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32. Jahrgang / Ausgabe 4 / 2015

Wunschliste an Rotgrün Verkehr: Was Wiens Radfahrende brauchen Seite 8

Jahresabschluss So setzen Sie Ihr Rad von der Steuer ab Seite 33

Geschenke, Geschenke Tipps für das Fahrrad-Christkind Seite 36

Furchtlos und stark Barbara Graf radelte einmal um die Welt Seite 40

P.b.b. Verlagspostamt 1040 Wien – Zlgnr.: 02Z033821M

Das österreichische Fahrradmagazin

Wi r woh n en z u s ammen

Lebensraum mit dem Fahrrad teilen


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Drahtesel 4  ⁄  2015 – 2

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Brief des Herausgebers Liebe Leserin, lieber Leser, Das Radfahren ist dabei freilich nicht Selbstzweck, sondern bringt, wenn die entsprechenden Rahmen­ bedingungen geschaffen werden, mehr Lebensqualität sowohl für den Einzelnen, als auch für die Gesellschaft insgesamt. Apropos Leben: Die große Fotoreportage „Wir wohnen zusammen“ (ab Seite 19) zeigt, wie erfinderisch Menschen bei der Aufbewahrung der Fahrräder in ihrer Behausung sind (oder sein müssen). Der ernste Hintergrund: In vielen Wohnhäusern sind keine geeigneten Aufbewahrungs­ plätze vorhanden, rechtliche Grund­ lagen dafür fehlen weitgehend. Ansonsten erwartet Sie in diesem DRAHTESEL wieder eine bunte Mischung. Das österreichische Fahrrad-Magazin zieht den Bogen von Infrastruktur-Kritik, über rechtliche und technische Tipps bis hin zu beeindruckenden Reisereportagen. Auch ein paar Anregungen für velophile Weihnachtsgeschenke haben wir im Blatt. Wie wäre es zum Beispiel mit einem DRAHTESEL-Geschenk-Abo samt Mitgliedervorteilen für liebe Freundinnen und Freunde?  Helfen Sie auf diese Weise mit, die Freude am Radfahren und an umweltfreundlicher Mobilität zu verbreiten! Sollte Ihnen etwas fehlen: Wir sind wie immer offen für Anregungen. Das gesamte ARGUS  ⁄  RadlobbyTeam bedankt sich herzlich bei allen UnterstützerInnen und Unterstützern! Wir wünschen frohe Weihnachten, ein glückliches neues Jahr und gute Fahrt bis zur nächsten Ausgabe im März 2016. Andrzej Felczak

D ww RAHT w.d rah E S E L tes el.o Gesch r.at /ge enkab sch o enk abo

Andrzej Felczak ARGUS-Vorsitzender und Vorsitzender Radlobby Österreich

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 3

in Wien steht die neue Stadtregierung fest, die rotgrüne Koalition wird in einer zweiten Amtsperiode fortgesetzt. Der DRAHTESEL hat das neue Koalitionsabkommen unter die Lupe genommen. Besonders freut uns das Bekenntnis zu einer ressourcenschonenden und für die Umwelt und Gesundheit möglichst wenig belastenden Mobilität. Ebenfalls positiv: die Ankündigung, dass die Verkehrssicherheit durch mehr Tempo-30-Zonen und eine Straßengestaltung, die zu langsameren Fahrgeschwindigkeiten führt, erhöht werden soll. Das dient Kindern, Stadtbewohnenden, Zufußgehenden und Radfahrenden gleichermaßen. Einen Auszug der radrelevanten Abschnitte finden Sie ab Seite 8. Das Ziel, den Radverkehr auf zehn Prozent bis 2025 zu steigern, finden wir jedoch wenig ambitioniert. Wollte man diesen Wert doch bereits mit Ende 2015 erreicht haben. Zudem ist jedes Programm nur so gut wie dessen Umsetzung. Hier wird sich die Radlobby entschlossen dafür einsetzen, dass es nicht nur bei Ankündigungen bleibt. Rotgrün hatte eine Amtsperiode lang Zeit, sich einzugewöhnen – jetzt wollen wir Nägel mit Köpfen sehen. Wir haben unsere Wünsche und Forderungen an die Wiener Stadtregierung umfangreich und detailliert zusammengetragen (ab Seite 8). Sie werden die Basis für die Rad­lobbyArbeit in Wien während der nächsten fünf Jahre bilden. Unser übergreifendes Ziel ist es, das Fahrrad als gleichwertiges und selbstverständliches Verkehrsmittel für einen Großteil der Bevölkerung zu etablieren.

EUR 2,- / 32. Jahrgang / Ausgabe 4 / 2015

Wunschliste an Rotgrün Verkehr: Was Wiens Radfahrende brauchen Seite 8

Jahresabschluss So setzen Sie Ihr Rad von der Steuer ab Seite 33

Geschenke, Geschenke Tipps für das Fahrrad-Christkind Seite 36

Furchtlos und stark Barbara Graf radelte einmal um die Welt Seite 40

P.b.b. Verlagspostamt 1040 Wien – Zlgnr.: 02Z033821M

Das österreichische Fahrradmagazin

Wir wohnen zu sa m m e n

Lebensraum mit dem Fahrrad teilen

Cover: Blick in die WG von Bernadette, Lisa (x2) und Astrid, fotografiert von Andrea Siegl für den Foto Essay „Wir wohnen zusammen“


Inhalt

Politik 6 Drei Fragen an: Ekkehard Allinger-Csollich

Der Tiroler Mobilitätskoordinator im Kurzinterview

So schafft Wiens Stadtregierung die Mobilitätswende

Wie der steirische Landesrat den Radverkehr fördern will

So engagiert sich die Fahrrad-Community

Community

8 Wunschliste an Rotgrün

10 Zu Besuch bei Jörg Leichtfried

11 Radfahrende helfen Flüchtlingen

12 Die Welt der Velomobile

In Dornbirn traf sich die Szene der Human Powered Vehicles

Rechtsschutzversicherung, DRAHTESEL-Abo und vieles mehr

Infrastruktur

19 Coverstory: Wir wohnen zusammen Zu Besuch bei Menschen, die ihren Lebensraum mit dem Fahrrad teilen (mitunter auch mit Katzen)

14 Serviceleistungen für Mitglieder

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 4

15 Bahn: So muss Fahrradmitnahme

Die Linzer Lokalbahn (Lilo) zeigt vor, wie man’s richtig macht

Fahrrad-Infrastruktur auf dem Prüfstand

16 Plus  ⁄  Minus

Lebensstil 18 So crazy war Radkult

Höhepunkte vom internationalen Radkultur-Festival 2015

Literatur für Radfahrende

Service & Recht

28 Gute und bessere Bücher

29 Mechanikertipp: Mit dem Fön gegen starre Schrauben

Marcin Dopieralski nimmt uns die Angst vor dem Winter

Johannes Pepelnik über ein wegweisendes Urteil

44 Interview: Amerika,

mein Einrad und ich Felix Regelsberger fuhr auf dem Einrad von Montreal bis Mexiko City (und stürzte nie)

30 Rechtskolumne: Freuet euch, Fixie-Fahrende!

32 Steuererklärung: Wie setze ich mein Fahrrad ab?

Rubriken

36 Klingeling: Die besten Weihnachtsüberraschungen

Brief aus der Ferne Bettina Figl aus Portland Seite 10

Wolfgang Mader bringt Tipps und Kritik am Steuersystem Produkte & Technik

Immer noch keine Geschenkidee? So kommt Spaß ins Packerl

Retro-Räder, Regengamaschen, Werkkarte

38 Neues aus dem ARGUS-Shop Tour & Reise 39 Österreichs beste Rad-Wirte

Einkehrschwung diesmal im Wirtshaus Ritschi am Murradweg

40 Eine Frau fährt um die Welt

Cinemascope Ines Ingerle über „Farfalla“ Seite 18 Fahrstil Barbara Ottawa bei der Radbotenmeisterschaft Seite 26

Barbara Grafs Radreise dauerte drei Jahre und acht Monate

Forum

46 Leserbriefe 47 Termine

Der Reflektor Reinhold Seitl über trendige Räder und Greenwashing Seite 46 Impressum: Seite 31


Aus der Redaktion Die Fortführung der Werbung mit anderen Mitteln # Volkswagen # Schwindeln #Terror # Frage der Gewohnheit

Jimi Hendrix’ „If 6 Was 9“ schwenkt eine Kamera über europäische Metropolen – Rom, London, Paris, Berlin. In den Straßen: Kein einziger Mensch, kein einziges Auto, nur ein roter Ford Mustang. Die ultimative automobile Allmachtsphantasie: endlich allein. Endlich keine Rücksicht nehmen. Dass die Autoindustrie ihre Produkte mit derartigen Phantastereien verkaufen muss, bezeugt die Schwäche der Technologie. Wenn die Lockstoffe der Werbestrategen nicht mehr für genügend Profit sorgen, kommen die Lobbyisten zum Einsatz, um die gesetzliche Realität anzupassen. Wo auch das nicht genügt, werden die Ingenieure kreativ. In diesem Sinne stellt der jüngste VW-Abgas-Skandal bloß die Fortführung der Werbung mit anderen Mitteln dar. Dass jetzt die Besitzer von Autos, deren Abgaswerte betrügerisch manipuliert wurden, entschädigt werden sollen, ist eigentlich absurd: SUVFahrende, die Drei-Liter-HubraumSchlachtschiffe durch Stadt und Land bewegen, waren Umwelt und Abgaswerte vollkommen gleichgültig. Der Schaden trifft in erster Linie jene, die jahrzehntelang gezwungen waren, die giftigen Abgase einzuatmen: Die Öffentlichkeit, die Kommunen, die Anrainerinnen und Anrainer. Jene, die unter dem Autoverkehr leiden: sie sollten Entschädigungs­ zahlungen bekommen.­ Mahalo

Matthias G. Bernold Chefredakteur Erst die Werbung, dann die Lobbyisten, jetzt die Ingenieure: Der VW-Abgasskandal ist die logische Fortsetzung der institutionalisierten Schwindelei der Autokonzerne

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 5

Das Leben ist mitunter zynisch, und so saß ich unlängst im Kino, um mir den neuen James Bond anzusehen. Nach zwei Stunden aufwändig inszenierter Terroranschläge und Sprengstoffattentate kehrte ich in die Realität zurück. Um festzustellen, dass in Paris Terroranschläge und Sprengstoffattentate stattgefunden hatten. Nur blutiger, brutaler und ohne Happy End. In diesen Tagen des Grauens und der beklemmenden Nachrichtenlage macht es Sinn, sich ein paar Fakten in Erinnerung zu rufen. Erstens: 1,2 Millionen Menschen sterben laut WHO weltweit jedes Jahr bei Verkehrsunfällen. Die Opferzahlen liegen weit über denen von Krieg, Genozid oder Terrorismus. Die Gesellschaft steht dem weitestgehend gleichgültig gegenüber. Hat sich wohl daran gewöhnt, dass ein erklecklicher Teil der Kfz-Lenkenden zu Tode kommen oder andere zu Tode bringen muss. Als wären diese Opfer – so wie die übrigen negativen Folgen des motorisierten Individualverkehrs – schicksalshafte und unveränderliche Naturgesetze. Vom Grauen auf den Straßen ist in den Werbespots der Automobilindustrie ebenso wenig zu sehen wie von verstopften Straßen, vom Lärm, und von den Schadstoffwolken. Auch nicht von der Aggression jener, die in ihren Blechkisten festsitzen und beleidigt herausschauen. Im Vorspann zum eingangs erwähnten 007-Blockbuster lief ein Werbespot von Ford: Zur Musik von

Fotos: Erwin Schober; Christina Diwold   ⁄  Klimabündnis; Andrea Siegl

Hervorzuheben in diesem Heft

Barbara Ottawa Die freie Journalistin und DRAHTESEL-Kolumnistin erzählt die Geschichte von Barbara Graf, die eigentlich nur nach Spanien wollte und dann fast vier Jahre lang allein durch die Welt radelte

Paul Weber Neu im DRAHTESEL-Team: Der Informatiker, Kampfsportler und Linzer Radlobby-Aktivist Paul Weber. Er steuerte für diese Ausgabe ein Interview mit dem radelnden Russkaja-Trompeter Rainer Gutternig bei

Andrea Siegl gestaltete für diese Ausgabe unseres Magazins die Cover-Story. Für ihre Porträts von Menschen, die mit Fahr­rädern wohnen, radelte sie 145 Kilometer und fotografierte 16 Personen, 60 Räder und zwei Katzen


Politik Wo passiert was? Blick in die Welt Seite 7

Wunschliste an Wiens neue Regierung Seite 8

Wie Radfahrende Flüchtlingen helfen Seite 11

Drei Fragen an Ekkehard Allinger-Csollich

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 6

DRAHTESEL Welche Region nimmt man sich bei der Radverkehrsplanung in Tirol als Vorbild? Allinger-Csollich Verkehrspolitik ist mehr als Radinfrastrukturplanung. Wir dürfen nicht darauf warten, bis Radwege, Radüber­fahrten, Fahrradstraßen gebaut und perfekt sind. Für mich sind jene Gemeinden und Regionen Vorbild, in denen Radfahren selbstverständlich ist. Es geht um Akzeptanz, eine neue Verkehrskultur und vor allem um das Gefühl, dass Radfahrende gerne gesehen werden. In Fahrradstädten wie Groningen, Münster oder Kopenhagen gibt es diese Kultur, und man fährt gerne Rad.

Arbeiterkammer-Studie: Auto-Hersteller schwindeln Laut aktueller Studie von Arbeiterkammer und Umweltbundesamt verbrauchen Neuwagen in Österreich im Schnitt um 27 Prozent mehr Sprit als die Hersteller versprechen. Die Folgen: Höhere SchadstoffEmissionen und Spritkosten. Im Zeitraum 2008 bis 2012 habe der Mehrverbrauch 6,3 Millionen Tonnen an klimaschädlichem CO2 verursacht und Mehrkosten von 900 Millionen Euro für die Autofahrenden verursacht. Neben einem realitätsnahen Testverfahren brauche es strengere Grenzwerte, verstärkte Kontrollen, unabhängige Zulassungsstellen und hohe Strafen, wenn der Spritverbrauch stark von den Herstellerangaben abweicht, fordert der Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Welche Maßnahmen setzt Tirol? Tirol arbeitet derzeit an der Erstellung eines Radkonzepts. Die Ziele sind die Erreichung gesetzlicher Rahmenbedingungen etwa beim Klimaschutz sowie soziale Aspekte wie eine einfach zugängliche und günstige Mobilität für alle. Bis 2020 liegen die Schwerpunkte im Infrastrukturausbau und der Bewusstseinsbildung. Wie sieht Ihr persönliches Mobilitätsverhalten aus? Ich benütze das Rad, Öffis und meine Füße – manchmal auch das Auto. Mir macht gerade diese Vielfalt Spaß. Im Bus oder in der Bahn genieße ich es, zu lesen, zu arbeiten oder zu schlafen. Auf dem Rad oder beim Spaziergang nach Hause genieße ich die frische Luft.

Es geht vor allem um das Gefühl, dass Radfahrende gerne gesehen werden

Ingrid Egermann

Allinger-Csollich

Effektive Geschwindigkeit des Automobils liegt bei

5 

km  ⁄  h

Der in Wien geborene Philosoph Iwan Illich entwickelte in den 1970er-Jahren das Konzept der „effektiven Geschwindigkeit“. Um letztere zu berechnen, kalkulierte er die für Erwerb und Betrieb des Vehikels notwendige Arbeitszeit mit ein. Für die USA kam er dabei auf eine effektive Geschwindigkeit von 5 km ⁄ h. Für seine Formel nimmt Illich Anschaffungspreis des Fahrzeugs (dividiert durch die Nutzungsdauer) plus Kosten für Versicherung, Kreditzinsen, Benzin und Service und legt diese Summe auf die Höhe des Einkommens und die Jahreskilometeranzahl um.

Foto: Ingrid Egermann

Ekkehard Allinger-Csollich ist seit dem Jahr 2008 Tiroler Mobilitätskoordinator und seit 2011 auch Klimaschutz­ koordinator des Landes

Lastenrad-Verleihsystem in der Seestadt Aspern Den Bewohnerinnen und Bewohnern der Seestadt Aspern steht seit vergangenem Oktober ein neues E-Lastenrad-Verleihsystem zur Verfügung. Die Lastenräder mit Elektro-Zusatzantrieb eignen sich nicht nur für den Transport von Einkäufen oder sperrigen Gegenständen – auch Kinder können mitfahren. Die Lastenräder ergänzen das bestehende Mobilitätsangebot im Stadtentwicklungsgebiet im Nordosten Wiens: Schon seit Sommer 2015 sind 25 E-Bikes und 15 Acht-Gang-Räder im Einsatz. Betreiber des Fahrradverleihsystems ist Wien Work. Die Fahrräder selbst wurden in der Seestadt von der researchTUb entwickelt und von der GW St. Pölten Integrative Betriebe hergestellt.

Top Frauen in Fahrt „Frauen in Fahrt“, die Kurse der Radlobby IGF für erwachsene Anfängerinnen, wurden mit dem VCÖ-Mobilitätspreis Österreich in der Kategorie „Gesellschaftlicher Wandel und Mobilität“ ausgezeichnet.

Flop Amokfahrt bei Critical Mass Während der Oktober-Critical Mass in Linz gab es einen Angriff eines Autofahrers. Der Mann rammte einen Radfahrenden, touchierte mehrere weitere und floh dann über eine rote Ampel.


Blick in die Welt Politik

Radschnellweg in Berlin Auf der stillgelegten Bahntrasse von Berlin nach Potsdam könnte der erste Radschnellweg der Stadt entstehen. Vor kurzem habe die Senatsverwaltung ihre Zustimmung für das 4,5-Millionen-EuroProjekt signalisiert, berichtet die Berliner Zeitung. Das Konzept wurde vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel in Zusammenarbeit mit der TU Berlin erarbeitet. Die neue, 8,5 Kilometer lange Verbindung im Grünen soll vom Potsdamer Platz durch Schöneberg bis Lichterfelde West führen.

Die kälteste aller Fluchtrouten 400 Kilometer nördlich des Polarkreises queren dieser Tage Flüchtlinge mit dem Fahrrad die norwegisch-russische Grenze. Das berichten verschiedene Medien, darunter CNN und Frankfurter Allgemeine Zeitung. Mehrere Tausend Menschen sollen in den vergangenen Wochen auf diesem Weg in den Schengenraum gelangt sein. Mit dem Fahrrad sind die Asylwerber nicht zuletzt deshalb unterwegs, weil die Ausreise aus Russland zu Fuß nicht gestattet ist.

Rad-freundliche US-Universitäten Zum fünften Mal prämiert die US-amerikanische Radfahrer-Interessensvertretung League of American Bicyclists heuer die Fahrrad-freundlichsten Universitäten. Für heuer hat die im Jahr 1880 gegründete NGO fünf Universitäten in die Top-Kategorie gewählt: die Universität Stanford (Kalifornien), die University of California in Davis (Kalifornien), die Colorado State University (Colorado), die University of Minnesota (Minneapolis), die Portland State University (Oregon). Insgesamt wurden 127 Universitäten ausgezeichnet. bikeleague.org/university

Fahrrad-Revolution in Köln Ein neues Verkehrskonzept soll Köln revolutionieren: Geplant sind tausende neue Fahrradabstellplätze, 50 neue Fahrradstraßen und eine Aufklärungskampagne, die den Weg hin zur fahrradfreundlichen Innenstadt bereiten soll. Die Pläne hat die Stadt bereits mit Vertretern von Citymarketing, Industrieund Handelskammer, Autofahrenden-Clubs und dem Allgemeinen Deutschen FahrradClub (ADFC) abgestimmt, berichtet die Kölnische Rundschau.

Fahrrad-Aktivistinnen in der Türkei Über den demokratiepolitischen Zustand der Türkei und den Umgang mit Medien dort mag man zurecht besorgt sein. In Sachen Verkehrspolitik wandelt sich das Land. So organisierten Fahrrad-Aktivistinnen während der EU-Mobilitätswoche in zehn türkischen Städten die „Chic Women’s Bicycle Tour“. Heuer wurden auch erstmals Gesetze geschaffen, die eine bestimmte Zahl von Radwegen und Stellplätzen vorsehen, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Illustrationen: Anna Hazod

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Oslos Innenstadt wird autofrei Im November veröffentlichte die Stadtverwaltung von Oslo ihren Plan, die Innenstadt bis zum Jahr 2020 autofrei zu machen. Die Regierung der norwegischen Hauptstadt – eine Koalition aus Sozialdemokraten, Grünen und Linkssozialisten – will damit das erste dauerhafte Fahrverbot in einer europäischen Stadt durchzusetzen, berichtet Reuters. Die Maßnahme ist Teil eines Aktionspaketes gegen den Klimawandel und zur Verbesserung der Lebensqualität. Außerdem will man das Radwegenetz erweitern, den Kauf von E-Bikes unterstützen und den öffentlichen Verkehr weiter ausbauen.


Wunschliste an Wiens neue Regierung

Politik

Mit der neuen Stadtregierung in Wien stellt sich die Frage, wie es mit der Verkehrspolitik in der Bundeshauptstadt weitergehen soll. Hier unsere Wunschliste für die nächsten fünf Jahre

ANALYSE: Andrzej Felczak und Matthias Bernold

A

Im Wortlaut: Die rotgrüne Regierungserklärung über das Radfahren

„Zur Erleichterung der raschen Öffnung der Einbahnen für den Radverkehr wird eine Überarbeitung der Richtlinie vorgenommen. Der Ausbau der technischen Radinfrastruktur wird fortgeführt. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem Lückenschluss im Radwegenetz. Die Errichtung von weiteren Radabstellanlagen, die Einrichtung von Fahrradstraßen und die Umsetzung von Radlangstrecken erfolgt kontinuierlich“ „Das Citybike-Netz wird ausgebaut und modernisiert. Es erfolgt eine Verdichtung der Citybike-Stationen im bestehenden Gebiet“ „Die Erweiterung der Mitnahmezeiten von Fahrrädern in den UBahnen und die Mitnahme von Fahrrädern bei Regionalbuslinien sollen geprüft werden“

Illustrationen: Anna Hazod

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„Bis 2025 sollen 80 Prozent der Wege der WienerInnen zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt werden. Der Radverkehrsanteil soll auf zehn Prozent steigen“

m Anfang der gerade zu Ende gegangenen Legislaturperiode stand ein ehrgeiziges Ziel: Die Erhöhung des Radverkehrsanteils auf zehn Prozent. Fünf Jahre später hat man mit sieben Prozent das Ziel zwar klar verfehlt. Dennoch ist für Radfahrende in Wien etwas weitergegangen: Einige Lücken im Radwegenetz wurden geschlossen, einige Gefahrenstellen entschärft und mit der Mobilitätsagentur eine Stelle eingerichtet, die menschenfreundliche Mobilität in den Köpfen der Menschen verankern sollte. Schließlich landete Wien im renommierten Copenhagenize-Index der radfreundlichsten Städte der Welt auf Platz 16. Immer noch weit entfernt von Rad-Metropolen wie Kopenhagen oder Amsterdam. Aber unterwegs in die richtige Richtung. Wenn auch gemächlich. Ob dieses geruhsame Tempo angesichts der Herausforderungen, denen die Bundeshauptstadt in den nächsten Jahren begegnen wird, ausreicht, muss jedoch bezweifelt werden. Wien – hinter Berlin zweitgrößte Stadt im deutschsprachigen Raum –  wächst weiter. Bereits jetzt leben 1,8 Millionen Menschen hier. 30.000 kommen jedes Jahr hinzu. Jeden Tag werden in Wien 2,3 Mill. Autofahrten durchgeführt. Dazu kommen 400.000 Autofahrten der Pendelnden aus dem Wiener Umland. Wenn die Lebensqualität hoch bleiben oder besser werden soll, darf der Autoverkehr nicht im selben Ausmaß weiterwachsen wie die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner. Im Gegenteil: Ziel muss die deutliche Reduktion des motorisierten Individualverkehrs sein. Schon jetzt leidet Wien unter den Folgen des Autoverkehrs. Lärm, Abgase, Unfälle und der tägliche Stau schädigen Bürgerinnen und Bürger, sie vergeuden Zeit, Raum und Geld. Eine zeitgemäße, verantwortungsvolle und energische Politik ist gefragt, die den Umstieg auf alternative, weltverträgliche Mobilitätsformen vollzieht und das Fahrrad als umweltfreundliches, bequemes, gesundes und kosteneffizientes Verkehrsmittel nach Kräften fördert. Aufbauend auf dem Stadtentwicklungsplan 2025 (STEP) hat die Radlobby Wien acht Maßnahmen identifi-

ziert, die es ermöglichen werden, den Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2020 auf 15 Prozent zu steigern.

1. Radinfrastrukturausbau Die Qualität des Radverkehrsnetzes muss weiter erhöht werden, insbesondere um neue Zielgruppen wie Ungeübte, Kinder und Ältere anzusprechen. Für Vorsichtige oder Ungeübte ist eine lückenlose baulich getrennte Radinfrastruktur unumgänglich. Die Radrouten auf Hauptstraßen gehören hinsichtlich Sicherheit, Sicherheitsgefühl und Komfort überprüft und gegebenenfalls verbessert. Konkret besteht Handlungsbedarf etwa beim Ring-Radweg. Lückenschlüsse stehen unter anderem bei Naschmarkt, Getreidemarkt, Wiedner Hauptstraße und Währinger Straße an.

2. Langstreckenradverbindungen Durch Langstreckenverbindungen gewinnt das Fahrrad an Attraktivität für Alltagsradfahrende sowie für Pendelnde aus dem Umland bzw. aus den Außenbezirken, wo das öffentliche Verkehrsnetz grobmaschiger gewoben ist als in zentrumsnahen Bezirken. Die Stadt hat die Übersichtsplanung fertig gestellt. Jetzt darf man gespannt sein, wie Detailplanung und Umsetzung ausfallen.

3. Verkehrsberuhigung Für geübte Radfahrende sind verkehrsberuhigte Nebenstraßen optimal. Tempo-30-Zonen mit Maßnahmen zur Einhaltung der Geschwindigkeitslimits,


Politik

4. Lastenräder Untersuchungen beim EU-Projekt CycleLogistics bescheinigen Lastenrädern das Potenzial, 25 Prozent der Lieferungen im Stadtgebiet durchzuführen. Mit positiven Effekten für Stadtverkehr, Lebensqualität und Zustellqualität. Eine geeignete Anschubförderung würde die Entwicklung erheblich beschleunigen.

5. Werbung Der Europäische Fahrradverband ECF analysiert weltweit die Entwicklung des Alltagsradverkehrs. Für Städte mit einem Radverkehrsanteil wie Wien wird eine Kombination aus Infrastrukturausbau und Werbemaßnahmen empfohlen. Letztere sollen neue Zielgruppen auf die Vorteile des Fahrrades aufmerksam machen. Es sei an dieser Stelle ausnahmsweise die AutomobilLegende Henry Ford zitiert: „Wer nicht wirbt, der stirbt.“

6. Bewusstseinsbildung Bewusstseinsbildende Maßnahmen sind auch ein wichtiges Mittel zur Erhöhung der Sicherheit. Wenn KfzLenkende knapp überholen, gefährden und verunsichern sie Radfahrende. Für viele ist rücksichtsloses Verhalten von Autofahrenden ein Grund, das Radfahren einzuschränken oder sogar

aufzugeben. Die Abstandskampagne der Radlobby Österreich zielt darauf ab, Autofahrenden ihr Fehlverhalten bewusst zu machen. Eine von der Stadt Wien durchgeführte, groß angelegte Kampagne mit einer klaren Botschaft würde die Situation verbessern. Warum nicht das Sujet „Abstand macht sicher“ an städtischen Bussen anbringen?

7. Forschung Die Datenlage beim Radverkehr, bei der Verkehrssicherheit und bei den Bedürfnissen der Radfahrenden ist sehr spärlich. Weder ist bekannt, wie Radfahrende verschiedene Anlagearten bewerten, noch wie sicher sie sind. Insbesondere bei den häufig eingesetzten Mehrzweckstreifen kann keiner sagen, ob sie das Risiko senken oder erhöhen. Ob sie Menschen eher zum Radfahren motivieren oder abschrecken. Gut fundierte und unabhängige Untersuchungen würden Verkehrsplanenden und Radlobby helfen, Planungen sachlicher zu beurteilen. Ein Zugang zu den durch die öffentliche Hand erfassten Verkehrsdaten (Geschwindigkeit, Volumen, Unfallzahlen …) wäre zeitgemäß und zielführend.

8. Budget In den letzten fünf Jahren wurden für den Radverkehr in Wien zehn Millionen Euro oder fünf Euro pro Jahr und Einwohner investiert. Zum Vergleich: Allein für die Straßenprojekte Abfahrt Landstraßer Gürtel, die Renovierung der Praterbrücke und die Renovierung des Knotens Inzersdorf investierte man 150 Millionen Euro. Um bei der Rad-Infrastrukur aufzuschließen, ist die Erhöhung der Mittel auf ein internationales Niveau notwendig. Zum Vergleich: Kopenhagen investiert 30 Euro pro Jahr und Einwohner, Zürich 23 Euro.

„Der Bereich ,Kinder und aktive Mobilität‘ wird in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt sein“ „Die ,Vision Zero‘ wird weiterverfolgt. Für die weitere Erhöhung der Verkehrssicherheit – vor allem für die schwächsten Verkehrsteilnehmenden, die Kinder – wird neben den laufenden Aktivitäten ein Maßnahmenbündel ausgearbeitet und umgesetzt“ „Zur zusätzlichen Attraktivierung der Bezirks- und Ortskerne werden gemeinsam mit den Bezirken an zentralen Orten in den 23 Bezirken verkehrsberuhigte Zonen eingerichtet“ „Die erfolgreiche Ein­ führung von Tempo-30Zonen in Wohngebieten soll zur Erhöhung der Wohn- und Lebens­ qualität weitergeführt werden“ „Die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung soll nach Rücksprache mit den Bezirken vorangetrieben werden“ Wie sind Sie mit den Absichtserklärungen im neuen rotgrünen Regierungsprogramm zufrieden? Ist das Ziel zehn Prozent Radverkehrsanteil bis 2025 zufriedenstellend? Bei welchen Punkten soll sich die Radlobby besonders für eine Umsetzung einsetzen? Schreiben Sie uns: drahtesel@argus.or.at

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 9

mindestens eine Fahrradstraße je Bezirk und flächendeckendes Radfahren gegen die Einbahn stellen äußerst effiziente und kostengünstige Formen der Fahrradförderung dar. Erfahrenen und flotten Radfahrenden nützt weiters die Aufhebung der Benützungspflicht bei allen gemischten Geh- und Radwegen: Ein Schritt, der auch den Zufußgehenden zugute käme.


„Förderungswürdige Ergänzung“ Politik

Seit Juni dieses Jahres leitet Jörg Leichtfried das Verkehrsressort in der steirischen Landesregierung. Was bedeutet das für den Radverkehr?

E

Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 10

Aktive der Radlobby ARGUS Steiermark treffen Jörg Leichtfried, den neuen Verkehrslandesrat (2.v.l.)

s ist ruhig geworden um innovative Radverkehrslösungen in der Steiermark und in Graz – die Signale in Stadt und Land standen auf „blau“. In der Landesregierung hat sich das seit Juni geändert: nun leitet der vormalige EU-Parlamentarier Jörg Leichtfried (SPÖ) das Ressort. In Sachen öffentlicher Verkehr hat er bereits erkennen lassen, dass er kein Leichtgewicht ist – und beim Radverkehr? Er habe die Fachabteilung ersucht, „alles wieder hochzufahren“, verlautete der Neo-Landestrat bei einem ersten Treffen mit der Radlobby ARGUS Steiermark Anfang September. Um allerdings gleich klarzulegen, dass er den Radverkehr eher nur als – durchaus förderungswürdige – Ergänzung zum öffentlichen Verkehr sieht. Immerhin: „Mit der Kombination könnte man mehrere Fliegen mit einer Klappe erwischen“, ließ er wissen. Den konkreten Wunsch der Radlobby, die Radmitnahme in Linienbussen zu verbessern oder überhaupt erst zu ermöglichen (Problem Schienenersatzverkehr!), notierte er sich.

Zu Vorschlägen, die das Ziel haben, an die antrittsstarke ÖVP-Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder – sie war von 2006 bis 2010 im Amt – anzuknüpfen, blieb er vage. Seitens der Radfahrendenvertretung regte man eine Verbesserung der schwachen personellen Ausstattung in der Landesabteilung an und forderte die Umsetzung von auf Eis liegenden Infrastrukturprojekten gemeinsam mit der Stadt Graz ein. Dazu würde man die Einrichtung einer Radberatung für Gemeinden nach oberösterreichischem Vorbild begrüßen. Ebenso neue Modelle der Radwegeerhaltung (derzeit sind nur die Gemeinden zuständig) sowie die Öffnung der Forstwege. Auch die Förderung von Radtrainings und die Berücksichtigung der Durchwegung von Siedlungsgebieten wurden angesprochen. Für neuen Schwung könnte die Ausrichtung des österreichischen Radgipfels 2017 sorgen, für den Liezen Interesse angemeldet hat – zehn Jahre nach Gründung dieses Tagungsformats in der Steiermark wäre dies ein Signal.

Foto: Land Steiermark

ANALYSE: Wolfgang Wehap

Briefe aus der Ferne Portland, die US-amerikanische Fahrradhauptstadt? Erster Eindruck: Von wegen. Radfahrende sind im Stadtbild nicht so präsent, wie ich es erwartet habe. Ein Rad ausborgen ist teurer als ein Öffi-Ticket. Mein Ausweg: Spinlister. Auf der Online-Plattform finde ich Jennifer T., die mir für sechs Dollar pro Tag ihr Rad leiht. In die Pedale zu treten, stimmt mich dann versöhnlicher: Die Radwege hier sind halb so breit wie die Fahrbahn, die Ampeln so geschaltet, dass ich selten anhalten muss. Sprachlos machen mich aber die Autofahrenden: Halte ich bei einer StoppTafel, fahren sie – obwohl sie Vorrang hätten – nicht weiter. Zuerst bin ich irritiert, bis ich begreife, dass sie mir aus Freundlichkeit Vorrang geben. Auch die Radfahrenden sind fast übertrie-

ben höflich: Nähern sie sich Zufußgehenden, klingeln sie nicht (das könnte jemanden erschrecken), sondern kündigen dies mit „zu Ihrer Linken“ an. In Portland schenkt man einander – auch abseits des Radstreifens – oft ein Lächeln, und es vergehen keine drei Minuten, ohne dass jemand „sorry“ sagt. Vielleicht sind es also der kulturelle Unterschied und die amerikanische Höflichkeit, die das Radfahren in Portland so angenehm machen. Und die Taxler, die ja in Wien Radfahrenden gerne ein wenig (zu) nahe kommen, beschweren sich in Portland darüber, dass ihre Autos keine Haltevorrichtungen für den Radtransport haben: „Jeder hier hat ein Rad“, erklärt mir einer: „Das ist ganz normal.“ Bettina Figl

Foto: Bettina Figl

Dieses Mal: Portland

Die Langfassung dieses Textes ist auf www.wienerzeitung.at/freitritt nachzulesen


Wie Radfahrende helfen Viele Menschen in Österreich organisieren Hilfe für Asylwerbende. Mit Fahrkursen, Reparatur-Workshops und gespendeten Fahrrädern

Politik

RUNDSCHAU: Gerhard Fischer, Omo Lisboa, Andrea Siegl, Paul Weber

R

nem Bike Café Radspenden entgegen: rio-moves.at/bikecafe.html radlobby.at/salzburg/radspenden

adfahren befreit die Gedanken, Radfahren verbindet, Radfahren ermöglicht es, selbstbestimmt mobil zu sein und sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Für Asylsuchende ist es oft die einzige Möglichkeit, weitere Strecken zurückzulegen. Zugleich ist das Fahrrad das ideale Vehikel, um Kontakte zwischen Neuankömmlingen und Ortsansässigen herzustellen. Das wiederum verbessert das Verständnis zwischen den Kulturen und hilft bei der Integration. Hier einige Beispiele, wie Radfahrende in Österreich helfen.

Die Radlobby Wien plant, minderjährige Flüchtlinge durch Fahrradspenden, gemeinsames, geselliges Reparieren und die Vermittlung von Radfahrkompetenz zu unterstützen. In Vorbereitung sind Kurse – unter anderen im Haus Ottakring, wo der Samariterbund unbegleitete minderjährige Mädchen und Burschen betreut. Um das Projekt zu realisieren, bittet die Radlobby Wien um finanzielle Unterstützung: Volksbank Wien IBAN: AT5743 0004 1400 0890 03 Zahlungsreferenz „Radlobby hilft“ Auch Radspenden sind willkommen. Ebenso wie Menschen, die bei den Reparaturtagen anpacken oder übersetzen können. Alle Details unter radlobby.at/wien/radlobby-hilft Das Projekt „IntegRADsion“ der Wiener Arabistik-Studentin Anna Eder verbindet Asylwerbende und sogenannte Radpaten. Geflüchtete Menschen und interessierte Personen können sich über die Homepage melden. IntegRADsion schließt sie sodann zusammen. Entweder bringt der Pate bereits ein Fahrrad mit, oder es wird eines über Spenden aufgetrieben und gegebenenfalls mit Hilfe kooperierender Werkstätten repariert. Derzeit ist IntegRADsion in Winterpause. Ab Frühling

Foto: Andrea Siegl

In Wien

September 2015, junge Syrerin in Horgos, an der serbisch-ungarischen Grenze, auf der Flucht Richtung Deutschland

werden wieder Patenschaften und Radspenden entgegen genommen. integradsion.at Wer überzählige Fahrräder oder Radzubehör spenden möchte, kann dies auch bei der Diakonie, den Kinderfreunden oder bei Ute Bock tun. In Salzburg In Salzburg geht die Studentin Veronika Wintersteller in die Flüchtlingsquartiere, um Deutsch zu unterrichten und Fahrräder zu verteilen, die sie zuvor im Bekanntenkreis besorgt hat. In Neumarkt vermittelt die Gemeinde Fundräder an die Flüchtlinge. In Saalfelden kümmert sich die Aktive Christine Enzinger um Asylwerbende. Die Radlobby unterstützt sie dabei, Fahrrad-Kurse zu organisieren. Hilfe kommt auch über soziale Medien: Die Facebook-Gruppe Fahrräder für Flüchtlinge in Salzburg hat bereits mehr als 470 Mitglieder. Auch Rio Mäuerle nimmt bei sei-

In Oberösterreich ist die Bike Kitchen Linz aktiv. Die Non-Profit-Selbsthilfewerkstatt sammelte und reparierte Fahrräder für Menschen auf der Flucht. In Ottensheim verlegte die ortsansässige Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt ihren Standort kurzfristig sogar auf das Gelände der dortigen Notunterkunft. Das Resultat: Schon fast jeder Flüchtling wurde mit einem Fahrrad mobil gemacht. Besonders aktiv: die Radfahrenden in Steyregg. Durch Spenden wurden innerhalb kürzester Zeit alle erwachsenen Asylwerbenden mit gebrauchten Rädern ausgestattet. Die Radlobby Steyregg startete das Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe“. Zwei technisch versierte Asylwerber übernahmen die Aufgabe, die von der Radlobby gelieferten Reifen, Reflektoren und Lichter einzubauen. Für jugendliche Asylwerbende gibt es Verkehrsunterricht. In Tirol Die Tiroler Repair-Cafés – Selbsthilfe-Werkstätten, wo Menschen unter Anleitung sachkundiger Experten und Expertinnen defekte Gegenstände reparieren können – bieten Flüchtlingen ein Betätigungsfeld. Gesucht werden u.a. Menschen, die gerne an Fahrrädern basteln: „Wir laden Flüchtlinge herzlich ein mitzuarbeiten“, heißt es auf der Website: „Jede geschickte Hand ist willkommen. Wir bieten VIEL Arbeit, aber auch ein nettes Miteinander und ein Essen.“ repaircafe-tirol.at

Mehr Details und alle Links finden Sie auf unserer Website: radlobby.at/radlobby-hilft

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In Oberösterreich


Community Kinder malen für den DRAHTESEL Seite 13

Abstandskampagne: Neue Aufkleber Seite 13

Serviceleistungen für Radlobby-Mitglieder Seite 14

DORNBIRN

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Schnell und schlüpfrig: Velomobile Foto: Eric Poscher

Quizfrage: Was ist es? Eine Karosserie wie ein Auto, Pedale wie ein Fahrrad und dennoch schneller als ein Pedelec? Richtig: Ein Velomobil. Beim 7. internationalen Velomobilseminar in Dornbirn versammelte sich die Human Powered Vehicle-Szene im Oktober, um Vorträgen zu Aerodynamik, Bremssystemen, Rollwiderstand u.a. zu lauschen. Die Rennfraktion stellt immer wieder neue Rekorde auf – etwa die Querung Österreichs in 20 Stunden und 55 Minuten. Auch im Alltag kommen die vollverkleideten Vehikel zum Einsatz: Ein Dornbirner berichtete davon, wie er die 50 Kilo-meter nach Liechtenstein zur Arbeit mit Muskelkraft zurücklegt. Eric Poscher

Auf zwei, drei oder vier Rädern: So bunt ist die velomobile Welt

HARTBERG

WIEN

WIEN

VILLACH

Hartberg ist bemüht, dem Ziel einer Klima- und EnergieModellregion und einer Smart City näherzukommen. Dabei spielt auch der Radverkehr eine wichtige Rolle. So gibt es kommunale Förderungen, einen „Shared Space“-Bereich in der Innenstadt, ein Radwegekonzept und seit kurzem zehn neue Radabstellanlagen, zum Teil überdacht. Angetrieben werden die Initiativen auch durch die Gemeindegruppe der Radlobby ARGUS Steiermark: Die Aktive Maria Strasser hat Planeinsicht in die Verkehrsorganisation des umgebauten Shopping Centers Hatric organisiert. Mit Unterstützung aus dem Vorstand wurden Verbesserungsvorschläge erarbeitet und dem Betreiber vorgelegt.

Seit Mai 2015 existiert die Ankaufförderung des Umweltministeriums für Transporträder mit bis zu 600 Euro Fördersumme. Diese Förderung ist nur für Betriebe und Vereine erhältlich, jedoch nicht für Privatpersonen. Für diese hat nun der Verein „Lastenesel“, der auf Initiative der Radlobby entstand, Abhilfe mittels einer Genossenschaftslösung geschaffen: Der Verein stellt jedem Mitglied sein gefördertes Wunschrad im Rahmen einer Vierjahresmitgliedschaft zur dauerhaften Verfügung. Danach können die Räder endgültig angekauft werden. Genaue Informationen zu Mitglied­starifen und Lastenradauswahl: kontakt@lastenesel.at

Wie kommt das ramponierte Rad, das schon ewig mit kaputten Bremsen im Keller steht, zur Werkstatt? Oftmals gar nicht. Diesem Problemfall wirkt ab sofort RadlSOS entgegen: Mit ca. zweitägiger Voranmeldung kommt ein Fahrradtechniker bzw. eine -technikerin nach Hause. Die Werkstatt ist auf dem Lastenrad dabei, so dass der Schaden eingeschätzt und – wenn möglich – gleich repariert werden kann. Anfahrtspauschale sind fünf bis zehn Euro. Der Rest richtet sich nach dem Reparatur-Aufwand. Dann kann auch das Fahrrad, das mit Patschen schon monatelang vor der Türe angekettet war, wieder frei sein. radlsos.at

Am 6. Oktober 2015 übergab die Radlobby Kärnten in Villach einen Fahrradständer im Wert von 450 Euro an Pfarrer Alfons Wedenig von der Pfarre St. Jakob. Der Fahrradständer ist der erste Stellplatz innerhalb der Fußgängerzone. Er wurde ent-sprechend den Qualitätskriteri-en des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) errichtet. Der zentrumsnahe Platz vor der Kirche wird von Radfah-renden, die am Hauptplatz ihre Besorgungen erledigen, gerne in Anspruch genommen. Die Spende wurde gemeinsam mit der Klagenfurter Projektgruppe „Radlfurt“ ermöglicht. radlobby.at/kaernten

Die Smart City der Oststeiermark

Lastenradförderung für Privatpersonen

RadlSOS: Werkstatt mit Hauszustellung

Barbara Ottawa

Radständer für die Fußgängerzone

Ronald Messics


Community

ÖSTERREICH

Abstandsaufkleber warnt vor Dooring

Paul, 6 Jahre

So bunt ist Radfahren! In unserer letzten Ausgabe haben wir Kinder im Alter bis zehn Jahren eingeladen, sich mit dem Thema Radfahren in Zeichnungen und Gemälden zu beschäftigen. Mehr als 40 kleine Künstlerinnen und Künstler sind unserem Aufruf gefolgt und haben Beiträge an uns geschickt. Wir waren von den Ergebnissen sehr beeindruckt und bedanken uns ganz herzlich! Alle Teilnehmenden erhalten eine kleine Überraschung per Post. Eine Auswahl der eingegangenen Arbeiten findet sich hier. Alle Beiträge können auf unserer Website bewundert werden. drahtesel.or.at

Mit ihrem neuen Abstandsaufkleber erinnert die Radlobby an die Gefahren aufgrund von unaufmerksam geöffneten Autotüren. Etwa zehn Prozent der Radunfälle gehen auf unachtsames Autotüren-Öff-nen („Dooring“) zurück. Zwar sind Fahrzeuginsassen laut StVO verpflichtet, die Türen nur dann zu öffnen, wenn sie andere nicht gefährden. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Radfahrende können sich allerdings schützen, indem sie ausreichend Seitenab-stand wahren. Die Radlobby empfiehlt, mindestens 1,2 Meter Abstand vom rechten Lenkerende zu den geparkten Autos einzuhalten. Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 13

Sophie, 8 Jahre

DORNBIRN

Crowdfunding für Lastenrad-Buch Nina, 5 Jahre

Dem Lastenrad und seinen Möglich-keiten widmen Jürgen Ghebrez-giabiher und DRAHTESEL-Autor Eric Poscher ihr aktuelles Buch-Projekt. Cargobikes – so die These – könnten eine Lösung für unsere Verkehrsprobleme sein. Die Anwendungen u.a. für Lie-ferservice und Familien-Mobilität seien dabei fast unbegrenzt. „Mit Transporträdern fällt die Ausrede weg, für Einkauf, Kindertrans-port oder Gewerbe ein Auto zu benötigen“, so Poscher. Die Finanzierung des Buchs soll mit Crowdfunding erfolgen. Interes-sierte bitte melden! morgenlab.net/cargobikeboom


Radfahren stärken? Werden Sie Mitglied der Radlobby und nutzen Sie die Vorteile

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Die Radlobby-Vereine vertreten über 6.000 Mitglieder in ganz Österreich. Mitglieder können auf viele Vorteile zählen – vom Versicherungspaket über Einkaufsrabatte bis zum DRAHTESEL-Abo

Versicherungspaket

Radlobby-Rabatt

Interessensvertretung

Dreifach-Schutz: RechtsschutzVersicherung für Anwaltsund Gerichtskosten; Unfallund Haftpflichtversicherung.

Günstiger einkaufen im ausgesuchten Radhandel in ganz Österreich. radlobby.at/radhandel

Die Radlobby tritt für die Interessen der AlltagsRadfahrenden in ganz Österreich ein.

DRAHTESEL-Abo Viermal jährlich kommt der DRAHTESEL, das österreichische Fahrradmagazin, zu Ihnen ins Haus!

Einzel-Mitgliedschaft

Studierende

Haushalts-Mitgliedschaft

Alle Mitgliedervorteile um EUR 40,- pro Jahr

Ermäßigte Mitgliedschaft EUR 26,- pro Jahr für Studierende bis 26 sowie für alle unter 19 Jahren

Für Familien, WGs und Lebensgemeinschaften: Pro Jahr EUR 40,- für das Erstmitglied, alle weiteren Haushaltsmitglieder je EUR 26,unter 18 Jahren gratis.

Mitglied werden zahlt sich aus! Sie können in jedem Bundesland bei einem Radlobby-Verein Mitglied werden! Und zwar bei ARGUS – Die Radlobby (Bgld, Ktn, Tirol, Vbg, Wien) sowie bei Radlobby Niederösterreich, Radlobby Oberösterreich, Radlobby ARGUS Steiermark, Radlobby Salzburg und Radlobby IGF. Die Mitgliedschaftstarife sind großteils vereinheitlicht. Bis zu EUR 2,- Ermäßigung bei Einziehungsaufträgen – gilt für alle Mitgliedsarten Mitgliedsvorteile und -beiträge können je Bundesland geringfügig variieren. Mitgliedsanmeldung und ausführliche Infos zur Mitgliedschaft: radlobby.at/mtg Nur für Mitglieder Die optionale kostengünstige FahrradDiebstahl-Versicherung radlobby.at/dsv


Infrastruktur PLUS  ⁄  MINUS: Infrastruktur im Praxistest Seite 16

So muss Fahrrad­mitnahme Die Linzer Lokalbahn Lilo zeigt vor, wie kundenfreundliche Fahrradmitnahme aussieht

KOMMENTAR: Roland Romano

Foto: Gerhard Fischer

Genügend Platz für Fahrräder: Privatbahn Lilo

W

enn Walter Lehner vom Seniorenbund Alkoven einen Radausflug organisiert, dann nutzt er für die Anreise gerne die Linzer Lokalbahn Lilo. Ein Anruf beim privaten Betreiber genügt – schon sind die Plätze für 20 Radfahrende und mehr gesichert. Wenn notwendig, wird sogar ein zusätzlicher Waggon angehängt. „Mit diesem Service schlägt man die ÖBB, aber auch die Westbahn um

Schienenlängen“, erzählt Lehner. Während bei der Westbahn eine Fahrradmitnahme ohne Voranmeldung bei vorhandenem Platz noch möglich ist, geht bei Schnellverbindungen der ÖBB ohne Reservierung gar nichts. An den Fahrscheinautomaten ist eine Reservierung jedoch nicht möglich, und gerade bei kleinen Bahnhöfen am Wochenende sind die Schalter häufig nicht besetzt. Immer wieder

Gretchenfrage: mischen oder trennen?

beschweren sich Kundinnen und Kunden der ÖBB über mangelnde Flexibilität bzw. mangelndes Verständnis gegenüber Radfahrenden. Dabei wäre gerade bei weiteren Entfernungen die Kombination von Rad und Bahn enorm wichtig, um einen Anreiz für den Verzicht auf das Auto zu bieten. Da könnte sich die große ÖBB bei der kleinen LILO ganz schön was abschauen. Gerhard Fischer

Wenn es um die Frage geht, wie gute Radverkehrsplanung aussieht, scheiden sich die Geister. Bisher pendelte der Diskurs zwischen zwei Extremen. Der absoluten Integration („Das Fahrrad ist ein Fahrzeug und gehört auf die Fahrbahn“) stand das Dogma des reinen Trennverkehrs („Nur Radwege sind wahre Radverbindungen“) gegenüber. Die Radlobby hat zu diesem Thema einen breiten Diskussionsprozess gestartet, um gemeinsam mit den Bundesländern gute Infrastruktur zu definieren. Dabei kristallisiert sich diese Erkenntnis heraus: Nicht jede Lösung passt prinzipiell überall, aber: Radinfrastruktur muss überall Sicherheit, Sicherheitsgefühl und Komfort bieten. Damit dies gelingt, muss der Radverkehr abhängig von der lokalen Situation geplant werden. Als Faustregel gilt: In schwach befahrenen Seitengassen funktioniert das Mischen von Kfz und Fahrrädern hervorragend, auf stark befahrenen Straßen ist jedoch nur die getrennte Führung sinnvoll. Den Stand der Diskussion geben die Infrastrukturleitlinien der Radlobby wieder: radlobby.at/infrastrukturleitlinien-der-radlobby-wien

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Gretchenfrage: mischen oder trennen? Seite15

Lilo zeigt, wie Fahrrad­ beförderung aussieht Seite 15


PLUS  ⁄  MINUS

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Infrastruktur

Verkehrs-Infrastruktur       

Wien 19.

Wien 17., Rötzergasse

Wien 15., Neubaugürtel

Fahrrad-freundliche Straße für Hernals

Umlaufgitter wird Lastenradtauglich

Die Radverbindung zwischen Unterund Oberdöbling führte bisher über die stark befahrenen Schienenstraßen Billrothstraße bzw. Döblinger Hauptstraße. Dank der Initiative der Bezirksgruppe „Radeln in Döbling“, die zwei Jahre mit der Bezirkspolitik verhandelte, gibt es jetzt eine neue, deutlich angenehmere Route: Von der Silbergasse ⁄ Hofzeile ⁄ Vormosergasse kommend verläuft die Strecke gegen die Einbahn Pyrkergasse und weiter über Kreindl-, Hard- und Guneschgasse bis zum Skywalk. In die Gegenrichtung muss ab Kreuzung Pyrkergasse auf der Billrothstraße gefahren werden. Vor dem Kreuzungsbereich Pyrkergasse ⁄ Kreindlgasse wurden Schräg- in Längsparkplätze umgewandelt (siehe Foto): Ein Sicherheitsgewinn. Radfahren gegen die Einbahn fehlt noch in der Hofzeile bis zur Silbergasse sowie in der Pyrkergasse zwischen Billrothstraße und Vormosergasse. radlobby.at/doebling

Die Basisradroute (höchstrangige Radroute) Rötzergasse – Roggendorfgasse wurde auf Initiative der Bezirksvorstehung Hernals als Fahrrad-freundliche Straße eingerichtet. Zum Einsatz gelangten dabei die bisher größten Fahrradpiktogramme in Wien (ca. 5,5 Meter) im Kreuzungsbereich. Dazu in Fahrspurmitte platzierte Richtungspfeile, um Radfahrende auf eine sichere Fahrlinie außerhalb des DooringBereichs zu führen sowie vorgezogene Halteflächen für Radfahrende (Bikeboxen). Die Attraktivität der Route könnte noch durch Reduktion des Kfz-Durchzugs-verkehrs und durch Verringerung der Kfz-Geschwindigkeiten weiter verbes-sert werden. Zudem wurden die Einbahnen Palffygasse, Weißgasse, Teichgasse, Haslingergasse, Pezzlgasse und Leopold Erst-Gasse für den Rad­ verkehr geöffnet. radlobby.at/hernals

Lastenradtauglich gemacht wurden die Umlaufgitter bei der Querung Straßenbahntrasse Neubaugürtel  ⁄  Goldschlagstraße. In der Planungsphase für den laufenden Umbau der Goldschlagstraße in eine Fahrrad-freundliche Straße hatte die Radlobby Wien die Durchfahrtmöglichkeit für Lastenräder eingemahnt – nichtsdestotrotz wurden die Umlaufgitter dann so eng gesetzt, dass die Stelle extrem schwer zu passieren war. Nach heftigen Reaktionen aus der Community hat die Planungsabteilung der Stadt Wien nun erfreulicher Weise reagiert und die Umlaufgitter versetzt. Ob Umlaufgitter prinzipiell sinnvoll sind, darf indes bezweifelt werden. Die Richtlinien für den Straßenverkehr (RVS) meinen dazu: „An Gefahrenstellen ist der Einsatz der Umlaufsperre nur in Ausnahmefällen ein geeignetes Instrument, da die Aufmerksamkeit des Radfahrers auf das Befahren des Hindernisses – und nicht auf die Gefahrenstelle – gerichtet wird.“

Neue Radroute verbindet Unter- und Oberdöbling

Fotos: Wien, 19: Peter Kühnberger; Wien, 17: Roland Romano; Wien, 15: Andrzej Felzak; Knittelfeld: Heidi Schmitt; Mödling: Wolfgang Pruschinski; Korneuburg: Richard Stawa

Einfach online Radbeschwerden abgeben: radkummerkasten.at


im Praxistest

Qualitäts steigerung für den Murradweg Der Murradweg in Knittelfeld hat seit der Befahrung und Begutachtung mit Planungsabteilungen und Entscheidungsträgern (Technical Tour) im September 2012 eine deutliche Qualitätssteigerung erreicht, da alle Vorschläge der Radlobby ARGUS Steiermark umgesetzt wurden. Sehr komfortabel gleitet man nun auf einem durchgehenden Geh- und Radweg durch die Stadt. Auch auf der historischen Murbrücke aus dem Jahr 1900 muss man nicht mehr auf die schmale Fahrbahn wechseln. Im Zuge der Renovierungen wurde die Brücke auf einer Seite verbreitert und das Geländer versetzt. Das Ergebnis ist ein sehr komfortabler, drei Meter breiter Geh- und Radweg. Die historische Bausubstanz wurde dabei entsprechend adaptiert, so dass sich nach wie vor ein rundes Bild ergibt. Dies beweist, dass auch denkmalgeschützte Bauwerke für den Radverkehr ausgebaut werden können, wenn es die zuständigen Stellen nur wollen.

Mödling

Lückenschluss auf der Enzersdorfer Straße

Mit den neuen 1,5 Meter breiten Mehrzweckstreifen in der Enzersdorfer Straße (Landesstraße B12) zwischen Freiheitsplatz und Lerchengasse wurde ein Verbesserungsvorschlag der Radlobby Mödling sehr gut umgesetzt. Während die Mehrzweckstreifen die Lücke der Radverbindung zwischen Fußgängerzone und Lerchengasse schließen, ermöglichen sie zugleich die Verbindung zu mehreren Radrouten, unter anderem nach Maria Enzersdorf, Brunn am Gebirge und Perchtoldsdorf. Die Mehrzweckstreifen sind nur ca. 100 Meter lang und ihre Breite ist in diesem Falle ausreichend, da sich daneben keine Parkplätze befinden – nur eine Ladezone und ein Taxistellplatz,  die aber beide wenig benützt werden. In der Enzersdorfer Straße gilt, so wie immer auf den wichtigsten Straßen in Mödling, Tempo 40.

&

Donauradweg, Korneuburg

Fahrradstraße am Donauradweg

In Korneuburg wurde in der Donaulände zwischen der Austraße und dem MOL-Tanklager eine Fahrradstraße eingerichtet. Die Strecke ist Teil des Donauradweges. An Spitzentagen kommen hier bis zu 3.000 Radfahrende am Tag durch. Die Radlobby Korneuburg begrüßt die Maßnahme sehr, an dieser Stelle ist es die geeignetste Verkehrsorganisation. In einer Fahrradstraße dürfen Kfz-Lenkende Radfahrende weder behindern noch gefährden. Außerdem dürfen Radfahrende nebeneinander fahren, und es gilt Tempo 30. Gleichzeitig bleibt dem Kfz-Verkehr das Zu- und Abfahren möglich. Die weitere Route stadt einwärts verläuft über den im letzten DRAHTESEL stark kritisierten Gehund Radweg. Auch an dieser Stelle wäre, wie z.B. Boku-Verkehrs experte Michael Meschik vorschlägt, eine Fahrrad-straße die Idealvariante. Die Radlobby fordert die zuständigen Stellen auf, die Verkehrsorganisation erneut zu überprüfen. radlobby.at/korneuburg

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 17

Knittelfeld

Infrastruktur


Lebensstil Schnell, wild, crazy: Das Radkult-Festival Seite 18

Mensch und Fahrrad: So wohnen sie zusammen Seite 19

Lesestoff: Bücher für Fahrrad-Affine Seite 28

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 18

Foto: Peter Provaznik

Das war das Radkult-Festival Für gute Stimmung und spektakuläre Einblicke in die Welt des Radfahrens sorgte Radkult, das internationale Festival der Fahrrad-Kultur, das von 15. bis 18. Oktober in Wien stattfand. Zur Einstimmung präsentierte die Wiener Grafikerin Zahra Shahabi ihre interaktive Kunstaktion „Velotyping“ in der neuen Veletage (siehe auch Bicycle Business auf Seite 34). Im Gartenbaukino fand die Österreich-Premiere der Dokumentation „Bikes vs. Cars“ des schwedischen Filmemachers Fredrik Gertten statt. Am Samstag versammelte sich die Radcommunity im Club „dasWerk“ am Donaukanal zu Alleycat, Performance und Party. Zum Ausklang des Festivals gab es Vienna Tweed Ride, Radliteratur und das selbst gebraute Craft-Bier von Patrice. Matthias Bernold

BikeTekBreakBoom, eine Performance ⁄ Installation samt Musik: Beim Radkult-Festival 2015 im Werk (in Wien).

Cinemascope Farfalla

Im Dokumentarfilm „Farfalla“, der beim diesjährigen Crossing Europe Film Festival mit einem Preis ausgezeichnet wurde, wird der bildende Künstler Hannes Langeder vorgestellt. Der Linzer wendet bei seinen Objekten eine Form der visuellen Irritation an, so auch beim Projekt des „Fahrradi Farfalla FFX“. Der Fahrradi sieht aus wie ein betörender italienischer Sportwagen, aber unter der Karosserie steckt kein dröhnender Achtzylindermotor, sondern ein Fahrrad. Ein Traumauto zum Treten also. Wer das aus einer Mischung realer und fiktiver Designelemente konstruierte Luxus-Sportauto fahren will, muss also Muskelkraft bemühen. Über ein Umlenkgetriebe an der Hinterachse werden die beiden Flügeltüren während der Fahrt in Bewegung

gesetzt. Dies soll, so Langeder, dem Flügelschlag eines Schmetterlings (italienisch: farfalla) ähneln. Auch die Innenbelüftung werde durch diese Technik verbessert. Das ist nicht ganz unwichtig, denn aufgrund einer Untersetzung sei das Fahren mit dem Fahrradi enorm schweißtreibend, erklärt der Künstler. Man könne ihn nur derart zeitlupenartig bewegen, dass ein einspuriges Fahrzeug längst umfallen würde. Genau das sei das Ziel seiner Arbeit: Die Entschleunigung im Gewand der nahezu grenzenlosen Schnelligkeit. Farfalla Dokumentarfilm, Österreich 2014 (29 Minuten) Regie: Felix Huber

An dieser Stelle stellt die Film- und Theaterwissenschaftlerin Ines Ingerle Klassiker und Neuheiten aus der Welt des FahrradFilms vor.


Wi r wohnen zu samm en

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Nicht jeder hält den Gedanken aus, das eigene Fahrrad über Nacht im Freien darben zu lassen. Stattdessen holen viele Menschen ihren Drahtesel zu sich in die eigenen vier Wände. Wie das Zusammenleben von Mensch und Tretmaschine aussieht, zeigt ein Foto-Essay von Andrea Siegl


„Weil die Räder in der Wohnung sauberer bleiben und länger leben“

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 20

Danny Müller, 1150 Wien, betreibt die Fixdich-Rad-Boutique in Wien (fixdich.at), er wohnt mit seiner Freundin, Kater Luke und Katze Leia. Zahl der Räder in der Wohnung: fünf


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„Weil wir nicht zu Fuß in die Küche gehen wollen“ Vier Mädels-WG mit Bernadette (links), Lisa (Monkey-Onesie), Lisa (mit Helm) und Astrid (Mitte) in 1150 Wien. Fahrräder: drei bis vier „große“, dazu drei Einräder


„Im Keller ist für alle nicht genug Platz“ Gerold Lehmann , 1140 Wien, Beamter der Stadt Wien. Fahrräder: ca. dreizehn fahrbare Räder in der Wohnung (plus einige zerlegte) –  die zwei ehemaligen Kinderzimmer wurden in Radzimmer umgewidmet


„Damit sie mir nahe sind“ Brigitte Stocker, 1080 Wien, Germanistin, Buchautorin, ProfiRennfahrerin beim Österreichischen Radsportverband. Fahrräder: Fünf, plus drei „versteckte“ (ein BMX unterm Schreibtisch, zwei in der Speis neben Marmelade, Einmachgläsern und Waschmaschine)


Drahtesel 4  ⁄  2015 – 24


Drahtesel 4  ⁄  2015 – 25

„Das Gefühl, es zu vermissen, wenn man es mal ein paar Tage nicht hat!“ WG in einem alten Bauernhaus in Tresdorf bei Korneuburg rund um das Pärchen Elias und Anna. Fahrräder: ca. 30, von Eddy Merckx-Rennern bis zu alten italienischen Klapprädern. Der alte Saustall fungiert als Radwerkstatt, der Heustadel als Studio. Und Gemüse wird auch angebaut


Russkaja auf dem Klapprad Lebensstil

Fahrstil

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Don’t shoot the messenger Meine Ausrede: Ich bin Langstreckenfahrerin, wie in dieser Kolumne schon hinreichend ausgeführt. Aber kurze Sprints, dazwischen mit und ohne Rad Stiegen steigen und – nicht vergessen – das Rad beim Kunden absperren: darin bin ich nur bedingt gut. Das weiß ich, seit ich bei der Österreichischen Radbotenmeisterschaft, der „OeRBM“ im September teilgenommen habe. Nahe der Donauinsel in Wien war ein Kurs abgesteckt mit Einbahnsystem, auf dem man bei diversen Checkpoints, alias Kunden, in einer bestimmten Reihenfolge Stempel holen musste. Kam man bei einem Checkpoint ohne einen notwendigen anderen Stempel an, musste man die ganze Strecke nochmals abfahren. Disponieren, also die richtige Wahl der Route, ist noch einmal eine ganz andere Dimension des Botenfahrens. Auf der Straße müssen sich Boten für die beste Routenführung zum nächsten Ziel entscheiden. Aber in welcher Reihenfolge man welche Kunden anfährt, zur Abholung, zur Zustellung, oder ob vielleicht eine Übergabe an einen anderen Boten unterwegs Sinn macht, das entscheiden die Disponenten. Bei der Botenmeisterschaft habe ich durch schlechtes Disponieren wertvolle Zeit und Kraft eingebüßt. Somit konnte ich nur drei Viertel der Aufgaben lösen und in der Wertung nur ein DNF (did not finish) eintragen. Naja, besser als ein DFL (dead fu ... last), oder? Die Radbotenmeisterschaft hat meine Bewunderung für die körperlichen und geistigen Leistungen beim Botenfahren noch weiter steigen lassen. Und auf der Straße sind die „schwarzen Schafe“ – egal auf welchem Fahrzeug – meist nicht die Berufsfahrenden ...

Russkaja-Trompeter Rainer Gutternig teilt seinen Lebensraum mit zahlreichen Fahrrädern: Ein Lastenrad mit Platz für vier Kinder, mehrere Mountainbikes und ein Cruiser verteilen sich in der Wohnung in Linz Wegscheid.

Nimmst du da das Fahrrad mit? R.G. Ab und zu, manchmal das Klapprad, einmal auch das Fully beim Bikeparkfestival am Geisskopf.

INTERVIEW: Paul Weber

Wie bist du mit der Infrastruktur und Verkehrspolitik in Linz zufrieden? R.G. Beides ist ziemlich katastrophal. Ich finde es schlimm, dass es überhaupt Vereine wie die Radlobby geben muss, die der Politik und den Infrastrukturverantwortlichen Beine machen. Gerade, wenn man mit Kindern unterwegs ist, merkt man, wie lückenhaft und holprig die Radwege sind. Was gehört verbessert? R.G. Das Bewusstsein, dass Radelnde in der 30er-Zone nicht unbedingt überholt werden müssen. Dass Radwege nicht als Abstellfläche missbraucht werden und nicht mehr in der Türzone geplant werden. Auch bin ich gegen Autobahngroßprojekte wie den Linzer Westring. Ich habe mich damals sehr für das Projekt des Musiktheaters im Berg an dieser Stelle eingesetzt.

Die Band Russkaja ist auch aus der ORF-Sendung „Willkommen Österreich“ bekannt. Der Sound der Band ist von russischer Musik inspiriert, dazu mischen die Musiker Ska, Rock und Polkabeats.

Barbara Ottawa ist Journalistin in Wien

DRAHTESEL: Wie nutzt du das Fahrrad im Alltag? Rainer Gutternig: Immer und für alles! Ausnahmen: Ins Mühlviertel fahren wir mit dem Auto meiner Freundin. Auf Tour fahren wir im Mercedes Sprinter.

Fahren deine Kinder gerne Rad? R.G. Sobald ich die Jacke anziehe und den Helm in die Hand nehme, will mein Sohn sofort von der Mama weg. Meine Tochter ist ja schon seit den Anfängen dabei. Es ist viel angenehmer, die Kinder mit dem Rad zu transportieren als mit dem Kinderwagen. Auf dem Fahrrad schlafen sie ein, und es geht voran. Ich hab einen Fellsack für den Winter, einen Schirm für den Sommer. Du bist öfters bei der Critical Mass. Was ist deine Motivation? R.G. Erstens will ich ein Zeichen für den Radverkehr setzen. Zweitens ist es ein bisschen wie Urlaub, ein gemütliches Beisammensein mit Freunden.


ARGUS Fördernde Mitglieder

Unterstützen Sie die verkehrspolitische Arbeit der ARGUS! Wenn auch Sie förderndes Mitglied werden wollen, senden Sie bitte Ihre Daten direkt an uns: service@argus.or.at

Stadtradler Dein Hollandrad-Spezialist Karlsgasse 16 1040 Wien Tel.: 0664 ⁄ 340 15 68 stadtradler.at

Cooperative Fahrrad Fahrradverkauf und -werkstatt Gumpendorfer Straße111 1060 Wien Tel.: 01 ⁄ 596 52 56 fahrrad.co.at

Velobis Johnstraße 1-3 1140 Wien Tel.: 01 ⁄ 786 39 80 velobis@bikesplus.at velobis.com

E.R.A. Bicycles e.U. Cruisers, Customs, Zubehör Onlineshop Tel.: 0699 ⁄ 196 78 113 office@einradantrieb.at einradantrieb.at

Fahrradhändler Starbike Dein Radspezialist am Praterstern Lassallestraße 5 1020 Wien Tel.: 01 ⁄ 219 80 65 office@starbike.at starbike.at

Wien Rad Verkauf und Werkstatt im Nordbahnviertel Krakauer Straße 25 1020 Wien Tel.: 01 ⁄ 212 48 36 office@wienrad.at wienrad.at

SPORTHAUS RIH Fahrradverkauf und -reparatur Praterstraße 48 1020 Wien Tel.: 01 ⁄ 214 51 80

das taschenfahrrad Stadt-, Tourenräder & Fahrradtaschen Verkauf ⁄ Werkstatt Leopoldsgasse 28 1020 Wien Tel.: 0699 ⁄ 104 31 886 hans.poellhuber@chello.at dastaschenfahrrad.com

Ciclopia Fahrrad + Werkstatt Stiegengasse 20 1060 Wien Tel.: 01 ⁄ 586 76 33 ciclopia.at

Radshop.at Gabor Magyar e.U. Neubaugürtel 31 1150 Wien Tel.: 01 ⁄ 98 222 39 info@radshop.at radshop.at

H. Csarmann Gebrauchte Fahrräder Linke Wienzeile 124 1060 Wien Tel.: 01 ⁄ 597 82 88 fahrrad-ski.at.tc

Wolfgang Brunner Fahrradmechanikermeister Degengasse 37 1160 Wien Tel.: 01 ⁄ 485 57 32

IG-Fahrrad Shop Westbahnstraße 28 1070 Wien Tel.: 01 ⁄ 523 51 13 ig-fahrrad.at

das faltrad Ottakringer Straße 71 1160 Wien Tel.: 0681 ⁄ 104 07 744 dasfaltrad.at

CITYBIKER.AT Lerchenfelder Straße 13 1070 Wien Tel.: 01 ⁄ 522 19 02 citybiker.at

MOUNTAINBIKER.AT Stadtbahnbögen 145-150 Währinger Gürtel Ecke Sternwartestraße 1090 Wien Tel.: 01 ⁄ 470 71 86 mountainbiker.at

Heavy Pedals Lastenradtransport und -verkauf OG Am Hundsturm 1 1050 Wien Tel.: 01 ⁄ 353 0 353 info@heavypedals.at heavypedals.at

Enzovelo Ing. Heinz Wipplinger Spittelauer Lände 11 1090 Wien Tel.: 01 ⁄ 310 05 45 enzovelo.at

Kosty Kosteletzky Fahrräder, Rennräder etc. Weyringergasse 37 1040 Wien Tel.: 01 ⁄ 505 06 86 kosty-radsport.at

Manfred Dittler Waffenradspezialist Schlöglgasse 19 1120 Wien Tel.: 01 ⁄ 802 52 22 waffenrad.at

bike20 Werkstatt-Verleih-Touren Friedrich-Engels-Platz 6 Eingang Kapaunplatz 1200 Wien Tel.: 0650 88 15 391 office@bike20.at www.bike20.at

Fahrräder TRAPPL Fahrradverkauf und Werkstatt Leystraße 75 1200 Wien Tel.: 01 ⁄ 330 06 96 fahrradtrappl.at Fahrradhaus Franz Dorfinger Mechanikermeister Galvanigasse 19 1210 Wien Tel.: 01 ⁄ 271 14 47 2radtreff.at 2radtreff huber e.U. Breitenfurter Straße 270 1230 Wien Tel.: 01 ⁄ 869 63 75 2radtreff.at

Wienerwaldbiker.at Friedrich Michael Wehrgasse 4 2340 Mödling Tel.: 02236 ⁄ 27307 wienerwaldbiker.at

Rad & Sport Kiesl Gmbh Beratung, Verkauf, Service Freistädter Straße 297 4040 Linz Tel.: 0732 ⁄ 750 450 radsport.kiesl@aon.at radsport-kiesl.at

Werner Kunster Fahrradmechanikermeister Mondscheingasse 4 8010 Graz Tel.: 0676 ⁄ 33 77 814

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Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 27

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BÜCHER

Leidenschaft auf dünnen Reifen Lebensstil

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 28

Gerlich, Wolfgang; Pruckner, Othmar Rennradfieber. Lust und Leidenschaft auf dünnen Reifen Wien 2015: Falter Verlag ISBN 978-3-85439 536-2 255 Seiten, 34,90 Euro

Allein oder im Pulk, Vintage oder ultra-modern, rasant oder gemächlich – das Rennrad, seit jeher Kultund Kampfobjekt, steht derzeit hoch im Kurs. „Rennradfieber“, von Wolfgang Gerlich und Othmar Pruckner herausgegeben, beschreibt den Trend in seiner Vielfalt. In ihrem mit beeindruckenden Fotografien bebilderten „Lesebuch“ sammeln sie Geschichten von Radsportlegenden, Rennradfahrenden, leidenschaftlichen Sammlern und

Reisenden: 28 Autorinnen und Autoren – darunter viele aus der österreichischen Fahrrad-Szene – schildern ihre Erfahrungen. Schreiben vom Gipfelsieg, gestehen dem schlanken Gefährt ihre Liebe oder schwelgen im Glück auf zwei Rädern. Dazu gibt es Tipps zu Rennrad-Ausfahrten rund um Wien und in Österreich. Wer das Verlangen bisher nicht verspürte, dem ist spätestens nach der Lektüre klar: ein Rennrad muss her! Omo Lisboa

Schicksal eines DDR-Sportidols

Legenden aus Stahl in Wort und Bild

Undemokratische Dominanz des Autos

Von Klapprad bis Custombike aus Holz

Autor Herbie Sykes erzählt die wahre Geschichte des DDRRadrennfahrers Dieter Wiedemann. Im Mai 1964 beendet letzterer die legendäre Friedensfahrt, die Tour de France des Ostens, als Dritter auf dem Podium und wird dadurch zum Sportidol der DDR. Doch schon kurze Zeit später ist er als Verräter gebrandmarkt: er hatte sich in den Westen abgesetzt. Wiedemanns persönliche Erinnerungen, Interviews mit Wegbegleitern und Zeitzeugen, die umfangreichen Akten der Staatssicherheit, die ihm lange Zeit nachstellte – all das hat Sykes in akribischen Recherchen zusammengetragen. Seine Dokumentation macht persönliche Schicksale lebendig und zeigt Kleingeistigkeit und alltäglichen Wahnsinn der DDR.

Helle Steine und blauweißer Himmel, die Stille und Leere des Mont Ventoux lädt ein zum Entdecken. Die Motive, diese Kraft und Farben der Bilder, lassen einen immer weiterblättern, machen neugierig auf die Geschichten und erzählen selbst welche. Autor Bengt Stiller nimmt einen mit auf seine Entdeckungsreise durch Europa und bringt uns in Wort und Bild ganz nah ran an die Größen in der Radmanufaktur und berühmter Radrennen. Es gleicht einem Tagebuch, das kaum aus der Hand zu legen ist. Ehrlich, echt und undogmatisch schlägt er den Bogen zur heutigen Carbonwelt. Woher und warum diese Leidenschaft, sich zu quälen? Eindeutige Antwort gibt es keine. Nur willst du sie nach diesem Buch selbst durchleben!

„VerkehrsMachtOrdnung“ legt die selbstverständliche Durchdringung unserer Gesellschaft mit einer an das Auto angepassten Verkehrsordnung offen. Die Idee der Automobilität hat über Jahrzehnte öffentlichen Raum und Gesellschaft nachhaltig geprägt, ohne je in einem demokratischen Diskurs hinterfragt worden zu sein. Die Autoren und Autorinnen von Planka.nu (dt. Umsonstfahren.jetzt) – ein Netzwerk lokaler Initiativen in Stockholm und Göteborg – analysieren vielfältige Zusammenhänge zwischen Verkehr, Umwelt und Klassengesellschaft. In Schweden erhielt das Buch mehrere Preise und wurde als „Manifest, das durch analytische Schärfe, Kenntnisreichtum und einen Respekt einflößenden Willen zur Agitation besticht“ beschrieben.

Beatrice Stude

Basta Biker

Roberto Gurian, MotorsportJournalist und selbst begeisterter Rennradfahrer, zelebriert in seinem Bildband Fahrräder und deren Geschichte. Auf je einer Doppelseite werden exklusive Radtypen vom Velociped über das Klapprad im Regenschirmformat bis hin zum Custombike aus Holz vorgestellt. Modelle, die in der Geschichte des Fahrrads einen Stellenwert errungen haben, finden in diesem Buch ihren Platz: Von den ersten Laufrädern, der Erfindung von Kette und Pedalen oder dem Fahrrad für Frauen bis zu den Rennrädern von Rad-Heroen wie Bernard Hinault, Eddy Merckx und Co. Auch Mountainbikes, ultrahippe Custom-Renner, Single-Speeds oder Pedelecs sind mit dabei. Das Buch endet mit einem Blick in die Zukunft und zeigt spannende Prototypen.

Stiller, Bengt: Legends of Steel. Passion Vintage: Rennen, Räder und Rouleure. Bielefeld 2015: Delius Klasing Verlag ISBN 978-3-667-10302-4 176 Seiten, 41,10 Euro

Planka.nu (Hrsg.): VerkehrsMachtOrdnung. Zur Kritik des Mobilitätsparadigmas Münster 2015: UNRAST-Verlag ISBN 978-3-89771-584-4 113 Seiten, 10,10 Euro

Basta Biker

Sykes, Herbie: Das Rennen gegen die Stasi. Die Geschichte des Radrennfahrers Dieter Wiedemann Bielefeld 2015: Covadonga Verlag ISBN 978-3-95726-001-7 426 Seiten, 20,40 Euro

Omo Lisboa

Gurian, Roberto: Fahrräder. Klassiker – Trends – Visionen. Bielefeld 2015: Delius Klasing Verlag ISBN 978-3-667-10298-0 271 Seiten, 30,80 Euro


Service & Recht Reparaturtipp: So wird das Fahrrad winterfit Seite 29

Recht: Grund zur Freude für Fixie-Fans Seite 30

Steuererklärung: Geld sparen mit dem Fahrrad Seite 32

Zur Strategie des Fönens klemmender Fahrradteile In der Winterzeit braucht das Fahrrad besondere Pflege. Ein Schwachpunkt sind häufig die Schrauben. Hier ein paar Tipps und Tricks, wie die kleinen Biester trotz Verunreinigung und Rost wieder beweglich werden

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ür einige Radfahrende ist der Winter Ruhezeit: das Fahrrad wandert dieser Tage in den Keller oder wird irgendwo verräumt. Für viele andere – und darunter wohl ein großer Teil der DRAHTESEL-Leserinnen und -Leser – ändert sich am Fahrplan jedoch wenig bis gar nichts. Geradelt wird auch in der kalten Jahreszeit, ohne Unterbrechung. Egal, ob wir das Fahrrad dabei intensiv nutzen oder nicht: Der Winter stellt an unser Vehikel höhere Ansprüche als der Rest des Jahres. Es ist daher angebracht, sich um das Fahrrad besonders zu kümmern. Wenn es klemmt: keine Gewalt Manch eine Sanierung oder Verbesserung – zumal wenn man die Pflege während des Jahres hat schleifen lassen  –  scheitert an Schrauben oder Gewindeverbindungen, die sich aufgrund von Rost oder Verschmutzung nicht mehr lösen lassen. Man sollte auf alle Fälle Gewalt vermeiden, weil die Schrauben meistens oxidiert sind und jede Art von Gewalt zum Bruch führen kann statt zum Lösen. Der Klassiker ist natürlich Kriechöl. Bei kleineren Schrauben funktioniert es oft nach kurzer Einwirkungszeit.

Gummigriffe für Trekking-Räder oder Mountainbikes tauschen, ohne sie gleich zu zerschneiden, geht recht gut mit handelsüblicher Spritze und Nadel: Die Nadel der mit Wasser gefüllten Spritze schräg in die Mitte des Griffes einführen bis man am Lenker anstößt. Das injizierte Wasser funktioniert hier als Gleitfilm. Nach der Behandlung können Griffe einfach abgezogen werden. Für das Montieren der Griffe gibt es ebenfalls einen Trick: Sie halten besser, wenn man sie an der Innenseite mit Haarspray oder Lack einsprüht. Der Spray wirkt erst als Gleitfilm und hilft sodann, die Griffe richtig einzusetzen und verklebt zum Schluss mit dem Lenker. Schaltröllchen reinigen Was bei der Reinigung oft übersehen wird, sind die Schaltröllchen. Dort sammelt sich viel Schmutz, der sehr hartnäckig verklebt sein kann. Unter Umständen kann dies die Funktionalität des Schaltwerks beeinträchtigen und den Kraftaufwand beim Treten erhöhen. Man sollte den groben Schmutz mit einem alten, flachen Schraubenzieher abkratzen, dann den Schraubenzieher flach auf das Schaltröllchen legen und die Pedale gegen die Fahrrichtung drehen.

Stattdessen: Problemstelle fönen Die bessere Methode ist aber Hitze. Ein gewöhnlicher Fön genügt in den meisten Fällen, die Problemstelle genügend aufzuwärmen, um die Gewinde zu lockern. Schneller geht es mit einer Lötlampe oder einem Heißluftgebläse. Das funktioniert ausgezeichnet beim Tausch der Innenlager (auch wenn diese aus Plastik sind) und mitunter auch bei klemmenden Sattelstützen.

Last but not least: Die Kette Die Kette selbst gehört natürlich auch gepflegt. Jeder und jede Radfahrende hat da seine bzw. ihre Lieblingsmethode. Was jedenfalls zur Anwendung gelangen sollte: Kettenreiniger oder Seifenlauge, Zahnbürste und Tücher. Danach ordentlich fetten. Und über Nacht einwirken lassen. Auf geht’s: ab ins Freie! Gute Fahrt!

Marcin Dopieralski leitet den ARGUS-Shop. Der begeisterte Raddesigner – Eigenmarke B’IQ – gibt für den DRAHTESEL Reparatur-Tipps.

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 29

TEXT: Marcin Dopieralski


Fixie als zweite Bremse Service & Recht

Ein Gerichtsurteil erfreut Fixie-Fahrende: Der starre Antriebssatz gilt demnach als eine von zwei vorgeschriebenen Bremsen und macht die puristischen Fahrräder offiziell straßenverkehrstauglicher

Johannes Pepelnik ist Rechtsanwalt in Wien und Vertrauensanwalt der Radlobby

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 30

S

ie sind elegant, wartungsarm und aufs Wesentliche reduziert: Die Rede ist von Fixie-Bikes, also Eingangrädern (englisch: Singlespeed) ohne Freilauf, sondern mit starrem Gang. Gebremst wird meist durch Gegendruck auf die Pedale, was einiges an Übung erfordert. Das Eingangrad ist eigentlich das Ursprungsrad. So ist jedes Hochrad beispielsweise ein Eingangrad. Rechtlich stellt sich die Frage, ob der starre Antrieb als Bremse zu qualifizieren ist. Was wiederum wesentlich ist für die Frage, ob Fixies hinsichtlich der Bremsen StVO-konform sind oder nicht. Die österreichische Fahrradverordnung schreibt vor, dass jedes Fahrrad mit zwei voneinander unabhängig wirkenden Bremsvorrichtungen ausgestattet sein muss, mit denen auf trockener Fahrbahn eine mittlere Bremsverzögerung von vier Metern pro Sekunde (m  ⁄ s²) bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 20 km ⁄ h erreicht werden muss. Blick nach Deutschland

Lange Zeit blickte man in Ermangelung österreichischer Judikatur zu diesem Thema nach Deutschland, wo das

Amtsgericht Bonn im Jahr 2009 darauf abstellte, ob der Fixie-Fahrer in der Lage war, das Hinterrad zu blockieren. Im Jahr 2010 verneinte dann das Verwaltungsgericht Berlin die Zulässigkeit eines starren Antriebs als Bremse im Sinne der deutschen Straßenverkehrsordnung. Eine Bremse im Sinne der deutschen Straßenverkehrsordnung könne nur eine technische Einrichtung sein, nicht jedoch der Antriebsmechanismus selbst. Österreichische Judikatur In Österreich stellte das Landesverwaltungsgericht Steiermark im Jahr 2014 in einer Entscheidung über ein Fixie, welches über keine zweite Bremse verfügte, fest, dass das Fahrrad nicht der Fahrradverordnung entsprach, setzte sich allerdings nicht weiter mit dem Bremsmechanismus auseinander. Erst in der Entscheidung vom 8. April dieses Jahres (LVWG 30.29-5876 2014) befasste sich das selbe Gericht mit der Frage, ob ein starrer Antrieb als Bremse zu qualifizieren sei. Dazu wurde ausgeführt, dass in der Fahrradverordnung nicht konkretisiert werde, auf welche Art und Weise die geforderte Bremsverzögerung erreicht werden

muss. Außer, dass dies auf trockener Fahrbahn geschehen soll und mit zwei voneinander unabhängig wirkenden Bremsvorrichtungen. Angesichts der diesbezüglich nicht vorhandenen Prüfkriterien war es daher für das Gericht nicht erwiesen, dass das verfahrensgegenständliche Fahrrad nicht über zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsvorrichtungen verfügte, mit denen auf trockener Fahrbahn eine mittlere Bremsverzögerung der eingangs genannten vier Meter pro Sekunde bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 20 km ⁄ h erreicht werden kann. Für den österreichischen Rechtsbereich ist daher derzeit davon auszugehen, dass ein starrer Antrieb als Bremse ausreichend ist, wenn der Fahrer oder die Fahrerin damit die gesetzlich gebotene Bremsverzögerung erzielt. Der Vollständigkeit halber muss darauf hingewiesen werden, dass das Fahrrad auch über eine separat zu bedienende Vorderbremse verfügen muss. Weiters sei erwähnt, dass die obigen Entscheidungen jeweils von Landesverwaltungsgerichten hinsichtlich der Ausstattung von Fahrrädern entschieden worden sind, nicht aber von Zivilgerichten im Falle eines Unfalls.

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Alle Vorteile für Radlobby-Mitglieder Seite 18

Cartoon: Fugart

TEXT: Johannes Pepelnik


DRAHTESEL – Das österreichische Fahrradmagazin 32. Jahrgang ⁄ Heft 4 Erscheinungsdatum 1. Dezember 2015 Medieninhaberin (Verlegerin) und Herausgeberin ARGUS – Arbeitsgemeinschaft Umweltfreundlicher Stadtverkehr DVR-Nr.: 0445495 ZVR-Zahl: 265962142 Sitz Frankenberggasse 11 1040 Wien Vorsitz Andrzej Felczak felczak@argus.or.at Stv. Vorsitz Heidi Schmitt Chefredakteur Matthias G. Bernold Unter Mitarbeit von Lukas Beurle Walter Bradler Eliza Brunmayr Michael Bürger Andrzej Felczak Martin Friedl Hannes Friedrich Evelyn Eder Ingrid Egermann Willi Grabmayer Martina Gura Eva Häfele Mirko Javurek Omo Lisboa Jan Killian Valerie Madeja Ernst Miglbauer Margit Palman Peter-Alexander Pöltl Erwin Preuner Peter Provaznik Roland Romano Martin Rotter Heidi Schmitt Mario Sedlak Daniela Schulhofer Reinhold Seitl Andrea Siegl Beatrice Stude Paul Weber Wolfgang Wehap Kolumnen Marcin Dopieralski Roland Girtler Ines Ingerle Barbara Ottawa Johannes Pepelnik Reinhold Seitl Coverfoto Andrea Siegl andreasiegl.com Art Direktion Anna Hazod annahazod.com

Bildbearbeitung Marlies Plank Anzeigen Hannes Friedrich h.friedrich@argus.or.at Reinhold Seitl (Tourismus) reinhold.seitl@commdes.at Illustrationen Lysanne Bellemare (Autorenportraits) Anna Hazod Kontakt ARGUS-Fahrradbüro Frankenberggasse 11 1040 Wien Mo - Fr 14 - 19 Uhr, Sa 10 - 14 Uhr Tel.: 01 ⁄ 505 09 07 Fax DW: 19 service@argus.or.at argus.or.at ARGUS ⁄ Radlobby Wien-Büro Lichtenauerg. 4 ⁄ 1 ⁄ 1 1020 Wien Tel. & Mail siehe ARGUS Fahrradbüro oben Mo-Fr 10-13 Uhr Bankverbindung IBAN AT40 6000 0000 0758 2600 BIC OPSKATWW Leserbriefe sind herzlich willkommen, allfällige Kürzungen können nicht ausgeschlossen werden. Namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht mit der Meinung der DRAHTESEL-Redaktion übereinstimmen. Radlobby Österreich ist Mitglied des Europäischen Radfahrverbandes ECF

Der DRAHTESEL ist das Vereinsmagazin der ARGUS und wird in Kooperation mit den Vereinen der Radlobby Österreich hergestellt. Druck Ferdinand Berger & Söhne GmbH Die gesamte Produktion des DRAHTESEL wird nach dem österreichischen Umweltzeichen abgewickelt.

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Impressum


Herr Finanzminister, tuns was fürs Radfahren!

Service & Recht

Nur unter engen Voraussetzungen ist das Fahrrad steuerlich absetzbar. Gegenüber dem Autofahren wird die sanfte Mobilität schwer benachteiligt

ANALYSE: Wolfgang Mader

B

ei der Untersuchung der Wirkung des Radfahrens auf das Steuerrecht und umgekehrt muss hinsichtlich der verschiedenen Einkunftsarten differenziert werden.

Illustration: Anna Hazod

Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 32

Nichtselbstständige Einkünfte Die Ausgaben für das Fahrrad für beruflich veranlasste Fahrten (dazu zählt nicht der Weg von der Wohung zur Arbeitsstätte) stellen Werbungskosten dar. Es werden 38 Cent pro Kilometer anerkannt. Maximal jedoch 1.500 Kilometer pro Jahr. Die Lohnsteuerrichtlinien sprechen hier von einer Schätzung: daher ist anzunehmen, dass die Obergrenze von 570 Euro (1.500 x 38) angesetzt werden kann. Anstelle des Kilometergeldes können tatsächliche Kosten nachgewiesen werden. Allerdings sind dabei Fahrräder, die als Sportgerät zu werten sind (Rennräder, Mountain-Bikes), nicht zugelassen. Fahrräder, die nach der StVO zugelassen sind und dem Alltagsverkehr dienen (Citybikes, Trekkingbikes, Anhänger, usw.), können mit den Anschaffungskosten, verteilt auf sieben Jahre, abgeschrieben werden. Räder unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze von 400 Euro können sofort abgeschrieben werden. Zusätzlich können laufende Kosten (Reparatur, Ersatzteile, Versicherung) geltend gemacht werden. Privatanteile sind dann zu verneinen, wenn im selben Haushalt noch weitere Räder verfügbar sind. Falls der Arbeitgeber die Beträge für die beruflichen Fahrten mit dem Fahrrad ersetzt, sind diese im Rahmen der oben genannten Grenzen steuerfrei. Vorsicht: falls mehr als 570 Euro jährlich oder mehr als 38 Cent pro Kilometer ausbezahlt werden, sind die übersteigenden Teile steuer- und sozialversicherungspflichtig. Die Pendlerpauschale ist nicht an die Verwendung eines Kfz gebunden

und somit auch für Radfahrende beanspruchbar. Sofern eine Wegstrecke zumindest 20 Kilometer beträgt. Selbstständige Einkünfte Bei Einkünften aus selbständiger Arbeit stellen Kilometergelder, die für die Erfüllung von Aufträgen von Kundinnen und Kunden bezahlt werden, Betriebseinnahmen dar. Bei der Abschreibung des Fahrrades als Betriebsausgabe ist wie folgt vorzugehen: Wenn das Fahrrad weniger als 50 Prozent betrieblich genutzt wird: Es ist ein Fahrtenbuch zu führen, und die gefahrenen Kilometer sind mit 38 Cent pro Kilometer anzusetzen. Wenn das Fahrrad zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird: Die Anschaffungskosten sind – gegebenenfalls nach Abzug eines Privatanteiles (siehe oben) – auf die Nutzungsdauer (sieben Jahre) zu verteilen. Unter 400 Euro kann das Rad als geringwertiges Wirtschaftsgut sofort abgeschrieben werden. Zusätzlich können die laufenden Kosten (Reparatur, Ersatzteile, Versicherung) geltend gemacht werden. Von allen Kosten, auch der Anschaffung, kann die Umsatzsteuer, falls der Selbstständige USt-pflichtig ist, als Vorsteuer abgezogen werden. Auch hier gilt: reine Sporträder sind nicht absetzbar. Kritik und Fazit Bedauerlicher Weise schafft der Gesetzgeber keine steuerlichen Anreize, um vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Der Kilometersatz beim Rad ist niedriger als beim Auto (42 Cent), die Obergrenze von 570 Euro verringert lediglich die Bemessungsgrundlage für die Steuerberechnung. So wird je nach Steuerbelastung ein Betrag zwischen 100 und 240 Euro pro Jahr lukriert. Zum Vergleich: Beim Kfz bestehen Abschreibmöglichkeiten bis 30.000 Kilometer pro Jahr, wodurch Steuerersparnisse bei der Maximalleistung von 2.300 bis zu 5.400 Euro möglich werden.


Service & Recht

Fahrrad-Pauschale von 8.000 Euro Voraussetzung für die Absetzbarkeit des Fahrrades sollte meiner Ansicht nach sein, dass weder ein Kfz im Betriebsvermögen existiert, noch ein Kfz im Haushalt zugelassen ist. Eine Fahrrad-Pauschale in Höhe von 8.000 Euro mag hoch erscheinen. Sie ist jedoch realistisch, wenn wir den Betrag

mit den im betrieblichen Bereich abgesetzten Kfz-Kosten vergleichen. Das Steuerrecht sieht etwa die Anschaffung eines Kfz bis 40.000 Euro als akzeptabel an, erst darüber tritt mit der Luxustangente ein Abzugsverbot in Kraft. Mit so einer Fahrrad-Pauschale würde die Vielzahl der Arbeitenden und Angestellten sowie der kleinstunternehmerisch Tätigen erreicht und Radeln massiv gefördert. Industrieund Mittelbetriebe verfügen über genug Eigenmittel und benötigen keine steuerlichen Anreize, zudem ja jeder überdachte Abstellplatz auf dem Betriebsgelände durch Landesmittel hoch gefördert wird.

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Zum Autor: Wolfgang Mader ist Steuerberater in Bregenz und Mitglied der Radlobby Vorarlberg

Information der Radlobby

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Drahtesel 4  ⁄  2015 – 33

Mögliche Ansätze wären: Ein Durchbrechen der Systematik des Steuerrechtes durch Verwendung imaginärer Beträge. Beispielsweise durch einen pauschalen Absetzbetrag für Fahrräder in Höhe von 8.000 Euro pro Jahr.


Produkte & Technik Bicycle Business: Die Veletage Seite 34

Geschenke: Tipps für das Fahrrad-Christkind Seite 36

Neue Produkte im ARGUS-Shop Seite 38

BICYCLE BUSINESS

Vier Jahre lang ließ sich Kurt Stefan Zeit, tüftelte an Konzept und Corporate Identity. Herausgekommen ist mit der Veletage ein chices Geschäft für stilbewusste Rennrad-Aficionados, die für ihre Leidenschaft das nötige Kleingeld übrig haben. Stefan betreibt den Shop mit Thomas Priglinger und dem auffällig tätowierten Josh Hayes – alle drei passionierte Rennradradfahrer. Die Räder von Festka, Pasculli oder Parlee werden nach Maß für die Kundschaft gefertigt. Eine spezielle Apparatur hilft, die Vehikel an Bedürfnisse und Körpermaße anzupassen. Ebenfalls zu finden: Radmode von Café du Cycliste, Biciclista oder Danny Shane. Elegante Radkleidung sei in Wien bisher nicht einfach zu bekommen gewesen, erklärt Stefan: „Dafür musste man nach London fahren.“ Der „Salon für Radkultur“ liegt im schönsten Teil der Praterstraße in Rufweite von Streetbiker und Rih – womit dieses Eck inzwischen die höchste Dichte an RennradShops aufweist. veletage.com

Foto: Matthias Bernold

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 34

Für stilbewusste Rennrad-Aficionados

Kurt Stefan in der Veletage, dem neuen Fahrradshop in der Praterstraße 13

HOT OR NOT Zeugs für Radfahrende

Lederne Wickel für stählerne Renner

Sandwich-Bike aus Holz geht in Serie

Rad-Navi weist mit Leuchtring den Weg

Das längste Rad der Welt: 36 Meter

Vintage-Radfahrende aufgepasst: Die Selbsthilfewerkstatt Alpenrad in der Skodagasse 1, in 1080 Wien, ist nicht nur ein guter Ort, um das eigene Fahrrad zu waschen, zu warten und – bei Bedarf auch unter Anleitung geprüfter Mechaniker – selber zu reparieren. Alpenrad ist außerdem mit einer Lederwerkstatt ausgestattet. Hier lassen sich individuelle Lenkerbänder anfertigen und montieren, die garantiert zum klassischen Stahlrenner passen. alpenrad.at

Statt eines Rahmens aus Metall oder Carbon hat das Fahrrad des niederländischen Designers Basten Leijh einen aus Holz. Mit seinem minimalistischen Aussehen gewann das Sandwichbike im Jahr 2014 den Core77 Design Award. Inzwischen ist das Holzrad in Serie gegangen. Der Rahmen kann aufgrund seiner Bauweise kompakt transportiert werden. Die zwei hölzernen Rahmen werden von mehreren Aluminium-Teilen zusammengehalten und bilden so das namensgebende „Sandwich“. pedalfactory.nl

Das kanadische Start-up Cyclelabs hat mit dem „Smarthalo“ ein neues Navigationssystem für den Fahrrad-Lenker entwickelt. Mittels großem vielfarbigen LED-Leuchtring wird den Fahrenden der Weg anzeigt. Blinkt etwa die linke Hälfte grün, bedeutet das „links abbiegen“. Leuchtet der untere Halbkreis rot, wird empfohlen umzudrehen. Das Navi funktioniert nur in Kombination mit dem Smartphone und nutzt Google Maps. smarthalo.bike

Das Guinness Buch der Rekorde meldet einen neuen Weltrekord: Das längste Fahrrad der Welt. Die niederländische Fahrrad-Organisation Mijl Van Mares Werkploeg hat das 35,79 Meter lange Gefährt aus Aluminium zusammengeschweißt. Aufgrund seiner Länge muss das Fahrrad von zwei Personen bedient werden: Eine sitzt am Steuer, die andere tritt in die Pedale. Wie lange der Rekord halten wird, ist fraglich. Angeblich ist ein australisches Team gerade dabei, ein Fahrrad zu bauen, das 40 Meter lang ist ... mijlvanmares.nl


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Dalmatiens Hinterland

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Sternfahrt Zadar

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Moldauklöster - Rumänische Karpaten

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Fahrtechniktraining - Spital am Pyhrn

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Piavetal - Auf den Spuren des Prosecco

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Loiretal - von der Quelle nach Orleans

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Nördlicher Apennin

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Ung. Donau - von Budapest bis Osijek

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Mühlviertel - Sternfahrt Bad Leonfelden

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Irland - grüne Insel

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Salzburger Almentour / Flachgau

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Rhein III - von Koblenz nach Rotterdam

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(Trans)-Slowenien

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Mainradweg - von Bayreuth bis Mainz

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25 Jahre Wildoner Thermen Radmarathon

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Sagenumwobenes Riesengebirge

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Bayerische Königsschlösser

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Bulgarische Donau

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Rund um den Balaton

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Rad & Therme Sveti Martin

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ELITE TOURS Reisebüro - 1210 Wien, Wagramerstraße 181 Telefon: 01 - 513 22 25 - Email: rad@elitetours.at

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Reisecode


Aktuelles aus dem

ARGUS-Shop

Produkte & Technik

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4 6. Regengamaschen Spritzschutz für die Schuhe von Vaude. Die wasserabweisende Gamasche schützt vor Regen und Spritzwasser und kann über jedem Schuh getragen werden statt 21 Euro nur 17 Euro

1. BBF Retro Vintage Klassisches Retro-Trekkingbike für Einsteiger, Stahlrahmen, Shimano TX35 7-GangSchaltung, Schwalbe Road Cruiser Reifen Light mit Reflexring-Reifen in braun, Alu V-Brakes, Beleuchtung über Shimano-Nabendynamo vorn, Rücklicht AXA Spark LED nur 399 Euro 2. Electra Loft Ein moderner Klassiker von Electra. Es ist leicht. Es ist langlebig. Es ist komfortabel. Die breite Schaltpalette ist perfekt für den Alltag in der Stadt. Das 7D Modell kommt mit Aluminium-Rahmen, 7-Gang-Antrieb und Kotflügel in auffälligem Blau und Gelb nur 499 Euro 3. INFINI Mini Beamer I-260 Lava Fahrradlicht, zwei weiße LEDs, vier Modi (High Performance- ⁄ Spar-/Standard- ⁄ Blinkmodus), mit USB Ladebuchse (inkl. Ladekabel), wasserfest, BatterieIndikator, Schlaufenhalterung, einfache und schnelle Montage, Gewicht: ca. 16 Gramm statt 20,90 Euro nur 17 Euro 4. Abus Hyban Erwachsenen- und Jugendhelm für den City-, Commuting-, BMX-, Skate- und Alltagseinsatz. ABS Hartschalentechnologie, feinjustierbares Verstellsystem mit griffigem Verstellrad. Großes, hoch angebrachtes und integriertes LED-Rücklicht mit 180 Grad

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Sichtbarkeit, optimale Ventilation durch 13 Luftein- und fünf Luftauslässe, herausnehmbare und waschbare Polster, Riemen mit weicher Oberfläche und einfacher Einstellmöglichkeit durch praktische Gurtstraffer, in blau, grün, weiß, grau oder schwarz erhältlich statt 71 Euro nur 65 Euro 5. Reelight SL 150 oder SL120 Reelight benötigt keine Batterien. Die Energie für die LED-Lampen wird durch elektromagnetische Induktion hergestellt. Zwei kleine Magnete in den Speichen erzeugen die notwendige Energie, um das Fahrradlicht zu speisen. In zwei Versionen erhältlich: mit und ohne Stand- und Blinklicht SL 150 statt 39,90 Euro nur 34 Euro SL 120 statt 49,90 Euro nur 42 Euro

7. Werkkarte Kleines, durchdachtes Werkzeug für die Geldbörse – in drei Ausführungen fürs Rad, für urbane Anwendungen oder für Camping optimiert nur 15 Euro Für mehr Informationen rund um ARGUSMitgliedschaft und Produkte rufen Sie uns an (01 ⁄ 505 09 07) oder besuchen Sie uns in der Frankenberggasse. Wir informieren und beraten Sie gern! Bestellungen auch telefonisch, im Web oder per Mail argusshop.org radlobby.at/argus

Bildrechte bei den Herstellern. Alle Bilder sind Symbolfotos, Farbabweichungen möglich, alle Angaben zu Produkten und Preisen vorbehaltlich Druck- bzw. Satzfehler, Angebote solange der Vorrat reicht. Alle Preise in Euro inkl. MwSt


Tour & Reise Schmausen: Österreichs beste Fahrrad-Wirte Seite 39

Strapazen: B. Graf radelt alleine um die Welt Seite 40

Schlingern: F. Regelsberger reist mit dem Einrad Seite 44

EINKEHRSCHWUNG: ÖSTERREICHS BESTE RAD-WIRTE

Foto: privat

Eine Kreuzfahrt per Rad und Schiff Auf die Kombination aus Fahrrad und Kreuzfahrtschiff setzt der österreichische Reiseanbieter „Rad & Reisen“. Tagsüber wird die Radstrecke zurückgelegt. Abends gibt es Verköstigung und Unterhaltungsprogramm auf dem Schiff. Die neueste Tour des Anbieters führt von Wien-Nussdorf bis Belgrad. Die zehntägige Tour (Kostenpunkt: ab 867 Euro) bietet Gelegenheit, die Pannonische Tiefebene, das Ungarische Donauknie sowie die Kornkammern Kroatiens zu erkunden. Die Teilnehmenden legen 1.500 Kilometer auf dem Boot und 200 Kilometer im Sattel zurück. radreisen.at

Im Wirtshaus Ritschi am Murradweg gibt es Musik und zünftige Verpflegung

D

er Murradweg begleitet seinen Fluss über 460 Kilometer von der Quelle bis zur Mündung. Zwischen seinem hochalpinen Beginn in den Hohen Tauern und seinem Ziel in der Tiefebene an der kroatisch-ungarischen Grenze erleben Radfahrende eine Vielfalt an Landschaften wie an wenigen anderen Radrouten. Wald und Wein in vielen Variationen sind die Hauptdarsteller. Ziemlich genau auf halber Strecke findet sich etwas versteckt zwischen Bruck und Frohnleiten abseits des Pernegger Ortszentrums das „Wirtshaus Ritschi“. Still ist es hier. Nur die Mur verschafft sich mit ihren murmelnden Fluten kontinuierlich etwas Gehör. Über den Zeitraum von 20 Jahren

von Richard „Ritschi“ Tatzl nach und nach aufgebaut, versteht es die Familie Tatzl vorzüglich, die Radfahrenden am Murradweg bestmöglich zu bewirten und zu unterstützen. Den Anstoß für diesen Quereinstieg in den Tourismus gaben übrigens die Radreisenden. Standen doch am Beginn von Ritschis Imbissstube zufällige Begegnungen mit Radlerinnen und Radlern am Murradweg. Sie ermutigten Tatzl, damals Elektrotechniker und weithin in der steirischen Volksmusikszene bekannt, doch eine Gastwirtschaft aufzumachen. Im Jahr 1995 eröffnet, wurde aus der kleinen Imbissstube bald darauf ein Gasthaus. Nächstes Jahr wird mit dem Bau einer Pension begonnen

mit Sohn Andreas als neuem Chef. Einen Aufenthalt im Wirtshaus begleiten Vater und Sohn seit eh und je mit Gstanzln. Andreas wurde im Jahr 2009 sogar Dritter bei der Harmonika-Weltmeisterschaft. Ernst Miglbauer

Über die Bett+Bike-Kriterien hinaus gibt es im Gasthof Ritschi • Idyllischer Natur-Badeplatz an der Mur • Vorzügliche Touren-Beratung • Hausmusik ritschi.at Die DRAHTESEL-Serie Einkehrschwung: Österreichs beste Rad-Wirte stellt Gastronomie-Betriebe vor, die Radfreundlichkeit besonders überzeugend leben.

Neue Reise am Tauernradweg Eine neue Radreise entlang des Tauernradweges bietet Austria Radreisen an. Die 157 Radkilometer lange Tour durch die Hohen Tauern wird innerhalb von sechs Tagen zurückgelegt und führt von Krimml ⁄ Wald über Stuhlfelden ⁄ Mittersill, Zell am See ⁄ Kaprun, Lofer bis nach Salzburg Stadt. Der Preis (ab 385 Euro) beinhaltet die Unterkunft in Hotels und Gasthöfen der Drei- oder Vierstern-Kategorie, Frühstück, Gepäcktransport und Reiseunterlagen. austria-radreisen.at Adventure Cycling: Fahrradreisen in den USA Für alle, die mit dem Gedanken spielen, eine Radreise durch die USA zu unternehmen, empfiehlt sich ein Blick auf die Website der Adventure Cycling Association. Die im Jahr 1973 gegründete Non-Profit-Organisation hat für die USA ein Netzwerk an Radrouten entworfen und vertreibt dazu Kartenmaterial. adventurecycling.or

Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 39

Gstanzln in Ritschis Wirtshaus


Einmal um die Welt Drei Jahre und acht Monate lang radelt Barbara Graf um die Welt. Während der Reise schraubt sie selbst Räder zusammen, näht Satteltaschen und lebt mitunter von Waldfrüchten

W

enn ich gefragt werde, ob ich für die Reise Sponsorinnen und Sponsoren hatte, dann sage ich „ja“, erzählt Barbara Bärbel Graf: „Die Menschen an den diversen Orten, Freunde und Freundinnen, Helferinnen und Helfer – sie alle haben meine Reise erst möglich gemacht.“ Vor wenigen Wochen ist die 28-Jährige von einer Radreise zurückgekehrt, die sie mehr als dreieinhalb Jahre lang durch die ganze Welt geführt hat. Vom Start in Wien gegen Westen bis Spanien, mit dem Schiff über den Atlantik, mit dem Rad quer durch die USA, dann wieder zu Wasser nach Australien und mit dem Rad quer durch Asien zurück nach Österreich. Dieser Tage ist sie mit Freunden in eine WG gezogen, mit denen sie möglichst bald einen gemeinsamen Hof kaufen und bewirtschaften will. Aber: „Eigentlich habe ich noch immer alles in meinen Packtaschen und könnte jederzeit weg“, lacht sie.

Eigentlich hatte ich nicht geplant, um die Welt zu fahren Für das Interview kommt mich Barbara in meiner Wohnung in Simmering besuchen. Sie scheint noch immer braun gebrannt von der Reise und hat ihre Haare bis auf eine Stelle kurz geschoren. Natürlich ist sie mit dem Fahrrad da. Es ist das selbe, das sie schon

quer durch Asien getragen hat, und es hat einen Namen: Lola. In Australien ist der Stahlrenner zusammengebaut worden. „Stahl deshalb, weil man den auch relativ leicht reparieren kann“, erzählt Barbara. „Einmal sind sie mir in Kirgisistan mitsamt dem Gepäcksträger aus dem Rahmen gebrochen – da bin ich einfach zum Markt gegangen und hab mir das für zwei Euro wieder zusammenschweißen lassen.“ Dazu Second-Hand Komponenten wie Rennlenker, Schaltung, 26-Zoll-Felgen und Cantilever-Bremsen. Ein Fahrrad eben, das auch dem grundlegenden Motto von Bärbels Weltreise entspricht: Improvisation und Do It Yourself (DIY). Sogar der Start der Weltreise war nicht akribisch vorbereitet, sondern hat sich irgendwie so ergeben. „Eigentlich hatte ich nicht geplant, mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren“, sagt sie. Nach dem Studium habe sie lediglich längere Zeit radelnd unterwegs sein und dem beginnenden Winter entkommen wollen. Sie schnappt sich die alten Packtaschen der Eltern und fährt mit dem Alltagsrad Richtung Westen. „Route hatte ich keine, auch keine echte Ausrüstung, kein Zelt, sondern nur eine Hängematte, eine Plane, Second Hand-Fahrradleggings und ein bisschen Werkzeug.“ Aber der Anblick des Meeres in Spanien und die Erzählungen einer Freundin, die selbst „Boat-Hitchhiking“ betrieben hatte, wecken das Fernweh

und die Lust auf mehr: „Ich habe in ein paar Marinas Zettel ausgehängt, dass ich gerne per Segelboot in die USA will. Nach viel Nachfragen und vielen Enttäuschungen fand sich jemand, der mich und mein Fahrrad auf die Kanaren mitnahm. Von dort holte mich ein anderes Schiff für die Überfahrt über den Atlantik ab.“

Ein altes Stück Kette und ein Baum ersetzen die Kettenpeitsche Per Segelboot-Stopp geht es bis Martinique in der Karibik, dann nach Kuba, das sie mit dem Fahrrad durchquert. Ein weiteres Segelboot trägt sie nach Florida. Dann radelt sie tausende Meilen quer durch die USA bis nach Kalifornien. Per Mitfahrgelegenheit gelangt sie nach Vancouver in Kanada. Mit einem dort zusammen gebauten Fahrrad fährt sie die Westküste Richtung Süden. Dann wieder aufs Boot nach Mexiko und weiter quer über den Pazifik mit diversen Insel-Stopps. In Australien, bis zum neuen Fahrradbau, per Autostopp in den Norden. Von Bali aus radelt sie durch Indonesien, dann mit der Fähre nach Singapur und schließlich quer durch Asien nach Europa zurück. Nur in China muss die Weltradelnde eine Strecke mit dem Zug fahren, weil sie Schwierigkeiten mit ihrem Visum hat. Dass Bärbel die Ozeane mit dem Schiff und nicht mit dem Flug-

Foto: Barbara Graf

Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 40

PORTRÄT: Barbara Ottawa


zeug quert, ist kein Zufall. Während der ganzen Reise achtet sie auf Nachhaltigkeit, Wiederverwertung und Ressourcenschonung. Ihr Fahrrad und dessen Teile gebraucht sie bis zum Limit und repariert alles so weit als möglich. Die lokalen Formen „lebensverlängernder Maßnahmen“ seien dabei faszinierend gewesen. „In Kuba zum Beispiel gibt es sogenannte Poncheras, manchmal nur eine Hütte auf der Straße, wo Reifen aller Art mit der Hand genäht werden“, erzählt Bärbel: „Dann kommt noch ein Stempel drauf – sozusagen das Gütesiegel für die Reparatur.“ Als die von den Eltern geborgten Satteltaschen durchgewetzt sind, schaut sie sich bei einer Taschenmacherin in Tallahassee, Florida, das Handwerk ab und bastelt sich selber welche. In Tadschikistan löst sie die Ritzel-Kassette von ihrem Hinterrad und wendet dabei einen Trick an, der die lokalen Mechaniker in Staunen versetzt: „Eine alte Kette, die um einen Baum gewickelt wird, ersetzt die Kettenpeitsche.“ Mit diesem Werkzeug, einem Griff, an dem ein Stück Kette angenietet ist, und Gegendruck kann die Ritzel-Kassette von der Nabe gelöst werden. „Es war eine der größten Schwierigkeiten, selbst am Rad zu basteln und sich als Frau Werkzeug auszuborgen“, schildert Barbara. Denn viele Männer wollten gleich selbst die Reparatur erledigen. „Aber an meinen Rädern schraube ich lieber selbst herum.“ Das Endergebnis löste immer wieder große Bewunderung aus. Egal, ob es das selbst zusammengestellte Fahrrad in den USA oder das in Australien war, oder die an den Bügeln gebrochene Brille, die Barbara mit alten Fahrradschläuchen zu einer Art Fliegerbrille mit

Gummizug umfunktionierte.Barbara ist nicht die erste Fahrrad-Weitreisende, die erzählt, dass man unterwegs viel geschenkt bekommt, von freundlichen Menschen in kleinen Orten, von Warmshowers-Gastgeberinnen und -gebern und von anderen Radfahrenden.

Radreisende wollen nicht jede Sehenswürdigkeit anschauen „Martin, ein Weltreisender, der mit dem Rad aus Tschechien gekommen ist, hat mir seine Handschuhe gegeben, als wir einander im Iran getroffen haben“, erzählt Bärbel: „Er hat sie nach seiner Fahrt durch die Türkei nicht mehr gebraucht. Ich war dann richtig froh darüber.“ Vor allem in Asien und im Nahen Osten gäbe es „nicht viele Routen, die Sinn machen“. Die Radreisenden konzentrierten sich auf wenige Strecken. Solche „Radtourismus-Highways“ eröffnen auch neue Geschäftszweige, etwa für einen Kanadier, der nach Kirgisistan ausgewandert ist und dorthin auch z.B. Schwalbe-Reifen importieren lässt. Insgesamt betont Barbara die einzigartige Erfahrung, als Radfahrerin die Welt zu bereisen: „Radreisende sind keine klassischen Touristen, sie sehen die Welt anders. Aber das heißt auch, dass es schwierig ist, den Leuten zu vermitteln, dass man z.B. in einer Stadt nicht jede Sehenswürdigkeit anschauen will.“ Oft sei sie lieber an einem Ort geblieben, habe das Fahrrad gewartet und geputzt, die weitere Route geplant und sich mit den Menschen im Dorf ausgetauscht. Schwierig sei es auch gewesen, der Gastfreundschaft einiger

Menschen zu „entkommen“: „Wenn man z.B. in Asien eingeladen ist, kann man nicht einfach duschen, essen und schlafen gehen. Da wird die Familie dazu geholt, man erzählt, es wird übersetzt, gelacht, noch mehr gegessen. Oft war die Zeit am Fahrrad die einzige Zeit, in der ich allein war.“ Wenn sie einmal allein übernachtet, dann ernährt sich die naturverbundene Weltenbummlerin nicht selten von Pflanzen am Wegesrand, Waldbeeren oder ihrer Lieblingsfrucht, den Maulbeeren. Betonen möchte Barbara, dass eine solche Reise für eine Europäerin mit EU-Pass relativ einfach ist, für die Mehrheit der Menschen jedoch nicht. Trotzdem sei das Queren von Staatsgrenzen und das Erlangen von Visa, „am herausforderndsten und frustrierendsten“ gewesen: „Aber ein paar gut erfundene Geschichten, genug Geld in der Tasche und etwas Geduld haben meistens ausgereicht, um die Grenze zu passieren.“

Eine der größten Schwierigkeiten: sich als Frau Werkzeug borgen

Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 41

Tour & Reise

Stichwort: Grenzen. Die jüngsten Ereignisse um Asylwerberinnen und -werber in Europa geben Bärbel zu denken. „Ist es nicht schräg, dass mich Menschen wegen meiner weiten Reise bewundern, während andere Menschen, die diese Strecke großteils zu Fuß, teilweise noch mit Kindern auf dem Rücken, zurückgelegt haben, dafür kriminalisiert und entwürdigt werden? Eigentlich sind sie die wahren Heldinnen und Helden.“

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Internationale Politik, Kultur und Entwicklung

Südwind-Magazin, abo@suedwind.at, +43 1 405 55 15


INFOGRAFIK: Anna Hazod

10

Übernachten in Ruinen

2

Turkmenistan, nahe der Stadt Mary Sonnenaufgang in der Wüste: umgeben von alten Ausgrabungen

In den Gatsch gefallen Irgendwo in New Mexico Barbara rutscht im Matsch der Hinterreifen weg: „Nichts passiert, ich bin weich gelandet“

Start 21.10. 2011 Wien

Kanada

1

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Österreich

Wild campen

Vancouver

Texas, Amarillo Keiner hat’s gesehn: Übernachtung im Nationalpark

Frankreich Spanien Portugal

Vereinigte Staaten Kanarische Inseln 2 1

Florida

Kuba

Karibik

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Die staubigste Straße von allen 9

Mit Freundinnen sonnen Iran, in der Nähe der Stadt Yazd Barbara genießt mit den Australierinnen Jude und Astrid den Sonnenaufgang

China, Passstraße in Szetschuan Auf dem Weg von Shangri-La nach Yushu


Tour & Reise

8

Durch die Hochgebirgswüste Tadschikistan, Pamir Gebirge Mit einer Weggefährtin geht es über den mehr als 4.200 Meter hohen Pass 7

Feuerstelle

Ende 19.6. 2015 Wien

Tadschikistan In der Nacht wird es hier empfindlich kalt. Ein heißer Tee tut gut

6

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Ungarn Serbien Bulgarien

Kirgistan

Usbekistan

Türkei

Kashi

Turkmenistan

Tadschikistan Griechenland

Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 43

Mazedonien Italien

Xining, Qinghai

China

Yushu, Qinghai

Iran 7 5

8

Laos

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Thailand 3

Herausforderung Passstraße

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Kirgistan, Straße nach Kazarman In Kehren geht es die Passstraße hinauf. Der Ausblick ist atemberaubend

Malaysien Singapur

Indonesien Darwin

Java

Bali

Australien

3

Thailand, Nähe von Phuket Nach einer Runde im Meer, ein bisschen Erholung im Schatten

4

Radeln am Strand Thailand, Nähe von Phuket Auf dem kompakten Sandstrand kommt Barbara gut voran

Alle Foto: Barbara Graf bis auf Nr. 8: Steven Bird

Verschnaufpause


Tour & Reise

DRAHTESEL: Warum Einrad? Felix Regelsberger Weil es mir Spaß macht. Und weil es den Leuten Spaß macht, wenn ich mit dem Einrad vorbei fahre. Die wenigsten haben so ein großes Einrad schon einmal gesehen. Schon gar nicht mit Packtaschen dran.

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Was sind die Vorteile eines großen Einrades? F.R. Es ist schneller. Du kommst damit auf Geschwindigkeiten von 30 km ⁄ h und mehr. Auf meinem 36-Zoll-Rad mache ich mit einer Umdrehung ca. drei Meter. Bei den kleinen 20-Zoll-Reifen sind es ca. 1,6 Meter.

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Drahtesel 4 ⁄ 2015 – 44

Wie bist du zum Einradfahren gekommen? F.R. Während eines Verwandtenbesuchs in Deutschland als Elfjähriger. Dort hatte ich Gelegenheit, eines auszuprobieren, und es hat mir gleich getaugt. Mein Vater hat mir dann mein erstes Einrad geschenkt. Seit Anfang der 2000er- Jahre bin ich damit in Gleisdorf, wo ich aufgewachsen bin, unterwegs. Im Jahr 2006 habe ich erstmals an der Einrad-Convention in der Schweiz teilgenommen. Dort habe ich verschiedene Einräder getestet und mir bald ein großes gekauft.

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Und wie ist das Fahrverhalten verglichen mit einem kleinen Einrad? F.R. Beim Einradfahren musst du immer eine Vorwärts-Rückwärts-Ausgleichsbewegung machen. Du sitzt wie ein Pendel über dem Rad. Wenn du merkst, dass du nach vorne kippst, musst du schneller treten. Wenn du nach hinten kippst, bremsen. Auf einem großen Einrad ist diese Pendelbewegung viel träger. Du brauchst zum Ausgleichen deutlich mehr Kraft.

Das Einrad mit der Zweigang-Nabenschaltung von Schlumpf

Fotos: Linda Ruppel; Matthias Bernold(s ⁄ w)

Handgriff mit Bremse: Das Einrad kann Geschwindigkeiten von mehr als 30 km ⁄ h erzielen

Wie bist du auf die Idee gekommen, so eine Reise zu machen? F.R. Reisen am Einrad hat mich gereizt. Ich habe vor der langen Reise ein paar kürzere Touren, so drei, vier Tage gemacht. Einmal bin ich von Wien zu meinen Eltern nach Gleisdorf gefahren. Das hat gut geklappt. Als ich dann gehört habe, dass in Montreal die nächste Einrad-Convention stattfindet, war mir klar, dass – wenn ich schon dorthin fahre – eine Tour dazu gehört. Es ist sich dann genauso ausgegangen, dass ich mit meinem Bachelor an der Boku soweit fertig war, dann hat mich noch ein

ehemaliger Schulfreund nach Buenos Aires eingeladen. Aus einem Hirngespinst wurde innerhalb von ein paar Monaten ein konkreter Reiseplan. Wie hast du dein Gepäck transportiert? F.R. Das Tragesystem habe ich zusammen mit einem befreundeten Techniker entwickelt. Hinten hatte ich einen handelsüblichen Mountainbike-Gepäckträger an die Sattelstütze geschraubt. Den Griff hat mir Daniel Reinhartz von der Radwerkstatt in der Hasnerstraße geschweißt. Hinten habe ich dann zwei Ortlieb-Taschen angebracht, vorne am Griff eine dritte. Während der ersten Etappe von Montreal entlang des Sankt Lorenz Stroms musste ich noch einiges ausprobieren. Es hat sich für mich bewährt, die hinteren jeweils mit sieben Kilogramm zu beladen und die vordere mit zwölf. Am schwierigsten war das Aufsitzen, weil die Taschen dabei im Weg sind. Es hat drei Tage gedauert, bis ich ohne Hilfe und ohne Anlehnen anfahren konnte. Muss man für das Einradfahren spezielle körperliche Voraussetzungen mitbringen? F.R. Es geht hauptsächlich um die Motivation, weniger um die Physik. Was stark trainiert wird, sind die Bauchmuskeln und der untere Rücken. Das Einradfahren zwingt deine Lendenwirbelsäule in eine sehr aufrechte Position. Wie hast du dir die Strecke eingeteilt? F.R. In Etappen von 500 bis 1.500 Kilometer. Am Tag bin ich im Schnitt 80 Kilometer gefahren. Ich habe entlang meiner Reiseroute Einradfreunde abgeklappert. Am jeweiligen Etappenziel bin ich dann immer ein paar Tage geblieben. Hast du während der Reise gecampt? F.R. Zwei von drei Nächten hab ich in meinem MSR-Zweimannzelt geschlafen. Die restlichen Nächte habe ich über Warmshowers eine Unterkunft gefunden oder bin bei Freunden untergekommen. Einige Male haben mich spontan Leute, die ich während der Fahrt kennengelernt habe, eingeladen. Irgendwelche seltsamen Erlebnisse in der Wildnis? F.R. Das einzige Mal, wo ich aufgewacht bin, war im Osten von Oregon, als ich in einer Art Steppe übernachtet habe.


„Am dritten Tag konnte ich ohne Hilfe aufsteigen“

Da hat mich das Geheul von Kojoten geweckt. Da war mir zuerst mulmig, weil ich diese Tiere nicht kenne.

INTERVIEW: Matthias G. Bernold

Ist es mit dem Einrad überhaupt möglich, eine Passstraße zu fahren? F.R. Absolut. Du lässt dich sozusagen auf den Berg hinauffallen und nutzt die Direktübersetzung. Insgesamt ist es etwas anstrengender, aber tendenziell auch schneller als mit dem Fahrrad. Es ist hauptsächlich eine Kraftsache. Aber die Straßen sind nicht so steil –  sechs bis sieben Prozent Steigung beim Hinauffahren. Wo war es am schönsten? F.R. Wenn ich einen US-Staat nennen müsste: dann wahrscheinlich Wyoming. Den Yellowstone Nationalpark zu durchqueren, ist eine spektakuläre Sache. Aber jede Gegend hat ihren Reiz.

Felix Regelsberger querte die USA auf seinem 36-Zoll-Einrad

Wie sind dir die Menschen während deiner Reise begegnet? F.R. Die Begegnungen waren durchwegs extrem freundlich, schön und angenehm. Es ist unglaublich, wie viele Leute mir etwas geschenkt haben. Da gab es welche, die mir beim Vorbeifahren mit dem Auto Mineralwasser gereicht haben. Die Leute haben gewunken, wollten sich mit mir fotografieren lassen. Einziges negatives Erlebnis war in Buenos Aires, als die Radreise eigentlich schon vorbei war: Da hat ein Bursch versucht, mich auszurauben. Aber auch da ist nichts passiert. Wo geht die nächste Reise hin? F.R. Ich hab noch keine genauen Pläne, aber die nächste UNICON (UNIcycle CONvention) ist im Sommer 2016 in Spanien. Es würde sich anbieten, von dort nach Hause zu fahren.

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 45

Der 24-jährige BOKU-Student Felix Regelsberger radelte von Montreal bis Mexiko City. 6.000 Kilometer, sechs Monate lang, mit fast 30 Kilogramm Gepäck. Und – auf dem Einrad

Hattest du Probleme mit schlechtem Wetter? F.R. Die Zahl der Regentage, an denen ich unterwegs war, kann ich an zwei Händen abzählen. Als ich Ende August in Montreal losgefahren bin, war ich besorgt, ob ich es noch vor dem Winter über die Berge an die Westküste schaffen würde. Es ist sich aber alles gut ausgegangen. Und ich habe die Big Horn Mountains und danach die Rockys noch vor dem Schnee passiert. Das unangenehmste war der Gegenwind: der zehrt am Körper.


Forum Briefe von Leserinnen und Lesern Seite 46

Reflektor: Greenwashing und ähnliche Tricks Seite 46

# Jagd auf Radfahrende Neulich auf der ziemlich leeren „MaHü“: Radfahrende werden bei polizeilichen Laserkontrollen ab 10 km ⁄ h mit 30 Euro Bußgeld abgestraft „weil es die Bevölkerung so wünscht“ (Schelme denken dabei an Boulevardmedien, die schon mal über die „Narren“ – (c) „Kronen Zeitung“ – am Rad herziehen). Mit „Augenmaß“ sei die Aktion geschehen, beteuert die Polizei. Dieses Augenmaß wäre wohl angebrachter, wenn ich an die 15 bis 20 km  ⁄  h Durchschnittstempo von Autos in unserer „Aktion Scharf“freien Wohnstraße ums Eck denke. Gerhard Müller, 1030 Wien

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 46

# Lastenrad-Initiativen (DE 3  ⁄  15) Zuerst einmal: Danke für das gute Magazin, vor allem die DIY-Ausgabe hat mir gut gefallen. Ich schreibe euch jedoch, weil in der letzten Ausgabe beim Beitrag zum Lastenrad-Sharing zwar der Link des Wiener Lastenradkollektiv (LRK) genannt wird, wir jedoch leider mit keinem Satz im Artikel vorkommen. Dies finde ich schade, da es das LRK

Fahrradtermine für den Winter Seite 47

bereits seit 2010 gibt – im April feierten wir nach der Critical Mass unser FünfJahres-Fest. Der Link im Magazin zeigt, dass wir bekannt sind. Umso mehr hätten wir uns gefreut, unsere Bekanntheit durch ein paar Zeilen in so einem einschlägigen Medium noch zu steigern. Zwar waren wir weder bei der genannten Konferenz, noch sind wir bisher Teil des erwähnten Netzwerks. Aber wohl mit velogistics und anderen ähnlichen Kollektiven vernetzt. Und auch wir bieten an, was die anderen Initiativen machen: mit einem Fuhrpark von acht Lastenrädern und fünf Anhängern dezentral über die Stadt verteilt. Samuel, einer vom LRK lastenradkollektiv.at

# Gefahr für Kinder Ich möchte auf die gerade für radelnde Kinder äußerst gefährliche Kreuzung Sebastian Kneipp Gasse  ⁄Ausstellungsstraße aufmerksam machen: Seit einiger Zeit ist die Sebastian Kneipp Gasse eine Einbahnstraße, die von Radfahrenden auch in die entgegengesetzte Richtung befahren werden darf. Aber: Die Ampel zur Kreuzung ist in der

gesamten Länge der Sebstian Kneipp Gasse einsehbar. Wenn diese auf grün steht oder blinkt, beschleunigen viele Autofahrende weit über die erlaubten 30 km ⁄ h und schneiden beim Einfahren in die Ausstellungsstraße den für sie schlecht sichtbaren Radstreifen. Radfahrende, die die Ausstellungsstraße kreuzen und in die SebastianKneipp-Gasse einfahren, haben zur gleichen Zeit Grün wie Autofahrende aus der Sebastian Kneipp Gasse. Wenn nun ein Radfahrer auf dem Radstreifen fährt und ein Autofahrer schneidet die-sen, dann kracht es. Erwachsene Rad-fahrende sind für Autofahrende viel-leicht noch ersichtlich. Radelnde Kinder zu erkennen, ist schier unmöglich. Vielleicht würde eine bessere Kennzeich-nung die Situation entschärfen. Besser wären Schwellen, um Autofahrende zu bewegen, die 30 km  ⁄  h einzuhalten. Rainer Seebacher, 1020 Wien

Die Redaktion freut sich über Diskussionsbeiträge und Leserbriefe. Bitte senden Sie uns Ihren Text unter Bekanntgabe Ihres Namens und der Postleitzahl an drahtesel@argus.or.at

Der Reflektor

Sich mit dem Fahrrad schmücken Das Fahrrad ist zum Imagefaktor geworden. Untrügliches Zeichen dafür ist der Einsatz des coolen Zweirades in Werbung und Public Relations. Stiegen noch vor einem Jahrzehnt Politikerinnen und Politiker vor Presse-Kameras werbewirksam ins sündteure blaue Sport-Cabriolet, zeigen sie sich heute gerne mit einem Drahtesel. Besonders, wenn es darum geht, der Öffentlichkeit Kompetenz in Umweltfragen zu signalisieren. Selbst der besagte Sportwagenhersteller hat ein berückend attraktives Fahrrad-Modell entworfen und gebaut  –  allerdings bloß in einstelliger Stückzahl. Diese Raritäten sind jetzt stets auf Reisen. Freilich nicht auf ihren extraschmalen Rennreifen, sondern auf breiten Reifen von Autos, in denen sie von einem zum nächsten Foto­shooting transportiert werden. Nicht nur Autohäuser werben mit dem Objekt Fahrrad.

Es steht für zeitgeistigen Lifestyle auch dekorierend in hippen Kleidershops und Katalogen von Möbelherstellern. Es gleitet durch Werbespots von Geldinstituten und soll wohl das Vertrauen jugendlicher Zielgruppen wecken. Die Werbepsychologie nutzt das Fahrrad, um Werte wie Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Lebensfreude und Flexibilität zu transportieren. Das eine oder andere Produkt mag auf diese Weise saubergewaschen werden („Greenwashing“), gleichsam eine missbräuchliche Verwendung des Fahrrades, um Erzeugnissen mit angekratztem Umwelt-Image ein grünes Mäntelchen umzuhängen. Es zeigt aber auch, wie das Fahrrad als umweltfreundliches, praktisches Fahrzeug beispielgebend an Bedeutung gewinnt. Und das wiederum ist keine schlechte Sache. Oder?

Reinhold Seitl ist Mediendesigner und Journalist in Wien. Er betreibt das FahrradTextportal bikeletter.at


Foto: Peter Provaznik Hüte schwenken, Wolle tragen: radelnde Eleganz: beim Tweedride

Termine

Critical Mass Fr., 18. Dezember 2015, 16.30 Uhr Schwarzenbergplatz Die Critical Mass, die gemeinschaftliche Radausfahrt für eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums, findet in Wien jeden dritten

Freitag im Monat statt. Auch in Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg, Vorarlberg und Wiener Neustadt wird geradelt. criticalmass.at Neujahrsradeln Fr., 1. Jänner 2016 Die Fahrrad-Saison 2016 wird traditionell am 1. Jänner des Jahres mit Rundfahrten eröffnet. Etwa in Wien, 14 Uhr, Schwarzenbergplatz. Oder in Villach, Treffpunkt Bahnhofplatz. Oder in Linz: am Linzer Hauptplatz um 14.30 Uhr. Details und Termine: radlobby.at Radlobby Jour Fixe Do., 7. Jänner 2016, 19 Uhr Amerlingbeisl, EG-Saal, Stiftgasse 8, 1070 Wien Fahrrad-Aktivistinnen und -Aktivisten treffen

einander jeden ersten Donnerstag im Monat zum offenen Gedankenaustausch. Beim JourFixe werden aktuelle Projekte und Aktionen geplant und diskutiert sowie Erfahrungen zum Thema Radverkehrspolitik und Radinfrastruktur ausgetauscht.

wieder am Wiener Rathausplatz statt. Diesmal ohne den Dirt-Contest Vienna Air King, dafür allerdings mit zahlreichen neuen Programmpunkten wie Trial-Europacup, Fixie-Rennen „Fuxjagd“ und großer LastenradSchau. bikefestival.at

Bikes vs. Cars Fr., 29. Jänner 2016, 17-22 Uhr, Moviemento, OK Platz, 4020 Linz Ein Filmeabend ganz im Zeichen des Fahrrads, mit der Dokumentation „BIKES vs. CARS“ als Höhepunkt.

Tweed Ride 2016 Sonntag, 24. April 2016 Die Freundinnen und Freunde der wolligen Eleganz treffen einander am 24. April zum ersten Tweed Ride des neuen ww D RAH T w.d rah E S E L Jahres. Der Start der tes el.o Gesch Rundfahrt wird noch ber.at /ge enkab kannt gegeben. Ziel wird sch o enk wieder der Innenhof des abo Wiener WUK, Währinger Straße 59, sein, wo die Radfahrenden mit Speis, Trank und SwingMusik verwöhnt werden. tweedride.at

Drahtesel 4  ⁄  2015 – 47

Keks & Kettenöl Do., 10. Dezember 2015, 16.30-18.30 Uhr Kreuzung Operngasse  ⁄  Ring Zum bereits 6. Mal findet die Winter-Aktion der Radlobby „Keks & Kettenöl“ statt. Als Ermunterung an alle Winter-Radfahrende, die der Stadt ganzjährig zu mehr Lebensqualität verhelfen, gibt es an der meistbefahrenen Stelle des Wiener Radwegenetzes selbstgebackene Kekse zu naschen.

ARGUS Bikefestival 2. und 3. April 2016 Wien, Rathausplatz Europas größtes Radfestival, das ARGUS Bikefestival, findet auch 2016

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DE 2015-4  

In dieser Ausgabe hat der DRAHTESEL das neue Wiener Koalitionsabkommen unter die Lupe genommen und die Radlobby Wien hat ihre Wünsche und Fo...

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In dieser Ausgabe hat der DRAHTESEL das neue Wiener Koalitionsabkommen unter die Lupe genommen und die Radlobby Wien hat ihre Wünsche und Fo...

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