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25. Jahrgang
ISSN 2941-2870 (Print) | ISSN 2944-3598 (Online)
Ausgabe 05/2026
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27. April 2026
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Berlin
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Souveränität
CDO Matthias Hundt erläutert den Status quo und die Pläne für die Digitalisierung in Berlins Verwaltung.
SPEZIAL
Ist die Delos Cloud souverän? CEO Nikolaus Hagl erklärt dies anhand von vier Kriterien.
Hintergründe und Status quo rund um den Themenkomplex eGovernment & ITConsulting.
Deutschland-App
Erst Ende Februar angekündigt, entwickelt das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung mit T-Systems und SAP bereits den Prototyp einer zentralen Bürger-App. Die Geschwindigkeit ist gewollt – doch genau an ihr entzündet sich Kritik. „Das wird krass.“ So euphorisch kündigte Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger Ende Februar eine App an, die das Verhältnis zwischen Bürger und Staat grundlegend verändern soll: Kindergeld beantragen, den Wohnsitz anmelden, ein Unternehmen gründen – alles über eine einzige Smartphone-App, digital und rund um die Uhr. Einen festen Namen trägt die Anwendung noch nicht, meist ist in diesem Kontext von der „Deutschland-App“ oder der „Bürger-App“ die Rede. Details wollte Wildberger erst im Sommer vorstellen. Doch schon jetzt nimmt das Vorhaben Gestalt an: Gemeinsam mit SAP und T-Systems entwickelt sein Ministerium einen Prototyp, der in Kürze vorliegen soll.
Fokus auf Schnelligkeit Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) macht keinen Hehl daraus, dass es ins Machen kommen will: „Unser Ziel ist, schnell spürbare Fortschritte für die Menschen in Deutschland zu erzielen“, hieß es auf Anfrage der eGovernment-Redaktion. Man wolle das Leben der Bürgerinnen und Bürger einfacher machen und die Verwaltung effizienter, schneller und serviceorientierter gestalten – „mit weniger Bürokratie, kürzeren Bearbeitungszeiten und einer zentralen Anlaufstelle für Verwaltungsleistungen [...].“ Lernende KI-Agenten sollen Nutzer durch Anträge führen und Ver-
waltungsprozesse automatisieren. Die App soll zudem mit der EUDIWallet verzahnt werden, über die sich digitale Identitäten und offizielle Nachweise verwalten lassen. Konzipiert ist der Prototyp laut BMDS als modulare und offene Plattformstruktur innerhalb des Deutschland-Stacks – jener übergeordneten IT-Architektur, die das Ministerium derzeit neu aufsetzt. Getestet werden soll die Anwendung zunächst in mehreren Pilotkommunen, darunter Hamburg, Dresden, Nürnberg und Wiesbaden, sowie bei der Bundesagentur für Arbeit. T-Systems verantwortet Cloud-Infrastruktur und Datenspeicherung, SAP steuert seine Business Technology Platform sowie KI-Komponenten bei.
Bild: © BMDS/Woithe
Die App ohne Namen – aber mit Ambitionen Im Frühsommer will Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, mehr zur Umsetzung der Bürger-App verraten.
Tempo hat seinen Preis Die Unternehmen wollten sich auf Anfrage nicht zu Details äußern und verwiesen wiederum auf das Bundesministerium; dass ausgerechnet SAP und T-Systems den Prototyp bauen, dürfte aber dem Pragmatismus geschuldet sein: Für die zeitlich begrenzte Initialphase nutzt das BMDS bestehende Rahmenverträge aus dem Kaufhaus des Bundes. Eine gesonderte Ausschreibung war dafür nicht erforderlich. Das erlaubt zwar ein hohes Tempo, doch genau dem wohnt eine gewisse Zweischneidigkeit inne, denn die
Konstellation weckt Erinnerungen: T-Systems und SAP hatten bereits die Corona-Warn-App entwickelt, die bis heute als Beleg dafür gilt, dass der Bund bei Bedarf schnell handeln kann. Doch die Anwendung stand auch wegen hoher Kosten und mangelnder Integration in bestehende Verwaltungsprozesse in der Kritik. Schnelligkeit allein, so die Lehre, ist noch kein Qualitätsmerkmal.
Ausschreibung soll folgen Das BMDS betont, dass nach der Prototyp-Phase eine offene Ausschreibung folgen werde, „bei der sich alle Marktteilnehmer für die Entwicklung und den Betrieb der Plattform und App bewerben können“. In den sozialen Netzwerken entzündete sich dennoch rasch Kritik an der Vergabepraxis. Ein zentraler Einwand: Wer den Prototyp baue, lege die technische Architektur fest – Datenmodelle, Schnittstellen, Systemlogiken. Eine spätere Ausschreibung starte damit nicht bei null, sondern auf einem bereits definierten Fundament. aus Weitere Informationen Die Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung im Kurzabriss.
[ voge.ly/agenda-bund-2026 ]
Kurz gemeldet C'est fini, Microsoft: Frankreich stellt auf Open Source um Die französische Digitalbehörde DINUM hat am 8. April auf einem interministeriellen Seminar in Paris angekündigt, ihre Arbeitsplätze von Windows auf Linux umzustellen und damit ein deutliches Signal in Richtung digitaler Souveränität gesetzt. Am Seminar nahmen neben mehreren Ministerien auch die nationale Cybersicherheitsbehörde ANSSI, die staatliche Beschaffungsagentur DAE sowie Vertreter aus der Privatwirtschaft teil. Das formulierte Ziel der Veranstaltung: Die technologische Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern maximal zu reduzieren. Die LinuxMigration der DINUM ist dabei
nur ein Baustein einer breiteren Souveränitäts-Offensive. Zur Zeit befinden sich zwei LinuxDistributionen im Pilotbetrieb. Gendbuntu, ein Ubuntu-Derivat, das die französische Gendarmerie seit 2008 produktiv nutzt, sowie EU-OS, eine Fedora-basierte Distribution mit KDE-Plasma-Desktop. Bereits vor dem Seminar hatte die nationale Krankenversicherung (Caisse nationale d'Assurance maladie) angekündigt, ihre 80.000 Beschäftigten auf den interministeriellen Software-Stack umzuziehen. Statt kommerzieller US-Produkte kommen künftig der Messenger Tchap, das Videokonferenz-
tool Visio und der Dateitransferdienst FranceTransfert zum Einsatz. Zusätzlich plant die Regierung, die zentrale Gesundheitsdatenplattform (Plateforme des Données de Santé) bis Ende 2026 auf eine europäische Cloud-Lösung zu migrieren. Jedes Ministerium – einschließlich sämtlicher nachgeordneter Behörden – muss bis Herbst 2026 einen eigenen Fahrplan vorlegen. Dieser soll sieben Hand-
lungsfelder abdecken: Arbeitsplatz-Betriebssysteme, Kollaborationstools, Antivirensoftware, künstliche Intelligenz, Datenbanken und Virtualisierung, Netzwerkausrüstung. David Amiel, Frankreichs Minister für Haushalt und Verwaltung, formuliert den eigenen Anspruch: „Der Staat kann sich nicht länger damit begnügen, seine Abhängigkeit festzustellen – er muss sie überwinden. Wir müssen uns von amerikanischen Tools lösen und die Kontrolle über unser digitales Schicksal zurückgewinnen.“ Die Souveränität im Digitalen sei „nicht optional“, so Amiel. jk