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Olympia ruft: Mach mit! Sotschi 2014 Grundlagen


Impressum

© Deutsche Olympische Akademie, Frankfurt am Main 2013 Konzeption/Redaktion: Dr. Andreas Höfer Tobias Knoch Anna Papadopoulos Tobias Bürger Text: Moritz Belmann Tobias Bürger Rolf Geßmann Dr. Conrad Götzel Dr. Andreas Höfer Fotos: DOA-Archiv DOSB-Archiv IOC-Archiv • P. Cwojdzinski • Jason Evans • Christopher Furlong • John Huet • Richard Juilliart • Mine Kasapoglu • Albert Meyer • Mikhail Mordasov • Kishimoto Yo Nagaya • Diacounda Sene • Jean-Jacques-Strahm

Archiv creAtiv DBS-Archiv bofotolux - Fotolia.com roostler - Fotolia.com IPC-Archiv JtfO-Archiv Helmut Lange Prof. Dr. Holger Preuß SOCOG-Archiv Commons Wikimedia Projektmanagement: creAtiv Werbeagentur, Berlin Umschlag/Layout: Sirko Wahsner, iD-GROUP, Berlin Lektorat: Martina Kurz Herausgeber: Deutsche Olympische Akademie Willi Daume e. V. (DOA) Otto-Fleck-Schneise 12 60528 Frankfurt am Main www.doa-info.de


Grundlagen

Inhalt

GruĂ&#x;wort. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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I.

Spiele und Idee. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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II. Vorschläge zur Gestaltung des Unterrichts

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III. Die Olympischen Spiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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IV. Olympische Bewegung in Deutschland . . . . . . . . . . . . . .

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V.

Die Paralympics . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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VI. Die Olympischen Jugendspiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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VII. Sotschi 2014: Winterspiele unter Palmen . . . . . . . . . . . . .

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Literatur und Internetadressen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .


Unterrichtsmaterialien mit olympischer Mission

Die Olympischen Spiele sind ein besonderes, ja ­herausragendes Ereignis unserer Zeit, das wie kein zweites Menschen aus ­aller Welt zusammenführt und verbindet. So steht das ­große ­Festival des Sports nicht nur für die Faszination der Rekorde und Medaillen, sondern auch für Fairness im Wettkampf, für den Respekt der eigenen Würde und der des Gegners sowie den Austausch zwischen den Kulturen.

Prof. Dr. Dr. h. c. Gudrun Doll-Tepper Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie

In diesem Sinne entsenden wir unsere erfolgreichsten Wintersportlerinnen und -sportler als Repräsentanten Deutschlands sowie als Botschafter der Olympischen Idee in das russische Sotschi, um das Bestmögliche im fairen Vergleich mit anderen zu erreichen. Neben sportlichen Höchstleistungen stehen die Olympischen Spiele auch für ein globales Großereignis, das alle zwei ­Jahre an wechselnden Austragungsorten kulturelle Höhepunkte bietet und stets den Fokus auf das jeweilige Gastgeberland lenkt. Wir dürfen auch diesmal mit großer Vorfreude und ­gespannter Erwartung nach Sotschi blicken. Gleichzeitig aber müssen wir unseren Blick auch in die ­jüngste Vergangenheit richten. Am 10. November 2013 haben sich die Bürger der Städte München und Garmisch-Partenkirchen ­sowie der Landkreise Traunstein und Berchtesgaden gegen eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 ausgesprochen. Diese Entscheidung ­richtete sich sicher nicht gegen den Spitzensport oder gegen die ­olympischen Werte wie Fairness, Respekt und Freundschaft. Wir müssen uns aber dem kritischen Diskurs stellen, wie sich die Olympische Bewegung zukünftig entwickeln könnte und sollte.

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Die Deutsche Olympische Akademie verfolgt die der­zeitig ­geführten Debatten in der Öffentlichkeit und den ­Medien mit großem Interesse und bringt sich mit ihren ­Erfahrungen, Kompetenzen und Möglichkeiten ein. Unter dem ­Motto „Olympische Idee“ möchte die DOA, unabhängig von ­einer konkreten Bewerbung, die positiven Auswirkungen der Olympischen Bewegung und der Olympischen Spiele für Sport, Gesellschaft und Wirtschaft in den Fokus und das ­Bewusstsein von Jung und Alt rücken. Bei dieser Offensive soll die Verbindung des Sports mit anderen Bereichen ­unseres ­Lebens wie Politik und Geschichte, Kunst und Kultur sowie ­Arbeit und Sozialem im Mittelpunkt stehen. In diesem Sinne führen wir selbstverständlich auch die ­Tradition unserer erfolgreichen Unterrichtsmaterialien fort. Unter dem bewährten Titel „Olympia ruft: Mach mit“ laden wir Sie erneut herzlich ein, die Faszination und Vielfalt des Sports und seine Verbindung zu gesellschaftlichen Frage­ stellungen zu erfahren, erlebbar zu machen und darüber mit jungen Menschen zu diskutieren. Die Schule ist hierfür der ideale Ort.

Ihre Gudrun Doll-Tepper

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I.

Spiele und Idee Ansatzpunkte für Olympische Erziehung in der Schule

• Pädagogisch-didaktische Begründung Die Olympischen Spiele ziehen weltweit die Menschen in ­ihren Bann, nicht nur die speziell am Sport interessierten. Die Faszination geht dabei sowohl von dem besonderen ­Rahmen des Ereignisses und den erwarteten sportlichen Höchst­leistungen aus als auch von der lnternationalität der ­Teilnehmer, Zuschauer und Kulturen, die sich zusammen­ finden, um das Weltfest des Sports mit Offenheit füreinander, in gegenseitiger Achtung und im Geiste des Fairplay zu feiern. Solche Anlässe, die die Menschen in einem im Kern ­friedlichen Ereignis zusammenführen, sind in unserer Welt von besonderer Bedeutung.

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Die Olympische Idee steht für diese Werte und will sie durch eine Erziehung im olympischen Sinne erfahrbar ­machen. Probleme und Missbräuche, die bei der Vor­bereitung und Durchführung der Olympischen Spiele, wie im olympischen Hochleistungssport allgemein, z­utage t­reten, ­können ­deren ideelle Ziele letztlich nicht außer Kraft setzen. Diese Ziele ­sollen vielmehr dazu ermutigen, Missstände zu ­bekämpfen und das Weltereignis des Sports und der Menschen pädagogisch und erzieherisch zu nutzen. Die ­Olympische Idee mahnt stets einen „wert-vollen“, ­menschenwürdigen Sport an. Aus zweierlei Gründen sind die Olympischen Spiele ein wichtiges Thema für Unterricht und Erziehung in der ­Schule. Zum einen stellen sie ein Stück Lebenswirklichkeit dar, von dem auch Schüler tangiert sind. Sie sind interessiert an diesem besonderen Sportereignis und nehmen über die ­Medien daran teil. Dies hat die Schule konstruktiv zu begleiten, indem sie die medienvermittelte Wirklichkeit deutend und erläuternd aufgreift, die Neugier und ein entsprechendes Konsumverhalten pädagogisch lenkt (Schwerpunkt: Sach­ orientierung, Sacherschließung, Sachbewertung). Zum anderen bieten die olympische Thematik und eine olympische Werteerziehung gute Chancen für grund­legende Sinnvermittlung und anzubahnende Handlungsorientierung. Die kind- und jugendgemäße Umsetzung im Unterricht kann zu geistigen, sozialen und ethischen Impulsen, Erlebnissen und Erfahrungen führen, die Hilfen für das Hineinwachsen in die Welt der Gleichaltrigen wie der Erwachsenen geben (Schwerpunkt: Freude am sportlichen Tun und an der Gestaltung gemeinsamer Arbeit, Erfahrung sinnvoll-befriedigenden Handelns, Verknüpfung schulischen Lernens mit Phänomenen der Lebenswirklichkeit). Beide Begründungsansätze sollten in der schulischen Arbeit, insbesondere in den Klassen eins bis sechs, ­möglichst miteinander verknüpft werden. Dies gelingt umso besser, je eher eine Thematik viele Sachperspektiven der Behandlung bietet, verschiedenste Formen der Erarbeitung, insbesondere des kommunikativen Arbeitens ermöglicht, vor allem ­handlungsorientiertes Lernen begünstigt und außerschulische Erfahrungen und Anwendungsmöglichkeiten aufgreift. In diesem Sinne erweist sich der Themenkomplex

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­ Olympische Spiele und Olympische Idee“ als besonders „ fruchtbar. Worin besteht nun aber das Besondere dieses erzieherischen Anliegens?

• Die Olympische Idee Der französische Baron Pierre de Coubertin (1863 – 1937) ist der Begründer der neuzeitlichen Olympischen Spiele. Er wollte ganz bewusst eine pädagogische Bewegung schaffen, deren öffentlicher Höhepunkt die alle vier Jahre stattfindenden Olympischen Spiele sind. Die von Coubertin so genannte Olympische Bewegung zielte von Beginn an auf eine verbesserte körperliche und ethische Erziehung der Jugend auf dem Wege des Sports. Von der Begegnung im friedlichen und fairen sportlichen Wettkampf versprach sich Coubertin auch eine bessere Verständigung und größere Achtung zwischen den Menschen und Völkern. Im herausfordernden Sporttreiben sah Coubertin das geeignete Mittel, um die Persönlichkeits- und Charakterentwicklung junger Menschen positiv zu beeinflussen. Darum setzt die Olympische Bewegung bis heute auf anspruchsvolle körperlich-sportliche Leistungen, die in fairer Gesinnung ­erreicht werden sollen. Auf diese Weise mögen Respekt und ein friedliches Mit­ein­ ander unter den Beteiligten gefördert werden. Die ­dadurch Angesprochenen sind aber nicht nur die Sportler, die an den Olympischen Spielen teilnehmen. Die Olympische Idee ruft vielmehr jeden Menschen, insbesondere die ­jungen ­Menschen, auf in diesem Sinne Sport zu treiben und sich ­generell „olympisch“ zu verhalten. Eine solche Pädagogik entspricht den Wertvorstellungen der Olympischen Idee. Der Weg dorthin, vor allem in der ­Schule und in der Kinder- und Jugendarbeit der Sportvereine, ist als Olympische Erziehung zu verstehen und auszugestalten. Sie stellt eine verschränkte Leistungs- und ­Werteerziehung und damit ein Anliegen dar, das ­heute besonders wichtig ist. Sie bietet eine Orientierung für respektvolles Miteinander, stellt eine psychische Stärkung der Kinder und Jugendlichen dar, begrüßt Zielgerichtetheit und ­Initiative, Anstrengung und Übung.

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• Komponenten Olympischer Erziehung

• Viele Fächer sind angesprochen Um die vielfältigen Ansätze Olympischer Erziehung in die ­verschiedenen Schulstufen einzubringen, können wir ­nahezu alle Schulfächer in Betracht ziehen. Vom Sportunterricht soll die Praxiserfahrung der Schüler mit einem Sportlernen und Sporttreiben im olympischen Sinne ausgehen. Weiter­hin stehen besonders Sachkunde, Mathematik, Kunst, ­Musik, Deutsch und Religionslehre/Ethik im Blickpunkt. In der Weiter­führung der Sekundarstufe kommen Sozialkunde, Geschichte oder Naturwissenschaften dazu. Olympia­bezogene Themen können differenziert in den einzelnen Fächern, besser jedoch im Rahmen fächerübergreifender Unterrichts­ projekte (oder als Teil eines solchen), bei Klassenfahrten und im Schullandheim zum Gegenstand werden. Je mehr Fächer entsprechend miteinander verzahnt werden, desto effizienter wird das Thema in der Vernetzung verschiedenster Ansätze und Fragestellungen erschlossen werden können; umso eher

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werden aber auch die unterschiedlichen Sinne und Fähig­ keiten angesprochen und verschiedene methodische Formen notwendig, sodass ein adressatengemäßes, ganzheitliches Lernen erreicht werden kann. Die Olympischen Spiele und das Miteinander im ­olympischen Sinne eignen sich besonders als Rahmen­thema für fächerübergreifendes Arbeiten bis hin zu „olympischen Tagen“ oder einer „olympischen Woche“ für alle Fächer und Schüler einer Jahrgangsstufe oder der gesamten Schule. Doch auch ohne einen fächerübergreifenden Ansatz stellen die ­Olympischen Spiele eine thematische Belebung und Bereicherung des Unterrichts dar, insbesondere in den Wochen vor den jeweiligen Spielen und – sofern die Ferienkalender es erlauben – in den Tagen der Spiele selbst. Die Altersgruppe der Sechs- bis Zwölfjährigen mit ihrem hohen Anteil an Vereinsmitgliedschaften ist durch olympische Themen schulisch besonders motivierbar. Zur Beschäftigung mit der Olympiathematik gehört immer auch die kritische Auseinandersetzung mit den ­Olympischen Spielen und den vielfältigen Problemen, die die Olympische Bewegung und insbesondere den olympischen Spitzensport heute betreffen. Der Unterricht muss dieses altersgemäß ansprechen und den Schülern helfen, eigene Standpunkte zu entwickeln. Wenn die Schüler sich im fairen Sporttreiben gern anstrengen, wenn sie im Kunstunterricht „Olympisches“ gestalten, wenn sie im Sport-, Deutsch- oder Religionsunterricht über den Fairplay-Gedanken sprechen und selbst Fairplay-Slogans erfinden, wenn sie ein olympisches Sportfest vorbereiten, vielleicht sogar mit festlichem Rahmenprogramm für die ganze Schulgemeinde, dann erfüllt die Schule ihren Auftrag, ein vielfältiger Erfahrungsraum zu sein, der sich auf gemeinsames Lernen, Leben und Handeln gründet. Die Olympischen Spiele und ihre pädagogische Idee bieten hierzu eine thematisch-sachliche wie erzieherische Chance. Dabei ist ­Olympische Erziehung, wie jede Erziehung, ein lang­fristiges An­liegen. Aktionismus und olympische „Spaß-Events“ ­können ihm nicht gerecht werden.

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Bundesweit gibt es mehr als 3.600 Angebote für Training und Abnahme der Prüfungen in den Vereinen. Hier finden Sie mehr Informationen dazu.

Ausdauer Kraft

Gerade für Schulen bietet das Deutsche Sportabzeichen für Kinder und Jugendliche eine ideale Möglichkeit, den Fitnessstand zu prüfen. Je nach erbrachter Leistung wird das Sportabzeichen in Bronze, Silber oder Gold verliehen. Sportlehrerinnen und Sportlehrer können sich kostenfrei einen Prüferausweis beim Landessportbund besorgen.

Kugelstoßen

(in m)

Steinstoßen

(5 kg, in m)

18–19 Bronze

Silber

22:00 20:00

84:40 78:40

69:30 66:00

22:05 18:35

61:00 57:00 7,50

8,00

6,50 7,00 Standweitsprung

(in m)

10,65 11,25 1,65

1,85

Gerätturnen Schnelligkeit

FRAUEN

Das Deutsche Sportabzeichen ist bundesweit die höchste Auszeichnung außerhalb des Wettkampfsports. Dafür lohnt es sich zu trainieren! Die vier Disziplinen, die man im Laufe eines Kalenderjahres absolvieren muss, können individuell aus dem Katalog gewählt werden – ganz Alter nach den eigenen individuellen Neigungen Übung und Stärken. Die zu erbringenden Leistungen 3.000 m Lauf (in Min.) orientieren sich an den motorischen Grundfähigkei10 km Lauf (in Min.) ten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Diese 7,5 km Walking / Nordic Walking (in Min.) werden in Form von Einzeldisziplinen aus den Sportarten Schwimmen (in Min.) Leichtathletik, Radfahren, Schwimmen und Gerätturnen überprüft. Je Gruppe ist eine Disziplin erfolgreich zu absol20 km Radfahren (in Min.) vieren. Ein Nachweis der Schwimmfertig ist obligatorisch. Medizinballwurf (2 kg, in m)

Laufen

(in Sek.) 16,9

15,6

25 m Schwimmen

(in Sek.)

36,5

31,0

200 m Radfahren (fl. Start, in Sek.)

24,0

22,0

1,10

1,20

3,40

3,70

Weiterführende Materialien sowie den notwendigen und kostenfreien Prüferausweis zum Deutschen Sportabzeichen erhalten Sie bei den zuständigen Landessportbünden und ihren Unterorganisationen.

Koordination

Gerätturnen Hochsprung

(in m)

Weitsprung

(in m)

Zonenweitsprung

(in Punkten)

Schleuderballwurf (1 kg, in m)

24,00 27,50

Seilspringen 10

15

NER

Gerätturnen

Alter

18–19

Übung 3.000 m Lauf

Bronze

(in Min.)

Silber

17:20 15:20


II.

Vorschläge zur Gestaltung des Unterrichts

• Olympiabezogene Themen Die Olympischen Spiele finden auch bei Schülern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und ­Interesse. Dies lässt sich naturgemäß nutzen, um ­spezielle Informationen und entsprechendes Hintergrundwissen zu v­ermitteln, was wiederum als Aufhänger dazu dienen kann, gleichsam en passant auch die Frage von Ethik und Moral aufzuwerfen. Und wenn es darum geht, die Sensibilität für die Relevanz von Werten als Maßstab des eigenen Handelns zu wecken oder zu steigern, dann sind alle ­Fächer aufgerufen, wobei jede fächerübergreifende Initiative grundsätzlich zu empfehlen ist. Dass die Schüler schon im Vorfeld der Spiele aktiviert werden können oder sollen, versteht sich von selbst. Neben einer Einstimmung auf motorischer ­Ebene, etwa anhand eines Lerntagebuchs, kann man sie beispielsweise dazu veran-

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lassen, „olympische Materialien“ zu ­sammeln (Tagespresse, Jugendzeitschriften, Internet­artikel, Werbematerialien der Banken, des Fachhandels, der Sportverbände, der Printmedien u. a.), um diese in Form von ­Plakatwänden oder Collagen zu ordnen und zu präsentieren. Vielfältige Anregungen hierzu sowie Hinweise auf Kontakt­adressen finden sich im Literaturverzeichnis. Plant man eine „olympische Woche“ als ein Projekt der ganzen Schule, sollte frühzeitig das Kollegium miteinbezogen werden, wobei ein „Olympia-Ausschuss“ wertvolle Vorarbeit leisten kann. Die nachfolgenden Vorschläge bieten vielfältige Anregungen zur Auswahl von Themen und zu ihrer Umsetzung im Unterricht.

Sport • Freude im sportlichen Tun finden • Können und Leistungsverbesserung anstreben durch ­beharrliches und systematisches Üben • die Disziplinen des „olympischen Mehrkampfs“ trainieren • Regeln für mehr Fairness und Rücksichtnahme entwickeln und einüben • Situationen von fairem und unfairem Verhalten aus der Sportpraxis oder aus den Medien aufgreifen und ­besprechen • Teamgeist stärken • ein Sporttagebuch führen • Spiele und Sportarten anderer Länder kennenlernen • zum Sport im Verein motivieren • Leistungssportler zum gemeinsamen Training und Gespräch einladen • ehemalige olympische Sportarten ausprobieren • Gegner als Partner wahrnehmen

Thema „Doping und Sport“: Beispiel für ein olympisches Plakat

Deutsch • Besprechen aktueller olympischer Ereignisse • Auswerten von Zeitungsberichten, Fernseh- und ­Rundfunksendungen • was mir an Olympia gefällt/nicht gefällt • ein Olympiateilnehmer erzählt

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• • • • • • • •

Steckbrief eines ausgewählten Olympiaathleten Brief an einen Spitzensportler Fantasiegeschichte „Wenn ich Olympiasieger wäre“ Erstellen einer Olympia-Zeitung/Wandzeitung Schicksale unglücklicher Verlierer Erzählen eigener Sporterlebnisse Behandeln von Texten aus dieser Broschüre Kennenlernen von Märchen, Fabeln und Weisheiten des Gastgeberlandes

Fremdsprachen • Erlernen des Olympischen Versprechens in Englisch • Begrüßungsritual in Sprache und Gestik des Gastgeberlandes • szenisches Spiel: Interview mit einem Sportler • Kennenlernen typischer Kinderlieder und Abzählreime des Gastgeberlandes

Vancouver 2010: ein toller Anlass für kreative Arbeiten

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Bildende Kunst, Textiles Gestalten, Werken • Gestalten der Olympischen Ringe • Ausmalen der offiziellen Maskottchen • eigenes Maskottchen entwerfen • olympische Sportarten künstlerisch gestalten • eigene Piktogramme entwickeln • Lieblingswettbewerbe malen • Herstellen eines olympischen Bilderbuches • Ausmalbilder farbig gestalten • Flaggen der Teilnehmerländer malen • Gestalten eines olympischen Plakates • Bildbetrachtung: Plakate, Poster, Bilder, Gemälde und ­andere Darstellungen • Collagen und Puzzles herstellen • Druckstempel erstellen • Urkunden und Medaillen entwerfen und herstellen • Turnbeutel bedrucken • T-Shirts bemalen • Freundschaftsbänder knüpfen • Olympia-Ausstellung organisieren • Modelle von Sport- und Kulturstätten herstellen


Sachkunde, Erdkunde, Geschichte • die antiken Spiele in Olympia • die Olympischen Spiele der Neuzeit • Zeittafel der modernen Olympischen Spiele • das Wettkampfprogramm • die Paralympischen Spiele • die Olympischen Jugendspiele • olympische Symbole: Ringe, Fahne, Versprechen, Feuer, Fackellauf • die Entwicklung olympischer Sportarten /-disziplinen • die Olympiastadt • das Gastgeberland (Klima, Geographie, Kultur, Geschichte) • typische Tiere und Pflanzen des Gastgeberlandes • Ehrungen früher und heute • Anlegen einer Olympiamappe Musik • die Olympische Hymne • Olympia-Erkennungsmelodie • Fanfare zur Siegerehrung • die deutsche Nationalhymne • Nationalhymnen anderer Länder • Schul- bzw. Klassenhymne auf eine aktuelle Melodie ­texten • eigene Siegesfanfare komponieren • Tänze und Lieder des Gastgeberlandes Religionslehre, Ethik • Fairness in Alltag und Sport • Ist Teilnehmen wichtiger als Siegen? • Völkerverständigung durch Olympia • Sport schafft Gemeinschaft • Ist ein Olympiasieger für uns immer ein Vorbild? • Ereignisse, die betroffen machen • Manipulation im Sport • Schattenseiten der Olympischen Spiele • Besprechen von Geschichten • Gebete

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• Olympisch orientierte Sportpraxis Die bisherigen Vorschläge haben vor allem die kognitive und emotionale Beschäftigung mit der Thematik in den Mittel­ punkt gestellt. Dabei soll aber nicht in den Hintergrund ­rücken, dass der Kerngedanke der Olympischen ­Erziehung schlicht auf eine aktive sportliche Betätigung zielt. So stellt die Praxis im Sportunterricht einen wichtigen Erfahrungsbereich olympischen Lernens dar. Der besondere pädagogische Gewinn liegt darin, dass die Schüler sich ­Ziele setzen, beharrlich üben und ein individuell gutes Resultat anstreben. Dazu kommen die besondere Anstrengung und die Bewährung in Wettbewerbssituationen, in denen man nicht nur sein Bestes geben, ­sondern auch ein fairer Sportpartner sein und bleiben soll. Sportpraxis einmal anders: ­„Trockenübungen“ mit dem Bob

„Olympische Sporterfahrungen“ gelingen besonders dann, wenn vom Lehrer auch die Freude am Lernen und Üben und an der individuellen Leistung angesprochen und auf Lustlosigkeit oder Enttäuschung über den vermeintlichen Misserfolg mit verständnisvoller Ermunterung eingegangen wird. Olympische Erziehung hat nicht nur den Einzelnen im Blick, sondern auch die Gemeinschaft. Die Bindung an sportliche Regeln und die Achtung des Sportpartners und seiner Leistung gehören maßgeblich zum Gedanken der Fairness und sollen die gesamte Sportpraxis prägen. An dieser Grundidee sollte die Gestaltung des Sportunterrichts stets orientiert sein, während sie im zeitlichen Umfeld der Olympischen Spiele auf besondere Weise zum Tragen kommen kann.

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In diesem Sinne kann im Sportunterricht zum Beispiel auf einen „olympischen Mehrkampf“ hingearbeitet oder die Sportpraxis eines „olympischen Sporttages“ oder einer „olympischen Woche“ vorbereitet werden. In Anlehnung an die Olympischen Spiele der Antike könnte ein spezifischer Fünfkampf entwickelt werden, auch wenn die alten Griechen naturgemäß keine Wettkämpfe auf Schnee und Eis kannten. Für die Durchführung eines solchen Mehrkampfs im Freien bieten sich alle bekannten Disziplinen der Wintersportarten an, die – auch in erleichterter und spielerischer Form – kombiniert werden können. Ebenfalls ­eignen sich weniger bekannte Wettbewerbs- und Spielformen, die den Wintersportarten in ihrer Grundidee und in ihrer ­Bewegungscharakteristik nachempfunden sind, für einen ­Mehrkampf in der Halle. Bei unzureichenden Voraussetzungen oder aber in E­rgänzung und Abänderung festgelegter Wettkampff­ormate können im Sinne spielerischer Elemente auch leicht alternative Formen entwickelt werden. Viele Beispiele hierfür (sowohl mit Bezug zu Sommer- wie auch zu Winterspielen) sind in Veröffentlichungen enthalten, auf die im Literatur­ verzeichnis hingewiesen wird. Soll eine Leistungsfeststellung und -bewertung vorgenommen werden, sollte dies mit den Schülern be­sprochen und festgelegt werden. Punktetabellen für messbare Leistungen können dabei eine Hilfe sein, doch sollten auch die Qualität der Ausführung einer Übung sowie die individuelle Anstrengung Berücksichtigung finden. Die Klassenbesten können ermittelt werden, indem man die bei jeder Disziplin erzielten Platzierungen addiert. Eine Wettkampfkarte für ­jeden Schüler erleichtert die Erfassung der Resultate. Ein Beispiel für eine solche Wettkampfkarte lässt sich auf der Website der DOA ­herunterladen.

1. Skispringen Das Anrutschen erfolgt auf Socken (Filz- oder Teppichfliesen) über zwei in die Sprossenwand eingehängte Bänke, die mit dem anderen Ende auf einem Kasten aufliegen. Der beidbeinige Absprung schließt sich beim Erreichen des Kastens (ohne Pause) an. Die Weite wird nach der Landung auf dem

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Weichboden mit dem Bandmaß gemessen. Jeder ­Springer ­einer Mannschaft hat zwei Versuche, deren Ergebnisse ­addiert ­werden. Die „Sprunganlage“ muss ausreichend mit Turn­matten und die Turnbänke gegen seitliches Verrutschen ­gesichert werden.

2. Biathlon Die Schüler rutschen auf Filz- oder Teppichfliesen zweimal um ein mit Hütchen markiertes Feld (Badminton- oder ­Volleyballfeld). Am „Schießstand“ müssen nach jeder ­Runde drei Tennisbälle aus kurzer Entfernung durch ­einen aufgehängten Gymnastikreifen geworfen werden. Die Wurf­position (im Stehen und im Knien) wird dabei nach jeder Runde ­verändert. Bei jedem Fehlversuch muss eine kleine Strafrunde ­gelaufen werden. Die Wertung berücksichtigt die Laufzeit aller Schüler einer Mannschaft. 3. Eisschnelllauf Mit Hütchen um das Volleyballfeld wird ein „EisschnelllaufOval“ markiert. Das Gleiten erfolgt auf Filz- oder ­Teppichfliesen unter den Füßen. Gewertet wird die jeweilige ­Laufzeit. 4. Rodeln Die Schüler liegen in Bauchlage auf einem Rollbrett und ­stoßen sich beidbeinig kräftig von der Wand ab. Jeder Schüler hat zwei Versuche, deren erzielte Weiten addiert werden. 5. Bobfahren Zwei Schüler (ein Junge und ein Mädchen) werden als Anschieber bestimmt. Diese müssen abwechselnd die restlichen vier Schüler einer Mannschaft, die jeweils einzeln in einem ­kleinen Kasten sitzen, durch einen Slalomparcours ­schieben. Der Rückweg wird auf kürzester Strecke zurückgelegt. Der kleine Kasten liegt auf einem Rollbrett. Die Laufzeit wird ­gemessen. Durchführung Es werden Mannschaften gebildet mit je zehn Schülern (fünf Jungen und fünf Mädchen). In jeder Disziplin dürfen jeweils zwei Schüler starten, wobei jeder Teilnehmer mindestens zweimal eingesetzt werden muss.

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Zusätzliche Vorschläge für die Sportpraxis Ein kleiner Kasten, der umgedreht auf ein Rollbrett gestellt wird, ist mit Medizinbällen beschwert (alternativ sitzt ein Schüler im Kasten). Im Abstand von 20 m sind kreisförmige Zonen markiert. Die Schüler sollen den Kasten in die Zielzone stoßen. Die Schüler spielen Hallenhockey mit Plastikschlägern nach zuvor vereinbarten Regeln. Die Begrenzung des Spielfeldes erfolgt durch umgelegte Turnbänke. Bei einer „Puzzlestaffel“ laufen die Schüler eine vorgegebene Strecke. Bei jedem Durchgang darf ein Läufer ein Puzzleteil mitnehmen und es am Zielpunkt (z. B. Matte oder Reifen) ablegen. Sieger ist die Mannschaft, die ihr Puzzle am schnellsten zusammengesetzt hat. Verschiedene Organisationsformen sind möglich. In einem kleinen Kasten, der umgedreht auf einem Rollbrett steht, sitzt ein Schüler. Dieser hält ein Seil in der Hand, an dem er von einem Mitschüler um einen markierten Rundkurs gezogen wird. Bei diesem „Wagenrennen“ entscheidet die Laufzeit.

• Modell einer olympischen Woche Im Folgenden wird ein erprobtes Modell einer ­„olympischen Woche“ vorgestellt, das bereits an vielen Schulen mit ­großem Erfolg umgesetzt wurde. Die aufgeführten Bausteine sind als Anregungen zu verstehen, die gerade im Bereich der Grundschule und der Orientierungsstufe auch vielfältig ­variiert ­werden können. Wünschenswert wäre es in jedem Fall, ­unterschiedliche Fächer und Lernbereiche zu involvieren, ja die gesamte Schule einzubeziehen, um auf diese Weise ein nachhaltiges, motivierendes und identitätsstiftendes Projekt zu realisieren.

Montag Eröffnungsfeier • Ansprache des Schulleiters • Fackellauf um die Schule • Hissen der Olympiaflagge • Schullied zur Eröffnung

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• •

Schülerbeiträge/Gruppendarbietungen Leitsätze zum Olympiaprojekt - gemeinsam Sport treiben - sein Bestes geben - fair miteinander umgehen - Regeln beachten - gute Leistungen anerkennen - verlieren können

Sportlerfrühstück Nach der Eröffnungsfeier wird zu Beginn der olympischen Woche mit den Schülern in der Klasse ein „sportliches“ Frühstück eingenommen. Alles sollte selbstständig besorgt und ­zubereitet werden. Dabei wird auf die Bedeutung von ­gesunder Ernährung und Bewegung hingewiesen. Das ­gemeinsame Frühstück als morgendlicher Auftakt kann im Projektverlauf zur festen Einrichtung, ja gegebenenfalls sogar längerfristig, vielleicht einmal im Monat, gleichsam zu einer schulischen Institution werden. Sportpraxis Natürlich sollte auch am ersten Tag bereits die Praxis ­einen zentralen Raum im Programm erhalten. So könnte der Übungsprozess im Hinblick auf einen „Olympischen Fünfkampf“ gezielt eingeleitet oder fortgesetzt werden.

Dienstag Frühsport/Sportpraxis Projektarbeit in der Klasse Die Aufgabe des Tages besteht im Wesentlichen darin, ­fächerübergreifend in der Klasse eine Olympiamappe zu entwerfen und vorzubereiten, deren Gestaltung im Verlauf der Projektwoche kontinuierlich vervollständigt wird. Es bietet sich an, verschiedene Arbeitsblätter der vorliegenden OnlineMaterialien zu übernehmen und im Unterricht zu behandeln. Ebenso können eigene Ideen zur inhaltlichen Gestaltung der Olympiamappe einbezogen werden, wobei offene ­Unterrichtsformen im Blick auf die Zielsetzung besonders geeignet erscheinen. Die Mappe soll den Verlauf der olympischen Projektwoche dokumentieren.

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Mittwoch Workshop-Tag Auf dem Programm des „Workshop-Tages“ sollten viel­ fältige Angebote stehen, die im engeren oder weiteren ­Sinne ein olympischer Bezug verbindet. Auch hierbei empfiehlt es sich, sportpraktische Inhalte zu akzentuieren. Im Verlauf des ­Vormittags können bis zu drei Optionen wahrgenommen werden. Um eine freie Themenwahl zu ermöglichen, bietet es sich an, die Angebote in drei großen Blöcken à 90 Minuten zu wiederholen. Folgende Themen könnten in den verschie­ denen Workshops Berücksichtigung finden: • Prägen olympischer Motive • Sagen und Legenden aus dem Gastgeberland • Herstellen von Flaggen der Teilnehmerländer • Knüpfen von Freundschaftsbändern • Papierfaltarbeiten • Herstellen einer olympischen Collage • Basteln von Stirnbändern in den Olympiafarben • Texten und Einüben eines Olympialiedes/einer Fanfare • Herstellen von Buttons mit Olympiamotiven • Stempeldruck Donnerstag Frühsport/Sportpraxis Projektarbeit in der Klasse An diesem Tag kann schwerpunktmäßig an der ­Gestaltung und Vervollständigung der Olympiamappe ­gearbeitet ­werden. ­Dabei bieten sich Arbeitsblätter zu folgenden ­Themen an: • die Olympischen Spiele der Antike • die Olympischen Spiele der Neuzeit • olympische Symbole und ihre Bedeutung • die Sportarten der Olympischen Spiele • die Maskottchen der Olympischen Spiele • Kennenlernen des Gastgeberlandes • Lieder und Tänze des Gastgeberlandes • Wissenswertes über die Olympiastadt • Kennenlernen und Gestalten von Piktogrammen • Beispiele für Fairplay • Gedichte und Geschichten aus der Welt des Sports • Olympiarätsel und Olympiaquiz

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Freitag Olympiatag Höhepunkt und Abschluss der olympischen Woche stellt der „Olympiatag“ dar, der von der gesamten Schulgemeinde und im Beisein von Eltern, Geschwistern und Gästen gefeiert wird. Eingerahmt von feierlichen und stimmungsvollen Zeremonien finden die sportlichen Wettkämpfe statt, in denen die Schüler um Plätze und Medaillen kämpfen. Folgender Verlauf wäre möglich:

Einzug mit der ­Fahne: ­Vorfreude auf die ­olympische Woche

Eröffnung 1. Begrüßung durch den Schirmherrn (Bürgermeister, ­bekannter Sportler, Vertreter der Sportvereine oder ­-verbände) 2. Einzug der „Teilnehmerländer“ • jede Klasse repräsentiert ein Land • Schüler tragen entsprechende landestypische Kleidung • Flaggen der Teilnehmerländer hissen • musikalischer Akzent 3. Entzünden des Olympischen Feuers 4. Leitsätze zum Olympiatag 5. Olympialied Olympischer Fünfkampf/Pentathlon (Siehe „Olympisch ­orientierte Sportpraxis“) 1. Skispringen: Anrutschen über schräg eingehängte Bänke. Absprung vom Kasten auf den Weichboden. 2. Biathlon: Wettrutschen auf Filz- oder Teppichfliesen. ­Zielwerfen am „Schießstand“ mit Tennisbällen auf einen aufgehängten Gymnastikreifen. 3. Eisschnelllauf: Schnelles Gleiten auf Filz- oder ­Teppichfliesen auf einer markierten Strecke. Einzel und Staffelwettbewerbe sind möglich. 4. Bobfahren: Wechselseitiges Schieben eines kleinen ­Kastens auf einem Rollbrett durch einen Slalom-Parcours. Ein Schüler sitzt im Kasten und wird durch einen anderen Schüler geschoben. 5. Rodeln: Auf einem Rollbrett in Bauchlage liegend stößt sich der „Sportler“ beidbeinig von der Wand ab.

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Schlussfeier 1. Nationalhymne/Schulhymne 2. Siegerehrung mit Fanfaren 3. Tanz- und Showdarbietungen 4. Präsentationen von Projekten und Workshops 5. Großes Finale

Einsatz olympischer Materialien in der Schule – w as ist erlaubt, was nicht? Die olympischen Begrifflichkeiten (z. B. Olympische Spiele, Olympia) und auch die olympischen Symbole (z. B. die Olympischen Ringe) sind gesetzlich durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) geschützt. Diese Regelungen gelten vor allem als Schutz vor sogenannten „Trittbrettfahrern“, welche die Bekanntheit von Symbolen und Worten für eigene Zwecke ausnutzen wollen. Sie sollen aber nicht dafür sorgen, dass Projekte, die rein gemeinnützig organisiert werden und den olympischen Gedanken und die Olympische Erziehung fördern, be- oder gar verhindert werden. Im Gegenteil: Gerne sollen solche Aktionen und Veranstaltungen eine Nähe zur Olympischen Bewegung bekommen. Allerdings gelten dabei die folgenden Spielregeln: 1. Es dürfen keine Sponsoren eingebunden werden, die sich damit in die Nähe von Olympischen Spielen rücken könnten. 2. Es darf kein wirtschaftlicher Zweck verfolgt werden. 3. Die Freigabe zur Nutzung ist auf den genannten Zweck beschränkt. Eine Weitergabe der gewährten Rechte darf nicht erfolgen. Die Freigabe ist jederzeit widerruflich und ­einmalig. Wenn diese Regeln erfüllt sind, steht der Umsetzung nichts im Wege. Bei Rückfragen oder zur Einholung einer Freigabe kann das Ressort Marketing des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter marketing@dosb.de kontaktiert werden. Der DOSB begrüßt jede olympische Initiative in der Schule und wünscht bei deren Umsetzung viel Erfolg.

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III.

Die Olympischen Spiele

Olympia: Spiele der Antike Die antiken Olympischen Spiele fanden über einen Zeitraum von etwa 1.000 Jahren hinweg in einem abgelegenen Tal im Westen der Peloponnes in Griechenland statt. Sie wurden alle vier Jahre im Rahmen eines Festes zu Ehren des Gottes Zeus veranstaltet, dem Opfer und Geschenke dargebracht wurden. Das Heiligtum in Olympia entwickelte sich von einem kleinen lokalen Festplatz zum Schauplatz des bedeutendsten Kult­und Sportfestes der Antike. Diese Entwicklung lässt sich sehr gut anhand der umseitigen Zeitleiste nachvollziehen.

Zu den Olympischen Spielen waren alle Besucher will­ kommen, die griechisch sprachen und sich der griechischen ­Religion und Kultur verpflichtet fühlten. So war Olympia der Ort, an dem sich alle Griechen des Mutterlandes sowie der ­Kolonien von ­Spanien bis zum Schwarzen Meer versam­ melten. Nicht-­Griechen, die sogenannten „Barbaren“, ­waren vom Besuch der Spiele ausgeschlossen. Schon Monate vor ­Beginn des ­Festes wurde ein sogenannter „Olympischer ­Friede“ ­(Ekecheria) ausgerufen, um die Reisenden und das

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Heiligtum vor feindlichen Übergriffen zu schützen. Dies bot die ­Garantie dafür, dass trotz und während der ständigen Auseinander­setzungen und ­Kriege zwischen den griechischen Stadtstaaten (Poleis) die friedliche Durchführung des Festes gewährleistet war. Vor Beginn der Spiele wurde ein Eid geleistet, der Athleten und Schiedsrichter im Namen der Götter verpflichtete, die Regeln zu befolgen. Ein nachgewiesener Verstoß führte zur Erhebung von Strafgeldern, die zur Finanzierung bronzener Zeusstatuen dienten oder zum Ausschluss der Betreffenden führten. Zentraler Bestandteil des olympischen Festes waren die sportlichen Wettkämpfe (Agone), bei denen es stets ­allein da­rum ging, einen Sieger zu ermitteln. Dieser wurde ge­ feiert, ­verehrt und mit Ehrenämtern überhäuft, während die ­Platzierten als Verlierer galten und leer ausgingen. Dem ­agonalen Geist der Griechen entsprechend, galt es vor ­allem,

der Erste und Beste zu sein. Frauen waren vom Besuch der Spiele, erst recht von einer aktiven Teilnahme, generell aus­ geschlossen. Selbst als Zuschauerinnen waren sie unerwünscht, sofern sie verheiratet waren. Gleichwohl gab es in der Antike auch Feste, bei denen Frauen und Mädchen Wettkämpfe austrugen. Zentrale Wettkampfstätten waren das Stadion und das Hippodrom, in dem die Pferde­und Wagenrennen aus­ getragen wurden. Das Stadion war Schauplatz verschiedener

Olympia im Modell: ­ im Zentrum der Zeustempel Links: der Eingang zum ­Stadion und Läufer auf antiker Vase

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Wie war das ­damals in Olympia?

Laufwettbewerbe, die von einer Ablaufvorrichtung ­gestartet wurden und die Distanz eines „Stadions“ (in Olympia ca. 192 Meter) oder mehrere Stadien umfassten. Da griechische Stadien nicht über ovale Laufbahnen verfügten, war bei längeren Läufen eine Wendesäule vonnöten. Zudem stand auch ein Fünfkampf (Pentathlon) mit den Disziplinen Stadionlauf, Weitsprung, Diskus­und Speerwurf sowie Ringen auf dem Programm. Großer Beliebtheit erfreuten sich auch die Kampfsportarten Boxen und Ringen sowie ein „Allkampf“ (Pankration), eine Kombination aus Boxen und Ringen.

Von Athen nach Rio de Janeiro: Eine kleine Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit Am Anfang war Pierre de Coubertin. Er ist der Gründervater des modernen Olympismus – des größten Sportfestes aller Zeiten und der dahinterstehenden Idee. Auf ihn berufen sich die Verantwortlichen noch heute, auch wenn manche seiner Ideale längst „von gestern“ zu sein scheinen. Der französische Baron war keine 30 Jahre alt, als er an einem Novemberabend des Jahres 1892 an der Pariser Sorbonne einen Vortrag zur Geschichte und Bedeutung „körperlicher Übungen“ in der Ankündigung gipfeln ließ, die Olympischen Spiele wieder ins Leben rufen zu wollen: „Lassen Sie uns Ruderer, Läufer, Fechter ins Ausland senden: Das ist das Freihandelssystem der Zukunft, und an dem Tag, an dem es in

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die Sitten des alten Europa eingedrungen sein wird, wird der Sache des Friedens eine neue und mächtige Stütze erwachsen sein.“ Die Reaktion des Publikums war jedoch ernüchternd: „Man klatschte Beifall, man billigte meine Pläne, man wünschte mir großen Erfolg, aber kein Mensch hatte mich verstanden.“

• Die olympische Initialzündung Somit war ein zweiter, besser vorbereiteter Anlauf vonnöten: Ein Kongress, der, so die ursprüngliche Ankündigung, eine Vereinheitlichung der Amateurregeln anstrebte, kurzfristig aber in „Congrès international de Paris pour le rétablissement des Jeux Olympiques“ umbenannt wurde. Schauplatz war erneut die Sorbonne. Dies war die Initialzündung: Am 23. Juni 1894 wurde die Olympische Bewegung der Neuzeit ins Leben gerufen. Diesmal nämlich folgte man Coubertin in fast allen Punkten. Wichtigster Beschluss war die Gründung eines Internationalen Olympischen Komitees (IOC), in das auf Vorschlag Coubertins zunächst 13 Persönlichkeiten aus zwölf Ländern berufen wurden. Als „Besitzer“ der Spiele sollte es für deren Regeln und für die Vergabe zuständig sein, denn anders als das der Antike sollte das neuzeitliche Großfest des Sports wandern. Die erste Austragung hatte Coubertin für die Jahrtausendwende und als Ort Paris vorgesehen, doch in der Euphorie des Augenblicks fassten die knapp 80 Delegierten aus neun Ländern einen kühneren Beschluss: Die olympische Premiere sollte bereits 1896 und zwar in Athen stattfinden. Nur zwei Jahre blieben Zeit – heute reichen bekanntlich ­sieben kaum aus.

Der Gründervater: Baron Pierre de Coubertin

• Athen 1896 Vor Ort freilich häuften sich alsbald die Schwierigkeiten. ­Verständlicherweise – handelte es sich doch um eine Herausforderung ohne Beispiel. Dies betraf die Organisation, aber vor allem auch die Finanzierung, schließlich stand Griechenland vor einem Staatsbankrott. Erst als Coubertin per-

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Der Geldgeber: Georgios Averoff ermöglichte ein großartiges Stadion

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sönlich in Athen intervenierte und Kronprinz Konstantin für den ­Vorsitz des Organisationskomitees gewann, kam Land in Sicht. Als Einnahmequelle wurde ein Briefmarken­satz, die ersten Sport­sondermarken der Geschichte, aufgelegt. Einen großen Schub erhielt das Unternehmen mit der ­Entscheidung, das antike Stadion des Herodes Atticus in großem Stil, nämlich in strahlendem Marmor, wieder aufzubauen, was im Übrigen nur durch das Engagement eines ebenso potenten wie großzügigen Mäzens möglich wurde: Georgios Averoff, ein reicher Exil­-Grieche aus Alexandria, der fast eine Million Drachmen zur Verfügung stellte. Selbst wenn sich die Anlage erst zehn Jahre später in voller Pracht präsentieren sollte, lieferte sie doch ein großartiges Ambiente, das ganz wesentlich zum Erfolg der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit beitrug. Mehr noch: Wohl kein anderer Ort der Welt bot 70.000 Sitzplätze sowie Zehntausende mehr auf den umgebenden Berghängen. Im Jahr 2004 erstrahlte das hufeisenförmige Baudenkmal in neuem Glanz und mit dem ­Bogenschießen beherbergte es auch einen olympischen Wettbewerb. Als zentrales Olympiastadion kam es freilich


nicht in Frage. Schon die Laufbahn ist mit ihren 333,33 Metern und den engen Kurven nicht mehr zeitgemäß. So kann der Besucher gerade an diesem Ort eindrucksvoll nachvollziehen, wie sehr sich die Welt – auch die des Sports – verändert hat. Als am Ostermontag, dem 5. April 1896, nach dem in Griechenland gültigen Julianischen Kalender war es der 25. März, um 15.15 Uhr die königliche Familie das Stadion betrat, war mehr oder weniger ganz Athen zugegen, das zu dieser Zeit kaum mehr als 135.000 Einwohner zählte. Nachdem der König die Spiele eröffnet hatte, ließen 300 Sänger „La cantate des Jeux Olympiques“ erklingen, ein Musikstück, das Spyros Samaras eigens zu diesem Anlass komponiert hatte und das später zur offiziellen Olympischen Hymne erhoben wurde. Dann begann mit vier Vorläufen über 100 Meter das sportliche Programm. Die erste Entscheidung erfolgte im Dreisprung, wobei der Amerikaner James Brendan Connolly den Sieg davontrug. Für ihn schlugen 13,71 Meter zu Buche, und wenn dies nicht für Gold, sondern „nur“ für Silber reichte, so war das dem Sparzwang der Griechen geschuldet: Medaillen gab es jeweils nur für die ersten beiden, während die Sieger – wie ihre antiken Vorgänger – zudem einen Olivenzweig erhielten. So gestaltete man die Siegerehrung recht feierlich, zumindest mit Flaggen und Hymnen, wenn auch ohne das heute übliche Treppchen, das erst 1932 eingeführt wurde. Höhepunkt der zehntägigen Veranstaltung war, nicht nur aus griechischer Sicht, ein Wettbewerb, der in Athen seine Weltpremiere erfuhr: der Marathonlauf. Bezug nehmend auf die berühmte Legende – ein Bote soll 490 v. Chr. nach der Schlacht der Griechen gegen die Perser von Marathon nach Athen gelaufen und nach Verkündung des Sieges tot zusammengebrochen sein – hatte man ein Rennen auf eben dieser Strecke organisiert, ohne die Anforderungen an den menschlichen Organismus einschätzen zu können. Umso bemerkenswerter waren die erzielten Leistungen: Für die etwa vierzig Kilometer – erst 1908 wurde die Länge der Strecke auf 42,195 Kilometer festgelegt – benötigte der Sieger weniger als drei Stunden. Es war ein wahrhaft freudiges Ereignis für die Griechen, zumal es sich um einen der ihren handelte: Spiridon Louis. Der einfache Bauernsohn avancierte zu einem Volkshelden

Olympiasieger: Spiridon Louis und James Brendan Connolly

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und einem ersten olympischen Star, wobei man weit entfernt war vom heute üblichen Personenkult, von einer „Vermarktung“ ganz zu schweigen. Dass es aber allemal zu einem gewissen Ruhm reichte, belegt die Einladung, die Louis vierzig Jahre später zu den Spielen nach Berlin erhielt, um beim „Einmarsch der Nationen“ die griechische Delegation anzuführen.

• Olympische »Wanderspiele« Nahm sich der Rahmen zumindest nach heutigen Maßstäben auch vergleichsweise bescheiden aus – „nur“ 262, ausnahmslos männliche Teilnehmer aus 13 Nationen waren am Start, davon etwa siebzig Prozent Griechen – geriet die Veranstaltung doch zu einem großen Erfolg. Auch Coubertin hätte restlos begeistert sein dürfen, wenn nicht der berechtigte Stolz der Gastgeber Begehrlichkeiten geweckt hätte: Sie wollten die Spiele dauerhaft „behalten“, in Griechenland, an ihrem vermeintlich angestammten Ort. Vielleicht wäre Coubertins Prinzip der „Wanderspiele“ tatsächlich ad acta gelegt worden, wenn ihm die Zeitläufe nicht in die Karten gespielt hätten. Die Griechen plagten nämlich zunächst andere Sorgen: große wirtschaftliche Probleme und ein Krieg mit der Türkei. So wanderten die Spiele 1900 und 1904 nach Paris und St. Louis, ohne freilich den Erfolg von Athen auch nur annähernd wiederholen zu können. Im Gegenteil: Die Wettkämpfe gingen jeweils im Trubel von Weltausstellungen unter. Große Enttäuschung allenthalben, die den griechischen Ambitionen neuen Auftrieb verlieh. Nolens volens stimmte Coubertin einem Kompromiss zu: 1906 und dann alle vier Jahre sollten die Spiele, gleichsam außerplanmäßig, in Athen gastieren und ansonsten weiterhin auf Reisen gehen. Da dieses Prinzip nur einmal, nämlich 1906, zum Tragen kam, hielt sich Coubertins Bedauern in Grenzen, auch wenn – oder gerade weil – es sich wiederum um ein glanzvolles Fest handelte. Ja: „richtige“ Olympische Spiele, die, mit dem Etikett „Zwischenspiele“ versehen, von der Sporthistoriographie nicht immer hinreichend gewürdigt werden.

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Unstrittig ist dagegen, dass die folgenden Spiele, 1908 in ­London und vier Jahre später in Stockholm, nicht hinter der Athener Vorgabe zurückblieben. Mehr noch: Allmählich hatte sich die Olympische Bewegung etabliert. So waren in der schwedischen Hauptstadt immerhin knapp 2.500 Aktive, davon 53 Frauen (!), aus 28 Ländern am Start. Auf dieser Basis ließ sich auch der erste große GAU verkraften: der Erste Weltkrieg. Zwar hatte sich die Macht des Faktischen gegenüber der Olympischen (Friedens-­) Idee als stärker erwiesen, die nach Berlin vergebenen Spiele von 1916 wurden nicht einmal explizit abgesagt, doch immerhin ging es nach Kriegsende weiter, wenn auch zunächst 1920 und 1924 ohne deutsche Beteiligung. Diese sollten allerdings bald ihre zweite große Chance erhalten: 1931 wurde Berlin noch einmal zur Ausrichterstadt gekürt. Dass auch dieser Anlauf nicht gerade unter einem guten Stern stand, hing mit der Machtübernahme von Hitlers Nationalsozialisten zusammen, die das große Sportfest nach allen ­Regeln der Propaganda­-Kunst instrumentalisierten. Wenn daraus eine großartige olympische Inszenierung resultierte, ist die Widersprüchlichkeit eines Ereignisses angesprochen, das bis heute unterschiedlich rezipiert wird.

Noch immer eindrucksvoll und bisweilen umstritten: das Berliner Olympiastadion

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• Olympisches Wettrüsten

Avery Brundage

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Das Jahr 1945 markiert auch für die Olympische Bewegung eine Zäsur. Fortan wurde die Teilung der Welt in Ost und West auch im Sport offenkundig und die Arena zu einem bevorzugten Schauplatz „kalter“ Ersatz-­und Stellvertreterkriege umfunktioniert. Mit der Anfang der Fünfzigerjahre beschlossenen Aufnahme der Sowjetunion in die olympische Familie begann ein sportliches Wettrüsten ohne Beispiel sowie ein sportpolitisches Ränkespiel, das erst mit der weltpolitischen „Wende“, also Anfang der Neunzigerjahre, ein vorläufiges Ende fand. Verstärkt wurde die Problematik durch den zunehmenden Massencharakter der Medien, die dem Sport und vor allem den Olympischen Spielen eine immer breitere Öffentlichkeit garantierten und damit ungewollt die Gefahr einer tief greifenden Instrumentalisierung potenzierten. Im Fokus ständiger Querelen stand etwa die Frage der geteilten Staaten: China, Korea und vor allem Deutschland. Gerade die Deutschen in West und Ost bereiteten nachhaltige Schwierigkeiten, denen das IOC und sein Präsident Avery Brundage (1952 – 1972) durch ein spezifisches Krisenmanagement zu begegnen versuchte. Letztlich scheiterte aber das Bemühen, mit der Verpflichtung zu einer gemeinsamen Mannschaft der – seit 1961 durch eine Mauer zementierten – Teilung des Landes mit einer „sportlichen Geographie“, den Begriff hatte Coubertin einst geprägt, zu begegnen. Ab 1968, also auch vier Jahre später bei den Spielen von München, waren Bundesrepublik und DDR mit je eigenen Teams olympisch präsent, ohne dass damit das Minenfeld sportpolitischer Streitigkeiten vollends entschärft worden wäre. Im Verlaufe der Siebzigerjahre verstärkte sich auch der Streit um Südafrika. Unter Verweis auf die dortige Apartheidpolitik verzichteten mehrere afrikanische Staaten 1976 auf ihren olympischen Auftritt in Montreal. Dies war der erste größere Boykott Olympischer Spiele, dem zwei weitere folgen sollten: 1980 in Moskau fehlten die USA sowie viele ihrer Parteigänger, darunter die Bundesrepublik, aus Protest gegen den Ende 1979 erfolgten Einmarsch der UdSSR in Afghanistan, während diese sowie die DDR und mit Ausnahme Rumäniens und Chinas alle übrigen sozialistischen Staaten vier Jahre


später ihrerseits den Spielen von Los Angeles fernblieben. Mit Blick auf die kommende, ebenfalls politisch problematische Ausrichterstadt, das südkoreanische Seoul, hegten viele Kommentatoren arge Befürchtungen, manche sahen gar das Ende der Spiele und der sie tragenden Idee nahen.

• Der neue Boom Dass alles ganz anders kam, war nicht zuletzt glücklichen Umständen, aber auch einem Führungs-­und Richtungswechsel innerhalb der Olympischen Bewegung zu danken: Die 1980 in Moskau vollzogene Wahl Juan Antonio Samaranchs zum IOC­-Präsidenten markiert den Beginn einer Ära und einer rasanten Entwicklung, die viel Anerkennung, aber auch manche Kritik hervorrief. Es handelte sich um einen Prozess tief greifender Modernisierung, der mit dem Begriff der Kommerzialisierung treffend, wenn auch nicht hinreichend charakterisiert ist. Entscheidende Katalysatoren waren der Olympische Kongress von 1981 in Baden­-Baden, der – Stichwort: Tennis oder amerikanisches Basketball­-„Dream­Team“ – den endgültigen Abschied von Coubertins Amateurideal beschloss, sowie die Spiele von Los Angeles, die, erstmals rein privatwirtschaftlich finanziert, Gewinn abwarfen. Für Montreal hatte die Ausrichterfunktion noch beinahe den Ruin bedeutet, während sich die Defizite von Moskau in den Untiefen des Staatshaushaltes verloren. Wenn fortan die Aussicht bestand, mit Olympischen Spielen Geld zu verdienen, erhöhte das natürlich deren Attraktivität, doch mehr noch als dies fiel das Ende des Kalten Krieges ins Gewicht. Endlich konnte der von Coubertin formulierte universale Anspruch – „all Games, all Nations“ – eingelöst werden. Wenn man bedenkt, dass Los Angeles 1984 der weltweit einzige (!) Interessent für die Ausrichtung der Spiele war und Seoul nur einen Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen hatte, während heutzutage die Kandidaten Schlange stehen, stellt sich die olympische Entwicklung der Achtziger- und Neunzigerjahre als eine Erfolgsgeschichte dar, die freilich manchen Schönheitsfehler aufweist. So wurde nicht zu Unrecht be-

Juan Antonio Samaranch

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klagt, dass der neue Boom mit einer Inflation der Werte und einem Verfall der guten Sitten einhergehe und einen Bruch mit der Tradition darstelle. Wie jede, weist eben auch die olympische Medaille eine Kehrseite auf.

• Herausforderungen und Perspektiven Nachdem die Olympischen Spiele 2004 gleichsam an den Ort ihres Ursprungs, nämlich nach Athen, zurückgekehrt waren, gastierten sie vier Jahre später – nach 1964 (Tokio) und 1988 (Seoul) – zum dritten Mal in Asien und erstmals im „Reich der Mitte“, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, das der Olympischen Bewegung viele Jahrzehnte reserviert bis ablehnend gegenübergestanden hatte. Mit der Entscheidung für Peking vollzog das IOC einen ebenso mutigen wie risikoreichen Schritt im Sinne seines globalen olympischen Anspruchs, der zugleich die Sorge weckte, dass die Spiele als Anlass und Vehikel genutzt werden könnten, um über den Sport hinausgreifende Interessen zur Geltung zu bringen. So wurde bereits der traditionelle Staffellauf des Olympischen Feuers als Menetekel empfunden, geriet er doch ins Zentrum teils dramatischer Aktionen, die eine weltweite Aufmerksamkeit auf die Frage der Menschenrechte und insbesondere auf die Lage in Tibet lenken sollten. Zudem wurde zu entsprechenden Maßnahmen gegen das Gastgeberland aufgerufen und vereinzelt auch wieder einem Boykott das Wort geredet. Das IOC verwahrte sich gegen diesbezügliche Forderungen und betonte seine politische Neutralität, um gleichzeitig auf – bereits erfolgte oder zu erwartende – positive Entwicklungen in China zu verweisen. Immerhin nährte die zumindest temporäre Öffnung des Landes für Besucher, namentlich für Journalisten aus aller Welt, die Hoffnung auf die Förderung eines nachhaltigen politischen und sozialen Fortschritts sowie die weitere Integration Chinas in die universale Verantwortungsgemeinschaft. Mit der grandiosen Eröffnung der Spiele im größten „Vogelnest“ der Welt richtete sich das Augenmerk wieder auf das Sportfest selbst, auf die großartigen Wettkampfanlagen, die perfekte Organisation, die Freundlichkeit der Gastgeber – und natürlich auf den

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Sport. Als das olympische Sportfest der Superlative sind die Spiele von Peking in die Geschichte eingegangen. Nie ­waren so viele Mannschaften (204) am Start, nie so viele Aktive (10.942) akkreditiert, nie wurden so viele Wettbewerbe (302) ausgetragen. Diesbezüglich scheint das Ende der Fahnenstange erreicht. Doch dass bloße Statistik als zentrales Qualitätsmerkmal nicht hinreicht, wurde höchst eindrucksvoll in und von ­London bestätigt. Auch ohne auf Fakten und Namen, auf Usain Bolt oder Michael Phelps, auf Robert Harting oder ­Britta ­Heidemann, Serena Williams oder Andy Murray, die ­deutschen ­Hockey-Herren oder Kanu-Damen oder all die anderen Athleten näher einzugehen, die sich in Siegerlisten und im Gedächtnis verewigt haben, darf festgehalten werden, dass sich der olympische Sommer des Jahres 2012 mit einer höchst positiven Erinnerung verbindet. Ähnlich vielleicht wie die Spiele der Jahre 1992 und 2000 in Barcelona und Sydney, bleibt auch im Blick auf die Spiele von London das Gefühl einer speziellen Erfahrung, die sich aus dem geradezu perfekten Zusammenwirken verschiedener Faktoren, vielleicht noch am wenigsten aus dem Erlebnis großartiger Wettkämpfe, speiste, deren Verlauf und Ergebnis ja schließlich nur bedingt an den gegebenen Ort gebunden waren. So war es vielmehr das besondere Flair, das dem Austragungsort eine ganz eigene, unverwechselbare Ausstrahlung verlieh und eine Stimmung erzeugte, die man, ebenso undifferenziert wie treffend, als „olympischen Geist“ kennzeichnen könnte. Und dass auch und gerade die Paralympics in der Stadt an der Themse wie nie und nirgends zuvor als bewegendes Weltfest des Sports inszeniert und zelebriert wurden, verleiht dem Londoner Sommer eine weitere Note, die einem Alleinstellungsmerkmal gleichkommt. Dabei war noch gar nicht die Rede davon, dass die Verantwortlichen auch im Blick auf das kulturelle Rahmenprogramm oder mit überzeugenden Initiativen im Sinne der Olympic Solidarity oder der Olympischen Erziehung neue Maßstäbe setzten. Es wird wahrlich schwer werden, das olympische Portfolio von London zu toppen. Doch eben dies muss auch nicht das Ziel der kommenden Ausrichter sein. Ein stetiger Wettlauf

Das Olympische Feuer von London: Erinnerung an einen besonderen Sommer

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Alter und neuer Präsident: Jacques Rogge und Thomas Bach

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um den olympischen Superlativ kann schließlich leicht zum Selbstzweck entarten und das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren lassen. Es kann nicht stetig größer, schöner, teurer werden, wenn die Risiken und Nebenwirkungen nicht aus dem Ruder laufen sollen. „Wie soll ich gut sein“, hat Berthold Brecht einmal einer P­rotagonistin seiner Stücke in den Mund gelegt, „wo alles so teuer ist.“ Diese Frage mag sich auch Thomas Bach stellen, der am 10. September 2013 mit seiner Wahl zum Nachfolger Jacques Rogges den Ritterschlag des Weltsports erhielt, aber damit nun auch mehr als andere in der Verantwortung steht. Dabei ist das Finanzielle nicht die einzige, vielleicht nicht einmal drängendste Baustelle des neuen IOC-Präsidenten und seiner Mitstreiter. Man möge nur an das ewige und ewig leidige Problem des Dopings denken und sich von dem Gefühl beschlichen sehen, dass der Kampf gegen Windmühlen unweigerlich in einer Kapitulationserklärung enden könnte. Schließlich stehen, und zwar weit mehr als medizinische oder juristische Aspekte, Fragen von Ethik und Moral im Fokus und damit die Idee, also der Anspruch und nicht zuletzt die Integrität und die Legitimation der olympischen Sache auf dem Prüfstand. Sollte es vor diesem Hintergrund Sorge bereiten, dass als Ausrichter der Spiele von 2020 nur drei Bewerber in der engeren Wahl waren? Wie ernst muss man, nicht nur im Blick auf die Spiele von 2016, die Proteste in Brasilien anlässlich des ­Confederations Cup der Fußballer nehmen? Und wie ist der Widerstand einzuschätzen, der die Bewerbungen Münchens um die Ausrichtung der Winterspiele von 2018 und 2022 merklich beeinträchtigt bzw. sogar verhindert hat? Natürlich ist gerade im Sport immer auch Optimismus am Platze. Jeder Wettkampf kann verloren, aber auch gewonnen werden. Und was die Olympischen Spiele betrifft: Sie sind viel zu wertvoll, um sie den Kritikern und Bedenkenträgern zu überlassen. Willi Daume hat den Befund einmal wie folgt auf den Punkt gebracht: „Der Sport wird sein, was wir aus ihm machen.“ In diesem Sinne darf man gespannt sein und – man darf sich auch freuen. Denn die olympische Karawane zieht weiter.


Auf Schnee und Eis: Die Geschichte der Olympischen Winterspiele Der Beginn der Geschichte der Winterspiele wird mit dem Jahr 1924 assoziiert, auch wenn die Premiere im französischen Chamonix vergleichsweise bescheiden als „Semaine des Sports d´Hiver“ firmierte und erst gut zwei Jahre später, gleichsam rückwirkend, das olympische Gütesiegel erhielt. Immerhin mehr als 250 aktive Teilnehmer, nur elf davon waren Frauen, hatten sich Ende Februar/Anfang März zu ­einem elftägigen Festival auf Schnee und Eis am Fuße des MontBlanc-Massivs eingefunden, wobei es sich streng­genommen lediglich um den zeitlich und geographisch ausgelagerten Auftakt zu den Sommerspielen des Jahres in Paris ­handelte.

Gleichwohl war das erste Winterfest im Zeichen der Ringe ein Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung des ­universalen olympischen Anspruchs, den Pierre de ­Coubertin in seinem Motto „All Games, all Nations“ fixiert hatte. In ­diesem ­Sinne war bereits im Juni 1894, im Abschlusskommuniqué des ­Gründungskongresses in der Sorbonne der Eislauf als eine ­jener Sportarten ausgewiesen worden, die „nach Möglichkeit bei Olympischen Spielen durchgeführt werden“ sollten.

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Dass diese Vorgabe 1896 in Athen ebenso wie später in ­Paris und St. Louis nicht umgesetzt wurde, ist leicht nachvollziehbar. Schließlich fehlte buchstäblich die entsprechende Grundlage vor Ort. So mussten sich die Protagonisten des ­Kufensports bis 1908 gedulden, genau bis zum 19. ­Oktober, als drei Monate nach dem Ende der Spiele von London ein ­olympischer Epilog mit Wettkämpfen im Boxen, Fußball, Hockey, Lacrosse, Rugby – und eben Eiskunstlauf stattfand, da im exklusiven Prince’s Skating Club in Knightsbridge eine vereis­bare Fläche zur Verfügung stand. Schon aus Kostengründen sahen die Verantwortlichen der nachfolgenden Spiele in Stockholm von einer Wiederholung des innovativen Ereignisses ab, auch wenn im IOC bereits über die Einführung einer „Wintersport-Woche“ diskutiert wurde. Diese sollte bis 1924 auf sich warten lassen. Nachdem Vertreter der Alpenländer ihren Druck erhöht hatten, zur Förderung des Wintersports und seiner touristischen Implikationen den entsprechenden Disziplinen einen festen Platz im olympischen Programm zu sichern, ­wurde nach dem durchaus vielversprechenden Probelauf von ­Chamonix die regelmäßige Durchführung von Winterspielen, vorzugsweise in organisatorischer und regionaler Anbindung an die Sommerspiele, beschlossen. So folgten St. Moritz und Lake Placid als Austragungsorte, bevor 1936 das Olympische Feuer in Deutschland gastierte – und zwar in GarmischPartenkirchen, wo erstmals auch alpine Wettbewerbe, diese sogar für Frauen, durchgeführt wurden. Natürlich diente das große Winterereignis auch als Auftakt und Probelauf für das noch größere Sommerfest, das in Berlin über die Bühne gehen und den nationalsozialistischen Machthabern propagandistisch in die Hände spielen sollte. Doch dessen ungeachtet zeigten auch bereits die Winterspiele mit ihrer perfekten Organisation, der Gastfreundschaft vor Ort, den gezeigten Leistungen der Aktiven sowie dem anspruchsvollen kulturellen Rahmen Wirkung für die weitere olympische Entwicklung, wobei diese aufgrund des Krieges für zwölf Jahre auf Eis liegen sollte. Nach dem Ende des verheerenden Waffengangs sah sich die Olympische Bewegung mit dessen gravierenden Folgen, etwa der Teilung der Welt in Ost und West konfrontiert, erfuhr

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aber zugleich ein stetiges Wachstum, das nicht zuletzt durch den immer stärkeren Zuspruch der Medien beflügelt wurde. Diese Entwicklung betraf – aufgrund ihrer Größe und ­öffentlichen Beachtung – insbesondere die Sommer-, im Prinzip aber in gleicher Weise auch die Winterspiele. Auch bei letzteren vollzog sich ein erstaunlicher Fortschritt, etwa im Blick auf die dargebotenen Leistungen, die Zahl der beteiligten Athleten sowie Betreuer, Offiziellen, Journalisten und ­Besucher, die Qualität der Sportstätten, die Höhe der Ausgaben und Einnahmen oder den Umfang und die Art der ­Berichterstattung, doch zugleich wuchs auch die Problematik der mit dem Fortschritt verbundenen Risiken und Neben­ wirkungen. Im Blick auf die Winterspiele rückte neben den allgemeinen Fragen des internationalen Spitzensports, wie Kommerz oder Doping zunehmend die Frage nach den ökologischen Kosten eines Großereignisses in den Fokus, das natur­gemäß nicht allein in entsprechende Zweckbauten verbannt ­werden kann, sondern in nicht selten sensiblen ­Regionen unter ­freiem Himmel stattfinden muss. Diesbezüglich ­wirkten die Spiele von 1992 in Albertville wohl als besonders ab­ schreckendes Beispiel, das aber immerhin das Problem­ bewusstsein schärfte und die Verantwortlichen – Stichwort „Nachhaltigkeit“ – zu größerer Rücksichtnahme auf Natur und Umwelt veranlasste. Zudem waren die Spiele in den französischen ­Savoyen die ersten nach 56 Jahren, bei denen wieder ganz ­Deutschland

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Skisprung mit der Fackel: ein Höhepunkt der Eröff­ nungsfeier in Lillehammer 1994

mit einer Mannschaft auf der olympischen Bühne ­vertreten war – und es waren die letzten, die im klassischen ­olym­pischen Rhythmus im Gleichklang mit den Sommer­ spielen stattfanden. Nur zwei Jahre später traf sich die Welt des ­Wintersports erneut, und zwar im norwegischen ­Lillehammer, das nach Meinung vieler Experten die bis heute besten Olympischen Winterspiele in Szene setzte. Seitdem genießen sie die Loslösung von der Konkurrenz des Sommers und die daraus resultierende Auf­wertung, die sich aus deutscher Sicht nicht zuletzt auch durch den anhaltenden Erfolg „unserer“ Athleten ergibt. So ­gelang es 2006 in Turin, den vier Jahre zuvor in Salt Lake City e­rzielten Erfolg zu wiederholen und mehr Plätze auf dem ­Treppchen zu ­e rgattern, als alle übrigen Mannschaften. Bei den ­vergangenen Spielen im kanadischen Vancouver ergatterten die Gastgeber den ersten Platz, dicht gefolgt von der ­deutschen Mannschaft. Diese herausragenden Leistungen schüren die Vorfreude auf die bevorstehenden Spiele in ­Sotschi, auch wenn der Rückblick von den Aktiven nicht nur als Ansporn, sondern bisweilen vielleicht auch als Druck empfunden werden mag.

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Winterspiele in Zahlen Olympiade Jahr

Stadt, Land

Nationen

Wett-

Wettkämpfer gesamt

bewerbe

/innen

I

1924

Chamonix, Frankreich

16

16

247

11

258

II

1928

St. Moritz, Schweiz

25

14

438

26

464

III

1932

Lake Placid, USA

17

14

231

21

252

IV

1936

Garmisch-Partenkirchen,

28

17

566

80

646

Deutschland

1940

ausgefallen

1944

ausgefallen

V

1948

St. Moritz, Schweiz

28

22

592

77

669

VI

1952

Oslo, Norwegen

30

22

585

109

694

VII

1956

Cortina d‘ Ampezzo, Italien

32

24

687

134

821

VIII

1960

Squaw Valley, USA

30

27

521

144

665

IX

1964

Innsbruck, Österreich

36

34

892

199

1.091

X

1968

Grenoble, Frankreich

37

35

947

211

1.158

XI

1972

Sapporo, Japan

35

35

801

205

1.006

XII

1976

Innsbruck, Österreich

37

37

892

231

1.123

XIII

1980

Lake Placid, USA

37

38

840

232

1.072

XIV

1984

Sarajevo, dam. Jugoslawien

49

39

998

274

1.272

XV

1988

Calgary, Kanada

57

46

1.122

301

1.423

XVI

1992

Albertville, Frankreich

64

57

1.313

488

1.801

XVII

1994

Lillehammer, Norwegen

67

61

1.215

522

1.737

XVIII

1998

Nagano, Japan

72

68

1.389

787

2.176

XIX

2002

Salt Lake City, USA

77

78

1.513

886

2.399

XX

2006

Turin, Italien

80

84

1.548

960

2.508

XXI

2010

Vancouver, Kanada

82

86

1.522

1.044

2.566

XXII

2014

Sotschi, Russland

98

2.500*

82*

Die XXIII. Winterspiele 2018 finden in Pyeongchang, Südkorea statt. * erwartet

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Quelle: IOC


Symbolik und ­Zeremoniell Die Olympischen Spiele sind mehr als nur Sport. Sie stehen auch für eine übergreifende Idee. In der Olympischen ­Charta sind die entsprechenden „fundamentalen Prinzipien“ ausgewiesen, die nicht zuletzt in Symbolik und Zeremoniell ­offenkundig werden: die fünf Ringe, Feuer und Fackel und manches mehr. Im Folgenden werden die wesentlichen ­Elemente vorgestellt.

• Die Olympischen Ringe Die fünf ineinander verschlungenen Ringe zählen zu den bekanntesten Symbolen überhaupt. Sie sind das offizielle ­Erkennungs-­oder Markenzeichen der Olympischen Bewegung. Ihr „Wert“ ergibt sich aus der Klarheit ihrer Botschaft: Sie stehen für die Kontinente und ihre Verbundenheit in der Olympischen Idee. Zwar läge es auf der Hand, die ­Farben – gelb, blau, schwarz, grün und rot – einzelnen Erdteilen ­zuzuordnen, doch der Gedanke ihres „Erfinders“ Pierre de ­Coubertin war, dass sich mindestens eine der gewählten Farben in jeder Nationalflagge wiederfindet. Erstmals 1920 bei den Spielen von Antwerpen aufgezogen, zieren die Ringe auf weißem Grund die Olympische Fahne. Im Rahmen der Schlussfeier wird diese dem Bürgermeister der nächsten Olympiastadt überreicht.

• Der Olympische Eid Schon die Teilnehmer der antiken Olympischen Spiele hatten einen Eid zu leisten. An diese Tradition knüpfte man 1920 an. Ein Athlet gelobte stellvertretend für alle ein regelgerechtes und ehrenvolles Auftreten. Ähnliches beeidet seit 1972 auch ein Vertreter der Kampfrichter. Im Jahr 2000 hat man ein Versprechen zum Dopingverzicht in die offizielle Formel aufgenommen. Diese lautet nun wie folgt:

Premiere in Antwerpen: Der Belgier Victor Boin spricht den ersten ­Olympischen Eid

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„Im Namen aller Wettkämpfer gelobe ich, dass wir im ­Geiste der Sportlichkeit, zum Ruhme des Sports und zur Ehre unserer Mannschaften an diesen Olympischen ­Spielen teilnehmen und dabei die Regeln, die für sie gelten, ­achten und befolgen und uns einem Sport ohne Doping und ­Drogen verpflichtet fühlen.“

• Das Olympische Feuer Bereits in der Antike kam dem Feuer ein hoher Symbolgehalt zu. Überliefert sind auch Fackelstaffelläufe, deren Sieger den Opferaltar entzünden durften. Seit 1928 stehen die Olympischen Spiele der Neuzeit im Zeichen des Feuers. Dessen Entzündung stellt einen Höhepunkt der Eröffnungsfeiern dar. Wem die Ehre jeweils zukommt, ist ein gut gehütetes Geheimnis. In Sydney war es Cathy Freeman, vier Jahre zuvor Muhammad Ali. Die eigentliche Entzündung des Feuers erfolgt an antiker Stätte, im griechischen Olympia, von wo es mittels eines Fackelstaffellaufes an den jeweiligen Ort des Geschehens gebracht wird. Diese Praxis wurde erstmals 1936 geübt und zwar auf Initiative Carl Diems, des Organisators der Spiele von Berlin. Damals legten Läufer eine Strecke von 3.050 Kilometer zurück. Inzwischen sind – bis hin zu Laser oder Satellit – fast alle denkbaren Transportmöglichkeiten zum Tragen gekommen. Auch im Vorfeld der Spiele von Sotschi wurde das Feuer auf traditionelle Weise mit Hilfe eines Hohlspiegels entzündet. 21 als antike Priesterinnen verkleidete Schauspielerinnen führten einen Tanz zu Ehren der Göttin Hera auf, um sie zu bitten, „den Geist der Tugend in die Seelen der Athleten zu bringen“. Nach den unerfreulichen Vorfällen und Schlagzeilen rund um den Fackellauf im Vorfeld der Spiele von Peking, der für öffentlichkeitswirksame Proteste gegen die Verletzung der Menschenrechte in China genutzt oder missbraucht wurde, hat das IOC beschlossen, die Fackel nach ihrer Entzündung in Olympia zukünftig jeweils nur noch durch das Land wandern zu lassen, in dem die Spiele stattfinden. Vor diesem Hintergrund hat das Organisationskomitee ­Sotschi 2014 angekündigt, dass die Olympische Fackel durch

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alle Regionen Russlands getragen wird. Der Start des Fackel­ laufs erfolgte am 7. Oktober 2013, die Strecke soll 65.000 ­Kilometer umfassen. Der oder die letzte der Auserwählten soll am 7. Februar 2014 möglichst auf die Sekunde genau zum vorgesehen Zeitpunkt im Rahmen der Eröffnungsfeier vor den Augen der Weltöffentlichkeit auf möglichst spektakuläre ­Weise das Olympische Feuer entzünden, das dann weithin sichtbar brennen wird, bis es im Rahmen der Schlussfeier eher unspektakulär zum Erlöschen gebracht wird.

• Die Olympische Hymne Weniger bekannt als Feuer und Ringe ist die ­Olympische ­Hymne, auch wenn diese traditionell im Rahmen der Eröffnungs-­und Schlussfeiern zum offiziellen ­Zeremoniell ­gehört. Bereits 1896 wurde „La cantate des Jeux ­Olympiques“ ur­ aufgeführt, bevor das IOC 1958 diese von Spyros ­Samaras ­komponierte Interpretation eines Poems des ­berühmten ­g riechischen Dichters Kostis Palamas zur offiziellen ­Olympischen Hymne erhob.

• Das Olympische Motto „Dabei sein ist alles!“: Dies wird vielfach als olympischer Wahlspruch zitiert. In der Formulierung Pierre de ­Coubertins hieß es: „Teilnehmen ist wichtiger als Siegen.“ Das in der Olympischen Charta ausgewiesene Motto lautet freilich: ­„Citius, Altius, Fortius“ – „Schneller, Höher, Stärker“. Dies versteht sich als Aufforderung zu einem ständigen Streben nach menschlicher Vervollkommnung.

• Eröffnungs- und Schlussfeiern Die Eröffnungs-­und Schlussfeiern gelten als Höhepunkte der Olympischen Spiele. Obwohl – oder weil – gar kein Wettkampf im engeren Sinne stattfindet, sind die Einschaltquoten sowie die Eintrittspreise am höchsten. Es handelt sich um Unterhaltung auf höchstem Niveau, eine kulturelle Präsentation des Gastgeberlandes und eine visuelle Umsetzung

Olympische Noten: ein griechisches Erbe

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Von Hand zu Hand: die ­Ringe als Zeichen für Frieden und Völker­ verständigung

der Olympischen Idee. Das offizielle Zeremoniell ist vom IOC genau vorgeschrieben, das künstlerische Programm obliegt der freien Gestaltung. Wichtiger – und zeitraubendster – ­Bestandteil der Eröffnungsfeier ist der Einmarsch der Mannschaften hinter ihrer jeweiligen Nationalflagge. Als Erstes kommt traditionell die griechische, als Letzte die Mannschaft des Gastgeberlandes. Nachdem dessen Staatsoberhaupt die Eröffnungsformel gesprochen hat, erklingt die Olympische Hymne und die Fahne zieht ein. Dann erreicht die Flamme das Stadion, mit der das Olympische Feuer entzündet wird. Zum Ausklang taucht ein Feuerwerk das Stadion in ein Meer von Farben und Klängen. Die Schlussfeier ist oft von einer gewissen Melancholie getragen. Die Athleten – seit 1956 ziehen sie in freier Formation, also „bunt durcheinander gemischt“, ins Stadion – verabschieden sich, die Fahne wird eingeholt und dem Ausrichter der nächsten Spiele übergeben. Dann verlischt die Flamme und es bleibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen in vier Jahren.

Risiken und ­Gefahren Jede Medaille hat zwei Seiten. So ist auch der seit Anfang der Achtzigerjahre anhaltende Boom der Olympischen Spiele mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Kritiker verweisen etwa darauf, dass mit der Öffnung der Spiele für professionelle Sportler, einer weitreichenden Vereinnahmung durch die Medien, einer schier grenzenlosen Vermarktung oder einem

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stets zunehmenden, sich inzwischen gigantisch ausnehmenden organisatorischen Aufwand die Diskrepanz zwischen ursprünglicher Idee und aktueller Wirklichkeit sehr groß geworden sei. Tatsächlich haben die Spiele innerhalb relativ kurzer Zeit ein völlig anderes Gesicht erhalten. Wenn inzwischen jeweils mehr als zehntausend aktive und noch weit mehr „passive“ Teilnehmer, sprich Betreuer, Berichterstatter und Besucher, bei den Sommerspielen akkreditiert, unterzubringen, zu verpflegen und zu transportieren sind, ist die Grenze des Machbaren erreicht, wenn nicht überschritten. Von der Frage der Sicherheit ganz zu schweigen. Dieses Thema ist seit 1972, als in München elf Mitglieder der israelischen Mannschaft einem brutalen Terroranschlag zum Opfer fielen, ein brisantes Problem, das immer schwerer zu bewältigen und mit immer höheren Kosten verbunden ist. Der ehemalige IOC­-Präsident Rogge hat jedem weiteren Wachstum einen Riegel vorgeschoben – allein die Frage der Umsetzung bleibt bis auf Weiteres offen. Fakt ist, dass der immer größere Aufwand mit immer größeren Kosten einhergeht. Diese sind längst explodiert und haben nur deswegen (noch) nicht zum Konkurs geführt, weil auch die Einnahmen in erheblichem Maße gestiegen sind. Seit 1984 werfen die Spiele sogar Gewinn ab. Das Risiko aber bleibt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Flaute ist die Bewerbung und erst recht die Ausrichtung Olympischer Spiele eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Was ebenfalls bleibt, ist die Gefahr einer Vereinnahmung durch die Medien und den Kommerz. Natürlich müssen die Spiele finanziert werden, doch darf dies nicht bedeuten, seine olympische Seele zu verkaufen. Wer bezahlt, bestimmt! Soweit dieser Grundsatz gilt, ist gewissenhaft abzuwägen, ab wann der Preis zu hoch wird. Gegebenenfalls muss auf diesen Euro oder jenen Dollar verzichtet werden. Keine Kompromisse, um eine letzte und gravierende ­Gefahr – manche sprechen von einem „Krebsgeschwür des Sports“ – an dieser Stelle anzusprechen, sind in Sachen ­Doping erlaubt. Mag die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und der Sponsoren sowie der persönliche Ehrgeiz der ­Aktiven auch erheblich gestiegen sein, rechtfertigt dies in

Der Schatten von München bleibt: Olympia im Zeichen des Terrors

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keiner ­Weise den Griff zu unerlaubten Mitteln und Methoden. Begreift sich das IOC als oberste Instanz des Weltsports, muss es seiner Verantwortung für einen „sauberen“ Sport gerecht werden. Abgesehen davon, dass Doping schwerwiegende gesundheitliche (Spät­-) Folgen zeitigen kann, handelt es sich um einen Verstoß gegen die Olympische Idee, die unter anderem Fairplay und Chancengleichheit für alle reklamiert. Schließlich wird durch das Fehlverhalten (vieler) Einzelner der pädagogische Anspruch des Ganzen untergraben. Wird Topathleten nach wie vor eine Vorbildfunktion zugewiesen, muss ihnen tadelloses Verhalten im Wettkampf und außerhalb desselben abverlangt – und dieses im Übrigen auch honoriert werden. Kontrolle ist gut, Einsicht ist besser! In diesem Sinne mag der Ansatz der Olympischen Erziehung greifen. Gerade der Jugend müssen die sportlichen Werte und das Bewusstsein vermittelt werden, dass der Erfolg eben nicht die Mittel heiligt. Wenn man damit in der Schule beginnt, ist die Hoffnung erlaubt, langfristig einer Problemlösung näher zu kommen. Dies wäre ein olympischer Sieg eigener Art, der aller Anstrengung wert ist.

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MEHR WISSEN! Stärken Sie Ihre Kompetenz in der Kinder- und Jugendarbeit im Sport.

Dopingprävention - Eine fortwährende Aufgabe Wer sich die Entwicklung im modernen Sport anschaut, kann auf eine ereignisreiche und spannende Geschichte zurückblicken. Einerseits ist der Sport einwertvolles Medium zur Werteerziehung und zur Stärkung der Persönlichkeit von heranwachsenden Kindern und Jugendlichen. Andererseits werden diese sinnvollen Ziele durch das Phänomen „Doping“ in Frage gestellt. Der Deutschen Sportjugend (dsj) ist es daher ein wichtiges Anliegen, einen Sport sicherzustellen, der ohne Drogen und leistungssteigernde Medikamente praktiziert werden kann. Deshalb ist in der Aus- und Fortbildung des organisierten Sports der Baustein Dopingprävention so wichtig. Seit über einem Jahrzehnt setzt die Deutsche Sportjugend - in Zusammenarbeit mit dem DOSB - in der Dopingprävention wichtige Akzente in der Kinder- und Jugendarbeit im Sport und weit darüber hinaus. Die dsj stellt den deutschen Sportstrukturen kompakte Arbeitsmaterialien zur Verfügung, die sich an junge Athletinnen und Athleten sowie an Trainer/-innen und Übungsleiter/-innen wenden. Zusätzlich macht sie Schulungsangebote für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Sportverbänden und Sportvereinen in den Regionen vor Ort. Die in diesem Themenfeld vorhandenen dsj-Fachpublikationen sehen/finden Sie hier. w w w.dsj.de

Die Deutsche Sportjugend ist der größte freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Die Deutsche Sportjugend ist die größte Jugendorganisation in Deutschland, mit mehr als 10 Millionen Mitgliedern, die in über 91.000 Sportvereinen in

GLAUBWÜRDIG, AUTHENTISCH, TRANSPARENT, MIT ETHISCHER VERANTWORTUNG

dsj-Arbeitsmedienmappe zur Dopingprävention

Arbeitsmaterialien-CD Film A: „Entscheide selbst!“

Sport ohne Doping !

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Für Multiplikatoren (Trainer/-innen, Übungsleiter/-innen, Jugendleiter/-innen) und junge Sportlerinnen und Sportler

Autor: Dominik Knebel betreut von Prof. Dr. Gerhard Treutlein

Die Deutsche Sportjugend wird gefördert vom BMFSFJ aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes:

Argumente und Entscheidungshilfen

Film B: „Der gute Trainer!“

Das Projekt „Sport ohne Doping“ wird gefördert von:

Arbeitsmedienmappe zur Dopingprävention

Autoren: Prof. Dr. Fritz Dannenmann, Akademischer Direktor Heinz Janalik

www.dosb.de

Film B: „Der gute Trainer!“

Autoren: Prof. Dr. Fritz Dannenmann, Akademischer Direktor Heinz Janalik

Film C: „Windschatten!“

Autorinnen: Frederike Rudelbach, Katrin Riemann und Susanne Kreuschmer betreut von Gert Hillringhaus

Film C: „Windschatten!“

investieren – durch Sport

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist das Dach des Sports in Deutschlands und mit 27,8 Millionen Mitgliedschaften in über 91.000 Turn- und Sportvereinen die größte Personenvereinigung und somit auch die größte Sportfamilie Deutschlands.

Film A: „Entscheide selbst!“

Autor: Dominik Knebel betreut von Prof. Dr. Gerhard Treutlein

Projektpartner:

Autorinnen: Frederike Rudelbach, Katrin Riemann und Susanne Kreuschmer betreut von Gert Hillringhaus

www.dosb.de www.dopingpraevention.de www.nada-bonn.de www.sporthilfe.de

Sport ohne Doping!

Audiovisuelle Arbeitshilfe

Medientipps/Internet

Audiovisuelle Arbeitshilfe

Sport ohne Doping!

www.dsj.de www.bundesjugendspiele.de www.dsj-frankreichaustausch.de www.freiwilligendienste-im-sport.de www.japan-simultanaustausch.de www.kinderwelt-bewegungswelt.de www.sport-mit-courage.de

GLAUBWÜRDIG, AUTHENTISCH, TRANSPARENT, MIT ETHISCHER VERANTWORTUNG

Internet

Produktion: Audiovisuelles Medienzentrum (AVZ) der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

organisiert sind.

In die

Zukunft der Jugend

Die Deutsche Sportjugend wird gefördert vom BMFSFJ aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes:

10 Jugendorganisationen von Sportverbänden mit besonderen Aufgaben

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

16 Landessportjugenden 54 Jugendorganisationen der Spitzenverbände

Das Projekt „Sport ohne Doping“ wird gefördert von:

Die Deutsche Sportjugend ist die Jugendorganisation im Deutschen Olympischen Sportbund.

w w w.dsj.de

Profil

Projektpartner:

Sport ohne Doping

Für Trainer/-innen und Übungsleiter/-innen im Kinder- und Jugendsport

Projektpartner:

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

GLAUBWÜRDIG, AUTHENTISCH, TRANSPARENT, MIT ETHISCHER VERANTWORTUNG

www.dosb.de

dsj-Arbeitsmedienmappe zur Dopingprävention Das Projekt „Sport ohne Doping“ wird gefördert von:

Die Deutsche Sportjugend wird gefördert vom BMFSFJ aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes:

In die

Der Deutsche Olympische Sportbund ist die größte Personenvereinigung Deutschlands, mit rund 27 Millionen Mitgliedschaften in über 91.000 Sportvereinen.

Zukunft der Jugend investieren – durch Sport

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Baustein 2 Pro- und Contra-Diskussion

Einführung

abzuwägen. So können bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen innere Impulse zur Überprüfung eigener Positionen und Haltungen ausgelöst werden.

gegeben. Die Teilnehmer/-innen Ihrer Dopingpräventionsveranstaltung müssen sich jeweils in eine bestimmte

Der Leitfaden ist knapp und kompakt gehalten. Wer möchte, kann ihn Rolle oder versetzen einzelne und Teile daraus direktüberzeugend präsentieren, selbst wenn sie persönlich eine andere Meinung diese möglichst anwenden und ausprobieren. Wer will, kann ihn als Anregung verstehen, vertreten. um sich Ein tiefer mitberuhendes fachlichenkontrolliertes und verdarauf Streitgespräch kann zwischen jeweils zwei Personen oder zwischen ver pädagogischen Anforderungen an Referenten/-innen zu befassen. Schließlichschiedenen bietet derGruppen Leitfadenstattfinden. eine erprobte Die Teilnehmenden sollen spielerisch in einem „Wettkampf der Argumente“ gegeneinander antreten. kontiGrundstruktur für Veranstaltungen zur Dopingprävention, die jede Referentin/jeder Referent in einem konti nuierlichen Prozess von Planung - Durchführung - Auswertung - Schlussfolgerung zur Verbesserung eigener Pro- und Contra-Diskussionen sind stets so angelegt, dass eine Aussage aus zwei unterschiedlichen Perspektiven Fähigkeiten und eigener Veranstaltungen nutzen kann. zu betrachten ist und Argumente zu vergleichen sind, welche für bzw. gegen diese Aussage sprechen. Dabei

refleksetzen sich die Teilnehmer/-innen mit Argumenten und Sichtweisen Andersdenkender auseinander und reflek Generell lassen sich Anforderungen an Referentinnen und Referenten in der Dopingprävention in folgende tieren den eigenen Standpunkt. Sie lernen Konflikte auszuhalten und sachlich zu argumentieren. Für Themen große Bereiche unterteilen:

18.06.13 11:28

Argumente für junge Sportlerinnen und Sportler!

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen... • eigene Haltungen und Positionen hinterfragen, festigen oder eventuell revidieren, • argumentieren lernen bzw. verbessern, • Empathie für andere Sichtweisen entwickeln, • lernen, Konflikte auszuhalten, • aktiv diskutieren.

Inhalte

Methoden

Dauer ca.

Einteilung der Pro- und Contra-Gruppen

Moderation evtl. mit zusätzlichem Handout

5 min

Vorstellung der Grundaussage und der entsprechenden Positionen Hauptteil

Durchführung der Diskussion nach Variante 1 oder Variante 2

Interaktive Eigenarbeit nach Anweisung durch den/die Referent/-in

40 min

Abschluss

Plenumsdiskussion oder Abschluss-Collage Abschluss-Mind-Map

Moderation durch den/die Referent/-in

15 min

S p o rt o h n e D o p i n g – L e i t fa De n z u r D u r c h f ü h r u n g v o n D o p i n g p r ä v e n t i o n S - v e r a n S ta Lt u n g e n

S p o rt o h n e D o p i n g – L e i t fa D e n z u r D u r c h f ü h r u n g v o n D o p i n g p r ä v e n t i o n S - v e r a n S ta Lt u n g e n

Marie Schwaab / schwaab@contra-doping.de Koordinatorin der dsj-Juniorbotschafter/-innen Einsatz von Juniorbotschafter/-innen bei Maßnahmen auf regionaler und nationaler Ebene Prof. Dr. Gerhard Treutlein / treutlein@contra-doping.de Zentrum für Dopingprävention / Deutsche Sportjugend Verantwortlich für Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen Manuel Ruep / ruep@contra-doping.de Verantwortlicher für das Projekt „Sport ohne Doping“ der dsj Einsatz des Referentenpools der Deutschen Sportjugend Jörg Becker / becker@dsj.de Deutsche Sportjugend Steuerung Marketingaktivitäten & Arbeitsmaterialien

„Sport ohne Doping!“

Infoseiten: ■ ■ ■

sich für einen glaubwürdigen, authentischen, transparenten Sport mit ethischer Verantwortung zu entscheiden.

(Gerhard Treutlein, Zentrum für Dopimgprävention)

sowie deren Umfeld, Medizinerinnen und Mediziner, Apothekerinnen und Apotheker. Das Projekt „Sport ohne Doping“ wird gefördert von:

Die Deutsche Sportjugend wird gefördert vom BMFSFJ aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes:

Sport ohne Doping!

Keine Medaille der Welt ist es wert, dafür die „Gesundheit von jungen Menschen zu riskieren

Informationen zu Anti-Dopingregeln für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler

(Jacques Personne, französischer Sportpädagoge)

Handlungssicherheit in Fragen der Dopingprävention für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler sowie deren Umfeld, Medizinerinnen und Mediziner, Apothekerinnen und Apotheker.

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Projektpartner:

Broschüre „Sport ohne Doping“

Projektpartner:

Athleteninfo_2012.indd 1

dsj-Präventionsbroschüre „Sport ohne Doping!“

Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention – engagiert für einen ehrlichen Sport Jede Sportlerin und jeder Sportler hat Wahl„möglichkeiten und somit auch die Chance,

Copyright © Deutsche Sportjugend, Juni 2012 Frankfurt am Main

für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler

Athletenflyer „Sport ohne Doping“

Arbeitsmedienmappe „Sport ohne Doping“

www.dsj.de

Bestellung & Download

Autoren Prof. Dr. Gerhard Treutlein (Zentrum für Dopingprävention) & dsj-Juniorbotschafter/-innen für Dopingprävention

Erscheinungstermin/Auflage 1. Auflage, Juni 2012

Download & Bestellung: inwww.dsj.de/publikationen Handlungssicherheit Fragen der Dopingprävention

Die Deutsche Sportjugend bietet jährlich zwei Schulungsmaßnahmen für Juniorbotschafter/-innen Dopingprävention an. Im Frühjahr ein Weiterbildungsseminar für bereits ernannte („Alte“) und im Herbst ein Ausbildungsseminar für zukünftige („Neue“) Juniorbotschafter/-innen.

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Sport ohne Doping

Herausgeber Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund e.V. Otto-Fleck-Schneise 12 60528 Frankfurt am Main E-Mail: info@dsj.de Internet: www.dsj.de

Gestaltung und Druck amgrafik, Rodgau

www.dsj.de Informationen zu www.contra-doping.de Anti-Dopingregeln www.nada-bonn.de

für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler Arbeitsmaterialen:

Wie können sich andere junge Sportler/-innen beteiligen?

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Ordner: Leitfaden zur Durchführung von Dopingpräventions-Veranstaltungen

Impressum

Redaktion Jörg Becker (dsj), Peter Lautenbach (dsj), Marie Schwaab (dsj-Juniorbotschafterin), Olav Spahl (DOSB)

Athletenflyer

Einige von uns sind Jugendsprecherinnen und Jugendsprecher in ihren Landes- und Spitzenverbänden und können dort entsprechende Aktivitäten bewirken. Zudem bringen wir uns in Maßnahmen (z.B. Kaderlehrgänge, NADAStand bei Veranstaltungen) ein und versuchen, für die Entwicklung von Problembewusstsein zu sorgen. Sechs von uns waren auch an einem europäischen Juniorbotschafterprojekt (sieben Verbände mit Teilnehmer/-innen aus zehn Ländern) beteiligt; darüber entstand ein europäisches Netzwerk, über das wir Entwicklungen in anderen Ländern erfahren und diese auch beeinflussen können.

Ablauf Einstieg

Ansprechpartner/-innen:

Wie tragen wir unsere Botschaft weiter? Wir verwenden die Dopingpräventions-Arbeitsmaterialien der NADA und der dsj, verteilen und kommentieren diese. Zudem tauschen wir uns auf speziellen Facebookseiten aus (dsj-Juniorbotschafter/-innen, europäische Juniorbotschafter/-innen). Des Weiteren stellen wir Fragen an Vereins- und Verbandsfunktionsträger/-innen, inwieweit bereits Präventionsaktivitäten durchgeführt werden, bzw. regen solche an.

Ziele

Die Grafik zeigt einen Überblick über das komplexe Umfeld von Doping und Dopingprävention.

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Kenntnisse über Doping Sport ohne Doping!

aus dem Bereich von Doping und Dopingprävention ist besonders bedeutend, dass eigene Haltungen gefestigt oder erschüttert werden können.

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Sport ohne Doping! • Reflektieren, Positionieren und Bewegen

Der Leitfaden soll einen Rahmen abstecken, um das Programm der Schulungsmaßnahmen zu standardisieren. Die Zusammenstellung erfolgte nach Erkenntnissen moderner Präventionsforschung undwird Best-Practice-Modellen. vorGenerell bei diesem Verfahren die Pro- bzw. Contra-Haltung vom Moderator oder der Moderatorin vor

mappe_2013.indd 1

HINWEIS: Sollten Probleme beim Öffnen der CD-Inhalte im Navigationsmenü auftreten, können Sie alternativ über folgende Schritte auf die relevanten Dateien zugreifen:

Einführung

Arbeitsmaterialien Sport ohne Doping !

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1) Öffnen Sie den „Arbeitsplatz“ auf Ihrem Windows-Desktop durch einen Doppelklick. 2) Nach einem Rechtsklick auf Ihr CD-Laufwerk, wählen Sie die Option „Öffnen“. 3) Die relevanten PDF- sowie PowerPoint-Dateien befinden sich im Ordner „Inhalt“, welche sich durch einen Doppelklick öffnen lassen

Einführung

Unser Schulungsordner zur Durchführung von Dopingpräventions-Veranstaltungen ist eine praktische Unterstützung für Referentinnen und Referenten, die Veranstaltungen zu diesem Themengebiet für Die Pro- und Contra-Diskussion wird eingesetzt, um konträre Meinungen auszutauschen und gegeneinander Sportverbände und Sportvereine organisieren.

facebook.com/deutschesportjugend

17.01.12 10:01

dsj-Athletenflyer „Sport ohne Doping!“

„Juniorbotschafter/-innen“ Flyer Dopingprävention

Infos & Download

www.dsj.de/publikationen | www.dsj.de/dopingpraevention

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IV.

Olympische Bewegung in Deutschland

Olympia und die Deutschen • Olympische Premiere

Der »deutsche Coubertin«: Dr. Willibald Gebhardt

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Auch wenn es nur „eine kleine Achtungsvertretung“ gewesen sein mochte, war bei der olympischen Premiere 1896 in Athen auch Deutschland mit von der Partie. Immerhin 19 „Athleten“, meist Turner, hatten sich auf den weiten Weg gemacht, nicht nur um teilzunehmen, sondern auch um zu gewinnen – und dies nicht weniger als siebenmal. Als vierfacher Olympiasieger avancierte der Berliner Carl Schuhmann gar zum erfolgreichsten Athleten der Spiele. Er gewann im Ringen sowie im Pferdsprung und war Mitglied der siegreichen Barren-­und Reck­-Mannschaften. Zu den Riegen zählten auch die Cousins Alfred und Gustav Felix Flatow. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft sollten sie später von den Nationalsozialisten verfolgt werden und 1942 bzw. 1945 jeweils in Theresienstadt den Tod finden. Dass Deutschland – neben zwölf anderen Nationen – überhaupt von Anfang an dabei war, ist Dr. Willibald Gebhardt zuzuschreiben. Der Berliner Chemiker zeigte sich begeistert von der olympischen Initiative Pierre de Coubertins und gründete im Januar 1896 ein „Komitee für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen zu Athen“, den Vorläufer eines Nationalen Olympischen Komitees. Freilich sah er sich mit erheblichem Widerstand konfrontiert, insbesondere seitens der Deutschen Turnerschaft, die ihn und die übrigen Athen­-Fahrer unpatriotischen Verhaltens bezichtigte. Die Turner lehnten nämlich ein internationales Großsportfest ab und plädierten stattdessen für ein „nationales Olympia“. Zunächst blieb die Beziehung zwischen Deutschland und der Olympischen Bewegung schwierig. Zwar gab es bald Ambitionen, sich selbst um die Gastgeberrolle zu bewerben, doch zuerst musste ein Stadion her. Und dies war teuer und ließ


auf sich warten, bis es 1913 von Kaiser Wilhelm II. endlich im ­Grunewald eingeweiht wurde. Das große Friedensfest, das drei Jahre später in Berlin stattfinden sollte, fiel jedoch dem Krieg zum Opfer, als sich die „Jugend der Welt“ nicht auf den Sport-­, sondern auf den Schlachtfeldern begegnete. Nun musste man sich zwei weitere Jahrzehnte gedulden, blieb 1920 und 1924 als Kriegsverlierer und ­-verursacher von einer Teilnahme ausgeschlossen, bevor dann 1931 Berlin und 1933 Garmisch-Partenkirchen als Olympiastädte ausgewählt wurden.

Deutsche Turner in Athen: Alfred Flatow (links) und Carl Schuhmann gewinnen 1896 Gold für Deutschland

• Spiele unterm Hakenkreuz Nachdem die Nationalsozialisten der Olympischen Idee ­zunächst ablehnend gegenüberstanden, erkannten sie das große Potenzial des Sportfestes als Propagandainstrument. So scheuten sie weder Kosten noch Mühen, um die bis ­dahin ­aufwändigsten Spiele in Szene zu setzen, die ihre Wirkung nicht verfehlten, zumal eine die Diskriminierung der Juden in der deutschen Gesellschaft und im Sport anprangernde internationale Boykottbewegung nicht zum Tragen gekommen war. Unter der Federführung von Carl Diem gelang eine perfekte ­Organisation und Inszenierung, der Leni Riefenstahl mit ­ihren ebenso bewunderten wie kritisierten Bildern ein – später umstrittenes – Denkmal setzte. Eingefangen wurden etwa auch Impressionen des Fackelstaffellaufes mit dem im griechischen

Carl Diem

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Berliner Begegnungen: der deutsche Weitspringer Luz Long und Jesse Owens

Olympia entzündeten Feuer, eine der vielen Innovationen Diems, die Eingang ins olympische Zeremoniell fanden. Für die Fairness des Berliner Publikums spricht, dass es keineswegs nur die zahlreichen deutschen Erfolge bejubelte. Im Gegenteil: Zu seinem Liebling erkor es den farbigen Amerikaner und vierfachen Goldmedaillengewinner Jesse Owens, der Hitlers Ideologie der Überlegenheit der nordischen Rasse offenkundig ad absurdum führte. Erstmals wurde Olympia übrigens auch im Fernsehen übertragen, das freilich nur auf wenigen privaten Geräten und in einigen öffentlichen Fernsehstuben zugänglich war. Der Siegeszug des neuen Mediums und mit ihm die Aufwertung des (olympischen) Sports zu dem Massenphänomen unserer Zeit sollte der zweiten Hälfte des Jahrhunderts vorbehalten sein. Bis auf Weiteres aber hatte auch die Olympische Bewegung schwierige Zeiten zu überstehen. Als Hitler die Welt mit Krieg überzog, blieb auch der Sport auf der Strecke. Die Spiele von 1940 und 1944 wurden abgesagt. Dass es drei Jahre nach Kriegsende in St. Moritz und London weiterging, spricht für die Stärke und Faszination der Idee, auch wenn – das inzwischen geteilte – Deutschland vorerst wieder ausgeschlossen blieb.

• Die deutsche Frage Als sich 1949 Bundesrepublik und DDR konstituierten, begann eine lange Zeit sportpolitischer Querelen. Ein ständiger Zankapfel war etwa die gesamtdeutsche Olympiamannschaft, an

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der das IOC den weltpolitischen Gegebenheiten zum Trotz bis 1964 festhielt. Erst vier Jahre später gingen erstmals zwei deutsche Teams an den Start, wenn auch übergangsweise mit einheitlichem Protokoll, nämlich den Olympischen ­Ringen auf den deutschen Farben sowie Beethovens „Ode an die Freude“ als Hymnenersatz. 1972 stand die deutsche Frage erneut im Blickpunkt, als sich die Jugend der Welt in München einfand. Es war ein Geniestreich Willi Daumes, der die Gunst der Stunde nutzte und eine hervorragende Bewerbung zum Erfolg führte. Sein Ziel war es, ein ganz anderes, nämlich weltoffenes und friedliebendes Deutschland sowie dementsprechend „heitere Spiele“ zu inszenieren, die sich zudem als ein „Gesamtkunstwerk“ ausnehmen sollten.

Willi Daume

Gemeinsam auf getrennten Wegen: gesamtdeutsche Mannschaft 1964 in Tokio

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• München ’72: »The Games must go on!«

Ulrike Meyfarth

Tatsächlich wurden, etwa mit der Architektur, der ­visuellen Gestaltung oder dem Rahmenprogramm, neue Maßstäbe ­gesetzt. Zu verzeichnen war zudem eine Explosion der Leistungen. Unvergessen der sensationelle Sieg der 16-­jährigen Ulrike Meyfarth im Hochsprung oder die sieben Goldmedaillen des amerikanischen Schwimmers Mark Spitz. Bemerkenswert ist auch der in München vollzogene Aufstieg der DDR zur sportlichen Weltmacht: Nicht weniger als 66 Medaillen, davon 20 in Gold, katapultierten das kleinere Deutschland auf den dritten Rang der (inoffiziellen) Nationenwertung. Die Katastrophe der Münchner Spiele aber war eine andere: der Anschlag auf das israelische Team, dem elf ­Mannschaftsmitglieder, ein Polizist und fünf palästinensische Terroristen zum Opfer fielen.

Tatort Olympisches Dorf

Mutig und trotzig zugleich verkündete IOC-­Präsident Brundage (oben): „The Games must go on!“ Die Spiele gingen tatsächlich weiter, doch ihr Gesicht war für immer verändert. Längst hat das Thema „Sicherheit“ einen prominenten Platz auf der olympischen Tagesordnung erobert.

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• (Vorerst) kein zweites Mal München Beim Stichwort „München“ verbindet sich der Blick auf die Vergangenheit mit dem Blick in die olympische Zukunft. Nach drei vergeblichen Bewerbungen um die Ausrichtungen Olympischer Spiele – Berchtesgaden (1992), Berlin (2000) und ­Leipzig (2012) – wurden einem neuerlichen Anlauf von deutscher Seite allgemein größere Chancen eingeräumt. Nachdem sich das IOC für die Spiele von 2018 gegen München – oder besser für Pyeongchang – entschieden hatte, sollten nun eben vier Jahre später Feuer und Ringe in die bayerische Metropole zurückgeholt werden. Das negative ­Votum der befragten Bürger in den beteiligten Gemeinden am 10. November 2013 setzte aber diesen Ambitionen ein frühes Ende. Somit bleibt der Stadt das einmalige olympische Gütesiegel verwehrt, als weltweit erster Austragungsort Sommer­und Winterspiele zu beherbergen. Und so weiß man nun auch gerade hierzulande, dass die Vergabe Olympischer Spiele eine Gleichung mit vielen Unbekannten ist. Nicht zuletzt gehört – wie immer im Sport – das Glück des Tüchtigen dazu, wenn man der langen und wechselvollen Geschichte Deutschlands in der Olympischen Bewegung ein neues, vielleicht glanzvolles Kapitel hinzufügen möchte.

Die Deutsche Olympia­mannschaft Deutschland war von Anfang an dabei. Schon 1896 in Athen zählte man zu den 13 olympischen Nationen der ersten ­Stunde, auch wenn es sich nur um eine kleine „Achtungsvertretung“ handelte, deren Erfolge sich im Übrigen sehen lassen konnten. Die ersten Olympischen Winterspiele, 1924 in Chamonix/ Frankreich, fanden allerdings ohne deutsche Beteiligung statt. Als erklärte Verursacher und Verlierer des Weltkrieges blieben die Deutschen eine lange Weile draußen vor der „olympischen Tür“, bevor man 1928 in St. Moritz, bei den zweiten Winterspielen, wieder mit von der Partie sein durfte. Doch nicht nur die deutschen Farben fehlten bei der

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Olympischer Zeitgeist als Modeerscheinung: 1932 und 2010

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­ lympischen „Winterpremiere“, sondern auch viele Sporto arten, die heute obligatorisch erscheinen. So standen am Fuße des Mont Blanc lediglich fünf Sportarten – Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Eishockey, Bobsport und Ski nordisch – mit 16 Wettbewerben auf dem Programm. An diesen, auch das erscheint wenig, beteiligten sich elf Frauen und 247 Männer aus 16 Ländern, wobei die Starterlaubnis der Frauen auf den Eiskunstlauf beschränkt blieb. Angesichts solch vergleichsweise bescheidener Dimensionen versteht sich, dass die Veranstaltung zunächst gar nicht olympisch etikettiert, sondern lediglich als „Inter­nationale Wintersportwoche“ ausgewiesen war. Soweit schon ambitioniert genug, erfolgte zwei Jahre später durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) rückwirkend eine folgenschwere Aufwertung, die den Weg frei machte für die Etablierung eines zweiten regelmäßigen Großsportfestes, eben der Olympischen Winterspiele. Diese fanden dann, mit einer weiteren Ausnahme – auch 1948 in St. Moritz blieb man infolge des Krieges ausgeschlossen –, stets mit deutscher Beteiligung statt. Auch wenn diese vor dem Hintergrund der politischen Teilung des Landes über Jahrzehnte mit ständigen Querelen verbunden blieb.


Handelte es sich 1952 in Oslo de facto um eine rein bundesdeutsche Vertretung, starteten die Wintersportler von hüben und drüben zwischen 1956 und 1964 im Rahmen einer gesamtdeutschen Mannschaft, bevor das IOC den „doppelten“ Deutschen endlich gestattete, mit zwei Teams um die begehrten Plätze auf dem Treppchen zu konkurrieren. Dies freilich tat man mit beachtlichem Erfolg. So darf es nicht wundern, dass nach der 1989/90 auch auf dem Gebiet des Sports vollzogenen staatlichen Einheit die Mannschaft bei ihrem ersten wirklich gesamtdeutschen Auftritt seit den Spielen von 1936, nämlich bei den Winterspielen von 1992 in Albertville, gleich die Top-Position im – wie ­immer – inoffiziellen Medaillenspiegel einnahm. Stattliche 26 Medaillen schlugen zu Buche, und zwar zehn goldene, zehn silberne und sechs aus Bronze. Seitdem hat sich Deutschland als eine der Topnationen des Wintersports profiliert und etabliert, auch wenn sich die ­Qualität einer Mannschaft keineswegs allein an der Anzahl der gewonnenen Medaillen ermisst. Im Übrigen ist der Kampf um die Plätze an der olympischen Sonne deutlich härter geworden, seit sich die Medaillen auf immer mehr Nationen verteilen. Auch so gesehen fällt das Abschneiden der deutschen

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Mannschaft 2010 in Vancouver mehr als befriedigend aus. Schließlich vermochten nur die Aktiven des Gastgeberlandes und solche aus den USA mehr Medaillen zu sammeln als die Vertreterinnen und Vertreter der Bundesrepublik Deutschland. Unvergessen sind etwa die grandiosen Auftritte von ­Maria Höfl-Riesch, die in Super-Kombination und Slalom jeweils nicht zu schlagen war und zwei der insgesamt zehn Gold­ medaillen „für Deutschland“ gewann. Für die ­weiteren Top-Platzierungen, am Ende durfte man sich über ins­gesamt dreißig Medaillen freuen, sorgten vor allem die ­ohnehin ­e rfolgsverwöhnten Rodler, Bobfahrer, Biathleten und ­Langläufer. Mindestens ebenso viele Erfolgserlebnisse möchte man natürlich auch in Sotschi feiern, gerne darf es auch ein bisschen mehr sein. Allerdings, das versteht sich von selbst, setzt dies höchste Anstrengungen bei allen Beteiligten voraus, ­allen voran natürlich bei den Aktiven. Diese werden, wenn am 7. Februar 2014 wieder einmal das olympische „WinterFeuer“ entzündet wird, wie immer bei Olympischen Spielen ganz besonders im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Natürlich erwächst aus der medialen Begleitung ein zusätzlicher Druck, mit dem jeder und jede Einzelne umgehen muss, doch vermag die Anteilnahme der Daheimgebliebenen im Zweifel auch die Motivation zu stärken, die wirklich ­letzten Kräfte zu mobilisieren. Gleichwohl muss auch ansonsten ­alles stimmen, wenn der ganz große Coup gelingen soll. Eine optimale, letztlich jahrelange Vorbereitung muss

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mit den Bedingungen vor Ort sowie der aktuellen Tagesform korrespondieren, während sich die spezifische Dramaturgie des Wettkampfs und die Verfassung der Gegner nicht beeinflussen lässt. Und das Glück des Tüchtigen, in der Vorzeit sprach man von der Gunst der Götter, lässt sich zwar verdienen, letztlich aber nicht erzwingen. Nun könnte man auf Pierre de Coubertin und sein ­Credo verweisen, dass die Teilnahme wichtiger sei als der Sieg. Doch diese hehre Prämisse kann für exponierte Sport-­Nationen nur bedingt als Maßstab gelten. So versteht sich der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) formulierte Grundsatz, dass nur solche Sportler mit einer Nominierung rechnen ­dürfen, die eine reelle Chance auf das Erreichen des Finales beziehungsweise auf einen Platz unter den ersten acht nachgewiesen haben. Die spezifischen Kriterien werden dabei, in Abstimmung mit der Leistungssportabteilung des DOSB, von den jeweiligen Fachverbänden definiert. Freilich gibt die Aussicht auf Erfolg nicht allein den Ausschlag. Eine unabdingbare Voraussetzung für die Nominierung ist unter anderem der Nachweis regelmäßiger Dopingkontrollen – nicht nur bei Wettkämpfen, sondern auch im Training. Die formale Nominierung der Deutschen Olympiamannschaft bleibt dem Präsidium des DOSB vorbehalten, das sich

Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver: Magdalena Neuner

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Schnell unterwegs: Maria Höfl-Riesch

allerdings weitgehend an den Vorschlägen der Fachverbände orientiert. Folgt man einschlägigen Erfahrungswerten und Prognosen, dürfte das Team in Sotschi rund 180 Aktive sowie ca. 200 Betreuer umfassen. Selbstverständlich gelten für alle Teilnehmer an den ­Spielen verbindliche Regeln. So werden die akkreditierten Mitglieder der Mannschaften vom IOC schriftlich zur Ein­ haltung seines „Eligibility Code“, also beispielsweise auch dazu verpflichtet, jede persönliche Werbetätigkeit während der Spiele zu unterlassen. Wird bisweilen auf die vermeintlich große Zahl nicht-­ aktiver oder „offizieller“ Handlungsreisender in olympischer Sache verwiesen, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Erfolg der Aktiven vor Ort von vielfältigen Voraussetzungen abhängt. Diese aber schaffen Trainer und Betreuer, ­Ärzte, ­Physiotherapeuten, Medienbetreuer, technisches Personal, Sicherheitskräfte, Seelsorger, Mitarbeiter des Mannschafts­ büros sowie der Chef de Mission zusammen mit den Mitgliedern der Delegationsleitung. Wenig öffentlichkeitswirksam ist auch die Arbeit jener Spezialisten, deren Know-how in vielen Sportarten für signifikante Erfolge inzwischen unerlässlich ist. Man denke etwa an die „Gurus“ des Wachsens, ohne deren „Händchen“ alpine und nordische Skisportler wie mit angezogener Handbremse unterwegs wären oder an die Feinmechaniker, die mit Erfahrung und wissenschaftlicher Erkenntnis die Kufen der Schlitten und Bobs für den Kampf um Hundertstelsekunden in Form bringen. Bei allen Unwägbarkeiten, die Bewegung und Wettkampf naturgemäß bereithalten, kann die Qualität der Vorberei-

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tung nicht selten den Ausschlag geben. So sollen ­spezielle ­Trainingslager den Aktiven helfen, sich vor Ort möglichst schnell und reibungslos an die klimatischen und räumlichen Gegebenheiten anzupassen. Auch in Sotschi werden die Sportler mit spezifischen ­Bedingungen konfrontiert. Gerade die besondere geographische Struktur des Einzugsbereichs der Spiele zwischen sonnenbestrahlten Palmen an der Schwarzmeerküste und Schneetreiben in den Bergen erfordern eine große Toleranz des Körpers gegenüber kurzfristigen Temperatur- und Klimaschwankungen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund kommt dem Zeitpunkt der Anreise im Blick auf den Wettkampf große ­Bedeutung zu. Dieser erfolgt, abgestimmt mit den Ärzten und Betreuern, in Abhängigkeit vom jeweiligen Wettkampf­ programm nach Disziplingruppen. So mag in diesem Fall eine längere Akklimatisierung geboten erscheinen, während in jenem ein Eintreffen erst unmittelbar vor Wettkampfbeginn hilfreich sein kann. Und so versteht sich auch, dass längst nicht alle Aktiven, bei den Winterspielen etwa 2.900 ­Athleten aus aller Welt, beim „Einmarsch der Nationen“ dabei sind, weil dieses traditionelle Highlight der Eröffnungsfeier für die Beteiligten durchaus zeitaufwendig und kraftraubend ist. Wer bereits am nächsten Tag im Wettkampf gefordert ist, wird es sich gut überlegen, wenn er nicht seitens der Trainer ­ohnehin zum Fernbleiben veranlasst wurde. Doch nicht nur die beteiligten Menschen müssen rechtzeitig und wohlbehalten am Ort des Geschehens eintreffen. Mit ­großem logistischen Aufwand ist auch der Transport von Sportgeräten und sonstigem Ausrüstungsmaterial verbunden. Rechtzeitig müssen Kapazitäten für den Transport der Bobs und Schlitten, des umfangreichen Skimaterials oder auch der voluminösen Ausstattung der Eishockeymannschaft per Luftfracht reserviert werden. Zum umfänglichen Olympia­gepäck zählen aber auch die notwendige Ausstattung der Ärzte und Physiotherapeuten, Bürotechnik, Mannschaftsbroschüren, Gastgeschenke sowie spezielle Zusatzernährung. So kann leicht ein Frachtvolumen von über 50 Tonnen in Rede stehen. Umfangreiche Verpflichtungen übernimmt vor Ort die vom DOSB eingesetzte Mannschaftsleitung unter Verant­wortung

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Im Eiskanal von Whistler: Cathleen Martini und Romy

des Chef de Mission. Deren Mitglieder treffen bereits im ­Vorfeld der Spiele alle notwendigen organisatorischen ­Maßnahmen, um den Athleten vor Ort die bestmöglichen ­Bedingungen zu bieten. Während der Spiele werden dann täglich, nicht ­selten in aller Frühe, Mannschafts­leitersitzungen abgehalten, um den speziell olympischen Herausforderungen gerecht zu ­werden. Auch die Arbeit im Hintergrund trägt zum Erfolg des Teams bei, obgleich sich der Blick der Öffentlichkeit naturgemäß auf die Aktiven richtet. Jeden Tag veranstaltet die Mannschaftsleitung eigene Pressekonferenzen, in denen über das Tagesgeschehen informiert wird, aber ebenso Athleten, Trainer und Betreuer den Medienvertretern Rede und Antwort stehen. So dokumentieren die Erfolge der Sportler immer auch die ­hervorragende Arbeit des gesamten Teams.

Logsch

P.S.: Im Mittel- und im Blickpunkt stehen eben die Athleten. Dies liegt in der Natur der Sache und in der Logik des Sports. Vor diesem Hintergrund hat der DOSB im Jahr 2012, im Vorfeld der Spiele von London, eine Kommunikationsoffensive unter dem Titel „Wir für Deutschland“ ins Leben gerufen. Unter dem griffigen Slogan soll die Deutsche Olympiamannschaft mehr noch als zuvor die ihr gebührende Aufmerksamkeit finden, andererseits aber auch ihr großes Potenzial als Werbeträger für die die olympische Sache und die Werte des Sports zur Geltung bringen. Erfolgreiche Athleten stehen in besonderer Weise im ­Fokus der Öffentlichkeit. Gerade für junge Menschen er­füllen sie nicht selten eine Vorbildfunktion, die als Katalysator ­ihrer ­eigenen Entwicklung wirken kann. Dies gilt umso mehr, wenn spektakuläre Leistungen live im Fernsehen zu ver­folgen sind. Doch auch über den unmittelbaren Zusammenhang großer Wettkämpfe hinaus, kann die spezifische Ausstrahlung der Sportler im Sinne einer Olympischen Erziehung nutzbar gemacht werden. Gerade die Erfahrung einer persönlichen Begegnung, etwa im Rahmen olympischer Aktivitäten in der Schule, kann eine enorme Wirkung entfalten und zu deren nachhaltigem Erfolg entscheidend beitragen. Informationen zu „Wir für Deutschland“ finden sich auf der Homepage www.deutsche-olympiamannschaft.de.

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Š picture alliance

Begleite die Deutsche Olympiamannschaft zu den nächsten Spielen und fiebere mit, wenn es in Sotschi und Rio um Medaillen geht!


V.

Die Paralympics

Es war die einhellige Meinung aller professionellen und passionierten Beobachter, dass London nicht nur Gastgeber großartiger Olympischer Spiele war, sondern auch und vor allem den Paralympics zu einer neuen Dimension verholfen hat. Nie zuvor jedenfalls war die Aufmerksamkeit und ­Anteilnahme der Menschen vor Ort wie die der Medien auch für die Sportler mit Behinderung so überwältigend, nie fühlten sich ­diese so ernst genommen und in ihren Leistungen gewürdigt. Längst haben sich die Paralympics als Marken­zeichen und als Synonym für die Weltspiele der Sportler mit einer Körperbehinderung, einer Sehschädigung oder einer intellektuellen Beeinträchtigung etabliert. Seit 1988 ist der Begriff offiziell verbrieft und anerkannt.

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Ursprünglich handelte es sich bei der Bezeichnung um ein Wortspiel, das die Begriffe „paraplegisch“ (gelähmt) und „olympisch“ miteinander kombinierte. Da jedoch im L­aufe der Zeit weitere Behinderungsarten im Wettkampfprogramm ­Berücksichtigung fanden, wird der Begriff heute – nicht ­zuletzt wegen der engen Bindung an die Olympischen ­Spiele – als eine Kombination aus „parallel“ und „olympisch“ ­verstanden. Veranstalter der Spiele ist das Internationale ­Paralympische Komitee (IPC) mit Sitz in Bonn. Auch die Paralympics sind durch ein Symbol gekenn­ zeichnet, das freilich längst nicht die Bekanntheit der fünf Ringe aufweist. Ursprünglich hatte man das Erkennungszeichen an eben diese angelehnt und mit fünf, dann drei „Tae-Geuks“ gestaltet. Das einer Träne ähnliche Symbol ist die koreanische Variante des Yin und Yang. Doch das Veto des IOC, das die Exklusivität seiner Ringe schützen wollte, hat zu einer Umgestaltung geführt. Seit 2003 stehen nun drei geschwungene Linien, die sogenannten „Agitos“ (lateinisch: „Ich bewege mich.“), in den Farben rot, blau und grün für die Paralympics. Sie sind als eine dynamische, um eine ­Mitte kreisende Bewegung angeordnet und symbolisieren die National­flaggen aller Länder der Erde. Im Übrigen soll es die Rolle des IPC bei der Zusammenführung von Athleten aus ­aller Welt unter­streichen, denen es ermöglicht wird, in Wett­ kämpfen gegeneinander anzutreten. Gleichzeitig soll es auch ein Beispiel dafür sein, dass Menschen mit Behinderung die Welt mit ihren Leistungen begeistern und inspirieren können. Die Erfahrungen von London haben diesbezüglich ein leuchtendes Beispiel gegeben. Wie bei den Olympischen Spielen wird auch bei den ­Paralympics in Sommer- und Winterspiele unterschieden. Die ersten Sommerspiele wurden 1960 in Rom, die ersten Winter­ spiele 1976 in Örnsköldsvik (Schweden) ausgetragen. Als ­Vater der Paralympischen Bewegung gilt der Arzt Sir ­Ludwig ­Guttmann, der während des Zweiten Weltkrieges die positive Wirkung sportlicher Betätigung auf das Wohlbefinden und die Lebensdauer von Menschen mit einer Querschnittslähmung erkannte. Er rief 1948 die Stoke Mandeville Games unweit von London ins Leben, die heute als Vorläufer der ­Paralympics gelten. Als eine besondere Reminiszenz gaben

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Biathlet Josef Giesen

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die Organisatoren der Spiele von 2012 dem Maskottchen den Namen „Mandeville“. Die beeindruckende Entwicklung der Paralympischen Bewegung dokumentiert sich besonders eindringlich in der rasant steigenden Zahl der Teilnehmer. War es 1976 in ­Örnsköldsvik mit 53 Athleten aus 16 Nationen noch vergleichsweise familiär, ist in Sotschi mit mehr als 700 Sportlern aus 45 Ländern eine Großveranstaltung mit allen entsprechenden Implikationen zu erwarten. Auch das Programm der Spiele wurde schrittweise aus­ geweitet. Standen anfangs allein ­Querschnittsgelähmte im Fokus, wurden längst auch Wettbewerbe für ­Menschen mit Behinderungen wie Amputationen, Lähmungen, ­Versteifungen, Kleinwuchs oder Zerebralparese sowie für Sehbehinderte und Blinde aufgenommen. Athleten mit einer ­intellektuellen Beeinträchtigung haben in einzelnen Sport­ arten an den Paralympischen Spielen von 1996, 2000 und 2012 teilgenommen. Grundsätzlich sind ihnen seit 1968 eigene Spiele vorbehalten, die sogenannten „Special Olympics“, die ein spezifisches Regelwerk aufweisen. Auch hörgeschädigte


Wettkämpfer sind bei den Paralympics nicht vertreten. Sie ­ermitteln ihre Sieger bei den „Deaflympics“. Seit 1988 werden die Paralympics stets am Ort und in zeitlicher Nähe der jeweiligen Olympischen Spiele ausgetragen. Zuvor hatten sich die Ausrichter der ­Olympischen Spiele aus unterschiedlichen, nicht zuletzt finanziellen Gründen geweigert, auch noch die Paralympics zu ­organisieren. Mittler­weile verpflichtet das Internationale Olympische ­Komitee (IOC) durch eine Kooperationsvereinbarung sämtliche ­Bewerber, auch die Paralympischen Spiele auszurichten. Dies kommt nicht nur einer formalen Aufwertung der ­Paralympics gleich, sondern gewährleistet auch eine ­optimale Infrastruktur und eine potenziell größere ­Resonanz – wie der „paralympische Sommer“ von London eindrucksvoll vor Augen führte. Gerade vor diesem Hintergrund verbinden sich nun ­große Erwartungen mit Sotschi. Diese beginnen genau ­einen ­Monat nach Eröffnung der Olympischen Winterspiele, n­ämlich am 7. März 2014, mit einer großen Eröffnungsfeier im Olympia­stadion und enden mit einer vermutlich ebenfalls ­glanzvollen Schlussfeier am 19. März. Dazwischen liegen elf Wettkampf­tage, bei denen vor allem die Entscheidungen im Langlauf und Biathlon im Blickpunkt stehen werden. Beim Langlauf der Sehbehinderten orientieren sich die Aktiven an einem Vorläufer, der seinen Partner sicher über die ­Strecke navigiert. Dies ist wahrlich eine Herausforderung eigener Art. Spektakulär sind auch die Begegnungen im Sledge-­ Eishockey. Wie bei seinem „olympischen Pendant“ ist ein ­erheblicher ­Körperkontakt die Regel, wobei der Aktionsradius der Spieler insofern eingeschränkt ist, als sie in angepassten Sitzschalen agieren. Insgesamt werden sich in Sotschi die Besten der ­Besten in fünf Sportarten und 72 Wettbewerben um einen Platz auf dem Treppchen bemühen. Übrigens: Bei den Sommer-­ Paralympics werden deutlich mehr Medaillen vergeben als bei den Olympischen Sommerspielen, obwohl bei diesen weit mehr Sportarten und Disziplinen auf dem Programm stehen. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich leicht auflösen: Um einen möglichst fairen Wettkampf und die Vergleichbarkeit der ­gezeigten Leistungen zu gewährleisten, wird beim Sport von Menschen mit entsprechenden Beeinträchtigungen, also

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auch im Rahmen der Paralympics versucht, dem jeweiligen Grad der Behinderung Rechnung zu tragen. Daraus ­resultiert die Einteilung des Teilnehmerkreises in unterschiedliche Startklassen, aus der sich gleichsam eine Multiplikation der Wettbewerbe ergibt. Eben daraus aber erwächst auch ein Problem. Wie kann man etwa jeder individuellen Beeinträchtigung im Vergleich mit einer anderen angemessen Rechnung tragen? Und: Wie bewertet man die kompensatorische Wirkung entsprechender Hilfsmittel und was soll diesbezüglich als legitim ­an­gesehen werden? Schließlich sollen der Mensch und seine ur­eigene Leistung, und nicht etwa die Technik und entsprechende ­Errungenschaften, auch und gerade bei den Paralympics im Mittelpunkt stehen. Der Respekt vor den gezeigten Leistungen darf auch an ­dieser Stelle nicht den Blick verstellen auf Risiken und Neben­ wirkungen oder den Impuls überlagern, auch kritische ­Fragen zu stellen. Vielmehr ist nämlich auch im Blick auf die ­Para­lympics Aufklärung, Prävention und – Erziehung angesagt. Wenn man so will: „Paralympische Erziehung“. Diesbezüglich ist freilich noch Neuland zu erkunden, ­wobei die Deutsche Olympische Akademie gerne bereit ist, im ­Zusammenwirken mit anderen ihre Erfahrungen ein­ zu­bringen. Zumal diese Thematik auch insofern reizvoll ­erscheint, als sie auch bei jungen Menschen, also etwa auch in der Schule, Interesse zu wecken vermag. Schließlich bietet gerade der Sport eine einzigartige ­Bühne für die Erkenntnis, zu welchen Leistungen Menschen mit ­Behinderung fähig sind. Dies vermag auch solchen Mut zu ­machen, die nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, ­sowie als weiterer Anschub einer fortschreitenden ­Integration und Inklusion dienen. Auch insofern leistet der Sport ­einen wichtigen und wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung und verdient Anerkennung und Unterstützung. In diesem Zusammenhang sei nur am Rande erwähnt, dass die Erfahrungen im Behindertensport nicht unerheblich zur ­Weiterentwicklung von technischen Hilfsmitteln wie Roll­ stühlen oder Prothesen beitragen und auch somit einen ­beachtlichen Mehrwert entfalten. Schon vor diesem Hintergrund darf man sich auf die ­Paralympischen Winterspiele von

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Rollstuhl-Curling in V­ancouver

Sotschi, auf ­großartige ­Leistungen der Athletinnen und Athleten und natürlich auch auf die Erfolge „unserer“ Mannschaft freuen. Gerade im Blick auf Letzteres ist durchaus Optimismus am Platze, auch wenn eines der erfolgreichsten und bekanntesten Mitglieder des Teams ihre so erfolgreiche Karriere inzwischen beendet hat: Verena Bentele. Die sehbehinderte Athletin gewann bei ­insgesamt vier Paralympics nicht weniger als zwölf Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen im Biathlon und Langlauf. Bei den letzten Winterspielen, 2010 in Vancouver, trug sie nicht unwesentlich dazu bei, dass die deutsche Mannschaft zum paralympischen Top-Team ­avancierte und den ersten Platz im inoffiziellen Medaillenspiegel belegte. Die Latte in Sotschi liegt also hoch. Doch auch und ­gerade bei den Paralympics sollte sich das Augenmerk des ­Publikums – sowie der Aktiven und der übrigen Beteiligten – nicht allein und ausschließlich auf das berühmte Treppchen ­fokussieren. Erfolg lässt sich nämlich auch und gerade im Sport nur sehr bedingt programmieren, jedenfalls solange auch ­andere ­danach streben. Im Übrigen wird es den Betreffenden und ihren Leistungen nicht gerecht, sie allein an unseren ­Er­wartungen, namentlich an Medaillen, zu messen. In diesem Sinne dürfen wir jenen etwa 150 Athletinnen und Athleten, die in Sotschi die deutschen Farben, aber auch die Idee des Sports vertreten, viel Erfolg und alles Gute ­wünschen.

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VI.

Die Olympischen Jugendspiele

Eine Innovation im Dienste von Sport, ­Erziehung und Kultur Es war eine persönliche Herzensangelegenheit des ehemaligen Präsidenten. Auch wenn er sich anfangs durchaus mit Skepsis und Kritik konfrontiert sah, ist es Jacques Rogge gelungen, die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) von seiner Idee zu überzeugen. Ihr einstimmiges Plazet am 5. Juli 2007 bei der Session in Guatemala war Ausgangspunkt und Geburtsstunde für die Youth Olympic Games, die Olympischen Jugendspiele, die man gerade unter dem Eindruck der glanzvollen Premieren in Singapur (Sommer 2010) und Innsbruck (Winter 2012) als eine der bedeutsamsten und folgenreichsten olympischen Innovationen seit Pierre de Coubertin bezeichnen darf. „For young people – driven by young people“ – auf ­diesen Punkt lässt sich die Idee der Jugendspiele bringen. Schon in diesem Motto kommt die Absicht der Verantwortlichen zum Ausdruck, das neue Event eben nicht als ­Miniatur oder „Light­ version“ der „großen“ Spiele erscheinen zu ­lassen. Im Fokus steht die Jugend, genauer 14-­bis 18-­jährige ­Athleten, die eine exponierte Plattform für ihre sportlichen Am­bitionen er­halten sollen – aber längst nicht nur das. Denn die Youth Olympic

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Games sollen ihrer Zielgruppe vor allem auch die ­Gelegenheit bieten, die olympischen Werte zu erleben und zu leben. In diesem Sinne sollen sie eine „Balance von Sport, ­Erziehung und Kultur“ gewährleisten, wobei dem erst­genannten ­Aspekt nicht unbedingt Priorität zukommen muss. Im Gegenteil:

In einem acht Punkte umfassenden Zielprofil des IOC ist der Sport an letzter Stelle genannt, auch wenn diesbezüglich der „höchste internationale Standard“ angestrebt wird. In erster Linie aber geht es um die Begegnung der jungen Sportler und darum, dabei Erfahrungen zu sammeln und voneinander zu lernen. Zudem sollen sie eine „einzig­artige und kraftvolle Einführung in den Olympismus“ und seine Werte erhalten, um sie auf diese Weise für ein nachhaltiges Engagement für die olympische Sache – und eben nicht nur für die Option einer glanzvollen sportlichen Karriere – zu ­gewinnen. Im Sinne dieser Intention ist neben einigen neuen Wettkampfformaten das eigentlich innovative Moment der ­Jugendspiele ein umfangreiches pädagogisch­-kulturelles Angebot, das „Cultural and Education Programme“ (CEP), das

»Meet the Coaches«: ­vielfältige Eindrücke und Informationen für die ­»Jugend der Welt«

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Begegnungen, Gespräche, Erfahrungen

die Veranstalter parallel zum Wettkampfprogramm organisieren. Zwar ist die Teilnahme am CEP für die beteiligten Aktiven nicht verpflichtend, wird aber doch dringend empfohlen. Schließlich verband Jacques Rogge, und nicht nur er, mit der neuen olympischen Initiative einen hohen, vor allem pädagogischen Anspruch. So betonte er etwa 2007, dass die jungen Athleten mit Hilfe ihrer Spiele „zu besseren Menschen mit wahrem Sportsgeist und zu Botschaftern der guten Sache des Sports und der olympischen Werte in ihrer jeweiligen Gesellschaft“ werden sollen. Zudem verlieh er seiner Hoffnung Ausdruck, dass Menschen, die in sportlichem Kontext lernen, dem anderen mit Respekt zu begegnen, sich dieser Haltung auch im alltäglichen Leben befleißigen werden. Ein wahrlich hehres und ehrenwertes Ziel, das sich aber an der Realität wird messen lassen müssen und insofern auch eine Angriffsfläche bietet. Schließlich wird von Kritikern der Olympischen Bewegung seit jeher gerne auf die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit verwiesen und auch die ­Einführung der Jugendspiele wurde diesbezüglich von Zweifeln begleitet. Und gerade wenn es um junge ­Menschen geht, müssen seriös vorgetragene Bedenken allemal ernst ­genommen werden. So wie etwa die Befürchtung, dass ­gewisse Auswüchse und Fehlentwicklungen des internationalen Spitzensports, um nur das Stichwort Doping zu ­nennen, im Zuge einer Etablierung der Jugendspiele in deren Zielgruppe nun noch früher als ohnehin schon oder verstärkt zum Tragen kommen könnten. Umso mehr dürften sich die Verantwortlichen durch den Verlauf der beiden Premieren in Singapur (Sommer 2010) und Innsbruck (Winter 2012) bestätigt gefühlt haben. Tatsächlich nähren beide Veranstaltungen, so unterschiedlich sie in ­Ambiente und Zuschnitt auch waren, gleichermaßen die

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Hoffnung auf ein gutes Gedeihen des noch jungen olympischen Pflänzchens. Und so zart und anfällig, wie von einigen vielleicht befürchtet, scheint dieses im Übrigen keineswegs zu sein. Sowohl in Singapur als auch in Innsbruck wurden ein reibungsloser Ablauf, guter Sport, fröhliche Sportler, hervorragende Leistungen und spannende Wettkämpfe sowie eine gute Stimmung bei allen Beteiligten registriert. Immerhin waren 3.500 Aktive aus über 200 Ländern beziehungsweise über 1.500 Aktive aus 67 Ländern am Start, die – in traditio­ nellen, zum Teil aber auch in innovativen Wettkampf­ formaten, etwa geschlechterübergreifenden oder gemischten Teamwettbewerben – um einen Platz auf dem Treppchen konkurrierten, daneben aber auch Zeit und Lust fanden, die vielfältigen (Mitmach­-) Möglichkeiten des außersportlichen Programms zu nutzen. Und dass das Konzept nach erst zwei, wenngleich vielversprechenden Auflagen natürlich noch Spielräume für kreative Neuerungen eröffnet, zeigt sich schon bei den zweiten Olympischen Jugend-Sommerspielen im chinesischen Nanjing. Dort werden vom 16. bis zum ­­28. August 2014 Medaillen vergeben, die nach dem Entwurf eines

Und natürlich auch Kultur

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Auch bei den Jugendspielen im Blickpunkt: das ­Treppchen

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Nachwuchskünstlers gestaltet sind. Einen entsprechenden Design-Wettbewerb hat das IOC im Vorfeld der Spiele erstmals ausgeschrieben. Der Gedanke liegt nahe, dass eine Begegnung mit Gleichgesinnten, ein internationaler Wettkampf auf höchstem ­Niveau vor beeindruckender Kulisse für junge ambitionierte Athleten, die von ihren Nationalen Olympischen Komitees nach entsprechenden Normen und Vorgaben der jeweiligen Fachverbände nominiert, eingekleidet und entsandt wurden, ein herausragendes und prägendes Erlebnis sein muss. Zumal, wenn persönlicher Erfolg hinzukommt, sprich eine ­Medaille und eine feierliche Siegerehrung mit Flaggen und Hymnen – auf die Jacques Rogge im Übrigen sehr gerne verzichtet hätte, um den „etwas anderen“ Charakter der ­Spiele


auch in ihrem Zeremoniell zum Ausdruck zu bringen. Als er jedoch die traditionellen Ingredienzien der olympischen Leistungskultur zur Disposition stellte, folgten ihm seine K­ollegen im IOC sowie die Vertreter der Fachverbände nicht. Freilich haben, dies war offenkundig, nicht alle Betroffenen das Ritual der feierlichen Siegerehrung genossen, wie vielfach an ihrer jugendlichen Schüchternheit ablesbar war. Auch diesbezüglich mögen die Spiele in Singapur und Innsbruck einen Lernprozess beschleunigt haben. Denkt man an das sympathische Auftreten der jungen Pro­tagonisten, stärkt dies die Hoffnung, dass es ­tatsächlich ­gelingt, das neue Format und Profil glaubhaft ­umzusetzen und nachhaltig zu etablieren. Die weltweit ungebrochene Faszination des sportlichen Wettkampfs sollte dabei mehr als

»Well done, Innsbruck«: der ehemalige Präsident Rogge applaudiert

­ ehikel oder Katalysator, gleichsam als verbindende Klammer V g­esehen, aber – im Zweifel auch gegen die ­innere Disposi­ tion vieler Athleten und Trainer – auch relativiert werden. Dann können es wirklich „andere“ Spiele werden, die in Vernetzung mit entsprechenden Aktivitäten in Schule und ­Verein für die olympische Sozialisation junger Menschen und die ­Entwicklung einer gefestigten Sportler-­Persönlichkeit­ wertvolle und tragfähige Impulse zu vermitteln ver­mögen. Dies­bezüglichen Bedenken und Zweifeln mag man mit ­einem Rückgriff auf ­Pierre de Coubertin begegnen: „Um auf die ­Jugend zu ­wirken, muss man ihre Lebensbegeisterung ­verstehen und um sie zu verstehen, muss man sie mit allen Konsequenzen pflegen.“

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VII.

Sotschi 2014: Winterspiele unter Palmen

Dem Vernehmen nach dürften es die teuersten aller Zeiten werden. Also sollten es dann wohl auch die besten sein. Oder nicht? Lässt sich die aufgeworfene Frage naturgemäß weit ­besser im Nachhinein als im Vorfeld beantworten, muss ein abschließendes Urteil wohl mindestens bis zum 23. Februar 2014 warten. An diesem Tag wird das Feuer gelöscht, das am 29. September 2013 – wie immer im griechischen Olympia – entzündet und auf spektakulären Wegen nach Sotschi gebracht worden ist, um dort an exponierter Stelle das besondere ­Geschehen zu erhellen. Spätestens dann werden sich Bedenken bestätigt, Befürchtungen relativiert oder Kassandrarufe als unberechtigt erwiesen haben.

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Mindestens dieses aber kann schon vorab als gesichert ­festgehalten werden: Wie selten zuvor in ihrer nunmehr 90-jährigen Geschichte sind die Olympischen Winterspiele in den Fokus von Kritik und kontroversen Diskussionen geraten.

Geheime Wahl Schon die Wahl des Austragungsortes war in den Kommen­ taren keineswegs auf allgemeine Begeisterung gestoßen. Im Gegenteil. Nicht zuletzt wurde die durchaus überraschende Entscheidung als ein Kotau vor dem zentralen Protagonisten der Kampagne, Wladimir Putin, verurteilt. Offenkundig ­hatte sich der russische Präsident in der entscheidenden ­End­phase des langen und aufwendigen Wahlkampfes persönlich um Wohlwollen, sprich Stimmen, bemüht, doch ob und inwiefern dies tatsächlich den Ausschlag zu geben vermochte, kann ­allenfalls gemutmaßt werden. Schließlich handelte es sich letztlich um das Ergebnis eines demokratischen Pro­zesses, nach dem die Mehrheit eben den Ausschlag gibt und die ­Minderheit das Privileg genießt, sich als guter Verlierer zu erweisen. So sollte es sein – im richtigen Leben, aber eben auch im Sport, zum Beispiel bei der Vergabe der Olympischen Spiele. Diese bedeutsame, nicht nur wirtschaftlich höchst rele­ vante Entscheidung aber ist bekanntlich seit jeher das ­Vorrecht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das als ­„Besitzer“ der Spiele auch über den jeweiligen Ort ihrer Austragung befindet. Und zwar möglichst frei und unabhängig, also in kompetenter Abwägung aller sachbezogenen Kriterien. Wie auch immer: In der wie stets geheimen Abstimmung hatte Sotschi am 4. Juli 2007 im Rahmen der IOC-Session in Guatemala im finalen Wahlgang vier Stimmen mehr auf sich vereinigt als der erklärte Favorit, das südkoreanische Pyeongchang, dessen Vertreter sich bereits mit der zweiten schmerzlichen Niederlage konfrontiert sahen. Denn vier Jahre zuvor hatte man sich auch schon beste Chancen ausgerechnet und im ersten Wahlgang auch tatsächlich mehr Stimmen erhalten als das letztlich siegreiche Vancouver. Nur am Rande sei daran erinnert, dass es für Pyeongchang dann ja im dritten Anlauf klappte, was als Beleg dafür ­dienen mag, dass nicht selten ein langer Atem notwendig ist,

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wenn man den wertvollsten – und teuersten – Großauftrag ­erhalten möchte, der im Sport vergeben wird. Inzwischen weiß man davon auch in München und Umgebung ein Lied zu singen. Und auch Sotschi hatte sich schon einmal vergeblich, nämlich um die Spiele von 2002, beworben. Umso größer war naturgemäß die Freude bei jenen, die sich nun für die Stadt am Schwarzen Meer ins Zeug gelegt hatten. Nachdem die olympische Karawane überhaupt erst einmal im flächengrößten Staat der Erde, der seinerzeit noch erheblich größer war als heute, Station gemacht hatte, konnte nun also das zweite Gastspiel der Ringe in Angriff genommen werden.

Das olympische Gedächtnis Seinerzeit, im Sommer 1980, war die „Jugend der Welt“ in Moskau, der Hauptstadt der damals noch existierenden ­Sowjetunion zu Gast gewesen. Wobei es sich ja bekanntlich nur um solche „Jugendlichen“ handelte, die den ­Spielen nicht – aus Überzeugung oder nolens volens – fern­geblieben waren. Schließlich hatte der Einmarsch der Roten ­Armee in ­Afghanistan kurz nach Weihnachten des Vorjahres ein ­Ultimatum des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter ­sowie einen Boykott­aufruf nach sich gezogen, dem sich ­letztlich insgesamt 41 Parteigänger der USA angeschlossen ­hatten. Auch das NOK für Deutschland hatte sich nach intensiven ­Diskussionen und einer bewegenden außerordentlichen ­Mitgliederversammlung gegen den erklärten Willen seines Präsidenten, Willi Daume, dem Druck der Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt gebeugt und mit 59 gegenüber 40 Stimmen für einen Boykott entschieden. Spätestens der „Gegen-Boykott“ unter Führung der ­Sowjetunion, der die folgenden Sommerspiele in Los ­Angeles ebenfalls mit einem Makel versah, ließ auch bei den Hardlinern unter den Politstrategen die Erkenntnis reifen, dass Fernbleiben keine wirklich wirksame Option darstellte. Schließlich fielen die Risiken und Nebenwirkungen weit mehr den Boykotteuren als den Boykottierten zur Last. Gleichwohl dürfte die Kampagne gegen die Moskau-

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Feierliche Übergabe: Anatoli Pakhomov, ­Bürgermeister von Sotschi, mit der Olympischen Fahne

Spiele im olympischen Gedächtnis Russlands Spuren hinter­ lassen haben. Schon vor diesem Hintergrund versteht sich die ­erklärte Absicht, sich nun in Sotschi besonders glanzvoll in Szene setzen zu wollen. Dabei ist dieser Gedanke alles andere als ein Alleinstellungsmerkmal der bevorstehenden Spiele. Stets war es doch das Bestreben der verantwortlichen Organisatoren, die exorbitanten Investitionen, die das Großfest des Sports, ob Sommer oder Winter, seit jeher nun einmal mit sich bringen, mindestens auf lange Sicht durch einen möglichst großen Mehrwert zu relativieren und zu legitimieren. Dies galt etwa für die Spiele in London, aber ebenso auch für jene in Peking, wobei die entsprechende Notwendigkeit in einer demokratisch verfassten Gesellschaft weit größer erscheint, da selbige schließlich einen großen Teil der Last über Steuern und Abgaben zu tragen hat. Und dass man sich als Gastgeber in einem besonders guten Licht erscheinen lassen möchte, gilt ja beileibe nicht nur im Blick auf die Olympischen Spiele – wenn auch hier insofern umso mehr, als sich die Zahl der Gäste via Massenmedien längst nicht mehr in Millionen, sondern in Milliarden ermisst. Trotzdem oder gerade deswegen muss die Kritik der internationalen Presse in Stadt und Land als mindestens misslich empfunden werden, selbst wenn die Frage des Boykotts seit etwa 30 Jahren von der olympischen Tagesordnung weit­ gehend verbannt ist und auch durch gelegentliches Säbel­ rasseln bis auf Weiteres nicht nachhaltig wiederbelebt ­werden dürfte.

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Dies hat sich zuletzt am Beispiel der Spiele von Peking ­bestätigt, wobei gerade dieser Fall auch besonders eindrücklich dafür steht, wie tiefgreifend vermeintliche oder ­tatsächliche Missstände in der näheren und weiteren Um­ gebung des ­jeweiligen Austragungsortes geradezu unweigerlich in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten. Eine andere Frage ist und bleibt, ob das jedenfalls vorübergehende Interesse auch mit einer signifikanten Wirkung einhergeht oder gar positiven Entwicklungen, etwa in humanitärer oder ökologischer ­Hinsicht, Vorschub zu leisten vermag. Am Anfang einer langen Reise: der erste Läufer

„Hot. Cool. Yours.”: Wintersport und Sommerfrische

­Giannis Antoniou mit der Fackel von Sotschi

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Im Blick auf Sotschi fiel zunächst die ökologische Frage ins Auge, die sich in Zusammenhang mit den Winterspielen ­ohnehin stetig stellt, hier aber umso nachhaltiger aufgeworfen wurde, da das Großereignis erstmals „unter Palmen“ stattfinden soll. So war Sotschi bei Kundigen immer als Sommerfrische bekannt, mitnichten aber als ein Eldorado des Wintersports. Schließlich leben die rund 340.000 Einwohner nicht etwa in den Bergen, sondern am Meer. In der Region Krasnodar gelegen und gut 1.600 Kilometer von Moskau entfernt, ziert die mit 145 Kilometer Ausdehnung längste Stadt des Kontinents die Küste des Schwarzen Meeres, die, zu Recht oder nicht, bisweilen als „russische Riviera“ gelobt wird. Im Übrigen gilt die Stadt auch als das „russische Nizza“, und dies vielleicht nicht nur, weil sie auf demselben Breitengrad liegt. In jedem Fall handelt es sich um die nördlichsten Subtropen der Erde, die sich nicht nur durch lange heiße Sommer und kurze milde Winter, sondern auch durch schwarzen Sand und Zitronenbäume und eben Palmen auszeichnen. So lässt sich nachvollziehen, dass hier ein ­wunderbares und offenbar beflügelndes Ambiente für den ambitionierten sportlichen Nachwuchs vorherrscht. Jedenfalls sind der ört­lichen Tennisschule internationale Stars wie Jewgeni ­Kafelnikow und Marija Scharapowa entsprungen. Wer sich aber mehr oder auch von der Kultur inspiriert ­sehen möchte, der sei auf die große Kathedrale des Erz­engels Michael, des Schutzpatrons der Stadt oder das imposan-


te Sommertheater verwiesen, wenn er sich nicht durch die ­vielen Musterbeispiele stalinistischer Architektur in den Bann ziehen lassen möchte. Da sich vor Ort zudem viele Mineralund Heilquellen nutzen lassen, zählt Sotschi zu den beliebtesten Urlaubs- und Kurorten des Landes – zum Beispiel auch bei dessen Präsident Putin. Dass dieser gleichwohl auf den verwegenen Gedanken ­verfiel oder sich selbigen „nur“ zu eigen machte, gerade hier das große Fest des Wintersports feiern und damit der Stadt und Region ein ganz neues Profil verleihen zu wollen, war wohl der Nähe der Berge geschuldet. Schließlich tangiert die Stadt gleichsam nach hinten die Ausläufer des Kaukasus und in vertretbarer Entfernung finden sich auch durchaus alpine Gegebenheiten mit entsprechendem Potenzial. Das besondere Szenario aus Meeres­stränden und schneebedeckten Gipfeln war es wohl auch, was die ­Organisatoren zum offiziellen Slogan der Spiele – „Hot. Cool. Yours.“ – motiviert hat. Doch was von vornherein klar war: Die spezifischen Rahmenbedingungen für die Winters­piele mussten allesamt geschaffen werden. Und zwar von null ­beginnend. Dies gilt übrigens auch für den „Sochi Inter­ national Street Circuit“, auf der sich im Oktober 2014 erstmals die Formel-1-Rennfahrer um Sebastian Vettel Positionskämpfe liefern werden. Ferner wird Sotschi einer der Spielorte im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft von 2018 sein – eine echte Sportmetropole am Schwarzen Meer also. Hierfür waren und sind demnach neben den üblichen, ohnehin schon horrenden Investitionen in die allge­meine und olympia-spezifische Infrastruktur, auch „Investitionen“ in die Natur vonnöten und auch dies in erheblichem Maße. Doch wenn Hänge und Pisten in einer weitgehend noch unberührten Landschaft angelegt werden, ist Protest vorprogrammiert. Hier schließt sich ein Kreis, wenn wir an dieser Stelle noch einmal auf die Verantwortung des IOC und seiner Mitglieder verweisen. Schließlich kommt die Vergabe Olympischer Spiele einer Entscheidung gleich, die weit über den engeren Zusammenhang des Sports sowie den räumlichen und zeitlichen Rahmen der Spiele hinausreichende Relevanz gewinnt. Für die Protagonisten vor Ort wurde der Zuschlag für

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­Sotschi natürlich als Chance verstanden. Dies manifestiert sich auch in dem Slogan „Gateway to the Future!“, mit dem die ­Organisatoren ihr Nachhaltigkeitskonzept versehen. Also: „Ein Tor in die Zukunft!“ Ob die Stadt und das Land aber t­atsächlich nachhaltig profitieren werden, ob sich die Investitionen von etwa 37,5 Milliarden Euro in rund 380 neue ­Gebäude dereinst amortisieren werden und sich der ­be­triebene Aufwand als sinnvoll und lohnend erweist, bleibt abzuwarten. Zum Vergleich: Die Ausgaben für die Spiele von Vancouver beliefen sich auf weniger als zehn Milliarden Euro. Auch wenn das IOC den Dimensionen Olympischer Winter­ spiele Grenzen gesetzt hat und nur noch maximal 2.500 Sportler teilnehmen dürfen, wird sich der Beobachter somit auf Spiele der „Superlative“ einstellen können. Schon mit dem Fackellauf setzten die Organisatoren neue Maß­stäbe: Das Feuer passierte eine Strecke von 65.000 Kilometern durch 2.900 Ortschaften aller 83 russischen Föderationssubjekte und machte dabei sogar „Expeditionen“ zum Nordpol und ins Weltall.

An der Küste und in den Bergen: Die Wettkampfstätten und Olympischen Dörfer Einen neuen Rekord stellen die Spiele auch bei der Anzahl der Disziplinen auf, in denen sich ab dem 7. Februar 2014 die Teilnehmer aus über 80 Nationen messen. Mit nunmehr 98 Medaillenentscheidungen wurde das Programm gegenüber den Spielen von Vancouver – seinerzeit waren es „nur“ 86 – signifikant erweitert. So feiern in Sotschi der Skisprung­ wettbewerb der Frauen, Ski-Halfpipe-Entscheidungen für Damen und Herren, der Slopestyle für alpine Skifahrer und Snowboarder, der Snowboard-Parallelslalom, die MixedStaffel im Biathlon sowie Teamwettbewerbe im Rennrodeln und Eiskunstlaufen ihre olympische Premiere. Erstmalig zum Einsatz kamen die neu gebauten Sport­ stätten bereits in mehreren Testwettkämpfen. Sie teilen sich in zwei Zentren auf: den an der Küste gelegenen Olympic Park, wo die Eissportdisziplinen durchgeführt werden sowie die Region rund um das Gebirgsdorf Krasnaja Poljana, welche die Wettbewerbe auf Schnee beherbergen wird.

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Der Countdown läuft: die Olympia-Uhr von Sotschi

Wahrzeichen des im Tal gelegenen „Coastal Clusters“ unweit des Schwarzen Meeres ist das Olympiastadion, „Fisht“ genannt, in dem etwa 45.000 Zuschauer das stets faszinierende Spektakel der Eröffnungs- und Schlussfeiern mit­ erleben. Als Spielstätte bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist seine Nutzung im Übrigen langfristig gesichert. In dessen Nachbarschaft bieten im 12.000 Plätze umfassenden „Iceberg Skating Palace“ die Eiskunstläufer ihre mitreißenden Vorführungen dar und liefern sich die Shorttracker ihre packenden Positionskämpfe auf dem Oval. Ganz sicher unter frenetischem Jubel werden in der „Shayba Arena“ und – bei den Finalspielen – im „Bolshoy Ice Dome“ die Partien im Eishockey der Männer und Frauen ausgetragen. Schließlich ­erfreut sich der spektakuläre Kufensport in Russland traditionell einer immensen Beliebtheit. Vor maximal 8.000 Zuschauern küren in der „Adler Arena“ die Eisschnellläufer ihre Besten, während bei den Curling-Wettbewerben im „Ice Cube Curling Center“ (3.000 Plätze) Präzision und Tempo­ gefühl im Umgang mit den Granitsteinen gefragt ist. Während Kritiker die Turiner Spiele von 2006 noch mit dem Etikett des „Olympia der weiten Wege“ versahen, sind die kreisförmig angeordneten Sportstätten des Coastal Clusters innerhalb von wenigen Gehminuten zu erreichen. Mit dem innerhalb des Areals gelegenen „Sochi Medals Plaza“ haben die Organisatoren für die emotionalen Siegerehrungen ­zudem ein besonderes Ambiente geschaffen.

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Endurance Olympic Village

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Der Großteil der Wettbewerbe, nämlich 69 der 98 Entscheidungen, spielt sich aber in den Bergen des Kaukasus, im „Mountain Cluster“, ab. Die Biathleten und Skilang­läufer werden im „Laura Cross-Country Ski & Biathlon ­Center“ lautstark angefeuert. Im „RusSki Gorki Jumping Center“ ­jagen die Nordischen Kombinierer und die Skispringer nach ­großen Weiten. Wie auch das „Rosa Khutor Alpine Center“, wo die Ski-Alpin-Wettbewerbe ausgetragen werden, haben diese imposanten Arenen ein Fassungsvermögen von 7.500 Zuschauern. Ein Magnet für zahlreiche jugendliche Fans ist der „Rosa Khutor Extreme Park“, in dem die Trendsportarten Snowboard und Freestyle Skiing beherbergt sind. In rasantem Tempo stürzen sich die Bob- und Skeletonfahrer sowie die Rennrodler durch den Eiskanal des „Sliding Center Sanki“. Um den Sportlern nicht unverhältnismäßig hohe Transportbelastungen zumuten zu müssen, gibt es konsequenterweise erneut mehrere Olympische Dörfer. Zwar ist der Großteil der Athleten, Trainer und Offiziellen im Olympic Park ­(„Coastal Olympic Village“) untergebracht, aber zusätzlich wurden in den Bergen zwei weitere Dörfer errichtet, das ­„Mountain Olympic Village“ und das „Endurance Olympic Village“. ­Manche Beobachter kritisieren, dass durch diese Aufteilung der Sportler ein wichtiger Aspekt der Olympischen Idee – nämlich der sportartenübergreifende und internationale Austausch einer großen „olympischen Familie“ – nur bedingt zum Tragen kommen kann. Die riesigen Dimensionen, die mittlerweile auch Olympische Winterspiele angenommen haben, stellen für die kleinen Wintersportorte in den Bergen eine große Herausforderung dar, der auch schon Turin und Vancouver mit der Einrichtung mehrerer Olympischen Dörfer Rechnung trugen. Übrigens: Ganz in der Nähe der beiden „olympischen Bergdörfer“ der Spiele von Sotschi, nämlich in Krasnaja ­Poljana, befindet sich das Deutsche Haus, gleichsam die repräsentative Anlaufstelle der Deutschen Olympiamannschaft und für Vertreter aus Politik, Wirtschaft sowie der ­Medien. Genau dort werden während der Spiele natürlich viele ­Daumen für die Athleten in Schwarz-Rot-Gold gedrückt. Dem schließen wir uns gerne an und wünschen: Viel Erfolg bei den XXII. Olympischen Winterspielen in Sotschi!


Faszination

OLYMPIA

FÜNF RINGE–EINE IDEE

Eine Poster-Präsentation der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) Das Vorbild

Die Idee Die Idee unseres modernen Großsportfestes bezieht sich auf ein historisches Vorbild: Die Olympischen Spiele im antiken Griechenland. So übernahm der französische Baron Pierre de Coubertin, der sich erstmals 1892 öffentlich für ihre Erneuerung aussprach, den klangvollen Namen und den klassischen Vier-Jahres-Rhythmus. Entscheidend aber sind die Unterschiede. Die Spiele in Olympia gewannen ihre Bedeutung aus dem Kult. Ihr Austragungsort war Olympia, das wichtigste Heiligtum des Zeus, unter dessen Schutz sie auch standen. Dies garantierte über fast 1200 Jahre ihre weitgehend unbehelligte Durchführung, führte aber auch zu ihrem Niedergang. Im Jahr 394 n. Chr. verbot der römische Kaiser Theodosius unter Berufung auf die christliche Ethik jeden heidnischen Götterkult.

Der Sport »Nicht einfache Championate« hatte Pierre de Coubertin im Sinn, sondern »Feste des menschlichen Frühlings«. So sollte die »Jugend der Welt« eine internationale Plattform für großen Sport erhalten, aber auch zu einer harmonischen Bildung von Körper und Geist motiviert werden. In diesem Sinne will die Olympische Bewegung einen Beitrag zu einer friedlichen und besseren Welt leisten. Die Spiele sollen die Menschen über alle Grenzen hinweg im Geiste von Fairness und Respekt zusammenführen. Eine faszinierende Idee, wenn auch von Kritikern zur Utopie erklärt.

Die Athleten Im Mittelpunkt der Olympischen Spiele steht der Sport, der Wettstreit der Athletinnen und Athleten, die von ihren Nationalen Olympischen Komitees nominiert werden. Das Programm umfasst im Sommer mindestens 25, im Winter sieben Sport­ arten. Über Teilnahmebedingungen und Regeln entscheiden die jeweiligen Fachverbände. Fünf Sportarten – Fechten, Leichtathletik, Radsport, Schwimmen und Turnen – gehören seit 1896 zum Programm. Der älteste olympische Wintersport ist der erstmals 1908 aus­ getragene Eiskunstlauf.

Zerreißproben

Sie sind die Hauptdarsteller der Olympischen Spiele: Die Athletinnen und Athleten. Im Zeichen der Ringe treffen sich die Besten der Welt, um einen der begehrtesten Titel des Sports zu erringen. Auch ansonsten hoch bezahlte Profis wie die US-Basketballer, die 1992 als »Dream Team« antraten (links), unterwerfen sich den olympischen Regeln, die etwa einen Verzicht auf jedwede Werbung vorsehen. Für sie wie für alle gilt das Versprechen, fair zu sein und auf Doping zu verzichten. Geldprämien werden bei den Spielen nicht ausbezahlt, doch oft lässt sich olympisches Gold hochkarätig »versilbern«.

Respekt auch für den Letzten: In Nagano gratulierte der Norweger Bjørn Dæhlie nach seinem Sieg dem Kenianer Philip Boit. Dieser hatte als erster Schwarzafrikaner an einem olympischen Wettbewerb im Skilanglauf teilgenommen. Sein kurz darauf geborener Sohn erhielt den Vornamen »Daehlie«.

Eine antike Siegerliste datiert den Beginn der Spiele auf das Jahr 776 v. Chr. Ursprünglich bestanden sie nur aus einem einzigen Wett­ kampf: Einem Lauf über ein »Stadion«, in Olympia 192,28 Meter lang. Im Laufe der Zeit kamen weitere »athletische« sowie »hippische« Disziplinen, also Pferde­ und Wagenrennen, hinzu. So wuchs die Dauer der Spiele auf fünf bis sechs Tage.

Nicht nur als Erneuerer der Spiele, auch als »Erfinder« der Idee wird Pierre de Coubertin (1863 – 1937) gewürdigt. Sein Konzept eines universalen Sportfestes mit einem hohen erzieherischen und kulturellen Anspruch setzte sich trotz mancher Widrigkeiten und Anfechtungen durch und erhob die Olympischen Spiele zu einem bedeutenden Kulturgut unserer Zeit.

Olympia war Männersache. Ein Lauf der Frauen (unten) hatte rein kultischen Charakter. Sofern sie verheiratet waren, durften sie nicht einmal zuschauen. Da nur der Sieger ermittelt und ausgezeichnet wurde, kämpfte man nicht nur beim Pankration, einem brutalen Zweikampf (oben), mit harten Bandagen. Die Athleten starteten nackt. Kraft sollte ihnen eine »Schutzschicht« aus Öl und Staub verleihen, die nach dem Wettkampf mit einem Schaber (strigilis) entfernt wurde, wie eine italienische Olympiabriefmarke von 1960 darstellt.

Von den Völkern zu

verlangen, sich gegenseitig zu lieben, ist eine Art Kinderei, sie aufzufordern, sich zu achten, ist keine Utopie, aber um sich zu achten, muss man sich zunächst kennenlernen.

Der olympische Neustart erfolgte 1896 in Athen. Eine Reminiszenz an das antike Vorbild. Dank der Spende eines großzügigen Mäzens konnte das antike Stadion zumindest provisorisch hergerichtet werden. Dort empfingen 70000 Zuschauer ihren Helden der Spiele, Spiridon Louis (unten), als Sieger des Marathonlaufs.

Aktuelle olympische Sportarten London 2012 Badminton Basketball Bogenschießen Boxen Fechten Fußball Gewichtheben Handball Hockey Judo Kanusport Leichtathletik Moderner Fünfkampf Radsport Reiten Ringen Rudern Schießen Schwimmsport Segeln Taekwondo Tennis Tischtennis Triathlon Turnen Volleyball

Pierre de Coubertin (1896)

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wurde am 23. Juni 1894 bei einem Kongress in der Pariser Sorbonne gegründet. Zum Präsidenten wurde der Grieche Dimitrios Vikelas (Mitte) gewählt. Coubertin (links sitzend), zunächst Generalsekretär, übernahm das Amt zwei Jahre später. Stehend links: Dr. Willibald Gebhardt. Der Berliner Chemiker war der Vorkämpfer der Olympischen Bewegung in Deutschland.

Leistungsexplosion dank moderner Technik: Während Jamaikas Wunderläufer Usain Bolt (unten) auf Kunststoff sprintet, gruben sich seine Vorgänger 1936 noch mit einer Schaufel (links) Startlöcher in die Aschenbahn. Elektronische Zeitmessung und haarscharfe Zielfotos lösten die Stoppuhr und eine antiquierte Zielkamera ab.

Der schnellste Mann der Welt und der überragende Weitspringer: Mit vier Goldmedaillen widerlegte der USAmerikaner Jesse Owens 1936 in Berlin eindrucksvoll die nationalsozialistische Ideologie einer Überlegenheit der »arischen« Rasse.

Der »fliegende Finne« Paavo Nurmi wurde zwischen 1920 und 1928 neunmal Olympiasieger. Seinen eleganten Laufstil hält eine Bronze der Berliner Bildhauerin Renée Sintenis fest. Denkwürdig auch der Äthiopier Abebe Bikila. Er wiederholte 1964 seinen Sieg im Marathonlauf – mit Schuhen. Vier Jahre zuvor war er die 42,195 km noch barfuss gelaufen.

Sotschi 2014

Vasenbilder und Statuen zeigen Wettkampfszenen und Athleten. Berühmt und vielfach nachgebildet: Der Diskobol des Myron (links). Auch Sportgeräte, wie obiger Diskus, sind erhalten geblieben. Beim Weitsprung kamen Hanteln (»Halteren«) zum Einsatz. Sie belegen – als Rudiment von Schild und Speer – den kriegerischen Ursprung des griechischen Sports. Diesen dokumentieren auch andere Disziplinen wie Speerwurf, Waffenlauf, Ringen und Faust­ kampf oder die Pferde­ und Wagenrennen.

Die Griechenbegeisterung im 19. Jahrhundert weckte insbeson­ dere in Deutschland neues Inter­ esse an Olympia und seinen Spielen. Ein 1852 in Berlin gehaltener Vortrag von Professor Ernst Curtius (rechts) ebnete den Weg zu ersten Grabungen im antiken Heiligtum (1875­1881). Bis heute sind deutsche Archäologen vor Ort um neue Erkenntnisse bemüht.

Eine kleine Zeitreise durch das olympische Programm: Einarmige Hantelübungen gehörten 1904 zum Mehrkampf der Gewichtheber. Wer die originellsten Kunststücke zeigte, bekam die Höchstpunktzahl. Darunter: Beim Tauziehen 1912 waren starke Männer gefragt, beim Tauhangeln 1896 flinke Turner. Daneben: Motorbootrennen waren 1900 »olympisch«, während Polo letztmals 1936 auf dem Berliner Maifeld ausgetragen wurde.

Nicht einmal zwei Jahre Vorlauf, kaum konkrete Vorgaben, kein großes Budget – trotzdem wurde die Premiere ein Erfolg. Etwa 250 – ausschließlich männliche – Aktive aus 14 Ländern lieferten spannende Wettkämpfe. Publikum und König waren begeistert. Die Kreativität der Organisatoren belegen das Cover des Offiziellen Berichts (links), Emblem und Medaillen (oben). Letztere waren aus Silber oder Bronze. Eine besonders geniale Idee: Sonderbriefmarken (ganz oben) trugen zur Finanzierung bei.

Als Reminiszenz verlegten die Organisatoren der Athener Spiele von 2004 die Wettbewerbe im Kugelstoßen ins Stadion von Olympia. Dabei ging es nicht al­ lein um einen Kranz vom heiligen Ölbaum wie in der Antike, sondern um Medaillen. Die Rückseite der Olympiamedaille von 1928 bis 1968 zeigte das Bild des legen­ dären Faustkämpfers Diagoras von Rhodos auf den Schultern seiner ebenfalls erfolg­ reichen Söhne.

Biathlon Bobsport Curling Eishockey Eiskunstlauf Eisschnelllauf Freestyle Nordische Kombination Rennrodeln Shorttrack Skeleton Ski-Alpin Skilanglauf Skispringen Snowboard

Wintersport auf Schnee und Eis stellt hohe Anforderungen an Mensch und Natur. Seit 1936 zählen alpine Disziplinen zum Programm. Der Deutsche Franz Pfnür (Mitte) gewann im Stemmpflug die Kombination aus Abfahrt und Slalom. In ganz anderem Tempo ist Viktoria Rebensburg (rechts), Olympiasiegerin von 2010 im Riesenslalom, unterwegs. Da der Eiskunstlauf inzwischen in der Halle stattfindet, werden Preisrichter auch nicht mehr eingeschneit. Und statt eines »Bauchladens« haben sie längst einen Computer vor sich.

Besonders großen Widerstand erfuhr Coubertins Projekt in Deutschland. Hier beharrte die Deutsche Turnerschaft auf ihrer nationalen Form der Leibesübungen. Trotzdem gelang es Dr. Willibald Gebhardt für die Spiele von 1896 eine deutsche »Achtungsvertretung« auf die Beine zu stellen. Besonders erfolgreich – und vielseitig - war der Berliner Turner Carl Schuhmann. Er siegte im Pferdsprung (oben), mit der Barren- und Reckmannschaft sowie im »griechisch-römischen« Ringen. Im beidarmigen Gewichtheben wurde er Dritter.

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Die große öffentliche Aufmerksamkeit prädestiniert die Spiele als Vehikel politischer oder ökonomischer Interessen. Deshalb ist jede Art von Werbung oder Propaganda im olympischen Umfeld untersagt. Gegen diesen Grundsatz verstießen die amerikanischen Leichtathleten Tommie Smith (links) und John Carlos 1968 in Mexico City. Nachdem sie Gold und Bronze über 200 Meter gewonnen hatten, nutzten sie die Siegerehrung, um im Zeichen von »Black Power« gegen die Rassendiskriminierung in den USA zu demonstrieren. Mit einer vorzeitigen Abreise kamen sie einem Ausschluss durch ihre Teamleitung zuvor.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich die Olympischen Spiele immer mehr zu einem »Wettkampf der Systeme«. Sportpolitische Verwerfungen erwuchsen nicht zuletzt aus der Konkurrenz der beiden deutschen Staaten. Das vom IOC verordnete Experiment »gesamtdeutscher« Mannschaften (links) galt spätestens 1964 als gescheitert. Fortan traten zwei Teams an. Im legendären 4 x 100-Meter-Finale von 1972 in München (rechts) sicherte Schlussläuferin Heide Rosendahl den Sieg für die Bundesrepublik vor Renate Stecher, die zuvor über 100 und 200 Meter Gold für die DDR gewonnen hatte.

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Die Supermächte USA und UdSSR trugen ihren Wettstreit nicht zuletzt auch auf olympischer Bühne aus. Kurz nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan rief US-Präsident Carter zum Boykott der Spiele von 1980 in Moskau auf. Auf Anordnung des Kreml blieb mit Ausnahme Rumäniens der gesamte »Ostblock« den Spielen in Los Angeles fern. Foto oben: Einmarsch des kleinen afghanischen Teams in Moskau. Rechts: In Los Angeles präsentierte sich die Volksrepublik China, die ihren ersten Olympiasieger im Schießsport feierte, als neue olympische Großmacht.

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1896 1900 1904 1906 1908 1912 1920 1924 1928 1932 1936 1948 1952 1956 1960 1964 1968 1972 1976 1980 1984 1988 1992 1996 2000 2004 2008 2012 1994 1998 2002 2006 2010 2014

Tragische Helden: Halb bewusstlos erreichte der Italiener Dorando Pietri 1908 das Ziel des Marathonlaufs. Da ihm übereifrige Kampfrichter auf den letzten Metern »unter die Arme gegriffen« hatten, wurde er disqualifiziert. Der Indianer Jim Thorpe (rechts) wurde 1912 vom schwedischen König als »größter Athlet der Welt« bezeichnet. Im folgenden Jahr musste der Olympiasieger im Fünf- und Zehnkampf seine Goldmedaillen zurückgeben, als bekannt wurde, dass er für wenige Dollar Baseball gespielt hatte.

Aerodynamische Helme, windschlüpfrige Ganzkörpertrikots, ultraleichte Rennmaschinen mit Rahmen aus Kohlefaser und Laufräder ohne Speichen: Wie Außerirdische fuhren die deutschen Bahnradsportler im Vierer 2000 in Sydney zu Gold. Dagegen erinnern Frankreichs Paul Masson und Léon Flameng an Radwanderer vergangener Zeiten. Gleichwohl wurden sie 1896 in Athen Olympiasieger.

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Unvergessene Sieger: Der Kubaner Teófilo Stevenson dominierte bei drei Spielen im Schwergewicht. 1972 boxte er gegen den Mülheimer Peter Hussing (rechts). Mit legendären 8,90 Meter katapultierte sich Bob Beamon (unten links) 1968 in Mexiko-Stadt in die Annalen. Sein amerikanischer Landsmann Carl Lewis gewann – ebenfalls im Weitsprung sowie im Sprint – zwischen 1984 und 1996 neunmal Gold. Der tschechische Langstreckenläufer Emil Zátopek war 1952 in Helsinki dreimal ganz vorn, wie auch ein Olympiafilmplakat dokumentiert.

»Berlin ’36«: In einem Kinofilm von 2009 wird die Geschichte der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann (unten) erzählt. Obwohl sie vier Wochen vor den Spielen mit 1,60 m den Landesrekord eingestellt hatte, wurde sie nicht für die deutsche Mannschaft nominiert.

rot = Sommerspiele blau = Winterspiele

Entwicklung der Medaillenwettbewerbe

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Längst zählt Deutschland zu den erfolgreichsten und aktivsten »olympischen Nationen«. Hier der Einmarsch der Mannschaft 2008 in Peking. Flaggenträger war der Basketballprofi Dirk Nowitzki.

Eine Symbiose von Mensch und Tier: Trotz einer schmerzhaften Muskelverletzung wurde der Warendorfer Springreiter Hans Günter Winkler 1956 von seiner »Halla« zum Olympiasieg getragen.

Der Transport des Olympischen Feuers nach Peking veranlasste viele Kritiker der chinesischen Politik zu öffentlichkeitswirksamen Protesten gegen die Verletzung der Menschenrechte. 2006 (links) und 2010 wurde die Flamme von Globalisierungsgegnern attackiert.

Die Olympischen Spiele von 1936, fünf Jahre zuvor an Berlin vergeben, standen im Schatten des Hakenkreuzes. Hinter der prächtigen Fassade errichtete das NS-Regime Konzentrationslager und begann mit den Vorbereitungen auf einen neuen Weltkrieg. Internationale Proteste und Boykottaufrufe (rechts eine Collage von John Heartfield) blieben letztlich wirkungslos.

Olympischer Rekord: 2004 waren es schon sechs, vier Jahre später sogar acht – mit 14 Goldmedaillen ist US-Schwimmer Michael Phelps (rechts) der mit Abstand erfolgreichste Olympionike. Großartige Schwimmer waren auch seine Landsleute Johnny Weissmuller und Mark Spitz. Der Eine siegte 1924 und 1928 insgesamt fünfmal und wurde später als »Tarzan« berühmt, der Andere gewann 1972 in München siebenmal Gold. Sieben Jahre unbesiegt und vierfach vergoldet: der Thüringer Rückenspezialist Roland Matthes (v.l.n.r.).

Mit dem Norweger Thorleif Haug (links) – er gewann 1924 dreimal Gold – beginnt die Ahnenreihe olympischer »Ski-Könige«. Rennrodler Georg »Schorsch« Hackl (Mitte) stand zwischen 1988 und 2002 bei fünf Winterspielen auf dem Treppchen – und zwar dreimal ganz oben. Einmal mehr schaffte das Bobpilot André Lange (rechtes Foto ganz links), der 2010 mit dem Vierer außerdem Silber gewann.

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12 Poster im A1-Format thematisieren unterschiedliche Aspekte der olympischen Geschichte und Gegenwart in Text und Bild. Zum Beispiel: »Das Vorbild«, »Die Idee«, »Die Spiele«, »Die Kultur« oder »Zerreißproben«, »Herausforderungen« und »Tendenzen«. Diese anspruchsvolle und vielfach nutzbare Edition kann bei der DOA bestellt werden: www.doa-info.de

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Eine Zäsur stellt der Anschlag eines palästinensischen Terrorkommandos während der Spiele in München dar. Im Namen der Organisation »Schwarzer September« waren acht Schwerbewaffnete ins Olympische Dorf eingedrungen, um Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln zu nehmen. Der Ringertrainer Moshe Weinberg und der Gewichtheber Yossef Romano wurden erschossen. Im Zuge einer Befreiungsaktion auf dem Fliegerhorst von Fürstenfeldbruck kamen alle neun Geiseln, fünf Terroristen und ein Polizist ums Leben. Trotzdem verkündete IOC-Präsident Avery Brundage: »The Games must go on!«

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