Page 1

Deutscher Werkbundtag 2017 zur Zukunft von Arbeit und Bildung


Schirmherren


Inhalt

28 Werkbund Werkstatt Nürnberg 4 Grußwort Staatsminister Dr. Markus Söder 30 Pop-up-Universität 31 Lernorte 5 Grußwort Ralf Holtzwart 32 Veranstaltungsorte 6 Grußwort Programm Prof. Dr. Julia Lehner 34 36 Referenten 8 Einführung Christian Böhm 63 Literaturempfehlungen 10 Einführung 66 Sponsoren Peter Neudert 70 Bildnachweise 12 Positionen Albrecht Göschel 72 Impressum 18 Positionen Gernot Böhme 25

Positionen Hermann Glaser


Grußwort

4

Sehr geehrte Damen und Herren, der Deutsche Werkbundtag 2017 widmet sich mit „Arbeit und Bildung“ einem vielschichtigen Themenfeld. In Form einer Pop-up-Universität mit Vorträgen und Workshops werden vor allem die tiefgreifenden Veränderungen unserer Lebensund ­Arbeitswelt durch die Digitalisierung beleuchtet.

Die Herausforderungen für Bürger und Staat, Wirtschaft und Gesellschaft durch die digitale Transformation aller Lebens­ bereiche sind groß. Hieraus ergeben sich aber zugleich enorme Zukunftschancen für unser Land. Wir sollten alles daransetzen, Bayern und Deutschland zu einer Leitregion der Digitalisierung zu machen und uns ­diese Chancen nachhaltig zu sichern.

Das Heimatministerium Nürnberg bietet für diesen Diskurs einen passenden Rahmen. Von hier aus treibt die Bayerische Staatsregierung ein Kernelement der digitalen ­Zukunft Bayerns voran. Mit flächendeckendem Breitbandausbau in Stadt und Land sorgen wir für eine digitale HochleistungsInfrastruktur in allen Regionen Bayerns. Dies ist Teil des umfassenden Masterplans „BAYERN DIGITAL“, mit dem wir zwischen 2015 und 2022 rund 5,5 Milliarden Euro in die digitale Zukunft Bayerns investieren.

Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Deutschen Werkbundtages 2017 einen ­inspirierenden Gedankenaustausch! Ihr Dr. Markus Söder, MdL Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat


Unsere Art zu arbeiten und uns zu bilden muss ebenso gestaltet werden. Das ist der Wirkungsbereich der Politik, die gesellschaftliche Strukturen und Prozesse formt. Wendet man die Kriterien von Funktionalität und Materialgerechtigkeit hier an, stellt sich die Frage, wie Arbeit und Bildung vor dem Hintergrund der Digitalisierung weiter entwickelt werden können. Wie kann die Gute Form im Rahmen der politischen ­Gestaltung Eingang finden in Arbeit und Bildung? Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren, der Deutsche Werkbund wurde 1907 als Antwort auf die entstehende Industrialisierung gegründet. Seitdem ist der Deutsche Werkbund Impulsgeber für Baukultur und Formgebung, aber auch für breiter gefasste gesellschaftliche Prozesse. Seine Mitglieder kommen bis heute aus Kunst, Industrie und Handwerk. Sie verbindet das Ziel, Funktionalität und Materialgerechtigkeit als Qualitätskriterien in allen Gestaltungsdisziplinen zu verankern. Von Gestaltung im engeren Sinne sprechen wir, wenn sie die ästhetische Dimension betrifft. Der Gestaltungsbegriff des Deutschen Werkbunds, die Gute Form, ist weiter ­gefasst. Er bringt sich dort ein, wo Gestaltungsbedarf sichtbar wird und stößt den ­interdisziplinären Dialog hin zu einem qualitätsbewussten Gestalten unserer Umwelt an.

Funktionalität als Kriterium leitet auch uns als Arbeitsverwaltung dabei, Menschen und ihre Kompetenzen mit den Betrieben zusammen zu bringen, die genau diese Kompetenzen benötigen. Die Materialgerechtigkeit treibt uns um, wenn es darum geht, auf welchem Wege wir die Kompetenzen von Menschen sichtbar machen und weiter entwickeln können. Der Frage nach der Gestaltung unserer ­Arbeitswelt gehen die Mitglieder des ­Deutschen Werkbunds im Rahmen der Pop-up-Universität zur Zukunft von Arbeit und Bildung nach, die anlässlich des ­Deutschen Werkbundtags 2017 in ­Nürnberg entsteht. Die Form der Pop-­upUniversität an sich steht für neue Formen des Lernens. In ihrer Flüchtigkeit fasst sie die Volatilität und Kurzlebigkeit, die unser Lernen und Arbeiten im Zeitalter der Digitalisierung bestimmt. Ich wünsche Ihnen wertvolle Entdeckungen in den Laboren der Pop-up-Universität und bin gespannt, welche Antworten Sie dort entwickeln! Ralf Holtzwart Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit

5


Dass nichts stetiger als die Veränderung ist, lehrt uns der Alltag in vielfacher Hinsicht. Mögen im privaten Leben bestimmte Einflussmöglichkeiten auf Änderungsprozesse vorhanden sein, so sind in gesellschaftlicher, ökonomischer und auch in ­kultureller Hinsicht viele Entwicklungen und Wandlungen nur wenig beeinflussbar. Sie müssen, nach mehr oder weniger langen „Inkubationsfristen“, hingenommen und es muss damit umgegangen werden.

Grußwort

6

Gerade in der Arbeitswelt zeitigen Neuerungen oftmals drastische Konsequenzen, die weitreichend das soziale Umfeld und damit letztendlich auch die persönlichen Lebenseinrichtungen tangieren. Arbeit und Bildung sind Geschwister, die nicht nur miteinander zu tun haben, sondern voneinander abhängen. Der Deutsche Werkbundtag 2017, vom Deutschen Werkbund ­Bayern e. V. in Zusammenarbeit mit der Werkbund Werkstatt Nürnberg e. V. im Haus des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat ausgerichtet, widmet sich dem ­Thema der schöpferischen Fortentwicklung und dem innovativen Umbau unserer ­gesamten Arbeits- und Bildungswelt. ­Bekanntlich ist es grundsätzliches Ziel des Werkbunds, stets gesellschaftlich relevante, exemplarische und zukunftsweisende Projekte zu verwirklichen, Wertediskussionen in die Praxis einzubringen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und Ausblicke zu schaffen. Bildung und gerade ästhetische Bildung sind die zentralen Aufgaben, für die sich der Werkbund dauerhaft engagiert und worauf die Aktivitäten ausgerichtet sind. Die moderne Lebenswelt wird immer unübersichtlicher und vielgestaltiger, gleichzeitig sind traditionelle Ordnungsmuster vielfach in Auflösung begriffen. Die Fähigkeit, sich über unterschiedliche Herkunft, Lebensformen und Weltanschauungen hinweg zu verständigen, zu wissen, welche Anforderungen erforderlich sind,

sich nicht nur auf Veränderungen einzustellen, sondern damit umzugehen und ihnen standzuhalten, ist Ziel der ästhetischen Bildung. Hierzu ist analytische Fähigkeit und Phantasie vonnöten, dazu ist Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit gefordert, sich neue Welten zu erschließen. Orientierung besitzen, um wiederum Orientierung geben zu können, muss Zweck des Prozesses sein. Ich freue mich sehr, den Werkbundtag 2017 in unserer Stadt zu wissen, danke ­ für das Engagement hinsichtlich so bedeutender Zukunftsfragen und wünsche den ­Veranstaltungen die ihnen gebührende ­Resonanz. Prof. Dr. Julia Lehner Kulturreferentin der Stadt Nürnberg


7


Willkommen zum Deutschen Werkbundtag 2017 in Nürnberg Der Deutsche Werkbundtag 2017 widmet sich der Zukunft von Arbeit und Bildung. ­­­ Er sucht Antworten auf die Frage, wie wir die heute alle Lebensbereiche erfassende Digitalisierung so gestalten, dass sie dem Menschen gerecht wird.

Einführung

Ausgangspunkt für die Gründung des Deutschen Werkbunds vor 110 Jahren war das Bedürfnis nach einer „Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk“. Dabei wurden von Beginn an ästhetische Fragestellungen nicht isoliert betrachtet, sondern gemeinsam mit den wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bedingungen ihrer Zeit. Seitdem engagiert sich der Werkbund dafür, die vom Menschen geschaffene ­Umwelt human zu gestalten, und hat auf diesem Gebiet immer wieder wesentliche Impulse gegeben. Dazu zähle ich Initiativen für den Umwelt- und Landschaftsschutz wie 1959 die Tagung „Die große Landschaftszerstörung“ in Marl ebenso wie das interdisziplinäre Symposium „Der Mensch ohne Hand oder die Zerstörung der menschlichen Ganzheit“, welches der Werkbund Bayern 1978 in München veranstaltet hat. Beides sind Bespiele dafür, wie sich der Deutsche Werkbund immer schon gesellschaftlich engagiert und Position ­bezogen hat. In Kontinuität dazu hat der Werkbund ­Bayern vor zwei Jahren programmatisch beschlossen, in offener, fachlich geprägter Diskussion Lösungen insbesondere zu ­Fragen guter Umweltgestaltung zu suchen und sich auf dieser Basis in gesellschaftlich relevante Themen einzumischen. ­ Er versteht sich dabei als – im weitestem ­Sinne – politischer, bürgerschaftlicher, dem Gemeinwohl verpflichteter Verband, ohne berufsständische, verbands- oder

8

parteipolitische Interessen und fühlt sich den Ideen der Chancengleichheit und ­Zukunftsfähigkeit verpflichtet. Ging es für den Werkbund zu Beginn seiner Arbeit um die gute, dem Material und dem Nutzungszweck angemessene Gestaltung von Dingen und später um den Umgang mit dem Verlust von Wertmaßstäben und Sinnerfahrungen vor dem Hintergrund der beginnenden Rationalisierung und Ökonomisierung, so besteht die aktuelle Herausforderung in der unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ seit ein paar Jahren ebenso rapide wie oft unbemerkt fortschreitenden Digitalisierung und Roboterisierung der Arbeitswelt und fast aller ­anderer Lebensbereiche. Gehen wir von den aktuellen Entwicklungen der Arbeitswelt aus. Eine Anfang 2017 v­eröffentlichte Studie des Weltwirtschaftsforums sagt für den Zeitraum zwischen 2015 und 2020 einen möglichen Verlust von sieben Millionen Arbeitsplätzen in den 13 größten Wirtschaftsräumen, ohne Japan und Russland, hauptsächlich im Bereich der niedrig qualifizierten administrativen ­Tätigkeiten voraus. Gleichzeitig werden laut der Studie bis zu zwei Millionen neue ­Arbeitsstellen in Zusammenhang mit ­Mathematik, Computer oder Ingenieurtätigkeiten geschaffen. Netto gehen laut Weltwirtschaftsforum also fünf Millionen Jobs verloren. Andere Studien sind noch weit pessimistischer: So kam 2013 ein Team von Wissenschaftlern der Universität ­Oxford zu dem Ergebnis, dass die Automatisierung in den USA rund 47 Prozent der Arbeitsplätze bedroht. Daraus ergibt sich ein ganzes Bündel an Fragen: Wie gehen wir als Gesellschaft mit den damit verbundenen Herausforderungen um? Wie verhindern wir, dass sich die Technologie als mächtigste Kraft unserer Zeit gegen die Menschen wendet? ­


Wie kann eine digitale Ethik aussehen, wer entwickelt sie und setzt sie durch? ­Welche sozialen und politischen Entscheidungen müssen wir dafür treffen? Und ganz zentral: Wie können wird diese ­Entwicklung menschengerecht gestalten? Für diese Suche steht „Herbert 4.0“, eine Kunstfigur, die den Deutschen Werkbundtag 2017 begleitet. Ein Herbert aus dem letzten Jahrhundert, der noch etwas fremd in der für ihn neuen Welt ist und der dort seinen Platz sucht. Dieser Herbert soll die Teilnehmer des Werkbundtags immer­­ wieder daran erinnern, den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu ­stellen, von dessen Bedürfnissen und ­dessen Potentialen her zu denken. Dieser auf den Menschen ausgerichtete Ansatz ist für mich der Schlüssel, um gute und langfristig tragfähige Antworten auf die aktuellen Herausforderungen zu finden. Aus meiner Sicht kommt dabei der Bildung eine Schlüsselrolle zu: Was bedeutet das für unser Bildungssystem, wie fördern wir die Bereitschaft für lebenslanges Lernen? Wie verändern wir die Ausbildung, um sie stärker auf die Entwicklung der menschlichen Qualitäten zu fokussieren? Wie vermitteln wir Fähigkeiten wie selbständiges Denken, Sozialkompetenz, Überzeugungskraft, Kreativität und Unternehmergeist? Dies dient zwei Aspekten. Zum einen kann es den Menschen für ein Leben in der digitalisierten Welt stärken; sich der eigenen Qualitäten und der Bedürfnisse für ein ­erfülltes Leben bewusst zu werden und nicht nur als Anhängsel und Erfüllungsgehilfe ­einer digitalen Roboterwelt zu sehen. Zum anderen kann es ganz praktisch helfen, den Arbeitsplatz zu sichern. Nicht alle Bereiche werden vom Stellenabbau im gleichen ­Ausmaß betroffen sein: Vor allem Arbeitsplätze, die viel Expertise und überdurchschnittliche Kreativität voraussetzen, sind

r­ elativ schwer automatisierbar. ­Empathie, Verhandlungsfähigkeit und Vorstellungskraft sind beispielsweise besondere Fähigkeiten, die das menschliche Gehirn gegenüber künstlicher Intelligenz auszeichnen. Der Werkbund Bayern veranstaltet den Deutschen Werkbundtag 2017 in Zusammenarbeit mit der Werkbund Werkstatt Nürnberg, die von ihm vor nun 30 Jahren gegründet wurde. Schon damals ging es dem Werkbund um die Entwicklung einer Ästhetik, die gesellschaftliche Belange ­zentral miteinbezieht. Um eine Ästhetik, die sich nicht wie zu den Gründungszeiten des Werkbunds ausschließlich auf die Gestalt der Dinge konzentiert und deren Linie sich letztendlich in der Nazizeit bis zum Amt „Schönheit der Arbeit“ ziehen lässt. Sondern um die kritische Auseinandersetzung mit der Warenästhetik der Konsumgesellschaft, um soziale Fragestellungen, um Chancengleichheit und um Ökologie. Themen, die auch heute von größter Relevanz sind.

„Früher einmal wusste ich die Antworten, heute ahne ich die Fragen“, hat der Widerstandskämpfer Heinz Brandt (1909-1986), einer der Wegbereiter der Grünen, einmal ­gesagt: Auch wir als Werkbund haben auf die aktuellen Fragen in Zusammenhang mit der Digitalisierung keine abschließenden Antworten – Grund für uns, sie auf dem Deutschen Werkbundtag 2017 zu diskutieren. Christian Böhm 1. Vorsitzender Deutscher Werkbund e. V. und Deutscher Werkbund Bayern e. V.

9


Liebe Teilnehmer des Werkbundtags 2017, auch ich freue mich sehr, Sie in den ­ von Sep Ruf errichteten „heiligen Hallen“ der ehemaligen Bayerischen Staatsbank begrüßen zu dürfen – in ­meiner Funktion als 1. Vorsitzender der Werkbund Werkstatt Nürnberg e. V., als 2. Geschäftsführer der Werkbund Werkstatt Nürnberg gGmbH ­ und als einer von mehreren, die diesen Tag in vielen Tages- und Nachtsitzungen seit drei ­Jahren vorbereitet haben. Einführung

Sep Ruf, der in Nürnberg unter anderem noch die Akademie der Bildenden Künste und den neuen Teil des Germanischen ­Nationalmuseums errichtete, hätte sich als Werkbund-Mitglied bestimmt darüber ­gefreut, dass sein Werk den Ort und Rahmen für unsere Veranstaltung bildet. So vielfältig und hochkarätig wie seine Bauten – so ­vielfältig und hochkarätig auch unser Programm. Ich möchte jetzt die Chance nutzen, mit ­­­ein paar polarisierenden Worten zu den Themen überzuleiten, um die Diskussion etwas anzuheizen: Ich selbst bin seit über 30 ­Jahren ­Innenarchitekt, Ausstellungsgestalter, ­Dozent bzw. Vorstand der Werkbund Werkstatt Nürnberg, Vater von vier Kindern im Alter von 13 bis 23 Jahren mit Migrations-Hintergrund – bewege mich also schon länger in den Themen des Werkbundtags 2017. Vor diesem Hintergrund behaupte ich frei heraus: Es gibt mit Ausnahme der Steiner-, Montessori- und Liebfrauenhaus-Schulen und einigen freiwilligen Weiterbildungs-­ Angeboten – sie sind teilweise auf dem Werkbundtag vertreten – an unseren Schulen zu wenig Sport, zu wenig Musik, zu ­wenig künstlerisches Gestalten, zu ­wenig Persönlichkeits-Entfaltung. Ebenso ­wenig gibt es das Fach „Programmieren“ – oder kennen Sie eines?

10

Ich wage weiterhin zu behaupten, dass ich mit den genannten Punkten für viele weiterführende Schulen, Betriebe und Berufsfelder spreche – und dass die richtigen ­Weichenstellungen für die notwendigen Strukturen der Aus- und Weiterbildung „verschlafen“ werden bzw. den eigentlichen, teilweise tagtäglich neuen und anderen Notwendigkeiten „hinterherhinken“. Ich traue mich sogar zu sagen, dass die ­dafür zuständigen Ministerien – in ihren bisherigen „schwerfälligen“ Strukturen – gar nicht dafür gerüstet sind, in der notwendigen Schnelligkeit auf die neuen ­Herausforderungen zu reagieren und ­richtungsweisende Vorgaben/Rahmenbedingungen für die Ausbildung unserer Schüler und unserer Lehrer – und damit ­­ der Arbeitskräfte von morgen – zu schaffen. Aber ich lasse mich auf dem Werkbundtag gern eines Besseren belehren und vom Gegenteil überzeugen. In diesem Sinne: Feuer frei – für einen regen Austausch und hitzige Diskussionen … Peter Neudert 1. Vorsitzender der Werkbund Werkstatt Nürnberg e. V., 2. Geschäftsführer der Werkbund Werkstatt Nürnberg gGmbH


11


Positionen Albrecht Göschel

Das Transformationsproblem von „Arbeit“ und „ästhetischer Bildung“ im Deutschen Werkbund Sowohl in internen Debatten als auch bei Äußerungen, die an die Öffentlichkeit gerichtet sind, wird im Deutschen Werkbund ein vielfältiger Kontinuitätsanspruch artikuliert, der sich gleichermaßen auf zentrale programmatische Begriffe der Werkbundtradition wie „Qualität“ oder „ästhetische­­ ­Bildung“ wie auf Entwurfsleistungen bezieht. Mit derartigen Kontinuitätsbehauptungen werden in der Regel von Organisationen unterschiedlichster Ausrichtung Kompetenzen beansprucht, oder aktuelle Äußerungen werden mit der Kontinuitätsfrage auf den Prüfstand gestellt. In modischer Weise könnte man dahinter das für alle Organisationen relevante Identitätsproblem sehen, dass sich nur über die Vergewisserung von Tradition oder Kontinuität, einer „Treue zu sich selbst“ lösen lässt, und das in pluralen, hoch differenzierten und dynamischen ­Gesellschaften zum Existenzproblem ­werden kann, wenn es um Wahrnehmbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit in einer von Knappheit bestimmten Ökonomie der Aufmerksamkeit geht. Sehr direkt finden sich Kontinuitätsbehauptungen als Markenstrategien in so gut wie allen Produktionsfeldern, in denen der Verweis auf langen und kontinuierlichen Erfolg die Kompetenz auch für die Gegenwart in Anspruch genommen wird. Stellt man das sogenannte „Identitätsproblem“ erst einmal zurück, ergibt sich die ­simple Frage, ob denn für die zentralen ­Begriffe des Werkbunds – „Qualität“, ­„ästhetische ­Bildung“ oder auch „Arbeit“ – tatsächlich eine inhaltliche, gehaltvolle, über die reine Begrifflichkeit hinausgehende Kontinuität zwischen den Anfängen bzw. der großen Zeit dieses Bundes und der Gegenwart ­besteht, oder ob es nicht eher gravierende Brüche im Umfeld des Werkbunds bzw. ­in diesem selber sind, die die Inhalte dieser programmatischen Begriffe so sehr gewan-

12

delt haben, dass Kontinuitätsbehauptungen dem kaum noch gerecht werden können. Es müssten die Diskontinuitäten, die ­Umbrüche sein, nach denen vorrangig zu ­fragen wäre, um der Rede von Kontinuität Gehalt zu verleihen, die ja nur dann stichhaltig werden kann, wenn die postulierte Kontinuität dem Wandel gerecht wird. Im Unterschied etwa zu einem Autobauer, der materiell überprüfbare Produkte kontinuierlich herstellt und dafür werbend auf eine lange Tradition und die damit akkumulierten Erfahrungen verweisen kann, handelt es sich bei den programmatischen Begriffen des Deutschen Werkbunds um kulturelle Begriffe, die in ganz anderer Weise dem Wandel ausgesetzt sind, so dass nachgewiesen werden müsste, dass sich Wandel und Kontinuität in der Zuständigkeit für diese kulturellen Dimension verbinden und aus dieser Verbindung Kompetenz erwächst. Die gesamte Programmatik des Deutschen Werkbunds stammt nun aus der Industriekultur, die trotz erheblicher innerer Variationen doch mit einer gewissen Konstanz in den zentralen Kategorien spätestens seit der Zeit um 1900 bis in die 1930er-Jahren einen Höhepunkt erreicht, bis ungefähr in die 1960er-Jahre anhält, seit den 1970er-­ Jahren aber gravierend an Bedeutung verliert, also genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Werkbund dramatisch an prägender Kraft einbüsst. Eine Neuausrichtung an den Wandel „Von der Industrie- zur Kulturgesellschaft“ (Fohrbeck u. Wiesand 1989) scheint nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein. Am Begriff der „ästhetischen Bildung“ lassen sich der Wandel in dieser Zeit und die damit verbundenen Herausforderungen für den Werkbund geradezu exemplarisch darstellen. Mit „ästhetischer Bildung“ wird unter industriekulturellen Voraussetzungen ein Erziehungsprogramm entworfen, in dem die Masse der Bevölkerung durch eine erlesene professionelle Elite an eine gute, letzten ­


13


Positionen Albrecht Göschel

14

Endes wissenschaftlich-objektiv begründbare Qualität von Alltagsgegenständen­ herangeführt werden sollte. Die entsprechenden Publikationen des Werkbunds zeigen das unmissverständlich. In der Tat sah sich die Werkbund-Elite in einer Führungsrolle, der das Volk unwidersprochen zu folgen hatte, einer der fatalen Gründe für die Nähe dieser Elite zum nationalsozialistischen Führerprinzip (Campbell 1981). Irgendeine Art von Selbstbestimmung der einzelnen, nicht-professionellen Individuen war in diesem Modell so komplett ausgeschlossen, dass es nicht einmal bewusst erwogen werden musste. Es galt, durch ­ästhetische Bildung das Effizienz- und Leistungsprinzip der Industriekultur, das der Frankfurter Ernst May unübertroffen für die Stadt artikuliert, durch ästhetische ­Bildung und Erziehung durchzusetzen: „Was soll die Stadt? Sie soll die Berufserfüllung jedes einzelnen Bürgers so erleichtern, dass er mit einem Mindestaufwand an Kraft ein Höchstmaß an Leistung erzielt. Dieser Leitsatz muss als Leitstern über ­allen Maßnahmen schweben…“ (zit. nach Prigge 1992:33). Damit herrschte auch in der „ästhetischen Bildung“ das Prinzip ­einer nach Effizienzkriterien organisierten Formierung der Masse durch professionelle Eliten, das auch die Architektur zum Beispiel des Massenwohnungsbaus prägte, die ­Zusammenfassung zu gleichgeschalteten „Kolonnen“ auf dem Marsch in eine bessere Welt (Münkler 2012), wie es z. B. die Entwürfe Wolfgang Hilberseimers unmissverständlich zum Ausdruck bringen. Ohne Zweifel wirken in diese hochindustriellen Konzepte ästhetischer Erziehung noch ­idealistische Ideen über die moralisch-normative Wirkung des Schönen ­hinein. Auch im Deutschen Werkbund der frühen Jahre bleiben Veredelungs- und Perfektionierungsansprüche gegenüber dem Einzelnen und der Masse, die über Ästhetik oder eben das Schöne realisiert werden sollen, in höchstem Maße wirksam, auch wenn sie

in den 1920er-Jahren gegenüber den Formierungsvorstellungen zurücktreten. Der Bruch zu aktuellen Konzepten ästhetischer Bildung und Erziehung könnte nun größer kaum sein. Es geht aktuell in keiner Weise mehr um die Durchsetzung bestimmter, von Eliten fixierter ästhetischer Standards oder Qualitäten, sondern um eine je individuelle Persönlichkeitsentwicklung, zu der auch die Fähigkeit des ästhetischen Urteils, eher noch von Ästhetik in ihrer ­ursprünglichen Bedeutung als bewusster Wahrnehmung der Umwelt jenseits rein ­utilitaristischer Kategorien gehört, um den „Gebrauch der Sinne“ (Selle 1981, 1988). Nicht Anpassung oder willenlose Übernahme vorgegebener Standards ist das Ziel, sondern die Entfaltung einer persönlichen Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit als Voraussetzung und Artikulationsebene der fundamentalen Kompetenz, die heute von jedem Einzelnen erwartet und selbstverständlich auch in Anspruch genommen wird, von Kreativität (Reckwitz 2012). In deren Verallgemeinerung oder Demokratisierung entwirft das moderne Subjekt sich selbst am historischen Modell des Künstlers: Jeder ein Künstler! Dieser Wandel, der einem fundamentalen Bruch gleichkommt, schlägt sich direkt im Arbeitsleben und im Arbeitsbegriff nieder. Arbeit in der industriekulturellen Moderne – im Fordismus, wie diese Epoche bezeichnender Weise auch genannt wird – bedeutet minutiöse Anpassung des Einzelnen an vorgegebene Takte und Normen, zum Extrem getrieben im Taylorismus. Wie Billy Wilders wunderschöner Film „Das Apartment“ zeigt, gelten diese Prinzipien jedoch nicht nur in der industriellen Produktion, sondern genauso in den damals als Großorganisationen entstehen Dienstleistungsunternehmen; und sie durchziehen den ­gesamten Leistungssport, der in dieser Zeit von 1900 bis in die 1930er-Jahre entsteht, exemplarisch z.B. im Rudern, im Radrennen usw.


Arbeitsplätze dieser Form sind seit den 1970er-Jahren auf dem Rückgang und werden abgelöst von modernen Dienstleistungsarbeitplätzen häufig in kleineren Organisationen – Architektur- und Design-Büros, Anwaltskanzleien, wissenschaftlichen ­Labors etc. Wo sich Großorganisationen behaupten, suchen sie durch ständige ­Neubildung von Projektteams und Arbeitsgruppen die Atmosphäre der Kleinen zu ­imitieren. Die Arbeitsvorgänge sind dominiert von der Forderung nach ständiger Kreativität, nicht nach Anpassung an inhaltliche Vorgaben. Individualität kann und soll sich bis zu Idiosynkrasien steigern können, unter der Voraussetzung natürlich, dass der Erfolg des Unternehmens ultimativer Maßstab ­­bleibt, eine Norm, die zu erheblichen Spannungen und Konflikten in den individuellen Persön­ lichkeiten führen muss (Reckwitz 2006).

Während nun im Bereich von Architektur, Städtebau, evtl. auch von Design deutliche und potentiell erfolgreiche Versuche zur Anpassung des Deutschen Werkbunds ­ an die Bedingungen einer postmodernen ­Kulturgesellschaft zu erkennen sind, z. B. durch die Betonung des Einzelnen oder des Teiles gegenüber einem Ganzen in der „WerkbundStadt Berlin“ (Göschel 2016), erscheint eine Umschaltung in den programmatisch-normativen, kulturellen Begriffen sehr viel schwieriger zu sein. Ein Verweis auf Kontinuität auf dieser Ebene wäre vermutlich sogar kontraproduktiv, da eine Verlängerung der Inhalte, die in den 1900erbis 1930er-Jahren gemeint waren und mit denen der Werkbund assoziiert wird,­­ aktuelle Problemlagen total verfehlen würde. Darüber hinaus ist die Zahl der Organisa­ tionen, die sich aktuell mit „ästhetischer ­Bildung“ und „Arbeit“ befassen, gigantisch,

und sie führen wissenschaftliche und ­öffentliche Debatten, zu denen der Werkbund keinen Zugang hat, in denen er als Meinungsträger, geschweige den als Meinungsführer schlicht nicht vorkommt. Die Berufung auf eine Tradition und Kontinuität als Begründung von aktueller Zuständigkeit erscheint also als zumindest höchst ambivalent. Im Grunde liegt das Problem aber sogar noch tiefer. Der Werkbund gewinnt seine, bis in den Namen reichende Bedeutung durch eine kulturelle Dominanz der Dinge, der industriellen materiellen Produkte, die diese Dinge als Mittel zur Überwindung ­einer Mangelgesellschaft erhalten. Aktuell aber verlieren in der Wohlstandsgesellschaft die Dinge, die materiellen, gegenständlichen Werke gravierend an kultureller Präge- oder Innovationskraft. In weiser 15


Positionen Albrecht Gรถschel

16


­ oraussicht des sich abzeichnenden WanV dels hatte Adorno den Werkbund bereits in den 1950er-Jahren vor dieser Fixierung auf die Dinge gewarnt. An ihre Stelle treten Kommunikationsvorgänge, die zwar auch nicht völlig unabhängig von Geräten erfolgen können, in denen aber diesen Geräten eine vergleichweise geringe Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Ein Smartphone ist aus Sicht des Werkbunds kein sehr ergiebiger Gegenstand qualitativ anspruchsvoller Produktkultur, der Umgang mit diesem Gerät aber eine zentrale Frage von Kommunikationskultur. Schlagend deutlich wird das an dem aktuellen Ranking der führenden Konzerne. Angeführt werden solch ­Listen von Kommunikationskonzernen wie Google, Facebook oder Twitter, die – fast – gar ­keine Dinge, Geräte oder „Werke“ im klassischen Sinne, sondern nur Kommunikation herstellen. In diesen Feldern finden die ­aktuellen, kulturell prägenden Innovationen statt, nicht mehr in einer Massenproduktion industrieller Güter, deren qualitative Aufwertung der Werkbund zu seinem Programm erklärt hatte. In den Kommunikationssystemen und ihren Industrien ist der Werkbund aber genau so abwesend wie in Debatten zur „ästhetischen Bildung“ oder „Arbeit“. Dennoch könnte eine Kontinuitätsbehauptung durch Transformierung auf eine andere Ebene plausibel erscheinen. Wenn man davon ausgeht, dass nicht die Zugehörigkeit des Werkbunds zur Industriekultur das prägende Merkmal ist, sondern der Versuch, sehr allgemein die Zeit, die aktuelle Gegenwart in Objekten und Bildungsprogrammen zum Ausdruck zu bringen, wird nicht so sehr der Bruch zwischen Industriekultur und postindustrieller Gegenwart in den Vordergrund gerückt, sondern ein ständig relevantes Bemühen um den angemessen Ausdruck aktueller Bedingungen.

Um sich nur auf „ästhetische Bildung“ zu konzentrieren, könnte das bedeuten, diesen in der schulischen Bildung sträflich vernachlässigten Gegenstand als zentrales Element einer Persönlichkeitsbildung, Selbstbestimmung und Kreativitätsentwicklung einzufordern und zu unterstützen. ­Orientiert werden könnte das an bekannten Programmen wie „Kultur/Bildung für alle“, „Jedem Kind ein Instrument“ etc. Vor allem die Fähigkeit zur Umweltwahrnehmung müsste vorrangiges Ziel sein, ohne damit utilitaristische Vorstellungen zu verbinden. Möglicherweise könnte der Werkbund ­gerade aus seiner langen Befassung mit diesem Thema und vor allem aus seinen ­Erfahrungen mit verfehlten Konzepten ­ästhetischer Bildung tatsächlich eine gewisse Kompetenz ableiten. Dazu wäre es allerdings erforderlich, dass der Werkbund diese aus heutiger Sicht fragwürdigen, ­tendenziell autoritären und diktatorischen Elemente in seinen eigenen früheren ­Konzepten auch benennt und daraus ­Konsequenzen zieht, also gerade nicht ­kontinuierliche Kompetenz postuliert. Aber selbst wenn man einen solchen ­Ansatz für plausibel halten würde, ist noch lange nicht sicher, dass er im Umfeld des Werkbunds und auch intern anerkannt wird. Es wird immer Kräfte geben, die eine ungebrochene Tradition und eine direkte Fortsetzung der Anfänge suchen. Damit steht der Werkbund vor zwei Alternativen: Entweder es gelingt ihm, eine Kontinuität zu formulieren, die die Brüche zur Kenntnis nimmt und zu verarbeiten sucht; dann besteht eine Zukunftschance. Oder er bindet sich an die alten Versatzstücke, wie es ­Traditionalisten vorschweben mag; dann ist er unweigerlich mittelfristig zum Untergang verurteilt, da er zu aktuellen Problemen nichts mehr beizutragen vermag.

Literatur Campbell, Joan (1981), Der Deutsche Werkbund 1907 – 1934, Stuttgart; Fohrbeck, Karla u. Johannes Andreas Wiesand (1989), Von der­­Industrie- zur Kulturgesellschaft? Kulturpolitische Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland, München, Schriftenreihe des Bundeskanzleramtes; Göschel, Albrecht (2016), Das Einzelne und das Ganze. ­Anmerkungen zur WerkbundStadt aus der Sicht der Kultursoziologie, in: Deutscher Werkbund Berlin (Hrsg.), WerkBundStadt Berlin. Am Spreebogen, Berlin, S. 50-58; Münkler, Herfried (2012), Mitte und Maß. Der Kampf um die­­ richtige Ordnung, Reinbek b. Hamburg; Prigge, Walter (1992), Geistesgeschichte und Stadtgeschichte: Wien, Frankfurt, Paris. Eine Skizze, in: Ders. (Hrsg.), Städtische­Intellektuelle. Urbane Milieus im 20. Jahrhundert, Frankfurt/M.­, S. 12-46; Reckwitz, Andreas (2006), Das hybride Subjekt. Eine Theorie der Subjektkulturen von der bürgerlichen Moderne zur Postmoderne, Weilerswist; Reckwitz, Andreas (2012), Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung, Berlin; Selle, Gert (1981), Kultur der Sinne und ästhetische Erziehung. Alltag, Sozialisation, Kunstunterricht in Deutschland vom Kaiserreich zur Bundesrepublik, Köln; Selle, Gert (1988), Gebrauch der Sinne. Eine kunstpädagogische Praxis, Reinbek bei Hamburg.

Dr. Dipl.-Ing. Albrecht Göschel studierte Architektur/Städtebau in Hannover und Berlin, Sozialpolitik und Sozialplanung in Essex. ­Er promovierte in Soziologie und ­­ war bis 2006 Projektleiter am Deutschen ­Institut für Urbanistik.

17


Positionen Gernot Böhme

Den Umgang mit Atmosphären lernen – eine neue ästhetische Erziehung des Menschen Das Fach Kunst in der Schule schwankt­­eigentümlich zwischen resignativer Bescheidenheit und überschwänglichem Anspruch. Wie das Fach Physik die Schüler nicht zu kleinen Physikern, das Fach Mathematik die Schüler nicht zu Mathematikern machen kann, so kann es auch für das Fach Kunst nicht die Aufgabe sein, die Schüler zu Künstlern oder Kunstkritikern zu machen. Gleichwohl besteht ein großer Teil der Bemühungen gerade darin, elementare Kenntnisse zu vermitteln und Kompetenzen auszubilden, die in diese Richtung weisen. ­Das alles führt nicht weit und enthält viele Enttäuschungen für beide Seiten, für Lehrer wie für Schüler. Man sollte sich also in den Intentionen ästhetischer Bildung bescheiden. Die Ansprüche des Fachs sind jedoch äußerst hoch: Es will zur Ich-Entwicklung beitragen, es will Individualität und Fähigkeit zur Emanzipation entwickeln, innovatives Denken, Erfindungsgabe und Problem­ handeln fördern, kulturelle Orientierung ­anstreben und schließlich einen Beitrag zur Berufsorientierung leisten. Diese eigentüm­ liche Sammlung von Zielbestimmungen zeigt, dass man dem Fach Kunst etwas weit über das Fachspezifische Hinausgehendes zutraut, nämlich Bildung. Dieser Anspruch mag berechtigt sein, aber so wie er zum Ausdruck gebracht wird, bleibt er ein Sammelsurium von Zielen, weil weder der Ausgang, noch das Ziel von Menschenbildung bestimmt sind. Weder wird gesagt, womit sich das Fach Kunst in seiner Bemühung um Menschenbildung auseinandersetzen muss, noch wird die Frage gestellt, was es heißt, ein Mensch zu sein. Ich will versuchen, mich mit beiden Fragen auseinander zu setzen, indem ich zunächst an Schillers Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ erinnere. Als

18

­ epublikaner teilte Schiller die Ziele der R Revolution, war aber entsetzt angesichts der blutigen Gewalt, mit der sie sich vollzog. Geht es der Aufklärung allgemein um den Übergang vom Gegebenen zum ­Gemachten1, so kann man damit auch das Projekt der Moderne charakterisieren. ­Speziell hielt Schiller den Übergang vom Naturstaat zum Vernunftstaat für notwendig2. Seine These ist, dass der unmittelbare Übergang vom Naturstaat zur Vernunftstaat in die Barbarei führt, weil die Menschen nicht darauf vorbereitet sind, und weil sie durch Befreiung von dem einen Zwang, nämlich der Natur, dem anderen Zwang, nämlich dem Zwang der Prinzipien verfallen3. Daraus folgert Schiller, dass die Menschenbildung eine Voraussetzung ist für den Übergang zum Vernunftstaat. Der Gegensatz von Natur und Vernunft finde sich nämlich im Menschen selbst und er müsse dort vermittelt und versöhnt werden. Das Auseinanderfallen von Sinnlichkeit und Verstand sieht Schiller als ein Produkt der Arbeitsteilung an. Er meint, dass zugunsten der Effizienz des Ganzen der einzelne Mensch ganz einseitig ausgebildet werde und damit auch ganz unvollständig Mensch sei 4 . Diese Trennung der Vermögen bzw. ihre asymmetrische Ausbildung erkennt er auch in der Klassentrennung der Gesellschaft. ­Die „niedern und zahlreichen Klassen“ sind der Sinnlichkeit zugewandt, ­während die zivilisierten Klassen, er denkt sichtlich an die bürgerliche und an die Feudalklasse, der Sinnlichkeit entfremdet sind und versuchen, ihr Leben rational einzurichten. Die Lösung des Problems sieht er in der ­ästhetischen Erziehung. Sie soll die menschlichen Vermögen miteinander versöhnen, indem sie durch ein drittes, das ­er dann Spieltrieb nennen wird, vermittelt werden. Mit diesem Vorschlag befindet er sich auf Wegen, die von Kant in dessen „Kritik der Urteilskraft“ vorgezeichnet wurden. Nach


Kant nennt man einen Gegenstand schön, wenn in seiner Gegenwart die Einbildungskraft zu einem freien Spiel zwischen Sinnlichkeit und Verstand veranlasst wird 5. Die Lust an der Schönheit besteht in der Freiheit dieses Spiels. Kant weist zugleich der Schönheit eine Gesellschaft ­stiftende Funktion zu – von daher Schillers Idee der Vergesellschaftung durch Schönheit, die im Konzept des ­ästhetischen Staats kulminiert. Und schließlich rechtfertigt Kant ­ den moralischen Schein (d. h., dass man durch ­gesittetes Benehmen sich den Anschein gibt, gut zu sein) als mittlere Stufe in der Bildung des Menschen zum Menschen, die von der Zivilisierung über die Kultivierung zur Moralisierung führt. Bei Schiller könnte man glauben, das eigentliche Ziel sei die Kultivierung – zumindest ist es die „conditio sine qua non“ für das wahre Menschsein. Für Schiller besteht die ästhetische Erziehung des Menschen zum Menschen darin, den Spieltrieb anzuregen. Dem aber geht es

um Schönheit: Der Gegenstand des sinnlichen Triebs sei die Materie, der Gegenstand des Formtriebs die Gestalt, beides zusammengenommen und in Verbindung gebracht sei lebende Gestalt – nach Schiller die Schönheit. Wenn man dem Spieltrieb folgt, beschäftigt man sich also mit Schönheit, und dadurch gewinnt man Freiheit sowohl gegenüber den Notwendigkeiten der Natur als auch gegenüber den Prinzipien der Vernunft. Mit einem Wort: I­ndem das Gemüt mit Ideen in Gemeinschaft kommt, verliert alles Wirkliche seinen Ernst, weil es klein wird, und indem es mit der Empfindung ­zusammentrifft, legt das Notwendige den seinigen ab, weil es leicht wird 6. Wie geschieht nun die ästhetische Erziehung? Schiller rechnet damit, dass die ­Vermittlung von Materie und Gestalt bereits im Kunstwerk vollbracht ist, so dass sich die ästhetische Erziehung des Menschen als Kunstbetrachtung vollziehen kann. Durch sie gerät der Mensch in einen mittleren Zustand, den er dann den ästhetischen Zustand

nennt7. Im Zustand der Sinnlichkeit ist der Mensch nämlich empfänglich, er lässt sich bestimmen, im Zustand des Verstands bzw. der Vernunft will er bestimmen – und das Spiel zwischen beiden, das Kant ja ­bereits als Spiel der Einbildungskraft ausgemacht hat, ist der schwebende Zustand des Ästhetischen8. Damit stellt sich die Frage nach dem Ziel der ästhetischen Erziehung. Vom Bezug auf Kant und der Reflexion auf die Französische Revolution her könnte man meinen, dass der ästhetische Zustand des Menschen nur ein Übergang ist, und Spiel nur eine Ausnahmesituation9. Aber so klar ist das bei Schiller nicht, er schließt seine Briefe mit der Idee des ästhetischen Staats, und im 15. Brief hat er das wahre Menschsein als Spiel bestimmt: „Denn, um es endlich auf einmal heraus zu sagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“10. 19


Positionen Gernot Böhme

Ästhetische Erziehung des Menschen unter den Bedingungen der technischen Zivilisation und der ästhetischen Ökonomie Wenn man danach fragt, wie man Schillers Idee einer ästhetischen Erziehung des Menschen unter gegenwärtigen Bedingungen ­rekonstruieren könnte, so muss von ihm man lernen: Erziehung ist kein Schreiben auf einer tabula rasa oder die behutsame Pflege ­eines sich selbst entwickelnden Pflänzchens. Vielmehr findet sie immer auf der Basis einer Vorprägung durch und in Konkurrenz mit anderen Bildungsinstanzen statt. Ebenso wie Schiller mit einem entfremdeten Menschen und einer zerrissenen Gesellschaft rechnete, müssen wir heute damit rechnen, dass das Projekt einer ­ästhetischen Bildung in der Schule mit ­Jugendlichen zu tun hat, die durch eine mächtige Lebens- und Konsumwelt geprägt sind. Die Pädagogik muss sich also fragen, welche Rolle ihr als Korrektiv in der Entwicklung der Jugendlichen zukommt. Dazu müssen wir zunächst die Lebenswelt 20

und die gegenwärtige Gesellschaft als ­Bildungsinstanzen ins Auge fassen. Es scheint mir zweckmäßig, dies unter den Stichworten „technische Zivilisation“ und „ästhetische Ökonomie“ zu tun. Unsere Lebenswelt und Gesellschaft sind seit Jahrzehnten von der Arbeits- und Verkehrswelt über die Kommunikation, die Wahrnehmung bis hin zur Kunst einem­ ­rasanten Technisierungsprozess unterworfen. Dessen jüngste Phase besteht in der Technisierung des menschlichen Körpers. Was bedeutet das Leben in der technischen Zivilisation in Bezug auf das Thema Ästhetik? Menschliche Kommunikation und Wahrnehmung sind weitgehend durch technische Medien vermittelt. Ein großer Teil der gesellschaftlichen Aktivitäten vollzieht sich telematisch. Die Wahrnehmung wird auch dort, wo sie ohne Geräte geschieht, dominiert durch die Normen und Modelle technisch vermittelter Wahrnehmung. Das Sehen orientiert sich an der ­Kamera und dem Video, nicht umgekehrt.


Die Notwendigkeit, sich an eine technisierte Arbeits- und Verkehrswelt anzupassen und dort angemessen zu agieren, hat zu einer habitualisierten Sachlichkeit, zu einer radikalen Trennung von funktionalem Verhalten und den Emotionen geführt. Die zweite dominante Organisationsform unseres Lebens kann man die „ästhetische Ökonomie“ nennen11. Das Konzept charakterisiert die Phase der ökonomischen Entwicklung, in der wir uns in den westlichen Industrienationen befinden. Die Ökonomie ist weiterhin als Kapitalismus zu bezeichnen. Die Notwendigkeit des Wachstums steht jedoch im Kontrast zu der Tatsache, dass die Basisbedürfnisse längst befriedigt sind. Man muss deshalb auf solche Bedürfnisse setzten, deren Befriedigung sie steigert. Es sind Bedürfnisse nach Ausstattung, Inszenierung, nach Verbrauch als solchem. Die Warenproduktion muss deshalb Inszenierungswerte schaffen – und das charakterisiert sie als ästhetische Ökonomie. Zusammengefasst ist unsere Ökonomie eine der Verschwendung. Die puritanische Ethik, die nach Max Weber für die frühe Entwicklung des Kapitalismus grundlegend war, wird in seiner Spätphase obsolet. Nicht Sparen ist die Maxime, sondern Ausgeben, nicht Bestand, sondern Umsatz. Dieser Stil, dieses Denken prägt die reproduktive Sphäre wie die produktive, die private Sphäre wie die öffentliche. Man hat deshalb unsere Gesellschaft auch als Konsum- und Erlebnisgesellschaft bezeichnet12. Was bedeuten technische Zivilisation und ästhetische Ökonomie für die Menschen? Wie werden sie durch diese gesellschaftlichen Strukturen geprägt? Wenn man diese Fragen im Rückblick auf Schiller stellt, dann sind die Phänomene der Trennung und Entfremdung keine Klassenphänomene mehr, und die Einseitigkeiten menschlicher Entwicklung verteilen sich nicht mehr auf spezifische Personengruppen. Schiller hatte

mit Kant von der Trennung von Sinnlichkeit und Verstand gesprochen. Er hatte auf der einen Seite ein Leben der Neigung und des Materialismus festgestellt, auf der anderen Seite eine Dominanz der Rationalität, eine Rigidität der Prinzipien und eine Entwicklung von Wille und Selbstbestimmung. Was würde dem heute entsprechen? Der Riss geht heute durch jeden Menschen mitten hindurch: Seine Kompetenzen und Fähigkeiten werden unterschiedlich je nach Situation abgerufen und sind durch die prägenden Kräfte der unterschiedlichen Sphären unverbunden und einseitig ausgebildet. Auf der Seite des Verstands nach Kant und Schiller steht heute der Arbeitsund Verkehrsmensch. Er ist sachlich, pünktlich, funktional und mobil, hochgradig fungibel, aber gerade nicht selbstbestimmt. Der Seite der Sinnlichkeit nach Kant und Schiller sollte heute, in der Konsumgesellschaft, eigentlich ein Mensch entsprechen, der jenseits des Realitätsprinzips sein ­Leben lustvoll genießt. Aber bereits von Marcuse konnten wir lernen13, dass das ­Realitätsprinzip als Leistungsprinzip auch den Bereich der Freizeit und des Konsums beherrscht. Wir treffen auf einen Menschen, der nicht im Genießen sozialisiert ist, sondern auf Umsatz, auf Verbrauch ­getrimmt, der im Grunde lustunfähig ist, sich in seinen sozialen Beziehungen „cool“ und unempfänglich sich darstellt und in wachsendem Maß bindungsunfähig wird. Unsere Jugendlichen sind als Teilnehmer des öffentlichen Verkehrs, als Musik- und Modekonsumenten, als Knotenpunkte ­telekommunikativer Netze und schwebender, ständig sich ändernder Sozialbeziehungen längst in das ganze System von technischer Zivilisation und ästhetischer Ökonomie einsozialisiert. Was heißt unter diesen Bedingungen ästhetische Bildung? Was ist die Aufgabe des Faches Kunst an der Schule?

Atmosphären als Gegenstand und Medium ästhetischer Erziehung Ich möchte nun behaupten, dass unter ­ den Bedingungen der Gegenwart die ­Atmosphären die Rolle übernehmen können, die Schiller dem Spiel in der ästhetischen Erziehung zugedacht hat. Doch was sind Atmosphären? Mit Elisabeth Ströker kann man sie als „gestimmte Räume“ bezeichnen, mit Hermann Schmitz als „quasi objektive Gefühle“, und ich würde sie als „Sphären gespürter leiblicher Anwesenheit“ bezeichnen. Aber besser als durch solche Definitionen führt uns die Alltagssprache zu dem, was unter Atmosphäre zu verstehen ist: Wir reden von einem heiteren Tal, von der gespannten Atmosphäre eines Gesprächs, von einer herbstlichen Atmosphäre oder auch von der Atmosphäre der zwanziger Jahre. Es sind Redeweisen, mit denen man sich leicht über eine Stimmung, die in der Luft liegt, verständigt, über das emotionale Klima, das im Raum herrscht. Eine Atmosphäre muss man spüren. Das setzt leibliche Anwesenheit voraus. Man spürt die Atmosphäre in seinem Befinden, und zwar als eine Tendenz, in eine bestimmte Stimmung zu geraten. Man wird von einer Atmosphäre gestimmt. Atmosphären haben je ihren eigenen Charakter, und wir sind gewohnt, uns über sie durch Angabe ihres Charakters zu verständigen. Die Alltagssprache stellt dafür ein erstaunlich reiches Repertoire zur Verfügung. Als weiteres Moment aus der Theorie der Atmosphären möchte ich erwähnen, dass man Atmosphären erzeugen kann. Das Paradigma dafür ist die Kunst des Bühnenbilds. Der Bühnenbildner ist gewohnt, durch bestimmte Arrangements von Gegenständen, Raumanordnungen, Licht und Ton ein „Klima“ zu erzeugen. Auf der Bühne entsteht ein Raum einer bestimmten Grundstimmung, in dem dann sich das Drama abspielen kann. Atmosphäre ist 21


Positionen Gernot Bรถhme

22


i­nzwischen als Grundbegriff der Ästhetik gut eingeführt14. Er hat insbesondere das ­Interesse der Architekten, der Stadt- und Landschaftsplaner, der Musiker und Musiktheoretiker auf sich gezogen. Für die ästhetische Bildung an Schulen müssen wir nun fragen: Gibt es so etwas wie eine atmosphärische Kompetenz? Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir zunächst daran erinnern, dass Atmosphären das Alltäglichste sind. Wir leben dauernd in Atmosphären, wir werden durch Atmosphären bestimmt und bestimmen sie selbst. Die Erfahrung dieser Atmosphären im Alltag ist meist unbewusst und doch von großer Wirkung. Die Atmosphäre verleiht uns eine Grundstimmung und beeinflusst uns gerade deshalb, weil wir nicht spezifisch auf sie achten. Sie bestimmt unser Befinden, bis hin zu möglichen psychosomatischen Verstimmungen. Wenn man sich die Ubiquität von Atmosphären klar macht, so ist die erste Forderung einer ästhetischen Erziehung: Man muss lernen, Atmosphären wahrzunehmen. Das hat weitreichende Konsequenzen. Zunächst: man lernt die Bedeutung leiblicher Anwesenheit kennen. Gerade im Kontrast zur telematischen Gesellschaft zeichnet sich ab und gewinnt eine neue Wertschätzung: die leibliche Anwesenheit. Das ist ­insbesondere für den Kunstunterricht von Bedeutung15. Das Zweite ist die Wiederentdeckung des Leibs selbst als eines ­Mediums emotionaler Teilnahme: Befindlichkeiten werden leiblich gespürt, sie sind immer Befindlichkeiten im Raum. Schließlich muss man lernen bzw. einüben, dass Atmosphären wahrzunehmen Zeit braucht und Offenheit, man muss sich auf sie einlassen, man muss bereit sein, sich berühren zu lassen. Wie man lernen muss, Atmosphären wahrzunehmen, sich bewusst auf sie einzulassen, so muss man lernen, Atmosphären zu

­ estalten. Dazu gibt es das Paradigma des g Bühnenbilds. Ferner wird man entdecken, dass nach diesem Paradigma sich große Teile der Ästhetisierung unserer Welt vollziehen: die Gestaltung von Städten, von Parks und Landschaften, die Inszenierung der Warenwelt in Kaufhäusern, die Produktion von Atmosphären in Bars und Hotels. Von den Praktikern, die das bewerkstelligen, ist zu lernen, dass es dabei weniger um das Setzen von Zeichen und das Suggerieren von Bedeutungen geht, sondern darum, dass man versucht, Dingen, Konstellationen, Räumen, Kunstwerken eine Ausstrahlung zu verleihen. Indem die Jugendlichen sich selbst in die Erzeugung von Atmosphären einüben, lernen sie die Funktion von Erzeugenden kennen, gewinnen selbst ein produktives Verhältnis zu den Atmosphären, ­ in denen sie leben. Insbesondere werden sie in die Lage versetzt, die Erzeugung von ­Atmosphären und die Manipulation, die ­dadurch geschieht, zu kritisieren. Wir sind mit diesen Feststellungen allerdings noch nicht am Ziel. Die Einübung ­atmosphärischer Kompetenzen ließe sich durchaus noch im Sinn der bescheidenen Ansprüche des Fachs Kunst verstehen, nämlich als Kennenlernen grundlegender künstlerischer Techniken, wie auch als ­Einführung in die Kultur qua Kunstwelt. Geht es bei den Atmosphären um mehr, hat die Bemühung darum einen Anspruch, der der Schiller’schen ästhetischen Erziehung des Menschen zum Menschen vergleichbar ist? Ich glaube ja. Zunächst gibt es eine formale Verwandtschaft: Wie das Spiel ist auch die Atmosphäre etwas Mittleres, zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Bestimmen und Empfangen, zwischen Tun und Erleiden Vermittelndes. Und wie dem Schiller’schen Zeitgenossen zwischen Sinnlichkeit und Verstand das Spiel zur Ganzheit verhelfen sollte, so der Umgang mit Atmosphären dem modernen Menschen, der in den ­Konsummenschen und

den funktionalen Sachmenschen zerfällt. ­Nur ist der moderne Mensch noch schlimmer dran als der, den Schiller vor Augen hatte. Während er seinen Zeitgenossen noch sinnliche Leidenschaft und moralische ­Rigidität zutraute, müssen wir vom modernen Menschen sagen, dass ihm Lust und Selbstbestimmung fehlen. Es geht ­also um die Erfüllung von depravierten Lebensformen. Arbeits- und Konsumwelt fallen nicht nur auseinander, sondern sie erbringen nicht einmal das, wofür sie stehen, nämlich Lust und Selbstbestimmung. Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt noch ­einmal die beiden Seiten: Atmosphären wahrnehmen und Atmosphären gestalten. Atmosphären wahrnehmen zu lernen heißt, sich emotional zu öffnen. Damit wird die Veräußerlichung der Umwelt aufgehoben und der Kontaktlosigkeit, der „coolness“ des modernen Menschen gegengesteuert. Sich auf Atmosphären einlassen heißt, ­teilnehmen wollen und sich Anmutungen aussetzen. Das ist die Voraussetzung dafür, überhaupt Lust am Dasein zu erfahren. ­Gemessen an dem ungeheuren Druck der Telekommunikation und der Selbstverständlichkeit, mit der sich die Jugendlichen selbst als Terminals in telematischen ­Netzen verstehen, ist diese Wiederentdeckung von leiblicher Anwesenheit von großer Bedeutung. Sie spüren wieder, dass sie Träger und Adressaten von Emotionen, nicht ­Avatare im virtuellen Raum sind, vielmehr Wesen aus Fleisch und Blut. In der Gestaltung von Atmosphären tritt man aus der reinen Konsumhaltung heraus. Die ständige Inszenierung unserer Alltagswelt, ihre ästhetische Ausstrahlung und akustische Möblierung verführen insbe­ sondere im Bereich des Ästhetischen zu einer rein passiven Konsumhaltung. Durch Übungen, in denen Atmosphären gestaltet werden, wird mit dem Kennenlernen der Möglichkeiten der Gestaltung zugleich das 23


kritische Potential geschärft und damit ­­­­ die Widerstandskraft gegenüber ökonomischer wie auch politischer Manipulation. Schließlich lernen die Jugendlichen, dass sie f­aktisch immer auch die Atmosphäre ­mitgestalten. Das gilt insbesondere für ­die kommunikativen Atmosphären.

Positionen Gernot Böhme

Zum Schluss noch eine Bemerkung: Es mag – zumal durch die Erinnerung an Schillers Briefe – so scheinen, dass das Plädoyer für ästhetische Bildung als Erziehung des Menschen zum Menschen ein Plädoyer für ein konservatives oder gar ­kulturkritisches Projekt ist. Der bewusste Umgang mit Atmosphären verschließt sich aber durchaus nicht der modernen Welt. ­­ Im Gegenteil, er öffnet sich gerade ihren Grundzügen und lässt sich kritisch auf sie ein. Es ist die Avantgarde der modernen Kunst mit ihrem Zug ins Performative, es ist die neue Musik mit ihrer Tendenz zu Raumkunst zu werden, es ist die Ästhetisierung und Inszenierung der Alltagswelt, die ­Atmosphäre als Grundbegriff einer neuen Ästhetik nahegelegt haben. Mit Atmosphären umgehen zu lernen macht den einzelnen Menschen gerade zum kritischen Teilnehmer und Mitwirkenden dieser Welt, in der wir heute leben.

Siehe dazu meine Einführung in die Philosophie, Frankfurt/M., 4. Aufl., 2001, Kap. I.2 – I.6. 2 Ich zitiere nach der Ausgabe Schillers Werke in zwei Bänden, München, o. J., Bd. 2, S. 563-641. 3 Vermutlich ist für Schiller Robespierre das Urbild dieser ­Katastrophe. 4 Sechster Brief, a. a. O., 575. 5 Zu dieser Kant-Interpretation siehe mein Buch Kants Kritik der­ Urteilskraft in neuer Sicht, Frankfurt/M., 1999. 6 Vierzehnter Brief, a. a. O., S. 600. 7 Zwanzigster Brief, a. a. O., S. 613. 8 Zwanzigster Brief, a. a. O., S. 613. 9 Es könnte sein, dass Kierkegaards scharfe Entgegensetzung des ästhetischen und des ethischen Lebens, in der er das Spiel mit dem Ernst konfrontiert, eine Reaktion auf Schillers Briefe ist. Siehe auch meinen Beitrag Fangball spielen mit dem ganzen Dasein? Ethik oder Ästhetik – eine Erinnerung an Sören Kierkegaard gegen den heutigen Zeitgeist, in: FR 30.07.2002, S. 20. 10 Fünfzehnter Brief, a. a. O., S. 601. 11 Zu diesem Konzept siehe meinen Aufsatz Zur Kritik der ­ästhetischen Ökonomie, in: Zeitschrift für kritische Theorie, 12/2001, S. 69-82. 12 Jean Baudrillard : La société de consommation, ses mythes,­ ses structures, Paris, 1970; Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft, Kultursoziologie der Gegenwart, Frankfurt/M., 4. Aufl.,1992. 13 Herbert Marcuse: Triebstruktur und Gesellschaft (1957), Frankfurt/M.,1978. Siehe auch Gernot Böhme (Hrsg.): Kritik der Leistungsgesellschaft, Bielefeld und Basel, 2010. 14 Siehe dazu meine Bücher Atmosphäre. Essays zur neuen ­Ästhetik, Frankfurt/M., 2013 und Anmutungen. Über das Atmosphärische, Ostfildern, 1998. 15 Zur Zurückgewinnung der Aura als eines Grundzugs der modernen Kunst der letzten Jahrzehnte siehe Dieter Mersch: Was sich zeigt. Materialität, Präsenz, Ereignis, München, 2002. 1

Prof. Dr. Gernot Böhme war bis 2002 Professor für Philosophie­an der TU Darmstadt. Seit 2005 ist er ­Direktor des Instituts für Praxis der Philosophie e. V. (IPPh). 24


Das Modell bereitet die Zukunft vor Jochen Paul im Gespräch mit Hermann Glaser Die Werkbund Werkstatt Nürnberg ­­ feiert 2017 ihr 30-jähriges Bestehen. Sie waren damals Vorsitzender des Deutschen Werkbunds und einer der „Gründerväter“. Wie kam es dazu, was waren die Hintergründe?

Positionen Hermann Glaser „Man kann nichts vom Kopf auf die Füße stellen, wenn man nichts im Kopf hat“

Da gibt es unterschiedliche Wurzeln: Einer meiner Mitarbeiter – ich war zu der Zeit Schul- und Kulturdezernent – hatte 1973 im Künstlerhaus, einem baugeschichtlich für Nürnberg ebenso bedeutenden wie ­Anfang der 1970er-Jahre völlig maroden Gebäude, das „KOMM“ als selbstverwaltetes Kommunikations- und Kulturzentrum gegründet. Dort gab es – für den Hausmeister – im Keller eine rudimentär eingerichtete und ausgestattete Werkstatt. Das zweite war, dass der Deutsche Werkbund, für den die „Werkstatt“ immer schon ein Topos von großer Bedeutung war, in den 1980er Jahren dieses Thema mit der Einrichtung von Werkstätten „vom Kopf auf die Füße“ stellen wollte. Drittens habe ich in „Die Wiederentdeckung des Ästhetischen“ und später in „Bürgerrecht Kultur“ auf die Bedeutung der Werkstatt für die Tätigkeitsgesellschaft hingewiesen: In ihr geht es anders als in der Arbeits- und Freizeitgesellschaft, welche die Freizeit lediglich als ein „refilling the batteries“ für die Arbeit versteht, darum, dass die Menschen eine sinnvolle Tätigkeit ausüben – damals eine kulturpolitisch wichtige Zukunftsaufgabe. Mit diesem „philosophischen Überbau“ im Hintergrund war es natürlich eine große Chance – und das sage ich mit stolzer ­Bescheidenheit –, dass der Deutsche Werkbund und der Deutsche Werkbund

Bayern mit Unterstützung von Kunsterziehern und Mitgliedern der Akademie der Bildenden Künste 1986 im Keller des Künstlerhauses die Werkbund Werkstatt Nürnberg ­tatsächlich als eigenständige, selbstverwaltete Einrichtung gründen und ein Curriculum entwickeln konnten – ein wichtiges ­Angebot für junge Menschen, die sich nach der Schule orientieren und den handwerklichen Umgang mit Form und Material erlernen möchten. Stichwort „philosophischer Überbau“ – was verbirgt sich konkret dahinter? All das, was aus der Aufklärung und der Weimarer Klassik kam – und als Kulturhistoriker bin ich natürlich geprägt von Friedrich Schillers Schriften „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ – hat ja im ­ 19. Jahrhundert eine Perversion erfahren. Um es mit einem Zitat von Franz Grillparzer zu sagen: „Der Weg der neuern Bildung | Geht von Humanität | Durch Nationalität Zur Bestialität“ (1849). Diese Entwicklung, die auf der politischen Seite vom Bildungsbürger über den ­Untertan zum Volksgenossen führte, bedeutete ­ja immer auch eine Barbarisierung der Ästhetik. Die ästhetische Barbarei der ­Nationalsozialisten und das, was ich 1964 als „Spießer-Ideologie“ bezeichnet habe, zu überwinden und wieder zu den Wurzeln einer aufgeklärten Ästhetik zurückzukehren, bildete das Fundament der theoretischen Begründung von Kulturpolitik. Der zweite Entwicklungsstrang des 19. Jahrhunderts waren ja die Industri­ alisierung und die Massenproduktion ... Der Werkbund verstand sich ja explizit als ästhetische Gegenbewegung dazu, hat aber in Teilen – ich nenne das den „Schöne-Tassen-Werkbund“ – auch zu einer Überbetonung des Formalästhetischen beigetragen. 25


Gerade so, als ob der Mensch, auch der ­Arbeiter, in einer schönen Umgebung besser würde. Damit wurde die Ästhetik mit einem moralischen Anspruch verbunden respektive überfrachtet, den sie natürlich nicht ­einlösen konnte. Diese Ästhetisierung der Welt der Dinge war in ihrer Einseitigkeit nicht zielführend – zumindest glaube ich nicht daran, dass der Mensch, nur weil er aus gut gestalteten Tassen trinkt, allein ­dadurch schon besser wird.

Positionen Hermann Glaser „Es muss Freude machen, sich anders zu verhalten“

Also war es notwendig, den Begriff der ­Ästhetik wieder fundamental auf die Philosophie der deutschen Aufklärung zurück zu beziehen. Für das 19. Jahrhundert sind aus meiner Sicht Friedrich Schiller, Karl Marx und Sigmund Freud prägend. Schiller hat den Begriff der Ästhetik mit dem der Moral verbinden, Marx hat das Schöne mit dem Guten und dem Sozialen verbunden, und Freud hat unter dem Begriff der Sublimierung die Veredelung des Menschen im ­Umgang mit der Kultur beschrieben. Das habe ich in meiner Zeit als Vorsitzender des Deutschen Werkbunds zwischen 1985 und 1996 unter einem erweiterten Ästhetik-Begriff, der auch die Ökologie die Alexander Mitscherlichs Arbeiten zur Stadt mitdenkt, anzustoßen versucht. Also für und mit dem Werkbund eine gesamtgesellschaftliche ­Ästhetik zu entwickeln, weg von der Ästhetik der schönen Dinge – von der es ja auch nicht allzu weit war zum Amt „Schönheit der Arbeit“. Eine zentrale Rolle bei dieser Neuorientierung spielte die 2007 leider eingestellte Zeitschrift „Werk und Zeit“. Ein weiterer wichtiger Punkt in dieser Zeit war die Kritik an der Warenästhetik der Konsumgesellschaft und ihrer als aggressiv empfundenen Produktwerbung, die ich ­einmal polemisch als das „deodorante Frischwärts“ bezeichnet habe, und die nicht nur von der Ökologiebewegung, sondern auch von vielen Kunsterziehern geteilt wurde. Diese Kritik wurde in Deutschland

26

maßgeblich von der Frankfurter Schule um Theodor W. Adorno und Max Horkheimer geprägt. Für mich waren die beiden zen­ tralen Leitbegriffe dabei – und jetzt komme ich wieder auf Schiller zurück – Anmut ­(anstelle der warenästhetischen Schönheit) und Würde. Gab es Vorbilder für das Curriculum? Natürlich spielte dabei die Grundlehre des Bauhaus eine wichtige Rolle, als Impulsgeber auch die HfG Ulm – bis zu dem Punkt, an dem sie sich aus meiner Sicht ins Dogmatische verlor. Im Grund genommen bin ich aber ohnehin der Meinung, dass in Zeiten der ideologischen Verhärtung nicht die „Reinheit der Lehre“ ausschlaggebend, sondern der Eklektizismus das eigentlich Originelle ist. Ganz allgemein aber ist die Werkstatt als philosophisches Konzept in Deutschland von großer kultureller Bedeutung – von ­Johann Wolfgang von Goethes „Wilhelm Meister“-Trilogie bis hin zu Adalbert Stifters „Der Nachsommer“, die sich alle als Gegenposition zur Wegwerfgesellschaft, in der wir heute leben, und als Plädoyer für einen pfleglichen Umgang mit den Dingen lesen lassen. Diese Diskussion ist heute aktueller denn ­ je, und der Deutsche Werkbund wäre aus meiner Sicht prädestiniert, dabei eine ­führende Rolle zu spielen. Wir müssen ­endlich – im Sinn von „zurück zu den ­Wurzeln“ – radikal werden. Es geht um den ­Erhalt der „Gleichgewichtsgesellschaft“, also am Ende um den sozialen Frieden. Es war eine der großen, wenn nicht – neben dem Gesetz über den Lastenausgleich – die größte Leistung der jungen Bundesrepublik, mit der sozialen Marktwirtschaft ­einen „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus zu etablieren. Dass wir diesen Weg zugunsten eines „Dschungel-


kapitalismus“ verlassen haben, halte ich für höchst bedenklich. Auf der anderen Seite glaube ich an das „Prinzip Hoffnung“: Der Mensch muss ­vernünftig werden, damit er besser wird. Da sind wir wieder bei Goethes „edel sei der Mensch, hilfreich und gut“. In der Tätigkeitsgesellschaft geht es um Sinnstiftung durch Arbeit – was leistet die Werkbund Werkstatt Nürnberg dabei? Die Werkbund Werkstatt Nürnberg ist ein Modell, das Auseinanderfallen des Lebens in Arbeit und Freizeit aufzubrechen und jungen Menschen den Wert einer – um es mit Karl Marx zu sagen – „nicht entfremdeten“ Tätigkeit zu vermitteln, anstatt die Arbeit nicht per se als Sinn, sondern nur als Zweck zu begreifen. In der Werkstatt ­beschäftigen sie sich mit der Herstellung von zunächst „zweckfreien“ Produkten – dass unsere heutige Gesellschaft dazu ­tendiert, zweckfrei mit sinnlos gleichzusetzen, halte ich für einen bedauerlichen Irrtum. Es geht bei dem pädagogischen Ansatz also auch darum, die Freude an Dingen und Tätigkeiten zu vermitteln, die nicht durch Konsum bestimmt sind. So gesehen liegt der Wert ihres Angebots darin, jungen Menschen eine andere Vorstellung von der Wirklichkeit zu vermitteln; auch wenn im Berufsleben viele ihrer Prinzipien nicht mehr – oder noch nicht – ­relevant sind. Meine Hoffnung ist dennoch, dass ­solche Impulse Veränderungen auslösen können – zum Beispiel, wenn die Ideen der Werkstatt in unser Schulsystem integriert würden, von den Gymnasien bis hin zu den Berufsschulen. Damit wäre das Modell ­multipliziert. Heute findet in unseren Schulen keine Bildung statt – selbst am Gymnasium werden die Fächer nach ihrem Nutzen für den Arbeitsmarkt ausgewählt –, sondern meist nur Ausbildung für die ­Bedürfnisse

der Industriegesellschaft: Dass diese ­Ausrichtung zu kurz greift, haben viele ­Bildungspolitiker aus meiner Sicht bis heute nicht wirklich begriffen. Schule sollte nicht nur ­Inhalte, sondern Kompetenzen vermitteln. Was sind für Sie die wichtigsten ­Aufgaben des Deutschen Werkbunds? Er sollte sich den Themen, über die wir ­gesprochen haben, annehmen, sie besetzen und in den Diskurs „einflößen“. Das ist das eine. Das andere sind Modelle – sie sind zwar nicht die Wirklichkeit, aber eine konkrete Möglichkeit, die Zukunft zu erproben und vorzubereiten. Ein Land mit unseren Ressourcen sollte davon viel intensiver ­Gebrauch machen. Was mich manchmal pessimistisch stimmt, ist die Tatsache, dass wir so viele Möglichkeiten ungenutzt lassen. Wir müssen endlich anfangen darüber nachzudenken – und intensiv zu diskutieren – welches Menschenbild wir haben, und welche Gesellschaft wir wollen. Wollen wir unsere Landschaft weiter exzessiv zubetonieren, wollen wir immer mehr Zeit im Stau verbringen? Wie viele Windräder sind ästhetisch noch erträglich? Was ich dabei vermisse, ist die „antizipatorische Vernunft“, wie sie Marie von EbnerEschenbach beschrieben hat. All diese ­Fragen müsste die „Gleichgewichtsgesell­ schaft“ intensiv diskutieren, aber diese ­Diskussion findet viel zu wenig statt – die Schlagworte sind da, die Ernsthaftigkeit des Gesprächs an vielen Stellen noch nicht.

Hermann Glaser ist Kulturhistoriker und Autor von zahlreichen Büchern. Er war von 1964 bis 1990 in Nürnberg Schul- und Kulturdezernent und von 1985 bis 1996 Vorsitzender des Deutschen Werkbunds. 27


Werkbund Werkstatt Nürnberg

Werkbund Werkstatt Nürnberg 2017 feiert die Werkbund Werkstatt Nürnberg als private Bildungseinrichtung im handwerklich-gestalterischen Bereich ihr 30-jähriges Jubiläum. Aus dem anfänglichen Pilotprojekt mit ca. 10 Teilnehmern hat sich inzwischen eine kontinuierliche Arbeit mit jährlich ca. ­60 Teilnehmern und 19 Dozenten entwickelt. Das Angebot der Werkbund Werkstatt Nürnberg richtet sich mit dem neunmonatigen Werkstattjahr vor allem an junge Menschen, die für ihre Berufsbzw. Studienwahl im gestalterisch-künstlerischen Bereich Orientierung suchen, Basisqualifikationen und Arbeitserfahrungen sammeln wollen. Die Gestaltungsarbeit, deren Zentrum die Werkstätten ­bilden, bietet hierfür eine besonders günstige Umgebung. Die ­Teilnehmer können in der praktischen Arbeit auftretende Schwierigkeiten erkennen und lernen mit unerwarteten Situationen umzugehen. Materialeigenschaften, Technologie und Fragen der Form verweisen aufeinander, bedingen sich gegenseitig und werden im Gestaltungsprozess begreifbar. Die Teilnehmer werden gefördert, durch unterschiedliche Herangehensweisen und unkonventionelles ­Erforschen von Möglichkeiten und Methoden eine selbständige Arbeitsweise zu entwickeln. Das Erlernte kann in vielen Bereichen Anwendung finden: in freier und angewandter Kunst, im Handwerk, im Design, in der privaten Beschäftigung mit Kunst und Kunsthandwerk, in allen gestalterischen Berufen, aber auch in Zweigen der Natur- und Geisteswissenschaften und nicht zuletzt in der industriellen Arbeitswelt. Durch praktische Erfahrungen wird das Verständnis für unsere materielle Umwelt vertieft. Seit 2006 führt die Werkbund Werkstatt Nürnberg parallel das Werkstattsemester als Angebot für Berufstätige, familiär Eingebundene und Menschen im Vor-/Ruhestand an. Es dient auch zur Weiterbildung, Umorientierung oder zum Wiedereinstieg in den Beruf.

28


Sonderausstellung Die Werkbund Werkstatt Nürnberg zeigt im Rahmen des ­Deutschen Werkbundtags 2017 in der Sonderausstellung­­ „Aneignung als ästhetische Kategorie“­­den Prozesscharakter ­ der Gestaltungsarbeit in den vier Materialwerkstätten Textil, Holz, Glas und Metall, der Arbeit im Gestaltungsunterricht und im Fach Entwurf- und Modellbau. Die einzelnen Schritte des Gestaltungsprozesses – von der Idee und den ersten Skizzen über den Entwurf und das Modell bis zur Umsetzung in ein Werkstück – werden ­anhand von ausgewählten Exemplaren und ­erläuternden Texten nachvollziehbar dargestellt. Festschrift Zum 30-jährigen Bestehen präsentiert die Werkbund Werkstatt Nürnberg die Festschrift „30 Jahre gestalten – handeln – sehen“ mit Texten von Prof. Dr. Rainer Goetz, Prof. Dr. Friedhelm Kröll, Prof. Dr. Hermann Glaser, Michael Popp, Horst Henschel, Petra Häffner, Norbert Zlöbl mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner. Temporäre Architektur am Lorenzer Platz In der von Teilnehmern des aktuellen Werkstattjahrs für den ­Werkbundtag entworfenen temporären Architektur in der Mitte ­ des Lorenzer Platzes werden Arbeiten aus dem diesjährigen ­Werkstattjahr einem öffentlichen Publikum präsentiert. Jahresabschlussausstellung im Kunstverein Kohlenhof Während des Werkbundtags zeigen die diesjährigen Absolventen des Werkstattjahrs der Werkbund Werkstatt Nürnberg ihre Arbeitsergebnisse. Dozenten führen am Samstag durch die Ausstellung.

29


Format und Lernorte Für die Dauer des Deutschen Werkbundtags 2017 haben die Veranstalter eine „Pop-up-Universität“ ins Leben gerufen,
­ die sich im Sinn der ästhetischen Bildung zwei Tage intensiv mit der Zukunft von ­Arbeit und Bildung auseinandersetzt. Dabei diskutieren Referenten aus unterschiedlichen „Disziplinen und Gewerken“ – Theorie und Praxis, Forschung und Lehre, Gestaltung und Handwerk – aus ihrem ­jeweiligen Blickwinkel die Risiken und Chancen der Digitalisierung. Pop-up-Universität

Zwei Tage Gedankenlabor In Vorträgen, moderierten Diskussionen und Workshops erarbeiten die Teilnehmer an ­unterschiedlichen Lernorten – Audimax, ­Atelier, Labor, Werkstatt, Sportplatz, Bibliothek und Mensa – gemeinsam einen zukunftsorientierten Schnittpunkt von gestalterischem und technischem, wirtschaftlichem und ­kulturellem Handeln. Dazu bietet die Pop-up-Universität vielschichtige Darstellungs- und Diskussionsmöglichkeiten zu schöpferischer Fortentwicklung und einem innovativen Umbau unserer gesamten ­Arbeits- und Bildungswelt. Temporär und unerwartet Zentraler Veranstaltungsort dafür ist das 1951 von Sep Ruf errichtete Bayerische Staatsbank, heute Staatsministerium der ­Finanzen, für Landesentwicklung und ­Heimat. Mit einbezogen als erweiterter ­„Universitätscampus“ wird der Lorenzer Platz, auf dem die Lernenden der Werkbund Werkstatt Nürnberg für die Veranstaltung eine begehbare temporäre Architektur errichten. Weitere „Satelliten“ sind die Werkbund Werkstatt Nürnberg und die ­Design Offices Nürnberg City.

30

„Herbert 4.0“ begleitet als Kunstfigur den Werkbundtag, vermittelt zwischen Vergangenheit und Zukunft und schlägt – augenzwinkernd – eine Brücke von den Wurzeln des Werkbunds im frühen 20. Jahrhundert zur Gegenwart. Das breit gefächerte Angebot lotet aus, was es braucht, um uns weiterhin eine ­lebenswerte Teilnahme an der modernen Gesellschaft zu ermöglichen: Welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen sind in einer Welt von „Arbeit und Industrie 4.0.“ relevant? Was ist zu retten? Was ist hinzuzufügen? Was auszusortieren? In zwei Tagen werden Themenfelder, Rahmenbedingungen, Akteure und Projekte verhandelt, mit denen die moderne Arbeitswelt heute konfrontiert ist. Plattform für direkten und kreativen Austausch Die Referenten der Pop-up-Universität sind eingeladen, ihre Erfahrungen, Positionen ­sowie Ideen, wie Bildung und Zukunft zusammengehen können und sollen, fachübergreifend vorzustellen, und die Besucher der Workshops ausdrücklich in die Diskussion mit einzubeziehen. Spielraum für Experimente Die Pop-up-Universität versteht sich als Universität für ein breites, an den Themen Arbeit und Bildung interessiertes Publikum: Das Programm spannt den Boden von der wissenschaftlichen Forschung zur handwerklichen Gestaltung; körper- und bewegungsorientierte Angebote wie Stadtspaziergänge, Exkursionen und ein Felden­ krais-Seminar runden das Angebot ab. Mehr zum Thema auf www.br.de und in B5aktuell am Samstag, 15. Juli.


Lernorte

Audimax

Keynotes, Resumee der ­Workshops, Diskussion

Labor

Seminare, Forschung Theoriemodelle u. a.

Atelier

Workshops künstlerische Bildungskonzepte

Werkstatt

Workshops praktisches Tun

Sportplatz

Bewegung köperliche und geistige Aktivitäten

Bibliothek

Ruhe und Vertiefung Wissensarchiv

Mensa

Austausch Informeller Treffpunkt

31


Veranstaltungsorte

32

Heimatministerium Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat Bankgasse 9 Zugang über Lorenzer Platz 90402 Nürnberg

Hauptveranstaltungsort Zugang nur für registrierte Teilnehmer

Lorenzer Platz 90402 Nürnberg

Aktivitäten auf dem Platz auch für spontane Teilnehmer

Werkbund Werkstatt Nürnberg e. V. Königstraße 93 90402 Nürnberg Zugang Innenhof über Königstormauer 5

Führungen am Freitag Nachmittag

Design Offices Königstorgraben 11 90402 Nürnberg

weiterer Veranstaltungsort am Samstag

Kunstverein Kohlenhof e. V. Grasersgasse 15 90402 Nürnberg

Jahresausstellung der Werkbund Werkstatt Nürnberg

Heilig-Geist-Spital Spitalgasse 16 90430 Nürnberg

Essen am Samstag Abend, nur für angemeldete Teilnehmer


#3

#1

Restaurant Heilig Geist Spital Spitalgasse 16

Bayerisches Heimatministerium Bankgasse 9 Lorenzer Platz

Kunstverein Kohlenhof Grasersgasse 15

#4 #2

Design Offices Königstorgraben 11

Werkbund Werkstatt Nürnberg Königstraße 93 Zugang Innenhof über Königstormauer 5

33


Programm Freitag, 14. Juli 2017 15:00

Werkstatt

ab 17:00

Eintreffen und Kennenlernen im Hof der Werkbund Werkstatt Nürnberg Führungen durch Werkstätten und Jahresausstellung im Kunstverein Kohlenhof

Hof der Werkbund Werkstatt Nürnberg

Registrierung im Heimatministerium

Heimatministerium

18:00

Audimax

Heimatministerium Begrüßung durch: Großer Saal Christian Böhm, 1. Vorsitzender Deutscher Werkbund e. V. und Deutscher Werkbund Bayern e. V. Grußworte der Schirmherren: Dr. Markus Söder, MdL, Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit Prof. Dr. Julia Lehner, Kulturreferentin der Stadt Nürnberg Grußwort: Peter Neudert, 1. Vorsitzender Werkbund Werkstatt Nürnberg e. V.

19:00

Audimax

Atmosphären, Bildung und die Zukunft des Menschen – Vortrag Prof. Dr. Gernot Böhme, Philosoph, Darmstadt Einführung: Prof. Dr. Rainer Goetz Get together mit Flying Buffet

Heimatministerium Großer Saal

Registrierung

Heimatministerium

ca. 20:00

Heimatministerium

Samstag, 15. Juli 2017 ab 8:30 9:00 - 9:30

Audimax

Begrüßung und Einführung in Struktur und Ablauf der Pop-up-Universität Moderation: Christian Jacobs

Heimatministerium Großer Saal

9:30 - 10:30

Audimax

Zur Zukunft von Arbeit und Bildung – Impulse und Podium Prof. Dr. Gernot Böhme, Dr. Ing. Manfred Dangelmaier, PD Dr. Michael Hirsch, Prof. Dr. Christoph Türcke, Moderation: Christian Jacobs Kommunikations- und Kaffeepause

Heimatministerium Großer Saal

10:30 - 11:00 11:00 - 12:30 Modul A

12:30 - 13:30

A1

Labor

Digitalisierung und Arbeit 4.0 – Vortrag und Diskussion Dr. Ing. Manfred Dangelmaier, Fraunhofer IAO, Stuttgart

Heimatministerium Großer Saal

A2

Labor

Bildung und Person – Vortrag und Diskussion Prof. Dr. Tetyana Kloubert, Universität Augsburg

Heimatministerium Raum OG N 203

A3

Atelier

Künstlerische Bildung und Gesellschaft – Vortrag und Workshop Prof. Michael Schulze, Bildhauer, RWTH Aachen, mit Birgit Jakobs, Architektin, DWB Nordrhein-Westfalen

Design Offices Training Room III

A4

Atelier

Der Preis der neuen Lernkultur – Vortrag und Diskussion Prof. Dr. Christoph Türcke, Philosoph, Leipzig – Moderation: Prof. Dr. Rainer Goetz

Design Offices Training Room IV

A5

Werkstatt

Experiment: Skulpturenbaukasten – mit Schwarmkunst zur kreativen Intelligenz von morgen Franz Betz, Lichtbildhauer, DWB Nord

Lorenzer Platz

A6

Werkstatt

Führung zur Jahresausstellung im Kunstverein Kohlenhof, ­Werkbund Werkstatt Nürnberg

Treffpunkt Lorenzer Platz

A7

Sportplatz

Selbstbild und menschliche Zukunft – Feldenkrais Methode® Winfried Haymann, Gesundheits-Coach, Osnabrück

Heimatministerium Raum UG U 101

A8

Sportplatz

TALK WALKs – Formate in Fortbewegung Bertram Weisshaar, Spaziergangsforscher, Leipzig

Treffpunkt Infopoint Lorenzer Platz

AX

Atelier

Was Digitalisierung, moderne Arbeitswelten und Unternehmertum gemeinsam haben Manuel Binninger, Jonas Nussbaumer, Kreatives Unternehmertum / Sabine Sauber, Design Offices Tobias Burkhardt, SHIFTSCHOOL Mittagspause mit Foodtrucks (Selbstzahler, Bonverkauf im Heimatministerium und am Infopoint)

Design Offices

12:30 - 14:00 14:00 - 15:30 Modul B

34

Heimatministerium

Lorenzer Platz

B1

Labor

Digitalisierung und Bildung – Vortrag und Diskussion Hans Pongratz, Vizepräsident der TU München für IT-Systeme & Dienstleistungen

Heimatmuseum Großer Saal

B2

Labor

Wert und Arbeit – postfossile Kreislaufwirtschaft – Vortrag und Diskussion Robert K. Huber, zukunftsgeraeusche GbR, München – Berlin

Heimatministerium Raum OG N 203

B3

Atelier

Ästhetische Bildung von Auszubildenden in Unternehmen – Seminar Prof. Dr. Markus Kosuch, TH Nürnberg GSO, Moderation: Christian Jacobs

Design Offices Training Room III


14:00 - 15:30 Modul B

B4

Atelier

Bedeutung kreativer Aktivitäten für den Menschen Prof. Dr. Susanne Liebmann-Wurmer, FAU Erlangen-Nürnberg – Moderation: Prof. Dr. Rainer Goetz

Design Offices Training Room IV

B5

Werkstatt

Experiment: Skulpturenbaukasten – mit Schwarmkunst zur kreativen Intelligenz von morgen Franz Betz, Lichtbildhauer DWB Nord

Lorenzer Platz

B6

Werkstatt

Führung zur Jahresausstellung im Kunstverein Kohlenhof, ­Werkbund Werkstatt Nürnberg

Treffpunkt Lorenzer Platz

B7

Sportplatz

Selbstbild und menschliche Zukunft – Feldenkrais Methode® Winfried Haymann, Gesundheits-Coach, Osnabrück

Heimatministerium Raum UG U 101

B8

Sportplatz

TALK WALKs – Formate in Fortbewegung Bertram Weisshaar, Spaziergangsforscher, Leipzig

Treffpunkt Infopoint Lorenzer Platz

Kommunikations- und Kaffeepause

15:30 - 16:00 16:00 - 17:30 Modul C

C1

Labor

Ein anderer Arbeitsbegriff – ein anderer Bildungsbegriff – Seminar PD Dr. Michael Hirsch, München – Moderation: Christian Jacobs

Heimatministerium Großer Saal

C2

Labor

Modellschulen / Laborschulen / Bildungs-Utopien – Impulse und Diskussion Michael Richter, Liebfrauenhaus-Schule / Dr. Klaus Wild, Deutsche Schulakademie / Askan Hertwig, Dozent Werkbund Werkstatt Nürnberg, Moderation: Peter Neudert, Werkbund Werkstatt Nürnberg

Heimatministerium Raum OG N 203

C3

Atelier

Hands on – trans- und interdisziplinäre Bildung und Arbeitsweisen Robert K. Huber, zukunftsgeraeusche GbR, München – Berlin / Prof. Dr. Ingrid Krau, München

Design Offices Training Room III

C4

Atelier

Handwerk, Werkstätten und ästhetische Bildung – Impulse und Diskussion Prof. Ottmar Hörl, Präsident der AdBK Nürnberg / Prof. Uta Graff, TU München Moderation: Prof. Dr. Rainer Goetz

Design Offices Training Room IV

C5

Werkstatt

Experiment: Skulpturenbaukasten – mit Schwarmkunst zur kreativen Intelligenz von morgen Franz Betz, Lichtbildhauer, DWB Nord

Lorenzer Platz

C6

Werkstatt

Führung zur Jahresausstellung im Kunstverein Kohlenhof, ­Werkbund Werkstatt Nürnberg

Treffpunkt Lorenzer Platz

C7

Sportplatz

Selbstbild und menschliche Zukunft – Feldenkrais Methode® Winfried Haymann, Gesundheits-Coach, Osnabrück

Heimatministerium Raum UG U 101

C8

Sportplatz

TALK WALKs – Formate in Fortbewegung Bertram Weisshaar, Spaziergangsforscher, Leipzig

Treffpunkt Infopoint Lorenzer Platz

Pause

17:30 - 18:00 18:00 - 19:00

Audimax

19:30

Eindrücke und Erkenntnisse des Tages Moderation: Christian Jacobs

Heimatministerium Großer Saal

Abendessen im Restaurant „Heilig-Geist-Spital“ (für angemeldete Teilnehmer)

Heilig-Geist-Spital

Sonntag, 16. Juli 2017 ab 9:00

Audimax

Bibliothek, Ausstellung, Sozialising

Heimatministerium

9:30 - 10:30

Audimax

Pop-up-Session / Statements – Moderation: Christian Jacobs Résumé und Ausblick, „Bildungs-Manifest“, Teilnahmebestätigungen, Verabschiedung und „Übergabe“ an DWB Baden-Württemberg (Werkbundtag 2018 – Transformationen)

Heimatministerium Großer Saal

10:30 - ca. 13:00

Sportplatz

Exkursion zum Kreativquartier Auf AEG und dem Quelle-Areal Siegfried Dengler, Leiter Stadtplanungsamt Nürnberg, Stefan-Christoph Methner u. a.

Treffpunkt Lorenzer Platz

Werkstatt

Jahresausstellung im Kunstverein Kohlenhof, ­Werkbund Werkstatt Nürnberg

zusätzlich durchgehend Werkstatt

Präsentation „Werkstück“ der Werkbund Werkstatt Nürnberg Dozenten und Teilnehmer der Werkbund Werkstatt Nürnberg samstags um 10:30 | 12:00 | 13.30 | 15:30 | 17:30

Temporäre Architektur Lorenzer Platz

Bibliothek

Büchertisch – Buchempfehlungen Werkbundtag 2017, Festschrift 30 Jahre Werkbund Werkstatt Nürnberg Buchhandlung König

Heimatministerium

Bibliothek

Sonderausstellung „Aneignung als ästhetische Kategorie“ zum Prozesscharakter der Gestaltungsarbeit, Werkbund Werkstatt Nürnberg

Heimatministerium Großer Saal

Änderungen vorbehalten

35


Referenten Franz Betz

Experiment: Skulpurenbaukasten Mit Schwarmkunst zur kreativen Intelligenz von morgen Die Welt ist eine Kugel und keine Scheibe, sagte Galileo Galilei ­ im 17. Jahrhundert. Trotzdem bewegen wir uns noch heute in ­unseren Vorstellungen oft im Zweidimensionalen. Die Welt ist komplex geworden: Die Zusammenhänge von Netzwerken und Wissen im Zweidimensionalen darzustellen hat seine Grenzen. Kreative Wege zu dreidimensionalen Modellen werden gebraucht, um Menschen zusammenzubringen, Herausforderungen neu zu begegnen sowie Prozesse und Zusammenhänge von Information abzubilden.

Franz Betz ist seit 1987 freischaffend tätig und gründete nach ­seinem Architektur- und Designstudium 1991 die Well GmbH, ­einen Vertrieb für nachhaltige Holzwerkstoffe für Messe- und ­Möbelbau, Interieur- und Produktdesign, 1997 das Atelier Franz Betz. 2006 war er Mitgründer des Kunstraums „j3fm“ in Hannover, wo jeden dritten Freitag im Monat auf 12 Quadratmetern eine neue Ausstellung eröffnet. 2007 war er stellvertretender Vorsitzender des BBK Hannover, 2010 Kurator der Galerie „bbk:ruhm“, 2011 Vorsitzender des BBK Hannover, 2012 Vorstand des BBK Niedersachsen. 2013 kuratierte er den Deutschen Werkbundtag „Das kreative Potential der Ungewissheit – Ziele, Wege und Wirkung“ ­ in Hamburg und Hannover, seit 2014 ist er Vorsitzender des ­Deutschen Werkbunds Nord. 2015 gründete er das Lichtkunstlabor „TrafoLab“. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Installationen, Editionen, Konzept Material/Technik Holz, Licht und Medien. 36

– Wissen gleicht heute dem Suchen nach dem richtigen Standpunkt. – Der rechte Winkel hat nur noch eine konstruktive Berechtigung. – Mit der Schwarmkunst visualisieren wir die kreative Intelligenz von morgen. – Das Experiment macht uns neugierig und lässt uns vergessen, was wir wissen.


Referenten Gernot Böhme

Seit 2005 ist er Direktor des privaten Instituts für Praxis der Philosophie e. V. (IPPh) in Darmstadt, 2003 erhielt er den Denkbar-Preis für obliques Denken.

Prof. Dr. Gernot Böhme ist vor allem mit seinen Arbeiten zur ­Ästhetik, Natur-, Leib- und Technikphilosophie sowie mit seiner ­Auffassung von praktischer Philosophie als Kompetenz zur Lebensbewältigung hervorgetreten. Er studierte Mathematik, Physik und Philosophie an der Universität Göttingen und der Universität ­Hamburg, Promotion 1966. Von 1965 bis 1969 war er wissenschaftlicher Assistent an der Universität Hamburg bei Carl Friedrich von Weizsäcker, 1970 – 1977 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg. 1973 habilitierte er sich an der Philosophischen Fakultät der Universität München. 1977 bis 2002 war Böhme Professor für Philosophie an der TU Darmstadt. Er übernahm zahlreiche internationale Gastprofessuren. 1997 – 2001 war er Sprecher des Graduiertenkollegs „Technisierung und Gesellschaft“.

Zukunft der Arbeit – Zukunft der Bildung Über die Zukunft können wir nur sprechen, indem wir die Tendenzen benennen, die sich gegenwärtig abzeichnen. Für beide Entwicklungen, für Bildung wie für Arbeit, ist die fortschreitende Digitalisierung prägend. Das heißt Arbeit wird mehr und mehr zur Arbeit am Computer. Die für den Werkbund prägende Tendenz ist die progressive Ausweitung des Design: Die ästhetische Arbeit wird mehr und mehr zur Inszenierung aller Lebensbereiche. Man glaubt ­diesen Tendenzen dadurch zu entsprechen, dass die Bildung dem Menschen ein Mithalten mit diesen Tendenzen erleichtern soll: Bildung wird verstanden als Ausbildung von Netz-Kompetenz. Demgegenüber wird der Vortrag darlegen, dass Bildung antizyklisch sein muss, sie muss gerade das pflegen, was sich nicht von selbst durch das Leben in der technisierten Umwelt ergibt. Es geht um die Ausbildung intuitiver Fähigkeiten, des Spielerischen und der Fantasie. Der bewusste Umgang mit Atmosphären gibt unserem Dasein die Qualität der Humanen.

37


Referenten Tobias Burkhardt

Was Digitalisierung, moderne Arbeitswelten und Unternehmertum gemeinsam haben – SHIFTSCHOOL Warum wir die SHIFTSCHOOL gegründet haben? Ganz einfach: aus Überzeugung. Weil wir uns nun mal leidenschaftlich der Idee, mit der SHIFTSCHOOL die „Lernwelt des 21. Jahrhunderts“ mit einem völlig neuartigen Konzept zu schaffen, verschrieben haben. Weil bisher keiner der etablierten Player eine Antwort auf die ­Herausforderungen der digitalen Revolution gefunden hat – weder im Curriculum noch in der Art und Weise, wie heute Wissen vermittelt werden sollte. Und weil wir eine Schule schaffen wollten, ­ an die wir selbst gerne gegangen wären. Tobias Burkhardt ist Gründer und Geschäftsführer der SHIFTSCHOOL – Deutschlands erster Akademie für digitale Transformation mit Sitz in Nürnberg. Die SHIFTSCHOOL berät Unternehmen in den Bereichen Digitalstrategie und Change Management und bietet hochspezialisierte, berufsbegleitende Weiterbildungsangebote an, um die Herausforderungen des Digitalen Wandels besser zu meistern. Davor war er u. a. für den Aufbau der Arbeitgeberkommunikation der Bundesagentur für Arbeit verantwortlich und begleitete mehrere Interim-Management-Projekte für Berliner Start-ups. Tobias Burkhardt studierte Kommunikationswissenschaften in ­Bremen und Córdoba und absolvierte seinen MBA an der TU ­München und der University of California Berkeley. Außerdem ­engagiert er sich in mehreren Start-ups und ist als Keynote-Speaker rund um das Thema „Digital Leadership“ unterwegs.

38

Die SHIFTSCHOOL ist viel mehr als eine innovative Schule. Wir sind eine Community, die aus normalen Teilnehmern nicht nur starke Persönlichkeiten macht, sondern sie auch in ein Netzwerk aus ­Unternehmen, Alumni und Experten integriert und so gezielt fördert. Unternehmen werden in den nächsten Jahren massiv nach Menschen suchen, die die Qualifikationen, die Einstellung und ­die Persön­lichkeit mitbringen, um diesen fundamentalen Wandel zu gestalten und ihren Unternehmen den Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu zeigen. Wir wollen diese Lücke schließen, indem wir auf interaktive, praxisorientierte Art und Weise genau die Kom­ petenzen vermitteln, die im digitalen Jahrhundert am meisten gebraucht werden.


Manfred Dangelmaier publiziert in den Bereichen Arbeitswissenschaften, Arbeit und Gesundheit, Ergonomie, Mensch-MaschineInteraktion, digitale Produktentstehung sowie zur virtuellen und ­erweiterten Realität. Er unterrichtet Virtuelles Engineering an der Universität Stuttgart und Virtuelle Produktgestaltung an der ­Technischen Universität Cluj-Napoca.

Referenten Manfred Dangelmaier

Dr.-Ing. Manfred Dangelmaier studierte Maschinenwesen an der ­Universität Stuttgart. Nach dem Abschluss als Diplomingenieur nahm er 1985 seine Tätigkeit am Fraunhofer IAO in Forschungs- und ­Entwicklungsprojekten im Bereich der Arbeitswissenschaften auf. ­Er promovierte 2001 mit dem Thema: „Ein Verfahren zur ergonomischen Bewertung des Fahrerplatzes von Personenkraftwagen“. 2000 bis 2001 baute er das Vehicle Interaction Lab zur Untersuchung der Interaktion zwischen Mensch und Fahrzeug mittels Fahrsimulation auf. Ab 2001 leitete er am IAO das Competence Center Virtual Environments und koordinierte nationale und internationale ­Verbundforschungsprojekte mit Schwerpunkt Erschließung von­ Anwendungsfeldern für virtuelle Umgebungen im Engineering von Produkten, Produktionssystemen, Gebäuden und Dienstleistungen. Seit 2009 leitet er als Institutsdirektor das Geschäftsfeld ­Engineering-Systeme mit den Teams Virtual Environments, Visual Technologies, Digital Engineering und Human Factors Engineering.

Digitalisierung und Arbeit 4.0 Die Digitalisierung gilt als Megatrend und wesentlicher Treiber des Wandels. Dabei trifft die digitale Transformation alle Lebensbereiche, Wirtschaftssektoren und die gesamte Gesellschaft. Mit dem ­Begriff Industrie 4.0 hat der Produktionssektor eine 4.0-Manie ins Rollen gebracht. Industrie 4.0 ist im Wesentlichen durch die Digitalisierung geprägt. Arbeit 4.0 ist die Erweiterung von Industrie 4.0 auf die gesamte Arbeitswelt und wird häufig fokussiert auf die Auswirkungen der Digitalisierung. Dabei unterliegt die Arbeit auch durch andere Faktoren einer Veränderung wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dazu zählen die Umstrukturierung von Wertschöpfungsketten in stark segmentierte Wertschöpfungsnetze, der Wandel von einer produzierenden zu einer Dienstleistungswirtschaft sowie disruptive Entwicklungen in allen Sektoren, die nicht nur technologischen Wandel bedeuten, sondern auch die Geschäftsmodelle revolutionieren. Erstmals seit den 1980er-Jahren geht der Fokus von ­Wirtschaft und Gesellschaft weg von der Technologie wieder hin zu ­einer systemischen Sicht der Arbeit im Dreieck Technik – Organisation – Personal. Während die Digitalisierung der große technologische Treiber ist, verändern sich Organisationsformen unter der Randbedingung der Globalisierung hin zu bisher unbekannter ­Flexibilität und Agilität. Und im Personalbereich sehen wir Umbrüche durch den demographischen Wandel sowie neue Kompetenz- und Flexibilitätsanforderungen seitens der Unternehmen wie auch der Mitarbeiter.

39


Referenten Siegfried Dengler

Kreativquartier Auf AEG und Quelle-Areal – Exkursion Es geht mit der U-Bahn in die Weststadt Nürnbergs. Hier vollzieht sich ein massiver Strukturwandel: Der Stadtteil erlebt den Abschied vom Industriezeitalter und zugleich die Ankunft in der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Wichtige Anzeichen hierfür sind die Etablierung der Kultur- und Kreativwirtschaft auf AEG, Zwischennutzungen in der Quelle bzw. dem ehemaligen Heizhaus, urban gardening-Projekte oder die Standortentscheidung eingeführter Unternehmen wie der DATEV. Neue Nutzungsoptionen für frei gewordene Areale wie dem ehemaligen, denkmalgeschützten Quelle-Versandzentrum, aber auch lange gehegte Hoffnungen der Bürgerinnen und Bürger rücken auf die Agenda der Stadtteilentwicklung. Der Architekt und Stadtplaner Siegfried Dengler hat Architektur ­ an der Fachhochschule Regensburg und Urban Management an der Universität Leipzig studiert. Er war als Architekt, Stadtplaner und Projektentwickler in Regensburg, Eichstätt und Ingolstadt t­ätig, seit 2012 leitet er das Standplanungsamt Nürnberg. Er ist ­Mitglied u. a. der Bayerischen Architektenkammer, des Bunds Deutscher Architekten BDA, der Arbeitsgruppe Planen und ­Bauen des ­Bayerischen Städtetags, der Fachkommission Baurecht des ­Deutschen Städtetags, der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung DASL sowie mehrerer Kunstvereine.

40


­ kademie Tutzing leitete er die Sommerakademien 1999, 2001, A 2003 und 2005, an der Universität Würzburg etablierte er mit Symposien, Ausstellungen, Installationen und Performances den „Kunstraum“ mit dem Ziel, ein Zentrum für Ästhetische Bildung ­einzurichten. Der Werkbundtag als Resonanzraum: Den Umgang mit Atmosphären lernen Durch die Anverwandlung von Dingen, durch ein vergegenwärtigendes Spüren und Bewegen, durch die Veränderungsmöglichkeiten und (Um-) Gestaltungsweisen sowie durch die Erfahrung handelnder Selbstwirksamkeit bringen wir vielfältigste Materialitäten zum Sprechen. Referenten Rainer Goetz

Die Subjekt und Objekt vermittelnden Atmosphären wahrzunehmen und die Fähigkeit, selbst Atmosphären produktiv zu gestalten, sind Vorgänge, die sich insbesondere in und durch Arbeit und Bildung vollziehen. Diesen beiden Prozessformen aufgeschlossen sich zuzuwenden, sehe ich als Aufgabe des diesjährigen Werkbundtags. Insofern versucht er einen Denk- und Resonanzraum zu schaffen, ­ in dem das Zusammenwirken von LABOR als Ort (natur-)wissenschaftlicher Erfahrung und ATELIER als Raum der Interaktion und Vermittlung aller Künste aufscheint mit den dabei entstehenden Fährten und Wegkreuzungen und -überlappungen. Ästhetische und nicht-ästhetische Wahrnehmungsweisen liegen sowohl im ­LABOR als auch im ATELIER oft dicht beieinander oder durchmischen sich. Ästhetische Wahrnehmung setzt eine nicht-ästhetische Wahrnehmungsfähigkeit voraus und stellt eine Modifikation aller nicht-ästhetischen Wahrnehmungsvollzüge dar.

Prof. Dr. Rainer Goetz studierte Kunstpädagogik und Freie ­Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und Psychologie, Kunstgeschichte und Soziologie an der Ludwig-­ Maximilians-Universität München. Er promovierte am dortigen ­Institut für Empirische Pädagogik, Pädagogische Psychologie und Bildungsforschung und am Kunsthistorischen Institut über das Thema ­„Interesse als Konzept der Vermittlung von Kunst und Subjekt“. ­Bis zu seiner Emeritierung war er Dozent für Kunstdidaktik und ­Ästhetische Spielformen an der Akademie der Bildenden Künste ­ in Nürnberg und Professor für Kunstpädagogik an der Julius-­ Maximilians-Universität Würzburg. Rainer Goetz konzipierte und l­eitete Vortrags- und Diskussionsreihen wie „Vom Traum zum ­Trauma? Chancen und Probleme der Kunst in neuen Museen“, „Neue Medien: Auf-Bruch der Kunst?“ oder „The Image of Thinking. Zur Aktualität ästhetischen Denkens“. 1997 Gastprofessur an der James-Madison-University in Virginia. Für die Evangelische

Während aber besonders die ästhetische Dimension unserer Wahrnehmungsfähigkeit für die Entwicklung der Persönlichkeit von zentraler Bedeutung ist, bleibt sie in der (hoch-)schulischen Bildung ­marginal. Hier werden die Defizite aktueller Bildungspraxis besonders augenfällig: Es fehlt ein Verständnis von Bildung, für welches das Ästhetische konstitutiv ist oder das durch das Ästhetische mitkonstituiert wird. Insofern sind ästhetische Prozesse Bildungsprozesse, Formen innovativer Lernprozesse, die es erlauben, aktuelle und zunehmend komplexere gesellschaftliche Problemlagen mittels neuer Modi der Aufmerksamkeit und kreativen Auseinandersetzung zu verarbeiten. Der Deutsche Werkbundtag in Nürnberg möchte u. a. auf dieses zentrale Ziel humaner Bildung mit aller Vehemenz aufmerksam machen.

41


Referenten Uta Graff

Prof. Dipl.-Ing. Arch. Uta Graff studierte Architektur an der TU Braunschweig und der ETH Zürich. Nach dem Studium war sie ­als Architektin bei Peter Zumthor in der Schweiz und bei gmp Architekten von Gerkan Marg und Partner in Berlin tätig. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Alfred Grazioli und bei Prof. Adolf Krischanitz im Studiengang Architektur der Universität der Künste (UdK) Berlin und hatte verschiedene Lehraufträge im Studiengang Architektur der UdK inne. Als Gastprofessorin war sie an der ­Chinesisch-Deutschen Kunstakademie im Chinesisch-Deutschen Masterstudiengang der China Academy of Art in Hangzhou, China, und am UNI.K, dem Studio für Klangkunst und Klangforschung der UdK Berlin tätig. Von 2010 bis 2012 war Uta Graff Professorin im Studiengang Architektur der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg, seit 2012 leitet sie den Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München. 42

Konzeption und Konkretion – zum kreativen Prozess des Gestaltens Als Professorin für Entwerfen und Gestalten an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München arbeitet Uta Graff an der konzeptionellen und experimentellen Gestaltungspraxis ­sowie dem individuellen Gestaltungsprozess sowohl fachbezogen als auch interdisziplinär. Konzeptionelles Denken und Arbeiten sind Voraussetzungen für die gestalterische Tätigkeit. Die eigene Entwurfs- und Gestaltungspraxis sowie die Reflexion exemplarischer Werke bilden die Basis für ein Selbstverständnis in diesem Prozess und die Einbindung in den aktuellen Diskurs in der Architektur. In ihrem Vortrag geht Uta Graff auf den kreativen Prozess des ­Entwerfens und Gestaltens ein und erläutert wesentliche Stationen dieses Weges anhand von Arbeiten aus der Architekturlehre.


tätigkeit hält er Vorträge und leitet Seminare und Ausbildungen im In- und Ausland. Selbstbild und menschliche Zukunft Ich bewege mich, also bin ich: Die Zukunft ist menschlich oder – keine. Gewagt? Keineswegs. Die Neurobiologie der letzten zehn Jahre hat uns bewiesen, was wir immer schon wussten: Das Gehirn des Menschen dient dem Überleben, ist ein Problemlösungsorgan, nicht aber in erster Linie zum Denken da. Wie aber können wir als individuelle Menschen überleben in einer digitalen Zukunft und ­Arbeitswelt, in der Reize, Tempo, Parallelität, Komplexität, hochspezialisiertes Wissen und eine alles beherrschende Technik uns überholen? Referenten Winfried Haymann

Machen wir uns klar: Das ist eine Frage, die im „Außen“ von Menschen liegt. Das menschliche „Innere“ zeigt sich in der Gesamtheit des eigenen Selbstbilds, welches dem Bild entspricht, nach dem wir denken, fühlen und handeln. Gelernt haben wir dabei fast alles was wir können, von anderen Menschen. Unser Selbstbild ist mit unserem eigenen Körper gewachsen. Er ist die Grundlage, auf der unsere menschlichen Fähigkeiten basieren, und mit ihm haben sie sich entwickelt. Wir sind bewusste und intelligente Wesen, mit einer schier unglaublichen Fähigkeit zu Neugier, Aufmerksamkeit und Freude am Gestalten. Wir sind beweglich, und das in jeder Hinsicht und wie keine andere Spezies auf diesem Planeten. Das sollten wir auch bleiben in einer digitalen Zukunft, die uns – selbst geschaffen – sonst noch zu schaffen machen wird. Wie? Ganz einfach: Den ­Fokus verändern, also unser Selbstbild erweitern, unsere Potenziale entfalten, uns miteinander entwickeln.

Winfried Haymann ist Gesundheits-Coach und Feldenkrais-­ Therapeut. Neben einem medizinischen Bildungshintergrund verfügt er über eine Ausbildung in verschiedenen körperorientierten Verfahren. Er arbeitet seit 1988 als Feldenkrais-Therapeut in Klinik und eigener Praxis. Ausgebildet von Mia Segal, Yochanan Rywerant und weiteren israelischen und amerikanischen Trainern, ist er seit 1996 auch als Feldenkrais-Trainer tätig. Neben seiner klinischen Arbeit an der Universitätsklinik Münster von 1988 bis 1994 – u. a. in einem Forschungsprojekt für chronische Schmerzpatienten – gründete er 1991 die erste Feldenkrais-Praxis in Münster. Seit 2011 begleitet Winfried Haymann als zertifizierter Gesundheits-Coach Mitarbeiter und Führungskräfte in Unternehmen und Organisationen mit den Schwerpunkten Gesundheits­ diagnostik und Bewegungsentwicklung. 2014 eröffnete er die „Praxis für ­aktive Gesundheit“ für Therapie und Ausbildung in der historischen Liebigfabrik in Osnabrück. Außerhalb seiner Praxis­

Das Werkzeug dazu sind unser eigener Körper und unsere individuellen Bewegungen. Die Feldenkrais Methode®, benannt nach dem israelischen Physiker Moshe Feldenkrais, kann durch bewusst ausgeführte und vielfältig differenzierte Bewegungen das Selbstbild von Menschen nachhaltig verbessern. Die Zukunft von Arbeit und Bildung liegt in unseren Händen. Ästhetische Bildung wird zukünftig auch immer Selbstbildung sein müssen. Künftiges Wissen wird also jene Fähigkeiten einschließen müssen, die Körper und Geist, Denken, Fühlen und Handeln zu der Einheit werden lassen, die sie schon immer waren.

43


Referenten Askan Hertwig

Hamburg, 2009 und 2011 im Neuen Museum in Nürnberg. ­2014 gehörte ­Askan Hertwig zu den Ausstellungsteilnehmern des ­Dannerpreises.

Askan Hertwig absolvierte von 1979 bis 1983 eine Ausbildung zum Goldschmied an der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau und war anschließend als Goldschmied in verschiedenen Werkstätten tätig. 1988 – 1994 studierte er Schmuck und Gerät an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, 1993 als Meisterschüler von Erhard Hössle und Ulla Mayer. Seit seinem Diplom 1994 ­betreibt er ein eigenes Schmuckatelier in Nürnberg. Seit 1998 ­unterrichtet er als Dozent an der Metallwerkstatt der Werkbund Werkstatt Nürnberg. Zudem ist er seit 2000 als Kunstvermittler für das Neue Museum Nürnberg tätig. Von 1996 bis 2015 war er Mitglied im Forum für Angewandte Kunst Nürnberg e. V., 2001 hatte ­ er einen Lehrauftrag für Gerät an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim. 2001 stellte er im International Design Center Nagoya in Japan aus, 2003 und 2011 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. 2006 waren seine Arbeiten im Viktoria & Albert Museum in London zu sehen, 2007 im Museum für Kunst und Gewerbe in 44

Werkbund Werkstatt Nürnberg Die Werkbund Werkstatt Nürnberg arbeitet seit 30 Jahren als freier Bildungsträger in Nürnberg. Maßgebliches Hauptziel ist es, Menschen zwischen Schule und Ausbildung oder in der Umorientierungsphase eines Berufswechsels bzw. Berufsausstiegs einen Ort der persönlichen Entwicklung zu geben. Seine differenzierte Basisausbildung bietet neben den handwerklich-gestalterischen Werkstätten eine körper- und raumorientierte Theaterwerkstatt, ­sowie vertiefende Theorieseminare. Die Werkbund Werkstatt ­Nürnberg bildet als privat initiierter Lern- und Erfahrungsraum ­ ein wichtige Ergänzung zu den staatlichen Bildungsorten.


45


Ein anderer Arbeitsbegriff – ein anderer Bildungsbegriff Je mehr im Zuge technischer Fortschritte materielle Arbeit überflüssig wird, desto mehr fragt sich: 1. Wie soll menschliche Arbeit in ihren verschiedenen Ausprägungen definiert, bewertet, gesellschaftlich verteilt und anerkannt werden? 2. Wie sollen menschliche Bildung und Wissen definiert und verteilt werden? Welche Fähigkeiten brauchen die Einzelnen, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden, einen produktiven Beitrag für die anderen zu leisten, und ein gutes Leben zu führen? Referenten Michael Hirsch

PD Dr. phil. Michael Hirsch studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Neuere/Neueste Geschichte in Freiburg und Paris und war bis 1997 Mitarbeiter am Institut für soziale Gegenwartsfragen e. V.­ in Freiburg. 1997 war er mit der Jackson Pollock Bar Teilnehmer an der Documenta 10 in Kassel. 1998 – 2008 Lehrbeauftragter für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, 2003 – 2007 Lehrbeauftragter für Ästhetik, Kunstphilosophie und Politik an der Akademie der Bildenden Künste in München, 2005 – 2008 Gastdozent für ­Ästhetik/Ästhetische ­Philosophie und Kulturtheorie an der Merz-­ Akademie (Hochschule für ­Gestaltung) in Stuttgart. 2006 ­promovierte er an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, ­2014 Habilitation an der Universität ­Siegen mit der Schrift ­„Die Überwindung der Arbeitsgesellschaft. Eine politische Theorie der Arbeit“.

46

Die Gesellschaft ist auf die Beantwortung dieser Fragen schlecht vorbereitet. Die Engführung auf Lohnarbeit und ihr zugeordnete ­Fähigkeiten stellt ein gesellschaftliches Lernhindernis dar. Droht die einseitige Ausbildung von Fähigkeiten doch alle diejenigen ­sozialen wie kulturellen Fähigkeiten und Tätigkeiten, sowie all diejenigen Menschen und Menschengruppen zu entwerten, die nicht oder nicht vollständig in einen ökonomischen Verwertungszusammenhang eingespeist werden können. Unsere Gesellschaft hat ein Problem auf der Ebene ihrer symbolischen Ordnung: auf der Ebene ihrer einseitigen Definition als (Lohn-) Arbeitsgesellschaft. Aus dieser zugleich sozioökonomschen wie soziokulturellen Sackgasse heraus führt nur ein Paradigmenwechsel im Verständnis der Prioritäten des menschlichen ­Lebens und Lernens. Unsere Aufgabe ist es, die Bildungssysteme aus ihrer ­Fokussierung auf arbeitsmarktrelevante Fähigkeiten herauszulösen und auf die Aufgabe einzustimmen, vielfältige ­Menschen heranzubilden. Dem Projekt Arbeit und Industrie 4.0 wird ein nicht auf technische Skills beschränktes Projekt einer ­Aufklärung 4.0 zur Seite gestellt. Hier berühren sich die zeitgenössische feministisch und ökologisch inspirierte Kritik an der Arbeitsgesellschaft mit klassischen ästhetischen Bildungslehren.


(2002) des Bayerischen Rundfunks und ZKM Karlsruhe oder den Creo-Innovationspreis (2015) der Deutschen Gesellschaft für Kreativität Mainz. Seine Arbeiten sind in wichtigen Sammlungen und Museen vertreten wie dem Daegu Art Museum in Südkorea, der Albertina in Wien oder dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. ­ ­Seit 1999 lehrt Ottmar Hörl als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, seit 2005 leitet er die Hochschule als Präsident.

Referenten Ottmar Hörl

Kunstausbildung und Digitalisierung Die zunehmende Digitalisierung der Welt mit ihren unendlichen Möglichkeiten führt zu einer zunehmenden Komplexität und Unübersichtlichkeit bis hin zu Überforderung und Blackout. Daher ist die Frage, was für den einzelnen im Hinblick auf Ausbildung und Beruf wirklich sinnvoll und zielführend ist von wesentlicher Bedeutung. Je technoider die Arbeitswelt wird, umso essentieller wird die ­Hinwendung zum Individuum, dem einzelnen Menschen sowie zur Erstellung detaillierter Profilanalysen der jeweiligen spezifischen Berufsfelder. Hochschulen müssen den Fokus zukünftig noch stärker auf das Zurverfügungstellen von entsprechenden Informationsplattformen und Profilbildungsmöglichkeiten richten um jungen Menschen konkrete Handlungs- und Entscheidungsspielräume zu ermöglichen.

Prof. Ottmar Hörl ist Konzeptkünstler und Bildhauer. Er hat an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main sowie an der Kunstakademie in Düsseldorf ­studiert. 1985 gründete er zusammen mit den Architekten Gabriela Seifert und Götz Stöckmann die Gruppe „Formalhaut“. Weltweite Bekanntheit erreichte er vor allem durch radikale, avantgardistische Werkkonzepte sowie Großprojekte mit seriellen Skulpturen im ­öffentlichen Raum. Manfred Schneckenburger, zweifacher ­Documenta-Leiter, ordnet ihn als „offensiven, zielgenauen Strategen einer neuen öffentlichen Kunst“ ein. Zu Hörls bekanntesten Werken zählen u. a. die „Euro-Skulptur“ (2001) in Frankfurt am Main, das Multiple „Unschuld“ (1997) mit der konzeptionellen Auflage von ­ 82 Millionen oder „Das Große Hasenstück“ (2003) in Nürnberg. Für sein Werk erhielt er Auszeichnungen wie den art multiplePreis (1997) des internationalen Kunstmarkts Düsseldorf, den­ Wilhelm-Loth-Preis (1998) Darmstadt, den intermedium-Preis 47


Referenten Robert K. Huber

sicherheit, die Bundeszentrale für politische Bildung und das Auswärtige Amt. Robert K. Huber ist als freier Journalist u. a. für Detail tätig, Mitglied des Deutschen Werkbunds, des Deutschen Journalistenverband, des Konvents der Baukultur und Vorstand des Kompetenzzentrums Großsiedlungen sowie des Netzwerks Weiße Stadt.

Robert K. Huber, Dipl.-Ing. Arch., ist geschäftsführender Gesell­ schafter der zukunftsgeraeusche GbR, München – Berlin. Er studierte in München, Berlin und in Shanghai als Stipendiat des DAAD. Für seine Diplomarbeit erhielt Robert K. Huber den Hochschulpreis der Landeshauptstadt München. Seither konzipierte und leitete er zahlreiche Projekte und Veranstaltungen zu den Themen Architektur, Stadtentwicklung und Baukultur mit Schwerpunkten in den ­Bereichen nachhaltiges und experimentelles Bauen, Recycling, ­Re-use und Kreislaufwirtschaft, Bildung für nachhaltige Entwicklung, dem Bauhaus und dem Umgang mit dem Erbe der Moderne. Er kooperiert seit Jahren in Forschungs- und Bildungsprojekten mit der Technischen Universität Berlin und unterrichtet unter anderem an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München und der Universität der Künste Berlin. Gefördert wurden seine Projekte unter anderem durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktor­ 48

Hands on – Learning from Bauhaus: Trans- und interdisziplinäre Bildung und Arbeitsweisen Der Vortrag befasst sich mit Methoden und der Bedeutung von trans- und interdisziplinären Bildungsformaten anhand von praktischen Bildungsbaumaßnahmen. Mit Referenz zur Bauhaus-Pädagogik, Produktionsschulprinzip und Projektmethode und im Sinne der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) stehen die Kommunikation zwischen den am Bau Beteiligten – ein Aspekt von Nachhaltigkeit für sich – und die praktische Qualifizierung nachhaltiger Arbeitsweisen im Mittelpunkt. Die praktische Ausführung – „hands on“ – ist das Differenzkriterium. Der Bauplatz, als reales Projekt und gleichzeitig geschützter Versuchsort, ermöglicht den praktischakademischen und interkulturellen Austausch, bietet Auszubildenden und Studierenden entscheidende Begegnungen und Einblicke über die handwerkliche Ausbildung und theoretische Auseinandersetzung hinaus und fördert damit ein ganzheitliches Verständnis von Baukultur. Gleichsam steht die berufliche Bildung angesichts der fortschreitenden Akademisierung für Ausgewogenheit und ­Stabilität gegenüber gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen und eine fachliche Qualifikation, die nachhaltige Baulösungen einfordern. Bildungsthemen sind Bauen im Bestand und Wiederverwendungsbauweise, die prädestiniert für eine gewerke- und disziplinübergreifende Herangehensweise sind. Projektbeispiele sind die


einjährige Bildungsbauhütte für das bauhaus reuse, das DeutschIsraelische Bildungsprojekt „IGSBE – Israeli German Sustainable Building Education“, die sich beide auch baulich mit dem Erbe des Bauhauses bzw. der Weißen Stadt Tel Aviv (Netzwerk Weiße Stadt) befassen, sowie das Bildungs- und Forschungsprojekt „Plattenvereinigung“.

anhand des Zugangs zur organisatorisch-wirtschaftlichen Umsetzbarkeit alternativer Wertschöpfungsketten statt. Der ­Vortrag ­behandelt dies anhand grundlegender Überlegungen zur WertDing-Relation sowie den ausgewählten Projekten „reusecity, ­bauhaus reuse“ und der Projekt-Trilogie „A Concrete Performance“.

Wert und Arbeit im Verhältnis zu einer post-fossilen Kreislaufwirtschaft Alternative Wege der Produktion und Wertschöpfung in einer ­post-fossilen Kreislaufwirtschaft basieren wesentlich auf Wiederverwendung oder Wiederverwertung – Reuse und Recycling – und ­betreffen das Bewusstsein und die Strukturen für Arbeit und Wertbestimmung. Dies erfordert eine Reflexion, in der die Relation von Ding und Wert, von Arbeitsweisen und Wertschöpfungsketten, nicht zuletzt eine kulturelle Dimension besitzt. Der Übergang einer Industrie- oder besser Rohstoff- zur Wissensgesellschaft bedeutet nicht, dass weniger Materielles produziert wird, oder weniger Menschen mit diesem in Beziehung stehen. Im Gegenteil. Dies gilt für das Anwachsen des ubiquitären Kosmos der Dinge, mehr noch für die gebaute Umwelt und beider Informationsgehalt. In einer postfossilen Kreislaufwirtschaft heißt Übergang zur Wissensgesellschaft vielmehr, die Bedingungen des anthropogenen Material-­Lagers anzunehmen. Lineare Wertschöpfung, Arbeit und Produktion wandeln sich zu einem nicht-linearen System, bestenfalls Kreislauf, aus Ding und Information, was auch die Beziehung zum Menschen und das bisherige Standortdenken betrifft. Naheliegenderweise sind das Erbe der Moderne und dessen Elemente dazu die ikonischen ­Spolien der Transformation. Ein „proof of concept“ findet gleichsam 49


Referenten Christian Jacobs

Christian Jacobs, 52 Jahre, Kulturentwickler. Begleitet Menschen in Kultur, Politik und Wirtschaft hin zu einer gelungenen Organisation, exzellenter FĂźhrung und zu einem erfĂźllten Leben. Moderation

50


Osteuropa und in den USA ist ihr weiterer Forschungsschwerpunkt die politische Bildung. Im Rahmen des Werkbundtags wird sie über die Frage der persönlichen Entwicklung als Bildungsaufgabe unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen referieren.

Referenten Tetyana Kloubert

Prof. Dr. Tetyana Kloubert studierte Germanistik, Weltliteratur und Englisch an der Universität in Czernowitz, Ukraine, sowie Romanistik und Erziehungswissenschaft an der Universität in Jena. Gefördert durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes erlangte sie im Jahr 2013 mit dem Thema „Aufarbeitung der Vergangenheit im Rahmen der Erwachsenenbildung in Ost- und Mitteleuropa“ ihre Doktorwürde. Tetyana Kloubert war zunächst ­ als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universitäten Jena und Augsburg, dann als Akademische Rätin a. Z. am Lehrstuhl für ­Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung an der Universität Augsburg tätig. Sie forschte und lehrte als eingeladene Wissenschaftlerin an der Graduate School of Education der Harvard University und an der Universität Czernowitz. Seit April 2017 vertritt sie schließlich die Professur für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Vergleichende Bildungsforschung in Augsburg. ­Neben ihrem besonderen Interesse für die Erwachsenbildung in

Bildung und Person: Persönliche und gesellschaftliche Dimensionen Bildung ist nicht eine bloße Ansammlung von Wissen oder alleinig die Vorbereitung des Individuums auf die Anforderungen des ­Arbeitsmarkts. Es gilt, sich vielmehr auf die humboldtschen Implika­ tionen des Begriffs zurückzubesinnen und Bildung als einen ­lebenslangen Prozess des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung zu begreifen. Der Einzelne sollte befähigt werden, seine genuinen Lebensaufgaben respektive die Herausforderungen ­unserer „postfaktischen“, globalisierten, sich ständig verändernden Welt zu meistern. Signifikant für diese Befähigung ist insbesondere die auf Kant zurückgehende Erziehung zur Mündigkeit. Neben dem kritischen Denken, der argumentativen Kommunikation, dem Verständnis von Zusammenhängen und der Reflexion eigener Erfahrungen lässt sich heute auch eine kritische Medienkompetenz ­ unter dem Begriff „Mündigkeit“ subsumieren. Erlangt werden diese Kompetenzen durch eine konstante Mensch-Welt-Beziehung (Humboldt), das heißt eine unmittelbare Begegnung von Individuum und (noch nicht bekannter) Welt, einer Interaktion mit dem Anderen. Basierend auf der von Adorno postulierten Korrelation von Persönlichkeit und politischen Denkmustern bedarf es der Mündigkeit des Einzelnen für eine funktionierende Demokratie und zum Schutz des Individuums vor Manipulierung und Instrumentalisierung durch ­politische Propaganda. Die Mündigkeit bietet daher dem Einzelnen Stabilität in Zeiten fehlender Orientierung und kann mit Adorno als Mittel zur Verhinderung eines zweiten Auschwitz verstanden ­werden. Somit stellt sich abschließend die Frage, welche Konsequenzen die Marginalisierung der Persönlichkeitsentwicklung in ­unserer heutigen Gesellschaft zugunsten einer Fokussierung auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts haben kann.

51


Ästhetische Bildung für Auszubildende in Unternehmen Fokus und Nutzen einer den Ausbildungsprozess kontinuierlich beglei­tenden ästhetischen Bildung in Unternehmen. Die Fragen nach dem Was? und dem Wie? einer Ausbildung sind in den Ausbildungsplänen detailliert beschrieben. Die Fragen nach dem Warum? und dem Wofür? – also die ­Fragen nach der Sinnhaftigkeit der eigenen Ausbildung und Arbeit bleiben meist unbearbeitet oder deren Bearbeitung dem Zufall überlassen. Referenten Markus Kosuch

– welche Rolle spielt die eigene Ausbildung in einer sinnvollen Lebensgestaltung? – was ist der gemeinschaftliche Nutzen und an welcher gesellschaftlichen Zukunft will der junge Mensch mitwirken? Im Seminar wird von 3 Thesen ausgegangen: 1. Die sinnhafte Bearbeitung dieser Fragen wirkt sich nachhaltig auf Motivation und Engagement junger Menschen in Unternehmen aus. 2. Über den „Umweg“ ästhetischer Bildung, erfahren junge ­Menschen die Qualität explorierender und gestalterischer Prozesse. Werden diese reflexiv begleitet, lassen sich die Erfahrungen direkt auf die Lebens- und Gesellschaftsgestaltung übertragen und ­wirken sich damit nachhaltig auf die Qualität von Ausbildung, auf Motivation und Engagement und die Unternehmenskultur aus.

Dr. Markus Kosuch ist seit 2009 Professor für kulturelle und ­ästhetische Bildung an der Technischen Hochschule Nürnberg. ­ Er arbeitet als Regisseur und Theaterpädagoge, baute von 1995 bis 2001 die Junge Oper der Staatsoper Stuttgart konzeptionell, inhaltlich und organisatorisch auf, war deren Geschäftsführer und pädagogischer Leiter. 1997 war er Mitbegründer des „European Network of Opera- and Dance-Education“ RESEO in Brüssel (www.reseo.org). 2004 promovierte er über Möglichkeitsräume in der Auseinandersetzung mit dem Musiktheater. Markus Kosuch entwickelte die Idee und das Konzept des cross-culture Musik­ theaterprojekts HipH’Opera Così fan tutti, das er 2005/2006 an der Komischen Oper Berlin inszenierte, 2010 folgte Der Rap des Nibelungen am Theater Freiburg. In Unternehmen arbeitet er seit 2001 u. a. mit dem Konzept Co-Opera-Day und bearbeitet über ­ den „Umweg“ der ästhetischen Bildung zentrale Fragen in ChangeProzessen. 52

3. Unternehmen, die diese Fragen über Ästhetische Bildung bearbeiten, sind für junge Menschen attraktiv (und umgekehrt!). Im Seminar werden in koproduktiver Weise Möglichkeitsräume ­einer ästhetischen Bildung (nicht nur) für Auszubildende in Unternehmen ausgelotet und auf ihre Wirkung in die Unternehmenskultur hinein betrachtet. Ein erstes Konzept einer den Ausbildungsprozess begleitenden ästhetischen Bildung bildet den Ausgangspunkt dieser Ideenreise.


Hands On – Learning from Bauhaus – auch eine Bildungsstrategie „für alle“ im digitalen Zeitalter? Das Produktionsschulprinzip des Bauhauses war Bildungsexperiment einer Elite für Eliten, die sich als Avantgarde der industriellen Produktion verstand. Kann dieser Anspruch auf heutige Ansprüche nach zukunftstauglicher Bildung „für alle“ übertragen werden? Kann es noch gelten in Zeiten einer Industrie 4.0, sich selbst ­vernetzender Fertigungsstufen mit maximaler Entfernung zum Handwerklichen, ja selbst zur computergestützten automatisierten Serienfertigung, die wir gerade verabschieden?

Referenten Ingrid Krau

Prof. Dr. rer. pol. Dipl.-Ing. Arch. Ingrid Krau ist tätig in Städtebau, Stadtplanung und Forschung. Sie war von 1994 bis 2007 ­Ordinaria und Inhaberin des Lehrstuhls für Stadtraum und Stadtentwicklung an der TU München und von 1995 bis 2010 zudem Direktorin ­ des Instituts für Städtebau und Wohnungswesen München der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung. Ingrid Krau ist Mitglied des Deutschen Werkbunds Bayern, des BDA, ­ der DASL und des Münchner Forum. Bis 1998 war sie im Ruhr­ge­biet tätig, zunächst in der kommunalen Stadtentwicklungs­­planung, dann in der Forschung mit Stahlarbeitern und einem eigenem ­Architektur- und Planungsbüro (Konzepte und Vorplanung zur denkmalgerechten Nachnutzung der Zeche Zollverein XII, der ­Zeche und Kokerei Hansa und anderer für die IBA Emscherpark). Seit 2003 beschäftigt sie sich mit den Themen städtebaulicher Denkmalschutz und energetische Quartierskonzepte (z. B. für das Hansaviertel Berlin). Zudem ist sie umfassend publizistisch tätig.

Mein neues Buch zum „Verlöschenden Industriezeitalter“ beschäftigt sich mit den bereits weitestgehend verschwundenen montanindustriellen Großbetrieben im Ruhrgebiet, ihren weggebrochenen Arbeitsformen und Ausbildungswegen. Sie wurden maßgeblich von „learning on the job“ bestimmt, das geringe Qualifizierung voraussetzte, und einem darauf ausgerichteten Berufsschulwesen, das die Industrie selbst betrieb. Zurückgeblieben ist ein erodierter ­Zustand regionaler Bildungsarmut mit einer großen Zahl jugendlicher Langzeitarbeitsloser, die für sich neu gründende Betriebe uninteressant sind. Will man den Jugendlichen aus bildungsfernen Milieus Wege in eine berufliche Zukunft eröffnen, muss man ein – von einem neuen Geist des Entdeckens und Experimentierens getragenes – Schulsystem begründen, das praktischen und schulischen Wissenserwerb miteinander verbindet. Dazu gibt es seit den 1950er Jahren mit der Hibernia Schule in Herne ein Vorbild: Eine Waldorfschule, die das Erlernen eines Handwerks mit dem Erwerb der Fachhochschulreife oder des Abiturs verbindet. Als weitere Vorbildschule betont die vor wenigen Jahren neu gegründete Evangelische ­Gesamtschule im sozialen Brennpunkt Gelsenkirchen-Bismarck­ mit ihrem pädagogischen Konzept die Aufgabe der sozialen Integration, wobei Projektarbeit in kleinen Teams eine wichtige Rolle spielt. Das Handwerkliche und die Projektorientierung erscheinen hier also als Motivationsmittel des Lernens und des Wissenserwerbs. Damit wird zugleich auch eine Produktorientierung im Denken ­befördert – eine wichtige Grundlage, um haptisch als Ganzes ­begreifbare Produkte denken zu können.

53


Referenten Susanne Liebmann-Wurmer

Im Zentrum ihrer Forschung und ­Lehre stehen künstlerisch-­ ästhetische ­Gestaltungsprozesse, Zusammenhänge zwischen künstlerisch-­ästhetischem Handeln und persönlicher Entwicklung sowie interdisziplinäre und interkulturelle Projekte.

Prof. Dr. Susanne Liebmann-Wurmer studierte Malerei und Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und Psychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-­ Nürnberg (FAU). Sie arbeitete als Kunsterzieherin, Schulpsycho­ login und Seminarlehrerin an ­Gymnasien und lehrte Kunst und Kunstdidaktik an den Universitäten Würzburg, Bamberg und ­Erlangen-Nürnberg. Im Jahr 2000 wurde sie mit einer Dissertation zum Thema „Der Mensch im Spiegel ­seiner Gestaltung“ promoviert, die ­­auf ­­der ­Basis einer zehnjährigen Längsschnittstudie entstand. ­ Seit 2008 ist Susanne Liebmann-­Wurmer die Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstpädagogik an der FAU. Von 2010 bis 2014 leitete sie das interdisziplinäre Verbundforschungsprojekt „Zur Bedeutung des Schreibens und ­kreativen Gestaltens für die Entwicklung des Menschen“. ­

54

Bedeutung künstlerisch kreativer Aktivitäten für den Menschen Beim künstlerisch kreativen Gestalten nimmt der Mensch die Dinge selbst in die Hand – durchaus im doppelten Sinn des Wortes. Das gestaltende Handeln reflektiert auf verschiedenen Ebenen das Verhalten und Erleben der gestaltenden Person. In künstlerisch kreativen Aktivitäten kann Vergangenes neu erlebt, in sinnhaftem Zusammenhang verarbeitet, gestaltet und in die Gegenwart integriert werden; Mögliches wird entworfen und erprobt, Neues entwickelt und erfunden. Willkommene wie auch störende Gegebenheiten und Zufälle formen den Entwicklungsprozess mit und bilden oft ein herausforderndes Gegenüber. Aus der Perspektive künstlerischer Bildungskonzepte eröffnen künstlerisch kreative Aktivitäten damit einen experimentellen ästhetischen Erfahrungs- und Handlungsraum, der Ressourcen und Qualitäten fördert, die sich sowohl in der künstlerischen Arbeit als auch in ­anderen Berufs- und Lebensbereichen positiv und tiefgreifend ­auswirken können. Voraussetzung ist genügend freier Handlungsspielraum.


Referenten Jonas Nussbaumer Manuel Binninger Manuel Binninger und Jonas Nussbaumer, beide Gründer und ­geschäftsführende Gesellschafter von Kreatives Unternehmertum (KU), haben sich mit ihrer gemeinnützigen Organisation der unternehmerischer Bildung verschrieben und möchten, gemeinsam mit Gleichgesinnten, ein neues Zeitalter von Unternehmertum prägen. Aus ihren Überzeugungen zu einem zukunftsfähigen unternehmerischen Tun ist ein „Manifest für ein Gesellschaftsgestaltertum“ entstanden, mit dem KU für eine neue Form der Bildung stehen möchte. Konstant Unerschrocken. Klassisch Unkonventionell. Was Digitalisierung, moderne Arbeitswelten und Unternehmertum gemeinsam haben – Kreatives Unternehmertum Im Rahmen ihres Vortrags auf dem Werkbundtag werden die KUGründer ausgehend von dem eigenen Manifest für ein neues ­Zeitalter von Unternehmertum, dem Gesellschaftsgestaltertum, ­­das Projekt Hammerhof vorstellen. Ausgehend von einer ehemaligen Poststation und Gasthaus soll mit dem Hammerhof ein Ort der nächsten Bildung auf dem Dorf entstehen, der als Campus für ­Gesellschaftsgestaltertum neue Perspektiven zwischen Unternehmertum, Wissenschaft und Handwerk eröffnen wird. Der Hammerhof soll zugleich ein Leuchtturm-Projekt für die Wiederbelebung von ländlichem Raum sein. Ein Austausch mit allen interessierten Teilnehmer über einen ganz besonderen Ort.

55


Referenten Hans Pongratz

Digitalisierung und Bildung Die Digitalisierung ist Innovationsmotor des 21. Jahrhunderts und verändert viele Bereiche unserer Gesellschaft. Wer sie nur als Übergang vom analogen zum digitalen Medium versteht, blickt zu kurz. Arbeitsweisen, Geschäftsprozesse und unser gesellschaft­ liches Miteinander ändern sich nachhaltig.

Hans Pongratz ist seit 2011 Geschäftsführender Vizepräsident­ IT-Systeme & Dienstleistungen und Chief Information Officer ­(CIO) der Technischen Universität München (TUM). Er studierte­ Informatik an der TUM und arbeitete als Consultant bei HewlettPackard sowie als selbstständiger IT-Entwickler und Journalist. Nach einer Auslandsstation in den USA bei Siemens Corporate ­Research (SCR) war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Positionen und Projekten an der TUM tätig. Sein ­ Fokus liegt auf der konsequenten Umsetzung der IT-Strategie der „Digitalen Universität“. Er ist Mitglied in zahlreichen Gremien, ­Programmkommissionen (z.B. Virtuelle Hochschule Bayern vhb), Gutachtergruppen, Mitglied des Advisory Boards von CIONET Germany, Gründungsmitglied des Hochschul-CIO e. V. und im Hochschulforum Digitalisierung aktiv, welches Hochschulen bei ­ der strategischen Verankerung der Digitalisierung sowie der ­Nutzung in der Lehre unterstützt. 56

Digitale Informationen sind einfach und verlustfrei reproduzierbar. Der Inhalt ganzer Bibliotheken kann auf mobilen Endgeräten gespeichert und jederzeit ortsunabhängig genutzt und weiterverarbeitet werden. Die Erwartungshaltung der Nutzerinnen und Nutzer geht von einer Verfügbarkeit von 24 Stunden an 7 Tagen die Woche aus – das Internet kennt kein Wochenende! E-Mail- und Webserver laufen rund um die Uhr. Dies steht im Spannungsfeld mit gesetzlichen Arbeitszeitregelungen. Spielregeln müssen vereinbart und gelebt werden. Jugendliche und Studierende nutzen das Internet meist nicht mehr nur informationsgetrieben, sondern vor allem sozialorientiert zur zwischenmenschlichen Interaktion. Dieser Aspekt wird in Zukunft eine zentrale Rolle spielen, da Bildung zwar auf Informationen ­basiert, aber einen Kontext benötigt. Es geht also um die Digitalisierung von Forschung, Lehre und Verwaltung auf der einen und um die Erforschung zentraler Aspekte digitaler Technologien von den Grundlagen über Anwendungen bis hin zu den gesellschaftlichen Auswirkungen auf der anderen Seite. Es bedarf dazu einer Stärkung der Informatik- und Medienkompetenz in unserer Gesellschaft und neuer Ausbildungs- und Studienangebote.


Seit 2012 ist er Teamsprecher im Rahmen der externen Evaluation Bayern, Fortbildungsreferent für künftige Führungskräfte und neu ernannte Schulleitungen und ist in der Moderation von Schulentwicklungsprozessen tätig.

Referenten Michael Richter

Grund- und Mittelschule Herzogenaurach Am Beispiel der Schul- und Unterrichtskultur der privaten Grundund Mittelschule Herzogenaurach werden zentrale Bausteine einer sich „in Bewegung befindlichen“ Schule vorgestellt. Nach der Genehmigung unseres neuen Schulkonzepts 2009 machten wir uns daran, zu den Eckpfeilern unseres Konzepts auch die passenden konkreten Umsetzungen zu entwickeln und verbindlich einzuführen. Grundlegend für unsere Arbeit ist die Tatsache, dass wir als staatlich anerkannte Grund- und Mittelschule nach den amtlichen Lehrplänen und Stundentafeln unterrichten und Noten erteilen. ­Ideen und Konzeptbausteine ließen sich also jederzeit auch in ­anderen Schulen umsetzen. Ausgangspunkt und Basis für unsere Konzeption und die daraus entstandene Schul- und Unterrichtsentwicklung ist unser (erweitertes) Verständnis des Lernens, also – Lernen … Wissen zu erwerben – Lernen … zu handeln – Lernen … zusammen zu leben.

Michael Richter war nach Abschluss seines Studiums Lehramt ­ an Hauptschulen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-­ Nürnberg (FAU) von 1994 bis 2004 Klassenleiter an der staatlich anerkannten Grund- und Mittelschule Liebfrauenhaus Herzogenaurach, die er seit 2004 leitet. Die Schwerpunkte seiner schulischen Arbeit liegen in der Ent­wicklung eines Schulkonzepts und dessen Weiterentwicklung seit 2008 sowie in der Schul- und Unterrichtsentwicklung (Jahrgangsmischung, offene Lernformen, Inklusion, Schulkultur, Schulpastoral, gebundener Ganztag). 1992 – 2004 war er als Vorstandsmitglied der Initiative Praktisches Lernen Bayern e. V. verantwortlich für ­Projektförderung und Schülerfirmenförderung in Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, 1999 – 2006: Moderator ­für Unterrichtsentwicklung und Referent für Fortbildungen (Schwerpunkte: Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung, ­Notwendigkeit einer „neuen Lernkultur“, „gesunder“ Umgang mit Veränderungen, Projektmanagement und Konferenzgestaltung).

Es geht uns darum, den Lernbegriff umfassender zu verstehen und zusätzliche Schwerpunkte zu setzen. Die Zielsetzung „Lernen … Wissen zu erwerben“ drückt ein aktives Lernverständnis aus. Entsprechend bemühen wir uns um Unterrichtsformen, die dies unterstützen. Wenn wir es als Schule ernst meinen mit der Zielsetzung, dass „Lernen … zu handeln“ und „Lernen … zusammen zu leben“ wichtige Bestandteile des Lernens sein sollen, so brauchen wir gerade in diesen Bereichen Möglichkeiten, in denen unsere Schüler dies praktisch erfahren und umsetzen können. Wie wir dies umsetzen, welche Bausteine und Strukturen wir entwickelt haben und wohin die Reise (nicht nur an unserer Schule) gehen könnte, sind Inhalte dieses Kurzvortrags.

57


Referenten Sabine Sauber

­ nlass die passenden Räume: von motivierenden Office- und A Coworking-Spaces, über Bereiche für Team- und Vieraugengespräche, bis hin zu inspirierenden Tagungs- und Eventlocations – perfekt abgestimmt auf die Anforderungen von New Work. Bei diesem Thema will Design Offices der Treiber sein. Bei uns sollen sich die besten Köpfe vernetzen, um gemeinsam richtungsweisende Ideen zu erdenken und auf den Weg zu bringen. An ­Orten, die einem optimalen Austausch dienen und die Kommuni­ kation fördern.

Dipl.-Des. Sabine Sauber ist als Head of Marketing bei Design ­Offices für Marketing und Kommunikation verantwortlich. Sie hat langjährige Erfahrung in Kommunikation, Markenführung und Creation, unter anderem als Art Director bei verschiedenen Agenturen und in der Lehre. Als Fan von New Work nutzt Sabine Sauber selbst gerne die verschiedenen Arbeitsumgebungen deutschlandweit. Was Digitalisierung, moderne Arbeitswelten und Unternehmertum gemeinsam haben – Design Offices Design Offices ist einer der führenden Anbieter von innovativen Raumlösungen in Deutschland. Wir geben Unternehmen und ­Projektarbeitern die Flexibilität, die sie brauchen, um in Zukunft ­erfolgreich zu sein. Als Pionier der neuen Arbeitswelt bietet Design Offices deutschlandweit an mehr als zehn Standorten für jeden 58

Im Rahmen der gemeinsamen Session von Design Offices, Kreatives Unternehmertum und Shiftschool, „Was Digitalisierung, moderne ­Arbeitswelten und Unternehmertum gemeinsam haben“, hält ­Sabine Sauber den Impulsvortrag „Digital wird analog. Moderne Arbeitswelten in Zeiten von New Work.“


Referenten Michael Schulze Birgit Jakobs

Prof. Michael Schulze studierte nach einer Handwerkslehre als Maler 1970 – 1975 Innenarchitektur an der Fachhochschule Trier und 1975 – 1985 Freie Kunst und Kunstpädagogik in den Fächern ­Bildende Kunst und Werken an der Hochschule der Künste Berlin. 1981 war er Meisterschüler bei Wolfgang Petrick, 1985 legte er die erste Staatsprüfung ab. 1987 – 1992 war er künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Architektur an der Hochschule der Künste Berlin. 1990/91 Arbeitsaufenthalt in Los Angeles, 1992/93 am Repin-Institut in St. Petersburg. Seit 1997 ist er ­Professor am Lehrstuhl Plastik an der Architekturfakultät der RWTH Aachen. 2009 gründete er die Gesellschaft Künstlerische Gestaltungslehren e. V. , deren Vizepräsident er bis 2012 war. 2013 war er Referent beim 3. Akademischen Bildungs-Mariposion in Teneriffa. Seit 2014 ist er Mitglied des Deutschen Werkbunds Nordhein-Westfalen e. V., 2015 erstellte er das Konzept für den interaktiven Kunstwettbewerb „Essen in Hessen“ an allen Schulen des Bundeslands. Dipl.-Ing. Birgit Jakobs ist Architektin und Schatzmeisterin des Deutschen Werkbunds Nordhein-Westfalen. Gemeinsam mit Prof. Schulze begleitet sie ­das Thema „Künstlerische Bildung und ­Gesellschaft“. Künstlerische Bildung und Gesellschaft Innerhalb des Deutschen Werkbunds Nordrhein-Westfalen gründete sich 2015 die Gruppe „Künstlerische Bildung und Gesellschaft“. Sie organsierte im Dezember 2016 an der RWTH Aachen einen zweitägigen Workshop mit kompetenten Persönlichkeiten aus den Lehrund Vermittlungsbereichen der Künstlerischen (Kulturellen) Bildung. Daraus entstand das Konzept für einen Kongress, der 2017/18 stattfinden soll, um einen nachhaltigen gesellschaftlichen kulturpo­ litischen Diskurs anzustoßen. Die derzeitig einseitige Bildungspolitik wurde und wird seit vielen Dekaden in unserem Land gewollt und gefördert, unterschlägt aber gleichzeitig jungen Menschen wichtige kreative Möglichkeiten und Kompetenzen einer Lebenssinngebung sowie der Berufswahl. Dieser Zustand stellt letztlich einen gesellschaftskulturellen Verlust dar und strahlt negativ in alle Bereiche der Gesellschaft; er schmälert die Wertschätzung von Kreativberufen und deren Produkte und ebenso die des Handwerks sowie die Kultur anderer Berufsfelder. Daher erhält dieser Komplex besondere Brisanz in der Widmung des Werkbundes, denn innerhalb einer gelungenen Künstlerischen Bildung sind all jene teilhabenden und geschmacksbildenden Kompetenzen enthalten, die grundlegend für alle Ziele, Prinzipien, Ansprüche und Bemühungen stehen, für die sich der Deutsche Werkbund seit seiner Gründung 1907 einsetzt. 59


Referenten Christoph Türcke

Prof. Dr. Christoph Türcke studierte Evangelische Theologie und Philosophie in Göttingen, Frankfurt am Main, Tübingen und Zürich. Nach seinem 1. Theologischen Examen an der Universität Zürich 1972 war er Vikar bei der Evangelischen Landeskirche Zürich, wo er im selben Jahr die Ordination zum Pfarrer erhielt. 1973 – 1977 studierte Christoph Türcke Philosophie an der Universität Frankfurt, wo er 1977 promovierte. 1985 habilitierte er sich im Fachbereich Philosophie an der Gesamthochschule Kassel, wo er anschließend bis 1995 als Privatdozent für Philosophie tätig war. 1987 war ­Christoph Türcke Gastregisseur am Jungen Theater ­Göttingen, 1991 – 1993 Gastprofessor für Philosophie an der ­Universidade Federal do Rio Grande do Sul in Porto Alegre, ­Brasilien.1993 wurde er ­an die Hochschule für Grafik und ­Buchkunst Leipzig ­berufen, wo er bis ­zu seiner Emeritierung eine Professur für ­Philosophie inne­hatte. ­Seit 2007 ist Christoph Türcke Kultur­berater der Stadt Leipzig. 60

Der Preis der Neuen Lernkultur Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo, geleitet von seinen ­eigenen Interessen, in offenen Klassenräumen, in denen jeder ­willkommen ist, nicht nach den Vorgaben von Lehrplänen und ­Lehrern, sondern individuell gefördert von Lernbegleitern. So der Sirenengesang der neuen Lernkultur. Klingt nach maximaler Selbstentfaltung, dient aber faktisch der Durchsetzung neoliberaler ­Bildungsstandards.


Referenten Bertram Weisshaar

TALK WALKs – Formate in Fortbewegung „Es kommt bei allem nicht auf die Sache selbst sondern auf den Blick an, mit welchem man diese betrachtet“, wusste schon Heinrich von Kleist. Wie wir die Dinge also wahrnehmen, ist somit nicht ­weniger spannend zu untersuchen, als wie sie möglicherweise sind. Dabei bedingt die Art und Weise unserer Fortbewegung ganz wesentlich, welches Bild wir von der Welt erhalten: Am unmittelbarsten ist und bleibt hierbei das Gehen. „Die Fähigkeit der persönlichen unmittelbaren Beobachtung zu trainieren“ begriff der langjährige Chefredakteur des „Landscape Architecture Magazin“ Grady Clay als „ultimativen Zugang zum Verständnis der Welt“. Durch die spezifischen Qualitäten zur Analyse, Kritik und unmittelbaren Vermittlung von Raum und Atmosphären erfüllt der promenadologische Spaziergang (nach Lucius Burckhardt) die Funktion ­eines Mediators, der vor Ort erklärt, fragt, übersetzt und anregt. In dem Sinne wie dies der französische Geograf Yves Lacoste einforderte, „dass man der großen Mehrheit der Bevölkerung hilft, den Raum – vor allem den Raum, in dem sie leben – gedanklich zu ­erfassen, damit sie besser in der Lage ist, klar und deutlich zu ­sagen, was sie will.“

Dipl.-Ing. Bertram Weisshaar ist ausgebildeter Fotograf und studierter Landschaftsplaner. Seit 1996 ist er freiberuflich in Kooperation mit unterschiedlichen Institutionen und Auftraggebern in der Rolle des Spaziergangsforschers und Mediators tätig, der vor Ort und in der Bewegung erklärt, fragt, übersetzt und anregt. 1998 – 2001 führte er in Dessau das Atelier für Spaziergangsforschung alias, 2001 gründete er in Leipzig das Atelier Latent. Bertram Weisshaar betreibt seit 2011 die Webplattform ­www.talk-walks.de zur Veröffentlichung von virtuellen Spazier­gängen, mittels derer Audio-Inhalte im geografischen Raum ver­ortet werden. Darüber hinaus startete er eine Initiative zur Etablierung ­eines (um)weltlichen Pilgerwegs quer durch das Land und „die ­kritische Landschaft“ von Aachen bis Zittau; die Erstbegehung ­war 2015. Von Bertram Weisshaar stammen zahlreiche Ausstellungs-Beiträge zu den Themen neue Garten-Kunst und Gehen ­als künstlerische Praxis. Für seine Arbeiten erhielt er mehrere Preise und Stipendien: U. a. war er Artist in Residence in Krems an der Donau. 61


Referenten Klaus Wild

Schule soll Schule machen Die Deutsche Schulakademie will exzellente Schulpraxis in die Breite der Schullandschaft transportieren, sie entwickelt professionelle Standards weiter und verankert die exzellente Praxis bildungspolitisch. Dabei baut sie auf dem Wissen exzellenter Schulpraktiker auf und vernetzt es mit wissenschaftlicher Expertise. Um dieser guten Praxis Gehör zu verschaffen, setzt sich die Akademie bundesweit und schulartübergreifend für eine Schulentwicklung und Lernkultur ein, die sich an den sechs Qualitätsbereichen des Deutschen Schulpreises orientiert: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima und Schule als lernende Institution. Dr. Klaus Wild unterrichtete nach dem Studium des Lehramts an Hauptschulen viele Jahre in Mittelfranken. Anschließend war er als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) tätig und promovierte zum Thema „Wahrnehmungsorientierte Schulentwicklung“. Danach wirkte er ­im Kirchendienst als Institutsrektor am ­Religionspädagogischen Zentrum Heilbronn der Evangelisch-­ Lutherischen Landeskirche ­sowie als Rektor an der Evangelischen Schulstiftung in Bayern. Seit 2011 leitet Klaus Wild das Praktikumsamt und ist Mitarbeiter am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist weiterhin Geschäftsführer der Kompetenzstelle für Schulentwicklung und Evaluation der Lehrstühle Schulpädagogik und ­Religionspädagogik. Außerdem leitet er das Regionalteam Süd der Deutschen Schul­akademie und ist Mitglied in der Vorjury des ­Deutschen Schulpreises. 62

Die Deutsche Schulakademie wird deutschlandweit von vier Regionalteams vertreten. Die Regionalteams verantworten das regionalspezifische Programm der Deutschen Schulakademie: Sie führen Vernetzungstreffen und Lernforen für interessierte Schulen durch; außerdem sind sie Ansprechpartner für Kooperationspartner vor Ort. Der Deutsche Schulpreis und die Deutsche Schulakademie arbeiten eng zusammen. Daher fungieren die vier Regionalteams nicht nur als Außenstellen der Deutschen Schulakademie, sondern sind auch Ansprechpartner für alle Schulen, die sich beim Wettbewerb bewerben möchten. Sie informieren über den Deutschen Schulpreis und unterstützen beim Bewerbungsprozess, indem sie Beratungsgespräche und fachliches Feedback zu Schulentwicklungsprozessen für Schulleiter und Lehrkräfte anbieten.


Literaturempfehlungen

Gernot Böhme – Böhme, Gernot: Für eine ökologische Naturästhetik, Frankfurt/M., 3. Aufl. 1999 – Böhme, Gernot: Atmosphäre. Essays zur Neuen Ästhetik, Frankfurt/M, 7. erweiterte Aufl. 2013 – Böhme, Gernot: Aisthetik. Vorlesungen über Ästhetik als allgemeine Wahrneh- mungslehre, München 2001 – Böhme, Gernot: Architektur und Atmo- sphäre, München, 2. korr. Aufl. 2013 – Böhme, Gernot: Ästhetischer Kapitalis- mus, Berlin 2016 – Böhme, Gernot: Gut Mensch sein. Anthropologie als Proto-Ethik, Zug 2016 Rainer Goetz – Goetz, Rainer; Graupner, Stefan (Hrsg.): Atmosphäre(n). Interdisziplinäre Annährungen an einen unscharfen Begriff, München 2007 – Goetz, Rainer; Graupner, Stefan (Hrsg.): Atmosphäre(n) II, Interdisziplinäre Annäherungen an einen unscharfen Begriff, München 2012 – Goetz, Rainer (Hrsg.): Dialoge auf der Suche nach dem Gesamtkunstwerk: Kunst + Musik + Poesie, Würzburg 1995 – Goetz, Rainer: Interesse als Konzept der Vermittlung von Kunst und Subjekt, Nürnberg 1990 Uta Graff – Graff, Uta: Räume/Spaces, München 2015 – Graff, Uta (Hrsg.): Wort Klang Raum/ Sign Spaces Sound, München 2015 – Graff, Uta: Konzeption der Architektur/ Conception of Architecture, in: Jahrbuch 2014, Fakultät für Architektur der Technischen Universität München, München 2014, S. 229-235 – Graff, Uta: Struktur und Erscheinung – Transformation als Gestaltungsprinzip, in: Leopold, Cornelie (Hrsg.): Über Form und Struktur – Geometrie in Gestaltungs prozessen, Wiesbaden 2014, S. 21-32

– Graff, Uta: Raumkunst – Kunstraum. Ein Projekt, München 2013 Winfried Haymann – Feldenkrais, Moshe: Das Starke Selbst – Anleitung zur Spontaneität, Berlin 1957 – Ginsburg, Carl: Lernen durch Bewegung, Göttingen 2016 – Triebel-Thome, Anna: Feldenkrais, Bewegung – ein Weg zum Selbst, Paderborn 2002 – Storch, Maja; Cantieni, Benita; Hüther, Gerald; Tschacher, Wolfgang: Embodiment, Bern 2010 – Hüther, Gerald: Etwas mehr Hirn, bitte, Göttingen 2015 Michael Hirsch – Engler, Wolfgang: Unerhörte Freiheit. Arbeit und Bildung in Zukunft, Berlin 2007 – Fraser, Nancy: Die halbierte Gerechtig- keit. Schlüsselbegriffe des postindustriel- len Wohlfahrtsstaats, Frankfurt/M. 2001 – Gorz, André: Arbeit zwischen Misere und Utopie, Frankfurt/M. 2000 – Gorz, André: Auswege aus dem Kapita- lismus. Beiträge zur politischen Ökologie, Zürich 2009 – Hirsch, Michael: Warum wir eine andere Gesellschaft brauchen!, München 2013 – Hirsch, Michael: Logik der Unterschei- dung. 10 Thesen zu Kunst und Politik, Hamburg 2015 – Hirsch, Michael: Die Überwindung der Arbeitsgesellschaft. Eine politische Philo- sophie der Arbeit, Wiesbaden 2016 – Lessenich, Stephan: Zu Paul Lafargue, Das Recht auf Faulheit, Hamburg 2014 – McRobbie, Angela: Top Girls. Feminis- mus und der Aufstiegt des neoliberalen Geschlechterregimes, Wiesbaden 2010 – Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen, Stuttgart 2000 – Snricek, Nick; Williams, Alex: Die Zukunft erfinden. Postkapitalismus und eine Welt ohne Arbeit, Berlin 2016 – Weeks, Kathi: The Problem with Work. 63


Feminism, Marxism, Antiwork Politics, and Postwork Imagineries, Durham/London 2011

Literaturempfehlungen

Robert K. Huber – Bahr, Gesine: Aus Alt Mach Neu – Der Bauhaus-ReUse Pavillon auf dem Tempelhofer Feld, in: The Bauhaus Dessau Foundation‘s Magazine, No. 4, Dessau 2012 – Ballhausen, Nils: bauhaus re use,
 in Bauwelt, No. 21/2015, Berlin 2015, S. 30-33 – Huber, Robert K.: A Concrete Perfor- mance – Heritage and Leftovers,
in: Tallinn Architecture Biennale TAB 2013 Catalogue, Tallinn 2013, S. 43-48 – Huber, Robert K.: Plattenvereinigung. Betonrecycling als Bildungsbaustelle, in: Beton Bauteile 2016, Gütersloh 2016, S. 66-71 – Asam, Claus; Huber, Robert K.; Vogdt, Frank U.: Das Forschungsprojekt Platten- vereinigung,
in Mahrin, Bernd (Hrsg.): Wertschätzung – Kommunikation – Kooperation, Berlin 2016, S. 78-88 Christian Jacobs – Lao Tse: Tao-Tê-King. Das heilige Buch vom Weg und von der Tugend, Ditzingen 1997 – Scharmer, C. Otto: Theorie U – Von der Zukunft her führen, Heidelberg 2015 – Köhler, Henning: Vom Ursprung der Sehnsucht, Stuttgart 2008 – Terkessidis, Mark: Kollaboration, Berlin 2015 – Land, Karl-Heinz; Kreuzer, Ralf T.: Dematerialisierung – Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinis- mus, Köln 2015 Tetyana Kloubert – Adorno, Theodor W.: Theorie der Halb- bildung, Frankfurt/M. 2006 – Adorno, Theodor W.: Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und Gespräche mit

64

Hellmut Becker 1959-1969, Frankfurt/M. 2015 – Floridi, Luciano: The Forth Revolution: How the Infosphere is Reshaping Human Reality, Oxford 2014 – Lynch, Michael P.: The Internet of Us: Knowing More and Understanding Less in the Age of Big Data, New York 2016 – Stanley, Jason: How Propaganda Works, Princeton 2015 Markus Kosuch – Bockhorst, Hildegard; Reinwand-Weiss, Vanessa-Isabelle; Zacharias, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch Kulturelle Bildung, München 2012, www.kubi-online.de – Jacobs, Christian; Jacobs-Jahrreiß, Elisabeth Helena (Hrsg): Earnest & Algernon – Dream and Reality, München 2012, www.earnestalgernon.de – Knopp, Reinhold; Nell, Karin: Keywork 4: Ein Konzept zur Förderung von Partizipa- tion und Selbstorganisation in der Kul- tur-, Sozial- und Bildungsarbeit, Bielefeld 2014, www.keywork.info/?p=1/ – Stiegele, Juliane: Utopia Toolbox: Werkzeuge für die Arbeit an der Zukunft. Eine Anstiftung zur radikalen Kreativität, München 2013, www.utopiatoolbox.org/utb/de Ingrid Krau – Krau, Ingrid: Nach dem Fokus „Kultur- hauptstadt Ruhr“. Ein nüchterner Blick auf die Statistik und eine vom Üblichen abweichende Interpretation, in: RaumPlanung 158/159, Dortmund 2012, S. 268-273 – Krau, Ingrid: RUHR – eine andere Form regionaler Urbanität, in: Deutsche Akade- mie für Städtebau und Landesplanung (Hrsg.): Learning for Ruhr – für Ruhr lernen, Almanach 2010/11, Berlin 2011, S. 231-241 – Krau, Ingrid: Kreativität – wozu?, in: Krau, Ingrid; Küpper, Swantje A. (Hrsg.): Hoffnung Kreativität – Effekte einer unver-


zichtbaren Ressource, Berlin 2011, S. 5-6 – Krau, Ingrid: Städtebauliche Planung zwischen Tradition und Experiment – Ausstieg aus dem Denkgebäude der Moderne?, in: Selle, Klaus (Hrsg.): Planung neu denken, Band 2, Praxis der Stadt- und Regionalentwicklung, Dortmund 2006, S. 425 – 437 – Krau, Ingrid: Gesellschaft und Bildung, in: Bayerische Architektenkammer. Architektur in der Schule. Transform 2 r.a.u.m. Pilotprojekt 2001 – 2003, München 2005, S. 19-21 Susanne Liebmann-Wurmer – Liebmann-Wurmer, Susanne: Kunstpäda- gogische Gedanken zur Anregung künst- lerischer Prozesse, in: Loemke, Tobias; Liebmann-Wurmer, Susanne: IN/OUTsider Art. Studierende der Kunstpädagogik im Dialog mit der Sammlung Prinzhorn, Erlangen 2012, S. 10 – Liebmann-Wurmer, Susanne: „Da gibt es nur das und mich.“, in: aviso. Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern. Renaissance des Zeichnens?, Paderborn 2014, S. 38 – Liebmann-Wurmer, Susanne: Die Bedeutung des Schreibens und kreativen Gestaltens für die Entwicklung des Menschen. Interdisziplinäres Ver- bundforschungs­projekt, Erlangen 2014 Hans Pongratz – Hochschulforum Digitalisierung (HFD): Abschlussbericht The Digital Turn www.hochschulforumdigitalisierung.de/ sites/default/files/dateien/Abschluss bericht.pdf – Hochschulforum Digitalisierung: Neue Kooperations- und Finanzierungsmodelle in der Hochschullehre www.hochschul- forumdigitalisierung.de/sites/default/files/ dateien/ThGrI_NeueGeschaeftsmodelle. web_.pdf – Kruse, Anna; Pongratz, Hans: Digital Change: How MOOCs Transform the

Educational Landscape, in: Ellermann, Horst; Kreutter, Peter; Messner, Wolf- gang (Hrsg.): The Palgrave Handbook of Managing Continuous Business Transfor- mation, London 2017, S. 353-373. Online verfügbar – Bildung in der digitalen Welt, Strategie der Kultusministerkonferenz www.kmk. org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUnd Aktuelles/2016/Bildung_digitale_Welt_ Webversion.pdf – Mainzer, Klaus: Künstliche Intelligenz – Wann übernehmen die Maschinen?, Berlin 2016

Praxis, Seelze 2016 – Wild, Klaus: Wahrnehmungsorientierte Schulentwicklung – Innere Schulentwick- lung unter Berücksichtigung der Wahr- nehmung von Schulqualität durch Lehr- kräfte, Winzer 2010

Christoph Türcke – Türcke, Christoph: Lehrerdämmerung. Was die neue Lernkultur in den Schulen anrichtet, München 2016 – Türcke, Christoph: Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur, München 2012 Bertram Weisshaar – Weisshaar, Bertram: Spaziergangs wissenschaft in Praxis. Formate in Fort- bewegung, Berlin 2013 – Weisshaar, Bertram: Denkweg. Ein (um) weltlicher Pilgerweg quer durch das Land von Aachen bis Zittau, München 2016 – Von Keitz, Kay; Voggenreiter, Sabine (Hrsg.): En passant. Reisen durch urbane Räume: Perspektiven einer anderen Art der Stadtwahrnehmung, Berlin 2010 – Von der Weppen, Wolfgang: Der Spazier gänger. Eine Gestalt, in der Welt sich vielfältig bricht, Tübingen 1995 – Burckhardt, Lucius; Ritter, Markus; Schmitz, Martin (Hrsg.): Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft, Berlin 1979 Klaus Wild – Beutel, Silvia-Iris; Höhmann, Katrin; Pant, Hans Anand; Schratz, Michael (Hrsg.): Handbuch Gute Schule – Sechs Quali- tätsbereiche für eine zukunftsweisende 65


Sponsoren

BIMobject® ist die weltweit führende Plattform für herstellerspezifischen BIM-Content. Die Objekte die das international aufgestellte Unternehmen mit Hauptsitz in Malmö auf seinem cloudbasierten Webportal Architekten und Planern kostenlos zur Verfügung stellt, enthalten neben der Produktgeometrie und physikalischen ­Charakteristika eine Vielzahl herstellerspezifischer und BIM-­ relevanter ­Informationen. Mit Hilfe dieser digitalen Abbilder real existierender Bau- und Einrichtungsprodukt wird die Digitalisierung der Bauwirtschaft nachhaltig vorangetrieben. Herstellern von ­Bauprodukten und Einrichtungsprodukten bietet BIMobject eine Plattform, ihre Produkte zu bewerben und als native Dateien für ­unterschiedliche Software­lösungen zur Verfügung zu stellen. ­BIMobject übernimmt die ­Programmierung, Pflege und Verbrei­tung der digitalen Zwillinge real existierender Bauprodukte. BIMobject AB ist ein börsennotiertes Unternehmen, gelistet an der NASDAQ First North in Stockholm. Certified Adviser: Sedermera Fondkommission Weitere Informationen unter www.bimobject.com

Schnitzer& ist ein vom Inhaber Martin Schnitzer geführtes ­Unternehmen und mit den Standorten München, Nürnberg und ­Regensburg seit 1997 das GRAPHISOFT Center für ARCHICAD­ in München, Oberbayern, Nord- und Ostbayern. Mit elf Mitarbeitern betreuen wir 2.500 Kunden rund um ­ARCHICAD und beim ­Einsatz von BIM-Lösungen. Darüber ­ hinaus engagieren wir uns als Förderer der Architekturszene ­Bayerns für Architektur und Baukultur. Weitere Informationen unter www.schnitzerund.de

66


Der vertrauenswürdige Partner für smarte und sichere Zutrittslösungen Die dormakaba Gruppe bietet Produkte, Lösungen und Services ­ ­in den Bereichen Sicherheit und Zutritt zu Gebäuden – alles aus ­einer Hand. Das sind mechanische und mechatronische Schließ­ systeme, vernetzte elektronische Zutrittslösungen, physische ­Zugangssysteme, automatische Türsysteme sowie Türbänder, ­Beschläge, Türschließer und -stopper. Zeit- und Betriebsdaten­ erfassungs-Terminals, Hotelschließsysteme, Hochsicherheitsschlösser, horizontale Schiebewandsysteme und mobile ­Trennwände runden das Portfolio ab. Weitere Informationen unter www.dormakaba.com

markelos Büro für Gestaltung und Produktion ist wachsamer Begleiter für Marken und Unternehmen, entwickelt und pflegt Leitbilder, verleiht Identität; schmiedet Strategien, ­erstellt Konzepte und Denkarbeit; zeichnet Wort- und Bildmarken; schreibt Texte und widmet sich ihrer Typografie, entwickelt ­Gebrauchsgrafik und Formulare, Designkonstanten wie Farbe, Form- & Bildsprache, entwickelt Kleinformate und Großformate,­ sichert technische Realisierbarkeit analoger wie digitaler Medien; entwirft Produkte und Systeme, gestaltet Räume und schafft Orientierung in Leitsystemen und Signaletik. Als inhabergeführtes Büro für Gestaltung und Produktion mit Sitzen in Nürnberg und Thalmässing betreut markelos namhafte regionale und international tätige Mittelständler, Konzerne und Institutionen. Das integrative Leistungsangebot reicht von der Konzeption, ­Beratung und Strategie über die Gestaltung bis zur Realisation, ­Projektmanagement und Produktionsdienstleistung. Weitere Informationen unter www.markelos.de

Die Entwicklung innovativer, mitunter revolutionärer Produkte ­ zieht sich wie ein roter Faden durch die lange Firmengeschichte von KEIMFARBEN. Alles begann 1878 mit der Vision von Adolf ­Wilhelm Keim, farbenprächtige Malereien für die Ewigkeit entstehen zu lassen. Heute ist KEIMFARBEN führender Anbieter minera­lischer Anstrichsysteme und die Farben gelten als ­Synonym für Farbbrillanz und unerreichte Langlebigkeit. Die Produkt- und Servicepalette des Unternehmens reicht längst über die reinen Anstrichprodukte hinaus: WDVS, Innendämm-­ Systeme, ­Betoninstandsetzungs-Systeme, Oberflächenschutzprodukte, ­mineralische Putze und Spachtelmassen und Naturstein-Instandsetzungssysteme runden das Produktportfolio des Spezialisten ab. Zum internationalen Vertrieb seiner Produkte unterhält KEIMFARBEN elf Auslandsgesellschaften in Europa und USA sowie Partnervertretungen in ­weiteren Ländern.

Seit bald 45 Jahren unterstützt BECHMANN seine Kunden im Bauwesen mit intelligenten Lösungen in den Bereichen Kosten­ planung, AVA und Kostenmanagement. Basierend auf eigenen ­Erfahrungen in Planung und Bauleitung sind die Entwicklungen ­des mittelständischen Unternehmens von Beginn an praxisbezogen, modular aufgebaut, leicht zu bedienen und stets auf dem aktuellen Stand des technisch Machbaren. Die mehr als 6.500 Kunden aus ganz Deutschland sind Architekten, Ingenieure und Fachplaner, die Bauleistungen kalkulieren, ausschreiben, abrechnen, vergeben und kontrollieren. Sie werden durch ein flächendeckendes Netz aus Mitarbeitern und Vertriebspartnern betreut und mit einem breiten Schulungs- und Serviceangebot stets auf dem neuesten Stand ­gehalten.

Weitere Informationen unter www.keim.com Weitere Informationen unter www.bechmann.de 67


GRAPHISOFT hat mit ARCHICAD 1984 die erste modellbasierte Planungssoftware – was heute als BIM gilt – auf den Markt gebracht. Das Arbeiten mit ARCHICAD ist Dank der benutzerfreundlichen Oberfläche besonders intuitiv und ermöglicht dem Anwender mit ­einem zentralen Modell zu arbeiten, aus dem sich alle Zeichnungen und Berechnungen live ableiten.

Sponsoren

Mit zahlreichen Schnittstellen zu anderen Software-Lösungen wird der Austausch von 3D-Daten mit anderen Planungspartnern, wie Tragwerksplanern, Haustechnikern oder Energieberatern beschleunigt und optimiert. Für den BIM-basierten Datenaustausch bildet die IFC-Schnittstelle die Basis für den OPEN BIM Prozess, also den­­ offenen modellorientierten Datenaustausch. Weitere Informationen unter www.graphisoft.de

Forbo Flooring Systems: Linoleum, Vinyl, Textil

Schüco – Systemlösungen für Fenster, Türen und Fassaden

Forbo hat sich nicht nur einen Namen als weltweit führender ­Linoleumanbieter gemacht, sondern ist darüber hinaus auch ­Hersteller designorientierter, technisch anspruchsvoller Vinylbeläge sowie von Textilböden und Sauberlaufzonen. Heute präsentiert sich Forbo als Systemanbieter mit einem umfangreichen Angebot an elastischen und textilen Bodenbelägen für den Objekt- und Wohnbereich. Das Produktportfolio bietet mit hochwertigen Linoleum-, ­Vinyl- und textilen Belägen Lösungen für unterschiedlichste ­Anwendungsbereiche. Forbo Flooring gehört zum Schweizer ­Forbo-Konzern, der weltweit 5.300 Mitarbeiter beschäftigt und ­ über ein internationales Netz von 24 Standorten mit Produktion und Vertrieb sowie 45 Vertriebsgesellschaften in 36 Ländern verfügt.

Die Schüco International KG mit Sitz in Bielefeld entwickelt und vertreibt Systemlösungen für Fenster, Türen und Fassaden. Mit weltweit über 4.750 Mitarbeitern arbeitet das Unternehmen daran, heute und in Zukunft Service- und Technologieführer der Branche zu sein. Neben ressourcenschonenden Produkten für Wohn- und Arbeitsgebäude bietet der Gebäudehüllenspezialist Beratung und digitale Lösungen für alle Phasen eines Bauprojektes – von der ­initialen Idee über die Planung und Fertigung bis hin zur Montage. 12.000 Verarbeiter, Planer, Architekten und Investoren arbeiten weltweit mit Schüco zusammen.

Weitere Informationen unter www.forbo.com

68

Das Unternehmen ist in mehr als 80 Ländern aktiv und hat in 2016 einen Jahresumsatz von 1,460 Milliarden Euro erwirtschaftet. Weitere Informationen unter www.schueco.de


Wir danken unseren Sponsoren

Design. Connect. Supply.

UnterstĂźtzern

Ackermann GmbH Design Offices Enno Roggemann GmbH & Co. KG

GerĂźstbau Vogel e. K. Thonet GmbH


Seite 7 Ehemalige Bayerische Staatsbank (heute Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, ­­ für Landesentwicklung und Heimat) von Sep Ruf, Foto: © Stefan Meyer, Berlin/Nürnberg Seite 9 Werksinstallation im Glashaus des ­Alf ­Lechner Skulpturenparks, Werkbund Bayern Tagesexkursion 2016 Obereichstätt/Ingolstadt, ­ Foto: Christian Schuberth Seite 11 Teilnehmerinnen der Werkbund Werkstatt Nürnberg beim Treiben in der ­Metallwerkstatt, Werkstattjahr 2015/16 Foto: Werkbund Werkstatt Nürnberg

Bildnachweise

Seite 13 „Bramme“, Richard Serra, Schurenbachhalde, ­ Emscher Landschaftspark (1998), ­ Werkbund Bayern Studienfahrt Emscherkunst 2016
 Foto: Christian Schuberth Seite 15 Oberhausen, Brücke „Slinky Springs To Fame“, Tobias Rehberger (2011), Werkbund Bayern Studienfahrt Emscherkunst 2016,
 Foto: Christian Schuberth Seite 16 Hochofen 1 und 2, Landschaftspark Duisburg-Nord, Internationale Bauaustellung Emscher Park, Latz + Partner, 1990–2002, ­Werkbund Bayern Studienfahrt Emscherkunst 2016,
­ Foto: Christian Schuberth Seite 19 Herbstliche Impression im Alf Lechner Skulpturenpark, Werkbund Bayern Tagesexkursion 2016 Obereichstätt/Ingolstadt, Foto: Christian Schuberth Seite 20
 Essen, Zeche Zollverein, Werkbund Bayern Studienfahrt Emscherkunst 2016,
 Foto: Christian Schuberth Seite 22
 Oberhausen, „Zauberlehrling“, inges idee, 2013, Werkbund Bayern Studienfahrt Emscherkunst 2016,
 Foto: Christian Schuberth Seite 28 Dozenten und Mitarbeiter der Werkbund Werkstatt Nürnberg, Foto: Werkbund Werkstatt Nürnberg Seite 29 oben: Jahresausstellung der Werkbund Werkstatt Nürnberg im Kunstverein Kohlenhof ­unten: Entwurfsmodell für eine temporäre Architektur für den Werkbundtag 2017 von Teilnehmern des akuellen Werkstattjahrs der Werkbund Werkstatt Nürnberg Fotos: Werkbund Werkstatt Nürnberg Seite 45 Jahresausstellung der Werkbund Werkstatt Nürnberg im Kunstverein Kohlenhof, Fotos: Werkbund Werkstatt Nürnberg

70


Deutscher Werkbund Bayern e. V. Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b, 80802 München www.deutscher-werkbund.de I www.werkbundtag2017.de Werkbund Werkstatt Nürnberg e. V. Königstraße 93, 90402 Nürnberg www.werkbund-werkstatt.de

Impressum

Broschüre Herausgeber: Deutscher Werkbund Bayern e. V. Konzeption: Andrea Heigl, Jochen Paul Redaktion: Jochen Paul Gestaltung: FORM+ZEICHEN, München Druck: F&W Druck- und Mediencenter GmbH, Kienberg Deutscher Werkbundtag 2017 in Zusammenarbeit mit: Werkbund Werkstatt Nürnberg e. V. Konzept: KMS Blackspace GmbH, München Videoclips „Findet Herbert!“: FilmCrew Media GmbH, Grünwald Organisation: Stephanie von Tiedemann Wir danken allen, die den Deutschen Werkbundtag 2017 vorbereitet und ermöglicht haben, insbesondere: Christian Böhm Irene Burkhardt Joshua Damoiseaux Georg Drost Werner Frosch Rainer Goetz Christian Graf Martina Grosser Horst Haffner Andrea Heigl Horst Henschel Thomas Herr Askan Hertwig Claudia Hollweg-Hacker Tilman Harlander Robert K. Huber Christian Jacobs Harald Jantschke Thomas Kallert Nikolaus Kirchner Andreas Kölblinger Dieter Koppe Hans Kraus

Volker Krischker Verena Marschall Gabriel Mayer Peter Neudert Jochen Paul Katrin Pollems-Braunfels Johannes Reischböck Hubert Matthias Sanktjohanser Burkhard Schällner Peter Scheller Eva Schickler Stefan Schiefer Matthias Schmuderer Martin Schnitzer Hermann Schubach Christian Schuberth Petra Seydel Mary Sych Christiane Thalgott Stephanie von Tiedemann Johannes Zettel Norbert Zlöbl Bettina Zwirner


Reader Deutscher Werkbundtag 2017  

Deutscher Werkbundtag 2017 Pop-up-Universität zur Zukunft von Arbeit und Bildung

Reader Deutscher Werkbundtag 2017  

Deutscher Werkbundtag 2017 Pop-up-Universität zur Zukunft von Arbeit und Bildung

Advertisement