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Rad-Kulturreise an der Donau „Mittelalter“


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Rad-Kulturreise an der Donau „Mittelalter“

„Faszination Donau - mittelalterlich erleben“ Die Donau ist mit 2.888 km Länge der zweitgrößte Strom Europas. Auf der Reise von ihrem Ursprung im bayerischen Schwarzwald zu ihrer Mündung im Schwarzen Meer durchquert sie zehn Staaten. Kein Wunder also, dass dieser Fluss seit jeher Kulturen verbindet. Ob als Naturraum, Grenzfluss, Handelsweg, Reiseroute, Heerstraße, … Die einst überragende Bedeutung des Donaustromes ist heute etwas in Vergessenheit geraten, ihr Mythos übt jedoch ungebrochen eine starke Faszination aus. Die Donau - die Lebensader Europas! Auf dieser Rad-Kulturreise entlang der österreichischen Donau begeben wir uns auf die Spur der mittelalterlichen Faszination der Donau. Burgen, Kreuzritter, Machtkämpfe, … das ist der Stoff, aus dem spannende Mittelaltergeschichten sind. Der Donauraum bietet jedoch viel mehr: Die Lebensader des mittelalterlichen Europas lässt förmlich in diese Epoche eintauchen und erlaubt auch abseits der Klischees interessante Einblicke in die Welt des Mittelalters. Viel Spaß beim Entdecken! Ausgangsort: Endort: Gesamtlänge: Dauer:

Passau Hainburg ~ 360 km 9 Tage

Tipp: In Hinblick auf die Öffnungszeiten der Museen empfiehlt es sich, diese Reise an einem Samstag zu beginnen. Die Reiseplanung ist als Vorschlag zu verstehen, den Sie gerne nach Ihren persönlichen Vorlieben adaptieren können. Sehenswürdigkeiten, die als zusätzliche Insidertipps oder Varianten angeführt sind, wurden unter Klammer „()“ gesetzt. Vergessen Sie trotzdem nicht, sich Zeit zum Genießen zu nehmen - weniger ist oft mehr!

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Die Route - Tag 1: Samstag „Von der Bischofstadt zum Naturwunder Donauschlinge“ Die prachtvolle Dreiflüssestadt Passau ist der perfekte Auftakt für diese Reise, wurde doch von der einst fürstbischöflichen Residenzstadt aus der Donau-Osten christianisiert! Wie die Missionare anno dazumal folgen wir von dort dem Donaustrom durch das naturbelassene Herz eines der längsten Durchbruchstäler des gesamten Flusslaufes. Auffällig viele Burgen säumen den Weg und lassen die mittelalterliche Wichtigkeit dieses Donauabschnittes erahnen. Das Tal ist zudem ein verborgenes Natur-Highlight, in dessen steilen Uferflanken sich die letzten großen Hang- und Schluchturwälder Mitteleuropas verbergen. Krönender Abschluss dieser Etappe ist das sagenhafte Naturwunder der Schlögener Donauschlinge! Höhepunkte: - Passau - „Von Fürstbischöfen und Salzmacht“ - Dom St. Stephan - „Die Mutterkirche des Donau-Ostens!“ - Veste Oberhaus - „Trutzburg der Fürstbischöfe & Mittelalter-Ausstellung“ - Schlögener Donauschlinge - „Ein Naturwunder!“ Startpunkt: Passau

Endpunkt: Schlögen

Länge: ~ 42 km

Fahrzeit: ~ 2:45 h

Routenempfehlung: Passau - Engelhartszell - Schlögen

- Tag 2: Sonntag „Durch die Donauschlinge zur vergessenen Kaiserstadt" Das tief eingegrabene Naturwunder der Schlögener Donauschlinge sehen wir uns heute zuerst im Draufblick an - vom grandiosen Schlögener Blick! Nach dem kurzen Spaziergang folgen wir wieder dem Donaustrom. Das lange Durchbruchstal der Oberen Donau geht schließlich beim malerischen Donaumarkt Aschach in die fruchtbare Ebene des Eferdinger Beckens über. Üppige Auwälder säumen nun die Ufer, dahinter erstrecken sich farbenfrohe Gemüsefelder. Ein erster Abstecher führt uns zur am Höhenrücken verborgenen Burgruine Schaunberg, der größten Burg Oberösterreichs! Sie eröffnet einen atemberaubenden Blick über das Landschaftsbecken und erzählt vom legendären Schaubergerland. Zurück in der Donauebene begeistert während eines zweiten Abstechers die mittelalterliche Nibelungenstadt Eferding mit ihrem außergewöhnlichen Hauptplatz! Am Ende des Eferdinger Beckens durchbrechen wir noch kurz das waldreiche Engtal der Linzer Pforte und stehen alsbald in Linz, einer vergessenen Kaiserstadt. Höhepunkte: - Schlögener Blick - „Das Naturwunder im Draufblick“ - Burgruine Schaunberg - „Die größte Burg Oberösterreichs & Panoramablick“ - Eferding - „Nibelungen, Bischöfe und Schaunberger“ - Stadtpfarrkirche St. Hippolyt - „Der Eferdinger Dom“ Startpunkt: Schlögen

Endpunkt: Linz

Länge: ~ 60 km

Fahrzeit: ~ 3:45 h

Routenempfehlung: Schlögen - Aschach - Burgruine Schaunberg - Pupping - Brandstatt - Eferding Wilhering - Donaufähre - Ottensheim - Puchenau - Linz

- Tag 3: Montag „Auf dem Weg in den Strudengau“ Heute starten wir mit einer Entdeckungstour durch die vergessene Kaiserstadt Linz, auf der uns so manch unvermutetes Mittelalter-Highlight erwartet! Im Anschluss geht es entlang www.donau-oesterreich.at


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der Donau weiter stromabwärts. Ein besonderes Highlight ist dabei die mittelalterliche Stadt Enns, die älteste Stadt Österreichs! Ihre glanzvolle Altstadt erlaubt spannende Einblicke in den mittelalterlichen Städtebau und zeugt von Wohlstand durch blühenden Handel. Kurz darauf bezaubert der wundervolle Donauort Mauthausen, welcher von gefährlichem Mautwesen und lukrativen Salzhandel zu berichten weiß. Über die fruchtbare Schwemmlandebene des Machlandes erreichen wir letztendlich das Goldene Städtchen Grein, das Tor zum legendären Strudengau! Höhepunkte: - Linz - „Die vergessene Kaiserresidenz“ - Traunmündung - „Salz aus dem Salzkammergut“ - Enns - „Die älteste Stadt Österreichs“ - Mauthausen - „Maut, Salz & Granit“ Startpunkt: Linz

Endpunkt: Grein

Länge: ~ 62 km

Fahrzeit: ~ 3:50 h

Routenempfehlung: Linz - Enns - Radfähre - Mauthausen - Mitterkirchen - Grein

- Tag 4: Dienstag „Durch den legendären Strudengau nach Melk“ „In Gotts Nam´“! Wie anno dazumal die Donaufahrer beginnen wir in Grein die Fahrt durch das waldreiche Engtal des legendären Strudengaus, einst die gefährlichste Schifffahrtspassage des gesamten Donaulaufes! Noch heute erinnern verborgene Zeichen an die längst versunkenen Gefahren. Nach Persenbeug wird die Landschaft wieder breiter und ruhiger. So wie wir. Wir radeln gemütlich neben dem breiten Strom und lassen unserer Gedanken freien Lauf. Ein grandioses Highlight beendet schließlich den Tag: der monumentale Klosterpalast des Stiftes Melk - einst babenbergische Residenzburg, heute weltberühmtes Barockjuwel! Höhepunkte: - Grein - „Das Tor zum Strudengau“ - Schloss Greinburg - „Schloss statt Burg - ein Wandel“ - Fahrt durch den Strudengau - „Gefürchtet & Entschärft!“ - Stift Melk -„Von der Residenzburg zum Klosterpalast“ Startpunkt: Grein

Endpunkt: Melk

Länge: ~ 48 km

Fahrzeit: ~ 3:00 h

Routenempfehlung: Grein - Ybbs - Pöchlarn - Melk

- Tag 5: Mittwoch „Durch die vielbesungene Wachau“ Nach Melk verengt sich das Donautal wieder und das vielbesungene Durchbruchstal der Wachau beginnt - eine UNESCO-Welterbelandschaft! Der mächtige Donaustrom, üppige Weinberge, wehrhafte Kirche, sagenumwobene Burgen, ... ein Erlebnis für sich, auf das wir uns mit allen Sinnen einlassen sollten. Zwei besondere Highlights sind dabei: die kühne Raubritterburg Aggstein und die berühmte Burg(ruine) Dürnstein, auf der König Richard Löwenherz inhaftiert war. Tagesziel ist die faszinierende Mittelalterstadt Krems. Höhepunkte: - Burg Aggstein - „Raubritter & Burgarchitektur“ - Kirche St. Michael - „Die wehrhafte Mutterkirche der Wachau“ - Lesehöfe - „Jedem Kloster seinen Weinhof“ - Burgruine Dürnstein - „Die legendäre Haft von König Richard Löwenherz“ www.donau-oesterreich.at


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Startpunkt: Melk

Endpunkt: Krems

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Länge: ~ 38 km

Fahrzeit: ~ 2:30 h

Routenempfehlung: Melk - Burgruine Aggstein - Radfähre - Spitz - Dürnstein - Krems Bitte beachten: 1. Die Burg Aggstein liegt rund 300 Höhenmeter über der Donau und die Zufahrtsstraße ist steil. Wer sein Rad hochschiebt, sollte dafür rund 45 Minuten einplanen. Es lohnt sich trotzdem: Das einzigartige Burgerlebnis und der grandiose Donautalblick lassen die Anstrengung rasch vergessen! 2. Die Burgruine Dürnstein kann nur über einen steilen, rund 20-30 minütigen Spaziergang erreicht werden. Die Stationen eines Mittelalterpfades machen den Aufstieg jedoch zu einem kurzweiligen Erlebnis.

- Tag 6: Donnerstag „Die Ebene beginnt“ Mit dem heutigen Tag lassen wir die engen Durchbruchstäler der Oberen Donau hinter uns. Die Landschaft wird weiter, die Berge niedriger. Die weitläufige Ebene des Tullnerfeldes beginnt. Zu Beginn erkunden wir noch die faszinierende Mittelalterstadt Krems - einer der Höhepunkte dieser Reise! Heute fast vergessen gehörte sie im Mittelalter zu den großen Handelsstädten Europas. Gleich im Anschluss machen wir einen Abstecher zum gegenüber am Berg thronenden Stift Göttweig, dem zweiten Highlight des Tages! Das Stift ist ein sagenhaftes Barockjuwel, weniger bekannt hingegen seine Konzeption als Wehrkloster. Wieder an der Donau zurück, folgen wir dem mächtigen Strom. Ausgedehnte Auwälder säumen die Ufer, dahinter breitet sich ein Mosaik aus fruchtbaren Feldern aus. Das Rad läuft nun quasi wie von selbst - bis Tulln, einer Residenzstadt der Babenberger! Höhepunkte: - Krems-Stein - „Im Fokus der mittelalterlichen Handelswelt“ - Donaubrücke Stein-Mautern - „Wege über die Donau“ - Stift Göttweig - „Ein Wehrkloster“ Startpunkt: Krems

Endpunkt: Tulln

Länge: ~ 55 km

Fahrzeit: ~ 3:45 h

Routenempfehlung: ► Krems - Mautern ► In Mautern den Donauradweg verlassen und auf der Straße über Furth weiter zum Stift Göttweig. Am Rückweg könnte man in Palt abkürzen oder wieder bis Mautern zurückfahren. ► Von Mautern/(Palt) am Donauradweg über Zwentendorf nach Tulln

- Tag 7: Freitag „Durch die Wiener Pforte nach Wien“ Die attraktive Gartenstadt Tulln ist ein verborgenes Mittelalter-Highlight! Sie erlebte ihre Blütezeit als Babenbergerresidenz und erlaubt seltene Einblicke in die typische Entstehung mittelalterlicher Donausiedlungen. Von dort führt unsere Reise weiter durch das weitläufige Tullnerfeld. So säumen auch heute wieder ausgedehnte Auwälder den mächtigen Donaustrom, dahinter erstreckt sich ein Teppich aus fruchtbaren Feldern. Am Ende der Donauebene durchbrechen wir das Engtal der Wiener Pforte und stehen vor dem Barockjuwel Stift Klosterneuburg, dem zweiten Highlight des Tages! Es war die letzte Babenbergerresidenz, bevor sie diese endgültig nach Wien verlegten. Kurz darauf sind wir selbst inmitten in der Donaumetropole Wien. Höhepunkte: - Tulln - „Eine Residenzstadt der Babenberger“ - Stift Klosterneuburg - „Ein verborgenes Mittelalter-Juwel“

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Startpunkt: Tulln

Endpunkt: Wien

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Länge: ~ 34 km

Fahrzeit: ~ 2:15 h

Routenempfehlung: Tulln - Greifenstein - Klosterneuburg - Wien

- Tag 8: Samstag „In der Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches“ Die Weltstadt Wien ist ein Erlebnis für sich! Nachdem die Babenberger ihre Residenz dorthin verlegt hatten, blieb Wien über Jahrhunderte Residenzstadt: vom Herzogtum Österreich, vom Heiligen Römischen Reich, von der habsburgischen Donaumonarchie, ... Heute begeben wir uns auf die Suche nach der mittelalterlichen Residenzstadt Wien. Und das ist gar nicht so einfach, wurde Altes durch die glanzvolle Entwicklung der Stadt doch immer wieder überbaut. Viel Spaß beim Entdecken! Höhepunkte: - Kaiserliche Schatzkammer - „Kronen, Juwelen und mystische Artefakte“ - Rupertskirche - „Die älteste Kirche Wiens, Salzhandel & mehr“ - Stephansdom - „Ein Meisterwerk mittelalterlicher Kirchenbaukunst“ - Schloss Belvedere - „Barock-Juwel & Mittelalter-Kunstsammlung“ Startpunkt: Wien

Endpunkt: Wien

Länge/Fahrzeit: Zu Fuß (ev. mit U-Bahn)

Routenempfehlung: Die Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt lassen sich bequem fußläufig verbinden.

- Tag 9: Sonntag „Die letzte Flussau & Die Grenze des Heiligen Römischen Reiches“ Auf der Abschlussetappe dieser Reise verlassen wir die Residenzstadt Wien und radeln vielfach „fernab“ des Donaustromes durch dessen weitläufige Auwälder gegen Osten. Wir befinden uns hier im Nationalpark Donauauen, der letzten großen Flussaulandschaft Mitteleuropas! Die Besonderheiten dieser Au lassen sich am besten im Nationalparkzentrum schlossOrth unweit des Donauradweges erleben. Kurz vor der österreichischen Grenze endet diese Reise schließlich mit einem grandiosen Höhepunkt - der Mittelalterstadt Hainburg! Die einstige Grenzstadt des Heiligen Römischen Reiches verfügt heute über die geschlossenste Stadtbefestigung des 13. Jhdts. in Österreich und ist ein Erlebnis für sich. Nach Tagen am Strom macht sich Wehmut breit. Das neue Wissen um die Faszination „Donau" lässt jedoch auch lächeln. Und es macht Lust auf mehr. Also bis zum nächsten Mal hier am großen Strom ... Höhepunkte: - schlossORTH Nationalpark-Zentrum - „Die Faszination der letzten Au erleben“ - Hainburg - „An der Grenze des Heiligen Römischen Reiches“ Startpunkt: Wien

Endpunkt: Hainburg

Länge: ~ 50 km

Fahrzeit: ~ 3:15 h

Routenempfehlung: Wien - Orth - Hainburg

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Das Mittelalter Die Epoche Das Mittelalter bezeichnet die Epoche des christlichen Abendlandes zwischen der Antike und der Neuzeit. Die zeitliche Eingrenzung wird heiß diskutiert, kann jedoch grob zwischen dem 6. Jhdt. und 15. Jhdt. angeben werden. Die Periode wird dabei in Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter unterteilt.

Das Frühmittelalter (6.-11. Jhdt.) Mit dem Ende der Antike verschiebt sich am beginnenden Mittelalter das politische Schwergewicht vom Mittelmeerraum in das Herz Mitteleuropas. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches hatten die „barbarischen“ Einheimischen vielfach römische Gepflogenheiten übernommen und begannen vorzugsweise in deren verlassene Mauern zu siedeln. Das Fränkische Reich wuchs unter den Merowingern und Karolinger zur neuen Großmacht. Den Höhepunkt erlangte es unter Kaiser Karl dem Großen (748-814), der auch den Donauraum maßgeblich beeinflusste. Er wurde übrigens im Jahre 800 zum ersten Kaiser nach der Antike gekrönt und erhob damit einen Universalanspruch auf das ehemalige Römische Reich. Später sollte sich aus dem Fränkischen Reich das Heilige Römische Reich entwickeln. Im 10. Jhdt. verbreitet das ungarische Reitervolk der Magyaren in Mitteleuropa in Angst und Schrecken. Als Einfallschneise nutzten sie den Donauraum. Erst Kaiser Otto I. konnte die Magyaren 955 bei der berühmten Schlacht am Lechfeld unterwerfen. Ihnen wurde damit auch die Christianisierung aufgezwungen. Die Folge war eine große Missionierungswelle, die hauptsächlich vom Bistum Passau getragen wurde. Dieses sollte sich so zum größten Bistum des Heiligen Römischen Reiches entwickeln. Namen wie der Stephansdom zu Wien und das ungarische Stephansreich erinnern still an diese Expansion. Das heutige Österreich gehörte damals großteils zum Herzogtum Bayern des Fränkischen Reiches. Im Jahr 976 erhielten die Babenberger von Kaiser Otto II. die Markgrafschaft über ein Donauland östlich der Enns als Lehen. 996 wird diese erstmals als Ostarrichi (= Österreich) bezeichnet. Mit der stetigen Erweiterung der Markgrafschaft verlegten die Babenberger ihre Residenzen immer weiter ostwärts: Pöchlarn (984), Melk, Tulln (1050), Klosterneuburg (1113) und schließlich Wien (1156).

Hochmittelalter (11.-13. Jhdt.) Im Jahr 1156 wurde die Markgrafschaft Ostarrichi zum Herzogtum erhoben und stand somit auf einer Stufe mit Bayern. Wien wird die neue Residenzstadt und erblüht zu einem europaweit geschätzten Kulturzentrum. Es ist auch die Zeit der Kreuzzüge. Ströme von Heerfahrern und Pilgern wälzen sich das Donautal in Richtung Heiligem Land hinab. Die Kreuzfahrer nutzen dabei den Wasserweg soweit wie möglich und nehmen erst kurz nach der Moravamündung (Serbien) den Landweg zum Bosporus. Der lange gefahrenvolle Weg kostet vielen Kreuzfahrern bereits bei der Anreise ihr Leben. So auch Kaiser Friedrich Barbarosa - er ertrank während des Dritten Kreuzzeuges 1190 im türkischen Fluss Göksu. Beim Übersetzen der Heermassen über die Donau spielten sichere Flussübergänge eine große Rolle. So wurde ab 1146 die steinerne Donaubrücke in Regensburg als neuntes Weltwunder bestaunt.

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Um 1200 entsteht im Dunstkreis der Passauer Bischöfe das legendäre Nibelungenlied - das wichtigste Heldenepos des Mittelalters! Entlang der österreichischen Donau treffen wir immer wieder auf Schauplätze dieses einzigartigen Gesangsvortrages. Die Kirche hatte im Hochmittelalter ihre eigene Struktur gefunden und begann nun mit den weltlichen Herrschern um die Vormacht zu rivalisieren. Im Jahr 1217 erlangten die Passauer Bischöfe die Reichsfürstwürde und waren fortan auch weltliche Herrscher - über den Hochstift Passau, der sich deutlich von Bistum unterschied. Es war auch die Blütezeit der geistlichen Orden und zahlreiche Klosterschulden entstanden. Wissen breitete sich aus, was auch neue Anforderungen an die Büchersammlungen der Klöster stellte - Bibliotheken entstanden.

Spätmittelalter (13.-15. Jhdt.) 1246 starben die Babenberger mit Friedrich II. im Mannesstamm aus. Nun trat die weibliche Linie die Nachfolge im Herzogtum an. 1252 gelangte Österreich letztendlich durch Heirat in die Hand des böhmischen Thronfolgers Ottokar. Im Jahr 1278 wurde schließlich um das Erbe der Babenberger eine der größten Ritterschlachten Europas geschlagen - die Schlacht auf dem Marchfeld. Der der Habsburger Rudolf I. ging dabei als Sieger hervor und begründetet die Herrschaft der Habsburger über Österreich. Sie sollte über sechs Jahrhunderte bis 1918 bestehen. In dieser Epoche wurde Wien zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches! Wien galt im 14. Jhdt. mit rund 20.000 Einwohnern nach Köln als die zweitgrößte Stadt des Heiligen Römischen Reiches. Von 1315-1322 plagten große Hungersnöte Europa. Als Ursache für die Missernten wird vielfach der Klimawandel einer beginnenden kleinen Eiszeit gesehen. Der Schwarze Tod (= Pest) raffte 1347-1353 ein Drittel der Gesamtbevölkerung Europas dahin. Der Hundertjährige Krieg (1337-1453) tat sein Übriges. Der akute Bevölkerungsmangel führte infolge zu Änderungen innerhalb der Gesellschaft und zu einem neuen Aufschwung.

Das Lehnswesen Das Mittelalter ist geprägt von einer Ständeordnung, an deren Spitze der oberste Landesherr - meist ein König - stand, dann folgten Fürsten und Bischöfe, darunter Adelige und zuletzt die Bevölkerung. Das Lehnswesen war die Grundlage des feudalen Gesellschaftssystems. Ein Lehensgeber (= Lehnsherr) gab dem Lehnsnehmer (=Vasall) die Herrschaft über ein Stück Land. Im Gegenzug verpflichtete sich der Vasall gegenüber seinem Lehnsherrn zur Treue und Gefolgschaft im Kriegsfall. Eine Herrschaft umfasste neben einer Burg immer auch Ländereien und Einwohner, die zur Versorgung des Vasallen dienten. Ursprünglich konnte nur der König Lehen vergeben, später auch die Adeligen darunter, sodass schließlich eine Lehenspyramide entstand.

Burgen an der Donau Das Mittelalter ist das Zeitalter der Burgen. Sie waren prachtvoller Mittelpunkt einer Herrschaft oder dienten zur Sicherung deren Grenzen. Burgen wurden aber auch als Verwaltungszentren und zur Durchsetzung von Privilegien wie zum Beispiel dem Mautrecht

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genutzt. Gemeinsam hatten alle Burgen, dass sie als Statussymbol schon von Weitem den gesellschaftlichen Rang der Burgherren erkennen ließen. Auffällig ist entlang der österreichischen Donau die Häufung von Burgen im Oberen Donauengtal und im Strudengau. Diese verrät die strategische Wichtigkeit dieser Durchbruchstäler.

Die Kunstströmungen des Mittelalters Das Mittelalter wird von zwei architektonischen Grundströmungen geprägt, die jede für sich eine eigene Entwicklung durchlief: - Die Romanik (ca. 1000-1250): Wie der Name schon vermuten lässt, nimmt diese Stilrichtung Anleihen aus der römischen Antike. Charakteristika sind wuchtige Bauwerke mit Rundbögen, Säulen und Gewölben. Das Mauerwerk ist dickwandig. Die Mauerflächen sind groß, die Fenster klein und die Türen gedrungen. - Die Gotik (ca. 1250-1550): Neue Techniken lassen die Bauwerke nun grazil gegen Himmel streben. Strebepfeiler und -bögen machen dickwandige Mauern überflüssig und erlauben größere Raumhöhen. Spitzbögen ermöglichen höhere Fenster und bringen so mehr Licht ins Bauwerk. Charakteristika sind Spitzbögen an Fenster und Portalen, Strebepfeiler und -bögen, Kreuzrippengewölbe, ... Den Übergang zur Neuzeit bildet die Renaissance (ca. 1400-1600). Sie setzt weiterhin auf gotische Elemente, strebt aber nicht nur in die Höhe, sondern betont auch die Waagrechte. Charakteristika sind Säulen und Kapitelle, Arkadenhöfe, ...

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Die Sehenswürdigkeiten Tag 1: Samstag „Von der Bischofstadt zum Naturwunder Donauschlinge“ Passau - „Von Fürstbischöfen und Salzmacht“ Die bayerische Dreiflüssestadt Passau zählt zu den schönsten Donauorten dieser Reise. Ihre berühmte Altstadt begeistert mit wundervoller Lage zwischen den Strömen - Donau, Inn und Ilz und italienisch barockem Flair. Einfach sagenhaft! Weltgeschichte schrieb Passau ab 739, als die Stadt zum Bischofssitz erhoben wurde. Das Bistum Passau sollte sich zum größten Bistum des Heiligen Römischen Reiches entwickeln - es reichte bis Ungarn und umfasste 42.000 km²! Im Jahre 1217 erhielten die Passauer Bischöfe die Reichsfürstenwürde und waren fortan auch weltliche Herrscher. Die Dreiflüssestadt wurde nun zu einem geistlichen, weltlichen und künstlerischen Zentrum. Die prachtvollen Bauten, wie der Bischofssitz, die Veste Oberhaus, der Stephansdom, ... zeugen noch heute von der einstigen Macht. In dieser Zeit entstand auch im Dunstkreis der Bischöfe das legendäre Nibelungenlied. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahre 1662 erhielt die Altstadt ihr barockes, italienisches Flair, für das Passau heute so berühmt ist. Mit der Säkularisation 1803 wurde das Fürstbistum Passau aufgelöst und sämtlicher weltlicher Besitz ging an den Staat über. Damit ging eine Epoche der Weltgeschichte zu Ende! Der immense Reichtum der Stadt gründete sich vor allem auf den Salzhandel. Ab dem 8. Jhdt. lieferten die Salinen in Reichenhall das Salz - diese waren damals die leistungsfähigsten des Ostalpenraumes! Später im 12. Jhdt. übernahmen die Salinen von Hallein deren Rang und Lieferfunktion. Das Salz wurde auf Plätten über den Innfluss nach Passau transportiert und ging von dort auf Tragtieren über den Goldenen (Salz-)Steig weiter ins salzlose Böhmen. Passau stand dabei immer in Konkurrenz zum Salzsteig, der von Linz über Budweis an die Moldau führte. Diese Salzroute wies weniger Steigungen auf und erschloss zudem mit der Moldau ein größeres Absatzgebiet. Eine Zeitlang profitierte Passau von seinem weltlichen Territorium, das bis an die böhmische Grenze reichte. So konnten die böhmischen Salzhändler Mautzahlungen sparen. Durch das Niederlagsrecht musste in Passau jede Salzlieferung 3 Tage lang zum Verkauf angeboten werden, bevor diese weitertransportiert werden durfte. Das verhalf der Stadt zu einer bedeutenden Monopolstellung. Beim Salzhafen (nahe dem heutigen Klosterwinkel am Landspitz der Altstadt) gab es dazu zwei Salzstadel, die bis zu 600 Schiffsladungen (!) Salz aufnehmen konnten. Im Jahre 1526 gelangte Böhmen unter die Herrschaft der Habsburger, welche den ausländischen Salzimport zugunsten der habsburgischen Salzproduktion im Salzkammergut verboten. Der endgültige Niedergang des Passauer Salzhandels begann 1568, als der bayerische Herzog unmittelbar vor der Stadt seine eigene Salzniederlage errichtete und Passau damit von den Salzlieferungen abschnitt. Tipp: Ein Rundgang durch die wundervolle Altstadt lässt den Glanz und die Glorie der Fürstbischöfe erahnen.

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- Dom St. Stephan - „Die Mutterkirche des Donau-Ostens!“ Der prachtvolle Dom St. Stephan ragt am höchsten Punkt der Passauer Altstadt in den Himmel und prägt das Stadtbild. Er ist die Hauptkirche des Bistums Passau, von der aus der DonauOsten missioniert wurde und ein Meisterwerk italienisch geprägter Baukunst – einfach sagenhaft! Bereits um das Jahr 450 soll hier eine Kirche bestanden haben. Gesichert ist, dass diese 739 zur Kathedrale der Diözese erhoben wurde. Im Laufe der Jahrhunderte folgten weitere Kirchenbauten. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1662 entstand in den Jahren 1668-1693 der heutige Prachtbau: Der italienische Architekt Carlo Lurago schuf den größten barocken Kircheninnenraum nördlich der Alpen und den bedeutendsten Kirchenbau italienischen Barocks in Deutschland. Da kann man nur sagen: Sehen und staunen! Unwillkürlich stellt sich jetzt die Frage: „Was unterscheidet eine Kathedrale von einem Dom?“ Auflösung siehe Anhang. Tipp: Eine Führung hilft, die „verborgenen“ Besonderheiten des Doms leichter zu entdecken. Zudem ist später im Wiener Stephansdom der Vergleich dessen mit dem Passauer Stephansdoms spannend. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Dom St Stephan, Domplatz, D-94032 Passau täglich 06.30-19.00 Uhr (Winterzeit bis 18.00 Uhr) www.bistum-passau.de/kunst-kultur/dom-st-stephan 15-30 min (ohne Führung)

- Veste Oberhaus -„Trutzburg der Fürstbischöfe & Mittelalter-Ausstellung“ Die Veste Oberhaus thront erhaben am linken Donauufer über der Altstadt von Passau. Sie gehört mit 65.000 m² umbauter Fläche zu den größten Burganlagen Europas! Die Burg wurde im Jahre 1219 von den Passauern Bischöfen errichtet, nachdem diese zwei Jahre zuvor mit der Reichsfürstenwürde betraut worden waren. Die Wehranlage sollte deren neue Macht militärisch untermauern und zugleich Schutz bieten. Auch vor den Passauer Bürgern, denn diese versuchten selbstbewusst immer wieder, mehr Rechte zu erlangen. So musste das Domkapitel mehrmals vor den eigenen Bürgern in der Veste Schutz suchen. Im Jahre 1298 ließen die Fürstbischöfe sogar von der Burg mit den Kanonen in die aufständische Stadt hinunter schießen. Tja, Macht funktioniert nur, solange die Anderen daran glauben! Neben der imposanten Burganlage begeistern zwei ganz fantastische Mittelalter-Ausstellungen, die kurzweilig und spannend in das Leben anno dazumal eintauchen lassen. Dabei sollten Sie besonders beachten: - Eine Kältekammer lässt die Wohntemperatur und Beleuchtungssituation in einer mittelalterlichen Burgen nachfühlen. - Wohnen im Mittelalter: Licht, Heizung, Wasser, Hygiene, Aufbewahrung, Hausrat, ... Ungewöhnliche Themen, die im wahrsten Sinne des Wortes Licht in das dunkle Zeitalter bringen.

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- Burgbau: Platzwahl, Techniken, Werkzeuge, ... Dieses Wissen lässt die weiteren Burgen entlang der Donau in einem anderen Licht erscheinen. - Eher unbekannt: Die Bedeutung des „Spieles“ im Mittelalter wird erklärt. - ... Tipp: Die weitläufige Veste Oberhaus und deren fantastische Mittealter-Ausstellungen sind ein Highlight dieser Reise! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Veste Oberhaus, Oberhaus 125, D-94034 Passau März-November Mo-Fr 09.00-17.00 Uhr; Sa, So, Fei 10.00-18.00 Uhr www.oberhausmuseum.de 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

Fahrt durch das Obere Donauengtal -„Die letzten Hang- und Schluchturwälder“ Eher unbekannt: Zwischen Passau und Aschach befinden wir uns in einer der längsten von insgesamt neun Durchbruchsstrecken entlang der Donau. Dieses Engtal erstreckt sich über 90 km(!), von Hofkirchen in Bayern bis nach Aschach in Oberösterreich. Während die Talflanken westlich von Passau flacher und niedriger ausgeprägt sind, ragen diese hier steil und bis zu 300 m auf. Kurz nach der Schlögener Donauschlinge befindet sich im Übrigen die höchste Uferflanke des gesamten Donaulaufes - der Burgstall! Eine verborgene Rarität dieses Donauengtals sind die großen naturnahen (= urwaldartigen) Hang- und Schluchtmischwälder! In den schwer zugänglichen Donauleiten konnten diese überdauern, während die umliegende Landschaft stark vom Menschen geprägt wurde. Heute sind diese Hang- und Schlucht-Urwälder in Mitteleuropa eine herausragende Besonderheit, zudem ist deren große Ausdehnung im gesamten europäischen Donauraum einmalig! Mehr über die Naturschätze der Donauleiten finden Sie unter www.donauleiten.com. Schon bemerkt? Die urigen Hangmischwälder befinden sich hauptsächlich am Nordufer der Donau, während das Südufer von Fichten dominiert wird. Da stellt sich doch die Frage: „Wieso ist das so?“ Auflösung siehe Anhang.

Die Nibelungenstraße -„Eine Hommage auf die Nibelungen“ Die Hauptstraße, die zwischen Passau und Eferding im Donautal verläuft, wird auch Nibelungenstraße genannt. Sie erinnert uns an das bedeutendste Heldenepos des Mittelalters - das sagenhafte Nibelungenlied! Der Mythos „Donau“ ist untrennbar mit dem Nibelungenepos verbunden. Die inhaltliche Grundlage für dieses Meisterwerk bildeten Heldenlieder, die seit der Zeit der Völkerwanderung mündlich überliefert worden waren. Um das Jahr 1200 schuf ein unbekannter Dichter aus den zahlreichen Liedern rund um Siegfried den Nibelungenepos und schrieb diesen nieder. Der Verfasser dürfte, wie die Ortsbeschreibungen vermuten lassen, viele der bayerisch-österreichischen Donauorte persönlich gekannt haben. Was den Schluss zulässt, dass er auch aus diesem Raum stammt. Als Auftraggeber wird der kunstsinnige Passauer Fürstbischof Wolfger von Erla (1140-1218) vermutet. Im Mittelalter erfreute sich das Nibelungenlied größter Beliebtheit, geriet jedoch im 16. Jhdt. wieder in Vergessenheit. Erst ab dem 18. Jhdt. entwickelte es sich zum deutschen Nationalepos. www.donau-oesterreich.at


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Schauplätze an der österreichischen Donau: Passau, Eferding, Pöchlarn, Melk, Traismauer, Tulln, Wien und Hainburg. Tipp: Das Nibelungenlied erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern lässt auch in die Ideale, Gepflogenheiten, Sprache, ... der mittelalterlichen Welt eintauchen. Keine Angst, dazu müssen Sie nicht das ganze Epos lesen!

(Steckbrief der Burgen am Wegesrand) - Burg Krämpelstein:

Der Sage nach auch „Schneiderschlössl“ genannt. Im 14. Jhdt. erstmalig erwähnt. Diente als Mautstation, Ruhesitz der Passauer Bischöfe und Gefängnis für reformatorische Ketzer. Heute Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Standort: Erlau/Südufer.

- Schloss Obernzell:

Im 15. Jhdt. von den Passauern Fürstbischöfen als gotische Wasserburg erbaut und im 16. Jhdt. zu einem wundervollen Renaissance-Schloss umgebaut. Kann besichtigt werden (www.obernzell.de). Standort: Obernzell/Nordufer.

- Schloss Vichtenstein:

Im 12. Jhdt. erstmalig urkundlich erwähnt. Wurde durch eine Fehde zwischen dem Burgeigentümer und den Passauer Bischöfen zu einer Raubritterburg. Heute Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Standort: Vichtenstein/Südufer

- Schloss Rannariedl:

Im Jahr 1240 errichtet. Lehen des Bistum Passau. War unter dem „Nachfolgergeschlecht“ der Falkensteiner im 14. Jhdt. ein gefürchtetes Raubritternest. Heute Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Standort: Rannariedl/Nordufer.

- Schloss Marsbach:

Erstmals 1075 urkundlich erwähnt. Lehen des Bistum Passau. Entwickelte sich unter den Marsbachern zu einem gefürchteten Raubritternest. Der Spruch „Marsbach war in alter Zeit ein Schrecken für Kaufmanns- und Schiffersgeleit“ erinnert noch heute daran. Heute Privatbesitz und kann nicht besichtigt

werden. Standort: Marsbach/Nordufer.

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- Ruine Haichenbach:

Wird der Sage nach auch „Kerschbaumerschlössl“ genannt. Wurde 1160 erstmals urkundlich erwähnt. Entwickelte sich im 15. Jhdt. unter den Oberheimern zu einer Raubritterburg. Befindet sich auf der Landzunge im Zentrum der Schlögener Donauschlinge - ein landschaftlicher Geheimtipp! Standort: Schlögen/Nordufer.

- Schloss Neuhaus:

Im Jahr 1280 erstmalig urkundlich erwähnt. Mautstation der Schaunberger. Bekannt für seinen fünfeckigen (!) Bergfried und seine Wasserspeier (ein Menschenkopf zeigt Richtung Ruine Schaunberg, drei Tierköpfe zeigen in weitere Richtungen, in Richtung des habsburgischen Wiens zeigt hingegen ein Gesäß mit Händen, die die Backen auseinanderziehen: Mit besten Grüßen ... !). Heute Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Standort: Neuhaus/Nordufer.

(Stiftskirche Engelszell - „Von der Gründung eines Klosters & Rokoko-Pracht“) 1

Die Stiftskirche des Stiftes Engelszell ist eine der stilreinsten RokokoKirchen Österreichs. Sie begeistert mit feingliedrigem Stuck, detailreichen Schnitzarbeiten, kunstvoller Scheinarchitektur an der Decke, … einfach sehenswert!

Auf der Suche nach der mittelalterlichen Faszination der Donau geben die Beweggründe für diese Klostergründung spannende Einblicke in diese Zeit: Im Jahr 1293 ließ der Passauer Fürstbischof Wernhart von Prambach dieses Kloster errichten. Er wollte damit auf halber Strecke zwischen Passau und Linz einen Ort der Gastlichkeit für Reisende schaffen. Dazu muss man wissen, dass zu dieser Zeit an der Donau wahre Massenströme von Pilgern unterwegs waren. Zudem schliefen die Passauer Bischöfe auf ihren Reisen am Tagesende nur allzu gerne in eigenen Betten. Wer sich die Abstände der Passauer Unterkünfte entlang der Donau ansieht, erkennt dieses System. Zum Anderen gab es im Umfeld von Engelhartszell seit alters Streitigkeiten zwischen dem Bistum und den Nachbarn. Das Kloster sollte auch beruhigend wirken, und als Beispiel friedvollen Zusammenlebens dienen. Immer wieder erstaunlich, wieviel weltliches Kalkül sich hinter Klostergründungen verbirgt. So nebenbei! Nach einer wechselvollen Geschichte hob 1786 Kaiser Josef II. das Kloster auf. Heute ist es das einzige Trappistenkloster in Österreich und bekannt für sein ausgezeichnetes Bier. Adresse: Stift Engelszell, Stiftstraße 6, 4090 Engelhartszell an der Donau Öffnungszeiten der Stiftskirche: täglich 08.00-19.00 Uhr (im Winter bis 17.00 Uhr) www.stift-engelszell.at Kontakt: Verweildauer: 20 min

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Bildquelle: Stift Engelszell

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Schlögener Donauschlinge - „Ein Naturwunder!“ In Schlögen stehen wir am Donauufer auf Augenhöhe mit dem sagenhaften Naturwunder der Schlögener Schlinge. Die Donau hat sich hier tief in die Landschaft eingegraben und wechselt innerhalb weniger Kilometer gleich zweimal ihre Richtung um nahezu 180 Grad - einfach sagenhaft! Kein Wunder, dass die Schlögener Schlinge damit „das“ Naturhighlight der österreichischen Donau und eines der bekanntesten Naturschauspiele des gesamten Donaulaufs ist. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt:

Hotel „Donauschlinge“, Schlögen 2, 4083 Haibach an der Donau Außenbesichtigung www.donauschlinge.at

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Tag 2: Sonntag „Durch die Donauschlinge zur vergessenen Kaiserstadt“ Der Schlögener Blick - „Das Naturwunder im Draufblick“ Der „Schlögener Blick“ liegt erhaben in der Donauleiten und eröffnet den berühmten Blick auf die Schlögener Schlinge! Erst hier in der Draufsicht wird die Faszination und Einzigartigkeit des Naturwunders der Schlinge so richtig bewusst. Er lässt still werden, staunen und demütig sinnieren ... ein magischer Ort! Der Aussichtspunkt ist vom Hotel „Donauschlinge“ in rund 20-30 minütigem, teils steilem Spaziergang erreichbar. Die Mühe lohnt sich aber! Im Aufstieg bieten übrigens einige Stationen des Naturerlebnisweges „Ciconia“ Einblick in die verborgenen Naturhighlights der Donauleiten. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Hotel „Donauschlinge“, Schlögen 2, 4083 Haibach an der Donau Außenbesichtigung www.donauschlinge.at 1-1,5 h (inkl. Spaziergang vom Hotel „Donauschlinge“)

Burgstall - „Die höchste Uferflanke“ Die waldreiche Uferflanke gegenüber von Kobling ist die bereits erwähnte höchste Uferflanke des gesamten Donaulaufes. Auf ihrem Gipfel, dem Burgstall (613 m), befindet sich ein Aussichtsturm mit grandiosem 360°-Rundumblick: auf den Sauwald, ins Obere Donautal, ins Mühlviertel, ... und schier grenzenlos bis zu den Alpen! So nebenbei! Der Flurname „Burgstall“ lässt eigentlich einen ehemaligen Burgstandort vermuten. Seltsamerweise gibt es auf diesem Burgstall für eine Festung keinerlei Belege oder Überlieferungen. Dafür existieren jedoch zwei kleine Stollen in der Donauleiten. Vielleicht Burg-Stoll(en)?

Fahrt durch das Eferdinger Becken - „Auen & Gemüse“ Zwischen Aschach und Ottensheim öffnet sich das Donautal zum weitläufigen Eferdinger Becken. Eine faszinierende Kulturlandschaft: die mächtige Donau mit ihren üppigen Auen, ein Mosaik aus fruchtbaren Feldern, stattliche Vierkanthöfe, ... Einst durchzogen hier zahlreiche Donauarme eine urwaldartige Sumpflandschaft. Ein höllischer Abschnitt für die Schiffsleute jener Zeit, die hierdurch ihre Treidelzüge stromaufwärts ziehen mussten. Heute ist der Strom gezähmt und das Umland kultiviert. Das Eferdinger Becken ist nun weithin bekannt für seine Fruchtbarkeit und vor allem seinen Gemüseanbau.

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Burgruine Schaunberg - „Die größte Burg Oberösterreichs & Panoramablick“ Die weitläufige Burgruine Schaunberg überragt erhaben den Wald auf dem westlichen Höhenrücken des Eferdinger Beckens. Die einst größte Burg Oberösterreichs erzählt vom legendären Land der Schaunberger und eröffnet von ihrem spektakulären Bergfried einen unvergesslichen Panoramablick über das Eferdinger Becken! Der Name „Schaunberg“ soll sich von „Vom Berg schaun“ ableiten, was spätestens am Bergfried glaubhaft wird. Die Größe der Festungsanlage spiegelt die Bedeutung des Adelsgeschlechts der Schaunberger wieder, die über 400 Jahre lang mit dem Schaunbergerland quasi einen eigenen „Staat“ zwischen Bayern und Österreich regierten. Die Geschichte der Schaunberger ist stark mit Aschach verknüpft, vor allem mit dessen lukrativer Maut. Diese wurde Mitte des 12. Jhdts. von Kaiser Friedrich Barbarossa an die hochfreien Herren von Julbach als Reichslehen vergeben. Anfangs residierten die Julbacher noch auf der Burg Stauf wenige Kilometer westlich von Aschach. Bereits 1160 ließen sie eine Wegstunde von Aschach entfernt die Burg Schaunberg errichten. Mit den Jahren passte das Adelsgeschlecht auch seinen Namen an: „von Julbach“ wurde zu „von Stauf und Schaunberg“ und schließlich zu „von Schaunberg“. Die Grafschaft Schaunberg verfügte über eigenes Landrecht und nahm eine Sonderstellung im Herzogtum Österreich ob der Enns ein. Das Herrschaftsgebiet wuchs dabei in sich geschlossen zwischen Sauwald und Kürnberg und Donau und Hausruck. Die Macht der Schaunberger war zwar vielen ein Dorn im Auge, konnte aber dennoch erst im 15. Jhdt. gebrochen werden. Im Jahre 1367 erwarben sie die Stadt Eferding und bauten diese zu ihrer Residenzstadt aus. 1416 ließen sie dort auch eine Burg errichten, auf welche sie schließlich um 1500 ihren Wohnsitz ganz verlegten. Als das Geschlecht der Schaunberger 1559 erlosch, wurde deren Besitz zwischen den Erben, den Starhembergern und den Lichtensteinern, aufgeteilt. Der Verfall der Festung begann schließlich Ende des 17. Jhdts. Besonderheiten, auf die Sie achten sollten: - Der 32 m hohe Bergfried - halb Ruine und halb Aussichtsturm - sorgt nicht nur für einen wundervollen Panoramablick, sondern auch für Nervenkitzel! - In den Gemäuern verbergen zahlreiche sehenswerte Architekturdetails: ein gotischer Torbogen, ein Netzrippengewölbe, mehrere Steingeschosse, versteckte Gänge, Steinmetzzeichen, ... Tipp: Neugierig sein und die altehrwürdigen Gemäuer erkunden. Ein absolutes Muss ist die Besteigung des Bergfrieds! Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Burgruine Schaunberg, 4081 Hartkirchen Täglich 20-40 Minuten (je nach Entdeckerlust)

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(- Klosterkirche Pupping - „Die Sterbestätte des Hl. Wolfgang“) Die bäuerliche Ortschaft Pupping liegt inmitten der fruchtbaren Felder des Eferdinger Beckens. Einige stattliche Vierkanthöfe, eine schöne Kirche mit bescheidenem Kloster und die Nibelungenstraße bilden die Siedlung. Kaum zu glauben, dass hier Geschichte des Christentums geschrieben wurden - die Kirche ist die Sterbestätte des Hl. Wolfgang! Im Jahr 994 war der etwa 70-jährige Hl. Wolfgang (Bischof von Regensburg) mit dem Schiff auf der Donau unterwegs, als er spürte, dass er sterben werde. Darauf hin ließ er sich hierher nach Pupping zur Kirche des Hl. Othmar bringen. Am 31. Oktober 994 verstarb er am Boden vor dem Altar – eine Bodenplatte erinnert dort heute daran. Sein Herz wurde hier in der Kirche bestattet, die Reliquie ging jedoch in den Wirren der Jahrhunderte verloren. Sein Leichnam kam nach Regensburg. Um 1050 wird bereits von mehreren Krankenheilung an der Sterbestätte des Hl. Wolfgang berichtet. Nur zwei Jahre später, also 1052, wurde er heilig gesprochen - das zeugt von der Bedeutung seiner Wunder! Im 15. Jhdt. begann die Blütezeit der Verehrung des Hl. Wolfgang, vor allem im nach ihm benannten St. Wolfgang am Wolfgangsee/Salzkammergut. Aber auch die Schaunberger begannen in dieser Zeit, ihre Toten in der Kirche von Pupping zu bestatten. Im Jahr 1476 stifteten sie schließlich hier den Franziskanern ein kleines Kloster, welches sie liebevoll förderten. Mit dem Tod des letzten Schaunbergers 1559 begann eine sehr wechselvolle Geschichte: Niedergang, Auflösung, Komplettabriss, Neuaufbau, ... Seit 1998 beschreiten die Franziskaner in Pupping neue Wege – im Shalomkloster leben heute Männer, Frauen und Ehepaare gemeinsam. Eine kleine Kirche mit großer Vergangenheit! Tipp: Die letzten Worte des Hl. Wolfgang können Sie auf einer Steintafel vor dem Eingangsportal der Kirche lesen. Einfach zum Nachdenken! Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Shalom-Kloster, Pupping 4, 4070 Eferding Täglich 10-15 Minuten

Eferding - „Nibelungen, Bischöfe und Schaunberger“ Eferding ist ein mittelalterliches Donau-Highlight! Die Stadt liegt im Zentrum des gleichnamigen Beckens einige Kilometer südlich des Donaustromes. Sie ist die drittälteste Stadt Österreichs und begeistert mit einem einzigartigen Stadtkern! Das Besondere: Der großzügige Stadtplatz von Eferding wird an drei Seiten von schönen Bürgerhäusern umrahmt und am Nordende vom prächtigen Schloss Starhemberg begrenzt. Dieses wundervolle Gesamtensemble erzählt von Wohlstand und Herrschaft! Die Bürgerhäuser wurden übrigens im Kern seit dem Mittelalter kaum verändert. Die Fassaden folgen hingegen meist neueren Schönheitsidealen wie dem Barock oder Klassizismus. In Eferding befestigte bereits zur Zeit der Römer das Kastell Ad Mauros den Donaulimes. Später weist die Erwähnung Eferdings im sagenhaften Nibelungenlied auf die besondere Bedeutung des Ortes hin. Laut dem Heldenepos soll Kriemhild auf ihrer Brautfahrt ins Hunnenland hier genächtigt haben. Um 1000 gelangte Eferding in den Besitz der Passauer Bischöfe. Diese maßen dem Ort eine gewichtige Rolle für ihre Politik mit Österreich zu und

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förderten seine Entwicklung. Davon beflügelt, wuchs die Siedlung rasch an und erhielt bereits 1222 als dritte Stadt Österreichs das Stadtrecht verliehen (nach Enns und Wien). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die ersten Städte Österreichs alle an der Donau liegen. Mit dem späteren Recht, die Stadt zu befestigen, stieg das Ansehen weiter. Im Jahre 1367 verkauften die Passauer Bischöfe die Herrschaft Eferding an die Grafen von Schaunberg, dem damals bedeutendsten Adelsgeschlecht des Landes ob der Enns. Die Stadt wurde daraufhin zum Mittelpunkt des Schaunberger Landes und blühte zur Residenzstadt auf. 1559 ging Eferding mit dem Tod des letzten Schaunbergers durch Erbfolge an das Geschlecht der Starhemberger über, welche bis 1848 fast durchgängig die Grundherren waren. Apropos: Die Befestigungsanlage wurde 1830 geschliffen - Häuserbebauung und Straßennamen lassen sie aber noch heute erkennen! Tipp: Ein Rundgang durch den schmucken Stadtkern bringt viele wundervolle Details zum Vorschein! Eine Besonderheit ist der „Eferdinger G´schichtnweg“. Eigentlich für Kinder konzipiert, bietet dieser jedoch auch für Erwachsene Informatives – vor allem die dazugehörigen Begleitinformationen (im Tourismusbüro kostenlos erhältlich).

- Stadtpfarrkirche St. Hippolyt - „Der Eferdinger Dom“ Die Stadtpfarrkirche von Eferding ist ein spätgotisches Highlight! Mächtig steht sie im Altstadtkern von Eferding neben Schloss Starhemberg, dem einstigen Sitz der Schaunberger. Die imposante Hallenkirche wurde in den Jahren 1451 bis 1505 im Auftrag der Grafen von Schaunberg errichtet und ist auch die Ruhestätte des letzten ihres Geschlechts. Ob des großzügigen Raumgefühls im Inneren wird sie im Volksmund auch gerne als der „Eferdinger Dom“ bezeichnet. Auf diese architektonischen Highlights sollten Sie besonders achten: - Eine Zwillingswendeltreppe führt zur Empore hoch. Diese Bauweise einer Wendeltreppe existiert in Österreich nur dreimal! - Das Renaissance-Hochgrab von Wolfgang II. von Schaunberg, des letzten Schaunbergers, und seiner Gattin gehört mit seiner detailreichen Ausführungen der Reliefs zu den schönsten Österreichs! - Das reich verzierte Südportal, ausgeführt als Doppelportal (zwei getrennte Türen), ist ein Juwel der Spätgotik! - ... Tipp: Ein langsamer Rundgang in der Kirche bietet nicht nur Zeit zur Besinnung, sondern öffnet auch den Blick für die versteckten Details. Sehen und staunen – einfach sagenhaft! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stadtpfarrkirche St. Hippolyt, Kirchenplatz, 4070 Eferding Täglich pfarre-eferding.dioezese-linz.at 10-20 Minuten

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(Stiftskirche Wilhering - „Vom Werdegang eines Stiftes & Rokoko-Pracht“) Die Stiftskirche des Zisterzienserstiftes Wilhering gehört zu den prächtigsten Rokokobauten des deutschsprachigen Raumes und ist einzigartig in der Fülle des Figurenschmuckes – einfach sagenhaft! Wie die meisten Klöster ist auch Stift Wilhering im Mittelalter entstanden. Einst wohnten hier die Herren von Wilhering, die ihre Besitzungen durch Rodungen nördlich der Donau vergrößerten. Um 1145 verlegten sie schließlich ihren Wohnsitz in ihre neuen Ländereien - auf die Burg Waxenberg im Mühlviertel. Die aufgelassene Burg Wilhering stifteten sie samt dazugehörigem Land dem steirischen Zisterzienserkloster Rein für eine Klostergründung. So wurde 1146 das Stift Wilhering gegründet. Aufgrund der armseligen und harten Lebensbedingungen zogen sich die Mönche nach und nach wieder ins Mutterhaus zurück. 1185 kam es zur Neugründung durch Mönche des bayerischen Klosters Ebrach. Nun begann sich das Stift zu entwickeln. Infolge wurden drei Tochterklöster gegründet - eines davon war im Jahr 1295 das Kloster Engelszell in Engelhartszell. Die Zeit bis ins 18. Jhdt. war sehr wechselhaft: Bankrott, Neubelebung, erneute Schulden, … 1733 brannte das damals desolate Kloster nieder. Ursache: Brandstiftung im Auftrag eines arbeitslosen Landarbeiters. Die Kirche wurde aus den Brandresten neu errichtet und mit der dafür heute berühmten Rokokoausstattung verziert. Die enormen Kosten des Kirchenbaus und der spätere Ankauf des kaiserlichen Forstes Kürnberg im Jahre 1749 brachten Stift Wilhering wieder an den Rand des Ruins. So wurde es von Kaiser Josef II. unter staatliche Verwaltung gestellt. Aufgehoben, wie so viele Klöster in dieser Zeit, wurde es jedoch nie. Wir sehen die Geschichte eines Klosters ist geprägt von Höhen und Tiefen - und Zeit. Kein Wunder also, dass in Klöstern meist nicht in Jahren, sondern Jahrhunderten gedacht wird! Jetzt stellt sich nur noch die Frage: „Was ist ein Stift und was ein Kloster?“ Auflösung siehe Anhang. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Zisterzienserstift Wilhering, Linzer Straße 4, 4073 Wilhering 27. Juni- 19. Oktober 2014 täglich 10.00-21.00 www.stiftwilhering.at 10-20 Minuten

Fahrt durch die Linzer Pforte - „Des Kaisers Jagd“ Zwischen Ottensheim und Linz fahren wir durch ein kurzes naturbelassenes Donauengtal. Diese waldreiche Durchbruchstrecke verbindet das landwirtschaftliche Eferdinger Becken mit dem städtischen Linzer Becken - daher auch ihr Name „Linzer Pforte“. Kaum vermutet gehört dabei der Kürnberg (südlich der Donau) geologisch eigentlich zur Böhmischen Masse (nördlich der Donau) und wurde von der Donau nur abgetrennt. Apropos Kürnberg! Der wildreiche Kürnberger Wald war einst ein beliebtes kaiserliches Jagdrevier. Und zwar ab dem 15. Jhdt. als Linz zur kaiserlichen Residenzstadt und damit zum Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches erhoben wurde. An die hochherrschaftlichen Zeiten erinnert heute im Volksmund noch der „Prinzensteig“, der durch diese herrlichen Mischwälder in Richtung Linz verläuft.

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Tag 3: Montag „Auf dem Weg in den Strudengau“ Linz - „Die vergessene Kaiserresidenz“ Linz ist heute weltbekannt als vielfältige Kulturstadt von europäischem Format und wird ob seiner faszinierenden Symbiose von Industrie und Kultur bestaunt. Die Stadt hat jedoch noch eine andere Seite: prächtige Altstadthäuser, der übergroße historische Hauptplatz, das majestätische Linzer Schloss, … erzählen von Handel und Kaiserresidenz! Der Handel hatte für Linz seit jeher eine große Bedeutung. Nicht nur der Donauhandel, sondern auch der Nord-Süd-Handel, der die hiesige Urfahr (= Überfuhr) nutze. Vom nördlichen Donauufer führte ein wichtiger Säumerpfad weiter nach Böhmen. Es war übrigens die kürzeste Wegverbindung zwischen Böhmen und der Donau. Kein Wunder also, dass dieser Säumerpfad ständig in Konkurrenz zum Goldsteig in Passau stand. Im Jahr 1210 erwarben die österreichischen Herzöge die aufkeimende Stadt. Ein strategischer Schachzug: damit erhielten sie einen Stützpunkt inmitten der Passauer Besitzungen und an der damaligen Grenze zu Bayern. Zudem war die Maut in Linz immer sehr einträglich. Die Babenberger ließen 1260 schließlich den gigantischen Hauptplatz als neues Zentrum der Stadt errichten. Er wurde als strahlkräftiger Markt- bzw. Messeplatz konzipiert und zählt mit seinen rund 13.200 m² zu den größten umbauten Stadtplätzen Europas! Alleine daraus lässt sich die Bedeutung des Handels für Linz ableiten. Kaiserlich ging es in Linz zwischen 1489 bis 1493 zu. Der habsburgische Kaiser Friedrich III. verlegte seine Residenz nach Linz. Notgedrungen, da ihn der ungarische König aus Wien vertrieb. Linz erblühte kurzzeitig zum Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches. Prunkvolle Feste wurden gefeiert, kaiserliche Jagden am Kürnberg abgehalten. Gelehrte, Künstler und Gesandte gingen ein und aus. Hinter vorgehaltener Hand wurde Linz jedoch oft belächelt, wirkte es mit knapp 2.000 Einwohnern und wenigen Prachtbauten doch etwas dörflich. Wien hatte zu dieser Zeit schon über 20.000 Einwohner und war nach Köln die zweitgrößte Stadt des Reiches. Auch die umliegenden Städte Steyr, Enns und Wels waren größer oder hatten mehr Rechte. Aber dem Kaiser gefiel es. Er blieb sogar nach dem Abzug der Ungarn noch bis zu seinem Tod. Als Residenzstadt geriet Linz infolge in Vergessenheit. Dennoch kamen die Habsburger gerne zurück - sei es zur Jagd oder in Not. Die Urfahr wurde im Jahr 1497 durch eine fixe Donaubrücke ersetzt. Es war die dritte feste Brücke an der österreichischen Donau Im 17. Jhdt. öffnete in Linz die erste Textilfabrik Österreichs ihre Pforten, welche zeitweise über 50.000 Menschen beschäftigte. Im 19. Jhdt. begann die Entwicklung zum Industriestandort. Es entstand die Schiffswerft, eine Lokomotivenfabrik, eine blühende Textilindustrie, ... Tipp: Ein gemütlicher Rundgang durch die verwinkelte Altstadt öffnet ein Zeitfenster in die Tage als historischer Handelsplatz. Oder besser noch eine Stadtführung! Viel Spaß dabei!

- Schloss Linz - „Residenz & Museum“ Mächtig thront das Linzer Schloss über der Donau und zeugt eindrucksvoll von Macht und Glorie des Kaisers!

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Die „Burg zu Linze“ wurde im Jahre 799 erstmals urkundlich erwähnt. Im 15. Jhdt. machte sie der habsburgische Kaiser Friedrich III. notgedrungen zu seiner Residenz und damit für kurze Zeit zum Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches. Er ließ die bestehende Holzburg ausbauen und mit mächtigen Steinmauern umgeben. Das Friedrichstor auf der Westzufahrt zum Schloss stammt noch aus dieser Zeit. Später im 17. Jhdt. überlegte der habsburgische Kaiser Rudolf II., seine Residenz von Prag nach Linz zu verlegen und begann mit dem Bau des heutigen Schlosses. Aufgrund seines frühen Todes wurde es jedoch nie zu seiner Residenz. Im Jahre 1800 zerstörte ein verheerender Brand den Südtrakt, der anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2009 wiedererrichtet wurde - zeitgenössisch modern und stylish! Heute ist das Schloss ein Museum, das spannende Einblicke in die Natur-, Kultur- und Kunstgeschichte des Landes Oberösterreich bietet. Tipp1: Im Panoramadurchbruch neben dem Eingang zum Schlossmuseum zeigt ein bronzenes Relief die Stadt Linz vor dem großen Brand von 1800. Das Besondere: Der Stadtplatz reicht fast von Stadttor zu Stadttor - ein Indiz für die Wichtigkeit des Handels für Linz. Stadtbild lesen lernen! Tipp2: Vom Café auf der Nordterrasse des Schlosses eröffnet sich ein wundervoller Blick auf den mächtigen Donaustrom. Unwillkürlich muss man dabei an die Urfahr (= Überfuhr), die Bedeutung der festen Brücke, die jährlichen Handelsmessen, … denken. Tipp3: Das Schlossmuseum bietet in seiner Kunstabteilung einen schönen Querschnitt über mittelalterliche Kunst - Gemälde, Skulpturen, … Interessant ist vor allem der Vergleich mit den anderen kunsthistorischen Epochen. Wer Zeit hat, sollte sich das ansehen! Adresse: Öffnungszeiten:

Kontakt: Verweildauer:

Linzer Schloss, Schlossberg 1, 4020 Linz Außenbesichtigung; (Schlossmuseum Di-Fr 09.00-18.00 Uhr, Do 09.00-21.00 Uhr, Sa/So/Fei 10.00-17.00 Uhr) www.landesmuseum.at/schlossmuseum 30 Minuten (ohne Museumsbesuch)

- Martinskirche - „Die älteste Kirche Österreichs?“ Unweit des Linzer Schlosses steht am Römerberg eine kleine Kirche - die Martinskirche. Lange Zeit galt sie als die älteste erhaltene Kirche Österreichs. Heute ist das nicht mehr haltbar, dennoch erfolgt ihre erste urkundliche Erwähnung schon 799, gemeinsam mit dem Linzer Schloss. Eine große Steintafel vor der Kirche gibt uns einen kurzen Überblick über ihre Historie. Adresse: Öffnungszeiten: Verweildauer:

Martinskirche, Martinsgasse 3, 4020 Linz Blick durch eine Glastür 5 Minuten

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- Stadtpfarrkirche - „Des Kaisers Herz“ Bekannt ist die Linzer Stadtpfarrkirche als Wirkungsort des weltberühmten Orgelvirtuosen Anton Bruckner. Die wenigsten kennen jedoch den engen Habsburgerbezug dieser Kirche: Hier ruhen das Herz und die Eingeweide des 1493 in Linz verstorbenen Kaisers Friedrich III. Sein Leichnam hingegen wurde im Wiener Stephansdom bestattet. Heute fast vergessen: Die getrennte Bestattung! Anfänglich hatte die getrennte Bestattung von Körper, Herz und Eingeweiden ganz pragmatische Gründe. Zur Konservierung eines Leichnams musste dieser ausgetrocknet und dafür die inneren Organe entfernt werden. Die meisten Mitglieder des Hauses Habsburg wurden übrigens konserviert oder balsamiert. Die getrennte Bestattung spielte aber auch dann eine große Rolle, wenn zwischen Tod und Bestattung ein längerer Zeitraum lag. Man denke nur an die Kreuzzüge. Teilweise kochte man deshalb das Fleisch sogar von den Knochen ab, um zumindest die Gebeine unbeschadet an ihre letzte Ruhestätte bringen zu können. Das Herz als symbolisch wichtigster Körperteil erhielt dabei immer einen besonders würdevollen Bestattungsplatz. Ab dem 19. Jhdt. spielten schließlich die Eingeweide bei einer Konservierung keine Rolle mehr. Dafür gewann die Symbolik einer eigenen Herzbestattung an Bedeutung! So entschieden sich auch die letzte Kaiserin Zita und deren Sohn Otto für eine getrennte Herzbestattung. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stadtpfarrkirche, Pfarrplatz 4, 4020 Linz täglich 08.00-18.00 Uhr pfarre-linz-stadtpfarre.dioezese-linz.at/ 15 Minuten

Traunmündung - „Salz aus dem Salzkammergut“ Völlig unscheinbar mündet der Traunfluss zwischen Linzer Industriegebiet und urigen Auwäldern in die Donau. Man sieht es ihr heute kaum an, aber sie verfügt über eine uralte Tradition der Salzschifffahrt - auf ihr kam einst das Salz des Salzkammergutes an die Donau! In Hallstatt wird bereits seit Jahrtausenden Salz abgebaut. Dort gemachte Funde geben sogar einer ganzen Geschichtsepoche ihren Namen - der Hallstattzeit (800-450 v. Chr.). Seit mindestens 700 v. Chr. wird Salz in Hallstatt in großen Mengen gewonnen. Der Weitertransport erfolgte dabei vielfach über den Wasserweg der Traun. Der Fluss hatte jedoch seine Tücken. Der Oberlauf von Hallstatt bis Ebensee war wild, der Unterlauf von Gmunden bis zur Donau teilweise seicht. Zudem bildeten der Wilde Laufen (im Oberlauf) und der Traunfall (im Unterlauf) schwierige Schifffahrtshindernisse. Um das 4. Jhdt. v. Chr. wurde das Hallstätter Bergbaugebiet durch einen gewaltigen Bergsturz verschüttet. Infolge kam wahrscheinlich der dortige Salzabbau zum Erliegen. Das dürfte auch der Anlass gewesen sein, um den Dürrenberg in Hallein als neues Hauptabbaugebiet zu erschließen. Erst im 14. Jhdt. ist in Hallstatt wieder Salzgewinnung belegbar. Ihre Blütezeit folgte im 16. Jhdt., als die Habsburger den ausländischen Salzimport in die österreichischen Erblande zugunsten der habsburgischen Salzproduktion im Salzkammergut stoppten. Damals begann auch der Ausbau der Traun als Schifffahrtsweg. Die Traun - ein Fluss mit großer Vergangenheit!

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(Stift St. Florian - „Ein kunstvoller Ort der Wissenschaft“) Das Stift St. Florian gehört zu den schönsten Barockklöstern Österreichs! Einzigartig ist dabei der durchgängige Baustil. Mehr dazu erfahren Sie auf der Kulturreise an der Donau „Habsburger & Barock“. Das Kloster dürfte im Zuge einer Verehrungstradition über dem Grab des Hl. Florian erbaut worden sein. Der Heilige wurde im Jahr 304 in Lauriacum (Enns) ertränkt, nachdem er sich geweigert hat, dem Christentum abzuschwören. Im Jahre 1071 übernahmen schließlich die Augustiner-Chorherren das Stift und widmen sich hier seither der Seelsorge, der Kunst, der Kultur und der Wissenschaft. So entstanden ein Hospiz und eine Klosterschule. Bekannt ist vor allem die Florianer Buchmalerschule in der im 13./14. Jhdt. zahlreiche kostbare Handschriften mit Miniaturbildern entstanden sind. Noch heute dient die wundervolle Stiftsbibliothek - sie gehört zu den ältesten und schönsten Österreichs - der wissenschaftlicher Arbeit als Quelle und Inspiration. Seine Blütezeit erlebte das Kloster im 17. und 18. Jhdt., als der Sieg über die Türken vor Wien (1683) auch der Fürsprache des Hl. Florians zugesprochen wurde. Der habsburgische Kaiser Leopold I. kam daraufhin in Dankbarkeit nach St. Florian an das Grab des Heiligen. Das wurde zum Anlass genommen, um das Kloster samt Kirche neu zu errichten. So entstand von 1686-1751 eines der schönsten Barockklöster Österreichs! Weitere Besonderheiten: die Grabstätte des Hl. Florian befindet sich in der Krypta der Stiftskirche; die Grabstätte des weltberühmten Orgelvirtuosen und Komponisten Anton Bruckner befindet sich unter der mächtigen Bruckner-Orgel in der Stiftskirche; die Bruckner-Orgel ist eine der prächtigsten Orgeln Österreichs; die weltberühmten Florianer Sängerknaben, … Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Augustiner Chorherrenstift St. Florian, Stiftstraße 1, 4490 St. Florian Stiftsbasilika täglich 06.30-18.00 (19.00 bzw. 20.00) Uhr Führungen Mai-Oktober täglich 11, 13, 15 Uhr www.stift-st-florian.at 1-2 Stunde

Enns - „Die älteste Stadt Österreichs“ Enns ist ein Erlebnis für sich! Die mittelalterliche Stadt liegt erhaben auf einem sanft in die Donauebene auslaufenden Geländerücken, rund 4 Kilometer von der Enns-Mündung in die Donau entfernt. Enns wurde bereits im Jahre 1212 zur Stadt erhoben und gilt als älteste Stadt Österreichs! Das Ennser Wahrzeichen ist der weithin sichtbare, 60 m hohe Stadtturm im Zentrum des malerischen Hauptplatzes. Der mächtige freistehende Turm erinnert dabei ein wenig an den Markusplatz in Venedig. Die prachtvollen Fassaden der historischen Altstadt erzählen von Reichtum und Wohlstand durch Handel. Der Handel des Mittelalters war streng reglementiert. So erhielten die landesfürstlichen Städte und Märkte Stapelrechte für bestimmte Waren. Durchziehende Kaufleute mussten dabei diese Waren am privilegierten Ort für eine bestimmte Zeit zum Kauf anbieten, ehe sie weiterreisen durften. Meist war das Stapelrecht auch mit einem Umschlagsrecht gekoppelt.

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Dabei mussten die Waren von den bisherigen Transportmitteln abgeladen und auf Transportmitteln der Stadt weiterbefördert werden! Enns hatte dieses Stapelrecht für Salz, Steyr für Eisen und Holz, Linz für Salz, Freistadt für alle Waren im Handel mit Böhmen, ... Zusätzlich wurde durch Straßenzwang der Handel auf jene Land- und Wasserstraßen gelenkt, an denen die landesfürstlichen Städte und Mautstätten lagen. Entlang der Donau befanden sich solche Mautstationen in Engelhartszell, Linz, Mauthausen und Sarmingstein. Der Straßenzwang betraf im Land ob der Enns, der Keimzelle des heutigen Oberösterreichs, aber auch die Wasserstraßen. So durfte nur an bestimmten Hafen- und Landeplätzen, Ladstätten genannt, angelegt werden. Die Stadt Enns wurde so zum Hauptumschlagplatz für das Salz aus dem Salzkammergut donauabwärts. Das Hallstätter Salz kam auf kleinen, wendigen Schiffen, den Trauner(-Plätten), über den Traunfluss nach Enns und wurde hier auf große Donauschiffe umgeladen. Interessant ist dabei der anfängliche Gebietsschutz des Salzhandels. So durfte 1398 nördlich der Donau nur Salzburger Salz und südlich der Donau nur Hallstätter Salz verkauft werden. Tipp: Bei einem Rundgang durch die schmucke Altstadt können Sie mittelalterliche Architektur vom Feinsten entdecken. Viel Spaß!

- Stadtturm Enns - „Ein selbstbewusstes Wahrzeichen“ Mächtig dominiert der Stadtturm von Enns nicht nur den malerischen Stadtplatz, sondern auch die umliegende Landschaft. Es drängt sich die Frage nach dem „Wieso“ dieses freistehenden Turmes auf. Die Lösung ist ganz einfach: Im Jahr 1553 wurden die Pfarrrechte von der Kirche St. Laurenz (liegt bereits in der Donauebene) auf die Minoritenkirche (die heutige Stadtpfarrkirche St. Martin in der Altstadt) übertragen. Dort fehlte jedoch ein Kirchturm. Die Minoriten, ein strenger Bettelorden, hatten beim Bau der Kirche aufgrund ihrer Armutsideale darauf verzichtet. Die Bevölkerung wandte sich darauf an König Ferdinand mit dem Wunsch, ersatzweise einen Glocken- und Wachturm am Hauptplatz errichten zu dürfen. Der Wunsch wurde abgelehnt. Die selbstbewussten Ennser Bürger begannen dennoch 1564 mit dem Bau des Turmes. Erst Kaiser Maximilian II., der Nachfolger Ferdinands, erlaubte den Bau letztendlich offiziell. Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1568. Ein aufmerksamer Blick auf die prächtige Uhr des Stadtturmes verrät uns, dass „Zeit“ hier in Enns eine ganz besondere Rolle spielt. Schon erkannt, was gemeint ist? Die Auflösung finden Sie im Anhang. Tipp: Vom Stadtturm eröffnet sich ein grandioser Blick über Enns und das wellige Umland das Traun-Enns-Riedelland! Dabei auch auf die Teile der Stadtmauer und deren sechs Wehrtürme achten. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stadtturm Enns, Hauptplatz, 4470 Enns Mai-Oktober täglich 08.00-20.00 Uhr November-April täglich 09.00-18.00 Uhr www.tse-enns.at 15-20 Minuten

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- Stadtmauer - „Von Türmen, Mauern und Zwingern“ Auf dem Weg durch die Altstadt von Enns entdecken wir immer wieder Reste der ehemaligen Stadtbefestigung. Der Bäckerturm ist einer von 6 Wehrtürmen der Stadtmauer, die heute noch vorhanden sind. Einst war die Stadt durch eine äußere und eine innere Ringmauer mit 15 Türmen und 4 Stadttoren geschützt. Dazwischen befand sich ein Zwinger mit Graben und Wall. Die Befestigungsanlage wurde 1193 errichtet und bis ins 17. Jhdt. immer wieder ausgebaut. In der Mitte des 19. Jhdts. wurden schließlich die Stadttore und die Ringmauer bis auf die heutigen Reste im Zuge der städtebaulichen Entwicklung geschliffen. Jetzt stellt sich die Frage: „Was ist ein Zwinger?“ Ein Zwinger ist ein einer Wehranlage vorgelagertes System aus Mauern, das die Bewegungsfreiheit des Angreifers einschränkt und gleichzeitig den Verteidigern gute Möglichkeiten bietet, auf den Angreifer einzuwirken. Die meisten Wehranlagen wurden erst nachträglich mit dieser architektonischen Wehrtechnik ausgestattet.

(- Museum Lauriacum - „Ein Mittelalter-Geheimtipp“) Das Museum Lauriacum ist eine der bedeutendsten römischen Schausammlungen Österreichs und erzählt sehr kurzweilig von der großen römischen Vergangenheit der Stadt. Weniger bekannt ist hingegen der wundervolle mittelalterliche Abschnitt der Ausstellung - ein verborgenes Mittelalter-Highlight! Tipp: Wer Zeit hat, sollte das Museum besuchen! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Museum Lauriacum, Hauptplatz 19, 4470 Enns April-Oktober Di-Fr 10.00-17.00; Sa, So 10.00-12.00 und 14.00-16.00 Uhr November-März So 10.00-12.00 und 14.00-16.00 Uhr www.museum-lauriacum.at 30 Minuten (nur Mittelalterausstellung)

Mauthausen - „Maut, Salz & Granit“ Der historische Markt Mauthausen liegt am Donaustrom direkt gegenüber der Ennsmündung. Die prächtige barocke Uferzeile und der schmucke Ortskern erzählen Wohlstand durch Maut, Salz und Granit - einfach sehenswert! Heute fast vergessen, kreuzten sich hier einst mehrere Handelsrouten: die Donauschifffahrt verband West und Ost, das begehrte Salz des Salzkammergutes kam die Traun herunter, das legendäre Eisen des steirischen Erzberges wurde die Enns herab transportiert und die zweite wichtige Salzstraße nach Böhmen (neben Linz) startete hier. Diese günstige Lage verhalf dem Ort über Jahrhunderte zu Bedeutung und Wohlstand. Maut war, wie der Ortsname schon vermuten lässt, das ursprüngliche Kerngeschäft. Ende des 10. Jhdts. gründeten die Babenberger eine Mautstätte. Damit verbunden waren auch besondere Privilegien wie eigene Marktordnung, Stapelrecht, Straßenzwang und niedere Gerichtsbarkeit. Das Mautgeschäft war jedoch nicht immer ungefährlich. So ließ Kaiser www.donau-oesterreich.at


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Friedrich I. Barbarossa im Jahre 1189 ganz Mauthausen einäschern, da die Mautstelle von den Kreuzfahrern Wegezoll kassieren wollte, obwohl von den Babenbergern Mautfreiheit zugesichert war. Große wirtschaftliche Bedeutung hatte Mauthausen jedoch seit jeher als Zwischenstation im Salzhandel. Diese steigerte sich ab dem Jahr 1530, als die Habsburger den ausländischen Salzimport in die österreichischen Erblande zugunsten der habsburgischen Salzproduktion im Salzkammergut stoppten. Damit musste auch das salzlose Böhmen großteils mit heimischem Salz versorgt werden. Dieses kam auf kleinen, wendigen Schiffen die Traun herunter und wurde auf der Donau weiter nach Mauthausen oder Linz geschifft. Von dort transportierten Pferdefuhrwerke das Salz über Freistadt nach Budweis. Der beschwerliche Transport durch das Mühlviertel verteuerte natürlich das Produkt enorm. So wurde Jahrhunderte später 1832 die Pferdeeisenbahn Budweis-Linz in erster Linie wegen des wichtigen Salztransports eröffnet. Von der glorreichen Zeit des Salzhandels zeugen in Mauthausen noch heute die prächtigen barocken Fassaden der Uferzeile und der versteckte Salzturm. Der zweite große Aufschwung erfolgte nach dem Niedergang des Salzhandels. Granit brachte nun den Wohlstand. So waren in Mauthausen zur Blütezeit im 19. Jhdt. bis zu 1.200 Steinarbeiter mit dem Granitabbau beschäftigt. Die hohe Granitkompetenz der hiesigen Steinmetze zeigt sich uns heute noch in den zahlreichen und vor allem wundervollen Granitarbeiten im Ortskern von Mauthausen. Granitkunst in höchster Perfektion! Tipp: Unbedingt einen Ortsrundgang machen und auf den vielfältigen Detailreichtum der Granitkunst achten! Marktbrunnen, Pranger, Kirchentreppe, Türumrahmungen, Radabweiser an Hausecken, Pflasterungen, …

(- Schloss Pragstein - „Wasserschloss ohne Wasser!“) Das kleine Schloss Pragstein wurde 1506 auf einer dem Ufer vorgelagerten Donauinsel als Wasserschloss errichtet. Zugänglich war die Anlage nur über eine Zugbrücke. Eine architektonische Besonderheit entdecken wir auf der Westseite des Gebäudes: diese Gebäudeseite ist zugespitzt! Damit sollten Hochwasser bzw. Treibeis geteilt und am Schloss vorbeigeleitet werden. Später im 19. Jhdt. wurde schließlich der uferseitige Donauarm zugeschüttet. Architektur lesen lernen!

Fahrt durch das Machland - „Die Donau - Segen und Fluch“ Kurz nach Mauthausen weitet sich das Donautal zu einem breiten Becken - dem Machland. Ein buntes Mosaik aus weitläufigen Feldern. Die Siedlungen liegen meist am Rand der Ebene. Ein Gefühl der Weite entsteht. Und der Donaustrom versteckt sich in der Ferne hinter urigen Auwäldern. Er erinnert still daran, dass es sein Land ist, Schwemmland. Von Zeit zu Zeit zeigt er es auch deutlicher - mit Hochwasser. So nebenbei! Das Machland gehörte zum Kernland von Ostarrichi. Diese Tatsache und die Verwandtschaft der Herren von Machland mit ihren babenbergischen Landesherren führten dazu, dass das Wappen der Machländer zum Wappen des Landes ob der Enns - dem heutigen Oberösterreich - wurde. Wer hätte das gedacht?

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Machlanddamm - „Technikwunder im Einklang mit der Natur“ Leben mit der Donau heißt auch immer Leben mit dem Hochwasser. Mitterkirchen stand dabei in den Jahren 1342, 1501, 1899, 1954, 1965, 1975, 1981, 1985, 1991 und 2002 unter Wasser. Bereits im Jahr 1993 wurde das Jahrhundertprojekt „Machlanddamm“ mit „Objektschutz vor 100-jährigen Hochwasserereignissen“ beauftragt. Durch das Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 musste das komplette Projekt kurz vor seiner Einreichung zur Umweltverträglichkeitsprüfung gänzlich neu überarbeitet werden. Im Jahr 2012 wurde schließlich, fünf Jahre früher als geplant, der letzte wichtige Abschnitt fertiggestellt. Das größte (!) Hochwasserschutzprojekt Österreichs schützt nun in den betroffenen Gemeinden Mauthausen, Naarn, Mitterkirchen, Baumgartenberg, Saxen, Grein und St. Nikola mehr als 1.000 Häuser. Dazu wurde ein ausgeklügeltes System aus Dämmen, Überflutungsbereichen, Pumpwerken und mobilen Elementen installiert. Diese Schutzbauten treffen wir in den obigen Gemeinden entlang des Donauradweges immer wieder an. Weitere technische Informationen finden Sie unter www.machlanddamm.at . Zum Nachdenken! Betrachten Sie die Jahresfolge der Hochwasser von Mitterkirchen noch einmal in Ruhe. Fällt Ihnen dabei etwas auf? Auflösung siehe Anhang.

(Burg Clam - „Wo Geschichte lebt!“) Die Burg Clam gilt als eine der best erhaltenen Burgen Österreichs! Mächtig steht sie auf einem Granitmassiv oberhalb der Klamschlucht und ist weithin im Mühlviertler Hügelland sichtbar. Ihre Besonderheit: Sie ist voll möbliert und bewohnt! Im Jahre 1149 wurde die Burg von Otto von Machland (=Stifter von Stift Baumgartenberg und Stift Waldhausen) erbaut. Seit 1454 ist sie im Privatbesitz der Grafen von Clam und wird von der Familie nach wie vor bewohnt! In Kriegszeiten diente sie als Fluchtburg, erobert wurde sie allerdings nie. Der Markt Klam wurde hingegen bei den diversen Belagerungen der Burg mehrfach eingeäschert. Mit den Jahren wandelte sich die Verteidigungsanlage in die heutige Wohnburg. Weitere Besonderheiten der Burg: die Porzellansammlung zeigt wundervolle Exponate herrschaftlicher Lebensart; die originale Burgapotheke; das Weltreisemuseum, ... Tipp: Eine Burgführung lohnt sich! Sie eröffnet nicht nur neue Zugänge zum Mittelalter, sondern besticht auch durch den persönlichen Bezug der hier lebenden Familie Clam. Wo Geschichte lebt! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Burg Clam, Sperken 1, 4352 Klam 01. Mai- 31. Oktober; täglich 10.00-16.30 www.burgclam.com 1 Stunde (inkl. Führung)

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Tag 4: Dienstag „Durch den legendären Strudengau nach Melk“ Grein - „Das Tor zum Strudengau“ Das mittelalterliche Städtchen Grein ist einer der idyllischsten Donauorte dieser Reise! Im waldreichen Donauengtal gelegen, erzählt es mit kunstvollen Fassaden und herrschaftlichem Schloss von Wohlstand durch die Donauschifffahrt. Kein Wunder war Grein doch lange Zeit das Tor zum legendären Strudengau! Bereits im Jahre 1491 wurde Grein zur Stadt erhoben und ist damit die drittälteste Stadt des Mühlviertels. Der Wohlstand der Stadt begründete sich auf ihrer günstigen Lage an einer flachen Bucht am Außenufer einer Donaubiegung. Hier befand sich die letzte sichere Anlegemöglichkeit vor den gefährlichen Struden (= Strudel) des Strudengaus, einst die gefährlichste Schifffahrtspassage des gesamten Donaulaufes! In Grein nahm man ortskundige Lotsen an Bord, um die Schiffe sicher durch die Struden zu bringen. Häufig wurden hier auch die Schiffe entladen, damit die Gefahrenstellen mit weniger Tiefgang bewältigt werden konnten. Die Waren folgten auf dem Landweg und wurden nach den Struden wieder auf die Schiffe verladen. Die Stadt blühte so als Versorger für die Donauschifffahrt und als Umschlagplatz für das Mühlviertler Hinterland auf. Das Ladstattrecht, das Stegrecht und das Schifffahrtsrecht schufen weitere Wettbewerbsvorteile: Dadurch durften nur Greiner Einwohner auf der Donaustrecke zwischen Neheim (Perg) und Werfenstein (St. Nikola) Waren auf- und abladen bzw. Schifffahrt betreiben. Die detailreichen Fassaden, prächtigen Erker und schönen Arkadenhöfe im Stadtkern zeugen noch heute von dieser glorreichen Epoche. Grein wurde damals auch das „goldene Städtchen“ genannt. Mit der Einführung der Dampfschifffahrt 1873 verlor die Stadt nach und nach seine wichtigste Erwerbsquelle. So begann man schon Mitte des 19. Jhdts., auf den Fremdenverkehr zu bauen. Tipp: Ein Rundgang durch das goldene Städtchen lässt die historische Donauschifffahrt wieder erwachen. Dem Strudelgau auf der Spur!

- Schloss Greinburg - „Schloss statt Burg - ein Wandel“ Schloss Greinburg ist ein verborgenes Architektur-Highlight des österreichischen Donauraums! Das prachtvolle Bauwerk gilt als einer der ersten Schlossbauten des deutschsprachigen Raumes. Trotzdem der Name anderes vermuten lässt, wurde die Anlage nicht erst nachträglich umgebaut, sondern war von Anfang an als Schloss konzipiert. Schloss Greinburg zeigt somit einen epochalen Umbruch des Funktionsanspruches an Herrschaftsbauten - vom Wehrbau zum Repräsentationsbau! Der Repräsentationsgedanke spiegelt sich auch in einem sehr seltenen, spätgotischen Diamantgewölbe und einem der schönsten Renaissance Arkaden-Innenhöfe wider. Beides architektonische Meisterleistungen! Tipp: Eine Schlossbesichtigung lohnt sich! Nicht nur wegen der architektonischen Highlights, sondern auch wegen dem „Oberösterreichischen Schifffahrtsmuseum“, das im Schloss untergebracht ist. Wir erinnern uns: Modell vom Traunfall, ... Adresse:

Schloss Greinburg, Greinburg 1, 4360 Grein

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01. Mai- 26. Oktober; täglich 09.00-17.00 www.schloss-greinburg.at 1-2 Stunden

(Burg Kreuzen - „Fluchtburg mit Panoramablick“) Die Burg Kreuzen steht im Aist-Naarn-Kuppenland erhaben auf einem auslaufenden Höhenrücken, der steil in die sagenumwobene Wolfsschlucht abfällt. Sie war einst die zweitgrößte Wehranlage Oberösterreichs! Die eindrucksvolle Festung wurde um 900 als Fluchtburg erbaut und bestand ursprünglich aus zwei Teilen. Um 1594 zählte die Burg zu den Bollwerken des Machlandes gegen die Türken. Im Jahr 1682 floh schließlich sogar Kaiser Leopold II. hierher - vor der Pest in Wien. 1880 wurde sie durch einen Brand zerstört. Letztendlich kaufte sie der Fremdenverkehrsverband Kreuzen im Jahr 1974, baute sie teilweise neu auf und errichtete eine Jugendherberge. Heute besticht diese durch eine innovative Kombination von historischen Mauern und moderner Architektur! Tipp: Sie sollten unbedingt den grandiosen Panoramablick vom Bergfried der Burg genießen! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Burg Kreuzen, Neuaigen 14, 4362 Grein täglich www.burg-kreuzen.at 20-30 Minuten (inkl. Bergfried)

Fahrt durch den Strudengau - „Gefürchtet & Entschärft!“ Tief hat sich die Donau zwischen Grein und Ybbs durch die waldreichen Berge gegraben. Die Landschaft ist ruhig und beschaulich. Ein friedvolles Gefühl stellt sich ein. Dem Wissenden offenbaren sich jedoch verborgene Zeichen, die anderes erzählen. Wir sind hier im legendären Strudengau! Der Name Strudengau leitet sich von Struden (= Strudel) ab. Befand sich doch hier einst der gefährlichste Schifffahrtsabschnitt des gesamten Donaulaufes. Die Greiner Bucht bot die letzte sichere Anlegemöglichkeit. Dann begann die tosende Hölle. Bereits kurz nach dem Ende der heutigen Uferpromenade in Grein markiert das markante Halterkreuz die erste Gefahrenstelle. An der Mündung des Gießenbaches (= Stillensteinklamm) in die Donau begann der gefährlichste Abschnitt des Strudengaus. Auch dort weist auf der gegenüberliegenden Insel Wörth ein markantes Kreuz auf die Gefahr hin. Die Insel teilte den Donaustrom. Der rechte Donauarm war versandet und nur bei Hochwasser zu fahren. Die Wassermassen drängten sich so mit hoher Geschwindigkeit durch den linken Donauarm. Gefährliche Felsen ragten dort aus dem Wasser, bildeten starke Wirbel und tückische Stromschnellen. Kurz nach der Burg Werfenstein kamen die mächtigsten Wasserstrudel! Sie gaben dem Ort Struden (= Strudel) auch seinen Namen. Zahlreiche Schiffe und Schiffsleute verunglückten hier. Zumeist wurden die Ertrunkenen und die Verunglückten in der „Friedhofslacke“, einer Bucht am Nordufer mit Kehrwasser (= Gegenströmung), angeschwemmt. In St. Nikola war die Gefahr - dem Hl. Nikola sei Dank - überstanden. Nur allzu gern zahlten die Schiffsleute den Pflichtobolus für die Erhaltung des örtlichen DonaufahrerSpitals, des Treppelweges und die Bestattung für ertrunkene Unbekannte.

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Im Jahr 926 ertrank in diesen reißenden Fluten der Freisinger Bischof Dracolfus. Zu späterer Zeit mussten die Heere der Kreuzfahrer diese Passage meistern. Und 1854 fuhr hier sogar die neue kaiserliche Donauyacht „Adler“ mit Kaiser Franz Josef I. und seiner Sisi an Bord in eine Havarie. Heute alles kaum mehr vorstellbar - viele der Hindernisse wurden im 18. und 19. Jhdt. beseitigt. Im Jahr 1955 versenkte schließlich das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug die Struden endgültig in den tiefen Wassern seines Rückstaus. Mehr zur historischen Donauschifffahrt finden Sie im Anhang. Tipp: Im Schifffahrtmuseum in Spitz zeigen historische Landkarten sehr plastisch die einstigen Gefahrenstellen des Strudengaus. Zudem geben Stiche einen Einblick in die gefährliche Arbeit der Beseitigung der Donauhindernisse. Allessamt sehr spannend!

Stift Melk - „Von der Residenzburg zum Klosterpalast“ Das weltberühmte Benediktinerstift Melk ist das Wahrzeichen des UNESCO-Welterbes Wachau! Imposant thront die mächtige Klosteranlage auf einem 60 m hohen Felsrücken über der Donau. Berühmt ist das Stift für seinen monumentalen Palastcharakter und Barockkunst in höchster Perfektion. Ein unvergessliches Gesamtkunstwerk! Auf den Spuren der mittelalterlichen Faszination der Donau legen wir unser Hauptaugenmerk auf die Anfangszeit dieses einzigartigen Stiftes. Im Jahr 976 belehnt Kaiser Otto II. seinen treuen Gefolgsmann Leopold I. als Markgraf mit dem Gebiet des späteren „Ostarrichi“ (=Österreich). Leopold I. erhob die Burg Melk zur Babenberger-Residenz, welche sie für ein Jahrhundert bleiben sollte. Im Jahre 1089 stiftet Markgraf Leopold II. die Burg Melk den Benediktinermönchen, damit diese darin ein Kloster einrichten. Er selbst verlegte seine Residenz nach Gars. Obwohl das Stift sehr wechselhafte Zeit durchlebte, wurde es nie aufgelöst und befindet sich noch heute in Obhut der Benediktiner. Bereits im 12. Jhdt. (!) wird von Schulbetrieb und einer Schreibstube mit bedeutender Bibliothek berichtet. Man glaubt es kaum, aber das Stiftsgymnasium Melk ist somit die älteste noch bestehende Schule Österreichs! Aber auch die Bibliothek durfte über Jahrhunderte hindurch wachsen. Im 15. Jhdt. ging von Melk aus eine der bedeutendsten Klosterreformen des Mittelalters durch die Lande. Später im 18. Jhdt. wollte man schließlich seinen geistigen und geistlichen Führungsanspruch auch baulich manifestieren. Und so beauftragte man den bedeutendsten österreichischen Barockbaumeister - Jakob Prandtauer. In den Jahren 1702-1736 schuf er sein Meisterwerk. Ein barockes Gesamtkunstwerk, das heute noch weltweit Begeisterung hervorruft! Verborgene Besonderheiten: - Das Melker Kreuz: Eine kunstvolle Kreuzreliquie, die im Mittelalter eine der bedeutendsten Kleinodien des Landes war! - Die Gebeine des Hl. Koloman im Glassarg in der Stiftskirche. - Die altehrwürdige Stiftsbibliothek (Exkurs „Bibliotheken im Mittelalter“ siehe Anhang).

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- Die beiden Basteien (Wehrtürme) am Zugang zum Klosterfelsen sind untypisch für ein Kloster. Sie erinnern an den ursprünglichen Wehrauftrag der Anlage. Im Stiftsmuseum zeigt ein schönes Modell den Aufbau der ursprünglichen Festungsanlage. - ... Tipp: Eine Stiftsführung bietet einen schönen Überblick über die vielfältige Faszination dieses größten Barockklosters Österreichs! Was einst als Burg begann ... Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stift Melk, Abt-Berthold-Dietmayr-Straße 1, 3390 Melk Mai-September: täglich 09.00-17.30 Uhr (Einlass bis 17.00 Uhr) März,April, Oktober: täglich 09.00-16.30 Uhr (Einlass bis 16.00 Uhr) www.stiftmelk.at 1-2 Stunden (ohne Stiftspark)

Fahrt durch die Wachau - „Eine Welterbe-Landschaft“ Zwischen Melk und Krems hat sich der Strom auf rund 30 km Länge tief in die Böhmische Masse eingegraben. Dieses letzte Durchbruchstal der österreichischen Donau ist wohl auch deren berühmteste Landschaft - die Wachau! Ihre Faszination ist sehr vielschichtig: die urigen Waldflanken, der liebliche Talboden, der berühmte Weinbau, die alten Wehrkirchen, die sagenumwobenen Burgen, ... Kein Wunder also, dass sie zum UNESCO-Welterbe gekürt wurde. Die Wachau ist vieles, aber keine schnelle Landschaft. Eine Landschaft für die Seele. Darum Mut zu Langsamkeit und zum Genießen!

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Tag 5: Mittwoch „Durch die vielbesungene Wachau“ Burg Aggstein - „Raubritter & Burgarchitektur“ Die sagenumwobene Burgruine Aggstein ragt auf einem Felssporn rund 300 Höhenmeter über der Donau in den Himmel. Die langgestreckte Anlage begeistert mit spannenden Einblicken in die Architektur einer Burganlage und wundervollen Blicken über das Donautal. Kaum verwunderlich, dass sie zu den berühmtesten Ritterburgen Österreichs gehört. Ein Highlight dieser Reise! Die Wehranlage soll im 12. Jhdt. gegründet worden sein. 1181 kam sie in den Besitz der Kuenringer, einem Ministerialengeschlecht, das sich um die Kolonisierung des Waldviertels verdient gemacht hat. Bei der Burg handelte es sich damals um ein bayerisches Lehen. Infolge standen die Kuenringer des Öfteren in Opposition zu den österreichischen Herzögen. 1355 starb das Geschlecht der Kuenringer aus und die Burg verfiel. Im Jahr 1429 belehnte Herzog Albrecht V. von Österreich seinen Kammermeister Jörg Scheck von Wald mit der Burg. Sein Auftrag: der Wiederaufbau der Festung und die Sicherung der Donauschifffahrt. 1438 erhielt dieser auch das Mautrecht als Gegenleistung für die Instandhaltung des Treppelweges. Sein Mautrecht setzte er so vehement durch, dass er bald im Ruf eines Raubritters, genannt Schreckenwald, stand. Der Sage nach soll Scheck auch Schiffe geplündert und Gefangene, für die kein Lösegeld bezahlt wurde, im berüchtigten Rosengärtchen der Burg ausgesetzt haben. Dort konnten diese entweder verhungern oder in den Tod springen. Mehr erfahren Sie vor Ort ... Auch darauf sollten Sie achten: - Die Wasserversorgung ist für den Wehrauftrag einer Burg grundlegend. So war diese bei der Standortwahl natürlich ein wichtiges Kriterium. Hier auf Burg Aggstein erfolgte die Wasserversorgung über einen Brunnen (bedenken Sie dabei den physikalischen Widerspruch von Brunnen und Felssporn), der später durch Zisternen ergänzt wurde. - An den Außenmauern der Festung können Sie einige sehr gut erhaltene Abtritterker (= mittelalterliche Toilettanlagen) sehen. - In der Schmiede erinnert eine Fensternische mit Sitzbank daran, dass Licht in mittelalterlichen Burgen Mangelware war. Die einfachste Abhilfe schafften solche Sitzgelegenheiten am Fenster. - In der Burgkapelle können Sie sehr schön sehen wie die Räumlichkeiten hinter einem (Spitzbogen-)Gewölbe aussehen. - Der Sichtschlitz vom Palas (= repräsentatives Wohngebäude) in die Kapelle ist in dieser Form eine Rarität. - Im Frauenturm können Sie erkennen, wie der Innenausbau einer Burg erfolgte - mittels Holzkonstruktionen. Man sieht dort die Mauerlöcher für die Deckenbalken. Bei dieser Art von Löchern wurden die Balken bereits beim Mauerbau eingesetzt. Die Geschosse waren übrigens vielfach noch durch Zwischenwände unterteilt. - Der im wahrsten Sinne des Wortes sagenumrankte Rosengarten. - Ein klassischer Bergfried fehlt. Die turmartige Kernburg übernimmt dessen Funktion: hoch gelegener Eingang, Wurferker, ... - ...

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Tipp: Sie können vor Ort einen Audioguide ausleihen, der Ihnen hilft, die verborgenen Besonderheiten der Burganlage leichter zu entdecken. Viel Spaß dabei! Adresse: Öffnungszeiten:

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Burgruine Aggstein, 3641 Aggsbach Dorf März-Mai: täglich 09.00-18.00 Uhr Juni-August: täglich 09.00-19.00 Uhr September-Oktober: täglich 09.00-18.00 Uhr November: Sa, So 09.00-17.00 Uhr www.ruineaggstein.at 1-2 Stunden (je nach Detailinteresse)

Kirche St. Michael - „Die wehrhafte Mutterkirche der Wachau“ Kurz nach Spitz fällt in einer Engstelle, wo sich die Talflanke und der Donaustrom fast berühren, eine wundervolle Wehrkirche auf - die Kirche St. Michael. Sie ist die älteste Kirche der Wachau und die Mutterkirche des Umlandes! Aber der Reihe nach: An dieser Stelle soll sich einst ein heidnischer Kultplatz befunden haben. Karl der Große ließ 800 darüber eine Kapelle errichten. Die erste (Pfarr-)Kirche „St. Michael“ wird urkundlich im Jahr 987 erwähnt und gehörte damals zum Bistum Passau. Die Passauer Bischöfe ließen übrigens im Zuge ihrer Missionstätigkeit sehr gerne heidnische Kultplätze durch symbolstarke Michaelskirchen überbauen - einfach mal darauf achten! Um das Jahr 1300 waren in St. Michael schon vier Geistliche beschäftigt, was die Wichtigkeit dieser Urpfarre sehr schön belegt. Die interessante Wehranlage entstand in späterer Zeit aus Angst vor den Türken. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Filialkirchen von St. Michael eigenständige Pfarren und überflügelten schließlich deren Mutterkirche. Heute erkennt nur wer die Historie kennt, die wahre Bedeutung dieses wehrhaften Kirchleins. Sie sollten auch auf die architektonischen Besonderheiten achten: - Der heutige Kirchenbau im spätgotischen Stil stammt von 1500-1530. - Den gotischen Kirchturm krönen Schmuckzinnen (!) im Renaissancestil. - Der gotische Karner (= Beinhaus) stammt aus dem Jahr 1395. - ... Tipp: Ein kurzer Rundgang lässt in die kirchliche Gründungszeit der Wachau eintauchen! Zwei Informationstafeln weisen dabei auf weitere verborgene Besonderheiten hin. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Wehrkirche St. Michael, St. Michael, 3610 Weißenkirchen April-Oktober: Mo-Fr 09.00-17.00 Uhr So, Fei 09.00-12.00 Uhr und 13.00-17.00 Uhr www.weissenkirchen-wachau.at 15-30 Minuten

Lesehöfe - „Jedem Kloster seinen Weinhof“ Die Faszination „Wachau“ ist untrennbar mit den idyllischen Weingärten und deren köstlichen Produkten verbunden. Die Römer brachten die Kunst der systematischen Weinerzeugung in die Wachau. Kein Wunder, galt bei diesen doch Wein als Grundnahrungsmittel und die Transportwege aus der Heimat

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waren weit. Mit dem Ende der römischen Herrschaft brach auch der Weinanbau zusammen. Erst unter dem mächtigsten Kaiser des Mittelalters - Karl dem Großen (747-814) - gewann die Weinproduktion wieder an Bedeutung. Er erließ 795 sogar eine eigene Weinbauverordnung die Rebsorten, Pflege, Recht, ... regelte und schuf auch ein Weinbaukataster. Im 11./12. Jhdt. setzte schließlich ein regelrechter Wettlauf der bedeutenden österreichischen und bayerischen Klöster um Weingärten in der Wachau ein. Die wirtschaftlichen Erträge des Weinanbaus waren einfach zu verlockend. So hatten um das Jahr 1300 bereits 31 Klöster (!) Besitzungen in der Wachau. Ihre Trauben ließen sie in eigenen Lesehöfen verarbeiten und den Wein dort lagern. Noch heute entdecken wir in vielen Wachauer Orten solche Lesehöfe, die nicht nur mit hervorragendem Wein, sondern auch mit prachtvoller Architektur begeistern. Landschaft lesen lernen!

Dürnstein - „Das Highlight der Wachau“ Das mittelalterliche Städtchen Dürnstein ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Wachau. Weltbekanntheit erlangte es durch die sagenumwobene Haft des englischen Königs Richard Löwenherz auf der Festung oberhalb der Stadt. Aber auch der idyllische Stadtkern ist einen Spaziergang wert. Die alte Stadtmauer, historische Fassaden, verwinkelte Gassen, ... laden zu einer Entdeckungstour ein. Ein verborgenes Kuriosum ist dabei die Kunigundenkirche. Sie wurde um 1200 erbaut und ist die älteste Kirche Dürnsteins. Im Jahre 1783 wurde deren Langhaus abgerissen, übrig blieb nur die Sakristei und der Turm. Der freigewordene Platz dazwischen wird seither als Friedhof genutzt! So etwas sieht man nicht alle Tage. Sie sollten aber auch dem Stift Dürnstein einen Besuch abstatten. Es wurde 1410 gegründet und entwickelte sich im 18. Jhdt. zu einem der Barock-Juwele der Wachau. Tipp1: Bei einem Stadtrundgang auch durch die kleinen Seitengassen gehen und auf die kleinen Details achten: Türfassungen, Erker, Pranger, ... ein Erlebnis! Tipp2: Vom Stadttor führt außerhalb der Stadtmauer ein spannender Mittelalterpfad hinauf zur Burgruine Dürnstein. Mehrere Stationen erlauben dabei interessante Einblicke in die mittelalterliche Welt von Dürnstein!

- Burgruine Dürnstein - „Die legendäre Haft von König Richard Löwenherz“ Die mächtige Burgruine Dürnstein ragt hoch über dem gleichnamigen Städtchen in den Himmel. Weltbekannt wurde die Festung da auf ihr der englische König Richard Löwenherz gefangen gehalten wurde! Der Geschichte dahinter: Während des Dritten Kreuzzuges (1189-1192) weigerte sich Richard Löwenherz nach der Eroberung von Akkon die Siegesbeute mit Herzog Leopold V. von Österreich zu teilen und soll auch dessen Fahne gefrevelt haben. Leopold V. ließ daraufhin Richard Löwenherz auf dessen Heimreise auf österreichischem Boden festnehmen und hielt ihn auf Burg Dürnstein (1193-1194) in ritterlicher Haft. Gegen das gewaltige Lösegeld von letztendlich 100.000 Mark Silber kam Richard Löwenherz wieder frei. Mit dem Geld ließ Leopold V. in Wien neue Stadtmauern errichten, Wiener Neustadt gründen, die Stadtmauern von Hainburg verstärken, ... Die Burgherren bauten mit ihrem Anteil Dürnstein aus. Zahlreiche Sagen und

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Legenden ranken sich um dieses Ereignis. Die spannenden Stationen des Mittelalterpfades von der Stadt hinauf zur Burg lassen die eigene Wahrheit finden. Viel Spaß dabei! So nebenbei! Die Burg Dürnstein wurde zwischen 1140-1145 von den Kuenringern erbaut. Während des Dreißigjährigen Krieges sprengten die Schweden im Jahre 1645 bei ihrem Abzug Teile der Festung. Das war der Anfang vom Ende - die einst stolze Burg verfiel. Tipp: Die Burgruine kann nur durch einen steilen Spaziergang erreicht werden. Aber alleine der herrliche Tiefblick in das Wachauertal ist schon den Aufstieg wert - einfach grandios! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Burgruine Dürnstein, 3601 Dürnstein Ganzjährig frei zugänglich www.duernstein.at 1-2 Stunden (mit Zu- und Abstieg; je nach Lesefreudigkeit)

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Tag 6: Donnerstag „Die Ebene beginnt“ Krems-Stein - „Im Fokus der mittelalterlichen Handelswelt“ Die historische Stadt Krems begeistert mit einer mittelalterlichen Altstadt, die ihres gleichen sucht! Heute fast vergessen, gehörte die Stadt im Mittelalter zu den bedeutenden Handelsstädten in Europa. Eigentlich ist sie ja eine Doppelstadt bestehend aus Krems und Stein. Krems wird bereits 955 namentlich erwähnt, Stein hingegen „erst“ 1072. Die beiden Städte ergänzten sich perfekt. So liegt Stein an der Donau und war Lande- bzw. Zollplatz für Schiffe. Baulich hatte es aber kaum Platz für ausreichend Handelsfläche. Krems hatte hingegen eine mächtige Burg und genügend freie Baufläche, jedoch keinen Zugang zur Donau. Aus den einzelnen Schwächen wurden gemeinsame Stärken. In Krems kann man übrigens heute noch gut die zahlreichen verschiedenen Märkte erkennen die kleinen Stadtplätze. Stadtbild lesen lernen! Zu internationaler Bedeutung verhalf Krems der Kreuzungspunkt zweier großer Handelsverbindungen. West-Ost verlief der Donauhandel. Nord-Süd reichte eine Handelsroute über Böhmen und Mähren bis nach Schlesien bzw. Polen. Um 1150 war Krems das wichtigste Handelszentrum im Österreich! Der Eintrag der Stadt in die Weltkarte des arabischen Gelehrten Al-Idrisi auf Augenhöhe mit Ulm, Regensburg, ... spricht Bände. 1462 erhielt man zusätzlich noch das Recht für den direkten Handel mit Venedig, ein Jahr später das Recht für den Bau einer festen Brücke. Es war nach Wien die zweite feste Brücke des österreichischen Donaulaufes! Ab dem 17. Jhdt. veränderte sich der Handel und damit seine Routen. Infolge ging auch die goldene Handelsära der Stadt langsam zu Ende. Heute ist Krems-Stein eine pulsierende Universitätsstadt und ein kulturelles Zentrum von Niederösterreich. Die Weltoffenheit von einst lebt weiter! Jetzt stellt sich noch die Frage: „Was wurde eigentlich gehandelt?“ Von internationaler Bedeutung war bis ins 19. Jhdt. der Handel mit Eisen und Eisenprodukten. Bis ins 18. Jhdt. wurde auch „Wachauer Safran“ exportiert ebenso wie Wein und natürlich der berühmte „Kremser Senf“, der hier seit dem 15. Jhdt. angebaut wird. Für die hiesige Bevölkerung waren hingegen Waren aus Nürnberg, Augsburg, Venedig, ... begehrenswert. Tipp: Krems-Stein ist ein Erlebnis für sich - Zeit nehmen, entdecken und genießen!

- museumkrems - „Eine Reise zurück ins Mittelalter“ Ein besonderes Highlight der Stadt ist das museumkrems! Es führt sehr kurzweilig durch die Historie der Stadt und offenbart viele der Besonderheiten, welche die Stadt im Mittelalter erblühen ließen: die Konstellation Krems-Stein-Mautern, der Kremser Pfennig (= die erste babenbergische Münze), die steinerne Donaubrücke, Weinanbau, Kremser Senf, ... So nebenbei! Das museumkrems ist in einem ehemaligen Dominikanerkloster untergebracht. Dieses wurde im 13. Jhdt. errichtet und lag damals noch vor der Stadtmauer. Im Jahr 1784 löste Joseph II. das Kloster schließlich im Zuge der Säkularisation auf. Was blieb, sind ungewöhnliche Räumlichkeiten: eine umgewidmete Klosterkirche, ein historischer Weinkeller, ... alleine diese sind schon einen Besuch wert!

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museumkrems, Körnermarkt 14, 3500 Krems an der Donau April-Juni; Mi-So, Fei 11.00-18.00 Uhr Juni-Oktober täglich 11.00-18.00 Uhr www.museumkrems.at 1 Stunde

- Rundgang durch die mittelalterliche Altstadt von Krems Ein Rundgang durch die wundervolle Altstadt von Krems lässt erahnen, welch überragende Bedeutung diese Stadt im Mittelalter hatte. Sie sollten dabei auch auf die architektonischen Details achten. Ein Routenvorschlag: Steinertor - Obere Landstraße - Untere Landstraße Wegscheid - Hoher Markt - Pfarrplatz - Körnerplatz - Steinertor. Tipp: Auf der Westseite des Steinertors bietet ein 3D-Stadtplan einen sehr guten Überblick über die Kremser Altstadt und deren Attraktionen. Weitere Informationen zum Stadtrundgang finden Sie unter www.krems.gv.at. Station 1: „Steinertor - Verteidigung & Hochwasserschutz“ Das Steinertor ist das einzige noch erhaltene Stadttor und zugleich auch das Wahrzeichen von Krems. Sein Mittelturm stammt aus dem 15. Jhdt. Die Stadtmauer diente übrigens nicht nur der Verteidigung, sondern auch als Hochwasserschutz. Mit der Donauregulierung im 19. Jhdt. wurde dieser nicht mehr benötigt und die Stadtmauer letztendlich geschliffen. Tipp: Im museumkrems erlaubt ein schönes 3D-Modell einen guten Überblick über die mittelalterliche Stadt und deren Wehranlage.

Station 2: „Rathaus Krems - Ein Ausflug in die Renaissance“ Kaum zu glauben, aber das Rathaus von Krems ist bereits seit dem 16. Jhdt. in Amt und Würde. Ein architektonisches Highlight ist dessen wundervoller Erker! Er zählt zum Schönsten, was die bürgerliche Renaissance in Krems hervorgebracht hat. Auf unserer Suche nach der Faszination „Mittelalter“ erlaubt dieser einen eindrucksvollen Blick auf den Stil der kunsthistorischen Nachfolgeepoche.

Station 3: „Gozzoburg - Ein mittelalterlicher Stadtpalast“ Die Gozzoburg zählt zu den bedeutendsten gotischen Profanbauten in Österreich! Im 13. Jhdt. ließ der Kremser Stadtrichter Gozzo einen Vorgängerbau zu diesem prächtigen Stadtpalast und Verhandlungsgebäude umbauen. Rund 5.000 m² (!) Nutzfläche, Wappensaal, zwei Kapellen, farbenprächtiger Wandmalereien, ... erzählen von Macht und Reichtum inmitten einer pulsierenden Handelsstadt.

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Ab dem Jahr 2006 wurde das Gebäude behutsam revitalisiert und beherbergt nun Büros. Die Gozzoburg kann während der Öffnungszeiten betreten werden. Ein Gebäudeplan und Informationsschilder weisen vor Ort auf die architektonischen Besonderheiten hin. Achten Sie auch auf die Gebäudehöhe, die verschachtelte Anordnung der Räumlichkeiten und die ungewöhnlich „krummen“ Außenmauern. Die empfindlichen Wandfresken können nur im Rahmen von personenbeschränkten Führungen bestaunt werden. Tipp: Öffentliche Führungen finden April-Oktober Fr, Sa, So und Fei um 14.00 Uhr statt. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Gozzoburg, Hoher Markt 11, 3500 Krems an der Donau Mi-So, Fei 09.30-17.00 Uhr www.gozzoburg.at 20-30 Minuten (ohne Führung)

Station 4: „Piaristenkirche - Eine spätgotische Hallenkirche“ Imposant ragt die Piaristenkirche über der Kremser Altstadt in den Himmel und dominiert das Stadtbild. Bereits im Jahr 1014 wird an dieser Stelle eine Kirche erwähnt - die erste Kirche von Krems. Sie war dem Patron des Bistums Passau, dem Heiligen Stephan, geweiht. Im 15. Jhdt. entstand schließlich die spätgotische Hallenkirche deren herausragende Handwerkskunst noch heute beeindruckt. Besonders auffällig sind die detailreichen Kapitellen, das feinmaschige Netzrippengewölbe und die Steinmetzzeichen. Aufgrund ihrer stilistischen Ähnlichkeit mit dem Schaffen der Wiener Dombauhütte wird die Kirche auch als die „kleine Schwester des Wiener Stephansdomes“ bezeichnet. Einfach sagenhaft! Fragen, die sich unwillkürlich stellen: - Was ist eine Hallenkirche? Bei einer Hallenkirche prägt das Langhaus den Kirchenraum. Die Schiffe sind dabei gleich hoch und meist unter einem gemeinsamen Satteldach vereinigt. Kirchenarchitektur lesen lernen! - Was sind Steinmetzzeichen? Ein Steinmetzzeichen ist das Symbol des Steinmetzmeisters unter dessen Leitung ein Bauteil angefertigt wurde. Somit ist es ein Urheberzeichen im ureigensten Sinn. Erstmals wird deren Verwendung im 15. Jhdt. schriftlich geklärt. Gegen Ende des Mittelalters wurden diese in die Bruderschaftsordnung des Hüttenbundes aufgenommen und erhielten damit rechtlichen Charakter. - Wieso sieht der Kirchturm so seltsam aus? Gut erkannt. Der Kirchturm ist mit seinen Ecktürmchen in der Tat ungewöhnlich. Das rührt daher, dass er über Jahrhunderte als Stadtturm für die Brandwache genutzt wurde. Zu diesem Zwecke wohnte ein Türmer oben im Turm. Tipp: Unter der Empore weisen mehrere Schautafeln auf die architektonischen Besonderheiten der Kirche hin, auch auf die Steinmetzzeichen! Adresse: Öffnungszeiten:

Piaristenkirche, Piaristengasse 1, 3500 Krems an der Donau Tagsüber.

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Donaubrücke Stein-Mautern - „Wege über die Donau“ Die heutige Donaubrücke von Stein nach Mautern ist eine Stahlfachwerkbrücke aus dem Jahre 1895. Die erste Brücke entstand hier 1463 - es war nach Wien die zweite feste Brücke der österreichischen Donau! Dazu muss man wissen: Die Donau stellte bis ins 12. Jhdt. ein mächtiges Hindernis dar. Wer sie überqueren wollte, musste sich entweder an einer Urfahr (= Überfuhr) mit einem Boot übersetzen lassen oder sie an einer der wenigen seichten Stellen durchfurten. Beides war mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Feste Brücken bedeuteten somit Macht und Wohlstand. Die erste steinerne Brücke des gesamten Donaulaufes wurde im 12. Jhdt. im deutschen Regensburg errichtet. Sie galt im Mittelalter als ein Weltwunder und ist heute ein UNESCO-Weltkulturerbe. Im 13. Jhdt. konnte man die deutsche Donau schon auf mehreren Holzbrücken überqueren. In Österreich gestaltete sich der Brückenbau als schwierig, war die Donau hier doch bereits sehr breit und kraftvoll. Im Jahr 1439 wurde schließlich in Wien, der damals neuen Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches, die erste österreichische Donaubrücke errichtet. 1463 folgte die Brücke in Krems, 1497 die in Linz. Man darf jedoch nicht vergessen: Es waren allesamt Holzbrücken, die immer wieder durch Hochwasser und Eisgang unpassierbar gemacht wurden. Brücken als Lebensadern - heute kaum beachtet! Tipp: Im museumkrems zeigen mehrere Skizzen die ursprüngliche Brücke zwischen Stein und Mautern!

Fahrt durchs Tullnerfeld - „Auen und Felder“ Das Tullnerfeld erstreckt sich von Krems bis zur Wiener Pforte. In Jahrtausenden schuf die Donau diese bis zu 14 km breite Schwemmlandterrasse. Üppige Uferwälder begleiten den mächtigen Strom. Die Landschaft im Anschluss ist fruchtbar. Und ein Farbteppich aus weiten Feldern zeugt von intensiver Landwirtschaft. Plötzlich bekommt der Name „Tullner-Feld“ eine neue Bedeutung! Einzigartig ist im Tullnerfeld die hohe Anzahl an Kraftwerken: die zwei Donaulaufkraftwerke Altenwörth und Greifenstein, die kalorischen Kraftwerke Dürnrohr, Theiß und Korneuburg und natürlich das nie in Betrieb gegangene Atomkraftwerk Zwentendorf. Natur und Technik - ein scheinbarer Kontrast, der sich hier aber als sehr spannend erweist. Geheimtipp: Von der hochgelegenen Donauwarte in Krems präsentiert sich das Tullnerfeld in seiner ganzen Pracht! Vor allem im milden Streiflicht der untergehenden Abendsonne.

Stift Göttweig - „Ein Wehrkloster“ Die mächtige Klosteranlage des Benediktinerstiftes Göttweig thront imposant auf einem Berg am Ausgang der Wachau und beherrscht den Beginn des Tullnerfeldes. Unwillkürlich kommt einem der Gedanke - das österreichische Montecassino! Das barocke Juwel ist UNESCO-Weltkulturerbe und verblüfft mit unerwarteten Details.

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Gegründet wurde das eindrucksvolle Stift vom Passauer Bischof Altmann im Jahre 1083. Und zwar als Eigenkloster. 1094 wurde es schließlich den Benediktinern übergeben. Dieser Orden war übrigens bis weit in das Mittelalter der einzig bedeutende des Abendlandes. Von den mittelalterlichen Bauwerken des Klosters sind heute nur noch spärliche Reste vorhanden: die Erentrudiskapelle, die Krypta mit dem Reliquienschrein des Klostergründers, der gotische Chor der Kirche, ein Teil des Kreuzganges und Teile der Burg. Burg? Das Stift Göttweig wurde als Wehrkloster errichtet und sollte im Fall einer Bedrohung der umliegenden Bevölkerung Schutz bieten. Sie tat es und hat später auch zwei Belagerungen türkischer Plünderhorden standgehalten. In den folgenden Jahrhunderten erlebt das Kloster immensen Aufschwung und auch Niedergang. Sodass es im 16. Jhdt. praktisch neu gegründet werden musste. Der große Brand von 1718 machte einen Neubau der Klosteranlage notwendig und ließ diese in höchst vollendetem Barock wieder erblühen. Ein wahres Highlight! Für die grandiose Planung zeichnete übrigens der berühmte Barockarchitekt Johann Lucas von Hildebrandt verantwortlich. Leider musste der Bau mit der Errichtung der Kirchenfassade im Jahre 1750 eingestellt werden - aus Geldmangel. So wurden bis heute nur zwei Drittel (!) des geplanten Stiftes realisiert. Die gemalten Blindfenster an der Kirchenfassade erinnern heute noch an die pragmatische Zeit nach dem Baustopp - einzigartig! Verborgene Besonderheiten: - Im Stiegenaufgang zum Museum zeigt eine Replikation den Planungsentwurf von Hildebrandt. Einfach kolossal! - Die wundervolle Stiftskirche mit ihrem eigenwilligen gotischen Chor. - Die prächtige Kaiserstiege ist die größte barocke Prunkstiege Österreichs! - Die Grafiksammlung des Stiftes ist die nach der Albertina/Wien bedeutendste in Österreich. Ihr ist ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet. - ... Tipp: Wer neugierig durch das Stift geht, findet eine Vielzahl von verborgen Besonderheiten! Eine Führung erleichtert die Sache natürlich ungemein. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stift Göttweig, Benediktinerabtei, 3511 Stift Göttweig März-November täglich 10.00-18.00 Uhr (Einlass bis 17.00 Uhr) Juni-September täglich 09.00-18.00 Uhr (Einlass bis 17.00 Uhr) www.stiftgoettweig.at 1-2 Stunden (Je nach Ausstellung)

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Tag 7: Freitag „Durch die Wiener Pforte nach Wien“ Tulln - „Eine Residenzstadt der Babenberger“ Heute ist Tulln weithin bekannt als attraktive Garten- und Messestadt. Die Stadt hatte aber auch im Mittealter eine blühende Vergangenheit, von der zahlreiche verborgene Schätze aus dieser Zeit erzählen! Tulln liegt im Zentrum der Donauebene des Tullnerfeldes und zählt zu den ältesten Städten Österreichs. Kein Wunder, liegt es doch an einem wichtigen Donauübergang. Schon die Römer sicherten diese Furt mit einem Reiterkastell. Nach deren Abzug entwickelte sich in der Wehranlage der Kern der mittelalterlichen Siedlung. Bereits im Jahr 791 wird Tulln als Stadt bezeichnet. Der florierende Donauhandel brachte Wohlstand, die Abhaltung von Landtagen politisches Ansehen. Die Blütezeit begann im 11. Jhdt., als die Babenberger Tulln zu ihrer Residenzstadt erhoben. Ein Jahrhundert später wird die Stadt im Nibelungenlied besungen. Im Spätmittelalter gehörte Tulln neben Krems-Stein, Kornneuburg und Wien zu den bedeutendsten Städten Niederösterreichs. In der Neuzeit verlor Tulln allmählich wieder diesen Rang. Die Verlagerung der Handelsrouten infolge des Brückenbaus zu Wien (1439) war mit ein Grund. Ebenso setzten die Türkenkriege und vor allem der Dreißigjährige Krieg der Stadt enorm zu. Einen neuerlichen Aufschwung erfuhr Tulln im ausgehenden 19. Jhdt. mit dem Bau der eigenen Donaubrücke und der Anbindung an die Eisenbahn. Heute ist Tulln eine attraktive Garten- und Messestadt, die jährlich Tausende Besucher anlockt.

- Rundgang durch Tulln In Tulln erzählen zahlreiche verborgene Besonderheiten von der mittelalterlichen Blütezeit der Stadt. Ein Rundgang lohnt sich! Station 1: „Pfarrkirche St. Stephan - Das Kirchentor nach Niederösterreich“ Im Jahr 1014 erhielt der Passauer Bischof von Kaiser Heinrich II. Land für Errichtung von fünf Kirchen im Tullner Raum geschenkt. Diese stellten den Grundstock kirchlicher Macht im zentralen Niederösterreich dar. Die Kirche St. Stephan war eine davon. Besonders beachtenswert: das Westportal mit seinen in Österreich einzigartigen romanischen Figurenpfeilern, das romanische Rundbogenfries an der Südfassade, ...

Station 2: „Karner - Romanik in höchster Vollendung“ Der romanische Karner bei der Stadtpfarrkirche St. Stephan gilt als einer der bedeutendsten in Europa - ein kunsthistorisches Juwel! Er dürfte um 1240 - wahrscheinlich vom letzten Babenberger Herzog Friedrich II. - in Auftrag gegeben worden sein. Auffällig ist der spannende Kontrast zwischen Schlichtheit und Detailreichtum. Muss man gesehen haben!

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Station 3: „Der Nibelungenbrunnen“ Am Donauufer lässt ein prächtiger Brunnen die Nibelungen wieder erwachen. Er zeigt, wie Kriemhild auf ihrer Brautfahrt ins Hunnenland hier in Tulln auf König Etzel trifft.

Station 4: „Der Salzturm“ Wie der Name schon vermuten lässt, wurde der Turm als Salzlagerstätte genutzt. Seine ungewöhnliche Hufeisenform verrät jedoch einen älteren Ursprung: es ist ein Flankenturm des römischen Kastells Comagenis. Nachdem die Römer das Kastell aufgelassen hatten, entstand darin der Stadtkern von Tulln. Tipp: Ein ausgezeichneter Altstadtführer mit Stadtplan steht unter www.tulln.at zum kostenlosen Download bereit! Alternativ dazu im Tourismusbüro danach fragen.

Fahrt durch die Wiener Pforte - „Auf nach Wien“ Zwischen dem Tullner Feld und dem Wiener Becken muss der Donaustrom noch einmal die Berge durchbrechen - die Wiener Pforte. Am Nordufer begrenzt der Bisamberg (358 m), am Südufer der Leopoldsberg (425 m) und der Kahlenberg (484 m). Trotzdem es sich hier um die letzten Ausläufer der Alpen handelt, zeigt bereits das einstrahlende pannonische Klima seine Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt. „Bisamberg“ - da stellt sich doch unwillkürlich die Frage, was dieser Flurname wohl bezeichnen mag? Eine Idee? Auflösung siehe Anhang.

Klosterneuburg & Korneuburg - „Am Anfang stand Neuburg“ Am Ausgang der Wiener Pforte liegt am südlichen Hochufer der Donau die Stadt Klosterneuburg. Am gegenüberliegenden Donauufer befindet sich in der Ebene die Stadt Korneuburg. Beide Städte verbindet mehr als man auf den ersten Blick vermuten würde. Aber der Reihe nach! In Klosterneuburg befestigte bereits zu römischer Zeit ein Kastell den Donaulimes. Im Jahre 1106 erlangt die Siedlung - damals noch Neuburg genannt - ihre große Bedeutung: Marktgraf Leopold III. von Österreich verlegte die Babenberger-Residenz hierher! Da man hier die Donauarme durchfurten konnte, entwickelte sich Neuburg bald zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Handelsplatz. Mit der Zeit wuchs die Siedlung auch am anderen Donauufer, vor allem hinter den Auen, weiter. Letztendlich entwickelte sich dort ein eigenständiger Handelsort. Im Jahre 1298 erfolgte dann die offizielle Trennung der beiden räumlich getrennten Stadtteile. Die Städte KlosterNeuburg und KorNeuburg entstanden. Ortsnamen lesen lernen!

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Stift Klosterneuburg - „Ein verborgenes Mittelalter-Juwel“ Das eindrucksvolle Stift Klosterneuburg liegt am südlichen Hochufer der Donau. Seine beiden markanten Dachkuppeln mit aufgesetzter Reichskrone und Erzherzoghut zeugen von der langen Historie. In der Tat verbirgt sich hinter der barocken Pracht auch so manch mittelalterlicher Schatz! Gegründet wurde das prachtvolle Kloster im Jahre 1114 vom babenbergischen Markgrafen Leopold III. von Österreich, nachdem dieser seine Residenz nach Klosterneuburg verlegt hatte. Die prächtige Stiftskirche wurde 1136 geweiht und galt lange Zeit als die größte Kirche des Landes! Der kostbarste Kunstschatz des Stiftes ist der berühmte Verduner Altar - ein einzigartiges Meisterwerk mittelalterlichen Kunsthandwerks! Leopold III., auch „der Heilige“ genannt, stiftete mehrere Klöster und trug wesentlich zur Erschließung des Landes bei. Er förderte aber auch Städte wie Klosterneuburg, Wien und Krems. So bekam Krems in seiner Ära eine Münzprägestelle. Wir erinnern uns: der Kremser Pfennig. Im Jahr 1136 starb Leopold III. und wurde in seinem Stift Klosterneuburg bestattet. Da an seinem Grab mehrere Wunder geschahen, sprach ihn Papst Innozenz VIII. schließlich im Jahr 1485 heilig. Heute ist er Landespatron von Niederösterreich. Auch das sollte man wissen: Im 18. Jhdt. entschloss sich der Habsburger Kaiser Karl VI., das Stift zu einer prächtigen Klosterresidenz umzubauen. Die Vision: eine repräsentative Anlage mit neun Kuppeln und vier Innenhöfen. Jede der Kuppeln sollte dabei eine der habsburgischen Kronen tragen. Karl VI. starb jedoch lange vor Fertigstellung seines Prachtbaus. So blieb der Bau unvollendet. In der ebenfalls unfertigen Sala terrena sind heute noch die Baubeschriftungen der einstigen Handwerker zu sehen - weltweit einzigartig! Erst im 19. Jhdt. wurde der einzige vorhandene Hof in vereinfachtem Barock fertiggestellt, der heutige Kaiserhof. Verborgene Besonderheiten: - Die herrliche Stiftskirche war lange Zeit die größte Kirche des Landes! Im Eingangsbereich auf die Butzenglasfenster (= runde Glasscheiben mit kleinem Stiel im Zentrum und Bleiumrahmung) achten. Es war die einzige Fertigungsart um flache Scheiben zu erzeugen, bis im Spätmittelalter schließlich die Technik der Flachglasherstellung wiedererfunden wurde. - Auf der Nordwestseite des Klosters können Sie heute noch die ehemalige Marktgrafenburg von Leopold III. sehen. Im Vergleich zum Barockvorhaben von Kaiser Karl VI. wirkt diese regelrecht bescheiden. - Der Verduner Altar (1181, 1330) ist einer der schönsten Altäre des Mittelalters. Er wurde in zehnjähriger Arbeit angefertigt. Ein technisches Meisterwerk, das einfach nur still werden und staunen lässt! - Der riesige siebenarmige Leuchter aus dem Jahr 1335. Er ist das älteste Ausstattungsstück der Stiftskirche. - Die letzte Ruhestätte von Marktgraf Leopold III., dem Heiligen. - Der Erzherzoghut - die Landeskrone Österreichs - in der Schatzkammer. - Stift Klosterneuburg ist das älteste Weingut Österreichs. Wein wird hier bereits seit der Gründung des Klosters angebaut!

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Tipp: Unbedingt eine Stiftsführung machen und die Schatzkammer besuchen. Nur so können Sie auch die verborgenen Kostbarkeiten, wie Verduner Altar, Erzherzoghut, ... bestaunen. Mittelalterprunk hautnah erleben! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Stift Klosterneuburg, Stiftsplatz 1, 3400 Klosterneuburg Täglich 09.00-18.00 Uhr www.stift-klosterneuburg.at 1-2 Stunden (Je nach Führungsteilnahme)

(Burg Kreuzenstein - „Mittelalter echter als echt erleben“) Die Burg Kreuzenstein ist ein einzigartiges Mittelalter-Erlebnis! Die fast märchenhafte Burganlage thront auf einem Waldhügel unweit der Donauauen. Sie begeistert mit einer ungewöhnlichen Fülle an Architekturdetails und einer vollständigen mittelalterlichen Einrichtung. Ein Zeitreise ins Mittelalter! Bei genauer Betrachtung fallen kleine Details auf, die wehrtechnisch kontraproduktiv sind. Unwillkürlich stellt sich die Frage nach dem „Wieso?“. Die Lösung ist ganz banal. Die heutige Burg Kreuzenstein ist eine Schauburg, die Johann Nepomuk Graf Wilczek in den Jahren 1874-1906 errichten ließ. Auf den Resten der einstigen Burg Kreuzenstein sollte eine möglichst originalgetreue mittelalterliche Burganlage im romanisch-gotischen Stil entstehen. Der Grund: Der Graf wollte darin seine gewaltige kunsthistorische Sammlung würdig unterbringen. Wilczek trug Originalteile aus Burgen von ganz Europa zusammen und ließ daraus die neue Burg Kreuzenstein errichten. Dank seines Kunstsinns, seiner Beharrlichkeit und seines Vermögens können wir hier heute in das mittelalterliche Leben eintauchen wie kaum wo! Kein Wunder also, dass die Burg auch eine beliebte Filmkulisse ist. Tipp1: Die kompetenten Burgführer freuen sich über neugierige Gäste - darum die Chance nutzen und neugierig sein. Viel Spaß beim Entdecken! Tipp2: Ein Spaziergang auf dem mittelalterlichen Wall um die Burg eröffnet immer wieder neue Perspektiven auf den Prachtbau! Adresse: Öffnungszeiten:

Kontakt: Verweildauer:

Burg Kreuzenstein, 2100 Leobendorf April-Oktober, täglich 10.00-16.00 Uhr (an So und Fei bis 17.00 Uhr) Besichtigung nur im Rahmen einer Führung möglich. Diese starten normalerweise zur vollen Stunde. www.kreuzenstein.com 1 Stunde (Mit Führung)

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Tag 8: Samstag „In der Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches“ Wien - „Eine aufstrebende Residenzstadt“ Wien ist ein Erlebnis für sich! Die schillernde Donaumetropole begeistert mit ihrem einzigartigen Spannungsfeld: Habsburgerflair und Moderne, Kultur und Kunst, Stadtleben und urbanes Naturerlebnis, ... Die Stadt stand über Jahrhunderte im Zentrum des Weltgeschehens. Das zeigen heute nicht nur die zahlreichen berühmten Prachtbauten, sondern auch die weltoffene Multikulturalität der Stadt! Bereits zu römischer Zeit war Wien eine große Stadt, deren Gründungszentrum auf ein Legionslager zurückging. Nach dem Abzug der Römer entstand in dieser Wehranlage, wie so oft, der Kern der mittelalterlichen Besiedlung. Im Jahre 1156 verlegte schließlich der Babenberger Heinrich II. die Residenz des Herzogtums Österreich von Klosterneuburg nach Wien! Mit ein Grund dürfte das größere Platzangebot für eine aufstrebende Residenzstadt gewesen sein. Der Babenbergerhof wurde bald zu einem europaweit geschätzten Kulturzentrum. Leopold V. baute später mithilfe des Lösegeldes, das er für die Freilassung des englischen Königs Richard Löwenherz erhielt, die Stadt großzügig aus. Mit Rudolf I. begann 1278 die berühmte Herrschaft der Habsburger. Sie sollte über Jahrhunderte bestehen. In dieser Epoche wurde Wien zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches! Bereits im Jahr 1439 erhielt die Stadt eine feste Brücke. Diese war die erste an der österreichischen Donau und erlaubt so legitime Rückschlüsse auf die Wichtigkeit der Stadt. Noch im Mittelalter wuchs Wien für damalige Verhältnisse fast ins Unendliche: Sie war mit rund 20.000 Einwohnern nach Köln die zweitgrößte Stadt des Heiligen Römischen Reiches! Zwei große Zäsuren waren für Wien - und Europa - die beiden Türkenbelagerungen (1529, 1683). Nachdem sich die Stadt endgültig als christliches Bollwerk gegen den Halbmond durchgesetzt hatte, blühte Wien im Freudentaumel zu einem barocken Kulturzentrum auf. Letztendlich versank das Heilige Römische Reich im Sog der Geschichte. Und das Kaisertum Österreich entstand - im Jahre 1804. Während der k.u.k. Monarchie erstrahlte Wien wie nie zuvor. Übrigens wurde erst in dieser Zeit die Wiener Stadtbefestigung geschliffen und die prachtvolle Ringstraße entstand. Die beiden Weltkriege hinterließen in der Stadt natürlich auch ihre Spuren. Aber auch danach erblühte Wien wieder - zur modernen Weltmetropole, wie wir sie heute kennen! Sie sehen: Wien stand über Jahrhunderte im Zentrum des Weltgeschehens. Vieles aus dem Mittelalter wurde dabei einfach überbaut. So ist es heute gar nicht so einfach, sich auf die Spur dieser Zeit zu begeben. Tipp: Zahlreiche Themen-Stadtführungen helfen beim Entdecken, zum Beispiel in den Wiener Unterwelten!

(- Hofburg - „Habsburger-Residenz vom Mittelalter bis in die Neuzeit“) Die Wiener Hofburg war über 600 Jahre lang der Regierungssitz des Hauses Habsburg. In dieser Zeit wuchs nicht nur deren Macht, sondern auch die ursprüngliche Burg zu einem der größten Palastkomplexe Europas. Heute laufen in der Hofburg die Fäden der Österreichischen Regierung zusammen. Im Zentrum der Macht!

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Die Hofburg dürfte im 13. Jhdt. gegründet worden sein. Verbrieft ist, dass im Jahre 1339 der habsburgische Herzog Abrecht II. sie zu seiner Residenz erwählte. Die mittelalterlichen Teile der einstigen Wehranlage bilden heute den Schweizer Hof. Die nachfolgenden Herrscher ergänzten und erweiterten die Burg nach Bedarf. Daraus entstand ein nur schwer durchschaubares Konvolut von 18 Trakten, 19 Innenhöfen und über 2.500 Räumen - quasi eine Stadt in der Stadt! Heute erlaubt in der Hofburg ein dreigeteiltes Museum spannende Einblicke in das Leben der Regenten. Die glanzvolle Silberkammer offenbart die Geheimnisse des Tischzeremoniells, das ungewöhnliche Sisi-Museum hingegen sehr persönliche Seiten der wohl bekanntesten Kaiserin des Hauses Habsburgs. Und die Kaiserappartements zeigen die Arbeits- bzw. Privatwelt von Kaiser Franz Joseph und seiner Sisi. Leben zwischen Pflicht & Freude! Tipp: Der Schweizerhof kann ohne Eintritt besucht werden! Die Ausstellung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der k.u.k. Monarchie. Aber wer Lust hat, kann ... Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Kaiserappartements/Sisi Museum/Silberkammer, Hofburg - Innerer Burghof, 1010 Wien September-Juni täglich 09.00-17.30 Uhr Juli-August täglich 09.00-18.00 Uhr www.hofburg-wien.at 1,5-? Stunden (je nach Detailinteresse)

- Kaiserliche Schatzkammer - „Kronen, Juwelen und mystische Artefakte“ In der Kaiserlichen Schatzkammer befindet sich der wichtigste Kronschatz des Mittelalters: die Insignien des Heiligen Römischen Reiches! Das burgundische Erbe, die prunkvollen Kostbarkeiten des Ordens vom Goldenen Vlies, kunstvolle Kleinodien, wertvoller Schmuck, ... lassen die unglaubliche Macht der mittelalterlichen Herrscher erahnen und Kunsthandwerk in höchster Vollendung erleben. Atemberaubend! Tipp: Viele der Kostbarkeiten offenbaren ihren wahren Wert erst mit dem Wissen um deren Symbolkraft. Ein „Kurzführer“ ist an der Kassa erhältlich. Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Kaiserliche Schatzkammer Wien, Schweizerhof, 1010 Wien Mi-Mo 09.00-17.30 Uhr (letzter Einlass 17.00 Uhr) Di Ruhetag www.kaiserliche-schatzkammer.at 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

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- Rupertskirche - „Die älteste Kirche Wiens, Salzhandel & mehr“ Die Rupertskirche ist die älteste Kirche Wiens! Der Legende nach geht ihre Gründung auf das Jahr 740 zurück. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1200 in einer Schenkung des babenbergischen Herzogs Heinrich II. an das Schottenstift. Die Kirche liegt übrigens auf dem Areal des einstigen römischen Militärlagers Vindobona, also direkt in der Keimzelle des mittelalterlichen Wiens. Sie war auch bis zum Jahr 1147 die Pfarrkirche der Pfarre Wien. Dann übernahm der neu errichtetet Stephansdom diese Aufgabe. Heute fast vergessen: Der Hl. Rupert - der erste Bischof von Salzburg ist der Schutzpatron des Salzbergbaus und der Salzschiffer. Der Handel mit dem weißen Gold war im Mittelalter monopolisiert und wurde von Salzämtern verwaltet. Das hiesige Salzamt schloss direkt an die Rupertikirche an und verkaufte in der Kirche die Ware an Einzelhändler. Wer hätte das gedacht? Tipp: In der Kirche befindet sich eines der ältesten Glasfenster Wiens. Es stammt aus dem 13. Jahrhundert. Einfach unglaublich! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Ruprechtskirche, Ruprechtsplatz 1, 1010 Wien Mo-Fr 10.00-12.00 Uhr; Mo, Mi und Fr 15.00-17.00 Uhr www.ruprechtskirche.at 10 Minuten

- Griechenviertel - „Ein Mittelalter-Geheimtipp“ Vieles aus dem Mittelalter wurde in Wien überbaut. Daher ist es gar nicht so einfach, sich auf die Spur dieser Zeit zu begeben. Wer jedoch mit offenen Augen durch das Griechenviertel schlendert, kann zahlreiche mittelalterliche Architekturdetails erkennen. So befindet sich in diesem ältesten Bereich Wiens auch der älteste Profanbau (13. Jhdt.) der Stadt - der Steyrerhof. In der Griechengasse 7 können Sie im Innenhof einen gotischen Wohnturm aus dem 12. Jhdt entdecken, ... Den Namen erhielt das Viertel übrigens wegen der vielen griechischen Kaufleute, die sich hier ab 1700 niedergelassen haben. Die prachtvollen Gebäude zeugen noch heute von deren Wohlstand. Wien einmal anders erleben! Tipp: Zeit nehmen und schlendern! Adresse: Verweildauer:

Bereich zwischen Griechengasse - Hafnersteig - Fleischmarkt 30-60 Minuten

- Stephansdom - „Ein Meisterwerk mittelalterlicher Kirchenbaukunst“ Der weltberühmte Stephansdom ist das Wahrzeichen Wiens und gilt als das bedeutendste gotische Bauwerk Österreichs. Seine gigantischen Ausmaße sowie seine kunstvollen Architekturdetails lassen still werden und staunen. Ein Meisterwerk der Statik und des Kunsthandwerks! Im Jahr 1137 erhielt der Passauer Bischof vom Marktgraf Leopold IV. im Zuge eines Tauschgeschäftes die Erlaubnis, vor den Toren der Stadt eine Kirche zu errichten. Dazu muss man wissen: Die beiden damaligen Wiener Kirchen, die Ruprechtskirche und die Peterskirche, standen www.donau-oesterreich.at


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unter dem Patronat von Salzburger Heiligen und die Mark Österreich spielte im Heiligen Römischen Reich politisch nur eine Nebenrolle. 1147 wurde die erste Stephanskirche geweiht. Ihre Größe und Pracht machte sie zu einem Manifest des festen Willens zum Aufstieg im Reich. Unter Herzog Rudolf IV. begann im Jahr 1359 der gotische Neubau der Kirche der schließlich 1433 im schönsten Turmgedanken der Gotik - dem 136 m hohen Südturm - gipfelte. Dieser sollte fast ein halbes Jahrhundert der höchste Kirchturm der Welt sein. Kaiser Friedrich III. begann 1450 mit dem Bau des Nordturms, welcher jedoch 1511 eingestellt wurde - die Zeit der Gotik war vorbei. Wenn Sie die Titel der Auftraggeber über die Jahrhunderte betrachten, erkennen Sie sehr schön, dass der Stephansdom immer mehr war als nur eine Kirche: er war ein Symbol wachsender Macht! Auch darauf sollten Sie achten: - Das figurenreiche Hochgrab des Kaisers Friedrich III. erinnert daran, wie im Mittelalter Geschichten für jedermann „lesbar“ erzählt wurde. - Der Dom steckt voller versteckter Symbolik. So spielt zum Beispiel die Zahl 37 eine wichtige Rolle: Der Dom ist 333 (37x9) Fuß lang und 111 (37x3) Fuß breit; der Südturm ist 444 (37x12) Fuß hoch; ... - Der Name des beeindruckenden Riesentores leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „risen“, was so viel wie „fallen“ bedeutet, ab - das schräg abfallende Tor. - ... Tipp: Im Stephansdom verbirgt sich eine unglaubliche Vielzahl von Besonderheiten, die es zu entdecken gilt. Sie sollten zumindest einen Audioguide ausleihen, besser noch eine Führung machen! Adresse: Öffnungszeiten: Kontakt: Verweildauer:

Domkirche St. Stephan zu Wien, Stephansplatz, 1010 Wien Mo-Sa 06.00-22.00 Uhr; So, Fei 07.00-22.00 Uhr www.stephansdom.at 30-60 Minuten (mit Audioguide + Schatzkammer)

- Schloss Belvedere - „Barock-Juwel & Mittelalter-Kunstsammlung“ Das Schloss Belvedere gehört zu den schönsten barocken Bauwerken Europas und ist auch UNESCO-Weltkulturerbe. In ihm befindet sich aber auch die bedeutendste Sammlung österreichischer Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Ein Mittelalter-Erlebnis der besonderen Art! So nebenbei! Richtigerweise sind es ja zwei Schlösser, das Untere Belvedere und das Obere Belvedere, die durch einen herrlichen Barockgarten axial verbunden sind. Heute gleicht diese Anlage einer Naturoase inmitten der Großstadt. Einst lag diese vor den Stadttoren Wiens. Aber der Reihe nach! Am Anfang des 18. Jhdts. sollte der berühmte Barockarchitekt Johann Lucas von Hildebrandt für Prinz Eugen außerhalb der Stadt nur ein repräsentatives Gartenpalais errichten. Dabei lag ihm eine Orangerie für seine exotischen Pflanzen besonders am Herzen. Das Untere Belvedere entstand. Fortan verbrachte der Prinz hier die sommerlichen Tage. Infolge sollte der Garten klassisch durch eine Gloriette (=offener Gartenpavillion) oben am Hügel Abschluss finden. Diese fiel dann etwas größer aus: das imposante Obere Belvedere entstand. Der Name „Belvedere“ leitet sich im Übrigen von „schöner Blick“ ab, eröffnet sich doch vom Oberen Belvedere ein wundervoller Blick über den Garten und die dahinterliegende Stadt. In späterer Zeit fiel das

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Schloss an die Habsburger, die es zeitweilig als zweiten Familiensitz nutzten. Heute beherbergt das Obere Belvedere die oben angesprochene Kunstsammlung! Tipp1: Die Kunstsammlung im Oberen Belvedere zeigt nicht nur zahlreiche Kunstwerke aus dem Mittelalter, sondern erlaubt auch den Vergleich mit den benachbarten Kunstepochen! Tipp2: Beachten Sie die barocke Gartenbaukunst und deren virtuoses Spiel mit den Blickperspektiven: Achsen, Plätze, Brunnen, Skulpturen, ... ! Adresse:

Oberes Belvedere, Prinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien Unteres Belvedere, Rennweg 6, 1030 Wien

Öffnungszeiten:

Oberes Belvedere täglich 10.00-18.00 Uhr Unteres Belvedere täglich 10.00-18.00 Uhr; Mi 10.00-21.00 Uhr www.belvedere.at 1-? Stunden (je nach Detailinteresse)

Kontakt: Verweildauer:

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Tag 9: Sonntag „Die letzte Flussau & Die Grenze des Heiligen Römischen Reiches“ Fahrt durch die Hainburger Au Zwischen den europäischen Hauptstädten Wien und Bratislava erstreckt sich entlang der Donau die letzte große Flussauenlandschaft in Mitteleuropa - der Nationalpark Donauauen! Auf einer Strecke von rund 36 km fließt die Donau hier noch völlig frei und formt mit ihren Pegelschwankungen von bis zu 7 Metern die Aulandschaft. Dieses Wechselspiel bildet für viele gefährdete Pflanzen- und Tierarten ein letztes Refugium. Einzigartig! So nebenbei! Im Jahre 1984 war die Au im wahrsten Sinne des Wortes dem Untergang geweiht. Nahe Hainburg sollte ein Wasserkraftwerk gebaut werden. Durch die legendäre Besetzung der Hainburger Au durch Naturfreunde und Umweltschützer konnte dies jedoch in letzter Minute verhindert werden. 1996 wurde letztendlich die Au unter höchsten Naturschutz gestellt - der Nationalpark Donauauen war geboren. Tipp: Auf dem Donauradweg erlebt man den Nationalpark Donauauen nur bedingt. Um dessen Faszination hautnah erleben zu können, bietet sich ein Besuch des Au-Erlebnisgeländes beim Nationlpark-Zentrum schlossOrth an!

schlossORTH Nationalpark-Zentrum - „Die Faszination der letzten Au erleben“ Das Nationalpark-Zentrum schlossOrth ist das Besucherzentrum des Nationalparks Donauauen! Es vermittelt sehr anschaulich die meist verborgenen Naturwunder dieser letzten großen Aulandschaft in Mitteleuropa. Highlight ist das Au-Erlebnisgelände auf der Schlossinsel, wo man die hiesige Tierwelt ober und unter Wasser beobachten kann. Der Natur auf der Spur! Architektur: Baujahr: Öffnungszeit:

Adresse: Kontakt:

nonconform, MAGK, synn architekten 2004-2005 März-September, täglich 9.00-18.00 Uhr Oktober-Novemeber, täglich 9.00-17.00 Uhr November-März, Wintersperre Schlossplatz 1, 2304 Orth www.donauauen.at

Hainburg - „An der Grenze des Heiligen Römischen Reiches“ Die Mittelalterstadt Hainburg ist heute die östlichste Stadt Österreichs und liegt im Grenzgebiet zur Slowakei bzw. zu Ungarn. Im Mittelalter war Hainburg ein wichtiger Grenzposten des Heiligen Römischen Reiches. Kein Wunder also, dass Kaiser Heinrich III. im Jahr 1050 die Wiedererrichtung der Feste Hainburg veranlasste. Diesmal sollte sie jedoch am aussichtsreichen Schlossberg stehen. Bald entwickelte sich am Fuße der Burg eine Siedlung, die ab dem 12. Jhdt. quasi das Sprungbrett in den DonauOsten war: für Händler, Aussiedler, Kreuzfahrer, ... Die wichtige Donaufurt bei Hainburg unterstützte natürlich diese Entwicklung. Im Jahr 1194 ließ Herzog Leopold V. von Österreich die Stadt befestigen und die Burg ausbauen. Die immensen Kosten dafür tilgte er mit einem Teil des Lösegeldes, dass er für die Freilassung des englischen Königs Richard www.donau-oesterreich.at


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Löwenherz erhielt. Wir erinnern uns: Burgruine Dürnstein. Im 13. Jhdt. residiert Königinwitwe Margarethe, die Schwester des letzten Babenbergers, auf der Burg. Nach ihrer Heirat mit König Ottokar von Böhmen spielte Hainburg in dessen Politik mit Ungarn eine große Rolle. Der König hielt hier so oft Hof wie kein anderer Landesfürst. Dieser Umstand und lukrativer Handel führten zur Blütezeit Hainburgs! 1683 brannten die Türken die Stadt nieder und töten einen Großteil der Bewohner in der heutigen Blutgasse. Danach hat sich die Stadt nie wieder richtig erholt. Heute ist die Faszination des mittelalterlichen Hainburgs das größte Kapital der Stadt - ein verborgenes Mittelalter-Juwel! Übrigens: Hainburg verfügt eine der geschlossensten Wehranlagen des 13. Jhdts. in Österreich!

- Rundgang durch die Mittelalter-Stadt Hainburg Hainburg ist ein Mittelalter-Erlebnis der besonderen Art! Kaum wo lässt sich eine mittelalterliche Stadt erleben wie hier. Dafür sollten Sie sich Zeit nehmen und neugierig sein. Planen Sie für einen Stadtrundgang mit Burgbesuch rund 1,5-2 Stunden ein. Station 1: „Wienertor - Eine eindrucksvolle Torburg“ Das Wienertor gehört zu den interessantesten Torburgen Europas! Der repräsentative Wehrbau stammt aus dem 13. Jhdt. und ist samt Dachkonstruktion imposante 31 m hoch. Besonders auffällig ist die überwölbte Toreinfahrt, der einst noch ein Zwinger vorgelagert war. Im oberen Bereich bezeugen eingemauerte Steinkugeln die Wehrhaftigkeit der Anlage. Weitere Details: Buckelquadermauerwerk, Torfiguren, ...

Station 2: „Eine profane gotische Fenstergruppe!“ Im Jahr 1979 wurde beim Umbau eines Privatgebäudes eine prachtvolle, gotische Fenstergruppe aus dem 14. Jhdt. entdeckt. Sehr ungewöhnlich für ein Profangebäude!

Station 3: „Lichtsäule - Zum Gedenken“ Unweit des Karners erwartet uns ein seltener Kulturschatz - eine Lichtsäule! Diese Säulen mit einem mehrseitig offenen Laternenaufsatz leuchteten vor allem im Mittelalter auf Friedhöfen für die armen Seelen am Gottesacker. Außerhalb von Friedhöfen aufgestellte „Totenleuchten“ nennt man Lichtstöcke. Sie markieren vielfach Pestfriedhöfe, die stets abseits der Ortsbereiche lagen. In späteren Jahren wurden die offenen Laternenaufsätze durch Bilder und Reliefs abgelöst - Bildstöcke entstanden! Diese fanden ihren Höhepunkt in der Gotik und im frühen Barock. In der Renaissance entwickelten sich weitere Formen, wie „Bildstöcke“ mit Figurenaufsätzen und Breitpfeiler.

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Station 4: „Ungartor - Steinquader und ihr Geheimnis“ Das mächtige Ungartor ist das älteste Stadttor Hainburgs und begeistert mit einem wundervollen Buckelquadermauerwerk. Seine Wehrhaftigkeit zeigt es hingegen mit Fallgittern und Toren zu beiden Seiten. Zudem sind noch Reste eines mittelalterlichen Vorwerks (= vorgelagerte Wehranlage) zu sehen. Zu bedenken: Die Verwendung von Steinquadern symbolisierte einst Reichtum, war deren Herstellung doch ungleich teurer als die Verwendung von Bruchsteinen. Konnte man keinen vollständigen Quaderbau errichten, versuchte man zumindest die Ecken des Gebäudes mit Quadern auszuführen. Bei Buckelquadern wurde die Sichtseite nur sehr grob behauen, sodass sich kleine „Buckel“ nach außen wölben. Die Beweggründe für die Verwendung von Buckelquadern werden in der Fachwelt heiß diskutiert: Kostenersparnis, Ästhetik, Hindernis beim Hochschieben von Sturmleitern, ... Station 5: „Theodorapalast - Sparen ist angesagt“ Beim Theodorapalast dürft es sich um einen sehr repräsentativen mittelalterlichen Adelssitz gehandelt haben. Dort auf das „opus spicatum“ (= fischgrätenartig zusammengestellte Steine) achten. Wie der Name schon vermuten lässt, ist diese Mauertechnik seit dem Altertum bekannt. Sie wurde aus Kostengründen eingesetzt, um teure Quader zu sparen. Mauerwerk lesen lernen!

Station 6: „Burgruine Hainburg - Panoramablick & Mehr“ Die sehenswerte Burgruine Hainburg thront hoch über der Stadt am Schloßberg. Vor ihrem Burgtor eröffnet ein Aussichtsplatz einen grandiosen Blick von der Hainburger Pforte bis weit in das Marchfeld. Spätestens jetzt wird klar, wieso einst Kaiser Heinrich III. hier eine Reichsburg haben wollte. Zudem lässt der Tiefblick die wahre Ausdehnung der Stadtmauer erkennen. Einfach beeindruckend! In der großflächigen Burgruine sollten Sie auch auf folgende verborgene Details achten: - Das Burgtor verfügt über einen eigenen kleinen Torzwinger. - Auf der Westseite der Burgmauer befindet sich ein Aufzugsfenster. Es wurde vermutlich 1437 eingebaut und dürfte für einen Lastenaufzug von der Stadt herauf gedient haben. - Die Burgkapelle ist das älteste Gebäude der Festung - es stammt aus dem 11. Jhdt. Im Jahre 1252 fand darin die prunkvolle Hochzeit von Königinwitwe Margarethe, der Schwester des letzten Babenbergers, und König Ottokar von Böhmen statt. - Im Wohnturm begeistert ein spätromanisches Doppelfenster mit Sitznischen. - Die Burg umläuft in 4-6 m Abstand eine Zwingermauer. Im 15. Jhdt. wurde diese durch Bastionen an die neue Wehrtechnik der Feuerwaffen angepasst.

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- Abtritterker, Ankerlöcher für die Holzbalken zum Auflegen von Hakenbüchsen, ... Tipp: Im Tourismusbüro gibt es kostenlos eine kleine Karte mit den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Für die Hintergrunddetails bietet sich der Erwerb eines kleinen Stadtführer-Büchleins an oder noch besser: Nehmen Sie an einer geführten Stadtführung teil. Viel Spaß beim Entdecken!

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Weitere Empfehlungen, Tipps und mehr … Burgen-Finder www.burgen-austria.com

Datenbank in der viele österreichische Burgen enthalten und deren historische Hintergründe meist sehr detailliert beschrieben sind.

Mittelalter www.leben-im-mittelalter.net

Bietet kurzweilige Einblicke in das mittelalterliche Leben.

Kultur clever erleben - mit ermäßigtem Eintritt! Entlang dieser Kulturroute ermöglichen verschiedene Tourismuskarten vielfach ermäßigte oder gar kostenlose Eintritte. Tipp: Je nach Bedarf die Cards kombinieren! - DONAU-CARD:

Bietet zwischen Passau und Grein vielfach ermäßigten Eintritt. Mehr Informationen unter www.donaushop.at.

- Niederösterreich-CARD:

Bietet im niederösterreichischen Teil der Donau vielfach kostenlosen Eintritt. Mehr Informationen unter www.niederoesterreich-card.at.

- Vienna CARD:

Bietet in Wien vielfach ermäßigte Eintritte. Inkludiert auch die kostenlose Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Mehr Informationen unter www.wienkarte.at.

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Anhang - Auflösung „Dom St. Stephan - Die Mutterkirche des Donau-Ostens!“ Grundsätzlich bezeichnen beide Begriffe die Kirche eines Bischofssitzes (= Bischofskirche). Das Wort „Kathedrale“ leitet sich dabei vom griechischen „kathedra“, dem „Stuhl“ (eines Bischofs) ab, während die Bezeichnung „Dom“ dem lateinischen Wort „domus“, für „Haus“ (Gottes), entspringt. Es gibt aber auch Kirchen, die wegen ihrer Größe oder kulturhistorischer Bedeutung als Dom bezeichnet werden, obwohl sie eigentlich keine Bischofskirchen sind. So zum Beispiel: der Petersdom in Rom; der Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus, welcher von 1562 bis 1792 Schauplatz von 10 Kaiserkrönungen war; ...

- Auflösung „Fahrt durch das Obere Donauengtal“: Die Erklärung liegt in wirtschaftlichen Überlegungen. Fichten bringen einen höheren Ertrag: rasches Wachstum, viele Stämme pro Hektar, gute Nutzbarkeit des Holzes, ... Das führte zu den allgemein bekannten Fichtenmonokulturen, denen wir auch hier im oberen Donautal begegnen. Der Unterschied zwischen Nordufer und Südufer erklärt sich aus den verschiedenen Standortverhältnissen. Die Fichte ist im Donautal generell ortsfremd, da ihr natürlicher Lebensraum auf rund 1.000 m Seehöhe beginnt. Während sie sich am Südufer anpassen konnte, ist das Nordufer durch seine sonnenexponierte Lage für sie zu trocken. Zudem ist das Nordufer nach wie vor zu unwegsam für exzessive forstwirtschaftliche Nutzung. Aber das ist gut, denn so konnten dort ursprüngliche Hang- und Schluchtwälder überleben, die heute in Europa viel beachtet sind!

- Auflösung „Stiftskirche Wilhering - Vom Werdegang eines Stiftes & Rokoko-Pracht“ Stift und Kloster sind an sich gleichbedeutend. Der Begriff „Stift“ weist jedoch auf die Gründung durch einen Stifter (= Gönner) hin, der einen religiösen Orden mit Gebäuden und Liegenschaften betraut hat. Teilweise ist damit auch ein besonderer Stiftungsauftrag verbunden. Der Begriff „Kloster“ weist hingegen mehr auf den Gründungsgedanken der Abgeschlossenheit des gemeinschaftlichen Lebens hin. Die Gründe für eine Stiftung liegen meist in der Erlangung des Seelenheils. Es konnte aber auch wirtschaftliches Kalkül dahinter stecken, bildeten sich doch um Klöster gerne Siedlungen, die gute Rendite abwarfen.

- Auflösung „Stadtturm Enns - Ein Uhr-Rätsel“ Die Uhrzeiger sind vertauscht! Der Stundenzeiger ist lang und der Minutenzeiger kurz. Das hat einen historischen Hintergrund, denn bis 1564 wurden nur die Stunden gemessen und angezeigt. Diese „Anomalie“ war auch ausschlaggebend, wieso man sich in Enns bewusst dem „mehr Zeit fürs Leben“ verschrieben hat. Nicht einfach als Marketing-Slogan, sondern als Lebensphilosophie. Die Stadt verfolgt diesen Weg seit mehreren Jahren konsequent und wurde im Jahr 2007 auch die 1. Cittaslow Österreichs. Mehr Infos dazu finden sie unter www.enns.at. Ein spannender Ansatz in einer hektischen Welt, oder?

- Auflösung „Machlanddamm - Technikwunder im Einklang mit der Natur“ Die schlimmen Hochwasser häufen sich mit der massiven Regulierung des Donaustromes! Ab den 50´er Jahren des 20. Jhdts. wurde die österreichische Donau durch den systematischen Bau von elf Laufkraftwerken in enge Bahnen gezwängt. Einstiges Überflutungsland wurde infolge besiedelt. Erkenntnis: Nicht alles, was neu ist, muss zwangsläufig gut sein! www.donau-oesterreich.at


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Und nachhaltiger Fortschritt kann nur im Einklang mit der Natur erfolgen! Das vergessen wir in unserer technikgläubigen Zeit leider allzu gerne. Eher unbekannt: Der 1947 entwickelte Masterplan der Donaustrom-Erschließer sah vor, dass, ein Kraftwerk nach dem andern gebaut werden sollte, um dieselben Baustelleneinrichtungen weiter zu verwenden. Das erklärt die auffällige Reihung der Fertigstellungsjahre der österreichischen Donaukraftwerke!

- Exkurs „Historische Donauschifffahrt“: Kapitel „Treppelwege - Entgegen dem Strom!“2 Auf der Donau wurden Waren nicht nur stromabwärts, sondern auch stromaufwärts befördert. Der Schiffstransport entgegen des Stroms erfolgte in sogenannten Schiffszügen. Dazu wurden mehrere große Lastschiffe zusammengebunden und unter Hilfe von kleineren Begleitbooten von zahlreichen Zugpferden stromaufwärts gezogen. Der Aufbau der Schiffszüge erfolgte dabei nach folgendem Schema: - Die Lastschiffe: 1. Das erste Schiff, auch „Hohenau“ genannt, war immer ein Kelheimer, das größte Transportschiff auf der Donau (Länge: 38-41 m; Breite; ca. 6,5 m; Ladekapazität: 1.600-2.400 Zentner) 2. Dann folgten 2 Gamsen, etwas kleinere Lastschiffe als der Kelheimer. Sie wurden auch „Nebenbei“ genannt (Länge: 32-40 m; Breite: 5,4 m; Ladekapazität: 1.000-1.400 Zentner) 3. Gab es noch eine 3. Gams, nannte man diese „Schwemmer-Nebenbei“ (Ladekapazität: 1.200 – 1.550 Zentner) - Die Begleitboote: 2-3 Einstellplätten: Während des Ziehens verlief das Zugseil über diese Plätten. Zudem wurden mit diesen auch eventuell notwendige Uferwechsel der Zugpferde durchgeführt. Seilplätte: Damit wurde das Zugseil von der Hohenau zu den Zugpferden gebracht. 3 Ausfahrzillen: Diese dienten zum Landtransport und für Rettungszwecke. - Zugpferde und Schiffsreiter: Die Schiffszüge auf der Donau waren legendär für ihre Länge. So musste man teilweise bis zu 60 (!) Pferde vorspannen. Bei Paarbespannung war eines der beiden Pferde beritten, bei Einzelbespannung jedes. Das „Sühl“, ein Holzbogen um das Pferdehinterteil, sorgte für bestmögliche Zugleistung. Die Aufgabe des Vorreiters war es, den Wasserstand zu prüfen und dementsprechend den optimalsten Weg für seinen Tross zu finden. Übrigens wurden Zugpferde und Schiffsreiter bei den Bauern vor Ort angemietet, während die Schiffsbesatzungen fixe Mitarbeiter der Schiffsmeister (= Schiffseigentümer) waren.

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Quelle: Führer „Oberösterreichisches Schifffahrtsmuseum Schloß Greinburg“

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Schiffszüge kamen generell nur sehr langsam voran und konnten pro Tag nur zwischen 4-6 Wegstunden zurücklegen, obwohl sich die Schiffsleute den ganzen Tag hart abmühten. Man darf nicht vergessen: vor der Regulierung der Donau verfügte diese vielfach über mehrere Seitenarme und war von sumpfiger Aulandschaft gesäumt. So ist es kein Wunder, dass man angeblich die deftigen Flüche der Schiffsleut´ schon hören konnte, bevor der Schiffszug zu sehen war. Aber davon erzählen einige Donau-Sagen! In Hinblick auf Schiffsmaterial wurden grundsätzlich nur jene Schiffe gegen den Strom gezogen, die auch für eine weitere Naufahrt (= Fahrt stromabwärts) genutzt werden konnten und deren Neuherstellung teurer gewesen wäre als der mühevolle Transport entgegen der Strömung. Das betraf vor allem die besser gebauten Transportschiffe, wie die großen Kelheimer. Deren Lebensdauer konnte schon bis zu 4-5 Jahre betragen. Volllast war jedoch immer nur während der ersten beiden Jahre möglich. Alle anderen Schiffe wurden am Zielort dem Plättenschinder zum Abwracken übergeben. Tipp: Die spannenden Schifffahrtsmuseen in Grein und Spitz erlauben interessante Einblicke in die Welt der historischen Donauschifffahrt. Quasi ein Muss für jeden Donaufahrer!

- Exkurs „Bibliotheken im Mittelalter“ Bis ins 12. Jhdt. blieb der Bücherbestand der Bibliotheken sehr übersichtlich. So umfasst die größte Büchersammlung des Abendlandes im Kloster Bobbio (Italien) gerade einmal 650 Bände. Die kunstfertigen Handschriften waren der wertvollste Besitz eines Klosters und wurden dementsprechend in versperrbaren Schränken untergebracht. Die Ausleihung erfolgt nur klosterintern und nach strengen Regeln. Ein Bücherfluch tat sein Übriges. Ab dem 13. Jhdt. wurden die Bibliotheken zunehmend auch den Laien geöffnet. Um die kostbaren Buchschätze dennoch zu sichern, wurden sogenannte Pultbibliotheken eingeführt: die Bücher lagen durch Ketten gesichert auf Pulten zur Ansicht bereit. Diese Pultbibliotheken war übrigens im 14. Jhdt. der gängige Typus. Erst viel später kamen Lesesäle in Mode. Spielte anfangs die Lesebeleuchtung nur eine untergeordnete Rolle, wurde diese spätestens ab den Pultbibliotheken eine Herausforderung. Offenes Licht war zu gefährlich und in den Bibliotheken verboten. Somit musste man sich mit natürlichem Licht behelfen und die Architektur der Bibliotheken an diese neuen Anforderungen anpassen. So gibt es zum Beispiel in der Stiftsbibliothek in Melk hinter den Bücherregalen versteckte Kammern, in denen vor einem Fenster gelesen werden kann. Dadurch konnte ein bestmögliches Verhältnis zwischen Stellplatz und Leseplatz geschaffen werden. Zudem ist das Gewölbe der Bibliothek aus Brandschutz gründen gemauert, ganz im Gegensatz zum Marmorsaal. Tja, in Bibliotheken steckt nicht nur in Büchern Geschichte!

- Auflösung „Stift Dürnstein - Ein Barock-Highlight der Wachau“ Die Kirche verfügt über keinen direkten Haupteingang. Sie wird durch einen Seitentrakt des Stiftshofes betreten. Sehr ungewöhnlich! Der Grund dafür mag wohl in der pragmatischen Nutzung bereits vorhandener Gebäude und im Wunsch nach einem symmetrischen Innenhof bei der Neugestaltung des Klosters im 18. Jhdt. zu suchen sein. Architektur lesen lernen!

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- Auflösung „Fahrt durch die Wiener Pforte“ Bisamberg. Bis-am-Berg. Dämmert es? Die Donau fließt hier „bis am Berg“. Ortsnamen und Flurnamen geben sehr oft Aufschluss über Gründer, Besitzverhältnisse, Funktionen, Aussehen, Lage, ... Sie erzählen quasi „Kulturlandschaft“. Ein Blick in die Landkarte verrät viel mehr als den bloßen Standort - mal drauf achten!

© Kranzmayr – Erlebnisraum Optimierung

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Routenempfehlung Mittelalter an der Donau (Rad)  

Routenempfehlung für eine Rad-Kulturreise an der Donau zum Thema Mittelalter

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