse von Jakob Nolte Immer noch Sturm von Peter Handke Ismene, Schwester von von Lot Vekemans Katzelmacher von ­Rainer Werner Fassbinder König Ubu von Alfred Jarry münchhausen von Armin Petras Muttersprache Mameloschn von Sasha ­Marianna Salzmann Niemand von Ödön von Horváth Romeo und Julia von William Shakespeare Tagebuch eines Wahnsinnigen von Nikolai Gogol Tape von Stephen Belber Tschick nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf Untergang des Egoisten Johann Fatzer von Bertolt Brecht Väter und Söhne von Brian Friel nach dem Roman von Iwan Turgenjew WUT von Elfriede Jelinek YOUR VERY OWN DOUBLE CRISIS CLUB von Sivan Ben Yishai

Box 2 Uhr 14 von David Paquet Antwort aus der Stille nach der Erzählung von Max Frisch der thermale widerstand von Ferdinand Schmalz Die Legende von Paul und Paula im 60/40-Gemisch (Bar) Ein Liederabend nach Ulrich Plenzdorf Die Verwandlung nach Franz Kafka Die Welt in uns Eine Stückentwicklung von Turbo Pascal und Berliner Schüler_innen Geschichten von hier: Glaube Liebe Hoffnung Ein Projekt von Frank Abt Home is where the Heart is (Bar) Musik vom Land mit Maren Eggert, Peter Jordan und Band Hundeherz nach Michail Bulgakow Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren nach dem Roman von Antonia Baum Lenz von Georg Büchner Lesbos – Blackbox Europa Ein Projekt von Gernot Grünewald Transit von Anna Seghers Wodka-Käfer von Anne Jelena Schulte nach Berliner Mietshaus von Irina Liebmann 82


September


September

WELCHE ZUKUNFT?! von Andres Veiel und Jutta Doberstein Was heißt das: für die Zukunft gewappnet sein? Ist die ­Zukunft in Stein gemeißelt – diese und keine andere? Welche Zukunft?! entwirft eine von vielen möglichen Zukünften und blickt von dort zurück in jene Zeit, in der ­ man „das Schlimmste hätte verhindern können“: ins Heute. Welche Zukunft?! handelt von Zeit und Geld und was ­wir ­damit anfangen. Als Vorbereitung auf die eigentliche Theaterinszenierung, die 2018 Premiere haben wird, gibt es ­in Zusammenarbeit mit namhaften Instituten wie z.B. dem Shell ­Futures ­Scenario Dept., London, dem Environmental Change Institute der Universität Oxford, dem Institut ­für Arbeit und Wirtschaft Bremen, dem Finland Futures Research Centre ­Helsinki, der Humboldt-Universität ­zu Berlin, der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, dem Institute for Strategic Forecasting – Stratfor Austin USA, dem ­Institut für Volkswirtschaft der Uni­versität Würzburg und dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung am ­ 16. September 2017 ein Labor. ­ In mehrstündigen Workshops wird ermittelt, wie Öffentlichkeit, Stakeholder und Experten die Zukunft sehen, vorhersehen – sie fürchten und gestalten. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die weitere Recherche. Einmaliger Workshoptag am 16. September 2017 im ganzen Haus in ­deutscher und englischer Sprache Anmeldung und detaillierte Informationen zu den einzelnen Workshops ­ ab 1. September 2017: www.welchezukunft.org

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September

IT CAN’T HAPPEN HERE nach dem Roman von Sinclair Lewis Regie: Christopher Rüping Kaum war Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt, schnellten dort die Verkaufszahlen dreier Bücher in die Höhe: Neben George Orwells 1984 und Animal Farm war es vor allem der fast vergessene Politroman des ­Nobelpreisträgers Sinclair Lewis, It Can’t Happen Here. Geschrieben 1935 unter dem Eindruck der Machter­ greifung Adolf Hitlers, erzählt Lewis die Geschichte des nicht für möglich gehaltenen Aufstiegs eines amerikanischen Polit-Outsiders und Populisten zum Präsidenten ­ der Vereinigten Staaten. Sein Name ist Buzz Windrip, doch viele Wahlkampfparolen wie „America First“ oder „Make America Great Again!“ sind bis in den Wortlaut deckungsgleich mit Trumps Kampagne. Windrip gewinnt die Wahl 1936 gegen Roosevelt und verwandelt die USA mit Unterstützung einer „Liga der Vergessenen Männer“ binnen kürzester Zeit in eine Diktatur. Eines der ersten Opfer seiner Herrschaft ist neben der Unterwanderung der ­Justiz die Pressefreiheit, geschildert anhand des Zeitungsheraus­ gebers Doremus Jessup, der unter den zunehmenden Repressalien zu leiden hat, zunächst auf dem Papier, dann körperlich… Premiere: 20. September 2017, Kammerspiele

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September

AMERIKA nach dem Roman Der Verschollene von Franz Kafka Regie: Dušan David Pařízek

„Dann sind Sie also frei?“ fragte sie. „Ja frei bin ich“, sagte Karl und nichts schien ihm wertloser. Premiere: 27. September 2017, Deutsches Theater

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Welche Zukunft

Adrift: Non-arrival / Nicht-ankommen von Nikita Dhawan Das von dem französischen Philosophen Jacques Derrida vorgeschlagene Konzept der Hauntology beschreibt das Gefühl der Nostalgie für eine Zukunft, die niemals kommen wird und demnach verloren ist. Dieses Scheitern der Zukunft ist kein Defätismus oder Zynismus, sondern eine Melancholie für das, was noch nicht ist, aber ebenso das, was niemals sein kann. Derrida argumentiert, dass der Marxismus­ die westliche Gesellschaft aus dem Grab heimsucht. Um Derrida zu vervollständigen, behaupte ich, dass trotz des bequemen und beruhigenden „Post-“ der Kolonialismus und seine Vermächtnisse Europa verfolgen. In Anbetracht der fortlaufenden Flüchtlingskrise wird die Sehnsucht nach einem dekolonialisierten Europa stetig in einen ­unablässigen Modus des „Zukünftigen“ (à venir) aufgeschoben. Die andauernde Logik des „Empire“ und des Neokolonialismus veranlasst Menschen, dem Hungertod und der Unsicherheit des Krieges zu entfliehen. Gleichzeitig wird ihnen der Fluchtweg begrenzt und versperrt, und sie können nicht in der Festung Europa ankommen. Zusammen mit den Körpern der Geflüchteten scheinen europäische Werte wie Gleichheit, Humanität, Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit im ­Mittelmeer zu treiben. Einem kraftvollen Mythos nach ist die Unterwasserwelt zwischen Afrika und Amerika, Drexciya genannt, von einem Meereslebewesen bevölkert, welches von afrikanischen Frauen abstammt, die sich während der mörderischen Überfahrt über Bord geworfen haben, bevor sie als Sklavinnen in Amerika verkauft werden konnten. Die sterbenden Frauen, so wird es erzählt, brachten im Wasser Kinder zur Welt, die eine neue Bevölkerung unter der Meeresoberfläche bildeten. ­Es entstand ein unsichtbares Land der Verlorenen und Ertrunkenen, 87


­welches alle Kontinente in den Tiefen der Meere miteinander verbindet. Wie postkoloniale Denker_innen betonen, trägt das Meer die Spuren historischer Gewalt, die sich leider in der Postkolonialität fortführen. Die Militarisierung und die Sekurisierung der Grenzen führen dazu, dass verzweifelte Menschen noch größere Risiken auf sich nehmen, um zu überleben. In ihrem Gedicht Home (2015) schreibt die ­somali-britische Dichterin Warsan Shire: „Niemand legt ihre Kinder in ein Boot, es sei denn, das Wasser ist sicherer als das Land.“ Das Meer hat nicht nur in der Vergangenheit Sklaven verschlungen und macht sich gegenwärtig über die Geflüchteten her; es ist gleichzeitig ein ­Palimpsest, das die Spuren seiner Opfer trägt, und ein Zeuge der ­europäischen Barbarei. Die Katastrophe im Mittelmeer ist nicht ­darauf zu beschränken, dass Tausende Geflüchtete sterben mussten, ­sondern sie ist eine Tragödie der Gleichgültigkeit und Apathie. Nicht bloß die Flüchtlinge treiben auf den Meeren, dem Wind, Wasser und den ­Wellen ­ausgesetzt, gestrandet und dem Tod überlassen. Auch die ange­sehensten Normen und Werte des Mitgefühls und der Solidarität sind über Bord geworfen worden. Das Zitat „Gebt mir eure Müden, gebt mir eure Armen, ihr ­zusammengedrängten Massen, die ihr euch danach sehnt frei zu ­atmen“, das die Freiheitsstatue ziert, wird als Inbegriff der europä­ ischen Werte der Freiheit, Demokratie und des Humanitarismus ­gepriesen. In der Eröffnungsszene von Kafkas Amerika gleitet die Freiheitsstatue ins Bild mit einem Schwert anstelle der Fackel in die Luft gestreckt. Kafka hat damit fast das gegenwärtige EU-Migrations­ regime vorausgeahnt. Eine postkoloniale Lesart von Kafkas Verzerrung der Freiheitsstatue weist auf die Farce der europäischen Zivilisation hin. Indem Europa die mit Geflüchteten gefüllten Boote daran hindert, das europäische Festland zu erreichen, hat es gleichzeitig jegliche Hoffnungen auf seine eigene Dekolonialisierung blockiert. Um mit den aufrüttelnden Worten des französischen Philosophen Michel ­Foucault zu enden: „Das Schiff ist für unsere Zivilisation vom 16. Jahrhundert bis in unsere Tage nicht nur das größte Instrument der ­wirtschaftlichen Entwicklung gewesen, sondern auch das größte ­Imaginationsarsenal. Das Schiff, das ist die Heterotopie schlechthin. In den Zivilisationen ohne Schiff versiegen die Träume, die Spionage ersetzt das Abenteuer und die Polizei die Freibeuter.” 88


September

BETWEEN THE LINES. BRIEFE AUS BISSAU von Auftrag : Lorey und Kolja Kunt Regie: Bjoern Auftrag, Stefanie Lorey „Als meine Tante nach Guinea Bissau auswanderte, um Vincente zu heiraten, war ich acht. Seitdem gehört ­ das kleine Land zu meiner Familie. Von jetzt an aßen wir Daheimgebliebenen den Reis mit den Händen aus ­ einer Schüssel und hörten dazu politische Musik von José Carlos Schwartz. Stolz auf unsere ferne Verwandtschaft schmückten wir unser Haus mit Kunsthandwerk aus ­Bissau. Wir saugten die Informationen auf, die uns von dort erreichten und doch blieben wir außen vor. Durch ­ die Lichterkette, die man von meinem Kinderzimmerfenster aus nachts am Horizont sehen konnte, war der Eiserne Vorhang stets präsent. Es waren die Lichter der Grenz­ anlagen zur BRD.” 35 Jahre später begibt sich die Filmemacherin Kolja Kunt auf Spurensuche nach Westafrika. Auch sie verliebt sich. Aber dass Geschichte sich wiederholt, ist ein Mythos. ­Realität ist immer anders. Die Mauer ist gefallen und ­höhere Grenzzäune sind errichtet an entfernteren Orten, die Welt ist vernetzt und der Schreibwarenladen führt schon ­länger kein Luftpostpapier mehr. Nur wenn im Zentrum von Bissau die Fahne gehisst wird, steht noch alles still, wie es einst das Protokoll der portugiesischen Besatzungsmacht vorschrieb. Uraufführung: 30. September 2017, Box

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Oktober

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Oktober

HOCHZEIT von Elias Canetti Regie: Andreas Kriegenburg Während in der Souterrainwohnung eines Mietshauses die Frau des Hausmeisters im Sterben liegt, wird die weiter oben lebende, alternde Hausbesitzerin bedrängt. ­ Die Begehrlichkeiten von zahlreichen Verwandten und Spekulanten richten sich auf ihre Immobilie. Derweil ­findet in der Beletage des Hauses die Hochzeit der Familie Segensreich statt. Bald siegen die Triebe über die Konventionen. Selbst Braut und Bräutigam werden von Familienmitgliedern und Gästen sexuell bedrängt. Egoismus, ­ Gier und Besitzansprüche rütteln am bürgerlichen Fundament. Schließlich lässt ein Erdbeben das gesamte ­Gebäude zusammenstürzen. Elias Canetti beschrieb in seinem 1932 entstandenen ­dramatischen Erstlingswerk den kommenden Untergang einer Gesellschaft – ein absurd-komisches, bedrückendes, schonungslos beschriebenes Panoptikum: „Die Sprache der Menschen in diesem Stück ist so, dass sie Verwirrung jeder Art ausdrückt, dass eine Figur nicht wirklich versteht, was die andere meint, jede nur sich selbst ausdrückt. Es ist so, wie wenn Menschen in fremden Sprachen zu­ einander sprechen würden – ohne sie zu kennen; nur glauben sie, dass sie die Sprache kennen, wodurch eine neue Dimension des Nichtverstehens entsteht.“ Berlin-Premiere: 11. Oktober 2017, Deutsches Theater Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

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Oktober

FEMINISTA, BABY! nach dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas Regie: Tom Kühnel und Jürgen Kuttner

„Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufge­klärten, verantwortungsbewussten und abenteuerlustigen Frauen ­ nichts anderes übrig, als die Re­ gierung zu stürzen, das Geldsystem ­abzuschaffen, die umfassende ­Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten.“ Premiere: 20. Oktober 2017, Kammerspiele

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Welche Zukunft

Ansage von Sonja Eismann „SCUM wird alle Männer töten, die nicht Mitglieder der SCUM-­ Männerhilfstruppe sind.“ Das ist eine Ansage, die in ihrer Deutlichkeit keinerlei Raum für Interpretationen, Zweifel oder Ausflüchte lässt. Denn die „Mitglieder der Männerhilfstruppe“, für die es noch einen Funken Hoffnung zu geben scheint, werden bereits im nächsten Satz des Manifestes der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer als all jene definiert, „die fleißig daran arbeiten, sich selbst zu eliminieren“. Schluss, aus, vorbei also für die „biologische Katastrophe“, diesen „wertlose(n) Misthaufen“ Mann, den Valerie Solanas, die mit ihrem ­Attentat auf Andy Warhol 1968 Berühmtheit erlangte, sowohl sym­ bolisch wie auch materiell in den Mülleimer der Geschichte befördern wollte. Selten sind Ansagen so martialisch, doch eine Konstante begleitet sie: Niemand mag Ansagen. Weil sie Stress bedeuten, weil sie von oben herab abgefeuert werden, weil sie keinen Konsens suchen, sondern knallhart Interessen durchsetzen wollen. Es sei denn, man ist selbst die Person, die die Ansage macht – oder die, die schon lange heimlich davon geträumt hat, dass eine andere sie macht. 40 Jahre ist es nun her, dass die nach den Schüssen auf Warhol als p ­ aranoide Schizophrenikerin diagnostizierte Radikalfeministin ihr ­Manifest verfasst hat, und heute hallt ihre Forderung fast wie eine ­versöhnlich-ironische, von allen geteilte Übereinkunft nach, wenn die Berliner Chansonnière Christiane Rösinger auf ihrem neuen Album süffisant über das Auslaufmodell des weißen, heterosexuellen ­Mannes singt: „Andere nehmen eure Plätze ein, sie werden nicht so weiß und männlich sein (...) Nehmt es wie ein Mann und sagt Good-bye.“ So wie die anachronistische Figur der Fernsehansagerin das ­kommende Programm verkündet, so ist das feministische Programm Solanas', das damals wie jetzt als geniale Satire gelesen, von ­ ­ 93


der ­Autorin jedoch stets als ernst gemeint verteidigt wurde, heute­ in ­gewisser Weise selbst „angesagt“. Populärwissenschaftliche Veröffentlichungen sprechen ganz selbstverständlich von einem ­ „Ende der Männer“, Hollywood-Blockbuster stellen mit prominenten weiblichen Helden ihre progressive Gesinnung aus und altehr­würdige Modehäuser wie Dior lassen T-Shirts mit einem Zitat der nigerianischen Schrifstellerin Adichie bedrucken: „We should all be feminists“ (550 Euro Stückpreis). Die von Solanas geforderte vollständige Automatisierung der Gesellschaft sowie die qualifizierte Bildung von Frauen ist indes insoweit eingetreten, als Frauen nun unverzichtbarer Teil des Arbeitsmarktes und für sich selbst finanziell verantwortlich sind, dies aber unter immer prekäreren, entsolidarisierten Umständen – die die immer noch nicht abgeschafften, aber teilentmachteten ­Männer mitunter genauso betreffen. Es ist also Zeit für eine neue Ansage, neue Ansagen, laufend. Wie immer werden diese unangenehm sein, zudem überzogen, un­ ­ vollständig oder ungerecht, und auf Widersprüche und Widerstände stoßen, und genau deswegen müssen sie gehört werden, um uns in die Zukunft zu katapultieren. Oder wenigstens Schritt für Schritt nach vorne zu schubsen.

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Oktober

DAS MÄDCHEN MIT DEM FINGERHUT von Michael Köhlmeier Regie: Alexander Riemenschneider Eine große Stadt, irgendwo in Westeuropa. Es ist Winter. Auf dem Markt steht plötzlich ein kleines Mädchen. Sie versteht kein Wort der Sprache, die man hier spricht. Aber wenn jemand „Polizei“ sagt, beginnt sie zu schreien. ­Woher sie kommt? Warum sie hier ist? Wie sie heißt? Sie weiß es nicht. Yiza, sagt sie, also heißt sie von nun an Yiza. Nach einiger Zeit lernt Yiza einen Jungen kennen: Arian. Gemeinsam machen sich die beiden Kinder auf den Weg. Ihr Ziel: etwas zu essen und ein warmer Ort, an dem sie endlich bleiben können. Mit den Augen der sechsjährigen Yiza blickt der Autor ­Michael Köhlmeier auf unsere Welt, die aus dieser Perspektive fremd und ­rätselhaft erscheint. Nüchtern, fast emotionslos beschreibt er den Überlebenskampf der beiden Kinder und schafft ­es vielleicht gerade deshalb, uns zu ­berühren. Berlin-Premiere: 26. Oktober 2017, Box

Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

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November Oktober

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November

VATER von Dietrich Brüggemann Regie: Dietrich Brüggemann Ein junger Mann am Sterbebett seines Vaters. Der Vater ist auf der Schwelle – noch da und schon weg. Man ­­ kann noch mit ihm reden, vielleicht hört er es noch, aber er wird nicht mehr antworten. Der junge Mann schaut ­zurück auf sein eigenes Leben, schaut zugleich in seine ­eigene Zukunft. Die westliche Kulturgeschichte arbeitet sich seit Anbeginn an der Figur des Vaters ab. Das verwandtschaftliche ­Verhältnis dient dabei als Projektionsfläche für mal stabilisierende, mal erdrückende Autorität. Doch spätestens seit der Durchsetzung vergeschlechtlichter Arbeitsteilung in der frühen Industriegesellschaft sind die viel beschäftigten Väter vor allem eins: abwesend – ob auf Arbeit, im Krieg oder auf hoher See. Was aber bedeutet die drohende, sehr konkrete Abwesenheit im Moment des Sterbens für die Biografie der ­Nachkommen? Welche Fragen hätte man noch stellen wollen? Welche Antworten gehen mit dem Tod des Vaters für i­mmer verloren? Und wie viele Geheimnisse nimmt der Mann, der einen großgezogen hat und der nun als ­Greis da im Bett liegt, eigentlich mit ins Grab? Nach seinen filmischen Arbeiten, die mit schonungs­losem Blick deutsche Zustände beschreiben und mit zahlreichen Preisen – darunter der Silberne Bär für Kreuzweg – ­prämiert wurden, arbeitet Dietrich Brüggemann mit ­Vater das erste Mal für das Theater. Uraufführung: 11. November 2017, Box 97


November

VERSETZUNG von Thomas Melle Regie: Brit Bartkowiak Ronald hat alles. Privat kann ihm seine Frau Kathleen wunderbare Neuigkeiten mitteilen. Und beruflich steht ­ er kurz davor, Schütz, der in Ruhestand geht, als Direktor zu beerben. Ronald ist ein Lehrer, wie man ihn sich wünscht: authentische Respektsperson und bewunderter Kumpeltyp in einem – von den Schülern geliebt und den Kollegen gebraucht, mit Respekt bei den Eltern und Wertschätzung beim Chef. Er ist charismatisch, intelligent und redegewandt. Aber Ronald trägt ein Geheimnis in sich. Eine Krankheit, die seine Vergangenheit bestimmt hat und seine Zukunft bedroht. Und natürlich hat auch Ronald Schwächen, Neider und Gegner. Ein Beben kündigt ­ sich an und dessen Erschütterungen versetzen Ronald ­urplötzlich vor das Nichts. Nach dem autobiographischen Roman Die Welt im Rücken, in dem er vom Leben mit seiner eigenen manisch-de­ pressiven Erkrankung erzählt, injiziert Thomas Melle das gleiche Schicksal nun der Hauptfigur von Versetzung. Ausgehend von Ronalds bipolarer Störung stellt er in diesem Auftragswerk für das DT allgemeingültige Fragen nach Zurechenbarkeit und Teilhabe, Verantwortung und ­Vertrauen, Erfolg und Ansehen. Wie reagiert eine von Leistungsdruck und Gesundheitswahn geprägte Ge­ sellschaft, wenn eines ihrer Mitglieder sich als scheinbar falsches Versprechen erweist? Wo liegt die Norm? Und will man im Zweifel lieber Täter oder Opfer sein? Uraufführung: 17. November 2017, Kammerspiele 98


Welche Zukunft

Generation naja von Mads Pankow Die Neuen? Eine Enttäuschung. So liest man es im Feuilleton, in Büchern, sieht es im Fernsehen, hört es im Radio. Klagelieder über die nächste Generation: Beziehungsunfähig seien wir, weil wir uns nicht entscheiden müssen; faul, weil wir mehr als arbeiten wollen; egozentrisch, weil wir auch mal an uns denken; sentimental, weil nicht alles gut ist; gleichgültig, weil wir trotzdem Spaß haben. Keine klare Kante, unentschlossen, unentschieden, ungreifbar. Doch schaut man genau hin, lässt sich das Gleiche über die ­Babyboomer sagen und über die 68er auch und die Weimarer Republikaner allemal. Zumindest steht es so in den Generationenporträts, von den roaring 20s bis zur Generation Golf. Dabei müsste sich doch was ändern in den Jahren, in der Mode, in den Prioritäten, den Erzählungen der Jugend – in ihrer Haltung. Tut es auch, jeder Zeitgeist ist flüchtig. Das Einzige, was immer gleich bleibt, sind die Absender_innen der Generationsanalysen: die scheidende Generation. Diejenige, die ihre Stimme verliert, deren Deutungsmacht schwindet, wenn andere, jüngere Menschen beginnen, die Welt zu erklären – anders meistens. Ein Affront. Deshalb müssen die Emporkömmlinge ausgegrenzt werden, am besten durch Beschreibung und Diskreditierung. „Generation“ war immer schon ein Abgrenzungsbegriff. Ein Identitätsstifter. Er ist ein Topos des Konflikts der Jugend mit ihren Eltern. Tatsächlich aber ist es umgekehrt, nicht Jung gegen Alt, sondern Alt gegen Jung. Kaum eine Generation beschrieb sich selbst je als Generation. Sie ist das Mittel, mit dem sich die Alten gegen die Jungen abgrenzen. Bisher gewann die ältere Stimme damit immer noch einmal an Wirkung, an Resonanz. Denn wer alt war, wusste viel, hatte alles gesehen oder ausprobiert und damit tiefgreifend verstanden. Altersweise darf sich erst nennen, wer sich von der unerfahrenen Jugend unterscheidet. 99


Doch gilt das noch? Die Erfahrungen von gestern sind wenig wert, in der Welt von heute. Zu schnell ist die Veränderung geworden. Alle E ­ rfahrung fast schon überholt, bevor sie verstanden wurde. Kristalline Intelligenz, wie die Psychologie das kondensierte Erfahrungswissen in den Hirnen der Älteren nennt, wird immer häufiger zum Verständnishindernis. Eine dynamische Welt kennt keine langfristigen Erklärungen. Wenn überhaupt, lässt sie sich nur noch partiell und situativ greifen und verstehen. Alles Wissen hat ein Verfallsdatum und es wird immer kürzer. Jede klare Antwort muss an der Veränderung brechen. Wir sind mit radikalen Antwortversuchen auf die großen Ungerechtigkeiten der Menschheit groß geworden und haben sie scheitern gesehen. Kapitalismus ist ungerecht, Sozialismus auch. Krieg ist furchtbar, Zugucken auch. Tierzucht macht übel, Sojaschnitzel auch. Waldretten ist gut, Holzspielzeug auch. Freie Liebe ist toll, Geborgenheit auch. Polizei ist Gewalt, ohne Polizei: noch mehr Gewalt. Wir sind die Abgeklärten. Wir haben nicht nur über Dialektik schwadroniert, wir haben die Dialektik erlebt. Und wir haben ver­ standen: Eindeutigkeit ist verdächtig. Wer es ernst meint, hat nicht aufgepasst. Die Zeit nach der Geschichte, die Zeit nach den Ideologien ist nur noch Realpolitik, auch ganz persönlich. Sie besteht aus Kompromissen und Eingeständnissen, Bedürfnismanagement und battle-picking. Doch das macht uns nicht zu Zynikern, wie unsere großen Schwestern und Brüder der Generation X, die an den unendlichen ­Reflexionsschleifen der Spätaufklärung verzweifelten. Nur weil nichts endgültig gilt, gilt noch nicht nichts. Wir haben noch Antworten, auch wenn sie nicht radikal sind. Wir rauchen, aber nur zum Bier. Wir trinken, aber nur abends. Wir wechseln Partner_innen, aber nicht ziellos. Wir essen Gemüse, aber nicht immer. Wir lesen Zeitung, aber auch Facebook. Wir sind solidarisch, aber nicht bedingungslos. Wir machen Karriere, aber nur, wo nötig. Wir haben Familie, aber auch Freund_innen. Wir schreien uns an, aber nur mit Capslock. Das wirkt nach außen manchmal vage. Aber das waren Generationen schon immer.

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DIE ZOFEN von Jean Genet Regie: Ivan Panteleev

Claire und Solange sind Angestellte der Gnä­digen Frau. Ist diese fort, beginnen die Schwestern­ein Spiel. In Szene gesetzt ­werden die Machtstrukturen des Haushalts, in dem sie leben: überhöht, theatralisch, mit großer Lust an Gewalt und Unterwerfung. Noch sind es Proben, doch das Ziel der Inszenierung scheint festzustehen: der wahrhaftige Mord an ihrer Herrin. Bis ­ die Grenzen zwischen Rolle und Realität, Imagination und Wirklichkeit immer durchlässiger werden. „Eine Sache muss schriftlich festge­halten werden: Es handelt sich nicht um ein Plädoyer über das Los der ­Domestiken. Ich vermute, es gibt eine Gewerkschaft der Hausangestellten – das geht uns nichts an.“ (Jean Genet) Premiere: 2. Dezember 2017, Deutsches Theater

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Welche Zukunft

Verkleidung von Barbara Vinken Es steht schon im Alten Testament: striktestes Verkleidungsverbot. „Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen; denn jeder, der das tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel” heißt es im Deuteronomium 22.5. Im Prozess gegen Jeanne d’Arc war einer der Gründe für ihre Verurteilung ihr Tragen von Männerkleidern. Der schlimmste Modefehler des an modischen Fauxpas so reichen Leben der Marie-Antoinette war es ­­vielleicht, dass sie sich wie ein Mann hoch zu Pferde nicht in bauschenden Seidenröcken, sondern mit Dreispitz und Dolch in einer eng ­anliegenden culotte malen ließ. Noch die Pariser Polizeipräfektur legte um 1800 fest, wer die Hosen anhatte. Das gesetzlich festgeschriebene Hosenverbot für Frauen wurde in Frankreich zwar seit gut 100 Jahren missachtet – man denke nur an George Sand – aber erst 2013, als sich kaum jemand mehr daran erinnerte, tatsächlich aufgehoben. Das Theater ist ohne Verkleidung, ohne Transvestie, nicht zu denken. Da Frauen auf der Bühne als unschicklich galten, besetzte Shakespeare sämtliche Frauenrollen mit jungen Männern. Der Kleidertausch verlieh den Liebesszenen eine ganz andere Note und transportierte einen schwulen Subtext. Auch in Genets Zofen spielen ­Männer die Frauenrollen. Was bei Shakespeare implizit blieb, wird jetzt manifest: das krude Unterlaufen heterosexueller Normierung. Umgekehrt steckte Mozart für seinen Cherubino eine Frau in Männerkleider und macht ihn so für die ganze Welt unwiderstehlich. Im 19. Jahrhundert bestimmten nicht mehr Männer in Frauenrollen, sondern Frauen in Männerkleider das Geschehen: Die sogenannten Hosenrollen wurden außerordentlich beliebt. Sie erlaubten es Frauen, zu zeigen, was sie sonst streng verstecken mussten: ihre Beine. Und umgaben sie mit dem Touch des Verrucht-Verbotenen. Sarah 103


­Bernhardt raubte in einer Hosenrolle, nämlich als Hamlet, ganz Paris die Besinnung, und Marlene war vielleicht nie so erotisch wie im Frack. Die Mode der Moderne zieht ihren Reiz aus eben diesem verruchten Cross-Dressing. Hatte die Mode die Geschlechter noch nie so streng getrennt wie nach der französischen Revolution, so machte sich die Mode der Moderne daran, transvestitisch zu werden. Das ging zunächst nur in die eine, von der Hosenrolle vorgezeichnete Richtung. Systematisch eignete sich die Damenmode die Herrenmode an. ­Chanel soll von sich gesagt haben, sie habe nichts getan, als Stück für Stück Herrenkleidung in Frauenkleider zu übertragen. Unisex war aber keinesfalls eine erosfreie Aufhebung der Geschlechterdifferenz. Die Frauen, die sich als Mann als Frau anzogen, waren in ihrer auch im Alltag neugewonnenen Hosenrolle so erotisch wie nie. Frau als Mann als Frau – ohne dieses travestitische Moment ist die Mode der Moderne nicht zu denken. Aber nachdem die Frauen alle in Hosenrollen auch die Straße für sich erobert haben, fangen die Männer ganz langsam – jedenfalls auf den Laufstegen – an, sich unbeschreiblich weiblich anzuziehen. Spitzen und durchsichtige Stoffe, die das eigentlich den Frauen vorbehaltene Spiel zwischen Haut und Stoff verführerisch inszenieren, allüberall, Anzüge mit großen, üppigen Blumenmustern, auffällige Beinbetonung durch hautenge Hosen und sogar Rüschenshorts. Langsam scheinen Männer die Angst vor dem Weibischen abzulegen. Der weiße, bürgerliche Mann hatte es für nötig gehalten, alles Weibische des Höflings von sich zu weisen, um, von keinem odor di femina umweht, ganz Mann werden zu können. Das unbeschreiblich Weibliche hat man als Privileg oder Stigma den Frauen überlassen. Die Zeiten solcher angstvollen Normierung ganzer Männlichkeit scheinen mit dem heiteren Verkleidungsspiel nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Straße Schritt für Schritt vorbeizugehen.

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Dezember

DAS MISSVERSTÄNDNIS von Albert Camus Regie: Jürgen Kruse

„Das Herz nützt sich ab.“ In einem abgelegenen Wirtshaus rauben zwei Frauen die Gäste aus und bringen sie um. Ihr Ziel: mit der Beute an einem anderen Ort ein besseres Leben anzufangen. Sohn und Bruder Jan ist seit vielen Jahren in der Welt unterwegs. Als er eines Tages nach Hause zurückkehrt, gibt er sich nicht zu erkennen, sondern will erkannt werden. Zu spät erst ­ wird das Duo entdecken, wen sie dieses Mal ums Leben gebracht haben. Premiere: 3. Dezember 2017, Kammerspiele

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Dezember

GERTRUD von Einar Schleef Regie: Jakob Fedler Gertrud pflegt ihren kranken Mann Willy bis zu seinem Tod. Sie bleibt allein in der thüringischen Kleinstadt Sangerhausen zurück, versucht sich neu zurechtzufinden, begleitet von ihren Erinnerungen. „Meine Kindheit fiel ins Kaiserreich, der Sportplatz in der Weimaraner, die Ehe auf Hitler und das Alter in die DDR. Wohin mein Kopf. Das 1000jährige Gottesreich erleb ich nimmer." Sie trifft Freundinnen, besucht ihre Söhne in Berlin und Westdeutschland, läuft durch ihre Heimatstadt, spricht mit ihrem toten Mann, sucht eine neue Liebe, sehnt sich nach dem Tod. Einar Schleefs Roman Gertrud ist ein eigenwilliger, sprunghafter, sich preisgebender Erzählsturm. Schleef schrieb den fiktionalen Monolog seiner Mutter Gertrud, einer Näherin, als ein schroffes und wütendes, sehnsücht­ iges und gieriges sich Mitteilen einer „anständigen Frau“, aber auch als eine an ihren Toten vereinsamende Geschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Kaiserreich und später DDR. Mit dem Hintergrund der Industrie- und Bergbaustadt Sangerhausen verweist Schleef zugleich auf die Zerrüttung der Verheißungen des industriellen Zeit­alters und dessen proletarischer Milieus, verweist auf kleinbürgerlichen Überlebenszwang und das beständige Ausbleiben der Zukunft. Premiere: 15. Dezember 2017, Kammerspiele

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DER HAUPTMANN VON KÖPENICK von Carl Zuckmayer in einer Bearbeitung von Armin Petras Regie: Jan Bosse Wilhelm Voigt, Schuhmacher mit krimineller Laufbahn, wird aus der Strafanstalt Plötzensee entlassen und steht pass- und identitätslos in Berlin. Ohne Papiere keine ­Arbeit und ohne Arbeit keine Papiere. Voigt versucht alles, um wieder am normalen Leben teilhaben zu dürfen und ­in die städtische Gesellschaft integriert zu sein, doch nimmt von seinem kleinen Schicksal niemand Notiz. Er landet erneut hinter Gittern, nun für volle zehn Jahre. Da hilft ihm ausgerechnet des Gefängnisdirektors ausge­ prägtes Faible für die Armee auf die Sprünge. Dieser drillt seine Gefangenen mit militärischem Quiz und soldatischen Rollenspielen. Als sich Voigt nach abermaliger Entlassung die Möglichkeit bietet, eine originale Hauptmannsuniform zu erwerben, macht er sich seine in der Haft erworbene Bildung zunutze: die Köpenickiade nimmt ihren Lauf. Der Hauptmann von Köpenick ist ein Urberliner Stück, ­ das 1931 am Deutschen Theater uraufgeführt wurde. 86 Jahre später greift Armin Petras, selbst tief in Berlin ­verwurzelt, Carl Zuckmayers berühmte Parabel auf und schreibt sie weiter: ausgehend von der historischen Figur des Wilhelm Voigt über die Rühmanns und Juhnkes bis ­ ins Heute hinein – eine Geschichte vom Mensch draußen. Premiere: 21. Dezember 2017, Deutsches Theater 107


Januar

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TIGERMILCH nach dem Roman von Stefanie de Velasco Eine Inszenierung des Jungen DT Regie: Wojtek Klemm Die Freundinnen Nini und Jameela sind unzertrennlich, unbesiegbar und zum ersten Mal verliebt. Der Ernst des Lebens ist ganz weit weg oder wird ignoriert, wie Jameelas drohende Abschiebung. Denn es ist Sommer, Ferien­ beginn. Alles ist möglich. Berlin ist Spielplatz und Expe­ rimentierfeld. Mit rücksichtsloser Leichtigkeit streifen ­ die zwei 14jährigen durch die Stadt, klauen bei Pimkie, knutschen im Freibad. Auf dem Schulklo wird der Lieblingscocktail „Tigermilch“ aus Milch, Mariacron und Maracujasaft im Müllermilchbecher gemixt. Dann geht’s mit Ringelstrümpfen ausgerüstet „auf die Kurfürsten“, um an Männern zu üben wie an Fröschen. Das Projekt heißt „Entjungferung“, geübt wird, damit es nicht weh tut, wenn es mal ernst wird. Die pubertäre Dauerparty gleicht einem Tanz am Abgrund und endet abrupt im echten Leben, als beide ­nachts auf ihrem Kinderspielplatz Zeuginnen eines Mordes werden. Und als der Falsche die ­Schuld auf sich nimmt, steht plötzlich alles auf dem Spiel – Aufenthaltsgenehmigung, Unschuld, Freundschaft. Premiere: 10. Januar 2018, Box

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DER TAG, ALS ICH NICHT ICH MEHR WAR von Roland Schimmelpfennig Regie: Anne Lenk Eigentlich ist alles wie immer. Morgens aufstehen, Frühstück machen, einen Kaffee mit der Familie trinken, bevor es zur Arbeit geht. Aber an diesem Tag verschiebt sich ­ die Realität ein kleines Stück, und der Vater einer kleinen Familie begegnet sich selbst. Es ist nur der Anfang ­eines Familienausflugs in ein zweites Leben. In seinem neuen Text stürzt Roland Schimmelpfennig das geregelte Vorstadtleben einer Kleinfamilie in einen ­Strudel der Mehrdeutigkeit, der Ambivalenz und des Zweifels: Was, wenn ein Schattenleben – ein Leben, das man hätte führen können – plötzlich mit am Frühstückstisch sitzt? Setzt man es vor die Tür? Geht man mit ihm zusammen aus? Was würde man ihm sagen? Hätte man überhaupt ­Gesprächsstoff mit den verpassten Chancen und Wünschen, den ­Zufällen und Verwerfungen der eigenen Biografie, oder hüllt man sich lieber in Schweigen? Der Tag, als ich nicht ich mehr war stellt diese Fragen als Vexierbild zwischen Traum, Groteske und Horrorvision. Uraufführung: 12. Januar 2018, Kammerspiele

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ULYSSES nach James Joyce Regie: Sebastian Hartmann

„und dann hat er mich gefragt ob ich will ja ­sag ja meine ­Bergblume und ich hab ihm zuerst die Arme um den Hals ­gelegt und ihn zu mir niedergezogen dass er meine Brüste fühlen konnte wie sie dufteten ja und das Herz ging ihm wie verrückt und ich hab ja gesagt ja ich will Ja.“ Premiere: 19. Januar 2018, Deutsches Theater

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Welche Zukunft

Stream von Björn Quiring Jorge Luis Borges erzählt in der utopischen Kurzgeschichte Tlön, ­Uqbar, Orbis Tertius von einer Kunstsprache, die sich ausbreitet und nach und nach alle anderen Sprachen verdrängt. Diese Sprache kennt keine Substantive, sondern nur unpersönliche Verben, Präpositionen und Adverbien. „Zum Beispiel: Es gibt kein Wort, das dem Wort ‚Mond‘ entspricht, aber es gibt ein Verbum, das im Lateinischen ‚lunare‘ oder bei uns ‚monden‘ lauten würde.“ Der Satz „Der Mond ging über dem Fluß auf“ würde in der Sprache von Tlön deshalb ­ungefähr lauten: „Empor hinter dauer-fließen mondet es“. Wer sich auf diese Sprache einlässt, nimmt die Welt nicht mehr als eine ­Ansammlung von Dingen und Personen, sondern als einen Ablauf von substratlosen Prozessen wahr. Viele von Joyces Texten können als Versuche gelesen werden, die Alltagssprache mit dieser utopischen Sprache reiner Prozessualität zu kreuzen. Speziell in seinem Finnegans Wake strömt eine Flut von Neologismen auf den Leser ein, die Sprachen und auf Sprache basierende Identitäten mit sich fortreißt, um sie zu zersetzen und miteinander zu vermischen. Dieselbe Tendenz ist aber, etwas unauffälliger, auch in Ulysses angelegt: Dieser Roman wird allgemein mit der Erzähltechnik des „stream-of-consciousness“ assoziiert, welche unzensiert den Strom von Sinneseindrücken und Gedanken abbildet, die die Hauptfiguren im Laufe eines Tages umtreiben. Aber Ulysses lässt sich nicht auf das freie Fließen innerer Monologe reduzieren. Speziell dem entgrenzten Wuchern von Erzählperspektiven, Zeit­ ebenen und Textgattungen in der zweiten Hälfte des Buchs wird diese Beschreibung nicht gerecht: Die Grenzen zwischen Identitäten, zwischen Bewusstem und Unbewusstem, Vergangenheit und Gegenwart, Psyche und Außenwelt verschwimmen in den letzten Kapiteln

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oder werden demonstrativ überschritten. Die Ströme des Ulysses sind letztlich keine individuellen Bewusstseinsströme, und die ­radikale Offenheit des Buchs geht deshalb über seine Freizügigkeit in der Darstellung intimer Phantasmen und persönlicher Pathologien hinaus. Am deutlichsten ist das im Kapitel „Circe“ zu verfolgen: Die Abenteuer der Protagonisten in Dublins Rotlichtviertel sind durchsetzt von Phantasmagorien. Zum Beispiel macht Leopold Bloom während ­einer Zigarettenpause einen messianischen Flammentod mit anschließender Auferstehung durch, und die Auseinandersetzung von Stephen Dedalus mit zwei betrunkenen britischen Soldaten mündet in eine kollektive schwarze Messe und schließlich in die Apokalypse. Man kann in der Sekundärliteratur gelegentlich lesen, das Kapitel schildere Phantasmen von Bloom und Stephen. Aber die grotesken Szenarien von „Circe“ sind zu vielstimmig und komplex, um eindeutig bestimmten Personen zugeordnet werden zu können; vielmehr erscheinen sie als die virtuelle Entfaltung der Wünsche, Ängste und Obsessionen von ganz Dublin. Es handelt sich um eine „Phantasmagorie“ im wörtlichen Sinne: eine Agora der Phantasmen. Das un­ befriedigte Leben aller Charaktere verbindet sich zu einem „unified human nightmare“, einem Alptraum, der dem Alltagsleben nicht entgegengesetzt, sondern dessen notwendiger, wenn auch verborgener Bestandteil ist. Joyce zeigt auf, dass Phantasien nicht in einem ­isolierten Hirn entstehen, sondern in komplexen sozialen Prozessen: Es ist eigentlich nicht das Individuum, das Phantasmen produziert, sondern das Zusammenspiel der Phantasmen, welches das individuelle Selbstbewusstsein hervorbringt. Wenn die Protagonisten des Ulysses, Bloom, Stephen und Molly, etwas vor den anderen Dublinern auszeichnet, dann ist es ihre Fähigkeit, sich in privilegierten Momenten im Strom der Eindrücke und der Sprachen aufzulösen, ohne darüber ihre Fähigkeit zur Re­ flexion zu verlieren. Wenn der Roman überhaupt eine Hoffnung für die Zukunft andeutet, dann ist es die einer weiteren Ausbreitung ­dieser Fähigkeit. Nicht in Ulysses, aber in der Erzählung von Borges ist der utopische Horizont dieser Perspektive formuliert: „Die Welt wird Tlön sein.“

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JEDER IDIOT HAT EINE OMA, NUR ICH NICHT von Rosa von Praunheim Regie: Rosa von Praunheim Anlässlich seines 75. Geburtstages versucht Rosa von Praunheim, das Unmögliche möglich zu machen: sein ­Leben in einen Theaterabend zu stecken. Ensemblemitglied Božidar Kocevski wird sich zusammen mit dem ­Musiker Heiner Bomhard auf die Reise durch ein bewegtes Leben machen, das von Sexualität genauso geprägt ­ ist wie von der ständigen Angst, am Abgrund zu stehen. Angefangen bei der Kindheit und ersten Abenteuern ­ in New York und Los Angeles, wird es Wiederbegegnungen der ganz ei­genen Art mit Lotti Huber und Tante Luzi ­genauso geben wie mit Rosas Mutter. ­ In frech frivolen Songs mit Titeln wie Kleiner Penis, Analverkehr oder Sex After Death wird es nicht nur um vor­dergründige Provokation gehen, sondern immer auch um die Verletzlichkeit und bevorstehende Endlichkeit nach 75 lebhaften Probejahren, Träume in die Realität zu verpflanzen. Uraufführung: 21. Januar 2018, Kammerspiele

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KLASSENBUCH nach dem Roman von John von Düffel Eine Inszenierung des Jungen DT Regie: Kristo Šagor Ein schräger Haufen tritt auf: Da ist die bulimische ­ treberin, die sich in ausschweifenden E-Mails beim SchulS caterer über das schnupfenartige Hühnerfrikassee beschwert, der Nerd, der in langen Textnachrichten mit sich selbst kommuniziert, oder das Mädchen, das mit ihrem kleinen Bruder tote Tiere aufsammelt, tauft und bestattet: neun Jugendliche auf der Kippe zwischen Gegenwart ­ und Zukunft, Kind- und Erwachsensein, Isolation und Gemeinschaft, analoger und digitaler Welt, Aufbruch und Absturz. Erik, Stanko, Emily, Bea, Lenny, Annika, Nina, Li und Henk teilen Klassenraum und Deutschlehrerin, sonst aber scheinbar nicht viel. Gefangen in ihrer eigenen Welt, leben sie aneinander vorbei und doch sind ihre Geschichten i­neinander geschnitten. Raffiniert verdichtet sich dieses Kaleidoskop jugendlicher Selbstbilder zu einem gemein­ samen Schicksal, als die Lehrerin, Frau Höppner, plötzlich verschwindet. Was ist gültig? Meine Realität oder deine? Die analoge oder die digitale? Virtuos und vielstimmig vernetzt John von Düffel die Perspektiven und zeichnet das Bild einer ­Jugend auf Identitätssuche in der verwirrenden Welt unbegrenzter Wirklichkeiten. Uraufführung: 12. Februar 2018, Kammerspiele

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SOMMERGÄSTE von Maxim Gorki Regie: Daniela Löffner Das Landhaus von Rechtsanwalt Bassow und seiner Frau Warwara. Hier trifft sich eine privilegierte Runde: Ärzte, Schriftsteller, Fabrikanten, Ingenieure. Die gehobene Mittelschicht hat die Stadt verlassen, um den Sommer im ­Grünen zu verbringen. Sie haben Zeit, sie haben Geld und führen ein überwiegend angenehmes, sorgenfreies ­Leben. Und doch fühlen sie sich einsam, biographielos und leer, sind von sich selbst ermattet und müde von ­ihren Freiheiten. Da helfen auch die diversen Bindungen, Verhältnisse und Freundschaften nicht weiter. Sie seh­nen sich nach einer anderen Zukunft – mit erlösender Liebe und einer sinnhafteren Erde. Sie reden, streiten, ­lamentieren und diskutieren. Wie mit diesem Weltschmerz umgehen? Welche Vision entwerfen? Was für eine Realität anstreben? Wozu sich weiter hetzen und ­ warum Ideale verfolgen? Warwara: „Wieso alles kalkulieren und abwägen? … Welche Angst haben wir alle vorm Leben! Wir schonen uns alle derart!“ Mit seinem 1904 entstandenen Szenenreigen und Be­ ziehungsgeflecht wollte Gorki nach eigener Aussage „die moderne bürgerlich-materialistische Intelligenz dar­ stellen“. Er zeigt eine bequeme Gesellschaft, die sich ihrer selbst nicht mehr sicher ist und in der es ruhelos rumort. Eine umwälzende Zeitenwende wirft ihre Schatten voraus auf diese Sommergäste und ihre suchenden Seelen. Premiere: 23. Februar 2018, Deutsches Theater 117


Welche Zukunft

Schwelle von Ingolfur Blühdorn Ende des Kapitalismus? Sozial-ökologische Transformation? Neuer Gesellschaftsvertrag? – Es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende; irgend etwas geht seinen Gang. Ich gehöre zu den Babyboomern. Wir hatten eine wunderbare Zeit. Wir sind mit Hamm und Clov aufgewachsen und haben einen ­politischen Aufbruch inszeniert. Wir haben soziale Bewegung geschafft, der Ökologie eine politische Stimme gegeben, eine neue Partei gegründet, den bürgerlichen Traum von Freiheit, Vernunft und Selbstbestimmung zu seiner höchsten Blüte getrieben. Aber wir ­haben sie nicht geschaffen, die Alternative für Deutschland, für ­Europa, für die eine Welt. Andere haben übernommen. Alternativlos? Bionadebiotop. Lavazzakaffee. Prosecco. Sonnenblumen aus dem Gemeinschaftsgarten. Sommergäste im biedermeierlichen ­Refugium spüren die Erschöpfung ihres Projekts. Beschleunigung, ­digitale Revolution, flüchtige Moderne. Fortschrittlich? Regressiv? Wir erwarten den Aufstand der Unterklasse, der Ausgeschlossenen, der Überflüssigen – und verteidigen mit Entschiedenheit unsere Werte, unsere Freiheit, unseren Lebensstil. Emanzipation zweiter Ordnung. America first! Kein Zweifel hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Doch wir verharren zwischen Angststarre und Verteidigungskonsens – weil wir ahnen, was jenseits der Schwelle liegt. Einstweilen zelebrieren wir die ewige ­Erneuerung der uralten Diagnosen, unserer Gründungsmythen: Externalisierungsgesellschaft, imperiale Lebensweise, weniger ist mehr. Das Ende des Bürgertums und der Untergang des Abendlandes ­wurden schon vor hundert Jahren beschworen. Sind sie heute näher als zuvor?

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Als ich anfing, über simulative Demokratie zu schreiben, habe ich gefragt, ob es wohl vorstellbar ist, dass die liberale Demokratie sich einmal überlebt. Inzwischen ist die Antwort evident: Der Aufstand der Rechtspopulisten fällt zusammen mit der links-liberalen Emanzipation vom Ideal des mündigen Bürgers, dessen Implikationen von Pflicht, Vernunft und Selbstbeherrschung uns zur unerträglichen Beschränkung geworden sind. Wir haben es immer gewusst: Kapitalismus zerstört, normiert, tötet! Mit Demokratie ist er unvereinbar, weil er sich von keinem politischen Subjekt einhegen lässt, sondern jedes Gegenüber kolonisiert, gleichschaltet, auflöst, in Wert setzt. Aber wir saßen auf der Gewinnerseite! Jetzt stehen wir an dem Punkt, wo die Demokratie vor dem demokratischen Souverän geschützt werden soll. Vor wem!? Die ­einen skandieren „Wir sind das Volk!“ und betreiben die Ausgrenzung der nicht Dazugehörigen. Die anderen insistieren „Wir sind die Aufgeklärten!“ und betreiben die Abwehr der Verrohten und Verblödeten. Beide retten die wahre Demokratie. Gegeneinander und doch gemeinschaftlich organisieren sie die Politik der Exklusion. Welche Zukunft? Die Sozialwissenschaften tun sich schwer, das Verbotene überhaupt nur zu denken. Und doch ist klar: Die Schwelle führt ins Jenseits der liberalen Demokratie. Unter anderem! War es der Kapitalismus? Die Modernisierung? Die Emanzipation? Was die digitale Revolution in unendliche Datensammlungen auflöst und für die optimierte Inwertsetzung neu berechnet, wirft die Befreiung aus der Mündigkeit erleichtert über Bord. Wer sich aus der Mündigkeit befreit hat, dem darf man keine Souveränität mehr zusprechen. Gegen Wahlen? Gegen Demokratie? Brexit, Trump, Erdogan, Le Pen – Demokratie wird reaktionär. Der Kapitalismus beruht auf Ressourcen, die er selbst nicht ­reproduzieren kann. Dasselbe gilt für die Demokratie! Metamorphose? Metastase? Schwelle! Vorkriegszeit.

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ROM nach Coriolan, Julius Caesar und Antonius und Cleopatra von William Shakespeare Regie: Karin Henkel Die Shakespeare-Stücke Coriolan, Julius Caesar ­sowie Antonius und Cleopatra erzählen eine kleine Geschichte der Demokratie am Beispiel des alten Rom. ­ Im Frühstadium (Coriolan) kommt die Idee der demokratischen Teilhabe durch Volkstribunen auf: als Zu­ geständnis an das wütende Volk. Doch prompt sehen sich die Volksvertreter mit dem Kriegshelden Coriolan ­konfrontiert, der von Mitsprache und der wankelmütigen öffentlichen Meinung nichts hält. In der Zeit von Julius Caesar ist die römische Demokratie wiederum durch ­einen starken Mann bedroht. In der Nacht vor der Krönung Caesars beschließt eine Gruppe von Verschwörern um Brutus, zum letzten Mittel zu greifen, um die Demokratie zu retten: Tyrannenmord. Doch Antonius, engster Vertrauter Caesars, schafft es in seiner Grabrede, die ­öffentliche Meinung gegen die Demokraten zu drehen. Wenige Jahre später sehen wir in Antonius und Cleopatra den paranoiden, wirklichkeitsfernen Zirkel der Macht. ­Antonius regiert mit Caesars Adoptivsohn Oktavius und einem altgedienten Militär in einer Dreiherrschaft. Antonius empfindet angesichts der politischen Machenschaften nur noch Ekel und Erschöpfung. Blindlings stürzt er sich in die Liebe zu Cleopatra, Königin von Ägypten. Doch die Machtspiele Roms holen ihn wieder ein und lassen ihn nochmals das große Rad der Politik drehen, bevor ­ das römische House of Cards endgültig zusammenbricht. Premiere: 16. März 2018, Deutsches Theater 121


Welche Zukunft

Das Plebejische von Isabell Lorey Zu Beginn der Römischen Republik entbrennt ein Konflikt zwischen den patrizischen Senatoren und der Plebs – vor allem wegen jener Plebejer, die in Schuldknechtschaft zu einem patrizischen Patron ­geraten sind. Diese verschuldeten Plebejer empören sich immer hörbarer darüber, dass sie im Krieg zwar ihr Leben für die Freiheit Roms riskieren, dagegen in Friedenszeiten selbst in Knechtschaft und als eine Art Leibeigene gehalten werden. Laut Titus Livius spitzt sich 495 v.u.Z. die Lage zu. Nach mehreren siegreichen Kriegen wird entgegen eines patrizischen Versprechens die Schuldknechtschaft nicht beendet. Die Senatoren befürchten nun Aufstände und Verschwörungen der Plebs. Sie erfinden einen bevorstehenden Angriff und befehlen den plebejischen Soldaten den erneuten Abzug aus der Stadt. „Das“, so Livius, „brachte die Empörung beschleunigt zum Ausbruch.“ Doch die Ple­ bejer entsprechen nicht den Befürchtungen der Machthaber. Sie machen keinen Aufstand. Sie verweigern sich gänzlich und ziehen, so ­Livius, „ohne Befehl der Konsuln auf den Heiligen Berg“ aus, auf ­einen Berg jenseits der Grenzen Roms und damit jenseits des Einflussgebietes der Patrizier. Dieser Auszug aus Rom stellt die erste Sezession der Plebejer dar, mit der sie die Grenze der patrizischen Machtverhältnisse markieren. Der Kampf gegen die patrizische ­Vorherrschaft besteht zunächst ausschließlich in radikalem kollektiven Ungehorsam: eine Gehorsamsverweigerung in militärischer wie politischer Hinsicht, eine Aufkündigung der Akzeptanz der begrenzenden patrizischen Macht. Indem sie aus der Stadt ziehen, überschreiten die Plebejer weniger eine Grenze, die zwei Territorien trennt, sondern entziehen sich einer binären Logik von Gesetz und Verbot, von Ordnung und Aufstand. Aufruhr ist das, was die patrizischen patres befürchten, Unordnung gilt ihnen als Bedrohung und Negation ihrer Ordnung. Aber die 122


Plebejer begeben sich nicht in die die antagonistische Position derjenigen, die bloß Unordnung und Chaos schaffen. Die Plebs durchquert die Sicherungs- und Schutzmechanismen der patrizischen Herrschaftsordnung, indem sie sie aufkündigt und sich von keinen Strafdrohungen abschrecken lässt. Die Plebs setzte sich zunächst „ohne Anführer“ auf dem Berg fest. Erst in einem zweiten Schritt gaben sie sich Tribunen als Vertreter. Der Exodus der Plebejer entspricht der Selbstkonstituierung als politisches Bündnis. Und zugleich ist es ein Entzug durch Auszug, ein Druck- und Drohmittel, um den innenpolitischen Forderungen nach Rechten Ausdruck zu verleihen. Doch auch die Kampfstrategie der plebejischen Männer ist ­begrenzt. Während der gesamten Auseinandersetzungen zwischen Plebs und Patriziat wurde die Herrschaft des pater familias in der ­domus nicht grundlegend infrage gestellt, ebenso wenig die Sklaverei. Das Plebejische ist das Vermögen, die Machtverhältnisse produktiv zu verweigern und ihnen darin zu entgehen, wodurch sich das Gefüge der Macht beständig verändert und die eine oder andere ­begrenzende Regierungsweise verschwindet. Das Plebejisch-Poli­ tische ist nicht einfach eine Strategie, Verletzungen zu verhindern. Seine zentrale Komponente ist nicht der Schutz, die Sicherung. Es steht nicht für eine Befestigung, nicht für Mauern, die schützen und abwehren. Als Bresche durchbricht es das Bollwerk der bewegungslosen Befestigung und beginnt eine neue Anordnung, indem es an Herrschaftsverhältnisse bindende Verpflichtungen aufkündigt.

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MEDEA. STIMMEN von Christa Wolf Regie: Tilmann Köhler „Was reden sie. Ich, Medea, hätte meine Kinder umgebracht. Ich, Medea, hätte mich an dem ungetreuen Jason rächen wollen. Wer soll das glauben.“ Verstoßen aus dem königlichen Palast, in dem sie mit ihrem Mann Jason und ihren Kindern Exil fand, erzählt Medea ihre Version ihrer Geschichte: Wie sie ihr Land verlassen musste, wie sie ein entsetzliches Verbrechen entdeckte und unbequeme Fragen stellte, und wie ein Netz aus Verleumdungen und Lügen sie aus dem Palast vertrieb. Medea. Stimmen entstand als radikale Korrektur des gängigen Medea-Bildes. Erst seit Euripides, vorher nicht, ­ ist sie die blutrünstige Furie, die ihre Kinder mordet. Christa Wolf fragt nach der Deutungshoheit über Historie – und danach, wessen Interesse es ist, die „wilde Frau“ als Mörderin hinzustellen. Erstes Motiv aber sind für die Autorin die selbstzerstörerischen Tendenzen unserer abendländischen Zivilisation: Kolonialismus, Fremdenhass, Ausgrenzung. Wenn am Schluss das Volk aufgehetzt und blind ­ vor Hass gegen die Fremde ist, bleibt Medea nur zu fragen: „Ist eine Welt zu denken, eine Zeit, in die ich passen könnte“ – ein wütendes Fragen, ein Anrennen gegen Resig­nation, auf der Suche nach einem Neuanfang, nach neuen Werte-Hierarchien – nach der Zukunft. Premiere: 23. März 2018, Kammerspiele

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ALL ADVENTUROUS WOMEN DO von Tanja Šljivar Eine Inszenierung des Jungen DT Regie: Salome Dastmalchi Ende 2014 wird die „kollektive Schwangerschaft“ von s­ ieben Teenagerinnen in bosnischen und internationalen Medien skandalisiert. Viel wird gemutmaßt und ­geurteilt über diese Mädchen. Sie selbst kommen nicht zu Wort. Der Autorin geht es jedoch weder um Ursachenforschung noch um Aufklärung. Sie lässt sieben dreizehnjährige Draufgängerinnen in sieben Monologen wild über Schwanger­schaftstests, Balkan-Folk, Instagram, Chauvinis­ mus, Großmütter, Piercings, Gesellschaftsutopien, ­Pornographie, Kritische Theorie, Abtreibungen und Fleisch­fressen sprechen. Alle Erinnerungen, alle Aussagen ­ sind höchst fragwürdig und mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind bereit, alles zu erzählen, außer wie sie wirklich schwanger geworden sind. Es entsteht ein vielstimmiger Chor der Ungehörten über die Notwendigkeit wegzugehen, um über den eigenen Körper, das eigene Leben bestimmen zu können. Und dass es egal ist, aus einer Gesellschaft ausgestoßen zu werden, der man nie angehört hat. Deutsche Erstaufführung: 15. April 2018, Box

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April

AM KÖNIGSWEG von Elfriede Jelinek Regie: Stephan Kimmig „Eine Zukunft, die jetzt keine mehr ist, sondern Gegenwart.“ Inspiriert von der Präsidentenwahl in den USA, widmet sich die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in ihrem ­aktuellen Stück Am Königsweg den „Königen“ dieser Welt. „Gewählt ist gewählt“, doch wie konnte es dazu kommen? Wie kommt es, dass Kapitalismus und Macht stets gleichbedeutend sind mit immer wiederkehrenden ver­ alteten Männlichkeitsbildern? Warum ist der Rechts­ populismus immer auch mit der Blindheit seiner Wähler ­verbunden? Hängt die Blindheit mit dem Ödipus-Komplex zusammen? Und wenn ja, warum hat sich dieses ­Phänomen auch 2000 Jahre später noch nicht erledigt? Oder sind es ­letztlich Miss Piggy und Kermit der Frosch, ­die hier ihr Unwesen treiben? Und alles ist nur ein ­Puppenspiel mit tödlichem Ausgang? Miss Piggy, „als blinde Seherin hergerichtet“, wird mit uns in die Zukunft blicken. Premiere: 28. April 2018, Deutsches Theater

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GALA GLOBAL Eine Weltbürger-Suche von Turbo Pascal Regie: Turbo Pascal (Angela Löer, Frank Oberhäußer, Eva Plischke, Margret Schütz) Nach dem Jugendprojekt Die Welt in uns setzen Turbo ­Pascal die Auseinandersetzung mit dem Erbe von Garry Davis, dem selbsternannten Weltbürger Nr. 1 und ­Gründer der Weltbürgerbewegung, fort. Ab September 2017 macht sich das Theaterkollektiv in einer Limousine in Berlin, in der Mitte und an den Rändern, auf die Suche nach Menschen, die sich als Weltbürger_innen fühlen, und nach Menschen, die damit gar nichts anfangen können. Wo wohnen Weltbürger_innen und wo nicht? Welche Formen von Bürgerschaft sind heute für wen vorstellbar? Im Mai 2018 wird der Vorplatz des DT zum Schauplatz ­einer Weltbürger-Gala – einem Festakt, einem Repräsentations- und Statusspiel, einer Arena für gemischte ­Weltbürgergefühle, -erfahrungen und -haltungen. Verschiedene Vertreter_innen und Gegner_innen von Weltbürgerschaft haben hier ihren Auftritt auf dem roten ­Teppich und verwickeln die Zuschauer_innen an langen Tafeln in Gespräche, Abstimmungen und Rangeleien. Uraufführung: 5. Mai 2018, Theatervorplatz

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DECAMERONE nach Giovanni Boccaccio Regie: Kirill Serebrennikov Es gilt als die Bibel des Erzählens schlechthin und eines der großen Geschichtenarsenale der Weltliteratur: ­Giovanni Boccaccios Decamerone, abgefasst und ­zusammengetragen in den Jahren zwischen 1349 und 1353. Seine Rahmenhandlung setzt ein Jahr zuvor ein mit der Pest in Florenz, vor der zehn junge Frauen und ­Männer auf einen Landsitz in den Hügeln vor der Stadt fliehen. Dort erzählen sie sich zehn Tage lang jeweils zehn Geschichten (Decamerone heißt übersetzt: „Zehn-­ Tage-Werk“). Es sind allesamt Überlebenserzählungen, ­ darunter beispielsweise die Kernfabel der Ring-Parabel aus Lessings Nathan der Weise oder die berühmte ­Geschichte vom Falken, den ein unglücklich liebender Adeliger seiner Angebeteten opfert. Aus den insgesamt 100 Novellen ­wählt der russische Regisseur Kirill ­Serebrennikov zehn Geschichten für zehn junge Spieler_ innen aus und kontrastiert sie mit den Lebenserzählungen von zehn älteren Schauspieler_innen. Damit verschiebt er den Fokus von der antiklerikalen, subversiv erotischen Aus­richtung hin zu einer Lebens- und Zeitbetrachtung ­zwischen Anfang und Ende. Kirill Serebrennikov, Theater- und Filmregisseur sowie Leiter des Moskauer Gogol-Center, ist in Deutschland bisher ­ vor allem als Opernregisseur in Erscheinung ge­treten. Decamerone wird seine erste Schauspielinszenierung hierzulande sein. Premiere: 25. Mai 2018, Deutsches Theater 130


Moskau – Berlin Gogol Center meets Deutsches Theater Berlin Vier Gastspiele und ein reiches Begleitprogramm in den beiden Metropolen Moskau und Berlin: Zusammen mit dem Gogol Center Moskau, einem der innovativsten Theater Russlands, möchte das Deutsche Theater Berlin in einer partnerschaftlichen Verbindung die deutsch-russischen Beziehungen und den künstlerischen Austausch fördern. Der Intendant des Gogol Center, Kirill Serebrennikov, wird mit zwei seiner ­Regiearbeiten Kafka und Maschine Müller am Deutschen Theater gastieren, das wiederum mit den Produktionen Berlin Alexanderplatz und Marat/Sade in Moskau zu Gast sein wird. Frühjahr 2018

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Die Autor_innen Bini Adamzcak ist Autorin von Kommunismus. Kleine Geschichte wie endlich alles anders wird (Münster 2004) sowie von Gestern Morgen. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonst­ ruktion der Zukunft (Münster 2007). Im Oktober 2017 erscheinen von ihr Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende sowie Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom womög­ lichen Gelingen der Russischen Revolution. Die Theoretikerin ist ­leidenschaftlich überzeugt vom Primat der Praxis. Armen Avanessian, Philosoph. Monographien: Phänomenologie ­ironischen Geistes. Ethik, Poetik und Politik der Moderne. München: Wilhelm Fink, 2010. Präsens. Poetik eines Tempus. (gemeinsam mit Anke Hennig) Berlin/Zürich: Diaphanes, 2012. Metanoia. Ontologie der Sprache. (gemeinsam mit Anke Hennig) Berlin: Merve, 2014. ­Speculative Drawing. (gemeinsam mit Andreas Töpfer) Berlin: SternbergPress, 2014. Überschrift. Ethik des Wissens – Poetik der Existenz. Berlin: Merve 2015. Miamification. Berlin: Merve 2017. Ingolfur Blühdorn leitet das Institut für Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit (IGN) an der WU Wien. Er studierte Theaterwissenschaft und Philosophie und spezialisierte sich dann in den Bereichen Gesellschaftstheorie und emanzipatorisch-demokratische Bewegungen. Über 20 Jahre lehrte er an der University of Bath in GB, bevor er 2015 als Professor für Soziale Nachhaltigkeit nach Wien berufen wurde. Nikita Dhawan ist Professorin für Politische Theorie mit thematischer Akzentuierung im Feld der Frauen- und Geschlechterforschung sowie Direktorin der Interfakultären Forschungsplattform „Geschlechter­for­ schung: Identitäten – Diskurse – Transformationen” an der Universität Innsbruck.

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Sonja Eismann lebt und arbeitet in Berlin. Sie ist seit Ende der 1990er Jahre an der Schnittstelle von Feminismus und Popkultur aktiv und gründete 2008 gemeinsam mit Chris Köver und Stefanie Lohaus das Missy Magazine. In Texten, Workshops, Vorträgen und Lehrveranstaltungen beschäftigt sie sich mit der Repräsentation von Geschlecht in der Populärkultur, mit aktuellen feministischen Diskursen sowie mit Theorien der Mode. Karin Harrasser ist Professorin für Kulturwissenschaft an der Kunstuniversität Linz. Neben ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten war sie an verschiedenen kuratorischen Projekten beteiligt, z.B. NGBK Berlin, Kampnagel Hamburg, TQ Wien. Mit Elisabeth Timm gibt sie die Zeitschrift für Kulturwissenschaften heraus. Letzte Publikationen: Prothe­ sen. Figuren einer lädierten Moderne, Berlin 2016. Körper 2.0. Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen, Bielefeld 2013. Isabell Lorey ist Politische Theoretikerin am European Institute for Progessive Cultural Policies (eipcp) und eine der HerausgeberInnen der Publikationsplattform transversal texts. Seit 2015 ist sie Profes­ sorin am politikwissenschaftlichen Institut der Universität Kassel. Internationale Publikationen zu: Prekarisierung von Arbeit und Leben im Neoliberalismus; sozialen Bewegungen, insbesondere Euromayday-­ Bewegung und die Demokratiebewegungen seit 2011; kritischer Demo­kratietheorie und politischer Immunisierung. Mads Pankow ist Herausgeber der Zeitschrift für Gegenwartskultur DIE EPILOG und Mitglied der Zentralen Intelligenz Agentur. Einmal im Jahr veranstaltet er das DIGITAL BAUHAUS in Weimar. Er hat in Marburg, Malmö und Weimar Medien- und Kulturwissenschaft studiert. Björn Quiring ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der DFG-Forschergruppe „Natur in politischen Ordnungsentwürfen: Antike – Mittel­alter – Frühe Neuzeit“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Barbara Vinken ist Professorin für Literaturwissenschaft an der ­Ludwig-Maximilians-Universität München.

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Junges DT Meine Identität macht, was sie will Lenny in Klassenbuch

EGO – TRIP Wann warst du zuletzt auf Vergnügungsreise, nur du und dein Ich, berauscht von dir selbst? It's just me, myself and I. Wo warst du nicht wir? Solo ride until I die. Wann warst du dir selbst genug? I don't need a hand to hold. Wann ging es nur um dich? It‘s just me myself and I. Was hast du alles nur für dich selbst getan? „WKMSNSHG?”, rappt Money Boy. Hinter der Abkürzung verbirgt sich die wohl eher anerkennend als kritisch gemeinte Frage: „Wie kann man sich nur so hart gönnen?” Was gönnt man sich? Was sind die ultimativen Zutaten bei der absoluten Ego-Feier? Ein Blick auf die 104.493 Beiträge #gönnung #gönnungmusssein #gönnungweilkönnung zeigt eine postmoderne Inszenierung der sieben Todsünden Stolz, Geiz, Neid, Zorn, Trägheit, Völlerei, Wollust: Man gönnt sich vor allem Fast und Junk Food, fette Eisbecher, fettige Pommes, fette Uhren und fette Autos, viel, viel und noch mehr Alkohol. Egotrip heißt hier Konsum ohne Reue, Party machen, Zocken und Netflix all night. Oder auch einfach gar nichts machen, abhängen, relaxen. Das Ganze gibt‘s auch in der achtsamen, rausch- und kalorienarmen Veganer-Variante mit ­farbenfrohem Smoothie-Spaß, gefolgt vom Abtauchen – heimelig im Schaumbad, trist auf Tropical Island oder sauteuer mit Südsee­ ambiente. Wo der Gentleman früher genossen und geschwiegen hat, will Genuss heute zelebriert, dokumentiert und geteilt werden. Wie selbstgenügsam ist mein Egotrip? Braucht er Beweise, Zeugen, Beifall, Neid? Ich inszeniere mich, also bin ich.

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Die Inszenierungen – Selbstfeier und Identitätssuche In Tigermilch geht es um radikale Selbstbestimmung und ­Vergnügungslust, mit allem was dazugehört: Ignorieren jeglicher Vorschriften (insbesondere des Jugendschutzgesetzes) und jeglicher ­Erziehungsberechtigter (sofern überhaupt vorhanden und ansprechbar), Rausch (bevorzugt hervorgerufen durch selbstgemixte Tigermilch) und natürlich Sex (ganz vorne steht das Projekt „Entjung­ ferung“). Ist ein Egotrip auch die Suche nach dem Selbst, der eigenen Identität? Die mediale Form des Egotrips ist die Subjektive des EgoShooters, die Textform ist die Ich-Perspektive, der Monolog. In Klassenbuch sind neun Monologe, Perspektiven und Textsorten miteinander vernetzt. Wir blicken in die Köpfe und auf die Bildschirme von neun Zwölftklässlern und in die Abgründe einer gar nicht so schönen neuen Welt. Wenn aber Identität keine feste und verlässliche Größe mehr ist, wird nicht nur die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ immer komplizierter, sondern auch die nach Wahrheit und Wirklichkeit. Schon der Titel All adventurous women do macht neugierig auf das, was alle Draufgängerinnen tun. Was aber haben die sieben Dreizehnjährigen auf der Klassenfahrt getan? Die Folgen sind offensichtlich: Alle sind schwanger. In sieben Monologen wird immer unklarer, wie es dazu kam und wie es weitergeht. Glasklar ist, was sie einfordern: Autonomie, egal um welchen Preis, egal was wird - aus ihnen, den Ungeborenen, dem Rest der Welt. Die Projekte – Reisen & Campen Kennst du den Moment, wo dir klar wird: Hier stehe ich und kann nicht anders, wo Raushalten keine Haltung ist, wo man sich nur seinem Gewissen verpflichtet fühlt, auch gegen die Meinung der Mehrheit? Um herauszufinden, wann man aufsteht und einsteht für das, was man für richtig hält, reisen bei dem Projekt Hier.Stehe.Ich sechs polnische, sechs russische und sechs deutsche Jugendliche nach Warschau, St. Petersburg und Berlin. Mit der Regisseurin Uta Plate finden sie heraus, wie widerständig sie sind und welche starke Persönlichkeiten, neben Martin Luther, Irena Sendler und Andrei ­Sacharow, heute beim Thema Zivilcourage als Vorbild dienen könnten. 135


Ein Selfie mit Filter drauf ist nicht der Höhepunkt der Selbstinszenierung! Im Ostercamp 2018 testen wir mit Künstler_innen Selbstdarstellungsstrategien und erfinden neue. Wie kann man sich befragen, beschreiben, abbilden, überschreiten, verfremden, verkleiden, ver­ wandeln? Mit Musik, Theater, Worten, Bildern, Körpern und Kostümschlachten wollen wir wissen: Wer bin ich? Was macht mich einzigartig? Passt diese crazy Sonnenbrille zu meiner crazy Identität? Wie ­beweise ich, dass ich nicht du bin? Wie stehe ich ein für mich? Wann bin ich nicht wir?

Junges DT Club Mit der Frage, wie es ist, jeden Tag in einem anderen Körper aufzuwachen und seinem Ego trotzdem treu zu bleiben, beschäftigt sich der Jugendclub I (ab 12 Jahren) anhand der Geschichte von A aus Letztendlich sind wir dem Universum egal: Ist es möglich, sich in ­jemanden zu verlieben, der gestaltlos ist und keinem bestimmten Geschlecht oder einer Familie angehört? Unconditional Love ist der ultimative Gegenentwurf zum Egotrip. Denn, wo hat er uns hingeführt außer in Einsamkeit, Leere und Isolation. Gemeinsam mit einem Berliner Kinderhospiz sucht der ­Jugendclub II (ab 16 Jahren) nach einer Liebe, die keine Bedingungen stellt, die ohne Erwartungen auskommt und bereit ist zu geben: „Denn die Liebe ist stärker als der Tod” (Hiob). Da tote Mädchen nicht lügen, wird in US-Serien die Wahrheit auf 13 Kassetten an die Schuldigen verteilt. In Deutschland haben sich 10.080 Menschen 2015 das Leben genommen. Warum? Kann man bei einem Selbstmord von Schuld sprechen? Darf man einen freigewählten Tod als „Egotrip“ bezeichnen? Der Jugendclub III (ab 18 Jahren) No Return entwickelt einen Audiowalk auf der Suche nach Gründen für einen selbstgewählten Tod. Unart – 15 Minutes of Fame Lust auf einen Trip ins Rampenlicht? Du stehst mitten auf der Bühne der Kammerspiele. 230 Augenpaare schauen dich an. Adrenalin pur. Diese 15 Minuten gehören nur dir. Du entwickelst mit Freunden eine 136


eigene Performance, unterstützt von eurem Coach, und zeigst sie im März 2018 im DT. Egal ob Tanz, Theater, bildende Kunst, Video, M ­ usik – alles ist erlaubt. Bewirb dich jetzt bei Unart, einem Festival, bei dem junge Menschen ihre eigenen Ideen auf die Bühne bringen! Mehr ­Informationen unter unart.net.

Theater und Schule Auch in der Spielzeit 17/18 laden wir Lehrer_innen und Kulturvermittelnde ein, mit ihren Schüler_innen das Deutsche Theater als Ort der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen und ästhetischen Ansätzen kennenzulernen. In kostenfreien Workshops, Nachgesprächen, Führungen oder intensiven Projekten – wie einer Premierenklasse oder dem Zugriffe-Format – werden unterschiedliche Regiehandschriften vorgestellt und mit eigenen Ideen experimentiert. Unter dem Titel Neue Nachbarschaft werden wir mit unserem neuen TUSCH-Partner, dem Oberstufenzentrum für Bekleidung und Mode, Projekte mit jungen Neuberliner_innen aus Willkommensklassen ­realisieren und den bereits begonnenen Austausch vertiefen. Gerne kommen wir auch in die Schule: Das neue Klassenzimmerstück der niederländischen Autorin Erna Sassen stellt die Frage, wie weit Verweigerung gehen darf, sehr eindringlich, aber alles andere als humorlos. Gehört dein Leben nur dir? Hat der 16jährige Bou das Recht, nichts mehr zu machen, nicht zur Schule zu gehen, nicht zu essen, nicht zu schlafen, nicht zu reden, nicht zu wollen, nichts zu wollen, einfach überhaupt nichts. Als sein Vater das nicht mehr aushält, stellt er ihm ein Ultimatum und gibt ihm ein Heft zum Hineinschreiben, jeden Tag etwas. Sein erster Satz: Das hier ist kein Tagebuch. Durch das Schreiben findet er aus seiner Depression zurück ins Leben, und wir sind „am Schluss ­genauso befreit wie Bou“ (Jury Deutscher Jugendliteraturpreis 2016). Weitere Projekte, Aktionen und Angebote unter jungesdt.de

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Von Mainz bis an die Memel Videoschnipselvorträge von Kuttner Jeder Videoschnipselabend hat zwei Elemente. Denn er besteht A aus den Videos und B aus Kuttner, dem Mann also, der sie vorab fürs Publikum aussucht, zerschnipselt und schließlich auf der Bühne präsentiert. Jeder Videoschnipselabend ist anders. Denn jeder Abend hat ein eigenes Motto, eine eigene These. Dabei kann es einerseits um so Grundsätzliches gehen wie Liebe, Sex, Krieg, Kinder, Fußball, Autos, andererseits aber auch um so diffizile Probleme wie das Demokratisierungspotential des deutschen Schlagers, die Politiktauglichkeit mittelamerikanischer Rauschkakteen, die ästhetischen Irrungen Mick Jaggers, das Aggressionspotential des Handyklingelns des deutschen ­Außenministers oder die Frage, mit welchen Präsenten man ­KPDSU-Generalsekretären eine Freude machen kann. Mit: Jürgen Kuttner und André Meier Ab September 2017 im Deutschen Theater

DT-Reihen Das Deutsche Theater Berlin als Diskursort: Die Vortrags- und Gesprächsreihe Welche Zukunft beleuchtet und vertieft das Spielzeitthema (Kooperation mit der Theatergemeinde Berlin). Der Müllersalon sucht den Dialog über die und mit den Texten Heiner Müllers, auch um dem „Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“ (Alexander Kluge) etwas entgegenzusetzen (Kooperation mit der Internationalen Heiner-Müller-Gesellschaft). Im Popsalon plaudern Jens Balzer und Tobi Müller gedankenschnell über Novitäten der Pop-Produktion. Gregor Gysi trifft Zeitgenossen an Sonntagvormittagen zum Gespräch, und der Fussballsalon mit Christoph Biermann erörtert Gegenwart und Zukunft des Spiels, bei dem die ersten 90 Minuten immer die schwersten sind. 138


Autorentheatertage 2018 „In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Autorentheatertage am Hamburger Thalia Theater und am Deutschen Theater in Berlin ein klug ausgeweitetes Festival geworden, das neben eigenen Aufführungen der von der Jury ausgewählten Texte auch Gastspiele präsentiert, in denen herausragende Gegenwartsstücke gezeigt werden. Das Festival konkurriert heute mit anderen Uraufführungsfestivals und Schreibworkshops. Was aber nicht verlorengegangen ist, trotz aller neuen Modalitäten, trotz wechselnder Jurorinnen und Juroren, trotz aller Theatermoden, die zum Beispiel dafür gesorgt haben, dass man heute sehr viel mehr Kino- oder Romanstoffe auf den großen Theaterbühnen zu sehen bekommt als noch vor 20 Jahren: der leidenschaftliche Wille, Menschen zusammenzubringen, die davon überzeugt sind, dass genuin für die Bühne geschriebene Texte der Kraftstoff sind, den ein lebendiges Gegenwartstheater braucht.“ (Wolfgang Höbel, Redakteur beim Spiegel, war 1997 Juror der Autorentheatertage.) Das Deutsche Theater Berlin sucht neue Stücke für die nächsten Autorentheatertage im Juni 2018. Aus den eingesandten, noch nicht uraufgeführten Texten wählt eine unabhängige Jury drei Stücke aus, die vom Deutschen Theater Berlin, dem Burgtheater Wien und dem Schauspielhaus Zürich im Rahmen der Autorentheatertage uraufgeführt und dann an den beteiligten Theatern in den Spielplan übernommen werden. Vorsitzender der Jury für die Autorentheatertage 2018 ist der Kulturjournalist Bernd Noack. Einsendeschluss ist der 11. September 2017. Juni 2018 Mit freundlicher Unterstützung

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mitos21 Das internationale Theaternetzwerk wurde 2008 ins Leben gerufen mit dem Ziel, über Länder- und Sprachgrenzen hinweg Gelegenheiten für professionellen Austausch und Weiterbildung, Nachwuchsförderung und künstlerische Zusammenarbeit zu schaffen und multinationale, außergewöhnliche Projekte zu entwickeln. 13 führende europäische Theater und zwei Schauspielakademien sind mit mitos21 verbunden: Toneelgroup Amsterdam – Teatre ­Lliure, Barcelona – Deutsches Theater Berlin – Berliner Ensemble (ab Herbst 2017) – Katona József Színház, Budapest – Düsseldorfer Schauspielhaus – Schauspiel Frankfurt – Det Kongelige ­Teater, Kopenhagen – Narodowy Stary Teatr, Krakau – National Theatre, London – Theater der Nationen, Moskau – Odéon, Théâtre de l’Europe, Paris – Dramaten, Stockholm – Schauspielhaus Zürich – Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg – Thomas Bernhard Institut, Mozarteum Salzburg. Für 2018 sind in Planung: PLAS, 3rd edition, Performance ­Laboratory Salzburg für angehende Regisseur_innen und Schauspieler_innen‚ die Konferenz Sustainability in Cultural Policy and Artistic Creation in Ludwigsburg sowie Topographies of Paradise, ein ­multinationales Projekt des dänischen Künstlers Madame Nielsen beim Bergman-Festival in Stockholm. www.mitos21.com

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European Theatre Convention Gegründet im Jahr 1988, fördert das größte europäische Theaternetzwerk, die European Theatre Convention (ETC), das europäische Theater als unverzichtbaren sozialen Schauplatz für Dialog, Demokratie und Interaktion, der die Vielfalt des Publikums und die sich verändernden Gesellschaften wiederspiegelt und zum Thema macht. Eine sozial engagierte, inklusive Auffassung von Theater, die das ­kulturelle, soziale und sprachliche Erbe Europas an Publikum und Gemeinden heranträgt, gehören ebenfalls zu den Förderthemen der ETC. Mehr als 40 Theater aus über 20 Ländern gehören zur ETC, seit 2009 ist das DT Mitglied. Mit seinen Programmen und Projekten initiiert die ETC internationale Theaterprojekte, bietet künstlerischen Austausch und eine professionelle Plattform zur internationalen Vernetzung. Aktuell forscht die ETC mit dem Projekt European Theatre Lab: Drama goes digital zur Zukunft des Theaters im digitalen Zeitalter. In ­ der Spielzeit 2017/18 startet ENGAGE – Empowering today’s ­audiences through challenging theatre, ein vierjähriges ­internationales Theaterprogramm, an dem auch das DT mitwirkt. EUROPA-ABO: Alle Inhaber einer DT-Card haben freien E ­ intritt in alle ETC-Theater jenseits der Grenzen und erhalten ermäßigte ­Karten bei den deutschen Mitgliedstheatern. Kartenreservierung über Besucherservice: Telefon 030. 284 41-221

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Mitarbeiter_ innen


Künstlerische Leitung Intendant: Ulrich Khuon; Chefdramaturgin und stellv. Intendantin: Sonja Anders; Künstlerischer Betriebsdirektor: Michael de Vivie; Atelierleiterin: Anne Ehrlich; Pers. Referentin des Intendanten, Sponsoring: Lona Wulff; Leiterin Kommunikation: Katharina Wenzel; Leiterin Junges DT: Birgit Lengers Intendanz Intendant: Ulrich Khuon; Pers. Referentin, Sponsoring: Lona Wulff; Mitarbeiterin und DT Freunde: Anouk Wallerath Geschäftsführende Direktion Geschäftsführender Direktor und stellv. Intendant: Klaus Steppat; Pers. Referentin des Geschäftsführenden Direktors: Selma Ilhan; Assistent: Karl Sand Dramaturgie und Junges DT Chefdramaturgin: Sonja Anders; Dramaturg_innen: Ulrich Beck, Claus Caesar, John von Düffel, David Heiligers, Juliane Koepp; Dramaturgieassistent: Joshua Wicke; Internationale Kontakte, Autorentheatertage: Christa Müller; Gäste: Bendix Fesefeldt, Hannes Oppermann, Meike Schmitz, Anika Steinhoff; Leitung ­ ­Junges DT: Birgit Lengers; Theater und Schule: Anne Tippelhoffer; ­Mitarbeiter Junges DT: Peter Kolb, Lukas Müller; Gast DT Welt und Herbstcamp: Lasse Scheiba; FSJ Kultur: Antonia Lind Künstlerisches Betriebsbüro Künstlerischer Betriebsdirektor: Michael de Vivie; Mitarbeiter, Leiter Statisterie: Andreas Däscher, Mitarbeiterin Gastspiele und Sonderveranstaltungen: Christine Drawer; Mitarbeiterin: Simone Pasemann Technische Direktion Technischer Direktor: Olaf Grambow; Stellv. Technischer Direktor: Marco Fanke; Assistentin des Technischen Direktors: Sophie Wiedemann

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Kommunikation Leiterin Kommunikation, Pressesprecherin: Katharina Wenzel; Marketing: Friederike Busch; Mitarbeiterin Presse, Onlineredaktion: Lena Domeyer; Mitarbeiterin: Angela Modest; Grafik: Julia Kuon, Sabine Meyer; Fotograf: Arno Declair DT-Besucherservice Vertriebsleiter Jörg Freckmann; Mitarbeiter: Philip Mario Jakobs; Abenddienstleitung: Thomas Koch; Maria Dinkel; Kassenleiter: Olaf Grolmes; Kassierer_innen: Trung Tran Duc, Luisa Geduhn, Peter Schmeißer, Barbara Schmidt, Luciano Siliprandi; Sarah Wierzbinski Archiv und Bibliothek Karl Sand Regie Frank Abt, Auftrag : Lorey (Bjoern Auftrag, Stefanie Lorey), Anne Bader, Brit Bartkowiak, Anja Behrens, Jan Bosse, Dietrich Brüggemann, Salome Dastmalchi, András Dömötör, Jakob Fedler, Jessica Glause, Jürgen Gosch, Dimiter Gotscheff, Gernot Grünewald, Martin Grünheit, Sebastian Hartmann, Karin Henkel, Branko Janack, ­ ­Stephan Kimmig, ­Wojtek Klemm, Tilmann Köhler, Bastian Kraft, ­Andreas Kriegenburg, Jürgen Kruse, Tom Kühnel, Jürgen Kuttner, Martin Laberenz, Anne Lenk, Daniela Löffner, Thom Luz, Jenke Nordalm, Ivan Panteleev, Dušan David Pařízek, Uta Plate, Rosa von Praunheim, Stefan Pucher, Alexander Riemenschneider, Matthias ­Rippert, Josua Rösing, Hanna Rudolph, Christopher Rüping, Lilja Rupprecht, Kristo Šagor, Nora Schlocker, Christian Schwochow, Kirill Serebrennikov, Jette Steckel, Miriam Tscholl, Turbo Pascal (Frank Oberhäußer, Angela Löer, Eva Plischke), Andres Veiel, Hasko Weber, Bjørn de Wildt Bühne und Kostüme Atelierleiterin: Anne Ehrlich; Geraldine Arnold, Dagmar Bald, Michaela Barth, Ben Baur, Peter Baur, Victoria Behr, Jil Bertermann, Katrin Brack, Adriana Braga Peretzki, Katharina Bruderhofer, Sigi 144


Colpe, Camilla Daemen, Barbara Drosihn, Barbara Ehnes, Nikolaus Frinke, Juliane Grebin, Sebastian Hartmann, Katja Haß, Oliver Helf, Sabine Hilscher, Volker Hintermeier, Pauline Hüners, Janina Janke, Julia Kaschlinski, Mira König, Michael Köpke, Katharina Kownatzki, Iris Kraft, Halina Kratochwil, Mareile Krettek, Andreas Kriegenburg, Aino Laberenz, Stéphane Laimé, Mark Lammert, Silja Landsberg, ­Sophie Leypold, Florian Lösche, Regina Lorenz-Schweer, Thom Luz, Julian Marbach, Eva Martin, Simeon Meier, Wolfgang Menardi, ­Jonathan Mertz, Moritz Müller, Judith Oswald, Johanna Pfau, Kathrin Plath, Kamila Políková, Anja Rabes, Viktor Reim, Thilo Reuther, K ­ aroly Risz, Jessica Rockstroh, Claudia Rohner, Karin Rosemann, Caroline Rössle Harper, Carolin Schogs, Anna Maria Schories, Andrea Schraad, Jo Schramm, Johannes Schütz, Lene Schwind, Daniela Selig, Katja Strohschneider, Dorien Thomsen, Harald Thor, Linda Tiebel, Inga Timm, Selina Traun, Sibylle Wallum, Åke Warnow, Bettina Werner, ­Annabelle Witt, Steffi Wurster Musik Mark Badur, Bastian Bandt, Arvild Baud, Michael Emanuel Bauer, Friederike Bernhardt, Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot, Heiner Bomhard, Björn SC Deigner, Albrecht Dornauer, Matthias Erhard, Friedrich Greiling, Romain Frequency, Christoph Hart, Ben Hartmann, Markus Hübner, Arne Jansen, Sebastian Katzer, Sophia Kennedy, Arno Kraehahn, Stephan Läufer, Joe Masi, Tamás Matkó, Thies Mynther, Martin Person, Leo Schmidthals, Ingo Schröder, SØS Gunver Ryberg, Daniel Spier, Jacob Suske, The Notwist, The New Roman Empire, Philipp Thimm, Christopher Uhe, Michael Verhovec, Tobias Vethake, Mathias Weibel, Bert Wrede, Volker Wendisch Einstudierung Chor: Christine Groß Einstudierung Musik: ­Katharina Debus, Rolf Fischer, Pascal von Wroblewsky Bühnenmusiker Michael Abramovich, Jo Ambros, Chikara Aoshima, Mark Badur, Friederike Bernhardt, Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot, ­ ­Heiner Bomhard, Johannes Cotta, Leonhard Dering, Philipp Haagen, Christoph Hart, Ben Hartmann, Arne Jansen, Sophia Kennedy, ­Robert Lippok, Ronald Lippok, Michael Mühlhaus, Thies Mynther, 145


Daniele Pintaudi, Matze Pröllochs, Christiane Rösinger, Philipp ­ Rohmer, Ingo Schröder, Philipp Thimm, Tobias Vethake, Sebastian Vogel, Björn Werra Video Voxi Bärenklau, Tilo Baumgärtel, Peter Baur, Stefan Bischoff, Marlene Blumert, Alexander Bunge, Meika Dresenkamp, Moritz ­Grewenig, Daniel Hengst, Phillip Hohenwarter, Stephan Komitsch, ­Julian Krubasik, Felix Johannes Lange, Jonas Link, Isabel Robson, Jo Schramm, Ayca Nina Zuch Regieassistenz Philipp Arnold, Anna Magdalena Berndt, Lena Brasch, Anna Carolina Freiheit, Marike Moiteaux, Nazanin Noori Gäste: Miriam Anna ­Glöckler, Elena Hoof, Bettina Ihde, Maxie Oehrlein, Theokleia ­Psifidi, Yoshii Riesen, Josua Rösing, Anna-Katharina Schröder, Alina Weinert, Wenzel Winzer Ausstattungsassistenz Ulrich Belaschk, Julia Dietrich, Henrike Huppertsberg, Thomas D ­ avid Mairs, Viktor Reim, Linda Spörl, Janja Valjarević Choreographie Ronni Maciel Inspizienz Kathrin Bergel, Anna Carolina Freiheit, Andreas Grimmert, Erika Kurth-Luxath, Marike Moiteaux, Frank Ulbig Soufflage Anna Carolina Freiheit, Martina Jonigk, Marion Rommel, Simona Wanko; Gäste: Dorothea Bartelmann, Bärbel Kleemann, Sterica Rein, Suheer Saleh, Wenzel Winzer Maske Chefmaskenbildner: Andreas Müller; Stellvertreterin: Susanne Rothert; Maskenbildner_innen: Franziska Becker, Julia Berten, 146


Bernd Heinemann, Meike Hildebrand, Grischa Hörmann, Vanessa Müller, Mike Schmiedel, Karen Schulze, Monika Stahl, Franziska ­Stiller, Günter Trümpelmann; Auszubildende: Simone Hauser, Marco Höfer, Juliane Schulz, Josephine Müller, N.N. Produktionsleitung Produktionsleiter: Herbert Lines-Weber; Konstrukteure: Torben Bohl, Nico Hoppe Betriebs- und Gebäudemanagement Abteilungsleiterin: Katrin Dywicki; Leiter Hausinspektion: Ronald Fritz; Rolf Heyne, Andreas Keyser, Gerhard Schultz, Harald Sporn; Leiter Betriebstechnik: Siegbert Braatz; Burkhard Jastram, Dirk Kirchhof, Karsten Matthes, Frank Schmidt Bühnentechnik Leiter: Jörg Luxath; Theaterobermeister: Thomas Lachmann, Dirk Salchow, Bühnenmeister: Enrico Knorr, Steffen Labahn, Mario Müller, Denny Petrick; Bühnentechniker_innen: Thomas Ahrend, Mark Aust, Ralf Diel, Andreas Dietrich, Karsten Franz, Michael Graßmann, Ralf Haase, Markus Hauser, Jörn Herold, Michael Höhn, Jean Hofer, Jan Hoffmann, Jörg Hoffmann, Patrick Janicke, Karl-Heinz Karow, Heiko Keller, Stefan Klost, Daniel Koch, Stefan Koch, Hans-Martin Kolasinski,Jochen Kolasinski, Michael Kroker, Philipp Kurth, Frank Lehmann, Lars Lehmann, Rainer Marx, Oliver Mende, Martin Merker, Michael Mett, Roland Perl, Jörn Prawitz, Carsten Raatzsch, Karsten Rahnenführer, Enrico Sachse, Stefan Schlegel, Frank Schulz, Michael Schulz, ­Thomas Schulze, Guido Sentek, Christian Sterl, Horst Strohmann, Jörg Tiepelmann, Martin Vorwald, Olaf Wachlin, Swen Wagner, Hendrik Wendt, Jens Weihrauch, Martin Ziehbarth, Arne Zimmermann; Fuhrpark: André Däweritz, Horst Fischbeck, Frank Mohaupt Beleuchtung Leiter: Robert Grauel; Lichtgestaltung: Matthias Vogel; Beleuchtungsobermeister: Heimhart von Bültzingslöwen, Marco Scherle; Beleuchtungsmeister: Cornelia Gloth, Kristina Jedelsky, Thomas 147


Langguth; Erste Beleuchter: Frank Kuhnert, Ralf Reckmann; Beleuchter_innen: Bodo Ahlenstorf, Helmuth Esch, Kevin Görtz, Peter Grahn, Mike Herrford, Peter Heymann, Dirk Hilgenhof, Margit Jacob, Bernd Krakowski, Bella Kühne, Daniel Kuhn, David Kusche, Udo Merker, Ronald Mühlnikel, Thorsten Nickstat, Peter Radtke, Andreas Ripperger, Holger Sand, Mike Schmitz, Peter Schniegeler, Maria Schreiber, Heiko Thomas, Lothar Urban, Kay Welz, Olaf Winter, ­Yannic Wollenhaupt, Linus Zahn Ton und Video Leiter: Marek Sawitza; Stellv. Leiter: Matthias Lunow; Tonmeister: Marcel Braun, Eric Markert, Björn Mauder, Richard Nürnberg, Martin Person, Wolfgang Ritter; Videotechniker: Jens Kuffel, Robert Hanisch, Lennart Löttker, Peter Stoltz; Ton- und Videotechniker: Paul Fuhrmann Auszubildende der Veranstaltungstechnik Johannes Chlubna, Charley-Beth Kriehn, Jula Liebhold, Miriam Lüdtke, Salma Nasser, Jaline Richter, Jonathan Scharnberg, Alexander Seeligmüller, Gabriel von Seidlein Ankleidedienst Leiterin: Sabine Reinfeldt; Stellv. Leiterin: Bärbel Krepp; Doris Müller-Gehrcke, Undine Heydenbluth, Kordula Horn, Sandra Luber, Jessika Reichel, Kathrin Rünger, Ines Scheminowski, Katja Tausch, Gitte Thoma, Christina Tscharntke, Gabriele Wax, Maike Wiehle Requisite Leiter: Jens Thomas Günther; Stellv. Leiterin: Ines Duckert; Sven Arnold, Sabine Balkow, Andreas Heider, Regina Heinrich, Karsten Klein, Luise Krolik, Siegmar Kuske, Dietmar Lebus, Frank Papist, Jan Quaiser, Friederike Sailer, Frank Schulz, Marco Weihrauch Recht und Organisation Leiter: Markus Ritter; Fortbildung und Gesundheitsmanagement: Christine Hoffmann, Stephanie Metzger; Bewerberservice: Semra Ilhan 148


Behördlicher Datenschutzbeauftragter Markus Ritter IT-Management Leiter: Andreas Rutenberg; Christian Birzle, Hardy Dittmar, Christoph Küchler; Auszubildender Marvin Ankert Finanzen und Personal Leiterin: Beate Katzenbach; Gruppenleitung Finanzbuchhaltung: Irena Pella; Ingrid Döll, Anke Flemme, Corina Golditzsch, Jeanette Krause, Kristiane Lindner, Natalia Poniakowska; Gruppenleitung Personalwesen: Julia Waleczek; Manuela Bernt, Stephanie Metzger, Angela Schellhorn, Martina Stark; Gruppenleitung Einkauf und Materialwirtschaft: Cornelia Schulze; Zentrallager: Peter Grunhold; Poststelle: Jana Looks, Christine Wohlatz; Auszubildender Kaufmann für Büromanagement: Julius Koesling Personalrat Vorsitzender: Christian Birzle; Peter Grahn, Michael Graßmann, Philip Mario Jakobs, Frank Lehmann, Lennart Löttker, Carsten ­ Raatzsch, ­Susann Rakowski, Barbara Schmidt Schwerbehindertenvertretung Stefan Koch Frauenvertretung Ines Duckert, Anna Carolina Freiheit Übertitel KITA, Kleine Internationale Theater Agentur

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Service


Besucherservice Montag bis Freitag 11.00 – 18.30 Uhr Telefon: 030.28 441-221 Fax: 030.28 441-404 Adresse: DT Besucherservice Postfach 04 02 09, 10061 Berlin service@deutschestheater.de Serviceleistungen · Kartenbuchungen für DT  Freu­n­de · Reservierung für Schülergruppen · Verkauf der DT Cards · Reservierung von Eintritts­karten · Informationen über den Spielplan und die Aktivitäten des Theaters · Unterstützung bei der Gestaltung Ihres Theater­ besuchs vor und nach der Vorstellung · Sonderarrangements für Gruppen · Vermittlung von Gesprächen mit Schauspielern, Regisseuren und Dramaturgen · Vermittlung von Führungen durch das Deutsche Theater · Verkauf von Programmheften und anderen Publikationen

Kasse Tageskasse im Foyer des DT Montag bis Samstag: 11.00 – 18.30 Uhr Sonn- und Feiertage: 15.00 – 18.30 Uhr Telefon: 030.28 441-225 Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. An der Abendkasse nur ein­geschränkter Vorverkauf. Vorverkauf Der Vorverkauf beginnt am 10. des Monats für den Folgemonat. DT Freunde können bereits ab 7. des Vor­monats ihre Karten buchen, Gruppen und DT Card-Besitzer ab dem 8. des Vormonats. Telefonischer und OnlineKartenvorverkauf (www.deutschestheater.de) mit Kreditkarte (Visa, Master­card, American Express) und per giropay. Online gebuchte Karten können Sie zu Hause auch selbst ausdrucken.

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Kartenbestellungen Bestellungen sind ab Veröffent­ lichung des Spielplans im Internet möglich und werden mit Beginn des Vorverkaufs in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Schriftliche Bestellungen richten Sie bitte an den Be­ sucherservice. Reservierungen über unsere Internetseite sind ab Vor­ver­ kaufsbeginn möglich. Telefonische Kartenbestellung über die Kasse und den Besucherservice.

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Gruppen und Schulklassen Einmal im Monat ist „Blauer Tag”: 12 € auf allen Plätzen Ermäßigungen werden auch im Vorverkauf (nach Verfügbarkeit) gewährt. Sie gelten nicht für Premieren und Sonderveranstaltungen. Bitte bringen Sie Ihre Ermäßigungsberechtigung auch zum Besuch der Vorstellung mit.

Buchung Klassenzimmer­stück und Theaterpädagogik Junges DT: 030.28 441-220 klassenzimmer@jungesdt.de www.jungesdt.de

Geschenk-Gutscheine Verschenken Sie DT Gutscheine, die für einen Vorstellungs­besuch Ihrer Wahl innerhalb von drei Jahren eingelöst werden können. Gutscheine können auch auf unserer Internetseite gekauft (aber nicht eingelöst!) werden.

Eintrittspreise und Ermäßigungen · Die für die jeweilige Vorstellung geltenden Eintrittspreise entnehmen Sie bitte dem Monats­ spielplan · Karten zum Preis von 9 € für Schüler, Studierende, Auszubildende und Empfän ger von Arbeitslosengeld I · Karten zum Preis von 3 € bei Vorlage des berlinpass · Sonderkonditionen für

DT Card Mit der DT Card erhalten Sie 40 % Ermäßigung in den Preisgruppen I bis IV. Sie ist personengebunden und gilt 12 Monate. Sie gilt nicht für Premieren, einige Sonderveranstaltungen und den monatlichen „Blauen Tag”. Sie haben die Wahl: · Die DT Card für 55 €: eine ermäßigte Karte pro Vorstellung · Die DT Partner-Card für 90 €:

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zwei ermäßigte Karten pro Vorstellung Die DT Familien-Card für 100 €: zwei ermäßigte Karten für zwei Erwachsene und bis zu drei Karten für jeweils 3 € für Kinder und Jugend­ liche bis 18 Jahre Für DT Card-Besitzer beginnt der Vorverkauf immer am 8. des Monats für den folgen- den Monat.

Weitere Vorteile mit der DT Card Gegen Vorlage Ihrer DT-Card erhalten Sie in der Deutschen Oper 10 % Ermäßigung für zwei Eintrittskarten. Das Restaurant im Deutschen Theater gewährt Ihnen ebenfalls einen Rabatt von 10% auf Ihre Rechnung. ETC Europa Abo: Mit der DT Card können Sie die Vorstell­ ungen aller Mitgliedstheater der European Theatre Con­vention im Ausland kostenlos besuchen, die deutschen Mitgliedstheater gewähren Ermäßigungen. Mehr Infos: www.etc-cte.org

Ihnen im DT in den Rängen oder im Parkett in den Reihen 10 – 15 zu buchen, in den Kammerspielen ab Reihe 8. Garderobe Ihre Garderobe können Sie kostenlos an den Garderoben im Foyer des DT und der Kammerspiele abgeben. Buchstand Am Buchstand im Foyer des DT finden Sie eine gut sortierte Auswahl von Büchern zu unserem Programm sowie weitere Theater- und Musikliteratur. Unser Kooperationspartner ist die Buchhandlung einar & bert. Restaurant &Bar Vor den Vorstellungen sowie in der Pause erhalten Sie Getränke im Spiegel­foyer, im Saal (Rangfoyer) und in der Bar. Das ­Restaurant im Deutschen Theater ist täglich zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn geöffnet. Reservierungen unter Tel: 030.490 82 412 Mail: subke-subke@gmx.de

Hinweise für Vorstellungen mit Übertiteln Wir bitten Sie, Über­ titel als Service zu betrachten, von dem nicht auf allen Plätzen profitiert werden kann. Wir empfehlen 153


Preise Bühne Parkett

Links

2. Rang

2. Rang

1. Rang

1. Rang

Rechts

Links

Deutsches Theater A Preisgruppe I 48 €  Preisgruppe II 39 €  Preisgruppe III 30 €  Preisgruppe IV 21 €  Preisgruppe V 12 €  Preisgruppe VI 5 €

Mitte

B 42 € 34 € 26 € 18 € 10 € 5 €

C 35 € 28 € 21 € 14 € 8 € 5 €

Rechts

Kammerspiele A B C Preisgruppe I 30 € 25 € 19 € Preisgruppe II 23 € 19 € 14 € Box/Bar/Saal A B C D Preisgruppe 18 € 14 € 8 € 6 € Ermäßigt 8 € 6 € 6 € 4 €

Kartenverkauf im Internet: Es fallen Web-Systemgebühren von 1 bis 3 Euro pro Buchung an.

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Angebote für Studierende Ermäßigte Karten Karten für Studierende kosten 9 € bzw. 6 € in der Box, auch im Vorverkauf (ausgenommen Premieren und Sonderver­ anstaltungen). DT Campus Zweimal im Jahr kommen Studierende noch günstiger ins DT. Bei DT Campus kosten alle Tickets für Studierende 6 €. MitarbeiterInnen des DT bieten kostenlose Workshops, Gespräche und Führungen an. Theaterscouts Die Theaterscouts sind eine Gruppe von Studier­enden aus Berlin, die sich regelmäßig trifft. Neben gemeinsamen Theaterbesuchen planen und organisieren sie auch Gespräche und Probenbesuche. Einfach melden und mitmachen: theater­scouts@ deutschestheater.de

Junges DT Improvisieren, Experimentieren und Theater spielen! Das Programm des Jungen DT bietet zahlreiche Möglichkeiten selber aktiv zu werden: www.jungesdt.de Junge DT Freunde Noch näher dran: die Jungen DT Freunde begleiten in Workshops, Gesprächen und Probenbesuchen die Arbeitsprozesse am DT. Für alle unter 35 beträgt die Mitgliedschaft bei den DT Freunden nur 1€ pro Lebensjahr. Weitere Infos auf www.dtfreunde.de

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Hinweise zur Barrierefreiheit Schwerbehinderte, die auf eine Begleitperson angewiesen sind, erhalten zwei Karten zum halben Preis. Nutzen Sie die Möglichkeit des schriftlichen Vorverkaufs. Ihre Karten­wünsche werden vorrangig bearbeitet. Barrierefreiheit Das Deutsche Theater und die Kammerspiele verfügen über Rollstuhlfahrerplätze. Rollstuhlfahrer bitten wir, ihren Besuch bis einen Tag vor der Vorstellung anzumelden. Zugang zu den Spielstätten über die Rampe und den Hublift am Eingang zum Deutschen Theater. Die behinderten­ gerechte Sanitäranlagen befinden sich im ­Foyer des DT. Schwerhörigenanlage Das Deutsche Theater verfügt im gesamten Parkett über eine Schwerhörigenanlage, die Kammerspiele bis Reihe sieben. Geschäftsbedingungen Die AGBs können an der Theaterkasse und unter www.deutschestheater.de eingesehen werden.

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DT Freunde Freunde und Förderer des Deutschen Theaters und der Kammerspiele „Noch näher dran am Deutschen Theater” sind Sie als DT Freund oder bis einschließlich 35 Jahre als Junger DT Freund: Gemeinsam mit Mitgliedern des Hauses werfen Sie Blicke hinter die Kulissen, besuchen Proben oder exklusive Sonderveranstalt­ungen, treffen Regisseur_innen, Dramaturg_innen und Schauspieler_innen, be­ gleiten das Theater auf Gastspielreisen, können bevorzugte Reservierungen von Premierenkarten in Anspruch nehmen und über den Besucherservice bereits vier Tage vor dem offiziellen Vorverkauf Karten bestellen. Darüber hinaus gibt es speziell für die Jungen DT Freunde Treffpunkte, gemeinsame Premieren­ besuche und Möglichkeiten des Austauschs mit dem künstler­ischen Team. Künstlerische Spielräume ermöglichen und sichern, Ihre Verbundenheit zum DT ausdrücken – das können Sie als DT Freund durch ihre ideelle und finanzielle Unterstützung im Rahmen des Vereins. Weitere Informationen rund um die DT Freunde und die Jungen DT Freunde finden Sie unter: www.dtfreunde.de Ihr DT Freunde-Kontakt im Deutschen Theater: Anouk Wallerath Schumannstr. 13a 10117 Berlin E-Mail: dt-freunde@deutschestheater.de Telefon 030.28 441-229 Fax 030.28 441-410  

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Den Spielplan, Eintrittskarten, ergänzende Informationen, Biografien des Ensembles und der Regisseure, Videotrailer, Audio-Einführungen, Podcasts, Programmhefte und vieles mehr unter www.deutschestheater.de Besuchen Sie uns auch hier: facebook.com/deutschestheater youtube.com/DTPresse twitter.com/DT_Berlin Abonnieren Sie unseren wöchentlichen Newsletter unter www.deutschestheater.de/service/newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Impressum Herausgeber: Deutsches Theater Berlin Intendant: Ulrich Khuon Geschäfts­führender Direktor: Klaus Steppat Redaktion: Claus Caesar, Katharina Wenzel, Joshua Wicke Gestaltung: Julia Kuon, Sabine Meyer Fotos: Klaus Dyba, www.klausdyba.com Druck und Herstellung: ELBE-DRUCKEREI WITTENBERG GmbH Redaktionsschluss: 24. Mai 2017 135. Spielzeit 2017 / 18

Medienpartner

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Verkehrsanbindungen Ch

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Schumannstr.

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Wilhelmstraße

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Tram M1

Tram M1

Unter den Linden

Schumannstraße 13a, 10117 Berlin S-/U-Bahn: Bahnhof Friedrichstraße U-Bahn: Oranienburger Tor Bus: Linie 147: Haltestelle Deutsches Theater TXL: Haltestelle Charité – Campus Mitte Straßenbahn: M1, M5, 12 Haltestelle Oranienburger Tor

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DIE FUNKTION VON KUNST BESTEHT FÜR MICH DARIN, DIE WIRKLICHKEIT UNMÖGLICH ZU MACHEN.

HEINER MÜLLER WIKIQUOTE.ORG

HELMUT ZEIGT DIR DAS SPANNENDSTE AUF BERLINS BÜHNEN UND DIE SCHÖNSTE GÄSTELISTE DER STADT. BESSER AUSGEHEN. ASK HELMUT.


Mit neuen Abenteuern für Ihre Freizeit In der neuen Ausgabe von Tagesspiegel Brandenburg finden Sie unter anderem diese Themen: 12 Tipps für perfekte Tagestrips: Die Lieblingsziele unserer Redaktion Frische Forellen, beste Öle, Braten vom Strauß: Schmackhafte Spezialitäten vom Land Stille Seen, tolle Feriendörfer, spannende Museen: 20 Ziele für die ganze Familie Potsdam Spezial: City-Map zum Herausnehmen mit zwei Touren zur Stadterkundung

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