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MAGAZIN DES BALLETTS AM RHEIN SPIELZEIT 2013/14

NO 4

MARTIN SCHLÄPFER: SOMMERPAUSE – DER CHOREOGRAPH NILS CHRISTE IM GESPRÄCH – GUSTAV MAHLER UND DER TANZ – NEUE MUSIK FÜR DEN TANZ: ADRIANA HÖLSZKY – RÜCKBLICK: b.13 – b.16 DIE BALLETTMEISTER DES BALLETTS AM RHEIN – CURIOSITIES IN DANCER’S BAGS – PINA40 IN DÜSSELDORF: 40 JAHRE TANZTHEATER WUPPERTAL – FLASH.STOP: GIVING SOMETHING BACK

„Man muss den Mut haben, auf einer weißen Leinwand zu beginnen und dann permanent weiter zu malen, zu überschreiben, zu entscheiden, was stehen bleibt und was nicht.“ Diese Worte Martin Schläpfers können stellvertretend für jedes Kunstschaffen stehen, das sich in der Regel aus einem intensiven Prozess des Skizzierens, Aufbauens, Kreierens, Verwerfens und Festhaltens herauskristallisiert. Mit der vierten Ausgabe unseres Ballettmagazins laden wir Sie zu einem Blick in eine derart kreative Werkstatt ein, in der Dinge gerade im Entstehen sind, Gedanken sich verfestigen, manches aber auch erst nur Skizze ist: Martin Schläpfer nimmt uns mit hinein in seine Sommerpause – eine Zeit der Ruhe, des Rückblickens und Entspannens, aber auch des Vorbereitens und der Weichen­stellung für Kommendes. Der Komponist Gustav Mahler hat ihn dabei besonders intensiv begleitet. Das Ergebnis können Sie in der Premiere b.17 mit Martin Schläpfers Choreographie zu Mahlers 7. Sinfonie erleben. Ganz am Anfang von Sorrowful Songs – seines neuen Stücks für das Ballett am Rhein – stand der Choreograph Nils Christe, als wir ihn trafen. Ein Gespräch über das Leben und das Choreographieren, das für den Niederländer immer auch ein Dialog ist: „Ich bin kein Choreograph, der alleine ins Studio geht und sich die Schritte ausdenkt. Ich brauche die Tänzer.“ Ein eher einsames Geschäft ist dagegen das Komponieren. Doch Adriana Hölszky, die zurzeit an einem abendfüllenden Tanzstück für Martin Schläpfer schreibt, lässt uns im Gespräch und mit ihren Entwürfen und Skizzen am Entstehen ihrer Partitur DEEP FIELD teilhaben. Oft ist es nur ein Bild, das uns von einem Tanz bleibt, der längst zu Ende ist. Dem Fotografen Gert Weigelt gelingt es immer wieder aufs Neue, nicht nur den flüchtigen Augenblick, sondern in diesem auch das Wesentliche, die Essenz eines Ballettes festzuhalten: In der Spielzeit 2012/13 waren es ausgewählte Choreographien und Uraufführungen aus über 75 Jahren, die Martin Schläpfer mit seinem Ensemble auf die Bühne brachte und die Gert Weigelts Fotos in unserem Rückblick b.13 – b.16 dokumentieren. Dies – und noch viel mehr – erwartet Sie auf den folgenden über 100 Seiten. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit unseren Texten und Bildern sowie eine schöne Spielzeit 2013/14 mit dem Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg!

www.ballettamrhein.de 3

INHALT

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Sommerpause

Neue Musik für den Tanz

Martin Schläpfer über seine Spielzeitferien

Die Komponistin Adriana Hölszky im Gespräch

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„Ich bin ein fliegender .Holländer“ Der Choreograph Nils Christe im Gespräch

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b.13 – b.16 Interpretationen aus der Spielzeit 2012 /13

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Menschen in der Krise Gustav Mahler und der Tanz

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4 Ballettmeister Die Ballettmeister des Balletts am Rhein

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b–No 4  BALLETT AM RHEIN

b–N°4

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We care –  We carry Curiosities in dancer’s bags

Die Premieren 2013 /14 91

Das Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

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PINA40 in Düsseldorf 40 Jahre Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

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Rückblick / Ausblick / Aktuelles 103

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Flash. STOP Bogdan Nicula: Giving something back

Zum Lesen, Hören und Anschauen 106

Impressum

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Sommer

Martin Schläpfer über seine Spielzeitferien: Auszeit, Rückblick und Neubeginn

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b–No 4  BALLETT AM RHEIN

Pause

TEXT — Martin Schläpfer  FOTOS — Martin Schläpfer, Thomas Ziegler

Zurzeit höre ich einmal am Tag – immer morgens – Gustav Mahlers 7.  Sinfonie. Es ist heute der 9.  August 2013. Sommerpause. Die Opernhäuser sind geschlossen. Es gibt zumindest keine Vorstellungen zu sehen. Natürlich glänzen die Festivals mit ihren Highlights, sind die Seiten der Feuilletons trotzdem voll, sind da Montpellier, Salzburg, Luzern, Bayreuth ..., die Biennalen und Triennalen. Kritiker sind tagelang verreist, haben sich quasi disloziert, sind dort, wo es eben passiert, und berichten von Vor-Ort ­ über die enorme Fülle, welche die »Festivalkultur« über Europa ausspuckt. ————

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Sommer sind für mich persönlich sehr wichtig – wenn auch eigenartige „Gebilde“. Sie spiegeln stark meine Befindlichkeit wider, zeigen mir in aller Klarheit auf, wie ich mich in letzter Zeit verändert habe, hauen mir manchmal auch unangenehme Wahrheiten ins Gesicht. In einer laufenden Spielzeit ist ein Innehalten nicht möglich. Ich muss „überleben“, durchkommen, alles zusammenhalten, aushalten – und das bitte gut. Dabei geht es fast immer um andere Menschen, um Anderes. Mich selber dabei nicht zu verlieren, irgendwie nahe bei mir, mit meiner Intuition verbunden zu bleiben, ist eine große Herausforderung. Der Alltag als Ballettdirektor ist schön – aber auch sehr hart. So sind diese Wochen im Sommer für mich vor allem dazu da, mein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen, alles, was die Sicht trübte, sich setzen zu lassen, damit ich von der Oberfläche wieder in die Tiefe blicken kann, den Grund sehe. Ich versuche, zu überdenken, zu erfühlen, mich „auszumitten“, zu evaluieren, was ich in der vergangenen Spielzeit tat und wie ich es tat – und anzuspüren, was jetzt zu tun ist. Wie viel Ruhe und Abstand brauche ich? Wie viel Vorbereitung auf das Kommende, wie viel Richtungswechsel ist notwendig? All das ­beinhaltet sowohl das Künstlerische wie auch die Ebenen des Direktor-Seins, der Organisation – der Personalführung. Gedanken und Stimmungen kommen hoch, Gefühle und Emotionen – wie Luftblasen vom Bodengrund eines Sees an die Oberfläche tanzend. Es geht dabei nicht so sehr um richtig oder falsch, um Selbstkritik und Zweifel, sondern um Reflexion – um ein nachhaltigeres Verstehen und Einordnen des Geschehenen, um Analyse des Passierten, damit es hoffentlich endgültig weggelegt werden kann.

» Auf der Alp zu sein ist das genaue Gegenteil vom ImTheater-Sein. Es vergehen die Tage  – und man hat nicht geredet oder nur mit sich selber oder in sich selber hinein ...  Die Zeit dehnt sich wieder ins richtige Maß zurück. ...  Etwas von Märchen ist in der Luft. Is this real? So much beauty and so much rightness? «

Als Direktor bemühe ich mich – und das hat sich bei mir in den letzten zwei Jahren sehr verändert – um eine noch intensivere Ehrlichkeit meinem Selbst gegenüber, um ein noch bewussteres Ernst-Nehmen meiner Ansichten und Überzeugungen. Wie ein Tanzkünstler, eine wirklich große Ballettcompany sein sollten, wie ein guter Ballettmeister, mein Team, schlussendlich auch das Haus, in dem ich arbeite … Welche Tänzer sollten im Ballett am Rhein tanzen dürfen, welche nicht – oder nicht mehr? Das geht natürlich auch weiter in Außenbereiche – bis zu Fragen über das Niveau und Wissen der Tanzkritik. Ich bin weniger Gutmensch als früher. Klarheit in den Entscheidungen zählt für mich inzwischen mehr, ist wichtiger als forcierte Harmonie oder zwanghaft herbeigeführter Konsens. Manchmal „knallt“ es, weil es muss. Das ist richtiger, differenzierter, genauer, fairer – schlussendlich auch menschlicher und sensibler als diese Sauce: „Alles ist gut.“ Aber es macht auch einsamer. Als Tänzer habe ich die Sommerpausen natürlich anders verbracht – und trotzdem gibt es Analogien. Höchstens zwei bis drei Wochen habe ich nicht trainiert, den Rest der Theaterferien dazu verwendet, „von vorne“ zu beginnen. Für mich gab es kaum etwas Schöneres, als dies zu versuchen – in dieser „Zwischenzeit“, in der keiner etwas von mir wollte, nichts an mir zerrte. Ich habe für mich im Kopf entschieden, dass ich neu beginnen, alle Fehler aus meiner Körperarbeit ausmerzen, anders werden möchte – nicht perfekt, aber zumindest besser. Zuerst habe ich mit Barrentraining bei mir zu Hause in der Küche begonnen. Dabei unbekleidet zu sein – nackt –, schien mir das einzig Richtige: rein, unverbaut und unverpackt. So habe ich mich in der Sommerhitze an der Küchentheke festgehalten und stundenlang auf dem herrlich weichen Korkboden an einem Tendu oder Plié gearbeitet. Nach ein paar Tagen bin ich zusätzlich ins „leere“ Theater trainieren gegangen. Kühl war es dort, alles schien so groß und ­ruhig und still – noch so unberührt und unbelastet, fast magisch – voller Möglichkeiten. Außer dem Pförtner schien niemand da zu sein, was natürlich nicht stimmte. Auch ich wusste, dass die Techniker über den Sommer hinweg viel zu tun haben – all das, was während des Spielbetriebs nicht möglich war, muss jetzt erledigt werden. So ging ich, um möglichst niemandem zu begegnen, auf Schleichwegen durchs Theater dem Ballettsaal entgegen. Dort habe ich mich im riesigen Studio dicht vor die Spiegelwand gestellt und versucht anzuschauen, was an mir nicht so gut war – nicht schön oder einfach nicht richtig oder extrem genug. Ich habe die Übungen von der Seite angeschaut, sie wiederholt, und dann auch frontal beobachtet und korrigiert – alles höchstens eine Spielbeinlänge vom Spiegel entfernt, möglichst nahe, ehrlich, gnadenlos aufdeckend. Das Üben war Garant für Veränderung, und so fand ich meistens in einer stärkeren Form in eine neue Spielzeit hinein. Es gab Jahre, in denen ich einfach oben bleiben konnte, durch die ich einfach durchflog – technisch und künstlerisch gelang mir alles. 1982 bis 1984 waren solche Spielzeiten. Nie wieder habe ich das so erfahren.

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„Ich bin ein fliegender Holländer“

Der Choreograph Nils Christe im Gespräch

INTERVIEW — Anne do Paço  FOTOS — Gert Weigelt

Seit seiner gefeierten Uraufführung »Before Nightfall« 1985 mit dem Ballett der Pariser Oper zählt Nils Christe zu den wichtigsten Choreographen seiner Generation. Im Opernhaus Düsseldorf waren zuletzt seine »Fearful Symmetries« zu erleben – ein temporeiches, verblüffendes Spiel mit immer neuen symmetrischen Strukturen. Für den Ballettabend b.18 entsteht nun eine neue Choreographie, die am 17. Januar 2014 im Theater Duisburg ihre Uraufführung erleben wird: »Sorrowful Songs« zu Musik von Henryk Mikołaj Górecki. Anfang September traf Anne do Paço den Choreographen zu einem Gespräch. ————

  Du kommst gerade aus Singapur zurück. Was hast du dort gemacht? ANNE DO PAÇO

  Ich habe ein älteres Stück komplett „renoviert“! Es ist mein Orgelkonzert zur Musik von Francis Poulenc, das ich vor einiger Zeit für das Königlich Schwedische Ballett kreiert habe und mit dem ich nicht so recht zufrieden war. Mein Probenleiter in Schweden war damals Janek Schergen, der heute Direktor des Singapore Dance Theatre ist. Er wollte das Stück gerne für seine Compagnie haben, so dass ich mich entschieden habe, es komplett zu überarbeiten. Vor einem Jahr haben wir in der Serie „Ballet under the Stars“ vor 3000 Zuschauern eine Open air-Vorstellung gegeben. Die Bühne war sehr spartanisch. Ende August fand nun eine Wiederaufnahme mit einem neuen Bühnenbild von Thomas Rupert – der ganze Raum voller Orgelpfeifen – im Esplanade Theatre in Singapur statt. Es war ein großer Erfolg, die Compagnie hat fabelhaft getanzt – und ich bin nun viel zufriedener mit meiner Choreographie. NILS CHRISTE

  Deine Engagements führen dich immer wieder auch nach Asien und Australien. Wenn du das Arbeiten dort mit dem in Mitteleuropa vergleichst, gibt es Unterschiede? ANNE DO PAÇO

  Der Tanz ist eine sehr internationale Kunstform und Tänzer sind fast überall auf der Welt gleich: Sie arbeiten wie die Verrückten und sind in der Regel völlig auf den Tanz fokussiert. Das ist herrlich! Große Unterschiede gibt es natürlich in den finanziellen Möglichkeiten. Vor allem in Australien fehlen öffentliche Subventionen. Die Abhängigkeit von Sponsoring hat dort große Auswirkungen auf den Tanz als Kunstform: Nur der breite Erfolg zählt, experimentellere Formen sind kaum möglich. Und so werden meist nur noch fertige Choreographien, von denen man weiß, dass sie gefallen, eingekauft. Unterschiede gibt es aber auch beim Publikum. Weder in Asien noch in Australien gibt es dieses klassische Ballettpublikum. Wenn man aber nach einer Vorstellung mit den Zuschauern spricht, spürt man, dass sie auch dort den Tanz sehr lieben, es aber eben nicht so direkt zeigen. Rudi van Dantzig hat in Hongkong für Romeo und Julia nur einen Vorhang bekommen, das war wirklich ein Schock für uns. Ein dankbares Publikum ist schon ein wunderschönes Gefühl für alle Beteiligten einer Aufführung. NILS CHRISTE

ANNE DO PAÇO Du arbeitest seit vielen Jahren freischaffend, von 1986 bis 1993 hast du als Direktor des Scapino Ballets in Rotterdam aber auch eine eigene Compagnie geleitet …

… ein eigenes Ensemble zu haben ist natürlich etwas ganz anderes, als frei zu arbeiten. Man sucht sich die Tänzerinnen und Tänzer selbst aus, man kennt sie genau, sieht sie jeden Tag, kreiert regelmäßig für sie, ist für die Planungen zuständig. Ich war sehr gerne Ballettdirektor, habe inzwischen aber herausgefunden, dass ich lieber frei arbeite. Zusammen mit meiner Frau Annegien Sneep, die ja auch meine Assistentin ist und in letzter Zeit meistens auch die Kostüme zu meinen Stücken entwirft, habe ich ein fantastisches Leben: Hongkong, Singapur, Australien, Paris, Wien, Stockholm, jetzt Düsseldorf. Wo wir in den letzten Jahren überall waren! Manchmal geht Annegien für eine Wiedereinstudierung eines meiner Stücke voraus, ich komme dann aber immer auch selber zu den Proben und zur Premiere. Wenn ich eine Compagnie noch nicht kenne, gebe ich ihr meistens erst einmal ein bereits bestehendes Stück. Erst im zweiten Schritt kreiere ich dann etwas Neues. Natürlich kommt es aber auch vor, dass ich vor einem Ensemble stehe und keinen der Tänzer kenne, gar nicht weiß, wie sie sich bewegen, welchen Hintergrund sie mitbringen. Die ersten Probentage sind immer sehr spannend, eine gegenseitige Annäherung, ein Herausfinden, wie man aufeinander reagiert – und das schafft natürlich neue Impulse, so dass manchmal etwas sehr Schönes dabei herauskommt. Interessant ist es für mich auch, immer wieder zu sehen, dass ein Hauschoreograph oder Ballettdirektor seine Tänzer oft auf seine Art sieht und sie entsprechend einsetzt – und dann kommt ein Gast wie z. B. ich und entdeckt ganz andere Facetten in ihnen. Beides – das Leiten einer eigenen Compagnie wie auch das freie Schaffen – hat seinen eigenen Reiz, aber im tiefsten Innern bin ich ein „fliegender Holländer“. NILS CHRISTE

  Aber Holland ist eure Heimat ge-

ANNE DO PAÇO

blieben?

  Ja sicher, es ist immer wieder schön, nach Hause zu kommen. NILS CHRISTE

  Wie muss man sich deine Zusammenarbeit mit Annegien Sneep vorstellen? ANNE DO PAÇO

NILS CHRISTE  Sehr intensiv! Sie ist extrem wichtig für mich und wir ergänzen uns perfekt. Wir arbeiten schon seit über 30 Jahren zusammen. Da braucht man oft nur ein halbes Wort und der andere weiß sofort, was gemeint ist. Manchmal sage ich über einen anderen Choreographen: Er bzw. sie braucht eine Annegien! Aber das Glück haben nicht viele. Sie ist sehr kritisch und direkt. Sie kann alles zu mir sagen und tut dies auch. Manchmal ist es eine kalte Dusche – und manchmal eine warme. Aber es ist so gut und wichtig, eine Art Resonanzraum zu haben. Wir können stundenlang über ein Detail oder die

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» Ich bin kein Choreograph, der alleine ins Studio geht und sich die Schritte ausdenkt. Ich brauche die Tänzer. Mit ihnen entwickle ich mein Material. Manchmal weiß ich genau, wo ein Stück hingeht, manchmal auch nicht – dafür gibt es kein Rezept. Ich beginne meist mit nur einer kleinen Besetzung – ein oder zwei Tänzern – und arbeite mit ihnen zwei bis drei Tage, um erst einmal eine Bewegungssprache für das Stück zu finden. Manchmal passiert es aber auch, dass ich zu choreographieren beginne und das Stück vom ersten bis letzten Schritt einfach dasteht: wie ein Knall. «

Lösung eines Problems sprechen. Aber Annegien ist auch unglaublich gut im Proben meiner Stücke. Sie ist ein fantastischer Coach und hat ein gutes Verhältnis zu den Tänzern – immer voller Humor. Das ist wichtig, denn ich selbst bin gerne ein bisschen ungeduldig – wie wahrscheinlich alle Choreographen, denn wir müssen ja kreieren und haben meist zu wenig Zeit dafür. Oft will ich zu schnell ein Ergebnis sehen. Annegien hat dagegen die Geduld, Stunden um Stunden mit den Tänzerinnen und Tänzern an den Bewegungen zu feilen und das Allerbeste aus ihnen herauszuholen. Oft ist sie auch mein „drittes“ Auge – wenn ich z. B. im Ballettsaal mit den Tänzerinnen und Tänzern improvisiere, stehe ich ja meistens mit dem Rücken zu ihnen und kann gar nicht alles sehen. Dann gibt Annegien mir Tipps, welches Material ich mir genauer anschauen sollte. Und natürlich hat sie oft auch sehr gute Ideen – und ist dann aber doch nicht diejenige, die aufsteht und zu kreieren beginnt. Manchmal witzele ich mit ihr: „Warum machst du eigentlich nicht das Stück?“ Und dann antwortet sie: „Ich kann ja nur d e i n e Schritte choreographieren.“   Ursprünglich wolltest du Musiker werden, dann hat dich Hans van Manen als Tänzer in das Nederlands Dans Theater engagiert, dem du 15 Jahre lang angehörtest. Dort hast du bereits auch zu choreographieren begonnen. Was würdest du als die Highlights deiner Karriere bezeichnen? ANNE DO PAÇO

  Rudolf Nurejews Einladung an die Pariser Oper. Das war sehr speziell – zum einen, weil es Nurejew war, zum anderen, weil es Paris war … NILS CHRISTE

… 1985 hast du dort Before Nightfall kreiert, das ja bis heute zu deinen erfolgreichsten Balletten zählt … ANNE DO PAÇO

… ja, und ich hatte eine Besetzung, wie es sie vermutlich nie mehr in meinem Leben geben wird: Die zwölf Tänzerinnen und Tänzer waren alle bereits Étoiles der Compagnie oder sind es noch geworden, darunter Sylvie Guillem, Laurent Hilaire, Manuel Legris, Elisabeth Platel, Charles Jude – herrlich … NILS CHRISTE

ANNE DO PAÇO Hat Rudolf Nurejew dir bei der Wahl der Besetzung denn freie Hand gelassen?

NILS CHRISTE  Das ist eine sehr kuriose Geschichte! Nurejew hatte mich bereits ein Jahr zuvor eingeladen, um mit seinem Ensemble Symphony in Three Movements einzustudieren. Als ich in Paris ankam, hing der Cast bereits aus, ohne dass ich gefragt worden war. Nurejew hatte die Besetzung einfach entschieden – und ich muss gestehen, dass sie alles andere als ideal war. Ich

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glaube, er hat den technischen Anspruch der Choreographie unterschätzt. Die zwölf Männer und vier Frauen hatten eine sehr harte Zeit mit mir. Als die Premiere dann aber sehr gut lief, lud Nurejew mich ein, in der nächsten Spielzeit ein neues Stück für Paris zu kreieren. Ich sagte natürlich „Ja“, allerdings unter der Bedingung, dass ich mir den Cast selbst aussuchen könne. Er stimmte zu – und so entstand Before Nightfall. Aber es gab natürlich auch andere Highlights. Dazu zählt auf jeden Fall, dass ich es nach vielen Jahren des Zögerns und Abwartens gewagt habe, Le Sacre du Printemps zu choreographieren und dass das Stück auch noch gelungen ist! Darüber bin ich wirklich sehr froh. ANNE DO PAÇO Für welches Ensemble ist dein Sacre entstanden?

NILS CHRISTE  Für die Compagnie in Kiel, als Mario Schröder dort Direktor war – ein sehr gutes Ensemble mit ausgezeichneten modernen Tänzern. Für mich ist Strawinskys Sacre die schwierigste Musik, die ich je choreographiert habe. Ich hatte viele Jahre eine ungeheure Angst vor diesem Stück. Ich habe so viele Choreographen gesehen, denen Le Sacre das Genick gebrochen hat. Ich konnte dagegen nach der Premiere in den Himmel rufen: „Igor, du hast mich nicht untergekriegt!“

  Strawinsky hat Le Sacre du Printemps als Szenen aus dem heidnischen Russland angelegt. Wie bist du an das Stück herangegangen? ANNE DO PAÇO

  Ich finde, dass man diese Geschichte als heute kreierender Choreograph nicht mehr erzählen kann: Eine Geschichte über ein Dorf, in welchem ein paar alte Männer eine Jungfrau aussuchen, die sich dann tottanzen muss. Das geht für mich nicht mehr. Mit Annegien habe ich wochenlang nachgedacht, wie ich zu einer Umsetzung dieser urtümlichen, erdigen Musik finden kann, in der auch ein Spitzenschuh für mich nichts mehr verloren hat. Eine große Inspiration fand ich schließlich in jenem Naturgesetz, nach welchem die Schwachen in der Regel nicht überleben. Ich ging davon aus, dass jeder aus dem Ensemble das Opfer sein kann, nicht nur die Frauen. In jeder Aufführung sollte es jemand anderes sein – und am Ende des Stückes nicht nur eine Frau, die sich zu Tode tanzt, sondern die gesamte Compagnie. Dieser Kampf ums Überleben zieht sich durch die gesamte Choreographie. Am Ende bleibt nur einer übrig … Aber – um noch einmal zu den Höhepunkten zurückzukommen: Eine wunderbare Zeit war natürlich auch mein Engagement beim Nederlands Dans Theater! NILS CHRISTE

ANNE DO PAÇO  Gab es dort jemanden, der dich besonders geprägt hat?

  Das werde ich öfters gefragt und meistens wird erwartet, dass ich Hans van Manen nenne. Natürlich war Hans für mich sehr wichtig! Was aber gerne vergessen wird: Unter seiner Direktion hatten wir sechs feste Hauschoreographen und tanzten 13 bis 14 Premieren pro Spielzeit, darunter auch Stücke von John Butler, Anna Sokolov, Jerome Robbins, Glen Tetley, Benjamin Harkavy … Für einen jungen Tänzer war das eine unglaublich reiche Zeit! Ich bin so froh, dass ich das erleben konnte. NILS CHRISTE

  Hast du Jerome Robbins persönlich kennengelernt? ANNE DO PAÇO

hat ballettmainz Before Nightfall und Purcell Pieces von dir getanzt; deine Ballette Kleines Requiem und Fearful Symmetries sind für ballettmainz entstanden …

  Ja, wir kennen uns gut aus Mainz – und schon länger: Ich habe ein Video, auf dem Martin in Before Nightfall tanzt! Das war in Basel unter Heinz Spoerli. Später dann habe ich mich immer sehr gefreut, mit seinen Ensembles arbeiten zu können. Ich liebe die Intensität seiner Tänzerinnen und Tänzer, ihre Konzentration. Die meisten sind schon lange im Studio, bevor die Probe beginnt, sind dem Tanz völlig hingegeben. Damit sage ich nicht, dass andere Compagnien dies nicht sind – aber mit Martins Tänzern ist die Arbeit immer etwas Besonderes und das Niveau sehr hoch. NILS CHRISTE

  Ja, er war alles andere als einfach und nicht besonders beliebt. Aber er wusste haargenau, was er wollte. Besonders intensiv habe ich aber mit Glen Tetley gearbeitet – und natürlich mit Hans van Manen. Sie alle haben mich beeinflusst, und bis heute liebe ich diese Vielfalt: In einem Programm mit Mats Ek oder William Forsythe oder dem Grünen Tisch von Kurt Jooss vorzukommen ist wunderbar!

ANNE DO PAÇO  Martin Schläpfer ist ein Choreograph, dem die klassische Tanztechnik als Basis sehr wichtig ist. Er trainiert seine Compagnie entsprechend – schließt neue Tanztechniken aber natürlich mit ein ...

ANNE DO PAÇO  Für das Ballett am Rhein kreierst du mit Sorrowful Songs ein neues Stück, das am 17. Januar 2014 im Ballettabend b.18 im Theater Duisburg seine Uraufführung erleben wird. Die Zusammenarbeit mit Martin Schläpfer reicht bereits in seine Mainzer Zeit zurück: Unter seiner Direktion

NILS CHRISTE … in diesem Punkt bin ich mit Martin total einig. Für einen Choreographen ist es ein großes Geschenk, mit Tänzern zu arbeiten, die alles können. Dass sie ein breites Spektrum an Möglichkeiten haben und zugleich die klassische Technik als Basis, sieht man weltweit immer mehr. Manchmal ist man aber auch bei

NILS CHRISTE

Compagnien zu Gast, wo dies nicht der Fall ist. Dann studieren wir nicht nur ein Ballett ein, sondern müssen erst einmal die nötige Technik lehren. Martin ist da wirklich ein Vorbild und hat für sein Ensemble zu einer ganz eigenen „Arbeits-Philosophie“ gefunden. In seinen Choreographien gelingt es ihm, alles zu integrieren: das, was möglich und auch das, was eigentlich unmöglich ist. Das bewundere ich sehr.   Morgen beginnst du mit den Proben zu Sorrowful Songs, vieles ist aber schon entschieden: Die Musik hast du gewählt, es gibt ein Bühnenbild, das Thomas Rupert entworfen hat. Was steht für dich ganz am Anfang eines neuen Stückes? ANNE DO PAÇO

  Am Anfang steht für mich immer die Suche nach einer Musik. Es ist die Musik, die mich inspiriert, nie ein Buch oder etwas anderes. Ein einziges Mal habe ich versucht, ein Ballett auf Stille zu kreieren. Das war eine Katastrophe. Wenn ich nichts höre, bekomme ich keine Inspiration, sehe keine Bewegung. Während ich mich früher allerdings meist haargenau nach den Partituren gerichtet und auf die Rhythmik oder Melodik choreographiert habe, gehe ich inzwischen freier mit den Kompositionen um, arbeite öfters auch atmosphärisch oder mit einem größeren Pinselstrich, ohne aber den direkten Bezug zur Partitur oder die Musikalität der Bewegungsabläufe aufzugeben, denn im NILS CHRISTE

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1948 SHADOW OF THE WIND – ANTONY TUDOR Nana Goller, Foto: Carl van Vechten

Menschen in der Krise — Gustav Mahler und der Tanz TEXT — Constanze Müller

In den letzten Jahren haben Choreographen immer öfter Gustav Mahlers Musik verwendet und dabei zum Teil tiefe Fußspuren in der Geschichte des Tanzes hinterlassen, die es für Nachfolgende auszufüllen oder zu umrunden gilt. Was äußerlich nach einer Mahler-Erfolgsstory auf der Ballettbühne aussieht, ist inhaltlich fast immer eines: das Ringen mit dem Schicksal. In Mahler-Balletten begegnen uns Menschen in der Krise. Aus Anlass von b.17, Martin Schläpfers Uraufführung »7« zu Gustav Mahlers 7. Sinfonie, wagen wir daher eine Fährtensuche auf den bisherigen choreographischen Pfaden, die sich in Sachen Mahler gelegentlich kreuzen, parallel verlaufen oder auseinanderstreben. ————

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Kollegen Jiří Kylián (Kinderspiele nach den Kindertotenliedern) und Heinz Spoerli (Wendung nach den Rückert-Liedern) wandten sich dem Komponisten in dieser Zeit erstmals zu. Bei John Neumeier begann 1970 mit Rondo zu Mahlers Ich bin der Welt abhanden gekommen eine noch immer andauernde Mahler-Leidenschaft. Unter den Mahler-Choreographen finden sich mittlerweile erfahrene, aber zu Mahler Spätberufene wie Angelin Preljocaj, dessen Schneewittchen (2008) zu verschiedenen Sinfonie-Ausschnitten entstand, genauso wie – zumindest damals – blutige Anfänger, die ihre ersten Schritte zu Mahler kreierten: William Forsythe 1976 mit einem Pas de deux ­Urlicht in Stuttgart und Martin Schläpfer 1994 mit den Rückert-Liedern in Bern. Bis heute entstanden zahlreiche Werke zu Mahlers Partituren, eindeutige Favoriten dabei sind seine Liederzyklen und das durch Luchino Viscontis Film Tod in Venedig berühmt gewordene Adagietto aus der 5. Sinfonie; seltener finden sich Kreationen zu kompletten Sinfonien.

„Mahler führt uns in Bereiche, die tief in unserem Inneren wurzeln. In seiner Musik scheint kein Eindruck menschlicher Existenz beständig. Aber auch keiner, den man jemals erlebt hat, geht dem Bewusstsein völlig verloren. Diese Gewissheit lässt mich Mahlers Musik intensiv fühlen“, schrieb John Neumeier im Rahmen seiner lange währenden und bis heute andauernden Auseinandersetzung mit der Musik Gustav Mahlers. Nichts ist beständig, aber doch nicht alles verloren – zu dieser Gewissheit kann nicht nur der Mahler-Hörer gelangen. Auch der Zuschauer der Mahler-Choreographien könnte bemerkt haben, dass sich die ganz großen Fragen nach der menschlichen Existenz, nach Tod und Erneuerung wie ein roter Faden durch die bis­ herigen tänzerischen Umsetzungen ziehen. Für den Tanz selbst hat Mahler nie komponiert, zu Lebzeiten wurde seine Musik auch nicht für Tanz verwendet. Trotz seiner Stellung als Kapellmeister bzw. Operndirektor an Opernhäusern in Budapest, Hamburg oder Wien war er kein Freund des Balletts – wen wundert das, wurden doch zu seiner Hamburger Zeit Ballette wie Am Wörther See (1891), Die Wichtelmännchen (1894) oder Phantasien im Bremer Ratskeller (1896) gegeben. Nach seinem Tod im Jahr 1911 folgt die Verwendung seiner Musik für Tanz dem allgemeinen Trend der Mahler-Rezeption. Nach einer ersten posthumen Begeisterungswelle in den 1920er Jahren, die aber tänzerisch keinen bekannten Nachhall fand, wurden Choreographen während der 1960er und 1970er Jahre immer mehr auf seine Musik aufmerksam – in einer Zeit, die in die Musikgeschichte als „Mahler-Renaissance“ einging. Einzig Antony Tudor, stets auf der Suche nach ungewöhnlicher Musik für seine Werke, hatte Mahler früh für sich entdeckt und gleich für zwei seiner Choreographien verwendet: 1937 entstand Dark Elegies zu den Kindertotenliedern und 1948 Shadow of the Wind zu Das Lied von der Erde. Als der Komponist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend auf den Konzertprogrammen zu finden war, sprangen zunächst nur ein paar Funken in die Ballettsäle über: Kenneth MacMillan und Eliot Feld ließen sich für Das Lied von der Erde (1965) bzw. für die Rückert-Lieder (1967) entflammen. In den 1970er Jahren griff Maurice Béjart gleich mehrfach auf Mahler zurück, seine

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Das Thema gesetzt hatte Tudor mit Dark Elegies, 1937 für das Ballet Rambert in London kreiert. Diese erste bekannte MahlerChoreographie für acht Tänzerinnen und vier Tänzer – bei der Uraufführung darunter Tudor selbst neben Peggy van Praagh und Agnes de Mille – war eine Totenklage zu den Kindertotenliedern. Wer hier wen und aus welchem Grund betrauert, bleibt in diesem handlungslosen Werk zwar offen. Die wiegenden Bewegungen der Arme könnten jedoch darauf hinweisen, dass es Eltern sind, die mit verzweifelten Armgesten und stockendem Gang ihre Kinder beweinen. Besondere Wirkung hatte dabei Tudors Verwendung des Spitzenschuhs: Der Tanz auf Spitze war nicht als romantische Überwindung der Schwerkraft gemeint, sondern als Verlust an sicherem Halt, als ein unsicheres Schwanken. Heute ist Dark Elegies – neben Jardin aux lilas – nicht nur sein bekanntestes Werk, angeblich war es ihm selbst auch das liebste. Für die 1948 folgende Choreographie Shadow   of   the Wind wählte er Das  Lied  von  der  Erde. In der Krise war hier zunächst Mahler selbst: Er hatte seine einflussreiche Stellung an der W ­ iener Oper verloren, eins seiner beiden Kinder war verstorben, bei ihm selbst war eine lebensbedrohliche Herzschwäche diagnostiziert worden. Mahler befasste sich daraufhin intensiv mit chinesischer Lyrik und Philosophie. In seinem großen sinfonischen Zyklus Das Lied von der Erde, der nach ebenjener chinesischen Lyrik in dieser Zeit entstand, brachte er seine Beschäftigung mit der eigenen Endlichkeit und eine Vision von Ewigkeit und Erneuerung des Lebens zum Klingen. Tudor blieb in Shadow of the Wind ähnlich wie in Dark Elegies nah am durch die Musik gesetzten Thema und kreierte – für das Jahr 1948 eine ausgefallene Idee – ein asiatisch ausgestattetes Werk über den Kreislauf des Lebens.

1937 ANTONY TUDOR – DARK ELEGIES Antony Tudor, Maude Lloyd, Peggy van Praagh, Agnes de Mille, Walter Gore Foto: Houston Rogers (l.o.)

1965 KENNETH MACMILLAN – DAS LIED VON DER ERDE Egon Madsen, Marcia Haydée, Richard Cragun Foto: Hannes Kilian (l.u.)

1975 JOHN NEUMEIER – DRITTE SINFONIE VON GUSTAV MAHLER Ensemble Hamburg Ballett Foto: Holger Badekow (r.o.)

Der Tod und die Möglichkeit nach Erneuerung blieben auch in späteren Werken zur Musik Mahlers bestimmendes Thema. Nach Tudor plante Kenneth MacMillan zu Das Lied von der Erde zu choreographieren. Das Royal Opera House in London, mit dem MacMillan in Verhandlung stand, fand Mahlers Musik für Tanz aber unpassend. Der Choreograph wandte sich daher an seinen ehemaligen Kollegen aus dem Sadler’s Wells Theatre Ballet, der mittlerweile Ballettdirektor in Stuttgart geworden war. John Cranko gewährte MacMillan sämtliche Freiheiten, sodass das Werk Das Lied von der Erde mit Marcia Haydée, Ray Barra und Egon Madsen 1965 zur Uraufführung kam: „Mein Ballett handelt vom Tod. Das Thema steht sehr im Vordergrund. Aber den Mann, der sich zwischen den Tänzern bewegt, möchte ich nicht direkt als den Tod bezeichnen. Das wäre zu konkret. Im Deutschen heißt er der Ewige, also der, der immer da ist. Die Gestalt des Todes ist keineswegs böse. Er ist einfach immer gegenwärtig; er trägt eine farblose Maske ohne Zeichnung, mit der er wie die anderen aussieht, aber doch nicht ganz genau so. Im Grunde genommen hat das Ballett ein ganz einfaches Thema: Ein Mann und eine Frau; der Tod nimmt den Mann mit, beide kehren sie zur Frau zurück und am Ende steht das Versprechen der Erneuerung.“ MacMillans sachliche Beschreibung trifft zwar den Purismus des Werkes, denn bei ihm trugen die Tänzerinnen und Tänzer beispielsweise nur schlichte Trikots. Die Wirkung seiner Choreographie war aber umso überwältigender. Das Royal Opera House, welches das Werk aufgrund der Musik nicht hatte produzieren wollen, übernahm das Ballett nur ein Jahr später. Am 13. Dezember 1967 berichtete The Telegraph über einen jungen Choreographen, dessen „Präsenz einen großen Unterschied bedeutet für die Gegenwart und die Zukunft des American Ballet Theatre“. Eliot Feld, zunächst Tänzer beim New York City Ballet und schließlich beim American Ballet Theatre, hatte für seine ABT-Kollegen At Midnight zu Mahlers Rückert-Liedern choreographiert – eine sehr „wagemutige Musikwahl“, wie der Rezensent damals befand. Felds Choreographie ging über Tudor und MacMillan thematisch hinaus: Zunächst als ein „everyman of pain“, der zu Beginn fast nackt und wie vom Kreuz abgenommen in den Armen seiner Begleiter liegt, entwickelte Feld die Figur weiter als die des einsamen Künstlers, der unverstanden durchs Leben geht. At Midnight wurde vom New York Times News Service in den höchsten Tönen gelobt: „Felds Choreographie sieht aus wie bei Ashton, Balanchine, Robbins und Tudor – als ob sie

nicht kreiert, sondern bloß entdeckt worden sei.“ In seiner Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts zählt Jochen Schmidt das Werk immerhin „zum besten, was Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre irgendwo in der Welt an (neo)klassischem Ballett geschaffen wurde“. Ebenso begeistert war die Tanzwelt von einem Pas de deux, der 1971 von Maurice Béjart zu Liedern Gustav Mahlers für Paolo Bortoluzzi und Rudolf Nurejew kreiert wurde. Die Lieder eines fahrenden Gesellen, so der Titel nicht nur der Lieder, sondern auch der Choreographie, scheinen, wie vorher schon At Midnight, thematisch alle bisherigen Mahler-Kreationen abstrakt zu verklammern. Béjart kommentierte die beiden Figuren des Balletts: Der eine „ist ein Wanderer, wie die jungen Lehrlinge im Mittelalter, die von Stadt zu Stadt zogen auf der Suche nach ihrem Schicksal und ihrem Meister: Hier haben wir einen romantischen Schüler (Nurejew) verfolgt von seinem Schicksal (Bortoluzzi), der leidvoll die Bedeutung von Mahlers Worten (Mahler dichtete diese Worte selbst) begreift ‚Ich hab’ ein glühend Messer, ein Messer in meiner Brust‘, die für den ständigen Kampf mit sich selbst und gegen die Einsamkeit stehen“. So, wie Mahler musikalisch in seiner Komposition eine Traumwelt, in der die Sehnsüchte in Erfüllung gehen, einer leiderfüllten Realität gegenüberstellte, waren auch die beiden Tänzer als Kontrahenten angelegt. Bortoluzzi in braunem Trikot virtuos, leicht und brillant beherrscht zunehmend den in weiß gekleideten, nach Freiheit strebenden lyrischen Nurejew und nimmt ihn schließlich mit sich fort. Nicht nur Nurejew nahm in dieser Rolle seinen Abschied als Tänzer von der Bühne. Auch Martin Schläpfer, der die Partie Nurejews tanzte, als die Choreographie bei Heinz Spoerlis Basler Ballett gezeigt wurde, beendete damit 1989 seine professionelle Tänzerlaufbahn.

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Neue für

Musik

Die Komponistin Adriana Hölszky im Gespräch

den

Tanz INTERVIEW — Anne do Paço  SKIZZEN — Adriana Hölszky

Adriana Hölszky zählt zu den wichtigsten Komponistinnen ihrer Generation und hat sich seit der Uraufführung ihres »Singwerks auf ein Frauenleben« »Bremer Freiheit« 1988 in München mit der Musik-Theater-Bühne und ihren Parametern wie Stimmen, Szenen, Gesten oder Räumen auf unterschiedlichste Weise auseinandergesetzt. Im Auftrag Martin Schläpfers, der sich seit langem die Zusammenarbeit mit einem zeitgenössischen Komponisten wünschte, entsteht nun »DEEP FIELD« – eine Komposition für großen gemischten Chor, Orchester und Tonzuspielungen, die am 23. Mai 2014 im Opernhaus Düsseldorf in der Cho­ reographie von Martin Schläpfer und den Räumen von rosalie ihre Uraufführung erleben wird. Der WDR Rundfunkchor Köln ist in der Einstudierung von Denis Comtet für diese Produktion zu Gast, die Düsseldorfer Symphoniker und Gäste spielen unter der Leitung von Wen-Pin Chien. Für unser Ballettmagazin traf Anne do Paço im Juli 2013 Adriana Hölszky in Stuttgart. ————

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b–No 4  BALLETT AM RHEIN

 Wann stand für Sie fest, dass Sie Komponistin werden möchten? ANNE DO PAÇO

  Fahren Sie heute noch manchmal nach Darmstadt? ANNE DO PAÇO

  Ich war 2006 als Dozentin bei den Ferienkursen und nehme mir immer wieder vor, hinzufahren, denn natürlich möchte man wissen, was dort los ist – aber dann stecke ich Stockhausens Werken z. B. hatte selbst so sehr in meiner eigenen er oft schon die Partituren, bevor Arbeit drin. Heute hat Darm- ANNE DO PAÇO  Ohne die Möglichkeit sie erschienen waren, aber auch stadt allerdings für mich auch der Aufführung kommt ein musidie Werke von Steve Reich oder nicht mehr die Aura von früher. kalisches Werk nicht zum Leben. Harry Partch haben wir intensiv Solche Urgrößen wie Morton Komponieren Sie meistens im studiert. Niculescu war ein sehr Feldman haben mich schon sehr Auftrag oder unabhängig davon? kluger Kopf: unglaublich intel­ beeindruckt – aber so hat jede ADRIANA HÖLSZKY  Es ist ein Wechselligent und zugleich von einer Zeit eben ihren Charakter. ungewöhnlich starken Intuition. spiel: Oft möchte ich gerne etwas Milko Kelemen gab mir dage- ANNE DO PAÇO  Sie sind nicht nur als schreiben – und dann kommt irgen völlige Narrenfreiheit, fesselte Komponistin tätig, sondern seit gendwann auch der entsprechende mich überhaupt nicht in seine dem Jahr 2000 als Professorin Auftrag. Oder ich bekomme einen Denkweise. Dafür bin ich ihm am Mozarteum Salzburg auch Auftrag und kann damit aber masehr dankbar. Ich war mit meiner für die Ausbildung junger Kom- chen, was ich will. Auf MaterialFamilie ja als Spätaussiedlerin ponisten zuständig. Was geben ebene mache ich allerdings benach Stuttgart gekommen. Meine Sie an Ihre Studenten weiter? ständig eine Art ForschungsarMutter war Deutsche, mein Vabeit, die sich nicht unbedingt ter ein Ungar-Slowake. Ich war ADRIANA HÖLSZKY  Das ist eine ganz ­speziell auf ein Stück bezieht. damals 23 Jahre alt. Das war wie andere Arbeit, hat gar nichts mit ein Kulturschock. Ich war über- meinem Komponieren zu tun. Es ANNE DO PAÇO  Sie haben für die meiswältigt von der Vielfalt an Ansät- geht eher darum, die Schüler zu ten Gattungen komponiert, aber zen und Möglichkeiten, die ich motivieren, ihre Kräfte zu mobi- als ein Schwerpunkt zeichnete in Deutschland vorfand, so dass lisieren, damit sie lernen, in ih- sich bald schon das Musiktheader Sprung aus Rumänien heraus rem eigenen Sinn mit dem Ma- ter ab … auch für meine kompositorische terial umzugehen. Parallel dazu Entwicklung wesentlich werden gebe ich meinen Studenten natürsollte. Seit dieser Zeit lasse ich lich sehr viele Informationen, sehr mein Schaffen gelten: Der Mono- viel Wissen weiter, und wir hören log für Frauenstimme und Pauke gemeinsam Stücke an, studieren von 1977 ist meine erste verleg- Partituren. Das alles aber nicht te Komposition, mit ihr beginnt als Muster oder Modell, sonmein offizieller Werkkatalog. Da- dern als Information, mit dem mals war es für mich besonders Ziel, dass sie ihren eigenen Weg wichtig, verschiedenste Positio- finden. Viele Studenten suchen nen, Denkweisen und Schulen Sicherheit, wollen die Garantie, kennenzulernen, also nicht nur dass bei ihrer Arbeit etwas Gutes bei einem Lehrer zu studieren, herauskommt. Wenn man sich sondern vielmehr meine eigenen jedoch vornimmt, etwas besonWege zu suchen. Wichtige Inspi- ders Tolles zu schreiben, ist man ration erhielt ich dabei auch blockiert. Die beste Voraussetwährend verschiedener Sommer- zung, ein gutes Werk zu schreikurse, darunter der Unterricht bei ben, ist, wie in der Forschung Franco Donatoni an der Accade- vorzugehen, wo man oft gar nicht mia Chigiana in Siena sowie die weiß, was man eigentlich sucht. Teilnahme an den Ferienkursen So bleibt man frei. Die meisten für Neue Musik in Darmstadt haben große Angst vor einem leezwischen 1978 und 1984. ren Blatt Papier und klammern sich dann an etwas, was sie bei einem anderen Komponisten gesehen haben, ohne zu registrieren, dass dies für diesen, nicht aber für sie selbst gültig ist. Information, Bildung, Technik – das ist das eine; Originalität ist das ADRIANA HÖLSZKY

  Ich hatte – solange ich mich erinnern kann – immer schon den Wunsch, mich in Musik auszudrücken, ein Wunsch, der so stark war, dass ich mir ein Leben ohne Komponieren nicht vorstellen konnte. Ich habe mit fünf Jahren – genau wie meine Zwillingsschwester, die heute Geigerin ist – mit dem Klavierspielen angefangen und dabei besonders gerne immer wieder auch improvisiert, mir am Klavier Geschichten ausgedacht, die ich mit Musik darzustellen versuchte. Als ich in die Schule kam, begann ich dann, meine Musik auch zu notieren und bewusst schöne Melodien und musikalische Ideen zu sammeln. Mein Musiklehrer, dem ich meine Stücke zeigte, war überzeugt, dass das Ganze unbedingt ein handwerklich solides Fundament bekommen müsse, so dass meine Eltern schließlich meine Schwester und mich privat in Harmonielehre und Kontrapunkt unterrichten ließen. Natürlich waren meine ersten Kompositionen durch all die Werke beeinflusst, die ich selbst auf dem Klavier spielte – bis hin zu Béla Bartók war ich damals gekommen. Wichtig für mich waren immer aber auch äußere Anregungen oder bestimmte Ereignisse, die mich berührten. Zum Abschluss der Grundschule habe ich z. B. ein Stück für unsere Lehrerin geschrieben und es als Abschiedsgeschenk mit meiner ganzen Klasse für sie aufgeführt. Die Lehrerin hatte Tränen in den Augen. Oder: Als ich acht Jahre alt war, starben unsere Wellensittiche, worüber ich sehr traurig war und das Stück Gebrochene Flügel komponierte. Schon als Kind war die Musik also für mich die Sprache, um mich auszudrücken. ADRIANA HÖLSZKY

 Bei wem haben Sie

ANNE DO PAÇO

studiert?

  Zunächst bei Stefan Niculescu in Bukarest und später dann bei Milko Kelemen in Stuttgart. Bei Niculescu haben wir viele Analysen gemacht – von

ADRIANA HÖLSZKY

andere. Deshalb ist das Unterrichten letztlich schwer beschreibbar. Es ist sehr individuell: Man muss in die Köpfe seiner Schüler schlüpfen, und sie müssen aus dem Unterricht mit einer großen Lust zum Komponieren herausgehen – wie ein Brunnen, der sprudelt!

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b.13 –

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Frederick Ashton, George Balanchine, Regina van Berkel, Martin Chaix, Merce Cunningham, Antoine Jully, Hans van Manen, Amanda Miller, Jerome Robbins, Martin Schläpfer und Antony Tudor waren die Choreographen der Spielzeit 2012/13 beim Ballett am Rhein. Schauen Sie auf den nächsten Seiten mit Gert Weigelts ausdrucksstarken Fotografien zurück auf dieses vielfältige Programm aus Meisterwerken des 20. Jahrhunderts und zahlreichen Uraufführungen.

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b.16

b.13 / CONCERTO BAROCCO —— GEORGE BALANCHINE ©  THE GEORGE BALANCHINE TRUST So-Yeon Kim, Ann-Kathrin Adam, Anna Tsybina, Doris Becker, Christine Jaroszewski, Andriy Boyetskyy

b.13 / UNGARISCHE TÄNZE —— MARTIN SCHLÄPFER Ensemble

b.13 / UNGARISCHE TÄNZE —— MARTIN SCHLÄPFER Marcos Menha, Marlúcia do Amaral, Alexandre Simões Boris Randzio, Anne Marchand RECHTS

LINKS

b.13 / UNGARISCHE TÄNZE —— MARTIN SCHLÄPFER Martin Chaix, Mariana Dias

b.14 / THE LEAVES ARE FADING – PAS DE DEUX —— ANTONY TUDOR Marcos Menha, So-Yeon Kim

b.14 / JOHANNES BRAHMS – SYMPHONIE NR. 2 —— MARTIN SCHLÄPFER Feline van Dijken, Martin Chaix, Louisa Rachedi, Marcos Menha, Claudine Schoch

b.15 / »WE WERE RIGHT HERE!!« —— MARTIN CHAIX Alexandre Simões, Doris Becker LINKS Camille Andriot, Nicole Morel, Doris Becker, Mariana Dias, Sonny Locsin

RECHTS

b.15 / REBOUND – TOPPLE –  SPLASH —— ANTOINE JULLY Chidozie Nzerem, Carolina Francisco Sorg, Remus Şucheană, Marlúcia do Amaral Marcos Menha, Julie Thirault RECHTS

LINKS

b.16 / NACHT UMSTELLT —— MARTIN SCHLÄPFER Mariana Dias LINKS Doris Becker, Christian Bloßfeld RECHTS

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Ballettmeister Antoinette Laurent Uwe Schröter Callum Hastie Kerstin Feig

TEXT — Ulrike Wörner  FOTOS — Gert Weigelt

Am Ende von François Truffauts Film »Fahrenheit 451« versammeln sich die »Buchmenschen«, welche ihre Lieblingsbücher auswendig gelernt haben, um sie vor der Auslöschung durch die im Film angeordnete Bücherverbrennung zu schützen und an andere Menschen weitergeben zu können. Diese Vorstellung von Personen als »Trägermaterial« für Kunstwerke lässt sich auch auf Ballettmeister übertragen. Eingeschrieben in ihre Körper sind zahlreiche Choreographien, die sie sich zunächst als Tänzer, später als Probenleiter angeeignet haben und die sie nun ­weitergeben.  ————

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It all started in the lunch-break of a Wednesday’ s “working through day”. Some of us were in our so called canteen, the place in the Balletthaus where we can eat and relax a bit between our rehearsals. And that was exactly what we were doing. And of course, like always, dancers are trying to pass their time with something “creative” or at least “entertaining”. So I started to clean my handbag, checking what was inside, taking away the little papers, bills, advertisements—papers you automatically get in the streets. Camille joined me and started to do the same herself. At that moment we were very surprised about the different and interesting things she carries around in her bag. The same was with Sonny, Remus and later Louisa. We all realized how diffe­ rent the insides of our bags were and how they were reflecting ourselves!

I asked my colleagues: “About your bag and your personality—do you think they are connected?” “Your needs are inside your bag, things you need during your days. Maybe it is something that keeps you going … or maybe not. Well, not always ...” laughs Sonny about it. Louisa says: “Totally! A bag is so personal, it’s like your ‘travelling home’, you are carrying your own space in it.” “A bag is one of the most private places one can have, especially for a lady”, says Camille, and for Remus “a purse is what you are, the way you like to have things.” Those who know Remus know that he is e ­ xactly like his bag: straightforward and efficient! My colleagues know what they carry around in their bags and for what purpose it is. Not always in Sonny’ s case: “Sometimes I find things I don’t know why they are there, like a couple of stamps from France for instance.” “I don’t know what’s inside my bag”, says Camille, “it’s full of surprises! Like this little spoon I had in my bag for a long time not knowing why it was there, or this black marker which we used to colour our pointe shoes for Reformationssymphonie ... for some reason it is still in my bag.” “Well”, I said to myself, “maybe it’s a magic pen. Who knows ...?”

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I was also curious to know if they thought a dancer’s bag was somehow different in its content than a normal person’s bag. Remus replied: “I’d say yes, because a normal person would not need what a dancer carries with him for daily work, like blasters for example.” “I don’t know anybody else that carries around tiger balm and foot roller” laughs Louisa and Sonny adds “... scissors, magnesia tablets, mini-golfball ...” Camille thinks different: “A lady’s bag is a lady’s bag. Every lady has some lipstick or a little perfume with her. And that’s normal!” In that case, I definitely agree with her for my bag is like this indeed.

In the end it is true, a bag is a small private and unique world for every single one of us. It contents our needs, thoughts about things and could also symbolize our emotional ­being. It’s a little mirror of our soul and ­personality. So we came to the conclusion that one of the ways to get to know someone better is also to get to know what one carries around in his bag. And believe me, ­Ballett am Rhein is full of personalities and bags!!  ———

Some people always carry special things in their bag. Things they will never leave their homes without. So I asked my colleagues: “What will you never remove out of your bag?” Sonny said he carried some special amulet for luck with him. But now he doesn’t anymore. Louisa and Remus never leave home without their documents. For Camille it’s the homeopathic rescue-drops she would never accept outside her bag! And it made me think that in my case too, I always have chewing gum and pen inside any of my bags.

PINA40 40 Jahre Tanztheater Wuppertal Pina Bausch vom 13. bis 17. November 2013 in Düsseldorf

„Nicht vergessen!“ Mal herausfordernd, mal eindringlich flehend nennen die Tänzerinnen immer wieder ihren Namen, spielen ihn teils sogar geradezu aus und reizen das Publikum damit immer wieder auch zum Lachen. ´Sweet Mambo` überrascht mit einer für Pina Bauschs Stücke eher kleinen Besetzung: Sieben Frauen, drei Männer – allesamt „gestandene“ Mitglieder des Wuppertaler Tanztheaters – versammeln sich auf teils melancholisch gestimmte Rock- und Popballaden zu einer „Hommage an die Weiblichkeit“. Zugleich war ´Sweet Mambo` aber auch gedacht als ein Pendant zu dem jünger und größer besetzten Bamboo Blues, für das Pina Bausch mit einem Teil ihres Ensembles nach Indien reiste. Wie schon bei den seit 1985 regelmäßig stattfindenden Internationalen Koproduktionen mit Italien und Brasilien, Madrid, Wien, Los Angeles, Hongkong, Lissabon, Budapest, Istanbul, Tokyo, Seoul sowie zuletzt Indien und Chile wurden solche Reisen für Pina Bausch und ihre Tänzerinnen und Tänzer zu intensiven Wochen, in denen sie in der Begegnung mit dem Leben und der Kultur eines fremden Landes sowie im direkten Austausch mit den dort lebenden Menschen und tätigen Künstlern „Rohstoffe“ für die eigene Arbeit schöpften, um ihre Eindrücke wiederum in einem neuen Tanzstück fruchtbar werden zu lassen. Bamboo Blues ist also ein „indisches“ Werk, und weist zugleich doch weit über Indien hinaus. Für ´Sweet Mambo` blieb die Ausgangsthematik die gleiche, doch entwickelte Pina Bausch sie – teils in einem parallelen Kreationsprozess mit dem Bamboo Blues-Ensemble, aber mit Tänzerinnen und Tänzern, die nicht nach Indien gereist waren – weiter. Die beiden Werke aus den Jahren 2007 und 2008 sollten, mit einem 2009 als Koproduktion mit Chile entstandenen Stück, das ­keinen Titel mehr erhielt, Pina Bauschs letzte Arbeiten bleiben. „Es war ein ganz besonderer Herzenswunsch, beide Stücke einmal gemeinsam an einem Abend zeigen zu können“, berichtet Robert Sturm bei einem der ersten Vorbereitungstreffen für das Gastspiel des Tanztheaters Wuppertal im Opernhaus Düsseldorf im Rahmen von PINA40. Seit dem Tod Pina Bauschs im Juni 2009 bis April 2013 leitete er zusammen mit Dominique Mercy das Wuppertaler Ensemble und entwarf für die Spielzeit 2013/14 zum 40-jährigen Bestehen der Compagnie zusammen mit Ulli Stepan eine große Retrospektive auf diese herausragende Künstlerin. Bamboo Blues und ´Sweet Mambo` werden im Opernhaus Düsseldorf am 15. und 16. November 2013 nun erstmals gemeinsam zur Aufführung kommen.

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Mit PINA40 möchte das Tanztheater Wuppertal in dieser Spielzeit „Nicht vergessen!“ – aber auch in die Zukunft schauen: mit 42 Aufführungen von Pina Bauschs Stücken, mehr als 40 Filmen von ihr und über sie, Konzerten, Workshops, Ausstellungen, Installationen sowie Begegnungen mit Weggefährten und Künstlerfreunden. 18 Orte sind Spielstätte dieser Hommage – in Düsseldorf neben der Deutschen Oper am Rhein, die seit den Internationalen Tanzfestivals NRW unter der künstlerischen Leitung von Pina Bausch 2004 und 2008 Partner des Tanztheaters und Spielort war, auch das tanzhaus nrw, das zwischen dem 13. und 17. November 2013 mit Arbeiten ehemaliger Tänzer und künstlerischer Weggefährten Pina Bauschs sowie einem ergänzenden Film- und Workshop-Programm einen ganz eigenen Akzent setzt. Im Zentrum des tanzhaus nrw-Programms steht die Deutsche Erstaufführung von Meryl Tankards The Oracle. Tankard war langjähriges Ensemblemitglied der ersten Generation des Tanztheaters Wuppertal und ist heute als eine der renommiertesten Choreographinnen Australiens international gefragt. Zu Strawinskys Le Sacre du Printemps schuf sie für den jungen Ausnahmetänzer Paul White – seit November 2012 Mitglied des Wuppertaler Ensembles – und in­ spiriert durch die dämonischen Bildwelten des norwegischen Künstlers Odd Nerdrum einen Tanzabend von expressiver Kraft. Die französische Tänzerin Raphaëlle Delaunay, die Stücke wie O Dido, Masurca Fogo und Wiesenland tanzte, sowie die Brasilianerin Morena Nascimento, die von 2008 bis 2010 Mitglied in Pina Bauschs Ensemble war, lassen in ihren beiden Solo-Arbeiten DEBOUT! und Rêverie dagegen Erinnerungen spürbar werden: Während Delaunay über ihre Biografie als Tänzerin reflektiert, ist Nascimentos Stück von den surrealistischen Traumbildern der nach Argentinien emigrierten Wuppertaler Fotografin Grete Stern inspiriert. Den Möglichkeiten der digitalen Welt für die Theaterbühne gehen dagegen die ehemaligen Pina Bausch-Tänzer Fabien Prioville und Pascal Merighi in ihrem Smartphone Project nach – eine interaktive Performance, an der sich der Zuschauer über eine Handy-App aktiv beteiligen kann. ——— Gefördert durch: das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Stadt Wuppertal gemeinsam mit der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung, das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, die Kulturstiftung Essen, die Kunststiftung NRW, die Stadtsparkasse Wuppertal

PINA BAUSCH – BAMBOO BLUES Clémentine Deluy, Damiano Ottavio Bigi, Foto: Gert Weigelt

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PINA BAUSCH – ´SWEET MAMBO` Julie Anne Stanzak, Daphnis Kokkinos LINKS Regina Advento LINKS UNTEN, Foto: Gert Weigelt MERYL TANKARD – THE ORACLE Paul White, Foto: Régis Lansac RECHTS OBEN/UNTEN OBEN

PINA40 IN DÜSSELDORF DEUTSCHE OPER AM RHEIN OPERNHAUS DÜSSELDORF

Bamboo Blues Ein Stück von Pina Bausch In Koproduktion mit den Goethe-Instituten in Indien Fr 15.11.2013, 16.00 Uhr Sa 16.11.2013, 14.00 Uhr —— ´Sweet Mambo` Ein Stück von Pina Bausch Fr 15.11.2013, 21.00 Uhr Sa 16.11.2013, 19.00 Uhr —— Begegnungen Martin Schläpfer im Gespräch mit Norbert Servos Fr 15.11.2013, 19.30 Uhr – Foyer —— Buchpräsentation Kostümbildnerin Marion Cito im Gespräch Sa 16.11.2013, 17.30 Uhr – Foyer Tickets und weitere Informationen: www.operamrhein.de TANZHAUS NRW

The Smartphone Project (Uraufführung) Fabien Prioville Dance Company Mi 13.11.2013, 19.30 Uhr Do 14.11.2013, 21.00 Uhr —— The Oracle (Deutsche Erstaufführung) Meryl Tankard Do 14.11. | Fr 15.11. | Sa 16.11. | So 17.11.2013, jeweils 19.30 Uhr —— DEBOUT! (Deutsche Erstaufführung) Rêverie (Uraufführung) Raphaëlle Delaunay & Morena Nascimento Sa 16.11.2013, 22.00 Uhr So 17.11.2013, 18.00 Uhr —— Die Klage der Kaiserin Ein Film von Pina Bausch Fr 15.11. | Sa 16.11.2013, 21.00 Uhr TANZHAUS NRW STUDIO

Masterclass Meryl Tankard Contemporary Dance Für Profis nach Anmeldung Sa 16.11.2013, 10.30 bis 14.00 Uhr Tickets und weitere Informationen: www.tanzhaus-nrw.de www.pina40.de

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Flash. STOP 86

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TEXT — Bogdan Nicula  PHOTOS — Lavinia Hutanu and Akira Enzeru

Asked for an article for our ballet magazine, Bogdan Nicula thought about the project in his former ballet school where he was recently involved as a choreographer. Dancing in Martin Schläpfer’s companies, both in Mainz and Ballett am Rhein since 2001, he always appreciated his very first steps in Romania that led him to guide a career like his. Wanting to show this appreciation he created a piece for the students of Floria Capsali Choreography High School in Bucharest. ————

Giving something back

“Come on! Let it go! Do it bigger and let it flow! Emerge in it and let it fly! Forget all the corrections and all we worked on and dance it now!!!” These are a few of the encouragements I used to get from my last ballet teacher in school. She usually said it at the end of a rehearsal after practicing fragments of a variation or choreography over and over again. At the beginning I didn’t understand what she meant, but after a while when things started to work out, I started to fly and it was because of her I realized there was more to experience.

She made me thirsty for more, she encou­ raged me to keep on looking and never stop. She gave me everything she had to offer. As well as classical ballet she loved contemporary and modern dance too and she made me realize that there is more to dance than Swan Lake, Don Quijote and Giselle. Sometimes she organized video evenings where we watched different pieces of modern companies and contemporary choreographers. For the first time I saw ballets from William Forsythe and Alvin Ailey as well as

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INFOS & K AR TEN 

↗ Düsseldorf: Tel. + 49 (0) 211. 89 25 - 211  ↗ Duisburg: Tel. + 49 (0) 203 . 9 40 77 77 

GENER ALINTENDANT 

www.ballettamrhein.de

Prof. Christoph Meyer  B A L L E T T D I R E K T O R   &   C H E F C H O R E O G R A P H   Martin Schläpfer

B A L L E T T

A M

R H E I N

SPIELZEIT  2013/14 — PREMIEREN

WIEDER AUFNAHME

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AFTERNOON OF A FAUN JEROME ROBBINS

7 URAUFFÜHRUNG MARTIN SCHLÄPFER —

HIDDEN FEATURES URAUFFÜHRUNG ANTOINE JULLY

EIN DEUTSCHES REQUIEM MARTIN SCHLÄPFER —

WITHOUT WORDS HANS VAN MANEN NACHT UMSTELLT MARTIN SCHLÄPFER —

29.09.2013 ↗  Opernhaus Düsseldorf 21.11.2013 ↗  Theater Duisburg

26.10.2013 ↗ 

Opernhaus Düsseldorf

b.18 EPISODES GEORGE BALANCHINE

SCENARIO MERCE CUNNINGHAM GROSSE FUGE HANS VAN MANEN —

28.03.2014 ↗  Opernhaus Düsseldorf

SINFONIEN MARTIN SCHLÄPFER

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SORROWFUL SONGS URAUFFÜHRUNG NILS CHRISTE —

DEEP FIELD URAUFFÜHRUNG / AUFTRAGSKOMPOSITION ADRIANA HÖLSZKY & MARTIN SCHLÄPFER —

17.01.2014 ↗  Theater Duisburg

23.05.2014 ↗  Opernhaus Düsseldorf

05.03.2014  ↗  Opernhaus Düsseldorf (WA) 26.06.2014 ↗  Theater Duisburg (WA)

Das Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg Das Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg wurde 2009 von seinem Direktor und Chefchoreographen Martin Schläpfer neu formiert und zählt inzwischen zu den ­führenden Ballettcompagnien. Nachdem bereits eine Umfrage der Deutschen Bühne das Ensemble 2010 auf den 1. Platz setzte, kürte die Zeitschrift tanz in ihrer internationalen Kritikerumfrage Martin Schläpfer zum „Choreographen des Jahres 2010“ und das Ballett am Rhein zur „Besten Kompanie 2013“, „weil sich hier“ – so Manuel Brug – „tänzerische Sorgfalt mit kluger Repertoirepolitik paart, überstrahlt von einem eigenwilligen Schöpfergeist in der Gestalt von Martin Schläpfer“. 48 Tänzerinnen und Tänzer aus rund 20 Nationen sind in dem ausschließlich aus Solistinnen und Solisten bestehenden Ensemble vertreten, das auf den beiden Bühnen der Deutschen Oper am Rhein im Opernhaus Düsseldorf und Theater Duisburg zu erleben ist. Gastspiele führten die Compagnie bisher ins Théâtre de la Ville Paris, Het Muziektheater Amsterdam, Gran Teatre del Liceu Barcelona, die Oper Köln, zum Mährischen Ballettherbst Brno, nach Friedrichshafen, ins Theater Gütersloh und Theater Bonn. In dieser Spielzeit folgen Auftritte im Festspielhaus St. Pölten, bei den Ostertanztagen im Niedersächsischen Staatstheater Hannover, im Theater im Pfalzbau Ludwigshafen sowie bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Mit großem Erfolg bei Publikum und Presse entwickelte Martin Schläpfer eine Repertoirepolitik, die von einer breiten stilistischen Vielfalt geprägt ist: In meist mehrteiligen Ballettabenden bringt er wichtige Meisterwerke des 20. Jahrhunderts von Choreographen wie George Ba­lanchine, Kurt Jooss, Antony Tudor, Frederick Ashton, Jerome Robbins, Merce Cunningham, Hans van Manen, Twyla Tharp, Mats Ek, Jiří Kylián und Nils Christe zur Aufführung und setzt zugleich mit eigenen Choreographien und Arbeiten jüngerer Künstlerinnen und Künstler wie Paul Lightfoot und Sol León, Teresa Rotemberg, Regina van Berkel, Amanda Miller, Uri Ivgi und Johan Greben, Antoine Jully und ­Martin Chaix einen deutlichen Schwerpunkt im Bereich des zeitgenössischen Tanzes. In seinen eigenen Arbeiten knüpft Martin Schläpfer an die Formen der abstrakten Neoklassik an, um diese jedoch für die Gegenwart auf seine ganz eigene Weise w ­ eiterzudenken. Als Interpreten stehen dem Ballett am Rhein mit den Düsseldorfer Symphonikern und Duisburger Philharmonikern zwei hochkarätige Klangkörper zur Verfügung, die durch Instrumental- und Gesangssolisten oder den Chor der Deutschen Oper am Rhein ergänzt werden können. In Generalmusikdirektor Axel Kober und den Kapellmeistern Christoph Altstaedt und Wen-Pin Chien konnte Martin Schläpfer – neben verschiedenen Gästen – äußerst profilierte Dirigentenpersönlichkeiten aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein als Partner gewinnen. Für die abendfüllende Uraufführung DEEP FIELD (b.20), für die Martin Schläpfer einen Kompositionsauftrag an Adriana Hölszky vergeben hat, kommt es erstmals zu einer Zusammenarbeit mit dem WDR Rundfunkchor Köln unter der Leitung von Denis Comtet.

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RÜCKBLICK / AUSBLICK / NEUES

Schweizer Tanzpreis für Martin Schläpfer

Am 20. September 2013 erhielt Martin Schläpfer im Théâtre Equilibre Fribourg den mit 40.000 CHF dotierten Schweizer Tanzpreis. Mit der Auszeichnung ehrte das Bundesamt für Kultur BAK „eine künstlerische Karriere“ und „eine Persönlichkeit, die sowohl auf na­

tionaler wie internationaler Ebene maßgeblich zum Ansehen des Schweizer Tanzschaffens beigetragen hat“. Jury-Präsidentin Esther Sutter Straub begründet die Entscheidung: „Martin Schläpfer hat mit seinem Ballett am Rhein die Spitze der internationalen choreographischen Entwicklung erreicht. Seine Spitze hat Bodenhaftung. Sie weist hin auf Schläpfers Wahrnehmung und Bewusstheit für all das, was ihn umgibt. Auch auf sein Engagement für seine Tänzerinnen und Tänzer, deren Individualität Schläpfer immer die Bühnenmitte einräumt. Martin Schläpfer schafft als Choreograph den Spagat zwischen hohem künstlerischen Anspruch und einer tief gefühlten Menschlichkeit mit jener Leichtigkeit, die ihn schon als Tänzer auszeichnete.“ Bei der Preisverleihung zeigte das Ballett am Rhein mit Lontano nicht nur eine Choreographie Martin Schläpfers, sondern der Preisträger kehrte mit Hans van Manens Old Man and Me ein weiteres Mal auch als Tänzer auf die Bühne zurück. (Foto: BAK / Manu Friedrich)  ——

„Beste Kompanie 2013“ Mit Spannung wird jedes Jahr die im August erscheinende Umfrage der Zeitschrift tanz erwartet, welche die Meinungen vieler internationaler Tanzkritiker über die aktuellen Spielpläne, Compagnien, Choreographen, Tänzerinnen und Tänzer vereint. Nachdem Martin Schläpfer bereits 2010 zum „Choreographen des Jahres“ gewählt wurde, überzeugte nun sein Ballett am Rhein und wurde zur „Besten Kompanie 2013“ gekürt. Das Ballett am Rhein „interpretiert nicht nur hinreißend die Choreografien von Martin Schläpfer, sondern verfügt auch über eine große stilistische Bandbreite“, so die Berliner Tanzkritikerin Sandra Luzina. Und Nicole Strecker in ­ihrem ausführlichen CompagniePorträt: „Seelentiefe Geschöpfe tanzen, das können sie gut. Und ziemlich gut können sie auch das Gegenteil: ‚Rennpferde‘ sein. So sah George Balanchine einst seine Tänzer, und von Anfang an hat das Ballett am Rhein die Technik-Exerzitien des Doyens der Neoklassik riskiert. Schläpfers Projekt, im Rahmen mehrteiliger Abende immer auch einen Klas­siker zu präsentieren, seine Tänzer und Zuschauer mit Tanzgeschichte zu bilden sowie Entwicklungslinien zwischen Erbe und Gegenwart aufzuzeigen – dieses stets sorgsam realisierte Konzept findet auch bei ­heiklen Trusts, bei peniblen Nachlass- und Rechteverwaltern Unterstützung und lässt

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Gastrepetitoren wie Lynn Seymour, Patricia Neary oder Mea Venema nach Düsseldorf reisen. Beeindruckend also, wie diese Kompanie sich sehr verschiedene, auch konser­ vativere Stile technisch aneignet, um dann einen Balanchine als cooles Amüsement auszustellen oder einem Antony Tudor die richtige Dosis Gefühl beizumischen. Und längst betrachtet man in Deutschland das Ballett am Rhein auch als Hans-van-Manen-Dependance. Die Tänzer zählen zu den besten Interpretatoren der erotischen GeschlechterScharmützel van Manens, der ja bekanntlich auf die Frage, was er an Tänzern schätze, seit mehr als einem halben Jahrhundert ­immer dieselbe Ein-Wort-Antwort gibt: ‚Persönlichkeit‘.“

Schläpfer – einer, der sich nicht wiederholt, der fragt und bohrt, seine Handschrift wechselt und doch erkennbar ist. Ein Glücksfall für die Klassik.“

In der Rubrik „Aufführung des Jahres“ nennt Manuel Brug „Martin Schläpfers Johannes Brahms – Sinfonie Nr. 2 als Musterbeispiel ­einer zeitgenössisch intelligenten Klassikerauseinandersetzung auf Augenhöhe“, und Bettina Trouwborst die „Ungarischen Tänze, die Martin Schläpfer und das Ballett am Rhein in nur wenigen Wochen als Ersatz­ programm gezaubert haben“. Von seinen ­beiden „Brahms-Konfrontationen“ ist auch Nicole Strecker begeistert und nominiert Martin Schläpfer als „Choreograph des Jahres“ ebenso wie Manuel Brug: „Martin

Unter den „Hoffnungsträgern – 31 Tanzkünstler, die hoffentlich die Zukunft be­wegen“ war Ballett am Rhein-Tänzer und -Choreograph Antoine Jully mit seiner Uraufführung Rebound – Topple – Splash vertreten, die – so die Journalistin Katja Schneider – „vom ersten Moment an Interesse“ wecke. „Man bleibt dran: an den vielfältigen Mustern und Figurationen, die sich vor einem Hintergrund mit wechselndem Leuchtstreifen entfalten (…). Eine Begabung zur Choreografie mit Witz und Schönheit der Geometrie. Mal sehen, was er weiter daraus macht.“  ——

In der Rubrik „Tänzerin des Jahres“ lag das Ballett am Rhein mit drei Nominierungen ebenfalls an der Spitze: Andrea Amort ist von Marlúcia do Amarals „futuristischem Danse brute auf klassischer Basis“ fasziniert, Dorion Weickmann nennt Camille ­Andriot für ihre Interpretation von Frederick Ashtons Five Brahms Waltzes in the Manner of Isadora Duncan, und Melanie ­Suchy: „Yuko Kato, so wandlungsfähig wie nur wenige: von kindlich bis uralt, explosiv bis innig – einfach so viel Mensch im Tanz.“

RÜCKBLICK / AUSBLICK / NEUES

„Outstanding“ Neben der Zeitschrift tanz wählte auch die Kritikerumfrage des dance for you-Magazins seine Favoriten und nannte das Ballett am Rhein in folgenden Kategorien: Best Dancers: Camille Andriot, Marlúcia do Amaral, Paul Calderone, Yuko Kato, Bogdan Nicula, Louisa Rachedi Outstanding Company: Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg Outstanding Production: Nacht umstellt von Martin Schläpfer Outstanding Performance: Ein Deutsches Requiem von Martin Schläpfer

Facebook, Twitter, Youtube & Co. Auf www.ballettamrhein.de finden Sie nicht nur stets alle aktuellen Informationen zu unseren Spielplänen, sondern können auch online Ihre Tickets buchen sowie im Bereich „Service & Abos“, Unterpunkt „Infos bestellen“, unsere Veröffentlichungen beziehen: vom Monatsspielplan über das Spielzeitheft bis zu unserem Newsletter sowie Informationen für Lehrer und Familien oder über die Freundeskreise. Ganz nahe am Geschehen dran sind Sie auf unserer Facebook-Seite www.facebook.com/ ballettamrhein, wo wir uns regelmäßig mit aktuellen Nachrichten, Fotos, Links zu Presseberichten und interessanten Details aus unserer Arbeit auf und hinter der Bühne melden und uns über Ihre Kommentare

Ballett Zürich tanzt Martin Schläpfers Forellenquintett

Mit seinem Forellenquintett zu Franz Schuberts gleichnamigem Klavierquintett A-Dur D 667 schuf Martin Schläpfer 2010 eine seiner erfolgreichsten Choreographien. Vom Ballett am Rhein u. a. auch auf Gastspielen in Paris, Amsterdam und Köln gezeigt und von ZDF/arte fürs Fernsehen aufgezeichnet ist der sommernächtliche „Geniestreich“ (FAZ) in dieser Spielzeit erstmals mit einem weiteren Ensemble – dem von Christian Spuck geleiteten Ballett Zürich – zu erleben. Premiere ist am 8. Februar 2014 um 19.00 Uhr im Opernhaus Zürich. Weitere Termine, Karten und Infos: www.opernhaus.ch (Foto: Gert Weigelt)  ——

freuen. Um „Fan“ unserer Facebook-Seite zu werden, registrieren Sie sich bitte mit Ihrem Namen und Ihrer E-Mail-Adresse. Unseren Kurznachrichten auf twitter.com/ballettamrhein können Sie auch ohne Anmeldung folgen. Auf YouTube ist das Ballett am Rhein auf zwei eigenen Video-Kanälen vertreten: Auf www.youtube.com/DeutscheOperamRhein stellen wir alle unsere Premieren-Programme in kurzen Video-Trailern vor; auf dem Ballett am Rhein-Channel www.youtube.com/ BallettamRhein11 können Sie sich mit Ausschnitten aus allen vom Ballett am Rhein getanzten Choreographien einen Überblick über das gesamte Repertoire der Compagnie verschaffen. ——

red dot communication design award 2013 Wieder einmal konnte eine Publikation der Deutschen Oper am Rhein überzeugen: Die Jury des renommierten Designwettbewerbs red dot vergab einen red dot communication design award 2013 für die aktuelle Premierenplakat-Kampagne des Balletts am Rhein. Bildkonzeption und Fotografien von Gert Weigelt verbinden sich mit der graphischen Gestaltung durch die Frankfurter Designagentur Markwald & Neusitzer Identity zu einem raffinierten Zusammenspiel von Bewegung und Typographie. Die Plakate sind im DIN A1-Format für 3,00 € in unseren Opernshops erhältlich!  ——

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Künstlerisches Team 2013 /14

Impressum

BALLETTDIREKTOR UND CHEFCHOREOGRAPH

SPIELZEIT 2013/14

Martin Schläpfer

PERSÖNLICHE REFERENTIN DES BALLETTDIREKTORS

Karin Bovisi

BETRIEBSDIREKTOR

Oliver Königsfeld DRAMATURGIE

Anne do Paço

DRAMATURGIE / PRODUKTION

Dr. Constanze Müller

TÄNZERINNEN

Sachika Abe, Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Camille Andriot, Doris Becker, Wun Sze Chan, Sabrina Delafield, Mariana Dias, Feline van Dijken, Carolina Francisco Sorg, Nathalie Guth, Alexandra Inculet, Christine Jaroszewski, Yuko Kato, So-Yeon Kim, Anne Marchand, Nicole Morel, Louisa Rachedi, Claudine Schoch, Virginia Segarra Vidal, Elisabeta Stanculescu, Daniela Svoboda, Julie Thirault, Anna Tsybina, Irene Vaqueiro

HERAUSGEBER

Deutsche Oper am Rhein Theatergemeinschaft Düsseldorf Duisburg gGmbH GENERALINTENDANT

Prof. Christoph Meyer GESCHÄFTSFÜHRENDER DIREKTOR

Jochen Grote

BALLETTDIREKTOR

Martin Schläpfer

TECHNISCHE KOORDINATION

Barbara Stute

SEKRETARIAT

Sabine Chaumet, Sabine Dollnik BALLETTMEISTER

Kerstin Feig, Callum Hastie, Antoinette Laurent, Uwe Schröter GASTTRAININGSLEITER

Johnny Eliasen, Young Soon Hue, Monique Janotta, Sighilt Pahl

TÄNZER

Rashaen Arts, Christian Bloßfeld, Andriy Boyetskyy, Paul Calderone, Jackson Carroll, Martin Chaix, Michael Foster, Filipe Frederico, Philip Handschin, Richard Jones, Antoine Jully, Marquet K. Lee, Sonny Locsin, Alexander McKinnon, Marcos Menha, Bruno Narnhammer, Bogdan Nicula, Chidozie Nzerem, Alban Pinet, Friedrich Pohl, Boris Randzio, Alexandre Simões, Remus Şucheană

REPETITOREN

REDAKTION

Karin Bovisi, Dr. Constanze Müller, Anne do Paço, Tilman Richter, Ulrike Wörner VERANTWORTLICH

Anne do Paço

ANZEIGENBETREUUNG

Oliver Königsfeld, Stefani Schmoll

DIRIGENTEN

CORPORATE DESIGN UND GESTALTUNG

George Balanchine, Nils Christe, Merce Cunningham, Antoine Jully, Hans van Manen, Jerome Robbins, Martin Schläpfer

CHOR-EINSTUDIERUNG

LITHOGRAPHIE UND DRUCK

GESANGS- UND INSTRUMENTALSOLISTEN

Sylvia Hamvasi (Sopran), Stephen Harrison (Klavier), Annika Kaschenz (Mezzosopran), Anke Krabbe (Sopran), Romana Noack (Sopran), Richard Šveda (Bariton), Dmitri Vargin (Bariton)

REDAKTIONSSCHLUSS

CHOREOGRAPHISCHE EINSTUDIERUNG

CHÖRE

Urheber, die nicht zu erreichen waren, werden zwecks nachträglicher Rechteabgleichung um Nachricht gebeten. Nachdruck nur nach vorheriger ­Einwilligung. Alle Rechte vorbehalten.

Douglas Corbin, Christian Feiler, Hiroko Ishigame

Christoph Altstaedt, Wen-Pin Chien, Axel Kober

Markwald & Neusitzer Identity www.mnidentity.de

CHOREOGRAPHEN

Peter Frame, Patricia Neary, Banu Ogan, Anita Paciotti, Daniel Squire, Mea Venema BÜHNEN- UND KOSTÜMBILDNER

Keso Dekker, Florian Etti, Kevin Gamez, Antoine Jully, Rei Kawakubo, Hans van Manen, rosalie, Jean Rosenthal, Thomas Rupert, Irene Sharaff, Annegien Sneep, Catherine Voeffray, Jean-Paul Vroom, Thomas Ziegler LIGHTDESIGN

Bert Dalhuysen, Thomas Diek, Jan Hofstra, Rei Kawakubo, John B. Read, Jean Rosenthal, Franz-Xaver Schaffer, Volker Weinhart

Denis Comtet, Gerhard Michalski

Chor der Deutschen Oper am Rhein WDR Rundfunkchor Köln Düsseldorfer Symphoniker Duisburger Philharmoniker BALLETTSCHULE DES BALLETTS AM RHEIN DIREKTION

KLANGREGIE

PÄDAGOGEN

Otto Kränzler

Martin Schläpfer Young Soon Hue, Martin Schläpfer, Remus Şucheană, Eva Zamazalová

FOTOGRAF

Gert Weigelt

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b–No 4  BALLETT AM RHEIN

14. Oktober 2013, Änderungen vorbehalten! Auflage: 2.000

ORCHESTER

VIDEO

Matthias Oostrik, Dagmar Vinzenz

WAZ-Druck, Duisburg

REPETITOREN

Christian Feiler, Hiroko Ishigame, Yuko Moriya, Igor Tetelbaum

Umschlag: POND WAY – MERCE CUNNINGHAM Ensemble (außen); FIVE BRAHMS WALTZES IN THE MANNER OF ISADORA DUNCAN – FREDERICK ASHTON Camille Andriot (innen vorne) Fotos: Gert Weigelt

Sponsor Deutsche Oper am Rhein & Ballett am Rhein

Gefรถrdert im Rahmen des Fonds Neues Musiktheater 2013 und 2014


b – No. 4 / Das Magazin des Balletts am Rhein